Eilster Jahrgang. Sonntags-Beiblatt zur Augsburger Pojheitung. 26. October M ^lS. 1851. Dieses Blatt erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der halbjährige Abounementsvreta 4V kr., wofür es durch alle königl. bayer. Postämter und alle Buchhaudluogcn bezogen werde» kaun. Gin Wort über das Verhältniß der Erziehung in der Schule zu der häuslichen. * Man war, wie ein alter und wohlerfahrener Pädagog sagt, von jeher ganz reckt daran, wenn man den Schüler mit einem jungen Stamme verglich; beide nämlich treffen sich in mehrfacher Beziehung: der junge Stamm läßt wegen der Zartheit seiner Bestandtheile eine leichte vielfache Gestaltung und Richtung zu, waS an einem erstarkten und groß gezogenen vergebens, oder wenigst nur mit großer Mühe versucht wird. So der Schüler. Seine Seele nimmt auS dem Grunde ihrer Weichheit lieber die Eindrücke des bildenden Erziehers auf als die deö Erwachsenen, di-' schon gewissermaßen in eine bleibende Form gebracht ist. Der junge Stamm bedarf sorgfältiger Pflege, wenn er in seinem Wachsthum? gedeihen und gegen schädliche Einwirkungen gesichert seyn soll: auch der Zögling muß unter wachsame Hut gestellt werden, wenn sein Geist gesuud und gut heranreifen, sein Herz durch keine feindliche Nähe gesäbrdet werden soll. Der junge Stamm, den man der Früchte wegen pflanzt, wird die Erwartung des Pflanzers erst dann erfüllen, wenn er durch ein Pfropfreis edlerer Art verbessert, und der Schüler der Hoffnung seines Vaters und seiner Mutter, des Vaterlandes und der Kirche erst dann entsprechen, wenn seine Natur, die, sich selbst überlassen, verwildern würde, durch wahre christliche Bildung und Unterricht veredelt ist. Wie eS aber thöricht wäre, den Stamm veredeln wollen, ohne die Bedingungen zu achten, unter welchen Veredlung mvg!ich ist, eben so wäre eS thöricht, Veredlung, gute Gesittung dem Schüler zumulhen, ohne sich in die Forderungen zu sügen, die zu dem Ende unerläßlich sind; denn thörich. 'f eS, den Zweck wollen, ohne die Mittel zum Zwecke zu gebrauchen. Wenn die Anwendung deS eben Gesagten auf den Elementarschüler gemacht wird, ergibt sich von selbst, daß Erziehung und'Unter richt die beabfichtete Veredlung, die gute Gesittung und Bildung, gewissenhafte Ueberwachung aber die Pflege ist, welche diese Veredlung, gute Gesittung und Bildung vollenden soll. Wenn der junge Stamm, wie bereits gesagt, wegen der Zartheit seiner Bestandtheile eine leichte und vielfache Richtung zuläßt, was an einem erstarkten und großgezogenen vergebens oder nur mit großer Mühe versucht wird: so nimmt die Seele des Kindes ans dem Grunde ihrer Weichheit lieber die Eindrücke deS bildenden Erziehers auf, als die des Erwachsenen, die schon gewissermaßen in eine bleibende Form gebracht ist. Demnach liegt eS also in dem Berufe der häuslichen Erziehung deS gotteS- fürchtigen Vaters und der frommen Mutter, die erste Hand der Erziehung an den noch jungen und weichen Stamm, an ihr zartes Kind anzulegen, demselben, so zu 338 sagen, mit der Muttermilch die Furcht des Herrn, Gottesfurcht, sonach den ersten Keim der Weisheit einzuflößen: denn die Furcht des Herrn ist der Weisheit Anfang. Ps. 110, 1t>. Trefflich sagt der unsterbliche Sailer in seiner ErziehungSlehre von der Mutter, sie — die gottesfürchtige Mutter — ist dem Kinde bald Sokrates, indem sie es Begriffe suchen, finden läßt; bald Johannes, indem sie eS zu Christus weiset; bald Maria, indem sie ihm vom Vater im Himmel erzählet; bald Hanna, indem sie den jungen Samiel beten und den Ruf GottcS verstehen lehret. Die gute Mutter hat zwei Organe, durch die sie daS Kind für das Gute erziehet; sie heißen Liebe und Religion. Als liebend ist sie dem Kinde das Bild der Tugend; als Gott verehrend wecket sie in dem Kinde den Keim der Religion. Und da Religion und Liebe dem Wesen nach Eines sind, so pfleget sie durch die Liebe die Keime der Religion, und durch Religion die Keime der Tugend. Soll indeß die erste Erziehung an' dem zarten Stamme gedeihen, so darf der Vater nicht niederreißen, was die gottesfürchtige Mutter aufbauet; er muß vielmehr durch Wort und Beispiel auf die Erziehung des KindeS fördernd einwirken, oder beide Theile, Vater und Mutter müssen in der Gottesfurcht überhaupt, und in der Liebe gegen die Kinder besonders, so wie in unverrückter Treue gegeneinander, Harmoniren, Eines seyn. Sonst ist die religiös-sittliche Erziehung, Erziehung im eigentlichen Sinne deS Wortes, unmöglich. Treue im Respecte gegen Gott und ihr Gewissen soll sie als Menschen, Treue in Liebe gegeneinander soll sie als Gatten, Treue in Selbstaufopferung für Kinder soll sie als Eltern auszeichnen. Diese Treue ist daS große Drei-Eins, in dem die Eltern Eins seyn müssen, wenn sie erziehen, und ihr großes Tagewerk, daS der Erziehung, gelingen soll. Wie der junge Stamm sorgfältiger Pflege bedarf, wenn er in seinem Wachsthums gedeihen und gegen schädliche Einwirkungen gesichert seyn soll: so muß daS Kind, der Schuler unter wachsame Hut gestellt werden, wenn sein Geist gesund heranreifen, sein Herz durch keine feindliche Nähe gefährdet, sondern wahrhaft erzo, gen, unterrichtet, gebildet, Gott und Menschen wohlgefällig werden soll. Das Kind wird der Schule, den Lehrern und Lehrerinnen zur weitern Erziehung und in Unterricht gegeben: eS wird Schüler. Mit sichtlicher Freude führt das noch schwache Kind die Mutterhand in die Schule: denn sie weiß, daß es in dem freundlichen Lehrer einen andern Vater, und in der entgegenkommenden Lehrerin eine zweite Mutter erhalte, die dem Kinde das weitere Wachsthum in der ersten Erziehung verschaffen, eS gegen alle schädlichen Einflüsse sichern. Und wahrhaftig, die guten, um daS Wohl ihrer Kinder so sehr besorgten Eltern irren sich nicht. Mit aller Liebe und Freundlichkeit nehmen gleich höhern Genien die Lehrer und Erzieher, die Lehrerinnen und Erzieherinnen sich der lieben Kleinen an, und beginnen so die große Lebensbildung und die so wichtige Veredlung an dem jungen zarten Stamme durch Erziehung und Unterricht, und führen dieselbe natur- und vernunftgemäß, einsprechend den Grundsätzen ener wahren Pädagogik von Stufe zu Stufe, angemessen den allmälig auftauchenden Geistes- und den sich allmälig entwickelnden Leibeskräften. Doch, wie der junge Stamm, den man der Früchte wegen pflanzt, die Erwartung des Pflanzers erst dann erfüllt, wenn er durch ein Pfropfreis edlerer Art verbessert ist: so wird der Schüler, der Zögling deS Reiches Gottes, den Hoffnungen seiner Eltern und den gerechten Erwartungen des Vaterlandes erst dann entsprechen, wenn seine Natur, die, sich selbst überlassen, verwildert, durch daS Pfropfreis der Religion Jesu Christi und durch seine Gnade veredelt ist. Darum theilt sich mit in das hochwichtige Geschäft der Erziehung und des Unterrichtes der Schule die Kirche, behauptet ihren ersten Antheil, indem sie als Stellvertreterin deS göttlichen Meisters ruft: „Lasset die Kleinen zu mir kommen: wehret denselben nicht: denn ihrer ist daö Himmelreich." Matth. 19, 16. Hand an Hand gehend ist Kirche und Schule während einer Periode von bereits zwölf Jahren bemüht, in den ihnen anvertrauten Kindern die mit der Muttermilch eingesogene Furcht Gotteö zu erhalten und zu bestärken; ihnen wahre Erkenntniß GotteS 339 und seines SohneS Jesu Christi beizubringen, in ihnen Abscheu gegen alles Böse, gegen die Sünde zu erwecken; sie mit der Würde als Kinder Gottes bekannt zu machen, sie hinzuweisen auf die hehre Erbschaft, die ihnen als Kindern GotteS jenseits harre. Wenn die häusliche Erziehung während der Zeitläufte der Schule daS Kind nicht außer Acht läßt, seine geistigen und körperlichen Kräfte in Angriff nimmt, sie, wenn auch nur im geringern Maaße, zur Gewinnung deS täglichen Brodes verwendet, sie von frühester Jugend an Fleiß und Sparsamkeit gewöhnt, sie allen unnützen Aufwand verschmähen, alles verschwenderische Wesen verachten lehrt, allen Egoismus, alle Arroganz, alle Brutalität in dem Candidaten für daS kirchliche und bürgerliche Leben verbannt: so kommt dieser häuslichen Erziehung die Kirche und Schule freundlich entgegen, dieselbe kräftigst unterstützend, indem beide die ihnen anvertrauten Kinder in den nothwendigen und gemeinnützigen Gegenständen deS LebenS, als im Lesen, Schreiben, Rechnen, in der Geographie, Naturkunde, Oeconomie und Geschichte unterrichten; weisen ihnen in schönen Beispielen auS dem Leben oder auS der Geschichte nach, zu welchem Glücke und Segen Arbeitsliebe, Fleiß und Sparsamkeit, praktische Kenntnisse und kluge Verwendung der Zeit führen; wie unglücklich aber Mangel an Lebenskenntniffen, Arbeitsscheue, Genußsucht, eitler Aufwand, Verschwendung und Unmäßigkeit machen. Endlich suchen beide in ihren Zöglingen alles rohe Wesen zu verbannen, hingegen feine Sitte und Urbanität zu förvern; gegenseitiges Wohlwollen, Verträglichkeit und Friedfertigkeit zu wecken und zu erhalten, nach dem christlichen Principe: „AlleS, waS du nicht willst, daß man dir thue, thue auch einem Andern nicht: und Alles, was du willst, daß man dir thue, thue auch einem Andern!" Aus dem bisher Gesagten ergibt sich nun ganz klar, daß daS Verhältniß, in welchem die Erziehung der Schule zu der häuslichen steht, ein sehr inniges, in Liebe thätiges, auf die Realisirung eines und desselben Zweckes gerichtetes sey. In welcher Familie, in welchem Hause, in welcher Gemeinde dieses innige, in Liebe thätige Verhältniß richtig aufgefaßt und mit vereinter Kraft auf die Realisirung des Einen hohen Endzweckes hinangestrebt wird, da muß daS große Werk gelingen: es werden aus diesem Dualismus von Kräften brauchbare Menschen, edle Bürger, würdige Glieder der Kirche und künftige Erben des Himmels hervorgehen. Wo sich aber dieser Dualismus von Kräften feindlich einander gegenübersteht, da erscheinen wohl verzogene, aber keine erzogene Menschen, Geißeln für die Gemeinden, aber keine gute Familienväter und Mütter, Scheusale der Menschheit, aber keine Bürger deS Reiches Gottes. Soll demnach das Werk der Erziehung und deS Unterrichtes in einer Gemeinde gelingen und von scgenreichen Folgen seyn: so muß zwischen der häuslichen und der Schulerziehung der schönste Einklang, die freundlichste Concordia seyn. Und diese Concordia soll sich zwischen Eltern, Lehrern und Seelsorgern, zwischen diesen drei Potenzen dadurch bethätigen, daß die Eltern die erste Hand an das große Tagewerk der Erziehung ihrer Kinder legen, sie in der Furcht deS Herrn unterrichten, ihre Geisteskräfte frühe wecken, dem Erwachen des Bösen frühe genug und energisch entgegentreten; hingegen die Keime deS Guten nähren und durch ihr Wort und Beispiel bestmöglich fördern. Treten dann die Kinder in das zweite Stadium der Erziehung ein, treten sie von dem heimatlichen Herde in die öffentliche Schule: so erkennen in den öffentlichen Lehrern und Erziehern, in den Lehrerinnen und Erzieherinnen, in den Seelsorgern die Eltern die sichtbaren Schntzgeister ihrer Kinder, die da im Auftrage GotteS, im Namen der Kirche, im Interesse der Gemeinden und deS ganzen Vaterlandes dieselben aus den Händen der Eltern empfangen, um zu vollenden, waS diese bereits angefangen haben. Nie stellen sich die Eltern jenen feindselig gegenüber, die da den Beruf haben, mit den Eltern vereint ihre Kinder zu erziehen und zu unterrichten. Beherziget wohl, liebe Eltern, daß in dem Grade, in welchem ihr daS Ansehen deS öffentlichen LchrerS und Erziehers, deS Seelsorgers durch Schmähen oder Lästern untergrabet, ihr den eigenen Boden, auf dem ihr stehet, unterwühlet, 340 und dabei die Realisirung, die Lösung der wichtigsten Aufgabe, die der Erziehung vereitelt, was früher oder später an euern armen Kindern, die euer Herzblut sind, schrecklich und noch schrecklicher an euch selbst sich rächen dürfte! Wir aber, die wir die Aufgabe der öffentlichen Erziehung und deS öffentlichen Unterrichtes zu lösen und zu leiten haben, wollen die Worte deS berühmten Thomas MoruS, die er an GonelluS, den Miterzieher seiner Kinder richtete, als allgemeine ErziehungSnorm gesprochen, wie auS dem Munde jeglichen VaterS und jeglicher Mutter unserer Kinder hinnehmen! „Meine Kinder sollen sich nie versteigen auf die steilen Höhen der Eitelkeit und deS Stolzes, sondern im niedern Pfade der Demuth und Sittsamkeit ruhig wandeln lernen; sollen bei dem Anblicke deS Goldes nie in Erstaunen gerathen, nie darüber seufzen, daß ihnen Dinge mangeln, die man nur aus Irrthum an Andern hochachten kann, sollen sich nie für höher achten, wenn ihnen äußerliche Zierde gegeben, nie für geringer, wenn sie ihnen genommen wird; sollen zwar die Gestalt, die ihnen die Natur gegeben, nicht durch Unreinlichkeit zerstören, aber auch nicht durch niedere Künste erheben wollen; sollen unter allen Dingen der Tugend die erste, und den wahren ausgebreiteten Kenntnissen, die man Wissenschaft nennt, die zweite Stelle einräumen; sollen selbst unter Wissenschaft und Wissenschaft unterscheiden, und jene oben ansetzen, die sie lehrt, fromm gegen Gott, liebevoll gegen alle Menschen, und für sich sittsam und christlich demüthig seyn." I. M. R. Ein Märtyrer in China. DaS „UniverS" bringt mehrere Details über die grausame Hinrichtung eines 29jährigen Missionärs, deS Abb6 Schöffler aus Mittelbronn, der in Son-Tay, in Cochinchina, am i. Mai geköpft wurde, nachdem er, vier Jahre hindurch bei der Mission zu Tonkin verwendet, den furchtbarsten Gefahren, Beschwerden und Müh, seligkeiten Trotz geboten hatte und auch von der Pest ergriffen worden war, der er sich rücksichtslos aussetzte, um den von dieser Seuche Ergriffenen die religiösen Tröstungen zu bringen. Kurz vor seinem tragischen Ende war er mit acht eingebornen Priestern in den nordwestlichen Theil deS Königreiches, in einen unermeßlichen Distrikt entsendet worden, um den zerstreut dort lebenden 15,000 Heiden das Wort Gottes zu bringen. Gleich nach seiner Ankunft daselbst wurde er den Mandarinen verrathen, die ihm eifrigst nachspüren und ihn endlich ergreifen ließen. Man schleppte ihn durch ganz Tonkin bis zur Hauptstadt des Landes, wo er zum Tode verurtheilt wurde, den er, wie gesagt, am l. Mai 'rl'tt. Zwei Regimenter Trabanten mußten auf den Befehl deö GroßmandarinS an diesem Tage ausrücken; Pferde und Elephanten wurden in Bereitschaft gehalten. Man befürchtete nämlich einen Versuch von Seite der christlichen Bevölkerung, ihren Missionär gewaltsam in Freiheit zu setzen, und schüchterte dieselbe durch die erwähnten militärischen Maaßregeln ein. Während viele Bewohner der S'adt auS allen Classen und Ständen tief betrübt waren, strahlte das Angesicht Schöfflerö in hoher Freudigkeit. Die Erecution wurde außerhalb der Stadt vorgenommen. Vor dem Märtyrer trug ein Soldat eine Standarte mit nachstehender Inschrift: „Trotz deS strengen, gegen die Religion Jesu erlassenen Verbotes hat Herr Augustin, europäischer Priester, eS gewagt, heimlich Hieher zu kommen, um diese Religion zu.lebren und daS Volk zu verführen. Nach seiner Verhaftung hat er Alles wahrheitsgemäß eingestanden. Sein Verbrechen ist erwiesen. Der Kopf deS Herrn Augustin soll daher abgeschlagen und in den Fluß geworfen werden. Im vierten Jahre der Regierung Tu-DiuS, am ersten Tage deS dritten Mondeö." Schössier zur Seite zogen acht Soldaten mit gezückten Schwertern. An der Spitze deö Zuges marschirten hundert mit Flinten und Lanzen bewaffnete Krieger; in 341 der Nachhut befanden sich zwei Elephanten. Der Märtyrer trug seine Ketten mit Leichtigkeit, betete unaufhörlich und ging leichten und schnellen Schrittes seinem Triumphe entgegen. Der Zudrang der Menge war überaus groß; die überwiegende Mehrzahl der Heiden war von Bewunderung ergriffen; eS fehlte jedoch auch nicht an solchen, die Lästerungen auSstießen und den Blutzeugen verhöhnten. Als man an dem verhängnißvollen Orte angelangt war, kniete der Märtyrer nieder, betete noch einmal inbrünstig, warf sein Oberkleid ab und entblößte den Hals, indem er den Hemckragen zurücklegte. Den Nachrichter, der ihm die Hände auf den Rücken band, bat er, sich zu beeilen. „Nein, nein," rief der commandirende Mandarin, „warte du auf das Zeichen, daS mit der Cymbcl gegeben wird, und führe den Streich erst beim dritten Schalle derselben." DaS Signal wurde gegeben. Die Hand des Nachrichters zitterte. Dreimal mußte er den Hieb führen, und dann erst das Haupt vom Rumpfe mit dem Messer lostrennen. In Cochinchina herrscht die Sitte, daß daS Volk, welches einer Erecution beiwohnt, nach der Beendigung derselben schleunigst nach allen Richtungen auseinander flieht. Dießmal fand das Gegentheil statt. Obwohl die Mehrzahl der Anwesenden aus Heiden bestand, da in Son-Tay nicht viele Christen leben, so drängten sich doch Alle eifrigst, um einige Tropfen deS verspritzten BluteS zu sammeln, einiger Fragmente von den Kleidungsstücken deö enthaupteten Dieners Christi habhaft zu werden. Ein untergeordneter Mandarin, ein Heide, hatte vor der Hinrichtung ein weißes Seidenkleid und ein Stück weißer Leinwand zu den Füßen SchöfflerS geworfen, um dessen Blut aufzufangen. Der Märtyrer, glaubend, daß ein Christ ihm diese Gegenstände zugeworfen habe, nahm sie auf, rollte sie zusammen und legte sie an seine Brust. AIS der commandirende Mandarin hievon in Kenntniß gesetzt wurde, ließ er seinen Unterbeamten prügeln, was diesen jedoch nicht verhinderte, sich ganz glücklich mit den kostbaren Reliquien zu entfernen. Die Christen durften den Leib des Herrn Schöffler mit sich fortnehmen; sein in den Fluß geworfenes Haupt ist bis jetzt noch nicht aufgefunden worden. Der Melchiorfonb. Unter diesem Namen finden wir eine Stiftung im österreichisch-breSlauer BiS- thumSantheil, durch welche der materiellen Noth der Cooperatoren daselbst abgeholfen werden soll. Dieser Fond ist betitelt nach seinem Stifter, dem hochwürdigsten Cardinalpriester und Fürstbischof von BrcSlau, Melchior v. Diepenbrok. Hochderselbe hat den österreichischen BiSthumSaiuheil im Jahre 1346 visitirt und in allen Decana- ten daS heil. Sacrament der Firmung gespendet. Mit dem ihm eigenen Scharfblicke durchblickte er alle Mängel und Gebrechen des Antheils, unier welchen ihm die schlechte materielle Lage der Cooperatoren nicht entging; weil da, besonders bei den allgestifteren Pfarren, nur 40 bis 60 fl. C.-M. der gewöhnliche JahreSgehalt beträgt. Dieser Gehalt ist wohl in andern Diöcesen nicht viel größer, aber eS gibt wenigstens Stipendien und die kleine Stola, welche den Cooperatoren in andern Ländern daS Leben erträglich machen. In österreichisch Schlesien, wo die Mehrzahl der Stationen paritätisch ist, sind diese Nebengaben stets unbedeutend oder außer Gebrauch gewesen. Anfangs bestand dieser Fond aus 10.000 fl. C.-M. in 4 procentigen StaatSobligatio- nen, wovon die Zinsen zu gleichen Theilen in daS teschner und neisser Commissariat an jene bei altgestifteten Pfarreien angestellten Cooperatoren vertheilt werden follten, welche einen geringen Gehalt beziehen und sich zugleich durch einen moralischen Charakter auszeichnen. Später gelangten Se. Eminenz zu der richtigeren Ueberzeugung, daß in Schlesien beinahe alle Cooperatoren zwar karg aber gleich gestellt find, und daß oft die auS dem ReligionSfonde dotirten, im Gebirge oder auf partätischen Stationen arbeitenden HilfSpriester einem fühlbaren Mangel in materieller Beziehung ausgesetzt sind, weil die geringere Besoldung auf den altgestifteten Pfarren theils in 342 althergebrachter Gewohnheit, theils in der Habsucht oder in alten Inventarien ihren Grund hat. Diese Umstände, mit dem Sr. Eminenz eigenen Scharsblicke zusammen gehalten, bewogen Hochvenselben, im vorigen Jahre diese Stiftung auf 23,000 fl, zu erhöhen und alle Covperatoren ohne Unterschied der Station zu betheilcn. Im Monate September d. I. überraschte uns eine Currende deS hochwürdigsten Generalvicciriats, worin angezeigt wird, daß der Melchiorfond bis zu der bedeutenden Höhe von 30,000 fl. angelegt sey. ES entfallen also 1200 fl. C.-M. Interessen. Da in diesem BislhumS- antheile beiläufig 60 Cooperatoren angestellt sind, wovon 30 auS dieser Stiftung belheilt werden, so entfällt für jeden der namhafte jährliche Betrag von 40 fl. C.-M., also beinahe so viel, als oft der Cooperatorsgehalt beträgt. Jeder kann sich vorstellen, wie groß die Zuneigung, wie innig die Liebe dieses jungen KleruS zu seinem Oberhirten sey; zu schwach ist zugleich jede Feder, um die Gefühle dieser jungen Priester zu beschreiben, welche in aller Herzen walten. Alle bestreben sich, den Anforderungen der Zeit zu genügen, ein wissenschaftliches Streben ist besonders bemerkbar. Wenn man bedenkt, welche Opfer der Herr Cardinal bisher gebracht, welche enorme Summe derselbe jährlich an verschämte Hausarme, wohlthätige Institute spendet, wird man zugeben, daß Hochderselbe das Ihm anvertraute Kirchengut wohl verwendet, übrigens die allgemeine Liebe, das Vertrauen und die Begeisterung begreiflich finden, die sich bei Katholiken wie Protestanten überall für den hochwürdigsten Kirchenfürsten kund gibt. (K. B. a. M) Die barmherzigen Schwestern in Limburg. Unter Gottes schützender Hand ist in der Diöcese Limburg das erste HoSpital der barmherzigen Schwestern gegründet worden. Die Stadt Limburg war so glücklich, diese sichtbaren Schutzeugel der Kranken aufzunehmen. Wohin noch diese Töchter deS heiligen Bincenz ihre Schritte richteten, da folgte ihnen reichlicher Segen nach. So auch hier. Als die Anstalt eröffnet wurde, war der Glaube an eine solche uneigennützige Nächstenliebe so sehr abhanden gekommen, daß man eS nicht wagen wollte, sich solch ungewöhnlichen, übermenschlichen Händen anzuvertrauen. Kaum aber waren die ersten Kranken der Wohlthat einer rein christlichen Behandlung inne geworden, da strömte man dem neuen Bethesda zu, so daß der Raum die Zuströmeudcn nicht alle fassen konnte. Die ursprünglichen Räume mußten bedeutend erweitert werden, und die Zurückgewiesenen schöpften auf's neue Hoffnung, zu den liebevollen Schwestern der Barmherzigkeit zu kommen. Die ganze Anstalt wurde lediglich im Vertrauen auf Gott, der ein solches Unternehmen noch nie ohne seine Hilfe gelassen, unternommen, und viele Herzen wurden zur milden Beisteuer erweckt. Wo wäre auch eine Gabe besser angelegt, als da, wo sie beiträgt zur Stärkung eines absterbenden Menschenlebens, wo sie eiternde Wunden austrocknet, gelähmte Glieder belebt, gepreßte Herzen aufrichtet? Mail eilte herbei, versah die Schwestern mit Betten, mit Weißzeug, mit LebenSmitteln, mit Wein und Holz. Man freute sich, dem Herrn in seinen Armen Labung zu bereiten. ES war kein Almosen, daS vom Empfänger übel verwendet wurde; eS wurde nicht mit Undankbarkeit belohnt. Früh und spät stiegen Dankgebete uud Fürbitten für die Wohlthäter zu Gott empor. Welch ein Segen für eine Stadt, für ein ganzes Land, solche Dienerinnen deS Herrn zu besitzen! Der Herr kann einem Lande nicht zürnen, das mit Freuden sie aufnimmt, an ihrem Wirken lebendigen Antheil nimmt durch milde Gaben. Denn nicht ihnen fließen diese Gaben zu, sondern den Kranken, und in ihnen Christo. „WaS ihr einem der Geringsten von diesen thut, das habt ihr mir gethan." Welch ein Beispiel aber auch von christlichem Lebenswandel I Die Schwestern deS heiligen Vincenz sind die Apostel christlicher Entsagung, die laut redenden Sendboten christlicher Hingabe. Schon ihre Erscheinung stimmt daS Herz zum Mitleiden, zur Wohlthätigkeil. Ju ihrem Betsaale hängt das Bildniß ihres Patrons und Stifters, des heiligen Vincenz. Mit lächeln- 343 dem väterlichen Antlitze blickt er auf seine geliebten Töchter, gleichsam um sie zu belohnen für ihre unverdrossene Sorgfalt, für ihr zuversichtliches Vertrauen, um seine Freude auszudrücken über den Sieg, welchen ihr Glaube feiert über daS Elend, daS die Sünde unter den Menschen angerichtet, über den Tod, dem sie seinen Schrecken nehmen. Wo ist auch ein Verzweifelnder, ein Gefühlloser, der nicht im Anblick einer treuen Schwester die längst verschwundenen Gefühle christlicher Liebe in sich wieder erwachen fühlt? Wo daS Elend am größten ist, da leuchtet die christliche Liebe am hellsten. (K. S. Bl.) Mission in Dietfurt. Eichstädt. Die Mission in Dietfurt (die erste in der Diöcese Eichstädt), wurde vom 23. bis 31. August von füns Redemptoristen-PatreS abgehalten. Wenn man so in das verrostete Alltagsleben hineinschaut und in die Versunkenheit gemeiner Leidenschaften, die fast überall anzutreffen sind und alles höhere Streben und Sehnen erstickt zu haben scheinen: so möchte man, ohne deßhalb Mißtrauen auf die Kraft deS göttlichen Wortes zu setzen, dennoch zweifeln, ob bei solchen Menschen und zwar in großer Anzahl innerhalb weniger Tage ein so gewaltiger Umschwung und eine solche Sinnesveränderung bewirkt werden könnte. Aber man komme nur und wohne einer Mission bei und man wird die Wahrheit des kurz vorher noch Bezweifelten bestätigen. Denn jene ewigen Wahrheiten, so furchtbar und zugleich so tröstlich für das menschliche Herz, die man zwar oft hört, aber auch nur hört, ohne Zusammenhang, ohne lebendige Erfassung; diese werden hier von Männern, die selbst zuerst in die unterste Tiefe derselben hinabgestiegen und sich durch und durch haben davon erfüllen und begeistern lassen, wie in Schlachtordnung aufgestellt vorgetragen, und zwar in jenem so psychologischen Zusammenhang, den Einer der größten Kenner deS MenschenherzenS entdeckt habe. Der Sturm beginnt, sie folgen Schlag auf Schlag, eS wird dem noch widerstrebenden Herzen gleichsam nicht Zeit gelassen, die erhaltenen Eindrücke zu verwischen, cS wird in die furchtbarste Alternative gestellt, alle Sophistik, jeder andere AuSweg abgeschnitten, und so wird der schlummerde Glaube wieder lebendig, daS Herz, in das sich die Gnade von Oben niedersenkt, für daS Höhere empfänglich, eS sieht in dem vorgehaltenen Spiegel der ewigen Wahrheiten seine erhabene Bestimmung und zugleich den gräulichen Gegensatz des Lebens, und daher die außerordentliche Erscheinung in der Mission, daß viele Tausende, besiegt von der Wahrheit und der Gnade, zerknirscht an die Brust schlagen und von der Predigt in die Beichtstühle eilen, um sich mit Gott auszusöhnen. Wahrlich, die Beichtstühle wenn sie reden dürften, sie würden erzählen können von den Wirkungen und den Wundern der Gnade, welche die Mission hervorbringt. „Es scheint," äußerte ein Beichtvater, „als ob eS in diesen Tagen die Gnaden vom Himmel regne, die von Gott an die Mission geknüpft seyn müssen." Selbst nach Außen hin tritt diese innere Umänderung, der Proceß dieser geistigen Wiedergeburt in die Erscheinung, indem man eine gewisse Ruhe und Zurückgezogenheit und stilles Nachdenken bemerkt, ein Zeichen, daß die Seele mit jenen großen, ernsten Wahrheiten beschäftigt ist, die ihr jetzt, vielleicht daS erstemal zum vollen Bewußtseyn kommen. Die Mission ist deßhalb für viele Hunderte der Wendepunct ihres Lebens und der Anfang zu einem besseren. Ungemein groß ist daher auch die Liebe und die Anhänglichkeit deS Volkes (schon im weitern Sinn zu verstehen), an diese ehrwürdigen Väter, die ihm alle ihre Kräfte, Gesundheit und Leben weihen. Betrachte ich die Theilnahme, den großen Eifer, mit welchem sich daS Volk selbst von weiter Entfernung zu den Predigten und den geistlichen Uebungen hinzudrängte, so kann man mit Recht sagen, daß das Volk viel besser weiß, waS zu seinem Heile ist, als jene, die man gewöhnlich nicht mehr darunter versteht. Besonders groß wurde daS Zusammenströmen von allen Seiten gegen den Schluß der Missionen. Am letzten Tage, den 31. August, gab man die Menschenmasse auf 12,000 344 an. Aber zu bedauern war, daß das Welter an diesem Tage der ganzen Entfaltung der Misstonsfeier nicht günstig war, in dem eS fast den ganzen Tag regnete. Dessenungeachtet ließ sich der musterkafte ParSberger Jugendbund, eine herrliche Frucht der dort vor drei Monaten abgehaltenen Mission, nicht abhalten, bei einem Wege von vier Stunden die Feier der Mission in Dietfurt zu erhöhen. ES waren 150 größten« theils weißgekleidete Jungfrauen, mit einer prächtigen Standarte, geschmückt mit dem Bilde der heiligen Jungfrau, und 8l) Jünglinge, ebenfalls mit einer Standarte mit dem Bilde des heiligen AloysiuS und mit einem trefflichen von ihnen selbst gebildeten MusikkorpS an der Spitze. Ihr würdiger Pfarrer, ein angesehener und eifriger Mann, der solche Früchte der Mission zu schätzen, zu bewahren und zu leiten ver» steht, begleitete sie. So zog in schönster Ordnung und zu größter Erbauung die neu geworbene Legion von Streitern Christi in die von Menschen wimmelnde Stadt, wo die Spalier bildende Menge bis zu Thränen gerührt wurde. Allgemein lobte man ihre fromme Heiterkeit, gepaart mit Bescheidenheit, und ihren Eifer, ver sie vergessen ließ auf alle Beschwerden, die unter diesen Umständen nicht gering waren. Dieses ermunternde Beispiel und die Mission hat bereits auch in Dietfurt eine» Jugendbund von 400 Mitgliedern ins Leben gerufen. Auch von Seite seiner bischöflichen Gnaden wurde dk MissionSfeier in den zwei letzten Tagen verherrlicht, indem Hochselber, durch eine schon angesetzte FirmungS- reise verhindert selbst beizuwohnen, seinen hochwürdigen Generalvicar, Herrn Dom- capitular Frieß zu senden geruhte, der unermüdet im Beichtstuhle thätig war und nach der Schlußpredigt selbst die Kanzel bestieg und in tief gefühlten und ergreisenden Worten zu dem großen Werke den Schlußstein legte, indem er im Namen teS hoch, würdigsten Bischofes den Missionären dankte für ihre ausopfernde Liebe unv Hingabe, den Vätern FranciScanern für ihre herzliche Gastfreundschaft und den hochwürdigen Herren Pfarrern für die Sorge um ihre Anvertrauten, da sie als die ersten in der Diöcese die Mission als heilsam erachtet unv selbe berufen hätten. Am 3. September reisten die Missionäre ab, nachdem eine Deputation der Bürgerschaft ihren herzlichen Dank den ehrwürdigen Vätern ausgesprochen hatte. Der Jugendbund hatte sich in seiner Decoration aufgestellt unv die Jungfrauen reichten den Missionären in den mit Kränzen gezierten Wagen einen zierlich geflochtenen Kranz mit einigen diesem Symbole entsprechenden AbschiedSworten: Heil und Segen diesen ehrwürdigen Vätern, die unvergeßlichen Dank und Liebe von vielen Tausenden mit sich nehmen. (K. Bl. a Fr.) Großbritannien. London, 7. Oct. Der „Globe" meldet: „Am Sonntage wurde in der römischkatholischen Capelle zu Clerkenwell l^in Londoir) ein Hochamt gefeiert, nach welchem vr. M'Hale, römisch-katholischer Erzbischof von Tuam, über den Rosenkranz predigte. Nach einer Erklärung des Festes wandte sich der Löwe von St. JarlathS, statt über die Titelbill zu brüllen (gut gebrüllt, Löwe! Die Engländer haben bekanntlich von John M'Hale eine ganz sonderbare Vorstellung) an seine armen irischen Landsleute und ermähnte sie, der Vortrefflichkeit ihrer Religion Zeugniß zu geben dnrch ein gutes Leben, Frömmigkeit und Friedfertigkeit.... Der Sheriff Swift nebst seiner Frau wurde mit seinem Caplan unter den Anwesenden bemerkt." Der neue Shersff von London macht nämlich auS seinem katholischen Glauben kein Hehl; am vorigen Sonntag fuhr er in seinem StaatSwagen vor seiner Pfarrkirche vor. — Die „TimeS" melden unter der Ueberschrift „Perversionen": Die „Schwestern" (Nonnen eineS puseyitischen Klosters) welche früher unter BennettS Leitung zu St. BarnabaS und zuletzt in der Margaret-Street wohnten, wurden vorigen Sonntag öffentlich in corpore zn JSlington in die katholische Kirche aufgenommen. Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. VerlagS-Jnhabcr: F. C. Aremer.