Eilfter Jahrgang. Sonntags-Beiblatt zur Augsburger Pojheitung. 24. August M- A^. 1851. Dieses Blatt erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der halbjährige Abonnementspreis kr., wofür es durch alle kom'gl. baycr. Postämter und alle Buchhandlungen bezogen werden kaun. Die Kirche und drei Gegner derselben. *) I. Es liegt in der Natur der Sache, daß, je mehr die Kirche sichtbar vor allen Augen im Ringen gegen den alles Menschliche und Göttliche verhöhnenden Zeitgeist an äußerer Lebenskraft gewinnt, je gefährlicher sie der vor 30V Jahren geborenen und nun zum Riesen herangewachsenen Revolution zu werden droht, desto mehr die schlimmen Mächte, auf welche diese sich stützt, sich aufraffen, um den gemeinsamen Feind in seinem Vorwärtsschreiten zu hemmen oder zurückzudrängen. Sie kommen allwärtS in Gährung, und versuchen, jede auf ihre Art, gegen die mit der Leidenskrone des Herrn gerüstete und unter diesem Waffenschmucke unbesiegbare Braut desselben einen Schwertschlag zu sühren. Die großartige katholische Bewegung, welche in verschiedenen katholischen und protestantischen Ländern sich kundgibt, hat vorab und hauptsächlich den Ingrimm der Religionspartei auf sich gezogen. Diese begnügt sich nicht mehr damit, von dem vermeintlichen Höhepuncte ihres geistigen Aufklärichts auf die sogenannte Ver- dummungslehre der Kirche oder den Köhlerglauben der Menge herabzublicken, und sie mit den Waffen des Spottes in den literarischen Producten ihres unreinen Geistes anzugreifen und zu untergraben; sie fühlt die Macht, die in der Kirche, in dem von ihr verkündeten und beobachteten Glauben, liegt; sie sieht die Gefahr, welche aus einem neuen Aufschwünge des religiösen GemülheS deS Volkes für die Fortschritte und den Bestand ihrer selbst liegt, und wendet sich darum mit ihrem ganzen Grimm gegen die Kirche und ihre Vertreter. Das von der Revolution durchwühlte, ihr theilweis schon anheimgefallene, ohne Oesterreichs Armeen und die Schweizer in Neapel ihr gänzlich zur Beute werdende Italien wird in seinem politischen Wahnwitze von den ChesS der Revolution vorzüglich jetzt gegen die Kirche gehetzt. Im Jahre l848 fand sich der Chef der Propaganda, Mazzini, noch bewogen, mit dem verführerischen Anerbieten vor Pius IX. zu treten, ihn zum Herrn der Welt machen zu wollen, wenn er sich an die Spitze der Revolution stelle. Dem Antrage folgte unmittelbar die Enttäuschung; man wagte aber nachher dennoch nicht, direct seine Angriffe auf daS Pastthum und die Kirche zu richten, und Mamiani gab daher bei Eröffnung der römischen Kammern dem Papste die höchst bequeme und für die Revolution ungefährliche Rolle, „sitzend im heiteren Frieden religiöser Dogmen zu beten, zu segnen und zu verzeihen." Die Revolutionspartei fühlt, daß sie damals irre gegangen ist; sie denkt nicht mehr daran, dem Papste die Rolle eines Weltbeherrschers anzubieten, oder nach Zerstörung ') A. d. D. Volkshall«. 266 der Throne und neben der politischen Revolutionsanarchie das Papstthum „im heitern Frieden seiner Dogmen" bestehen zu lassen; sie sieht eS ein, daß die stärkste Gegnerin der Revolution die auf dem Felsen Petri ruhende Kirche ist, und ihr gilt daher vorab ihr Haß und ihre Zerstörungswuth. Die Schweiz, wo die Revolution — man kann sagen, mit Erlaubniß der europäischen Diplomatie — auf den Thron gekommen ist, führt unS die gleiche Thalsache vor Augen. Die Thätigkeit der RevolutionSpartei in diesem Lande ist gegenwärtig hauptsächlich auf Ruin der Kirche gerichtet. Die beiden großen katholischen Cantone Luzern und Freiburg seufzen unter einem unerhörten Tcrrorismus, der in dem erstem vermittelst der frechsten Wahlverfälschungen, in dem letztern aber ganz nackt und offen und ohne Wahlen ausgeübt wird; sie seufzen hauptsächlich unter diesem TerrorismuS, weil daS Volk dieser beiden Cantone katholisch gesinnt ist. Die Schweiz besitzt gegenwärtig nur noch zwei Lehranstalten, wo ein katholischer oder christlich gesinnter Vater mit Beruhigung seinen Sohn hinschicken kann; das ErziehungS- Systcm wird allenthalben systematisch so eingerichtet, daß in kurzer Zeit der christliche Glaube sowohl in den katholischen als in den protestantischen Cantonen auS den Herzen der Jugend ausgerottet seyn muß, und die nächste Generation als eine dem Unglauben verfallene von der Revolutionspartei schon jetzt begrüßt werden kann. Wie weit der Hohn gegen den Katholicismus an einigen Orten schon jetzt getrieben wird, beweist die von Ihrem Blatte berichtete Thatsache, daß unter den Augen der obrigkeitlichen Versteigerungsbehörde Juden die gekauften Reliquien aus den aufgehobenen Thurgauer Klöstern, nachdem sie dieselben von ihrer werthvollen Einfassung befreit hatten, auf den Misthausen warfen, wo sie der protestantische Hausknecht voll Empörung über diesen Frevel aufhob und einem andern Ehrenmanne übergab. Die gegenwärtig projectirte Hochschule soll nichts Anderes, als die Krone dieses Entchrist- lichungSsystemS und vorzüglich ein specieller Hohn auf den Katholicismus seyn, indem man sogar auch die Lehrstühle der katholischen Theologie nach Zürich, dem Sitze dcS Zwinglianismus, verlegen will. In Frankreich schlägt die Revolutionspartei in ihrem Anlauf gegen daS Christenthum und die Kirche einen andern Weg ein. Sie hat in Frankreich die durch den Februarsturm errungene Staatsgewalt wieder auS den Händen verloren; sie kann daher nicht wie in der Schweiz und Sardinien von StaatSwegen am Ruin der Kirche arbeiten; sie geht deßwegen dort darauf los, das Christenthum, mit seinem göttlichen Stifter an der Spitze, zu einer communistischen Fratze herunterzuzerren und auf die Art alle religiöse Pietät in den Herzen des gemeinen Volkes auszurotten. Deutschland hatte schon lange das Privilegium eines das Christenthum verhöhnenden Unglaubens; eS mangelte nur noch Eines, eine gerichtliche Bestätigung dieses Privilegiums; das katholische Bayerland hat nun auch dieses ausgestellt. Kirchliches Leben in Frankreich. „Die Idee der kirchlichen Einheit" — so schreibt ein mit den dortigen Zuständen vertrauter römisch-katholischer Freund — „die Idee der Solidarität der kirchlichen Interessen war in Frankreich nie lebendiger als jetzt. Der Materialismus weicht einem höhern Lebenstriebe. Ein bezeichnendes Symptom ist daS Gedeihen zahlreicher Vereine für kirchliche und religiöse Zwecke. Der Verein des heiligen Vincenz von Paul, 1833 durch acht Studenten in Paris gegründet, dehnt jetzt sein Netzwerk nicht bloß über Frankreich, sondern zugleich über große Theile von Deutschland, Holland, England, Amerika, so wie über ganz Belgien aus. Er hat ein Jahresbudget von mehrern Millionen und übt und fördert eine ganze Reihe von Liebeswerkcn, bei denen stets der Schwerpunct auf der persönlichen Aufopferung im Geiste des Gebets gelegt ist. Früher schon war der lyoner MissionSverein in ähnlicher Weise aus einem unscheinbaren Samenkorne erwachsen. SK7 Beide breiten sich trotz der Noth der Zeit — vielleicht durch die Noth der Zeit — von Tag zu Tag immer mehr aus. In neuester Zeit hat sich ihnen der Verein für den freien Unterricht beigesellt, an dessen Spitze der bis dahin wahrlich nicht durch ultramontane Tendenzen bekannte Graf Mo 16 sieht, — welcher Verein bereits viele von der Universität und ihrem freigeisterischen Anhange unabhängige Bildungsanstalten gegründet hat —, ferner der Verein der heiligen Kindheit Jesu, der Verein für die Bekehrung der Sünder, und eine Menge von Gebetsvereinen. Hieran reihet -sich das Zunehmen der Klöster, besonders für Werke christlicher Liebe, die Erfolge der Missionen, der stets steigende Zudrang zu den Beichtstühlen, zu den Predigten, zu dem Gottesdienste. Ein Capucinerkloster ist durch freiwillige Beiträge gegründet worden. Vor zwanzig, vor zehn, ja, noch vor fünf Jahren hätte eine Capu- cinerkutte ganz Paris in Aufruhr versetzt. Jetzt umgibt die Ehrfurcht deS Volks die tonsurirten Väter trotz alles Schnaubens und Geiferns der revolutionären Zeitungen. Voltaire ist kaum noch für den Pöbel genießbar, so wahr es auch ist, daß eine nicht unbedeutende Fraction deS Volkes unter noch viel vewerflicheren Einflüssen als den volta irischen steht, — wodurch aber die Gegensätze auf die Spitze getrieben und die zerstörenden Principien heilsam entlarvt werden. Man erkennt mehr und mehr, daß das Heil nur kommen kann von den vielfachen auf Gott vertrauenden Seelen, von ihren Gebeten und Thaten, von Organisationen, die in der Pflicht, in der Opferwilligkeit wurzeln, von der Rückkehr zu Gott. Eng mit diesem Erwachen der Kirche hängt das Wiederaufleben der christlichen Kunst zusammen, die, wie so manches andere Wahre und Hohe, vormals an dem französischen Königshofe ihr Grab gefunden hat. Aus diesem Gebiete kann man die falschen Principien als bereits überwunden ansehen. Zwei großartige Vereine, von denen der eine in Paris centraliflrt ist und von der Regierung geleitet und genährt wird, während der andere in eifrigster Concurrenz seine Wurzeln in den Provinzen durch alle Volksschichten treibt, haben schon wahrhaft Außerordentliches geleistet für die Geschichte und die Monumente des christlichen Frankreichs, für die Erhaltung des Alten, wie für die Erschaffung von Neuem im Geiste des Alten. Das Geburtsland des Rokkoko steht unbestreitbar an der Spitze der Reaction zum katholischen Mittelalter hin. Prachtwerke aller Art, periodische Schriften, zahllose Monographien, theilweise mit der reichsten Ausstattung, u. s. w. bilden bereits eine fast unübersehbare Literatur für die christlich-nationale Kunst und Kunstgeschichte. Daß dieß nicht etwa bloß Modesache ist, beweist schon die lange Dauer und die stets wachsende Stärke dieser Strömung, mehr aber noch die bedeutenden materiellen Opfer, welche allerwärtS dafür gebracht werden. Vor einigen Monaten noch brachte der CultuSminister einen Gesetzvorschlag ein auf Bewilligung eines außerordentlichen Fonds von 80 Millionen Franken, um die Kathedralen, bischöflichen Paläste und Seminarien gründlich im Geiste ihrer Erbauer wieder herzustellen, und schon hat die betreffende Commission ihre Zustimmung ertheilt. Wenn man die Finanznoth denkt und an die ohnehin schon sehr bedeutenden regelmäßigen Verwendungen für diese Zwecke, so wird man einer solchen Bewilligung ihre tiefe Bedeutung nicht absprechen, David und seine Schule nicht bloß, sondern noch bis in die neueste Zeit die Aca- demie betrachteten die gothischen Kathedralen und sonstigen Monumente als etwas durchaus „Ueberwvndeneö" (verzeihen Sie den Literaten-Jargon!), an das die Gegenwart in keiner Weise mehr anknüpfen könne, Und nun treten diese Schöpfungen wieder mitten in das Leben ein und werden die Begründer einer Schule, welche vor Allem darauf ausgeht, die Fäden wieder aufzusuchen, welche das sechszehnte Jahrhundert in leichtsinniger Neuerungssucht hat fallen lassen. Als Beleg hierfür erwähne ich den Bau einer Wallfahrtskirche bei Rouen (notre clome <1u Kon secour8), eines großartigen Quaderbau'S im reichsten gothischen Styl mit 36 brillanten Farbenfenstern ausgestattet. Binnen wenig Jahren ist dieser Bau lediglich von freiwilligen Gaben aufgerichtet worden, in Frankreich, wo man mehr als in irgend einem andern Lande gewohnt war, für Alleö die Behörden sorgen zu lassen, in dem gelob- 268 ten Lande der Vielregiererei. Ich brauche nicht erst hervorzuheben, daß solchen keines- wegeS vereinzelten Thatsachen Ideen zum Grunde liegen, die weit hinausreichen über das ästhetische Gebiet, wie denn überhaupt das Reich des Schönen nicht bloß hineinreicht in das deS Wahren, sondern auf die Wesentlichkeiten gesehen, damit zusammen fällt." (N. Pr. Z.) _ Blumen aus dem Schriftgarten des heiligen Bernardus. (Fortsetzung.) 211. Verstand. Zwei Dinge in uns müssen gereiniget werden, der Verstand und der Wille: der Verstand, damit er erkenne, der Wille, damit er wolle. Diese sind sich öfter einander entgegen, so, daß der eine das Höchste, der andere das Niedrigste zu verlangen scheint. Wie groß aber ist der Schmerz, wie schwer die Qual der Seele, wenn sie von ihr selbst so zerstreut, so zerrissen, so zertrennt wird. Der Verstand aber wird herabgedrückt, wenn er vieles denkt, wenn er sich nicht sammelt bei Einer und einzigen Betrachtung, welche angestellt wird über jene Stadt, die sich zur Gemeinschaft zusammenfügt. Ein solcher Verstand muß fallen und zerstreut werden in vielen Dingen unv auf viele und vielerlei Weisen. Die Neigungen aber werden bei der Verderbtheit deS Leibes von verschiedenen Leidenschaften eingenommen, und können niemals beruhiget, geschweige denn geheilet werden, bis der Wille Eine sucht und auf Eine merkt. 212. Vertraulichkeit. Es ist ein gemeines Sprüchwort, daß zu große Vertraulichkeit Verachtung erzeuge. 213. Verzeihung. Es gibt Einige, welche das Unrecht so verzeihen, daß sie sich nicht rächen, doch öfter darüber Vorwürfe machen. Wieder Einige gibt eS, welche zwar schweigen, in deren Gemüth eS jedoch tief vergraben bleibt, und im Herzen behalten sie einen Groll. Keine von den beiden ist eine volle Verzeihung. Weit gütiger, als diese Menschen, ist die Natur der Gottheit: sie handelt großmüthig, verzeiht vollkommen, so, daß wegen des Vertrauens der Sünder (aber der bußfertigen) dort, wo die Sünde überschwänglich war, auch die Gnade überschwänglich zu werden pflegt. Zeuge ist der Vvlkerlehrer Paulus, der mit der göttlichen Gnade mehr, als Älle, wirkte. Zeuge ist Matthäus, der vom Zollstuhle zum Apostel erwählt, dem auch gegeben wurde, der erste Schriftsteller des neuen Testamentes zu werden. Zeuge ist der Apostel, dem nach dreimaliger Verläugnung die Hirtensorge der ganzen Kirche übergeben wurde. Zeugin ist endlich auch jene verrufene Sünderin, welcher selbst im Anfange ihrer Bekehrung eine solche Fülle der Liebe geschenkt wurde, und nach einer solchen Verzeihung eine so große Gnade der Vertraulichkeit. Wer hat Maria angeklagt, und mußte sie für sich reden? Wenn der Pharisäer murrt, wenn Martha klagt, wenn die Apostel ungehalten werden, Maria schweigt, Christus entschuldiget, ja lobt sogar die Schweigende. 214. Verzweiflung. DaS Vollmaciß einer jeden Sünde bringt die Verzweiflung. Die Verzweiflung kommt von der Unkenntniß Gottes. Wenn uns die Unkenntniß Gottes festhält, wie werden wir auf den hoffen, den wir nicht kennen? Wir wissen aber, daß die Verzweifelnden keinen Theil oder keine Gemeinschaft haben am Lovse der Heiligen. Aber lasset unö sagen, wie die Unkenntniß GolteS die Verzweiflung erzeuge! ES mag Jemand in sich gehen unv an sich selbst ein Mißfallen haben wegen deö LS9 Bösen, das er gethan, und daran denken, weise zu werden und umzukehren von allem bösen Wege und seinem fleischlichen Umgange, wenn er nicht weiß, wie gut Gott sey, wie süß und sanft und wie geneigt zum Verzeihen, wird ihn nicht seine fleischliche Gesinnung anklagen und sagen: Was thust du? willst du dieses und jenes Leben verlieren? Deine Sünden sind sehr groß und zahlreich, keineswegs kannst du, wenn du dir auch die Haut abziehest, hinreichende Genugthuung für so viele und so große Sünden leisten. Die Verbindung ist eine zarte, das Leben ist so bequem, die Gewohnheit wirst du schwer überwinden. An diesem und Aehnlichem verzweifelt der Elende, fällt ab, indem er nicht weiß, wie leicht die Güte deS Allmächtigen (die keinen zu Grunde gehen lassen will) alle diese Schwierigkeiten lösen könne, und eS erfolgt die Unbußfertigkeit, welche das größte Verbrechen und eine unverzeihliche Gotteslästerung ist. 215. Vier letzte Dinge. „In allen deinen Werken gedenke an deine letzten Dinge, so wirst du in Ewigkeit nicht sündigen." Nämlich dieser Gedanke macht am meisten gottesfürchtig. Die Furcht vertreibt die Sünde", damit die Nachlässigkeit sie nicht zulasse. Unsere letzten Dinge aber sind der Tod, das Gericht, die Hölle. WaS ist fürchterlicher, als der Tod, was schrecklicher, als das Gericht. Denn Unerträglicheres kann nichts gedacht werden, als die Hölle. WaS wird der fürchten, der bei diesen Dingen nicht zittert, nicht erblaßt, nicht erschüttert wird? In allen deinen Werken gedenke an deine letzten Dinge: an die Schrecken des Todes, an den zitternden AuSgang des Gerichtes, an die Angst vor dem Brande der Hölle. Entferne nie zu weit aus den Augen deines Herzens die letzten Dinge. Fürchte, o Mensch, daß du im Tode getrennt wirst von allen Gütern dieses Leibes, und das süße Band deS Fleisches und der Seele wird durch die bitterste Ehescheidung zerschnitten werden. Fürchte, daß du in dem schauerlichen Gerichte vor den hingestellt wirst, in dessen Hände zu fallen eS schrecklich ist. Wenn der dich durchforscht, dem nichts verborgen ist, und an dir Unrecht befunden wird, so wirst du entfremdet der Ruhe und Herrlichkeit und ausgeschieden von der Zahl der Seligen. Fürchte, daß du in der Hölle ewigen und unermessenen Peinen ausgesetzt werdest im Antheile des Teufels und seiner Engel im ewigen Feuer, daS ihnen bereitet ist. Mein Sohn, gedenke an deine letzten Dinge! Woher, meine Brüder, kommt unsere Verstellung? Woher diese so verderbliche Lauigkeit, woher diese so verwünschenswerthe Sicherheit? Was hintergehen wir Elende uns selbst? Sind wir vielleicht schon reich geworden, sind wir schon Herrscher? Umlagern nicht die Thüre unsers HauseS jene schrecklichen Geister? Warten nicht auf unsern Ausgang jene Gespenstergesichter? Welch ein Schrecken wird das seyn! O meine Seele, wenn du Alles verlassen mußt, dessen Gegenwart dir jetzt so angenehm, dessen Anblick so lieblich, dessen Umgang so vertraulich ist, wenn du allein gehen mußt in unbekanntes Land,' wenn du die abscheulichsten Ungeheuer auf dich zukommen und haufenweise auf dich stürzen siehst, wer wird dir zu Hilfe kommen am Tage dieser Bedrängniß? Wer wird dich schützen vor den Brüllern, die bereit sind, dich zu fressen? Wer wird unS trösten, wer entreißen? — Meine Söhne, geden-- ken wir an diese unsere letzten Dinge, damit wir nicht sündigen! 2l6. Vollkommenheit. DaS Böse wollen ist ein Fehler des Willens. Das Gute wollen ist ein Fortschritt desselben: genug seyn aber zu allem Guten, was wir wollen, ist seine Vollkommenheit. Damit wir also unser Wollen, welches aus freier Wahl kommt, inne haben, bedürfen wir eines doppelten Geschenkes der Gnade, und zwar weise zu sey», welches die Hinneigung deS Willens zum Guten ist, und auch vollkommen zu können, welches die Befestigung desselben im Guten ist. Weiter besteht die vollkommene Hin- 270 neigung zum Guten darin, daß nichts gefällt, was sich nicht geziemt: die vollkommene Befestigung im Guten, daß nicht fehlt, was gefällt. Nicht vollkommen seyn wollen heißt nachlassen. Nirgends erkennt sich das Maaß der menschlichen UnVollkommenheit besser, als im Lichte deS Angesichtes Gottes, im Spiegel der göttlichen Anschauung. 217. V ö l l e r e i. Die Gaumenlust, welche heutigen Tages so hoch geschätzt wird, enthält kaum die Breite von zwei Fingern, und doch wird dieser kleine Theil, dieses geringe Vergnügen mit so großer Sorgfalt gepflegt, daß eine Last daraus entsteht! Durch die Gaumenlust werven die Nieren und die Schultern unnatürlich ausgedehnt, die Bäuche schwellen, werden nicht so sast stark, sondern vielmehr mit Fett angefüllt, und weil dann die Gebeine die Last deS Fleisches nicht aushalten können, werden auch verschiedene Krankheiten erzeugt. So kommt man zu dem reizenden Schlund der Sinnenlust durch Bemühung und Aufwand mit Verlust der Ehre und mit Lebensgefahr, indem der brennende Schwefelgestank die Wüthenden mit Stacheln treibt, und der hartnäckige Slich der vorüberfliegenden Bienen, wo sie auf boshafte Weise angenehmen Honig ausgießen, die getroffenen Herzen verwundet, worauf Angst, Verwün- schung, Schande und das Ende der Vollere! vollkommen erkannt werden. Daß eS übrigens Eitelkeit der Eitelkeiten und nichts sey, kann man sogar nach dem Namen beurtheilen; eitel ist also auch die Mühe, die auf diese Eitelkeit verwendet wird. O Ehre, Ehre, spricht der Weise, in Tausenden von Sterblichen ist nichts, als eitle Aufgeblasenheit der Ohren, und was glaubst du, was diese glückliche Eitelkeit für ein Unglück sey, welches das eitle Glück erzeugt? Daher kommt die Blindheit deS Herzens, wie geschrieben steht: „Mein Volk, Diejenigen, welche dich erfreuen, führen dich in Irrthum." Daher kommt die eigensinnige Wuth der Herzhastigkeit, daher die mühevolle Last des Verdachtes, daher die grausame Marter deS NeideS und die erbärmliche Kreuzigung der Mißgunst. So ist auch unersättlich die Liebe zu den Reichthümern,' plagt weit mehr die Seele durch Verlangen, als sie durch Genuß erquickt: denn es zeigt sich, daß ihr Erwerb voll Mühe, ihr Besitz voll Furcht, ihr Verlust voll Schmerz ist. Angefüllt den Bauch mit Bohnen, das Herz mit Stolz, verdammen wir die fetten Speisen, als wenn es nicht besser wäre, weniges Fleisch nach Bedürfniß zu essen, als sich mit blähenden Gemüsen bis zum Erbrechen zu übersättigen, besonders da Esau nicht wegen deS Fleisches, sondern wegen ves Gemüses getadelt, Adam wegen deS Baumes, nicht wegen des Fleisches verurtheilt wurde, Jonathas wegen Genusses des Honigs, nicht deS Fleisches in das Todesurtheil verfiel. Im Gegentheile Elias aß meistens Fleisch, Abraham bewirthete die Engel mit köstlichem Fleische, und Gott selbst befahl, daß ihm Fleisch geopfert werde. Aber eben so ist es auch besser, wegen Schwäche des Magens ein wenig Wein zu genießen, als sich auS Gierde mit vielem Wasser zu überschwemmen, weil auch Paulus dem TimotheuS rieth, ein wenig Wein zu trinken, und der Herr selbst Wein trank, so daß er ein Weinsäuser genannt wurde, und auch seinen Aposteln zu trinken gab: überdieß hat er aus dem Weine das Geheimniß seines BluteS bereitet: aus der Hochzeit gestattete er nicht das Wassertrinken, und an dem Wasser des Zankes strafte er fürchterlich daS Murren deS Volkes. Auch David fürchtete sich das Wasser zu trinken, das er verlangt hatte, und jene Männer deS Gedeon, welche gierig mit gebogenen Knieen aus dem Flusse tranken, wurden nicht für würdig geachtet, in den Kampf zu gehen. Nichts von der heiligen Schrift, nichts vom Heile der Seelen kommt bei Gastmählern vor: sondern Possen, Gelächter und Worte werden in den Wind gesprochen. Wie bei Tische der Gaumen mit Gerichten, so werden die Ohren mit Gerüchten genährt, auf die du merkest, und so kein Maaß im Essen zu beobachten weißt. Unterdessen werden Speisen auf Speisen aufgetragen, und statt des Fleisches, dessen man sich enthält, werden die Stücke großer Fische verdoppelt. Und obgleich du mit 271 dem vorigen gesättiget wärest, wenn du angenehme verkostest, scheinst du noch keine Fische gegessen zu haben. Mit solcher Sorgfalt nämlich und solcher Kochkunst ist Alles zubereitet, daß, wenn du auch vier oder fünf Gerichte verschlungen hast, die erstem die letztern nicht hindern, und die Sättigung die Eßlust nicht vermindert. Zu was aber Alles dieses, als daß Rath geschafft werde gegen Ekel? Darum wird Sorge getragen, daß die Gestalt der Dinge von außen so erscheine, damit sowohl daS Gesicht als der Gaumen ergötzt werde, und wenn auch der Magen durch häufiges Aufstoßen sein Vollseyn anzeigt, so ist doch der Vorwitz noch nicht gesättiget. Aber während die Augen durch die Farben, der Gaumen durch die Wohlgerüche gereizt werden, wird der unglückliche Magen, den nicht einmal die Düfte besänftigen, während er Alles aufzunehmen gezwungen wird, mehr erdrückt und erstickt, als erquickt. Der Mensch hat keinen härtern Dränger, als den Bauch. Süße Weine und fette Speisen dienen dem Leibe, nicht dem Geiste. Du magst sie auS den Händen reißen, nicht die Seele wird gesättiget, sondern der Leib: Pfeffer, Ingwer, Zimmet und Salbei kitzeln zwar den Gaumen, entzünden aber die Fleischeslust. Wer klug und mäßig lebt, dem ist Hunger mit Salz ein hinreichendes Gewürz. 218. Vorgesetzte. Hören sollen die Vorgesetzten, die den ihnen Anvertrauten beständig zur Furcht, selten zum Nutzen seyn wollen: „Laßt euch weisen, die ihr Richter seyd auf Erden!" Lernet Mütter, nicht Herren der Untergebenen zu seyn. Bemühet euch, mehr geliebt, als gefürchtet zu werden, und wenn auch manchmal Strenge nothwendig ist, so sey sie väterlich, nicht tyrannisch. Stellet Mütter vor in der Liebe, Väter bei der Strafe. Werdet sanft, leget ab die Wildheit: sparet die Ruthe, zeiget die Brüste, die von Milch, nicht aber von Stolz voll seyn sollen. Warum erschweret ihr das Joch derjenigen, deren Lasten ihr vielmehr tragen sollet? Warum flieht der von der Schlange gebissene Knabe die Mitwissenschaft des Priesters, zu dem er vielmehr wie in den Schooß der Mutter hätte sich flüchten sollen? Wenn ihr geistig seyd, so unterweiset Solche im Geiste der Sanftmuth, indem ein Jeder auf sich merkt, damit er nicht auch versucht werde. Sonst wird er sterben in seiner Sünde, aber sein Blut will ich von deiner Hand fordern. 219. V o r st e h e r. Die Vorsteher der Kirche müssen ertragen ihre Untergebenen, die sie zurechtweisen, und zurechtweisen, die sie ertragen. Daher ließ Salomon an den Gestellen des Tempels deS Herrn daS Bild eines Löwen, eines Ochsen und eines Cherubs aufstellen. WaS bezeichnen die Gestelle anders, als die Vorsteher der Kirche? Diejenigen, welche die Sorge der Leitung übernehmen, tragen wie Gestelle die aufgelegte Last. Cherubim bedeutet die Fülle der Wissenschaft. Durch den Löwen wird die Furcht vor der Strenge vorgebildet. Dnrch den Ochsen aber wird die Geduld der Sanftmuth angezeigt. Auf den Gestellen stehen die Löwen nicht ohne Ochsen, die Ochsen nicht ohne Löwen, weil die Vorsteher der Kirche manchmal strenge, ein anders Mal sanft zurechtweisen müssen, manchmal mit Worten, manchmal auch mit Geißeln, weil derjenige, der durch sanfte Worte nicht gebessert wird, strengere Behandlung verdient. Mit Schmcrzon müssen jene Wunden weggeschnitten werden, welche auf leichte Weise nicht mehr zu heilen sind. Der Weg zum Teufel. ES führen zwei Wege von erschrecklich ernsthafter Bedeutung durch das menschliche Leben hindurch: der eine ist des Teufels Landstraße, glatt, eben, von anscheinender Bequemlichkeit und voller Juchhe! und Freuden; — der andere ist der schmale S7S Hv>^I II < ^Ä ^!'! Pfad unseres lieben Herrn und Heilands Jesu Christi; dieser Pfad aber ist zum Theil mit Dörnern bewachsen, zum Theil steinigt, zum Theil scharf bergaufführend und mühsam, so daß eS viel Schweiß und Anstrengung kostet, denselben zu wandeln, und Freuden scheinen auf diesem Pfade nicht viele zu blühen und zu wachsen. Aber was kümmert uns der Schein? Fort mit dem Schein! — wir fragen nur nach dem Ziele. Und welches sind die Ziele beider Wege? Die breite Landstraße deö Teufels führt zur Verdammniß, zum ewigen Tode der Seele; sie führt zur Hölle, wo der gesammte Schwärm der Leidenschaften und Lüste als ein scheußliches und wuthentbranntes Ungeziefer ohne Aufhören an der verlorenen Seele nagt und saugt, daß eS ein Stück Eis erbarmen möchte; sie führt zur Hölle, wo niemals ein Wort des Friedens, des Trostes, der Liebe und des Erbarme'ns ertönt, wo nur Rache, Wuth, Verzweiflung und rasende Sündenlust kocht und die gräßlichste Gotteslästerung und schändlichste Schmähung alles Heiligen ihren siedenden Giflschaum aufspritzt; — sie führt zur Hölle, wo die auf ewig verfluchten Seelen, in die Scheu- salSgcstalten der Teufel gekleidet, mit unerhörter und unbegreiflicher Wuth und Kraft gegen einander einen niemals endenden Vernichtungskampf kämpfen, wo die ausgelassenste Verfolgung tobt, wo daö furchtbarste Verzweiflungsgeschrei und Schmerz- gestöhn unausgesetzt die Räume erfüllt und Qualen ohne Maaß und Ziel auf ewig, auf immerdar die Verdammten foltern. Wehe denen, welche die sanft bergabführende breite Landstraße des Teufels wandeln! Die kurzen Freuden werden in endlose Leiden, das ausgelassene Freudengelächter und blinde Genießen in das entsetzlichste Schmerz- gcbrüll und in Bitterkeiten über alle Bitterkeiten und in unaussprechlichen Ekel verwandelt werden. Eure bleibende Wohnstätte wird seyn unter den Verfluchten, welche nur immer von Anfang an mit Hellem Bewußtseyn und hochmüthigem Trotze gegen Gott den Vater, Jesum Christum den Sohn, und den heiligen Geist gestritten und gekämpft haben; das Blut Jesu Christi und seiner heiligen Bekenner und Märtyrer wird über euch kommen und euch mit um so fürchterlicherer Pein umschlingen, je mehr ihr auf Erden in verruchten Freuden geschwelgt und gottlose Pläne ausgeführt habt. Aber der schmale Pfad Jesu Christi, ob er auch steil, dornenvoll und mühsam ist, führt zur ewigen Glückseligkeit. An den Dornen dieses PfadeS erblühen die Rosen der Keuschheit, der Königin unter den Tugenden, die Rosen der göttlichen Liebe, der Demuth, des heiligen GottvertrauenS, der Andacht, der Nächstenliebe, deS Eifers für alles Heilige und Heilsame, des festen Glaubens und der Beharrlichkeit, welches die Krone des ewigen Lebens in der glückseligen Anschauung GotteS zu Theil wird. AuS den Kelchen dieser Rosen duften dem mühseligen Waller die stär- kendsten Gnaden entgegen und erquicken ihn mit Trost, Frieden und sanfter, heiliger Herzensfreude. Die scharfen Steine, welche auf diesem Pfade deinen Fuß verwunden, sind köstlicher zu achten als die werthvollsten Edelsteine, da sie dir zur heilsamen Buße und Reinigung von deinen Sünden und UnVollkommenheiten dienen. Die Beschwerden und Mühen der Wanderung ober stärken dich allmälig zu immer größerem Eifer und zur Ausdauer. (Kath. Sbl.) B r e S l a n. Die „Schles. Ztg." bringt folgende Mittheilung: „Ein Artikel in der „Schles. Ztg." gibt den Beweis, daß die unter unsern protestantischen Brüdern eingetretene Zurückströmung in die alte Mutterkirche ein großes Interesse für sich in Anspruch nimmt. Es wird daher nicht unwillkommen seyn, mit Rücksicht auf die Hauptstadt unserer Provinz zu vernehmen, daß in ihr ein einziger kathol. Geistlicher binnen drei Jahren durch Katechumenen-Unterricht über 600, und auf dem Krankenbett gegen 120 zur kathol. Kirche zurückgeführt, also im Ganzen zwischen 7—800. Dazu kommen die vereinzelt durch andere Geistliche, welche keine fortdauernde Katechumenenschule halten, noch Aufgenommenen hinzu." Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. Verlags-Jnhaber: F. C. Krem er.