Eilfter Fahrgang. Sonntags-Beiblatt zur Augsburger Pojtzeitung. 11. Mai ^ LA. 1851. Dieses Blatt erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der halbjährige Abonnementspreis M kr., wofür es durch alle köm'gl. bayer. Postämter und alle Buchhandlungen bezogen werden kann. Hirtenbrief des bochwürdigsten Bischofs von Mainz, bei dem Anfange der Fastenzeit 135l. (Fortsetzung.) Mit den zwei Grundwahrheiten: Christus wahrer Gott — Christus unser Heiland und Erlöser, muß natürlich die deutschkatholische Secte alle andern Wahrheiten der christlichen Religion läugnen und verwerfen. Ist Christus der Sohn Gottes —, dann ist seine Lehre göttliche, ewige, unveränderliche Wahrheit —, dann kann wohl ein Fortschritt und eine Verbesserung in allen menschlichen Wissenschaften stattfinden, nimmermehr aber in dem Inhalte der christlichen Religion, aus dem einfachen Grunde, weil sie die göttliche, die vollkommene, die ewige Wahrheit ist, unveränderlich und unwandelbar, wie Gott selbst; dann steht fest deS Herrn Wort: Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen, und das Christenthum verbessern wollen, ist ein gotteslästerlicher Wahnwitz. In den Augen des Deutschkatholiken aber ist Christus ein bloßer Mensch und darum seine Lehre Menschenlehre, die Jeder nach seinem Sinne deuten und ändern kann. Ist Christus der Sohn GotteS, und will er, daß alle Menschen die von ihm verkündete Wahrheit erkennen und durch den Glauben an sie selig werden sollen — dann hat er auch dafür sorgeu müssen, daß seine Lehre ganz, rein und unverfälscht allen Menschen bis ans Ende der Welt verkündet werde. Und er hat dafür gesorgt, er hat in PetruS und den Aposteln die Kirche gestiftet, ihr hat er aufgetragen, Alles zu lehren, was er gelehrt hat, ihr hat er die Gabe der Unfehlbarkeit durch den heiligen Geist verliehen, bei ihr hat er versprochen bis ans Ende der Welt zu bleiben, und hat vorausgesagt, daß die Pforte der Hölle sie nicht überwältigen werde. Diese Kirche, die von Christus gestiftete, auf den Grund der Propheten und Aposteln yrbaute, auf PetruS dem Felsen ruhende, einige, heilige, allgemeine und apostolische Kirche ist eS, welche allen Völkern und allen Zeiten das Evangelium von Christus dem Sohne GotteS und dem Weltheiland bezeugt und verkündet unv allen Menschen die Gnade der Erlösung anbietet, in deren Name und Auftrag auch ich zu euch rede und Zeugniß gebe für Jesum Christum meinen Gott und euren Gott, meinen Heiland und euren Heiland. Da aber nun die deutschkatholische Secte den Sohn GotteS und Welterlöser läugnet, kann es unö da wundern, daß sie seine Kirche, die treue Zeugin Christi, haßt, und alles erdenkliche Böse ihr nachredet; daß sie die Kirche, welche der heilige Paulus die Säule und Grundfeste der Wahrheit nennt, als eine Mutter des Irrthums und Aberglaubens lästert, daß sie dieses ganze große, die Welt umfassende 24« Reich GotteS auf Erden mit seinem göttlichen Glauben, seinen heilwirkenden Sacra« menten, seinem erhabenen Gottesdienste, seinen frommen Gebräuchen, seiner apostolischen Verfassung, seinem von Christus eingesetzten Priesterthume als einen lügenhasten Pfaffenbetrug hinstellen, daß sie die Kirche, welcher alle Völker die Gnaden und Segnungen deS Christenthums, und hiermit auch AlleS, was das Leben des Menschen hier auf Erden veredeln, verschönern und beglücken kann, verdanken, als die Ursache alles Bösen, als eine Feindin der Menschheit dem öffentlichen Abscheu preisgeben möchte? JesuS Christus, der Sohn GotteS nnd Weltheiland, theilt uns aber durch seine Kirche nicht bloß seine Lehre mit, sondern auch die Sündenvergebung und die heiligmachende Gnade, die unS zu unserm Heile unumgänglich nothwendig ist; und er, der aus Liebe zu uns Mensch geworden und sichtbar unter den Menschen wohnte, hat deßhalb seine unsichtbare Gnade an sichtbare Zeichen geknüpft — die hl. Sacramente. Die heiligen Sacramente sind unser höchstes und heiligstes Gut, sie sind nicht leere Zeichen, sondern sie sind Gnadenmittel voll göttlicher Kraft und Wirkung; durch sie wird uns, wenn wir sie würdig empfangen, Reinigung von Sünden und Gnade und Heiligung zu Theil. Ich brauche wohl kaum zu bemerken, daß die deutschkatholische Secte, die von Gnade, die überhaupt von allem Uebernatürlichen nichts wissen will, die heiligen Sacramente verwirft, und selbst jene Sacramente, die Taufe und daS Abendmahl, deren Namen sie zum Scheine beibehalten hat, lediglich als bloße Ceremonien und als an sich überflüssig und gleichgiltig ansieht. Hiemit aber, daß sie selbst die Kraft der heiligen Taufe verwirft, hat sie den letzten Zusammenhang mit Christus zerrissen. Bedenket, was das heißen will, christliche Eltern. Christus sagt: Wer da glaubt und sich taufen läßt, wird selig werden, wer aber nicht glaubt, wird verdammt werden. Christus sagt: Gehet hin.... und taufet sie im Namen des VaterS und deö Sohnes und des heiligen Geistes. Wie sollte eS nun für christliche Eltern möglich seyn, sich bei so ernsten Worten Christi mit der Taufe einer Secte zu beruhigen, welche den Glauben an den dreieinigen Gott, in dessen Namen getauft wird, den Glauben an Christus und die Erlösung, deren Gnade durch die heilige Taufe mitge, theilt wird, den Glauben an die Erbsünde, welche durch die heilige Taufe getilgt wird, endlich den Glauben an die Gnade Gottes und die innere Kraft deS Sacra- mentes, läugnet und verwirst? Ganz insbesondere aber läugnet jene Secte daS höchste Heiligthum der Christenheit, daS allerheiligste Sacrament deS Altars, daS heilige Meßopfer, daö mit dem Glauben an die Gottheit Jesu und seinen welterlösenden Tod so innig und wesentlich zusammenhängt — diese letzte und größte Offenbarung der Liebe unseres Heilandes, der durch ein Wunder seiner Allmacht alle Tage bis anS Ende der Welt wirklich, wahrhaft und wesentlich als unser Gott und Heiland unter unS wohnt, sich für uns opfert, unsere Seele speiset und nährt zum ewigen Leben. In diesem allerheiligsten Sacramente beten wir Jesu Gottheit und Menschheit wahrhaft und gegenwärtig an. ES ist daS Brod des Lebens, das Brod, das unsere Eltern in lebendigem Glauben ^ und heiliger Zuversicht genossen haben, als sie die Reise in die Ewigkeit antraten, das Himmelsbrod, welches ihren sterbenden GestchtSzügen die Zuversicht einprägte, daß sie den Tod überwinden und in daS ewige Leben eingehen würden; das Brod, das auch wir in der Todesstunde empfangen wollen, um das Leben in uns aufzunehmen. — Jene aber, die Christi Gottheit läugnen, sehen darin nur gemeines Brod, und schelten unsern Glauben an dieses göttliche Sacrament und die anbetende Andacht aller katholischen Völker, aller Heiligen, c-ie aus diesem Geheimnisse der Liebe all' ihre Heiligkeit geschöpft haben, einen götzendienerischen Aberglauben. Endlich läugnet die deutschkatholische Secte Alles, was Gott uns von der Ewigkeit geoffenbaret hat. Klar, unzweideutig, unzweifelhaft ist der AuSspruch der ewigen Wahrheit. Die Liebe und Erbarmung GotteS ist unendlich, aber es ist auch unendlich seine heilige Gerechtigkeit. Gott will zwar, daß alle Menschen selig werden, aber nur unter der Bedingung, daß sie mit seiner Gnade ihm, seinem heiligen Willen 147 gemäß, hier auf Erden dienen. Gott gibt jedem Menschen die nothwendige Gnade; Gott hat Alles gethan, was seine Allmacht vermochte, den Menschen zu retten; aber die endliche Entscheidung liegt in der Hand jedes Menschen. Gott ist langmüthig, aber er läßt seiner nicht spotten. Dieses Leben ist eine Zeit der göttlichen Erbarmung — aber eS ist jedem Menschen gesetzt, zu sterben, und dann folgt das Gericht — und die Entscheidung für die ganze Ewigkeit, die Guten werden Gort ewig schauen, ewig in ihm selig seyn, die Bösen aber werden ewig von Gott getrennt, Strafe leiden. Der Herr wird sie sondern, und zu den Einen wird er sprechen: Kommet her, ihr Gesegneten meines Vaters, nehmet daS Reich in Besitz, das Euch bereitet ist von Anbeginn; zu den Andern aber: Weichet von mir, ihr Verfluchten, ins ewige Feuer. Wer diese klaren gewissen Wahrheiten läugnet, macht Christum zum Lügner, dem Menschen aber sucht er die heilige Furcht Gottes zu rauben, welche der Anfang aller Weisheit ist, wovon der Heiland sagt: Fürchtet die nicht, welche den Leib todten, sondern fürchtet denjenigen, der Leib und Seele in die Hölle stürzen kann. Was nutzt eS darum dem Menschen, so er die ganze Welt gewänne, aber Schaden litte an seiner Seele, denn was will er zum Ersatz für seine Seele geben? AlleS dieses läugnet jene Partei, und es ist also keine Wahrheit deS Christen- thumS, welcher sie nicht kalten und entschiedenen Unglauben entgegensetzt. So ist denn gar nichts, was sie mit dem Christenglauben gemein haben? Glauben sie denn nicht wenigstens an denselben Gott, wie wir? Leiver muß auch daö Vielen, die sich an die Spitze dieses unchristlichen Treibens gestellt haben, und nun auch ihre Anhänger allmälig und unvermerkt in die Tiefe ihrer Verirrungen hinabzuziehen suchen, abgesprochen werden. Der Gott, von dem sie reden, ist nicht der wahre lebendige Gott, den alle Diener Gottes im alten und neuen Bunde angebetet haben. Ihr Gott ist ein bloßes Gedankending, jener Allvater, wovon die moderne Flachheit sich nebelhafte Vorstellungen macht, der uns zu ferne ist, um ihn zu lieben und um ihn zu fürchten, der sich niemals seinen Geschöpfen geoffenbaret, der weder ihr Erlöser, noch ihr Heilig- und Seligmacher ist, jener Weltengeist, von dem man kaum weiß, ob er ein von der Welt verschiedenes persönliches Wesens oder ob er nur die in der Welt wirkende Naturkraft ist. Und in der That, wenn die deutschkatholische Secte in ihrer Art von religiöser Aufklärung fortschreitet, waS bleibt ihr noch übrig, als der baare Atheismus? Und dieser wird auch ihr trauriges Ende seyn. Mit der gesammten Glaubenslehre ist aber in der Secte der sogenannten Deutschkatholiken auch die Sittenlehre des Christenthums über Brod geworfen. Das Wesen der christlichen Moral besteht darin, daß wir, an Jesum Christum glaubend, ihn lieben und ihm nachfolgen. Da wir aber das AlleS nur können mit seiner Gnade, die uns durch die heiligen Sacramente zu Theil wird, wie kann man wähnen, daß daS christliche Leben mit einer Lehre bestehen könne, welche allen Glauben an JesuS Christus vernichtet, die Gnade läugnet, und anstatt auf den Glauben, die Demuth und die heilige Liebe Gottes, ihr Moralsystem auf jene stolze Selbstgerechtigkeit gründet, die ihr eigner Erlöser seyn will, die kein Gesetz über sich anerkennt, als daS trügerische Urtheil der eigenen Vernunft, welche den Menschen sein Ziel und Ende nicht in Gott, sondern in sich selbst finden läßt, in jener stolzen Selbstachtung und irdischen Selbstbeglückung, welche die moderne Gottvergessenheit an die Stelle der Verherrlichung GotteS und der Sorge für unser ewiges Seelenheil gesetzt hat, welche daS Christenthum unS als den letzten und höchsten Zweck unseres LebenS bezeichnet. Dieses ist also das Verhältniß des sogenannten Deutschkatholicismus zur katholischen Kirche. Die Kirche Christi ist katholich, d. h. allgemein, weil sie alles das, was Christus ihr übergeben und waS die ganze Christenheit an allen Orten und zu allen Zeiten mit Einem Herzen geglaubt und mit Einem Munde bekannt, lehrt, glaubt und bekennt, und hiemit alles Leben, alle Wahrheit, alle Bejahung im Principe in sich schließt; auch dem Deutschkatholicismus kann man eine gewisse Allgemeinheit zu- sprechen, zwar nicht der Zeit und der Ausdehnung nach, denn er ist erst seit gestern 148 und geht bereits seinem Verfall entgegen, und nur hie und da zählt er einige Anhänger; aber doch in so fern, als er alle Irrlehren, alle Läugnung und damit alle Keime des Todes, der Verneinung, des Abfalls, der Zerstörung in allen Confessionen, bei Christen und Juden, in sich aufnehmen kann; ein vollendeter Abfall, ein vollkommener Gegensatz, ein unbedingter Widerspruch gegen alles Christenthum, gegen alle geoffenbarte Religion bis zur äußersten Spitze. Ihr möget deßhalb den Schmerz ermessen, Vielgeliebte, der sich meiner bemächtigte, als ich sah, wie dieser baare Unglaube in der Sladt des heiligen Bonifacius, von wo aus einstens daö Licht des Christenthums über ganz Deutschland ausstrahlte, und hie und da auch in der Diöcese Mainz nicht bloß Anhänger gewonnen, sondern auch mit welcher Offenheit und durch welche Mittel er verbreitet wird. Ich kannte den sogenannten Deutschkatholicismus kaum anders, als vom Hörensagen. Geht den Rhein hinab, wo die Städte liegen, die mit Euch den Glauben und die Kämpfe der Kirche seit Jahrhunderten getheilt haben, durchwandert den ganzen Norden Deutschlands, geht durch Schlesien bis zu der Stätte, wo der Stifter dieser Secte geboren ist, -und ihr werdet hören, daß man dort überall den sogenannten DeutschkatholiciSmuS für so leer, so nichtig, so geisteSarm und geistesschwach, so unwissenschaftlich hält, daß man von seiner Existenz kaum noch etwas weiß. Aber wie fand ich eS her? Hier sand ich, daß einige Fremdlinge diesen in sich so nichtigen, tröst- und hoffnungslosen Unglauben mitten unter einem Volke, das, wie ich ja gesehen, großen TheUs mit Treue und Liebe der Kirche anhängt, verbreiten, und so einen offenen Vernichtungskrieg gegen das Christenthum führen — und mit welchen Waffen? Mit den Waffen ver plattesten Unwahrheit und Unwissenheit. Mit wahren Kindermährchen, die man als Ergebnisse neuer Aufklärung und tiefer Wissenschaft zum Besten gibt, greift man die erhabensten Wahrheiten an. AlleS, was die Heiden und Juden zur Zeit der alten Christenverfolgungen gegen daS Christenthum, Alles, was Jrrlehrer je gegen die Kirche ersonnen haben, was tausendmal widerlegt, waS in ven Augen jedes wissenschaftlichen Mannes eine Abgeschmacktheit ist, wird als neue Entdeckung vorgebracht und benutzt, um damit in sogenannten religiösen oder kirchengeschichtlichen Vorträgen, oder in Privatzirkeln, oder an öffentlichen Orten, ununterrichteten Leuten, ungelehrten Arbeitern, um Frauen und Mädchen, ja Unmündigen und Kindern ihren Glauben abzuschwatzen, sie gänzlich in die Irre zu führen, und unter Benutzung aller Leidenschaften zum Abfall und zum Haß gegen die Kirche fortzureißen. Es ist unerhört, mit welch rein lügenhafter Behauptung man die heilige Schrift, das Leben Christi, die geschichtliche Wahrheit, die Ehre der katholischen Kirche und damit die Ehre des größten Theils der gesitteten Menschheit, welcher dieser Kirche seit vielen Jahrhunderten angehört, angreift. Da wird behauptet, keines der Evangelien sey von einem Apostel, sie seyen erst später aus fabelhaften Sagen zusammengeschrieben und vielfach verfälscht; dort werden ganze erdichtete Leben Christi zum Besten gegeben, angebliche Aufschlüsse über seine Wunder und seine Auferstehung; da wird erzählt, daß der Glaube an die Gottheit Christi erst von Kaiser Constantin durch Gewalt der Christenheit sey aufgenöthigt worden; dann wieder, daß die Lehre von der Gegenwart Christi im heiligen Altarssacramente, von der Beichte u. s. w. viele Jahrhunderte nach den Aposteln aufgenommen sey, während das Gegcnheil von allem diesem thatsächlich feststeht; da werden der Kirche und ihren Dienern die abscheulichsten Gräuel und Scandale der häßlichsten Art nacherzählt, und die ganze große und herrliche Geschichte der Kirche zu einem ekelhaften Gewebe von Schändlichkeiten entstellt. Und durch solche Mittel wird das Volk, werden diese Seelen, für die Christus gestorben ist, jammervoll zu Grunde gerichtet. Was mich aber besonders schmerzlich berührte, und was mein Schweigen in dieser Sache zu einem Verrath an den Seelen deS mir von Gott anvertrauten Volkes machen würde, ist die Wahrnehmung, daß selbst politische Blätter der Verbreitung dieses Unglaubens ihre Spalten widmen. Mögen sie auf politischem Boden sich halten, dann habe ich nicht daS Recht, über sie zu urtheilen. ES ist aber verwerflich, 149 wenn politische Blätter, die überdieß für ein fast ausschließlich katholisches Volk geschrieben sind, die Politik dazu benutzen, um den katholischen Glauben zu verhöhnen und zu zerstören; «S ist unerhört, wenn ein katholisches Volk sich daS gefallen läßt. Und dennoch steht ein großer Theil der unter Euch verbreiteten politischen Blätter unter dem ausschließlichen Einfluß der sogenannten deutschkatholischen Secte, und wirkt dahin, die Anschauungen dieser Secte zu verbreiten. Ich habe sie oft gelesen, und fast immer einen ungerechten, mehr oder minder auf Unwahrheit beruhenden Angriff gegen die Kirche, gegen daS Christenthum, gegen die christliche Sitte gefunden. Jede Institution der Kirche, ihre Orden, ihre Priester, ihre Gebräuche, ihre Andachten werden dort verunglimpft und verspottet, jeder Abfall vom Geiste, von den Lehren und Gesetzen der Kirche wird angepriesen und erhoben, die Gottlosigkeiten ausländischer Schandliteratur werden dem Volke zur Unterhaltung dargeboten, der platteste, geistloseste Unglaube wird gepredigt, und wo in der ganzen Welt ein wirkliches oder erdichtetes Verbrechen eines Priesters zu Tage kommt, da wird es mit hämischer Schadenfreude mitgetheilt — all das unzählige Große, Gute, Edle, Heilbringende aber, daS von der Kirche ausgeht, verhehlt, verkleinert oder gar entstellt und verlästert. (Schluß folgt.) Berichte über Missionen. Mission in Mannheim. Ueber die Mission in Mannheim bringt das „M. I." einen längern Bericht, dem wir Folgendes entnehmen: Von feierlichem Beginne der Predigten mit Glockengeläute, glänzendem Gottesdienst u. f. w., was andere Missionen schon von vornherein so erhebend macht, war hier keine Rede. Kaum daß man Morgens um 5 Uhr zur Messe läutete. Deßhalb aber wirkte die Mission nicht weniger segen- und erfolgreich. Was den Besuch betraf, so fand man nicht jenes allgemeine Gedränge zu allen Predigten, wie in andern mehr katholischen Gegenden (Mannheim zählt höchstens 10 — 11,000 Katholiken); allein die Zuhörerzahl war dennoch groß für eine Stadt, wo bei den gewöhnlichen sonntäglichen Predigten kaum 3—400 Menschen gegenwärtig sind. In der am wenigsten besuchten Andacht, die Morgens um 9 Uhr gehalten ward, waren immer mehr Leute, namentlich Männer, als in der gewöhnlichen SonntagSpredigt. In den übrigen Predigten wechselte die Anzahl, namentlich aber war Abends die Kirche von 3—4000 Menschen besetzt, und in dem Unterrichte über die Standespflichtcn der Jünglinge war sie so voll, daß viele noch vor der Thüre standen, die nicht herein kommen konnten. Alle Classen, alle Stände der Bevölkerung waren im Auditorium vertreten. Die Frau Großherzogin Stephanie, die fürstlichen und andern Standespersonen gaben gutes Beispiel, und verfehlten keine einzige Predigt; außerdem sah man oft den Stadtcommandanten und die Officiere, eben so die höchsten Beamten der Regierung. Auch der königl. preuß. Gesandte am badischen Hofe, Hr. v. Savigny (Katholik), war von Karlsruhe herübergekommen, der Mission beizuwohnen. AbendS bestand der größte Theil des Auditoriums aus Männern, und zwar auS den gebildetsten, aufgeklärtesten, und an ihrem beständigen Wiedererscheinen sah man den Eindruck, von dem sie ergriffen waren. Auch das Theater war vertreten, und man sah manchen angesehenen Schauspieler eifrig die Predigt anhören. Protestanten wohnten viele bei, und wie man hört machte die Wahrheit auf manchen von ihnen einen überraschenden, oft entscheidenden Eindruck. Sogenannte Deutschkatholiken sah man wenige: ihr Prediger hatte sie beim Beginne der Misston alle zusammenberufen und eine rührende Rede an seine Schäf- lein gehalten, in der er sich gar gefühlvoll über die Missionäre auSsprach; man müsse von ihnen sagen: Vater, verzeih' ihnen, sie wissen nicht, waS sie thun! ic. — Nirgendwo ist aber auch der böse Geist noch so ungeduldig, ja so wüthend über eine 150 Mission geworden, wie hier: denn daß man wagen würde, in einer seiner Haupt« städte eine Mission zu halten, hatte er sich nicht geträumt; hier, wo er eS so weit gebracht hatte, daß Katholiken ihre Religion so sehr mißachteten, daß sie an der katholischen Kirche vorbeifuhren, um sich in der protestantischen trauen zu lassen; hier, wo eS in neuerer Zeit beinahe für unanständig galt, ein Katholik zu seyn; wo der Reformator Ronge (als Basstrmann's Gast in Mannheim eingezogen) selbst besoffen noch angebetet wurde; wo bei der täglichen Feier der heiligen Messe höchstens fünf bis sechs Personen gegenwärtig waren; wo vielleicht längst keine katholische Kirche mehr wäre, wenn man sie nicht wegen des Kirchenvermögenö, so gering eS auch ist, noch beibehalten hätte; hier, wo sich Alles gegen die Mission sträubte, am meisten der katholische Kirchenvorstand, der beim Herrn Erzbischof förmlichen Protest gegen die frommen „Reiscprediger" einlegte; wo nur der Stadtpfarrer allein, wenn auch mit Zagen, den lobenswerthen Muth hatte, die Verantwortlichkeit eines solchen Unternehmens auf sich zu nehmen. Daß nun aber gerade die Jesuiten es wagten, mit kühner Hand dieß Bollwerk der Afteraufklärung anzugreifen, dieß brachte die Lügen- geister einen Augenblick außer Fassung und dann in Wuth. Mit Spott und Hohn, mit Verleumdung und gröblicher Entstellung, ja mit Androhung von Gewalt fiel man über die Mission her. Zuerst wollte man sie mit Verachtung strafen: „die Mannheimer werden sich nicht um Pfaffengeplärre und mittelalterliches Rumpelzeug kümmern", hieß eS in ihren Zeitungen, „sie sind dafür viel zu gescheidt; man wird höchstens nur einige alte Weiber in der Kirche sehen." Aber die Mannheimer waren nicht dieser Meinung, und als nun Tausende zu den Predigten strömten, und zwar nicht bloß alte Weiber, sondern gerade Die, an deren Gunst den Herren am meisten gelegen war, und die sie am allerungernsten dort sahen, da spannten sie andere Saiten auf. Mit dem Spotte kamen sie nicht weit: man fing an, kühn zu verleumden, die Predigten auf'S Gehässigste zu verdrehen, durch das Lügen-Journal in Frankfurt falsche Gerüchte unter das Publicum zu bringen, um den Mannheimern alles Vertrauen zu den Missionären zu benehmen und ihnen Furcht und Abscheu gegen dieselben einzuflößen. Als demungeachtet die Zuhörer immer zahlreicher wurden, da suchte man schnell seine Zuflucht zu einer Bittschrift an die Regierung zu nehmen, damit man den Missionären das Weiterpredigen untersagen solle! Man ließ die Petition in der Stadt circnliren, aber sie fand nicht genug Unterschriften, und mußte so liegen bleiben. Man kam vor wie nach in die Predigt und hörte aufmerksam zu: alle Versuche, die Mission zu vereiteln, scheiterten kläglich. — In den Wirthshäusern u. f. w. schimpften die eiuen über die Mission, von der sie kein Wort selbst angehört hatten; Andere, die der Predigt beigewohnt, vertheidigten sie, und manchmal ganz handgreiflich. Noch neulich haben einige Dragoner von ihren kräftigen Fäusten Gebrauch machen müssen, um einige Subjecte zur Ruhe zu bringen, welche über sie und ihren Major schimpften, weil sie den Predigten zuge-- hört. Ueberhaupt geht es hier, wie überall: Diejenigen, welche die Misston anhaltend besuchen, sind dafür begeistert, und die sie nicht kennen oder sich darunter eher alleS Andere vorstellen, als Das, waS sie wirklich ist, werden um so wüthender dagegen, als sie die Andern begeistert sehen. Die Wirkungen, welche die Misston in Mannheim unter Katholiken und Prote« stanten hervorbringt, sind für die Zukunft unberechenbar. Ein völliger Umschwung der Ideen ist angeregt; eine neue Zeit für die katholische Religion ist auch hier angebahnt. Die Einen sind zurückgeführt, die Andern sind gestärkt, die Gleichgiltigen aufgeweckt und Alle in ein anderes Verhältniß zur katholischen Kirche gestellt, zu der Kirche, die man für halb begraben und mit dem hohlen Rationalismus fast verschmolzen hielt, und die nun mit einem Male wieder in ihrer ewigen Jugendfrische und Eigenthümlichkeit dasteht. Aber Alles ist noch nicht gethan. ES ist bloß ein Anfang, aber ein Werk der Barmherzigkeit GotteS, der das Angefangene noch vollenden wird. l!? 7>W 151 Mission in Ehingen. Eh in gen, 4. Mai. Es ist wirklich bewunderungswürdig, mit welchem Eifer und mit welcher Hingebung die hochwürdigen Herren Missionäre daS Werk ihrer Sendung begannen, fortsetzten und zu Ende brachten. Von Morgens 5 Uhr bis Abends 8 Uhr, mit Ausnahme einer einzigen halben Stunde zur Essenszeit, sind sie ununterbrochen beschäftigt entweder mit Predigten oder mit Beichthören. Ihre äußerst geistvollen Vorträge unterstützen sich gegenseitig durch eine sehr ineinandergreifende, Schlag auf Schlag wirkende, zweckmäßige Reihenfolge, welche sowohl sämmtliche Grundlehren des Christenthums umfassen, als auch die ganze Sitten- und Pflichtenlehre in sich aufnehmen. Die Beweise für die von ihnen aufgestellten Lehren und Grundsätze, hergenommen aus der heiligen Schrift, aus der Geschichte, auS der Natur, auS der Vernunft, gewürzt und durchflochten mit den anmuthigsten Bildern, Parabeln, Gleichnissen und Erzählungen, vorgetragen in einer fließenden, kräftigen, abgerundeten Sprache, begleitet mit einer :u jedem Ausdrucke passenden Gebärde und dem geeigneten Tone der Stimme, diese Beweise sind so treffend und gründlich, daß der Gelehrte ihnen nicht widersprechen könnte, der Gebildete sich ganz befriedigt findet, der sogenannte Halbgelehrte oder Aufgeklärte sich geschlagen und gefangen fühlt, der gewöhnliche Bürgers-, Handwerks- und Bauersmann hinreichend überzeugt wird, ja daß selbst Kinder und von Natur auS dürftig begabte Menschen gar sehr angezogen und belehrt werden. Wer einmal angefangen hat, die Missionsvorträge anzuhören, fühlt sich davon so sehr eingenommen, daß er höchst ungerne einen einzigen Vortrag versäumt, wozu man nur durch Geschäfte oder andere driugeude Verhältnisse sich bewegen läßt. Wenn Morgens früh von halb 6 Uhr bis 6 Uhr der junge Pater Smeting eine Betrachtung z. B. über den Paulus vor, während und nach seiner Bekehrung, in sanftem und gemüthlichem Vortrage gehalten; wenn sodann P. Roder von 9 bis 10 Uhr über daS Thema: „Was sind wir, daß Jesus im heiligen Altars- sacrament zu uns kommen will, was ist JesuS, der zu unS kommen will, und was ist die Absicht, in der er zu uns kommen will," in meisterhafter Rede entwickelt; wenn serner P. Schlosser von 2 bis 3 Uhr die Standespflichten z. B. der Eltern in markiger Kraftsprache und schlagender Gedankenfolge abgehandelt und seinen Zuhörern anS Herz gelegt hat; wenn endlich AbendS von 6 bis 7 Uhr P. Roder oder P. Schlosser durch eine ergreifende Rede über das letzte Gericht, über die Hölle, die Buße, die Barmherzigkeit Gottes ic. die Gemüther erfaßt und hingerissen hat: so befindet man sich auf den künftigen Tag in einer um so größcrn Spannung und Erwartung, mit je mehr Befriedigung und Ueberzeugung man die Kirche Tags zuvor verlassen hat. Den höchsten Grad der Begeisterung erregte eineö Abends eine Rede, ja ein Meisterstück der Beredtsamkeit deS P. Rober, welche über das Thema: „Liebet einander und verzeihet einander," zum Zwecke deS Versöhnungsfestes gehalten wurde, während welcher ein in Hellem Lichtglanze strahlendes Kreuz aufgestellt und daS Aller- heiligste ausgesetzt war. Der Eindruck dieser Rede war so rührend, so mächtig, so allgemein ergreifend, daß kein Auge der Tausende von Zuhörern thränenleer blieb, daß Seufzen und Schluchzen von allen Seiten vernommen, ja baß lautes Weinen gehört wurde. Keine Feder ist im Stande, daS Erhebende, daS Ergreifende dieser Stunde zu schildern; ich hätte nie geglaubt, daß es einem Redner möglich wäre, einen so großen, allgemeinen Eindruck hervorzubringen. Daß aber auch die Theilnahme an der Mission von Seiten der Gläubigen eine allgemeine war, geht daraus hervor, daß die sehr geräumige Kirche von Morgens 5 Uhr bis Abends 8 Uhr immer zum Erdrücken voll war, daß ferner schon mehrere Vorträge im Freien gehalten werden mußten und noch mehrere daselbst gehalten worden wären, wenn eS nicht die Unbeständigkeit der Witterung verhindert hätte. Rege Theilnahme bewiesen insbesondere die geistlichen Herren aus der Nähe und Ferne, deren Anzahl durchschnittlich sich zwischen 40 bis 50 herausstellte, und welche daS Werk der Mission durch eifriges Beichthören, nicht nur in der Pfarrkirche, sondern auch in den beiden andern Stadt- 15S kirchen, getreulich förderten und unterstützten. Die rührenden Schlußfeierlichkeiten der Mission und die Einweihung deS MissionSkreuzes wurden durch die Anwesenheit deö hochwürdigsten Herrn Bischofs von Rottenburg bedeutend erhöht. Die geräuschlose und andachtsvolle Stille einer oft gegen 8000 bis 10,000 Köpfe starken Zuhörerschaft, ihr eifriges Bestreben in Anhörung des göttlichen Wortes und ihre tagelange Unver- drossenheit in Vollziehung und Vollendung ihres Heilögeschäfteö berechtigt zu dem Schlüsse, daß das Werk dieser Mission bei Tausenden nachhaltige Früchte hervorbringen werde. (So berichtet der Schwab. Merkur!) Mainz. In Mainz hat sich in der jüngsten österlichen Zeit, trotz aller vorhergegangenen Wühlereien, ein kirchlicher Eifer Seitens der Bevölkerung geltend gemacht, dessen sich kaum noch die ältesten Leute zu erinnern wissen. Besonders trat dieser Eifer in der eigentlichen Festwoche, vom Charsamstage bis zum weißen Sonntage, in auffallender Weise an den Tag. So hatte z. B. die Zahl der Communicanten im hohen Dome am Morgen des ersten Ostertages bereits diejenige weit überstiegen, welche im Jahre 1849 und selbst noch im vorigen Jahre am Schlüsse der österlichen Zeit in derselben Kirche sich herausstellte. Daß auch sonst die Kirchen während der heiligen Zeit zu jeder Stunde deS TageS (an Sonn- und Festtagen beginnt der Gottesdienst in unsern Pfarrkirchen um 4 Uhr Morgens und wähn ununterbrochen bis 9 Uhr Abends) von zahlreichen Andächtigen aus allen Ständen besucht waren, dürfte nach dem Vorhergesagten wohl kaum zu erwähnen nöthig seyn, vor Allem aber zogen die Predigten unseres hochwürdigsten Herrn Bischofs während der ganzen Fastenzeit stets viele Tausende von nah und fern herbei, so daß dann der geräumige Dom die Zuhörer kaum zu fassen vermochte. Eine fernere recht erfreuliche Kundgebung deS wieder erwachten kirchlichen Lebens in unserer Stadt bieten auch die bei uns bestehenden kirchlichen Bruderschaften und Vereine dar- Ohne der segenreichen Thätigkeit deS Vincentiuö- und Elisabethenvereines hier näher und ausführlicher zu gedenken, erwähnen wir von den übrigen Bruderschaften und Vereinen nur zwei, und zwar die Herz-Maria-Bruderschaft und die Jung- gescllen-Sodalität. Jene hat unser hochwürdigster Herr Bischof erst vor wenigen Monaten Hierselbst ins Leben gerufen und schon wenige Tage nach der Einführung betrug die Anzahl der eingeschriebenen Mitglieder auS allen Ständen bereits mehrere Tausende, eine Zahl, die sich mit jedem Tage vergrößert und sich bis heute fast verdoppelt hat. Die Andachten dieser Bruderschaft, welche jeden Sonntag Abends von sieben bis neun Uhr im hohen Dome gefeiert werden und stets mit einer Predigt verbunden sind, haben sich bei allen katholischen Bürgern unserer Stadt der größten Theilnahme zu erfreuen und werden sowohl von hiesigen alö von Bewohnern der benachbarten Ortschaften sehr zahlreich besucht. Eines gleichen Anklanges dürfte sich unzweifelhaft auch die gleichfalls von unserm hochwürdigsten Bischöfe angeordnete Marie nandacht erfreuen, welche, unbeschadet deS üblichen Maigebetes in den übrigen Pfarrkirchen, während des Monates Mai in unserer schönen Lieb-- frauenkirche allabendlich abgehalten wird und der jedesmal eine passende Predigt vorhergeht. — Was die Sodalität der Junggesellen betrifft, so haben sich die Mitglieder dieser für die Aufbesserung unserer sittlichen Zustände so höchst wichtigen und bedeutungsvollen Bruderschaft seit Kurzem, seitdem nämlich die Statuten revidirt worden, gerade um zwei Drittheile vermehrt, und scheint unser hochwürdigstcr Bischof, der das Präsidium in höchsteigener Person übernommen, derselben eine ganz besondere Aufmerksamkeit zu schenken, was denn nicht verfehlen kann, auf unsere jüngere Generation den vortheilhaftesten Eindruck hervorzubringen, so daß wir in kirchlicher Hinsicht wirklich einer schönen Zukunft entgegen zu sehen berechtigt sind. (M. Journal.) Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. Verlags-Jnhaber: F. C. Krem er.