Eilfter Jahrgang. Sonntags-Beiblatt Augslmrger Pojheitung. 23. Februar ^ 8. 1851. Dieses Blatt erscheint regelmäßig alle Sonntage» Der halbjährige Abonnementsvret« Äv kr., wofür es durch alle königl. bayer. Postämter und alle Buchhandlungen bezogen werden kann. Aus dem Leben des ersten deutschen Redemptoristen. *) Den Söhnen deS heiligen AlphonS von Liguori scheint sich gegenwärtig ein immer ausgedehnteres Feld der Thätigkeit in Deutschland eröffnen zu wollen. Noch vor wenigen Jahren nur auf Oesterreich und Altbayern allein beschränkt, sind sie nach den Stürmen des Jahres 1843 von dem Herrn, der mit allmächtiger Hand die Ereignisse lenkt und der Bosheit Plane zu nichte macht, mit den vielgeprüften Vätern der Gesellschaft Jesu in weitere Kreise des deutschen Vaterlandes hinauSgesendet worden, als Herolde der unendlichen Langmuth und Erbarmung GotteS, um dem Elende zu steuern, daS im Gefolge der Lostrennung von dem Herrn, und des frevelhaften Hohnes gegen alles Göttliche und Heilige über unsere Gauen hereingebrochen, um den wahren Gottes- und Menschenfrieden wieder zurückzubringen, der seit lange von unS gewichen. In Preußen und Württemberg, in Baden und Nassau sehen wir schon seit mehr als Jahresfrist die PP. Redemptoristen als Missionäre auftreten, und damit ihr Wirken nicht bloß ein vorübergehendes sey, werden ihnen an mehreren Orten Wohnsitze bereitet, wo sie sich niederlassen, und von wo aus sie — wenn der liebe Gott seinen Segen dazu schenkt, um den wir demüthig bitten wollen — eine bleibende segenvolle Thätigkeit entfalten können. In Coblenz besteht bereits seit nahezu zwei Jahren eine kleine Ansiedlung derselben; in der Diöcese Limburg sind gleichfalls schon einige eingeführt an dem Wallfahrtsorte Bornhofen, und in der Rottenburger Diöcese wird die Errichtung eines RedemptoristenhauseS auf dem Schöneberg eifrigst betrieben. Bei diesen Verhältnissen dürfte eö wohl den Lesern dieser Blätter nicht uninteressant seyn, mit dem Leben desjenigen ManneS bekannt zu werden, der als der erste Deutsche in die Congregation des allerheiligsten Erlösers noch zu Lebzeiten ihres heiligen Stifters aufgenommen, diese Congregation in sein Vaterland verpflanzt hat, dem wir also in gewisser Beziehung den Segen zu dcinken haben, der unS jetzt durch jene Priester zufließt. Dieser Mann ist Clemens Maria Hofsbauer. Sein Leben ist, auch abgesehen von dem oben berührten Umstände, von großem Interesse; es ist das Leben eines wahren Priesters, eines vollendeten Jüngers des Herrn, reich an erhebenden, belehrenden und erbauenden Momenten für Jeden, insbesondere aber für den Geistlichen. Johann Clemens Maria Hoffbauer wurde am Feste des heiligen StephanuS, den 26. December 1751 zu Taßwitz in Mähren geboren. Seine Eltern waren arme '1 Katholik. . ") Wir lege» bei der folgenden Skizze das Schriftchen von vr. Friedrich Pösl: Clemens Mari» Hcffbauer, der erste deutsche Redemptorist, in seinem Leben und Wirken. Rcgensburg 18-t4, zu Grund, Auch die histor. polit, Blätter haben vor einiger Zeit auf diesen ehrwürdigen Diener Gottes die Aufmerksamkeit gelenkt. , 58 Landleute, die aber einen reichen Schatz der Gottseligkeit besaßen, und den Knaben von der Wiege an zur Frömmigkeit anleiteten. Hatte das siebenjährige Kind die Woche recht gut zugebracht, so durfte eS zum Lohne dafür am Samstage zu Ehren der allerseligsten Jungfrau Maria fasten, und die wenigen Kreuzer, die eS statt seines Frühstückes von der Mutter erhielt, den Armen austheilen. Als Clemens in früher Jugend noch seinen Vater verlor, führte ihn die Mutter zu dem Bilde des Gekreuzig, ten mit den Worten: „Siehe dieser ist von nun an dein Vater; gib Acht, daß du auf dem Wege wandelst, der ihm wohlgefällig ist." Clemens wuchs in wahrer Gottesfurcht heran ; sein sehnlichster Wunsch war stet's, studiren und Priester werden zu können; bei der Armuth seiner Mutter waren indessen die Aussichten für ihn trübe. Und hier ist es in der That bemerkenswerth, auf welchen Wegen die Vorsehung den Mann, den sie zu einem auserlesenen Werkzeuge in ihrem Dienste bestimmt hatte, lange hindurch führte, und zu seinem erhabenen Berufe heranbildete. Mit fünfzehn Jahren ging Clemens, weil ihm die Mittel zur Erreichung seines Herzenswunsches gänzlich mangelten, nach Znaim, einem Städtchen in Mähren, erlernte hier daS Bäckerhandwerk und arbeitete dann eine Zeitlang als Bäcker in der Prämonstratenser-Abtei Brück bei Znaim. Bald jedoch entdeckte er hier dem Prälaten sein Verlangen zu studiren; dieser prüfte seine Fähigkeiten und ließ ihn darauf die unteren Classen der Klosterschule besuchen. In wenigen Jahren machte Clemens treffliche Fortschritte; seine innige Sehnsucht aber sich vollkommener und ungetheilter Gott weihen zu können, zog ihn mächtig hinaus in die Einsamkeit. Er wollte Einstedler werden. Rasch hatte er sich eine Stätte hierzu ausersehen, eine Wohnung errichtet. Der Ruf seines tugendhaften Lebens zog bald das Volk der Umgegend zu ihm hin; mit Freude und heiligem Eifer ergriff der gottinnige Jüngling diese Gelegenheit, Alle, die da kamen, zum Gebete und zur Liebe Jesu Christi anzufeuern. Kaum aber hatte er zwei Jahre zur Erbauung Vieler in dieser Weise zugebracht, so führte ihn der Herr, dessen Absichten andere waren, auch von hier wieder hinweg. Das Institut der Einsiedler wurde nämlich durch Kaiser Joseph II. aufgehoben; Hoffbauer verließ seinen seitherigen Aufenthalt und begab sich nach Wien. Hier ernährte er sich durch daS Handwerk, das er erlernt; doch sein Herz fand keine Ruhe in solcher Beschäftigung; eine Pilgerfahrt nach Rom, die er bald darauf mit einem Freunde, Kunzmann, der gleichfalls Bäcker war, unternahm, nährte nur die Begierde in seinem Innern, sein Leben ganz dem Dienste Gottes zu opfern. Gestärkt, aber noch ohne Licht über seine Zukunft kehrte er nach Wien zurück. Eine vortheilhafte Verbindung, welche ihm hier angeboten wurde, schlug Hoffbauer aus. Das Getümmel der Welt ward ihm, der auf den Pfaden des innern Lebens immer voranschritt, mit jedem Tage mehr zum Ueberdruß, und so wanderte er nach kurzer Zeit mit dem genannten Kunzmann zum andern Male nach Rom, den Weg kürzend durch Gebet und heilige Gesänge; dort wollte er zunächst die Einsamkeit wieder aufsuchen, deren Glück er früher genossen. Nachdem unsere beiden Pilger die Gräber der heiligen Apostel besucht, wandten sie ihre Schritte gen Tivoli, wo sie von dem ehrwürdigen Cardinalbischofe Gregor Barnabas Chiatamonti, dem nachmaligen Papste Pius VII., auf ihr dringendes'Bitten die Erlaubniß sich in seiner Diöcese niederzulassen und das Eremitenkleid erhielten. In einem Walde bei Tivoli, wo sich bereits vier andere Eremiten aufhielten, gab sich nun Hoffbauer mit aller Kraft seines gottliebenden Gemüthes lediglich den Uebungen der Frömmigkeit hin, in unablässigem Gebete und unter vielfachen Ab- tödtungen zum Herrn flehend, daß er ihn über seinen Beruf erleuchten und nach seinem heiligsten Willen führen möge. Gott erhörte das Gebet seines Dieners und ließ ihn klar erkennen, daß er ihm im Priesterstande dienen, und für daS Heil Vieler wirken sollte. Der Stimme GotteS unbedingt folgend verließ Hoffbauer die Einsiedelei, die er ein halbes Jahr bewohnt, und kehrte nach Wien zurück, um seine früher begon- neuen Studien wieder aufzunehmen und zu vollenden. Mittel hierzu hatte er heute so wenig wie damals, doch er ging im unerschütterlichen Vertrauen auf Den, der ihn 59 berufen. In der That ließ ihn der Herr in Wien bald eine fromme Wittwe finden, die sowohl für seinen Lebensunterbalt, als für alle Bedürfnisse zu seinen Studien sorgte. In Jahren bereits vorgerückt, widmete sich Hoffbauer nun mit unermüdlichem Fleiße ven Wissenschaften, ohne deßwegen von dem Gebete abzulassen. Er hatte die Quelle aller Weisheit und aller Wissenschaft längst schon kennen gelernt; dieser Quelle, unserm Heilande JesuS Christus suchte er sich immer mehr zu nähern, auf daß von hier aus Segen und befruchtende Kraft ausströme in seine Studien. Alle Sonntage sah man ihn während des ganzen Vormittagsgottesdiensteö in der St. Sal- vatorkirche ministriren. In den Ferien zog er meist zu Fuß unter harten Entbehrungen über die Alpen, um Rom und seine ihm so lieb gewordene Einsiedelei zu Tivoli wieder zu besuchen. Wie Hoffbauer überhaupt mit ganzer Seele der Kirche ergeben war, so waren auch in seinen Studien ihre Lehren allein ihm Richtschnur und er ließ sich nicht irre leiten durch den Geist der falschen Aufklärung, welcher damals in die Wissenschaft und ihre Diener hineingefahren war. Beweis hiefür möge folgender charakteristische Zug seyn. Einst trug ein Professor Sätze vor, die gegen die katholische Lehre verstießen; alsbald erhob sich Hoffbauer und sprach mit apostolischem Freimuthe: .Was Sie so eben gelehrt haben, Herr Professor, ist nicht katholisch!" und verließ sogleia> den Hörsaal. Viele Jahre nachher, da Hoffbauer schon lange Priester war, begegnete ihm einstens ein alter Herr, der ihn eine Zeitlang firirte und endlich die Frage an ihn stellte, ob er nicht als Student einmal die eben erwähnten Worte einem Professor gesagt. Auf die bejahende Antwort sagte der Herr: Dieser Professor bin ich; ich danke Ihnen für jene Zurechtweisung, die für mich zwar beschämend, aber heilsam war; ich dachte darüber nach, fand, daß sie Recht hätten und kehrte in mich. Nach Vollendung seiner philosophischen Studien betete Hoffbauer mit neuer Inbrunst zu Gott um Erleuchtung über seinen Beruf. Er stand, ohne es noch zu ahnen, nunmehr endlich nach langem Streben und Ringen dem Ziele nahe, welches » erreichen, dem Port, wo seine Seele Ruhe finden sollte. Noch ein Schritt blieb ihm zu thun übrig, und auch zu diesem lenkte ihn jetzt der Herr. Eine innere Stimme rief ihn wieder nach Rom. In Begleitung eines andern Studenten Namens Hibel, mit welchem er schon einige Zeit enge befreundet war, trat er die Reise an; eS war im Jahre 1782 oder 1783. In der heiligen Stadt angekommen, beschlossen die Freunde am folgenden Morgen in jene Kirche zu gehen, deren Glocken sie zuerst rufen würden. Um vier Uhr Früh dem ersten Glöcklein folgend, kamen sie in eine kleine ruhige Kirche, wo eben die Priester die Morgenbetrachtnng verrichteten. Erbaut durch Alles, was er hier wahrnahm, fragte Hoffbauer einen Knaben, was denn das für Geistliche seyen? „Es sind die Priester des Nllerheiligsten Erlösers und Sie werden auch ein solcher Priester werden," war die Antwort des Knaben, die auf den Fragesteller im Zusammenhange mit allen andern Momenten einen tiefen Eindruck machte. Bald suchten die Freunde den P. Rector des Hauses auf, der sie bereitwillig über den Zweck und die Regeln des Institutes unterrichtete und ihnen dann nach kurzer Unterredung ohne alle Aufforderung die Aufnahme in die Congregation anbot. Hoffbauer fühlte die barmherzige Hand des Herrn über sich und ohne einen Augenblick zu zögern nahm er das Anerbieten an. Am andern Tage folgte sein Freund Hibel seinem Beispiele und Beide wurden nun nach Frosinone in das Noviziat geschickt. Der heilige AlphonS, der damals noch lebte, freute sich innigst über den Eintritt dieser beiden ersten Deutschen in seine Congregation und im Geiste die Zukunft ahnend oder durch höhere Erleuchtung erkennend, sagte er: Gott wird unfehlbar durch die Vermittlung jener beiden Männer seine Ehre in Deutschland ausbreiten. Daß Hoffbauer ein eifriger Novize war, bedarf wohl nach dem Bisherigen keiner besondern Erwähnung. Nachdem er diese Prüfungszeit zurückgelegt und das Studium der Theologie absolvirt hatte, wurde er endlich gemeinsam mit Hibel zum Priester geweiht; er war damals 34 Jahre alt. «v So war Hoffbauer unter schwere» Kämpfen, nach langem Sehnen reif gewor- den und tüchtig zu den apostolischen Arbeiten, für welche Gott ihn erkoren hatte; alsbald sollte er damit beginnen. Schon von dem Augenblicke seines Eintrittes in die Congregation an hatte er den lebhaften Wunsch gehegt, dieselbe später in sein Vaterland zu verpflanzen; nach seiner Weihe zum Priester steigerte sich dieser Wunsch zum sehnlichsten Verlangen. Insbesondere hatte er Wien im Auge; da wünschte er eine Niederlassung der Congregation gründen zu können. Da seine Oberen dieß Vorhaben guthießen, so reiste P. Hoffbauer, zum Superior ernannt, im Jahre 1785 mit P. Hibel nach Wien ab, um wo möglich daselbst ein HauS zu errichten. Aber die damalige Zeit war solchem Unternehmen nicht günstig; es war die unselige Zeit des Zusammensturzes, deS Niederreißens; für ein Ausbauen, namentlich auf kirchlich' religiösem Gebiete war wenig Aussicht. Die Kirche, die Braut Jesu Christi , die in dem Kreislauf der Zeiten das Leben, welches ihr himmlischer Bräutigam als das seinige ihr eingehaucht, in stetem Wechsel wiederum auszuleben hat, sie war damals bereits in jene herbe und schmerzenSvolle Passionswoche eingetreten, welche in der blutigen Verfolgung und Hinschlachtung von Hunderten ihrer treuesten Diener in Frankreich, und dann in der bittern Kränkung und der wiederholten Einkerkerung ihres sichtbaren Oberhauptes den Höhepunct finden sollte. ES war der Augenblick gekommen, wo man die Braut des Herrn ihrer Kleider zu berauben begann, um sie sofort nackt und arm dem Höhne ihrer Feinde zu überliefern. Die Einziehung der Kirchengüter hatte ihren Anfang genommen, die später mit dem großartigen Acre gewaltsamer Unterdrückung, wie K. A. Menzel die Säcularisation bezeichnet, endigen sollte. Kaiser Joseph II., ergriffen von dem Alles auflösenden und zerstörenden Geiste, dessen finsteres Wehen durch die ganze europäische Gesellschaft ging, der sich ihm aber in der Truggestalt eines Lichtengels darstellte und seine Augen blendete, hatte schon in den Jahren 1781 und 1782 alle Klöster contemplativer Orden im Umfange seiner Staaten aufgehoben und durch sein Verbiet gegen den Zusammenhang der klösterlichen Institute in Oesterreich mit ihren auswärtigen Obern den Lebensnerv unterbunden, und ein Jahr vor Ankunft des P. Hoffbauer in Wien 1784 hatte er abermals eine sehr große Zahl von Klöstern und Stiftern eingezogen. Unter solchen Umständen war Wien für jetzt kein Boden für das Wirken deS P. Hoffbauer; der Segen, welchen er bringen wollte, fand dort noch keine Stätte; er entschloß sich daher sogleich, weiter zu ziehen und zwar wollte er seine Schritte nach Warschau, der Hauptstadt Polens wenden. Noch vor seiner Abreise von Wien führte ihm die Vorsehung seinen Jugendfreund Kunzmann zu, der nach kurzer Ueber- legung als Laienbruder in die Congregation eintrat und hierauf mit unsern beiden Patres nach Warschau wanderte. Hier angelangt, eilte Hoffbauer, sich mit P. Hibel dem damaligen apostolischen Nuntius, Saluzzo, vorzustellen, um durch dessen einflußreiche Verwendung die Erlaubniß, sich hier niederlassen zu dürfen, zu erlangen. Monsignore Saluzzo, der als geborner Neapolitaner die Söhne deS heiligen Alphons mit Freude begrüßte, empfahl sie sogleich dem Könige StanislauS II. und bewirkte, daß ihnen die Kirche zum heil. Benno übergeben wurde. *) In äußerster Armuth begannen die Patres ihre Wirksamkeit zu Warschau. Mit zwei Thalern Baarschaft waren sie angekommen; die Wohnung, welche ihnen angewiesen wurde, war klein und elend; eine Kammer, von deren Wänden daö Wasser herabträufelte imv deren einzige MeubleS ein Tisch und einige Stühle waren, diente ihnen zum Aufenthalte; NachtS schliefen die Patres auf dem Tische, während Bruder Emmanuel Kunzmann auf einem Stuhle ruhete, bis ihm einer der Patreö im Laufe der Nacht seinen Platz einräumte. Wie hinsichtlich der.Wohnung, so hatten sie auch bezüglich aller andern Lebensbedürfnisse die größten Entbehrungen zu ertragen. **) ') Vou dcr Kirche wurden die Rcdcmptoristen in Warschau später Bennonitcn genannt. Im Jahre 1731 ließ ihnen Pins VII., dcr durch seinen Nuntius von ihrer Armuth und i ihrem aufopfernden Wirken hörte, aus der Casse dcr Propaganda eine jährliche Unterstützung von 100 Scudi (L40 fl.) anweisen. 61 Während aber in solcher Weise der Leib den härtesten Abtödtungen unterworfen war, nahm der Geist einen um so freieren Aufschwung und eS entfaltete sich die Liebe und der Seeleneifer unseres Hoffbauer und fand bald ein weites Feld tvr Thätigkeit. Vereint mit Hibel begann er zu predigen und sich dem Beichtstuhle zu widmen. Anfangs pflegten sie das Volk auf den öffentlichen Plätzen der Stadt um sich zu sammeln unv ihm hier Belehrungen zu ertheilen; als jedoch die Regierung dieß untersagte, zogen sie sich in ihre Kirche zurück, in welcher sie nun eine ununterbrochene Mission eröffneten. Jeden Tag hielten sie Morgens und Abends Erhortationen an das Volk; an allen Sonn- und Feiertagen predigten sie viermal, zweimal für die Polen und eben so oft für die Deutschen; später kam auch noch eine französische Predigt für die anwesenden Franzosen hinzu. Diesen Eifer, der von so aufopfernder Liebe begleitet und getragen war, segnete der Herr sichtlich. Das Volk strömte in Menge zu ihrer Kirche; vom frühen Morgen bis die Nacht hereinbrach, waren ihre Beichtstühle umlagert und schon nach wenigen Jahren ihrer Wirksamkeit zählten sie in einem Jahre 19,000 Communicanten in St. Benno. Mit diesen Arbeiten war die Liebe HoffbauerS nicht erschöpft: er suchte zu gleicher Zeit auch die verlassenen Waisenkinder auf, um sie so weit es in seinen Kräften stand zu nähren, zu Pflegen und zu unterrichten. Er führte sie in die Kirche, lehrte sie beten, fromme Lieder singen und flößte ihren jugendlichen Herzen vor Allem eine innige Liebe zu dem Heilande und zu der allerseligsten Jungfrau ein. Auch die Armen und Nothleidenden jeder Art fanden an ihm einen Vater; er ging sogar öfter für sie Almosen zu sammeln, um ihr Elend zu lindern*) und suchte so unablässig Allen Alles zu werden. So wirkte Hoffbauer in den ersten Jahren seines Aufenthaltes, verehrt und geliebt von allen Guten, verfolgt und geschmäht von den Feinden der Religion. Der letzte König von Polen schätzte ihn hoch und verlieh ihm sogar den weißen Adlerorden, den übrigens der demüthige Diener Jesu Christi sorgfältig verbarg, so daß man ihn erst nach seinem Tode unter seinen Sachen fand. Die ausgedehnten Arbeiten der beiden Patres machten einen Zuwachs an Kräften nothwendig. Acht Jahre harreten sie indessen umsonst auf eine Hilfe; dann aber traten in rascher Folge viele polnische Jünglinge in die Kongregation ein und auch die Revolution in Frankreich, welche die Seminarien auflöste, führte dem Hause zu Warschau manchen Kandidaten zu. Bald erhielt die Versammlung hier eine zweite Kirche und ein Haus, das der Erzbischof ihr einräumte. Bis 1799 war sie bereits auf 25 Mitglieder angewachsen und verbreitete nach dem zunehmenden Maaße der Kräfte immer weiterhin den reichsten Segen. Unzählige Seelen bekehrten sich zum Herrn, viele Protestanten traten zur Kirche zurück. Selbst in Curland, das zum russischen Reiche gehörte, gewannen die Priester der Kongregation das Vertrauen des Volkes in so hohem Grade, daß sogar die dortigen Protestanten Stunden weit herbeikamen und ihre Kranken und Kinder zu denselben brachten, damit sie ihnen den Segen ertheilten. P. Hoffbauer that dann öfter eine beherzigenswerthe Aeußerung. „Wenn ein Priester," sprach er, „nur die Hälfte seiner Schuldigkeit thut, so wird er vom Volke beinahe angebetet; aber," setzte er hinzu, „ich weiß nicht, ob er selig wird." Cardinal Litta, der im Jahre 1800 als apostolischer Nuntius auf einer Reise durch Warschau kam und sich daselbst einen Monat aufhielt, stellte in einem Schreiben dem Wirken der Revemptoristen unter P, Hoffbauer ein glänzendes Zeugniß aus und äußerte den Wunsch, daß auch in Deutschland bald ein HauS derselben gegründet werden möge. Hierzu schien in der That nunmehr allmälig der Augenblick heranzukommen ; wenigstens eröffneten sich einige Aussichten dafür. (Schluß folgt.) *) Einst kam er bei solcher Gelegenheit in ein Gasthaus und bat um ein Almosen für Vcrun, glückte; ein roher Mensch spie ihm im Uebcrmuthc ins Angesicht. Ruhig trocknete sich Hoffbauer ab, und sprach mit würdevoller Sanftmuth: „Das war für mich, nun geben Sie mir etwas für die Armen." Damit war der Beleidiger besiegt, er bat um Verzeihung und gab ein ansehnliches Geschenk. SS Die Steinkreuze. *) In Altbayern, in Schwaben, im Fränkischen und in der Oberpfalz findet man noch hie und da an den Straßen massive Kreuze von Stein, die man nicht zu beachten pflegt und deren Ursprung man nicht allenthalben kennt. Fragt man die Leute in den Gegenden, wo solche Kreuze sich befinden, was sie bedeuten, so erhält man gewöhnlich zur Antwort, daß sie die Stelle bezeichnen, wo die im Kampfe mit den Schweden Gefallenen zusammen begraben wurden. Dieser Meinung steht entgegen, daß derlei Kreuze Jahrhunderte vor dem^ Erscheinen der Schweden vorhanden waren, und daß man in dem Gräuel der Verwüstung wohl schwerlich an die Ausrichtung solcher nicht unkostspieligen Kreuze denken konnte, um so weniger, als die Leute damals nicht hatten, womit sie ihren Hunger stillen oder ihren Körper bedecken konnten. Andere sind der Ansicht, daß diese Kreuze denselben Ursprung unv dieselbe Bedeutung haben, wie die gewöhnlich aus Holz verfertigten, die überall, wo sich das Christenthum verbreitete, an den Wegen aufgerichtet wurden, um daS Gemüth deS Wanderers himmelwärts zu lenken. Dieser Meinung widerspricht schon die ungewöhnliche Form und Materie dieser Kreuze, und wenn Andere glauben, daß sie die Stelle bezeichnen, wo unsere Ahnen zu Gericht gesessen, so fehlt dieser Ansicht die Wahrscheinlichkeit nicht bloß, sondern auch jeglicher Beweis. Zwar ist allerdings richtig, daß häufig bet Steinen Gericht gehalten wurde, doch aber nicht bei solchen, welche Menschenhände zur Stelle schafften, sondern welche die Natur gesetzt hat. Ich konnte nur wenige Notizen über diese Kreuze auffinden, doch reichen sie hin, über Ursprung und Bedeutung die erforderlichen Aufschlüsse zu geben. Wenn in den Vorzeiten Jemand erschlagen wurde, übten die Verwandten des Getödteten entweder Blutrache an dem Mörder, woraus sich nicht selten die blutigsten Fehden zwischen den betheiligten Familien entwickelten, oder aber eS mußten die nächsten Verwandten deS Ermordeten zufrieden gestellt werden durch Entrichtung des WehrgeldeS oder durch andere Bußen, die sehr mannigfaltig waren und deren Bestimmung entweder dem öffentlichen Nichter, vor welchem Klage gestellt ward, oder einem besonders hiezu aufgestellten Schiedsgerichte überlassen wurde. Daher rühren auch die Steinkreuze, von denen hier die Rede ist, wie sich aus folgendem Falle ergibt. Im Jahre 1484 ermordeten Sigmund Golter von Hebseg und Georg Erman von Zell den ZachariaS Micko von Mittelried. Da die Kinder des Erschlagenen theilweise dem Abt von Kempten, theilweise dem Marschall Alexander von Pappenhcim leibeigen waren, so stand es diesen beiden zu, denselben Genugthuung zu verschaffen. Um Blutvergießen zu verhindern, überließen sie den Austrag der Sache einem Schiedsgerichte, und dieses setzte fest: Die Thäter sollen den Todtschlag bessern: 1) dadurch, daß sie dem Erschlagenni einen Dreißigsten durch den Pfarrer von Tanheim oder einen andern lesen, 2) ihn in der Pfarr zu Münchroth besingen und U) Messen lesen lassen. 3) daß die Thäter vier Wallfahrten machen, nämlich gen Rom, Aachen, Ein,siedeln und zum heiligen Leonhard in Jachenhofen, 4) daß sie ein Steinkrcuz, das fünf Schuh lang, drei breit und ungefährlich einen Schuh dick seyn soll, setzen, wo es die Verwandten deS Erschlagenen haben wollen. Hieraus ersehen wir deutlich sowohl Ursprung und Bedeutung, als auch die Form und Größe dieser Kreuze. Letztere war nicht immer gleich, denn in einem andern Falle wurde bestimmt, daß es sechs Schuh lang seyn, in einem dritten, daß es fünf Schuh über die Erde hervorragen soll. UebrigenS waren dieselben nicht aus mehreren Steinen zusammengesetzt, sondern aus einem Stücke gearbeitet. Daß auch im Fränkischen die Setzung von Steinkrcuzen üblich war, beweist folgender Fall: „Ich habe", heißt es in den Entleibungsaclis Fritz Nppels von Vach ') vr. Witimcmn in Rndhardts Taschenbuch für vaterländische Geschichte. 63 (gegenwärtig im Landgericht Nürnberg) vom Jahr 1523, „meinen Bruder, Fritz Appel genannt, zu Vach gesessen, derselbig hat etwan in einem Zorn einen, Fritz Kaiser genannt, auch zu Vach gesessen, entleibt, darum er denn eine Zeit zu flüchten gangen, in mittler Zeit ist ihm zu solchs Todtschlags Vertrags und Büßung von des Abgeleibten Frawen und Freundschaft und mit ihr aller Willen ein Tag, sich entlich mit ihnen deßhalb zu vertragen gen Vach angesetzt und bestimmt worden, den er dann gesucht hat und solche Sach mit beder Partien sreien guten Willen und Wissen durch sieben Mann, auf jeder Seite drei und ein Obmann, mit dem daö bereift mag werden, also und zum ersten zc. Weiter ist ihm aufgelegt worden, dem Entleibten ein Kreutz zu setzen." Auch in Altbayern war es üblich, solche Steinkreuze zu setzen, wie aus folgendem Falle sich ergibt: Hans von Torring zu Seefeld, der im Jahr 1518 seinen eigenen Knecht Christian Leitgeb todt schlug, ward von dem Herzog Wilhelm von Bayern durch Vermittlung des Kurfürsten Friedrich von Sachsen unter folgenden Bedingungen wieder zu Gnaden aufgenommen: 1) mußte er dem Erschlagenen in der Pfarr zu Nlting mehrere Gottesdienste halten, 2) eine Wallfahrt nach Aachen verrichten lassen und an dem Weg von Seefeld und Alting ein steinernes Kreuz setzen und 3) den Kindern des Erschlagenen Ivv Gulden geben. Der älteste Fall, der mir bekannt geworden, gehört dem Jahre 1473 an. Bezüglich des Steinkreuzcs ward hier festgesetzt, daß solches an die Michaelskirche zu Kaufbeuren (denn daselbst fiel der Todtschlag vor) angelehnt und darnach zum Andenken deS Erschlagenen an der Stelle, welche der Stadtrath und die Anverwandten deS Getödteten bezeichnen würden, eingegraben werden soll. Im Jahr 1596 kommt der letzte mir bekannte Fall vor, daß unter Anderem die Errichtung eines SteinkreuzeS zum Andenken eines Erschlagenen festgesetzt, gleichwohl aber auf vieles Bitten deS Betheiligten wieder erlassen wurde. Bei dem gänzlich geänderten Criminalgerichtsverfahren konnte auch in der Folge, zeit von Setzung solcher Kreuze nicht mehr die Rede seyn. N a n c y. Nancy, 3. Febr. Gestern wurde hier an die Stelle der bereits sechs Jahre ihr Amt als Generaloberin deS Ordens der barmherzigen Schwestern vom heiligen Carl Borromäus verwaltenden Schwester Ludwine die bisherige Assistentin, Schwester Mechtilde aus der angesehenen Familie de Rosieres zur Generaloberin gewählt, indem die hohe Würde nicht länger als sechs Jahre von einer Vorsteherin bekleidet werden kann. Dieses wichtige Amt von sich,abzuwenden, hatte die eben so eifrige als demüthige Schwester Mechtilde die fromme List gebraucht, in der ihr vorzüglich obliegenden Korrespondenz mit den einzelnen Häusern stetö auf die Übeln Umstände ihrer sehr erschütterten Gesundheit und daö ungünstige Prognostikon der Aerzte in Bezug auf die Dauer ihrer Lebenslage aufmerksam zu machen. Umsonst. Mit großer Majorität ward sie von den Schwestern deS Ordens, die Alle vom vierten Jahre ihrer Profession an wahlberechtigt sind, als Generaloberin gewählt. Bei der Verkündigung deS Resultats fiel sie ohnmächtig zusammen. Ihr Flehen um Abnahme der wichtigen Würde und Bürde wurde aber nicht erhört. Unter der Verwaltung der Mutter Ludwine hat der Orden in wenigen Jahren eine große Ausbreitung gewonnen. Außer dem in frischem Aufblühen begriffenen Hause in Berlin wurden allein in Preußen die Häuser zu Bonn, Andernach, Eupen, Wallerfangen, Ehrenbreitstein gegründet und die Besorgung deS Haushaltes im bischöfl. Convict zu Trier übernommen. DaS Wichtigste ist jedoch die Gründung eines deutschen Mutterhauses in Trier, welche durch die aufopfernde Fürsorge deS hochwürdigllen Herrn Bischofs in Trier bewirkt wurde. Mit sehr geringen Mitteln beginnend, erfreut sich auch dieses Haus eines ganz beson- «4 dern Segens, indem nicht nur zeitliche Mittel reichlich zugeflossen, sondern auch zahlreiche deutsche Novizen in dasselbe eingetreten und unter Leitung der wackern, früher in Berlin thätigen Vorsteherin theilweise schon zur Pflege der Kranken ausgebildet sind. Eben so ist der Orden jetzt im Begriff, ein Haus in Paris, vorzüglich zu Gunsten der in Paris sich befindenden Deutschen, deren Zahl sich beinahe aus 100,000 beläuft, zu gründen, sür welche der thätige Jesuit, Pater Chable, neulich die erste deutsche Capelle eingeweiht hat. So schlingen die religiösen Interessen auch ein nationales Band für die in der Fremde befindlichen deutschen Stammesgenossen, ähnlich wie in Nordamerika der nach allen Richtungen hin sich zersplitternde Deutsche in den Kirchen der dortigen deutschen Redemptoristen einen bessern Einheitspunct für deutsche Sprache, Gesinnung und Gesittung findet, «IS in den demokratischen Clubbö und den widerlichen Zeitungsschreibereien ihrer einst in Deutschland glorificirten Frei- heitsmänner. (D. Volkshalle.) Weingarten. Weingarten, 15. Febr. Am Sonntag den 9. d. M. hat die heil. Mission bahier ihren Anfang genommen. Von Nah und Ferne strömen die Volksmassen herbei; mit jedem Tage wächst die Zahl der Andächtigen und gestern mögen eS 10 bis 12,000 gewesen seyn. Der Seeleneifer dieser hochwürdigen Patres auS der Gesellschaft Jesu ist eben so groß als prachtvoll der Tempel. Unwillkürlich fällt mir ein, waö ich vor Jahren gelesen: „die größte Schmach unseres Heilandes besteht darin, daß er in die „„Gesellschaft Jesu"" gerathen." Mein Gott, waS hat nicht schon die neue Zeit in den Tag hinein geschrieben! Sicher war der Schreiber dieser giftigen Zeiten Mitarbeiter an dem BrockhauS'schen Conversationslericon. Kommet und sehet, höret diese ehrwürdigen Männer und ihr gehet von vannen, wenn nicht geheilt, doch beschämt. P. Schlossers Vorträge werden vom Landmann denen des P. Roder vorgezogen; aber das Geistreiche, Bündige, Gemüthvolle, das Feuer heiliger Begeisterung und die den Unglauben und das Laster niederdonnernden Vorträge deS P. Roder zünden allwärts mit jenem unwiderstehlichen Lichte der göttlichen Wahrheit! Diese Männer opfern sich im buchstäblichen Sinne dem Dienste der Wahrheit. Zeugniß von dem großen Eindruck der Reden aus dem Munde der hochwürdigen Missionäre gibt die ernste Haltung des Volkes; man sieht keine Unmäßigkeit, hört kein ungebührlich Wort, nur um das nöthigste Bedürfniß zu befriedigen, werden die Gasthäuser besucht. (D. VolkSbl.) A n s b a ch. In Ansbach wurde kürzlich die Raubmörderin Christina Hilpert hingerichtet. Ein Bericht erzählt: „Die Armesünderin hatte sowohl während der dreitägigen Gnadenfrist, als auch auf dem langen Wege zur Richtstätte und bis zum letzten Augenblicke die größte Ruhe und Standhaftigkeit gezeigt, und nach der Versicherung Aller, die ihr während dieser Zeit nahe kamen, welche Versicherung auch durch die nach der Hinrichtung von Herrn Pfarrer Rabus gehaltene vortreffliche Rede ihre Bestätigung findet, tiefe Reue und namenlosen Schmerz über die von ihr verübte Gräuelthat an den Tag gelegt. Wir wollen nur einige Worte auS dieser Rede hier wiedergeben: „Was führte diese Unglückliche an die Stätte deS Entsetzens? Die Unzucht, die Lüge, der Diebstahl. Mit Hellern hat sie als Kind ihre Eltern bestohlen, und als sie zunahm an Alter, da wuchs die Sünde mit ihr, und die Lust zu fremdem Gut bethörte ihre Seele, so daß sie sich nicht entsetzte vor Raub und Mord. Dahin führt die Lüge. Was ist der Mensch, der sich der Lüge weiht? Zuerst belügt er die Andern, dann will er Gott belügen, und zuletzt hat er nur sich selbst belogen und betrogen." Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. ^. Verlags-Jnhaber: F. C. K,tme,.