Eilster «Jahrgang. Sonntags-Beiblatt zur Augsburger PostZeitung. 21. December ^ 51 1851. Dieses Blatt erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der halbjährige Abonnement«»»!« kr., wofür e« durch alle köm'gl. bayer. Postämter und alle Buchhandlangen bezogen werden kann. R o m. Der heilige Vater, Papst PiuSlX., hat unter dem 2l. November folgende Lnexeliea „an alle Patriarchen, Primaten, Erzbischöfe, Bischöfe und andere Ordinarien, welche die Gnade und Gemeinschaft deS heiligen Stuhles besitzen", erlassen: Papst PiuS IX. den ehrwürdigen Brüdern Heil und apostolischen Segen! Unser Herz erfreute sich im Herrn, ehrwürdige Brüder, und Wir dankten in tiefster Demuth und Innigkeit dem allgütigen Vater der Barmherzigkeit und dem Gott alles Trostes, da Wir in Mitte unaufhörlicher und schwerlastender Bekümmernisse, die UnS durch die so große Unbill der gegenwärtigen Zeitläufte von allen Seiten bedrängen, aus den meisten Eurer Berichte die reichlichen und freudevollen Früchte ersahen, welche daS von UnS bewilligte heilige Jubiläum über die Eurer Sorge anvertrauten Völker mit Hilfe der göttlichen Gnade ergossen hat. Jbr habr UnS bemerkt, wie bei diesem Anlasse die gläubigen Bevölkerungen Eurer Sprengel im Geiste der Demuth und mit zerknirschtem Herzen wetteifernd in größter Anzahl zu den Kirchen strömten, um der Berkündung deS Wortes GotleS beizuwohnen, um, nachdem sie durch daS Sacrament der Wiedcrversöhnung den Schmutz ihrer Seelen abgewasche», zu dem göttlichen Tische hinzuzutreten und zugleich ihre heißen Gebete Gott, dem Allerhöchsten, nach Unserer Meinung darzubringen. Von daher begannen nicht Wenige, welche sich mit Hilfe der göttlichen Gnade aus dem Schlamme der Laster und auS den Finsternissen der Irrthümer, in welchen sie elend darniederlagen, empor geschwungen, die Pfade der Tugend und der Wahrheit zu wandeln und eine heilbringende Lebensweise zu befolgen. AlleS dieses gereichte UnS zur höchsten Tröstung und Freude, die Wir, um das UnS von Gott anvertraute Heil der Menschen tief besorgt und bekümmert, gewiß nichts so sehr wünschen, und nichts Anderes Tag und Nacht in allen Unsern Wünschen und Gebeten in Demuth Unseres Herzens von Gott verlangen, als daß alle Völker, Stämme, Nationen, welche auf den Wegen des Glaubens wandeln, Ihn täglich mehr erkennen und lieben und Sein heiligstes Gesetz emsig erfüllen und auf dem Wege beharren, welcher zum Leben führt. Obwohl Wir aber, ehrwürdige Brüder, von einer Seite innige Freude empfinden müssen, daß die Bevölkerungen Eurer Sprengel auS, dem heiligen Jubiläum große Gnaden geschöpft haben, so müssen Wir auf der andern Seite nicht geringen Schmerz fühlen, wenn Wir sehen, wie in diesen jammervollen Zeiten Unsere heiligste Religion, so wie die bürgerliche Gesellschaft einen betrübten und Trauer erregenden Anblick darbieten. Denn Niemanden auS Euch, ehrwürdige Brüder, ist eS unbekannt, mit welcher Arglist, mit welcher abenteuerlichen Verkehrtheit der Meinungen und mit welchen frevelhaften Umtrieben aller Art die Feinde GotteS und deS menschlichen Geschlechtes zusammenwirken, um die Gemüther aller Menschen verwirren, e S n ie S n ch lN ir er e- al >fe eit 402 die Sitten verderben, die Religion, wenn eS je möglich wäre, allenthalben verdrängen, die Bande der bürgerlichen Gesellschaft zerreißen und sie von Grund aus umstürzen zu können. Von daher die beweinenswürdige Verblendung des Geistes so Vieler; der erbitterte Krieg gegen die allgemeine katholische Sache und gegen diesen apostolischen Stuhl; der abscheulichste Haß gegen die Tugend und die Ehrbarkeit; die Beehrung der verworfensten Laster mit dem Namen der Tugend; di-! zügellose Frechheit, Alles zu sinnen, zu thun und zu wagen; die übermüthige Mißachtung jeglicher Regierung, Macht und Autorität; die Verspottung und Verachtung geheiligter Dinge, der heiligsten Gesetze und der besten Einrichtungen; die beklagenSwerthe Verführung vor Allem der unbehutsamen Jugend; die pestbringende Seuche schlechter Bücher unv von allen Winkeln herfliegender, daS Laster lehrender Schriften, Zeitungen und Blättlein; das tödtende Gift der G leichg i l ti g ke it (JndifferentiSmuS) und des Unglaubens; die Anstiftung ruchloser Verschwörungen; die Verachtung und Verhöhnung sowohl menschlicher, als göttlicher Rechte. Es ist Euch nicht verborgen, ehrwürdige Brüder, welche Beängstigung, welche Zweifel, welche Bedenklichkeit, welche Furcht die Herzen aller vorzüglich Gutgesinnten von daher bekümmert und beklemmt, indem die schwersten Uebel auS privaten und öffentlichen Gründen zu fürchten sind, wo die Menschen von der Richtschnur der Wahrheit, der Gerechtigkeit und der Religion elendiglich abfallen, schlechten und ungezähmten Leidenschaften fröhnen und alle Bosheit im Sinne führen. Bei einer so großen allgemeinen Gefahr sieht eS Jedermann ein, daß wir alle unsere Hoffnungen einzig auf Gott setzen und heiße Gebete an Ihn richten müssen, damit Er die Reichthümer Seiner Barmherzigkeit über alle Völker gnädig auSgieße, und alle Gemüther mit dem Lichte Seiner himmlischen Gnade erleuchte, daß Er Sich würdige, die Irrenden auf den Weg der Gerechtigkeit zurückzuführen und die auf« rührischen Absichten der Feinde zu bekehren, daß Er Allen die Liebe und Furcht Seines heiligen Namens einflöße und den Geist gebe, immer nur daS zu denken und zu thun, waS recht, was wahr, was keusch, waS gerecht und was heilig ist. Und da der Herr sanft, milde und barmherzig ist, und freigebig gegen alle, welche Ihn anrufen, weil Er auf das Gebet der Demüthigen sieht, und Seine Allmacht vorzugsweise durch Schonung und Erbarmung offenbart, so laßt unS, ehrwürdige Brüder, mit Vertrauen zu dem Throne der Gnade hinzutreten, damit wir Barmherzigkeit erlangen und Gnade und Hilfe finden zur rechten Zeit. „Denn jeder, der bittet, empfängt, wer suchet, der findet, und dem Klopfenden wird aufgethan werden." (Malth. 7, 8.) Zuvörderst laßt uns dem Herrn der Erbarmungen unsterblichen Dank sagen und mit den Lippen deö Jubels Seinen heiligen Namen preisen, da Er in vielen Ländern des katholischen Erdkreises Wunder Seiner Barmherzigkeit zu wirken Sich würdigt. Hernach hören wir nicht auf, einstimmig, von der gleichen Treue des Glaubens, Festigkeit der Hoffnung und Inbrunst der Liebe beseelt, ohne Unterlaß Gott demüthig und innig anzuflehen und zu beschwören, daß Er Seine heilige Kirche auS allen Trübsalen errette, daß Er sie unter allen Völkern und in allen Erdtheilen von Tag zu Tag ausbreite, vermehre und erhöhe, daß Er die Welt von allen Irrthümern reinige, alle Menschen zur Erkenntniß der Wahrheit und auf den Weg deS Heiles in Seiner unendlichen Güte hinführe, daß Er die Geißel Seines Zornes, die wir für unsere Sünden verdienen, gnädig abwende, daß Er dem Meere und den Winden gebiete und Ruhe herstelle und Allen den heißerwünschten Frieden verleihe, daß Er Sein Volk errette nnd Seine Erbschaft segne, und sie zum Himmlischen leite und führe. Damit aber Gott Sein Ohr unsern Gebeten um so eher leihe und unsere Wünsche erhöre, erheben wir unsere Augen und Hände zu der heiligsten Gottes- gebärerin, der unbefleckten Jungfrau Maria, deren Fürbitte bei Gott die nächste, die kräftigste ist, welche mich unsere liebevollste Mutter, unsere größte Zuversicht, ja, der ganze Grund unserer Hoffnung ist, die erhält, um waS sie bittet, und niemals umsonst bitten kann. Dann suchen wir auch um die Fürbitten sowohl des Fürsten der Apostel nach, welchem Christus selbst die Schlüssel deö Himmelreichs übergeben 403 und den Er zum Felsen Seiner Kirche gesetzt hat, welchen die Pforten der Hölle niemals überwältigen werden, alö auch seines Mitapostels Paulus und deS eigenen Patrons jeder Stadt und jedes Landes, und der ganzen himmlischen Hecrschaar, durch welche der allgütige Herr die reichlichsten Gaben Seiner Güte im vollsten Maaße auSspendet. Darum, ehrwürdige Brüder, während Wir in dieser Unserer erhabenen Stadt öffentliche Gebete befehlen, so laden Wir mit gegenwärtigem Briefe Euch selbst und die Eurer Sorge übergebcnen Bevölkerungen zur Gemeinschaft Unserer Bitten ein, und fordern Eure ausgezeichnete Gottesfurcht und Frömmigkeit mit allem Nachdrucke auf, daß Ihr auch in Euren Sprengeln öffentliche Gebete zur Erflehung der gvttli- chen Milbe anordnen wollet. Und damit die Gläubigen mit so inbrünstigerem Gemüthe den von Euch festzusetzenden Andachten obliegen, so haben Wir beschlossen, die himmlischen Schätze der Kirche in Form eineö Jubiläums neuerdings zu eröffnen, wie Ihr auS Unserm andern hier angehängten Schreiben deutlich vernehmen werdet. Wir erheben UnS zu der zuversichtlichen Hoffnung, ehrwürdige Brüder, cS werden die Engel deS Friedens, welche goldene Schalen und ein goldenes Rauchfaß in ihren Händen tragen, die demüthigen Gebete Unser und der ganzen Kirche auf dem goldenen Altare dem Herrn darbringen, und Er werde sie mit gnädigem Antlitze aufnehmen, Unsere, Eure und aller Gläubigen Wünsche in unendlicher Güte anhören, Er wolle die Finsternisse aller Irrthümer vertreiben, die Stürme aller Uebel zerstreuen, und sowohl der Sache der Christenheit, als der Gesellschaft Seine hilfreiche Rechte darreichen, und bewirken, daß in allen Menschen die eine und eben dieselbe Treue der Gesinnungen, die eine und eben dieselbe Frömmigkeit des Wandels, die eine und eben dieselbe Liebe zur Religion, zur Tugend, zur Wahrheil unv Gerechtigkeit, daS eine und eben dasselbe Bestreben nach Frieden, daS eine und nämliche Band der Liebe sey, damit so daS Reich Seines eingeborenen Sohnes, unseres Herrn Jesu Christi, auf dem ganzen Weltall von Tag zu Tag erweitert, befestigt und erhöhet werde. Endlich empfanget als Unterpfand aller himmlischen Gaben und als Zeugniß Unserer feurigsten Liebe zu Euch den Apostolischen Segen, welchen Wir Euch, ehrwürdige Brüder, und allen Geistlichen nnd allen gläubigen Laien, die Eurer Wachsamkeit anvertraut sind, aus der innersten Neigung des Herzens liebevoll erlheilen. Gegeben zu Rom beim heiligen Pelrns den 21. November 1351, Unseres Papstthums im sechsten Jahre. Centralafrika. Der Wiener Marienverein zur Bekehrung der Neger erläßt folgende Bekanntmachung: Am 3. April 1846, kurze Zeit vor seinem Dahinscheiden, gründete der heilige Papst Gregor XVI., dem so viele fromme Missionen ihr Entstehen verdanken, eine Mission für Centralafrika, deren Thätigkeit das ganze ungeheure Ländergebiet umfassen sollte, welches von den Katarakten des Nils und den Wüsten am südlichen AbHange des AtlaS bis jenseits deö AeauatorS zu dem dort vermutheten Mondgebirge und den Gränzen von Guinea, und von den Gebirgen im Westen Abyssiniens bis zum Stromgebiete des Senegals und Gambias sich ausbreitet. Die Bekehrung der Neger, die Verhinderung deS Sclavenhandels, die Seelsorge über die einzeln in jenen Gegenden zerstreuten Katholiken, wurde als die Aufgabe der neuen Kirchengemeinde bezeichnet, und sie wurde mit der hohen Würde eines apostolischen Vicariats und mit jenen ausgedehnten geistlichen Vollmachten ausgerüstet, welche ihr wichtiger Beruf, die weite Entfernung von dem heiligen Stuhle und die Langwierigkeit, so wie die vielen Hemmnisse der Verbindung mit demselben erfordern. Ihre Leitung e S n ie S n ch !N 1r er e- al >fe eit 404 wurde dem Pater Ryllo anvertraut, einem Manne von apostolischem Eifer, der hie- von während einer langen und erfolgreichen Laufbahn rühmliche Beweise gegeben hatte; ein Weg, den er nehmen, ein Sitz, den er wählen sollte, wurde ihm vom heiligen Vater in seiner erleuchteten Weisheit nicht vorgezeichnet, die Fügungen der Vorsehung und die Erfahrungen während der Thätigkeit der Mission sollten hierüber entscheiden. Der heilige Papst starb, ehe die Missionäre ihre Reise antreten konnten- allein Se. Heiligkeit der jetzt regierende Papst PiuS IX,, von dem gleichen heiligen Eiser beseelt, bestätigte die Erlasse seines Vorgängers und ertheilte den frommen Arbeitern im Weinberge deS Herrn seinen väterlichen Segen zu ihrem großen und schwierigen Werke. Im Frühjahre 1847 kamen die zu dieser Mission ausersehenen Priester von ihren verschiedenen Standorten auf dem Festlande von Italien, in Malta, am Libanon und in Palästina in Alerandrien zusammen; aber eS dauerte bis zum September jenes JahreS, ehe die Ausrüstungen zu ihrer Fahrt vollendet waren und ehe sie durch die eifrigen Bemühungen deS kaiserlichen Generalkonsuls, unter dessen Schutz die Mission sich stellte, die nöthigen Geleitsbriefe für ihre gefahrvolle Reise erhalten hatten. An der Spitze deS Dreieckes, wo der Weiße und blaue Fluß, auö deren Vereinigung der Nil entsteht, zusammenströmen, unter dem 16° nördlicher Breite liegt Chartum, eine neue Stadt, unter Mehemcd-Ali angelegt und durch einen sehr lebhaften Handelsverkehr mit dem innern Afrika schnell zu einer Bevölkerung von mehr als Ltl.MO Menschen herangewachsen. Diese Stadt erreichten die Missionäre nach einer sehr langwierigen und beschwerlicher Reise am 11. Februar 1848. Ihre Reisevorräthe waren aufgezehrt, Krankheiten hatten mehrere aus ihnen ergriffen, Pater Ryllo selbst lag ohne Hoffnung der Wiedergenesung darnieder, cS schien daher höchst gefährlich, wenn nicht unmöglich, in diesem Augenblicke die Reise weiter fortzusetzen. Auf der andern Seite war Chartum der letzte Ort, bis wohin einigermaßen regelmäßige Handelsverbindungen mit Europa reichen, von woher Nachrichten gegeben, wo Aufträge und Unterstützungen mit einiger Sicherheit empfangen werden können, und kein anderer Platz schien geeigneter, Verbindungen mit den Bewohnern deS innern Afrikas anzuknüpfen, über die Orte und Acten der künftigen Wirksamkeit zu festen Entschlüssen zu gelangen, die Missionäre für ihren Beruf durch das Studium der Sprachen und Sitten des Landes vorzubereiten, sie an daS so gänzlich verschiedene, für jeden Unvorbereiteten höchst verderbliche Clima zu gewöhnen und ihnen seiner Zeit, wenn sie sich über daS Land zerstreut haben würden, einen Punct der Vereinigung, der geistigen Auffrischung und der körperlichen Erholung zu gewähren. ES wurde daher beschlossen, in Chartum eine Station zu errichten, und ein edler Türke, welcher die Missionäre schon in Dongola gastfrei aufgenommen hatte, und hiedurch eine Pflicht der Dankbarkeit erfüllen wollte, die er christlichen Priestern am Libanon, die ihm einst auf einem Feldzuge daS Leben gerettet hatten, schuldig war, verschaffte ihnen Schutz, Hilfe, Unterkunft. Allein am 17. Juni 1848 starb Pater Ryllo, die wiederholt erbetenen, lange erwarteten Unterstützungen auS Europa blieben aus und an deren Statt kamen die erschütterndsten Nachrichten. Der Sturm der Revolution hatte den ganzen Welttheil ergriffen, alles was man bisher geachtet und geehrt hatte, wurde in den Staub getreten, der heilige Glaube, die Grundfesten der gesellschaftlichen Ordnung schienen erschüttert, die Prediger deS göttlichen Wortes wurden verfolgt und vertrieben, die frommen Institute zur Erhaltung und Verbreitung deS Glaubens wurden in ihrem Bestände bedroht und der heilige Vater selbst war in seinem Sitze gefährdet. Wer sollte in diesem Umstürze aller Dinge noch an die Mission im fernen Afrika denken, wo durften sie noch auf Theilnahme und Hilfe in ihrem schwierigen Werke hoffenI Die heilige Propaganda in Rom erklärte feierlich, daß sie nicht in der Lage sey, die Mission ferner unterstützen zu können, und bereits waren die Erlässe ausgefertiget, welche den Missionären die Eilaubniß ertheilen soll- ten, wieder auf ihre frühern Standpuncte zurückzukehren. Allein der Herr, der einem in seinem Namen unternommenen Werke seinen Beistand nie entzieht und die Werkzeuge zu seiner Ehre und Verherrlichung wohl zu wählen weiß, hatte auch in Char- 405 tum den rechten Mann zur Begründung und Fortpflanzung des großen Werkes zur Bekehrung der Neger sich bereits ausersehen. Unter den Missionären, welche Pater Ryllo begleitet hatten, befand sich Pater Jgnaz Knoblecher, geboren am 6. Juli 1819 zu St. Cantian bei Gutenwerth, einem Dorfe der Diöcese Laibach, der im Listen Lebensjahre nach zurückgelegten Studien und nachdem er zu Laibach die mindern Weihen erhalten hatte, mit Bewilligung seines hochwürdigen Bischofes in Rom in das Institut der heiligen Propaganda eingetreten, dort zum Priester geweiht und für den gottgeweihten Beruf eines Heidenapostels ausgebildet worden war. Nach dem Tode des Pater Ryllo war die Leitung der Mission an ihn übergegangen und in Kurzem hatte er einen Grund angekauft, ein HauS gebaut, einen Garten angelegt, eine Kapelle eingerichtet, alles zwar klein und nothdürftig, aber doch hinreichend für die bescheidenen Bedürfnisse seiner Genossen und die ersten Anfänge der Mission und die Möglichkeit gewährend, in einem Lande, das bisher nichts als die Giäuel deS HeidenthumS und die Lieblosigkeit deS MohamedaniSmuö kannte, täglich das unblutige Opfer deS neuen Bundes darzubringen, täglich Gott den Dank für die Wohlthat der Erlösung darzubringen und täglich seinen Beistand und seinen Segen anzuflehen, damit auch die zahlreichen Völker jener Gegenden in die große seligmachende Kirche Christi eingehen. In Chartum ist ein Sclavenmarkt, wohin aus dem innersten Afrika die unglücklichen Gefangenen zum Verkaufe geschleppt werden, unter diesen oft zarte Kinder, ihren Eltern geraubt, verlassen und trostlos der Willkür dessen hingegeben, der daS Geld daran wendet, sie sein zu nennen. Die frommen Missionäre kauften nun auf diesem Markte mehrere Knaben, die ihnen gutgeartet und von einigem Talente zu seyn schienen, auch fanden sich in Chartum einige Abkömmlinge von Europäern, oft von ihren Vätern zurückgelassen, verwildert und verroht, in den Irrglauben ihrer Mütter zurückgefallen. Diese Kinder wurden nun in dem Hause der Mission untergebracht, man fing an, sie in allen jenen einfachen Kenntnissen zu unterrichten, welche für sie und ihre Heimat von Nutzen seyn können, und vor Allem in den Wahrheiten unseres heiligen Glaubens. Sie sollten die erste christliche Gemeinde CeiuralainkaS bilden, und jene Neger sollten, dereinst der Freiheit wieder gegeben und auf sichern Wegen zu ihren Landsleuten zurückgesendet, dort die Apostel dieser letzter», die eifrigsten und wirksamsten Helfer der Missionäre werden. Groß war der Eifer der jungen Leute, ihre Empfänglichkeit für die göttliche Lehre, die ihnen verkündet wurde, und ihre Liebe zu Gott, zu Christo und zu seiner jungfräulichen Mutter, sanft und ruhig ihre Sitten, kindlich ihre Anhänglichkeit an die frommen Väter. Am Feste Allerheiligen deö JabreS 1848 konnten bereits die ersten auS ihnen durch die Taufe in den Schooß der heiligen Kirche ausgenommen werden. Am Vorabende dieses Tages besuchte Pater Knoblecher wie gewöhnlich daS Schlafzimmer der Kleinen, um nachzusehen, ob alle in Ordnung zur Ruhe gegangen. Da fand er die Katechumcnen noch wach und in andächtiger Haltung. Er fragte, waö sie da machten? „Wir beten zur Mutter Gottes, war die Antwort, daß sie für unS bitte, damit wir den morgigen Tag erleben, der unS zu Christen machen soll." — Welcher Glaube unter diesen Erstlingen der Kirche deS innern Afrika's, wie sehr sind sie würdig, daß alle, die Christum bekennen, sich für sie bemühen! Von diesen jungen Leute» lernten auch die Missionäre die Sprache der Stämme, denen jene angehörten, der Galla, der Bari und anderer, und auch sonst sammelte man von ihnen alle jene Thatsachen, welche über die Wohnsitze jener Völker, die Wege, zu ihuen zu gelangen, ihre religiösen Ansichten, Sitten, Gebräuche, und waS sonst als Grundlage der künftigen Thätigkeit der Mission dienen kann, Ausschluß zu geben vermochten. AIS die Hilfe aus Europa ausblieb, wurde darum im Eifer nicht erkaltet, die Thätigkeit nicht beschränkt und den Negerzöglingen nichts entzogen, die Missionäre sparten am eigenen Leibe und suchten die Hilfsmittel zu benutzen, welche ihnen ihr Garten darbot. So wurde daS Jahr 1849 überstanden, und endlich im Jahre 1349, als die Noth am höchsten war, und als auch der Verein zur Vereinigung deS Glaubens in Lyon die erbetene Unterstützung versagt hatte, kam gerade zur rechten Zeit 406 eine Spende auS Laibach, zwar klein in Vergleich mit den zu bestreitendeu Bedürfnissen, aber sie war der Oelzweig der Taube in der Sündfluth, sie zeigte, daß in Europa der Glaube und die Theilnahme an seiner Verbreitung neu erwache, und sie wies auf die Richtung hin, in welcher daS fromme Unternehmen auch künftig auf erfolgreiche Hilfe hoffen könne. Unter diesen Verhältnissen war es, daß Paler Knob- lecher den kühnen Entschluß faßte, dem großen Zwecke, welcher der Mission gesetzt war, näher zu rücken und so weit als möglich in daS Innere Afrika'S vorzudringen, um die Stätten seiner künftigen Wirksamkeit kennen zu lernen. Jährlich im November, wenn die Nordwinde zu wehen anfangen, schickt der Gouverneur von Chartum mehrere Schiffe den weißen Fluß hinauf, um die egyptischen Niederlassungen längs dieses Stromes mit den nöthigen Bedürfnissen zu versehen und von den weiter oberhalb wohnenden Negervölkern Elfenbein gegen GlaS-Eorallen einzutauschen. Dieser Erpedition wollte sich Knoblecher anschließen, jedoch weiter vordringen als sie. Ein mohamedanischer Kaufmann schoß, wenn auch umer sehr drückenden Bedingungen, die Kosten vor. Am 13. November 1849 trat Pater Knoblecher d e Reise an, zwei seiner Genossen begleiteten ihn, die übrigen blieben zur Obhut der Mission zurück. Nach wenigen Tagen waren sie an den letzten Niederlassungen der Egypter vorübergekommen und schifften längs der unermeßlichen Urwälder hin, welche die natürliche Gränze zwischen dem Gchieie deS Pascha von Egypten und den unabhängigen Negerstämmen, dem MohamedanismuS und dem Heidenthume, bilden. An der Seite weiter graSreicher Savannen, nur hie und da durch einen Hain, einen Hügel unterbrochen, setzten die frommen Missionäre ihre Reise fort, bis zu dem letzten Puncte, den bisher ein Europäer erreichte, den Wasserfällen deS weißen FlusseS am Fuße deS eisenreichen Gebirges, welches die fleißigen Bari-Neger bewohnen. Ihre Kenntniß der Landessprache verschaffte ihnen einen Lootsen, welcher sie durch einen natürlichen Canal, der in vielen Windungen schräge von einem Ufer zum andern sich hinzieht, die Wasserfälle hindurch geleitete, und so kamen sie bis Logvek unter 4° 9' nördlicher Breite. Von einem Berge, der dort sich erhebt, übersahen sie den obern Lauf deS weißen FlusseS in unermeßlicher Weite, und die Richtung seines Laufes, seine Wasscrmenge, daS Maaß seiner Geschwindigkeit erlaubte den Schluß, daß er weit jenseits deS AequatorS entspringe, also mit seiner Hilfe noch tief in jene unbekannten Gegenden werde vorgedrungen werden können. Die Gegenden, welche die Missionäre durchfuhren, werden in der Richtung von Norden nach Süden von den Scilluk-, Dinka^, Nuir-, Kyk-, Bor-, Zhir- und Bari-Negern bewohnt, unabhängigen Stämmen unter einheimischen Fürsten, lebend von dem Ackerbau, der Viehzucht, der Jagd. Die Bari wissen sogar daS Eisen ihrer Berge zu bearbeiten und verfertigen Waffen und Schmuck für sich und ihre Nachbarn. Der große Gegenstand des Handelsverkehres ist daS Elfenbein der zahlreichen Elcphantenbeerden, welche jene weiten Ebenen durchstreifen. Der Menschenschlag ist schön und kräftig, man sieht unter ihnen majestätische kriegerische Gestalten, und die schöngefleckten Leoparden- und Pantherfelle, welche ihnen als Zeichen ihres Jagdglückes wie ein Mantel am Rücken herniederhängen, vermehren den Eindruck, den sie machen. So weit die Missionäre beurtheilen konnten, scheint ihr Gemüth für alles Gute empfänglich, ihr Verstand der Belehrung zugänglich, noch sind die verheerenden Sclavenjagden der nördlichen Gegenden nicht zu ihnen gedrungen und haben nicht ihre Sitten verwildert, ihre Ruhe gestört. So wie sie sind, werden sie der Lehre Christi, der Predigt deS Glaubens und der Liebe ein offenes Herz darbieten, und sie sehnen sich nach derselben; die Barineger und ihr König Niphila waren schmerzlich betrübt, als die Missionäre sie verließen, und ließen sich nur durch das Versprechen der baldigen Wiederkehr derselben beruhigen. Aber diese Armen sind auch des Segens und Heiles der Offenbarung so bedürftig, als nur je ein Menschenkind. Ihr Geist ist in den widersinnigsten Aberglauben versunken, der Gedanke eines lebendigen schöpferischen GotteS, der die Menschen erhört, wenn sie zu ihm flehen, ist ihnen fremd und tröstet sie nicht in den Uebeln, die sie umringen, und denen sie ohne Kleidung, ohne wohlverwahrtes Obdach, ohne Erfahrung und 407 Kenntniß schutzlos hingegeben sind. Welche reiche lohnende Ernte für Jene, die hier unter GotteS Beistand dereinst säen werden! (Schluß folgt.) Die katholischen Vereine und die Presse. Ein Mahnruf von Fr. v. Florencourt. ^) .... Die Verbreitung guter katholischer Bücher, oder, um cS allgemeiner auszudrücken, die Entwicklung und Organisation der katholischen Presse ist ein Hauptpunct für die Thätigkeit der katholischen Vereine. Auf diesen Punct sind die katholischen Vereine durch das dringendste geschichtliche Bedürfniß entschieden hingewiesen. Hier ist in der That eine gewallige Lücke, durch welche der Teufel eindringt in das Reich GotteS auf Erden, eine Lücke, für deren Ausfüllung von Seite deS katholischen VereinswcsenS bis jetzt noch nichts Erhebliches und Durchgreifendes geschehen ist. Hier bietet sich ein reiches, unabsehbares Felv dar. Vor Erfindung der Buchdruckerkunst konnten nalürlich solche Vereine, die heilend und werklhätig den Uebeln und Sünden der Presse entgegentraten, nicht entstehen, weil es damals noch keine Presse gab. Auch hat sich der ganze ungeheure Einfluß der Druckschriften erst nach unv nach in seinem jetzigen vollen Umfange entwickelt, und zwar in einer Zeit, wo das Leben der Kirche darniederlag, durch innere Lauheit und durch äußere Beschränkung gehemmt wurde, während die Tendenzen deS Unglaubens und der Sünde in voller Blüthe standen. Daher die Erscheinung, daß der zerstörende Theil der Presse gegenwärtig ein so gewaltiges Uebergewicht gewonnen hat. Die Folgen liegen am Tage. Die Bücher und Zeitungen des Unglaubens und der Sitlenlofigkeit überschwemmen die Paläste, wie die Hütten; ihr Gift läuft in tausendfachen Canälen durch alle Adern der Gesellschaft. Millionen von Händen, Federn, Maschinen u. s. w. sind fort und fort beschäftigt, auf diese Weise den heiligen Glauben der Kirche und die sittlichen Gebote unseres Herrn balv direct, bald indirect, balv bewußt, bald unbewußt, auS den Herzen der Menschen zu verjagen und auszulöschen. Und bis jetzt hat das katholische BereinSwesen diesem gränzenlosen Mißbrauche einer an sich nützlichen und zur Ehre GotteS dienenden Erfindung lhat- loS zugeschaut. Hier werkthätig und durchgreifend zu helfen, ist in der That eine dringend gebotene, aber auch eine so schwere Aufgabe, daß man auf den ersten Anblick davor zurückschreckt Daß aber mit der Hilfe GotteS dem katholischen BereinSwesen nichts unmöglich ist, das zeigt uns die Geschichte auch auf andern Gebieten. Es handelt sich namentlich darum, in Stadt und Land alle unkalholischen Biälter, von den groß- ten Zeitungen an bis zu den kleinsten Schmutzblättern herab, nach und nach zu ver» drangen, und andere wahrhaft katholische Zeitschriften an deren Stelle einzuführen. Dazu gehört erst eine genaue Ermittlung des ganzen unseligen Thatbestandes für den Kreis, für welchen sich der Verein gebildet hat, also eine genaue Aufzählung aller derjenigen schlechten Blätter, die vorzugsweise in den einzelnen Orten sich eingebürgert haben und vorzugsweise dem katholische» Leben Schaden thun. Diese Ermittlung kann der kalhvlischc Verein in die Hand nehmen, indem er dazu sachverständige Männer zu einer Commission wählt. Nachher läßt sich dann über die geeignetsten Wege sprechen, wie dem also bloßgelegten Uebel abzuhelfen ist, theils negativ, indem man dahin wirkt, daß alle solche schädlichen Erzeugnisse der Presse nicht mehr gehalten, gekauft und gelesen werden, theils positiv, indem man untersucht, waS dafür an die Stelle gesetzt werden kann. Dann wird eS auf Herbeiziehung der geeigneten Männer, auf Herbeischaffung der äußern Mittel sür die Gründung und Organisirung einer solchen katholischen Presse ankommen u. s. w. Wenn die Katholikenvereine sich diese ') Aus der Volkshalle. 408 fromme Pflicht stellen, und sich ihr mit Gebet und hingebendem Gottvertrauen widmen, wenn sich auf diese Weise über ganz Oesterreich und ganz Deutschland ein großes Netz von Haupt- und Nebenvereincn bildet, dann kann eS gelingen, waS bis dahin keiner Staatsgewalt, keiner Preßgesetzgebung und keiner Censur gelungen ist, — nämlich die Buchdruckerpresse wieder zum Dienste GvtteS und seiner Gebote zurückzuführen. Hier, wie überall, steht der Staat in seiner ganzen Ohnmacht da, wenn ihm die Kirche nicht mit ihren Waffen, mit Glauben und Liebe, zu Hilfe kommt. „Aber, wird man sagen, die „„katholischen"" Vereine sollen nur kirchliche Vereine seyn; indem sie sich auf diese Weise die Reinigung und Heiligung der Presse nicht bloß auf geistlichem, sondern auch auf weltlichem Gebiete zur Aufgabe stellen, überschreiten sie das kirchliche Gebiet, und nehmen zugleich einen politischen Charakter an." Ich entgegne darauf: Wo ist überhaupt die Gränze bei irgend einer christlichen Werkthätigkeit zwischen „kirchlich" und „politisch" zu finden? Ist zuletzt die Armen- und Krankenpflege nicht auch etwas Politisches? Greift nicht die Erziehung ebenfalls tief ein in die politischen Zustände? Alle christlichen Motive, und alle christliche Gesinnung, wenn sie znr That werden und in fleischliches Leben übertreten will, hat immer eine politische Seite. Die enge, unauflösbare Verbindung hicnieden zwischen Fleisch und Geist, zwischen Kirche und Staat, zwischen Politik und christlicher Moral hat sich mehr, wie je, in der letzten Zeit auch dem blödesten Auge herausgestellt, und kein frommer Katholik darf sich der Ausübung dieser politischen Seile seiner Pflichten entziehen. Mag man solche Vereine politische nennen oder nicht, eS ist ein Streit um ein leeres Wort. Die eigentliche Frage heißt: „Sind solche Vereine gut? dienen sie zur Ehre GotteS und zum Nutzen der heiligen katholischen Kirche oder nicht?" Und wenn man darauf bejahend antworten kann, so ist dieser Scrupel gehoben. _ M e i n h o I b. Am 3. Dec. wurden in Charlottenburg die irdischen Ueberreste des Mannes der Erde übergeben, der nach vielen mächtigen, innern Kämpfen, die sein denkender Geist ihm bot, bereits an den Schwellen der kath. Kirche stand um Einlaß zu begehren. Der Irrthum war überwunden, aber der Tod überraschte ihn in seinem Zögern, daS äußere Verhältnisse ihm geboten. Er arbeitete seit längerer Zeit über einem Werke, daS, originell in der Behandlung des Stoffes, sich als das Ergebniß des unermüdlichsten Fleißes documentiren und der gelehrten, wie der ungelehrten Welt volle Befriedigung gewähren wird. *) Das Werk ist in der Hauptsache vollendet. Gleichsam ahnend den nahenden Tod, arbeitete er die letzten Wochen und vorzüglich die letzten Tage seines Lebens mit sichtbarer Hast. Der Geist trieb ihn, das begonnene Werk zu vollenden. Mögen die Erben des zu früh Verstorbenen sich beeilen, ein Werk der Oeffentlichkeit zu übergeben, daS ein dringendes Bedürfniß der Zeit, eine passende Kost für die gegenwärtige Generation. Einige seiner Freunde, mit denen er fleißig und herzlich correspondirte. setzten große Erwanungen auf ihn, ja, hofften sogar von seinem neuen Werke und fernern Bestrebungen die Conversion des deutschen Nordens. Diesem Ziele waren seine letzten Kräfte gewidmet. Er war ein wahrer, warmer KvnigSfreund, ein vortrefflicher Patriot und voll Begeisterung für Gott und den Glauben. Gott tröste seine arme Wittwe! denn er selbst gab eine Pfarre von 1650 Thalern Gehalt auf, um nur seiner Ueberzeugung treu zu seyn. ') Ueber die Schönheit des katholischen Glaubens und über die UnHaltbarkeit des Protestantismus. Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. VerlagS-Znhaber: F. C. Kremer.