Eilfter Jahrgang. Sonntags-Beiblatt Augsburger PostMtung. ^_._ 16. März ^ IN 1851. _ ! ____ Dieses Blatt erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der halbjährige Abonnementsvrcis 4V kr., wofür es durch alle köm'gl. bayer. Postämter und alle Buchhandlungen bezogen werden kann. Maria, die Helferin der Christen. Ocffnc, Seele, deine Kehle, Singe von der hohen Braut, Die von fernen lichten Sternen Gnädig auf uns niederschaut! Auserwählte, Gottvermähltc, ^. Sey, Maria, uns gegrüßt! Du, o Reine, bist's alleine, Die den Himmel uns erschließt! Wend' uns Armen das Erbarme» Deines lieben Sohnes zu; Daß wir finden, los von Sünden, Bei Ihm Gnad' und Seelenruh'! Hcil'ges Wesen, auserlesen, O Maria, Königin! Himmelsgüter send' hernieder, Du, der Christen Helferin! Woll'st befeuchten und erleuchten Harter Herzen finstern Sinn Mit dem Regen und dem Segen, Deß, der Adams Fluch nahm hi». Alle Lehren, die verkehren, Zeig' in ihrem falschen Licht, Daß sich wenden die Getrennten Zu der Kirch', die Wahrheit spricht! Weib vom Range, zeig der Schlange Feindschaft zwischen Dir und ihr! Zeig die Namen zweier Samen Allen Völkern nach Gebühr! Die mit Thränen dich bekennen. Stammen von dem Sohne her, Und die Massen, die dich hassen, Hängen an dem Bösen mehr. .hulih-is!^ Seit dem Falle theilen alle Menschen sich aus diese Art: Bis zur Rechten die Gerechten Du hast vor den Sohn geschaart. Dann wird sinken auf der Linken, Der dem Feind gcdienct hat; Dann wird stehen und bestehen Du, o Frau, und deine Saat! > ^ Drum so rüste, o Gegrüßte, Dich mit uns zum harten Streit! Sieh, die Schlange macht uns bange, I^KMWWMliih^Mi^!^^ >!'.>,',? Sich, es kommen alle Frommen, Rufen flehentlich dich an; Die sich wandten, dich nicht kannten, >Ucbcrall zu dir sich nah'n!^? O der Zeiten schwere Leiden Drücken unser armes Land! Ach , wir müssen es jetzt büsscn; Unsre Sünden sind bekannt! Schon entzünden unsre Sünden Gottes Zorn zum Strafgericht; Darum stehen wir und flehen: Wend' des Zornes Angesicht! Bitt', o bitte, voll der Güte, Jungfrau, Mutter, Helferin, Zu dem Sohne deiner Wonne: Bitt' für uns, o Mittlerin! — Wo die Sünden schwer sich finden, Dringe mächtiger herab Auf die Erde, die beschwerte, Stell' ihr vor das Sündcngrab! Denn es mögen tief bewegen Deiner Sternenblicke Kraft Eitle Herzen, die nnr scherzen Mit der Sünde, die Gott straft. Doch wenn heben, voll von Leben, Deine Augensterne sich; So erflehen aus den Höhen Sie uns Hilfe mächtiglich. O so richte deine lichte Augen, wenn der Feind uns drückt, Hin zum Throne zu dem Sohne, Dann sind wir mit Sieg beglückt! — Alan Aman. 83 Hirtenbriefe deutscher Bischöfe. Vom hochwürdigsten Bischöfe von Wiirzburg. Der Herr hat die Welt erschaffen, um die unendlichen und ewigen Herrlichkeiten, die er im Innern seines göttlichen Wesens trägt, durch die Schönheit seiner Werke auch nach außen kund zu geben. Der Herr hat die Welt erschaffen, um durch die Theilnahme an diesen seinen Herrlichkeiten jedem seiner Geschöpfe jene Gluckseligkeit mitzutheilen, deren das Geschöpf nach seinem Wesen und seiner Natur fähig und empfänglich ist. Der Herr hat insbesondere den Menschen erschaffen, hat ihn mit Vernunft und Freiheit begabt, hat ihn mit übernatürlichen Gnadengaben ausgestattet, und ihn nach dem Sündenfalle im Blute Jesu Christi die Erlösung wieder finden lassen, auf daß er im Lichte der heiligen Offenbarung seinen Gott erkenne, durch Erfüllung des göttlichen Willens mit Hilfe der Gnade ihm diene und einst im ewigen Leben vollendet und selig werde. So hat also der Herr das Weltall erschaffen — Sich selbsten zur Verherrlichung und den Geschöpfen zur Glückseligkeit; er hat ein Reich unter uns Menschen gegründet, dessen wundiervoller Bau hienieden im Glauben begonnen und jenseits im Schauen vollendet werden soll. Um aber diesem seinem Reiche Grundlage, Bestand und Gestaltung zu geben, die Zustände auf Erden friedlich zu ordnen, und dem Menschen hienieden in der Zeit die Vorbereitung auf eine glückselige Ewigkeit möglich zu machen, hat der unsichtbare Gott zu seiner sichtbaren Stellvertretung die beiden Gewalten eingesetzt, die geistliche und weltliche Gewalt, die der Kirche und die des Staates. Beide stammen von Dem, der über Himmel und Erde gebietet; beide sind eben deßhalb ihrer innersten Natur nach heilig und unverletzlich; beide sind verpflichtet, sich wechselweise anzuerkennen, zu ehren und zu unterstützen; beide sind Dienerinnen deS Herrn, von oben beauftragt, jede in dem von Gott ihr angewiesenen Wirkungskreise, jede mit den Mitteln, welche der Herr ihr in die Hand gegeben, zum Heile der Völker zu wirken; beide sind beru-- fen, als Töchter desselben himmlischen VaterS in schwesterlicher Liebe sich zu vereinen, um, den ganzen Menschen umfassend, dessen zeitliches und ewiges Wohl zu fördern. So ist also der König von Gott gesetzt, hat von oben Krone und Scepter erhalten, um sie im Dienste deS Herrn der Welt und zum Heile der Völker zu tragen, und daher das Wort der Schrift (1. Petr. 2, 17): „Fürchtet Gott und ehret den König!" So ist die Kirche die Braut deS Herrn, ihr Fingerzeig weist auf die Ewigkeit, ihr Mund ist aufgethan, die Wahrheit zu lehren, ihre pricsterlichen Hände spenden den Segen der Welterlösung, und Alle, die da^ selig werden wollen, sind berufen, in dieser Kirche ihr Heil zu wirken. So sind die beiden Gewalten vom Himmel gesandt, um durch Förderung deS Menschenwohles die Ehre ihres Herrn zu mehren, unv ihre Träger sind Stellvertreter des Allerhöchsten. Geliebteste Diöcesanen! Wie schön ist die Welt, die der Herr erschaffen, wie herrlich die Ordnung, die er gegeben, wie heilig die Gewalten , die er gesetzt, und wie erhaben das Ziel, das er durch sie erreichen will! Wenn nur der Mensch immer Augen hätte, um die Wunder des Herrn zu schauen, Ohren, um auf die Stimme der Wahrheit zu merken, und ein Herz, um es ganz und ungetheilt Dem zu lassen, der in seinem Wesen unendlich gut, und so groß und wunderbar in seinen Werken ist. Um aber das richtige Verhältniß der Untergebenen zu den Vorgesetzten, wie im engern Kreise deS Familienlebens, so im großen öffentlichen Leben, im Leben der Völker herzustellen, hat der Herr daS vierte Gebot gegeben: „Du sollst Vater und Mutter ehren, auf daß du lange lebest auf Erden," — und hat durch dieses große Gebor vor aller Welt es ausgesprochen, daß, wie das Kind seinen Eltern, so der Diener seinem Herrn, der Unterthan seinem Fürsten, der Christ seiner Kirche, jeder Untergebene seinem Vorgesetzten in Liebe, Treue und Ehrerbietung müsse gehorsam und ergeben seyn. Würde dieses Gebot, in der Natur der Sache so tief gegründet, von der Vernunft nach seiner Wahrheit so klar erkannt, und so feierlich von Gott selbsten auf Sinai verkündet, würde, geliebteste Diöcesanen! dieses große Gebot nach dem 84 ganzen Ernste seiner Bedeutung von allen Menschen gewürdigt und heilig gehalten, zahllose Klagen, wie im Schooße der Familien, so im Bereiche deS öffentlichen Lebens müßten bald verstummen, und die Segnungen, welche der Herr an die Erfüllung dieses Gebotes geknüpft hat, sich wie in Strömen über die Welt ergießen. Aber gerade hier, Geliebteste! begegnen wir einem Gebrechen unserer Tage, dessen unglückselige Wirkungen wir nicht genug beklagen können. Denn, leider! können wir unS nicht verhelilen, daß eines der größten Uebel der Gegenwart die Mißachtung jener Pflichten, welche daö vierte Gebot auferlegt, der Mangel an jener Ehrfurcht, jenem Gehorsame und jener Liebe ist, die wir denjenigen schulden, welche Gott gesetzt hat, an unS seine Stelle zu vertreten; und während Eltern und Lehrer klagen, daß Erziehung und Unterricht mit jedem Tage schwerer werden, während die steigende Verwilderung der Jugend einen bangen Blick in die Zukunft öffnet, zieht der Geist einer neuen Weisheit, der Geist deS Unglaubens und deS Ungehorsams, von Land zu Land, um den Völkern das größte Gut, daS Kleinod deS heiligen Glaubens zu rauben, um Gewalt an der öffentlichen Ordnung zu üben, um frevelnde Hand an die von Gott gesetzten heiligen Gewalten zu legen, um, wenn es möglich wäre, die Säulen irdischer Wohlfahrt und ewigen Heiles, den Thron wie den Altar zu stürzen. Zwar sind die trüberen Tage der jüngsten Vergangenheit, Dank dem Herrn! vorübergegangen, die Wetterwolken haben sich zertheilt und sind zum Theile dahingezogen, ein mehr freundlicher Sonneublick scheint eine friedlichere Zukunft zu verheißen, und daß der Herr der Allmacht und der Liebe unS den heiligen Frieden geben und in seiner Gnade erhalten wolle, — wir heben die Hände und beten zu Ihm. Der böse Geist der Zeit aber hört darum nicht auf, seine verbrecherischen Plane zu verfolgen; ist eS ihm unmöglich geworden, am offenen Tage zu wirken, so ist seine Hand im Finstern thätig; während die Leute schliefen, sagt daö Evangelium (Matth. 13, 25), kam der Feind, und säete Unkraut unter den Waizen, und wenn daö heilige Wort Jesu Christi: „Wachet und betet, auf daß ihr nicht in Versuchung fallet" (Matth. 26, 41) zu allen Zeiten seine ernste Bedeutung hat, doppelt ernst erschallt eS jetzt, wo der Gang der Zeit die Geister prüft, und der Herr, um seine Tenne zu reinigen, die Wnrfschaufel in Händen trägt, um die Spreu vom Waizen zu sondern. In diesen Tagen der Prüfung, in so schwerer, verhängnißvoller Zeit — waS sollt, was werdet da Ihr thun, (Beliebteste! Werdet ihr zur Rechten oder zur Linken gehen, den engen Weg, der zum Himmel führt, oder die breite Straße des Verderbens betreten? Folget nicht dem Geiste dieser Welt; sein Ursprung ist nicht auS Gott, sein Streben auf den Herrn der Ewigkeit nicht gerichtet, er ist der Sohn der Finsterniß, und daS Ende, daS er seinen Jüngern bereitet, ist Verderben, Tod und ewiger Untergang. Ihr aber seyd Schüler Jesu Cbristi, Kinder der heiligen katholischen Kirche, ihr habt daS süße Joch, die Religion der Demuth, deS Gehorsams, der Selvstverläugnung auf eure Schultern genommen, ihr müßt den Herrn in seinen Gesalbten ehren. Seyd darum treu eurem Könige, nicht auS Furcht oder Zwang, sondern um des Gewissens willen, in Liebe, Ehrerbietung und Gehorsam; — so verlangt eS Gottes heiliges Wort, so ist eS der Wille deS Allerhöchsten. Denn so spricht Gott schon im alten Bunde (Sprichw. 8, l5. 16): „Durch mich regieren die Könige, und beschließen das Rechte die Geber der Gesetze." Und das Buch der Weisheit (6, 4) sagt: „Von Gott ist euch, o Könige! die Macht gegeben, und die Gewalt vom Allerhöchsten." Der heilige Paulus aber lehrt (Röm. 13, 1. 2): „Ein jeder unterwerfe sich den obrigkeitlichen Gewalten, denn eS gibt keine Gewalt, außer von Gott; die aber da sind, die sind von Gott geordnet. Wer also der Obrigkeit widerstrebt, der widerstrebt der Anordnung Gottes, diejenigen aber, die ihr widerstreben, ziehen sich die Verdammniß zu." In seinem Briefe an seinen Schüler TituS (3, 1) schreibt er: „Ermähne sie (die Christen), daß sie den Fürsten und Machthabern unter- 85 than, ihrem Worte gehorsam, und zu jedem guten Werke bereit seyen." Und an seinen Schüler TimotheuS läßt er (1. Tim. 2, 1—3) das ernste Wort ergehen: „Vor allen Dingen ermähne ich nun, daß Bitten, Gebete, Fürbitten und Danksagungen geschehen für alle Menschen, für die Könige und alle Obrigkeiten, aus daß wir ein stilles und ruhiges Leben führen in aller Gottseligkeit und Ehrbarkeit. Denn dieß ist gut, und Gott unsern Heilande wohlgefällig." Ja, der Heiland selbst gibt unS das große Gebot (Matth. 22, 21): „Gebt dem Kaiser, was deS Kaisers ist, und Gott, was GotteS ist." Wie eS nun der katholischen Kirche durch den Beistand des heiligen Geistes gegeben ist, das gesammte Erbgut der göttlichen Offenbarungslehre unverfälscht zu bewahren, um es, vom Irrthume unberührt, zum Gemeingute aller Menschen zu machen, so hat sie auch dieses Gebot zu allen Zeiten rein erhalten. Seit achtzehn hundert Jahren verkündet sie den Gläubigen das Wort des Herrn: „Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist." Seit achtzehnhundert Jahren läßt sie die Mahnung des heiligen Petrus (1. Peir. 2, 17) immer von Neuem erschallen: „Fürchtet Gott! ehret den König!" Und so lange Petrus in seinen Nachfolgern die Heerde Jesu Christi weiden wird, — bis hin anö Ende der Zeiten — wie eS bisher gewesen, so wird es auch fortan daS unausgesetzte Bemühen der heil. Kirche GotteS seyn, durch Verbreitung deS heiligen Glaubens und durch Förderung christlichen Lebens mit der Furcht deS Herrn auch die Ehrfurcht gegen dessen Slell- Vertreter in die Herzen der Völker einzupflanzen, und eben dadurch, daß sie die Seelen für den Himmel bildet, auch dem Fürsten treue Unterthanen, dem Staate gute Bürger zu erziehen. Soll aber die Treue, die Ehrerbietung und die Liebe, welche der Unterthan seinem Fürsten schuldet, fest und unerschütterlich seyn, soll sie Werth vor Gott haben, und auf den Namen und Adel einer christlichen Tugend Anspruch machen können, so muß sie nothwendig in Gott, und eben darum in der Kirche wurzeln. ES gibt eben keine wahre Tugend, die nicht aus Gott geboren ist, und daS Gebäude christlicher Gerechtigkeit steht nimmer fest, wenn eS nicht auf dem Felsen der Kirche ruht. Seyd darum treu unserer heiligen katholischen Kirche! Dieß ist die inständige Ermahnung, die Wir, geliebteste Diöcesanen! aus der Tiefe des Herzens an euch richten. Seyd treu der heiligen Kirche, die sich der Weltheiland zur Braut erwählt, seyd treu der jungfräulichen Mutter, die uns für Gott geboren hat; seyd treu der heiligen Führerin, die uns die Hand reicht, um durch die Jrrsale des ErdenlebenS an den Klippen des Irrthums und der Sünde vorüber uns glücklich in den Himmel zu geleiten. „Wer euch hört", spricht der Herr zu seinen Jüngern (Luc. 10, 16), «der hört mich , und wer euch verachtet, der verachtet mich; wer aber mich verachtet, der verachtet Den, der mich gesandt hat." Und an einer andern Stelle (Matth. 13, 17): „Wer die Kirche nicht hört, der sey dir wie ein Heide und Zöllner." Und ein heiliger Kirchenvater sagt: „Der hat Gott nicht zum Vater, der die Kirche nicht zur Mutter hat." Im Schooße der Kirche sprudelt eben jener Quell, welcher Licht und Wahrheit ist, der Quell der heiligen Offenbarung, und alle Welt ist eingeladen, daS Licht zu schauen, die Wahrheit zu vernehmen, die Großthaten GotteS kennen zu lernen und zu bewundern, und den Allbarmherzigen anzubeten, der so viel für unser Heil gethan. In ihrem Schooße ergießt sich der Strom der lebendigen Wasser, die ins ewige Leben hiyüber fließen, und Alle, die nach Gott dürsten, sollen von diesen Wassern trinken, und gesund und heilig und selig werden. Wie fest aber die heilige Kirche Gottes steht, wer, der Augen hat, zu sehen, darf sagen, daS er dieses nicht klar und deutlich erkenne? Die Gedanken der Sterblichen sind veränderlich, die Meinungen der Menschen wechseln mit dem Tage, Irrlehren in tausend Gestalten sind in der Zeit entstanden und mit der Zeit vorübergegangen; aber die Kirche ändert ihre Lehre nicht, und kann und darf ihre Lehre nicht ändern, weil sie die Kirche deS ewigen und unveränderlichen GotteS ist; die Kirche ist sich immer gleich, sie lehrt immer und zu allen Zeiten daS eine und dasselbe Wort 86 des Herrn, und der Heiland Jesus Christus spricht: „Himmel und Erde werden vergehen, meine Worte aber werden nicht vergehen" (Match, 24, 35). Während die Welt im Argen liegt, Sünden auf Sünden, Laster auf Laster häuft, und der Zorn der Hölle sich ergießt, um gegen den Herrn unsern Gott zu streiten, predigt die heil, katholische Kirche in immer gleicher Weise Tugend und Gerechtigkeit, und ähnlich dem guten Hirten, der in die Wüste gegangen ist, um das Verlorne Lamm aufzusuchen, geht auch sie mit jedem Tage aus, um nach ihrer göttlichen Sendung und mit Gewalten, die sie von oben empfangen hat, die Krankheiten der Seelen zn heilen, die Gefallenen aufzurichten, die Sünder zu Gott zurückzuführen, und den Gerechten das Brod des Lebens zu reichen. Während die Welt, besonders in unsern Tagen, wie in Gähruug begriffen ist, die Zustände der Gegenwart nach so vielen Seiten hin in Frage stehen, die Grundpfeiler der öffentlichen Ordnung erschüttert sind, und die menschliche Weisheit sich selbsten fragt, wie es möglich werden möge, die zerrissenen Verhältnisse zn lösen, eine neue Ordnung der Dinge herzustellen, und der Welt einen dauernden Frieden zu sichern; steht die Kirche ruhig da, wie unberührt von den Stürmen der Zeit, verkündet immer dieselbe Lehre, spendet zu allen Zeiten dieselben heiligen Sacramentc, bringt mit jedem Tage dasselbe Opfer der Welterlösung dar, und'wird im heiligen Geiste von einem geweihten Priesterthuine unter einem gemeinsamen Oberhaupte, dem Papste, dem allgemeinen Vater der Christenheit geleitet. Wie herrlich ist doch dieser Bau der Kirche! Die Weisheit des Herrn hat den Plan entworfen, die Allmacht das Werk aufgeführt, und die Gnade und die Liebe hier Wohnung genommen, um von hier auS die Welt zu erlösen. Wäre diese heilige Kirche von allen Menschen in ihrem Lichte erkannt und in ihrer Liebe verstanden, aller Zwiespalt müßte bald von selbst sich heben, und das Räthsel des Friedens wäre gelöst. Wie fest diese Kirche steht, einen hell leuchtenden Beweis hiefür liefert uns die Kirchengeschichte der «jüngst vergangenen Zeit. Zwei Jahre nämlich sind eS bereits und darüber, daß der heilige Vater Papst Pius IX., der große und edle Dulder, um drohenden Gefahren zu entgehen, Rom und den Kirchenstaat verlassen und im Königreiche Neapel zu Cajeta und Portici seine Wohnung genommen hat. Der weltliche Thron deS heiligen Vaters schien zu wanken, aber das Papstthum, der Stuhl deö heiligen Petrus, das vom Herrn gesetzte oberste Hirtcnamt deS Stellvertreters Jesu Christi auf Erden wankte nicht. Wo immer der heilige Vater weilen mag, seine geistliche Gewall umschlingt den Erdkreis und überall findet ihn die Liebe, die Treue, die Ehrerbietung, die Ergebenheit und der Gehorsam seiner Kinder wieder. Zwar war die Prüfung hart und schwer, aber dem Herrn gefiel es, sie zuzulassen. Wir weinten Thränen kindlichen Schmerzes, aber verzagen konnten und durften wir nicht. Wir rangen im Gebete unsere Hände, aber wir wußten auch, daß wir sicher Erhörung finden mußten. Denn so geben die Wege des Herrn — durch Kreuz zum Heile. Er läßt die Winde wehen und die Stürme brausen zur Prüfung und Läuterung seiner Kirche, aber er spricht auch zur rechten Stunde: Bis Hieher und nicht weiter. Er läßt die Fluthen steigen und die Wetterwolken sich ergießen, um nach jeder Trübsal, die sie bestanden hat, seiner Kirche neue Glorie zu verleihen. Und so ist auch unter dem Schntze des Allerhöchsten der heilige Vater zurückgekehrt, um wieder von Rom aus die Kirche Gottes zu leiten; er weilt wieder an der geweihten Stätte, wo die irdischen Ueberreste der heiligen Apostelfürsten Petrus und Paulus und so vieler Tausende anderer Heiligen dem Tage der Auferstehung entgegenschlummern; die Hand deS Herrn hat sich gezeigt, der Glaube neuen Schwung empfangen, wir preisen unS doppelt glücklich, Kinder der Kirche zu seyn, und im Hochgefühle unseres GlückeS rufen wir mit neuer Begeisterung: „Du bist Petrus, und auf diesen Felsen will ich meine Kirche bauen, und die Pforten der Hölle sollen sie nicht überwältigen." Im Dienste dieser unserer heiligen Kirche habt ihr, Geliebteste! vor nicht langer Zeit auch die Oberhirten der BiSthümer im Königreiche Bayern versammelt gesehen. Ihr kennt nämlich selbst die Gebrechen der Zeit, die Verderbnisse unserer Tage. Ihr 87 wißt, wie Glaube und Gottesfurcht zerfällt, wie frommer, kirchlicher Sinn, Zucht und gute Sitte immer mehr verschwindet, wie das zunehmende Vergessen auf die Erfüllung deS vierten Gebotes nicht nur das Familienleben, sondern selbst die öffentliche Ordnung bedroht, und wie ein neues Heidenthum seine Apostel sendet, um daS Wort vom Kreuze zu lästern, den Glauben an unsern Herrn und Golt, und hiemit die Ehrfurcht und den Gehorsam gegen dessen Stellvertreter den Herzen zu entwinden, ein neueS Evangelium, das des Fleisches, der Welt zu verkünden, und so nicht bloß der öffentlichen Ordnung Gefahr zu bringen, sondern auch unsterbliche Seelen auf ewig zu verderben. Tief bekümmert über die Wehen einer solchen Zeit und über den Untergang so vieler Seelen, und vom Streben beseelt, den schweren Pflichten zu genügen, die das Oberhirtenamt auferlegt, sind also die Bischöfe Bayerns am Grabe des heil. Corbinian in der Stadt Freysing zusammen getreten, um dort in stiller Zurückgezogenheit vor dem Angesichte GotteS zu erwägen, was da Alles geschehen könne, um den Glauben und die Gottesfurcht wieder anzufachen, den Geist der Frömmigkeit neu zu beleben, bessere Zucht und christliche Sitte einzuführen, das schwer verletzte vierte Gebot zum Segen der Menschheit in bessere Uebung und Geltung zu bringen, den Geist des Gehorsams, der Liebe und Ehrerbietung gegen Eltern, Lehrer und Vorgesetzte in den Gemüthern mehr anzuregen und zu fördern, den Schmuck des Hauses des Herrn, die Feier des öffentlichen Gottesdienstes, die Heilighaltung der Sonn- und Festtage zu heben und zu sichern, kurz, sie sind zusammengetreten, um zu erwägen, was da Alles geschehen könne und ihrerseits geschehen müsse, um zur Heilung der Wunden Israels in diesem Thale des großen Weinberges des Herrn das Mögliche nach Kräften beizutragen. Und sie haben reif und vor Gott erwogen, wohl wissend, daß eS eben so dem Staate wie der Kirche frommt, wenn Glaube, Gottesfurcht und christliches Leben unter den Völkern gefördert wird; sie haben reif und vor Gott erwogen, haben hiernach ihre Entschließungen gefaßt, und nun ist es an euch, Ge- liebteste! den Vater der Erbarmungen anzuflehen, daß er diesen ihren Entschließungen seinen heiligen Segen geben wolle. Möge aber auch der heilige Corbiuian, an dessen Grab die Oberhirten versammelt waren, mögen die Schutzheiligen der ihnen unvertrauten Diöcesen, mögen alle Auserwählten, möge insbesondere unsere Mutter, die allerseligste Jungfrau Maria, Fürbitte am Throne Gottes niederlegen. Geliebteste Diöcesanen! Die herannahende Fastenzeit hat die Gelegenheit unS dargeboten, diese oberhirtliche Ermahnung an euch zu richten: Seyd treu eurem Könige, treu der heiligen Kirche GotteS, suchet den Herrn in seinen Gesalbten zu ehren, und im Gehorsame gegen die heiligen Gewalten, die Gott gesetzt, selig zu werden. Wir haben aber noch ein anderes Wort der Ermahnung an euch: Betet nämlich alle Tage, betet besonders in dieser heiligen Zeit, in welcher die Kirche länger als zu andern Zeiten im Gebete verweilt, um die Erbarmungen GotteS herabzurufen, betet in der Inbrunst des Herzens für Alle, welche der Allerhöchste ausersehen, seine Stelle ans Erden zu vertreten. Vetet für den heiligen Vater, Papst PinS IX., der Arm der Allmacht möge seine Stärke seyn, und die Anstrengungen und Gebete segnen, womit er alle Welt möchte selig machen. Betet für unsern allergnä- digsten König Maximilian, die Hand des Herrn möge schirmend und schützend über der Krone walten, die Regentensorgen segnen und erleichtern, und die Reichthümer aller Gnaden über das ganze königliche Haus und das gesammte Vaterland sich ergießen lassen. Betet für euern Oberhirten, ja für alle Bischöfe der katholischen Welt, daß sie, dem Beispiele der heiligen Apostel folgend, nur «Eines im Auge habe -— GotteS Ehre und euer Seelenheil. Betet für alle Vorgesetzte, daß sie, jeder in seinem Kreise, die Stelle Gottes würdig vertreten, daS anvertraute Amt treu verwalten, und am Tage der Rechenschaft bestehen mögen. Betet endlich für alle Menschen, Vorgesetzte und Untergebene, daß sie alle in der Furcht des Herrn wandeln, in heiliger Liebe einander entgegen kommen, und durch vollkommene Unterwerfung unter den Willen des Allerhöchsten die Krone des Lebens zu erstreben suchen. Opfert auch in diesem Sinne in der herannahenden heiligen Zeit ener Fasten und eure Buße auf, 88 gedenket mit Gott euch wahrhaft zu versöhnen, und tretet, gereinigt von aller Sünde, zum Tische des Herrn, um würdig daS Brod des Lebens zu essen, und dann in neuer Kraft eure Gebete auSzugießen. So wandelt, Geliebteste! durch die Erdenthale, gestärkt durch Fasten und Gebet und durch würdigen Empfang der heiligen Sacra- mente; wandelt in der Furcht des Herrn, im Gehorsame gegen seine Gesalbten, in der Uebung aller Tugend und Gerechtigkeit; — bis die Wallfahrt auf Erden vollendet und die Krone des Lebens erstritten ist, und wir glücklich dort anlangen werden, wo der Fürst seine Krone am Throne GotteS niederlegt, wie das Oberhaupt der Kirche den Hirtenstab, wo dann alle Auserwählten in der Gemeinschaft deS LebenS, der Liebe und der Seligkeit Einem dienen, und über Alle Einer herrscht, — der König der Könige, der oberste der Hirten, Jesus Christus, unser Herr und Gott. Und daß ihr glücklich dahin gelangen möget, Wir beten für euch, Geliebteste! heben Unsere Hände zu Gott, und ertheilen euch ven oberhirtlichen Segen im Namen deS Vaters und deS Sohnes und des heiligen Geistes. Amen. Gegeben zu Würzburg, den 1. Februar 1851. t Georg Anton, Bischof von Würzburg. Berichte über Missionen. Aus dem Sauer lande (in Westfalen) wird der D. V.-H. Ende Februars berichtet: „Der große Meister, welcher vor achtzehn Jahrhunderten so bedeutungsvoll gesprochen: „Ich bin nicht gekommen, den Frieden zu bringen, sondern daS Schwert!" ist auch in unsre Berge eingezogen, die „Wurfschaufel in der Hand, um den Waizen von der Spreu zu sondern"; die heilige Mission hat mit dem 19. d. M. in Atten- dorf begonnen und wird darnach in Wenden, Neheim und noch andern meist bedeutenderen Städten und Landgemeinden deS SauerlandeS abgehalten werden. Zwar sind unsere Missionäre nicht Jesuiten, die anderwärts ihre alt- und neubekannte Virtuosität auch auf diesem Felde des Wirkens so wunderbar bekunden, und die der liebe Herrgott für ihre frühere unverdiente Erniedrigung jetzt erhöhen zu wollen scheint, sondern ein einfacher Weltpriester nebst zwei Söhnen von der Armuth deS heiligen FrauciscuS. Wer aber dieseu Männern Kraft und Salbung, wie sie ein so hoher Beruf erfordert, absprechen will, der hat sie entweder noch nie gehört und ihr Wirken beobachtet, — und dann möge er kommen und hören und sehen und verstummen, — oder er ist ein geschworener Feind alles wahren Guten. DaS Verlangen unserer Bergbewohner nach der heiligen Mission ist so allgemein, daß eS schwerlich schon in diesem und dem folgenden Jahre ganz wird befriedigt werden können. Wahrlich ein schönes Zeichen vom geistig-religiösen Standpuncte unseres Volkes! Ich habe immer eine Versuchung zum Stolze in mir verspürt, so oft ich die Bewohner des westfäli- schen SauerlandeS mit den Tirolern, diesen wackern Söhnen der Mutter Natur und der edlern Mutter Kirche, vergleiche» hörte, und habe trotz aller politisch-religiösen Wühlereien der Jahre 1843 und 1849 den Glauben an den gesunden und tief religiösen Sinn derselbe» festgehalten. Und heute haben wir die Bestätigung. Wohl dem Volke, welches nach der heiligen Mission schmachtet!" Kurze Nachrichten. In Trier haben ein Protest. Professor am Gymnasium zu Halle, und ein Protest. Pfarrer convertirt, und beide fiudiren nun Theologie. In Baden mindert sich die Zahl der kath. Priester immer mehr. Nach dem dießjährigen erzbischöfl. Directorium übersteigt die Zahl der Verstorbenen die der Neugeweihten schon wieder um das Zweifache. Am Ende bleibt noch der Erzbischos, wenn eS so fort geht, allein in seinem Sprengel übrig. Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. Verlags-Jnhaber: F. C. Krem er.