Eilfter Jahrgang. Sonntags-Beiblatt zur Augsburger Pojheitung. ^t.^slZllf ikH Ztt ,^i?!'kli^ Kkvn l'HttMsMi!?» ltNiiA L9. Juni M^- 2«. ^851. Dieses Blatt erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der halbjährige Abonncmentsvrcis M kr., wofür es durch alle königl. bayer. Postämter und alle Buchhandlungen bezogen werden kann. Die Katholiken in Holland. Amsterdam, 3. Juni. Unter diesem Datum hat das „Univers" Briefe auS Holland erhalten, welche Ereignisse der traurigsten Art verkünden. Wir bedauern, fügt das angezogene Journal hinzu, daß das Gesetz des Unterzeichnens unS nicht erlaubt, sie so mitzutheilen, wie wir sie empfangen haben. Indem wir sie jedoch zu den unsrigen machen, wollen wir zuerst beiläufig bemerken, daß die folgenden Mittheilungen aus einer Quelle fließen, welche allen Glauben verdient. Es ist eine ausgemachte Thatsache, und in Holland selbst hegen viele in den politischen Angelegenheiten erfahrene Männer keinen Zweifel mehr, daß im Schooße des holländischen Protestantismus eine große Arbeit vorgenommen wird, deren Ziel sehr einfach, wenn auch die Art und Weise, wie man dasselbe zu erreichen sucht, sehr mannigfach ist. Man will nämlich den Katholicismus vernichten, oder ihn zum wenigsten so knechten, daß seine gänzliche Zerstörung — so schmeichelt man sich — nach einiger Zeit nicht ausbleiben kann. Die großen Begünstiger dieses Unternehmens sind jedenfalls die geheimen Gesellschaften, aber sie sind eS nicht allein. Zuvörderst wollen wir einige Symptome andeuten, welche das verrathen, was im Rathe der Rädelsführer, die der Haß gegen Rom fast verzehrt, vorgeht; hieraus kann man ungefähr schließen, welches Loos man den Katholiken der Niederlande zu bereiten sucht. Lassen wir aber denen Gerechtigkeit widerfahren, welchen diese gebührt. Man wird sich wahrscheinlich wundern, wenn wir behaupten, daß dem liberalen Ministerium und einer großen Anzahl von Männern, welche die liberale Partei in den Generalstaaten repräsentiren, besonders die Achtung der holländischen Katholiken gebührt. Hier ist die Mehrzahl der Mitglieder der liberalen Partei weit entfernt, so absolut zu verfahren, weder in ihren Grundsätzen, noch in ihren Bestrebungen, noch auf sonst irgenv eine Weise. Ueber das Ende, welches der Liberalismus im absoluten Sinne nimmt, kann man sich keine Illusionen machen. Die in jenen Ländern, wo der absolute Liberalismus zur Herrschast gelangt ist, gemachten Erfahrungen haben es gezeigt, wenn die Theorien es auch nicht bezeugten. Der Liberalismus der holländischen Regierungspartei ist von diesem jedoch himmelweit verschieden. Durch den Einfluß des Charakters der Nation modificirt und gemäßigt, ist der Liberalismus in den Niederlanden sehr gelinde, und strebt durchaus nicht nach der Verwirklichung der unsinnigen Träumereien der Staatssuprematie, welche ihn in andern Ländern überall auszeichnen. Die Bestrebungen eines niederländischen Liberalen gehen, im Allgemeinen genommen, dahin, den Boden von den alten oligarchischen Institutionen zu säubern, welche der protestantischen Herrschaft allein nützten, und die dieselbe um jeden Preis fortwährend erhalten wissen wollte. Das Benehmen deS Ministeriums und der ministeriellen Partei in den Kammern läßt ebenfalls hoffen, daß sie den Wünschen der Katholiken Gerech- >tzltt»i tigkeit widerfahren lassen werden, wenn der Augenblick gekommen seyn wird, sich über die Gesetze des Unterrichtes und des Beistandes anszusprechen. Ein entgegengesetztes Benehmen würde die große Leichtigkeit vernichten, deren sich, Dank dem Geiste der Mäßigung der Regierung, jetzt Alle erfreuen, die freie Schulen gründen wollen, welche sich die Katholiken eben nicht zu allerletzt zu Nutze machen. Andererseits hat auch das Ministerium das größte Interesse, gerecht zu seyn: in den Kammern sowohl, als auch im Lande bilden die Katholiken eine neutrale Partei, deren Unterstützung vaS Uebergewicht nach der Seite hinneigt, wohin sie sich wendet. Wenn sich daö Ministerium gegen sie erklärte, so wäre der Sturz desselben unvermeidlich. ES hat zu viele Beweise von Einsicht und Klugheit gegeben, als daß es sich über die Lage täuschen oder ihr keine Rechnung tragen sollte. Aber was immer für eine gnte Meinung man auch vom gegenwärtigen Ministerium und der ministeriellen Partei in den Kammern haben mag, so würde man sich dennoch sehr täuschen, wenn man diese Partei, vu massv genommen) von jenen Irrthümern und Leidenschaften, welche den Liberalismus zum Vorläufer der traurigsten politischen nnd socialen Umwälzungen machen, befreit glauben wollte. „In keinem Lande", sagte unlängst ein Minister des protestantischen Bekenntnisses, „gibt es zwei Minister unserer Religion, welche über die allerwichtigsten religiösen Fragen dieselben Ansichten hätten." Die Ausrichtigen unter den Protestanten gestehen cö selbst ein, daß ihre Minister fast alle von rationalistischen Grundsätzen durchdrungen sind, und daß ihr Unterricht, sey es nun auf den Kathedern der theologischen Facultät, oder sey es der, der dem Volke ertheilt wird, im Grunde die Principien einer jeden übernatürlichen Religion zerstört. Wenn eS nun so in den Reihen der sich „heilige Miliz" Nennenden aussieht, welches mag der sittliche und intellectuelle Zustand der großen Menge seyn? In den protestantischen Kirchen hören sie von Christus nnr in nichtssagenden Redensarten sprechen, außerdem sind sie in gemischten Schulen erzogen, wo es in Religionssachen untersagt ist, etwas Anderes zu lehren, als die Einleitung zum Unterrichte der dogmatischen Wahrheiten. So wird denn der religiöse Glaube auf eine unaussprechliche Weise geschwächt, und geht folgeweise gänzlich verloren. Hierdurch wird natürlich auch die Zahl derjenigen immer größer, welche die StaatSomnipotenz predigen, sey cS nun in Bezug auf die Religion oder den Unterricht oder die Armenunterstützung, oder auf was immer für eine andere Sache. Man biancht wohl nicht daran zu erinnern, daß diese Anbeter des Staats-Gottes die Reihen der Armee verstärken, welche aufs Heftigste gegen die Freiheit der Kirche, so wie gegen alle anderen Freiheilen, welche von dieser eine Folge sind, in den Kampf zieht. Aus demjenigen, was im Nachfolgenden über den Charakter, wie er sich bei dem größten Theile der holländischen Protestanten zeigt, gesagt werden wird, kann man auf die Anzahl jener Götzendiener schließen. Wozu sind diejenigen, die keinen religiösen Glauben mehr haben, und, unbekümmert nm die Moralität ihrer Handlungen, thalsächlich die Heiligkeit des Zweckes procla- miren, nicht fähig? Man wird sich daher nicht wundern, wenn die eifrigsten Mitglieder und Apostel der protestantischen geheimen Gesellschaften sich gerade aus solchen Leuten recruliren. Obschon sie jedes positive Dogma, jede geoffenbarte Religion verachten, so nennen sie sich doch die Erhalter und die Vertheidiger des Protestantismus. Der Haß gegen den Katholicismus ist allerdings die Grundlage und das Verbindungsmittel dieser finstern Gesellschaften, und auf diesen Titel hin haben sie ein Recht, daran Theil zu nehmen. Der Hauptzweck dieser geheimen Gesellschaften besteht darin, die Bevölkerung deS Landes gegen die Katholiken aufzuhetzen; und um ihn zu erreichen, weichen sie vor Nichts zurück. Die Schändlichkeit der Mittel, welche sie anwenden, müßte, wie cö scheint, jedes ehrbare Herz empören, aber Thatsachen beweisen, daß sie dennoch Einfluß ansüben, selbst ans solche Leute, die ihr Rang uud ihre Stellung eines Bessern belehren, und die zum wenigsten einsehen müßten, wie gefahrvoll derartige geheime Gesellschaften in einer Zeit sind, wie die unsrige ist. Aber anstatt sich ihrem verabscheuungswürdigcn Einflüsse zu entziehen, wie cö Pflicht für sie wäre, halten 203 sie dieselben aufrecht, bestärken nnd beschützen sie. So ist es denn gekommen, daß riese Gesellschaften, welche ursprünglich aus prolestaulischen Predigern zusammengesetzt waren, welche den Verlust ihrer Revenuen noch mehr befürchteten, als den Fortschritt deS KatholiciSmnS, Leute ohne Glauben und Gesetz, denen der katholische Glaube und die katholische Moral Schrecken einjagt, nun auch eine große Anzahl hochstehender Personen in ihrer Mitte zählten. ES ist dieses wohl zu bemerken, denn diese Personen bekleiden hohe Aemter, nähern sich dem Könige, und sind seine vertrauten Freunde; sie suchen ihre eigenen Gesinnungen dem Herzen deS Königs mitzutheilen, und daS wird früh oder spät die traurigsten Folgen hervorrufen, nicht allein für die Dynastie, sondern für das ganze Land. Diese Folgen lassen sich mit Bestimmtheit vorhersehen, wenn man bedenkt, was sich unlängst in der Hauptstadt zugetragen hat. Der König gab bei seinem zeitweiligen Aufenthalte in dieser Stadt verschiedenen Personen und Deputationen Audienz. Für die Deputation der protestantischen Prediger wußte er kaum genug höfliche Worte zu finden, und munterte sie auf zum Kampfe, den sie mit den Katholiken aufgenommen hätten. Dagegen wurde die Deputation der katholischen Geistlichkeit, welche aus den achtbarsten Priestern der Hauptstadt zusammengesetzt war, kalt und auf eine so abstoßende Weise empfangen, daß in Zukunft der katholische Priester seines Charakters wegen wird Anstand nehmen müssen, sich zu den königlichen Audienzen zu begeben, in der bloßen Absicht, den König zu begrüßen. Traurige und gefährliche Wirkungen des Einflusses, den Leute, die durch die beklagenswcrthcsten Leidenschaften geblendet sind, auf ihn ausüben. Das Ministerium und die Majorität, welche dasselbe in den Kammern unterstützt, sinv eben so, wie die Katholiken, den geheimen protestantischen Gesellschaften und den Rationalisten, die den Eifer für den Protestantismus vorschützen, nm ihren Haß gegen die Katholiken zu verbergen, ein Gegenstand des Abscheues. Denn sie haben keine Hoffnung, daß der Premierminister Herr Thorbecke mit ihnen jemals gemeinsame Sache machen, oder daß er ihre Bemühungen, die protestantische Suprematie wieder herzustellen, und den Geist der Verfolgung zu erneuern, unterstützen wird. Herrn Thorbecke und seinen Freunden scheint nichts mehr am Herzen zu liegen, als Allen gerecht zu seyn, den Protestanten sowohl, als auch den Katholiken. Das mißfällt den geheimen Gesellschaften, und daher wird die Abneigung derselben gegen Herrn Thorbecke und seine Collegen von Tag zu Tag größer. Der Haß dieser unglücklichen Sectirer ist daS größte Lob, welches man dem gegenwärtigen Ministerium und seinen Freunden in der Kammer zollen kann. Wir haben schon bemerkt, daß Leute, die wegen ihres Unglaubens die Anhänger deS ausgeprägtesten Liberalismus seyn müßten, sich im Gegentheile den absolutesten Monarchisten zugesellen. Diese, nämlich die orthodoxen Protestanten, die Anhänger der Artikel der Synode von Dortrccbt, Freunde der vor der Emancipation der Katholiken im Jahre 1793 gegebenen Berfassuug, sind weit entfernt, die Hilfe, welche die rationalistischen Protestanten allen denen zu leiste» scheinen, die mit ihnen die politische und sociale Unterdrückung der Katholiken so sehr anstreben, zu verschmähen. In der Religion, in der Politik, in den socialen Ansichten haben sie untereinander Nichts gemein, kein Band, welches sie aneinander fesselt; aber der Haß gegen den Katholicismus macht alle Zwistigkeiten verschwinden, er ist daS gemeinsame Terrain, auf dem sich die entgegengesetztesten Geister erkennen und die Hand reichen. Kann man nun glauben, daß sie bald dasselbe Banner aufpflanzen, und daß die in so vielen Beziehungen unversöhnlichen Feinde nochmal den Befehlen desselben Führers Folge leisten werden? Wir befürchten eS. Die Orthodoren sprechen von den geheimen Gesellschaften mit der größten Schonung, und scheinen die Bestrebungen derselben so viel als möglich eher zn rechtfertigen, als zn verdammen. Nach dem Geständnisse einer großen Anzahl von Protestanten ist der Chef der geheimen Gesellschaft, Van Dam van Seselt, Mitglied der zweiten Kammer, moralisch vernichtet, und zwar durch die Stöße, die er von allen Seiten erhalten hat, zuletzt und besonders noch von dem Autor der Broschüre: „lllno söunro cl 5<>«-i6t6 schrote I^m'tgs," So haben nun diese Verbindungen durch ihre Organe Herrn Groen de Prinsterer, das 804 Oberhaupt einer orthodoxen Faction, eingeladen, sich an die Spitze der Armee zu stellen, welche Rom auf Leben und Tod bekämpfen, und ihre Befehle mit unerschütterlicher Treue befolgen will. ES ist also höchst wahrscheinlich, daß sich diese feindlichen Kräfte eines Tags verbinden werden, um die niederländischen Katholiken zu vernichten: diese dürfen sich sicherlich kampfbereit halten, und Europa wird ein skandalöses Schauspiel sehen. Aber an jenem Tage wird auch die Partei, die heute Holland regiert, mit den Katholiken zugleich fallen oder siegen. Nach Allem, was man hört, scheint der Augenblick eines entscheidenden Kampfes heranzunahen. Sollte es wohl wahr seyn, was man versichert, daß man bereits einen Staatsstreich vorbereitet, der die Katholiken sowohl, als auch die ministerielle Partei vernichten soll, und daß dieser Staatsstreich von einigen konservativen vorbereitet wird, die ehemals Liberale waren, und sich nun auf die Orthodoxen und einige Mitglieder der geheimen Gesellschaften stützen, und daß alle Anstalten diesen Streich, der dem Lande die Con- stitution von 1314 wieder geben soll, schon getroffen, und sogar weit vorgerückt sind? Sollte eS, wie man versichert, wirklich wahr seyn, daß man ernstlich daran denkt, das Ministerium zu entlasse», die Kammern auszulösen, und das Grundgesetz von 1348 über Bord zu werfen, daß man von Neuem erklären will, der König müsse sich zur reformirten Religion bekennen? Wir wagen es nicht zu behaupten. So viel ist aber gewiß, nnd höhern OrtS ist bereits Rede davon gewesen, daß man auf die Unterstützung einer hohen Person rechnet, welche unglücklicher Weise nur für die Protestanten Sympathien hegt, nämlich für die drei Fünftel des holländischen Volkes, und welche, wie eS scheint, die Katholiken, die übrigen beiden Fünftel der Nation, von sich abwenden will. Wir wollen indeß glaube», daß sie die Interessen deS Landes und ihrer Dynastie zu gut kennt, und daher so unglückselige Vorschläge mit Schaudern zurückweisen wird. Gott gebe, daß eS doch noch nicht so weit gekommen ist, wie man versichert, oder daß die frühzeitige Veröffentlichung so schmählicher Pläne dieselben vernichten möge. Die Lage ist eine ernste, und verdient von allen einsichtsvollen Männern der Niederlande wohl erwogen zu werden. DaS Kirchenfest in Salzburg. Gmunden am Traunsee, 3. Juni. Da ich heute von einem Ausflüge nach Salzburg komme und dort Zeuge eines großen kirchlichen Festes gewesen bin, so mag es Ihnen vielleicht lieb seyn, wenn ich dieser Feier mit kurzen Worten gedenke. Am 1. d., vorgestern, empfing der vom päpstlichen Stuhle confirmirte Fürsterzbischof von Salzburg, Maximilian Joseph von Tarnoczy, die bischöfliche Weihe, gestern daS Pallium. Der Bischof von Lavant, ein ausgezeichneter Kanzelredner, hielt am Sonntag um 8 Uhr die Predigt in der Domkirche. Leider hinderte mich meine entfernte und erhöhte Stellung in einem der beiden Oratorien des Chors, der Predigt zu folgen. Mir gegenüber nahm das andere Oratorium die bekanntlich in den Schooß der katholischen Kirche zurückgekehrte Gräf« lich von Lippe'scke Familie ein; morgen wird, wie ich vernommen, der Graf nebst zweien seiner Kinder von Sr. Eminenz dem Cardinal Fürsten Schwarzei.bcrg daS Sacrament der Firmung empfangen. Graf von der Lippe wohnt gegenwärtig ein Stündchen oberhalb Salzburg auf dem Kreuzhofe z eS ist eine wunderschöne Gegend, und besonders der Besuch des kaiserlichen Schlößchens Hellbrunn jedem Reisenden zu empfehlen. Indessen, ich habe von dem Feste in der Domkirche zu melden. Als die Predigt beendigt war, läuteten alle Glocken des DomS, und das hohe Domcapitel, der Herr Prälat von Sr. Peter mit den Geistlichen seines Stiftes, — dieses Stift hat nämlich das Vorrecht dcö unmittelbaren Anschlusses an das Domcapitel, — serner die geistlichen Räthe und Ruraldecane und vann der gesammte übrige Klerus von Stadt und Land versammelten sich in den Chorstühlen. Vor 9 Uhr zog dieser versammelte Klerus feierlich zu den sürsterzbischöflichen Gemächern (in der k. k. Residenz), S05 wo sich die an dem Acte bethciligten Bischöfe bereits versammelt hatten. Von hier auS begaben sich nun die Bischöfe mit dem KleruS in höchst feierlichem und glänzendem Zuge in die Kathedrale. Die ProccssionSordming war diese: der Träger des Capitelkreuzes mit zwei Akolythen, die fürsterzbischöflichen Alumnen, der gcsammte Säcularklerus, die Herrn geistlichen Räthe, die Geistlichkeit der beiden Collegiatstiste Seekirchen und Mattscn, die Stiftsadministration mit dem Prior von Michaelbcuern, die StiftSgeistlichkeit von St. Peter in Flocken, das Domcapitel in cgppa; nun folgten der Cardinal und der Fürsterzbischof, in Begleitung der Fürstbischöfe von Trient und von Sekkau, dcS Bischofes von Lavant und deS Weihbischofes von Salzburg. Der Fürstbischof halte ungefähr dieselbe Tracht, wie der Cardinal; ob als leggtus nsws, ich weiß es nicht. Die Handlung war überaus feierlich; ich habe gleichen und ähnlichen Festen nicht selten beigewohnt, aber ich erinnere mich kaum, diese Eindrücke empfangen zu haben. Da ich ein Pontificale Romanum bei mir hatte — Dank der Gefälligkeit eines dem Fürstbischöfe nahestehenden Priesters — so konnte ich Wort für Wort der heiligen Handlung folgen; die Kirche erscheint auch hier so erhaben und so schön, daß die bloße Lesung Geist und Herz bewältigen müßte. Dazu nun der alle Sinne dem Dienste des Geistes unterwerfende riws der Kirche, der dnrch eine fromme Strenge zugleich vollendete und geheiligte Zauber der Trachten, der Farben, der Haltung, der Bewegungen Und endlich, was den Act zu einem durchaus einzigen stempelte, die Persönlichkeit des Kardinals. Komme man, woher man wolle, glaube, denke man, waS man wolle, wer diesen Mann sieht und hört, und noch einen Funken von guter Art und reiner Bestrebung in sich trägt, dessen Herz wird er unfehlbar an sich ziehen. Der Cardinal ist ein schöner Mann, von stattlichem, schlankem Bau, er scheint jünger, als er ist, kaum verräih hier und da ein weißeS Haar, daß er die eigentliche Jugendzeit deS LebenS beschlossen hat. Er ist durch und durch Fürst, und doch ist keine Faser in ihm, die nicht von der Weihe seines hochpriesterlichen Standes durchdrungen wäre; der Fürst ist nicht dem Bischöfe gewichen, aber der Fürst ist ganz Bischof. Wer mehr will, will weniger. Der Cardinal ist aber als Bischof nicht bloß Fürst geblieben, er ist Alles geblieben, waö er je gewesen; der erhabene Kirchenfürst, der gewandte, ritterliche Edelmann ist zugleich ein überaus liebenswürdiger Mensch; ja mehr, als daö, in dem kirchlichen Oberhirtcn, in dem Manne von vollendeter reifer Weltbildung steckt noch jetzt oaS Kind, so unversehrt, so lauter, daß man den Mann kaum sehen kann, ohne die Mutter herbeizuwünschen, um mit ihr deS Sohnes froh zu seyn. Gestern, am Montage, empfing der neugeweihle Fürstbischof das Pallium. DaS Fest begann um 7 Uhr; von der Sludienkirche aus bewegte sich eine glänzende Procession zur Domkirche, voran die Zünfte, Bruderschaften, die Schulen mit Ein^ schluß deö Gymnastums, dann die Klostergeistlichen, der Pfarrklcrus, die Alumnen, die StiftSgeistlichkeit von St. Peter, daö hohe Domcapitel, dabei zwei das Pallium und die Bullen tragende Domherren, endlich der Fürsterzbischof und die übrigen Bischöfe (der Cardinal nahm an der Procession nicht Theil), und den Schluß bildeten der Gemeinderath und andere Honoratioren der Stadt. Se. Eminenz der Cardinal erschienen in der Kirche, wurden zu dem Hochaltare geleitet und begannen das Hochamt zur Anrufung deS heiligen Geistes, und nach Beendigung desselben hängte er als päpstlicher Kommissär das Pallium über die Schultern des vor dem Altare kniecn- den FürsterzbischofS. So ist also der Stuhl von Salzburg wieder besetzt. Man kann nicht sagen, daß das Fest ein ungetrübt freudiges gewesen. Wo ein Cardinal Schwarzen berg scheidet, da läßt sich unmöglich alle Trauer unterdrücken. Maximilian Joseph besitzt, wie man überall vernimmt, sehr ausgezeichnete Eigenschaften; sein Erscheinen verräth einen Mann von großer Einsicht, von ernstem Charakter und praktischer Tüchtigkeit. Er ist von mittlerer Größe, fest, behend; er erinnert an den hochwürdigsten Bischof von Münster, hat aber auch manche frappante Ähnlichkeit mit einem berühmten deutschen Cardinale, der Ihnen persönlich wohl bekannt ist. — Unter den assistirenden 206 Bischöfen, die alle mit Einschluß des WeihbischofeS auf mich einen sehr wohlthuenden Eindruck »icichten, kann ich nicht umhin, von dem Fürstbischöfe von Grätz besonders zu sprechen. Daö ist ein Mann! Welche gemessene Kraft, welche Nnhe, welche Klarheit und Einfachheit! Als ich Clemens August vor mehr als zwanzig Jahren in Münster zuerst sah, war ich ganz ähnlich berührt. „IXem.ini 5«zvumlu5" — so lautet ein Urtheil eines hohen kirchlichen Würdeträgers, der, obwohl fremd, das katholische Deutschland, wie kein Anderer, kennt. Wie der Cardinal Fürst Schwarzenberg sich über den Fürstbischof Rauscher auSspricht, darf ich vielleicht, ohne indiscret zu seyn, Ihnen nicht mittheilen. Aber da wir uns in den größten geistigen Kämpfen bewegen, so kann ich doch nicht mit vollem Stillschweigen an den größten geistigen Kräften, an den Feldherren der Kirche vorübergehen, die vielleicht bald auch die Märtyrer des neuen Deutschlands seyn werden. Erlauben Sie mir, diese Kirchenfürsten, die in Salzburg auch berathend versammelt waren, dem Geber Ihrer Leser zu empfehlen, sie und ihre Gebiete und das ganze Oesterreich. (D. Volks!).) Die Mission in Speyer. Speyer, am Abende des Fronleichnamsfestes. Die Mission der Väter Jesuiten ist zu Ende, und ich berichte Ihnen sogleich unter den Eindrücken des Tages. Wohl war schon am verflossenen Sonntage der Dom nicht fähig die Menge der herbeiströmenden Menschen zu fassen, und die Theilnahme täglich, namentlich von Baden her, besonders zum Empfange der heiligen Sacramente, im Zunehmen. Der heutige Tag aber entwickelte hier eine Erscheinung, wie sie vielleicht seit Jahrhunderten das religiöse Leben unserer Gegend nicht aufweisen kann, Wohl gegen 15,000, sage sünfzehntausend fremde Menschen, wenn nicht noch mehr, mögen sich heute dahier zusammengefunden haben. Daß der Dom nur die kleinere Menge fassen konnte, ist begreiflich. Wer Speyer und seine lange, gerade und breite Hauptstraße kennt, wird einen Begriff von der Menge erhalten, wenn ich sage, daß diese ganz voll erfüllt war, sammt dem Dome und seinen freien Plätzen. Es war darum auch im Dome selbst eine unbeschreibliche Anfüllung und Ohnmachten nicht seilen. Beim glänzenden Zuge der Prvcession konnte sich nur die kleinere Zahl gehörig entwickeln uud am Zuge betheiligen. Namentlich waren viele Mannheimer aus den bessern Ständen gekommen, so viele, daß der Eisenbahnzug nach Speyer im eigentlichen Sinne des Wortes ganz überfüllt gewesen seyn soll. DaS beste Zeugniß dafür, was die Mission in Mannheim gewirkr! Pater Roder hielt die drei Schlußpredigten, in denen er ganz ausgezeichnet sprach. Die tiefste Erregung war sichtlbar; alle, auch die härtesten Naturen wurden gebrochen. Leget Menschenfurchl ab; seyd beharrlich; liebet Christum; seyo katholisch, waren die Themata. Als er von den Gegenständen, welche er dem Gebete empfehle, in der Schlußpredigt sprach, und da namentlich unser deutsches Vaterland hervorhob, welches einstenS die auSerwählle Nation Gottes im Neuen Bnnde und der Schrecken seiner Feinde gewesen, nun aber wegen seiner Sünden so gesunken und der Spott und die Verachtung der Welt geworden sey; da mußte jedes Auge in Thränen schwimmen. So hatten sich denn die Missionäre die ungetheilte Liebe und Verehrung gewonnen. Küsse als Verehrungszeichen sind dem Pfälzcr eben nicht gelegen; als Pater Noder den Dom nach der letzten Predigt verließ, drängte sich aber Alles hin, feine Hände zn küssen. So haben denn auch die Bürger, so haben die Jungfrauen ihm nach dem Schlüsse der Mission in Deputationen feierliche Danksagungen abgestattet, die Mädchen Kränze und Guirlanden dargebracht. Welcher Enthusiasmus unter der katholischen Menge herrschte, die einer kleinen Völkerwanderung zu vergleichen war; welches selige Bewußtseyn es sey, innerhalb der Kirche einem Vereine anzugehören, der von Gott gestiftet an den Pforten der Ewigkeit steht, und selbst ewig und göttlich eine sel'ge E>vigkeit allen seinen Gliedern verbürgt: dieß konnte nnr gesehen, aber nicht beschrieben werden. Und bei dieser Menge nicht die geringste Unordnung, 207 kein Fluchen, Schelten, Stoßen, keine Trunkenheit; Aller Gesichter freudestrahlend und die Herzen friedenerfüllt — kurzum es war ein Festtag der reinsten, edelsten, ächtchristlichen Huiuauität. Derselbe Geist ging durch die Theilnehmer aus allen Classen und Bilduugsstufen. Professoren, Beamte und Taglöhner, Damen und Mägve, alle Classen und Stände waren dabei vertreten. AuerkennuugSwerth ist aber namentlich auch das edle Benehmen der protestantischen Bevölkerung, welche nicht bloß zahlreich an den Predigten Theil nahm, sondern auch nicht durch den mindesten Mißklang die Freude uud die religiöse Weihe ihrer Mitbürger uud Mitmenschen störte. Von Rohheiten oder Demonstrationen im Sinne uud Geiste der „Speyerer Zeituug" war eben so wenig etwas zu schauen, als von dem von ihr prophezeiten Glüheuden-Zangen-Zwicken der Jesuiten. So verlief sich die ganze Mission ohne den geringsten Unfall, ohne die mindeste Störung. Es war innere und äußere Harmonie. Wohl berichtet die Speyerer Zeitung vom 13. Juni: die Mission sey „gegen den Willen des Herrn v. Hohe," unseres Regierungspräsidenten, abgehalten worden, und daS rothe Blatt scheint sich etwaö zu Gute darauf zu thun, einmal mit Herrn v. Hohe einstimmig zu seyn. Wir können nicht sagen, ob DaS vollkommen begründet sey; aber EiueS wissen wir, daß eS wohl nichts gibt, was jeden Verständigen mehr über die Missionen belehren könnte, als eben diese Stellung der Demokratie zu ihr. Herr v. Höbe wird sich wohl für die Ehre bedanken, hierin mit der Speyerer Zeitung übereinzustimmen. Wir halten auch unsern Präsidenten für einen zu gewiegten Staatsmann, als daß er einen solchen Bund deS schaalsten Zvpf-BureaukratiSmuS mit der rothen Demagogie (welcher bei einem Bekämpfen oder Chikaniren, oder polizeilichen Jnvigiliren der Mission doch wieder augewendet seyn müßte) nicht in seinem Werthe und seiner rechten Bedeutung erkennen und von sich stoßen sollte. In gewissen Sphären in München mag unter bekannten Einflüssen wohl wieder die chikanöse Strategie gegen die Kirche beliebt und versucht werden; Herr v. Hohe ist nicht so befangen, in der Knechtung des Religiösen durch die Polizei das Heil des Staates zu suchen. So waren denn auch Militär- und Gcudarmeriepersonen nur als Christen an der Mission autheilnehmend zu erblickeu. Rühmend muß noch hervorgehoben werden, daß der hochwürdigste Herr Bischos und sein ganzes Capitel, so wie die gesammte Geistlichkeit der Stadt ununterbrochen allen Predigten und gottcSvienstlichen Verrichtungen der Mission beiwohnten uud durch ihr Beispiel das Volk nicht wenig erbaute». Am letzten Tage war eS trotz der hiesigen zahlreichen Geistlichkeit rein unmöglich die Beichten aller hierzu Bereiten abzunehmen. Hunderte konnten nicht ankommen. Wie eS darum mit dem kirchlichen Leben der Katholiken bei uns stehe, mögen Sie hieraus entnehmen. (M. I.) Das Vincenz- und Elisabethen-Hospital in Mainz. Dr. Heurich gibt (in den Rheinischen Blättern) folgendes kuud: „Nach mit ganz unbedeutenden Symptomen aufgetretener, kaum halbtägiger Erkrankung wurde am Abende des 3V. Mai ein hiesiger Arbeiter von der Wasserscheu befalle». Da ich mich als Arzt drmgend verpflichtet fühlte, seine Umgebung und Nachbarschaft gegen jede mögliche Gefahr so schnell wie thunllch sicher zu stellen, so verfügte ich mich augenblicklich in daS Vincenz-Hospital und muß gestehen, daß ich durch die freundlichste Bereitwilligkeit der Schwester Oberin, den Kranken augenblicklich aufzunehmen, aus das Angenehmste überrascht war. Die Schwester Oberin hat ausschließlich und ganz allein diesen Kranken gepflegt und bedient; und ich gestehe cS offen, ich bin in Verlegenheit, mit welchen Worten ich die Saiiftmuth, die Geduld, die Selbstaufopferung dieser eben so würdevollen alö demüthigen Pflegerin auösprcchen soll. Alle ärztlichen Vorschriften wurden von ihr mit so großer Pünkllichkeit, Verständigkeit, Schnelligkeit und Gewandtheit ausgeführt, daß auch der größte ärztliche Pedant nichts zu tadeln gehabt haben würde. Mehr aber vielleicht als unsere Arzneien haben die würdevollen 208 und ächtchristlichen Religionströstungen dieser frommen Schwester zur momentanen Beruhigung des Kranken in seinem furchtbaren Leiden beigetragen. Wie sehr diese frommen Schwestern von ihrem hohen Berufe durchdrungen sind, und mit welch' edler, seelenbegeistertcr Resignation sie auch ihre schwersten, gefährlichsten Pflichten freudig und wohlgemuth erfüllen, davon mußte ich mich überzeugen, als ich dieser muthigen Krankenpflegerin vorstellte, daß bei der nun weit vorgeschrittenen Krankheit die Krankenpflege des Unglücklichen nicht ohne Gefahr für sie selbst seyn möchte, und daß sie meiner Ansicht nach wohlthue, wenn sie dieselbe einem starken Manne überlasse und sie nur überwache; und sie nun mit selbstbewußtter Seelenruhe und demuthsvoller Ergebung mir erwiderte: „Meine Pflicht ist eS, die Kranken zu pflegen; und ich würde eS nicht verantworten können, dadurch einen andern Menschen einer möglichen Gefahr näher zu bringen, daß ich mich derselben entzöge. Soll mir ein Unglück widerfahren, so mnß ich es mit demüthiger Ergebung in den Willen des Herrn ertragen." Und in diesem gottergebenen Sinne handelnd, hat diese vortreffliche Frau den gefährlichen Wartedienst bis zum letzten Athemzuge deö Kranken ganz allein besorgt. Ich habe durch diese Veranlassung Gelegenheit gesunden, die übrigen Krankensäle und sämmtliche HauSeinrichtungen dieses Hospitales kennen zu lernen. In den Krankensälen begegnete ich neben der allerstrengsten Ordnung und einer bewun- dernSwerthen Reinlichkeit auch auf den Gesichtern aller Kranken dem Ausdrucke der Zufriedenheit und des Wohlbehagens in ihrer Lage. In dem ganzen Hospitale wallet der Geist der Ordnung und des innern Friedens. Glücklich die Armen — die erkrankend doppelt arm sind — wenn ihnen eine solche ausgezeichnete, tadellose Krankenpflege zu Theil wird!" Literarisches. Mainz. Wir glauben die Leser dieser Blätter auf eine kleine literarische Erscheinung, die in diesen Tagen dahier vollendet wurde, aufmerksam machen zu müssen. Als nämlich daS Cardinalbiret dem Herrn Erzbischof von Köln im vorigen Jahre überreicht wurde, erhob sich die Streitfrage, ob nicht schon früher ein Erzbischof von Köln Cardinal gewesen sey, namentlich ob nicht Hermann II., welcher vom Jahre 1035 — 1056 die erzbischöfliche Würde in Köln bekleidete, neben dem römischen Erzkanzleramte, daS ihm von Leo IX. übertragen wurde, auch die Cardinalswürde erlangt habe. Der Streit wurde anfangs in kirchlichen und politischen Blättern geführt, bis Binterim mit bekannter Gereiztheit eine ganze Broschüre schrieb, worin er eben nach seiner Weise mit apodiktischer Gewißheit nicht ohne wegwerfende Aeußerungen über die Gegner dem erwähnten Hermann die Cardinalswürde vindicirte. Dagegen hat nun Professor Hennes ein Schriftchen unter dem Titel: „Hermann II. Erzbischof von Köln" (gr. 8. S. XVI. und 54.) dahier erscheinen lassen. Die Streitfrage ist mit mit richtigem Takt in die Vorrede verlegt, und wird hier kurz und bündig dahin entschieden, daß die einzige Urkunde, auf welche Binterim sich stützt, unwiderleglich unächt sey, wie auch ein ausführlich mitgetheiltes Schreiben des berühmten Dr. Böhmer in Frankfurt, welcher bekanntlich in Bezug auf Erklärung von Urkunden die erste Autorität Deutschlands ist, mit schlagenden Gründen beweiset, so daß fernerhin kein Zweifel mehr seyn wird, daß der jetzige Erzbischof der erste von Köln ist, welcher zur Cardinalswürde erhoben wurde. Das Werkchcn selbst nun legt das Leben und Wirken Hermanns auf eine schöne und anschauliche Weise dar, bald gedrängt und in bündiger Kürze, bald ausführlich und nach Art von Episoden, wie es die einzelnen Thatsachen verlangen oder die uns überlieferten Nachrichten erlauben: überhaupt gibt es ein anmuthiges und lebendiges Bild der frommen Denkweise jener Zeit. Auch die Mainzer Geschichte wird nicht selten darin berührt, namentlich die Synode daselbst im Jahre 1049 S. 41—43. ausführlich beschrieben. (Rhein. Bl.) Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. Verlags-Jnhaber: F. C. Krem er