Eilfter Jahrgang. Sonntags-Beiblatt zur Augsburger PoMtung. SS. Juni 2S 1851. -_ Dieses Blatt erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der halbjährige Abonnementspreis TV kr., wofür es durch alle königl, bayer. Postämter und alle Buchhandlungen bezogen werden kann. Magbalena Herzogin von Bayern, PfalzgrSfin bei Rhein zc. von Carl August Boehaimb, Caplan in Neuburg a, D. (Schluß.) Magdalenens Mittel zur Frömmigkeit. Die Mittel, durch welche sie zu einer so hohen Stufe von Frömmigkeit und Geistesgröße sich emporschwang, nahm sie theils aus den Vorschriften des Evangeliums, theils von ihrem gottergebenen Herzen und dem damals herrschenden streng religiösen Zeitgeiste. Vor allem bestrebte sie sich ihre natürlichen Anlagen, ihre Neigungen, auch die geheimsten, ihr Herz immer näher kennen zu lernen. Zu dieser Selbstkenntniß gelangte sie durch ernste Betrachtung der Religionswahrheiten, Beobachtung ihrer eigenen Gesinnungen, Reden und Handlungen, und durch tägliche Ablegung der Ge- wissenSrechenschast, die sie mit Strenge und Genauigkeit vornahm. Sie zeichnete sich in eigenen Chiffern die entdeckten Fehler, die gemachten Vorsätze und religiös moralischen Grundsätze auf, die sie öfter durchlas, um sich stets zu bewahren, zu kräftigen, zu erneuern und ihre Fehler nach und nach aus der Seele mit ihren Wurzeln zu vertilgen. Aus diesem Streben zeigte es sich, daß es ihr hiebei um wahre Besserung zu thun sey. Mit aller Strenge bestraste sie an sich jede geringe Abweichung von diesen Grundsätzen und oft hörte man sie seufzen, daß sie noch so weit vom Ziele wahrer Liebe und der Vereinigung mit Gott entfernt sey! Auch ihre guten Thaten prüfte sie, ob sie nicht menschlicher Sinn oder eine geheime Nebenabsicht befleckt habe, und erkannte mit aller Bescheidenheit dieselben als eine Gabe von Gott an. Als Grundlage christlicher Frömmigkeit erkannte sie überhaupt die Demuth an. Sie war weit entfernt sich stolz zu erheben und mit dem Geiste Jesu zu vertraut, als daß sie nicht die Nothwendigkeit dieser Tugend eingesehen hätte. Daher floh sie auch Eigenlob wie eine giftige Schlange, und wenn man in ihrer Gegenwart sich lobwürdig über sie äußerte, so umflog eine edle Schamröthe ihr Angesicht und gab den Wunsch zu erkennen hierüber zu schweigen. Alles Gute, womit sie die wohlthätige Hand deS Schöpfers ausgestattet hatte, und alle schöne Handlungen suchte sie so viel möglich geheim zu halten. Woher anders diese Erscheinung als von ihrer Demuth? und aus dieser nämlichen Quelle floß ihre Herablassung und Freundlichkeit gegen alle Menschen ohne Unterschied des Standes oder der Geburt. Als ein Beweis ihrer Demuth mag auch gelten, daß sie jedes Jahr am grünen Donnerstage zwölf armen Frauen die Füße wusch, sodann ihnen eine Mittagtafel bereitete, sie dabei bediente 194 und reichlich beschenkt entließ. Dieß hatte seinen Grund in der Freude, die ihr Herz übergoß, und diese wie ihr ganzer Charakter in der Liebe zu Gott und ihren Nächsten, wovon dasselbe voll war. In diesem uncrmüdeten Streben nach Vollkommenheit, wohin sie der Geist Gottes mächtig trieb, kräftigte sie sich besonders durch herzlichen, beinahe ununterbrochenen Umgang mit Gott und nicht minder durch mündliches Gebet, dem sie täglich eine geraume Zeit widmete. Täglich zweimal wohnte sie der heiligen Messe bei, und ob sie mit Geschäften überhäuft, ob sie krank war oder ans Reisen sich befand, kein Tag verging, den sie nicht mit Anhörung der heiligen Messe begonnen hätte, täglich betete sie die Marianischen Tagzeiten. Die heilige Communion empfing sie alle Wochen mit sichtbarer Rührung und Ehrfurcht, so daß sie dabei zu glühen schien vor Andacht, und sich diese reichlich in den Herzen der Anwesenden ergoß und gar mancher, in dem die Andacht erloschen war, nur sie ansehen durfte und dann voll Andacht wurde. So übte sie durch ihr Beispiel einen mächtigen, wenn auch stillen Einfluß auf Andere aus. Diesen innern Geistesübungen half sie auch durch äußere strenge Abtodtung nach. Auch das Fleisch, dachte sie, das sich so gerne gegen das Geistesgesetz empört, mäße geschwächt werden und deßhalb zähmte sie ihren Körper, obgleich er ohnehin etwas schwächlich war, durch Fasten. Als sie ihrer Gesundheit wegen einmal in der Fasten Fleisch genießen mußte, ersetzte sie dieß durch eine unbeschreibliche Mäßigkeit in Speis und Trank. Auch durch andere Bußwerke, selbst mit der Geißel, züchtigte sie ihren Leib, so daß ihr Beichtvater ihren Eiser bezähmen mußte.*) Eine besondere Freude gewährte ihr das Wallfahrten an jene Orte, an denen Gott seine Gnaden oft auf vorzügliche Weise spendete. So begab sie sich alle Freitage nach einander, selbst bei ungünstiger Witterung, nach Joshofen, woselbst ein Kreuzpartikel verehrt wird, ja mitunter sogar mit durchlöcherten Schuhsohlen. Auch in entferntere Orte z. B. nach Altötting, St. Salvator, auf das Lechfeld f) wallte sie und schenkte daselbst ein prachtvolles von ihr selbst gesticktes Meßgewand. Dabei achtete sie nicht der ungünstigen Witterung oder anderer Unbequemlichkeiten und verrichtete ihre Andacht zur unbeschreiblichen Erbauung aller Anwesenden. Um aber jenen Damen, die sie hiebei begleiteten, die Beschwerlichkeiten solcher Fußreisen zu erleichtern, unterhielt sie dieselben, wie sie denn überhaupt nichts lieber als von göttlichen Dingen redete, mit frommen Gesprächen, die sie mit angenehmer Huld uud Freundlichkeit mit ihnen wechselte und durch ihre Andacht auch die Andacht Anderer weckte. Liebe und Verehrung der seligsten Jungfrau und Mutter Gottes Maria ist allen frommen Seelen eigen, so daß man sie wohl für einen nothwendigen Zweig wahrer Gottseligkeit ansehen kann. Auch dieser Zug frommer Seelen sticht in dem Gemälde ihrer Tugenden besonders hervor. In jedem Anliegen war Maria ihre Zuflucht. An ihren Festtagen war sie immer unter den Ersten in der Kirche, empfing die heilige Communion und ließ sich weder durch Kälte, noch durch andere Umstände abhalten, dem Gottesdienste bis zum Ende beizuwohnen, wobei ihre Andacht und ihr Gebetseifcr Jedermann auffiel. *) Zwar können Geißelstreiche keinen Menschen eigentlich heiligen, wenn aber in der Vorzeit fromme Menschen ihren Leib in scharfer Zucht hielten, um ihn desto gewisser zum Gehorsam gegen den Geist zu zwingen, so mochte es wohl Gott wohlgefällig seyn. Selbst Paulus der erleuchtete Weltapostcl schreibt in seinem I. Briefe an die Colosser: „Ich züchtige meinen Leib und bezähme ihn, damit ich nicht, indem ich andern predige, selbst verwerflich werde." *") JoShofcn, ein am linken Donauufer gelegenes Pfarrdorf, Bisthums Eichstädt, eine Stunde von Neuburg entfernt. Die auf einem Felsen hart an der Donau gelegene Kirche ist in weiter Ferne ersichtlich und besitzt einen Partikel des heiligen Kreuzes, zu dem früher stark gewallfahrtet wurde. St. Salvator oder „Unser Herr", ein bei Hngolstadt gelegenes Psarrdorf imBisthume Eichstädt, mit einer früher stark besuchten Wallfahrt. Lechfeld, ein ober Augsburg in Schwaben gelegenes Dorf mit einem 16L4 gestifteten Fran- ettctmkrklester und einer stark besuchten Wallfahrt z» Maria Hilf. 195 Dessen ungeachtet aber glaubte sie keineswegs, wie bisweilen weibliche Religiosität zu glauben pflegt, daß in jenen unaufhörlichen Uebungen, im Beten und Kasteien das ganze Wesen der christlichen Frömmigkeit und Vollkommenheit bestehe, nein, die meiste Sorgfalt verwendete sie, wie es alle ihre Schritte aussprachen, auf die innere Pflege der Tugend und jenen Dingen recht nachzukommen, die vom göttlichen Gesetze oder vom heiligen Evangelium selbst vorgeschrieben sind. Die Wahrheit des apostolischen Grundsatzes: „die wahre Frömmigkeit ist zu allem nütze," zeigte sich auch bei ihr im vollsten Lichte; denn sie war stets heiter und fröhlich und so viele Zeit sie auch den Uebungen der Andacht weihte, versäumte sie doch ihre zeitlichen Geschäfte keineswegs. Magdalenens Krankheit, Tod und Begräbniß. Sprach die fromme Fürstin ihre hohen Tugenden so deutlich in ihrem Leben aus, so mußte wohl ihr Sterben dieselben noch mehr bewähren und anschaulich machen. Hier am Sterbebette zeigen sich ihre Tugenden im hellsten Lichte und in der schönsten Einigung. Hier wird man erst den Geist, der in ihr wohnte, in seiner ganzen Eigenthümlichkeit kennen lernen. Nicht ungeprüst wollte der Herr seine Dienerin lassen und stellte sie daher auf eine strenge Probe, ob sie auch mit ihm leiden und als ein reines Gold befunden werden könnte. Schon im Monate August des Jahres 1627 ward sie von einem hitzigen Fieber befallen, welches eine langsame Auszehrung zur Folge hatte und ihre Geduld und Gottergebenheit auf eine strenge Probe setzte. Dreizehn Monate lang litt sie, aber mit unermüdeter Geduld und Standhastigkeit, und ihr ausharrender, heiterer Muth ging bis zum Erstaunen. Anfangs hatte die Krankheit nichts sehr Beunruhigendes, endlich aber fühlte sie, daß die Gefahr immer näher komme und daß die Stunde ihrer Auflösung herannahe. Wie sie bisher bei allen Gefahren männliche Unerschrockenheit bewies, so verrieth sie auch jetzt, nachdem sie von den Aerzten und ihrem Beichtvater die Nothwendigkeit zu sterben vernommen hatte, nicht die geringste Furcht. Beinahe lächelnd vernahm sie die Botschaft ihrer baldigen Auflösung und sprach zu ihrem Beichtvater: „Ich fürchte mich nicht vor dem Tode, daher glaube ich, daß ich bald sterben werde." Man hörte keinen Seufzer aus ihrem Munde, sie hatte das Cruzifirbild vor sich und in der Fülle des Trostes, den sie aus dieser Quelle sog, schien sie körperliche Leiden wenig zu achten. Ein neuer Beweis, daß der Geist Jesu die wahre Quelle der Heiterkeit sey. Um nun daö irdische Leben mit so heiligem Sinne zu beschließen, als sie es geführt hatte, entschlug sie sich aller irdischen Gedanken, Sorgen und Besuche und ihr Geist versank immer mehr in das Vorgefühl des Ewigen. Selbst der Anblick ihres einzigen geliebten Sohnes, Philipp Wilhelm, den kindliche Ehrfurcht, Liebe und Dankbarkeit fast nicht vom Sterbebette der theuersten Mutter ließen und Thränen der Wehmuth ihm auspreßten, konnte ihre Standhastigkeit nicht erschüttern. Er erhielt noch von ihr den letzten mütterlichen Segen und Ermahnungen. Was sie ihrem Gemahle, der sich nothwendiger Angelegenheiten wegen in Düsseldorf befand, noch zu sagen wünschte, übertrug sie ihm und ihrem Beichtvater. Letzterm trug sie noch besonders zwei Sachen auf. Erstlich, daß er die Formel des katholischen Glaubensbekenntnisses, welche sie selbst geschrieben und beständig bei sich trug, auf ihre Brust lege und mit ihrem Leichname sie in die Gruft gebracht werde; zweitens aber, daß ihr Leichnam unter Gebet der Geistlichen und des Volkes, ohne Lobrede oder rauschendes Gepränge, in aller Stille in die Hofkirche gebracht werde. Jetzt verlangte sie, daß beide im Gebete sich mit ihr unterhalten sollten. Man betete den Rosenkranz, die Marianischen Tagzeiten, Litaneien und Sterbgebete. Am 25. September zur gewöhnlichen Stunde des Abendessens sprach sie nochmal mit männlicher Standhastigkeit: „Jetzt wird eö Zeit zum Abendessen, ich möchte nochmals das heilige Abendmahl empfangen." Sie söhnte sich nochmal durch daö heilige Sacrament der Buße, um möglichst rein vor dem ewigen 196 Richter zu erscheinen, mit Gott aus und empfing dasselbe mit aller Inbrunst und Andacht, so wie die heilige Oelung. Hierauf betete der Priester bald lateinisch, bald deutsch ihr vor und sie ihm nach. Manchmal unterhielt sie sich mit ihrem gekreuzigten Erlöser oder seiner jungfräulichen Mutter, sprach den Namen Jesus ost mit sichtbarer Rührung aus, umfing und küßte mit Innigkeit öfters das Sterbekreuz, faltete ihre Hände auf die Brust und antwortete noch mit vollem Bewußtseyn auf den Versikel: „Lsto turris tortiw- cliriis! » kaeis inimiei." So oft der Priester von Ergebenheit in Gottes heiligen Willen sprach, antwortete sie Amen, und zum Beweis ihrer letzten Aufopferung in den göttlichen Willen rief sie nochmals mit schwacher Stimme: Amen, Amen, neigte das Haupt und es war geschehen. Ohne einen harten Zug, ohne Todeskampf wie es schien, entschlief sie sanft am 25. September 1628 Abends 7 Uhr an einem Sonntage uud ihre Seele erschien vor dem Richterstuhle des Gekreuzigten, den sie ihr ganzes Leben hindurch so sehr geliebt hatte. Hiemit war die Tochter nach Versluß von zwei Jahren ihrem Vater in das Grab gefolgt. So endete die beste Fürstin ihre Pilgerfahrt durch dieses Leben im einundvierzig- sten Jahre ihres Lebens und im fünfzehnten ihres Ehestandes. Stets strenge gegen sich, wohlthätig gegen Andere, demüthig und bescheiden bei ihrer Größe; Hohen und Niedrigen höchst liebens- und verehrungswürdig, gegen Alle gütig und wohlwollend, kurz wie sich ein bewährter Zeuge ihres Lebens ausdrückt, eiu vollendetes Bild christlicher Tugend (wie es nur einem Menschen möglich), das von der Mit- und Nachwelt wohl bewundert und nachgeahmt, aber nicht leicht erreicht werden kann. Die schönste Lobrede auf den Tod der Verklärten war die allgemeine Trauer, die ihr Tod verkündete. Kaum war nämlich ihr Hinscheiden bekannt, so brach Alles in Thränen aus. Die Armen und Nothleidenden jammerten laut durch die Straßen: O Gott, unsere Mutter ist hinweg! Unter dem Hofe aber, der um die Sterbende in dumpfer Wehmuth zusammengeströmt war, hörte man nur Eine Stimme, daß sie noch keinen Menschen gesehen hätten, der so fromm und christlich gestorben sey, wie Magdalena. Jeder wollte nun Lobredner der erblaßten Tugend seyn und erzählte die edlen Handlungen der Fürstin und offenbarte was er wußte und unzählige Werke kamen nun an das Licht, die ihre Bescheidenheit mit dem Schleier der Verborgenheit bedeckt hatte. Wenn aber der Tod nur eine Geburl zum ewigen Leben ist und der Christ nicht stirbt, sondern göttliches Leben in sich hat, kann man da nicht sagen, daß Magdalena indem Augenblicke, als sie das irdische Leben beschloß, erst recht angefangen habe zu leben? Am 8. Oktober wurde ihr Leichnam, nachdem er fünfzehn Tage lang ausgesetzt war, in einem schwarzen religiösen Kleide, das sich die Selige bei Lebzeiten selbst verfertigt hatte, in Gegenwart des Prinzen Philipp Wilhelm (ihr Gemahl befand sich noch in den Niederlanden), auf den Schultern der Jesuiten, unter den üblichen Leichengebräuchen und dem lauten Klagen uud Thränen der Hofleute und Einwohner der Stadt, deren Jammern und Schluchzen sich in den düstern Ton der Kirchenglocken vermengte, in die Fürstengruft der Hofkirche gebracht. Herzog Wolfgaug Wilhelm, den dringende Angelegenheiten in Düsseldorf zurückhielten, da er von der bedenklichen Lage ihrer Krankheit in Kenntniß gesetzt wurde, ließ als ihr zärtlicher Gatte alles aufbieten, um sie beim Leben zu erhalten, und hätten menschliche Pflege und Sorgfalt die Kranke retten können, sie hätte gewiß nicht so schnell im Grabe modern müssen. Er ließ in den Kirchen, im Waisenhause, in den Krankenhäusern um Wiederherstellung ihrer Gesundheit beten, aber es war vergebens, sie genas nicht mehr. Als er nun die Nachricht über den großen Verlust seiner Gemahlin erhielt, wer schildert die Trauer dieses Fürsten? Dem größten Schmerze sich überlassend war er hierüber ganz untröstlich und beweinte bitter unter einem Strome von Thränen diese musterhafte Frau, die ihm beständig so liebevoll zugethan war. Jetzt erst erkannte er den erlittenen unersetzlichen Verlust in seiner ganzen Größe. Der große Eindruck, den dieser Todesfall auf ihn machte, geht aus nachstehendem Briefe, 197 den er an seine in Höchstädt residirende Mutter schrieb, am Besten hervor. Derselbe lautet: Durchlauchtige Fürstini Euer Gnaden sind mein Söhnlicher Gehorsam und was ich in schuldiger Treue mehr Liebes und Gutes vermag, jederzeit zuvor. Gnädigste, geliebte Frau Mutter! Euer Gnaden kann ich aus hochbekümmertem Herzen klagend nicht verhalten, daß mir gestern von meinen zu Neuburg hinterlassenen Räthen Bericht zugekommen, daß eö den 24. dieß sich mit meiner weiland freundlichen, herzliebsten Gemahlin, der durchl. Fürstin Frau Magdalena Pfalzgräfin bei Rhein, in Bayern, zuJülich, Eleve und Berg Herzogin, Gräfin zu Veldenz, Sponheim der Mark Ravensberg und Wörs, Frau zu Rauhcnstein, geborne Pfalzgräfin bei Rhein, Herzogin in Ober- und Niederbayern, ziemlich lang verharrter Leibesschwachheit, ein gar zu gefährlicher Zustand sich angelassen und daß darauf Ihr Liebden, den folgenden Tag, als sie noch vorher gebeichtet, auch der heiligen Sacramente des Altares und der letzten Oelnng theilhaftig geworden, diese Welt gesegnet und hoffentlich in die ewige Freude ihren Eingang genommen. Als ich dann den Allmächtigen bitten unv hoffen will, seine Allmacht werde Ihrer Seele in Gnaden mildiglich pflegen und ihren Leib an dem großen Tage neben mir und Allen, so im rechten Glauben und christlicher Liebe gottselig dahin sterben, eine fröhliche Auferstehung zu dem ewigen Leben verleihen. Und weil ich hier eine solche tugendhafte und heilige Fürstin und Ehegenossin zeitlich verloren, deren Gottesfurcht, Verstand und Tugenden allgemein bekannt sind, und der liebe Gott mir zu meinem höchsten Troste fünfzehn Jahre gegönnt hat, so haben Euer Gnaden leicht zu ermessen, wie schmerzlich mir solcher Verlust, da ich ihrer gottseligen und getreuen Anwohnnng nun auf dieser Welt beraubt seyn muß, sehr zu Herzen gehe. Dabei ich mich doch mit dem tröste, daß, obwohl der neidige Tod auf dieser Welt mich solcher gelreuen Gemahlin beraubt hat, dennoch derselbe nicht so mächtig seyn kann, mich der gewünschten und fröhlichen, auch Allen im rechten Glauben und in der Liebe des Nächsten absterbenden Christen, der versprochenen und von Christus selbst erworbenen Zusammenkunft, so ich in dem ewigen Leben, Freud und Herrlichkeit hoffe, zu berauben. Den Allmächtigen von Herzen bittend, daß er mich und Allen zu ihm gefälliger Zeit eine selige Nachfahrt verleihen und inmittels mich und meinen lieben Sohn, so dieses allzufrühen Absterbens halber betrübt ist, mit seinem starken Troste beistehen und das schwere Kreuz und Herzenleid tragen und überwinden helfe; auch mich und alle, also auch Euer Liebden vor dergleichen und andern leidigen Zuständen und Beschwerden mildiglich bewahren und des ausgestandenen schweren Leides in anderweg erfreuen möge. Welches Euer Gnaden ich im Söhnlichen Gehorsame also anfügen wollte, Deren ich mich zu beharrlicher mütterlicher Huld nebst den Meinigen gehorsamst empfehle Düsseldorf, den 30. September 1628 gehorsamer Sohn Wolfgang Wilhelm, Pfalzgraf. Im Monate Juli des folgenden Jahres 1629 kam der Herzog nach Neuburg und gleich nach seiner Ankunft am 8. Juli wurden die Leichengottesdienste für seine verstorbene Gemahlin mit größter Feierlichkeit gehalten. Ein langer trauervoller Zug bewegte sich am genannten Tage still und langsam von der Residenz aus durch die Hauptstraße der Stadt nach der Hofkirche; der ganze Hof, die Bischöse Heinrich von Knöringen von Augsburg, Johann Christoph von Westerstetten von Eichstädt und Albert Törring von Regensburg, so wie die Reichsprälaten von St. Ulrich in Augsburg und von Kaisheim, nebst einer ungemcin großen Anzahl naher und serner Geistlichen, dann die Gesandten der fürstlichen Verwandten und eine unzählige Menge theilnehmender und gerührter Menschen aus a-llen Ständen von nahe und ferne wohn- 198 ten demselben an. So langte man bei der Kirche an, die ganz mit schwarzen Tüchern ausgeschlagen war, auf welchen sich verschiedene Sinnbilder und Inschriften, die sich auf die Verstorbene bezogen, befanden. Im Chor der Kirche war ein prachtvolles Trauergerüste errichtet, das auf acht Säulen ruhte und beinahe die Höhe der Kirche erreichte. Neben demselben standen auf Pyramiden mehrere Kronen, Wappen und sinnbildliche Darstellungen der Tugenden der Verewigten. Auch war das Ganze aufs Glänzendste erleuchtet und gewährte dem Auge einen äußerst imposanten Anblick. Nun begann das Todten-Officium, langsam und düster ertönte dabei der Psalmen- gesaug der zahlreichen Priester. Nach dessen Beendigung hielt der Bischof von Augsburg als Ordinarius den eigentlichen Gottesdienst, unter welchem die übrigen Bischöfe und Prälaten das heilige Versöhnungsopser darbrachten. Auf denselben folgte die rührende und inhaltreiche Trauerrede, welche der Hosprediger P. Leonhard Creder, ein ein sehr geachteter Redner, hielt. Diese ließ dem allgemeinen Verlangen nach der Herzog drucken und sie fand reißenden Absatz, so wie auch die Inschriften sehr stark gesucht und abgeschrieben wurden. Der ganze prächtig veranstaltete Trauerapparat war keineswegs leereö Gepränge, er errinnerte an einen großen, allgemeinen, unersetzlichen Verlust, erneuerte das Schmerzgefühl, erschütterte die Herzen aller Anwesenden und feuchtete aller Augen mit Thränen. Als am folgenden Tage der Gottesdienst eben so wie an dem vorhergehenden abgehalten war, so begab man sich in die Fürstengrust hinab. Besonders rührend und ergreifend war nun der Anblick, wie die versammelte Volksmenge tief in der Seele gerührt sich zu der Grabstätte der Seligen drängte, aber eS durfte Niemand hinabgehen, außer die anwesenden Fürstenspersonen, die infulirten Häupter und jene Jesuiten, die als Leichenträgcr bestimmt waren. Man stelle sich die Empfindungen des Bischofes von Regensburg vor, der vor zehn Jahren in Gegenwart eben dieser Fürstin diese Gruft eingeweiht hatte. Als man zu dem Sarge kam, verrichtete der Bischof von Augsburg die gewöhnlichen Kirchengebete, die von den Anwesenden beantwortet wurden, und die Jesuiten trugen die Leiche auf ihren Schultern an den für sie bestimmten Platz. Einfach und bescheiden, wie sie im Leben gewesen, ist auch ihr Grab: ein kleines früher zugemauertes Gewölbe linker Seits des Gruft- Altares, vor welchem früher die aus braunem Marmor verfertigte Statue der heiligen Magdalena mit der Aufschrift: „Uic jscet NgZäalona bavsra lulläatri'x", die gegenwärtig in der Kirche oben zur linken Seite des Hochaltares ober ihrem Grabe ist, aufgestellt war. Lange wurde der Sarg, da eine Mauer vor dem Gewölbe aufgeführt wurde, vermißt. Erst im Monate October 1819 wurde derselbe entdeckt. Er ist von polirtem Zinn und enthält auf seinem Deckel folgende Inschrift: .MsZclslens Kuilkelmi V et kengtse utriusczus Lsvsrise «Ziioum lllis, Wolsgsngi (-uilnelmi dom. ?sl. vsv. 5ul, Lliv. Nont vueis eonjux, «sts Uonsollii snno AII)l.XXXVII IV Aon. lul. Obiit pie et caltwlice Neoburgi aä vsnudium 3imo NVLXXVIII VII Lsl. 0et." *) Ober der Inschrift ist ein Kreuz, unter derselben ein Todtenkopf eingegraben. Ihr Herz aber behielt einbalsamirt in einem silbernen Gefäße ihr Gemahl in seinem Kabinete bei sich. In Folge seines letzten Willens kam dasselbe nach seinem Tode 1653 ebenfalls in die Gruft der Hofkirche zu Neuburg mit folgender Inschrift: VVoI.fssnZVs VVIl.köImVs prlnLeps neobVrgensIs pstrlas et soLletstl lesV Lor plo sllectV I.eZ»t. **) Es ist jedoch nicht mehr daselbst vorhanden, sondern befindet sich nebst den Eingeweiden in einer Flasche von Zinn mit der Aufschrift: Lor et visoera Nanse NsZ- -) Magdalena, Tochter Wilhelm V. und Renatas, Herzogs von Ober- und Niedcrbayeru, Gemahlin Wolfgang Wilhelms, Pfalzgrafen bei Rhein, Herzogs von Bayern, Jülich, Clcve, Berg. Geboren zu Mimchen 153S den 4. Juli, fromm und katholisch gestorben -u Neuburq an der Donau 1623 am 25. September. / > » -) Wolfgang Wilhelm Herzog zu Neuburg widmet dem Vaterlande und der Gesellschaft Jesu mit frommem Gefühle dieses Herz 16SS. 189 «Zslense Lom psl. kkem vuciss» kojosriav 1629 in der pfalzncuburgischen herzoglichen Gruft zu Launigen.*) Aus Veranlassung dcS Rectors am Neuburger Gymnasium, Carl Resch, alö Officiator der Hofkirche, wurde am Allerseelentage 18l9 in der verzierten und beleuchteten Gruft ein Seelengotteödienst gehalten, wodurch sich jener das mit Dank anerkannte Verdienst erwarb, das Andenken an die vormaligen herzoglichen Personen Neu- burgs erneuert zu haben, welche Gedächtnißfeier ehedem am St. Loreuz und Asratage bei geöffneter Grnst und schwarz dekorirten Altären mit Vigil und Seelamte alljährlich gehalten wurde. Dieser Seeleugottesdienst wird noch alljährlich am Tage aller Seelen in der geöffneten Gruft gehalten. Schluß. Und nun zum Schlüsse möchte ich diese Biographie nicht ohne alles Zeugniß in die Welt entsenden, und daher ein paar unverwerfliche Zeugnisse für die ungeheuchelte Tugend und Seeleugröße Magdalenens anführen. Ein durch Adel und Würde sehr ausgezeichneter Mann, protestantischer Religion, welcher sehr oft Gelegenheit hatte, die Herzogin im Leben, so wie auch bei ihrem Tode genauer kennen zu lernen und zu beobachten, scheute sich nicht zu sagen: „wenn ich je Heilige im Himmel verehren und sie um ihre Fürbitte anflehen wollte, so würde ich mir keinen andern Schutzheiligen wählen, als die Herzogin Magdalena." Als Gustav Adolph König von Schweden mit seiner Gemahlin Marie Eleonore am 13. Octobcr 1632 nach Neuburg kam und die Hofkirche und das Jesuiten - Colle- gium besichtigte, blieb seiue Gemahlin bei dem Porträte der verstorbenen Herzogin Magdalena lange stehen und rühmte die erhabenen Tugenden und außerordentliche Gottseligkeit dieser frommen Fürstin mit großer Beredsamkeit und unter den herrlichsten Lobsprüchen. Gewiß wahrhaft redende Beweise von den Tugenden der Verklärten, für den Adel ihrer Seele, die Frömmigkeit ihres Herzens und die Erhabenheit ihres Geistes. So war das zwar kurze aber an edlen Thaten reiche Leben einer Herzogin beschaffen, die von Fürsten und Volk, von Katholiken und Protestanten, von Allen, die sie kannten, bewundert und geliebt, als Fürstin, Gattin und Mutter gleich verehrungswürdig uns erscheint. Ihr Ringen und Streben hatte das Ziel erlangt, der Schöpfer rief sie zu sich und wir dürfen unö der angenehmen Hoffnung hingeben, daß sie eingegangen ist in die ewige Herrlichkeit und den vergänglichen irdischen Glanz gegen den unvergänglichen himmlischen Glanz vertauscht habe. Entdecken wir aber eine Aehnlichkeit unserer Neigungen und Gesinnungen mit den ihrigen, einen harmonischen Einklang mit den Gesiunungen und Handlungsweisen, eine eigentliche Geistesverwandtschaft, dann ist unser Herz nicht nur angesprochen, eS wird angezogen, durchdrungen von Verehrung und Liebe gegen eine solche, zwar ^ugekanute, aber uns deuuoch theuer gewordene Person und unser Geist schwingt sich hinüber ins bessere Land, wohin sie längst geschieden ist, um mit ihr einen ewigen Frenndschaftsbnnd zu schließen. Ihr Andenken wird, wie daS deS Gerechten, stets gesegnet seyn. Sie ist zwar nicht heilig gesprochen, doch wenn Gott ihr, wie nach ihrem irdischen Leben zu erwarten, die Krone deS ewigen Lebens für ihre Treue gegeben, so ist sie ja auch unter denen, die wir an dein Tage aller Heiligen anrufen. Möge sie auch für uns bitten. S p e y e r. Speyer, 14. Juni. Die Mission gewinnt einen außerordentlichen Fortgang. Die Zuhörer wechseln unverändert zwischen zwei bis vier Tausenden. Die Abenv- vorträge weisen regelmäßig letztere Zahl auf; nur zwei Tausend mögen erst ein- und ") Das Herz «nd die Eingeweide der Maria Magdalena, Psalzgräfin bei Rhein, Herzogin in Bayern 1SSS. 200 das anderemal zugegen gewesen seyn. Der Eindruck ist tief, die Theilnahme allgemein. Das Erschütterndste aber und der Beweis der nachhaltigen Wirksamkeit ist besonders dieß, wenn die Tausende von Menschen Abends gegen 9 Uhr aus dem Dome heimziehen, so still, so in sich gekehrt, daß man kaum ein Gemurmel hört. Da besonders drückt sich so recht der Contrast zwischen einer solchen Versammlung und einer demokratischen aus. Letztere speculirt nur mit den menschlichen Leidenschaften und erregt sie; diese dagegen regelt und beschwichtigt sie. Daher der ingrimmige Haß dieser Leute. So rief voll Unmuth dieser Tage ein rothbärtiger Gesinnungs- mann am Dome: So lange noch das Volk von diesen Jesuiten sich gängeln läßt, erhalten wir keine Republik! Auch bei Protestanten findet die Mission Anerkennung. Gestern Abend kam noch Pater Schlosser an. Pater Noder hat sich schon Blutspeien angepredigt. Alles war tief ergriffen, als er gestern mit seiner „crstorbenen" Stimme, wie er sagte, nur noch halb vernehmbar, aber durch sein Auftreten allein schon hinreißend und belehrend, die Pflichten der Eheleute vor 3000 bis 3500 Menschen in eben so zarter als tiefer und wahrer Weise auseinandersetzte. Noch kein Wort kam vor, das den Feinden der Mission zu Verleumdungen oder Verdächtigungen Anlaß geben könnte. Wäre nicht eben die Zeit des TabaksetzenS, mit dem alle unsere Landleute vollauf zu thun haben, der Tempel wäre zu klein, und wir müßten ins Freie ziehen. Ob bis Morgen und Fronleichnamstag es nicht so der Fall seyn wird, steht dahin. (M. I ) _ Köln. Köln, 15. Juni. Heute feierte der von Herrn Domvicar Kolping gegründete und geleitete Gesellenverein in der Minoritenkirche sein Stistungssest. Der hochwürdigste Weihbischof Dr. Buudri hielt das Hochamt und reichte nach der Communion an 300 jungen Mitgliedern dieses Vereines das heilige Abendmahl. Die Haltung dieser jungen Männer machte auf die Anwesenden, welche die große Kirche fast ganz füllten, einen höchst günstigen, ja rührenden Eindruck. Während der ganzen Feier wurde eine einfache Choralmesfe durch Vereinsglieder mit einer Kraft und Präcision gesungen, daß die Vorzüge des alten Chorales auch dem wärmsten Freunde der neuen Kirchenmusik einleuchten mußten. Diesen Abend wird im Locale deS Ge- sellenvereineS eine Versammlung stattfinden. (M. I.) Großbritannien. London, 16. Juni. Von Seiten seeleneifriger Hochkirchler ist bekanntlich für die Dauer der Industrieausstellung Fürsorge dafür getroffen, daß von protestantischen Predigern in verschiedenen Sprachen gepredigt wird. Es sind gegen zehn fremde Prediger hier anwesend. Für die Katholiken predigt der Pater Ravignan aus der Gesellschaft Jesu. Die Sache hat einem bekannten Puseyiten, dem Rev. W. Richards, Anlaß zu einem ächt puseyitischen Schreiben an den Bischof von London gegeben. Er sagt: dadurch, daß mehrere anglicanische Pfarrer protestantischen Predigern erlaubten, in ihren Kirchen zu predigen, werde in den Augen Europa'S die „apostolische Kirche von England" den „modernen protestantischen Serien" gleichgestellt. Er verweist dann auf einen Canon, der dadurch verletzt werde. Die Sache sey ganz anders, wenn Pater Ravignan in einer anglicanischen Kirche predigen wolle: ihn sehe die englische Kirche als einen Priester der „allgemeinen Kirche" an, er brauche nur gewisse in jenem Canon angegebene Artikel zu unterschreiben, um in der englischen Kirche alle priesterlichen Functionen vornehmen zn können; protestantische Prediger dagegen könne die englische Kirche nur als Laien betrachten. Diese Auffassung ist sehr merkwürdig, und consequent puseyitisch. Der Bischof von London ist vorsichtig genug gewesen, nicht darauf einzugehen; er hat einfach geantwortet, die Sache solle untersucht werden. Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. Verlage-Inhaber: F. C. Kremer.