> Eilfter Jahrgang. Sonntags-Beiblatt ' M^^'^^A Augsburger Psjtzeitung. 6. April ^ läl 1851. Dieses Blatt erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der halbjährige Abonuementspreis kr., wofür es durch alle köm'gl. baycr. Postämter und alle Buchhandlungen bezogen werden kann. An Wilhelm Molitor. *) Gesprochen am Tage seiner Primiz den 16. März 1851 von Oskar v. Redwl'tz. O, wenn des Liedes ew'ger Hort Mir doch ein recht begnadigt Wort In dieser Stunde schenken wollt'! Ein Lied, wie ächtes, lautres Gold, Ein Lied, wie lichten Stcrnenglanz, Ein Lied mit frommem Engelsfrieden, Das ich als heitern Festeskranz, Umrciht von himmlischem Juwele, Um solch ein liebes Haupt dürft' schmieden! Doch ach! Du heißgeliebte Seele! Wie ich für Deinen heil'gen Tag Mein tiefstes Herz so still belauscht. Da hat es mählig so gerauscht, Als ob es eine Harfe wäre Mit jubelreichcm Saitenschlag, — Da stürzte fluthend Zähr' um Zähre, Ein Schauer rann durch alle Glieder, Und ich ward stumm — d'rum, o vcrgieb! Das Herz nur faßt so sreud'ge Lieb' — Zu klein dafür sind alle Lieder! Und ach, steh' nur, wie nah und sern Sie all' aus Lieb' gekommen sind, Wie Kinder sich zu sreu'n im Herrn, Der Dich, der Kirche treues Kind, So väterlich begnadigt heut'! Im thränenschwercn Mutterblick, O sieh' die sel'ge Mutterfreud' Um Dein gesegnetes Geschick! Dem Bruder sieh' in's Angesicht! Uns Alle sieh', wie freudenreich Ein Leuchten aus dem Auge bricht! ") A. d. D. BolkShallt> los Denn ach, was ist der Würde gleich, Mit der der Herr Dich heut' geschmückt? Ein Amt, das Engelsschultern drückt, Deß Helligkeit kein Mund kann sagen, Das soll nun Deine Schulter tragen! — Doch wie auch schwer die Bürde ist, An Dir soll Keiner doch verzagen, Denn wie getreu dem Herrn Du bist, Deß Aug', der stets in's Herz Dir sah, , Der Herr im Himmel weiß es ja! Der Herr, der aus barmherz'ger Lieb' Mit seiner Gnadenmacht Dich trieb, Dich loszumachen von den Banden, Und in den heil'gcn Strom zu springen, Nach gottessreud'gcm Mannesringen Geweiht am Heiligthum zu landen; Der Herr, der solchen hohen.Hirt Dir gab zum Vorbild und zum Leiter, Der Dir als Diener und als Streiter Allzeit voll Liebe helfen wird; Der Herr, er lass' in jeder Stunde Als seinen Diener Dich aus Erden,- Der Engel Freud' im Himmel werden! — Das sey aus tiefstem Herzensgrunde Für Dich erflehet von uns Allen! Und nun laßt froh die Gläser schallen, Daß Jeder freudiglich es leere! Luilelmus hoch! — dem Herrn die Ehre! Ansprache des heiligen Vaters Papst Pins »X. im geheimen Konsistorium am 17. Febr. 1851. Ehrwürdige Brüder! Unter den neuen Bischöfen der verschiedenen Kirchen, die wir Euch, Ehrwürdige Brüder, in diesem Consistorium vorschlagen sollen, findet sich auch der ehrwürdige Bruder Joseph de Silva TorreS, Erzbischof von Palmyra, mit inbegriffen, welchen wir unserm geliebten Sohne Peter Paul Figuereido, Cardinal der heiligen römischen Kirche, Erzbischof von Braga, als Coadjutor mit künftiger Nachfolge beizugeben vorhaben. Aber wir erachten es für geeignet, den Grund dieser Bestimmung kurz darzulegen, auf daß es Jeglichem kund sey, nachdem die vorhergehenden Umstände vorgeführt worden, aus welchen Gründen und mit welcher Vorsicht wir uns entschlossen haben den genannten Joseph zur künftigen Leitung der Kirche von Braga zu berufen. Derselbe Joseph, wie Ihr wißt, war Erzbischof von Goa in Ostindien. Gregor XVI., seligen Angedenkens, unser Vorfahr, hatte ihm die Leitung dieser Kirche im geheimen Consistorium vom 19. Juni 1843 anvertraut. Aber in der Zahl und der unermeßlichen Ausdehnung dieser morgenläudischen Gegenden, über welche sich bereits sowohl die gewöhnliche als Metropolitan-Jurisdiction des ErzbischofS von Goa erstreckte, gab eS damals Bischöfe und apostolische Vicare, welche keineswegs diesem Erzbischofe untergeben waren, und welche der heilige Stuhl hier eingesetzt hat, weil die Interessen der katholischen Religion es also erheischten. Denn außer denjenigen, welche gewöhnlich in die unermeßlichen Regionen des chinesischen Reiches und die angränzenden Länder, durch die apostolischen Briefe Jnnocenz XII., ehrwürdigen Angedenkens, unseres BorfahrS, für immer von den Diöcesen Peking, Nanking und 107 Makao und der Metropolitan-JuriSdiction der Kirche von Goa getrennt, gesendet, und außer denen, welche in der Folge für verschiedene Plätze von Indien bestimmt wurden, hatte Gregor XVI. selber neun apostolische Vicare in provisorischer Eigen- schaft in der Diöcese der Kirche von Goa und sein.en Metropolitan-Provinzen eingesetzt. Das war der Zweck der sehr bekannten Briefe desselben Papstes, welche mit den Worten ansangen: Uults pi-geolsre, gegeben unter dem Fischerring, den 24. April i338, eben so wie verschiedener anderer apostolischer Briefe, und verschiedener Decrete der Kongregation der Propaganda, welche diesen Schreiben vorangingen oder nachher erlassen wurden. Die veränderte Lage, der Schutz und die Verbreitung des katholischen Glaubens in Indien verlangten diese größere Fürsorge Unseres Vorgängers. In der That, in dem Maaße als der wahre Glaube, sich immer mehr ausbreitend, evangelische Missionen und immer zahlreichere Arbeiter verlangte, waren die Priester, welche die Portugiesen in jene Gegenden zu senden oder unter den Eingebornen auszuwählen pflegten, völlig nicht mehr im Stande eine solche Bürde zu tragen, besonders seitdem ein großer Theil von den der portugiesischen Macht bereits unterworfenen Orten in die Hände anderer Fürsten gefallen waren, mit Ausnahme der Städte Goa und Makao und noch einigen, der letzten Mißgeschicke deS lusitanischen Königreiches zu geschweige», in Folge deren die Sachen bis zu dem Puncte gelangt waren, daß, nachdem alle Verbindung zwischen dem hl. Stuhl und der portugiesischen Regierung abgebrochen war, die Kirche von Goa und ihre Suffragankirchen zu gleicher Zeit verwaist standen. Da wagten eS nun die Kleriker, welche damals diesen Kirchen sey eS unter dem Titel kanonischer Delegirter deS Capitels, sey eS unter welch anderem Titel immer, indem sie ihr eigenes Interesse und nicht das Jesu Christi suchten, sich den von Gregor XVI. abgeschickten apostolischen Vicaren zu widersetzen, und sich die geistliche Autorität über die Kirchen und die von dem apostolischen Stuhle ihrer Sorge anvertrauten Gläubigen anzumaßen; und auS dieser Missethat entsprangen ernste Zerwürfnisse, Zwietracht und Aergerniß. Dieß war die Lage der Dinge in Indien, was die Religion anlangt, als die Verbindungen der portugiesischen Regierung mit dem heiligen Stuhle wieder hergestellt wurden, und hierauf unsere in Jesu Christo geliebte Tochter Maria, die glaubenstreue Königin von Portugal und Algarbien, unserm Vorfahr den genannten Joseph de Silva TorreS zur Erhebung aus den bischöflichen Stuhl von Goa präsentirte. Die Stadt Goa und ihre Umgebung gehörte damals, wie noch heute, der portugiesischen Herrschaft, und war keinem der apostolischen Vicare anvertraut. Kein Hinderniß waltete ob, dieser Kirche einen Prälaten zu geben. Es war zu hoffen, daß die früher ernannten apostolischen Vicare keine Schwierigkeiten erheben würden betreffs deS genannten Joseph. In der That hatte Gregor XVI., noch bevor er sich für die Promotion entschied, zahlreiche und glänzende Zeugnisse hinsichtlich seines Glaubens, seiner Lehre und seiner Unbescholtenheit erhalten und wußte überdieß, daß er durch den apostolischen JnternuntiuS und Delegaten, welcher damals in Lissabon residirte, von den Pontificaldecreten betreffs der apostolischen Vicare unterrichtet wäre. Endlich hatte derselbe Joseph in besonderen Schreiben seinen Gehorsam und seine Unterwerfung unter den römischen Papst dem apostolischen Stuhl betheuert. Unser Vorfahr wollte nichtsdestoweniger selber den neuen Erzbifchof aufklären in Betreff der apostolischen Vicare und der Verbindlichkeit, ihre Autorität unverletzlich anzuerkennen durch päpstliche Briefe, die er am 8. Juli 1843 an ihn richtete und die ihm in Lissabon zugleich mit den apostolischen Acten, welche seine Erhebung zur Erzbischöflichen Würde in Goa bestätigten, eingehändigt wurden. Aber im folgenden Jahre, 1344, hielt sich der Erzbifchof Joseph, nachdem er in Goa angekommen, keineswegs in den Gränzen seiner Pflichten; er strebte darnach das alte Ansehen seiner Vorgänger an sich zu reißen, selbst über die Orte, welche der Fürsorge der apostolischen Vicare anvertraut waren. Auch gehorchte er nicht den Briefen, durch welche unser Vorfahr Gregor und nach ihm Wir ihn zu weiseren 108 Entschlüssen zu bewegen Sorge trugen. Daraus mußten Wir leicht zur Einsicht kommen, daß es schlechterdings nothwendig sey, diesem Erzbischvfe die Leitung der Kirche von Goa zu entziehen. Aber wir erwogen zugleich, daß der Schritt mit ernsten Schwierigkeiten und Gefahren verbunden sey, wenn die Regierung von Portugal in diesem Puncte nicht Hand in Hand mit uns ginge. Daher trugen Wir Unserem außerordentlichen Jnternuntius und apostolischen Delegaten, welcher im Jahre 1847 in Rom war und nach Lissabon zurückkehren sollte, ans, mit der königl. Regierung wegen der Zurückberufung des Erzbischofs von Goa zu unterhandeln und dieß Geschäft mit aller Sorgfalt und möglichstem Eifer zu betreiben. Als die Verhandlungen eingeleitet waren, ermangelte er (der Delegat) nicht, NnS im folgenden Jahre 1848 über die vorzüglichsten Bedingungen in Kenntniß zu setzen, auf welche hin die Sache, wie er glaubte, sich beilegen ließe; und Wir trugen Sorge, ihm unsere deßfallsige Meinung mitzutheilen. Aber der Brief, clci. 8. Juli, geschrieben von Unserem Cardinal-Staatssecretär, war in der Zeit der Wirren aufgefangen oder durch andere Umstände zurückgehalten worden, in dem Augenblicke, wo wir gegen Ende des nämlichen Jahres, gezwungen Rom zu verlassen, Unsern Aufenthalt in Gaeta nahmen. Hier erhielten wir Depeschen und Documcnte von Unserem Nuntius übersendet, aus welchen hervorging, daß zwischen ihm und der königl. Regierung im vorigen 2l. October ein Uebereinkommen getroffen worden sey, daß der Prälat Joseph von der Metropole von Goa auf irgend eine andere Metropolitankirche in paitiku8 inticlelium versetzt werden solle, und daß er, ohne Verzug nach Lissabon zurückkehrt, provisorisch mit der Stelle eines Kommissärs der Bulle für die Kreuzzüge betraut und in der Folge zum Coadjutor des Erzbischofs von Braga mit künftiger Nachfolge ernannt werden solle, nachdem er Uns durch seine Briefe jedenfalls den Beweis seiner Unterwerfung und seiner Ergebenheit gegen den apostolischen Stuhl gegeben hätte; und daß endlich, um alle nachfolgenden Streitigkeiten bei der Einsetzung eines neuen Bischofs zu Goa zum Vorhinein abzuschneiden, in dem apostolischen Acte, welcher dem erwählten Prälaten die erzbischöfliche Würde überträgt, ausdrücklich die Gränzen gezogen werden sollen, die er bei der Ausübung seiner Autorität nicht überschreiten darf. Wir erfuhren zugleich, daß die portugiesische Regierung auf Befehl der sehr getreuen Königin an 5en Erzbischof Joseph geschrieben hätte, um ihn von Alldem in Kenntniß zu setzen, und ihn dringendst aufzufordern, unverzüglich nach Lissabon zurückzukehren. Zu gleicher Zeit lag uns der portugiesische Gesandte beim heiligen Stuhl, welcher uns nach Gaeta gefolgt war, inständig an im Namen seiner Regierung, dem Prälaten, dessen Rückkehr nach Portugalbevorstand, zuzusichern, nicht bloß das Amt eines Commissärs der Bulle für die Kreuzzüge so lange zu führe», bis der Sitz von Braga vacant wäre, sondern ihn auch als Coadjutor des Erzbischofcs dieser Kirche mit nachfolgender Succession in dem gerade bevorstehenden Consistorium zu ernennen, denn eS wäre kein Zweifel, sagte der Gesamte, daß der Prälat sich beeilen würde, sobald als möglich das erwartete Unterwerfungsschreiben an Uns zu lichten. In Mitte der Bedrängnisse, von denen Wir umgeben waren, erregte diese Forderung, der Brief des päpstlichen Jnternuntius, von dem Wir gerade sprachen, und vor allem der Punct der Uebereinkunft bezüglich der künftigen Succession in der Kirche von Braga für den Erzbischof Joseph, unsere Besorgnisse in nicht geringem Maaße. Wir riefen uns all das Schlimme in das Gedächtniß zurück, welches sich dieser Prälat in seinen Verrichtungen als Erzbischof von Goa hatte zu Schulden kommen lassen; auf der andern Seite stand aber sehr zu befürchten, daß Wir, wenn Wir Uns weigerten den Vertrag Unseres Jnternuntius zu ratificiren, nicht allein Unsere Hoffnung, welche wir geschöpft hatten, diesen Prälaten auS Indien zu ent- fernen, aufgeben müßten, sondern auch zu erwarten hätten, daß er und seine Parteigänger von dieser Weigerung Anlaß nehmen würden, in diesen Gegenden ernstere Zerwürfnisse zum Nachtheile der Religion hervorzurufen. Es ließ sich jedoch hoffen, daß der Prälat, welcher übrigens in wissenschaftlicher und moralischer Beziehung nicht 109 ohne Verdienste ist, sobald ihm einmal die Gelegenheit, welche ihn zu Goa zu Verkehrtheiten verleitete, würde genommen seyn, durch die Gnade Gottes zu besserer Einsicht kommen, und in der Führung seiner neuen Kirche sein und seiner Heerde Wohl zu fördern bestrebt seyn würde. Deßhalb haben Wir uns entschlossen, nachdem Wir AlleS erwogen, wie es die Klugheit rieth, nachdem Wir einige Mitglieder Eurer erlauchten Würde zu Rath gezogen, und Uns die von Unseren Vorfahren mehr als einmal in Umständen von gleicher Wichtigkeit und Schwierigkeit getroffenen Maaßregeln vor Augen geführt hatten, dem an UnS gestellten Verlangen Unsere Zustimmung zu ertheilen, indem Wir jedoch vorher die stärksten Garantieen verlangten, wie sie die Natur der Sache erheischte. Wir befahlen daher Unserem Cardinal-Unterstaatssecretär in seiner Antwort an den portugiesischen Gesandten klar und unumwunden zu erklären, daß wenn er eS wünschte, Wir das Band lösen wollten, welches den Bischof Joseph an die Kirche von Goa fesselte, daß Wir ihn an eine andere Metropolitankirche in psrtibus inlicl«- lium tranöferiren, und endlich daß Wir ihm das Amt eines Commissärs der Bulle für den Kreuzzug zusichern wollten; daß aber der heilige Stuhl, da er, wie der Gesandte wohl wisse, gegründete Ursache zu Beschwerden gegen die Acte des ErzbischofeS in der Regierung der Kirche von Goa hat, aus Gewissenhaftigkeit nicht im Stande ist, ihm die künftige Succession der Kirche von Braga zu übertragen, ohne von ihm vorher schriftlich oder durch irgend welchen überzeugenden Act den Beweis erhalten zu haben sowohl von seinem Schmerze über das was er Uebles gethan, als auch von seinem festen Vorsatze, niemals fürderhin mehr von seiner Pflicht sich abkehren zu wollen. Der Gesandte trat dieser Erklärung bei, und da er keineswegs zweifelte, daß der Prälat die verlangten Erklärungen unverzüglich abgeben würde, drang er darauf, alles von Uns zu erhalten, was in dieser Sache unmittelbar von UnS geschehen konnte. Deßhalb tranöfcrirten Wir den 22. December 1843 in dem zu Gaeta abgc- baltenen Consistorium den Bischof Joseph von der Kirche zu Goa an das ErzbiSlhum von Palmyra in partikus inkclelium und im folgenden Monate übertrugen Wir ihm das Amt eines Commissärs der Bulle für den Kreuzzug. Als nach Verlauf einiger Monate der Prälat in Portugal angekommen war und sich in Lissabon aufhielt, verordneten Wir, daß man ihm aufs neue zu verstehen geben solle, welchen Schmerz Uns verursacht hätte sowohl was er in Indien, die Gränzen seiner Autorität überschreitend gegen den Willen des heiligen Stuhles zu thun sich nicht fürchtete, als auch gewisse Dinge, die er sich erlaubt hätte vor seiner Abreise in einigen seiner Briefe oder seiner Schriften. Jetzt aber thut es Unserem Herzen wohl, Euch, ehrwürdige Brüder, verkündigen zu können, daß der Erzbischof von Palmyra in der Weise UnS zufrieden gestellt hat, daß Wir denken müssen, er sey von ganzem Herzem durch die Gnade Gottes zu besserer Einsicht gekommen. Wir' haben von ihm einen Brief erhalten 6ä. 18, Nov. v. Jahrö, in Ausdrücken eines Mannes abgefaßt, der seine Verirrungen verabscheut, der entschlossen ist, fürderhin eine bessere Aufführung an den Tag zu legen, und durch seine Handlungen unerschütterlich seine Anhänglichkeit und seinen Gehorsam gegen den heiligen Stuhl zu erwahren. Wir legen Euch diesen Brief vor und Ihr werdet ihn nebst unserer Antwort lesen, in welcher Wir dem Prälaten Unsere Ansichten darlegen. Nach All diesem ist es Unsere Absicht, wie Wir Eingangs gesagt, heute Unsern ehrwürdigen Bruder Joseph de Silva Torres, Erzbischof von Palmyra, zum Coad- jutor Unseres geliebten Bruders und Kardinals, des ErzbischofS von Braga zu erheben, indem Wir hiemit das Recht verbinden ihm in der Negierung dieser Kirche zu succediren. Indem Wir diesen Entschluß fassen, haben Wir nur im Auge, das größere Gedeihen der Religion, und eine größere Ruhe und eine glücklichere Lage der apostolischen Missionen in Indien herbeizuführen; deßhalb tragen Wir die feste Hoffnung, daß diese von Uns ergriffene Maaßregel durch den Segen GotteS diesen Zweck erreichen und sich zum Besten der Kirche von Braga gestalten werde. 110 Das ist eS, was Wir durch Bitten und Gebete und. gottgefällige Werke zu erhalten streben vom Vater der Barmherzigkeit, durch JesuS Christus seinen Sohn, und Wir erwarten es zu Euerer Frömmigkeit, Ehrwürdige Brüder, daß Ihr nicht ablassen werdet, Euer Bitten und Gebet mit dem Unsrigen zu vereinen. * 5 * Der Inhalt des Briefes, welchen der Erzbischof von Palmhra an Se. Heiligkeit Papst Plus IX. schrieb, ist auszugsweise folgender: Im Eingange beklagt der Prälat, dem hl. Vater Schmerz verursacht zu haben durch sein Betragen und seine Abschiedsallocution in Goa, bittet dann Se. Heiligkeit, diesen Brief wohlgefällig aufzunehmen, und gesteht, daß er sein Betragen weder rechtfertigen noch loben könne. Die Promulganon der Bullen sey nicht von ihm in der Absicht geschehen, um dem hl. Stuhle zu opponiren; der Prälat wolle immerhin die Geheimnisse des hl. Stuhles bewahren, und verspricht immerwährenden Gehorsam gegen das Haupt der katholischen Kirche. Er gibt dann die Schuld der meisten Vorwürfe, die ihm gemacht worden, gewissen Schriftstellern, welche die Gränzen der Liebe und der Achtung nicht eingehalten, und endlich schließt der Brief mit dem feierlichen Bekenntnisse der Unterwerfung und Anerkenntniß der Autorität des Papstes und der Bitt? um seinen Segen. Das Antwort-Schreiben Sr. Heiligkeit vom 6. Jan. 1851 lautet im Wesentlichen dahin: zuerst werden alle Versprechungen des Erzbischofes einzeln wiederholt, dann spricht sich der hl. Vater dahin aus, daß er glaube, alle diese Versicherungen kämen aus einem reinen Herzen, und berechtigten daher zur Hoffnung, daß in Zukunft alle Handlungen und Ansichten mit diesen Versicherungen übereinstimmen werden. „Denn du darfst keineswegs vergessen, ehrwürdiger Bruder, daß es für einen katholischen Bischof nichts Theureres, nichts Verbindlicheres gebe, als die oberste Gewalt des heiligen Stuhles Petri anzuerkennen, von welchem die priesterliche Einheit ausgeht, die Einsetzung der Bischöfe und die Leitung der Kirche entspringt, als aus allen Kräften die Rechte dieses Stuhles, welche nicht auf menschliche sondern auf göttliche Autorität sich stützen, zu ehren und zu wahren, dem römi« ^ schen Papste getreulich anzuhängen, jegliche Achtung und allen Gehorsam demjenigen zu erweisen, welcher, auf diesen Stuhl gesetzt, in der Person des hl. Apostelfürsten Petrus von Unserm Herrn selbst die Macht erhalten hat, die Schafe und die Lämmer zu weiden, zu herrschen und zu regieren über die ganze Kirche auf der weiten Welt." Der hl. Vater legt dem Prälaten ans Herz, wie unselig und gefährlich es seh, von dem Gehorsam zum hl. Stuhle abzuweichen, und die Einheit der Kirche zu stören. Der hl. Stuhl erwarte zu ihm, daß der Prälat das gegebene Beispiel wieder gut mache, und die schlimme Meinung über ihn in eine gute umwandle. In dieser Hoffnung wird ihm der apostolische Segen zu Theil. Erinnerung an einen Kirchenschatz. *) Als jüngst die katholischen Blätter die Nachricht brachten, Bamberg sey wieder im Besitze eines Theiles des ehrwürdigen Schatzes seiner Kathedrale, da nahmen wir an der Freude der Metropole den herzlichsten Antheil und wünschten, eS möchten die zurückgekehrten Heiligthümer auch jenen Schatz des Glaubens und der Frömmigkeit wieder gefunden oder neu belebt haben, wodurch jene Zeiten ausgezeichnet waren, an welche sie so lebhaft erinnern. Ihre Beschreibung weckte indeß auch die wehmüthige Erinnerung an ein Kleinod auf, dessen Besitz dereinst Bamberg'S bischöfliche Suffragankirche Eichstätt vor allen übrigen auszeichnete, dessen Rückkehr sie aber niemals mehr freudig wird begrüßen können. Zwar hat Eichstätt nie das Glück verloren, die Priestergewande seines ersten Bischofes zu besitzen, und noch immer stellt es dieselben am Feste deS Heiligen zur Seite seines Altares zur Verehrung auS; dvH früherhin war eS erlaubt, an diesem -) Kath. Bl. a. Franken. "*) Wir haben darüber kürzlich im Feuilleton der Postzeitung berichtet. 111 Tage auf demselben Altar noch einen Schmuck zu bewundern, der weniger durch Kunst als durch den Reichthum ausgezeichnet war, welchen die Frömmigkeit zu Gottes Ehre geopfert hatte. Abb6 Migne hat erst vor einigen Jahren in seiner Encyklopädie der katholischen Liturgie, so wie sie in der Uebersetzung vor uns liegt, die Monstranz der Domkirche von Eichstätt als die kostbarste der Christenheit bezeichnet und bei Erwähnung ihres Werthes beigefügt, daß Niemand ihren verschwenderischen Reichthum tadeln werde, da er zur Ehre des Heiligsten der Sacramente verwendet ist. Leider hat jetzt das Allerheiligste diese Ehre, die Schatzkammer der Domkirche ihren werthvollsten Schmuck verloren, von welchen Nichts als der Schatten übrig geblieben, eine Abbildung nämlich, die in der bischöflichen HauScapelle aufbewahrt wird. Wie sich an alles Bewunderungswürdige die Sage anschließt, so hat sie eS auch hier zu thun nicht unterlassen. Sie erzählt von Bischof Johann Conrad von Gemmingen, daß er seine Jugend als Edelknabe am Hofe der Königin Elisabeth von England zubrachte und dort am Hochstifte Eichstätt präbendirt wurde. Bei der Abreise entläßt ihn die Königin mit dem Versprechen, würde dereinst eine Insel ihm zufallen, so werde sie ihm und seiner Kirche ein Andenken übersenden. Conrad bestieg, nachdem er vorher noch Domdechant von Augsburg geworden, 1595 den Stuhl des heiligen Willibald, und ein reiches Geschenk an Gold und Edelgestein bestätigt, daß die Königin ihr Wort nicht vergessen. Ein Ornat mit Perlen besetzt und eine Monstranz, die kostbarste der Welt, sollte der Nachwelt Zeugniß geben, wie ein Bischof von Eichstätt seinen Reichthum zu Gottes Ehre zu verwenden gewußt habe. Wir lassen den Werth dieser Erzählung, die nur jüngere Geschichtschreiber ken- nen, dahin gestellt seyn, genug, noch heute liest man, was ConradS Nachfolger ihm auf das Grab geschrieben, daß er bei weiser Sparsamkeit mitten in Kriegsläuften, die sein Hochstift gefährdeten, seiner Kirche einen reichen Schatz gesammelt, dessen berühmtester Theil die Monstranz gewesen. Wir haben eine Beschreibung dieses kostbaren heiligen Geräthes im Manuskript vor uns, welcher im Zusammenhalte mit der noch vorhandenen Abbildung folgende Einzelheiten entnommen sind. Augsburg hat den Ruhm, durch einen seiner Künstler die werthvollste Monstranz der Christenheit verfertigt zu haben. Jakob Bayer vollendete im Laufe eines JahreS (1610-1611) das Werk und erhielt für seine Arbeit 3000 Gulden ausbezahlt. Er wählte die Form eines Rebstockes mit 66 Trauben aus orientalischen Perlen und Edelsteinen, die das Ostensorium mit einigen kleinen Statuen umschließen und in einen Stern von Diamanten auslaufen, deren größter auf 7000 Gulden gewerthet ist. DaS Ganze wog 22 Pfund feines Dukatengold; 1400 Perlen, 350 Diamanten, 250 Rubinen und einige andere orientalische Edelsteine schimmerten vom Fuße bis zur Spitze der Monstranz. Der gesammte Werth ist auf 150,000 Gulden angegeben. Während der traurigen Zeit des 30jährigen Krieges, in welchem der Nachfolger ConradS v. Gemmingen nicht bloß sein Hochstift oftmals geplündert, sondern auch mit sterbendem Auge seine Hauptstadt in Asche gesunken sehen mußte, bewahrte die protestantische Reichsstadt Nürnberg vierzig Jahre hindurch das heilige Gefäß in ihren Mauern, bis eS endlich, wie wir einer andern Handschrift entnehmen, am 23. Dec. 1637 nach Eichstätt zurückkam, nachdem Johann Euchar das Kleinod um 60,000 Gulden wieder ausgelöst hatte. Dieser Bischof selbst erlebte nicht mehr die Freude, sie wieder auf dem Altare des heiligen Willibald zu sehen, auf dem sie am 7. Juli 1698 zum erstenmale wieder ausgesetzt werden konnte. An diesem Festtage des Heiligen sah man sie fortan jedes Jahr an derselben Stelle, gewöhnlich von vier Grenadieren bewacht. Wer da weiß, warum eS jetzt keine fürstlich eichstättischen Grenadiere mehr gibt, dem kann nicht unbekannt seyn, weßhalb er dermalen am 7. Juli vergeblich die goldene Arche des heiligsten der Sacramente auf dem Altare deö Willibaldchores snchen wird. Denn für diese Welt IIS wenigstens hatte Bischof Conrad umsonst auf den Fuß der Monstranze die Worte graben lassen: I'rsnsksrens incle vel slien3ns snatnems sir! *) S. Th. v. A. Aus dem dritten Jahresbericht des Bereines zum heil. Vineenz von Paul in Augsburg. Getreu dem Grundsatze deS Vincentiusvereins: „Aus Liebe zu Gott, also wegen Gott, die dürftigsten, ärmsten Menschen, die in unsern Mauern wohnen, aufzusuchen, sie mit vereinten Kräften zu unterstützen, auf ibr geistiges und körperliches Wohl heilsamen Einfluß, zugleich zu unserer eigenen Heiligung zu üben" — wirkte der Verein auch in diesem Jahre stille fort. Die Beiträge der Mitglieder haben Gottlob im letzten Jahre durch Mehrung der Vereinsmitglieder, sowohl der ordentlichen, deren Zahl nun 96 ist, als auch der außerordentlichen, deren wir nun 13 zählen, in erfreulicher Weise zugenommen.^) Es ward uns hiedurch möglich, 109 Arme zu unterstützen, und zwar: 1) mit Brod im Betrage von .... . 243 fl. 24 kr. 2) mit Suppe „ „ „ . . . . 7 „ 36 » 3) mit Fleisch (1328 Pfund)..... 245 ., 3 ,/ 4) mit Holz...... 12 „ 44 /, 5) mit Geld zu Miethzinsbeiträgen u. a. m. 70 ., 42 » Ferner gaben wir aus: 6) Pedell-Lohn (zugleich als Unterstützung) 49 „ — «/ 7) für lithographische Arbeiten, als Brod- Fleischkarten, Listen u. s. f. ^...... 12 „ 23 » 8) für die Vereinsbibliothek ..... 27 „ 6 » Summa 667 fl. 58 kr. Außerdem wurden noch mehrere Arme mit Kleidungsstücken, Geschenken von Mitgliedern, unterstützt. AIS einen erfreulichen Anhang zu unserm Armenberichte müssen wir noch der Verein Sbibliothek erwähnen, die im Sommer 1850 Gottlob zu Stande kam, und bereits aus 800 Bänden, — theils Jugendschriften, theils Schriften religiösen sowohl, als gemeinnützigen Inhaltes überhaupt — besteht. Katholische Männer verschiedenen Standes in und außer dem Vereine haben den größten Theil als ein Geschenk dem Vereine überlassen, wofür er heute den wärmsten Dank zollt, so wie den milden Gebern, welche die Summe von 93 fl. 18 kr. zur Erhaltung und Vermehrung der Bibliothek beitrugen, und deren Verwendung der Ausschuß sorgfältig berieth. Eben so erfreulich ist es aber auch, berichten zu können, daß bereits eine nicht unbedeutende Anzahl von Büchern durch Vereinsmitglieder (insbesondere die hochwürdige Geistlichkeit der fünf Pfarreien) unter die Jugend sowohl, als Erwachsene ausgeliehen ist, und mit Gottes Beistand heilsam und segensreich wirken wird — gegenüber dem verderblichen Gifte der schlechten Presse, die täglich ihr Unheil drohendes Haupt erhebt. — Wir schließen mit dem Wunsche, daß die Theilnahme an unsern Vereinsbestrebungen eine immer ausgedehntere werde, und ihre Segnungen sich über Geber, wie Empfänger ausbreiten mögen. ') Wer sie entfernt oder veräußert, sey dein Kirchenbann? verfallen. '*) Wären die Frauenvcrcine für arme Kranke, wie anderwärts, mit dem Vinccnzverein verbunden, so würden natürlich weit größere Summen sich ergeben, da jene im letzten Jahre in unsern fünf Pfarreien wieder über 3000 Gulden zusammengebracht haben. Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. -_ Verlags-Znhaber: F. C. Krem er.