Eilfter Jahrgang. Sonntags-Beiblatt zur Augslmrger Pojtzeitung. 8. Juni 23. 1851. Dieses Blatt erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der halbjährige Abonnementsprcis 5V kr., wofür es durch alle königl. bayer. Postämter und alle Buchhandlungen bezogen werden kann. Magdalena Herzogin von Bayern, Pfalzgräfin bei Rhein :c. von Carl August Boehaimb, Caplau in Ncuburg a D. (Fortsetzung.) MagdalenenS Vermählung mit Herzog Wolfgang Wilhelm. Im September des Jahres 16l3 kamen die Neuburgischen Gesandten mit ihren Vollmachten und die Vermählung wurde auf den 11. November anberaumt. Am bayerischen Hofe scheute man keine Kosten, um dem Feste Würde und Pracht zu geben. Mehrere Fürsten, darunter auch der Churfürst Ferdinand von Köln, der Bruder Magdalenens, waren herbeigeeilt. Der alte Herzog Philipp Ludwig machte sich mit seiner Familie und einem Gefolge von 38! Personen uud 371 Pferden auf die Reise zur Vermählung. Als sich am 10. November der Zug München näherte, kamen ihm 12 Fähnlein bewaffnetes Fußvolk entgegen. Hierauf ritten ihm zuerst Ferdinand der Churfürst von Köln und die Herzoge Maximilian und Albert von Bayern zur Bewillkommnung entgegen, voran eine dreifache Musikbande. Sodann folgte der übrige Hof und der bayerische Adel, dazwischen die für die Gäste bereitgehaltenen Pferde nebst Reitern. Dann kam ganz allein Herzog Wilhelm V. in einem Wagen, umgeben von einer Schaar Trabanten. Nach Beendigung der Empfangsfeierlichkeiten begab sich der ganze Zug, unter fröhlichem Zujauchzen, Donner der Kanonen und Glockengeläute durch die Stadt in die Residenz. Am andern Tage ließ Herzog Philipp Ludwig, seiner Denkart gemäß, über alles weitläufig unterhandeln, waS er bei der Trauung entfernt wissen wollte. Man möchte die Trauung Nachmittags halten, kein Weihwasser bei ihm und den Seinigen gebrauchen, und daß die Trauung nicht in der Kirche stattfinde. Alles, bis auf das Letzte, wurde zugestanden. Magdalena betrübte sich nämlich sehr über diese Verweigerung und bat recht sehr, daß die Trauung in der Kirche stattfinde, eS unterlasse ja kein Bauer oder Handwerksmann die Feierlichkeiten gerne, die bei Hochzeiten herkömmlich seyen, und sollte ein solcher in seinem Hause Hochzeit halten müssen und nicht in die Kirche gehen, so halte er eS für eine Strafe. Endlich verständigte man sich hierüber beiderseits. Zur Mittagszeit wurde nun ein prächtiges öffentliches Mahl gehalten und als der Abend heranrückte, bewegte sich der feierliche Zug der fürstlichen Personen durch die Reihen der bewaffnen Bürgerschaft in die Kirche zu Unser lieben Frau. Den Zug eröffneten die drei Prinzen von Birkenfeld und Herzog Albert von Bayern zu Pferd, dann folgte der Bräutigam in Silberatlas nach spanischer Tracht 178 gekleidet, ebenfalls zu Pferd. Ihm zur Rechten ritt der Herzog Maximilian von Bayern, mit dem Orden deS goldenen Vließes umhängen, und zur Linken der Chur« fürst von Köln in Schwarz gekleidet, beide Brüder der Braut. Herzog Wilhelm V. von Bayern und Herzog Philipp Ludwig von Neuburg, die Väter der Verlobten, fuhren in einem schonen Staalswagen hinter dem Bräutigam. Hierauf kam in einem überaus prachtvollen Wagen die Braut, ebenfalls in Silberatlas gekleidet und bei ihr die Gemahlin Herzog Maximilians, Elisabeth, die Gemahlin Herzog Albrechts, Mechtilde und die Mutter der Braut, Renata. Neben diesem Wagen ritten die zwei Psalzgrafen August und Friedrich, Brüder des Bräutigams, den Beschluß machte eine lange Reihe von Wagen mit den vornehmsten Damen des° bayerischen und pfälzischen HofeS. In der Kirche angelangt verrichtete der Bischof von Eichstädt, Johann Christoph von Westerstetten, mit vieler Einfachheit den TrauungSact. Die Fürsten brachten ihre GlückSwünsche dar, man sang das Te Dcum und Magnificat und die kirchliche Feier hatte ein Ende. Alles war mit größter Delicatefse und Schonung für die AnverS- glänbigen angeordnet gewesen. In derselben Ordnung, in der man zur Kirche gezogen war, bewegte sich dann auch wieder der Zug zur Residenz. Am Tage nach der Trauung hielt der Hosprediger Herzog Philipp Ludwigs in dessen Vorzimmer eine Predigt über den Text: „ES ist nicht gut, daß der Mensch allein sey", welcher Rede alle Fürsten beiwohnten. Gleich darnach wurde die reiche Ausstattung der Braut, so wie die Brautgeschenke, worunter besonders die deS bayerischen HofeS sehr werthvoll waren, den Verlobten überreicht. Die übrigen drei Tage wurden durch Bälle, Ringelrennen und andere Lustbarkeiten verherrlicht. Am 15. November wurde von Seiten deS JesuitencollegiumS durch die Studenten ein Schauspiel unter dem Namen „Mauritius Kaiser im Orient" aufgeführt, welcher theatralischen Vorstellung siebzehn Fürstenpersonen beiwohnten und der Aufführung ihren vollsten Beifall zollten. Vor allem aber wurde daS herrliche Orchester bewundert, auf welches München schon damals stolz seyn konnte. Nach Beendigung dieser Festlichkeiten begaben sich am 19. November die Neuvermählten, wovon Wolfgang Wilhelm bereits das 35ste Lebensjahr, seine Gemahlin daS 26ste Lebensjahr erreicht hatte, nebst den andern neuburgischen Fürstenspersonen, denen sich auch der Churfürst Ferdinand von Köln, so wie Herzog Albrecht nebst seiner Gemahlin angeschlossen hatten, nach Neuburg zurück, woselbst noch einige Festlichkeiten gegeben wurden, biS sich auch diese Gäste entfernten. In Folge deS bayerischen Erbfolgekrieges, der mehr mit der Brandfackel als mit dem Schwerte geführt wurde, entstand durch den AuSspruch deS Reichstages zu Cöln Im Jahre 1505 die Pfalzgrasschaft oder wie man es jetzt gewöhnlich nennt, das Herzogthum Neuburg. Der erste Regent deS Landes war der Herzog Otto Heinrich. Sein glänzender Hofstaat, sein Sinn für Künste und Wissenschaften, seine prachtvollen Bauten standen aber in keinem Ebenmaaße zu den beschränkten Einnahmen deS Landes und so kam eS nahe zur Veräußerung desselben. Willkommen war ihm daher die neue Lehre und mit hastigem Eifer führte er dieselbe ein, welchem sodann alles Katholische weichen mußte. Mit demselben Eifer und Ausdauer verfolgten seine beiden Nachfolger die Herzoge Wolfgang und Philipp Ludwig durch eine Reihe von 70 Jahren dieselbe Bahn, so daß jedes andere Glaubensbekenntniß im Lande strenge verboten wurde. AuS diesem läßt sich nun leicht abnehmen, wie es um die katholische Religion im Herzogthum Neuburg stand, als Magdalena mit ihrem Gemahle daselbst anlangte. ES gab nur noch einzelne Katholiken und diese waren eS nur heimlich. Dein geschlossenen Ehevertrage gemäß, nach welchem Magdalena die freie, öffentliche Ausübung ihrer Religion zugestanden war, wurde ihr in dem obersten Stocke der Residenz ein Gewölbe eingeräumt, welches von dem Bischöfe von Eichstädt, der ihnen von München aus nachgefolgt war, eingeweiht wurde. In ihrem Gefolge befanden sich nun auch zwei Jesuiten, nämlich P. Anton Welser und P. Jakob Rei- 179 hing, beide Patriziers Söhne aus Augsburg; der erste als Beichtvater, der zweite als Hofprcdiger und Hofcaplan. Diese erhielten ihre Wohnung in dem Hause des fürstlichen Kammerherrn Johann Rummel, die Speisen aber und andere Bedürfnisse bezogen sie von Hof aus. Sowohl der alte Herzog als dessen Gemahlin behandelten die Jesuiten aber sehr herablassend und als sie am heiligen Christtage zur Tafel geladen wurden, erlaubte ihnen der Herzog, sich zu bedecken und die alte Herzogin ging einmal, als sie dieselben auf dem Wege unter dem Hospersonalc bemerkte, eigens auf sie zu, reichte Jedem die Hand und unterhielt sich mit ihnen sehr freundlich. In der heiligen Christnacht hielt Welser den Gottesdienst in einem Zimmer der Herzogin Magdalena, wobei sie und ihr Gemahl das heilige Abeittmahl empfingen. Diesen Gottesdienst besuchten nun ermuthigr die wenigen Katholiken, die noch in der Stadt vorhanden waren, aber auch mehrere Protestanten. Die Würde und die Feier deö katholischen Gottesdienstes bewog bald fünf Personen, darunter ein angesehener Mann mit acht Kindern, zum Rücktritte zur katholischen Religion Da indeß der alle für seine Religion sehr eifernde Herzog dieß erfuhr, verbot er augenblicklich den Besuch dieses Gottesdienstes, die Katholiken aber flehten die Herzogin Magdalena um Verwendung an und da sich diese auf ihren Ehevertrag berief, so ließ eS der edeldenkende Herzog wieder zu. Hier in diesem Saale nun blühte still und unlemerkt, wie im Saale der Apostel vor der ersten feierlichen Berkündung des ChristenlhumeS, die für das Herzogthum Neuburg wiedergeborne katholische Religion, gepflegt durch daS junqe Fürstenpaar, gepflanzt in die Herzen der Unterthanen durch die zwei Apostel Weiser und Reihing, und ausgebreitet in der Folge durch ihre Mitarbeiter und Nachfolger. Doch nicht lange währte der Aufenthalt des jungen FürstenpaarcS. Theils die Lage der Jülichschen Angelegenheiten, theils der Wunsch, iu religiöser Hinsicht nicht mehr gehindert zu seyn, waren die Ursachen, daß MagdalenenS Gemahl seinen Aufenthalt in Neuburg zu verändern wünschte. Die Hcrzogthümer Jülich, Cleve und Berg, die in der Folge an Neuburg kamen, waren lange Zeit der Zankapfel zwischen diesem Hause und dem Hause Brandenburg. Um diesen Streit zu schlichten, sahen es die Eltern Wolfgang Wilhelms selbst gerne, daß er sich in diese Lande begab. Er reiste daher nebst seiner Gemahlin und den zwei Jesuiten Ende Decembers 1613 dahin ab, obgleich es der Churfürst von Köln gar nicht gerne sah, daß seine Schwester sich jetzt schon dahin begebe. Die Reise ging über Gcislingen, wo Reihing öffentlich predigte, durch Schwaben, Hessen, nach Köln und Ende Januar langten sie in Düsseldorf an. MagdalenenS Aufenthalt in Düsseldorf. Oeffentlicher Uebertritt ihres Gemahles zur katholischen Religion. Rückkehr nach Neu bürg. In Düsseldorf aber warteten Wolfgang Wilhelms und seiner Gemahlin sehr unangenehme Auftritte. Die Brandenburgischc Partei, aufgebracht über die neue Verbindung, wollte sogar Magdalenen die Aufnahme in das Schloß verweigern, welche Verweigerung doppelt unangenehm seyn mußte, da beide besitzende Fürsten das Schloß gemeinschaftlich bewohnten. Es ist fast unglaublich, wie sehr sie der Pfalzgräfin daö Daseyn zu erschweren suchten. Dessen ungeachtet, obgleich gewarnt, unterließ Magdalena keinen Tag in die heilige Messe zu gehen, aber eö war dieß mit vielen Gefahren verbunden; ja als sie am grünen Donnerstage zur heiligen Communion in die Kirche ging, und in Andacht versunken auf den Knieen lag, wurde durch ein Fenster auf sie geschossen, doch ohne Schaden; denn die Kugel traf eine Säule. Magdalena wurde durch diesen Mordversuch keineswegs erschreckt — „da der Himmel selbst für sie sorge" — sprach sie, und kehrte noch am selben Tage Nachmittags und am andern Tage in dieselbe Kirche wieder und wohnte dem öffentlichen Gottesdienste mit aller Andacht bei. So hemmte die Gefahr ihre Frömmigkeit nicht, sondern entflammte sie vielmehr. Lä'ngit schon hatte sich aber ihr Gemahl nach Rettung aus seiner drückenten Lage gesehnt und da er nun den Hof seiner Eltern verlassen hatte, so war er auch 180 bereit, die Bedingung dieser Rettung und Befreiung durch öffentliche Abl.'gung des katholischen Glaubensbekenntnisses zu erfüllen, woran ihn bisher nur sein, für seine Konfession im höchsten Grade eifernder Vater abgehalten hatte. Am 25. Mai 1614, als am DreifaltigkeilSfe ste, begab er sich in einem feierlichen Zuge in die Kirche und legte unter dem Hochann e daS katholische Glaubensbekenntniß mit lauter Stimme ab und empfing nebst seiner Gemahlin aus den Händen des WeihbischofeS Theodur Riphin von Köln die heilige Comn^union und die heilige Firmung, und ließ später die Be« weggründe seiner Rückkehr du'rch den Druck öffentlich bekannt machen. Das Gerücht von dem .Uebertritte des Pfalzgrafen war nun auch seinem Vater zu Ohren gekommen und eine .Gesandtschaft brachte ihm die Bestätigung desselben. Voll' Entsetzen würdigte sie der alte Bater kaum einer Antwort, sandte aber seinem Sohne eine Glaubensformel der Augsburgs Konfession zum Unterzeichnen, bei deren Durchlesung Wvlfgang Wilhelm ausrief: „ewig werde ich nicht unterzeichnen, eher meinem Nacken das Schwert!" Ja er ging sogar damit um, ihn zu enterben, als den Greis plötzlich der Tod durch einen Schlagfluss 5ahin raffte am 12, August 1614., Sobald die Jüiichschen Angelegenheiten mebr geordnet waren, beschloß Wolf« gang Wilhelm nach Neubnrg zu reisen und hielt in Begleitung seiner Gemahlin, die er nach München vorausgeschickt hatte und von da zurückgekehrt war, am 21t. Hornung 1-615 daselbst seinen feierlichen Einzug. AIS nunmehriger Landcsfürst hielt er es seiner Würde gemäß, ein eigenes Gebäude für den katholischen Gottesdienst zu bestimmen und wählte hiezu die fürstliche Hoftapelle. Von der Kraft und Wahrheit des allen kacholischen Glaubens lebhaft durchdrungen, kannte der Herzog nun beim An ritte seiner Regierung nichts Wichtigeres, als Stadt und Land zu dem alten verlasstnen Glauben zurückzuführen; ein Unterneh, men, das sowohl großen Muth als tiefe Weisheit und unerschütterliche Standhaftig, keit erforderte. Aber sein frommer Wahlspruch: „In Gott mein Trost" begeisterte ihn für das große Werk, und da diesem Fürsten Wahrheit, Gerechtigkeit und Religion unendlich heilig und ehrwürdig waren, so hielt er sich verpflichtet, die Wahrheit in den Herzen seiner Unterthanen wieder geltend zu machen, durch Ueberzeugung, die Gerechtigkeit durch eine billige Restitution zu üben, und der verdrängten und entstell« ten katholischen Religion wieder Gelegenheit zu verschaffen wohlthätig einzuwirken, und daß sie in ihrer wahren Gestalt wieder kennen gelernt werden könnte. Er erließ daher ein Edict, das allen Unterthanen erlaubte, zur katholischen Kirche zurückzukehren, und wendete alle Mühe an, die Gemüther für diese Religion wieder empfänglich zu machen, und dem Begonnenen Wachsthum und Gedeihen zu verschaffen. Wenn er hiebei auch hie und da einige strenge Mittel sich erlaubte, so lag dieß in den damaligen Zcitverhältnissen. Hiebei unterstützte ihn seine Gemahlin Magdalena mit einem Eifer und einer Bescheidenheit, welche selbst Protestanten die größte Bewunderung und Verehrung abnöthigten. Durch Bitten und Ermahnungen, nicht bloß auS einem empfindsamen Herzen überströmend, sondern vorzüglich auf Vernunft« und ReligionSgründe gestützt vorgetragen, suchte sie ihre Untergebenen zum alten Glauben zurückzuführen. In dieser Absicht sprach sie öfter mit ihnen über Religivnsgegenstände, besuchte besonders gefährliche Kranke, ließ sich sogar ein paarmal, da sie selbst wegen Kränklichkeit zum Gehen zu kraftlos war, zu ihnen tragen, um sie zur Kenntniß und Huldigung der Wahrheit zu bringen, wie dieß z. B. bei einer kranken Wöchnerin der Fall war. Des Herzogs Tante, die gefährlich krank darnieder lag, beschwor sie kniend mit dem Biloe dcö Gekreuzigten in der Hand und brachte sie gleichsam durch einen frommen Zwang zur Annahme der kacholischen Religion. So se.hr sie jedoch hiebei dem Dränge ihres Herzens folgte bei Jenen, die sie zu gewinnen mit Grund hoffen konnte, so sorgfältig vermied sie jedes Gespräch über Religionsgegenstände, wenn sie vorher sah, daß Gründe und Bitten keine Ueberzeugung gewähren und nicht die gewünschte Wirkung ja etwa gar Unwillen hervorbringen würden. — Ja um so vorzüglicher sie von der katholischen Religion überzeugt war, um so mehr vermied sie jeden Zwang, und gab 181 kluger Weise da nach, wo sie vermöge ihrer Wärme und Innigkeit für ihre Religion, deren ein weibliches Gemüth nnr immer sähig ist, lieber gesprochen hätte. Nun aber übrigt unS noch, ihre schönen Tugenden und wesentlichen Züge zur Bezeichnung und Gesinnung der Lebensweise dieser erhabenen Fürstin näher kennen zu lernen, getreu, wie sie sich bei ihr ausprägten. MagdalenenS Kenntniß der Religion und GotteSliebe. Der unermüdliche Eifer in Verbreitung ihres Glaubens war die Folge gründlicher Kenntniß und tkfer Verehrung der katholischen Religion, von welcher diese weise Fürstin öfters äußerte, daß der Glaube an Christi Lehre entweder aus katholischem, oder durchaus auf gar keinem Grunde beruhen könne. — Ihren frommen gottverehrenden Sinn sprach sie oft durch den schönen Wunsch aus: „O daß ich Einen Menschen kennete, der die neue Kunst verstünde, allen Sterblichen Kenntniß Gottes und hohes Gefühl für die Religion einzuflößen!" Zum steten Beweise ihrer Gesinnungen und zu ihrer fortwährenden Ermunterung verfaßte sie selbst eine Formel des katholischen Glaubensbekenntnisses in lateinischer Sprache, trug sie auf Vergament geschrieben immer bei sich, und befahl, dieselbe nach ihrem Tode als ein sprechendes Denkmal des Glaubens mit ihrem Leichnam in den Sarg zu legen. Da jedoch die fromme Fürstin wohl wußte, daß der Glaube an Gott, das Wissen der geoffenbarten Wahrheiten dem Gemüthe vor Gott noch keinen Werth gibt, wenn er sich nicht in Wort und That beweist, so strebte sie auch unermüdet darnach, ihren Glauben ins Leben übergehen zu lassen, ihr Herz zu veredeln und den Tempel des heiligen Geistes immer mehr mit Tugenden zu bereichern und zu schmücken. Die Summe dcö göttlichen Gesetzes: „Gott lieben über alleS und ihm allein in Liebe dienen," war auch die Summe ihrer Wünsche und der Gegenstand ihres uner- müdeten Bestrebens. Sie trachtete den höchsten vollkommensten Grad der Tugenden zu erreichen, gemäß welchen sie, ohne Rücksicht auf Belohnung oder Strafe, Gott nur darum lieben wollte, weil er Gott und das unendliche, vollkommenste, beste Gut ist. — In der Ueberzeugung und im Gefühle der Wahrheit, daß das Wesen wahrer Liebe in Uebereinstimmung der Gesinnungen und im EinSseyn mit Gott bestehe, suchte sie sich mit ihm stets inniger zu vereinigen, ihren Willen im Kleinen wie im Großen, im Angenehmen wie im Unangenehmen, Gott zu unterwerfen und gleichsam für sich willensloS, jedem leisesten Winke deS Gesetzes und der Gnade zu folgen. Daher ihre Heldengröße im Dulden deS Unangenehmen und Schweren, das sie bei der damaligen Lage des Landes, bei der herrschenden Religionsverschiedenheit, bei öftern geheimen Machinationen gegen ihren Gemahl und die Regierung, bei eigener, öfterer Kränklichkeit u. f. w. oft genug traf. In den letzten vier Jahren ihres Lebens brachte sie es in der Verläugnung ihres eigenen Willens so weit, daß sie vorzüglich unangenehme Vorfälle und Beschwerden für besondere Wohlthaten und Gunstbe- zeugungen GolteS ansah, und oft in Einem Tage wohl hundertmal ihre kindliche Ergebung in Gottes Willen erneuerte, wie mehrere mit geheimen Chiffern geschriebene Aufsätze in ihrer Schreibtafel bewiesen. So sprachen es alle Schritte und Tritte MagdalenenS auch laut auS, daß der Glaube, wie er in der christlichen Kirche gelehrt und geübt wird, die Quelle ist, auS welcher alle edeln und großen Thaten hervorgehen, denen auch der Weltgeist seine Achtung nicht versagen kann, wie der LebenSlauf MagdalenenS darthut. (Fortsetzung folgt.) Katholische Kirchenmusik. Ein beachtenSwerthes Urtheil über katholische Kirchenmusik ist in der leipziger „Neuen Zeitschrift für Musik- Nr. 10 mit Bezugnahme auf die katholische Kirche in Dresden mitgetheilt, und zwar auö einem Werke, worin man eS nach 18S dessen Titel am wenigsten erwarten sollte, nämlich: aus Richard Wagner'S „Entwurf zur Organisation eines deutschen Nationaltheaters für daö Königreich Sachsen." Darin liest man unter obiger Aufschrift folgenden Aufsaß: „Soll die katholische Kirchenmusik uiiter den bestehenden Zeitstimmungen zumal in der katholischen Hofkirche zu DreSven mit gerechtem Ansprüche erhalten werden, so muß sie die fast gänzlich verloren gegangene Würde religiöser Erhabenheit und Innigkeit wieder erhalten. Papst Marcellus wollte im löten Jahrhundert die Musik gänzlich auö der Kirche verweisen, weil die damalige scholastisch - speculative Richtung derselben die Innigkeit und Frömmigkeit des religiösen Ausdruckes bedrohte. Palestriiia rettete die Kirchenmusik vor der Verbannung, indem er diesen nöthigen Ausdruck ihr wieder verlieh; seine Werke, so wie die seiner Schule und des ihm zunächst liegenden Jahrhunderts schließen die Blüthe und höchste Vollendung katholischer Kirchenmusik in sich: sie sind nur für den Vortrag durch Menschenstimmen geschrieben. Der erste Schritt zum Verfall der wahren katholischen Kirchenmusik war die Einführung der Orchester-Instrumente in dieselbe; durch sie und durch ihre immer freiere und selbstständigere Anwendung hat sich dem religiösen Ausdruck ein sinnlicher Schmuck aufgedrängt, der ihm den empfindlichsten Abbruch thut und von dem schädlichsten Einfluß auf den Gesang selbst wurde; die Virtuosität der Jnstru- mentalisten hat endlich den Sänger zu gleicher Virtuosität herausgefordert, und bald drang der weltliche Operngeschmack vollständig in die Kirche ein; gewisse Sätze des heiligen TerteS wie: Lariste eleison, wurden zu stehenden Texten für opernhafte Arien gestempelt, und nach dem italienischen Modegeschmacke ausgebildete Sänger zu ihrem Vortrage in die Kirche gezogen. Der Zeit, in der diese gänzlich verderbte und entweihte Richtung zur herrschenden geworren war, gchört die Einrichtung eines katholischen HofgoltesbiensteS in Dresden an; von diesem AusgangSpuncte hat sich die Kirchenmusik in der hiesigen katholischen Hoskirchc ausgebreitet, in dieser weltlichen Richtung sortgebildet. Durch Herbeischaffung kostspieliger Sänger wurde den Komponisten die Aufgabe gestellt, auf die Ausbeutung und Verwendung dieser Talente bedacht zu seyn, und sämmtliche Kirckencomposilionen, welche gegenwärtig noch den verwendbaren Vorrath für den musikalischen Gottesdienst ausmachen, gehören bis auf ein,eine, hier und da und in den einzelnen Theilen zerstreute, Ausnahmen, dieser mit Recht jetzt als verwerflich und den gesunden religiösen Geist geradezu verhöhnend erkannten Geschmacksrichtung an. — AlS nächstes Mittel zur Abhilfe könnte vorgeschlagen werten, fernerhin VaS Repertoir der Kirchcnmusikstücke selbst sergfältig aus solchen Composttionen auszuwählen, welche jener schlechten Richtung am wenigsten angehören Seitdem die Kirchenmusik durch Einführung der Orchester-Jnstrumente im Allgemeinen von ihrer Reinheit verloren hat, hal'en nämlich nichts d»sto weniger die größten Tonietzer ikrer Zeit Kirchenstücke verfaßt, die an und für sich von unaemeinem künstlerischen Werthe sind: dem reinen Kirchenstyle. wie es jetzt ihn wieder herzustellen auS so vielen Gründen an der höchsten Zeit wäre, gehören auch diese Meisterwerke dennoch nicht an; sie sind absolute musikalische Kunstwerke, die zwar auf der religiösen Basis aufgebaut sind, viel eher aber zur Aufführung in geistlichen Concerten, als während des Gottesdienstes in der Kirche selbst sich eignen, namentlich auch ihrer großen Zeitdauer wegen, welche den Werken eines Cherubini, Beethoven ic. die Aufführung während deS Gottesdienstes gänzlich verwehrt. Wollten wir nun, indem wir aber immer noch auf volle.Reinheit der Kirchenmusik Verzicht leist! ir, diese Meisterwerke der Komposition, z. B. durch Kürzungen, zu dem Gebrauch in unserer katholischen Hofkirche Herrichten, so entstünde in der Räumlichkeit unseres Chores selbst ein unüberwindliches Hinderniß, Der Raum, der für die Aufstellung des Orchesters und Chores unS gegeben ist, würde ohne einen gänzlichen Umbau und somit ohne Zerstörung der architektonischen Anlage des ganzen Schiffes, nickt in dem Maaße erweitert werden können, daß eine der nothwendigen Stärke des Orchesters entsprechende (für diese Composttionen aber 183 unbedingt nöthige) Anzahl von Chorsängern Platz fände. Die menschliche Stimme, die unmittelbare Trägerin deS heiligen Wortes, nicht aber der instrumentale Schmuck, oder gar die triviale Geigerei in den meisten unserer jetzigen Kirchenstücke, muß jedoch den unmittelbaren Vorrang in der Kirche haben und wenn die Kirchenmusik zu ihrer ursprünglichen Reinheit wieder ganz gelangen soll, muß die Vocal musik sie wieder ganz allein vertreten. Für die einzig nothwendig erscheinende Begleitung hat das christliche Genie das würdige Instrument, welches in jeder unserer Kirchen seinen unbestrittenen Platz hat, erfunden, — dieß ist die Orgel, welche auf das Sinnreichste eine große Mannigfaltigkeit tonlichen Ausdrucks vereinigt, seiner Natur nach aber virtuose Verzierung im Vortrag ausschließt und durch sinnlichen Reiz eine äußerlich störende Aufmerksamkeit nicht auf sich zu ziehen vermag. Für die Aufstellung eineS starken Sängerchores statt des Orchesters ist die unS überwiesene Räumlichkeit in der hiesigen katbolischen Hofkirche ganz vorzüglich geeignet, und es muß die Wirkung seines VortrageS eine ungemein scdöne und erhebende in diesem Gebäude seyn, welches in seiner Akustik der ruhiger sich bewegenden menschlichen Stimme von größtem Vortheil ist, während daS unruhiger sich bewegende Instrumentale von oft höchst nachtheiler Wirkung für das Gehör und somit für daS Verständniß der Musik wird, da der außerordentlich thätige Schall eS verwischt und zur Dissonanz bringt. Zwei Hindernisse stehen zunächst der Einführung der reinen Vocalmusik in unserer katholischen Hofkirche entgegen. DaS erstere, durch einen geeigneten Entschluß der betreffenden Behörde sogleich zu beseitigende, besteht in der, für Herstellung eines guten und starken Chores nothwendigen Zulassung von Frauen, so wie in der Unmöglichkeit, dieß Personale nur aus Mitgliedern deS katholischen Kirchenverbandes zu stellen. DaS zweite, erst mit der Zeit nach und nach zu überwindende Hinderniß, besteht in dem Mangel an Vorrath der nöthigen Kirchenstücke für reine Vocalmusik. Ihm kann nur nach und nach abgeholfen werden und es möge dafür folgendes Verfahren eintreten. Schon jetzt wurden eine Anzahl geeignet erscheinender Cvmposnioner Palestnna's und seiner Nachfolger ausgesucht; die Capellmeister erhalten den Auftrag, die verloren gegangenen Ueberlieferungen für den Vortrag derselben nach künstlerischem Ermessen wieder herzustellen, diese Werke somit, wie dieß erwiesener Maßen sehr wohl möglich ist, zu der vollen Frische und Wärme religiösen AuSdruckeS wieder zu beleben und für daS Einstudiren in diesem Sinne Sorge zu tragen. — AuS einem weiter unten zu ermittelnten Fonds werden an sämmtliche Componisten deS Vaterlandes und Deutschlands überhaupt Preise für gute Kirchencompositionen im reinen Vocalsatz, zugleich auch für Auffassung älterer Kirchencompositionen mit zweckmäßiger Wiederauffrischung und Bezeichnung deö VortrageS derselben, ausgeschrieben. — Bis nun mit der Zeit das R pertoir stark und mannigfaltig genug geworren ist, um den gesammten Bedarf eineö Kirchenjahres damit auszufüllen, muß der bisherige Bestand der Kirchenmusik in der Weise aufrecht erhalten werden, daß zunächst nur ausnahmsweise ab und zu der Dienst durch reine Vocalmusik mit verstärktem Chor versehen wird; in dem Verhältnisse nun, als der Vorrath von Bocalcompositionen anwächst und zugleich die jetzt bestehenden, nach und nach aufzuhebenden Contracte der bisherigen Kirchensänger sich auflösen, u ird allmälig die jetzige gemischte Kirchenmusik, also auch die Mitwirkung deS Orchester«? dabei, gänzlich aus der Kirche zurückgezogen, und endlich der Vocalmuflk und ihren Composirionen allein Platz zu machen. DaS Orchester wird dagegen in größeren geistlichen Concerten genügend dazu beitragen können, im Verein mit dem vollen Chor die Meisterwerke der Musik im gemischten Styl als eine selbstständige Musikbegleitung der Oeffcntlichkeit vorzuführen, so daß mit dieser neuen Einrichtung nur daö Schlechte, nicht aber daö Gute, waö in dieser Gattung geschaffen ist, verloren gehen wird." 184 Aus Franken. Die Eröffnung der Mission in Schönthal am Sonntag den 18. Mai war durch den Himmel sehr begünstigt. In aller Frühe zogen an diesem schönen Frühlingslage zuerst einzelne kleinere Parteien von Gläubigen, bald darauf große, schön geordnete Proccsfionen unter Gesang und Gebet in das herrliche Gotteshaus ein. Um 9 Uhr wurden die hochwürdigen Väter Missionäre durch die Geistlichkeit vom Pfarrhause in die Kirche begleitet. Nachdem Decan Longner von AmrichShausen am Hochaltäre das Veni erestor Spiritus angestimmt und das Kirchengebet gesprochen hatte, begrüßte er im Namen der CapitelSgeistlichkeit und ter katholischen Gemeinden die ehrwürdigen Väter in kurzer Ansprache. Eingangs verbreitete er sich über Gründung des K ostcrS Schönthal durch den tapfern Ritter Wolfram von Bebenburg unter Mitwirkung der edlen Familie v. Berlichingen. Der Stifter übergab das Kloster den geistlichen Söhnen des heiligen Bernhard, 12 Cistercienser aus dem Kloster Maulbronn Durch diese frommen Ordensmänner wurde Cultur und Gesittung in der ganzen Umgegend verbreitet und das zwar schon von Natur freundliche Thal erst recht zum schönen Thale. Nachdem das Kloster lange verwaist gestanden, treten heule freudig begrüßt drei Ordensmänner aus der Gesellschaft Jesu ein, um neues geistiges Leben anzufachen^. Wer sollte sich hiebei nicht an die Worte des Apostels Paulus erinnern, welche derselbe dem Propheten Jcsaia entnommen: „Siehe, wie lieblich sind die Füße derer, die da Frieden verkündigen und die freudige Botschaft vom Guten bringen." Rom. 10, 15, coll. Jes. 52, 7. Er hieß sie deßhalb willkommen und sprach die Hoffnung auS, daß die heilige Mission die Eiskruste des Unglaubens und der Gleichgiltigkeit, welche vielfach herrschen, sprengen werde; daß unter GotteS Beistand die edlen Bemühungen der hochwürdigen Missionäre im scheuen Thale und auf dessen freundlichen Höhen die Himmelsblumen des Gesetzes, der Hoffnung und Liebe aufsprossen und die Früchte deS heiligen GeisteS: Liebe, Friede, Freude, Geduld, Sanflmuth, Mäßigkeit nnd Keuschheit sichtbar werden sollen. Hierauf hielt Pater Roder die erste Rebe. Eingangs sprach er seine Freude darüber aus, daß das Volk der Franken, von dem ihm längst bekannt sey, daß ein guter religiöser Kern in ihm wohne, sich so zahlreich bei der Mission cinfinde und den religiösen Sinn durch die musterhafte Ordnung, in welcher dasselbe unter Gebet und Gesang in dieses Gotteshaus eingezogen, beurkundet habe. Er hoffe, daß der religiöse Eifer auch an den andern Tagen der Mission nicht erkalten werde, worin er sich nicht getäuscht hat. Mit Umgehung deS gewöhnlichen Thema'S von der Mission begann er sogleich mit seiner bekannten feurigen und begeisterten Beredtsamkeit die erste Reihe der Vorlräge über die ernsten Wahrheiten deS Christenthums. Wer durch die ernsten und beredten Vorträge dieser als Redner längst bekannten, für die heilige Sache so begeisterten Männer nicht gerührt und erschüttert wird, der muß wahrlich ein steinhartes Herz haben. Ergreifend war auch die Rede deS jungen P. Smeddink, dieser edlen Nathanaelöseele, über den Tod, so wie auch die katechetischen Vorträge desselben über die zehn Gebote, die Bekehrung deS Paulus:c., welche durch ihre Einfachheit, Popularität und Herzlichkeit sehr ansprachen. Den Schluß dieser Reihe bildete die Marienpredigt, und die entsprechende Empfehlungsfeier, welche durch den schönen Gesang und eine Procession deS schon bestehenden Jungfrauenbunds von Berlichingen erhöht wurde. Wahrhaft erhebend und tröstend ist die große Ausdauer des Volkes. Obgleich schon am Montag wieder kalte regnerische Witterung eintrat und der Regen fast ununterbrochen fortdauert, so findet sich dasselbe doch täglich in großer Anzahl ein und hört die MisstonS- vorträge mit größter Aufmerksamkeit an, sich kaum Zeit nehmend, einige Nahrung und Erfrischung zu sich zu nehmen. Nur die Wirthe, hohe Rechnung ohne die Gäste für sich machend, sind unzufrieden, weil sie den gehofften Absatz nicht finden. Die beilige Misston wurde durch keinerlei Unordnung bisher gestört. Auch die Protestanten betheiiigten sich zahlreich bei derselben. (D. VolkSbl.) Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. VerlagS-Jnhaber: F. E. Krem er.