Gilfter Jahrgang. Sonntags-Beiblatt vlNtilß «ZtzilizH S'^' schiiA, »Ztö>;!zg/,Hi.'^äia jkdill (.li j 7'^ -'!»«-- ^ gvT nziiiz ch«^ 7Z ^ttZii'^li^l oj ^n^Miizuz sgivD zni'/j Ziiz-ilZs.,.'. »,»?knz^ülg Siiu zunT SDliZs? nilic-Ä sn!»i ?N ^N5.G «i» elou»i»! lj^'. . ^m,ni^ Augsburger Pojtzeitung. n^tt^ Uj tlvvtzG lMl»6zsjlZ'Z ü N!ttj?üilst!0't-? Ul'^' u'.-s^iliS Mi.sj Ss.'. ' 7. December M- ^O. 1851. vs ^Ni? ZlH»M .ÄlgNliZ:tS ?»ZM tchNr^ N-/jy5^7i^iM^,»M li! k^. sw!,rii >.^!7M!^H __-- Dieses Blatt erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der halbjährige Abonncmentsvrei« TV kr., wofür es durch alle köm'gl. bayer. Postämter und alle Buchhandlungen bezogen werden kann. . .ÄÄI.'M Ichmüsk- Ili jNKZ j^zjll d^Ztck (?L—^ci^l n;ln?j<^ / Der heilige Otto, Bischof von Bamberg. «(!: ,sch.'»<-'i ^»vttSlPu» zKinMll-mmj, k-^ömkS ni , 8>»Kl,K SZS tzZüF zklN Das von dem bisherigen Vorstande des historischen Vereins zu Bamberg, Herrn Dr. Höfler, in Aussicht gestellte Rechtsbuch des Bamberger Bischofes Friedrich von Hohenlohe sammt Commentar wird demnächst die Presse verlassen. Der hochgeehrte Herr Verfasser, welcher einem ehrenvollen Rufe an die Universität Prag, woselbst ihm der Vortrag der Geschichte so wie die Heranbildung von LehramtS- candidaten anvertraut worden, folgend leider zu früh die Stadt Bamberg, für deren Geschichte er so viel gethan und der er wegen ihrer wichtigen Geschichte mit solcher Liebe zugethan war, verläßt, will den durch ihn in den Druck gegebenen Lvtlex ?riä(j««,W jochM siÄ , S,1!<,W' ttbn smvE lgvMM M , . !>5u ! .<'siO?H Kva ho« in» ilSZnH. itckmHznnjz HHH .chMvjs Ein Wort über den Londoner Glaspalaft. ''^ A ,«^».WMÄ^^- - ? 5mn?>. M? >,tl"^iiwÄ,j«tz» ?m d vitS hi.'NttttkTM 'R'Z' «Znz ,»z»M Mb! n'^zia nz^ Wim-'-" Unter den ausgezeichneten Werken der christlichen Kunstrichtung sind noch die Holzsculpturen von GeertS in Löwen rühmlich zu erwähnen. DaS Vorzüglichste von ihm find zwei rührend schöne Figurengruppen: Maria von Engeln gekrönt, und sodann Engel, welche die Seele eines gestorbenen, von seiner Mutter beweinten KindeS himmelwärts tragen. Es spiegeln diese Bildungen den kindlich frommen Geist, wie er im Mittelalter ganze Völkermassen belebte uuv bewegte. Auch unserer Zeit ist dieser Geist noch keineswegs völlig abhanden gekommen und gewiß liegt eS vorzugsweise in dem Berufe der Kunst, ihn zu nährm und, wo er latent geworden, zu wecken, das Recht deö Gemüthes und der Anschauung zu wahren gegenüber den immer höher steigenden Ansprüchen des refleclirenden Verstandes, die Blüthen deS Glaubens und HoffeuS zu schirmen vor dem eisigen Hauche der Zweifclsucht. Daß das Miltclalter zu diesem Zwecke dem Künstler geeignetere Typen liefert, als die Ausklärungsperiode, welche ihre Inspirationen aus den Büchern gottvergessener Sophisten sich holte, liegt nach dem Gesagten in der Natur der Sache. GeertS kränkelt übrigens nicht an jener falschen alterthümelnden Manier, welche das Zufällige für daS Wesentliche nimmt, ja sich nicht selten sogar grade vorzugsweise dasjenige zum 389 Muster auSersieht, waö nur in den Vorzügen der Alten eine Entschuldigung kann. Diese Art der Verirrung tritt der Wiederbelebung der christlichen KurMjM leicht hindernder in den Weg, als alle Anfeindung ihrer systematischen Gegrje^,^ Merkwürdiger Weise hat dasselbe Belgien, welches durch GecrtS so glänzend ver. treten ist, im Nebligen nicht sonderlich viele Proben eines guten Geschmackes, wenigstens von christlichem Style, zur Ausstellung geschickt; selbst Muster von Geschmacklosigkeit, um nicht zu sagen Abgeschmacktheit, sind nicht eben selten. So stellte unter Andern Vanhalle auS Brüssel drei lebensgroße Wachsfiguren in einem bischöflichen Ornate aus, der an Schwulst, falschem Gleiß und zopfiger Ueberladung kaum seines Gleichen finden dürfte; der Zuschnitt ihrer Gewänder und Jnsignien möchte etwa zur Zeit Ludwigs XV. als modisch Anerkennung gefunden haben. Um das Maaß voll zu machen, hat man jene Wachspuppen noch durch blondere Ausschriften als die Erzbischöfe Thomas a Becket, Affre und den noch lebenden Erzbischof von Mecheln bezeichnet. Der Apparat ist zu kostspielig, als daß man das Ganze für eine bloße Satyre halten könnte. Uebcrhaupt scheint die kirchliche Kunst in Belgien sich der Errungenschaften des vorigen Jahrhunderts noch lange nicht entledigen zu wollen, der Perrückenstyl steht dort uoch in voller Blüthe. Vielleicht in keinem andern katholischen Lande wird mehr getüncht, rücksichtsloser restaurirt und unkirchlicher in den Kirchen musicirt, und so mag denn auch der zuvor gedachte Mummenschanz in seiner Heimat Anklang finden. In der Ausstellung war um die drei „Wachöbischöfe" immer großes Gedränge, wäbrend die Arbeiten von GeertS durchgängig vereinsamt dastanden. Wie aber auch die große Masse Beifall klatschen mag, ich kann von der Ueberzeugung nicht lassen, daß daS so reiche religiöse Leben Belgiens auch nach der künstlerischen Seite hin deS alten Ruhmes sich neuerdings wieder würdig erweisen wird. 5) In dieser Beziehung könnte es jetzt an Frankreich, woher eS so manches Verkehrte bezogen hat, auch einmal ein gutes Muster nehmen. Selbst die profane Industrie wird nur durch ein Zurückgehen auf die im löten Jahrhundert verlassenen Pfade vor vollständigem Versumpfen zu bewahren seyn. Schon jetzt können, wie bereits oben im Eingänge angedeutet worden, die aus dem allgemeinen Formenbrei nach in individueller Laune oder, wenn man lieber so will, nach den Anforderungen des TagesgeschmackeS gepreßten und gekneteten Producte der gebildeten Nationen durchschnittlich sich neben denen der uncivilisirten Völkerschaften nicht blicken lassen. Die Stickereien, so wie die mit Gold und Silber ausgelegten Metallwaaren Indiens, EgyptenS und der Barbaresken, die Prachtstoffe PcrsienS, die Filigrane von Tunis, die Porzellan-, Holz- und Elfenbeinarbciten Chinas zc. :c. lassen Alles derselben Gattung weit hinter sich zurück, was Frankreich, Deutschland und Großbritannien in den GlaSpalast niedergelegt haben. Auf beiden Seiten vermißt man gleichmäßig die Einwirkung einer höhcrn Idee; aus den heidnischen Bildungen, namentlich den chinesischen und indischen, grinzt unS sogar eine gewisse dämonische Verzerrung entgegen. Die Barbaren aber behaupten fast überall den Vorzug der Aechtheit, der Gediegenheit der materiellen Durchbildung; sie halten die Surrogate und jedes Scheingepräge von sich fern; die Formen und Kanten sind scharf geschnitten, die Farben nnd Stoffe durchaus ächt, Alles trägt die Spur der Menschenhand an sich, im Gegensatze zu dem verschwommenen, bloß auf den Schein berechneten Gepräge der Maschinerie. Nur wo der hergebrachte Typus, die Traditionen, eine Art von Schule noch festgehalten worden sind, wie z. B. bei der Anfertigung der brabanter Spitzen, den Filigranarbeiten Genua's, den böhmischen und venetianischcn GlaSwaaren, findet das Auge in den Hervorbringungen der Kulturländer noch volle Befriedigung, Wie lange aber werden die brüsfeler Spitzenklöpplerinnen noch die Concurreuz mit den englischen Maschinen aushalten, deren Product schon jetzt den unbewachten Blick zu täuschen im Stande ist und dem größten Theile der Modewelt genügt?" ') Manche Symptome stellen bereits einen Umschlaq zum Bessern in Aussicht, so z> A. das, waö in Mecheln für die ächte Kirchenmusik geschieht, und die Restauratiousarbciteu an der Kathedrale von Tournay, ,^ niKin^»? ii-'.L -n-i MK-M-M »ichi,-» «,? «s? « 390 Schließlich frägt Herr R. noch: „Wie wird dieses kvnäöz-vous der Nationen wirken? In rein industrieller Beziehung zweifelsohne förderlich; viele wichtige Erfin. düngen und Erfahrungen sind hier ausgetauscht, viele Beziehungen angeknüpft worden; die Stacheln deS Wetteifers hat eS bedeutend geschärft; die höhere Kunst aber wird eher Einbuße, als Vortheil davon haben; eine immer größere Verallgemeinerung und Verflachung wird die Folge seyn, das ohnehin schon ungebührliche Uebergewicht der Maschine eine neue, mächtige Verstärkung erhalten." Der Orden der Schwestern vom armen Kinde Jesu in Köln. Köln, 10. Nov. Seit dem 9. September d. I. besteht auch hier ein Ordens- hauS von vier Schwestern „vom armen Kinde Jesu." Dieser Orden wurde vor drei Jahren in Aachen gestiftet und hat die Erziehung verwahrloster armer Kinder zum Zwecke. DaS Mutterhaus, im ehemaligen Dominicanerkloster, besorgt den Unterricht in den Armenschulen zweier Pfarren mit fast 400 Schülerinnen und die gesammte Erziehung von 80 Pfleglingen. Obwohl ohne alle andere Hilfsquellen, als die Mildthätigkeit der Katholiken, hat der Orden schon blühende Filialen in Bonn und Düsseldorf für Knaben und Mädchen, und in Derendorf bei Düsseldorf für Mädchen; ihnen reiht sich daS hiesige, bloß für Mädchen bestimmte Institut würdig an. Die Stadt Köln verdankt dieses Werk ächter christlicher Liebe dem Eifer deS Vereins vom heiligen Vincenz von Paul in der Pfarre St. Martin und deS mit ihm verbundenen Frauenvereins. Die Anstalt zählt bereits 22 Pfleglinge; da die Einrichtung einstweilen nur für 25 Pfleglinge getroffen ist, wird sie bald einer Vervollständigung bedürfen, wobei der WohlthätigkeitSsinn der hiesigen Katholiken sich von Neuem bewähren wird. Nicht leicht kann sich ihm ein würdigerer Gegenstand darbieten. Außer dem vollständigen Elementarunterricht, der selbstredend durchaus von religiösem Geiste durchdrungen ist, erhalten die Mädchen, welche vom zartesten Alter bis zum neuzehnten Jahre Aufnahme finden, jede Unterweisung, die ihnen im häuslichen Leben und namentlich für ihr Unterkommen als Dienstboten von Nutzen seyn kann. Etwa die Hälfte der Zeit wird auf die Erlernung der gröbern und feinern Handarbeiten, so wie der gewöhnlichen Verrichtungen in Hauö und Küche verwandt. Neben dieser standesmäßigen Erziehung erhalten die Pfleglinge Wohnung, Kost und Kleidung, und zwar für den unbedeutenden Betrag von 3 Thalern monatlich und 5 Thalern Eintrittsgeld. Außer diesen Pfleglingen nehmen an 130 Schülerinnen aus der Stadt an dem Elementarunterricht und der Unterweisung in weiblichen Handarbeiten als Externen Theil. Gestern feierte die Anstalt ein schönes Fest. Um acht Uhr cclebrirte Seine Eminenz der Herr Cardinal und Erzbischof von Köln in der Pfarrkirche zu St. Mariin das heilige Meßopfer, welchem die ehrwürdigen Schwestern, ihre Schülerinnen, so wie die Konferenz vom heiligen Vincenz von Paul nebst dem Frauenvereine beiwohnten. Vor der heiligen Messe hielt der hohe Kirchenfürst eine salbungsvolle Rede über die göttliche Vorschrift: „Bete und arbeite", und setzte auf'S Schönste auseinander, wie unter diesem Arbeiten neben den Geschäften deS Berufes ganz besonders die Werke christlicher Liebe verstanden seyen; unter diesen Werken empfahl er die Fürsorge für arme Kinder, welche, wenn auch nicht im gewöhnlichen Sinne deS Wortes, doch in Bezug auf die Möglichkeit christlicher Erziehung verwaist, durch die in Rede stehende Anstalt leiblichem und geistigem Verderben entrissen würden, alö eines der Verdienstlichsten. Se. Eminenz begaben sich, nachdem Sie einer großen Anzahl von Gläubigen die heilige Communion gespendet hatten, durch einen von den Pfarrgenosscn errichteten Triumphbogen, mit der Inschrift: ^ngeli custocli-iut to in omnikus vüs tuis, und durch die mit Flaggen und Laubgehängen geschmückten Straßen zu dem nahe gelegenen Kloster. ^) Hier war der alterthümliche Saal eben- ') DaS ehemalige Dohmcn'sche Haus in der Mühlengasse, welches einstweilen nur gemiethet, aber von den Stiftern der Anstalt ganz neu dazu eingerichtet ist. » l391 falls festlich geschmückt mit der Inschrift: 8it denecliota llomug, quam lu, vomino, IienecZivis! Herr Pfarrer Siebold, als Vorsteher der stiftenden Vereine, übergab im Namen derselben die Anstalt dem Schutze Sr. Eminenz. Er besprach die verschiedenen Mittel der Rettung und Heiligung, mit welchen die Kirche und insbesondere der Cardinal-Erzbischof in dieser noth- und gefahrvollen Zeit der Bevölkerung der Stadt und der Umgebung von Köln zu Hilfe gekommen; er gedachte auch der Lazaristen, der Carmelitessen, der Jesuiten, und entwickelte mit eben so viel Klarheit, als Innigkeit, wie die Liebcsfülle der Kirche in diesen verschiedenen Strömungen (der Seelsorge, der Rede, der Andacht, der Buße, der Abtödtung, der Erziehung) sich in die Herzen zu ergießen strebe, und wie eS nur der Aufnahme der himmlischen Gnade bedürfe, damit dieser dürre und arme Boden wieder ausblühe in paradiesischer Pracht. In der Beantwortung dieser Rede wendete sich Se. Eminenz nochmals an die Ordensschwestern, die Vincenzvereine und anwesenden Kinder und sprach die Hoffnung aus, daß die Anstalt unter Gottes Segen gedeihen werde, indem er ihr Seine andauernde Fürsorge zusagte. Am Abende fand in St. Martin die kirchliche Schlußfeier statt, bei der Seine bischöfliche Gnaden der Herr Weihbischof vr. Baudri die Festrede hielt, in welcher er das Wesen der christlichen Liebe an dem Beispiele der in Rede stehenden Anstalt erörterte, und dieselbe wiederholt der Mildthätigkeit der Gläubigen empfahl. (D.V.H.) Mission in Jülich. Jülich, 15. Nov. Die Mission, welche die Väter der Lazaristen-Con- gregation aus Köln hier gehalten, ist nunmehr seit Sonntag beendet und erst jetzt lassen sich die wirklich großartigen Erfolge dieser geistlichen Uebungen überschauen und würdigen. Die sechs Patres hatten sich — ihren würdigen Superior an der Spitze — in die beiden Kirchen, die Pfarr- und die ehemalige Capucinerkirche vertheilt. Der Zudrang zu den Morgen- und besonders den Abendvorträgen war, wie erwartet werden konnte, größer, als der nicht unbedeutende Raum fassen konnte; größer noch und wirklich über alle Erwartung groß der Andrang zu den Beichtstühlen. An manchen Tagen haben an dreißig Beichtväter den Bußfertigen kaum zur Hälfte genügen können und die Nacht hindurch wurde an den Kirchthüren gewacht, um in der frühen Morgenstunde bei Oeffnung derselben (4 Uhr) in die Nähe der Beichtstühle zu gelangen. WaS aber unsere Seele mit Freude uno Entzücken erfüllt, das sind die schönen Blüthen eines gesunden Lebens, die herrlichen Früchte ächten Bußgeistes, die jetzt schon aus dieser Gottessaat emporblühen und an den Tag treten. Laue, gleichgiltige Christen, welche die Kirche und die heiligen Sacramente bisher gar nicht oder doch selten benutzten, — da Jülich als Festung eine Garnison hat, fehlte eS an solchen keineswegs — sind eifrige Bckenner geworden, Andere, welche der Taumel vom Jahre 1348 verwirrt und gegen weltliche und geistliche Obere empört hatte, sind zur Besinnung gebracht, Feindseligkeiten beigelegt und Verzwistete versöhnt und eine wirklich auffallende Menge von Restitutionen geleistet worden. Und doch war der Beichtstuhl leicht; denn die Herzen kamen erweicht und offen und zu Allem bereit. Es thut dem Herzen wohl zu sehen, wie Alle über diese wohlthä- tige Umgestaltung der Herzen, über die segenvolle sittliche Neubelebung einig sind — selbst Protestanten einigen sich erstaunt über diese Früchte wie über die Vorträge, denen sie zugehört, in dieser freudigen Anerkennung. Besonders lobend muß auch das Benehmen des königlichen Platzcommandanten — eines Nichtkatholiken — anerkannt werden; derselbe hat dem Militär nicht bloß alle mögliche Freiheit gegeben, um den Uebungen beiwohnen zu können, sondern auch noch besonders den Wunsch geäußert, daß nach beendigter Mission auch den Gefangenen, die ziemlich zahlreich und meist in sehr strenger Haft sich hier befinden, eigene Uebungen gehalten werden, » 392 was auch mit der größten Bereitwilligkeit von dem Pater Superior zugestanden und in dieser Woche, gewiß zum großen Troste und Segen der Unglücklichen, auch geschehen ist. Wahrlich, wenn solche außerordentliche Seelsorge in allen Gegenden abgehalten würde, dieses Volk, in dem noch ein großer Fond religiöser Gesinnung ruht, würde zum Heile der Kirche und des Staates in ueuem Geistesleben auferstehen, laxit, Dous! (M. I.) Slltt, ^Nl-ssL ,!I)sl!,1! l,I!>j5D ./L .^stiio^S n6 chür< ^tchcng u Zur Pastoral. u ^ .>'>-, sUM« Einer der wichtigsten Theile der Pastoraltheologie ist die Populärdogmatik. Abgesehen davon, daß sie die Grundlage der Homiletik bildet, so sollen ja die Glaubenslehren, die in der Dogmatik geistiges Eigenthum der Zuhörer geworden sind, in ihr vorgelegt und die Zweifel, die Unglaube und JndifferentismuS der Gegenwart in Städten und auf dem Lande gegen sie aufbringen, vorgeführt werden. Die Populärdogmatik hat dann kasuistisch die Zuhörer zu befähigen, die erhobenen Bedenken bündig und faßlich zu widerlegen. Auch auf dem Lande hat der Seelsorger die traurige Gelegenheit Zweifel und Bedenken, die inS Herz der katholischen Kirche schneiden, hören zu müssen. So ist mir unter Andern? während der kurzen Zeit meiner Seelsorge der Fall vorgekommen, daß eine Person, zu der ich mit dem H-metissimum zum Sterbelager gerufen wurde, zu mir sagte: „Könnte ich denn nicht meine Sünden Gott allein beichten?" Warum wollen Sie denn das? fragte ich. „Gott ist ja ohnehin allwissend, warum soll ich denn also auch dem Priester beichten. Auch andere sagten, daß es nicht gerade Noth sey." So lautete die Antwort. Ein anderes Mal suchte ich eine schwer kranke und äußerst niedergeschlagene Person, um ihrer Kinder willen, mit der Auferstehung, mit dem Wiedersehen zu trösten. „Ist es denn auch wahr, daß wir einmal auferstehen? viele sagen: wir sehen uns nie mehr," so unterbrach mich die dem Tode nahe Person. Daö sind Zeichen der Zeit! Das sind Fälle für eine Populärdogmatik. So sieht es am Lande aus mit der Glaubenslehre im Kopfe und Herzen der Christen. Wo keine Glaubenslehre, ist natürlich auch keine verpflichtende und motivirte Sittenlehre. Es kann daher auch gegenwärtig keine Predigt- form geeigneter seyn: als die polemisch - d o g m atische. Die Lehre des Friedens muß heut zu Tage mit dem Schwert des Geistes verkündet werden. (Wiener Kirchenz.) ' _ Berlin. Berlin bietet jetzt allsonutäglich in 35 evangelischen Kirchen und gottesdienst- lichen Stätten durchschnittlich 40—42 vormittägliche und 26—23 nachmittägliche Predigten. Dazu kommen noch vier regelmäßige Abendgottesdienste an diesen Tagen. Wochenpredigten werden 20—22 gehalten, die meisten am Montag und Mittwoch; ferner 11 Kindergottesdienste, die meisten Sonntags Nachmittag, in Summa also im Laufe der Woche ungefähr 100 förmliche Cultusübungen. Ferner im Laufe der Woche 2—5 Versammlungen der Heidenmissions-Hilfsvereine, davon eine für Kinder, eine für Frauen; 4—7 Zusammenkünfte von Vereinen für innere Mission und außerdem die wechselnden Versammlungen mehr oder minder kirchlichen Charakters, des Vereins gegen Vergiftung durch Alcohol, des evangelischen Vereins, der Diaconenversammlung, der Bibelgesellschaften, des Gustav-AdolphS-Vereins u. s. w. Wenn man diese kirchlichen Bemühungen zur Besserung des Volks in ihrer großen Anzahl betrachtet und doch in der forldauernden Sittenlosigkeit, die sich von Tag zu Tag steigert, die geringen Erfolge jener Bemühungen erkennt, so bestätigt es sich immer mehr, daß der Protestantismus nicht geeignet seyn dürfte, in Fleisch und Blut als ein heilsamer Lebenssaft für das Volk überzugehen, und daß, wie der treffliche Stahl (Protestant) in einer seiner jüngsten Vorlesungen entschieden aussprach, dem Katholicismus noch eine große Mission bevorsteht. Berautwortllchcr Redacteur: L. Schönchen. Aerwgö-Jnhaber: F. C. Kremcr. ,