Eilfter Jahrgang. Sonntags-Beiblatt zur Augsburger Pojtzeitung. 7. September ^ S«. 1851. Dieses Blatt erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der halbjährige Abonnementspreis Hl) kr., wofür es durch alle königl. bayer. Postämter und alle Buchhandlungen bezogen werde» kann. Die königlichen Collegien in Irland. Die zu Löwen erscheinende „Revue catholique" veröffentlicht zwei noch ungedruckte lateinische Dokumente über die „gottlosen" Collegien. Sie lauten in deutscher Uebersetzung wie folgt: 1. Decret der Kongregation cle propsAsriäs kiäe vom 23. Mai 1851. Die Decrete des irischen Concils zu Thurles, welches im vorigen Jahre unter dem Vorsitz des hochwürdigsten Herrn Paul Cullen, Erzbischofs von Armagh, Pri- maS von Irland und apostolischen Delegaten, gehalten ist, zu welchem die Bischöfe aus ganz Irland zusammen gekommen waren, sind der heiligen Congregation 6« ?ropgßgnäÄ licle vorgelegt worden: nach reiflicher Ueberlegung haben Ihre Eminenzen in der am 23. April d. I. gehaltenen allgemeinen Versammlung derselben Congregation erklärt, daß alle Decrete mit einigen Veränderungen zu genehmigen und auszuführen seyen. Diese Erklärung der heiligen Congregation ist Seiner Heiligkeit unserm Herrn Papst Pius IX. von dem unterzeichneten Secretär derselben heiligen Congregation in der Audienz vom 4. Mai vorgelegt, und Seine Heiligkeit haben dieselbe bestätigt und zu beobachten besohlen. — I. PH. Cardinal Fransoni, Präfect. AI. Barnabo, Secretär. 2. Beschlüsse der Synode von ThurleS über die königlichen Collegien in der vom Papste genehmigten Fassung. 1) Da wir im römischen Papste den Stellvertreter Christi auf Erden und den Nachfolger des heiligen Petrus anerkennen und verehren, dem von Gott daS Amt übertragen ist, die Gläubigen in den besten Lehren zu unterweisen und von den verpesteten und Vergifteren Weiden fern zu halten: so geben wir gern und mit gebührendem Gehorsam den Ermahnungen und Rescripten unsere Zustimmung, welche die Frage über die neulich bei uns errichteten königlichen Collegien betreffen, und uns im Austrage des Stellvertreters Christi selbst von der heiligen Congregation 6e ?ro- pgMncls käs mitgetheilt sind. 2) Nicht allein am Buchstaben, sondern am Geiste dieser Rescripte festhaltend, erklären wir, daß kein irischer Bischof an der Leitung und Verwaltung besagter Collegien irgend welchen Antheil nehmen darf. 3) Allen Priestern und andern Klerikern verbieten wir, ein Amt, welches auf die Verwaltung dieser Collegien Bezug hat, anzunehmen oder zu behalten, oder Professoren oder Religionslehrer an denselben zu werden oder zu bleiben. 4) Wenn ein Priester oder Kleriker sich erkühnt, mit Verachtung der Auctoritäc des apostolischen Stuhls oder des Statuts dieses Concils, anders zu handeln, so trifft in Suspension ipso kaew. 'Kv!7)?ij.o?--) «>6 ikD mz?Z? mz6 nf, s4n»vt iimk)H KNvjttK' «E, ,?tck1n?ä DWKÄQ S8L 5) Außerdem erklären wir, daß die besagten Collegien wegen der großen und wesentlichen Gefahren, welchen nach dem Urtheil des apostolischen Stuhls in denselben der Glaube und die Sitten der studirenden katholischen Jugend ausgesetzt sind, der Art sind, daß sie von gläubigen Katholiken, welche den Glauben höher schätzen müssen, als alle irdischen Vortheile, in jeder Weise zu verwerfen und zu meiden sind. 6) Damit aber die Gläubigen des unserer Obsorge anvertrauten Volkes, über deren Glauben und ewiges Heil wir Gott strenge Rechenschaft geben müssen, durch unser Schweigen keinen Schaden leiden, werden wir in dem im Namen dieser Synode zu erlassenden Hirtenbriefe die vom heiligen Stuhle erwähnten großen und wesentlichen Gefahren, welchen die katholische Jugend in diesen Collegien ausgesetzt ist, anzeigen und alle Gläubigen mit ernsten und liebevollen Worten mahnen, sich des Besuchs dieser Collegien gänzlich zu enthalten, damit ihr Glaube nicht befleckt und sie nicht von verderblichen Lehren angesteckt werden. 7) Die Bischöfe der Orte, wo die Collegien bestehen, sollen darüber wachen, daß diese Statuten, nachdem sie vom heiligen Stuhle bestätigt sind, von allen Priestern beobachtet werden, und daß von ihnen den Befehlen des apostolischen Stuhles die gebührende Ehrfurcht und den Statuten dieses Concils Gehorsam und Unterwürfigkeit bewiesen werde. Endlich halten wir eS, um für die gute Erziehung der katholischen Jugend zu sorgen, und die wiederholten Empfehlungen des apostolischen Stuhls zu befolgen, für unsere Pflicht, mit allen Kräften dahin zu streben, daß möglichst bald sür die Errichtung einer katholischen Universität in Irland gesorgt werde. Heidelberg. Zur „Entgegnung und Verständigung" bringt die Allg. Ztg. folgenden Bericht über die hiesige Misston und ihre Gegner: Predigten und Andachtsübungen bilden keinen Gegenstand der Besprechung für die politische Tagespresse und sollen keinen solchen Gegenstand bilden; es ist darum sehr begreiflich, und zugleich sehr zu billigen, daß in diesen Blättern von den durch die Väter der Gesellschaft Jesu geleiteten Missionen, welche in dem südlichen Deutschland und am Niederrhein in der neuesten Zeit gehalten wurden, entweder gar nicht oder nur in kurzen Notizen vorübergehend die Rede war. Wenn jedoch in solchen Fällen außer dem kirchlichen und theologischen Interesse allgemeinere culturhistorische oder polnische Momente von selbst in Verbindung stehen, oder damit künstlich in Verbindung gebracht werden, so ergibt sich dadurch ein Gegenstand von allgemeinerm Interesse, und etwas, das besser in dem Innern der Kirche eingeschlossen geblieben wäre, muß auf dem lauten Markt deS Lebens sich verhandeln lassen. Aus diesem Grunde dürfte wohl ein genauerer Bericht über die zu Heidelberg abgehaltene und in diesen Tagen geschlossene Mission auch für diese Blätter, als nicht ungeeignet, erscheinen. Der Bericht soll sich wahrheitsgetreu und einfach nur auf das Thatsächliche beschränken; nur am Schlüsse möge eS vergönnt seyn, einige wenige, kurze Reflexionen beizufügen. Die Missionen begannen in unserm Großherzogthum Baden im Anfang des vorigen JahrS, zur Zeit, als das preußische Heer bei uns im Lande war, und der Kriegszustand durch die preußischen Befehlshaber gehandhabt wurde. ES wäre unter diesen Umständen sehr leicht gewesen, diese Misstonen zu verhindern, unter dem Vorwand, daß das dadurch veranlaßte Zusammenströmen einer großen Menschenmenge sich mit dem Kriegszustande nicht vereinigen lasse; aber solche Hindernisse wurden nicht erhoben, was dem gerechten und erleuchteten Sinn der preußischen Kriegsbe- hörden zur größten Ehre gereicht und gewiß stets in dankbarer Erinnerung bleiben wird. Auch rechtfertigte der Erfolg das dadurch bewiesene Vertrauen, indem auch bei den noch so zahlreich besuchten Missionen überall die vollkommenste Ruhe und Ordnung herrschte. Der Anfang damit wurde in dem obern Theil deö Großherzog- 283 thumS gemacht, in Säckingen, an dem Ort, von wo aus im sechsten Jahrhundert St. Fridolin das heidnische Alemannien zum Christenthum führte. Von da folgten die Missionen dem Laufe deS Rheines: sie wurden gehalten in Freiburg, Offenburg, Mljngen, Mannheim, Schwetzinge«; an einigen Puncten in Württemberg; in der neuesten Zeit bekanntlich in Bonn, Köln, Düsseldorf. Ueberall fanden sie die lebhafteste Theilnahme von Seite des katholischen Volkes, und waren von einer entschiedenen religiösen und sittlichen Wirkung auf die Gemüther. Wenn auch unter den Katholiken selbst manche dagegen waren; wenn sogar einige wenige Stimmen aus dem katholischen KleruS gegen dieses von der Kirche im allgemeinen und von den deutschen Bischöfen insbesondere gebilligte und empfohlene Institut sich erklärten und wenn auch in einigen Zeitungsartikeln dagegen gesprochen wurde, so verschwand diese Opposition in der großen, lebhaften Theilnahme, welche die Mission überall auch bei dem Volke fand. Auch gabeu die Missionen nicht Veranlassung zu konfessionellen Zerwürfnissen. Die evangelischen Geistlichen und übrigen evangelischen Glaubensgenossen ließen die Missionen als einen in den Raum der katholischen Kirche beschlossenen Vorgang gewähren, wenn auch bei den Predigten im allgemeinen darauf Rücksicht genommen wurde; sie äußerten sogar, in Anbetracht dessen, daß die allen Christen gemeinsamen Heilöwahrheite'a in den Geistern und in den Herzen aufs neue geweckt und befestigt wurden, ihre anerkennende und wohlwollende Theilnahme. Nach diesen Vorgängen lMte man gewiß allen Grund anzunehmen, daß auch die ueueste Mission in Heidelberg auf keine Schwierigkeiten stoßen würde, und eS war gewiß ein natürlicher Wunsch einer Anzahl von Mitgliedern der dortigen katholischen Gemeinde, wenn sie diese von der gesetzlichen kirchlichen Autorität gebilligte und anderwärts mit so gesegnetem Erfolg begleitete Anstalt zur Erweckung und Befestigung des religiösen und kirchlichen SinneS auch bei ihrer Gemeinde eingeführt sehen wollten. Man wußte wohl, daß in gewissen Schichten der Gesellschaft und der Presse allen denjenigen in beiden christlichen Konfessionen, welche sich mit einiger Konsequenz zu den erhaltenden Grundsätzen bekennen, wenn sie wie jeder andere Mann des Volkes ihre Kirche regelmäsiig besuchen und dabei für Wiederherstellung einer vernünftigen Freiheit der Kirche sich erklären, das Wort „Jesuit" entgegengerufen wird; man wußte wohl, daß denjenigen, welche überhaupt gegen das Christenthum oder gegen die Religion aus GemüthssNimmung oder grundsätzlich feindselig auftreten, eine solche katholische Mission höchst widerwärtig war, und daß sie viel lieber die frühere Mission von Feuerbach hier wiederholt gesehen hätten; aber solche Rücksichten konnten doch, wie natürlich, nich t von Entscheidung seyn. Selbst wenn man dachte, daß mancher ehrenwerthe Protest ant die katholische Mission hier lieber nicht abgehalten sehen würde, so konnte doch bMigerweise nicht verlangt werden, daß der andere Theil darum auf ein Recht und auf eine wohlthätige und wirksame konfessionelle Einrichtung verzichten sollte. Jene auf den frühern Vorgängen und auf der Natur der Sache gegründete Erwartung, die Mission werde zu Heidelberg ungefähr denselben Verlauf nehmen wie an andern Orten des GroßherzogthumS, ging jedoch nicht ganz in Erfüllung. Kaum war eS bekannt, daß der Erzbischof, dessen Entscheidung der Pfarrer deS OrteS die Sache anheimgestellt hatte, eine Misston für Heidelberg angeordnet habe, so wurde sofort nicht bloß in Zeitungsartikeln sehr lebhaft dagegen gesprochen, sondern eö wurden heftige polemische Flugschriften, neu verfertigte und ältere, so wie auch satirische bildliche Darstellungen um wenige Kreuzer verkäuflich verbreitet, überdies; zwei 'Wochen, lang vorher, ehe die Mission hier begonnen hat, sehr stark gegen dieselbe von den protestantischen Kanzeln gepredigt. Man wird unö ein näheres Eingehen im diese Polemik erlassen. Die Missionäre sollten Sonntag den 3. August Morgens ihre Vorträge beginnen. Die. damalige Überschwemmung verhinderte sie zur bestimmten Zeit einzutreffen. Der Geistliche verkündigte der in der Kirche zahlreich versammelten Menge diesen Umstand, und bemerkte: daß, wenn die erwarteten Prediger noch frühzeitig genug einträfen- um des Nachmittags zu predigen, so würde die Gemeinde davon durch 284 Zusammenläuten der Glocken in Kenntniß gesetzt. Um die Mittagszeit trafen die drei Väter der Gesellschaft Jesu endlich ein, und sogleich nach ihrer Ankunft wurden alle Glocken geläutet. Auf diese Weise wurde ihnen durch die Gunst des Zufalls ein glänzenderer Empfang zu Theil als ihnen zugedacht war. Denselben Nachmittag, kurz nach ihrer Ankunft, bestieg einer der Patres die Kanzel in der dichtgefüllten Kirche, verkündete zuerst die äußere Ordnung, in welcher die Mission abgehalten werden sollte, und sprach dann über den Zweck und die Bedeutung einer solchen Mission, indem er den Tert zu Grunde legte: „Lehret alle Völker." Er setzte auseinander: Christus habe seiner Kirche die Mission gegeben die Menschen zu lehren und zu bessern; dieser Mission entspreche sie durch ihre ganze Einrichtung, durch die Spendung der Sacramenle, durch die Predigt. DaS sey die allgemeine und beständige Misston; durch sie seyen den Gläubigen alle Mittel zu einem christlichen Leben gewährt, wenn sie dieselben gehörig benutzten. Da dieses aber nicht mehr geschehe, so habe die Kirche schon seit langer Zeit solche außerordentliche Missionen angeordnet, wozu die gegenwärtige gehöre. Es werde da nichts anderes gelehrt und geübt als was sonst in der Kirche gelehrt und geübt werde; aber dadurch, daß man eine gewisse Zeit ausschließlich oder vorzugsweise dem Nachdenken und den Andachtsübungen für das Heil der Seele widme, daß die Lehrvorträge nahe zusammengedrängt und in innerer Verbindung aufeinander folgten, werde die Wirkung verstärkt. Manche, welche sonst für religiöse und kirchliche Gegenstände sich weniger interessirten, würden durch das Neue und Außergewöhnliche der Mission, wenn auch anfangs nur auö Neugierde, dahin gelenkt und zum Andenken darüber veranlaßt. Auf bloß äußere Schaustellung oder vorübergehende Rührung sey es nicht abgesehen, sondern auf ernste Belehrung, auf Besserung. Eben so wenig soll in den Predigten polemistrt werden; christliches Leben nach der Lehre der katholischen Kirche zu erwecken und zu befördern sey der Zweck der Misston. Alles dieses wurde in einer klaren, kräftigen, unbefangenen und dabei würdigen Weise ausgesprochen; der Redner selbst machte sowohl durch seine äußere Erscheinung, als durch das was er sagte, den Eindruck eines kräftigen, natürlichen, verständigen, offenen Mannes. Manche der Anwesenden hatten sich wohl unter einem Jesuiten jedenfalls eine unheimliche, verdächtige oder überhaupt absonderliche Gestalt gedacht, und sahen nun zu ihrer Ueberra- schung einen katholischen Priester, gleich den besten und am meisten Vertrauen erweckenden Genossen dieses Standes. Dieser erste Eindruck war entschieden günstig. Am Abend desselben Tages fing sofort der Kreis der Predigten selbst an. Der Obere der Mission unter den drei Priestern predigte über den Glauben an einen persönlichen Gott, und suchte in einem klaren und eindringlichen Vortrag zu zeigen, daß der Glaube an einen persönlichen Gott ein Bedürfniß der menschlichen Vernunft, ein Bedürfniß des menschlichen Herzens und ein Bedürfniß des gesellschaftlichen Lebens sey. Am folgenden Morgen predigte der dritte Missionär über die Sünde und die Strafen der Sünde. Von diesem Tag an wurden dann vierzehn Tage lang jeden Tag drei Predigten gehalten, zum größten Theil über allgemein christliche Glaubens- und Sittenlehre, als: über die Unsterblichkeit der Seele, über die zehn Gebote, über die Gottheit Christi; in mehreren Vorträgen über die christlichen Standespflichten u. dgl.; unter den dem katholischen Bekenntnisse eigenthümlichen Lehren wurden in den Vorträgen behandelt: die katholische Lehre von dem Bußsacramcnt, von dem Abendmahl und von dem Primat des Papstes. Zwei der Väter waren Opfer der Gewaltthat, welche man früher in der Schweiz gegen die katholische Schweiz ausübte, ohne daß der Areopag der europäischen Cabinette dieses europäische Scandal hindern konnte oder wollte; der dritte, ein ganz junger Mann, gehört einem oberschwäbischen fürstlichen Geschlechte an. Wenn die beiden ersten durch ihr früheres Schicksal bei jedem Mann von Rechtsgesühl, welchen Glaubens er auch seyn mag, Theilnahme erregen müssen, so kann man allen dreien die Achtung und die Theilnahme nicht versagen, welche Kraft, Muth, freiwillige Aufopferung für einen Zweck, den man für gut und groß hält, bei Jedermann finden muß. S8S Wie der ganze Cyclus der Vorträge ein wohl bemessenes, in einander greifendes Ganze bildete, so wirkte die verschiedene Individualität eines jeden der drei Prediger auf verschiedene Kreise der Zuhörer, und alle zusammen doch unverrückt zu Einem Ziele. Der Priester, welcher am ersten Tag die Mission eingeleitet hatte, gab seinen Vorträgen bei aller Popularität doch zugleich einen wissenschaftlichen Gehalt und eine wissenschaftliche Form in der Art der Conferences der französischen Prediger, und manche seiner Vorträge können den Vorträgen des Pater Lacordaire an die Seite gestellt werden, so wie er denn selbst mit gleicher Fertigkeit deutsch und französisch predigt. Der jüngste unter seinen Mitgliedern stellte sich die Aufgabe einer gründlichen, aber einfachen Belehrung wie für Katechumenen, und wußte dabei die Herzen zu bewegen und zu gewinnen; der dritte bildete eine gute Vermittlung dieser beiden Pole. Die Konferenzen jenes ersten Redners wurden von einem großen Theile der studirenden Jugend mit sichtbarem Interesse gehört, und füllten für die Katholiken unter denselben, wenn freilich nur vorübergehend, eine an der Universität Heidelberg als badische Landesanstalt bestehende Lücke aus. Es sind nämlich an derselben zwar zwei evangelische Universitätsprediger angestellt, aber kein katholischer; auch besteht nicht wie etwa sonst wohl bei paritätischen confessionellen Verhältnissen der Bevölkerung, wie z. B. an der Universität Bonn, ein Statut oder eine Uebung, wornack man bei den Lehrstellen der Geschichte und der Philosophie auf die katholischen Söhne des Landes Rücksicht nähme. So werden dann die meisten derselben, weil sie bei fast ausschließlich entgegenstehenden Einflüssen zu einer etwaS bessern Einsicht in das Wesen der katholischen Kirche und einer wissenschaftlichen und überhaupt geistigern Auffassung hierin nicht gelangen, ihrer Religion gänzlich entfremdet, was für ihre eigene Person und, wenn sie einmal Antheil an der Verwaltung und Gesetzgebung nehmen, auch für die allgemeinen Interessen nicht anders als höchst nachthcilig seyn kann. Unter den Zuhörern bemekte man auch Studirende der protestantischen Theologie, welche sehr eifrig nachschrieben. Wenn ihre Aufzeichnungen etwa als Grundlage künftiger Kritiken gelten sollen, so ist nur zu wünschen, daß diese Aufzeichnungen mit dem gehörigen Geschick und mit der nöthigen Unbefangenheit gemacht wurden. Derjenige unter den drei Vätern, welcher die dogmatische Begründung zur Aufgabe hatte, trat ohne Anmaßung, aber doch mit großer Sicherheit und Entschiedenheit auf; er erklärte sich bereit, jedem einzelnen Zuhörer, welcher es verlange und welcher neue Einwendungen zu machen habe, Rede stehn oder doch weitere Erläuterungen und Auflösungen der Bedenken geben zu wollen. Bei ihm, so wie bei den übrigen beiden Rednern bemerkte man unverkennbar, wie man auch die individuelle Befähigung jedes einzelnen beurtheilen mag, daß sie auf dem Boden kräftiger Ueberzeugung und eines festen, konsequenten, durch das Nachdenken und die Lebenserfahrungen von Jahrhunderten gegründeten, in lebendiger Tradition erhaltenen Lehr- und Lebenssystems standen. Die Theilnahme an den Predigten so wie an der Ausspendung der Sakramente war sehr zahlreich und die Wirkung eine bedeutende: für die Katholiken anregend und kräftigend; für manche Gegner der Mission eine andere Ansicht bewirkend, wenn schon, wie in solchen Fällen natürlich ist, der größere Theil der entschiedenen Gegner auch jetzt seine Ansicht festhalten wird. Zum Schlüsse nur noch Folgendes. Wir haben die Ueberzeugung, daß, unabhängig davon, ob diese Missionen angenehm oder unangenehm seyn mögen, die stärksten sittlichen, rechtlichen, politischen Gründe dafür sprechen, daß ihnen von Seiten der Katholiken, von Seiten der Protestanten, von Seiten der Regierungen keine Hindernisse in den Weg gelegt werden. Für die Katholiken, wenn auch einer oder der andere sich von der Güte des Institutes nicht überzeugen würde, ist die Sache ganz einfach entschieden: wenn der Katholik bei der Kirche bleiben will (und ob er dieß thun will oder nicht, steht in seinem Willen), so kann er einer Anordnung, welche auf alter, allgemeiner kirchlicher Uebung beruht und von der zuständigen kirchlichen Autorität, von dem deutschen Episkopate, aufs neue angeordnet und empfohlen worden ist, nicht ohne die größte Inkonsequenz entgegen treten; das ein- S86 zelne Individuum hat sich hier wie in analogen Fällen im Staate und in jeder Gesellschaft dem Allgemeinen unterzuordnen. Die Protestanten können, wenn sie nicht ihrem ganzen Princip der freien Forschung untreu werden wollen, nicht durch materielle Mittel, noch weniger durch Schmähungen einen Gegner unterdrücken wollen. Ueberdieß ist die höchste Noth vorhanden, daß alle Bekenner des Christenthums, ja der positiven Religion überhaupt, gegen das Andrängen eines gemeinschaftlichen Feindes gemeinschaftliche Front machen. Bei den heftigen Ausfällen, welche man in der neuesten Zeit gegen die Missionen der Väter der Gesellschaft Jesu gehört hat, liegen zwei offenbare Irrthümer zu Grunde (denn dafür wollen wir sie nehmen). Der erste Irrthum besteht darin, daß man die Jesuiten von der katholischen Kirche trennt, da sie doch durchaus nichts anderes predigen, als was in jedem katholischen Katechismus steht, und da sie von den zuständigen Behörden, deren Urtheil sich jeder Katholik unterordnet, gebilligt und empfohlen sind; der zweite Irrthum besteht dann, daß man so denkt und so sich ereifert, wie wenn es in unserer Zeit, bei unsern jetzigen politischen und rechtlichen Verhältnissen wahrscheinlich oder auch nur vernünftig denkbar wäre, daß die Protestanten oder die Katholiken mit Zwang um ihren Glauben, um ihre Kirche gebracht werden könnten. Es ist doch wahrhaft seltsam von ein paar katholischen Priestern, welche über nichts zu befehlen haben, deren Namen man auf alle Weise herabwürdigt und in allgemeinen Mißcredit gebracht zu haben glaubt, Gefahren für das Bestehen deS Protestantismus in Deutschland zu befürchten, wo er außer seinen rechtlichen und politischen Garantien, in der Geschichte der Vorzeit, in der Denkweise der Gegenwart so viele andere Garantien hat. Die Staatsmänner werden sich aber jetzt doch wohl überzeugt haben, daß man die kirchlichen Verhältnisse nicht wie andere administriren kann; daß nach den Forderungen des Rechts, der vernünftigen Freiheit, im Interesse des Volkes und der Fürsten, die Aufgabe der weltlichen Obrigkeit nur darin besteht, die Ordnung und den Frieden unter den verschiedenen im Staate anerkannten Confessionen durch Gesetz und durch die vollziehend« Gewalt zu handhaben, im übrigen aber die Geister gewähren zu lassen. Blumen aus dem Schriftgarten des heiligen Bernardus. (Fortsetzung.) 225. Weg des Geistes. Es gibt Einige, die im Fleische wandeln, die alle Sorgfalt darein setzen, wie sie den Beschwerden deS Fleisches entgehen, die ihre Tugenden auf die Probe stellen, und doch, während sie die Beschwerden des Fleisches durchaus vermeiden wollen, seinen bösen Gelüsten nicht widerstehen können. Diesen sagt der Apostel: „Wandelt im Geiste", das ist, leget ab eure Sorge, wie ihr den Beschwerden des Fleisches entkommet. Auf diesem Wege des Geistes sind zwei Stufen, eine höhere und eine niedere. Auf der niedern Stufe wandelt der Mensch in seinem Geiste: auf der höhern Stufe im Geiste Gottes. Auf der niedern Stufe wandelt der Mensch, wenn er, zu seinem Herzen gekehrt, rücksichtlich der Neigungen desselben besorgt, in sich tadelt, was er als der Tugend entgegen erkennt. Auf dieser Stufe bringt er Gott das Opfer eines betrübten Geistes unv zerknirschten Herzens durch die Reue. Von dieser Stufe steigt er zur höhern, fängt an, der Wohlthaten Gottes zu geden- ken, wendet sich zur Danksagung und bringt Gott das Opfer des Lobes durch die Andacht. Auf beiden Stufen sieht er Christum, auf der ersten gekreuzigt, auf der zweiten mit Ruhm und Ehre gekrönt. 226. Welt. Den mit irdischen Gelüsten beschäftigten Geist flieht die heilige Unterhaltung, und es kann nicht vermischt werden Wahres mit Eitelm, Ewiges mit Hinfälligem, >287 Geistiges mit Körperlichem, Höchstes mit Niederstem, so, daß du zugleich kosten könntest, was oben, und was auf Erden ist. Jedes Vergnügen dieser W'elt, ihr ganzer Ruhm, und was man in ihr verlangt, ist ganz und gar wenig im Vergleich mit der Seligkeit jenseits: wenn man eS doch noch wenig nennen will, und nicht vielmehr nichts, einen Dunst, der kurze Zeit erscheint. Alles Irdische ist zweifelhaft und hinfällig. Sage mir, wo sind die Liebhaber der Welt, die vor kurzer Zeit mit uns waren? Nichts ist von ihnen übrig geblieben, als Asche und Würmer. Merke fleißig auf, was sie sind, oder was sie waren. Sie waren Menschen wie du, sie aßen, tranken, lachten, brachten ihre Tage im Wohlleben zu, und fuhren zur Hölle in einem Augenblick. Hier ist ihr Fleisch für die Würmer, dort ihre Seelen den Feuerflammen bestimmt, bis sie, dm*ch daS unglückselige Band wieder vereiniget, den ewigen Flammen übergeben werden, weil sie Genossen in den Lastern waren. Denn in Eine Strafe werden verwickelt, die Eine Liebe im Verbrechen verband. Was nützte ihnen der eitle Ruhm, die kurze Freude, die Macht der Welt, die Lust des Fleisches, der falsche Reichthum, die zahlreiche Familie, die böse Begierlichkeit? Wo ist nun das Gelächter, wo der Scherz, wo die Prahlerei, wo die Anmassungl Welch ein Leid auf solche Freude! Welches Elend auf solches Wohlleben! Aus jenem Jubel verfielen sie in große Trübsal, in tiefen Abgrund, in heftige Peinen. WaS ihnen begegnete, kann auch dir widerfahren, weil du ein Mensch bist. Ein Erdenmensch vom Erdboden, Koth vom Kothe. Aus der Erde bist du, von der Erde lebst du, in die Erde kehrst du zurück, wann jener letzte Tag kommt, der plötzlich kommt, und vielleicht heute seyn wird. Gewiß ist, daß du sterben wirst, aber ungewiß, wann und wie oder wo: weil dich also der Tod überall erwartet, so wirst du, wenn du weise bist, ihn ebenfalls überall erwarten. Täuschend ist der Ruhm der Welt, und mit Recht wird er verachtet. Eine Heublume ist er, ein kurzer Dunst. Hat nicht seine Beschaffenheit selbst mehr Angst, als Annehmlichkeit? Wenn du dich rächest, vertheidigest, wenn du darum beneidest, in Argwohn gerathest, wenn du immer liebst, was du nicht hast, und wenn nach einigem Erfolg die Begierde darnach nicht vermindert wird, was ist das für eine Ruhe in deinem Ruhme? Doch wenn es auch einen gibt, so vergeht die Annehmlichkeit, und kehrt nicht wieder: und eS bleibt die Angst, die ihn nicht verläßt. NebrigenS magst du sehen, wie Viele ihn nicht erlangen, und wie Wenige ihn verachten. Warum das? Wahrlich deßwegen, weil er Vielen nothwendig und bei Wenigen eine Tugend ist. O nichtswürdige Welt, die du allein deine Freunde so zu beglücken pflegst, daß du sie zu Feinden Gottes machest, und folglich auch unwürdig der Gesellschaft der Seligen! Denn allerdings wird der ein Feind GotteS, der dein Freund seyn will. Der Freund der Welt also wird ausgeschlossen aus der Gesellschaft der Freunde Gottes. Gering und zu Nichts nütze ist der weltliche Trost, und WaS noch mehr zu fürchten ist, sogar ein Hinderniß des wahren und heilsamen Trostes. Gleichwie bei der Abnahme des Holzes daS Feuer abnimmt, so vergeht die Welt und ihre Begierlichkeit. Ohne Zweifel auch die Freude. Eine weltliche Seele sehe und erkenne, daß auf die Freude Traurigkeit folge. Denn hier ist daS Ende der vergänglichen Freude, hier die Frucht des zeitlichen Ruhmes. 227. W e l t l u st. Die genossene Lust wird gerne wiederholt, die wiederholte schmeichelt sich ein. Wenn die Lust auswacht, schläft die Vernunft ein, und die Gewohnheit fesselt sie. Wie viele schlechte Vergnügungsmittel eS gibt, so viele herbe Peinen wird eS geben in der Strafe: davon werden wir gestraft, worin wir uns sündhaft ergötzen. Durch die Berührung wird das Feuer der Lust bei geringer Gelegenheit ange- 288 facht, und wenn eS nicht gleich ausgelöscht wird, nimmt es plötzlich den ganzen Leib ein, brennt und entzündet ihn. Zuerst reizt sie das Fleisch durch einen Gedanken, dann beschmutzt sie dir das Herz mit schändlichem Wohlgefallen, und zuletzt unterjocht sie durch Einwilligung in die Schlechtigkeit den Geist. 223. Widerwärtigkeit. Keine Widerwärtigkeit wird uns schaden, wenn uns keine Sünde beherrscht. 229. Wille. Unser Wille, von Gott gut geschaffen, wird nicht vollkommen seyn, so lange er seinem Schöpfer nicht vollkommen unterworfen ist. Denn Diejenigen, welche selbstständig, ja Götter werden wollten, wissend Gutes und Böses, sind, geschweige denn selbstständig, sondern sogar des Teufels geworden. So macht uns also der freie Wille zu uns selbst, der böse zu des Teusels, der gute zu Gottes Eigenthum. Ich bringe waS ich kann, guten Willen, und von euch fordere ich ihn mit seinen Früchten. David gefiel dem Herrn durch Tanzen, nicht wegen des Tanzes, sondern wegen der Begeisterung. Ans gleiche Weise wurde auch daS Weib, welches die Füße des Herrn salbte, von Christus gelobt, nicht weil sie salbte, sondern weil sie liebte, und wurde gerechtfertiget, weil sie gab, was sie hatte. Ein guter Wille im Herzen ist der Ursprung alles Guten und die Mutter aller Tugenden. So wie im Gegentheile ein böser Wille die Quelle alles Bösen und aller Laster ist. Daher soll der Hüter seiner Seele sehr besorgt seyn um die Bewachung seines Willens. Durch den guten Willen wird in uns daö Bild der Gottähnlichkeit hergestellt. Fulda. Fulda, 21. August. Heute Morgen gegen sieben Uhr hörten wir die ernst feierlichen Töne der Steinglocke unseres DomeS wohl eine Viertelstunde lang erschallen, sie läutete einem edlen Todten zur ewigen Ruhe. Der hochwürdige Pater Da- mian Arnd, Conventual der ehemaligen Benedictinerpropstei Holzkirchen in Franken, die zum Hochstifte Fulda bis zu dessen Auflösung gehörte, war in seiner Geburtöstadt und seinem letzten Aufenthaltsorte zu einem bessern Leben heimgegangen. Ein ehrwürdiger Jubelpriester, hoch in den achtzig Jahren, war der Verstorbene hochgeehrt und geachtet von Allen, die ihn kannten. Er war ein ausgezeichneter Math«, matiker und dem Studium dieser Wissenschaft bis in sein hohes Alter unermüdlich ergeben. Nach Aufhebung der Propstei Holzkirchen, über deren weitläufige Besitzungen er eine sehr genaue mathematische Karte angefertigt hatte, zog sich der kennlniß- reiche und dabei so anspruchslose Mann in das stille Dörfchen TreiSbach, zwei Stunden von hier zurück, versah den Gottesdienst bei der dasigen Kapelle und lebte nebenbei den Beschäftigungen der Landwirthschaft, die er gründlich verstand und rationell betrieb, wie seinen mathematisch-physikalischen Studien. Der Kriegslärm des vorigen Spätherbstes scheuchte den frommen Mann auö seinem stillen Asyle und hier ist es an der Zeit es laut auözusprechen, daß preußische Officiere aus Rücksicht gegen den ehrwürdigen GreiS im Silberhaare sich den größten Beschränkungen im Quartiere unterwarfen, um den freundlichen Alten nur nicht in seiner Ruhe zu stören, während Bayern keine Schonung und Rücksicht kannten, so daß der alte Mann sein kleines Besitzthum verließ und zu seinen Verwandten in Fulda eilte, um unter ihrer Pflege die letzten Tage eines reinen, würdigen Lebens hinzubringen. Viele Rheingauer werden sich des Bruders des Verstorbenen, des Pater Karl, Kellermeisters auf dem Johannesberge, noch erinnern. Mögen beide edle Brüder nun im Frieden ruhen! (M. I.) Verantwortlicher Redacteur: L. Schöucheu. Verlags-Jnhaber: F. C.> Kremer.