Eilfter Jahrgang. Sonntags-Beiblatt zur Angslmrger PostSeitung. IS. October ÄI. 1851. W'^'^/ ' ' ^^»vv ' L . ''.'V V. " V ' ^5 . ^! ? >?. .l^. ? zZÜ?W?? __ Dieses Blatt erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der halbjährige Abonnementspreis 4V kr., wofür es durch alle königl. bayer. Postämter und alle Buchhandlungen bezogen werden kann. Geschichte der Missionen in der Diöeese Eichstädt. (Fortsetzung.) Man hatte die Hoffnungen keineswegs verhehlt, die man an die Vermählung des Herzogs mit Magdalena von Bayern knüpfte, welcher Johann Christoph, der Bischof von Eichstädt, den Segen der Kirche gegeben. Diese Freude wurde zum vollen Jubel, als Wolsgang Wilhelm 1615 zur Regierung gelangt, die Ausübung der katholischen Religion in seinem Herzogthum freigab. Jesuiten waren am Hofe, es bedürfte nichts als sie vermehren und ihnen das Land zur Bekehrung anweisen. Bergen, Joshosen, Berckheim und Unterstall waren die ersten Pfarreien, welche sie dem Bischof von Eichstädt wieder zustellten. Von Eichstädt selbst aus wurde Monheim in Angriff genommen. DaS Städtchen hatte einige Zeit hindurch vergessen, einst durch das Grab und die Wunder der heiligen Walburga verherrlicht worden zu seyn. Sitz von fünf Prävicanten, schien der Platz nicht so bald geräumt werden zu wollen. Die Zahl der Katholiken, die eS meist nur dem Namen nach waren, belief sich auf 83. Jene Prediger hatten einige Jahre zuvor zu viel Muth gegen die Leichname von Mönchen gezeigt, die man zufällig gefunden, um nicht wenigstens der Absicht nach einen gleichen gegen die Jesuiten zu beweisen. Allein das Volk hatte seine katholischen Traditionen nicht völlig verloren, es erwachte das Andenken an die große Schutzheilige der Stadt, man konnte d?m Worte dieser Jesuiten nicht widerstehen, welche ohne nach dem Bekenntnisse zu fragen Allen Liebe erzeigten, Feindschaften versöhnten, Streitigkeiten beilegten. Man eilte in Haufen in die Arme der alten Kirche zurück. Nach einem Jahre zählte Eichstädt wieder 17 Pfarreien mehr, Ammerfeld, Bayerfeld, Buchdorf, Dagmersheim u. s. w. Die protestantischen Prediger schienen sich durch die Tochter ihres Seniors vertreten zu lassen. Die Jesuiten haben gestanden, an ihr eine Gegnerin gefunden zu haben. Eines Tages schwur sie, deS Kampfes müde, den Irrthum ab. Die Prediger konnten mit 20 Anhängern die Stadt verlassen, nachdem bei 7l)l)0 ihrer ehemaligen Untergebenen katholisch geworden. Die Jesuiten hoben ihre Missionsstation hier auf, als die Pfarreien alle wieder vom WeltkleruS besetzt werden konnten. Am andern Ende des HerzogthumS waren mittlerweile andere Jesuiten in die Diöeese eingedrungen und hatten zu Velburg Missionen eröffnet. Die Stadt war die letzte, die den Protestantismus angenommen hatte. Deßhalb besaß ihre Kirche noch das katholische Gepräge, die Altäre ihren Schmuck, die Sacristei ihren reichen katho- ") Kretser Lpigt. cleZiost ack 5oanr>. Llirist. ") Cramer, heil, und gotts. Eichst. S. 3LS. ' -") Kröpf I. c. tom. IV. p. 127. Cramer a. a. O. 322 lischen Inhalt. Das Alles machte die Bekehrung leicht. Das Volk wollte wieder Lichter auf dem Altare haben und seine Priester im Meßgewands sehen. Einzig die Herren vom Rathe machten Miene zum Widerstand. Als aber ein Jesuit das Kind deS Bürgermeisters — der Chronist hat diesem mit dem Titel eines Consnls von Vel- burg gehuldigt — durch das Vertrauen auf Maria rettete, wozu er die Mutter ermuthigte, machte die Freude darüber die Familie katholisch, und als sich derartige günstige Einflüsse vermehrten, sahen Velburg und die benachbarten Pfarreien, Batz. Hausen, Daßwang, HermannSdorf und .7 andere ohne Bedauern das Lutherthum ihre Gränzen verlassen. ") Erschrecken wir nicht vor dem Kriegslärmen, der die nahegelegene Oberpfalz bewegt, eS ist nur ein Zeichen, daß neue Bekehrungen zu machen sind. Die Schlacht bei Prag war vorüber, Churfürst Friedrich, der Herr des Landes, entflohen; nur Mansfeld rückte nach Neumarkt vor und bedrohte Bamberg, Würzburg und Eichstädt, die Mitglieder der Liga. Tilly kommt heran, säubert die Oberpfalz und besetzt sie für Bayern. Seine Soldaten haben Jesuiten als Feldprediger, die nicht abgeneigt sind, das Gebiet zu bekehren. Sie finden die religiösen Zustände in einer traurigen Verwirrung, alle protestantischen Confessionen bunt durcheinandergemengt und die Begriffe in einer Verwicklung, daß beim Anzüge Tilly'S gegen Mansfeld daS gutmüthige Volk an das Gericht des Himmels appellirte, und um Sieg für jenen betete, der die wahre Religion bekenne. Mansfeld entwich, Neumarkt ergab sich freiwillig an Maximilian. Mit der bayerischen Besatzung kamen die Jesuiten dahin, willens über den Trümmern deS Protestantismus ihren Brüdern, die in Berching die Gränzen deS Fürstenthums Eichstädt bewachten, die Hände zu reichen. Gelang ihnen dieß , so war eS ein um so größerer Triumph, als eben Neumarkt die Geburtsstadt eines ManneS war, der damals Deuschland mit Schmähschriften Wider sie überschwemmte. 5) Man räumte ihnen die Hofkirche und das Kirchlein vom heiligen Kreuz ein, von denen nur die letzte zum Gottesdienste geeignet war, da calvinischer Vandalismus in der ersten Alles bis auf die Kanzel vernichtet hatte. Die Väter eröffneten ihre Wirksamkeit mit einer Wohlthat, die einer Rettung der Stadt gleich kam. Ein unbedachtsamer Auflauf hatte ein übernachtendes Regiment zu Mord und Brand schon durch die Strassen vertheilt, Alles zitterte — da erscheint ein Jesuite und wendet das gezückte Schwert von den unglücklichen Bewohnern ab. Und als dennoch einige im Gefängnisse der Strafe gewärtig seyn sollten, als ihre Mitbürger vergebens um Gnade für sie flehen, — da öffnet ein Jesuite mit seinen Bitten die Thore und befreit die Gefangenen. DaS war genug, den Vätern Liebe zu gewinnen; zu wenig, die Stadt katholisch zu machen, da innerhalb drei Jahren nur 33 Bekehrungen erfolgten. Man darf die Schuld nicht dem bösen Willen des Volkes beimessen; die Oberpfalz gehörte noch nicht dem Churfürsten Maximilian, es war möglich, der calvinischen Negierung wieder anheimzufallen, und dann stand nichts bevor, als wiederum das Ritual zu wechseln. AIS das erstere eingetreten, als ein Edict Maximilians von'1628 allen Bewohnern die Annahme der katholischen Religion befahl, waren augenblicklich die calvinischen Prediger abgedankt und alle Kirchen dem katholischen Cultus geöffnet. Es war ein denkwürdiger Tag, als die ganze Bürgerschaft der Stadt mit dreizehn umliegenden Pfarreien in der Pfarrkirche sich versammelte, im Angesichte des Aller- heiligsten feierlich den Irrthum abschwur, und die Lossprechung empfing. Die Jesuiten hatten jetzt ihr Tagwerk vollendet, sie hoben ihre Mission auf, während die Bitten der Bürger sie noch zurückhalten wollten, und ihre Stelle nahmen Capuciner ein, die Bischof Johann Christoph 1620 in die Diöcese eingeführt hatte. 1"!-) ") Kröpf I. c. p. 132. Cramer a. a. O. ") Adlzreitcr Annal, Loic. p. III. üb. k. n. 13. —) Casp. Schopp <8ciopi.) 5) Vcrgl. Nlceron'ö Nachricht, v. Gel. Bd. 19 S. 282 ff. 7t) Kröpf I. c. p. 272 276. 427. sq. 323 Während Neumarkt durch Jesuiten von München bekehrt wurde, brachten die von Amberg innerhalb eines Jahres Kastel, Pfaffenhosen, Lauterhofen, Gnadenberg und die Umgebung zum Bisthum Eichstädt zurück. *) Das Datum dieser Bekehrung 1623 erinnert, daß von Pfalz Neuburg noch die Rückkehr jener Gebiete erübrigte, in denen die appanagirten Brüder Wolsgang Wilhelms rcsidirten. Zwölf Jahre waren vergangen und Niemand hatte Gebrauch von dem Edicte von 1615 gemacht, durch welches die katholische Religion freigegeben war. Jetzt wurde die Annahme der letztem befohlen. Der eine dieser Gebietstheile, die Aemter Heideck, Hippoltstein und Allersberg gehörten ganz zur Döcese Eichstädt, von dem andern, dem Fürstenthum Sulzbach, zählten dahin Neukirchen, Edelsfelden, Eschenfeld, Eylwang und Jllschwang. Jesuiten aus dem Kollegium von Amberg unternahmen die Wiederherstellung der katholischen Religion in den letztgenannten Orten, andere eröffneten Mitte Novembers 1627 zu Hippoltstein und Heideck eine Mission. Sie fingen bei den Landpfarreien an und fanden wenig Schwierigkeiten. Nacheinander waren die Pfarreien Laibstatt, Liebenstatt, Walting, Schloßberg, Albertshausen, Bergen, Zell, Heuberg, Meckenhausen, Jarsdorf, Lehen, Ebenried und Allersberg mit ihren Filialen gewonnen. **) Am zehnten Tage ging es in die Kirche der Vorstadt von Hippoltstein, gleich darauf in die Pfarrkirche. Bei dem Widerstand der Bürger mußte die Thüre mit Gewalt gesprengt werden. Zur NachtSzeit warf man den Jesuiten mehrmal die Fenster ein und Soldaten mußten zuletzt das Missionshaus bewachen. Heideck war den Vätern nicht geneigter als die Nachbarstadt. Offene Lästerung empfing sie hier, Alles hatte Drohungen für sie, mitten unter der Predigt schrie man auf, um zu interpelliren; die Jesuiten duldeten und schwiegen. Der Hof von Hippoltstein und die Nähe Nürnbergs waren die Ursache des Widerstandes. Nach einem halben Jahre entschied den Kampf der drei Jesuiten und der drei Prediger zu Hippoltstein — man denkt unwillkürlich an die Horatier und Curatier — eine öffentliche Disputation, in welcher der Superintendent einem Jesuiten erlag. Mit dem Prediger, der seit 35 Jahren seine Aussprüche auf der Kanzel als Orakel verehren ließ, sank das Vertrauen der Bürger, nach drei Jahren waren sie katholisch. Man bedauerte den Pfalzgrafen Friedrich, der stets den Jesuiten geneigt war, daß seine fanatische Gemahlin Sophie Agnes ihn von ihren Predigten zurückhielt. Hcideck zählte damals 535 Katholiken, nach einigen Jahren erklärten die Bürger, lieber den Tod als den Abfall von der Kirche zu wollen. Die Bekehrung war um so aufrichtiger und dauerhafter, je weniger Fürstenbefeble ihre Quelle gewesen. Heideck und Hippoltstein blieben ständige Missionen der Jesuiten und die Bücher der umliegenden Pfarreien beweisen, daß sie für Stadt und Land die Hirten waren, bis der Krieg sie verdrängte. Die Eroberungen, welche die Jesuiten dem Protestantismus abnahmen, konnten als eben so viele Siege des Bischofs Johann Christoph betrachtet werden; da er es war. der ihnen den Weg in die Diöcese gebahnt, legten sie dankbar zu seinen Füßen die Früchte ihrer Missionen nieder. In einem gewissen Sinne ging der Bischof selbst auf Mission, in wie ferne er seine Gewalt als Fürst dazu benutzte, mehrere ehemals katholische Theile seinem Bisthum wieder einzuverleiben. Mit dem Restitutionsedicte Kaiser Ferdinands in der Hand erwirkte er die Zurückgabe der Kirche von Buchenheim und Göllersreuth, der Pfarreien Cronheim und Oberschranningen, 5) nöthigte Weißenburg, die Reichspflege über Petersbuch, Kahlvorf, Bihurg, Mengen, Heiligenkreuz und Rohrbach, tt) die es zum Verderben der katholischen Religion benützt hatte, an ihn herauszugeben, und ") Adlzrcltcr ps. III. lib. 13. n. S7. Nach einem Vcrzeichniß bei Meiern Acta psc. ^VeslM. tom. III. P. 164. Kröpf I, c. r>. 42S, sq. j-) Meiern ^cta Lxoc. p, >>V. tom. II. p. 170. tt) Falkenstein Loä. 6ipl. LM, p. 371. 324 nur die Dazwischenkunft des Krieges verhinderte den Erfolg seiner Bemühungen, von Nürnberg die Herausgabe der Güter des Klosters Bildenreuth zu erhalten. *) Mit dem Einrücken Gustav Adolphs in die Diöcese ändert sich die Scene aus den MissionSstationen der Jesuiten. Es galt keine neue Eroberung mehr, sondern einzig die Erhaltung des Gewonnenen, eine Sache, die sich nicht ohne Opfer bewerkstelligen ließ. Der König mußte vor Eichstävt vorüberziehen. Einzig die Pest im Gefolge seines HeereS drang über die Mauern der Stadt und forderte das Leben von vier Jesuiten neben den Leichen derer, denen sie die letzten Tröstungen gespendet; aber das Lager vor Nürnberg löste ihre Station in Kastl auf, durch den Tod deö einen und die Gefangenschaft des andern der dortigen Väter. Noch unglücklicher wurde die Lage des BiSlhumS und der Jesuiten, als Bernhard von Weimar nach des Königs Tove von Bamberg her in die Diöcese zum zweitenmale einbrach. Herrieden hielt sich gegen ihn, so lange der Besatzung der letzte Jesuite daselbst Muth einsprach und die Pestkranken Pflegte, bis mit seinem Tode und der Einnahme der Stadt auch diese Mission ihr Ende fand. Das Kollegium von Eich, städt hatte Ursache mit Weimar damals zufrieden zu seyn, wie man eS mit einem Feinde der Art eben seyn kann, nur mußten die Missionen unterbleiben, die von Eichstädt aus gewöhnlich waren. Als aber Weimar durch die Kaiserlichen Eichstädt verlor und nun zweimal nacheinander einen Rachezug gegen die Stadt unternahm, da fühlten die Jesuiten seinen Grimm. Mit Eichstädt sank ihr Kollegium und ihre Kirche in Asche, und zwei von ihnen fielen in die Hände des Feindes, dessen Grausamkeit dem einen den Tod, dem andern schweres Leiden zuzog. In dem zerstörten Eichstädt war nichts mehr als einige ausgehungerte Einwohner, die sonst kein Obdach fanden, mitten unter den Todten lebend, welche die Seuche auf allen Straßen häufte, und Schaaren von Kindern ohne Eltern und Schutz. Die Jesuiten, hinter den Mauern der Willibaldsburg gerettet, stiegen in den Gräuel der Verwüstung nieder, um zu helfen, so viel sie konnten; als die Stürme des Krieges aufgehört die Gegend heimzusuchen, eilten sie wieder nach Berching, Kipfenberg und Wemding auf Missionen. Da die umliegenden Pfarreien ihre Hirten verloren, so daß ein Geistlicher oft sechs Pfarreien zugleich versehen mußte, zählten die Jesuiten in Eichstädt allein ivMl) Communicanten, meist Landleute, die keine Seelsorger hatten. 5) In Hippoltstcin war ihr Missionshaus durch den protestantischen Pfalzgrafen geschützt, der zwei der Väter der Gefangenschaft entriß, Heideck aber konnte nicht mehr gehalten werden. Jngolstadt opferte 15 Jesuiten der Liebe zu den Pestkranken, während die Neberlebenden die Wunder der Bekehrung zu erneuern begannen, durch die sie vorher geglänzt hatten, tl') (Schluß folgt.) Blumen aus dem Schriftgarten des heiligen Bernardus. (Fortsetzung.) 236. Zelle. Die Wohnung des Himmels und die Bewohnung der Zelle sind verwandt, weil, wie Himmel und Zelle (eoslum et cella) eine Verwandtschaft deS Namens, so auch der frommen Bedeutung haben.. Denn von der Verborgenheit scheinen Himmel und Zelle genannt zu werden, und was im Himmel verborgen ist, wird auch in den Zellen verborgen. Was im Himmel geschieht, geschieht auch in den Zellen. Und ') Falkensieins Geschichte von Nürnberg S> 773. ") Ilistor. Lall, üxststt. aä ana. 16Z2. —) Cramer Heil. Eichst. S. 295. f) Listor. Coll. L)'5t,ett. sck »im. 1634 — 1S36, -sf) Kröpf tom V. pp. 229 sq. 201. 339 sqq. 325 was ist das? Sich Gott hingeben und Gott genießen. Denn von der Zelle steigt man zum Himmel: kaum aber steigt man jemals von der Zelle in die Hölle. Denn kaum wird ein Sterbender jemals von der Zelle in die Hölle steigen, weil kaum Jemand bis zum Tode in derselben ausharrt, außer der zum Himmel bestimmt ist. DaS höchste Verderben des Geistes ist der Müßiggang. Der Müßige wird also nie ein Diener Gottes. Sich Gott hingeben ist kein Müßiggang, sondern das - Hauptgeschäft aller Geschäfte. Ein Bewohner der Zelle muß an dem Tage nicht gut gelebt zu haben glauben, an dem er sich erinnert, nichts von dem gethan zu haben, weßwegen man in der Zelle lebt. Du fragst, was du thun sollst, oder worin du dich beschäftigen sollst? Zuerst darf man dem Tage seinen treffenden Theil nicht entziehen für das tägliche Opfer des Gebetes, für Lection und Studium, für die tägliche Erforschung des Gewissens, für die Besserung und Ordnung der Sitten. Dann ist eine Handarbeit zu verrichten, welche anbefohlen ist nicht so fast daß sie durch Unterhaltung auf eine Stunde den Geist aufheitere, als vielmehr daß sie die Lust an geistigen Studien erhalte und ernähre. 237. Zerknirschung. Es werde durch das Messer einer scharfen Zerknirschung die Wunde der veralteten Gewohnheit ausgeschnitten! Ich sehe zwar nach dem schweren Falle die Thränen des Petrus, höre aber nicht dessen Gebet, und doch zweifle ich nicht an der Verzeihung seiner Sünde. Neige zu dir die gütigen Ohren deS Herrn: bitte ihn unausgesetzt mit Thränen und Seufzern wegen deiner Uebertretungen, und lobe und verherrliche ihn durch geistliche Gesänge in allen deinen Werken. Nichts aber sehen die HimnielSbewohner lieber, nichts ist dem höchsten Könige angenehmer, wie er selbst bezeugt: „Ein Lobopfer wird mich ehren." 238. Zeugniß. Das Zeugniß des Gemissens ist wahr, wenn der heilige Geist selbst unserm Geiste Zeugniß gibt, daß wir Kinder Gottes sind. Weiter glaube ich, daß dieses Zeugniß in drei Dingen bestehe. Denn zuerst muß man glauben, daß du keine Nachlassung der Sünden erhalten könnest, außer durch die Verzeihung GotteS. Dann daß du kein gutes Werk an dir haben könnest, wenn er selbst es nicht gibt. Zuletzt daß du das ewige Leben durch keine Werke verdienen könnest, wenn dir nicht auch dieses umsonst gegeben wird. Denn wer kann rein machen den, der von unreinem Samen empfangen? Bist'S nicht du allein? Auch von den guten Werken ist es ausgemacht und gewiß, daß sie Niemand von sich selbst habe. Denn wenn die menschliche Natur nicht feststehen konnte, da sie noch unverdorben war, um wie viel weniger wird sie durch sich selbst auferstehen können, da sie verderbt ist? ES ist gewiß, daß Alles (so viel eS möglich ist) nach seinem Ursprünge trachte, und daß Alles sich mehr auf diese Seite neige. So ist es auch von uuS gewiß, weil wir aus Nichts erschaffen sind, daß, wenn wir uns selbst überlassen sind, wir zur Sünde uns neigen, die ein Nichts ist. Vom ewigen Leben aber wissen wir, daß die Leiden dieser Zeit nicht zu vergleichen sind mit der zukünftigen Herrlichkeit, die an uns offenbar werden wird, auch dann nichr, wenn Einer alle ertragen würde. Denn die Verdienste der Menschen sind nicht von der Art, daß unS das ewige Leben nach dem Rechte gebührt, oder daß Gott ein Unrecht begehe, wenn er es uns nicht gibt. Denn geschweige daß alle Verdienste Geschenke Gottes sind, so ist der Mensch mehr seinem Gott ein Schuldner, als Gott dem Menschen. Was sind alle Verdienste gegen eine so große Herrlichkeit? Wenn du also glaubst, daß deine Sünden nicht getilgt werden können, außer von dem, gegen den du gesündiget hast, auf den aber die Sünde nicht fällt, so thust du wohl daran. So ist eS auch wegen der Verdienste, wenn du glaubst, du könnest sie nicht haben, außer durch ihn, nicht hinreichend, bis dir der Geist der Wahrheit das Zeug- 326 niß gibt, daß du sie durch ihn hast. So mußt du auch über das ewige Leben ein Zeugniß deS Geistes haben, daß du zu demselben durch göttliches Gnadengeschenk gelangen werdest. Denn Er selbst verzeiht die Sünden, Er gibt die Verdienste, und gibt nichts desto weniger die Belohnungen wieder dafür. Nichts ist klarer, als dieses Licht, nichts rühmlicher, als dieses Zeugniß, wenn sich die Wahrheit im Geiste abspiegelt, und der Geist in der Wahrheit sich schaut. Aber welch geschämige, erröthende, furchtsame, umsichtige, durchaus nichts zulassende Wahrheit schaut er, was den Ruhm des Gewissens verletzen könnte, indem daS Gewissen ihm darüber Zeugniß gibt, worüber die Gegenwart der Wahrheit erröthen müßte. Das ist es wahrlich, was über alle Güter der Seele den göttlichen Anblick ergötzt. Jeder hat eine vollkommene und freie Entschuldigung, das Zeugniß seines Gewissens. Ich will, daß du dich deS Zeugnisses deS Gewissens rühmst, aber auch nichts weniger will ich, als daß du durch selbes dich demüthigest. Selten kann man sagen: „Ich bin mir nichts bewußt." Vorsichtiger wandelst du im Guten, wenn du auch daS Böse nicht vergissest. Daher kenne dich selbst, daß du unter den Leiden, die nicht mangeln, das Gut deS Gewissens genießest, noch mehr aber damit du wissest, was dir sehlc. Denn wem geht nichts ab? Dem fehlt Alles, der da glaubt, eS fehle ihm nichts. Welcher Mensch weiß, was im Menschen ist, als nur der Geist deS Menschen, der in ihm selbst ist? Im Vergleiche mit dem innern Zeugnisse ist daS äußere für nichts zu halten. Ja, wenn der Geist, der im Menschen ist, Alles, was des Menschen ist, wissen könnte, so würde wahrlich sein Zeugniß hinreichen. Nun aber ist das Herz des Menschen verderbt und unerforschlich, sogar sich selbst, so daß eö sogar daS Gegenwärtige großen Theils nicht weiß, das Zukünftige aber durchaus nicht wissen kann. Weil es jedoch einigermaaßen daS Gegenwärtige weiß, so haben wir, wenn es nur nicht tadelt, doch noch keinen Ruhm vor Gott, sondern nur Zutrauen zu Gott. Wenn wir aber den AuSspruch seiner Wahrheit, der nichts verborgen ist, in uns zu behalten verdient haben, können wir uns sicher in derselben rühmen. Denn was kümmere ich mich um das Urtheil eines andern Menschen, auf dessen Tadel hin ich nicht verwerflich und auf dessen Lob hin ich nicht gerecht befunden werde? Brüder, wenn ich vor einen Richterstuhl mich stellen muß, werde ich mich mit Recht eures Lobes rühmen. Ja, wenn ich durch die Prüfung meines eigenen Richterstuhles gerichtet werden müßte, würde ich mit Recht über mein Zeugniß zufrieden seyn, und am eigenen Lobe mich erfreuen. Nun aber werdeich nicht vor euern und nicht vor meinen, sondern vor Gottes Nichterstuhl mich stellen müssen. Welche Thorheit, welcher Wahnsinn ist eS also, mich entweder euers oder meines Zeugnisses zu rühmen, besonders da Einer ist, vor dessen Auge Alles bloß und aufgedeckt ist, und der es keineswegs nöthig hat, daß ihm Jemand ein Zeugniß über einen Menschen ablege. 239. Zorn. Dein Eifer muß dir bewußt seyn, deine Sanftmuth, auch die Unterscheidung, die Vermittlerin dieser Tugenden, wie du im Verzeihen der Unbilden beschaffen seyn sollst, wie im Bestrafen derselben, welch ein vorsichtiger Beobachter der Art, deS Ortes, der Zeit in Beidem. Drei Dinge sind zu beachten in der An. Wendung dieser Tugenden, damit sie nicht Untugenden seyen, wenn sie darüber hinauskommen. Diese Tugenden nämlich macht nicht die Natur, sondern die Anwendung. An und für sich werden sie nicht unterschieden. Deine Sache ist es, entweder durch Mißbrauch und Verwirrung Fehler, oder durch guten und ordentlichen Gebrauch Tugenden zu machen. Wenn daS Auge der Unterscheidungsgabe dunkel ist, pflegen sie sich einander die Plätze zu. entreißen und die Gränzen zu überschreiten. Von dieser Dunkelheit gibt es zwei Ursachen: der Zorn und eine zu weichliche GemüthS- stimmung. Diese entnervt die Strafe deS Gerichtes, jener übereilt sie. Denn wo- durch kann nicht Eines oder daö Andere in Gefahr kommen, entweder die Güte in 327 die Gefahr der Nachsicht, oder die Gerechtigkeit in die Gefahr des Eifers? Das vom Zorn geblendete Auge sieht nichts gut an, daS durch zufällige und weibische Weichlichkeit verwirrte Auge sieht das Rechte nicht. Du wirst nicht unschuldig seyn, wenn du entweder den strafest, der vielleicht Schonung verdient hätte, oder den verschonst, der hätte gestraft werden sollen. Eine natürliche Gemüthsbewegung ist der Zorn deS Menschen, aber denen, die die Gaben der Natur mißbrauchen, ist er ein schwerer Verlust und ein bedauernS- wertheS Verderben. Wollet euch nicht erzürnen über Jene, welche euch vergängliche Güter rauben, welche euch beschimpfen, welche euch in Strafen bringen, und weiter nichts mehr thun. Ich will euch aber zeigen, wem ihr zürnen müsset. Zürnen darüber, was euch allein schaden kann, allein machen kann, daß euch alle jene Dinge nichts nützen. Wollet ihr wissen, was dieses sey? Die eigene Bosheit. Von dieser sage ich euch: „Zürnet über sie." Denn kein Unglück wird schaden, wenn keine Bosheit herrscht. Wer vollkommen über sie zürnt, der wird nicht aufgeregt, und umfaßt das Widerwärtige. „Zürnet ihr, so sündiget nicht." Du wirst aber nicht weniger sündigen durch zu heftiges Zürnen, als wenn du gar nicht-zürnest. Nicht das Zürnen, wo man zürnen soll, ist Sünde, sondern der Widerwille gegen die Besserung. Sich aber mehr zu erzürnen als es nöthig ist, heißt Sünde zur Sünde fügen. Wenn es Sünde ist, das Böse nicht zu bessern, wie wird eS nicht eine Vermehrung des Uebels seyn? Niemand verdient mehr Zorn, als ein Feind, der sich in einen Freund verstellt. Der Mann von Canterbury. Wir haben es schon öfter als einmal ausgesprochen: daß der gegenwärtige anglikanische Erzbischof von Canterbury als der verknöcherte Träger des staatskirch- lichen Princips — wie auch als eifriger Fortspinner desselben in die weitesten Con- sequenzen hinaus betrachtet werden kann. Er ist für das anglicanische England ganz dasselbe, was uns leider durch lange Jahre die Verkündiger der reinen Jesuslehre in Deutschland gewesen sind. Seine Herrlichkeit ist nach den Berichten englischer Blätter in jüngster Zeit in seinem Ausklärungsproceß schon wieder um einen großen Schritt weiter gegangen, und hat in einem höchst eigenhändigen Erlaß der Negation in der sogenannten anglicanischen Kirche großartige Zugeständnisse gemacht. Seine HerrliMeit behauptet nämlich in einem von ihm ausgegangenen Schreiben, daß nach Ansicht fast aller anglicanischen Prälaten O h. der mit ihm Gleichgesinnten, oder Glcichgesinnungslosen) die bischöfliche Händeauflegung bei der Ordination rein unnöthig sey, und also sämmtlicher anglicanische Klerus den deutschen protestantischen Predigern — was den gänzlichen Mangel pricsterlichen Charakters auch im Aeußern, noch aus der katholischen Zeit beibehaltenen Ritus anbelangt — getrost die Hand zum Bunde reichen könne. Wenn wir nun einerseits gar wohl wissen, daß die anglicanische Ordination keine Geltung hat — so war durch den Act der Händeaufleguna im Anglicanismus bisher doch noch immer der Nothwendigkeit apostolischer Sendung, in der äußern Form wenigstens, ein Zugeständniß gemacht; und um dieses Zugeständnis), um diese Reminiscenz aus der katholischen Kirche des Anglicanismus zu bringen, ist das neueste Streben des edlen Lord-Erzbischofs von Canterbury. Offenbar hat der gute Herr hierbei die Absicht, dem PuseyiSmuS hiemit einen Schlag zu ver- etzen, der ihm ungefähr in derselben Weise verhaßt ist, wie in Deutschland den Feh- ronianern der Ultramontanismus — aber der Herr Erzbischof wird sich in diesem seinem vorhabenden Experimente sicherlich irren. Die Puseyiten erkennen es gar gut, auf was eS mit dieser neuen Maaßregel hinausgeht, und haben bereits beschlossen^ gegen den verkäuflichen, ungläubigen Prälaten sich in Fronte aufzustellen. Schon sind eine Unzahl von Protesten in die Folterkammern des Canterburyschen Kanzella- riates hineingeflogen, und es steht in Aussicht, daß noch ein tüchtiger Schwärm sol- 3S8 cher unliebsamen Vögel den ersteren nachfliegen wird. Die Puseyiten erlauben sich, dem betroffenen Herrn Erzbischof zu sagen: die allerhöchste Ansicht Sr. Lordschaftlicken Gnaden stehe im Widerspruch mit der heiligen Schrift, mit der Lehre und Praxis der katholischen Kirche zu allen Zeiten, und mit den Artikeln und Formularien der englischen Kirche. Und Se. Herrlichkeit hat somit eine neue Gelegenheit gefunden, über die rebellische Gesinnung und die demokratischen Gelüste seines KleruS Klage zu führen und große Betrübniß zu äußern, eine Betrübniß, die aber erst noch groß wie daS Meer anwächst — wenn er der nächsten Parlamentssession gedenkt, in welcher der Antrag gestellt werden wird, sein bisheriges ungeheures Einkommen auf 10,0(10 Pfund zu beschränken. ES steht nicht ohne Grund zu vermuthen, daß Se. Herrlichkeit alsogleich bereit wäre, eS mit der Händeauflegung beim Alten zu lassen, wenn — eS nur auch mit seinen bisherigen Einkünften — beim Alten bleiben möchte. Das ist der Mann von Canterbury! (W. K. Z.) Aus Oberbayern. Aus Oberbayern wird dem Volksboten über ein „Hauptmittel gegen die allgemein herrschende Genußsucht, diese wahrhafte Pestseuche unserer Zeit", geschrieben, über die vielverleumdetcn „Jünglingsbünde" nämlich, welche „bereits in den Stävten und auf dem Lande da und dort entstünden und in ihren Anfängen schon auf die Gesittung des Volkes einen großen und segensvollen Einfluß übten." „Ich hatte", schreibt der gute Freund, „erst unlängst in Lengfeld Gelegenheit, einen solchen JünglingSbund kennen zu lernen. Bei seinem Entstehen zahlte er nur wenige Mitglieder, nun gehören nahe an 200 Jünglinge dem Buude an. Den 28. September wurde anstatt der Kirchweihtanzmusik ein BundeSfest abgehalten! sage anstatt der Kirchweihtanzmusik ein Fest unter den Augen der allgemein verehrten Ortsgeistlichkeit in dem mit Laubgewinden und passenden Inschriften verzierten Saale des Wirthshauses, bei dem die Jünglinge auch aus den entlegensten Dörfern sich versammelten und mit dem Vortrage eines passenden GedichrS, einer kurzen Rede (über „die Ehre des Bauernstandes"'), fröhlichen Gesängen und heitern Gesprächen sich unterhielten. Nach ungefähr drei Stunden der anständigsten und herzlichsten Fröhlichkeil trennte man sich unter lauten Versicherungen an die Leiter der schönen Vereinigung, dem Bunde immer mit Lust und Liebe angehören zu wollen, zur Heimkehr. Seil dem Bestehen des Bundes Ind Raufereien und sonstige WirthshauSercesse in dieser Pfarrgcmeinde so wie auch außereheliche Geburten in ungleich geringerer Zahl vorgekommen, als es vorher der Fall war." Frankreich. Diöcesansynode in MonS. Die vom Bischof von Mons für 6. September 1851 zusammenberufene Diöcesansynode ist feierlich abgehalten worden. Der Bischof legte seinem KleruS Diöcesanstatuten vor, wollte aber, bevor dieselben RechtS- giltigkeit erlangen, den Rath seines Klerus über die einzelnen Puncte derselben vernehmen. Die Synode wurde am Sonnabend im großen Schiff der Kathedralkirche nach dem im koritilieslo komanum vorgeschriebenen RituS eröffnet. Der General- vicar hielt die Eingangsrede, in welcher er über die göttliche Einsetzung der Kirche, über die Würde der Bischöfe, über den Nutzen der Synoden, welche die Gesetze der Diöcesen befestigen — ein weiteres sprach. ES wurden sieben Commissionen gewählt, um den Geschäftsgang zu beschleunigen. Der Bischof selbst hielt am letzten Tage die Schlußrede. Der Klerus verließ erbaut und gestärkt die kräftigende kirchliche Versammlung;' seit 1783 war in Mons keine Synode mehr gehalten worden. Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. Verlags-Jnhaber: F> C. Krem er.