Eilfter Jahrgang. Sonntags-Beiblatt zur Angsbnrger PoHeitung. s. März s. 1851. Dieses Blatt erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der halbjährige Abonncmcntsprcis Ätt kr., w»für es durch alle königl. bayer. Postämter und alle Buchhandlungen bezogen werden kann. Mein Hort. Den Pilgcrstab ,'n rüst'ger Hand, Das Herz so leicht und ohne Sorgen, So zieh' ich ans in'ö ferne Land, Und sing' mein Lied am frühen Morgen: Maria, Du mein Schirm und Hort, Begleite Du mich fort und fort. Doch bald wird mir's im Herzen schwer, Der Weg ist weit, der Fuß schon müde, O wenn ich bald am Ziele wär'! Da bau ich denn auf Deine Güte, Und fleh' zn Dir mit Zuversicht: Verlaß den armen Pilger nicht. Und wenn ich vor des Reichen Thür Mit Thränen um ein Obdach bitte, Und harter Sinn versagt es mir, So lenk ich weiter meine Schritte. Und finde Trost im süßen Wort: Maria ist mein Schutz und Hort. Und hat der Räuber bös' und wild Mich jeder Habe baar geplündert, So sieht mein Auge hin zum Bild, Das auch den größten Kummer lindert; Ich will mit kindlichem Bertrau'n Auch serner auf Maria bau'n. Und wenn in finstrer Meeresnacht Dem Schifflein droht das Grab der Wogen, So weiß ich eine höh're Macht: Ich blicke ans zum Himmelsbogcn, Da strahlt so freundlich in der Fern Maria mir als Rettungsstcrn. Und komm' ich an am schönen Ziel, Und ist die Wanderung zu Ende Durch's trügerische Weltgewühl, Dann fält ich gläubig meine Hände Und fleh: Maria sey mein Hort Auch jetzt bei Deinem Sohne dort. Clemens Bach. -ylwzmlr^ 7>t)!iN , 'S Ans einem Briefe des Missionärs Schonat. Wir haben schon erwähnt, daß sich ans dem gescheiterten Hamburger Dampfschiff „Helena Sloman" unter den Passagieren auch der nach Cincinnati zurückkehrende Missionär Pfarrer Schonat befand. Ein Brief desselben aus Cincinnati vom 15. Jan. (abgedruckt im Schlesischen Kirchenblatt) gibt eine anschauliche Schilderung der unglücklichen Katastrophe. Wir entnehmen ihm folgendes: „Wir hatten Hamburg cun 26. October verlassen und waren in Southampton in England gelandet, von wo wir nach dreitägigem Verweilen am Feste „Allerheiligen" unsere Weiterreise fortsetzten. Nachdem wir den größten Theil unserer Seereise bereits hinter unS hatten, widerfuhr uns ein Unglück, das, wie der Capitän sich äußerte, unter tausend Fällen kaum einmal vorkommt. Wir verloren am 19. und 20. November, von einem heftigen Sturme ergriffen, den Haupttheil an einem Schiffe: das Steuerruder, ganz und gar, und durch diesen Verlust auch alle Gewalt über das Schiff... Alles, waö wir thun konnten, war, uns so viel als möglich in der Fahrlinie zu halten, um so vielleicht einem andern Schiffe zu begegnen, das unS aufnehmen und retten könnte. Anfangs trieb ein starker Südostwind uns der Insel Neuschottland entgegen, von der wir ungefähr 2vl) englische Meilen entfernt waren, als der Unfall uns betraf; viele Passagiere, welche die Gefahr nicht erkannten oder nicht bedachten, die auf's Neue für unö aus der Nähe des Landes bei heftigem Sturme entstehen mußte, weil daS Schiff an der ersten besten Küste oder an den nächsten Felsenriffen scheitern konnte, schöpften Hoffnung auf Rettung; allein der Wind wendete sich und trieb uns hinaus in das weite Meer... Am vierten Tage sahen wir ein Schiff in großer Entfernung und Alles freute sich auf Rettung; allein eS zog an unS vorüber, ohne uns vielleicht gesehen zu haben, und überließ unS unserm traurigen Zustande. Von jetzt an wurde unsere Lage immer schlimmer. Das Schiff wurde oder war früher^chon leck geworden, uud das Wasser drang stark in den untern Theil ein. Die Maschine, welche die Pumpen trieb, ging nicht mehr, und es mußte daher die ganze Mannschaft, Seeleute und Passagiere, abwechselnd Tag und Nacht an den Pumpen arbeiten. Der Capitän wurde immer ernster und nachdenkender und in seinen Mienen zeigte sich nichts mehr von der frühern Heiterkeit. Da sollte das alte Sprichwort aber wahr werden: „Wo die Noth am größten ist, ist Gott mit seiner Hilfe am nächsten" — und wo menschlicher Verstand und menschliche Macht nichts mehr vermag, da wollte Gott zeigen, daß Er allein nur noch helfen könne. Und diese Hilfe kam; freilich erst nach acht langen und bangen Tagen und Nächten, und zu einer Zeit, wo die Meisten beinahe alle Hoffnung auf Rettung aufgegeben hatten; aber sie kam mit der desto stärkeren Mahnung und Ueberzeugung für einen Jeden, daß Gott in seiner anbetungswürdigen Barmherzigkeit auch noch ein Mal Erbarmen an uns gezeigt hat. Leider schien sich die Mehrzahl der Passagiere diesen Gedanken nicht sehr zu Herzen zu nehmen; einige von ihnen (cS waren junge Deutsche, Söhne auS den sogenannten bessern Familien!) waren leichtsinnig und verwegen genug, selbst in der Stunde der Gefahr ihre sogenannte Geistcsstärke darin zu zeigen, daß sie über Religion und über das, was andern ernst und heilig ist, ihren frechen Witz auöließen. Ein solches Betragen erfüllte aber einen jeden Bessergestnnten nicht nur mit Betrübniß, sondern mit Ekel, und zeigte nur zu deutlich, wie weit eS besonders in Deutschland mit einem großen Theile der sogenannten gebildeten, bessern Classe in der gegenwärtigen Generation gekommen. Ihre Bildung und Erziehung in Haus und Schule mag Alles gewesen seyn, nur keine christliche! Wenn Deutschlands Heil und Wohl von solchen Menschen und ihren Lehrmeistern abhängt, so muß man wohl an seinem Heile verzweifeln. Katholiken waren auf dem Schiffe nur wenige. Unter den Passagieren der ersten Classe war nur eine Familie. Die Mutter dieser Familie, eine brave, rechtschaffene und fromme alte Dame, trat eines Tages zu mir und sagte in ihrer Einfachheit laut, daß eS alle Umstehenden wohl hören konnten: H. P. S., ich habe in der letzten Nacht die Gottesmutter so inständig gebeten, » 67 .ititt»tvijtMi^5U» »ttHHtpsH tt->Kit!» .H'Zch.twHsÄ. ^«u^ - ^ daß sie nnS Hilfe schaffen soll, und ich glaube doch, sie wird eS thun." „Das ist eS auch, worauf ich hoffe," gab ich ihr zur Autwort, „und ich habe daS feste Vertrauen, daß nur durch ihre Macht und Fürbitte uuö noch Hilfe werden kann." Von mir selbst aber darf ich wohl sagen, daß der Name Mariens nie ans meinen Gedanken, und der wunderschöne Hymnus: ,,^ve maris stelle" Tag und Nacht nicht vou meinen Lippen kam, fest vertrauend, daß sie den Worten Gehör geben werde, die da nnter andern heißen: „monstra, tv osse malrem",.... „iter tutum" n. — Und um was wir durch sie, die Mutter der Barmherzigkeit, die Mutter der heiligen Hoffnung und der schönen Liebe, den hilfestrahlenden Stern deS McereS zu Gott gefleht, wurde unS zu Theil. Am 28. November sahen wir bei Tagesanbruch ein anderes Schiff in unserer Nähe. Nachdem wir die Nothflaggen aufgezogen und demselben zu verstehen gegeben hatten, daß wir in großer Noth und Gefahr seyen, kam es mit vollen Segeln auf uns zu, und war auf der Stelle bereit, uns aufzunehmen. Es war das amerikanische Packet-Schiff „Devonshire", unter Capitän Hovey. Die Rettung ging aber leider nicht ohne Verlust von Menschenleben vor sich. Neuu Personen kamen dabei um uud fanden in den Wellen ihr Grab: Die See war sehr unruhig, die beiden großen Schiffe konnten sich nicht nahe kommen, und wir mußten auf den kleinen Booten von einem Schiffe zum andern gebracht werden. Dieß nahm den ganzen Tag in Anspruch. Eines von diesen Booten schlug um, und 4 Matrosen und 5 Passagiere ertranken. Es war dasselbe Boot, auf dem ich selbst und Hr. Richter auS Breslau auf der vorhergehenden Fahrt gerettet waren. Der Anblick der auf den Wellen mit dem Tode Ringenden war ein schmerzlicher. ES war ein großes Gluck, daß wir den ganzen Tag Zeit zur Rettung hatten; wäre die Nacht hereinbrechen, bevor Alle gerettet gewesen wären, so hätte es ohne Zweifel noch mehr Unglück gegeben. Die Uebcrsiedelung von einem Schisse aufS andere war sehr schwierig. Die Personen mußten an Seilen heruntergelassen und eben so wieder hinausgezogen werden. Die See, vom Sturm und Regen gepeitscht, theilte sich vor den Fahrenden bald wie tieft Schluchten, in welche die Kähne hineinfuhren, bald bäumten sich ihre Wellen wieder aus, wie schroffe Hügel, auf die wir mit unsern leichten Fahrzeugen hinaufsprangcn, und wieder von ihnen herabstürzten, je nachdem die Wogen vor uns stiegen oder sielen. Dennoch ging die Rettung der Personen, unter denen viele Frauen und Kinder waren, so weit noch glücklich von Statten, bis auf jenen eben erwähnten Unfall. An Sachen ist beinahe Alles von Werth verloren gegangen. Ich selbst habe Alles, was ich in Wien und Breslau an Büchern, Kirchensachcn, Kleidung, Wäsche :c. eingekauft oder von wohlthätiger Hand erhalten hatte, verloren. Eben so die Kisten, die in BreSlau bei den Herren K. und A. gepackt waren. Doch weiß ich mich über diesen Verlust wohl zu trösten, und mit Hiob mag ich gerne ausrufen: „Ilominus cloclit, Ilcnniiius »l>5l,ulit, sit. nomen Üomini beneclietnm!" Es ging hier das Gerücht, als ob unser Schiff in Ncu- Schottland Mi's Land gezogen worden sey. Aus einem Briefe des hochwürdigsten Bischofs von Halifar, an den ich in dieser Sache geschrieben, ersehe ich aber, daß dem nicht so ist. Bei meiner Ankunft in Ncw-Aork, wo ich am 6. December anlangte und am 8. das erste Hochamt zu Ehren der unbefleckten Gottesmutter hielt, erfuhr ich, daß mein Bischof, der hochwürdigste Erzbischof von Cincinnati, auf dem Wege nach Rom und bereits von seiner Heimat abgereist sey. Erzbischof.HugheS von New - Uork ist ebenfalls dahin abgereist, um von Sr. Heiligkeit daS crzbischöfliche Pallium zu erhalten. In Cincinnati, wo man vou unserm Unglücke bereits gehört hatte, und eine Zeit lang nicht wußte, ob ich unter den Geretteten oder Untergegangenen wäre, wurde ich bei meinem Eintreffen mit vieler Theilnahme empfangen. Einen besondern Empfang hatten die Kinder unter Leitung ihrer Lehrer und Lehrerinnen ihrem Seelsorger bereitet. Dieses uud der Gedanke, daß es Gottes Wille ist, daß ich noch einmal hier mit meinen schwachen Kräften wirken soll, machte die ausgestandenen Beschwerden und Schrecken mich bald wieder vergessen....." _ G «8 Aus dem Leben des ersten deutschen Redemptoristen. (Fortsetzung.) Die apostolischen Arbeiten des Pater Hoffbauer und seiner Mitbrtider in Polen waren zu bedeutend, deren Erfolge zu gesegnet, als daß sie, namentlich in einer an solchen Erscheinungen so armen Zeit, lange hätten verborgen bleiben können. Der Ruf davon drang bald über die Gränzen des polnischen Reiches nach Deutschland hinüber und erweckte an manchen Orten die Sehnsucht, die Priester der Versammlung des allcrheiligsten Erlösers von Warschau herüber verpflanzen zu können. Von verschiedenen Seiten laugten deßfallsige Einladungen bei Hoffbauer ein; so von dem damaligen apostolischen NuutiuS in der Schweiz, welcher ein Kollegium in Constanz gegründet zu sehen wünschte; so ferner von dem Propst des Capitels zu Lindau, der sogar ein HauS sür die Congregation anbot. Gleich diesen verlangte auch der Bischof von St. Polten die Ncdemptoristen in seine Diöcese zu ziehen. Er wurde hierbei zunächst von der Absicht geleitet, durch dieselben seinem KieruS jährlich Erercitien abhalten zu lassen; zugleich wollte er, als Bischof des kaiserlichen Heereö, sie mit der Einrichtung und Leitung einer BilduugSanstalt für Feldcapläne betrauen. Alle diese Wünsche und Pläne konnten indessen bei der Ungunst der Zeiten nicht realisirt werden. Im Jahre 1801 oder 1802 wurde P. Hoffbauer wiederholt, und zwar durch einen besondern Abgeordneten, der ihn in Warschau anssnchte, um Absenkung einiger Priester der Versammlung in die Schweiz gebeten. Von wem dießmal die Einladung ausging, darüber haben wir nähere Nachrichten nicht zur Hand; auch die Eingangs erwähnte LebenSskizze bietet hierüber nichts. Hoffbauer begab sich nunmehr wirklich mit einigen Gliedern der Congregation nach Deutschland und es gelang ihm, an der Gränze der Schweiz, auf dem Gebiete vcS Fürsten Joh. Nepomuk Schwarzeuberg, der sich den Ankömmlingen sehr gewogen zeigte, eine Niederlassung zu gründen.*) Ein altcS Schloß auf einem Berge, der Thabor genannt, bei dem Dorfe Jcstettcu wurde den Cougrcgirten zur Wohnung angewiesen. Unter ähnlichen Entbehrungen, wie ehemals in Warschau, begannen die Mitglieder dieses neuen HauseS ihre Arbeiten. Ihr außerordentlicher Eifer in Predigt des Wortes Gottes und in der Verwaltung des heil. Bußsacramentes gewann ihnen in kurzer Zeit auch hier Liebe und Verehrung des Volkes und überdies) fand auch hier ihre Gemeinde selbst sehr bald einen Zuwachs an Mitgliedern. Hoffbauer, der unterdessen eine Reise nach Rom gemacht hatte, suchte im Herbste 1804 dk Seinigeu auf dem Thabor heim. Während seines Aufenthaltes in ihrer Mitte kamen Abgeordnete von Tryberg im Schwarzwalde in der damaligen Diöcese Constanz und baten den Seligen, einige Priester dorthin zu senden, wo eine besuchte Wallfahrtskirche der heil. Muttcrgottes bestand und sür die geistigen Bedürfnisse der Wallfahrer nicht ausreichend Fürsorge getroffen war. Hoffbauer, auf diese Bitte eingehend, führte selbst einige seiner geistlichen Söhne nach Tryberg. Von den Bewohner» auf das Freundlichste aufgenommen und mit allem Nöthigen versehen, fanden die PatreS hier ein weites Feld der Thätigkeit und arbeiteten freudig im heil. Wettstreite mit ihren Brüdern auf dem Thabor. So viel Gutes konnte der Mcnschenmörder von Anbeginn nicht ungehindert so, tg/cschehen lassen; wie wir heute so oft zu sehen Gelegenheit haben, eben so bot er auch damals alsbald seinen Landsturm auf gegen die Priester des allcrheiligsten Erlösers. Während daS Voll ihnen anhing, wurde ihnen von anderer Seite Haß und Verfolgung in reichlichem Maaße zu Theil, so daß sich P. Hoffbauer endlich genöthigt sah, die beiden Häuser auf dem Thabor und zu Tryberg wieder zu verlassen. Er wandte sich, durch diese Erfahrung keineswegs entmuthigt, nach Babenhauscn, *) Pater Hossbauer war bereits t?9L zum Generalvicar der Congregation diesseits der Alpen ernannt worden, und hatte als solcher freie Hand, Alles, was ihm im Interesse der Sache zu thun gut erschien, oh« wcitisrS auszuführen. G. «v welche» damalö dem Fürsten Fugger gchöte. Dieser gewährte dem Diener Gottes eine liebevolle Ausnahme und nachdem Hoffbauer von dem Bischose von Augsburg, Clemens Wenzcslauö, die nöthige Erlanbniß eingeholt, berief er seine vertriebenen Söhne hier zusammen. Sie begannen wiederum ihr heiliges Tagewerk zum Wohle der Seelen und zwar mit so großem Erfolge, daß der fromme Fürst Fugger bereits eigenhändig den Plan zum Bau eineS CollegiumS entwarf. Der Krieg hinderte die Ausführung; und mehr noch: bald mußten die guten Patreö Babenhausen ganz verlassen. Die Anfeindung und Verfolgung, jeneö Erbe, das der Heiland seinen treuc- stcn Dienern zurückgelassen hat, folgten ihnen, wohin sie sich wenden mochten; und die beständigen Kriegsunruhen jener traurigen Zeit waren ganz geeignet, die Feinde alles Guten den freiesten Spielraum finden zu lassen. Hoffbauer war während dieser Zeit nach Warschau gereist, um daö dortige HauS wieder einmal zu besuchen und die Seinigen wieder einmal zu stärken. Von der Vertreibung der Patres aus Babenhausen in Kenntniß gesetzt, gab er ihnen die Weisung sich nach der Schweiz zu ziehen. Wirklich fanden sie in Chur gastliche Aufnahme; es wnrde ihnen das ehemalige Prämonstratenser-Kloster zum heil. Lucius übergeben. Aber auch diese Ruhestätte fanden die Verfolgten nur, um sie in kürzester Frist wieder zu verlieren. Jetzt eilte Hoffbaucr, als ein für seine geistlichen Kinder besorgter Vater, selbst von Warschau herbei und es gelang ihm, jenen noch einmal einen Zufluchtsort auSzumitteln, zu Vispach im Canton WalliS. Hieraus kehrte der Selige nach Warschau zurück. Eö harreten seiner schwere Prüfungen, die schwersten wohl in seinem Leben. Die furchtbare Strafruthe Gotteö, unter deren wohlverdienten Streichen damalö fast ganz Europa blutete, traf auch das polnische Königreich; am 30. November 1306 rückten die Truppen jenes Fürsten, welchem Gott die Geissel über die Völker in die Hände gegeben, unter Murat und Davvust in der Hauptstadt Polens ein, die seitherige Regierung wurde aufgelöst und eine neue durch Napoleon im Jahr 1307 angeordnet; diese trat von vornherein feindlich gegen unsere PatreS auf und beschloß demnächst die Auflösung des dortigen Hauses. Um die despotische Willkür nicht in ihrer ganzen Nackiheit anS Tageslicht treten zu lassen, wurde eine lange Untersuchung gegen Jene eingeleitet, die zwar keine Schuld an ihnen finden ließ, deren Resultat gleichwohl daö pharisäische: Kou8 est mortis war. Während dieser Tribulationen verlor Hoffbaucr seinen treuen Freund und Mitarbeiter P. Hibel, der seit den öfteren Entfernungen des Erster» Rector des Warschauer CollegiumS gewesen. Er starb am 4. Juli 1807. DaS war die erste herbe Heimsuchung für Hoffbauer; sogleich sollte ciue noch schwerere folgen. Wenige Tage nach dem Tode deö P. Hibel, am 15. Juli, wo die Kirche daS lostum 6ivisi(iiii8 ^Vpostolorum feierte, erschien eine NegieruugS- Commission zu St. Benno, nahm die sämmtlichen Papiere, die sich vorfanden, in Beschlag, versiegelte die Schränke und Kisten, und unmittelbar darauf wurde den Patres der Beschluß der Regierung bekannt gemacht, daß die Kongregation aufgelöst sey. Soldaten umzingelten sofort das Haus; mehrere Leiterwagen sichren vor; diese mußten die PatreS besteigen und wurden unter Militärbedeckung nach der Festung Küstrin abgeführt. Wir können hier einen Nebenumstand nicht unerwähnt lassen, der uns daS wunderbare Walten der göttlichen Vorsehung recht kla? erkennen läßt. Bei der Unter- suchuugöcommissivn gegen Hoffbaucr und seine Jünger befand sich auch der berühmte ZachariaS Werner, der kurze Zeit nachher katholisch ward und später in Wien zu den trcuesten Freunden und begeistertsten Verehrern unseres Seligen gehörte. Mit der Ruhe und gottergebenen Sanftmuth eines vollendeten Gottcsmanncs verließ Hoffbauer Warschau. „Gott will uns hicr nicht mehr haben!" daS war der Trost, den er für sich und seine Leidensgefährten hatte. Doch der härteste Schlag stand ihm noch bevor. Nach eimnonallicher sehr strenger Haft in der Festung wurden nämlich die Mitglieder der Congregation je zwei und zwei entlassen und in ihr Vaterland zurückgeschickt. So sah denn Hoffbauer seine Söhne nach allen Seiten hin auö- t ' . G 70 einandergehen; eine zerstreute Hcerde ohne Hirten. Dieß brach sein Herz, wie er später erzählte. Zuletzt kam die Reihe an ihn, und da er ein Oesterreicher war, mußte er mit dem Kleriker Martin Stark dorthin sich wenden. Die Mächte der Finsterniß hatten so einen Sieg erfochten; cS war ihnen gelungen, ein Institut zu vernichten, durch welches seit mehr denn zwanzig Jahren Tau- seude von Seelen den Frieden mit Gott wieder gefunden, — eine Quelle zu verschütten, aus welcher die reichsten Ströme der Gnade und des Segens in weite Kreise sich ergossen. Wir fügen über die Periode im Leben dcS Seligen, die wir hiemit beschließen, hier nur das noch hinzu, was der österreichische Beobachter bei der Ankündigung dcS TodeS desselben darüber bemerkte (Jahrg. 1820 S. 377.): „Was unter den ungünstigsten Verhältnissen und in den schwierigsten Zeitumständen ein einziger treuer Diener Gottes, wie dieser, vermag, daö würden die Mauern von St. Benno bekräftigen, wenn nicht Tausende von lebendigen Zeugen vorhanden wären, die er gespciset, bekleidet, zu Gott und zu einem christlichen Lebenswandel zurückgeführt hat.« P. Hoffbauer wanderte nach seiner Freilassung nach Wien. Der Herr, der ihn heimgesucht, wollte ihm hier wieder einige Tröstung bereiten. Von dem frommen Erzbischof Sigismund, Grafen von Hohenwart wurde er mit väterlicher Liebe aufgenommen, und erhielt durch Vermittlung eines Baron Penkler, der ihm von nun an ein thätiger Gönner und Freund blieb, eine kleine Wohnung in dem Gebäude der italienischen Nationalkirche. Hier fand er die Einsamkeit wieder, die er in der Jugend so lieb gewonnen. Das Gebet und die Betrachtung, welchen er sich in ungestörter Ruhe hingeben konnte, gewährten ihm Trost und innere Stärkung. Fast zur selben Zeit war auch das kaum gegründete Haus zu Vispach bei dem Einrücken der Franzosen in WalliS aufgelöst worden, und die Bewohner desselben mußten gleich ihren Brüdern in Polen sich zerstreuen. So schien denn AlleS, was unser Hoffbauer in 22 Jahren der mühevollsten Thätigkeit aufgebaut, mit eiuemmalc wieder vernichtet; die Congregation, die er unter so vielen Kämpfen dießseits der Alpen angepflanzt, hatte als solche zu seyn aufgehört. Aber auch diese härteste Prüfung bestand er glänzend; seine hohen Tugenden ließen ihn jetzt im Leiden eben so bewunderungswürdig erscheinen, als.seither in seinem erfolgreichen Wirken. Doch betrachten wir nun sein Leben in Wien, daS letzte Stadium seiner irdischen Laufbahn. Der Wunsch, den er beim Eintritts in die Congregation gehegt, in Wien derselben Eingang zu verschaffen, erwachte jetzt bei seinem Aufenthalte daselbst mit neuer Lebendigkeit. Die Möglichkeit der Ausführung lag freilich unter den gegenwärtigen Zeitverhältnissen noch in weiter Ferne; Hoffbauer mußte sich vorläufig darauf beschränken, die Sache der allerseligsten Jungfrau Maria, zu deren berühmtem Gnadenbildc in der Kirche Maria Hilf er häufig seine Zuflucht nahm, in die Hände zu legen. Hoffbauers heißes Verlangen, für das Heil der Seelen thätig seyn zu können, fand allmälig auch wieder Befriedigung; schon im Jahre 18!u-L !i>> . >> .">!>-!)j:z »Hz j^." -.>l «(-ni-^npli-vA ZZ'j ÄAZtlgtiM sij L.Ünchn ') So bei Pösl S. S4, 71 Personen niederen Standes, auch solche auS den höchsten Ständen, auch Gelehrte (z. B. Friedrich von Schlegel) waren seine fleißigen Zuhörer. Seine Worte entquollen einem Herzen, das von Liebe zn Gott und den Menschen, von der Sehnsucht, recht viele Seelen für den Himmel zu gewinnen, erglüht war, und dadurch lag eine Fülle göttlicher Kraft in ihnen, welche in der That wunderbar ist. Eine kurze, ganz einfache Ermahnung ans seinem Muude hatte oft eine erstaunliche Wirkung. ZachariaS Werner erzählt ein merkwürdiges Beispiel hiervon. „Ich begegnete einst," so berichtet er, „einem Trupp junger Leute, die eben auS seiner Wohnung herausgingen und in deren Worten und Mienen sich noch eine heilige Begeisterung auösprach. Da ich glaubte, P. Hoffbauer müsse ihnen einen ganz außerordentlichen Vortrag gehalten haben, erkundigte ich mich sehr begierig um den Gegenstand seiner Rede, und waS sie denn so sehr ergriffen und bewegt habe, und man antwortete mir: Er hat uns gesagt, Seyd brav! — O Weihe der Kraft!" *) Wie dem Predigtamte, so lag Hoffbauer nunmehr auch wieder der Verwaltung des BußgerichtS mit größter Aufopferung ob, und wie eS sich nach dem Gesagten erwarten läßt, hatte er in kürzester Zeit einen überaus großen Kreis von Beichtkindern. Schon um vier Uhr in der Frühe eilte er gewöhnlich in die Kirche der Mechi- taristen, um dort zur Beicht zu sitzen, und um sechs Uhr begab er sich dann nach St. Ursula, wo wieder zahreiche Pönitenten seiner harrten. Die Anzahl der Commu- nicanten in dieser Kirche mehrte sich mit jedem Jahre und alte Leute pflegten oft zu änßcrn, P. Clemens bringe die gute Zeit der frommen Maria Theresia wieder zurück. Auch in andern Beziehungen, war P. Hoffbauer thätig. So gründete er im Vereine mit mehreren der angesehensten Männer ein Erziehungshauö für Jünglinge, in welchem sehr viele Söhne der ersten Familien eine treffliche Bildung erhielten, bis zn dem Zeitpuncte, wo die Jesuiten wieder Eingang in den Kaiserstaat fanden. (Schluß folgt.) . Berichte über Missionen. G e i s e n h e i m. Aus dem Rheing au, 16. Febr. Gestern ist die erste Mission im Rhein gau, zu Geisen heim, durch den -hochwürdigsten Bischof von Limburg feierlich eröffnet worden und wird dieselbe, von vier PatreS Nedemptoristen geleitet, durch zehn Tage hindurch währen. Wenn wir uns erinnerten an alles DaS, waö wir in jüngster Zeit über den Verfall des Glaubens und der Sittlichkeit im Rheingau gelesen und gehört hatten, so konnten wir uns in der That der Bcsorgniß nicht ganz entschlagen, es möchten die Missionspriester und ihr heiliges Werk in dieser Gegend nicht die freundlichste Aufnahme finden. Der gestrige Tag hat uns eines Andern belehrt, hat uns die Ueberzeugung gebracht, daß die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung des alten katholischen Rheingaueö dem Glauben der heiligen Kirche, dem Glauben, welchen ihre Vorfahren in allen Wechselfällen, in allen Stürmen der Zeiten als ihr theuerstes Kleinod zu schütz-n und zu bewahren gewußt, noch treu uud warm ergeben ist, und daß, wenn auch immerhiu manche, und vielleicht große sittliche Gebrechen hier, wie in andern Gegenden, im Gesolge namentlich der traurigen Erruu- genschaften des Jahreö 1848 zu Tage getreten sind, dennoch daS katholische Rheingau weit besser ist, als sein Ruf, daß nur ein kleines Häuflein glaubensloser und sittlich verkommener Schreier il»n seinen alten, wohlbegründeten Ruhm wahrer Glaubenstreue und lebendiger Religiosität geraubt hat. Schon bei ihrem Eintreffen dahicr in Geisenhcim wurden die vier Missiouärc mit Böllerschüssen und unter großem Jubel am Rheine empfangen und in die Kirche geleitet, und zu der gestrigen Eröffnungsfeier der Mission kamen die Gläubigen der Umgegend in großen Processionen schon in der Frühe in solcher Zahl herangezogen, daß die herrliche, geräumige Kirche ') So mitgetheilt bei Pööl S. 03. 72 in allen Theilen überfüllt war. Man schätzt die Anwesende» auf 7000—8000. Eine aus dem innersten Herzen hervorströmende, ergreifende Rede des Herrn Bischofs, in welcher er, ausgehend von den Worten des Heilandes: „Kommet zu mir Alle' die Gläubigen einlud, dem Rufe Gottes in der MisfionSzcit das Ohr zu öffnen und Folge zn leisten, bezeichnete den Ansang der Mission. Unmittelbar daran reihte sich die Einleitungsrede des Superiorö der Missionäre und am Nachmittag und Abend hörten wir die beiden ersten eigentlichen Missionsvorträge, die von den dichtgedrängten Schaaren mit der größten Ruhe und Aufmerksamkeit aufgeuommeu wurden und so weit wir bis jetzt in Erfahrung bringen konnten, bei Allen das höchste Interesse geweckt und Alle für die Mission begeistert haben. Der Herr, der alles Guten, Geber ist, segne das heilige Werk dahier, wie an andern Orten, damit der Glaube, der aller Wühlereien ungeachtet noch so tief im Herzen der katholischen Rheingauer wurzelt, wieder recht lebendig aufblühe und das Rheingau wiederum vor Gott und den Menschen Das werde, was es bis auf die letzten Jahrzehnte herab war, eine starke Feste deS katholischen Glaubens und der wahrhaft christlichen Zucht und heiligen Sitte, eine Perle in der Mitra seines geistlichen Oberhirten wie in der Krone seines Fürsten I (Rhein. Bl.) Weingarten. RavenSburg, 24. Febr. Gestern Nachmittag, Sonntag den 33., ging die Missionsfeier in Weingarten zu Ende, und war während ihrer ganzen vierzehntägigen Dauer von dem herrlichsten Wetter begünstigt, was wohl auch sehr viel zu dem außerordentlich zahlreichen Besuche derselben, sogar von weiter Ferne her, beigetragen haben mag. Die weiten Räume der herrlichen Kirche waren Tag für Tag mit wenigstens 6 bis 7000 Menschen angefüllt, und frommer Sinn, religiöse Stimmung und Andacht gab sich durchgängig bei diesen feierlichen Versammlungen kund. Auch die tägliche Theilnahme vieler Protestanten läßt vermuthen, daß sie viel Anziehendes und Ansprechendes in den verschiedenen Missionspredigten gefunden haben mögen. Die gehaltreiche, von Herrn Roder gehaltene Schlußrede wurde wegen der allzugroßen Menge der Znhörer in dem sehr geräumigen Klosterhofe gehalten, uud es hatten sich dabei wohl 13—14,000 Menschen eingcfunden, bei welcher Gelegenheit zum Andenken an diese Mission das MisstonSkreuz unter allgemeiner Rührung feierlichst eingeweiht wurde. Da eiucr der Herren Missionäre wegen fortdauernder Kränklichkeit nicht predigen konnte, und die Herren Roder und Schlosser daher die ganze Mission zu besorgen hatten, so muß man gestehen, daß ihre Anstrengung groß gewesen seyn muß, da täglich drei Predigten gehalten wurden, deren jede etwa l'/a Stunden dauerte, worauf sie sich erst noch mit Beichthören beschäftigten, worin sie jedoch von den vielen Geistlichen der Umgegend, deren öfters 40 bis 50 gegenwärtig waren, bedeutend unterstützt wurden. Letzten Dienstag kam der hochw. Bischos von St. Gallen in Weingarten an, und am Samstag Abends auch der hochw. Bischof von Rottenburg, um dem Schlüsse der Mission beizuwohnen. Die Anwesenheit und Theilnahme zweier Bischöfe an dieser Mission trug nicht wenig zur Erhebung und Erbauung der Gemüther bei. In Weingarten, wie früher anderwärts, hielten die Predigten sich rein auf religiösem Gebiete, und waren für Niemand verletzend, welcher Religion er auch angehören mochte. Am ansprechendsten waren die allgemeiner gehaltenen Reden, worin die vorherrschenden Fehler unserer Zeit grell beleuchtet und unnachstchtlich getadelt wurden. Ohne Zweifel werden die in diesen Predigten mit einem Eifer, der wirklich von innerer Mission zeugte, vorgetragenen Wahrheiten einen lange dauernden Eindruck in den Herzen der vielen Tausende von Gläubigen zurückgelassen haben, und Herr Roder bekannte, gerührt von dem so unverdrossen ausdauernden Eifer seiner zahlreichen Zuhörer, in seiner Schlußrede, daß ihm noch nie eine solche Menge andächtiger Hörer des göttlichen Worts auf seinen MissionSreisen vorgekommen sey, wie in Weingarten, im katholischen Oberlande. (Schwäb. M.) Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. Vcrlags-Jnhabkr: F. C, Kvemcr.