Eilfter Jahrgang. Sonntags-Beiblatt zur Augsburger Postzeitung. 30. März ^U- FA. 1851. Dieses Blatt erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der halbjährige Abonnementspreis 4V kr., wofür es durch alle königl. bayer. Postämter und alle Buchhandlungen bezogen werden kann. ^—-..... -------------------------- ------------ Rosa von Viterbo. i 1261. Als einst ein Strafgericht Viterbo heimgesucht, Das in der Zucht des Herrn und seiner Furcht erschlafft, Und Tausende, die ihm gefrevelt und geflucht, Des blassen Hungers grimme Hand hinwcggcrafft: Da eilte Rosa, noch ein Kind, in frommem Sinn Hin durch die Gassen und den Markt der öden Stadt, Trägt in die Hütte still die arme Spende hin, Die sie dem cig'nen Hunger sich entzogen hat. Einstmals begegnet ihr auf diesem Liebesgang Der karge Vater, dessen eisig-kaltes Herz Kein Fleh'n der Armuth je erwärmt; sie blicket bang Bald hin nach ihm, bald aus die Schurze niederwärts. „Was birgst du in den Falten da?" sragt er geschwind. „„Es sind nur Rose», Vater,"" drauf die Kleine spricht. „So zeige sie!" und zitternd bot sie dar das Kind: ES waren Rosen, frisch, wie sie der Gärtner bricht. Befriedigt wandte sich der Karge ab und ging Des Weges fort; doch Rosa sucht die stille Noth Voll Sorge auf; denn was sie mit dein Kleid umfing War nicht mehr Roscubluthe — frisches Brod. Tafrathshofer. Hirtenbriefe deutscher Bischöse. Vom hochwürdigsten Bischöfe von Paderborn. Unaufhörlich fordert das Gesetz des Fleisches, welches in unsern Gliedern ist, und dem Gesetze des Geistes widerstrebt, zum Kampfe uns auf; ohne Unterlaß dringt die Welt mit ihrer Augen- und Fleischeslust und mit ihrer LebenShoffart auf uns ein, in mancherlei Anfechtungen, Prüfungen, Versuchungen und Gefahren, die unser ewi- 98 geS Heil bedrohen. In zerbrechlichen Gefäßen tragen wir den Schatz unserer Tugend. Bald geht der Teufel, unser Gegner, wie ein brüllender Löwe umher, suchend, wen er verschlinge, bald kleidet der Feind unsers Heils sich in einen Engel des Lichtes, um in die Schlingen der Sünde und des Verderbens uns zu locken. Ein Streit ist deS Menschen Leben auf Erden. Kampf, Mühe, Selbstverleugnung, Entbehrung und mancherlei Trübsal bleibt unser LooS hieniedcn, bis wir im Tode den Wanderstab unserer irdischen Pilgerschaft niederlegen. Der Knecht ist nicht über seinen Herrn; der Schüler nicht über seinen Meister. Mußte selbst Christus, unser heiligster Erlöser, leiden, und also in seine Herrlichkeit eingehen, wie könnten wir, die wir durch mannigfache Sünden vor dem Auge des Allheiligen befleckt sind, uns beklagen, wenn auch wir durch viele Trübsale eingehen müssen in das Reich Gotles. Darum, geliebte Diöcesanen! seyd nüchtern und wachsam. Kämpfet den guten Kampf deS Glaubens, ergreifet daS ewige Leben, wozu ihr berufen seyd. Arbeitet, nach deS Apostels Mahnung, als gute Kriegslcute Christi Jesu. Keiner wird gekrönt, wenn er nicht gesetzmäßig gekämpfl hat. Und welcher ist der KampfprciS, der am Ende der irdischen Laufbahn den treuen Kämpfer erwartet? Es ist nicht eine vergängliche, sondern eine unvergängliche Krone; es ist die Krone der Gerechtigkeit und des ewigen LebenS, die der Herr denen hinterlegt hat, die einen guten Kampf gekämpft. Selig der Mann, der die Anfechtung aushält; denn, wenn er ist bewährt worden, wird er die Krone des Lebens empfangen, welche Gott denen verheißen hat, die ihn lieben. Wer, geliebte Diöcesanen! wer wollte ermüden und verzagen in einem Kampfe, welcher nach bald vorübergehenden Mühen und Entbehrungen einen solch herrlichen und ewigen Siegeslohn unS in sichere Aussicht stellt? Wer wollte, nachdem er die Hand an den Pflug der christlichen Frömmigkeit und Tugend gelegt hat, treulos zurückschauen aus die eitlen Freuden der Sünde, deren kurzem, täuschenden Genusse lange und bittere GewissenSqual auf dem Fuße folgt, die Gottes Wohlgefallen und die Hoffnung deS ewigen LebenS uns raubet. Lasset euch nickt bethören durch ihre lockende Stimme. Die Sünde ist der schnödeste Undank gegen Gott unsern Schöpser, Erlöser und Heiligmacker: sie ist die Störerin unsres zeitlichen und ewigen Wohles. Vielmehr, wenn deine Hand oder dein Fuß dich ärgert, so haue ihn ab und wirf ihn von dir; und wenn dein Auge dich ärgert, so reiße eS aus uud wirf es von dir. Bringet bereitwillig jedes, auch daS schwerste Opfer; entjaget jedem, auch dem liebsten Genusse, um vor der Sünde, dem größten der Uebel, euch zu bewahren, Präget eurem Geiste und Herzen tief daS ernste Wort unsers Heilandes ein: was nützt eS dem Menschen, die ganze Welt zu gewinnen, wenn er Schaden leidet an seiner Seele. Vielfach, ja unaussprechlich hat der Herr in der Vergangenheit eures LebenS euch beglückt und begnadigt, von dem Tage an, da ihr in der heiligen Taufe zur Kindschaft Gottes und zu Mitgliedern seiner heiligen Kirche berufen wurdet, bis zu dieser Stunde. Bewahret, geliebte Diöcesanen! was ihr empfangen habet, damit Niemand euch die Krone raube. Stehet fest in liebethätigem Glauben. Ohne ihn ist eS unmöglich, Gott zu gefallen. Er ist der Sieg, in welchem wir die Welt überwinden. Bekennet standhaft in Wort und That euren Glauben vor den Menschen, kämpfet freudig und beharrlich für Christus den Herrn, der nicht durch vergängliches Gold und Silber, sondern um den Preis seines kostbaren Blutes euch erkaufet und erlöset hat. Er, der, die Sünde ausgenommen, uns in Allem gleich geworden, Er selbst ist auf dem Wege des Kreuzes unS vorangegangen. Er hat uns ein Beispiel gegeben, damit wir in seine Fußstapfen treten. Mit der Siegesfahne deS Kreuzes, mit dem Zeichen unserer Erlösung und seligsten Hoffnungen geht Er als treuer Führer, als ermunterndes Vorbild uns voran in den Kämpfen, auf den dunklen und mühevollen Pfaden dieses vergänglichen ErdenlebenS. Ihm folget nach. Zu Ihm blicket empor, dem Anfänger und Vollender unseres Glaubens, zu JesuS, der für die ihm vorgelegte Freude das Kreuz erduldete, die Schmach nicht achtete und nun zur Rechten des Thrones Gottes sitzet. Ja an Ihn gedenket, damit ihr nicht ermüdet und 99 euren Muth nicht sinken lasset. In eurem Denken, Reden, Handeln und Dulden Jesu mehr und mehr ähnlich und wohlgefällig zu werden, daS, theure BiSihumsange- hörige! sey euer höchstes und tägliches Streben, damit Christus stets ausS Neue in euch Gestalt und Leben gewinne, und damit ihr Alle in sein herrliches Bild verklärt werdet. Erfüllet treu und gewissenhaft, mit Arbeitsamkeit, Redlichkeit und Freudigkeit die Pflichten des Standes, den der Herr euch angewiesen, sey er hoch oder niedrig. Weihet und heiliget die Arbeiten und Beschwerden eures Berufes durch frommen Aufblick zu Gott, in welchem wir leben und weben und sind. Was immer ihr thun möget, in Wort oder That, thut Alles im Namen unseres Herrn Jesu Christi. Ob ihr esset oder trinket, oder was ihr auch Anderes thut, thut Alles zur Ehre GotteS. Erduldet mit bußfertigem Herzen, mit Geduld und Ergebung die Leiden und Trübsale, durch welche der himmlische Vater zu eurer Besserung, Prüfung und Läuterung euch heimsuchet, damit ihr einst in Freude erntet, was ihr in Thränen gesäet. Vor Allem habet Liebe unter einander, welche ist das Band der Vollkommenheit. Ertraget euch einander, und vergebet euch gegenseitig, wenn Einer gegen den Andern eine Klage hat. Wie der Herr euch vergeben hat, also auch ihr. Damit ihr aber kämpfet diesen guten Kampf, und eures ewigen Heiles nicht verluftig gellt, geliebte Diöce- sanen! so höret die heilige Kirche, welche der Sohn Gottes mit seinem theuren Blute auf Erden gründete. Nicht oft und dringend genug können wir im Hinblicke auf die mannigfachen Gefahren, welche euren Glauben und eure Tugend bedrohen, diese väterliche Ermahnung euch an das Herz legen. Die Kirche ist die Säule und Grundfeste der Wahrheit; sie ist die auf unerschütterlichem Felsen gegründete, vom Geiste der Wahrheil geleitete Heils- und Segcnsanstalt; sie ist die Lehrerin und Erzieherin der Menschheit, die Beglückerin der Völker, unsere liebevolle Mutter. Wandelt als dankbare un5 gehorsame Kinder an ihrer treuen und sichern Hand, und ihr werdet nicht in die Irre gehen. Seyd willige Hörer und eifrige Thäter des göttlichen Wortes, welches sie durch ihre geweihten Diener fort und fort euch verkündet. Schöpfet in frommer Heilsbegier auö dem siebenfache» Gnadenquell der heiligen Sacramente, welchen der Weltheiland in ihr eröffnete; lasset die dadurch euch zufließende himmlische Gnade durch eure treue Mitwirkung fruchtbar werden in eurem Reden, Wirken und Dulden. Nehmet oft und andächtig Theil an der Feier deö heiligen Opfers, in welchem auf den Altären unserer heil. Kirche der blutige Sühntod Jesu vor den Augen unsers Glaubens unblutig sich erneuert. Dort lernet den Heiland lieben, der unS zuvor und bis zum Tode geliebt. Dort lernet die Sünde hassen, die Ihn, den Unschuldigsten an daS Kreuz gebracht. Feiert mit der ganzen Theilnahme eures HerzenS den herrlichen Kreislauf der heiligen Zeiten und festlichen Tage, in welchen die Kirche alljährlich daS ganze Leben unseres göttlichen Heilandes und seiner heiligsten Mutter, zu unserer frommen Betrachtung und Nachahmung, vor unsern Augen entfaltet. Gebet willig Gehör ihrem Rufe, wenn sie bald zu den ernsten Wegen der Buße unS einladet, bald durch die» erhebenden und ermunternden Hoffnungen, bald durch die schreckenden Drohungen der ihr anvertrauten untrüglichen Wahrheiten unS zu heiligen liebreich bemühet ist. Heiliget euer irdisches Leben und Streben durch die Kirche deö Sohnes GotteS, indem ihr fest und treu an sie euch anschließet, indem ihr mehr und mehr in euch aufnehmet ihren heiligen und friedebringenden Geist, indem ihr bereitwillig AllcS ergreifet und dankbar benutzet, wodurch die Kirche für den Himmel unS zu erziehen nimmer ermüdet. O wahrlich nicht in eine dürre und öde Wüste sind wir von dem Herrn versetzt, vielmehr in den fruchtbaren Weinberg, den seine Rechte gepflanzt hat.. Wohl geziemt es uns daher, daß wir nicht dem unfruchtbaren Feigenbaume deö Evangeliums, vielmehr jenem Baume gleichen, der gepflanzt ist an Wasserbächen, dessen Blätter nicht verwelken, der seine Früchte trägt zur rechten Zeit. Geliebte Diöcesanen! Nicht können Wir am Schlüsse unserer oberhirllichen Ermahnungen jene besonderen und großen Wohlthaten mit Stillschweigen übergehen, durch welche der allgütige Gott in der jüngsten Vergangenheit uns erfreuet, und zum innigsten Danke uns verpflichtet hat. 100 Schon war die Geißel eines unheil« und verderbendrohenden Krieges über u«S geschwungen; schon seufzten so manche Familien unter den beginnenden Opfern und Leiden desselben; schon sahen wir im Geiste über unsere Stävte und Dörfer in Strömen die vielfachen Drangsale hereinbrechen, welche mit dem Kriege unausbleiblich verbunden sind. Aber der Lenker aller Dinge, Er, der die Herzen der Könige, die Geschicke ganzer Völker, wie des Geringsten seiner Kinder in seiner Hand trägt, Er erhörte abermals unser Flehen, gab unS den lieben Frieden mit seinen Segnungen zurück, und wälzte von unzähligen Herzen die Centnerlast angstvoller Betrübniß und Sorge, Ja zu dieser unschätzbaren äußern Wohlthat gesellte durch die Barmherzigkeit Gottes nnd durch die apostolische Freigebigkeit unseres heiligsten VaterS PiuS IX. sich die geistige Segnung eines uns verkündeten allgemeinen Jubiläumsablasses. In allen Theilen Unseres ausgedehnten ViSthumS eilten während dieser Gnadcnzeit die Gläubigen bereitwillig hin zu den Richterstühlen der Buße, zu dem Mahle der ewigen Liebe, zu den Altären deS Herrn, reinigten und heiligten ihren Sinn nnd Wandel, bereicherten sich auS den geöffneten Gnadenschätzen der Kirche, und fanden in den Wirren dieser Zeit Trost und Ruhe für ihre Seele. Vergesset nicht des innigsten Dankes, geliebte Diöcesanen! den wir für diese unschätzbaren Wohlthaten dem Herrn schulden. Lasset dieselben nicht an euch verloren seyn. Erweiset der göttlichen Huld und Liebe euch würdig durch einen gottgefälligen Sinn nnd Wandel. Leget täglich an die Rüstung GotteS, damit ihr zur schlimmen Zeit Widerstand leisten, nnd AlleS besiegend das Feld behaupten könnet. Ergreifet den Schild des Glaubens, umgürtet euch mit dem Panzer der Gerechtigkeit und Liebe; nehmt den Helm des Heilandes nnd daS Schwert deS Geistes, welches ist daS Wort GotteS. Angethan mit dieser himmlischen Waffenrüstung, wachet, betet und kämpfet, geliebte Diöcesanen! damit der durch GotteS Güte unS erhaltene äußere Friede geheiliget werde, und wahren Werth und Bestand gewinne durch jenen innern Frieden, dc» die Welt nicht geben kaun. Diesen kostbaren Frieden suchet vor Allem zu erringen in der bevorstehenden heiligen Fastenzeit. Dieser Friede, mit welchem der Heiland nach seiner glorreichen Auferstehung siegreich seine Apostel begrüßte, dieser Friede GotteS, der alle Begriffe übersteigt, er wohne reichlich nnd immerdar in euch Allen, und bewahre eure Herzen und Gesinnungen in Christo Jesu. Amen. Berichte über Missionen. Trier, 18. März. Die hier abgehaltene Mission ist nun beendigt; wir können darüber berichten. Unser verehrter Oberhirt hat von der kirchlichen Freiheit den würdigsten Gebrauch gemacht, indem er sür die Diöcese Trier die Volksmissionen eingeführt hat. Die Leitung ist sehr würdigen Händen aus dem Orden deS allerheiligsten Erlösers übergeben worden. Die Rcsultate'für die Stadt Trier sind sehr erfreulich, und lassen gleichen Segen sür die Diöcese erwarten. Wem? wir nicht irren, so ist die letzte Mission für unsere Stadt im Jahre 1776 durch Väter Jesuiten abgehalten worden; sie wollten vor ihrem Anseinandergehen hier noch ein würdiges Andenken ihrer Gesinnung und ihrer Wirksamkeit hinterlassen. DaS damals aufgepflanzte hölzerne MissionSkreuz hatte sich noch erhalten, und ist renovirt für die neue Mission im Dome wieder angebracht. Welche Zeit liegt zwischen'diesen beiden Missionen, welche Stürme sind über Europa hereingebrochen, welche Zerstörungen, welche Veränderungen der verschiedensten Art für die Staaten, für die äußeren Verhältnisse der Kirche, für Sitte und Leben! Die Mission war für unser Volk etwas UngekannteS, Neues; aber es begrüßte dieselbe mit seinem richtigen Gesühle für alles Gute als etwas Segenbringendes, und eS strömte reichlich hinzu, um sich der Früchte derselben theilhaft zu machen. An dem passend gewählten Aschermittwoch begann die heilige Feier. AuS Altötting, dem Hauptsitze der Redemptoristen in Bayern, waren unter der Leitung des Herrn P. Rector Miller die größere Zahl der Patres gekommen, welchen sich noch diejenigen ans Koblenz nnd Bornhofen angeschlossen hatten. ES 101 waren die Herren PatreS Miller, Riegger, Druck, Pernizza, Heilig, Gemming, Wieland, Castel, Gampel und EichclSbach; dieselben sind während dreizehn Tagen unermüdet thätig gewesen in Verkündigung des göttlichen Wortes und in Spendung deS BußsacramentS. Täglich wurden drei Vorträge im Dom gehalten, außerdem besondere Belehrungen über die Standespflichten in der schönen Liebfraucnkirche: für die Jungfrauen, für die Frauen, für die unverheirathetcn und für die verheiratheten Männer an verschiedenen Tagen, und zwar für jeden Stand ausschließlich gegeben. Die hochwürdigen PatreS verkündeten die ewigen Wahrheiten nach der Reihenfolge der Exercitien deö heiligen JgnaliuS mit der diesem Orden eigenen Klarheit, Kraft und Lebendigkeit und praktischen Einfachheit. Alles sollte dienen, den Christen zu belehren, zu erschüttern, zur Buße umzustimmen, um den Weg christlichen Lebens mit Muth zu ergreifen. Von dem Eingehen in die einzelnen Vorträge müssen wir absehen, können aber sagen, daß sie ohne Ausnahme den tiefsten Eindruck gemacht haben. Selbst das Abwechseln der verschiedenen Redner war angenehm, weil jeder Zuhörer für den Zug seiner Stimmung Auswahl fand. Bald ergriff die tiefe christliche Auffassung, bald die Innigkeit deö Gefühls oder die niederschmetternde Kraft des Wortes gegen die Sünde; plastische Darstellung, praktische Einfachheit und wissenschaftliche Gründlichkeit waren die Grundtöne, welche vorherrschten. Den Eindruck mehrte das Klostergewand, und daS Bewußtseyn, daß diese Männer Alles verlassen hatten, um Apostel deS Glaubens zu seyn, und daß sie weit hergekommen waren, nichts Anderes suchend, als Seelen zu gewinnen. Großen Einfluß übten die mit den Predigten verbundenen oder mit denselben in Zusammenhang stehenden heiligen Handlungen und Acte. Morgens folgte nach der Predigt die heilige Messe, Nachmittags Erklärung und Abbeten deS Rosenkranzes, Abends Bußgesänge mit sacramentalischem Segen. Dahin gehören ferner: die feierliche Uebergabe der Facnltäten an die Herren PatreS durch den hochwürdigsten Bischof, die Segnung deS MissionökreuzeS, die Erneuerung der Taufgelübde, die Abbitte vor dem alterheiligsten Sacramente, und besonders die Generalcommunionen. Nach den ersten Tagen folgte schon die Beicht der Erstcommu- nicanten und deren Gencralcommunion, dann an andern Tagen solche für die Jungfrauen, für die Frauen, für die Jünglinge und Männer, und nach dem Schlüsse der Misston noch eine gleiche für die Gymnasiasten und Bürgerschüier. Diese Generalcommunionen waren gleichsam die Lichtpuncte der Missionen, und besonders geeignet, daS neue Leben der Liebe in die Herzen der Theilnebmenden auSzugießcu. Unausgesetzt waren die Missionäre vom frühen Morgen bis zum späten Abend mit dem Beichthören beschäftigt; sie wurden darin aufs Thätigste von den hochwürdigsten Herren Bischöfen Arnolvi und Braun und der hochwüidigen Domgeistlichkcit unterstützt, unv in den Pfarrkirchen geschah daS Gleiche Seitens der Seelsorger und anderer Priester. ES war nämlich der Andrang zu den Predigten so groß, daß der sehr geräumige Dom die Gläubigen nicht fassen konnte — der Dom faßt, wenn er gefüllt ist, an 6000 Menschen, und der Andrang zum Bußsacramente war über alles Erwarten stark. Um 1 Uhr Mvrgens erhoben sich schon die Christen, um ein Plätzlein am Beicht- stuhle zu finden, und sie dauerten aus bis zum späten Abend, nnd Viele mußten den Gang und das AuSdauern bis in den dritten Tag wiederholen; Manche fanden keine Stelle. Es begreift sich dieß, wenn man erwägt, daß (die Anzahl der Katholiken deS Stadtcantons beträgt gegen 23,000) 12-14,000 heilige Communionen in dieser Zeit theils im Dome, theils in den Pfarrkirchen statt hatten, und daß der greßte Theil der Beichten Generalbeichtcn gewesen sind. Erschütternd wirkte daS Läuten der großen Domglocke um halb 9 Uhr eines jeden Abends der MissionSzeit. Wenn diese Töne vom ehrwürdigen Dome erschallten, dann warfen sich in dcn Häusern, und wo sie auch waren, die Gläubigen auf die Knie und beteten fünf Vater unser zur Bekehrung der Sünder. Fragen Sie mich über daS Resultat der Missionen, so antworte ich einfach: die Theilnahme aus allen Classen der Bevölkerung ist außerordentlich groß und stät gewesen; das Wort Gottes ist mit großer Sehnsucht angehört worden, die innigste 10S Rührung spiegelte sich auf manchem Antlitze ab, der größte Theil der Bewohner Triers und der Vorstädte hat diese Zeit fast ausschließlich dem Seelenheil gewidmet; viele außerordentliche Bekehrungen sind geschehen, viele Restitutionen sind, an Private und an öffentliche Cassen geleistet worden; kein Mißton hat sich in die heilige Feier gemischt; nicht die geringste Störung oder Kränkung ist vorgefallen; selbst AnderS- glaubende nahmen warmen Antheil und waren in ihrem Urlheile über die Missionen und die Missionäre gerecht; eine freudige Stimmung tönt durch das Volk und die Zeichen größerer Glaubenswärme geben sich kund. WaS Gott im Innern der einzelnen Seelen gewirkt, ist ihm allein bewußt. Gewiß sind noch viele angeregt, in denen die Gnade erst nachwirken wird. DaS Volk hat die Missionäre einfach ohne Vorurtheile aufgenommen, hat sie mit Liebe gleichsam verfolgt und mit Schmerz scheiden sehen. Wir schließen unsern einfachen sachgetreucn Bericht mit dem Worte, das unser ehrwürdiger Bischof beim feierlichen Schluß der Mission von der Dom- canzel den hochwürdigen PatreS nachrief: Gott vergelt's; er wird das Werk seiner Diener lohnen und segnen. (D. Volkshalle.) S,!-^, " ^ ' * » * ' 7'.,'^ Bonn, 2l. März. Alle Herzen danken Gott für den Segen unserer jetzt bereits in den dreizehnten Tag dauernden herrlichen Mission und denken nur ungern an den baldigen Abschied dieser Gottgesandten Männer, welche so klar und kräftig, so wahr und eindringlich unv dabei so einfach und verständlich und zugänglich für Jedermann daS Wort des ewigen LebenS verkünden. Da ist kein Stand und Alter und Geschlecht, kein confessioneller oder polnischer Standpunct, der nicht fast in derselben Weise Befriedigung findet; eS ist von Interesse an Ort und Stelle die verschiedensten, in dem einen Puncte alle zusammentreffenden Urtheile vernehmen und ver-^ gleichen zu können. Daß eS Jesuiten sind, welche so ohne Rückhalt und ohne Um- schweif, und doch auch so ohne anzustoßen und zu verletzen, die katholische Wahrheit predigen, erregt natürlich Erstaunen bei Denen, welche die Jesuiten nur nach den Lügenschilderungcn der schlechten Presse kennen; ist aber ein neuer Beweis von der Umsicht und Tüchtigkeit dieses Ordens. Am Vorabende des St. JosephtageS brachten die Studirenden dem Pater Joseph (Klinkowström) ein schönes Ständchen, welches den tieffühlenden Priester auf's Innigste rührte, dessen Dankesworte mit dem Versprechen schloffen: „er werde im Gebete diese Liebe vergelten!" — Am nächsten Sonntage werden die Missionen geschlossen werden. Am verflossenen Sonntage wohnten Se. Eminenz der Herr Cardinal v. Geissel den Predigten bei, nachdem Sie früh die heilige Messe in der Münsterkirche gefeiert. Der an sich nicht unbedeutende Raum dieser schönen Kirche war besonders am Sonntage so gefüllt, daß Kopf an Kopf stand und die Zahl der Anwesenden auf zehn Tausend gerechnet werden kann. (Mainzer I.) Die Deutschen in Paris. Luxemburg, 4. März. Die MissionSvereine mögen wohl nirgends in Deutschland eine solche Unterstützung finden, als in dem kleinen Großherzogthum Luxemburg, was für die religiöse Gesinnung der großen Masse der Bevölkerung ein schönes Zeugniß ablegt. In einer Diöcese von 184,000 Seelen werden allein für den LaveriuSverein jährlich im Durchschnitte 9 — 10,000 Franken zusammengebracht. In diesem Jahre erreichten die Beiträge nicht ganz die Summe von 9000 Franken. Der Bonifaciusverein, der erst im Laufe deS JahreS 1850 gegründet wurde, hat schon eine ziemlich allgemeine Verbreitung gefunden, und im ersten Jahre seines Bestehens 15—1600 Franken eingenommen. Man hat hier den Gedanken gefaßt, die Deutschen zu Paris, die man von den Franzosen fast gänzlich vernachläßigt glaubt, von hier aus in Seelsorge und tm Schulwesen zu unterstützen, und wartet schmerzlich auf einen Bescheid von Seiten des Direktorium?. Indeß möchte doch, wenn eS auch gelänge, in den nächsten Jahren die Einnahme deS Vereins bis auf 2 oder 3000 103 Franken zu bringen, alles, waS von hier aus geschehen kann, nur wie ein Tropfen, der inS Meer fällt, zu betrachten sey». Denn daS seit so vielen Jahren schon andauernde Elend der Deutschen in Paris hat ein solches Uebermaaß von Uebelständen herbeigeführt, daß ein sehr energisches Einschreiten von Seiten Deutschlands nothwendig ist, wenn der Enlsitllichung und Verwahrlosung ein Ziel gesetzt werden soll. Empfänglich sind die Deutschen für religiöse Eindrücke überall, und auch zu Paris, wenn ihnen nur Hilfe geboten wirde Die neulich geschehene Errichtung einer Capelle für die Deutschen sehen wir mit Dank als einen Anfang des Besserwerdens an. Aber eine Hilfe, wie sie nothwendig ist, erwarten wir mir dann, wenn Deutschland selbst mit Kraft und Beharrlichkeit die Sache in die Hand nimmt. ES ist himmelschreiend, wie wir 80,000 LandSleute verlassen und der Demoralisation und dem Versinken in Gottlosigkeit preisgegeben baben. Wie kann Gottes Segen über Deutschland kommen, und wie mag unser tägliches Gebet um Rückkehr unseres ganzen innig geliebten Vaterlandes zum kalholischen Glauben Erhöhung finden, wenn wir kein Herz haben für 80,000 Glaubensgenossen, die ohne Hilfe in Irreligiosität und Un, sittlichkeit versinken! Wir wollen nicht fragen, wer hier zuerst und zunächst die Pflicht gehabt hätte, für die religiösen Bedürfnisse dieser Bewohner der französischen Hauptstadt zu sorgen; die Thatsache, daß sie in einer alle Begriffe übersteigenden religiösen und moralischen Vernachläßigung leben, legt uns die unbezweifelbare Pflicht auf, in aller und jeder Weise Hilfe zu schaffen. Zwei oder drei OrdenShäuser mit deutschen OrdenSmännern, und nicht einige Capellen, sondern 4—6 eigene Kirchen mit Pfarrrechten für die deutsche Bevölkerung von 80,000 Seelen wären eine Hilfe, die nach« haltige Wirkung hervorbringen würde. Wie wohlthätig würde eS auf die Pariser Bevölkerung einwirken, wenn sie einmal eine Anzahl gehörig eingerichteter Pfarrkirchen für die Deutschen in ihrer Mitte hätte, da schon jetzt in der Capelle und in den Kirchen, wo ihnen ambulatorisch die Haltung deS Gottesdienstes gestattet wird, ihre Andacht und ihr Kirchengesang einen so großen Eindruck auf die Pariser machen! Wenn Deutschland in dieser Weise für die Seinigen in Paris sorgte, dann würde die deutsche Arbeiterbevölkerung nicht lange mehr die Pflanzschule der Demokratie und der rothen Republik seyn, wodurch selbst Deutschland, und namentlich seine Westprovinzen fortwährend bedroht werden. Dieß ist ein Gesichtspunkt, der auch die deutschen Regierungen, namentlich Oesterreich und Bayern veranlassen könnte, dieser Angelegenheit ihre Aufmerksamkeit zuzuwenden, und durch ihren Einfluß die Wirksamkeit der Privatvereine, die nicht überall ausreichen möchte, zu unterstützen. (D. Volköh.) "n«jjitnp»k sÄlzMliS MS'^sknH ttKk kZk'. uzv? ^psn ?i>5 < tt»Hkuni»KAÄ 6ms S»M tpiA Oeffentlicher Widerruf des ehemaligen Pfarrers zu Auras Jofeph Nitfchke. Am 13. Juli 1845 entsagte ich meinem Pfarrnmte, verließ die katholische Kirche und schloß mich in vollkommener Verblendung der rongeschen Secte an. Gottes Gnade und Erbarmung aber ließ mich meine schwere Verirrung erkennen und gab mir Kraft, mich derselben zu entreißen. Vor der ganzen Diöcese und vor allen katholischen Christen, deren Verzeihung ich des von mir gegebenen Aergernisses wegen in aller Demuth meines Herzens mir erbitte, spreche ich es daher öffentlich und feierlichst aus, daß ich nieinen Abfall von unserer heiligen katholischen Kirche, meinen Ungehorsam gegen die heiligste Mutter, welche getreu ihrem göttlichen Berufe und Auftrage für das ewige Heil aller ihrer Kinder liebevoll sorgt, auf daS tiefste und lebendigste verabscheue und bereue, und widerrufe ich AllcS, waS ich zur Verbreitung und Befestigung des Irrthums und der Sectirerei geredet und gethan habe. Durchdrungen von der heiligen Ueberzeugung, daß die katholische Kirche die von Gott gestiftete und durch den heiligen Geist geleitete HeilSanstalt und darum in ihren unendlich beseligenden Lehren wahr und unfehlbar sey, ist eS daher mein heiligster Vorsatz, unter dem Beistande Gottes fortan in ihrem und ihres göttlichen Stifters Geiste zu wirken, zu lehren und zu leben, und das große Aergerniß, das ich allen 104 treuen Glaubensgenossen durch meinen Abfall gegeben habe, nach Kräften wieder gut zu machen. Dazu verleihe der allmächtige Gott mir seine Gnade und seinen Beistand. Neustadt, im März 1851. Joseph Nitschke. Mainz. Frankfurt. Mainz, 18. März. So allseitig sich die Entrüstung unserer Bürgerschaft über das am 10. d. M. durch A. Seebold in hiesiger SeminariumSkirche verübte Attentat geäußert, eben so groß ist auch die Theilnahme, welche dieselbe dem verehrten Regens, dem Herrn Dr. Nickel, widmet. Von alleit Seiten und aus allen Kreisen erhält derselbe zahlreiche Beweise des Beileides und zugleich der Achtung, die dem schändlichen Sacrilegium gegenüber auf alle besser gesinnten Bewohner unserer Stadt den günstigsten Eindruck hervorbringen, da eS sich auf diese Weise bestätigt, waS ein ehrenwerthes Mitglied der ersten Kammer zu Darmstadt äußerte: daß nämlich in Mainz daS religiöse Gefühl noch icht erstorben sey. Mit den dankbarsten Gefühlen aber ward es aufgenommen, daß unter den Ersten, welche Herrn vi. Nickel nach dem auf ihn ausgeführten Mordansalle ihre Theilnahme versichern ließen, Ihre Königlichen Hoheiten unser allverehrter Großherzog nebst Hoch- dessen Frau Gemahlin nebst der ganzen Großherzoglichen Familie sich befanden, welche dem hochwürdigsten Bischöfe und durch diesen dem Herrn Regenö brieflich ihr Beileid bezeugten, wie denn über das Attentat Seebolds und die Behandlung der Mainzer Geistlichkeit überhaupt in den höchsten Kreisen sich die größte Entrüstung ausspricht. Kaum war in Darmstadt die verruchte That bekannt geworden, als auch schon von Seiten der Großherzoglichen Negierung eine Commission, bestehend aus zwei Gr. Ministerialräthen, abgeordnet wurde und in Mainz erschien, sowohl um Herrn Dr. Nickel die Theilnahme der Regierung auszudrücken, als auch um an Ort und Stelle nähere Erkundigungen und etwaige Maaßregeln vorzubereiten. — Von den a»S Mainz selbst am SchmerzenSlager des hochwürdigcn Herrn Regens sich Einfindenden erwähnen wir, außer Sr. bischöflichen Gnaden, welche täglich den Leidenden mit ihrem Besuche erfreuten, nur die hohen Militär- und Civilbehörden unserer Stadt und Bundcsfestuug, das hochwürdige Domcapel und den PfarrkleruS, nebst einer Menge Bürger und Freunde des Herr» Dr. Nickel, die sich aus der Nähe und Ferne hcrzudrängten, um auf die rührendste Weise ihre Theilnahme auszudrücken. Dieß Alles sind Erscheinungen, die ganz dazn geeignet sind, dem Auslande gegenüber den Ruf unserer Stadt in einem bessern Lichte erscheinen zu lassen, sie liefern nicht minder den Beweis, daß die Achtung vor der Religion und deren Dienern in unserm Großherzogthumc eben so gut auf dem Throne wie in den verschiedensten Kreisen der bürgerlichen Gesellschaft sich immer noch in ungetrübtem Glänze wiederfindet. (M. I.) Aus Frankfurt a. M. vom 23. März wird dem M. I. geschrieben: „Zum Beweise, daß die Nohheiten unserer sogenannten civilisirten Generation nicht bei Ihnen allein zu Hause sind, mag Ihnen das Factum dienen, daß nnser Stadtpfarrer Beda Weber sich genöthiht gesehen hat, wegen der absichtlichen Störungen deS sonntäglichen FrühgottesdienstcS im Dome bei hiesigem Polizeigerichte Klage zn fuhren. ES dürfte nicht absichtslos geschehen, wenn in einer Zeit, wo gegen die „schwarze Pest" mit allen Mitteln der Hölle angekämpft wird, weil sie fast allein es ist, welche den Umsturzplänen einer nichtswürdigen Partei muthig entgegentritt, auch frühere Erzeugnisse einer lügenhaften Schandpresse wieder auftauchen. So sieht man gegenwärtig dahier eine kleine Schrift „der ostfränkische Reformator AmbrosiuS" von Georg Lommel, Frankfurt 1847, cursiren. Schon der Name deS Autors, früher Bibliothekar in Würzburg, wird erkennen lassen, waS dem unkundigen Volke in einer sonst pikanten Schreibart geboten wird." Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. Verlags-Jnhaber: F. C. Krem er.