Eilfter Jahrgang. Sonntags-Beiblatt zur AUgsZmrger pojhMmg. 13. April AK. 1851. Dieses Blatt erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der halbjährige Abonncmentspreis 40 kr., wofür es durch alle königl. bayer. Postämter und alle Buchhandlungen bezogen werden kann. Am Charfreitage. Wer mag ohne Thränen schauen Dieser Liebe wunderbare Flamme, Wenn der Heiland sterbend segnet Seine Feinde an dem Kreuzesstamme? Die so schwer geseufzt, die Erde, Hat den Einen Retter nun gefunden: Von des Opfcrblutcs Sühne Mag erquickt die schmachtende gesunden! Als die Erdcnsonne düster Ihren Blick in bange Trauer hüllte Und beklomm'ne Nacht und finstres Grauen Den erbebten Erdenrund erfüllte: Da ergoß des Himmels Sonne Auf das Erdendunkcl fich hernieder Und erwärmte die erstarrte Unter ihrer Strahlen Glanzgefieder! Und wie bei des Aufgangs Gluten Die erschreckten Nachtgebilde weichen; So cntflohn die düstern Schatten Bor dem Gnadcnlicht des Kreuzeszeichen. Wer mag zählen all die Völker, Die getragen von dem Zeitenstrome Durch das Thrüncnthal der Prüfung, Hingepilgert zu dem Kreuzesdome? Wer ergründet diesen Bronnen, Aus dem Millionen schon getrunken, Deren Herz von Gram gebrochen Still am Lebenswege hingesunken! Darum sey uns hochgefeiert SchmcrzenstaZ, der in dem Tod tzas Leben Mit der Himmelsgütcr höchstem Der in Sünde starren Welt gegeben.! _ ' Tafrathshofer. 114 Die heilige Woche in Jerusalem. (A»S einem Bericht des P. Johann, Secretär» des heil. Landes, an den Gencralcommissär in Wien, ) für Kartoffel und Hülsenfiüchte . . . . 108 „ 13 „ e) für Kleidungsstücke und Bettwäsche . . . 601 „ 48 „ y für Holz........ 706 „ — ., 8) für Zinsbeiträge und Prämien an die Einleger in die ZinSsparcasse ....... 560 „ 30 „ k) für verschiedene zweckmäßige Unterstützungen . . 355 „29'/?,, 1) Ausgaben für den Vereinsdiener und Local-Utenstlien 47 „ 36 „ Demnach hat der Verein seit seinem 22monatlichen Bestehen 4256 fl. 45'/, kr. verausgabt; an dieser Summe participirten mehr als 400 Arme. 118 Man begnügte sich aber nicht damit, die Armen materiell zu unterstützen, sie wurden auch von Vereinsmitgliedern in ihren Wohnungen besucht, in ihrem Thun und Lassen überwacht, und so viel als möglich moralisch gehoben, und sicherlich wurde ihnen dadurch noch mehr genützt, als durch die gespendete Gabe. Der Verein erfreut sich der Bestätigung von Seiten der höchsten kirchlichen Autorität, und ist erst jüngst vom heil. Vater Papst Pius IX. mit Ablässen begnadigt worden. Er hat auch bereits an mehrern Orten, wie in Straubing, und selbst in dem entfernten Köln und zu Gmünd in Württemberg Filialvereine. Wenn je ein Institut geeignet ist, die Wunden der Zeit heilen zu helfen, so ist es hier gegeben. Wem daher immer an einer bessern Zukunft gelegen ist, der möge sich an unsern Verein bethciligen. Den Armen muß geholfen werden, dann hilft Gott auch den Reichen. Der Arme muß wieder einsehen lernen, daß in den vornehmen und bessern Ständen ihm wohlwollende Herzen schlagen, dann wird er die Reichen und Vornehmen nicht mehr hassen und zu ihrem Untergange sündhafte Verbindungen eingehen, sondern sie als Wohlthäter lieben und mit Blut und Leben vertheidigen. Daß hiezu der Vincentiusverein ein geeignetes Mittel ist, zeigen seine Statuten. Man hört überdieß so vielfältig über den Straßenbettel klagen. Auch gegen dieses Uebel böte der Vincentiusverein ein Heilmittel. Würde ein Jeder jene Gaben, die er im Laufe eines Jahres an so manchen unwürdigen Armen verschwendet, sammeln und an den Vincentiusverein abgeben, so könnte er mit Fug unv Recht den Bettel im eigenen Hause abstellen. Der Verein würde aber durch die reichlichen Mittel, die ihm auf solche Weise zuströmen, bald in der Lage seyn, allen wahrhaft Dürftigen seine Hilfe angedeihen zu lassen. Mögen diese Andeutungen jene Beherzigung finden, wie sie die Wichtigkeit des Gegenstandes verdient. Der Ausschuß des St. Vincentiusvereins in RegenSburg. vr. Wiser, Kanonicus, d. Z. Vorstand. Berichte über Missionen. C o b l e n z. ----- Koblenz, 2. April. Die Zeit der dahier abgehaltenen Missionen ist nun vorüber. Sie wurden heute Abend, nachdem die Pfarrei zu Unserer lieben Frau sich in feierlicher Processton und in Begleitung der sämmtlichen Pfarrgeistlichkeit und der Patres Missionäre nach der St. Castorkirche begeben, durch eine ans dem freien Platze vor dieser Kirche gehaltene Predigt des RectorS S.Müller geschlossen, hierauf das Tedeum angestimmt und zum Schlüsse der sacramentalische Segen ertheilt. Bei diesem Schlußakte mögen wenigstens 7—800(1 Gläubige anwesend gewesen seyn. Ein erhabener Anblick und zugleich das beste Zeugniß für die Aufnahme, für daS Wirken der ehrwürdigen Väter. Möchten alle die guten Vorsätze, welche in der kurzen Zeit gefaßt worden sind, treulich gehalten werden. Doch wenn dieses auch nur bei Vielen, ja sollte es sogar nur bei Wenigen der Fall seyn, so wäre das schon Grund genug, uns über die Mission zu freuen, und Gott für die gespendeten Gnaden zu danken. So sehr man in unserer Stadt auch an einen recht fleißigen Kirchenbesuch gewohnt ist, so muß man es doch gesehen haben, um zu glauben, wie groß der Andrang zu den Predigten, zu den Beichtstühlen der Patres gewesen. Von dem Empfange der heiligen Sacramente kann man sich einen Begriff machen, wenn versichert wird, daß beiläufig zwei Drittheile aller Communicanten dieselben in dem kurzen Zeitraume von zwölf Tagen empfangen haben. Koblenz hat bei dieser Gelegenheit bewiesen, wie treu es an dem Glauben seiuer Väter festhält, und wie empfänglich die Herzen seiner Bewohner für die Heilswahrheiten der katholischen Kirche sind, und die wenigen Feinde dieser Wahrheiten haben zu ihrer Beschämung gesehen, wie wenig Hoffnung sie haben, unser Volk von dem Wege der Wahrheit, der allein zum Leben 119 führt, abzubringen. Möge Gott auch sie zur Besinnung, zur Besserung bringen; möge er auch ihnen seine göttliche Gnade zu dieser Bekehrung schenken. Von den Vorträgen deö Pater Gemminger ist alles entzückt, und kann ich nicht umhin Ihnen ein Beispiel mitzutheilen, was dieser eminente Kanzelredner über die Gefühle seiner Zuhörer vermag. Bei der Aufrichtung des MissionSkreuzeS hatte derselbe zum Gegenstande der Predigt sich die Aufgabe gestellt, die beiden feindlichen Heerlager, daS der Bösen unter Anführung des Vaters der Lüge, daS der Guten unter unserm göttlichen Heiland, dem Geiste der Zuhörer vorzuführen. Im ersten Theile schilderte er nun auf unübertreffliche Weise die Eigenschaften des Bösen, seine Soldaten, seine Fahne und seinen Sold — den Sold der Sünde. Hier schon blieb kein Auge thränenleer, als er eine gefallene Unschuld im Wahnsinn beim AuSgange der Kirche erscheinen läßt, und nachdem alle vergebens nach der Ursache der Erscheinung fragen, endlich ein alteS Mütterchen sich vordrängt, der Menge zuruft: — das ist der Sold der Sünde. Im zweiten Theile jedoch erreichte die Rührung den höchsten Gipfel. Nachdem er die Eigenschaften deö guten Feldherrn — Wahrheit im Munde, die Wohlthat in der Hand, die Liebe im Herzen — auf unsern Heiland angewandt, auseinandergesetzt und gezeigt hatte, wer seine Soldaten, was seine Fahne, waö sein Sold — der Lohn der Tugend — sey, suhr er fort: Nun, meine liebe Christen, nahet für euch die Zeit der Entscheidung. Welchem der beiden Feldherren wollet ihr folgen? Wollet ihr dem guten Feldherrn folgen, so antwortet mir mit einem kräftigen: Ja. Nun, wollet ihr unserm göttlichen Heiland folgen? — Was folgte? Ein einstimmiges „ja" der Männer. Und die Frauen? — Die weiten Räume der Kirche hallten von ihrem lauten Schluchzen nieder, und lange dauerte es, bis die Ruhe so weit hergestellt war, daß fortgefahren werden konnte. Seine heute Morgen »ach der Generalcommunion der Männer gesprochenen Abschiedsworte werden uns ewig unvergeßlich seyn. Dank ihm, herzlichen Dank ihm und allen den guten Vätern für daS, was sie in der kurzen Zeit an unS und für uns gewirkt haben. Gott begleite sie, Gott segne ihr Wirken, und mögen sie sich eben so gern unser erinnern, wie wir stets mit Wonne auf ihr Hierseyn zurückblicken werden. Osnabrück. Osnabrück, 26. März. Die am l6. d. M. von den hochwürdigen Jesuiten PP. Burgstahler, Mar Klinkowström und Mair im hiesigen Dome begonnene VvlkS- mission ist am gestrigen Festtage, Maria Verkündigung, beendigt. Während der Mission wurden an jedem Tage, mit wenigen Ausnahmen, drei Predigten und außerdem an den ersten Tagen für die Zöglinge des katholischen Gymnasiums und die Volksschüler am Dome und an St. Johann Religionsvorträge gehalten. Nicht bloß die Katholiken auS jenen beiden Stadlkirchspielen, sondern auch die auö den benachbarten Landkirchspielen strömten in langen Zügen zum Gotteshause, worin zu früher Morgenzeit schon die Andächtigen zum Gebete sich versammelten. Die Theilnahme an den Vorträgen der Missionäre war eine ganz allgemeine. Dazu waren vom frühesten Morgen bis zum späten Abende die Beichtstühle von Andächtigen umstellt; die Zahl derer, welche im Dome und in St. Johann die heiligen Sacramente empfingen, kann man auf 6000 schätzen. Die Rührung der Zuhörer bei den Kanzel- vorträgen, der gestärkte Eifer der Katholiken für ihre heilige Religion, so manches erhebende Zeichen einer reumüthigen, aufrichtigen Bekehrung lassen mit Sicherheit erwarten, daß der nächste Zweck der Mission: Belehrung, Befestigung im Glauben und Aussöhnung mit Gott, bei den meisten Theilnehmern erreicht sey. Hoffen wir, daß davon die weitere Folge sey, daß bei recht Vielen eine vollkommene Besserung eintritt. Mit diesem Wunsche schloß in einer eindringlichen, rührenden Rede der hochwürdigste Herr Weihbischof Dr. Lüpke die Mission, und hierin, so wie in den Dank, den er den hochwürdigen Herren Missionären darbrachte, stimmen alle hiesigen Katholiken aus vollem Herzen ein. Ueber die hochwürdigen Herren Missionäre ist nur eine Stimme der vollsten Befriedigung. Ihr Vortrag war klar, bestimmt, überzeugend und ansprechend; verständlich dem Landvolke und zusagend den gebildeteren 120 Ständen. Sie haben eS verstanden, Allen zu genügen. Kein Mißton hat die heilige Feier gestört. Wohl hat sich Osnabrück nach jenem unheilvollen Friedensschlüsse von 1648 die FriedenSstadt genannt; allein ich glaube, daß die gute Stadt noch nie so viele Herzen voll Frieden besessen hat, als wie beim Schlüsse dieser Volksmission. (D. Vollst).) Heiligen st ad t. Heiligenstadt, 26. März. Auch das Eichsfeld erfreut sich der Wohlthat der heiligen Missionen. Gestern wurde hier eine Mission geschlossen, welche am 13. begonnen hatte, und welche gewiß in der Erinnerung unserer Stadt unvergeßlich bleiben wird. Dieselbe ist von den hochwürdigen Vätern der Gesellschaft Jesu, Ketter er, Dann und von Waldburg-Zeil abgehalten worden. Täglich wurden in unsern beiden schönen gothischen Pfarrkirchen abwechselnd drei Predigten gehalten und von Tag zu Tage wuchs die Theilnahme und Begeisterung der hiesigen Bewohner. Die ungeheuchelle Frömmigkeit und herzgewinnende Liebe der Väter, die Verstandesschärfe deS Herrn P. Ketterer, die Herzlichkeit deS Herrn P. von Waldburg-Zeil, und die glühende Begeisterung deS Herrn P. Dann wirkten unwiderstehlich auf den Geist und das Herz der Zuhörer, und bei den Tausenden, welche an der Mission Theil genommen haben, ist nur Eine Stimme über die Vortrefflichkeit des Misstonsinstituts überhaupt und den ausgezeichneten Erfolg der hier abgehaltenen Mission insbesondere. Alle Stände, und die höheren am meisten, wetteiferten in der Theilnahme, und bei dem gestern gehaltenen Schlüsse konnten die weiten Räume der Kirche die Menschcn- masse nicht mehr fassen. Der Besuch der Beichtstühle zeigte insbesondere, wie zer- knirscht die Herzen waren, und welches große Vertrauen die Herren Missionäre als Beichtväter genießen, lim die Wirksamkeit der Mission für die Zukunft zu sichern, haben die Väter zur Theilnahme an dem Missionsvereine eingeladen, und an dem Eifer der Jugend, sich in den Verein einschreiben zu lassen, sieht man, welchen Einfluß die Mission auf dieselbe geübt hat. Namentlich haben sich die Zöglinge des hiesigen Gymnasiums und des katholischen SchullehrerseminarS bei der Mission so ausgezeichnet, daß der Herr P. Ketterer sich bewogen fand, dieß bei der Schlußpredigt öffentlich anzuerkennen. — Hier in Heiligenstadt und auf dem Eichsfelve herrscht im Ganzen noch ein gläubiger, gotteSfürchtiger Sinn. Die Versuchungen und Verführungen sind in der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts jedoch so groß gewesen, daß für den Fortbestand dieses gläubigen, gotteSfürchtigen Sinnes sehr zu fürchten ist. Die Hoffnung, daß die Mission zur Weckung und Belebung deS guten Sinnes recht viel beitragen werde, scheint mehr als gerechtfertigt zu seyn, und ich glaube, daß wir unter den jetzigen Auspickn getrost die zweite Hälfte dieses Jahrhunderts antreten können. (D. VolkSh.) _ Bonifaciusverein. Rottenburg. Seitdem der edle Graf Joseph von Stolberg das Project eines BonifaciuSvereineS bei uns persönlich beteieb, ist darüber fast Alles verstummt, obgleich die Idee in Vieler Herzen einen guten Anklang fand. In der letzten Zeit aber verlautete, daß für den Bonifaciusverein doch etwas Reelles geschehen soll. Bisher flössen alle für Missionszwecke'eingehenden Gelder der Diöcese, die in den letzten Jahren auf eine bedeutende Summe gestiegen waren, in den großen Verein zur Glaubensverbreitung in Lyon. Nicht weil man die dem letzteren Vereine von anderer Seite her gemachten Vorwürfe, als ob er vorzugsweise französische Interessen verfolgte, für wahr hielte, fand doch der hochwürdigste Bischof von Rottenburg für gut, sich mit den in der Diöcese bestehenden Vereinen für auswärtige Missionen an den Lud- wigSverein in München anzuschließen, jedoch mit der ausdrücklichen Bestimmung, daß der dritte Theil der eingegangenen Missionsbeiträge für arme, unter Protestanten lebende Katholiken in Deutschland (Bonifaciusverein) verwendet, ein Drittheil nach Lyon geschickt und der Rest im Interesse deS Ludwigs-MissionSvereineS verrechnet werde. (N. S.) _ Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. Berlags-Znhaber: F. C. Krem er.