Eilfter «Jahrgang. Sonntags-Beiblatt zur Angsburger Pojtzeitung. 6. Juli 27. 185.1. a?ÄM!U"i i.: ,^^nk»Z> mstnttjzmkjnHiK^KlMLs^.ÄA"lütt..Mq^^vZUmZrs. Dieses Blatt erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der halbjährige Abonnementsprei« kr., wofür es durch alle königl. daher. Postämter und alle Buchhandlungen bezogen werden kann. Katholisches Leben in einer französischen Provinzialstadt. *) Vom Berge St. Quintln herab sieht man in einer geräumigen von Hügeln umschlossenen, von der Mosel in mehreren Armen durchfurchten Ebene die alte Bischofsstadt Metz an beiden Ufern und über die Inseln des .Flusses ausgebreitet liegen. Der gewaltige schwarze Dom gebietet noch jetzt in so vornehmer Ruhe über alles andere neuere Bauwerk, daß selbst die vielen starken, jetzt gegen Deutschland gerichteten Festungswerke von der Stadt den alten kirchlichen Ausdruck und Charakter nicht ganz zu nehmen vermögen. Vom heiligen Clemens herab, dessen steinerner Thron noch heute im Dom bewahrt wird, alle Jahrhunderte hindurch legen einzelne Denkmale Zeugniß ab von der bischöflichen Macht und Fürsorge, bis noch ein Bischof aus dem Hause Coislin unter Ludwig XV. eine große Caserne, die ein ganzes Stadtviertel ausfüllt, auS eigenen Mitteln erbaute, um die Bürger von der Last der HauSeinau,articrung zu befreien. Hier in Metz weilte oft unser großer erster Karl, nahe den Stammgütern seiner Ahnen, unter welchen der heilige Arnulf selbst ein Bischof von Metz war, in dem Mittelpuncte seines Reiches, in dem austrasischen Lande, daS, der treueste Ausdruck der Verschmelzung germanischen und gallisch-römischen Wesens, später von seinem Enkel Lothar den Namen für alle Zeiten beibehalten sollte. Hier auch weilte einst der vierte Karl, fern von der böhmischen, aber nahe der luxemburgischen Heimat, als er, umgeben vom glänzendsten Hofstaat aus allen wälschen Vasallenlanden, dem heiligen römischen Reiche deutscher Nation die letzten Capitel der goldenen Bulle verkündigte, in deren Eingang für eine lange Zukunft die Weissagung gilt: „Jedes in sich gespaltene Reich wird verwüstet werden, denn die Fürsten desselben sind Gesellen der Räuber geworden, weßhalb der Herr unter sie den Geist deS Schwindels gemischt hat, daß sie am Mittage wie in der Finsterniß tappen... Du Neid hast daS christliche Reich, das auf Glaube, Hoffnung und Liebe gebaut war,... in Trümmer zu stürzen versucht!" Hier endlich stand auf demselben St. QuintinSberge zuletzt noch Kaiser Karl V., als der allerunheilbarste Spalt schon durch Deutschlands Herz gegangen war, als er, selbst durch Kummer uud Kranlheit gebrochen, zur Belagerung von Metz und zur Wiedereroberung auS den Händen der Franzosen fast verzweifelnd die letzten Anstrengungen machte; aber vergeblich, denn die deutsche Nation schien ihr eigenes heiliges Reich schon nicht mehr zu wollen und ") Aus dem „Katholiken." Der vorliegende Aussatz rührt, so viel wir wissen, von einem ausgezeichneten deutschen Staatsmanne her, der einen der berühmtesten Namen der Gegenwart trägt, und dürfte das Seinige dazu beitragen, manche Vorurtheile zu zerstreue», die sich bis jetzt noch in katholischen und protestantischen Kreisen geltend zu machen suchen. 2io, ihre Fürsten glaubten bald zur Sicherung ihrer Gewissensfreiheit mit demselben feindlichen Frankreich unterhandeln zu müssen. Doch nicht um bittern Gefühlen Raum zu geben, ergriffen wir die Feder; lassen wir die stolze nationale Vergangenheit und suchen wir unter den Ruinen der Gegenwart in aller Demuth eine Stelle wieder auf, wo vor dem unbefangenen Auge, das von Nationalität, Politik und Parteiwesen abzusehen vermag, die ewig sich verjüngende christliche Cultur, wenn auch jetzt auf französischem Boden, ein tröstliches Bild kräftiger Aussaat für die Zukunft zu entfalten scheint. In der That war Metz wohl niemals eine ganz deutsche Stadt geworden; ein Kern der romanischen Bürgerschaft muß sich immer, auch unter den Merowingern erhalten haben und nur die alltägliche Ergänzung der untern Stände, der dienenden Classe besonders, die noch zur Hälfte aus der nahen Landbevölkerung emporwächst, kann daS deutsche Gepräge in den GesichtSzügen, wie im Leben des Metzer Bürger- standeS erklären. DiescS solidere, elwaö schwerfällige und altmodische Gepräge unterscheidet den Wohlstand von Metz sehr vortheilhaft von den Städen deS innern Frankreichs und selbst von manchen modernen deutschen Residenzen, die bei gleicher Größe und einer gleichen Bevölkerung vost 50,000 Seelen vielleicht mehr Intelligenz oder Anspruch darauf besitzen, aber weniger ächten Bürgersinn, weniger Einsicht in die wahren Bedürfnisse, weniger guten Geist, um dieselben mit nachhaltigen Opfern auszugleichen, Metz hat aus den Zeiten vor der ersten französischen Revolution von frühern Stiftungen wenig mehr als die Mauern der Kirchen und Hospitäler gerettet; die alten Klöster leben nur in den Straßcnnamen fort. Alle Umwälzungen, wie zuletzt auch die von 1848 haben zwar ihre glorreichen Devisen von Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit wieder auf dieselben nackten Mauern hingepinselt und durch den abstractcn Satz der Verpflichtung der Commune gegen ihre Armen in den Gesetzbüchern sich verewigt, für das Leben aber keine Hilfsquellen, sondern nur Schulden, Bedürfnisse und unstillbare Ansprüche zurückgelassen. Der Bürgersinn muß also aus sich selbst, auS seinem Jahreseinkommen, alle Mittel finden: aber zum Glück fühlen sich die Einwohner nicht blos als Bürger der steuererhebenden Civilgemeinde, sondern die Mehrzahl auch als Bürger der katholischen Welt und als solche finden sie Muth, Kraft und Freude, in dem nächsten Gesichtskreise ihrer Stadt überall zu steuern, wo der christlichen Liebe die freie Bewegung gelassen ist. Sollte ich darin zu günstige Eindrücke empfangen haben, sollten manche der Einrichtungen, die ich erwähnen werde, nicht in freiwilliger Liebe, sondern in der eisernen Noch ihren Ursprung haben, in der Furcht, in dem Vorgefühle, daß, ohne die äußersten Anstrengungen heute, die gesellschaftliche Ordnung übermorgen ein Raub deS Wahnsinnes und der Zerstörung, der Schauplatz eines modernen Sklavenkrieges werden kann; sollte endlich auch ein Einzelnes für deutsche Verhältnisse nicht maßgebend erscheinen, nun, so schätze ich Frankreich doch glücklich, daß daS Uebermaß der Auflösung dorten bereits den Anfang einer Neubildung hervorbringt, und ich erkenne es gerade als wesentlichen Vorzug an, daß AlleS so nüchtern und praktisch begonnen wird, nichts die Spuren eines vorübergehenden poetischen Aufschwunges, eines idealen ErperimentirenS an sich trägt. Uebrigens hat Metz keine eigentliche Fabrikbevölkerung, kein gefährliches Proletariat und man kann gar nicht sagen, daß örtlich die Noth so groß wäre. Ein solider Binnenhandel, mit bedeutendem Frachtfuhrwerk, reichliche Märkte und öffentliche Arbeiten verschaffen den ärmern Classen in der Regel gesicherten Verdienst. Trotz der bekannten Parteinuancen, die auch in Metz vertreten sind, ist die Bürgerschaft doch ziemlich gleichartig und verträglich, alle Fractionen sind in einem gemeinsamen Bürger-Casino (bereis) vereinigt, nur die der äußersten Rothen nicht. Von ungleichartigen Elementen ist die geringe protestantische Gemeinde von 500 Seelen kaum zu nennen, die zahlreichen Juden haben trotz der prächtigen, von den neugläu- bigcn Reichen erbauten Synagoge, in der Bürgerschaft doch keinen Einfluß; nur der eine nicht einheimische Bestandtheil, die starke oft über 14,000 Mann betragende 211 Garnison, ist für die Stadt von großem Gewichte und spielt durch die vielen einem großen Waffenplatze eigenthümlichen Anstalten, worunter die höchste Artillerie- und Gcnieschule (keole cl'gppliestion), eine bevorzugte Rolle. Die städtische Bevölkerung theilt sich in folgende Kirchspiele, wovon jedes seinen Pfarrer und mehrere Vicare hat. ^otre Dame, 8t. Mrtin, 8t. Noximin, 8t. ku- cairo, 8t. 86goIöno, 8t. Vineent, 8t. 8imon. Durch den Umstand, daß der Dom, der dem Bischof und Capitel allein gehört, keine eigne Gemeinde bildet, erklärt es sich, daß die weiten und herrlichen Hallen dieser Wohnung des Herrn an Menschen meist sehr verödet erscheinen; in den leeren Seircngängen sind Berge von käuflichen Stühlen aufgethürmt, aber trotz dem, daß täglich von den Domherren ein Hochamt gehalten und Chor gesungen wird, sind die Räume doch nur bei besondern größern Gelegenheiten oder in den Predigten während der großen Kirchenzeiten einigermaßen ausgefüllt. Die ganze innere Ausstattung, selbst Ordnung und Reinlichkeit lassen viel zu wünschen übrig und erst allmälig wird cS dem gegenwärtigen Herrn Bischof gelingen, dem praktischen WohlthätigkeitSsinn die Richtung auf diese ästhetische Anforderung zu geben. Noch weniger Hoffnung ist zum Ausbau der Kathedrale vorhanden, an deren reinem und kühnem gothischen Schwung Ludwig XV. durch ein ganz unpassendes antikes Portal und die Neuzeit durch den kindischen Aufsatz einer dünnen Spitze auf die noch stumpfe erste Hälfte des einen Thurms, sich gröblich versündigt haben. Für jetzt werden wenigstens die Glasmalereien der Riesenfenster in den Seitenschiffen nnd im Chor gereinigt und rcstaurirt. Wie gesagt, der Sinn der Metzcr ist nicht nach den idealen Höhen der Dome gerichtet; die kirchliche Heimat der katholischen Familien ist die rmroissez im täglichen Leben muß bei den Franzosen die Kunst und selbst die Wissenschaft nachstehen der Uebung, der simeti^ue. Man übt die Religion ganz oder man hat gar keine; die breite Mittelstraße wird den Deutschen überlassen. Dieß ist französische Ansicht, aber auch Thatsache, uuv gilt vorzüglich auch von der Geistlichkeit. Es wird vielleicht nicht schwer seyn aus dem Klerus von ganz Deutschland 50 Namen zu nennen, die durch Tiefe, Geist oder andere besondre Gaben in erster Linie überall anerkannt werden; aber der französische KleruS ist ganz wie auS einem Guß und verdient jetzt, wie ich glaube, seinen Ruhm der Disciplin, deS Eifers und der Sittenreinheit in hohem Grade. Ein für den heiligen Kampf geweihtes Heer, welches seit 60 Jahren unausgesetzt im Angesichte deS Feindes steht, kann wohl nicht viele Streiter zählen, die keinen wahren Beruf im Herzen, die nur zum Lebensunterhalt oder gar zu Paraden den Waffendienst gewählt haben. Das ungeheure, aber seltene Triumphgeschrei des Feindes, sobald ein Einziger, der Got- teSfahne untreu, aus dem Lager entweicht oder nur um einen Schritt sich verirrt, ist wohl die sicherste Bürgschaft für die geringe Zahl der Ausnahme und für die Solidarität der Mannözucht. Die strenge äußere Sitte, die gleichartige Tracht sind wohl nur äußere Bürgschaften und Stützen ; sie geben vielleicht nicht daS Recht, von einem anders und verschiedenartig gekleideten KleruS die geringe Meinung zu hegen, daß nur Mangel an Achtung des eigenen Standes und Menschensurcht ihn abHalle, überall und immer Priester seyn zu wollen; aber gewiß ist es, daß der französische Klerus mit jenen äußern Mitteln und mit jener rücksichtslosen Festigkeit sich zu einer unabhängigen äußern Stellung und zur Anerkennung von Freund oder Feind curchgckämvfl hat; daß die von Jugend auf geübte strenge Gewohnheit nicht bloß einen äußern Halt, sondern auch eine Schule des innern Lebens und der Demuth enthält. In der neuern Zeit, besonders aber seit der Februarrevolution ist auch die gallicanische Richtung und die bei der Geistlichkeit sehr unpassende Nalionalitätseilelleil im Abnehmen begriffen. Die Diöcese Metz, die mehr als zur Hälfte deutsch ist und mit Trier in so mannigfacher Berührung steht, bildet eine sehr erfreuliche Vermittlung beider Nationalitäten. Schon zwei Obere deS bischöflichen Seminars waren geborne Deulsche und haben sich um diese gegenseitige Verständigung wahre Verdienste erworben. Man würde sich auch sehr irren, wenn man in diesen Seminarien, welche nach den Umrissen des tridentinischen Concils, in Frankreich besonders durch die von Olier gegrün- SIS dete Schule in 8t. Sulpice ihr Gepräge erhielten, bei der Priestcrjugend Träumerei und finsteren Zwang zu finden vermuthete. Wenn einmal der Beruf erwacht, der Muth zur Vcrzichtleistuug gesaßt ist, so sind die Uebungen der täglichen Entsagung stets mit denen der größten Thätigkeit gepaart und jeder Fortschritt wird durch größere Geisteöfreihcit, Festigkeit und Ruhe belohnt. Allerdings herrscht in Frankreich nicht, wie bei der deutschen Bureaucratie, die Ansicht vor, daß die dem Priester nöthige Mcnschenkenntniß am sichersten dadurch erworben werde, daß junge Leute, bevor sie noch vorbereitet und sittlich gestählt sind, von vornherein der Wasser- und Feuerprobe eines meist heidnischen Gymnasial-Unterrichts und den Gefahren der Berührung mit jeder Gemeinheit deS Studcntcnlebens überantwortet werden. Bei aller Anerkennung für die Zahl derjenigen, welche in Deutschland auS diesen grausamen Prüfungen geläutert hervorgehen und sich gleichsam selbst erzogen haben, gibt man in Frankreich doch für die Mehrzahl dem zuverlässigern Wege der Vorbildung durch die kleinen Seminarien den Vorzug, wo immerhin den Knaben selbst und ihren Eltern eine lange und vielsältige Probe vor der Entscheidung über den Lebensberuf gelassen ist. Nur stufenweise und mit langsamer Eingewöhnung in die Weihen deS innern Lebens nähert sich der junge Priester seinem heiligen Ziel und die Welt kommt endlich mit ihm erst dann in Berührung, wenn er nichts mehr von ihr erwartet und verlangt. Daher kömmt eS, daß wie in Metz die Priester eines ganzen Sprengels derselbe Geist belebt, dieselbe Pietät gegen den Oberhirten, unter dessen Obhut und Leitung ganze Generationen ausgewachsen sind, dessen Wünsche und Entscheidungen sie wie die eineS VaterS ehren; dadurch kommt eS, daß Priester auS dieser Schule der Selbstverläugnung sich niemals zu einer Beförderung, eS sey denn Missionen über'S Meer, ungefragt melden, sondern die Entscheidung über den Ort ihres Lebens- opferS von höherer Hand abwarten. Daß aber, eben so wie die Geistlichkeit für einen Nachwuchs von gleichem Schlag bemüht ist, auch daS Volk solche entschiedene Priester schätzt und verlangt, dafür ist ein Beweis, daß der gegenwärtige Herr Bischof von Metz, der fromme und gelehrte, über alles aber milde Ns^r. vurwnt «lo5 l^ogss in diesem Augenblick denken kann, für sein Knabenseminar in der Nähe der Stadt ein großartiges Gebäude, daS auf mehrere hunderttausend Franken angeschlagen wird, allein auS dem Ertrag von freiwilligen Sammlungen in der Diöcese neu zu erbauen. (Fortsetzung folgt.) Forschungen in den Katakomben. Rom, i0. Juni. Der rühmlichst bekannte Pater Marchi aus der Gesellschaft Jesu und der Cav. Joh. Bapt. de Rossi theilen in der letzten Nummer der „Civilts Cattolica" folgenden höchst interessanten Bericht mit über ihre dießjährigen Forschungen in den Katakomben: „Wie von jeher üblich, wurden auch in diesem Jahre mit dem Verlauf deS Monats Mai die jährlichen Nachgrabungen beschlossen, welche die Päpste mit dem Gelde der apostolischen Datarie seit zwei und einem halben Jahrhundert in den ehrwürdigen Begräbnißstätten deS unterirdischen RomS anstellen lassen. 5) In den sechs verflossenen Monaten haben wir in sünf dieser Begräbnißstätten beträchtliche Arbeiten ausführen können, und zwar in der von Saiurninus in der neuen Via Salaria, von St. AgneS an der Nomentana, von St. MarcellinuS uud PetruS an der Labicana, von St. SirtuS zwischen der Via Latina und Appia, von St. PrätertatuS rechts von der Via Appia. - „Vier dieser unterirdischen Begräbnißstätten waren bereits hinreichend bekannt ") Sobald,die heiße Sommersaison eintritt, können die Arbeiten in den Katakomben ohne die größte Gefahr nicht mehr fortgesetzt werden, weil die Lust in denselben sofort Fieber erzeugt. 213 durch die Forschungen und Illustrationen der PP. VosiuS, Boldetti und Marangoni. Bei cilledcm haben unsere dießjährigen Nachgrabungen u»S die Wiedereröffnung vieler unterirdischen Straßen möglich gemacht, welche unS wieder mit Gemälden bekannt machten, die zwar von Bosins schon veröffentlicht, aber seitdem für verloren erachtet wurden. Wir erinnern besonders an die Crypta oder unterirdische Kirche des heiligen MarcellinuS und PctrnS, welche in drei getrennte Räume eingetheilt ist. Die Gemälde in derselben, obgleich wohl nicht vor der Mitte des 4ten Jahrhunderts gearbeitet, sind für die Geschichte der christlichen Kunst von großem Interesse. Vor „„Marcellinus, PetruS, GorgoniuS TiburtiuS"" findet sich nicht der Titel „„SancluS"", der nach der Meinung eines Fremden vor den Bildern von Cäcilia, Catharina und Cyriaca in den Katakomben von St. Cyriaca an der Via Tiburtina gefunden sey, und zwar sollen nach seiner Angabe diese letztem Bilder auS dem 3ten, höchstens 4ten Jahrhundert herrühren, während die Kritik, welche unS stets leitet, unö nöthigt, sie noch späicr, als aus dem 8ten Jahrhundert anzusetzen. „Wcrthvoller noch war der Fund, den wir am äußersten südlichen Ende der Katakomben deS PrätcrtatuS machten: nämlich zwei ausgemalte Grabkammcrn, von denen sich im BosiuS nicht einmal eine Ahnung findet. Wir erinnern uns nicht, daß man jemals in den Katakomben diese Verbindung der Figuren gefunden hat: nämlich einen MoscS, der mit dem Schlag der Ruthe eine Quelle auS dem Felsen entspringen läßt, die sofort zum Flusse wird: dann einen Fischer, welcher seine Angel in diesen Fluß geworfen hat und nun zwei Fische an derselben emporzieht: dann einen Mann, welcher derselbe scheint mit den beiden erstem, seine Hand legend auf daS Haupt eines nackten, wie eS scheint, eben erst aus dem Flusse aufgetauchten KindeS: den Gichtbrüchigen, welcher eben gesundet, sein Bett auf den Rücken nimmt und wandelt: zuletzt einen Tisch, an dem Mehrere wie zum Mahle fitzen. Also eine Andeutung der vier ersten Sacramente, der Taufe, Firmung, der Eucharistie und der Buße. „Eben so lehrreich waren die Entdeckungen in den Katakomben von St. SirtuS, in welche wir seit mehreren Jahrhunderten zuerst wieder eindrangen, indem wir unS vermittelst einer alten Sandgrube, welche unS auf Katakomben zu deuten schien, den Eingang dazu bahnten. Außer den wiederholten Bildern deS heiligen PetruS und Paulus trafen wir das Bild deS heiligen Sirius. Auch hier war das 8018 nicht vor die Namen Petrus, Paulus und Systus gesetzt, obgleich die Bilder schon spät, etwa auS dem Ende deS 4ten Jahrhunderts sind. In dem Bogen über genannten Bildern ist eine allegorische Darstellung der Geschichte der keuschen Susanna. Ein Lamm in einer gewissen, Scheu verrathenden Stellung geht in der Mitte und über demselben bemerkt man die Worte: 8us3nns. Zwei reißende Wölfe nähern sich grimmig, um jeneS in Stücke zu zerreißen, mit der Inschrift: 8enic>res. ES ist dieß gleichsam ein Schlüssel für die Beurtheilung der übrigen symbolischen Bilder aus den ersten christlichen Jahrhunderten. „Ueber Erwarten viele Grabsteine mit Inschriften haben wir seit sieben Monaten aufgefunden; sie belaufen sich auf mehr als 20». Der heilige Vater hat sie in den Lateranpalast bringen lassen nebst vier von unS in den Katakomben von SirtuS gefundenen Sarkophagen. Sie sollen den Grund legen zur Bildung eincS neuen christlichen MuseumS, wozu der Lateran mehr als jedes andere Gebäude NomS geeignet ist. Eine merkwürdige Inschrift, mit einem Grabstichel in Kalk eingegraben, konnte noch nicht transportirt werden, ist aber von Vielen an Ort und Stelle besichtigt ES scheint ein Spruch von einem rechtgläubigen Christen zur Zeit deS AriuS zu seyn, und zwar wollte er zum Bekenntniß des Glaubens an Christum den Allmächtigen Gott das deS Glaubens an das Fegfeuer hinzufügen: LL>kMLKMII 80K0KI KM08ae in pscL ^ VIII k^l. 0LV8 LIIKI8IV8 0AMI?0IL?>8 8I>IkiIIVm IVum KLkrlLMI IN ^ 814 „Die klein gedruckten Buchstaben waren verwischt. Ein ähnliches vvus rein ßeret, spiritum tuum befintel sich im Museum deS römischen Collegö. „Wir erwähnen »och dreier merkwürdiger Zeichen, welche man an dem Schlußstein der Gräber angebracht, um daran die Zeit deS TodeS zu erkennen. Jemand, der alle Gräber von ihm theuren Personen unter den übrigen bezeichnen wollte, wählte dazu ein historisches und chronologisches Zeichen, nämlich Münzen deS Mari- mianus FarculeuS, dieses grausamsten aller Verfolger der Christen. Wir lösten sie ab und fanden an der Kehrseite die gewöhnlichen Worte: Alonvt» ^uzZ. — Ein Anderer hatte dazu eine kslera gewählt. Sie trägt das Bild eines weiblichen KopfeS und ist in der Mitte durchbohrt, um sie am HalS tragen zu können. Sie, wie noch drei andere in geringerer Größe, sind von calcedonischem Sapphir, und zwar haben sie als Prämie für Soldaten gedient. — Ein Dritter hatte sich zu demselben Zwecke eines sardonischen Edelsteins bedient, der zu einer Camoce mit dem Bildnisse deS Oetavianus Augustuö gebildet war. Kunstkenner beurtheilen sie als eine ausgezeichnete, in ihrer Art einzige Arbeit." — Pater Marche spricht am Schlüsse die Hoffnung aus, seine Entdeckungen der Art in einer periodischen Zeitschrift zu veröffentlichen. Die Errichtung der St. Petri-Brnderfchaft für den Dombau zu Köln. Köln. Die diesjährige Vigilie deS Festes der heiligen Apostelsürsten Petrus und PauluS hat für den Kölner Dom eine ganz besondere Bedeutung gewonnen, indem an diesem Tage ein längst gewünschter und oft besprochener Priesterverein für den Bau dieses in der Ehre deS heiligen Petrus gegründeten Tempels in der Form einer Bruderschaft vom heiligen Petrus ins Leben getreten ist. In Folge einer aus den Wunsch Sr. Eminenz deS CardinalS Herrn v. Geissel, unsers hochwürdigsten Herrn ErzbischofS, von dem zur Gründung dieser Bruderschaft zusammengetretenen Comite ergangcnen Einladung hatte sich die städtische Geistlichkeit und die Alumnen deS Seminars in dem großen Saale deS erzbischöflichcn PriesterscminarS eingefunden, woselbst auch das hochwürdige Domcapuel versammelt war und Se. Eminenz der Cardinal mit dem Herrn Weihbischofe gegen 10 Uhr erschienen. Im Namen deS Comites richtete der zeitige Decanatsverweser, Herr Oberpfarrer Schnepper an den Herrn Cardinal folgende Worte: „Eminenz! DaS Comit6, welches sich mit Wissen und Gutheißung Ew. Eminenz unter leitender Mitwirkung unseres hochwürdigsten Herrn Weihbischofes und Gencral- vicarS über die Wiedererrichtung der ehemaligen unter dem Patronate der heiligen Apostel Petri und Pauli so segensreich bestandenen Dombaubruderschaft berathen, hatie vor Kurzem die Freude, die entworfenen und vorgelegten Statuten zu dieser Bruderschaft von Ew. Eminenz gulbefunden, demnach genehmigt und die Bruderschaft kanonisch sanctionirl zu sehen. Die nunmehr zu bewerkstelligende Publicirung und Eröffnung der Bruderschaft, glaubte daS Comite, könne nicht angemessener, als vor dem versammelten ehrwürdigen KleruS der Stadt Köln, und nicht passender, als an dem Tage der Vigilie der heiligen Apostel PetruS und PauluS, und nicht würdiger und feierlicher geschehen, als unter der hohen Gegenwart und Autorität Ew. Eminenz. Und Ew. Eminenz hatten die Gnade, sich gern bereitwillig zu erklären, an diesem Tage in eigener Gegenwart die Statuten der Bruderschaft publiciren zu lassen und die Bruderschaft Selbst zu eröffnen. Deßhalb hat sich die gcsammle Geistlichkeit dieser Stadt in Folge der an sie ergangcnen Einladung heute ehrfurchtsvoll vor Ew. Eminenz versammelt. Möge eS nun Ew. Eminenz gefallen, die unter dem Patronate der heiligen Apostelfürsten kirchlich sanctionirte Dombaubruderschaft mit deren Statuten publiciren zu lassen, dieselbe zu eröffnen und unter Ihrem begleitenden erzbischöflichen Segen inö Leben einzuführen. Möge durch den neuen Eifer und die erhöhte Begeisterung, welche Ew. Eminenz letzter Hirtenbrief für die heilige Dombausache allgemein lL,5 hervorgerufen hat, auch diese neu errichtete Bruderschaft eine eifrige Theilnahme und allgemeiue Aufnahme unter dem gesammten Kleruö finden, und dieser sich auch hierin als würdige Nachkommenschaft jener heiligen Männer erweisen, wovon im heutigen Tagesofficium gesagt ist: Illi viri misorienrcliae! sunt, quorum pietstes non clvsue- runt, nereclitss ssneta nepote8 enrum," Se. Eminenz ertheilten hierauf dem Domcavitular Herrn Strauß den Auftrag, die Statuten der Bruderschaft und die von Höchstdeuselben vollzogene GenehmigungS- Urkunde zu verlesen. Nach Verlesung dieser Urkunde richtete Se. Eminenz eine Anrede an die Versammelten, worin dieselben zunächst Ihre Freude über dieses Begebniß des heutigen TageS auösprachen und unter Hinweisung auf die verschiedenen Beweggründe, auS welchen bisher die Thätigkeit für den Dombau hervorgegangen, cS als die Sache deS Priesters bezeichneten, der Religion, deren Dienste er sich gewidmet, auch die äußere Darstellung zu verschaffen, die in unserm Dombau in einer so großen Vollendung hervorträte. In dem weitem Verlaufe der Rede zeigten Se. Eminenz, rrie bedeutungsvoll gerade die Kölnische Metropole der PeterSdom genannt werde, und wie sich auch hierin wieder das ehrenvolle Bestreben der Kölnischen Kirche zeige, die zweite Stadt in der Christenheit zu seyn nach Rom, daS in seinem PeterSdome ein Symbol der Einheit der ganzen auf dem Erdkreise verbreiteten Kirche besitze. In den auf den Ausbau unsers PeterSdomes gerichteten Bestrebungen des Klerus erkannten Se. Eminenz auch dieses höhere Streben, begrüßten mit hoher Freude die Kundgebung desselben in der Neuerweckung der in frühern Jahrhunderten in Köln bestandenen St. Petri.Bruderschaft, fügten den Wunsch hinzu, daß diese sich nicht allein über unsere ganze Erzdiöcese, sondern über die fernsten Kreise deS Vaterlandes ausbreiten möge, verkündeten alödaun die St. Petri-Bruderschaft in kanonischer Form für errichtet, und ertheilten, während alle Anwesenden niederknieten, derselben Ihren oberhirtlichen Segen, Se. Eminenz zeichneten nun Höchstihren Namen in die Liste der Verbrüderten, und hatten die Freude, die anwesenden Geistlichen Ihrem Vorgange folgen zn sehen. So ist denn wieder eines der herrlichen Institute der Vorzeit in daS Leben getreten, in denen uusere großen christlichen Bauwerke die Quellen für die erforderlichen Geldmittel fanden. Zwar beschränkt eö sich jetzt noch auf Priester, aber wenn diese, wie nicht bezweifelt wird, in großer Zahl sich daran werden bctheiligt haben, so ist die Form leicht gefunden, in welcher auch die Laien ihren Antheil an dem heiligen Werke haben werden. Der durch diese Bruderschaft für unsern Dom gewonnene kirchliche Boden ist reich an Quellen, die für göttliche Zwecke fließen. GotteS Segen leite sie dem heiligen Werke deS DombaueS zu! (D. V. H.) Mission in Saarlouis. Saarlouis, 26. Juni. Der verflossene 15. Juni war für unsere Stadt der Anfang einer gesegneten Zeit, die hoffentlich noch recht lange in ihren Wirkungen fortdauern wirk^ An diesem Tage nämlich, als am Feste der heiligen Dreifaltigkeit, begann Pater Zobel, dieser aus frühern Missionen, besonders aus Offenburg und Luxemburg rühmlichst bekannte Missionär, nebst sechs andern Redemvtoristen, die mit ihm seit einigen Monaten in der unS nahe gelegenen Congregation dieses Ordens, in Teterchen, weilen, bei uns eine Mission, die für unsere Stadt seit ihrem Bestehen die erste ist. Der Charakter unserer Stadt ist vorwiegend französisch; in Bezug auf das religiöse Leben war bisher Gleichgiltigkelt (um sich keines stärkern AuscruckeS zu bediene») das in hohem Grade hervortretende Merkmal, so daß der Misston nicht ohne große Besorgniß entgegengesehen wurde. Wohl war die Theilnahme vom ersten Tage an eine sehr bedeutende. In den Abendvorträgen, die Pater Zobel durchgängig selbst hält, ist die Kirche regelmäßig bis zum Erdrücken gefüllt, so daß daS Auditorium jedesmal sich auf 5—7000 Menschen beläuft und viele noch weit hinaus 216 vor dem geöffneten Portale auf dem Paradeplatze stehen. Trotz dieser Theilnahme war der Eindruck in den ersten Tagen bei Weitem nicht der beste, vielmehr zeigte sich Unwillen und Aufregung, wie das sehr natürlich ist. Aber schon gegen Ende der Woche wurde die Stimmung eine andere. Es wäre auch mehr als zu verwun- dern und gewiß ein trauriges Zeichen für eine Stadt, wenn man den Vortragen deS Pater Zobel, den man wohl einen gcbornen Missionär nennen kann, widerstehen könnte. Wer nicht fortgerissen wird durch die Kraft der Ueberzeugung, mit welcher dieser für die heilige Sache glühende Sendbote spricht, der wird sicher erschüttert und erweicht durch seine unermüdete Anstrengung und Aufopferung. Leider sind durch die sortgesetzte Anstrengung seine Brust und sein Hals so afficirt, daß eine stehende Heiserkeit ihm die abendlichen Vorträge sehr erschwert. Nichts desto weniger spricht er jeden Abend fünf Viertel bis anderthalb Stunden und sitzt von früh Morgens bis spät AbendS im Beichtstuhle. Dieser seiner sich ganz hingebenden Aufopferung für das Gute, so wie dem uuermüdeten Eifer der übrigen Patres, deren Vorträge eben so gern gehört werden, ist eS wohl zuzuschreiben, daß seit dem Anfange dieser Woche unsere Mission eine vollkommen gelungene genannt werden kann. Die sieben Missionäre nebst den drei Pfarrgeistlichen von hier sitzen von Morgens bis AbendS fast ununterbrochen im Beichtstuhle. Die Theilnahme, besonders der Männer auS allen Ständen ist eine großartige und rührende. Die Zufriedenheit, ja die Liebe zu den Missionären wird täglich größer und fehlt es nicht an Beweisen dieser Liebe. So war z. B. heute Morgen schon um vier Uhr der Weg aus dem Pfarrhause in die Kirche mit Rosen bestreut. Ich verspreche mir eine großartige Schlußfeierlichkeit, welche am 6. Juli, dem Feste Mariä Heimsuchung, stattfinden wird. — Weil die französische Sprache hier neben der deutschen noch gleiche Rechte behauptet und eS noch Manche hier gibt, die nur französisch sprechen, so wird vom folgenden Montag ab jeden Tag außer den drei deutschen noch eine französische Predigt gehalten werden. Die vier letzten Tage der Mission werden wahrscheinlich der hiesigen Garnison, die jetzt überwiegend katholisch ist, gewidmet seyn. (M. I.) Münster, 14. Juni. Vor einigen Tagen nahm der bisherige Pfarrer von Hopsten, Richard Freiherr von Ketteler, Abschied von Westfalen, um seine Reise nach Tyrol zu den Kapuzinern anzutreten. Vor ungefähr zwölf Jahren stand er noch als Ofsicier bei den blauen Husaren in Düsseldorf, er nahm seinen Abschied, studirte Theologie, trat in das Priesterseminar zu Münster, ward Caplan, dann Pfarrer, ging init den Soldaten aus Westfalen als Seelsorger nach Holstein und Jütland, ritt kühn mitten im Kugelregen mit der Stola bekleidet an ihrer Seite, half auf dem Schlachtfelde den Verwundeten und Sterbenden, ward Ritter des rothen Adlerordens, sollte zum Propste in Berlin ernannt werden und gab zur Antwort: „Ich werde ein armer Capuziner." — Bei seinem Abschiede als Officier ließ einer seiner Vorgesetzten die bittere Bemerkung fallen: „Ihre Aussicht im geistlichen Stande ist nicht günstig, denn der Erzbischof von Köln ist noch jung." Er gab zur Antwort: „Sie haben meine Beförderung nicht zu fürchten, denn ich will so katholisch leben, daß ich bei dem jetzigen System niemals persons Zrats werde; — ich verlange nichts, als den Himmel von der Barmherzigkeit Gottes." — Durch seinen Eintritt in das Novi- ziat der Capuziner hat er seine damalige Aussage bestätigt. — In der letzten Zeit laS er fleißig das Leben des heil. Gottfried, Grafen von Kappenberg, der mit seinem Bruder Otto zur Zeit des heil. Norbertuö so viel für Westfalen gewirkt. Nach ihrem Beispiele verlangte er alles Besitzthum der Welt abzustreifen. In unserer materiellen und durchaus selbstsüchtigen Zeit gereicht unS ein solcher Entschluß und seine feste Ausführung zu desto größerer Freude. — Gott wird'S lohnen. (D. V.H.) Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. VerlagS-Jnhaber: F. C. Kremer