Eilstcr Jahrgang. Sonntags-Beiblatt zur, Augsbnrger Pojheitung. 15. Juni 1851. >^,inici? Il?ttil,m z^lir,!i>t^^ MliÄ. östZ >I/I1'/>I^^) ^tttldchf Dieses Blatt erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der halbjährige Abonnementspreis 4V kr., wofür es durch alle königl, bayer. Postämter und alle Buchhandlungen bezogen werden kann. Magdalena Herzogin von Bayern, Pfalzgräfin bei Rhein ic. von Carl August Voehaimb, Caplan in Neuburg a D, (Fortsetzung.) Magdale nens Nächstenliebe. Wie sie wohl wußte, daß der bloße Wortglaube und die unthätige Wortliebe nichts nützen, so war sie auch überzeugt, daß selbst eine gewisse Empfindung von Gottes Liebe oft trüge und vor Gott ohne Werth sey, wenn diese Empfindung nicht zu reger Nächstenliebe antreibt. Daher bestrebte sie sich mit nicht geringem Eifer, dieser Pflicht in jeder Beziehung auf ihre Mitmenschen, besonders als Gattin, als Mutter und in einem gewissen Sinne als Haus- und Landesmuiler volltommen Genüge zu leisten. Sie war nicht in den Ehestand getreten um desto glänzender leben zu können, sie erkannte und bedachte die heiligen Pflichten, die durch ihre hohe Stellung eineSiheils, anderntheils durch ihren Beruf als Gattin und Mutter ihr auferlegt waren, und fühlte die Kraft in sich, diesen Pflichten mit dem Beistande GotleS auch nachzukommen. Eheliche Liebe und Treue gegen ihren Gemahl waren ihr daher so heilig, daß nach dem Zeugnisse eines Mannes, der sie näher kannte, ihr ganzes Benehmen in dieser Hinsicht eine lebendige Darstellung der Ermahnungen des Apostel PauluS an die christlichen Ehefrauen war. ^) Sie liebte und ehrte ihn, nach Christus und des Apostels Sinn, als ihren Herrn. Seine Zufriedenheit, sein Wohlseyn, sein Umgang galten ihr mehr als alle Bequemlichkeiten, Vergnügen und Schätze dieser Erde und im überströmenden Gefühle bezeugte sie einst, daß sie im strengsten Sinne um keinen Preis der Welt sich entschließen könnte, ihm auch nur die kleinste, unbedeutendste Beleidigung zuzufügen. Sie ließ eS an Nichts fehlen, wodurch sie seine Zuneigung gewinnen konnte, horte in Allem gerne seinen Rath, trachtete ihn stets mit dem zu erfreuen, woran er Vergnügen hatte. Ein Sinn, Ein Rathschluß, Ein Wille, Ein Geist, einigte Beide. Herzog Wolfgang Wilhelm hing aber auch daher mit ganzer Seele an ihr, ehrte und erwiderte ihre treue Liebe und äußerer öfter: „daß er seine Gemahlin für eine Heilige halte und nur bedaure, sie in ihren hohen Tugenden nicht erreichen zu können." — Nebst dieser Ueberzeugung fesselten ihn auch ihre großen Fähigkeiten und >>!i!i MZ ^Wliz t.?'»,jD.M nl ,z??lß?klv H^zHo Hirttt!-"' - ' UtUMNÄ *) Ihr Frauen seyd euren Männern Unterthan, wie sichs geziemt, ,'m Herrn. Im Briefe an die Colofser Z, IS. Und: die Frauen sehen ihre» Männern unterthänig, wie dem Herrn. An die Epheser S, LL. 186 die für ein Frauenzimmer seltenen Kenntnisse. Nicht nur verstand sie gründlich und sprach geläufig die italienische, französische, spanische und lateinische Sprache, sondern auch iu der Kirchen- und Weltgeschichte war sie sehr erfahren, sprach gründlich davon, so daß jene, die ihre Aeußerungen hörten, oft behaupteten, Neuburgs Herzogin besitze einen solchen Grad von Weisheit, daß sie ein ganzes Land zu beherrschen im Stande wäre; besonders beliebt, sowohl bei ihrem Gemahl als auch bei Allen, die sie näher kannten, machte sie sich durch ihre Bescheidenheit, Ungeachtet ihrer tiefen Einsichten und mannigfaltigen Kenntnisse, war sie keineswegs stolz darauf, sondern fragte oft um Rath, hörte bei jeder Gelegenheit gerne die Meinungen Anderer und unterwarf sich unbedingt, vorzüglich in Gewissenssachen, dem Rathe ihres Beichtvaters. Wie sie als Gattin ihre Pflichten treu erfüllte, so auch als Mutter. Gewiß das schönste Geschenk, das ein Weib dem Vaterlande machen kann, sind wohlgesittete Kinder, welche angeleitet und eingeübt sind ihre Pflichten gegen Gott und die Mitmenschen zu erfüllen, nnd durch ihre persönliche Auszeichnung zum Nutzen und Frommen des Vaterlandes beizutragen; dieselbe Gabe legte als Opfer auf ten Altar des Vaterlandes auch Magdalena nieder. Es war der erste Landtag, den ihr Gemahl im Jahre 1615 zusammenberufen hatte. Von ihm ließ sich wegen der von ihrem Gemahle gemachten Veränrerungen wenig Gutes erwarten. Um nun ein günstigcs Resultat zu erzielen, hatte Magvalena nicht nur selbst viel gebetet, sondern auch sogar an andern Orten, z. B. in Jngolstadt, beten lassen. Der Landtag ging glücklich vorüber und zum Schlüsse desselben gebar sie am 24. Nov. 1615 zur höchsten Freude ihres Gemahles einen gesunden Prinzen. Dieser wurde vom Bischöfe von Augsburg, Heinrich von Knöringen, am St. Nikolaustage getauft und ihm der Na- men seiner Taufpathen Philipp III. Königs von Spanien und Wilhelm V. Herzogs in Bayern beigelegt. Auch während des Wochenbettes bewies die fromnK Herzogin ihren religiösen Sinn, indem sie von ihrem Lager aus täglich die heilige Messe anhörte, welche ihr Beichtvater in einem anstoßenden Zimmer lesen mußte, was auch sonst immer geschah, wenn sie krank darnieder lag. Die in jeder Hinsicht vortreffliche Mutter sorgte mit rastlosem Eifer für die gute Erziehung ihres Sohnes und da ihr Herz so ganz an Gott und der Religion hing, so drang sie auch vorzüglich auf religiöse Bildung. Schon im dritten Jahre legte der Prinz Philipp Wilhelm eine öffentliche Probe seiner glücklichen Fortschritte in dieser Hinsicht ab. AIs nämlich am 21. Oktober 1613 die Hofkirche in Neuburg eingeweiht wurde, empfing er die heilige Firmung, nach welcher Handlung er sogleich bei mehreren dürftigen Personen die Pathenstellen übernahm. Hiebei betrug er sich mit so sichtbarer Andacht und Anstand, daß er den Bischof und die Anwesenden, die bis zu Thränen gerührt wurden, in das größte Erstaunen setzte. Als der Prinz in das sechste Lebensjahr ging, übergab sie ihn dem Pater Christoph Brandts zur Geistes- und Herzensbildung, Philipp Ludwig machte auch unter der Leitung dieses geschickten und rechtschaffenen ManneS so glückliche Fortschritte, daß er nach allem Rechte mit einem Preise öffentlich beschenkt wurde und schon in seinen frühesten Jahren sich die ungetheilte Liebe, Verehrung und Bewunderung aller, die ihn kannten, erwarb. Unter Thränen der Freude bemerkten eö die Eltern besonders, als der Prinz in seinem zehnten Lehensjahre in einem Schauspiele mit den Studirenden auftrat, wie sein Herz und Geist, so wie sein äußerer Anstand zu den schönsten Hoffnungen berechtigten, die sie gleich beim Uebertritte in die Jünglingsjahre zu ihrem größten Troste erfüllt sahen. In rühmlicher Harmonie mit den Grundsätzen des Lehrers bestrebte sich die frommliebende Mutter zu gleicher Zeit, ihrem Prinzen vorzüglich Liebe und Hochachtung gegen die Religion und Lust zum Gebete einzuprägen. Wenn, wie es damals öfter geschah, eine Procession gehalten wurde, und sie selbst wegen Krankheit dieselbe nicht begleiten konnte, so mußte ihr Sohn von dem eine Stunde entfernten Jagdschlosse Grünau, wo er sich damals öfters aufhielt, in die Stadt eilen, um dem Bittgange beizuwohnen, und dann erst war es ihm erlaubt zur Tafel zu kommen. Ihre zärtliche Mutterliebe suchte sie öfters unter dem Schleier des Ernstes zu bergen, 4 187 und doch war derselbe so rein und heilig, daß sie oft mit sichtbarer Rührung sagen konnte: So sehr ich meinen Sohn liebe, so würde ich doch wünschen, ihn nicht geboren zu haben, wenn ich wüßte, daß er Gott und der Religion untreu würde. Auch auf ihrem Sterbebette noch besorgt, ihn zu einem würdigen und glücklichen Regenten zu bilden, gab sie ihm noch kurz vor ihrem Tode mit unerschütterlicher Standhaftigkeit die schönsten Lehren. Die nachmalige Regierung Herzog Philipp Wilhelms zeugte noch von den Grundsätzen und der vortrefflichen Bildung, welche er unter der Leitung einer in jeder Hinsicht so verehrungswürdigen Mutter erhalten hatte. Schon in seinem eilften Jahre gab er in einem freundschaftlichen Gespräche den schönen Grundsatz zu erkennen: „Lieber einer kleinen Provinz würdig vorstehen, als einst über die Negierung eines großen, mächtigen Reiches Gott Rechenschaft ablegen!" Man bewunderte auch an ihr die kluge Aufmerksamkeit und Sorge, welche sie dem Betragen ihrer Dienerschaft widmete, und die unwandelbare Sorgsalt, womit sie die Furcht Gottes und die Liebe zur Tugend bei ihnen unterhielt. Stets drang sie auf ein rechtschaffenes, tadelloses Betragen derselben. Fehler gegen die Sittlichkeit blieben ihrer sonstigen Nachsicht und Duldsamkeit ungeachtet nie ungerügt. Alles, was immer nur den Frieden stören konnte, suchte sie zu verbannen und deßhalb durste Niemand mit Wort oder in der That beleidigt, niemand verleumdet oder verschwärzt werden. Im höchsten Grade billig, gütig und gerechtigkeitslicbend dachte und sprach sie selbst von Jedem nur Gutes, schien fremde Fehler nicht zu kennen, und wie sie selbst nie davon redete, so durfte es auch Niemand anderer wagen, der Ehre eines Andern auch nur im Geringsten zu nahe zu treten. Dagegen fand aber das redliche Geständniß eines begangenen Fehlers und das Versprechen der Besserung sichere und schleunige Vergebung, ja die huldvolle Fürstin achtete es nicht unter ihrer Würde, selbst um Vergebung zu bitten, wenn sie besorgte, im Rügen eines Fehlers zu große Strenge bewiesen zu haben. Dafür ehrten sie auch alle, die in ihren Diensten standen, wie ihre Mutter, während sie auch von ihr wie Kinder geliebt wurden. Kurz der sprechendste Beweis ihrer unermüdeten Sorge, Liebe und Wachsamkeit sür ihre Untergebenen war die allgemeine Aeußerung: „daß dieser Hof in Hinsicht der dort herrschenden Sittlichkeit und Religiosität mehr einem Kloster als einem weltlichen Palaste gleiche" und wie man die Tugenden am Hofe des Kaisers Theodosius prieß, so konnte man auch diesem Hofe hiebei die gleiche Achtung nicht versagen. Ihre mütterliche Theilnahme und Liebe umschloß auch vorzüglich alle Arme und Hilfsbedürftigen, die einen der wichtigsten Gegenstände für ihr forschendes Auge bildeten und gerade hiebei ist einer der wichtigsten und auffallendsten Züge ihres Bildes vorhanden. Sie spendete ihre Gaben entweder selbst oder durch Andere, wodurch es erst recht bekannt wurde, daß das jährliche Almosen, welches sie nicht nur katholischen, sondern auch den protestantischen Armen ohne Unterschied ertheilte, von wahrhaft fürstlicher Freigebigkeit zeugte. Hierin glich sie einer ächten barmherzigen Samariterin, die nicht darauf sah, ob der Arme ihres Glaubens sey oder nicht sie ließ es dabei beweiiden, daß sie um Gotteswillen angesprochen wurde, und daß der Hilfsbedürftige Mensch und ihr Nächster sey. Alles wurde hiebei oft zu Hilfe angerufen; wo bedeutende Hilfe und Unterstützung nöthig war, da nahm sie fürbittend ihren Gemahl oder andere fürstliche Personen in Anspruch. Oft^ wünschte sie mehr Einkommen zu besitzen, um mehr Elend lindern zu können, und erinnerte an-daS alte Sprichwort sich gerne: „daß man durch Almosengeben nicht arm werde." Außerordentlich war auch ihre Aufopferung für die Kranken. Nicht selten besuchte sie arme Kranke, brachte ihnen Trost durch Religionsgrunde, Gelduntcrstützung aus ihrer Privatcafse, Speisen, die sie gleich einer zweiten Landgräfin Elisabeth von Thüringen mit eigener Hand bereitet hatte, und wenn sie selbst nicht gehen konnte, so sandte sie auf die edelmüthigste Weise es durch Andere. Durch eine solche großmüthige und beharrliche Thätigkeit, verbunden mit ihren Gaben, trug Magdalena sür die Bedürfnisse der armen verlassenen Kranken Sorgfalt und eS ist hiebei nicht möglich alle Handlungen ihrer unerschöpflichen Wohlthätigkeit und Hilfe aufzuzählen. 188 Haben wir nun Magdalena als Mutter der Armen unv Kranken bewundert, so wollen wir sie nun auch noch als eine Mutter gemeinnütziger AnstaUen kennen lernen. Ueberzeugt, daß das künftige Wohl des Landes unv vie Beförderung ächt christlicher Sitten besonders durch eine gut unterrichtete Jugend bezweckt werden könnte, hatte ihr Gemahl sein Augenmerk besonders auf Errichtung von Schulen gerichtet. Er errichtete nicht nur in der Stadt selbst, sondern besonders auf dem Lande, wo eS damals nur ganz wenige Schulen gab, Volksschulen und stiftete im Zahre 1617 zu Neuburg ein Gymnasium, womit er später ein Lyceum verband. An diesen neuen Stiftungen hatte Magdalena großen Antheil, denn sie wußle gar wohl, daß nur durch einen gründlichen Unterricht die Herzen der Menschen für daS Heilige der Religion und für alleö Edlere und Höhere empfänglich gemacht werden können; daher ehrte sie auch die Lehrer uud flößte ihrem Sohne alle Ehrfurcht für seine Lehrer ein. Ihrer vorzüglichen Huld erfreuten sich deßhalb auch die Studircnden. Sie zeichnete dieselben durch Unterstützung aller Art, durch tägliche oder wöchentliche, und durch unzählige Beweise von Huld und Herablassung vor vielen andern aus. Einen Beweis ihrer Achtung gab sie auch dadurch zu erkennen, daß sie, als an die Stelle der allen baufällig gewesenen akademischen Kirche in Dilingen eine neue war vollendet worden und vom Bischöfe von Augsburg eingeweiht wurde, nebst ihrem Gemahle dieser EinweihuiigSfeierlichkeil am 11. Juui 1617 beiwohnte und eben so im Jahre I6l9 bei einer ähnlichen Feierlichkeit, nämlich bei Einweihung der Schutzengelkirche in Eichstädt, anwesend war. Bei den öffentlichen Prüfungen und der feierlichen Preisevertheilung, sowohl in den deutschen als lateinischen Schulen, war sie stets an der Seite ihres Gemahles zugegen, belobte und beschenkte die Fleißigen reichlich und bewieß eine ungetheilte Aufmerksamkeit und ausnehmende Herzlichkeit. Eben so angenehm waren ihr die im Laufe des Schuljahres aufgeführten Schauspiele, Concerte und Declamaiorien der Studirendcn. Wenn schon anck manchmal nicht ohne Unbequemlichkeit, besuchte sie dieselben doch, um durch ihre Theilnahme die Studircnden zu noch größerem Fleiße und Wohlverhallen anzuspornen. Magdalenens Freigebigkeit gegen die Kirche. Eine Frau, die von so hochherzigen Gesinnungen erfüllt war, konnte nun auch daS Haus Gottes und die Diener der Religion nicht außer Acht lassen, und so stellt sich uns nun auch ihre Freigebigkeit für dme dar. Unwissenheit und Kälte gegen die Religion, der herrschende Mangel an Priestern und ein tiefer Sittenverfall zeichnete die damalige Zeit sehr unrühmlich auö. Der nicht gar lange vorher entstandene Orden der Jesuiten ward daher mit Recht als eine mächtige Stütze der Kirche anerkannt; wie denn auch die Wiederherstellung und Erhaltung der katholischen Religion in einigen Ländern großenlheils durch die gränzenlosen Bemühungen derselben bewirkt wurde Die Verdienste der Jesuiten um die kacholische Kirche, um Unterricht und Bittunz der Jugend, um das Aufkeimen und Fortblühen so manches Guten, besonvers in Deutschland, wurden damals von allen Gutgesinnten dankbar anerkannt. Wie viel dieser Orden im Herzogthume Neuburg für die kailwlische Religion gearbeitet und geleistet hat, läßt sich daraus abnehmen, daß die Wiederherstellung des wahren Glaubens, so wie der Unterricht nur wenigen Mitgliedern dieser Gesellschaft oblag. Bei dem Mangel an Priestern mußten sie in den ersten Iahren beinahe ganz allein die Irrenden von der Wahrheit überzeugen, in den Schooß der Kirche zurückführen, die Jugend und Erwachsenen durch Christenlehren, Predigten, Beichthören und Privatgespräche in der Religion unterrichten, Einwürfe gegen dieselbe mündlich unv schriftlich beantworten, die lateinischen Schulen besuchen, Kranken und Sterbenden Hilfe leisten, Hindernisse, die ihnen in den Weg gelegt wurden, überwinden. Kein Wunder also, wenn von ihren Leistungen und Verdiensten überzeugt, Magdalena unv ihr Gemahl ihnen daS große Werk der Wiederherstellung deö katholischen Glaubens übertrugen, ihren Prinzen ihrer Sorgfalt und Unterrichte 189 überließen, und ihr Gemahl es unter seine Lebensfreuden zählte, ein mäßiges Mittag-- mahl bei ihnen einzunehmen. Kein Wunder, wenn dieses fromme, für die katholische Religion so innig fühlende Fürstenpaar ihnen alle Hulv und Auszeichnung erwieS und mit fürstlicher Freigebigkeit sie unterstützte. Als die Stände des HerzogthumeS Magdalcnen zum Wochenbette ein Geschenk von 7VVV fl, bestimmten, schenkte sie im folgenden Jahre die Zinsen von 250 fl. den Jesuiten, mit dem Versprechen, die nämliche Gabe jährlich, zu wiederholen. Mit gleicher Gewogenheit war sie auch den andern Priestern deS Landes zugethan und unterstützte sie auf alle mögliche Weise. Aber nicht bloß gegen die Diener der Kirche war sie so freigebig, ihr frommer Sinn ließ sie der Worte des Psalmisten: „Herr ich liebte die Zierde deines Hauses und den Ort deiner Wohnung," nicht vergessen und so verwendete sie, um den Glanz der Kirchen zu erhöhen, so viel in ihren Kräften stand, auf kostbare Altarzierden, heilige Gefäße und andere Paramente, die sie von Augsburg, München ja bis von Florenz kommen ließ; für die neu eingeweihte Hofkirche verwendete sie im geringen Anschlage die Summe von 15M0 fl., nebst einem von ihrer Hand selbst gestickten sehr reich und kostbar verzierten Traghimmel zur Fronleichnamsprocession, dessen Werth ebenfalls auf einige tausend Gulden geschätzt wurde. Auf ihren Befehl wurden in derselben Kirche auch zwei neue Altäre zu Ehren des heiligen Jgnaz und Franz Zaver errichtet und eine neue ganz silberne Ampel, vor dem Altare des heiligen Jgnaz, den sie besonders verehrte, aufgehangen, wozu noch eine große gewichtreiche Wachskerze kam. Durch ihre Freigebigkeit wurden die Leiber der heiligen Märtyrer Sulpiz, Charilauö, Aurelia und Flavia aus das Prachtvollste verziert und in der Hofkirche zur Verehrung ausgesetzt. Im letzten Jahre ihres Lebens noch schenkte sie dieser Kirche ihr kostbar von Goldstoff verfertigtes, mit den künstlichsten Blumen geziertes Brautkleid, woraus ein Meßgewand und noch andere Paramente gefertigt wurden. Aber auch viele andere Kirchen erhielten von ihr kostbare Altarzierden und Paramente, namentlich Meßgewänder, die größtentheils durch ihre eigene Handarbeit verfertigt wurden; wie sie denn ihr Brod nicht müßig essen wollte, und sich keineswegs schämte mit ihren Fingern die Spindel und die Nadel zu führen. Mail zeigt in Bergen oder Baring *) noch ein Meßgewand vor, das ungeincin reich und geschmackvoll geziert ist, welches die fromme Herzogin selbst stickte und dorthin verehrte. Dieß waren die hohen Tugenden, durch welche die unvergeßliche Herzogin Mag- dalena ihren im strengsten Sinne ächt christlichen und fürstlichen Charakter aussprach und es übrigt uns nur noch die Mittel kennen zu lernen, deren sie sich hiebet bediente. (Schluß folgt.) »mün .>N5?Yi)' nilviZe. s»i HU Reform der Orden. Rom, 8. Mai. Es ist bekannt, welche große Aufmerksamkeit der heil. Vater von den ersten Tagen seiner Regierung an den geistlichen Orden schenkte. In ihnen den Geist und Eifer, welcher ihre Stifter belebte, wieder zu erwecken, war uud ist noch immer eine seiner vorzüglichsten Sorgen. Was er in dieser Absicht zu Gunsten der Reformen, die man namentlich in dem Benediktiner- und Dominicanerorven angefangen halte, gethan, ist wohl schon bekannt. Man könnte glauben, dieser Weg sey nicht nur der sicherste, sondern auch der einzige, der zum Ziele führe, daß man näm- Bergen oder Baring, Pfarrdorf im Landgerichte Neuburg und BiSthumS Eichstädt, Hier stand ein Benedictincr Nonnenkloster, gestiftet 076 von Wiltcraud, Kaiser Ottos des Großen Tochter und Wittwe des Herzog Bertholds von Bayern, das aber 154Z aufgehoben wurde. Die in Mitte des vorigen Jahrhunderts aufgebaute große majestätische Kirche besitzt einen Theil des heil. Kreuzes, dann Theile von der Säule, Lanze unv Dornenkrone unsers Erlösers, so wie treffliche Frcskogcmäloc von Baumgarten aus Augsburg. Sowohl dieses als die Kirche selbst, die ihrer Bauart wegen jeder Stadt zur Zierde gereichen würde, und die im byzantinischen Style gebaute Gruft und noch einige Steinköpfe an der hinter» Seite der Kirche sind sehenswert!) und bewirken noch immer eine ziemlich stark besuchte Wallfahrt dahin. 190 lich denjenigen, welche zur ursprünglichen Zucht zurückkehren wollen, besondere Ordenshäuser anweiset und es ihnen erleichtert, sich auszubreiten. Da nämlich fast alle, welche die Welt verlassen, ein wahres Ordensleben suchen, so pflegen diese Reformen viele Novizen zu haben, während die andern allmälig aussterben. Wollte man dagegen diese letztern mit Strenge zur Befolgung der ursprünglichen Regel anhalten, so würde man ihnen erstlich damit nicht auch den ursprünglichen Geist, auf den doch endlich alles ankommt, einflößen, und überdieß zu nicht ganz unbegründeten Beschwerden Veranlassung geben. Es ist allerdings wahr, daß die nach und nach entstandene Milderung der Ordensregel, besonders in Bezug auf das Gelübde der Armuth, zu Mißbräuchen zu führen pflegt, die weder gutgeheißen noch geduldet werden können; aber jene Milderungen selbst sind doch meistens vom heiligen Stuhl gestattet, oder wenigstens geduldet. Es können also die Ordensleute einwenden, daß sie ihre Gelübde abgelegt, als diese Milderungen rechtlich bestanden, und daß man sie also nicht zu einer größern Strenge, als wozu sie sich verpflichtet, anhalten könne. Wenn demnach die Sonderling, von der ich oben redete, das einfachste und kräftigste Mittel ist, so hat doch der heilige Vater auch andere, durch die derselbe Zweck wenigstens zum Theil erreicht werden kann, nicht unversucht gelassen. Auf seinen Befehl haben sich die Generäle derjenigen Orden, in welchen eine Abweichung von der ursprünglichen Verfassung Statt gefunden hat, zuerst vor ihm selbst, dann öfter unter sich versammeln müssen, um sich über die Maaßregeln, die zu ergreifen seyen, zu beratheu. Es handelt sich bis jetzt hauptsächlich darum, das gemeinsame Leben, wenn nicht in seiner ganzen Strenge, doch zum großen Theile wieder einzuführen. Dieß ist denn ohne Zweifel auch der wichtigste, aber eben deßhalb auch der schwierigste Punct. Um die Frage recht zu verstehen, muß man wissen, daß in manchen Orden die Sitte eingeführt ist, den einzelnen Ordensleuten für ihre Kleidung und andere kleine Bedürfnisse jährlich eine gewisse Summe Geldes zu geben, mit der sie sich dann das Nöthige selbst verschaffen. Da es nun aber auch uicht gerade gegen daS Wesen des Gelübdes der Armuth ist, daß ein Ordensmann mit Erlaubniß seiner Obern Geschenke oder auch, was ihm für Dienstleistungen geboten wird, annehme, und — wiederum mit Erlaubniß der Obern — verwende, so folgt, daß die Ordcnsleute eine mehr oder wenigerreiche Privatcasse haben, auS der sie sich mancherlei, was vom Kloster der ganzen Gemeinde nicht verabreicht wird, anzuschaffen pflegen. Wie gefährlich nnn eine solche Sitte dem Geiste der klösterlichen Armuth und Enthaltsamkeit, dem brüderlichen Gemeinsinn und dem innern Frieden werden muß, ist leicht abzusehen. Dahin also geht das Bestreben, die ursprüngliche Sitte, die aber natürlich auch noch in vielen Orden, z. B. in dem der Passionisten, Redemptoristen, Jesuiten u. s. w. herrscht, wieder einzuführen, daß nämlich daö Kloster für alle — wahren — Bedürfnisse der Individuen sorge, und jene Privatcassen abgeschafft werden. Manche Ordensobern haben in dieser Absicht einstweilen Verordnungen getroffen, durch welche dieselben zwar nicht verboten, aber doch sehr beschränkt wcrven. DaS gemeinsame Leben nämlich in seiner ganzen Reinheit einzuführen, wäre eine durchgreifende und fast allgemeine Reform; denn wie man leicht einsieht, hängt diese Sitte mit einer Menge anderer Gebräuche zusammen. Wo man also das gemeinsame Leben einführt, da geht man auch leicht zur vollen Beobachtung der ganzen ursprünglichen Regel zurück: — uud es ist hauptsächlich deßhalb, daß, wie ich oben sagte, eine Scheidung nothwendig scheint. Doch hat der General der Franciscaner ein Rundschreiben erlassen (datirt vom 14. Januar, aber erst kürzlich öffentlich mitgetheilt), in welchem er Anordnungen trifft, die ohne eine eigentliche Trennung in verschiedene Zweige des Ordens eine solche Umgestaltung herbeiführen sollen. Es gibt nämlich schon feit langer Zeit in jeder Provinz dieses Ordens wenigstens Ein Haus, in welchem die Regel in ihrer ursprünglichen Reinheit beobachtet, und von der eingeführten Milderung kein Gebrauch gemacht wird. Es ist dieß das sogenannte ketiro oder Seevssus. In ciu solches Haus der strengen Observanz ziehen sich die Ordensleute, welche wollen, aus freier Wahl zurück. Außerdem war bereits vorgeschrieben, daß die Novizenhäuser auf dieselbe Weise eingerichtet würden. Nun 181 befiehlt aber der General in dem erwähnten Rundschreiben, daß außer diesen beiden Häusern in jeder Provinz eines oder das andere, in welchem die juugen Ordensleute ihre Studien machen, dieselbe Einrichtung erhalten, und auch diese sotten den Religiösen, welche sich nach der ursprunglichen Reinheit ihres Ordenslebens sehnen, offen stehen. Den Provinzen aber, in welchen sich keine der ältern Ordensmänner für solche Häuser meldeten, wird die Aufnahme der Novizen untersagt. Zudem soll auch jede Provinz ein besonderes Haus für die Missionäre haben, und auch in diesem das gemeinsame Leben streng beobachtet werden. Auf diese Weise erhält man binnen wenigen Jahren Ordensleute, die von Anfang an in strengerer Zuckt gelebt, und wie zu erwarten ist, durch Hilfe derselben deu wahren Geist ihres Berufes bewahrt nnd gestärkt haben. Und so kann es dann nicht schwer seyn, die Häuser der strengen Obser- vanz nach und nach zu vermehren, nnd die andern aussterben zu lassen. (M. Sbl.) Carmelitenkloster in Reisach. Die kath. Bl. aus Tirol schreiben: „Wie wir ans einem unö mitgetheilten Schreiben des hochwürdigen Herrn Gregorius s. 8, Ilieros., Priors des Karmeliten- klosters Reisach in Bayern, ersehen, wurde daselbst ein Noviziat eröffnet. Es befinden sich gegenwärtig sechs Priester im Kloster und vier Laienbrüder nebst einem Novizen. Nach dem Wunsche des hochwürdigen P. Ordensgeneral zeigen wir hiemit dieses öffentlich an, damit es zur Kenntniß solcher Jünglinge komme, die alle Eigenschaften guter Kandidaten besitzen, und sich gern dem beschaulichen Leben widmen möchten. Reisach liegt einige Stunden von Knfstein im bayerischen Gränzbezirke, ist ein schönes Kloster in einer angenehmen, gesunden Gegend. Früher aufgehoben, wurde es neuerdings wieder hergestellt, wie wir hören, in Folge des Concordats." « .lonAD n<«>l'Z ti)H - m»H 5,'iu sr,!T Der letzte Wille eines Seelsorgers. Es ist eine ganz gewöhnliche Erscheinung, daß die meisten Menschen selbst dann noch mit einer sündhaften Begierde uud einem hartnäckigen Geize an ihren irdischen Gütern hängen, wenn der Tod schon auf ihren Lippen schwebt, und daß sie in einer solch' üblen Geistesverfassung auch ihren letzten Willen bestimmen. Ich will daher einmal etwas Außergewöhnliches berichten. Vor einiger Zeit starb in der olmützer Diöcese ein Priester, eln Mann nach dem Herzen Gottes. Sein Reichthum waren die Armen, seine Freude hatte er am Gebet, seine geistige Erhebung fand er in der Einsamkeit, er war auch ein großer Freund der Jugend und in seinem ganzen Benehmen verrieth sich eine kindliche Einfalt und Gutmüthigkeit. Er wollte daher auch im Tode seyn unter den Kleinen, die er im Leben nach der Vorschrift seines Heilandes und Erlösers sich immer zum Muster genommen hatte. Sein letzter Wunsch ist erfüllt — sein Grab ist unter den Gräbern der Kinder. Er war ein armer Dorfpfarrer, seinen Namen verschweigen wir nicht; er hieß: Theophilus Nietsch. Friede seiner Asche! (Schl. K.-Bl.)__ Berlin. Köln. In Berlin sind bereits die Pläne zu dem neuzuerrichtenden Krankenhause der barmherzigen Schwestern eingetroffen nnd haben ungethcilten Beifall gefunden. Herr Architekt v. Statz aus Köln, Werkführer am Kölner Dombau, hat die Pläne (Krankenhaus nebst Capellc) im reinsten gothischen Style entworfen, und den Beweis geliefert, daß derselbe allen Bedürfnissen der Gegenwart, insbesondere auch dem Bedürfnisse möglichster Wohlfeilheit entspricht. Binnen ganz kurzer Frist wird der Grundstein zu besagter Anstalt gelegt werden. — In Köln sind die hochw. PP. Lazaristen am 12. Mai angekommen; von dem hochw- Domcapitular Herrn Strauß wurden sie empfangen und gastlich ausgenommen. 292 -» Der Baumeister. Ein Tempel steht errichtet Von eines Meisters Hand, Vom Himmclsschci» umlichtct Auf rauhem Ackerlands Des Tempels Eingangshallen Benetzet Thränenthau Der Büßer, die gefallen Aus Gottes Gnadcnau. Hier waschen sich die Sünder Durch Liebesrlnc rein, Und werden die Verkünder Der Buße süßer Pein. Sie treten zur Capelle Der rechten Seite hin; Es tröstet bald die Seele Gcheimnißvoller Sinn, In freudigen Aecordcn Ertönt das Krippenlied: „Das Wort ist Fleisch geworden," Das uns zum Himmel zieht. Es weicht aus der Capelle, Die steht zur linken Hand, Des Tageslichtes Helle? Sie glänzt vom Opfcrbrand. Es kommt die Nacht der Schmerze», Es haut die Geißel ein Des Abendmahles Kerzen ',ssl mtm(M'i ii'.^lis! IlliUI,^ »»! ??H« Es glänzt der Stern der Weisen Am hohen Firmament; Nach Bethlehem sie reisen Vom fernen Orient. ES segnet voll der Freuden Die Mutter und den Sohn, Es zeigt das Schwert der Leiden Der greise Simcon. I^lxt Zi^v'tt .1'n7MjilM!ÄG iZki Die Braut im Hohenlieds Sucht ihren Bräutigam, Wird nicht des Suchcns müde, Bis sie an's Herz Ihn nahm. Doch ach, zum Myrrhenhügel Wird nun geführt die Bra«t, Wo sie der Liebe Siegel 2m Blutgcwande schaut. !ttt2 sU^ iuh Vertritt der Fackelschein. Die Finsterniß der Sünde Bedeckt den Erdenkrcis, Und ach, der Hölle Schlünde Erglühen scharf und heiß. Doch heißer brennt die Liebe Am hohen Krcuzcsstamm; Es trägt des Todes Hiebe Das reinste Gottcslamm. <1Ml mmt'vj N^js^IÄNl)?) 7?illv Des Friedens Regenbogen Erglänzt am Kreuzaltar; Aus der Verzweiflung Wogen Hebt sich der Sünder Schaar. Es tritt die Ostcrsonne Aus finstrer Wolkennacht, Und strahlt auf ihrem Throne In Majestät und Pracht. chiw j>mss,s.pv.-^^ii'.G mi'li'i 'chlv's Den Hochaltar umkränzet Der schönsten Feste Zier, Und Jesu Liebe glänzet Geheimnißvvll allhier. Der Erercitien-Meister Hat jenes Haus gebaut, Worin im Licht der Geister Dieß Alles wird geschaut. Den Eingang, zwei Capellen Und dann den Hochaltar Vermagst du selbst zu wählen Im ganzen Kirchenjahr. -Diuci?/ Und wer da fromm betrachtet Das Rosenkranzgebet, Dem bleibt nicht unbeachtet, Wo dieser Tempel steht. ^ ' > - _ Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. Verlags-Jnhaber: F.