Gilfter Jahrgang. Sonntags-Beiblatt zur Augsöurger Pojtzeitung. -t. Mai ^ L8. 1851. Dieses Blatt erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der halbjährige Abonnementspreis TV kr., wofür es durch alle köirlgl. bayer. Postämter und alle Buchhandlungen bezogen werden kann. Die Sacramente der Liebe. Noch kann ich nicht von Liebe sprechen, Ich hab noch kaum ein Glied gerührt, Doch will ich schon mit Allem brechen, Was nicht zu deiner Liebe führt. Wie ich dir schon gestanden habe, Mein Herz bleibt ewig nur bei dir, Das Kind nicht blos, jetzt auch der Knabe Gibt dir sein heilig Wort dafür. Ich konnte wohl der Liebe fehlen Und straucheln auf der Bahn der Treu', Doch Eines kann ich nicht verhehlen, Daß, was ich that, ich auch bereu'. So bin ich vollends eins geworden Mit dir, du meines Lebens Herz, Du trittst an deines Himmels Pforten, Mich hebt die Liebe himmelwärts. O welche Dreihcit, die sich einet: Ein Mensch, geweiht an deiner Statt, Reicht dich, der selbst als Mensch erscheinet, Dem Menschen, der geweiht sich hat. Ich kann die Lieb' allein nicht tragen, Die unter Engeln selbst getheilt. Ein Herz muß es dem andern sage», Das ist allein was Liebe heilt. Und hemmt der Tod des Herzens Sprache, Verwehret seinen warmen Schlag, So lern' ich noch am letzten Tage Von dir, o Gott, was Lieb' vermag. vr. «. Barth. Hirtenbrief des hochwürdigften Bischofs von Mainz, bei dem Anfange der Fastenzeit 1351. Wilhelm Emmanuel, durch Gottes Erbarmung und des heiligen apostolischen Stuhles Gnade Bischof von Mainz u. In dem ersten Hirtenbriefe, den ich von dieser erhabenen Stelle an Euch, Geliebte in Christo unserm Herrn, richtete, erklärte ich eS als meine höchste Pflicht: ') Dieser Hirtenbrief, von dem bereits die Kte Auflage erschien, ist es, der die Wuth der DeutschkattMen Hervorries. .HNtM^t die Hinterlage der ewigen Glaubenswahrheiten treu zu bewahren, die der Sohn GotteS, JesuS Christus, seiner Kirche anvertraut hat. Schon jetzt glaube ich diese Pflicht erfüllen zu müssen. Ich habe nunmehr ein halbes Jahr in Eurer Mitte zugebracht. Blicke ich auf diese Zeit zurück, so muß ich mit gerührtem Danke mein Herz und meine Hände zu Gott erheben. Er, der mächtig und dessen Name heilig ist, hat mir seinen gnaden- vollen Beistand nicht versagt. Seine Barmherzigkeit hat mich bisher von Stelle zu Stelle begleitet, und so ist eS geschehen, daß ich auch unter Euch so viel Liebe und Vertrauen angetroffen habe; eine solche Geneigtheit Eurer Herzen, daß ich dadurch mein eigenes Unvermögen weniger empfunden habe. In der Stadt und auf dem Lande, wo immer ich zu Euch gekommen bin, habt Ihr mich in einer Weise aufgenommen, die mir tief zu Herzen ging, die mir Eure Liebe zu Christus verkündete, der mich gesandthat; die mich ohne Unterlaß an meine Pflicht erinnerte, mich Eurem Seelenheile ganz aufzuopfern. Und wenn ich gar an die Missionen denke, die bisher abgehalten sind, an die heilige Begeisterung, mit der Ihr dort weither zusammen eiltet, um das Wort Gottes zu hören und die heiligen Sacramente zu empfangen; an die erbauliche Ordnung, mit der Ihr dort, viele Tausende als Brüder versammelt, im Gebete, wie von Einem Geiste und Einer Seele durchdrungen, ausharrtet, — wie vermag ich da Gott gebührend zu preisen und Euch meinen Dank und meine Liebe hinreichend auszudrücken. Viele Hindernisse, die ich dagegen erwartete, sind gänzlich verschwunden, und ich kann noch keinen Namen in dem ganzen Lande nennen, von dem ich eine persönliche Kränkung erfahren hätte. Je mehr ich aber hiernach verpflichtet bin, Euch zu lieben und mit allen Kräf, ten für Euer Seelenheil zu arbeiten, desto mehr mußte es mich betrüben, daß der Geist des Unglaubens sich auch in Eurer Mitte eine Stätte aufgeschlagen hat und sich das Ansehen gibt, als gehöre er dem Volke an, das mir Gott zu leiten übergeben hat. So ist eS aber nicht. Der Same des Unglaubens ist nicht hier gewachsen, er ist ein fremder Same, den man hierher getragen hat. Die Säeleute des Unglaubens sind nicht von hier, sie haben nichts gemein mit Eurer Geschichte, mit Eurem Volke, sie sind Euch nicht durch Bande des Blutes und der Abstammung verwandt. Der Same und die Säeleute sind Fremdlinge in der Geschichte der Diöcese Mainz.. Das könnte mich trösten, wenn ich nicht sehen müßte, daß auch dieses fremde Unkraut angefangen hat, hier und dort aufzugehen, und daß viele der mir anvertrauten Seelen es gar nicht zu ahnen scheinen, von welcher Art dieses giftige Unkraut ist, welche Gefahr dem ganzen Volke, der ganzen Nachkommenschaft droht, wenn es sich weiter verbreiten sollte. Um nun den Wächtern nicht zu gleichen, die da schliefen, während der Feind daö Unkraut säete, habe ich ohne Unterlaß Gott angefleht, er möge mir offenbaren, was ich zu thun habe, um diese Gefahr von Euch und Euren Kindern fern zu halten, und ich glaube nunmehr, daß eS meine Pflicht ist, Euch zu warnen und den offenen Feinden des christlichen Glaubens offen entgegen zu treten, Feinden, die eS wagen, einem katholischen Volke ins Angesicht zu sagen, daß die römisch-katholische Kirche barer Aberglaube sey, die so Eure ganze Vergangenheit schmähen, Eure Eltern bis in das fernste Glied, die dieser Kirche mit Liebe anhingen und also Diener des Aberglaubens gewesen wären, wenn die Kirche Aberglauben lehrte. Nichts aber darf mich abhalten, eine so ernste Pflicht zu erfüllen. Ich weiß zwar, wie man mein Verfahren nennen wird. Man wird über Intoleranz und Gewissenszwang klagen. Man wird schöne Namen: Liebe, Friede, Freiheit gebrauchen, um gegen mich zu kämpfen. Man wird von Inquisition, Bann und Ketzergerichten sprechen. Ihr aber, Vielgeliebte, werdet Euch in der Beurtheilung meines Verfahrens durch den schönen Klang leerer Worte nicht irre machen lassen. Ist es Intoleranz, wenn ich als von Gott bestellter Bischof Eurer Seelen die Wahrheit, den Glauben, die Offenbarung Gottes gegen den plattesten Unglauben 139 vertheidige, der je aufgetreten ist; oder bin ich nicht vielmehr ein schlafender Wächter, wenn ich schweige? Man sagt Euch, auf Glaubenssätze, auf die Dogmen der Kirche komme eS nicht an. Was sind denn die Glaubenssätze, die Dogmen der Kirche? Eine Anzahl Wahrheiten, von denen wir behaupten, daß Gott selbst sie den Menschen geosfcnbaret hat; Wahrheiten über die letzten Gründe aller Dinge, über die Bestimmung des Menschen, über die Mittel deS Heiles, über Tod und Ewigkeit. Und auf solche Wahrheiten soll es nicht mehr ankommen? Ehre, Geld, Haus und Hof darf man beschützen und vertheidigen, daS ist nicht intolerant; ewige Wahrheiten aber vertheidigen, soll intolerant seyn? WaS ist denn mehr werth, das Geld oder die Wahrheit? Es soll intolerant seyn, wenn die von Gott bestellten Wächter deS Glaubens, die Oberen der Kirche die Wahrheiten über daS Verhältniß zwischen Gott und den Menschen schirmen und hüten — und was thun dieselben Menschen, die sich selbst zu Hütern deS Unglaubens gemacht haben? Sind sie auch so tolerant in Bezug auf andere Grundsätze? Ohne Zweifel sind politische Ansichten nicht von so hoher Bedeutung, wie die religiösen Wahrheiten. Diese lehren das Verhältniß zwischen Gott und dem Menschen, dem Menschen und der Ewigkeit; jene, die politischen, das Rechtsverhältniß der Menschen zum Staate; diese greifen in das innerste Leben der Seele und der Familie, jene nur in die äußern Beziehungen zum Nebenmenschen ein. Man sollte also glauben, daß Menschen, die keine Glaubenssätze mehr vertheidigt haben wollen, auch keine politische Streitfragen mehr erheben würden. Sie sagen: es ist intolerant, GlaubenSwahrheiten zu vertheidigen, intolerant, die Ansicht Andersgläubiger zu verwerfen, Glaubenssätze stiften Unfrieden, und es kommt nur darauf an, daß wir unS Alle lieben; man sollte also glauben, daß sie folgerecht sagen würden: es ist intolerant, politische Systeme zu vertheidigen, intolerant, die Anhänger anderer politischen Systeme zu bekämpfen; politische Systeme stiften Unfrieden, und eS kommt nur darauf an, daß wir uns einander lieben. Sie sagen: es ist intolerant, darüber zu streiten, ob Christus der Sohn Gottes ist, ob es eine Ewigkeit, eine Strafe deS Bösen, eine Hölle, einen Himmel gibt, davon soll man nicht sprechen, deßhalb Niemanden beunruhigen, das könnte Streit veranlassen, und daS sind doch Wahrheiten von unendlichem Belange; — man sollte also glauben, sie würden folgerichtig sagen: es ist intolerant, darüber zu Kreiten, ob eine oder zwei Kammern bestehen, ob man mit 20 oder 2l Jahren wahlfähig werde u. s. w. So, sollte man glauben, würden sie denken. Aber da kommt die unermeßliche Jnconsequenz oder Heuchelei zu Tage. Während man sich nicht schämt, die Kirche zu schmähen, weil sie ihr Dogma mit heiliger Sorge bewacht, den Unglauben aber verabscheut, während man im Namen der Liebe unS auffordert, geduldig zuzusehen, wenn man uns die höchsten Güter, den Glauben, von dem wir bekennen, daß eS ohne ihn unmöglich ist, Gott zu gefallen, zu entreißen strebt, und zugleich einen Spott, Haß und Hohn auf Kirche, Priester und Glauben ergießt, wie die Seelen deS heidnischen Spötters Lucian und des Apostaten Julian dessen nicht sähig waren, hielt man eS nicht wider die Liebe, politische Dogmen zu schmieden, sie als unfehlbare Glaubenssätze aufzustellen, ihretwegen alle Andersdenkenden mit Erbitterung zu verfolgen. Gegen die Wahrheiten, die von Gott kommen, sollen wir gleichgiltig seyn, ihre Meinungen aber sollen mir vergöttern. Ich verwerfe jeden JndifferentismuS. Der Geist des Menschen ist für die Wahrheit bestimmt, und er darf diese Bestimmung nicht durch indifferentes Verhalten gegen irgend welche Wahrheit verläugnen. Ich verkenne deßhalb auch nicht den Werth politischer Kämpfe und halte sie für gut, wenn sie anders mit sittlich erlaubten Mitteln geführt werden. ES ist aber eine unselige Geistesverirrung oder eine schmachvolle Heuchelei, wenn jene im Namen der Liebe in göttlichen Dingen den JndifferentismuS predigen, die sich nicht scheuen, um politischer Meinungen willen die Welt in Flammen zu setzen. Oder ist es GlaubenSzwang, wenn ich als von Gott bestellter Bischof Eurer Seelen erkläre, daß jene nicht mehr der Kirche angehören, die dem Glauben der Kirche entsagt haben? So will man es gerne darstellen, aber wie unwahr ist auch 14« diese Auffassung! Ist es denn ein ungebührlicher Zwang, wenn der Hausvater fordert, daß Jeder, der in seinem Hause wohnen will, sich auch der Ordnung des Hauses unterwerfe? Ist eS ein ungebührlicher Zwang, wenn der JSraelit verlangt, daß ein Mitglied der Synagoge eben ein Jude und kein Christ sey? Ist eS gegen die Freiheit, gegen die Liebe, ist es ein ungebührlicher Gewissens- und UeberzeugungSzwaug, wenn ein politischer Verein nur Gleichgesinnte, d. h. nur Solche, die sich zu denselben politischen Grundsätzen bekennen, als Mitglieder zuläßt? Gewiß nicht! Und weß- halb nicht? Weil eS jedem Kinde klar ist, daß ein Verein, der sich gewisser Grundsätze wegen versammelt, nur bestehen kann, wenn die Mitglieder in den Grundsätzen einig sind. Nun wohlan, so gebe man ehrlich der katholischen Kirche, waS man jedem HauSvater, jeder Synagoge, jedem politischen Vereine zugesteht, und nenne nicht das in der katholischen Kirche Glaubens- und Gewissenszwang, was man überall als ein Naturgesetz jedes Vereines anerkennt. Wir wollen Niemanden zwingen, in die katholische Kirche einzutreten oder in ihr zu verbleiben, wir fordern aber von Jedem, der als Mitglied der katholischen Kirche angesehen sevn will, daß er die ewigen Wahrheiten der Kirche glaube, und daß er vor Allem das Princip, auf dem die Kirche ruht, die Lehre von der göttlichen Autorität und Unfehlbarkeit der Kirche vollständig anerkenne; wir fordern daS Recht, jedem Katholiken, der die Grundsätze und Glaubenslehren, also das Dogma der Kirche verwirft, sagen zu dürfen, daß er Alles seyn kann, nur kein Mitglied der katholischen Kirche. Wie weit ist es durch das lügenhafte Geschrei der Feinde der Kirche über Gewissenszwang bei uns gekommen? Gibt eS noch einen Verein auf Erden, der es, wie die Kirche, dulden muß, daß Menschen, die vor der ganzen Gemeinde als Ungläubige oder gar als Feinde der Kirche dastehen, von denen eS bekannt ist, daß sie von der katholischen Kirche nichts an sich haben, als den Platz für den Namen in einem katholischen Taufregister, sich nicht nur katholisch nennen, sondern gar an der Leitung der wichtigsten Angelegenheiten der Kirche Antheil nehmen? Gibt eS noch einen Verein auf Erden, wo eS geschehen kann, daß eine ganze gläubige katholische Gemeinde es oft dulden muß, daß Männer als Vorstände an der Verwaltung der äußern Angelegenheiten der Kirche, oder als Lehrer an dem Heiligsten, an der Erziehung der Kinder Antheil nehmen, die alle Gebote der Kirche verachten und ihren Glauben verspotten? Wahrlich, daS darf nicht so fortdauern, ich bin es dem katholischen Volke schuldig, das nicht zu dulden. Wer nicht katholisch glaubt und lebt, dem bin ich berechtigt es zu sagen, er mag Priester, Vorstand, Lehrer oder Laie seyn; er kann dann werden waS er will, er kann nur kein katholischer Priester, Vorstand, Lehrer oder Laie seyn. Das ist ein Naturrecht für jeden Verein, ein Recht, ohne welches kein Verein bestehen kann, und die Kirche, die, ganz abgesehen von ihrer göttlichen Einsetzung, an Alter und rechtmäßigem Bestände alle andern Vereine so weit überragt, kann diesen in dem natürlichsten aller Rechte, dem Rechte der Selbstvertheidigung und Selbsterhaltung, nicht nachstehen. Die möglichen Anklagen der Gegner dürfen mich also nicht abhalten, meine Pflichten als Wächter des Glaubens zu erfüllen. Dagegen hätte eine andere Erwägung mich vielleicht bestimmen sollen, noch zu schweigen. Unter denen, die in den letzten Jahren von dem Glauben der Kirche sich getrennt haben, gibt es so viele, die nur der Verführung und schwerer Versuchung unterlegen, die nur durch Unwissenheit und Irrthum zu viesem Schritte verleitet sind. Hätte ich eS da nicht der Zeit und der Gnade Gottes überlassen sollen, bis auch sie zurückkehrten, wie schon so manche, die mit dem Glauben den Frieden ihres Herzens wieder gefunden haben? Muß ich nicht fürchten, durch meine Worte, die ihnen vielleicht hart scheinen, sie zu verletzen, zu reizen, abzuschrecken, und dadurch ihre Bekehrung zu erschweren? O möge Gott mich und meine Worte davor bewahren. Ich rede nicht, weil ich ihnen Böses sagen will, sondern weil ich vor Gott weiß, daß ich sie liebe, weil ich die Pflicht habe, ihnen die Wahrheit zu sagen und ihnen den Abgrund aufzudecken, in den sie gerathen sind. Ich möchte daS Beispiel des heiligen Apostel 141 Petrus nachahmen. Als dieser dem Volke, das den Tod Christi gefordert und ihn dem Barrabas nachgestellt hatte, denselben Jesum Christum als den Welterlöser und Gottessohn predigte, da sprach er offen zu ihnen, und verbarg es ihnen nicht, waS sie gethan hatten. „Der Gott Abraham's, der Gotl Jsaak'S, der Gott Jakob'S, der Gott unserer Väter hat seinen Sohn Jesum verherrlichet. Diesen habt ihr zwar überliefert und verläugnet vor dein Angesichts deS Pilatus, der da urtheilte, ihn loSzu« lassen; und ihr habt den Heiligen und Gerechten verläugnet, und verlangt, daß man euch den Mörder schenkte. Den Urheber des Lebens habt ihr getödtet, welchen Gott euch erweckt hat von den Todten, deß sind wir Zeuge." So sprach der heilige Petrus, aber voll Liebe und Erbarmen setzte er hinzu: „Und nun, ihr Brüder, ich weiß, daß ihr es aus Unwissenheit gethan habt..... So thut nun Buße und bekehret euch, damit eure Sünden getilgt werden." O, meine Brüder, die ihr ehemals mit unS Kinder derselben Mutter, der Kirche wäret, ich darf es euch nicht verbergen, auch ihr habt Jesum Christum verläugnet, und den Urheber des Lebens durch cuern Unglauben in euerm Herzen getödtet, — aber ich weiß, ihr wußtet nicht, was ihr thatet, sonst hättet ihr es nicht gethan; nun aber fürchtet euch nicht, kehret zurück, damit eure Sünde von euch genommen werde. Ja ich muß reden, gerade um der Verirrten willen, und noch mehr um Derer willen, die zwar noch nicht den letzten Schritt, der sie von Christus und seiner Kirche trennt, gethan haben, die aber vielleicht, von Verführungen umstrickt, bereits am Rande des Abgrundes stehen. Ihr wißt längst, Vielgeliebte in Christo unserm Erlöser, wovon ich rede. Alle feindlichen Bestrebungen gegen die katholische Kirche in dieser Diöcese vereinigen sich gegenwärtig in jener Partei, welche sich die „Deutschkatholische" nennt. AIs diese Secte vor sechs Jahren entstand, da gaben die Verbreiter der neuen Lehre vor, sie wollten katholisch bleiben, und nur einige Mißbräuche beseitigen. Deßhalb nahmen sie den Namen „Deutschkatholisch" an. Darum wurden Viele irre geführt, die mit Schauder von dieser Partei zurückgetreten wären, wenn man ihnen gleich Anfangs gesagt hätte: wir wollen nichts Anderes, als Alles läugnen, was alle Gerechten im alten Bunde seit Anbeginn gehofft, was die ganze Christenheit seit achtzehnhundert Jahren als das Höchste und Heiligste geglaubt und geliebt hat. Zwar ist inzwischen die Wahrheit mehr und mehr an das Licht gekommen, allein noch immer sind nicht Wenige von einer unbegreiflichen Verblendung befangen. Deßhalb muß ich nunmehr deutlich und bestimmt auSsprechen, was der sogenannte Deutsch- katholiciSmus ist, und in welchem Verhältniß er zur katholischen Kirche und zum Christenthume steht. Vor Allem verwahre ich mich gegen daS Recht dieser Partei, den Namen „Deutschkatholiken" zu tragen. Wo immer Menschen auf Erden beisammen wohnen, ist es Ordnung und Gebrauch, daß ein Name, in dessen Besitz eine Gesellschaft, ein religiöser, ja sogar ein Handelsverein sich befindet, nicht von einem neu entstehenden Vereine angenommen werden darf. Was einer Handelsfirma gewährt wird, hätte wahrlich der katholischen Kirche nicht vorenthalten werden sollen, einer Kirche, die ihren Namen und ihr Recht so tief in die Geschichte Deutschlands verwebt hat. Nur die eine heilige, katholische, apostolische Kirche, die unter der Oberleitung des Nachfolgers deS heiligen Petrus unter den Völkern der deutschen Zunge besteht, hat daS Recht, den Namen der deutschen katholischen Kirche zu tragen. Dann aber erhebe ich, als Wächter des katholischen Glaubens von Gott bestellt, vor Euch Allen meine Stimme und erkläre, daß die religiöse Gemeinschaft der sogenannten Deutschkatholiken gar nichts gemein hat mit der katholischen Kirche; daß sie in Allem das gerade Gegentheil der katholischen Kirche ist; daß der sogenannte Deutschkatholicismus nicht bloß in dem einen oder andern Puncte von ihr abweicht, sondern der vollendete Abfall von dem gesammten Lehrgebäude der katholischen Kirche, der vollendete Abfall von dem wirklichen und wahren Christenthume, ja daS entschiedene Antichristenthum ist. Keine Irrlehre hat seit dem Anfange des Christenthums der I4S Kirche und der Religion Jesu Christi so fern gestanden. Der sogenannte Deutschkatholicismus ist der Inbegriff aller Irrlehren, welche die Kirche jemals, im heil, Geiste versammelt, verworfen hat. Selbst der gläubige Jude steht dem Christenthume weit näher, als der sogenannte Deutschkatholik. Um Euch die volle Wahrheit dieser Behauptung zu zeigen, will ich die Grundlehren der Kirche und die Grundsätze des sogenannten Deutschkatholicismus neben einander stellen. DaS ganze Christenthum beruht auf der Einen großen Wahrheit, daß JesuS Christus wahrer Gott und wahrer Mensch ist; daß Er der Abglanz der Herrlichkeit des Vaters, das Ebenbild seiner Wesenheit ist; daß in Ihm die Fülle der Gottheit leibhaftig wohnt; daß Er das Haupt aller Oberherrschaften und Gewalten ist; daß Er die ganze Schöpfung durch das Wort seiner Allmacht aus dem Nichts ins Daseyn gerufen hat. — O was ist AlleS in dem Glauben an den Gott enthalten, der aus Liebe zu uns und zu einem Jeden aus uns,, obwohl er in der Gestalt Gottes, Gott in Allem gleich war, es nicht verschmäht hat. KnechtSgestalt anzunehmen und sich erniedrigte bis zum Tod, ja bis zum Tod am Kreuze; an das ewige Wort, das da von Ewigkeit bei Gott und Gott selbst war und dennoch Fleisch geworden ist, um unter uns zu wohnen voll Gnade und Wahrheit. Wer diese Eine große Wahrheit, welche, wie gesagt, das Wesen des ganzen Christenthums ausmacht, nicht glaubt und bekennt, der ist kein Christ, sondern ein Widerchrist und macht Jesum Christum und Gott den Vater selbst zum Lügner. Wer an den Sohn Gottes glaubt, der hat Gottes Zeugniß