itftltz Cilster Jahrgang. Sonntags-Beiblatt zur Augsburger Pojtzeitung. 14. September S7. 1851. Dieses Blatt erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der halbjährige Abonnementsvre!« Tt> kr., wofür es durch alle köm'gl. bayer. Postämter und alle Buchhandlungen bezogen werden kann. Zwei Predigten von Joseph Othmar, Fürstbischof von Seckau, BiSthumsverweser von Leoben. I. Reue. „Ein Herz voll Zerknirschung und Demuth wirst du, o Gott nicht verwerfen." Pf» SV, 19. Fern auS der Urzeit herauf tönt eine Stimme der Klage, welche spricht: „Der Mensch vom Weibe geboren lebt eine kurze Zeit und ist voll der Plagen. Er keimt wie eine Blume auf und wird zertreten, er flieht wie ein Schatten und bleibt nimmer im selben Stande." Es ist die Stimme Job's, welchem die heilige Schrift daS Zeugniß gibt, daß er Gott fürchtete und sich vom Bösen rein hielt und seines Gleichen nicht auf Erden hatte. Der Mensch hat von der Wiege bis zum Grabe den Schmerz zum Begleiter. Sein Leib ist Dem verfallen, von welchem der heilige Seher auf PathmoS spricht: „Und sieh! es kam ein fahles Roß; der auf ihm saß, wurde der Tod genannt und das Todtenreich folgte ihm nach. Ihm wurde Macht gegeben, in den vier Theilen- der Erde durch Schwert, Hunger, Krankheiten und wilde Thiere zu tödten." Unzählig sind die Beschwerden und Wehen, durch welche der Erdgeborne erinnert wird, daß sein Leib unter der Herrschaft des Todes stehe, und manchmal steigern sie sich zu Peinen, welche das ganze Gefühl deS Daseyns durchdringen; aber sie reichen nicht an die Zahl und Bitterkeit der Leiden, welche seine Seele treffen. Der Mensch verlangt nach den Gütern der Erde und sie fliehen vor ihm; erreicht er sie, so genügen sie ihm nicht. Der Besitz ist von der Sorge umringt und wird durch die Begierde noch mehr zu erlangen entwerthet. Dem gierigen Genusse folgen Ekel und Selbstvorwurf. Der körperliche Schmerz wird durch die Furcht vor demselben vervielfältigt und geschärft. Die Täuschungen der Hoffnung, die Kränkungen der Selbstliebe, Neid und Eifersucht, Haß und Angst und Reue und Verzweiflung schlagen ihre Klauen in das menschliche Herz. Ueber den Zwischenräumen der Befriedigung schwebt das Bewußtseyn der Vergänglichkeit gleich einer finstern Wolke. Wie, leben wir nicht in der Welt, von welcher geschrieben steht: Und Gott sah Alles, was er gemacht hatte, und sieh! es war gut? Warum entstellet die dunkle Makel deS Schmerzes daS Werk der sechs schaffenden Tage? Waltet nicht Der, welcher unS erlaubt, ihn unsern Vater im Himmel zu nennen, allmächtig und allschauend über unsern Geschicken? Wie kömmt eS, daß die Qual sich unabwendbar an die Ferse der Menschenkinder heftet? -) Die beiden Predigten heißen „Reue und Erneuerung des Lebens" und sind bei den feierlichen Bittgängen der Jubiläumszcit am 3. und 19. Mai d. I. in Gratz gehalten worden. 290 Die Antwort gibt uns eine andere, unheimliche Gestalt, welche vielfach das Angesicht wechselnd über den Söhnen AdamS schwebt und ihre Huldigungen empfängt: es ist die Sünde. „Wenn wir sagen, wir haben keine Sünde, so betrügen wir uns selbst und die Wahrheit ist nicht in uns." So spricht kein grämlicher, mit sich und der Welt unzufriedener Sittenrichter, sondern der Jünger der Liebe, er, welcher bei dem großen Liebesmahle an der Brust deS Heilandes ruhte, der heilige Johannes. Aber der Sold der Sünde ist der Tod, der Tod des Leibes uud der Seele. „Durch Einen Menschen, spricht der Apostel Paulus, ist die Sünde in diese Welt gekommen und durch die Sünde der Tod und so ist der Tod auf alle Menschen übergegangen." Der Alierbarmer hat uns dem Verderben nicht hilflos anheimgegeben, sondern durch Wunder der Gnade den Gefallenen Heil und Rettung bereitet; die kurzen Trübsale aber, welche übrig bleiben, verwandelu sich, sobald wir wollen, in einen Schatz der Verdienste, welcher hinterlegt ist für den Tag der Ewigkeit. Wir feiern so eben den Sieg, welchen der Sohn Gottes über Tod und Hölle errungen, wir seiern die Auserstehung unsers Herrn und Meisters, welche dem Tode seinen Stachel und dem Grabe seine Schrecknisse genommen hat. Allein wenn die Osterzeit uns auf die Herrlichkeit hinweist, zu deren Erben wir berufen sind, so läßt sie an unS auch die laute Mahnung ergehen, deS Reiches Gottes fähig und würdig zu werden. Dazu ermuntert und hilft in der Osterzeit dieses JahreS die Kirche uns in ganz besonderer Weise: denn sie ladet durch den Jubiläumsablaß uns ein, neue Menschen zu werden; gegen den Preis inniger, daS ganze Leben beherrschender Neue verheißt sie wie von der Schuld so auch von den Strafen der Sünde uns vollkommen zu entbinden. Wir haben im feierlichen Zuge begonnen, die Bedingungen, an welche die Gewinnung des Ablasses geknüpft ist, andächtig zu erfüllen; bemühen wir uns auch, den Eifer der Buße in unserm Herzen mächtig zu erwecken: denn durch ihn erhält unser Gebet und Flehen Kraft. Ein Herz voll Zerknirschung wirst du o Gott nicht verwerfen. So sprechen wir voll Zuversicht: denn, waS wir sprechen, hat das Wort Gottes uns gelehrt. Wir haben oft gebeichtet, wir haben oft Reue und Leid erweckt. Aber waren die guten, frommen Worte, welche uns auf den Lippen schwebten, auch ein treuer Ausdruck der Gesinnung, welche unser Innerstes bewegte? Sammeln wir uns also vor dem Angesichts des allschauenden Gottes und fragen wir uns: Wie soll die Reue deS Christen beschaffen seyn und an welchen Anzeichen können wir erkennen, ob die wahre Reue uns heilbringend durchdrungen habe? Die Neue ist unstreitig ein Schmerz der Seele, welcher auS dem Bewußtseyn, irgend eine Handlung vollbracht oder unterlassen zu haben, hervorgeht und mit dem Wunsche, diese Handlung nicht vollbracht oder nicht unterlassen zu haben, verbunden ist. Denken wir uns einen Fall, welcher sich viel öfter als gut ist, wiederholt. Ein junger Mensch vernachlässigt seine Studien, er lernt nichts, als sich unterhalten. Seine Unterhaltungen sind von der schlimmsten Art. Er wirft sich der unreinen Lust in die Arme und die unreine Lust zieht ihn auf's Krankenlager. Die bedenkliche Miene deS ArzteS verkündigt ihm, daß sein Siechthum sehr gefährlich sey. Sein Vermögen Hai er im Taumel der Leidenschaft vergeudet, eS bleiben ihm nur Schulden übrig. Dürftig, verlassen, gequält liegt er in einem schlechten Winkel und zittert vor dem langsam nahenden Tode. Nun reut eS ihn, daß er seine Zeit nicht verwendet hat, um sich zu einem einträglichen, ehrenvollen Amte zu besähigen, nun reut es ihn, daß er bei seinen Ausschweifungen nicht klüger Maaß gehalten, nicht größere Vorsicht beobachtet hat. Der Gedanke, daß er Vermögen und Gesundheit so leicht bewahren und noch viele Jahre hindurch in Lust und Freude hätte leben können, erfüllt ihn mit der peinlichsten Empfindung, er zürnt sich selbst, daß er so thöricht gewesen. Dieß ist zwar eine Neue, aber keine segenbringende Reue: denn ein Herz voll Zerknirschung und Demuth fehlt dem Unglücklichen. Allerdings wünscht er Vieles, was mißfällig war vor dem Herrn, ungeschehen machen zu können, aber er wünscht es nur darum, weil er sich selbst geschadet und zwar an zeitlichen Gütern geschabet hat. Daß die Werke, durch welche er sein zeitliches Glück zerstört hat, L91 biHiuüIzÄ H?ZM7n6iN «;ÖM»ß!z6??L? ':'-^ (lM zZziZ z)-» ^M7k!T W)^ ?ov 5ji sündhaft waren, kümmert ihn sehr wenig; er bejammert eigentlich nur, daß er sich unfähig gemacht, von dem Taumelkelche der Sünde zu kosten. Soll die Neue zum ewigen Leben frommen, so muß das Schmerzgefühl, in welchem sie sich kundgibt, durch die Erkenntniß, wie verabscheuungswürdig die begangene Sünde sey, hervorgerufen werden. Allein dieß ist um die Reue zu heiligen zwar nothwendig, aber nicht hinreichend. JudaS Jscharioth verräth den Herrn, welcher ihn seinen Aposteln bei- s gesellte, überliefert für klingende Münze den Sohn Gottes in die Hände seiner Feinde. AIS er aber vernimmt, daß der Haß der Pharisäer und Schriftgelehrten zum Aeußer- sten schreite, daß der verrathene Meister am Kreuze sterben solle, da tritt er vor die Mitschuldigen seines Frevels und spricht: Ich habe gesündigt, daß ich unschulviges Blut verrieth. Sie antworten mit dem kalten Höhne, welchen der verhärtete Sünder für die Gewissensbisse seiner Spießgesellen zu haben pflegt: WaS geht das uns an? da sieh du zu! Und er wirft das Geld hin, eilt von bannen und erhenkt sich. Unstreitig machte der Unselige sein Herz gänzlich von dem Gewinne loS, welchen er durch solch eine That erkauft hatte: denn er stellte den empfangenen Sündenlohn den Häuptern der Juden zurück; unstreitig wünschte er auf's glühendste, seine That aus d?m Buche des Daseyns auslöschen zu können und erkannte vollkommen, daß diese That eine Sünde, eine furchtbare Sünde sey: denn die Erinnerung an die Schuld, womit er sich befleckt hatte, erfüllte ihn mit der Bitterkeit eines Schmerzes, welcher ihm das Leben als eine unerträgliche Last erscheinen ließ. Dennoch war der Geist GotteS von seiner Reue ferne und der Allerhöchste nahm die Zerknirschung seines HerzenS nicht an: denn die Demuth war der Zerknirschung nicht beigesellt. Der Schmerz, dessen Toben ihn in wildem Wirbel fortriß, entsprang aus der unreinen Quelle der verirrten Selbstliebe und schied ihn auf ewig von Dem, an dessen Gnade er verzweifelte. Ganz andere Mächte bewegten das Herz der Sünderin, über welche der Herr bei dem Gastmahle des Pharisäers das huldvolle Wort der Verzeihung sprach. Sie hat den Schatz der Unschuld verloren und die frechen Lüste, in deren Dienstbarkeit sie sich begab, haben sie zum Ziele wohlverdienter Verachtung gemacht. Nun fallen die Schuppen von ihren Augen; sie erkennt die Größe der Schuld, durch welche sie sich befleckt hat, nicht minder lebhaft ais JudaS das Entsetzliche des verübten Verrathet» erkannt hat, und bei den Menschen darf sie keinen Trost erwarten; während JudaS von den Häuptern seines verblendeten Volkes als ein getreuer Sohn Abrahams, als ein Eiferer für die Gerechtigkeit gepriesen wird, sieht man in ihr nur das ehrlos gewordene Weib. Dennoch verläßt sie ihr einsames Gemach; sie tritt in den Saal, wo der Heiland umgeben von den Vornehmsten der Stadt zu Tische sitzt. Man staunt, sie zu sehen. Wie, denken Simon und seine Gäste, ist denn in diesem Weibe daS Schaamgefübl bis zum letzten Reste ersterben? Wie kann sie wagen, unter uns zu erscheinen? Blicke deS Unwillens treffen sie, ein Murmeln der Entrüstung zieht durch den Saal; sie aber wirft sich vor dem Heilande nieder und benetzt seine Füße mit Thränen und als sie sich wieder, erhebt, gehört sie zu den Begnadigten, von welchen der Sohn GotteS sprach: „Wahrlich, wahrlich sag' ich euch, eö wird im Himmel mehr Freude seyn über einen Sünder, welcher Buße thut als über neun und neunzig Gerechte, welche der Buße nicht bedürfen." Wie kam es, daß diesem tiefgesunkenen Weibe solch eine Huld zu Theile ward? Der Herr selbst belehrt unS darüber, denn er spricht: Ihr ist viel vergeben, weil sie viel geliebet hat. Sie fühlte im tiefsten Herzen, wie schändlich, wie würdig deS AbscheueS und der Strafe die Sünde sey, deren Joch sie getragen hatte; aber es ward ihr auch in lebendiger Ahnung klar, wie herrlich, wie würdig der Anbetung und des Dienstes der Herr sey, von welchem sie durch die Sünde sich losgetrennt. Der bittere Schmerz, die heiße Schaam, womit sie ihrer Schuld und Schmach gedachte, war geheiligt durch die Sehnsucht der Liebe, war verklärt durch das innige Verlangen, vor Gott dem Urbilde der Vollkommenheit Versöhnung unix Gnade zu finden. Die Reue, welche auö der Liebe stammt und sie allein ist jene Reue, welche sss groß ist vor dem Throne der Liebe und der Verheißungen des ErbarmerS theilhaftig wird. Die Reue, welche auS der Liebe stammt, und sie allein ist eS auch, welche alle Segnungen deS JubiläumsablasseS auf uns niederrufen kann. O Gott, cS ist mir von Herzen leid, daß ich dich beleidi"get habe, weil du das höchste Gut und aller Liebe würdig bist. Dieß oder Aehnliches werden wir ohne Zweifel sprechen oder aus dem Gebetbuch? lesen, bevor wir in den Beichtstuhl treten und wenn wir in Wahrheit wegen unserer Sünden ein tiefes, herzliches Leid empfinden und wenn wir eS darum empfinden, weil Gott das allerhöchste Gut ist, so danken wir Dem, ohne welchen wir nichts vermögen: denn diese und keine andere Gesinnung ist eS, welche er von dem ächten Büßer verlangt. Aber leider I sehen wir Menschen uns meistens durch das gefärbte Glas der Eigenliebe. Wie vermögen wir also deutlich zu erkennen, ob diese Gesinnung rein und mächtig in unS walte? Werfen wir noch einen Blick auf die Begnadigte, deren Liebe unser und ihr Erlöser preiset. Sie fühlt den Stachel der Verachtung, welche im Hause des Gastmahles der Entehrten bezeigt wird; aber sie erträgt ihn in stiller Ergebung, ohne eine Regung deS Zornes oder der Rachbegier; sie ist überzeugt, daß sie nichts Besseres verdiene; sie scheut sich nicht vor der hohnlächclnden Versammlung auf die Kniee zu sinken und Thränen der Reue zu vergießen: der Heiland ist es, den sie sucht, die Gerichte Gottes sind es, die ihr vor der Seele schweben. Wahrlich ihr Herz war nicht nur voll Zerknirschung, sondern auch voll Demuth und die Demuth ist daS erste, das sicherste Kennzeichen einer von der Liebe beseelten Reue. (Schluß folgt.) Zur Mission in Heidelberg. Pfarrer Dittenberger sagte seinen Zuhörern von der Kanzel herab unter Anderm ungefähr Folgendes, was allerdings den Begriff übersteigt, den ich mir seither von einem christlichen Prediger gemacht hatte: „ES ist dieser Tage in der Kirche unserer hiesigen katholischen „„Schwestergemeinde"" von der Kanzel gesagt worden, daß wir die Fahne des Jesuitenordens beschmutzt hätten. Das, meine lieben christlichen Zuhörer, ist aber nicht so, denn dieser Orden hat selbst die Brandmale der Schlechtigkeit, deS Hasses, der Zwietracht, der Feindseligkeit und deS Unfriedens durch seine Thaten an sein Banner geheftet, und die Geschichte hat hiervon Urkunde genommen, die so lange bestehen wird, so lange die Welt steht. Diese Menschen haben sich bei der Gründung ihres Ordens zur Täuschung der abergläubischen Masse den Namen unseres Heilandes beigelegt und haben durch ihr Wirken demselben nur Schmach und Schande bereitet. Wisset ihr noch, meine christlichen Freunde und Brüder, wie die Jesuiten Städte und Dörfer verheerten und verbrannten? Die Mitglieder dieses saubern Ordens sind dieselben, welche das heutige Evangelium, das mir Gott in die Hand gab, als die falschen Propheten bezeichnet, die in Schafskleidern zu Euch kommen, inwendig aber raubgierige Wölfe sind; hütet Euch darum vor ihnen, seyd mannbaft und stark, denn der heilige Apostel Paulus ruft unS zu: Habet Mannskraft und Geistesstärke, werdet mündig u. f. w. Ihr wisset und kennet die Thätigkeit und die Werke dieser falschen Propheten in unserer gesegneten Pfalz von frühern Zeiten her; ich brauche Euch nicht erst damit bekannt zu machen. Wer sie aber noch nicht kennen sollte, der kaufe'sich diese Geschichte, wie solche In unserer Stadt — wo sich seit 14 Tagen die falschen Propheten eingenistet haben — überall zu kaufen ist. An ihren Früchten werdet Ihr sie erkennen, und ihr Aufenthalt hier hat uns schon reichliche Früchte getragen: unsere Kirche ist heute überfüllt; ich hoffe, daß dieß auch noch nach der Jesuitcnmission der Fall seyn wird, und nicht, daß die Kirche stets wieder leer bleibt, wie dieß vor derselben der Fall war!" — Da haben Sie ein gewiß eben so merkwürdiges, als originelles Probestückchen der neuesten Heidelberger Toleranz! Was mögen wohl die Jesuiten dem guten Pfarrer Dittenberger zu Leide gethan haben? — Dieß war jedoch begreiflicherweise noch lange nicht 293 Alles, waS der beredte Kanzelredner seinen Zuhörern zum Besten gab. Gleich einer zweiten Here von Entor rief er nunmehr die Schatten der Vergangenheit in die Gegenwart zurück, so den Papst Clemens XIV., der als Oberhaupt der Kirche den Jesuitcnorden aufhob, natürlich weil er erkannt hatte, daß dieser Orden die Schlechtigkeit selbst war. Daß Clemens XIV. die Aufhebung deS Jesuitenordens, zu wel- cher er durch die dem Geiste deS VoltairianiSmuS verfallenen Höfe genöthigt worden war, bis zu seinem Tode bereute, und im Grunde nur darum vollzog, um AergereS zu verhüten; daß ferner die heiligsten und ehrwürdigsten Päpste der Kirche den Je, suitenorden gutgeheißen und vortrefflich erfunden und deßhalb denselben bei mehr alS tausend Gelegenheiten gegen seine Feinde in Schutz genommen; daß endlich die Nachfolger j-neö Clemens XIV. sich beeilten, den Jesuitenorden wieder herzustellen, davon schwieg Herr Pfarrer Dittenberger auS leicht begreiflichen Gründen und zog eS vor, auf die Geschichte Dr. Luther'S überzuspringen, dessen Reise nach WormS und Verhalten vor dem Reichstage eben so wie die unvermeidliche „Ablaßkrämerei" den Zuhörern in den lebhaftesten Zügen vorgeführt wurden. ES war wirklich zum Erstaunen, welchen Jdeengang der vortreffliche Pfarrer einzuschlagen verstand, obgleich er eS schuldig blieb, anzugeben, auf welche Weise sich Dr. Luther und die Ablaßkrämerei mit der Heidelberger „Jesuitenmission" zusammenreimen. Zum Ruhme der Heidelberger Protestanten muß ich indessen anführen, daß nicht wenige derselben, den gebildeteren Ständen angehörend, gegen die Dittenberger'sche Predigt sich höchst mißbilligend ausgesprochen haben. (M. I.) Blumen aus dem Schriftgarten des heiligen BernarduS. (Fortsetzung.) 230. Wissenschaft. Die wahre Wissenschaft ist, zu wissen, daß wir sterblich, hinfällig und gebrechlich seyen, und daß in dieser Verbannung, in diesem Kerker, auf dieser Wanderschaft, in diesem Thale der Thränen Schmerz und Trauer empfunden werden sollen. Es gibt Einige, welche wissen wollen nur in der Absicht, damit sie wissen, und dieß ist schädliche Neugierde. Wieder Einige gibt eS, die wissen wollen, damit man auch von ihnen wisse, dieß ist gefährliche Eitelkeit. Diese werden wahrlich dem spottenden Satyriker nicht entgehen, der dem, der so beschaffen ist, Folgendes zusingt: „Dein Wissen ist nichts, wenn nicht der Andere eS weiß, daß du eS weißt." Und wieder Einige gibt es, die wissen wollen, damit sie ihre Wissenschaft verkaufen, z. B. für Geld, für Ehren, und dieß ist schändlicher Gewinn. Aber eS gibt auch Einige, welche wissen wollen, damit sie erbauen, und dieß ist Liebe: und noch Einige, die wissen wollen, damit sie erbaut werden, und dieß ist Klugheit. Unter allen Diesen trifft man nur bei den zwei Letzten keinen Mißbrauch der Wissenschaft an, da diese nur deßhalb wissen wollen, damit sie GuteS thun. Wer ißt, und die Speise nicht verdaut, kommt in Gefahr. Eine unverdaute Speise nämlich erzeugt böse Säfte, und schwächt den Körper, anstatt ihn zu nähren. Wird nicht auch so die Vielwisserei, verschluckt vom Magen der Seele, vom Gebächtnisse, wenn sie nicht verkocht ist am Feuer der Liebe, und so nicht durch die Glieder der Seele in die Sitten und Handlungen gegossen und vertheilt wird, damit die Seele selbst von den guten Sitten, indem das Leben davon Zeugniß gibt, gut werde, zur Sünde angerechnet werden als eine in böse und schädliche Säfte verwandelte Speise? Und ist nicht die Sünde ein böseS Blut? Sind nicht die bösen Sitten böse Säfte? Wird nicht Blühungen und Schmerzen Der im Gewissen empfinden, der so beschaffen ist, der nämlich das Gute wußte, und nicht that? Hat nickt ein Solcher das Urlheil des TodcS und der Vcrdammniß in sich, so oft ihm in'S G-edächtniß kommt der AuSspruch deS Herrn- „Jener Knecht aber, der den Will-n 294 seines Herrn gekannt, und sich nicht bereit gehalten, und nicht gethan hat, waS er wollte, wird viele Streiche bekommen." Viele Wissenschaften der Menschen gibt eS, aber keine ist besser, als jene, wodurch der Mensch sich selbst kennen lerut. »Isat uz . dn,i7armi!!^L »nn^MK 5:6 ./IX Hiü-unIV ktt- ^6 cknu ,tiji ?»W 233. Wort, d. i. Sohn Gottes. Wir sprechen von einem geistigen, verlautbarten und eingefleischten Worte. DaS erste brachte Kenntniß, daS zweite Bekehrung, daS dritte Leben- digmachung. Das erste brachte Schaden, weil die Menschen, nachdem sie Gott erkannt hatten, ihn nicht verherrlicht haben, noch ihm gedankt, sondern eitel in ihren Gedanken wurden, und ihr unverständiges Herz verfinstert wurde. DaS zweite nützte nicht, weil kein Gesetz gege, den worden ist, das lebendig machen könnte. DaS dritte lebt, weil eS durch Fleisch uns erlöste. Das erste war bloß äußerlich, daS zweite äußerlich und innerlich, das dritte durchaus nur innerlich. Bemerke auch, daß das, was ausquillr, auö der Fülle deö Ausqmiiendm kommt, und gleichsam den Geschmack -9 seiner Wesenheit hat. Und deßhalb heißt es von der eingefleischten Weisheit, daß sie alle Fülle in sich habe, nämlich im Geiste die Erkenntniß, im Worte die Bekehrung, im Leiden die Belebung. Das Geheimniß der Menschwerdung Christi enthält in sich drei Dinge zur Betrachtung, nämlich die Gestalt der Niedrigkeit, den Beweis der Liebe, daS Geheimniß der Erlösung. Die Gestalt der Erniedrigung zeigt uns daS Weinen des Kindleins, der Ort der Herberge, das Liegen in der Krippe, die Ein- wickelung in Windeln: den Beweis der Liebe gibt sein gütiger Tod. Eine größere Liebe als diese hat Niemand, daß er nämlich sein Leben für seine Feinde hingibt. Das Geheimniß der Erlösung beurkundet eine dreifache Macht der Gottheit, nämlich daß sie aus Nichts etwas machte, das Veraltete erneuerte und daS Zeitliche verewigte. ^ ^ »5?ni!i!---!^WM„ isT ,'>,i.j'iÜch'«^^Nj;.,'m-ilsiitt)^.s^ iWD^Alj'-jnL «m.i-ä iivS'Snu P Filch!ii«a'HH >»iil? .u,u-iü-iiik>>/' 'q!"7Ä^?Ä'l«^uH''MksÄjtbv ?5(ilchl l'N't tzuv . Nils/l Ni>6 Wenn Gott durch gute Werke gesucht wird, darum, da wir Zeit haben, lasset unS Gutes thun Allen, besonders da der Herr deutlich voraussagt: „Es kömmt die Nacht, da Niemand wirken kann." WaS träumst du von einer Verzeihung, die dir in Mitte ewiger Flammen zu Theil werden würde, da die Zeit des Erbarmens vorüber ist? Es bleibt kein Opfer für die Sünden dir übrig, der du in Sünden gestorben bist. Der Sohn Gottes wird nicht noch einmal gekreuziget, er ist Einmal gestorben, und stirbt nicht wieder. Es steigt nicht zur Hölle hinab daö Blut, daS auf Erden vergossen. ES trinken davon alle Sünder der Erde. Die Teufel können sich nichts davon anmassen, um ihre Feuerherde abzukühlen, noch auch die Menschen in Gesellschaft der Teufel. Einmal ist dort hinabgestiegen nicht das Blut, sondern die Seele, und das war der Antheil Jener, die im Kerker waren, nämlich jener einzige Besuch, welcher damals durch die Gegenwart der Seele geschah, als der Leib leblos auf Erden war. Das Blut hat die trockene Erde begossen, daS Blut ist auf die Erde geflossen und hat sie berauscht. DaS Blut hat das, waS auf Erden und im Himmel ist, gereiniget. Nicht aber JeneS, waS in der Hölle ist, außer daß (wie ich gesagt habe) seine Seele Einmal dorthin kam nnd theilweise Erlösung brachte, damit nicht einmal jenem Augenblicke die Werke der Liebe mangelten, aber weiter wird er nichts mehr thun. Jetzt also ist die gnalxn- reiche Zeit, die zum Suchen gelegene Zeit, in der vollständig findet, wer sucht, wenn er nur auch da sucht, wo er suchen soll. Niemand von euch schätze die Zeit geringe, die in müßigen Gesprächen hingebracht wird: denn jetzt ist die gnadenreiche Zeit, jetzt ist der Tag deS Heiles! DaS Wort fliegt unwiderruflich, die Zeit fliegt unwiederkommlich, und doch bemerkt eS der Thor nicht, waS er verliere. Nichts ist kostbarer, als die Zeit, aber ach, nichts wird heutigen TageS geringer geachtet, als die Zeit. ES vergehen die Tage deS Heiles, und Niemand denkt daran: Niemand klagt sich an, daß er viele Zeitaugenblicke zu Grunde gerichtet habe, die nie wiederkehren. Halte jede Zeit für verloren, in der du nicht an Gott denkst. Alle Dinge sind eines Andern, nur allein die Zeit ist unser. Wer für sich beten will, muß Ort und Zeit beachten. Die Zeit der Ruhe von den Tagsgeschäften ist bequemer und passender, am meisten aber kommt d«-» Gebet freier und reiner auS der Seele, wenn der tiefe nächtlicb? ^^.x »» ^ «>. . ^ >. ^ - ^u^ias Vtllle vcr« kündet; und es steigt aus d-r NaA ^5 empor, dessen Zeuge nur Gott ist und der Engel, der eS aufnimmt, um eS auf den Hochaltar des Himmels zu legen Ich sage nicht, waS ich thue, sondern waS ich wollte, das ich thäte, und was mich reut, daß ich eö nicht gethan habe. > , ^ ' 235. Zeitlich 5 """«"w»? 6nu Zeitliches gibt uns der himmlische Vater mit größter Güte auö doppelter Ursache- 296 damit wir ihn nicht für feindlich gesinnt halten und verzweifeln, wenn er es uns versagen würve, und damit die zu große Sorge um dasselbe nicht zum Nachtheile werde für die Uebungen deS Geistes. Denn ohne dasselbe können wir weder leben, noch Gott dienen. UebrigenS je eingeschränkter, desto besser. Allerdings gibt Christus seinen Dienern zur Erhaltung deS untern Menschen, d. i., des Fleisches, Mangel an zeitlichen Dingen, damit sie nicht durch Ueberfluß beschwert werden. Für daS Obere aber gibt er einen größern Umfang und einen Ueberfluß geistlicher Gnade. Schweiz. Der „Kirchenzeitung" von Solothurn, welche in Aufnahme von Mittheilungen sehr vorsichtig ist und von keinem Unbefangenen der Uebertreibungen beschuldigt werden kann, wird auS dem schwer geprüften katholischen Freiburg geschrieben: „Viel Aufsehen erregt das Schicksal, das hie und da kirchenfeindliche Menschen trifft und Viele wollen hierin den Finger Gottes erkennen. In Bulle hat sich ein Verfolger der Priester erhängt; in Romont erschoß sich Derjenige, der im November 1347 (bei der Besetzung von Freiburg durch die Truppen der radicalen Kantone) auf den dortigen Chorherrn Wuilleret die Waadtländer Soldaten hetzte, welche ihn auch fast bis zum Tode mißhandelten. In Freiburg starb jüngsthin ein Herr, der zur nämlichen Zeit den (f. g.) eidgenössischen Truppen mit seinem Finger vom Fenster auf die Priester wies, die sich aus Furcht verkleidet hatten; er starb merkwürdiger Weise an einem Uebel, daö zuerst den Zeigsinger angriff. Ein Mann, der oft den Wunsch äußerte, Priester und RistouS (Konservative) verbrennen zu sehen, fand den Tod in den Flammen seiner brennenden Hütte. Ein Großrath, der die Wegschaffung einer Kapelle durchgesetzt hatte, wurde von heftigen Schmerzen in dem Augenblicke befallen, als man den Altar wegbrach, und ist bis jetzt noch nicht geheilt." (Tir. Ztg.) Lesefrüchte. z:z Ein Elternpaar, daS sich sonst nicht viel um den lieben Gott und die heilige Religion bekümmerte, hatte daS einzige Kind durch Tod verloren. Da ergossen sich vie Eltern nicht nur in die bittersten Klagen, sondern sie murrten auch über GotteS Vorsehung, wie eS denn der Brauch ist, daß gerade diejenigen, die am wenigsten an Gott denken, fordern, daß er desto mehr an sie denken, und sie und all das Ihrige wie seinen Augapfel bewahren soll. Sie fragten ihren Seelsorger, wenn Gott, wie die Schrift sage, die Liebe sey, warum er denn ihnen ihr einziges geliebtes Kind genommen habe. Der Seelsorger, ein wahrer GotteSmann, antwortete: „Ihr wollt von mir wissen, warum Gott euer Kind zu sich genommen habe? Ich antworte: Er will aus eurer Familie auch Eins in dem Himmel haben. Ihr Alten wollt nicht in den Himmel, und hättet daS Kind, wäre eS das Eurige geblieben, auch nicht hineingelassen. Darum hat eS der Herr zur rechten Zeit zu sich genommen. Wenn ihr ein Elternherz habt, lauft dem Kinde nach, und suchet eS auf dem Wege der Äugend und Gottseligkeit, und ihr werdet eS wieder finden und nicht ferner verlieren." Ein Klosterbruder bat seinen Abt um ein Buch, datauS er lernen konnte, vollkommen zu werden. Da gab ihm der Abt ein Cruclfirbild und sprach: Sieh fleißig in dieses Buch hinein, lies fleißig in diesem Buche, betrachte in diesem Buche, und du wirst vollkommen werden. Berantwsrtllch« Redacteur: L. SchSache«. Verlags-Jnh aber: F. E. Kremer.