Eilfter Jahrgang. Sonntags-Beiblatt zur Augslmrger Pojtzeitung. 19. October ^2. 1851. Dieses Blatt erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der halbjährige Abonnementsrrcis SO kr., wofür es durch alle königl. bayer. Postämter und alle Buchhandlungen bezogen werden kann. Geschichte der Missionen in der Diöcese Eichstädt» (Schluß.) Unter der Asche ihres Collegiums war der Feuereifer der Jesuiten zwar nickt erloschen, allein die Unruhen des Krieges hielten ihn auf Eichstädt und ihre noch allein übrige Station zu Hippoltstein beschränkt. Rechnet man die fast jährliche Aushilfe in Wemding und Kipsenberg ab, so schienen ihre Missionen ein Ende erreickt zu haben, als die letzten Gefahren vorübergegangen, von denen jene Theile der Diöcese bedroht waren, welche sie durch ihre Missionen dem Protestantismus entrissen hatten. AuS den Friedensunterhandlungen von Osnabrück und Münster kann man sich überzeugen, welche Anstrengungen gemacht wurden, um in den Aemtern Heidcck, Hiypoltstein und Allersberg die Wiedereinführung der augsburgischen Confession in der Ausdehnung von 1624 durchzusetzen und anderswoher ist bekannt, daß man es bereits wagte, den Katholiken die Kirche zu schließen und lutherische Prediger aufzustellen. Ansbach und Weißenburg forderten gleichfalls zurück, was Johann Christoph für seine Kirche wiedererworben hatte. Die Vorsehung wollte nicht, daß der Schweiß der Jesuiten umsonst vergossen sey, die Eroberungen ihrer Missionen blieben dem Bisthnm, und jetzt konnten sie ihre letzten Stationen einziehen, indem sie Wemding 1664 den Kapucinern überließen, das Jahr darauf ihr Missionshaus zu hippoltstein aufhoben. Von da an unterblieben acht Jahre lang die Missionen. Auf Ansuchen deS Pflegers von Heideck und Hippoltstein wurden 1672 während der Ofterzeit Missionen in diesen Städten gehalten, von deren segensreichen Erfolgen, zumal in Heideck der abgesendete Missionär in seinem Tagebuchs Zeugniß abgelegt hat. In den folgenden zwei Jahren finden sich Missionen in Heidcck und Spalt mit gleich erfreulichen Wirkungen verzeichnet, eine andere 1686 in Berching. Um jene Zeit begann das Ries, von dem ein Theil der Diöcese zugehört, einen Missionär zu besitzen, dessen Bilduiß, an seinem Gcburtshause in Eichstädt angebracht, noch heute an den großen Ruf dieses heiligmäßigen Mannes erinnert. P. Philipp Jeningen durchwanderte von Ellwangen ans viele Jahre hindurch das Nies und nahte er einer Stadt oder einem Dorfe, so eilten die Kinder, um den lieben Pater zu empfangen; beim Zeichen der Glocke aber kam Alles in Bewegung, den Mann zu begrüßen, der in einem armen Jesuitenrocke, den Hut auf dem Rücken hängend, den ') Meiern, ^ela pae. >Ve5lpl>. passiw. -) I.itt. snn. 8. 5. 1650 p. 217. «istor. Loll. 8. I. LMeU. ms. k. ->. 330 Pilgerstab in der Hand, in die Kirche trat, mit leuchtendem Angesicht und thränendem Auge die Herzen durch seine Worte erschütterte, bis tief in die Nacht die Sünder im Beichtstühle tröstete und nach kurzer Ruhe auf Strvh oder bloßer Erde des Morgens mit Christeulehren und Predigten fortfuhr, bis er auf diese Weise jährlich 40 Pfarreien durchwandert hatte. Vielleicht sind es Erfolge Jeningens gewesen, von welchen der Canonicus Mechll von Herrieden sich bestimmen ließ, im Jesuitencollegium von Eichstädt 1714 eine Stiftung zu begründen, durch welche die Erhallung eines besondern Missionärs möglich werden sollte, dessen Amt es wäre, auf Verlangen zur Aushilfe in den Pfarreien zu erscheinen oder wirkliche Missionen abzuhalten. Diese Stiftung bildete so zu sagen den Schluß des ersten Jahrhunderts seit der Einführung der Jesuiten in Eichstädt. Der Weihbischof bestieg bei dieser Gelegenheil die Kanzel ihrer Kirche. Die 60,000 Seelen, welche ihre Missionen der Diöcese zurückgebracht, die zwei Millionen, die sie während dieser 100 Jahre zur Beichte gehört, die 367 Konvertiten, denen sie in der Schutzengelkirche allein daö Glaubeus- bekenutniß abgenommen und tausend andere Verdienste ließen den Lobredner in den begeisterten Dank Davids ausbrechen und das „eichstävlische Jerujalem" und „die Sionstochter", das Hochstift nämlich, zum Preise gegen Gott für die Einführung der Societät ausfordern. Die Jesuiten haben eine zweite Säcularfeier in Eichstädt nicht mehr begangen, ohne daß jedoch die Diöcese für die noch übrige Zeit weniger Grund zum Danke gegen sie gehabt hätte. Die Stiftung des Canonicus von Herrieden fing an, dem BiSthume nützlich zn werden, nachdem Papst Jnnocenz XIII. durch eine Bulle vom 25. December 1722 die Abhaltung von Missionen durch die Jesuilen mit dem Segen der kirchlichen Gna- deuschätze begünstigt hatte. Am 4. December 1723 begann der aus Tirol berufene P.' Mich. Baur für Buchsheim und die umliegenden Dörfer Missionen, von denen er nach 10 Tagen mit reicher Ernte zurückkehrte, worauf er sein Amt in den Pfarreien um Eichstädt ausübte, indem er mit Adelsschlag endete; das Jahr darauf dehnte Bischof Franz Ludwig die Erlaubniß zur Abhaltung von Missionen in der Weise, Wie sie damals in Tirol üblich waren, auf die ganze Diöcese auS. Sie begannen 1725 in der Oberpfalz für das Capitel Neumarkt (das jetzt mehrmals schon erneuerte Missionskreuz dieser Stadt, das 1804 vom Marktplatze an die Pfarrkirche versetzt wurde, erinnert daran), und schlössen mit einer Misston in Raitenbnch. In Eichstädt selbst vertraten Erercitien, welche der mananischen Con- gregalion, und andere, die in einer Nonnenklosterkirche für Frauen besonders gegeben wurden, die Stelle von eigentlichen Missionen, v) Jesuiten von Ellwangen hielten " dieselben in Ellingeu und Eschenbach für das Landkapitel Ornbau, und zogen von da nach Heideck und Allersperg. if) Während des Winters 1730 fanden Missionen in 11 Dörfern um Eichstädt statt, darauf zu Monheim und Wemding; im folgenden Jahre bestimmte der Generalvicar Megesheim und die vier angränzenden Pfarreien des Capitels Monheim, zuletzt wieder Raiteubuch zur Abhaltung von Missionen. Beim Anblicke der herrlichen Erfolge konnten die Pfarrhcrrn dieser Gemeinden sich nicht enthalten, ein besonderes Dankschreibcn an den Official des Bischofes zu richten. Noch denkwürdiger wurde für die Missionen das Jahr 1732. Auf Befehl des Bischofes wurden sie im ganzen obern Hochstift abgehalten zu Herrieden, Spalt, Plein- feld, Ornbau, Abenberg, Eschenbach, Gnotzheim, Arberg, Steinbach, Hosen, Oberbach, Mitteleschenbach, Mosbach, Weingarten, Erlbach und Epielberg. -j-j-t) *) l'ei-Zm.iz'i', vils ven. ?. 5eiiiuZen, per kksLlism Nissionsrii p. 26 sqq. "> Lx. äct. Loll. 8. I. Lz-sleU. Nicbcrlcin, Lobpredigt auf das Jubeljahr der Jesuiten m Eichstädt. S. 12, f) llisloria LolleA. 8. 1. Lxstett. -mn. 1725. Nach den Acten der Pfarrei Cschcnbach. 1"j"f) Da nach eingezogenen Erkundigungen m vielen Pfarrregisiraturen keine Nachrichten von 331 Der Missionär blieb an jedem Orte so lange, bis Alle im Beichtstuhle befriedigt waren (er allein hörte 1174 Generalbeichten), meist acht Tage hindurch. Ein neues katholisches Leben erwachte in der ganzen Gegend; viele, die durch den Einfluß der protestantischen Umgebung im Glauben lau geworden, fühlten sich neu gestärkt und zeigten freudigen Muthes überall ihr katholisches Bekenntniß, die Dienstboten verließen ihre dem Glauben nachtheiligen Dienste bei lutherischen Herrschaften, Tänze und nächtliche Zusammenkünfte wurden aufgehoben, öffentlich große Feindschaften, selbst unter ganzen Gemeinden, ausgesöhnt. Ein Fall wird als besonders merkwürdig hervorgehoben. Jemand hatte für das schnöde Geld eines lutherischen Predigers den Glauben abgeschworen und sich sogar bereit finden lassen, dem Prädicanten eine heilige Hostie von der Communion zu bringen. Der, um das Dogma der Katholiken zu prüfen, durchsticht die Hostie — beim Anblick des alsbald erscheinenden BlutcS geräth die unglückliche Person in Verzweiflung, die sie durch Laster aller Art zu ersticken sucht. Die göttliche Erbarmung, von welcher sie den Missionär sprechen hörte, brachte sie als reuige Büßerin zu dessen Füßen zurück. Nicht minder herrlich waren die Missionen von 1733 in Aurach, Rauenzell, Stcinbach, Neustetten, Lellenfeld, AlmannSdorf, Mündling, Flohheim, Kronheim, Weinberg, Veilsaurach, Theilnberg, Elbcrsroth und Großenried, welche wieder in Raitcnbuch schlössen. *) In derselben Weise wie in den letztgenannten beiden Jahren wurden 1742 und 1752 und je das folgende Jahr in den bezeichneten Theilen des Bislhums Missionen abgehalten. Von da bis zur Aufhebung des Jesuitenordens vereinzelt sich die Geschichte der Missionen, und ihre einzige Quelle sind die noch an mehreren Orten stehenden Missionskreuze mit ihren Ablaßtafcln im Zusammenhalte mit der noch im Munde des Volkes lebenden Ueberlieferung. So nennt MegeSheim 1763, Eschcn- bach 1765, Wemding 1767, Kastl 1769; Dietfurr und andere haben selbst nur mehr das Andenken an die zerstörten Missionökreuze erhalten. ^) Auö dem, was bisher erzählt wurde, ist man bereits im Stande, die Form zu erkennen, in welcher die Missionen veranstaltet wurden. Blickt man auf jene zurück, welche die Wiederkehr eines Gebietes zur Kirche beabsichtigten, so liegt die Art und Weise derselben schon in der Natur der Sache ausgesprochen. Man hat den Empfang gelesen, welcher den Missionen an einzelnen Orten zu Theil wurde, ihre ununterbrochene Thätigkeit im christlichen Unterrichte, in Predigten und Christenlehren; eine bestimmte Form hatte nur jener Act, durch welchen die Missionäre die wiederbckehrte Pfarrei dem vom Bischöfe neu aufgestellten Seelsorger übergaben, sobald sie daselbst ihre Mission aufhoben. War die Mission bestimmt, das religiöse Leben einer Gemeinde zu erneuern, so boten sich entweder die Missionäre selbst dem Seelsorger an, wenn sie sür dieß Bisthnm die allgemeine Erlaubniß des Ordinariates erhalten, oder sie wurden besonders hiezu berufen. Im ersten Falle trugen die Missionäre die Kosten ihrer Verpflegung, im andern entweder die Kirche allein, oder die Herrschaft, die Kirche, die Gemeinde und ihr Seelsorger zusammen. Nahte die Zeit der Mission, so wurde sie, im Falle sie für einen größern Bezirk galt, von allen Kanzeln desselben mit der Bulle Jnnoccnz XIII. verkündet, und die Gläubigen zur Theilnahme den gehaltenen Missionen vorhanden sind oder solche noch verborgen liegen, so wolle man diese Aufzählung der einzelnen Orte mit dem Wunsche entschuldigen, hicdurch Veranlassung zu weiteren Nachforschungen oder wenigstens einen kleinen Zug sür die Pfarrgcschichtc zu geben. l1i5tor. Loll. S, >I. IZM, »nn. 1730-33. In Ermanglung anderer Urkunden können für diese Angabe nur einige Aetenstüeke der Pfarrei Escheubach, welche eine weitere Ausdehnung der Missionen im Kapitel Oinbau im I. 1743 und 52 bestätigen, sodann die Inschrift des Missionskrcuzcs in Ammcrbach bei Meinung von 1742 und die Angabe eines im Misstonslrcuzc ;u Hrrricden vcrschlrsscn gewesenen Pcrgameutblattes vom 1ö. Juni 1753 als Belege genannt werden. —) Nach eingesandten Mittheilungen. 3Zs ermuntert; galt sie, wie früher meist der Fall war, für jede einzelne Pfarrei, so hatte die Verkündigung in jeder Pfarrkirche besonders zu geschehen. Daö Uebrige besagt die Erzählung, welche die Hand eines eifrigen Pfarrers bei einer dieser Gelegenheiten niedergeschrieben hat. Als das Herannahen der Missionäre gemeldet wurde, führte der Seelsorger sein Volk in Procession, das Missionskreuz an der Spitze, unter dem Geläute der Glocken denselben entgegen. Woher, ihr Männer, sprach er zu ihnen, und wohin? Ihr seyd Fremdlinge und unbekannt, eure ungewohnte Kleidung, das Kreuz auf eurer Brust, den Rosenkranz in euerm Gürtel, der Stab in euern Händen, waS sollen sie uns deuten? Wie Bethlehems Aclteste den Propheten Samuel, fragen auch wir euch: Ist friedfertig euer Eintritt? (1. Kön. 16, 4.) Ja, ihr antwortet mit den Propheten: Friedfertig ist unsere Ankunft; wir kommen, k>em Herrn Opfer zu bringen, darum heiligt euch und folget uns zum Opfer! Ihr kommt, uns Friede zu bringen mit Gott, mit unS, mit unsern Nächsten. Wohl, dann stehen die Thore dieser Stadt, die Thüren unserer Häuser, die Thüren unseres Herzens euch offen. Ergreift dieses Kreuz, die FriedenSsahne Jesu Christi, traget sie uns vor, um uns zum Tempel deS Friedens zu führen. Den Rosenkranz betend zog man jetzt der Pfarrkirche zu, wo das Allerheiligste ausgesetzt und nach der Anrufung des heiligen Geistes der Segen ertheilt wurde. Der Missionär hielt die Eingangspredigt, womit der erste Tag sich schloß. Am Morgen des andern TageS war die erste Ermahnungsrcde, darauf die Missionsmcsse, welcher die Bußpredigt folgte. Der Nachmittag ward zur Christenlehre und zweiten Predigt verwendet. Erst am dritten Tage begann die Beicht, am vierten die erste und am achten Tage die zweite allgemeine Commnnion. Während der Woche wurde eine Processio» zu einer nahegelegenen Kirche oder Capelle mit feierlichem GotteS- dienste veranstaltet. Den Schluß bildete d e Abschiedsrede des Missionärs vom Volke, in dessen Namen der Pfarrer mit einer Anrede der Dankbarkeit erwiderte, worauf der ambrosianische Lobgesang und der sakramentale Segen die Mission beendete. Es war ein Abschied, sagt der Berichterstatter, wie der Abschied des Apostels von EphesuS (Apostelgesch. 20, 37), als sich ein großes Weinen und Schluchzen erhob, als die Anwesenden dem Paulus um den Hals fielen und ihn küßten und am meisten ihnen daS Wort schwer war, sie würden sein Angesicht nimmer sehen. ES schien, als konnte man von den Missionären sich nicht mehr trennen; aber sie schieden, weil sie gesandt waren, auch andern Städten das Reich GotteS zu verkünden.*) DaS Volk ist bis heute den Jesuiten dankbar für die geistlichen Wohlthaten geblieben, die eö von ihnen erhalten hat, und erinnert sich der Erzählungen seiner Vorältern von „den Bußpredigern" und ihrem heiligen Eifer; oder wenn man in Pfarreien deS BiSthums, die oft wie ein Eiland inmitten einer protestantischen Umgebung sich befinden, betagte Männer fragt, so kann man erfahren, daß ihnen ihre Großältcrn von Missionären geredet und ihnen gesagt haben, wie von diesen der lutherische Glaube vertrieben wurde. Man kann eS dann begreifen, welche Aufregung im Volke damals entstand, als die Nachricht verlautete, der Orden der Jesuiten sey aufgehoben. Nach langen und widrigen Verhandlungen mit Rom entschloß sich endlich Fürstbischof Raimund Anton, die betreffenden Bullen am 14. Mai 1774 den Jesuiten zu publiciren, in einer Proclamation an das Volk aber, von dem man einen Aufstand befürchtete, den Fortbestand des Kollegiums als Wel!priesterhaus zu sichern. Unter den Namen der Jesuiten, welche sich erklärten, im Kollegium verbleiben zu wollen, findet sich P. Wilhelm Hausen als bischöflicher Missionär unterzeichnet. Ein Brief von ihm gibt die Bürgschaft, daß er noch 1773 eine Mission in Eschenbach hielt, deren günstige Erfolge das Pfanbuch daselbst bestätigt. In der Schutzengelkirche von Eichstärt ») Aus den Acten der Stadtpfarrei Eschcnbach, *') Aus einer von hoher Hand gütigst niitgcthelltcn Abschrift der betreffenden geistlichen Raths- protocollc. 333 wird ein liebliches Muttergvttesbild gezeigt, von dem jene, die ihn noch kannten, erzählt haben, daß er desselben sich bei seinen Missionen bediente. So waren die Zesnite» selbst nach ihrer Aufhebung in diesem Bereiche thätig, und 1781 hielten sie eine größere Mission in Lauterhofen. Es ist das die letzte Nachricht, welche uns über die Missionen in der Diöcese bekannt ist, und ihr Name verschwindet unter dem Brausen der Stürme am Anfange unseres Jahrhunderts. WaS seit einem Jahrzehend geschehen, sind nur die Vorboten einer neuen Geschichte der Missionen für die Diöcese Eichstädt gewesen. Am Marienkirchlein deS heiligen Willibald hatten sie begonnen, «ach einem Jahrtausende beim Marienbilde des Pater Hausen geendet; beim Jubelfeste der Marienwallfahrt von Wemding 1843 erweckte Bischof Carl August die ersten Anklänge der Missionen wieder, sie setzten sich fort in den Predigten der Redemptoristen beim einhundert- jährigen Jubiläum deS BiSthums, sie wiederholten sich damals in der Liebsrauen- kirche von Jngolstadt und schlössen erst in diesem Jahre in achttägigen MissionS- prcdigten von Weltgeistlichen in der Marienwallfahrl zu TrautmannShofen. So ist der Name der Jungfrau in den Anfang und das Ende der ältern MissionS- geschichte der Diöcese eingeflochten. Wenn nun jetzt der Eifer und der apostolische Muth des geliebten Bischofes Georg die eigentlichen Missionen wieder inS Daseyn gerufen bat, christlicher Leser, der du mir bisher gefolgt bist, gewähre eine Bitte und bete mit uns für Bischof und Klerus, für Missionäre und Volk, und flehe: Hsneta Uaria, nm pro novis, damit wiederum werden herrlich und glorreich, gesegnet von Gott und von Menschen die Missionen der Diöcese Eichstädt. S. Th. v. A. Apostolisches Schreiben für die Seligsprechung des ehrwürdigen Peter Claver. PiuSlX., Papst. Zum ewigen Gedächtniß. Das Wesen der christlichen Liebe, ihre vorzügliche Gewalt besteht darin, daß sie die Herzen, welche sie entflammt, zur Ehre Gottes und zum geistigen uud körperlichen Wohl deS Nächsten, zu den kühnsten und schwierigsten Unternehmungen drängt, indem sie dieselben mit einer außergewöhnlichen und über die sterbliche Natur hinausgehenden Energie beseelt. Daö hat sich klar herausgestellt durch die Jahrhunderte herab bei allen durch Heiligkeit ausgezeichneten Männern, bei jenen eUen Arbeitern, welche ter himmlische Hauövater nicht aufgehört in seine Ernte zu senden. Vom Feuer der christlichen Liebe ergriffen haben sie so Großes, für alle Schichten der menschlichen Gesellschaft so Herrliches vollbracht, daß die trügerische und eitle Philosophie unserer Zeit, diese Feindin des Kreuzes Christi, cS nicht wagen darf, ohne zu Schanden zu werden, mit diesen Helden einen Vergleich einzugehen oder ähnlicher Werke der Liebe und Barmherzigkeit sich zu rühmen. Unter jenen heldcnmüthigen, mit apostolischem Geiste beseelten Männern aber, welche seit Entdeckung Amerikas unablässig gearbeitet, um die wilden Völkerschaften zu zähmen und für Christus zu gewinnen, und welche daselbst die glänzendsten Spuren der christlichen Liebe zurückgelassen haben, zeichnete sich rühmlich ans der ehrwürdige Diener Gottes Peter Claver, Profeß-Priester der Gesellschaft Jesu. Er wurce geboren zu Verdu in Catalonien, in der Diöcese von Salso na, und trat mit siebzehn Jahren in die Gesellschaft Jesu ei». Nach seinem Noviciat begab er sich nach Majorka, um daselbst die Humaniora und die Philosophie zu studinn. Er traf dort den seligen ") Der Verfasser fühlt sich verpflichtet, den hochwürdigstcn und hochwürdigcu Mitgliedern des Klerus der Diöcese ljichstävt, durch deren frcnndllchc Güte bei der Abfassung dieses Artikels er unterstützt wurde, für die qcwordcncn Mittheilungen den ehrfurchtsvollsten Dank auszusprcchen, "5 334 AlphonS Rodriguez, Coadjutor derselbe» Gesellschaft, und bereitete sich im Umgange mit ihm vor zn seinem schweren Dienste und zu den Arbeite», für weiche ihn Gott bestimmt hatte. Im Jahre 1610 führte ihn der Wille Gottes und der Befehl seiner Obern in das Königreich Neu-Granada, in Austral-Amerika, woselbst er die Priesterweihe empfing und cie theologischen Studien beendete. Schon damals bestand zu Carthagena, auf den Antillen, ein Handelsplatz, auf welchem Kaufleute, die öffentlich den schändlichen Ncgerhanvel trieben, jährlich an eilf- bis zwölstausend arme Sclaven, welche sie meist an den Küsten Afrikas geraubt hatten, wie elend Vieh zum Verkauf zusammentrieben. Der ehrwürdige Peter, von Mitleib gegen die Unglücklichen gerührt, weihte ihnen sein Leben und, durch ein Gelübde an sie gefesselt, war er während 4t) Jahren, durch unüberwindlichen Muth ausrecht gehalten, in Mitte unerhörter Schwierigkeiten und Entbehrungen, unablässig beschäftigt, «sie zu unterrichten und zu taufen. Solcherweise, allein mit seiner Liebe, gewann er für Christus und für die Kirche eine so große Menge Schwarzer, daß man ihre Zahl auf mehrere hunderttausend anschlägt. Er beschränkte aber seine Sorgfalt nicht daraus, daß er Seelen der wahren Religion zuführte; er beschäftigte sich auch mit den leiblichen Bedürfnissen. Wie hätte auch seine Frömmigkeit es sich versagen können, mit seiner Fürsorge diese unglücklichen Geschöpfe zu umfangen, welche dem gräßlichsten Elend preisgegeben waren? Bei der Nachricht von jeder Landung eilte er herbei, schloß in seine Arme diese vor Kurzem noch freien, jetzt durch Gewaltthat zur grausamsten Knechtschaft verurtheillen Menschen; er gewährte ihnen, wie er es nur immer vermochte, die nothwendigsten Bedürfnisse. Den Nackten gab er Kleidung, den Hungernden Nahrung, den Kranken Arznei, und befanden sich unter diesen letztern Pestkranke, so waren diese der besondere Gegenstand seiner zärtlichen Sorgfalt, ohne daß er dabei an sich gedacht hätte. Je mehr er bei solchen Geschwüren und Unsauberkciten mit Ekel gequält wurde, um so mehr vervielfältigte er, siegreich über sich selbst, diese Liebesdienste. Und als ob diese Arbeiten, welche er unermüdlich den Negern zuwendete, noch zu gering wären, widmete er sich außerdem den Einwohnern von Carthagena und Durchreisenden; er suchte die Lasterhaften zur Ehrbarkeit und Mäßigkeit zurückzuführen, die Irrgläubigen zum wahren Glauben zu bringen, 'und die vom mahomedanischen Aberglauben Umstrickten der christlichen Freiheit theilhaft zu machen. Wenn er diesen mühevollen Arbeiten bis spät in die Nacht obgelegen, so gönnte er nur den kleinsten Theil derselben der Ruhe, und verharrte lange im Gebet zu Gott, in Verehrung und Anrufung der heiligen Jungfrau und Gottesmutter und der Heiligen. So sehr durchglühte ihn die göttliche Liebe, daß es schien, als ob er bei all' seinem Thun in Gott verzückt sey. Während er gegen die andern Menschen, besonders gegen rohe, sanft unv milo, war er gegen sich selbst hart und rauh und fügte zu den so vielen Anstrengungen und Nachtwachen fortwährend Abtövtungen, wie er denn überhaupt von Jugend aus gewöhnt war, den Körper durch die strengste Lebensweise in Botmäßigkeit zu halten. Nach so vielem Tugendverdienst, und besonders reich an großen Werken der Liebe, starb der ehrwürdige Diener GottcS zu Carthagena heilig, wie er heilig gelebt, den 10. September 1654. Der Ruf seiner Heiligkeit verbreitete sich weit unv vie Sache ward vor Unsere ehrwürdigen Brüder, die Cardiuäle der heiligen römischen Kirche von der ^angröMtio vituum, gebracht und, nachdem die Untersuchung wegen seiner Tugenden mit Sorgfalt geführt worden, erklärte Benedict XVI., unser Vorfahrer, glorreichen Andenkens, nachdem er inbrünstig zu Gott gebetet, durch ein Decret vom 24. September 1747, daß diese Tugenden heroische seyen. Nachdem sodann vor Uns, die Wir, ungeachtet Unserer Unwürvigkeit, zur Regierung der Kirche berufen worden, zwei Wunder, weiche der Fürbitte des ehrwürdigen Peter zugeeignet wurden, bewiesen worden, haben Wir deren Wahrheit durch ein Decret vom 27. August 1343 bestätiget. Endlich haben verflossenen Mai die um Uns versammelten Cardinäle, nach Anhörung der Consultoren, einmüthig sich dahin ausgesprochen, daß Wir, sofern eö Uns gut dünke, den genannten Diener Gottes in die Zahl 335 der Seligen versetzen könnten, bis daß endlich seine feierliche Ccinoniscition gefeiert wurde. Deßhalb, auf die Bitte der ganzen Gesellschaft Jesu, auf den Rath und die Beistimmung der genannten Cardinalcongregation, aus Unserer apostolischen Vollmacht und durch gegenwärtiges Schreiben gestatten Wir, daß der Diener Gottes, Peler Claver, Profeß-Priester der Gesellschaft Jesu, fortan mit dem Prädicat „der Selige" genannt werde; daß sein Körper und seine Reliquien zur ösfenilichen Verehrung ausgesetzt werden. l^Nun folgen die Ritualbestimmungen.) Gegeben zu Rom bei St. Peter, unter dem Fischerringe, den 16. Juli 1350, im fünften Unseres Pontificats. A. Cardinal LambruSchini. 5 mÄtstmsü. Mnsm'll» HM' nv ° «NAUM ^»ÄlMsB.^!»'.IWjn ^WzLnMtM ^»5L Rom. Rom. Am 3. September versammelten sich in einem neu gebauten prachtvollen und zu großer Festlichkeit geschmückten Saale des römischen CollegiumS Studenten, Collegien, Zuhörer und Zuschauer in Menge. Auf einem erhabenen Sitze nahm der Pater-General der Jesuiten seinen Platz, ihm zur Seite die Assistenten, neben diesen die Professoren beider Collegien, deS römischen und deS deutschen. Gegenüber saßen aus vergoldeten Sitzen fünf Zöglinge, die mit der Doctorwürde beehrt werben sollten, unter diesen der neunzehnjährige Hugo Adalbert Hurte r, jüngster Sohn deS Herrn HofrathS Hurtcr. Er hatte nach dreijährigem Curö der Philosophie am 1l. Juli in einem zweistündigen Eramen etwa 21 Der wichtigsten Thesen aus der Moralphilosophie unv aus der Geschichte der Philosophie, unter Beleuchtung der Hauptirrthümer eines Loke, Malebranche und Spinoza u. a. verfochten; hierauf in Mathematik, Physik, physicalischer Chemie und Astronomie ein Eramen bestanden, nach dessen Beenvigung die fünf Eraminatoren eine eidliche Erklärung abgaben: er sey würdig, den DoctorSgrad zu erhalten Am oben erwähnten Tag hatten alle Doctoranden eine kleine Disputation zu halten, sodann daS Glau- beuSbckenntniß abzulegen, um mit dem Doctorbiret und vem Ring geschmückt zu werden. Hugo Hurter, obgleich unter allen weitaus der jüngste, wurde noch die besondere Auszeichnung zu Theil, die lateinische Anrede an die Anwesenden halten zu dürfen. Die Bedeutung der Philosophie war deren Thema, der Anfang besonders schön, ergreifend das Ende, wo er sich glücklich preist, von dieser Stelle den Vätern der Gesellschaft Jesu Dank sagen zn können für die viele Sorgfalt, die sie auf seine geistige Ausbildung verwendet, und die Gnade Gottes hervorhebt, die ihn zu seiner Erziehung nach Rom in dieses Kollegium geführt habe. Im Hinblick auf seinen Vater, der am St. Aloistag deS Jahres 1844 in der Kirche deS römischen CollegiumS die heilige Firmung und, gleichsam an der Spitze der gesammten studirenden Jugend RomS, die heilige Communion empfing, sprach er die Worte: voo in »e- cnotis rsuzi'iZiri, czucili suas gratmv voosz optimi psrsnlis mei iwres resersrit, ^uocl Loslssti novociuu lues ejus menti kmimoqus aöulstzrit, ut, in noo ipso Lollvgio liomuny sumn nomen in SÄtutildrss Latlioliooruin Loelo gtisoriossrit. AlS Hugo mit vielem Feuer, Lebendigkeit und Gefühl diese Worte sprach unv bald darauf die Rede schloß, beurkundete der Applaus der zahlreichen Versammlung den günstigen Eindruck, den dieselbe hervorgerufen hatte. — Ais der neucreirte Doctor nach Hause kam, fand er in seinem Zimmer ein schön geschmücktes Tischchen mit brennenden Kerzen, auf welchem Geschenke, Gedichte und glückwünschende Zuschriften lagen, an mündlichen Glückwünschen fehlte es eben so wenig. Da nach einer solchen Festlichkeit der beehrte Zögling die Obern des HauseS und die Professoren umarmen mnß, drückten diese dabei ihre Freude über den glücklichen Erfolg seiner Studien aus. Am Abend war ein kleines Fest veranstaltet, welches die Alnmnen durch ihren Gesang verherrlichten. — Er selbst drückt sich in einem Brief an seinen Vater über diese nicht geahnete Beehrung so aus: „Habe ich Fortschritte in meinen Studien und in wissen- . schastlicher Beziehung irgend einen Gewinn gemacht, so muß ich dieses, nächst Gott, ^ 336 besonders meinen lieben Professoren, den P. P, Solimani, della Rovere, Boco- biancha, Provenziali, Pecci und Socci, und unserm ausgezeichneten, ehemals Alumnen, jetzigen P. Schrader verdanken; denn nichts haben sie unterlassen, um mich zu belehren. Der Zutritt zu ihnen stand und steht mir jederzeit offen, und waS ich in wissenschaftlicher Beziehung nur wünschen mag, das gewähren sie mir." (W. K.-Z.) _^ ' ' ' ' ' ll!>A) -.tls^N l^-z/s'-b Franzöfische Nonnen in Gaboon, ander afrikanischen Küste in Oberguinea. Den Missionären, erzählt ein Reisender in einem an das „Univerö" gerichteten Schreiben, die das so schwere Werk der Verbreitung deS Christenthums im Königreich Gaboon treiben und fördern, sind französische Nonnen aus dem Kloster la Uisöricvräö clv csstres zur Hilfe und zum Beistände gekommen. Bei ihrer Ankunft daselbst wurden sie jedoch von der Bevölkerung mit einem Grade von Achtung und Zuvorkommenheit empfangen, den sie nicht im entferntesten zu ahnen vermocht hatten. Eine kurze Schiloerung der daselbst herrschenden Sitten wirb einen klarern Begriff von-der Lebensstellung der frommen Nonnen gewähren. Die Häuptlinge haben außer ihrer gesetzmüßigen Frau noch eine große Anzahl Concubinen. Die legilime Gattin stammt gewöhnlich von einer Familie auS der vornehmen Welt, wie sie sich ausdrücken, her; der Vater anerkennt nur die von dieser in die Welt gesetzten Kinder; sie ist eS, welche den Oberbefehl über die andern Frauen führt, die zur Bearbeitung der Felder verwendet werden. Da diese kleinen Sultane nicht reich genug sind, um einen Harem zu halten und ihn von Eunuchen bewachen zu lassen, so pflegen sie hinsichtlich der häufigen Verklungen ihrer Weiber ein Auge zuzudrücken. Keuschheit und Monogamie sind für sie gänzlich unfaßbare Begriffe. Die Schwierigkeit, ihnen Geschmack an einer geregelten Lebensweise einzuflößen, stellt sich als das größte Hinderniß ihrer Bekehrung zum Christenthum entgegen, das sie nichts desto weniger lieben und verehren. Als ein merkwürdiger Umstand muß ihre Ansicht hervorgehoben werden, daß nämlich nur die Weißen zu beten verstünden, daß diesen allein die Mittel bekannt wären, daS höchste Wesen günstig für sich zu stimmen und ihre Bitten bis zu ihm gelangen zu lassen; daß sie aber, als Stiefkinder der Schöpfung, Opfer und Spielzeuge bösartiger Gottheiten wären, die durch Gebet und Thränen nicht erweicht werden könnten; daß diese Gottheiten aber auch von ihren Anhängern nicht jene Strenge und Reinheit der Sitten heischten, welche der Gott der Christen von seinen Anbetern fordere. Wenn Unglücksfälle über sie hereinbrechen und Krankheiten ihre Familien heimsuchen, so schleppen sie, obwohl sie von Natur auS sonst eben nicht grausam sind, einen Sklaven an einen abgelegenen Ort, töbten ihn unier mysteriösen Ceremonien und furchtbaren Martern, lassen den Leichnam unbegraben liegen und glauben so die feindlichen Gottheiten versöhnen zu können. Sie vermögen eS nicht zn fassen, daß ein schwaches, ihrer Ansicht nach jeder moralischen Energie ermangelndes Geschlecht Pflichten üben könne, die ihnen erdrückend erscheinen, daß eS sich zu einer Tugcndhöhe zu erheben vermöge, die sie für unzugänglich halten. Wenn man ihnen daher früher von Nonnen erzählte, welche, angeregt durch die inbrünstige Liebe zu ihrem Gott, einzig und allein unter die ausschließliche Obhut ihrer Tugend gestellt, ein keusches Leben führten, ohne von Jemandem überwacht zu werden, so betrachteten sie eine solche Mittheilung als Fabel; als eS ihnen aber in ihrem eigenen Lande, wo die luftig gebauten Behausungen jedem Blicke von Außen fast ungehinderten Zugang gestatten, ein Leichtes wurde, sich von der Wahrheil der seit lange gemachten Mittheilung zu überzeugen, da konnten sie sich deS Gefühles der Bewunderung nicht erwehren. Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. VcrlagS-Jnhaber: F. C. Kremer.