Eilfter Jahrgang. Sonntags-Beiblatt zur Augsburger Pojtzeitung. 80. Juli M'- 29. 2851. Dieses Blatt erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der halbjährige Abonncmentsprcis M kr., wofür es durch alle köm'gl. baycr. Postämter und alle Buchhandlungen bezogen werden kann. Jerusalem. Aus dem Reisebericht eines Pseudonymen Amerikaners: El-Mnkattem, geben wir folgenden lebenvollcn Prospekt der heiligen Stadt: „Das Kloster Mar-Elia lag vor uns. Es steht, nach der Aussage der Mönche, auf der Stelle, wo der Prophet auf seinem Wege nach Beerscheba Rast hielt, und sie zeigen den Abdruck des ruhenden Körpers in dem Felsen. Aber nicht das Kloster mit seinen weißschimmernden Mauern lockte uns und trieb unS vor sehnsüchtiger Erwartung das Blut raschen Laufes durch die Adern. Wir zitterten vor Begierde und setzten unsern Pferden die Sporen ein, um die Anhöhe zu erreichen, weil wir wußten, daß wir von dort aus Jerusalem sehen werden. Die Gcmüthsspannung, in der wir den steinigen Pfad hinanhastetcn, machte uns sprachlos; Freude und ehrfurchtsvolle Scheu zumal überwältigten unsere Herzen, je näher wir dem Gipfel kamen. Vergangenheit und Gegenwart trat in der Seele Hintergrund zurück, und nur an der bevorstehenden Aussicht hafteten die Gedanken. Die Höhe hinan klimmten wir um die Wette mit steigendem Feuer. Endlich war der Höhepunct erreicht, und vor unsern entzückten Augen lag sie schön und friedlich, die heilige Stadt. Nicht in den wilven Urwäldern der westlichen Welt, nicht unter den Niesentrümmern ägyptischer Kunst, nicht auf den schneeverhüllten Firnen deS Schweizerlandes hat je ein Punct unsern Blick mit solcher Gewalt festgehalten. Die Gewandung der Natur in dem Lande der untergehenden Sonne ist weit reicher. Die Hallen von Kornak offenbaren die höchsten Triumphe menschlicher Macht. Der Alpenreigen führt noch edlere Schauspiele der Erdenherrlichkeit auf. Hier aber ist mehr, als das Alles: Hier läßt der Himmel seine Schechinah thronen und kleidet ZionS Hügel in das Kleid der Glorie. Die süßesten Erinnerungen schweben gleich freundlichen Engeln über Salems Thürmen. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft verflechten sich zu einem Kranze um die Orakelstätte Gottes. Das ist Zihon, die Heimat des königlichen Psalmcnsängers; da Moriah, der Berg des GotteS Israels, und dort, in ein eigenthümliches Laub- grün gehüllt, der milde und heilige Oelberg. Wie Feuersäulen, gebadet in dem Strahlenmeer deS Kreuzes, erheben sie sich vor der ermüdeten Seele. ES war ein großer, unaussprechlicher Anblick. Wie in jauchzenden Ausrufen machten die über- flutheuden Herzen den Strömen des Gefühls Luft. Wir schauten zurück auf Bethlehem — dort war die Wiege; wir wendeten uns zu der Schävelhöhe — hier war daS Grab. Zwischen beieen ward Himmel und Erde versöhnt. Wir weilten noch, um aus diesem ersten Becher einen tiefen Zng zu thun, und eilten dann, die Stadt zu erreichen." 226 Katholisches Leben in einer französischen Provinzialstadt. (Fortsetzung.) Metz ist ganz besonders reich mit weiblichen Erziehungsklöstern ausgestattet und zwar, wenn man die der Nachbarschaft hinzuzählt, für alle Classen der Gesellschaft. Obenan steht wohl der Orden der Damen vom heiligen Herzen Jesu, dessen Stifterin, Madame Barrat, nachdem sie in 50 Jahren — und in welchen Jahren! — mehr als 60 Häuser in Frankreich, Belgien, Oesterreich, Italien, Spanien, England, Holland, Nordamerika und Algier gegründet, noch heute zum Troste der Ihrigen unter den Lebenden, in diesem Augenblicke in Rom verweilt und mehr als 6000 fromme Seelen über den Erdkreis hin zu Schwestern zählt. Wie wenigen Gelehrten, die vielleicht ihr halbes Leben über dem Studium des Vercinswesens hinbringen und nach den Quellen dieses geheimnißvollen Stromes in dem Wüstensande der Theorien graben, wie wenigen Zeitgenossen überhaupt ist das Wunder dieser einfachen Thalsache, ist der kurze Name jenes schwachen Weibes bekannt! Und doch könnten Staatsmänner und Gesetzgeber an ihrem Vorbilde lernen, Philosophen und Dichter den reichen Schatz der böchsten den Frauen anvertrauten Weisheit bei ihr erkennen lernen, den doppelten Schatz deS göttlichen Mutheö und der Demuth, der in dem einfachen Geheimnisse beschlossen liegt: „Siehe ich bin die Magd des Herrn." Ein übernatürlicher Muth gehört allerdings zu dem Unternehmen, in dieser Zeit, bei den Anforderungen der heutigen Salonbilduiig, die Kinder der höhern Classen aus den Händen der Welt zu übernehmen, um sie für das Aeußerliche zwar auch mit der nöthigen Zierde oder Bürde deö Wissens und der Künste, innerlich aber mit jenem einzigen Schatze des Glaubens, wie mit dem Faden der Ariadne, ausgerüstet nach wenigen Jahren derselben äußerlichen Welt als Sendboten einer erneuerten christlichen Familie wieder entgegen zu schicken. Aber das starke Bedürfniß hat auch ein neues Geschlecht von Berufenen dazu geboren. Das Zeugniß, welches hier von dem Hause deS Sserv eoour in Metz auS längerer Bekanntschaft abgelegt wird, darf wohl in den Hauptzügen auch von allen Schwesterhäusern gelten; denn die Hand, welche eS niederschreibt, muß es sich aus Ehrerbietung versagen, dasselbe auf die Schilderung besonderer Persönlichkeiten zu stützen, und daS Kreuz, welches die Damen auf der Brust tragen, hat überall dieselbe Inschrift: „Ein Herz und eine Seele." > DaS Haus selbst ist besonders nach der Straßenseile nicht schön; es besteht aus einem ganzen System von kleinern, nach und nach zusammengekauften Gebäuden und Höfen; aber ein großer schöner Garten, der in Terrassen nach der Moselseite hinunter sich ausbreitet, rundet das Ganze ab und gewährt den Raum zu einem neu und planmäßiger zu erbauenden Hause. In der freundlichen Hauscapelle, worin etwa 200 Personen Platz haben, kann der ersten heiligen Messe auch der auswärtige Besucher auf einer Emporbühne beiwohnen. Da wird er, bevor die Kinder in langer Reihe zwei und zwei unten eintreten und nach der Verbeugung vor dem Altare die Räume und Bänke in der Mitte ausfüllen, auf beiden Seiten an den Wänden die Damen und Schwestern noch im Absingen ihres ersten Officiums begriffen finden und er wird glauben, aus den abwechselnden himmlisch reinen Stimmen den Chor der Schutzengel nachklingen zu hören, welche die Nacht hindurch die Schaar der Kinder in unschuldigem Schlummer in ihren weiten Schlafsälen behütet haben. Während der heiligen Messe wird auch von den, Kindern gesungen und an Sonn- und Festtagen die Orgel gespielt. Den übrigen Tag kindurch wechseln in öftern kurzen Zwischcn- räumen die halbstündigen Unterrichtögegenstände mit den vollen Stunden, welche zur Vorbereitung, zu weiblichen Arbeiten, zu Musik und Zeichnen oder zu andern Privat- stunren bei städtischen Lehrern bestimmt sind, sodann mit den Erholungen und den vier täglichen Mahlzeiten. Was man von der Verwandtschaft des weiblichen Ordens vom heiligen Herzen Jesu mit dem männlichen der Gesellschaft Jesu so häufig hört, erscheint äußerlich besonders in der großen, frischen und unermüdlichen Thätigkeit, welche verbunden mit den innigsten Uebungen deö innerlichen Lebens das eigene 227 „Selbst" und „Ich" ganz vergessen, für andere zu leben und in diesen jugendlichen Andern den Heiland zu bedienen, zu ehren und immer zu lieben lehrt. Außer dieser gleichen Widmung für die Erziehung der Jugend besteht zwischen bciven Orten weder in Metz noch anderwärts eine engere Verbindung. Die Väter linsen nicht einmal die regelmäßigen Beichtväter der Damenklöster seyn, sondern nur die jährlichen geistlichen Uebungen für die Zöglinge sowohl als für die Klosterfrauen selbst halten. Der Hausgeistliche oer Anstalt wirv von dem Bischof auö den Weltpriestern und zwar unter vielen sorgfältig gewählt und eigens angestellt. Nur in katholischen Ländern, wo auf die Frage: „wozu bist du erschaffen?" einfach und frisch geantwortet wird: „um Gott zu erkennen, zu lieben und zn dienen;" nur in katholischen Familien kann der Begriff eines weiblichen religiösen LebenslaufeS, kann dessen Erkenntniß und Fvlgeleiftung eine rücksichtslose Geltung haben. Der abstracle Beruf zum Unterricht ist allerdings nicht häufig, nicht unmittelbar und selbstständig in die weibliche Natur gelegt; er läßt sich auch weder erzwingen noch andichten. Aber es ist auch nicht der abstracte Beruf zum Lehrfach, sondern der lebendige Ruf des Herrn zu seinem eigenen Dienste, zu dem Dienste in seinen Kindern, denen ihr Erbthcil, das Himmelreich, offen gehalten werden soll, es ist die unwiderstehliche Stimme des guten Hirten, der die liebende Seele bei ihrem Namen ruft, daß sie aus Dankbarkeit für das eigene Glück der Erkenntniß, ohne Zögern, mit dem freudigen Opfer von Schönheit und Jugend auch andern zeigen muß, Gott zu erken-- nen, zn lieben und zu dienen, sobald, so weit und so wie er es gerade will. Wenn dann auch die innern und äußern Kämpfe nicht mit einem Male weggenommen sind, so findet doch jeder Erdensieg schon hier seine Himmelskrone, uuv ein Heimweh zurück mich der überwundenen Welt ist unerhört. Hier werden zahlreiche Stimmen aus der Welt, auS der überwindlich gebliebenen Welt vielleicht einwerfen: „Aber der Beruf der Mädchen ist das Hcirathen und die Familie; Nonnen zu werden ist für sie nicht natürlich; wie kann man auch seine Töchter solchen der Welt unkunvigen Nonnen anvertrauen, die wahrscheinlich ihr Möglichstes thun werden, ikncn künstlich gleichfalls diesen Beruf aufzudrängen?" Auf den ersten Einwurf ist nicht viel Anderes zu erwidern, als daß die hier angerufene Natnr, welche übrigens die Bestimmung der Menschen nicht gleich, sondern mannigfaltig erscheinen läßt, nicht das höchste Gesetz ist in den Augen von Christen, deren eigentliche und letzte Bestimmung vielleicht eine übernatürliche ist; daß auch die wahre christliche Ehe eine übernatürliche Weihe nnd Ergebenheit, also eine Vorschule verlangt, wodurch die eigenwillige Natnr gebrochen wirv, und daß endlich die unfreiwillige, ungeweihte Ehelosigkeit der auf's Heiralhen allein abgerichteten und vertrösteten Mädchdn eine wachsende trostlose Plage der Gesellschaft wird. Solche Eltern, welche einen religiösen Beruf ihrer Töchter überhaupt für unzulässig oder für ein Unglück halten, mögen allerdings wohl daran thnn, sie nicht in die Lage zu setzen, die 'Stimme des guten Hirten zu vernehmen und das ernste, doch so liebevolle Vorbild seiner Bräute täglich vor Augen zu haben. Für schwankende Gemüther möge jedoch der zweite Einwurf hier einer bestimmtern Beruhigung begegnen. Abgesehen davon, daß das beschauliche Leben den Geist und dessen Thatkraft durchaus nicht schwächt und daß auö solcher Schule, wie leicht nachzuweisen, schaffende Geister vorzugsweise hervorgehen, sind die Vorsteherinnen der Erziehungs- klöster der Welt so wenig unkundig, daß sie den Eltern oft auf den ersten Blick ansehen oder am ersten Brief durchfühlen, in welcher irdischen oder ge stigen Luftschichte sie leben; auch nehmen sie wie natürlich auf bestimmte Familienverhältnisse und besondere Wünsche gern alle Rücksicht, da ja sonst wiederholte Klagen dem Kloster, als Erziehungsanstalt, das Vertrauen weit und breit entziehen würden. Aber es ist anch in der That die Gefahr nicht groß, daß die Bäume in den Himmel wachsen, und nicht allein, daß der Beruf mit dem vollen guten Willen schwer und selten ist, auch dem guten Willen fehlen oft noch die Fähigkeiten, so daß manche jnnge Postulantin nach wenigen Tagen verzichten muß, unter den Novizen aber weit mehrere als nicht bc- SS8 fähigt entlassen werden, als aus eigener Enttäuschung zurücktreten. Wenn die Novizen nach zweijähriger Prvbe in den Noviziaten zu Paris oder Kinzheim (in der Nähe von Colmar) ihr erstes Gelübde auf sechs Jahre abgelegt haben und eingekleidet sind, werden sie nach Maßgabe ihrer besondern Eigenschaften durch die Generalvbcrin in eines der 6V Häuser abgesandt, wo sie dann als Damen ihre Nummer in der Gemeinschaft uud ihre Verwendung im Pensionate von der örtlichen Oberin erhalten und die Mauern der neuen Heimat nicht wieder verlassen, als mit dem Tode oder durch Abberufung und Versetzung in ein anderes Haus, was zuweilen sehr plötzlich geschieht. Als Unterlehrerin unter der steten Leitung älterer Damen macht die Ncu- eingetretene dann ihre ersten praktischen Proben; sie erhält nicht einmal eine eigene Zelle, da sie als Aufseherin in einem der Schlafsäle zubringt, und die Lossagung von aller Gewohnheit des Eigenthums geht so weit, daß während Kleidung und Wäsche nur von der Gemeinschaft verwaltet und herausgegeben wird, die Klosterfrauen, welche noch keine eigene Zelle habe», keinen andern Ort als ihre Schlafstelle, auch zur Aufbewahrung ihres Gebetbuchs, als ihnen eigen benutzen können. Aber mit welcher bewundernden Aufmerksamkeit, mit welcher Rührung werden solche kleine Züge von den Kindern, welche oft nicht viel jünger sind, als ihre Vorbilder, beobachtet und durch liebevolle Folgsamkeit belohnt; die Entdeckung einer einzigen schweren, doch stillen Entsagung wirkt oft tiefer, als sonst die Lehre einer ganzen Woche. (Fortsetzung folgt.) Das hundertjährige Jubiläum der Hofkirche in Dresden. Dresden. Am Sonntag den 29. Juni feierte die hiesige katholische Gemeinde das hundertjährige Jubiläum der Einweihung ihres herrlichen Gotteshauses, der königl. katholischen Hof- und Pfarrkirche, dieser Zierde unserer freundlichen Stadt. Die Geschichte dieses prachtvollen Tempels muß jeden katholischen Christen mit dem innigsten Danke erfüllen gegen den Gründer desselben, der dieses Denkmal seiner Frömmigkeit so prachtvoll ausstattete, gegen dessen Nachfolger und alle Glieder des königl. Hauses, welche zur Herstellung und Erhaltung eines würdevollen Gottesdienstes in demselben unablässig beitrugen, gegen den König, welcher erst bei der jüngsten Restaurirung des Innern der Kirche für die Ausschmückung der Altäre, Capellen u. s. w. die größten Opfer brachte, aber auch gegen die Regierung, welche zu dieser Erneuerung einen nicht unansehnlichen Beilrag aus der Staatscasse bewilligte. ES war also diese Jubelfeier recht eigentlich ein Fest, an welchem die Dresdener katholische Gemeinde ihren Dank und ihre Freude an den Tag zu legen halte, und von diesem Grundsatze scheint die Festordnung ausgegangen zu seyn, welche der hochwürdigste Herr Bischof entworfen hatte. Ihre Majestäten, der König und die Königin, so wie die übrigen in Dresden anwesenden hohen Mitglieder der königl. Familie nahmen in ihren Oratorien an der Feierlichkeit Theil, der Hofstaat befand sich in den südlichen Logen der Kirche, in den nördlichen wohnten der Feierlichkeit, welche von Morgens 10 bis 12 Uhr dauerte, als eingeladene Gäste bei: die Herren Minister, viele Herren Officiere, Räthe der höbern Kollegien, und im Namen des Stadtrathes von Dresden, welcher ein sehr entsprechendes Glückwunschschreiben geschickt hatte, Herr Bürgermeister Ritter :c. Pfotcnhauer. Die Feierlichkeiten begannen mit einer großen Procession, welche, nachdem sie am Hauptporlale die Ankunft deS hochwürdigsten Herrn Bischofs erwartet hatte, sich durch die ganze Kirche an alle Altare bewegte, vor denen die üblichen Ceremonien stattfanden. Die Spitze der Procession bildeten in sür das Auge höchst wohlthuender Weise die weiblichen Zöglinge des hiesigen katholischen Stiftes, dann Mädchen aus den andern katholischen Schulen, weiß und grün gekleidet; — zwei von ihnen trugen je ein weißes grüneingefaßtes AtlaSkissen, auf deren einem sich „Worte des Dankes" ein Gedicht im Namen der Gemeinde Sr. Majestät dem Könige gewidmet, welches 229 dasselbe Kind später mündlich an Se. Majestät richtete, auf deren andern, sich der NamenSzug Sr. Majestät in Blumen befand. Ihnen folgten Knaben, dann die Lehrer der hiesigen katholischen Schulen, und zwischen dem bisher genannten Theile des Zuges vier prachtvolle Fahnen. Den Lehrern folgten die Kirchen- und Schulväter, dann zwölf besuchende, hiesige und fremde Priester, ihnen die zehn amtirendcn Geistlichen, endlich der hochwürdigste Herr Bischof; den Schluß machten eine Anzahl durch Karten besonders eingeladener Honoratioren der hiesigen katholischen Gemeinde, in erster Reihe Se. Erlaucht Graf Kuefstein, k. k. österr. Gesandter am hiesigen königl. Hofe. Ein feierlicher Choral, comp. vom Kapellmeister Reißigcr, begleitete den ersten Theil der Feier. Nachdem der Zug am Hochaltare angelangt war, leitete ein Lied die Predigt ein. Der hochwürdigste Herr Bischof hielt die Predigt selbst über den Tert: „Heute ist diesem Hause Heil widerfahren," und bewährte dadurch von Neuem seinen langjährigen Ruf als ausgezeichneter Kanzelredner. Der Predigt folgte ein zu dieser Feier vom Kapellmeister Reißiger besonders componirter Festgesang, ausgeführt vom Sängerchore der königl. Hofkirche. Während desselben verfügte sich der hochwürdigste Herr Bischof an den Communionaltar, legte dort die kirchlichen Gewänder an, schritt zum Hochaltäre und stimmte dort das herrliche Hasse'sche Te Deum an, nach dessen meisterhafter Ausführung durch die vollzählige königl. Capelle ein feierliches Hochamt folgte, welches durch zahlreich assistirende Priester (23 im Ganzen) in ihren herrlichen Gewändern einen besonders erhabenen Charakter gewann. Der hochwürdigste Herr Bischof war während der Feier mit demselben goldenen Kreuze geschmückt, welches dem Dechant von Bautzen Wosky von Bärenstamm vor 100 Jahren zur Einweihung der Kirche von der Königin Josephine geschenkt worden war. Dem Hochamte folgte eine ebenfalls von Reißiger componirte Musik, und den Schluß der ganzen schönen Feierlichkeit, welche unter außerordentlich zahlreicher Theilnahme stattfand, bildete ein Gebet, für Se. Majestät den König und das ganze Königshaus verrichtet, worein gewiß nicht nur jeder anwesende Katholik, sondern jeder Sachse mit voller Seele einstimmte. (Fr. S.-Z.) Urtheil eines Generals über Josepbinische Zustände. Der ritterliche und geniale Fürst Friedrich Schwarzenberg (gegenwärtig k. k. General) welcher sich auch in der deutschen Literatur durch sein Werk: AuS dem Wanderbuche eines verabschiedeten Lanzknechtes einen bedeutenden Ruf erworben, hat jüngst den zweiten FaScikel seiner „Antediluvianischen Papierschnitzel" (von 1842 bis 1847) als Manuscript für Freunde drucken lassen. ES sind in die- sein Bande auch Aphorismen enthalten, welche für ein katholisches Lescpublicum um so interessanter seyn können, da sie von einem Cavalier und Soldaten herrühren. Wir wollen hier einige folgen lassen: „Die Josephinische Epoche sollte dem Demokraten d. h. Volks mann, noch verhaßter als vom Standpuncte des Aristokraten erscheinen. Dem Aristokraten griff sie nur an den Beutel, — dem Volke an daS Herz, denn im Herzen des Volkes klingen zwei Stimmen vernehmlich, es ist die Muttersprache, d. h. die Sprache, welche die Mutter zum Kinde sprach, — dann die Worte, mit welchen der Priester ihm Trost und Hilfe von Oben zusichert. Wer diese beiden Zungen aus dem Halse reißt, ist ein Hochverräther am Volke, Nationalität und Kirche, — Glaube an seine Race und seinen Gott sind Heiligihümer deö gemeinen Mannes. Der sie ihm raubt, versündigt sich mehr an ihm, als an dem Fürsteil und Grafen, dessen Wappenschild er in den Staub tritt. Ich will nicht eben behaupten, daß ich täglich in die Frühmesse gehe, und noch weniger, daß ich nicht zuweilen gerne ein Glas Champagner mit Accompagnement einer Trüffelpastete zu Leibe nehme. Würde man mir aber verwehren wollen in die Messe zu gehen, und mich zwingen täglich Champagner zu trinken und Pasteten zu essen, ich spränge beim Dach- 230 ftnster hinaus, lim in die Kirche zu laufen, und man müßte mir die Zähne aus- brcchen, um mir den Champagner einzugießcn und die Pastete in den Hals zu stopfen. — So kömmt mir aber die Joscphinische Epoche vor, — und noch dazu war es mit dem Champagner und den Pasteten auch nicht so ganz richtig, und die Herren Philosophen hatten allerhand Teufelsdreck und Laugensalz beigemischt, welches sie nicht, wie bei der Hochzeit zu Canaan, zu trinkbarem Wein zu verwandeln verstanden." „Wenn Mehemed Ali, dem als Türke und Moslemin wenig an der egyptischen Vorzeit liegen kann, eine Pyramide in einen Kavallerie-Stall verwandelt, oder die Asche einer Nekropole in die Lüfte, streuen läßt, so schreit ganz Europa: Anathema! über den Barbaren. Wenn aber nach den Josphinischen Verordnungen Kirchen und Klöster, welche als ehrwürdige Monumente unserer eigenen Vergangenheit in die Gegenwart hineinragten, zu Casernen und Zuchthäusern verwandelt, wenn die Asche unserer eigenen Kaiser und Helden, — eines Niklas Salm z. B., — ja jene der Babenberger und sogar Habsburger, — (wie in der Karthause zu Gaming in den achtziger Jahren) :c. :c. ic. in die Lüfte gestreut und der Vergessenheit übergeben wurden, so findet man Fortschritt und lobenswerthe Sanitäts-Obhut darin!" „Es gab eine Zeit, in welcher die Fechtenden, — die Männer deS Schwertes, — die Männer deö Pfluges und des Gewerbes regierten, weil sie die Stärkern waren, aber sie selbst standen unter der Vormundschaft der Kirche, — (der Männer deS Geistes, oder vielmehr der Seele, — der Geistlichen.) — Damals bezeichnete das Chorhemd und die Eisenrüstung die Führer der menschlichen Gesellschaft. Da kamen die Klugen, — die Männer der Feder, — und sie besudelten das Chorhemd mit Galle und Schmutz, bis es in Fetzen zerfiel, und bis in dieser Lauge auch der Stahlpanzer vom Rost zerfressen warv; und seitdem ist der Purpurmantel, das Pallium und die Rüstung zum Kostüm, zum Theateranzug geworden, und eS regieren die Leute im schwarze» Frack, — die Schreibenden! — Die Leute aber ohne Chorhemd, ohne Panzer, ohne Frack, — die Leute, die arbeiten, und eben deßwegen meistens blos in Hemdärmeln functioniren, — haben keine große Veränderung dabei erlebt, und schwitzen dabei auch im Hemde genugsam, ohne gerade die obenbenannten Habite besonders dazu zu benöthigen, sollen aber jetzt mitfechten, mitdenken, und zur Noih mitlesen und mitschreiben. Mit der Zeit werden Andere, welche blos fechten, und eS darin zur Superiorität gebracht haben, sich wieder vereinigen, und die blos Denkenden oder blos Arbeitenden, die eS natürlich nicht mit ihnen aufnehmen können, wieder unter das vorige Joch bringen. Die Schreibenden werden argu- mentiren, aber die Fechtenden dagegen decidiren, bis sie ermüdet vom Kampf und zuletzt vom Sieg wieder deu Schreibern Platz machen werden." „Wo aber werden dann die Geistlichen herkommen, welche nach den Blut- und Tinte-Kämpfen die Aufgabe des VersöhuenS, Trösteus und Mildernö übernehmen werden?" „Die Kirche, das große Spital für alles irdische Leiden und allen Jammer, der weite Verbandplatz für Wunden, Schmerzen und Erdenkämpfe, wird zerstört und verwüstet seyn, der Dämon deS Unglaubens wird vor ihrer Schwelle stehen, und der kämpfenden, sich zerfleischenden Menschheit nichts lassen als daS trostlose Hinscheiden der Verzweiflung!" „Seitdem die Welsen und Gibellinen, Kirche und Staat, sich feindlich gegenüberstanden, ist das christliche Reich, — die Christenheit zerfallen, und die Könige und Regierungen haben die Revolution, — ich meine die große, wahrhaft diabolische, — eben so befördert, — namentlich im Z7ten und 18ten Jahrhundert, — alS später die Lonvention rmtionslk: und ihre Blutmänner." „Ein Mensch ohne Religion ist nichts mehr und nichts weniger als ein böser fleischfressender Äffe." „Man kann nicht durch reine administrative Formen das eigentliche Wesen 231 christlicher Institutionen ersetzen. Hunderte von Armenvätern und Tausende von Bettelvögten ersetzen noch keine heilige Elisabeth oder FranciScus de Paulo! DaS ist eben die Wesenheit der christlichen Charitas, daß sie nicht durch den Staat, sondern durch die Individuen, oder die sie anSschließlich repräscn- tirende Kirche ausgeübt werden muß." Ilr Knoblecher. Brixen, 9. Juli. Der Missionär Jgnaz Knoblecher kam heute früh auS Innsbruck hier an. Er wurde von unserm hocbwürdigsten Fürstbischof, dem die Gründung der Missionsstation in Chartum viele Freude macht und große Hoffnungen für die armen Neger einflößt, mit besonderer Freundlichkeit empfangen, und mit einer glänzenden Gabe entlassen. Er besuchte auch die Domherren, von denen er gleichfalls schöne Geschenke erhielt. Es gingen aber in unserer Bischofs- und Kreisstatt auch noch weitere namhafte Beiträge für ihn ein, z. B. 36 fl. von unsern Theologen im Seminarium. Leid war es uns aber, daß wir diesen merkwürdigen Mann in seinem orientalischen Anzüge nur wenige Stunden sehen und hören konnten. Um 1 Uhr setzte er seine Reise nach Rom fort, und nahm unsere heißesten Segenswünsche zu seinem großen heiligen Werke mit. ES war uns außerordentlich angenehm von ihm zu hören, daß unser Kaiser und die Minister die Mission unter ihren besondern Schutz nehmen, und daß sich in Wien ein Comite unter dem Protektorate des Cardinais Schwarzenberg zur Unterstützung derselben gebildet habe, welches auch die aus Chartum einlangenden Berichte über den Fortgang der Mission von Zeit zu Zeit veröffentlichen werde. Knoblecher, ein Landsmann deS berühmten Missionärs Barraga in Amerika, ist in Unterkrain zu St. Canzian in der Diöcese Laibach im Decanate St. Marein am 6. Juli 1819 geboren. (K. Bl. a. T.) Mission in Gernsbeim. Am Sonntag (13. Juli) Abend wurde die hier gehaltene Mission unter den größten Feierlichkeiten beendet. Sie nahm am 28. Juni deS Nachmittags ihren Anfang und wurde gehalten von dem hochwürdigsten Bischof von Mainz selber, von dessen hochwürdigem Bruder, dem Freiherrn Richard von Keitel er, dem Pater Schlosser aus der Gesellschaft Jesu, zu denen in den drei letzten Tagen noch der Pater Ketterer auS derselben Gesellschaft hinzu kam. Am Sonntag war der Zu- drang zu den Missionsprcdigten ein sehr großer, der dnrch die vielen Processionen, die von allen benachbarten Orten herbeikamen, noch verstärkt wurde. Mau sah sich deßhalb des Mittags genöthigt, da die Kirche in Gernsheim die Menschenmasse zu fassen nicht im Stande war, nach Einsiedeln zu pilgern, um dort die beiden Nachmittagspredigten im Freien abzuhalten. Das Wetter begünstigte diese großartige Procession. An den beiden folgenden Tagen entsprach der Besuch der Predigten nicht den Erwartungen der Herren Missionäre. Es waren hieran eines Theils die Heuernte, die sich freilich nicht gut verschieben ließ, andern Theils die Vorbereitungen zu dem WallfahrtStagc, der in diesem Jahre auf den 2. Juli, Mariä Heimsuchung, gesetzt war, Schuld. Doch schon am Vorabende vor diesem schönen Feste sah man die Kirche angefüllter. An dem Fest- und Wallfahrtstage selber strömte eine ungeheure Menschenmasse, größtentheils in wohlgeordneten Processionen, die von den Pfarrgcistlichen geleitet wurden, zusammen. Man hatte dieses schon vorhergeschen und daher festgesetzt, daß daö Hochamt und alle drei Predigten vor der Wallsahrts- Capelle CinsieDeln abgehalten werden sollten. Die Menschenmenge wurde auf 10 bis 12MV angeschlagen. Damit alle, die die heiligen Sacramente zu empsangcn wünschten, hierzu hinreichende Gelegenheit fänden, wurde von den Missionären in der Kirche 23S zu Gernsh'.'im, von den andern zahlreich herzugekommenen Pfarrgeistlichen an dem Wallfahrtsorte, wo im Freien viele Beichtstühle aufgeschlagen waren, von des Morgens vier Uhr an Beicht gesessen, mehreren Tausenden wurde die^heilige Communion gcsvendet. Der hochwürdigste Herr Bischof hielt die erste Predigt und bewies darin mit seiner gewohnten Beredsamkeit die Gottheit Jesu Christi; ihm folgte deS Nachmittags zwei Uhr sein hochwürdiger Bruder, der die Nothwendigkeit der Beichte darthat und um vier Uhr betrat der hochwürdige Pater Schlosser die Kanzel, um den zahlreichen Zuhörern recht eindringlich die Verehrung der heiligen Mutter Gottes anS Herz zu legen. Bon diesem Tage an nahm die Mission eine andere Wendung. Es war an demselben viel gebetet und die Mission ganz besonders unter den Schutz dieser großen Himmelskönigin gestellt worden, zu der man nie umsonst seine Zuflucht nimmt. Dieses sah man bereits am andern Morgen, wo die geräumige Kirche zu GernSheim, auS der man zudem alle Bänke, um mehr Platz zu gewinnen, entfernt hatte, schon bei der ersten Predigt ganz angefüllt war; die Beichtstühle fingen an umlagert zu werden, besonders der des vielgeliebten Oberhirten, welcher auch von vier Uhr Morgens an, gleich nach seiner heiligen Messe, bis zum Abend (wenige nothwendige Erholungsstunden abgerechnet) in dem Richterstuhle der Buße thälig war, aber desungeachtet seine Beichtkinder alle zu hören nicht im Stande war. Von dieser Zeit an bemerkte man ebenfalls, wie die Leute sich nicht mehr damit begnügten, die Mission sehr schön zu finden und sie anzupreisen, sondern wie sie allmälig in sich gingen und an sich die ernste Frage stellten: Wie steht eS mit dir? Wie siehts mit deinem Seelenheile aus? daher dieser feierliche Ernst, der auf den Gesichtern Aller zu lesen war. Einen besonders günstigen und tiefen Eindruck machten die feierliche Wiederversöhnung, die in der Kirche vor dem ausgesetzten Allerheiligsten unmittelbar nach der Predigt über die Feindesliebe vorgenommen wurde, die Abbitte vor dem hochwürdigsten Gut wegen all der Unbilden, die dem göttlichen Heiland in dem hochheiligen Sacrament zugefügt worden sind und noch tagtäglich zugefügt werden, die Erneuerung der Taufgelübde und endlich die Einweihung des großen MissionS- krenzes, welches am Sonntag Nachmittag gegen vier Uhr in großer Processivn von 200 Jünglingen von der Kirche zum Gottesacker abwechselnd getragen und dort aufgepflanzt wurde und darauf folgende Schlußpredigt, in der die versammelten Zuhörer zur Beharrlichkeit nochmals und sehr eindringlich aufgefordert wurden. (M. S.-Bl.) Mainz. Mainz. Eine besondere Feierlichkeit war unlängst mit der in unserer Liebfrauen- (Seminar-) Kirche stattfindenden Muttergottesandacht verbunden. Die seit längerer Zeit bereits hier wohnende Gräfin Jda Hahn-Hahn hat nämlich ein goldenes, aus ihrem abgelegten Geschmeide verfertigtes Herz der heiligen Muttergotteö zum Weihgeschenke dargebracht. Sie übergab es der Bruderschaft vom heiligen Herzen Maria, damit es diese dem Gnadenbilde der Liebfrauenkirche als Gabe der ganzen Bruderschaft widme. Das ist am erwähnten Tage durch Herrn Domkapilular Lennig, als Präses der Bruderschaft, in der Weise geschehen, daß derselbe an diesem Abende nach gehaltener Predigt über die Worte „Ave Maria" von der Kanzel herab auf das geschenkte Herz, welches dem Gnadenbilde der seligsten Jungfrau zum erstenmal war angelegt worden, Bezug nahm. Ehre der Geberin, die seit ihrem Verweilen in unsern Mauern sich stets als eine milde Wohlthäterin und eifrige persönliche Pflegerin der Dürftigen bewiesen hat, überall, wo zu einem guten Werke Gelegenheit gegeben ist, mit regster Thätigkeit voransteht, und'auch hier wieder einen Beweis ihres edlen Sinnes, ja gerade hier einen Ausdruck dessen, was, ihr Inneres erfüllend, sie zu jeglichem guten Werke kräftigt und begeistert, gegeben hat. (K. Sbl.) Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. VerlagS-Jnhaber: F. C. Kremer