Eilfter Jahrgang. Sonntags-Beiblatt zur Augsburger Pojtzeitung. 20. April A«. 1851. Dieses Blatt erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der halbjährige Abonnementsvrcis kr., wofür es durch alle kvnigl. bayer. Postämter und alle Buchhandlungen bezogen werden kann. Zur ersten heiligen Commnnion. Vorüber steuert des Stromes Fluth, Ein Knabe ruht daneben. Klar ist sein Auge, sein Herz voll Gluth, Und süße Träum' ihn umschweben. Er träumt von einem Königssaal, Der ihn umleuchtct sonnig, Er träumt von einem Königsmahl, Das ganz ihn erfüllet wonnig. Und friedlich, wie Schwäne des Abend« zleh'n Mit leise gehobenen Swingcn, So hört er heilige Melodie'n Ein 8snclu8, 8anctu8 singen. Wie ist ihm so wohl, so voll sein Herz Von heiliger Gluth und Klarheit! Da schrickt er empor und ruft mit Schmerz: Ach! wäre dieß Traumbild Wahrheit! Die Fischlein auf ihrer Wasscrfahrt — Sie hören die Klag' und säumen, Die Blumen betrachten ihn minnig zart, Als wüßten sie um sein Träume». Des Lenzes Lüfte ruhelos Umkosen ihm Haar und Wangen — Ihm aber ist eine Sehnsucht groß Im Herzen aufgegangen. Und siehe — was blinkt auf der Wasscrbahn, WaS rauschet so süß durch die Wogen, Als käm' ein singender, goldener Schwan Den Strom herabgezogen? Eine Gondel ist'S, lichtsonnig erhellt, Mit Segeln so rein und weiße, Und süßes Klingen die Segel schwellt — Aushorcht der Knabe leise. Ihm ist's, als hört' er den lieblichen Ton, Der ihn entzückt im Traume — Da ist die Gondel gelandet schon; Wer steigt aus des Schiffes Raume? 122 tt Il M G-^ Wer ist der hehre Gondolier, Deß Antlitz göttliche Klarheit, Umwallt von fürstlicher Locken Zier? O Knabe, dein Traum wird Wahrheit! Das ist der König im Königssaal, An dem dein Aug' sich geweidet, Er will dich führen zum Königsmahl, Das wunderbar Er bereitet. Dort trinkst du göttliches Lcbensblut Ans seines Herzens Pokale, Dort issest du Manna, so himmelgut, Ans heiliger goldener Schaale. Dort wirst dn erglänzen, ein Lichtrnbin, Wohl ohne Makel und Fehle. Und heilige, himmlische Melodien Durchzittcr» deine Seele. Da faßt es den Knaben mit süßer Gewalt, Schon hat er die Gondel erstiegen, Die Ruder rauschen Schaumnmwallt, Die weißen Segel fliegen. Und eingewieget von Himmelslust, Von Hymnen, wundertönig, So ruhen beide, Brust an Brust, Der Knabe und der König. O Knabe, seliger Knabe du, Laß nicht von des Königs Kusse! Und du, lieb Schifflcin, sahr immer zu Auf wallendem Zcitenflusse; Und bring' mir den Knaben an sichern Port An's Ufer der Seligkeiten; Dort möge der König nach seinem Wort Das himmlische Mahl ihm bereiten! Michael Helmfauer. Zur Statistik der katholischen Kirche. ( Allgemeine Zeitung.) Einer der Beamten im päpstlichen Staatssecretariate, Girolamo Petri, hat unter dem Titel: „Lemretua clella santa dliiesa eatwlic» gpostolica romima sl 1 kennaio 1851" (Rom, in der Druckerei der apostolischen Kammer. 308 S. 8.), ein Buch herausgegeben, welches dadurch, daß es einen vollständigen und bequemen Ueberblick der gesammten Institutionen deö Katholicismus in den verschiedenen Welt- gegcnden gewährt, nicht ohne mannigfaches Interesse ist. Der römische Staatskalender, welcher nach dreijähriger Unterbrechung in diesem Augenblick wieder erscheint, pflegte eine solche Uebersicht zu enthalten; hier aber ist dieselbe nicht nur besser georvnet, sondern durch eine Menge historischer Notizen bereichert, welche man freilich zum Theil reichhaltiger, zum Theil genauer wünschen möchte, die aber doch immer sehr willkommen sind, in so fern sie die Ausbreitung des Christenthums nach den verschiedenen Jahrhunderten anschaulich machen und so in der Kürze eine gedrängte Geschichte derselben geben. Hierbei zu verweilen kann nicht der Zweck dieser Anzeige seyn, welche eS hingegen mit einigen statistischen Daten zu thun hat, die bei der Durchsicht dieses nützlichen und fleißigen Buches gewonnen wurden. Dasselbe beginnt mit dem heiligen Stuhle und dem Cardinalat. Von den siebenzig Cardinalstiteln, welche das heilige Collegium zählt, sind nur drei vacant: die Bischöfe und Priester sind vollzählig, jene 6, diese 50; von den Diaconen sind nur 11 statt 14 vorhanden. Der älteste der 1S3 Cardinalpricster (als Cardinal) ist der Erzbischof Oppizzoni von Bologna, der jüngste der Fürstbischof Dicpenbrock von Brcslau Eils Cardinälc haben den Hut noch nicht empfangen und somit auch noch keinen Titel von römischen Kirchen. Die Zahl der Erzbisthümer in Europa beträgt 104. Es kommen davon auf Italien 46, auf Frankreich 15, auf Deutschland 13 (österreichische Staaten 8, Preußen 2 — Köln und Gncscn^Posen —, Bayern 2 — München-Freising und Bamberg, oberrheinische Kir- chcnprovinz Freiburg), auf Spanien 8, auf Ungarn mit Dalmatien 4, Irland 4, europäische Türkei 4, Portugal 3, Nußland 3, Griechenland und jonische Inseln 2 (Naros und Corfu), England 1 (Westminster), Belgien 1 (Meckcln). Unter diesen 104 Metropoliten stehen 427 BiSthümcr. Außerdem sind 78 Bisthümer immediat dem heiligen Stuhle untergeben, nämlich: 4 deutsche (Brcslau, Ermeland, Hildcsheim und Osnabrück), 4 schweizerische (Basel, Chur, Lausanne-Genf und Sitten), 2 spanische (Leon und Ovicdo), Chelm in Volhynicn, Malta-Rhodus und NikopoliS in der Bulgarei; alle übrigen in den italienischen Staaten. So beläuft sich die Zahl der europäischen BiSthümcr, mit Einschluß der wenigen an der nordafricanischcn Küste oder auf portugiesisch-spanischen Inseln, die unter europäischen Metropoliten stehen, wie Algier, Ceuta, Tanger, Angola, S. Jago vom grünen Vorgebirge, Teneriffa, Canaria, oder aber französischer Colonie-BiSthümer, wie Guadeloupe und Martinique, auf 609. Die unter der Leitung der Congregation der Propaganda Fide stehenden apostolischen Vicanate und Präfecturen in Europa sind 18 an der Zahl; sie umfassen die aScanischen Herzogtkümer, Königreich Sachsen, Graubündten, WalliS, Norddeutschland mit Dänemark, Schweden, Holland in 4 Bezirken, Schottland in 3 Bezirken, Herzegowina, Königreich Griechenland, Bosnien, Walachei, Moldau, Bulgarei, Konstantinopel, endlich Gibraltar. Die englischen apostolischen Vicariatc, 8 an der Zahl, sind, wie man nur zu gut weiß, im Laufe des letzten Jahres in 12 BiSthümcr mit Benennungen von englischen neugeschaffenen Diöccsen umgewandelt worden. Die Vicariatc stehen zum Theil unter den Jntcrnunticn zu München und im Haag, theils werden sie durch Titular-Bischöse in psrtilius, oder durch andere geistliche Würdenträger verwaltet. Einen untergeordneten Rang haben die Präfecturen, welche einfachen Priestern übertragen werden, denen die einzelnen Missionaricn zugegeben sind. Letzteres bezieht sich namentlich auf Asien und Afrika, besonders auf den ersteren viescr Welttheile, in welchem eS 47 unter der Leitung der Propaganda stehende Vicariatc, Delegationen und Präfecturen gibt. Von diesen sind 28 in China, Siam, Cochinchina, Tonkin, Japan u. s. w., die übrigen in Kleinasien, Libanon, Aleppo, Mcsopotanien mit Kurdistan und Klcinarmenicn, Pcrsien und Ostindien, letztere 16 an dcr Zahl. Afrika zählt außer seinen 9 unter europäischen Metropoliten stehenden Bischöfen 14 Vicariatc und Präfecturen, in Habesch, den Gallas, Ccntralafrika, Cap dcr gutcn Hoffnung, Congo, Egypten für die Lateiner und Kopten, Guinea, MadagaScar, Marocco, Senegal, Tunis, Tripoli u. s. w. Die meisten dieser Vicariatc sind neuer Crcation, nämlich auö dcr Zeit Gregors XVI. und selbst des regierenden Papstes. In Amerika gibt es 8 Vicanate und Präfecturen, zu Cayenne, Cura?ao, Jamaica mit dcn Bahama-Jnseln, in Englisch-Guyana, Ncu-Mcrico, St. Picrre und Miauclon, Snrinam und im Gebiet der Vereinigten Staaten östlich von den Rocky-Mountains. Allc diese Vicariatc sind in den Jahren 1837 bis 1350 in- stituirt worden. Süd- und Mittelamerika aber haben ihre seit Jahrhunderten bestehende Hierarchie spanischen und portugiesischen Ursprunges, welcher sich neuerdings die in Nordamerika angeschlossen hat. Zehn Metropoliransitze in dcn beiden erstgenannten Regionen deS Welttheilcs haben 41 Bisthümer unter sich; jene sind: S. Salvador in Brasilien mit 9 Suffraganeaten, Venezuela mit 2, Guatimala mit 4, la Plata mit 3, Cuba mit 1, San Jago in Chili mit 3, Lima mit 5, Quito mit 2, Santa Fe di Bogota mit 6, San Domingo mit 1 (Portorico). Nordamerika hat Erzbischöfe zu Mexico, Neu Orleans, New York, Baltimore, Cincinnati, Orcgoncity, Quebec, St. Louis (Missouri) und Port d'Eöpagne auf Trinidad, im Ganzen 9 124 mit 49 Suffraganen. Die Gesammtzahl der amerikanischen ErzbiSthümcr beträgt demgemäß 19 mit 90 BiSthümern. Oceanien zählt 2 ErzbiSthümer zu Manila und Sidney mit ll Bisthüuiern und 9 apostolischen Vicariaten, deren Crcation ganz der neuesten Zeit angehört. Nun ist noch übrig, der Patriarchal-Kirchen, so wie der Bisthümer in riartilius insiclelium zu erwähnen, über welche beive wir in dem Pctri'schen Buche genügende Auskunft finden. In europäisch-christlichen Staaten haben nur zwei Kirchen den Patriarchat Titel: Venedig (von der Vereinigung mit Aauila-Grado) und Lissabon (durch Verleihung Papst Clemens XI. im Jahre 1716). Die orientalischen Patriarchate sind zum Theil bloße Titel, wie Konstannnopel lateinischen RituS, Alcrandria, Antiochia lateinischen NituS, welche an Mitglieder der Prälatnr, die in Rom selbst residiren, verliehen zu werden pflegen. So ist Patriarch von Alerandria Mousignor Daulo Augusto FoScolo, einst als Kanzclreducr berühmt, bekannter aber noch durch die Wechselfälle cineö stürmischen Lebens in und außerhalb Italiens, jetzt ein bejahrter und kranker Mann. Auch Jerusalem war ein bloßer Titel dieser Art, biö Papst Pins IX. im Jahre 1347 mittels einer Ucbcreinkunft mit der Pforte Residenz und Jurisdiction des lateinischen Patriarchats wieder herstellte, zu welchem Monsignor Valerga, ein Lignre, ernannt wnrde. Die übrigen Patriarchate sind die der Melchi- ten in Antiochia mit der zeitlichen Residenz in Damaskus, der Maronitcn in Antiochia mit der Rcsircnz im Kloster Canvbin in CheSroan, der Syrer in Antiochia mit der Residenz zn Aleppo, der Chaldäer von Babylon mit der Residenz in Mussul, der Armenier von Cilicien mit der Residenz in einem der Klöster des Libanon, endlich das spanische Patriarchat für die westindischen Besitzungen, welches von Leo X. institnirt wurde. Die sechs vorderasischen Patriarchalkirchen nebst den crzbischöflichcn Kirchen von Babylon für die Lateiner, Konstantinopel für die Armenier, Jerusalem für die Syrer, Smyrna und Goa haben 53 SuffragaU'Sprengcl unter sich. Die Gesammtzahl der katholischen ErzbiSthümer, mit Einschluß der wirklichen Patriarchate, beläuft sich also auf 136, wovon 104 in Europa, 11 in Asien, mit Einschluß AleraudriaS, 19 in Amerika, 2 in Oceanien; die Gesammtzahl der BiStbümer auf 763, von denen 6(19 auf Europa und einige Kolonien mit Nordasrika, 53 auf Asien, 90 auf Amerika. 1! auf Oceanien kommen, so daß eS im Ganzen 899 katholische Bischofssitze in den Verschiedenen Weltthcilen gibt. Die Titel als Bischöse in pgrtidus werden an die päpstlichen Botschafter, die jedesmal Erzbischvfe seyn müssen, an Mitglieder der Prälatnr, welche in Rom selbst Aemter oder Würden bekleiden, an die Coaojutorcn oder Suffragane von Erzbischösen und Bischöfen, an hochgestellte Mitglieder von Domcapiteln, oder auf besondere Anlässe hin verliehen. Wir finden 31 Erzbischöfe aufgeführt, deren Reihe mit dem Grafen Mercy d'Argcnteau, vormaligem Nuntius in München, beginnt, und unter denen sich Monsignor di Pietro, Nuntius in Lissabon, Erzbischof von BcrytuS, Monsignor Viale Prela, Nuntius in Wien und Erzbischof von Carthago, Monsignor Garibaldi, Nuntius in Paris und Erzbischof von Mira, Monsignor Antonucci, Nuntius in Tnrin (zur Zeit abwesend), und Erzbischof von TarsuS, Monsignor Brunelli, Nuntius in Madrid und Erzbischof von Thessalonika, Monsignor Fernen, Nuntius in Neapel und Erzbischof von Sida, Monsignor Gonella, Nuntius in Brüssel und Erzbischof von Neo-Cäsarea; neben ihnen die vormalig» n Numicn Monsig. d'Andrea, Morichini, Maciotti, St. Marsan. Die Zahl der crzbischvflichen Kirchen in nkirtilzus, bei denen noch dem Namen nach die alte Eiulhcilung der Sprengel mit ihren Suffra- ganeatcn besteht, beläuft sich nach den hier gegebenen Verzeichnissen, die indeß schwerlich ganz vollständig sinv, in Europa auf 19, in Asien auf 41, in Afrika auf 14, somit im Ganzen auf 74. Die der bischöflichen beträgt in Europa 64, in Asien 234, in Afrika 74, zusammen 372. Rechnet man dazu noch 15 andere außerhalb dieses vormaligen DiöcesanverbandeS stehende Titel, die jetzt vergeben sind, so beträgt die Gesammtzahl der Kirchen in psrtidus inliäelmm nicht weniger als 461, so daß eS im Ganzen 1360 katholische Bischofstitel gibt. 125 Bekehrungen in Jerusalem. (Au« dem in der letzten Nummer bereits benutzten Schreiben des Scerclärs des heiligen Landes, Paier Johann, clil. Jerusalem 8. April 1350.) Der Geist Gottes hat zu allen Zeiten wunderbar auf das Menschcnherz gewirkt, und fährt zu deren Heil fvrt zu wirken. Dieses gestehen hier Jene, welche unS, wie der Kirche GotteS, früher fremd waren. Ich bin ermächtiget sie zu nennen. Herr Franz Ansclm Lair Patterson, Professor am DreieinigkeilS-Collcginm zu Oxford, und Herr Franz Maria Vymon, Mitglied deö Kollegiums der Verstorbenen daselbst, beide sehr bekannte und würdig geachtete Zöglinge der Orfordcr Universität, deren heutiger religiöser Geist aller Welt bekannt ist, legten bei uuö ihr katholisches Glaubensbekenntnis) ab. Ich genoß die Gelegenheit, mit ihnen zumeist zu convcrsircn, und sie theilten mir mit, wie sie auf ärztlichen Rath die Wiederherstellung ihrer körperlichen Gesundheit ans Reisen gesucht, und Gott sey gedankt, gefunden. Beide waren schon daheim von den katholischen Grundsätzen durchdrungen, und von dem Verlangen der Rückkehr in die wahre Kirche beseelt. In Egypten angelangt fühlten sie ihre Gesundheit schon vollständig consolidirt. Auf der Nilfahrt besprachen sie sich eines TageS über Religion, das dringlichste Anliegen ihreö HcrzcnS. Dieser Fluß, sagte Patterson, wie daö Meer, der milde Himmel, die reine Luft, die reichlichen Reiseerfahrungen, o Gott, wie wunderbar haben diese zur Wiederherstellung unserer Kräfte beigetragen! Nun befinden wir uns schon wohl; wenn unS aber Gott in dem heiligen Lande noch mit der Wohlthat der Religion beschenken würde, wer wäre glücklicher denn wir beide! — In der Vorosterfastcn hierorts angelangt hatten sie sich dem hochwürdigen CnstoS mit dem Bemerken vorgestellt: „sie seyen zwar Protestanten, wären aber Freunde der Katholiken." Von jenem Augenblicke an besuchten sie die heiligen Stätten Jerusalems fleißig, wobntcn unsern gottesdienstlichen Handlungen immer an, unterließen aber keine einzige in der Charwoche; und waS war der Erfolg davon? Jener, daß sie unmittelbar nach Beendigung der Charfreitagöprocession dem P. Custoö melden ließen, sie seyen nicht mehr protestantisch, sondern schon katholisch und wünschten mir der katholischen Kirche förmlich einverleibt zu werden. Da man nach gepflogenen Unterredungen, Prüfungen und nachträglichem Unterrichte die vollkommene Ueberzeugung von dein wahren Berufe, von der tiefen Gelehrtheit, von dem vollkommenen Einverständnisse mit den katholischen Dogmen und dem festen Glauben an dieselben gewonnen hatte, ward ihre Bitte endlich gewährt. Die Rückkehr so gebildeter und ausgezeichneter Individuen hatte in Jerusalem ungemeine Sensation erregt. Zu mir sprach gleich bei ihrem Anlangen eine innere Stimme, daß tiese Herren in ihrem Inneren katholisch sind; denn ich bemerkte eine seltene Unschuld auf ihrem Antlitze, alles Tugendhafte in ihren Handlungen, Kenntniß und Weisheit in ihren Worten. Wenn SilviuS Pellico spricht: „O! wie tröstend und geisteöcrhebend ist eine wahrhafte Rückkehr zur Religion!" so hatte ich Grund, mich zu freuen; wie sich aber die Nückgekehrten selbst freuten, gaben ihre Dankcswortc an den P. Custos nach Vollendung der heil. Handlung zu erkennen, welche sie, von süßer Rührung ergriffen, und freudestrahlend mit diesem Ausdrucke beschlossen: „als wir das erstemal zu Ihnen hincintraten, war unser Herz noch ziemlich ferne von Gott; heute aber haben wir Ihn in uns; gebcnedciet in Ewigkeit." Noch glaube ich erwähnen zu dürfen, wie der Protestant I. Spencer Nonlhvte, auS Philadelphia, im Begriffe, sich von dem hochwürdigcn P. Custoö zu verabschieden, sich in meiner Gegenwart ausgesprochen: „Ich schcive von Jerusalem, dankerfüllt für Ihre Aufmerksamkeiten, und noch dankbarer für Ihre Feierlichkeiten dieser Tage. Ich wünsche Ihnen Glück da-,», und empfehle mich Ihrem Gebete, auf daß der in mir gefaßte Beschluß, zum Katholicismus überzutreten, in Erfüllung gehen könne. Es wäre mir auch lieb gewesen, hier, auf dem Grabe des göttlichen Erlösers, den Irrthum abzuschwören; ich habe aber aus guten Gründen beschlossen, diesen Act in meiner Heimat, von der ich bereits zwei Jahre entfernt bin, zu vollziehen. Beten Sie also, auf daß mir diese Gnade von Gott werde. Ich habe den Entschluß gefaßt. Ihre Charwoche hat die letzte Hand anS Werk gelegt." Und hiermit trat er ab. IS« Da ich von Bekehrungen spreche, so kann ich nicht unerwähnt lassen, daß sich gegenwärtig 17 zum Katholicismus rückkehrende Griechen, 5 Kopten und 1 armenischer DiaconnS bei uns im Religionsunterrichte befinden, und kürzlich 2 Jsraeliten, nach einer langen Lern;eit, getauft worden sind. Außer diesen einzelneu BckehruugSfällcu muß ich jenen von 173 armenischen Familien aufführen, welche seil dem Herbste des v. I. bis zum heutigen Tag durch daS seeleneisrigc Wirken unseres P. GuardianS in Aleppo der heiligen Muttcrkirchc zugeführt worden sind. Ich erlaube mir seinen dicßfälligen neuesten Bericht an mich hier anzuführen: „Die Bekehrungen der schismatischen Armenier zu Adana in Kleinasien und eigentlich in Caramanien, unfern Tharsus, gehen, wie ich cS in meinem früheren Schreiben gemeldet hatte, fort; die Anzahl der convertirten Familien bcläuft sich dermalen auf 173 mit 7V0 Personen. Die im Schisma Zurückgebliebenen setzen zwar Alles aufs Spiel, um die Neubekehrten zurückzuführen; auch strengt sich ein eigens dazu auS Constnntinopel gesandter Gelehrter aufs Aeußerste an, selbe zum Rückfalle zu vermögen. Allein diese Versuche scheitern an dem festen Character der Armenier; denn die stete Erfahrung belehrt uns nur zu sehr, wie der Armenier, und namentlich der dem weltlichen Stande angehörigc, nur nach reifer Ueberlegung zu irgend einer wichtigen Handlung schreitet, uud hat er zu solcher den Entschluß gefaßt, ihn gewiß auch um jeden Preis durchführt, und wo er ihn durchgeführt, nie mehr in seinem Leben ändert. Die neubekehrtcn Familien hatten den Entschluß der Union vorlängst gefaßt, und ich habe nur ans Ersuchen und Befehl die Reise dahin angetreten, und nach geprüfter Lauterkeit der Absicht seitens der Ersuchenden das Bckehruugöwerk daselbst und die wichtige Mission übernommen, die Flehenden in den Schooß unserer heiligen Kirche aufzunehmen. Seit September v. I. weile ich dahier, die Neulinge der Kirche mit Gottes Segen im Euren bekräftigend, nud da ich von ihrer Standhafligkeit überzeugt biu, so werde ich diese in so wenigen Tagen durch den Thau dcS Himmels blühend gewordene Ernte im Kurzen der Leitung von katholischen Priestern ihres Ritus, die, vom Libanon her gerufen, bereits angelangt sind, anvertrauen. Die Bahn ist nnn gebrochen, und ich schätze mich glücklich, sie im Namen unserer Mis- sivns-Custodie zuerst versucht zu habe»; die größten Schwierigkeiten sind überwunden, und Alles ist zu künftigen höchst zahlreichen Früchten vorbereitet. Unterlassen Sie nicht, den Ewigen immer mehr mit warmen Gebeten anzuflehen, um die im Schisma Gebliebenen zu erleuchten, und den neuen Kindern der heiligen Muttcrkirchc die Gabe der Beharrlichkeit zu verleiheu. Dort, wo der Katholicismus wieder aufblühen wird, und darauf hoffe ich fest, auf seinen alten Sitzen von Lycien, Pamphilien, Cilicien, Cappadocien, o welches Heil sehe ich der Menschheit, welches Verdienst unserer Misston vorbereitet, welche immer ans gleicher Höhe bleibend, die Vortheile der Mühewaltung zn keiner Zeit in Betrachtung zog; denn sie ist bereit und entschlossen, auf der Bahn des heiligen Evangeliums, wie durch die verwichcnen sechs Jahrhunderte, so auch in Zukunft, im Morgenlande fortzuwandelu, GotteS Wort predigend, Unwissende belehrend, Sünder bekehrend, uud die durch ihr apostolisches Wirken Bekehrten nachher der Leitung solcher Geistlichen anvertrauend, die, vereint mit der katholischen Kirche, von dem bezüglichen Ritus sind. Wenn daher die Melchitischen Griechen, die Armenier und Marouiten gegenwärtig in Aleppo, in Damaskus, in Nazarelh, in Jaffa, Cairo und andern Orten eine zahlreiche Hecrde besitzen, so verdanken sie selbe stets unserer Mission, welche sie ihnen mitten unter stürmischen Zeiten bewahrt, vermehrt, und dann in den Tagen des Friedens übergeben hat. Daß schließlich der Libanon katholisch geblieben, ist dem Blute unserer Missionäre zn verdanken. So wenig aber Adana der erste unserer Ruhmesplätzc ist, so wenig wird es der letzte derselben seyn. O! möge uns Gott seine Hilfe freigebig spenden, auf daß wir sein Werk vollbringen können." — Dieß sind die Worte deö P. Quardians. In der Folge werde ich Euer Hochwürden über diese Bekehrung MehrcrcS berichten. 1S7 Eine eigenthümliche Nothtanfe. Ein zuverlässiger Mann berichtete unö vor kurzein folgende Begebenheit: Im Herbst des verflossenen Jahres hielt Pfarrer zu Metz in der dortigen Pfarrschule die Katechiömusstunde. Eben war von der Nothwendigkeit der heiligen Taufe zur Seligkeit die Rede, als die Kinder mit einer eigenthümlichen Besorgniß nach der kleinen Esther, ihrer jüdischen Mitschülerin, hinsahen, die in einer Ecke der Schule über ihrer Lection sitzen geblieben, der aber auch kein Wort von dem christlichen Unterrichte entgangen war. Kaum war der Unterricht zu Ende, als die christlichen Freundinnen der kleinen Esther mit großer Bekiunmerniß sich nahen, da ihre Gespielin ja augenscheinlich in großer Seclengefahr sich befand. Auch Esther war sichtlich verstört und bedürfte es von Seiten der Kinder nichl vieler Ueberredung, sie zur Taufe zu bewegen. ES wurde uun Rath gehalten, was anfangen. Man ging mit Estherchen zum Pfarrer, damit dieser doch ihrem Wunsche, getauft zu werden, willfahren möchte. Der Pfarrer belehrte die Kinder, daß dazu die Einwilligung der Eltern des JudenmädchenS durchaus erforderlich sey, sonst dürfe er die Taufe nicht vornehmen. Mit der Ermahnung, für Estherchen zu beten, entließ er gerührt die guten Kinder. Was nun anfangen? Die besten Freundinnen Estherchens gehen mit ihr zu den Eltern, die natürlich den Kindern ihre Bitte rund abschlagen. Die Kinder, Estherchen nicht ausgenommen, sind untröstlich, da ja ohne Taufe es unmöglich ist, selig zu werden. „Aber," sagt eines von den Mädchen, „hat der Herr Pfarrer nicht gesagt, daß im Nothfälle ein Jeder, selbst wenn er ein Heide wäre, taufen könne? Und hier ist gewiß ein Nothfall, denn Estherchenö Seele ist in Gefahr, der Pfarrer darf nicht taufen, die Eltern wollen die Taufe uicht zugeben. Estherchen, bist du damit zufrieden, wenn wir dich taufen?" Estherchen ist überfroh, daß sie doch min noch getauft und selig werden könne; sie ist mit Allem zufrieden. Nun halten die Mädchen Rath, wie sie Alles einrichten wollen. Die dem weiblichen Geschlechte angeborene Schlauheit in allen eigenen Angelegenheiten kommt ihnen zn Statten. Zuerst beginnt der Unterricht. In den Spielstunden, wenn Niemand ihnen nachspürt, gehen sie mit Estherchen hinter die Kirche vor das Kreuz knien, beten die lauretanische Litauei, rufen den heiligen Geist an, setzen sich dann im Kreise um die liebe Freundin und unterrichten sie im christlichen Glauben. Ihr Eifer uud ihre Sorgfalt lassen nichts zu wünschen übrig. Und vorsichtig uud verschwiegen sind sie alle, Estherchenö Seelenheil steht ja auf dem Spiele. So treiben sie's geraume Zeit, bis sie glauben, nun sey'S genug, nun könne Estherchen getauft werden. Die Pfarrkirche steht dort zumeist den ganzen Tag offen, Mittags ist sie in der Regel völlig menschenleer; auch daö Taufbecken ist nicht verschlossen. Das AlleS haben die Mädchen wohl erwogen und abgeschaut. Nun wirv ein Tauftag augesetzt und Vorbereitung gemacht wie zu nuem Feste. Wie zum Spiel versammeln sich die Bethciligten zu festgesetzter Stunde vor der Kirche, schlüpfen hinein — richtig, kein Mensch stört sie in ihrer Andacht. Da fällt es, gerade als man im Begriffe steht, die heilige Handlung vorzunehmen, einem der Mädchen ein, daß der Pfarrer gesagt: auch im Falle der Nothtaufe solle die Taufe nicht durch eine Frau geschehen, wenn ein Mann zu haben wäre. Nnn aber spielten gerade mehrere Kuaben vor der Kirche. Das Mädchen machte ihre Gespielinnen auf diesen Umstand aufmerksam. Neue Verlegenheit. Doch rasch entschlossen, eilt eines der Mädchen zur Kirchthüre und ruft dem Theodor, dem Nachbarssohne, der ja anch in den christlichen Unterricht geht. Der weist die Ruferin zuerst barsch ab, da sie ihn im Spiele stört, doch endlich kommt er doch, uud wird nun in der Eile in das Geheimniß eingeweiht. „Da eine Frau nicht tanfen soll, wenn ein Mann zu haben ist, Dn aber ein Mann bist, so komme und taufe Estherchen! Wir haben Alles fertig." So lautete die Schlußrede. Theodor bedenkt sich nicht lange und tritt in die Kirche. Die andern Mädchen sitzen mit Estherchen am Muttergotteöaltare uud beten die Vorbcreituugsgebete zur h. Taufe, die lauretanische Litanei und rufen dann den heiligen Geist an. Dann wird eine Wache an die Thüre 128 postirt und Estherchen getauft. An der nothwendigen guten Meinung hat eö Allen nicht gefehlt. Die Kinder sind überselig, danken der guten Gottesmutter für ihren Schul) und gehen dann nach Hause, als ob nichts vorgefallen. Estherchen aber selbst ist so glücklich, alö ob sie bereits schon mit einem Fuß im Himmel stände. Drei Tage darauf erkrankt Marie-Estherchen und zwar sehr bedenklich. Nun erst beginnt recht eigentlich die Noth der Kinder. Weinend kommen sie zum Pfarrer und erzählen AlleS, waö vorgefallen. Da war guter Rath theuer, denn mit Juden ist in solchen Dingen allein nicht gut handeln. Während man überlegt, waö zu thun, und der Pfarrer eben mit den Eltern Estherchens über das Vorgefallene sich benehmen will, anch wieder zaudert, um dem kranken Kinde nicht unnöthige Unruhe zu machen, stirbt Marie-Estherchen am siebenten Tage. Der Pfarrer, ein sehr geachteter Mann, verfügte sich sofort zn ihren Eltern und erzählt ihnen, waS die Kinder mit einander ausgeführt. Estherchen sey giltig getauft und als Christin gestorben. Er könne sie zwar nicht gesetzlich dazu anhalten, ihr todtes Kind christlich beerdigen zu lassen, indeß bäte er sie sehr darum. DaS gestehen endlich die jüdischen Ellern zu, und für die Gespielinnen des keinen Engels gibt'S ein neueö, aber leider, wie sie meinen, trauriges Fest. Wenige Tage nachher meldeten sich die Eltern der Verstorbenen beim Pfarrer und baten um christlichen Unterricht und die Taufe. Marie-Estherchen hat im Himmel mehr über das Elternherz vermocht als auf Erden. (F. St.) Berichte über Missionen. Kiederich, 4. April. Gestern kamen die mit frommer Sehnsucht erwarteten vier hochwürdigen Väter Redemptoristen, Superior Hampl und die Patreö KastI, Riegger und Roß maier hier an, um für daS obere Rheingau eine Mission zu halten. Die Kunde davon hatte sich mit Blitzesschnelle weithin verbreitet und schon in aller Frühe deö heutigen TageS eilten die Gläubigen von allen Seiten herbei, um die erhabenen Wahrheiten des Christenthumes aus beredtem Munde zu vernehmen. Die Zahl der Anwesenden kann wenigstens auf sechs bis acht Tausend angenommen werden. Der Zndrang der Gläubigen war so groß, daß die zweite Predigt um zwei Uhr des Nachmittags unter freiem Himmel auf dem geräumigen Kirchhofe abgehalten werden mußte, und zwar von der Kanzel der im reinsten gothischen Style erbauten Capelle, die zu den schönsten kirchlichen Gebäuden deS ganzen Rheiugaueö gehört. Der Anfang ist viel versprechend, und es ist kaum zu zweifeln, daß die Theilnahme, wie dieses allerwärts der Fall war, von Tag zu Tag zunehmen werde, so daß die Mission am 13. d. M. mit einer wahrhaft erhebenden Feier schließen dürfte. Besonders ergreifend ist am Abend um acht Uhr der Ton der Bußglocke, der die Gläubigen einladet, für ihre eigene und für die Bekehrung aller Sünder zu beten. Noch immer Hort man von neuen Rückerstattungen gestohlener Sachen oder deren Geldwert!) an die frühern Eigenthümer, als Folge der in Geisenheim stattgehabten Mission. In einer von dem Orte der Mission schon entfernter liegenden Gemeinde deS Rhein- gaueS sind unS noch dieser Tage drei Fälle bekannt geworden. Solche Vorfälle geben Zeugniß von der außerordentlichen Wirkung der Missionen, und daß sie bei Vielen den festen Vorsatz hervorgerufen, sich zu bessern und die frühern Vergehen nach Kräften wieder gut zu machen. In solchen außerordentlichen Zeiten, wie die unsrigen, in welchen der crasseste Unglanbe bis in die niedersten Volksclassen sich verbreitet hat, können auch nur solche außerordentliche Mittel, wie sie die katholische Kirche darzu» bieten hat, noch helfen. (M. I.) Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen, VerlagS-Jnhaber: F. S, Kremer.