Sonntags-Peiblatt zur > Augsburger Postzeitung. ' ^ Iwölster Jahrgang. 18,?. / ^T^K^ ^S^V^ » Augsburg. B. Schmid'sche Buchhandlung. (K. Krcmer.) ^!«>»»<^ I « h a l t. Gedichte. Am Allerstelentage 353. Auf die Anwesenheit des Bischofs von Eich. städt in Freistadt 377. Am Charfteitag 113. Charwoche 103. Dankbarkeit gegen Gott 1. Der Herbst deS Lebens 392. Kirchenlied in der Fastenzeit 97. Die Airchenstürmer 49. Hirtenbriefe und andere Llctenjtücke. Hinenbrief des Cardinal - Fürstbischofs von Breslau 1 9. Hirtenbrief des Bischofs von Brünn 321. Hirtenbrief des Erzbischofs v. Freiburg 161. Hirtenbrief des Cardinal - Erzbischofs von Köln 65 73. Hirtenbrief des Bischofs von Limburg 106. Hirtenbrief des Bischofs von Mainz 81 89 98. Hirtenbrief der versammelten Erzbischöfe und Bischöfe auf dem Nationalconcil zu Baltimore 225. Der Bischof von Poitiers über Priesterseminarien 182. Der Bischof von Treviso über die Anfeindungen des Klerus 352. Einladung deS Bischofs von Lava nt zum Gebetsverein für die Vereinigung schis- matischer Slaven mit der katholischen Kirche 30. Der Erzbischof von Tuam an den Minister Grafeil Derby über die Verhältnisse in Irland 361. Die Bischöfe des Nationalconciliums in Baltimore an den Fürsterzbischof von Wien als Präsidenten des Leopoldinenvereins 390. Die katholische Mission der Deutschen in London. (Aufruf des Kardinals Wise- man.) 109. Jerusalem. (Schreiben des Custos vom heiligen Lande an den Fürsterzbischof von Wien.) 38. Bericht des apostolischen Vicars für Cen- tralafrika 157 165 171 179 189. Bericht auS Chartum 241. Bericht über die Fahrt der Stell« ms- tutins von Dongola bis Chartum 251 262 270. Rechenschaftsbericht deS Marienverein« für die Mission in Centralafrika 2Ä7. Zum BonifaciuSverein 253. Mainz. (Einladung des katholischen Vororts.) 296. Religiös-politisches Glaubensbekenntniß de« Marquis Donoso CorteS 19k. Abschiedsschreiben des Pastors Hasert an seine Gemeinde 345. Biographien und Nekrologe. Erzherzogin Maria von Steiermark 249 259 297 307. C. R. A. van Bommel, Bischof von Lüttich 145. MoisluS Maria Blancis, Bischof von Gyra und apostolischer Delegat von Griechenland 153. Erzählungen. Charlotte Henriot 25 33 4t 52 59. Unsrer lieben Frauen Mantel 280 289 29S 309 314 324 333. Das Antoniusglöcklein 302. Wohlthun trägt Zinsen 271. Missionsoerichte. Abenberg 279. — Bamberg 359 366 374. — Bayerische Pfalz 238. — BenSheim 71. — Danzig 224. — Ellingen 245. — Gabel 352. — Hall 128. — Hei« ning 330. — Jngolstadt 222. — Mainz 45. Miltenberg 294. — Neumarkt 239. — Neuß 72. — Oberschlesim 207. — Oppeln 142. Größere Fussätze vermischten Inhalts. Aphorismen aus einer Schrift des Marquis Donoso Cortes 4 12. — Ein deutscher Bischof 7. — DaS Walten der göttlichen Vorsehung 14. — Die katholische Mission in Nordamerika 17. — Die St. PaulSkirche in Rom 22 30. — Zur G-- schichte der kirchlichen Bewegung in Eng« land 24. — Die hl. Genovefa 29. — Die Jesuiten 32. — Die wahxe Bekehrung 40. — Paris. (DaS Fest der Geistlichkeit.) 46. — Berlin. (Hengstenberg über die kirchliche Verwahrlosung Berlins ) 48. — Die Bibliothek eines Landgeist, lichen 57 69 76 86. — Ueber christliche Cculptur 94. — Der neue Aufschwung der kath. Kirche 115. — Der Freimaurerorden 118.— Die Politik der Kirche 121. — Kirchliche Skizzen aus London 123. — Synoden i?5. — Clemens Brentano an ein zwölfjähriges Mädchen 126. — Die unbefleckte Empfängniß und die Irrlehren der Gegenwart 129. — Aus Briefen eines engl. Konvertiten 131. — Pater Bruno 137. — Ein Franciscaner 138 146.— Einige Bemerkungen über ein Hauptgebrechen unserer Zeit 167. — Aechte Toleranz ^69. — Die Seelsorge auf den Mariannen 175. — Die engl. Bibelgesellschaft, nebst zeitgemäßen Betrachtungen 177. — Die Enthaltsamkeitsbruderschaft in Geldern 181. — Die Freiheit der Kirche 185. — DaS erste Nationalconcil in den vereinigten Staaten 187 201. — Drei.»verdächtige Zeugen über die Gesellschaft Jesu 191. — Der Freimaurerorden in seiner wahren Bedeutung 193 202 2t4 2i8^ — Neapel. ' (Land und Leute.) 205. — Brindist's Misstonsreisen im Peloponnes 209. — Ein , Zeugniß aus Protestant. Munde 217. — ZohanneSwürmchen 227. — Kremsmünster. (Abt Thom. Mitterndorfer.) 229. — Die Fronleichnamsprocession in Rom 232. '— Die Vsme5 clu 5aore eoeur 234 243. — Die Rehabilitirung der Liguorianer in Eggenburg 254. — Das Fest des heiligen Petrus und Paulus in Rom 257 268. — Generalversammlung der hrthol. Vereine Deutschlands in Münster 265. — Von her Grundlage der Zugendbündnisse zur Fortbildung derselben 273. — Kirchliche Zu« stände in England 276 — Böhmen. (Zustände.) 277. — Erfahrungen eines kath. Geistlichen in Wien 284 305 327. — Einige Bemerkungen über die Sonntagsfeier 285. — Eine Taufe unter dem Galgen 292. — Urtheil eines Protestanten über die religiösen Zustände in den nordamerikanischen Hu»s n 5«? kn6»nr»A Kleinere Artikel und U?^en. Heldenthat zweier Priester 221. — Gehorsam 280. — Schreiben eines 79jährtgen Bischofs 343. — Der Dom zu Speyer 384. — Winke für katholisirende Protestanten 408. — Die Trappisten in Frankreich "'3. — Das Mechitaristenkloster in Wien 64. — Aegyvten 247. — Amerika 303 356 248. — Asien 384. — Australien 151. — Bamberg 295. — Berlin 192 224. — Breslau 160. — Centralafrika 183. — China 246. — Eichstävt 375. — Frankreich 208 312 136. — Fulda 400. — Gmünd 111. — Großbritannien 208 240 112 135. — Japan 144. — Jerusalem 199. — Klausen 256. — Köln 150. — Kremsmünster 224. — Lüttich 137. — Mailand 47. — Oberschlesien 120. — Paßau 399. — Politz 296. — Prag 216. — Pommern 344. — Rom 79 376 80 110 160 134 332 255 368. — Rußland 200. — Stockholm 80. — Türkei 112. — Westindien 336. — Wien 264 344. — Zweibrücken 391. ^i» ' I's! s Litterarisches. Die Christiade 104. Nltz ÄUi7N Zwölfter Jahrgang. Sonntags⸗Beiblatt zur Aungshurger Poſtzeitung 4. Januar Nʳ· 1. 1852. Dieſes Blatt erſcheint regelmäßig alle Sonntage. Der halbjährl Abonnementspreis 40 fr., wofür es durch alle königl. bayer. Poſtaämter und alle Buchhandlungen bezogen werden kann. Dankbarkeit gegen Gott. (Aus den Papieren eines Convertiten) Aus des Todes tiefſten Gründen, Aus des Irrthums bittrer Noth, Aus dem Schlamme ſchwerer Sünden Haſt du mich erlöst, o Gott! Herr, was hat dich denn bewogen, Daß du noch an mich gedacht? Daß du mich hervorgezogen Aus des ew'gen Todes Nacht? Warum haſt du mich gerade Vor manch Andern aufgeſucht, Und mich von des Irrthums Pfade Sanft gelenkt zur Friedensbucht? Deine Liebe dein Erbarmen War es einzig und allein, Die mich Aermſten aller Armen Lud zum Mahl des Lebens ein. O für dieſen ſüßen Frieden, Herr, mein Gott, was kann ich dir Andres als mein Leben bieten? Vater, nimm es an von mir! Alles haſt du mir gegeben, Alles geb' ich dir zurück; Dir zu dienen, treu ergeben, Sey fortan mein einz'ges Glück! — Hirtenbrief Sr. Eminenz des hochwürdigſten Heren Cardinals und Fürſtbiſchofs von Breslau, Melchiör v. Diepenbrock. Seinem Ehrwürdigen Klerus und ſeinen geliebten Diöceſanen ⸗ Gruß und Segenswunſch in Chriſto unſerm Herrn. Als ich an der Pforte des nun dahingeſchiedenen Kirchenjahres, Geliebte! mein Hirtenwort an Euch richtete, da wendeten ſich unſere Blicke mit ängſtlicher 2 Beſorgniß in die nahe drohende Zukunft, denn ein unſeliges Zerwürfniß war in Folge der vorangegangenen zweijährigen Wirren zwiſchen den Regierungen des deutſchen Vaterlandes eingetreten, und drohete in einen verheerenden Bruderkrieg auszubrechen, der nur mit der Verſtümmelung und dem Tode vieler Tauſende, mit dem Jammer und Elende vieler Hunderttauſende, und mit der Verarmung und Verwüſtung ganzer Länderſtriche wäre zu Ende geführt worden. Darum forderte ich Euch damals auf, zu dem Herrn zu flehen, daß Er die drohende Kriegsgeißel gnädig von uns wende und uns den Frieden bewahre, damit wir in Ruhe und Eintracht Ihm ungeſtört dienen könnten. Und der Herr hat unſer armes Flehen gnädig erhört und Gedanken des Friedens und weiſer Verſtändigung in die Herzen der Fürſten und ihrer Rathgeber geſenkt und das Vaterland vor all' dem Blutvergießen und Gräuel bewahrt, der des Krieges unabwendbares Gefolge iſt. Es ziemet ſich daher, daß wir am Schluſſe des Kirchenjahres, uns im Geiſte in ſeinen Anfang zurückverſetzend, unſerm Gott dafür danken, daß Er nicht nach unſerm Verdienen mit uns gehandelt, ſondern in Seiner reichen Erbarmung die drohende Gefahr abgewendet und uns vor den Schreckniſſen des Krieges gnädig bewahrt hat. Preis und Dank ſey Ihm dafür auch jetzt noch von uns Allen dargebracht. Allein bei dem Vorausblicken in das neue Kirchenjahr, welches die Adventzeit uns eröffnet, finden wir leider nur zu dringende Veranlaſſung, mit jenem Danke für erhörtes Gebet neues Flehen zu verbinden, denn verkennen dürfen wir es nicht, daß noch ganz andere Gefahren im Anzuge ſind, als die vor einem Jahre aus einem geregelten Kriege berechtigter Fürſten uns bedrohten, und daß namentlich das kommende Jahr 1852 vielleicht wieder ein Jahr voll ſchwerer Prüfungen, ernſtlicher Kämpfe und verhängnißvoller Entſcheidung ſeyn könne. Denn es iſt das Jahr, worauf in aller Welt Gottloſigkeit und Empörung ihre Hoffnung geſetzt haben, weil, — Ihr wiſſet es, — die Neuwahl eines oberſten Staatshauptes in dem ſeit zwei Menſchenaltern einem verderblichen Regierungswechſel verfallenen großen Nachbarlande ſtattfinden ſoll, was den gegen alle menſchliche und göttliche Ordnung Verſchworenen willkommene Gelegenheit bietet, ihre Kräfte aufs neue zu verſuchen, ob ſie nicht, wie vor ſechzig Jahren, die Herrſchaft in jenem Lande an ſich reißen, und von dort aus als Apoſtel einer neuen Weltordnung die Blutfahne über ganz Europa ſchwingen können, Alles zerſtörend, was von jeher der Menſchheit heilig und heilſam geweſen: Gottes Ordnung in Kirche und Staat, in der Gemeinde und in der Familie, Recht, Eigenthum, Eheband, Kindſchaft und häusliches Glück; und vor Allem die Hüterin und Pflegerin dieſer Güter: die Religion, und ihren göttlich geformten Leib, die Kirche. Daß Leß ihre Abſicht und ihr unablaſſtges Streben ſey, iſt keine Verdächtigung, es iſt ihr eigenes Geſtändniß, welches ſie täglich in offenen Aufrufen und Manifeſten gottlos und ſchamlos der Welt verkündigen. Damit aber ſo frevelhaftem, aus der Hölle ſtammendem Beginnen ſein Deckmantel und der Verführung ihre Lockſpeiſe nicht fehle, verkleidet ſich auch dieſer Satan in einen Engel des Lichtes, und wiederholt in neuer Weiſe das alte Lied, womit er unſere erſten Eltern aus dem Paradieſe vertrieben und in den Fluch und das Elend geſtürzt, die er nun durch noch größeren Frevel von der Erde hinwegzuheben vorgibt.„Ihr werdet ſeyn wie Gott;“ nur hieß es damals: „Ihr werdet erkennen das Gute und das Böſe.“ — Heute heißt es: Hinweg mit Gott! d. h. mit dem Glauben an Ihn; dann gibt es auch kein Böſes mehr; und ihr werdet erkennen, daß Alles gut iſt und erlaubt Hinweg mit Gott! dann gibt es auch keinen jenſeitigen Himmel und keine Hölle mehr, und die Erde muß zum Himmel umgeſchaffen werden auf Koſten der Mächtigen und Reichen. Hinweg mit Gott! dann gibt es kein Eigenthum und keine Armuth mehr; denn jeder Menſch iſt nun ein Gott, und kennt keine Beſchränkung weder im Beſitze noch Genuſſe des Irdiſchen. Hinweg mit Gott! dann gibt es keine Obrigkeit, kein Geſetz, keinen Gehorſam mehr, 3 denn jeder iſt ſein eigener freier Herr und ſein Wille ſein Geſetz. Hinweg mit Gott! dann gibt es keine Ehe, keine Treue, keine Familie mehr; Begierde und Luſt wechſeln nach Willkür und Laune, und die Kinder gehören Allen und Keinem. Hinweg mit Gott! und darum hinweg vor Allem mit Kirche und Prieſterthum, die uns ſtets an Ihn erinnern und finſtere ſtörende Schatten in das helle Tageslicht unſerer Freude und Weltbeglückung werfen! Hinweg mit Allem, was uns an ein anderes Daſeyn mahnt, als das gegenwärtige, an ein anderes Glück, als das der Sinne, an eine andere Geſchichte, als die von heute ..... Das, Geliebte! iſt der kurze Inbegriff des Evangeliums des Widerchriſts, defſen offene unverhüllte Verkündigung das allermerkwürdigſte Zeichen unſerer an Zeichen ſo reichen Zeit, und darum von je dem Chriſten nicht genug zu beachten iſt. Und fürwahr, wollte Gott in Seiner Gerechtigkeit dieſes Geſchlecht ſirafen nach Verdienſt, Er dürfte nur jenem Geiſte des Widerchriſts, den ſie heuchleriſch „Socialismus“ nennen, den Sieg einräumen über die rechtmäßigen, ſchützenden Gewalten, und die Erde wäre in ein Raubneſt wilder, ſich zerfleiſchender Thiere verwandelt. Das arme Frankreich hat es vor ſechzig Jahren erlebt, was es iſt um die geprieſene Herrſchaft dieſer gottloſen Menſchheitsbeglückung, dieſer ſogenannten Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit: Freiheit des Raubens und Mordens, Gleichheit unter dem Meſſer der Guillotine, Brüderlichkeit in der Verarmung Aller, und mit Recht trägt dieſer Zeitraum für immer in der Geſchichte die gräuliche blutige Ueberſchrift: Herrſchaft des Schreckens. Fragt Ihr, Geliebte, warum ich Euch an dieſe allbekannten Dinge erinnere? Weil das Gedächtniß der Menſchen leider ſo kurz iſt für die Lehren der Geſchichte und der Gottesgerichte, daß faſt jedes neue Geſchlecht dieſelben bittern Erfahrungen wieder durchmachen muß, die es ſich an den Erlebnifſen ſeiner Väter zu erſparen gelernt haben ſollte; weil wir von Gott beſtellte Lehrer und Hirten der Völker nicht ſchweigend zuſehen können, wie der Geiſt des Unglaubens mit Rieſenarmen an dem göttlichen Bau der ſittlichen Weltordnung rüttelt, den der Allmächtige auf dem ewigen Fundamente der zwei Geſetzestafeln und auf den Säulen der zehn Gebote zum Heile der Menſchheit erbarmungsvoll aufgerichtet; weil wir nicht ſchweigend zuſehen können, wenn der Gottestrotz die heilige Inſchrift dieſer zwei Tafeln in dem Gewiffen der Menſchen auslöſchen, und jene zehn Säulen muthwillig niederreißen will, die Träger alles Rechtes, aller Ordnung und Geſittung, die Grundpfeiler aller menſchlichen Gemeinſchaft, worauf die Pflichten gegen Gott und die Menſchen eingegraben ſind, und die da heißen: Du ſollſt Gott lieben über Alles und Ihm dienen; Du ſollſt den Nächſten lieben wie Dich ſelbſt; Du ſollſt nicht ſtehlen, nicht ehebrechen, nicht tödten, nicht falſches Zeugniß geben, ſollſt Vater und Mutter und die Obrigkeit ehren und ihr gehorchen, ſollſt Deines Nächſten Weib, des Nächſten Eigenthum nicht begehren.... u. ſ. w. Weil wir nicht ſchweigend zuſehen können, wenn dieſe ewigen Regeln der Gerechtigkeit und des wahren Socialismus umgeſtoßen und ihr gerades Gegentheil der Welt, vorerſt mit verführeriſcher Rede, und dann mit Feuer und Schwert aufgedrungen werden will! Weil wir überhaupt nicht zugeben können, daß eine andere Erlöſung gepredigt werde von den Uebeln, die die gefallene Menſchheit drücken, als die uns in Jefu Chriſto, dem menſchgewordenen Gott erworbene; daß der Wahnwitz ſtolzer und gottloſer Menſchen einen andern Rathſchluß der Weltbeglückung erſinne, als den der Allerbarmer von Ewigkeit gefaßt und ins Werk geſetzt, indem Er die Welt ſo ſehr geliebt, daß Er ſeinen eingebornen Sohn dahin gab, damit Alle, die an Ihn glauben, das ewige Leben haben; nicht zugeben, daß das tägliche Gebet aller Menſchenherzen: Erlöſe uns von dem Uebel! nicht mehr an Gottes erbarmende Liebe, ſondern an die erdgeborne Weisheit gottloſer Staatsumwälzer gerichtet werde; nicht zugeben endlich, daß ein wahrhaftes dauerndes Glück auf dieſer Erde möglich ſey anders als in der Erfüllung des heiligen Gebotes der Gottes⸗ und Menſchenliebe, in der geduldigen Ertragung des Kreuzes, das dem Reichen wie dem Armen, dem Großen wie dem Kleinen von Gott zu ſeinem 4 Heile zugewiesen ist, und jenen häufig noch peinlicher, als diesen drückt, anders als in der gläubigen Aneignung des Segensspruches unseres Erlösers: Selig die Armen im Geiste, denn ihrer ist das Himmelreich, selig die Sanftmüthigen, denn sie werden das Erdreich besitzen; selig die Trauernden, denn sie werden getröstet werden; selig die Hunger und Durst haben nach der Gerechtigkeit, denn sie werden gesättigt werden; selig die Barmherzigen, denn sie werden Barmherzigkeit erlangen; selig die ein reines Herz haben, denn sie werden Gott anschauen; selig die Friedsamen, denn sie werden Kinder Gottes heißen: — göttliche SegenSworte, die einen bimmlisch lindernden Balsam in die brennenden Wunden der armen Menschheit träufeln, während die gottlosen Worte der Volksverführer sie wie mit Schwefel und Höllenstein ätzen und vergiften! Darum, GclieRe, dürfen Wir Hirten und Bischöfe nicht schweigen, sondern je geschäftiger die Verführung — und sie ist eS still und schleichend fort und fort auch in unserm Lande, — je größer die Gefahr, je näher vielleicht ein neuer offener Kampf, desto lauter müssen wir unsere Stimme erheben in Gottes Auftrag, und Euch warnen und ermuutern zum muthigen Ausharren bei der Fahkie Jesu Christi, die da ist die Fahne des Glaubens und darum des Gehorsams, der Treue gegen Gott, gegen Seine Kirche und gegen die von Ihm gesetzte, Seine Stelle auf der Erde vertretende Obrigkeit. Denn daß dieser der Sieg bleibe, wenn es je wieder zum offenen Kampfe mit der Umwälzung kommen sollte, daran ist, wie ich oben aus den eingestandenen Absichten und Plänen ihrer Gegner gezeigt, Alles gelegen, unendlich mehr, als der kurzsichtige, unbelehrbare Verstand so vieler unberufener Schwätzer begreift, die nach Allem, was wir erlebt, eS noch immer für ein rühmliches, verdienstliches Werk halten, die Obrigkeit zu schmähen, ihre Absichten zu verdächtigen, und den Maaßregeln, welche die Verderbniß der Zeit und die Pflicht der Selbsterhal- tnng nöthig machen, den schlimmsten, völkcrfeindlichen Sinn unterzulegen. (Schluß folgt.) "1 ÄiM .«-!!!>': ", Aphorismen aus einer Schrift des Marquis Donoso Cortes. Ein Verein katholischer Gelehrten hat sich die verdienstliche Aufgabe gestellt, dem französischen Volke eine Lidliotnizczue nouvelle klassischer, in katholischem Geiste geschriebener Schriften darzubieten. In dieser Sammlung erscheint auch eine Schrift unter dem Titel: Ls5gi 5ur le cgtllolicisme, Is lideralismö et I« soeialisme von dem ruhmilchst bekannten Donoso Cortes. Sie enthält eine Fülle von inhaltreichen Gedanken, in geistvoller Form ausgeführt, und überall getragen von dem sichern Grunde des Glaubens und der ticfinnigsten religiösen Ueberzeugung eines treuen Sohnes der katholischen Kirche. Wir glauben daher, daß eS den Lesern nicht unwillkommen seyn werde, wenn wir im Folgenden einige der vielen glänzenden und geistreichen Bemerkungen des Verfassers als Aphorismen mittheilen. Denn wenn ein Mann von solchem Geiste und Charakter, wie sie dieser edle Spanier in sich vereinigt, vie Ergebnisse seines Nachdenkens über die wichtigen und schwierigen Fragen, welche das Leben der Menschheit in seinem innersten Kern berühren, unS vorlegt, so werden wir durch ein näheres Eingehen daraus gewiß Nutzen ziehen. Wir lesen in dieser Schrift unter Anderm Folgendes: 1. „Die Verminderung des Glaubens, welche die Beeinträchtigung der Wahrheit nach sich zieht, hat nicht gerade die Verringerung, wohl aber die Verirrung der menschlichen Einsicht im Gefolge. Barmherzig und gerecht zugleich, versagt Gott den sündigen Vernunftwesen das Leben nicht, aber die Wahrheit: zum Irrthum verdammt er sie, nicht zum Tode. Alle haben wir vor unsern Augen daS an Unglauben so reiche, so durchaus verfeinerte Jahrhundert an unS vorüberziehen sehen, das demungeachtet auf dem Strome der Zeit wehr eine sengende, als glänzende Spur zurückließ, unh wie Phosphorglanz durch die Geschichte leuchtet. Dennoch wird, wer 5 genau zuſieht, gewahr werden, daß dieſer Glanz Feuersbrunſt, daß ſein Licht nur das Leuchten des Blitzes iſt!“ „Der Tag, der alſo ſcheint, kommt mehr von einer plötzlichen Exploſion an ſich dunkler, aber nicht entzündlicher Stoffe, als aus den reinen Regionen, denen das friedliche Acht entquillt, das über die Gewölbe des Himmels mit dem allmächtigen Pinſel eines allmächtigen Malers ausgebreitet wurde.“ Was von den Jahrhunderten gilt, kann man auch von den Menſchen ſagen. In dem Maaße, als Gott ihnen den Glauben verweigert oder ſchenkt, nimmt oder gibt er ihnen die Wahrheit, nicht aber gibt oder nimmt er ihnen die Erkenntniß. Die der Glaubensloſen kann ſogar eine ſehr entwickelte ſeyn, und die der Gläubigen eine ſehr beſchränkte, aber die erſte iſt bei alle dem nur in der Weiſe eines Abgrundes groß, während die zweite einem Tabernakel ähnlich, heilig iſt; — im Abgrund wohnt Tod und Schrecken, im Tabernakel mit der Wahrheit das Leben. Darin aber auch liegt der Grund, weßhalb keine Hoffnung iſt für die Geſellſchaften, welche für den ſtrengen Dienſt der Wahrheit den den Intelligenz eintauſchten Hinler den Sophismen ſtehen die Revolutionen, und hinter dieſen die Henker......“ 2. „Wenn ſich Alles in Gott erklärt und durch Gott, und wenn die Theologie die Wiſſenſchaft Gottes iſt, durch welchen ſich Alles erklärt, ſo iſt die Theologie die Wiſſenſchaft von Allem...“ 3. „Jedes Wort, das über die Lippen der Menſchen kommt, iſt eine Beſtätigung der Gottheit, ſelbſt dasjenige, welches ſie ſchmäht oder läugnet. Wer, ſich von Gott abwendend, ausruft: „„Ich haſſe Dich, Du biſt nicht!““ gibt eine vollſtändige Darlegung der Theologie ebenſowohl, als der, welcher das zerknirſchte Herz zu Gott erhebt und ihm ſagt „Herr, ſchlage Deinen Diener, der Dich anbetet zu — der Erfte wirft ihm eine Läſterung ins Augeſicht, — der Andere legt ein Gebet zu ſeinen Füßen nieder. Beide, ein Jeder nach ſeiner Art, bekennen Gott, weil Beide ſeinen unſagbaren Namen ausſprechen.“ 4. „Das iſraelitiſche Volk konnte ſo lange nicht beſiegt werden, als Moſes ſeine Hände zum Himmel ausſtreckte, und es konnte nicht ſiegen, als er ſie zur Erde fallen ließ. Moſes ſinnbildet das menſchliche Geſchlecht, das in allen Zeitaltern, unter ganz verſchiedenen Formen und Arten, die Allmacht Gottes und die Abhängigkeit des Menſchen, die Macht der Religion und das Verdienſt des Gebetes bezeugt.“ 5. „Ein Wort des Friedens, des Troſtes und der Barmherzigkeit erſcholl in der Welt, und hallte mächtig in den Gewiſſen der Menſchen wieder: dieſes Wort aber lehrte die Völker, daß die Kleinen und die Armen geboren würden, um bedient zu werden, weil ſie arm und klein ſind; und daß die Großen und Reichen geboren werden, um zu dienen, weil ſie groß und reich ſinde Der Katholicismus hat, die Gewalt vergöttlichend, auch den Gehorſam geheiligt, und indem er das Eine vergöttlichte und das Andere heiligte, hat er den Hochmuth in ſeinen ärgſten Erſcheinungen, d. h. auch den Geiſt der Herrſchſucht und des Aufruhrs verdammt....“ 6. „Die Kirche ſtellt die menſchliche Natur ohne Sünde dar, ſo wie ſie aus den Händen Gottes in urſprünglicher Gerechtigkeit und heiligender Gnade hervorgegangen, und aus dieſem Grunde iſt ſie unfehlbar und dem Tode nicht unterworfen. Gott hat ſie auf Erden eingeſetzt, damit der Menſch, von der Gnade unterſtützt, welche Niemand verſagt iſt, ſich würdig und theilhaftig machen kann der Verdienſte des Blutes, das auf dem Kalvarienberg für ihn vergoſſen, und indem er ſich freiwillig den göttlichen Eingebungen unterwirft. Mit dem Glauben wird er ſeine Unwiſſenheit, mit der Geduld ſeine Schmerzen beſiegen, und mit der Hingabe den Tod: der Tod, der Schmerz, die Unwiſſenheit ſind dann nur noch da, um beſiegt zu werden durch die Hingabe, die Geduld und den Glauben.“ 7. „Von dem Tage, an welchem die Geſellſchaft, ihre grundſätzlichen Beſtimmungen der Vergeſſenheit übergebend, die Preſſe und die Tribüne, die Journaliſten und die Vereine gefragt hat: Was iſt Wahrheit? was iſt Irrthum? von dieſem Tage an hat ſich Irrthum und Wahrheit in allen geiſtigen Kräften verwirrt, iſt die Geſell K schaft in das Reich der Finsterniß eingetreten, und dem der Hirngespinnste verfallen. Von einer Seite selbst die gebieterische Nothwendigkeit fühlend, sich der Wahrheit zu unterwerfen und dem Irrthum zu entziehen, — von der andern aber die Unmöglichkeit, entweder den Irrthum festzustellen oder die Wahrheit, hat sie einen ganzen Katalog von herkömmlichen und willkürlichen Wahrheiten, einen Katalog von vermeintlichen Irrthümern formulirt, und dann gesagt: Ich bete die ersten an und verdamme die zweiten, — in arger Blindheit übersehend, daß sie, indem sie die einen anbetet und die andern verdammt, in Wahrheit gar nichts anbetet und nichts verdammt; oder, wenn sie überhaupt etwas anbetet oder verdammt, sie selbst es ist, welche sich anbetet oder verdammt." 8. „Die doctrinelle Unduldsamkeit der Kirche hat die Welt auö dem Chaos gerettet; sie hat die politische Wahrheit außer Frage gesetzt, wie die häusliche, die sociale, wie die religiöse; — also ursprüngliche und heilige Wahrheiten, welche keinem Streite unterworfen seyn können, weil sie die Grundlage aller Erörterungen sind; Wahrheiten, welche man keinen Augenblick in Zweifel ziehen kann, ohne daß sofort das geistige Leben schwankt, sich zwischen Wahrheit und Irrthum verlierend, ohne daß sich sogleich auch der reinste Spiegel der menschlichen Vernunft verdunkelte und trübte. Darum hat die Gesellschaft, da sie sich von der Kirche loSriß, nichts Anderes gethan, als die Zeit in halt- und fruchtlosen Streitigkeiten verloren, welche, ihren AuSgangspunct im absoluten Zweifel findend, kein anderes Resultat liefern können, als den vollständigen Skepticismus. Die Kirche, allein die Kirche, hat daS heilige Vorrecht ergiebiger und fruchtbarer Erörterungen gehabt. Die Theorie von DeScar- tes, nach welcher die Wahrheit aus dem Zweifel, wie Minerva aus dem Haupte Jupiters hervorsteigt, verkennt das göttliche Gesetz, welches zu gleicher Zeit der Erzeugung der Körper und der Ideen vorsteht. Durch dieß Gesetz schließen die Gegensätze beständig die Gegensätze aus, und das Aehnliche bringt immer Aehnlichcs hervor. Kraft dieses Gesetzes geht aus dem Zweifel beständig der Zweifel, aus dem Skepticismus der Skepticismus hervor, wie aus dem Glauben die Wahrheit, aus der Wahrheit die Wissenschaft." 9. „In der Kirche sind die Dinge dergestalt geordnet, daß die Tyrannei und der Aufruhr unmöglich: da ist die Würde des Untergebenen so groß, als die des Kirchenfürsten, und die des Kirchenfürsten besteht genau in Dem, waS sie gemein hat mit dem Untergebenen. Die größte Würde des Bischofs besteht nicht darin, Fürst, noch die des Papstes darin, König zu seyn, sondern Priester, wie die Untergebenen, Ihr erhabenes nnv unveräußerliches Vorrecht besteht nicht im Regieren, es besteht in der Macht, den Sohn GotteS zum Diener ihres Wortes zu machen, und darin, daß sie dem Vater fortwährend den Sohn als Opfer für die Sünden.der Welt darbringen; es besteht in der Vermittelungsfunction, durch welche sich die Gnade ergießt; in dem höchsten und unveräußerlichen Recht, Sünden zu vergeben und zu behalten. Die höchste Würde ist diejenige, mit welcher Alle bekleidet sind: sie besteht weder im Apostolat noch im Pontificat; sie liegt im Priesterthum. Betrachtet man die päpstliche Würde als Einzelnes, so scheint die Kirche eine absolute Monarchie; betrachtet man aber in ihr ihre apostol. Verfassung, so scheint sie eine sehr mächtige Oligarchie. Und betrachtet man wieder von der einen Seite die Würde, welche die Prälaten mit den Priestern gemein haben, von der andern aber die tiefe Kluft, welche Priester und Volk scheidet, so erscheint sie als eine ungeheure Aristokratie. Wirft man dann einen Blick auf die zahllose Menge der in der ganzen Welt verbreiteten Gläubigen, und sieht, wie das Priesterthum, der Apostolat und der Pontificat zu ihren Diensten ist, wie sich in dieser wunderbaren Gesellschaft Alles nicht um das Wachsthum Derjenigen handelt, welche befehlen, sondern um das Heil Derer, die gehorchen, — wenn man den tröstlichen Glaubenssatz betrachtet von der wesentlichen Gleichheit der Seelen; wenn man sich erinnert, daß der Erlöser des Menschengeschlechtes den Opfertod am Kreuze für Alle und für jeden Menschen erduldet, — daß es ausgesprochener Grundsatz ist, daß der gute Hirt sein Leben für seine Schafe läßt, und wenn man 7 bedenkt, daß der letzte Zweck der Thätigkeit aller der verschiedenen Aemter die Vereinigung der Gläubigen ist, so scheint die Kirche eine ungeheure Demokratie, im ruhmreichen Sinne des Wortes, oder doch wenigstens eine, zu einem wesentlich volks- thümlichen und demokratischen Zweck gestiftete Gesellschaft. Das aber ist das Sonderbarste dabei, daß die Kirche alles wirklich ist, was sie scheint. In andern Gesellschaften sind diese verschiedenen Regierungsformen unter sich unverträglich, oder wenn sie sich durch Zufall vereinigt finden, verlieren sie viel von ihrer wesentlichen Eigenthümlichkeit...." „Das Endresultat ihrer gegenseitigen Vereinigung würde ihre gegenseitige Vernichtung seyn. In der Kirche allein, als in einer übernatürlichen Gesellschaft, treten sie in harmonische Verbindung, ohne von ihrer eigenthumlichen Reinheit und ursprünglichen Größe etwas einzubüßen. Diese friedliche Vereinigung von unter sich entgegenstehenden Kräften, von Regierungsformen, deren einziges Gesetz, menschlich zu reden, der Krieg ist, bietet das schönste Schauspiel, was die Annalen der Welt aufzuweisen haben. Wäre das Regiment der Kirche zu erklären, man müßte es eine ungeheure Aristokratie nennen, geleitet von einer mächtigen Oligarchie, in die Hände eines absoluten Königs gelegt, welchem eS obliegt, sich in beständigem Opfer für das Heil der Völker hinzugeben. Diese Begriffserklärung würde das Wunder der Erklärungen seyn, eben so wie der erklärte Gegenstand das größte Wunder der Geschichte ist." „Wollen wir das Gesagte in wenige Worte zusammenfassen, so können wir ohne Furcht, durch die Thatsachen widerlegt zu werden, behaupten, daß der Katholicismus alle menschlichen Dinge in Ordnung und Uebereinstimmung gebracht hat, nämlich bezüglich deS Menschen selbst besteht diese Ordnung und diese Harmonie darin, daß der Katholicismus den Körper dem Willen, den Willen dem Verständniß, das Verständniß aber der Vernuuft, die Vernunft dem Glauben und Alles dem christlichen Sinne unterworfen hat, welchem die Kraft inwohnt, den durch unendliche Liebe gereinigten Menschen in Gott umzubilden. Bezüglich der Familie wollen wir damit sagen, daß durch den Katholicismus die drei häuslichen Personen, gereinigt durch die zartesten Bande, zu einem bestimmten Verhältnisse gelangt sind; rücksichtlich der Regierung aber, daß dnrch den Katholicismus die Autorität wie der Gehorsam geheiligt, und die Tyrannei wie der Ausruhr für immer verurtheilt sind. In Beziehung auf die Gesellschaft bedeutet es, daß durch den Katholicismus der Krieg der Kasten aufgehört hat, daß der vollkommene Einklang aller gesellschaftlichen Gruppen begonnen; daß der Geist fruchtbarer Vereine dem Geiste der Eigenliebe und der Vereinzelung gefolgt ist, so wie das Reich der Liebe dem Reiche des Stolzes. Bezüglich der Wissenschaft und Kunst heißt es, daß durch den Katholicismus der Mensch in den Besitz der Wahrheit und der Schönheit, des wahren Gottes und der gött> lichen Herrlichkeit eingetreten. Aus Allem also, was wir gesagt, geht hervor, daß mit dem Katholicismus eine übernatürliche Gesellschaft in die Welt gekommen, eine herrliche, vollkommene, auf Gott gegründete, von Gott bewahrte, von Gott beschirmte, welcher auf immer das göttliche Wort hinterlegt ist; welche der Welt das Brod des Lebens reicht, welche nicht täuschen, noch getäuscht werden kann; welche den Menschen die Lehren ertheilt, die sie von ihrem göttlichen Meister empfängt; welche das vollkommene Ebenbild der göttlichen Vollkommenheiten ist, daS erhabene, das vollendete Muster menschlicher Gesellschaften....." (Schluß folgt.) üm soAM 5 ^! ^gUiN^.TiS '»«U'.'IZN Sl?Mt(5. tNMllttNM??1iN . . iktsfll« n» IN ") Die Furcht, der heiligen Demuth dieses Mannes nach dein Herzen Gottes zu nahe zu treten, hält uns ab, seinen Namen zu nennen. Der Name thut ja auch nichts zur Sache, und diese Wahrheit können wir verbürgen. 8 des Himmels verkündend..... Stets verkündet die unmittelbare Dazwischenkunft dieser Menschen, die mit dem Mittelpuncte der Kirche zusammenhängen, irgend etwas Großes und Außerordentliches; dann gehen in dem erstarrten Zeitalter seltsame Dinge vor, gleich denen, die man bei gewissen namenlosen Krankheiten bemerkt, wenn die Werkzeuge gelähmt, und unS die unmittelbare Einwirkung des Geistes gewissermaßen alle ausgehobenen Verrichtungen ersetzt." Was also vom Ganzen der Kirche gesagt ist, daS gilt nicht weniger von den einzelnen Theilen derselben, und daß eS, besonders in Deutschland und seinen Diöcesen, sich vielfach als eine große Wahrheit bewährt, brauchen wir nicht erst zu' sagen. Stets aber hatten solche besondere Abgesandte des Herrn, die in der Kirche ja nie aufhörende Macht der Wunder, und stets war das Wunderwirkende Macht ihres Gebeteö. In einem deutschen Bischofssitze lebte ein katholisches Ehepaar in tiefer Uneinigkeit; die Frau war fromm, und hielt treu an der Kirche, der Mann hingegen hatte sich von den Rongeanern und ihrem Anhange so viel vorschwätzen lassen, daß er sich über die Lehren der Kirche erhaben glaubte und immer mehr in Unglauben versank. Wer solche Leute, besonders in den untern Classen der Gesellschaft, kennt, der wird begreifen, daß der Friede in diesem Hause nicht wohnen konnte. Eines TageS ging die tiefgebeugte Frau zu dem Allen ohne Unterschied zugänglichen Oberhirten, und klagte ihm ihre Noth. Der Bischof tröstete sie, und ermähnte sie, zu beten, daS sey das einzige Mittel. Die Frau kehrte erhoben nach Hause zurück, und betete Tag für Tag, aber eine lange Zeit verging, und keine Aenderung erfolgte in dem Wesen des ManneS. Da wurde dieser krank; die arme Frau kam abermals zu dem Bischöfe und klagte von neuem Er tröstete sie wieder, und verwies sie abermals auf das Gebet, fügte jedoch dießmal hinzu, wenn ihr Mann eine Sinnesänderung zeige, solle sie sogleich zu ihm, dem Bischöfe, kommen, sey es bei Tage, sey eS bei der Nacht, er werde sie zu ihrem Manne begleiten. Die Frau kam nach Hause und that wie der Bischof gesagt. Abends gegen sieben Uhr brachte der Diener dem Bischöfe und dessen Caplan das gewohnte frugale Nachtessen, wobei der Bischof ihm bedeutete, Niemand mehr vorzulassen, eine Frau ausgenommen, welche er dem Diener näher beschrieb. Später kam der Diener zurück, den Tisch abzudecken, doch er fand Alles unberührt. Gegen Mitternacht schellte es am Hause, der Diener fragte am Fenster, wer da sey, unv findet die ihm beschriebene Frau, welche ihn bittet, dem Bischöfe zu sagen, daß ihr Mann nach ihm verlange. Der Diener geht zum Wohn-, zum Schlafzimmer deS Bischofes, und findet ihn nicht; er sucht ihn in dem Zimmer deS CaplanS, im ganzen Hause, vergebens; da fällt ihm ein, er möge wohl in der Hauscapelle seyn, und so war es, dort fand er den Bischof nebst seinem Caplan im Gebete vor dem Altare liegen. Er tritt zu ihm hin und meldet die Frau, worauf ^ der Bischof sofort sich erhebt, und mit ihr zu dem reuevoll zerknirschten Manne geht, welcher sogleich beichtet, am folgenden Tage die heilige Communion empfängt, und seitdem in musterhafter Ehe mit seiner Frau lebt. Und weiter? — „Er sprach: Hüte dich, daß du Niemanden etwas sagest, allein sobald er fort war, fing er (der Gerettete) an, viel von der Sache zu reden, und das Gerücht verbreitete sich in der ganzen Umgegend." Marc. 4, 44, 45, 28. — Heine ist eben in Aller Munde. Eines TageS war auch die Rede von ihm in einem Kreise, den derselbe Bischof mit seiner Gegenwart beglückte. Jeder sprach laut und scharf seine Entrüstung über die Bestialität deS Romanzero und über dessen Verfasser auS, Alle waren in der lebhaftesten Aufregung, als der Bischof plötzlich mit seiner liebevollen Stimme einfiel, und ernst sagte: „Der arme unglückliche Heine! Beten wir für ihn!" Dieß schöne und ächt christliche Wort des hochwürdigsten Oberhirten ließ Alle verstummen. Es war ihnen seitdem ein heiliges Gebot, dessen Erfüllung sie keinen Tag versäumen. Schenke der Herr diesem Gebete seines frommen Dieners dieselbe Erhörung, welche er jenem andern schenkte! vereinigen wir zu dem Ende unsere Bitten mit denen des Bischofes! Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. VerlagS-Znhaber: F. C. Kremer. Zwölfter Jahrgang. Sonntags-Weiblatt -ißuattE iiznclch's msZ oi Z7dsii^-'l Äiiu sö^^ -»is znu oinüUD-z tt!i?»jilIi^,^^(Z° -LzchUHii^k ui> ^slkM6»,iD »i» yviij ichiu tjltti ^n,!^dr> hü7Ä^ÄH i!5 onil sunT ??N>;i!Z7^1 Htt» I'^liu ,nnc»llt ilzHMi!!? tN^zi«! S.'^I it!(!ü!L ÄNU zziZk^ »i^ -l^l»( Januar M- 2. ____——-- Dieses Blatt erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der halbjährige Abonnementsvreis 40 kr., wofür es durch alle köm'gl. bayer. Postämter und alle Buchhandlungen bezogen werden kann. Hirtenbrief Sr. Eminenz des hochwürdigsten Herrn CardinalS und Fürstbischofs von BreSlau, Melchior v. Diepenbrock. (Schluß.) tun »IMF vuo cb-ItziN choil ltt-l ^is^iMiliPj?^u z^i^l^g ?nu nchiiZljsiinuz Ja, Geliebte, ich nehme keinen Anstand, Ench auf die merkwürdigen Worte des Apostels hinzuweisen, und Euch zu sagen: daß das Geheimniß der Bosheit, welches schon damals wirksam war (2 Thessal. 2, 7.), gerade in unsern Tagen wirksamer ist, denn je zuvor, daß das Werk des Widerchrists offenkundiger betrieben wird als je, und daß, wenn die heiligen Väter ehemals das römische Reich für dasjenige Hinderniß hielten, welches nach dcS Apostels Andeutung den Sieg deS Widcrchristö noch aufhielt, wir jetzt, durch die Erfahrung belehrt, mit noch viel mehr Grund sagen können, weil wir's mit Augen sehen und mit Händen greifen: daß eS daS Bestehen der rechtmäßigen Gewalt, der obrigkeitlichen Auctori« tät überhaupt ist, welches dem Siege des Weltverderbers noch Einhalt thut, und darum auch von seinen Sendlingen und Wegbereitern so gründlich gehaßt, so heftig angegriffen und so unermüdlich unterwühlt wird. Darum auch haben die Worte des Apostels: „Wer sich der Obrigkeit widersetzt, der widersetzt sich der Anordnung Gotteö, und die sich widersetzen, ziehen sich selbst die Verdammniß zu" (Mm. 13.), in unserer Zeit ein doppeltes Gewicht; denn der Widersetzliche tritt, bei nunmehriger offener Scheidung, bewußt oder unbewußt auf die Seite deS WiderchristS und wird um Mithelfer und Werkzeuge für seine weltverderbenden Pläne. Hier ist Halbheit kaum mehr möglich, und das Wort des Apostels: „Wer auch nur Ein Gebot übertritt, verschuldet sich an allen" t^Jak. 2, 10.), gilt in dieser Zeit zumeist von diesem Gebots stjnüuü '. . - „ ,»s>?-.-c.i^'s s^.T sl!ü.!> ° Darum, Geliebte, weil wir in eine so verhängnißvolle Zeitcnstunde eingetreten sind, ermähne ich Euch, zu beten, daß der Arm der rechtmäßigen obrigkeitlichen Gewalt, der nach des Apostels Wort das Schwert führt im Dienste Gottes (Rom. 13, 4), nicht durch Gottes Zulassung und zu unsrer Strafe hinweggeräumt werde (2. Thess. 2, 7.). Lasset uns also beten für unsern LandeSvater und für seine Rathgeber, Helfer und Diener in dem so sehr erschwerten Amte der Landesregierung, daß der Herr ihnen seinen guten Geist gebe von oben herab, der sie bewahre vor falschem Dünkel, falscher Sicherheit und falscher Halbheit, und sie lehre, in Demnth und Gottvertrauen die Heiligthümer der Menschheit hüten mit dem Scepter der Gerechtigkeit und dem Schwerte der Gewalt, und bei kräftiger Niederhaltnng aller bösen Anschläge und Frevelthaten doch die wahre, gesunde Freiheit des Volkes achten und schützen und nur die Frechheit bändigen und das Verbrechen züchtigen. .kMg-tltr-16 z^uA Lasset uns beten für unsere tapfern Heere, die uns in den vorangegangenen Jahren schon gegen daS erste Anwogen der umwälzenden Mächte geschützt haben, daß der Geist deS Evangeliums sie erfülle, der allein wahre Treue, Tapferkeit und Opferwilligkeit dauernd erhält, und sie erhebe und begeistere in dem schönen Bewußtseyn, daß der Waffendienst fortan nicht bloß ein Ehrendienst, sondern ein christliches Ritterthum sey für Alles, was der Menschheit werth und heilig ist. Lasset unS beten, und an unserm Theile dahin wirken, daß die Gesinnungen ^ ehrenfester Treue und edler Pietät, die Höheres achtend sich selber adelt, und die von jeher die Zierde und der Ruhm deS biedern deutschen Volkes waren, unter unS nicht erlöschen, sondern neu angefacht und belebt in dem heranwachsenden Geschlechte fortgepflanzt werden. Lasset unS insbesondere beten und flehen, Geliebte, um göttlichen Schutz für unsern obersten Hirten, den Papst, der in seiner doppelten Eigenschaft, als Oberhaupt der Kirche und als Landesherr, den feindlichen Angriffen der unterwühlenden Bosheit jener gegen alles Heilige verschworenen Rotten zwiefach ausgesetzt ist. Darum mußte auch Er ihre gottlose Tücke am ersten erfahren und — entlarven; denn zum Danke dafür, daß er seinem Volke alle gewünschten Freiheiten gewährt, vertrieben sie ihn, nachdem sie zwei Jahre lang ihm geheuchelt und geschmeichelt, von seinem Sitze, entsetzten ihn seiner Regentenwürde, und jetzt, da er von verbündeten Mächten zurückgeführt und geschützt ist, überschütten sie ihn noch täglich auS der Ferne mit Lästerung und Drohung, und arbeiten rastlos, sein Volk zu Treubruch und frevelhafter Gottlosigkeit zu verführen. — Möge unsere treue kindliche Anhänglichkeit und unser Gebet ihm Trost und Muth und Kraft von Gott erlangen, und ihm die dreifache Dornenkrone, die er trägt, erleichtern I Lasset uns beten für die gesammte Christenheit, daß sie wachse im Glauben und ^ in der Liebe, und unter dem Anhauche des göttlichen Geistes erstarke zum Kampfe, der sich bereitet. Lasset uns flehen, daß Angesichts dieses drohenden Kampfes alle Uneinigkeit, Zwietracht und Spaltung hinweggethan werde unter allen Denen, die Jesum Christum ihren Herrn nennen und zu Seiner Fahne stehen wollen. Lasset unS flehen, daß daS reine Licht der Wahrheit und des Friedens alle Menschen erleuchte, die da guten demüthigen Willens sind; flehen, daß die Schuppen aller Mißverständnisse und ererbter Vorurtheile von den geblendeten Augen der Irrenden und Getrennten fallen, damit Alle, die sich als Söhne Eines Vaters und als Brüder EineS Herrn bekennen, sich auch als die Söhne Einer Mutter wiederfinden, auf daß unter ihrem Paniere geschaart die große Gemeinde der Gläubigen den Himmlischen »schön Wie der Mond, auserkoren wie die Sonne," den Feinden aber „furchtbar erscheine wie ein geordnetes Heerlager" (Hohel. 6, 10.). Wenn bei dem beängstigenden Ausblicke in eine dunkle, verhängnißvolle Zukunft, zu dem wir durch eine höhere Betrachtung der Gegenwart unS hingedrängt fühlen, etwas uns zum Troste gereichen und unS zu der Hoffnung ermuthigen kann, daß GotteS Langmuth die Tage der schwersten Prüfung noch fristen, das äußerste Verderben vorerst noch abwenden und vor der endlichen Reinigung seiner Tenne und der weltgerichtlichen Sichtung seines WeizenS u. noch neue frische Garben in seine Scheunen einführen (Match. 3, 12.), vielleicht auch seine gläubige Schaar zum bevorstehenden Kampfe geistig rüsten will: so ist eS die Wahrnehmung der Auffrischung des religiösen LebenS, welche sich auf den weiten Gefilden der Kirche, und zunächst auch in unserm deutschen Vaterlande erfreulich kund gibt. Während einerseits die Seelenhirten sich in stiller Zurückgezogenheit an geeigneten Orten versammeln und in mehrtägigen geistlichen Uebungen den heiligen Geist ihres Berufes und die himmlischen Kräfte der empfangenen Weihe nach des Apostels Mahnung (2. Timoth. 1, 6.) in sich erneuern, durch ausrichtige Selbsterforschung sich vor Gott Rechenschaft geben von der Verwaltung ihres Amtes und zu neuen heiligen Entschlüssen treuer Pflichterfüllung sich ermannen, gibt andererseits der gesegnete Erfolg der MissionSpredigten Zeugniß, daß in dem Volke die Empfänglichkeit > 11 für Gottes Wort und GotteS Heil auch durch die sittliche Verwüstuug der letzten Jahre noch nicht ertödtet ist; daß vielmehr das ernste heilige Wort von der wahren Bestimmung deS Menschen, von GotteS Gerechtigkeit und Erbarmung, von der Erlösung in Christo, von ihrer Verwirklichung in der Kirche, von den Pflichten veö Christen, von Sünde, Tod, Gericht, ewiger Vergeltung, Verdammniß und Seligkeit:c. noch m den Seelen der Menschen, die Gott dafür geschaffen hat, offenen Eingang findet. Und Gott sey dafür gepriesen, daß es so ist, und daß die Kirche gegenüber der teuflischen Verführung ihr heiliges Predigt- und RettungSamt auch in außergewöhnlicher Weise zu üben, von weisen Regierungen nicht gehindert wird, weil diese begreifen, daß zuletzt in dem Glauben und Gewissen der Christen der einzig feste Ankergrund für das schwankende Staatsschiff zu finden ist. Auch dieß Bisthum — mit dankbarer Freude sage ich'S — hat im abgelaufenen Jahre beider Wohlthaten sich zu erfreuen gehabt; und wenn ich mir und Euch, meine geliebten priesterlichen Mitbrüder beider Diöcesanantheile, zu dem Eifer Glück wünsche, den Ihr in Theilnehmung an den mehrfach gehaltenen geistlichen Uebungen gezeigt habet, so thue ich eS in der sichern Ueberzeugung, daß Ihr, weit entfernt, darin einen Ersatz für das täglich fortzusetzende Studium Eurer Berufswissenschaften zu suchen, vielmehr nur einen neuen Sporn zur ernstern Betreibung desselben darin werdet gefunden haben, durch die gewissenhafte Erwägung, daß eS nebst dem Gebete keine nothwendigere, heilsamere und schützender« Beschäftigung für den Priester gebe, als das Studium der theologischen Wissenschaften, zumal in dieser Zeit des stolzen Gottentfremdeten Wissens, welches auch an seinem Orte mit den Waffen ächter Wissenschaft bekämpft und besiegt werden soll. Auch hinsichtlich der außerordentlichen Missionen, die bereits in mehreren Pfarrgemeinden der Diöcese von begeisterten OrdenSmänncrn — (denen ich hier für ihre unermüdliche, uneigennützige und so weise geregelte Thätigkeit meinen warmen Dank vor Gott und aller Welt ausspreche), — mit so gesegnetem Erfolge zur Freude und Erbauung der herbeiströmenden Gläubigen sind gehalten worden, und im nächsten Jahre, so Gott will, an noch mehreren Orten auf dringendes Begehren gehalten werden sollen, möchte ich Euch, meine geliebten seelsorglichen Gehilfen, noch erinnern: daß, wie groß und erfreulich auch die augenblicklichen Eindrücke und Erfolge dieser erschütternden und tiefeingreifenden Vorträge zu seyn Pflegen, der bleibende Segen und die reifende Frucht davon doch vor Allem Eurer fortgesetzten Sorgfalt und treuen Pflege bedarf, damit nicht, nach dem Gleichnisse deS Herrn (Matth. 9, 17.), der junge gähreude Wein in alte morsche Schläuche gefaßt, diese zerreiße und im Sande verrinne, nicht die schöne Begeisterung, unbenutzt und ungepflegt, einer erkaltenden Abspannung und größern Stumpfheit Platz mache. Nicht minder dürfen wir die katholischen Vereine als eine tröstliche Erscheinung, als ein segenreiches Werk begrüßen, ganz geeignet, den auflösenden und zerstörenden Kräften entgegen zu wirken, indem sie das kirchliche Gemeingefühl wecken und beleben, die falsche Schaam, welche so viele Schwache von dem offenen Bekenntniß ihres Glaubens abhält, besiegen, die werkthätige Nächstenliebe anregen nnd auf gemeinsame, der Noth der Zeit begegnende Bahnen lenken, auch der wahren kirchlichen Freiheit, die von kurzsichtiger, engherziger Politik leider noch so vielfach verkannt und von kleinlicher Allregiererei mißtrauisch verschränkt wird, freimüthig und besonnen daS Wort reden. Sie werden durch solches Wirken sich als nützliche HilfSschaaren in dem großen Kampfe für die Erhaltung der sittlichen Weltordnung auch serner bewähren, wenn sie, wie bisher, sich bescheiden auf die ihrer schönen Thätigkeit vorgezeichneten Trän- zen beschränken, von politischen Streitfragen und Parteiungen und von Einmischungen in das kirchliche Hirtenamt sich fern halten, und nur für die große, allen Guten und Verständigen heilige Sache deS Rechtes, der Ordnung, deS christlichen Gehorsams und der opferwilligen Nächstenliebe einstehen. Und in dieser Zuversicht können wir Hirten der Kirche, nach dem Vorgange unseres obersten Hauptes, ihnen nur die 1s gesegnetste Entwickelung wünschen und die unserer Leitung anvertrauten Gläubigen zur regen Theilnahme daran ermuntern, wie ich eS hiermit gethan haben will. Und nun schließe ich diese Worte treuen Hirtenmeincnö mit der Ermahnung des Apostels an Euch Alle: „Seyd nicht ängstlich besorgt, sondern in allen Dingen lasset Euer Anliegen im Gebet nnd Flehen mit Danksagung vor Gott kunv werben. Und der Friede Gotles, der allen Begriff übersteigt, beschirme Eure Herzcn und Eure Sinne in Christo Jesu, UebrigenS, Brüder, waS wahr ist, waS ehrbar, waS gerecht, waS heilig, was liebenswürdig, was guten Namen macht, was irgend Tugend ist, was zur löblichen Zucht gehört, das beherziget" (Philipp. 4.); und betet mit mir und mit der Kirche Gottes: Allmächtiger, ewiger Gott, der Du Deine Herrlichkeit allen Völkern in Jesu Christo geoffenbart hast, beschütze die Werke Deiner Barmherzigkeit, damit Deine über die ganze Erde verbreitete Kirche mit unerschütterlicher Treue in dem Bekenntnisse Deines Namens verharre, durch denselben Jesum Christum, unsern Herrn. Amen! (Folgt die Fastenordnung für das nächste Kirchenjahr.) Die Gnade unsers Herrn Jesu Christi sey mit Euch Allen! Amenl Gegeben zu Breslau, den 6. Nov. 1851. Melchior. Paintner, Secretär. nztloü tz-iÄ iii wms!' iiWllMinTmW N5ck1wol5 Slo Aphorismen anS einer Schrift des Marquis Donoso Cortes. nnng!,!« ni dii'Ni'Z zjj ,nwoiffiHSchMHin'^ 10. „Zwischen der katholischen Kirche und den übrigen auf Erden verbreiteten Gesellschaften besteht dieselbe Entfernung, als zwischen den natürlichen und übernatürlichen, den menschlichen nnd göttlichen Ideen.... Daö Christenthum hat dem Menschen die menschliche Gesellschaft aufgeschlossen, und als ob dieß noch nicht genug gewesen wäre, hat es ihm noch eine andere, viel größere und herrlichere Gesellschaft offenbart, welcher eS in seiner Unermeßlichkeit nicht Gränzen und nicht Ende gesetzt: diese hat zu Bürgern die Heiligen, welche im Himmel triumphiren, die Gerechten, welche im Fegfeucr leiden, und die Christen, welche auf Erden kämpfen. . . . Wer, als Gott selbst, der die Liebe ist, konnte Denjenigen, welche dicßseitö kämpfen, begreiflich machen, daß sie in Gemeinschaft mit Denjenigen stehen, welche im Fcgfeuer leiden, und Denjenigen, welche im Himmel frohlocken? Wer anders, als Gott selbst, konnte durch ein Band der Liebe vereinigen die Todten und die Lebendigen, die Gerechten, die Heiligen und die Sünder? Wer anders, als Gott, eine Brücke schlagen über diese Meere?" 11. „Der Unterschied zwischen dem Pantheismus und dem Katholicismus besteht endlich nicht daran, daß der Eine die Vergöttlichung deS Menschen läugnet, und der Andere sie behauptet: er besteht vielmehr darin, daß der Pantheismus behauptet, der Mensch sey göttlich von Natur, während der Katholicismus erklärt, daß er eS übernatürlicher Weise durch die Gnade werden kann. Er besteht darin, daß der Pantheismus lehrt, daß der Mensch, als Theil des mit ihm verbundenen Gottes, ganz in diesem aufgegangen ist, während der Katholicismus lehrt, daß er selbst nach seiner Heiligung, d. h. nachdem er von der göttlichen Substanz durchdrungen, noch die unverletzliche Eigenthümlichkeit seines eigenen Wesens bewahrt." 12. ... „Der Mensch »nd die Wahrheit gingen getrennten Weges: der unbezähmbare Stolz jenes wollte sich der Unläugbarkeit dieser, wie bescheiden sie auch auftrat, nicht anbequemen, Gott mäßigte dann die Augenscheinlichkeit der Wahrheit, indem er sie mit einer durchsichtigen Wolke umhüllte, und schickte dem Menschen den Glauben. Indem er ihm den Glauben sandte, schrieb er ihm diesen Vertrag vor: Ich theile daö Reich mit dir. Ich sage dir, waö du glauben sollst, und werde dir 13 die Kraft geben, es zu glauben; aber ich werde deinen freien Willen nicht mit dem Joch der vollen Offenbarung beschweren 13. . . . „Wer könnte die Gränzen bezeichnen in diesem geistigen Reiche zwischen dem göttlichen Willen und dem freien Willen deS Menschen? Wer sagen, wie sie neben einander hergehen, ohne sich zu verwirren, sich zu schaden? — Nur Eines weiß ich, o Herr! daß, arm und klein wie ich bin, groß und mächtig wie Du bist, Du mich dennoch eben so sehr achtest, als Du mich liebst, und so sehr liebst, als Du mich achtest; ich weiß, daß Du mich nicht mir selbst überläßt, weil ich aus mir selbst nichts kann, als Dich vergessen und mich verlieren. Ich weiß, daß Du, wenn Du mir die Hand reichst, mich zu retten, Du sie mir so sanft reichst, so zärtlich, daß ich sie nicht nahen siihle. In der Sanstmuth bist Du dem Zephyr gleich, in der Kraft dem Sturmwind. Ich bin von Dir hinfortgeführt worden, wie vom Sturmwind, und ich wende mich frei zu Dir, wie von einem leichten Winde getrieben. Du machst mich fortschreiten, wie wenn Du mich antriebest, aber Du treibst mich nicht an, sondern Du gehst mich bittend an. Ich bewege mich, und Du bewegst Dich in mir.... . 14. „Die Menschen nennen die täglichen Wunderwerke natürlich, und wunderbar die nicht alltäglichen. Die Thorheit Derjenigen ist schwer zu begreifen, welche die Macht, dann und wann Wunder zu thun, Demjenigen absprechen, welcher die täglichen wirkt. Was in der That ist dieß anders, als Dem, der mehr gethan, das Wenige absprechen? Oder, waS gleichbedeutend, Demjenigen, der immer wirkt, läug- nen, daß er es bisweilen thut?. ." 15. „Die Unwissenheit deö Verstandes ist gar nichts Anderes, als die Ablösung von dem göttlichen Verständniß; die Schwäche deS Willens die LoSIösung von dem höchsten Willen. Das physische Mißverhältnis?, durch die Sünde erzeugt, besteht in der Krankheit und dem Tode. Deßhalb ist die Krankheit nichts Anderes, als Unordnung, die Veruneinigung, die Störung deS Gleichgewichts unter den Theilen unseres Körpers..." 16. „Die Wollust deS Fleisches und die Hoffart des Geistes haben einen Namen: die Sünde. Die entschiedene Loöreißung der Seele von Gott und die der Seele vom Körper heißt mit einem Worte: der Tod. ." 17. „Von allen Geheimnissen ist das furchtbarste das der Freiheit, welche den Menschen zum Herrn seiner selbst macht, zum Theilnehmcr an der Göttlichkeit in der Führung und Regierung der menschlichen Dinge....." 18. „Wenn das Geschöpf nicht Freiheit genug hätte, um mit der Fähigkeit, die ihm Gott geseht, auf dem einen oder dem andern Wege z» ihm zu kommen, mit weicher Freiheit würde es den Hunger in Sättigung verwandeln, um srei zu seyn? ..." 19. „Der Mensch wollte durch das Band der ursprünglichen Gerechtigkeit und der heiligenden Gnade nicht mit Gott geeint bleiben, und sah sich dann durch das Band seiner unendlichen Barmherzigkeit mit ihm geeinigt. Wenn Gott den Sündenfall zuließ, so behielt er gleichsam den Erlöser der Welt im Rückhalte, ihn, der in der Fülle der Zeiten kommen mußte. Dieß höchste Uebel war nöthig um des höchsten Gutes willen, dieses ungeheure Ereigniß um deS maßlosen Glückes willen." 20. „Die Wissenschaft der göttlichen Geheimnisse ist die Wissenschaft aller Fragen." 21. „WaS die liberale Schule betrifft, so sage ich nur, daß sie in ihrer stolzen Unwissenheit die Theologie verachtet, nicht, weil sie nicht theologisch ist nach ihrem Zuschnitt, sondern weil sie theologisch ist, ohne es zu wissen. Diese Schule ist noch nicht so weit gekommen, und wird wahrscheinlich nie dahin kommen, daS enge Band zu verstehen, welches die göttlichen und menschlichen Dinge vereinigt hält. Sie verkennt ganz und gar die Verwandtschaft der politischen, socialen und religiösen Fragen; sie weiß nichts von der Abhängigkeit, in der sich alle auf die Regierung der Völker bezüglichen Aufgaben zu denen verhalten, welche sich auf Gott beziehen, den obersten Gesetzgeber aller menschlichen Gesellschaften____" 14 22. „Die Wissenschaft Gottes gibt Demjenigen, welcher sie besitzt, Scharfsinn und Kraft, weil sie zu gleicher Zeit den Geist schärft und erweitert. . . ." 23. „Unter den Menschen, welche ich kenne, — und ich kenne deren viele, — sind die einzigen, in denen ich einen unzerstörbar gesunden Sinn, eine wahre Weisheit, eine bewundernswürdige Fertigkeit in praktischer und weiser Lösung der schwierigsten Aufgaben fand, wie auch die Fähigkeit, immer einen AuSgang, immer ein Ziel zu finden für die verwickeltsten Angelegenheiten, Diejenigen, welche ein beschauliches und zurückgezogenes Leben führten . . . ." 24. „Wenn Gott nicht Diejenigen, welche ihn verachten oder mißkennen, diese Betrüger von Profession, zu einer beständigen Dummheit verdammte, oder wenn er nicht in ihre eigene Tugend einen Zügel für Diejenigen gelegt, welche mit reichlicher Kenntniß ausgestattet: die menschliche Gesellschaft würde weder der Weisheit der Einen noch der Bosheit der Andern haben widerstehen können. Die Tugend der beschau-- lichen, und die Dummheit der gewandten Menschen, das war das Einzige, waS die Welt in ihrem Daseyn und vollkommenen Gleichgewicht erhalten konnte. Es gibt nur ein Wesen in der Schöpfung, welches in sich alle Wissenschaft der Beschaulichen, und die ganze Bosheit Derjenigen vereiniget, welche Gott nicht kennen oder verachten, und verachten die geistliche Beschauung: daS ist der Teufel. Der Teufel hat die Wissenschaft der Einen ohne ihre Tugend zu haben, und die Bosheit der Andern ohne ihre Dummheit; und darin gerade besteht seine zerstörende Kraft und seine ungeheure Macht." „WaS die liberale Schule im Allgemeinen betrifft, so ist sie nur in dem Grade theologisch, als eö alle Schulen sind. Ohne eine bestimmte Darlegung ihres Glaubens zu geben, ohne sich damit zu beschäftigen, ihre Gedanken über Gott und Menschen, über das Gute und das Böse, über Ordnung und Unordnung ins Klare zu stellen, im Gegentheil ihre Verachtung für hohe Dinge zur Schau tragend, glaubt die liberale Schule an einen abstracten und gleichgiltigen Gott, von der Regierung in menschlichen Dingen durch die Philosophen bedient, in der allgemeinen Weltregierung durch gewisse Gesetze geleitet, welche er im Anbeginn der Zeiten festgestellt...." 25. „Was daS Uebel betrifft, so läugnet eS die liberale Schule in physischen Dingen, und erkennt eS in den menschlichen. Für sie lassen sich alle auf daS Uebel oder daS Gute bezüglichen Fragen auf die eine der Regierungsform, und alle Fragen der Regierung auf die der Legitimität zurückführen, in der Art, daß daö Uebel unmöglich, wenn die Regierung rechtmäßig, und im Gegentheil, wenn die Regierung unrechtmäßig, daS Uebel unvermeidlich ist Die Frage über Wohl und Uebel läuft also darauf hinaus, zu beweisen, welche Regierungen rechtmäßig, und welche usurpatorisch sind." Das Walten der göttlichen Vorsehung. Wenn je etwas den Menschen in eine ernste Stimmung versetzt, so ist eS gewiß der Wechsel eines Jahres. Blicke auf die Vergangenheil erregen in ihm die sonderbarsten Gefühle, und wohl dem, der denselben einen freien Lauf läßt und ihnen einen bleibenden Eindruck auf sein Herz gewährt. In der Gegenwart und jüngsten Vergangenheit wurde eine persönliche Gottheit mehr als je bezweifelt, ja mehr als je geläugnet, und doch gibt es kaum eine Periode in der Geschichte, wo sich die Eristenz und das Walten derselben mehr kund gibt als in dieser. Wer nur immer einen vorurtheilSfreien Blick auf die Ereignisse der Neuzeit wirft, kann den Finger Gottes nicht verkennen. I Einem Philipp dem Schönen von Frankreich, dem wohl Ironie seiner Zeit diesen Beinamen gab, ist der Reichthum der Templer und die Pracht ihres OrdenS- hauseS in Paris (der Tempel genannt) ein Dorn im Auge. Neid und Habsucht drängen ihn zu einem ränkevollen Kampfe gegen sie. Seine Pläne gelingen, der 15 Orden wird vertilgt, die meisten Glieder wenigstens der angeklagten Hauptverbrechen unschuldig, einem schmerzlichen Tode überliefert und aus dem prachtvollen Tempel wird ein königliches Schloß. — Da rollt eine lange Zeit vorüber und die That deS Königs ist bereits verschollen. — Doch plötzlich sehen wir einen tiefgebeugten Mann zum Richtplatz wanken, ruhig legt er sein Haupt auf daS Schaffott, daS Messer fällt und sein Blut färbt das Gerüst. Wer ist wohl dieser Mann? wer ist der Ort seines letzten Aufenthaltes, von dem man ihn auf den Richtplatz führt? Es ist — Ludwig XVI., ein Enkel jenes Philipp, und jener Ort ist — der Tempel. (Er wurde später ein Gefängniß.) Der Nachkomme mußte daS Verbrechen seines Ahnherrn sühnen. ,i!ZM<>(! j k's il i^kH^^lzIztH z!z HliÄiüK »ibä jpldN^t? lüH^f" auu 'l'/iwN75ll 4im 57tZi,^ ttlilt^ IV ^ . ^ l?sii :m, iU^i. bntt -M- ZiZ c>7ucp .zchiik Am Main sitzen die Führer Deutschlands, um dem Vaterlande in einer neuen Verfassung daS goldene Zeitalter zu verschaffen. Der Bischof von Münster stellt den Antrag, in dieser wichtigen Angelegenheit zuvor den Herrn um seinen Segen zu bitten und darum die Versammlung mit einem feierlichen Gottesdienste zu eröffnen. Ein Tumult im Hause ist'die Antwort, und mit Entrüstung eilt Raveaur auf die Bühne und ruft: Jetzt ist nicht mehr die Zeit zu dergleichen Frömmeleien. — Auch dieses Bild verschwindet, und bald sehen wir ein anderes: Die Versammlung ist aufgelöst, ihre Glieder sind zersprengt, Raveaur stirbt in der Verbannung und hat erfahren, daß eö doch noch Zeit zu dergleichen Frömmeleien war. Der Bischof von Münster aber weidet noch immer seine Heerde und genießt die Früchte seines GebeteS. 16 »»chnÜ7ZviHttv6> mls>rZVi!G Il)stl?m ziÄ ',ti>Ii>7» bi^ üli^H iiiZl Die heidnische Revolution macht aus der Kirche St. Genovefa in Paris ein Pantheon. Das Königthum hat nicht den Muth, dieses Monument der Schande, obgleich zur Ehre bestimmt, zu vertilgen. Da fällt der Thron von Neuem. Das Pantheon wir durch die Republik vertilgt, wie es durch eine Republik entstanden ist. UZ'M 7'MM>.7»i? »I'llltT »UZ Die Führer Israels verfolgten den Heiland, sie bewirkten das schreckliche: Ans Kreuz mit ihml Da kam das Blut des Gerechten über sie und ihre Kinder. — 2vl)l) Jahre sind verflossen und Israel verfolgt den Heiland von Neuem in seiner Kirche. Durch die Presse bewirkte eS den Ruf: AnS Kreuz mit ihr! — Aber sieh, die Strafe folgt in dem steigenden Hasse deS Volkes, und die Bitte der Stadtverordneten Prags an Se. Majestät ist eine Lerche, der bald andere zu folgen scheinen, die aber keinen Sommer verkündet. Kann man beim Anblicke dieser Fügungen das Daseyn eines persönlichen Gottes käugnen oder kann man vernünftiger Weise der Meinung Jener beistimmen, welche die Wunder unmöglich nennen? Nein! Wir leben in einer Zeit voll Wunder, und diese zu läugnen oder dem Zufalle zuzuschreiben ist eben so lächerlich, als die Worte der Pharisäer, welche sie Werke deS Beelzebub nannten. — Darum, wer Augen hat, der sehe und wer Ohren hat, der höre!! (T. Z.) — Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. VerlagS-Jnhaber: F. C. Aremer. Zwölfter Jahrgang. Sonntags-Beiblatt .timZillNsulö — 7,6Il^ tt'lt!l)^7Ä?n,ck7iA »is .lckitriüH ,in,??ciid»7uz ?»s?i«t Augsburger Postzettung. 7«It .»iLnai'st-W -.iijliitT mi i^i!>U-i(k t^Zii^ n^M — '.»,7s!r>ch, 18. Januar S. 185S. ÄN» nilN vs — ,ri,IIr, nMiii. bi^i^l^ ,IM ,i,nch'^ er gar dauernden Schaden zuzufügen; denn — das gutgesinnte, katholische Volk daselbst hat seine eigentliche Stütze, seinen festen AnhaltSpunct in solchem Bezüge lediglich bloß im Bischöfe, dem der Missionär als Vermittler dient; — wenn Bischof und Missionär zagen, wanken, thatloS stehen, so fällt und stürzt — rascher, denn sonst — der kirchliche Sinn und Geist deS Volkes in Amerika zusammen. Mit kurzen Worten gesagt: der Bischof, oder — in dessen Namen der Missionär in Amerika muß bald möglichst eine Kirche bauen, muß hiezu Capitale auS- leihen, muß die Schuldenlast auf die Baute selbst legen, und muß Jahrlang eben so schwere Sorge tragen, um endlich sie frei zu machen. Eine süße, eine edle, eine völlig himmlische Freiheit für ihn, für die Seinen, für die geweihte Braut deS Herrn I — Bei derartiger Sachlage darf es wohl kaum wundern, wenn selbst aus den großartigen Städten Amerikas herüber dieser und jener laute Nothruf geschieht an die treuen Freunde dießseitS im deutschen Vaterlande; wenn Bischöfe und Missionäre — fast in die Wette — alle guten Geister beschwören, um Hilfe zu bringen, um--der Verzweiflung Einhalt zu thun! — Noth bricht Eisen; die Noth der Bischöfe und der Missionäre ist zumal drängend allerwärtS, ist keineswegs bloß eine personelle, d. h. für die materielle Eristenz, sondern eine universale, eine gemeindliche, eine katholische. Sohin — was von der einen, ersten Classe der amerikanischen Missionäre gilt, gilt auch, und zwar in vielfältigem Grade, von der zweiten Classe derselben, d. i. von jenen, welche auf dem sogenannten Lande leben, — welche wandernde Apostel seyn müssen. — Der Landmissionär — von seinem Bischöfe ausgerüstet mit namhaften, geistlichen Vollmachten, aber — statt deS Anfangs doppelt nothwendigen BaarvorschusseS, nur mit der ganzen Fülle deS apostolischen Segens, wie mehr denn doppelt noth thut; — also, der Landmissionär zieht zu einer der angewiesenen Gemeinden hin, und schlägt seinen Sitz auf im nächstbesten Farmerhause, daS ihn gastlich bewillkommt; der einfache Tisch der Familie ist der seinige auch; die Liegerstätte bereitet ihm die sorgliche Hausmutter dort in irgend einer noch freien Ecke deS Zimmers, manchmal nur auf glattem Boden, wo Strohsack und Wollteppich oder dergleichen die ganze Herrlichkeit ausmachen; ein Linnentuch, von oben herab gehängt, sondert den geistlichen Gast von dem übrigen Hausvolke, das gewöhnlich — aus Mangel anderer Localitäten — in demselben Gemache sich zurecht findet. — Alsbald am nächsten Morgen schaut der Missionär sich um: ob der Farmer selbst, oder ein Nachbar irgend eine Scheune, eine Tenne besitze, zur Abhaltung deS heiligen Gottesdienstes; — glückt der Fund, desto besser; — sonst übriget freilich nichts, als sich des gastlichen Familienzimmers zu bescheiden, und dort — statt des LagcrS — die heilige Altarstätte aufzuschlagen; wie denn? ganz einfach — entweder durch Hinordnen des Tisches, oder durch Uebereinanderstellen zweier Kisten, welche die HauS- und Leiogeräthe der Familie herüberbrachten, oder endlich durch Einbohren von ein paar IS Hölzern in die Wand deS Zimmers, welche aus rohen Eichstämmen besteht, und darüber etwa einen solchen Kistendeckel zu befestigen, und daö ganze Gerüste mit dem Weißzeuge aus der Garderobe der Hausmutter zu bekleiden; — als Ertrazier solch eineS Kunstaltars verschafft der Missionär sich zuweilen noch eincn^Shawl der Hausfrau, heftet ihn ob dem Altare gleichsam zum Baldachine, unv sucht, wo möglich, ein Crucifix oder religiöses Bild als Altarblatl in dessen Mitte anzubringen; zuweilen trifft eS, statt solcher Gegenstände bloß den eigenen Rosenkranz aus der Tasche zu langen, und gehörig in Herzform aufzuheften, damit der Vorschrift in allwege Genüge geleistet sey. Laufs der Zeit streckt der Missionär seine Gedanken nach weitern Planen aus, indem er die Gemeindemänner allgemach um sich sammelt, und ihnen an's Herz legt, wie nothwendig die Baute einer eigenen, kleinen Kirche — vorerst aus Holz — bleibe; — er entwirft die Skizze hiezu, d. h. schlägt Größe und Anordnung der Theile vor, namentlich deS FenstereinsatzeS, um nicht daS eine Höher, das andere weiter, daS dritte und vierte abermal verschieden sehen zu müssen, weil die Rahmen hiezu gewöhnlich schon in Städten zu Kaufvorräthig sind; woher selbe bezogen werden. Ein wichtiges Augenmerk für den Bauzweck hat der Missionär dem zur Kirche dienlichen Terrain zuzuwenden; vor allem muß er auf den dermaligen, oder — noch eher — auf den künftigen Mittelpunct der Gemeinde schauen, damit keine Rivalitäten entstehen mögen; sodann muß er unabweichlich darauf bestehen, daß der Baugrund — je mehrere Acres (Jucharte) desto besser — vom Eigenthümer gesetzmäßig abgetreten werde an den resp. Bischof der Diöcese, oder — nach gewöhnlicher Sprachweise: daß der veeä (Kaufbrief) auf den Namen des Bischofs laute, entweder glatt- hin, ohne irgend einen Vorbehalt, oder nur unter einfacher Bedingniß der Verwendung deS Grundes zu dem Kirchenbaue; denn — gar gerne läßt der deutsche Farmer sich von irgend einem dünkelhaften Sprudelkopfe seines Stammes weiß machen: das Kirchengut in Amerika solle und dürfe nicht unmittelbar dem Klerus unter die Hände kommen, sondern müsse stets allerwege solcher Abhängigkeit entzogen, folglich, bloß unter directer, alleiniger Verwaltung der Gemeinde, resp, ihrer Ausschüsse oder Gewalthaber (truswes) stehen bleiben. — Woferne der Missionär versäumt, jene entscheidende Forderung durchzuführen, ist auch — leider! zu sehr schon — einer endlosen Kette von Zwisten, Wirren und Scandalen der bösesten Art das Anfangsglied geschmiedet. — Es schreiben sich hievon her all' die Ercommunicationen und Jnter« dicte, womit die Bischöfe Amerikas vielfach diese und jene Gemeinde belegen mußten, bis wieder in die rechte Bahn deS Friedens, des Heiles eingelenkt ward. — Betreff der Plätze für Gottesacker, Schule und Pfarrhaus hat es in solcher Rücksicht schlechtweg die nämliche Bewandtniß; soll nämlich jedem möglichen Anstoße vorgebeugt seyn, so hat der Missionär zur nächsten Aufgabe, den vesä hierüber in beste Ordnung zu bringen. UebrigenS — zu Ehre der meisten katholischen Gemeinden Amerikas sey gesagt, daß sie von vorneherein niemals schon den Willen haben, sich mit ihrer Geistlichkeit in irgend eine Spannung zu setzen, noch minder hartnäckig auf unbilligen Ansichten und Forderungen bestehen; nur erst das tückische Spötteln und gleißnerische Lobhudeln der Freiheit unv Selbstständigkeit aus dem Munde eines sogenannten VolksfreundeS, eines hohlen Schwätzers, eines elenden Schmarozers treibt allgemach argen Spuck im Gehirne und Herzen deS sonst schlichten, deutschen SettlerS, und verwirrt ihm beide — fortschreitend — zu völliger Stumpfheit gegen jede, vormals richtige, bessere Ueberzeugung. Gleichwohl aber — Gott Lob! ist der tüchtige, kluge Missionär noch durchweg im Stande, solchen Schwindel der Verführten, nicht doch der Verführer selbst, durch nüchterne, parteilose Erklärung der Sache zu heilen, und die Sache in's rechte Geleise zu bringen. Es kehrt Vertrauen, Ordnung, Friede und Segen zurück in alle Herzen, die frommen Willens sind, unv — dagegen den nachtschwarzen, blutrothen Molchen, welche — selbst bodenlos — den Boven unterwühlten, tritt allgemeine Verachtung auf den Racken! so Hat der Missionär seine Gemeinde — gleichsam die Erstgeburt seiner Liebe, oder — seiner Schmerzen, daher doppelt geliebt — die Urpfade des socialen LebenS durchgeführt, dann wandelt er Hand in Hand mit ihr zuversichtlich vorwärts in festem Schritte nach dem Ziele der Bestimmung, welches kein anderes ist, als — die fortdauernde, sittliche Besserung von innen heraus, der immer kräftigere Aufschwung deö Geistes zum Einen, höchsten Gute oben im Himmel, und die unzertrennliche Verbindung mit demselben in seliger Freude. — Dieß und bevorab dieß muß der Leitfaden deS katholischen Missionärs seyn in all' seinem Wirken, in all' seinen kirchlichen Diensten, in all' seinen Beziehungen zu der anvertrauten Heerde Christi deö Herrn; — so, und nur so kann, wird sein Vortrag, sein Unterricht am Altare — denn eine Kanzel hat er Anfangs nicht — von gutem Erfolge bleiben, und wird reichlich gesegnete Früchte tragen für die Glieder der Gemeinde, klein und groß; — falls übervem noch, wie gewöhnlich, andere Settier — Nichlkatholiken — daselbst leben, wird ihnen daS thätige erbauliche Glauben und Leben sowohl deS Missionärs als der katholischen Glieder eine vollständig heilsame Predigt seyn, und sie werden sich allgemach als bereitwillige Schüler zu dessen Füßen setzen, um dem Zuge der Gnade von Oben zu folgen, und den Flugsandboden ihrer bisher blinden Nachbeterei oder Selbstmeinung mit dem Felsengrunde deS klaren Bewußtseyns in dem Schooße der Einen katholischen, apostolischen Kirche glücklich zu verrauschen, nimmer, ewig nimmer zu verlieren. Eine der schwersten Aufgaben (eben so schwer sie zu schildern) ist die Schule; die geübtesten Denker, die umfassendsten Beobachter haben eingestanden, daß eine genaue Beschreibung des UnterrichtSwesenS zumal in Amerika vorerst nicht in Möglichkeit bleibe, sondern daß eben nur die Hauptumrisse mit einigen markirten Nebenlinien geliefert werden können. — Deßhalb hier bloß zu einiger Verständniß des überwichtigen Stoffes wenige Worte; die katholischen Missionäre auf dem Lande dürfen — ohne Gefahr schwerer Schuld — nie und nimmer anrathen, daß die katholischen Kinder schlechthin die sogenannten Comonn-, d. h. Gemein- oder StaalSschulen besuchen; sie dürfen kaum jemals erlauben, daß die Eltern ihre Kinder unbedingt dahin schicken; sie müssen — gegentheils — darauf dringen, daß die katholische Gemeinde mit äußerster Anstrengung auf Errichtung einer eigenen Schule bedacht bleibe. — Die einzelnen Gründe dessen liegen in dem amerikanischen Schulwesen selbst, und würden hier zweifelsohne auch die langmüthigste Geduld der Leser erschöpfen, so namhaft übrigens ihr Interesse ist. — Aber — wie rettet der Missionär sich selbst, und seine Gemeinde, und deren Kinder aus dem Doppelstrudel der Scvlla und CharybdiS? welche Auswege schlägt er ein, um daS heilige Glaubensschiff der Kleinen an'S sichere Ufer zu bringen? Gar einfach dadurch, daß er--selbsteigcn — Schule hält, — daß er — dem himmlischen Vorbilde, seinem Herrn Jesu nach — die Kinder um sich sammelt, und ihnen die Lehre deS Heiles in's Herz pflanzt. — Art und Welse dessen lehrt ihn — vorab der praktische Verstand, unv sollte es ihm vielleicht daran mangeln, so muß die christliche Liebe auShelfen. — Nun die kleine Zwischenfrage: wo hält der Mann GotteS seine Schule? in welchem Locale?— Ach! die a>me Blockhütte seines Herbergers muß hiezu dienen, oder — daS hölzerne Kirchlein, so er dort zu errichten daS Glück gehabt hat; — in wie ferne solche Gelegenheiten auch wirklich geeignet seyen, mag ohnschwer Jedermann schon genugsam ermessen; aber — die Noth ist die beste Lehrmeisterin. Eine zweite Frage: warum nicht eigentliche Schullehrer, d. h. Männer vom Fache angestellt werden? beantwortet sich kurzhin damit: daß die katholischen Gemeinden auf dem Lanre noch alle zu jung sinv, um die nöthigen Geldmittel zum Solde eines bestimmten Lehrers erübrigen zu können, obgleich ihnen tief im Bewußtseyn liegt, daß solche Opfer die reichsten Hinterlagen zum wahren Wohle ihrer Kinder bleiben; — allein — anderseits soll doch wieder für'S materielle Leben zunächst gesorgt werden, und dieß Streben findet leicht einen liebsamen Ruhepolster an der Bereitwilligkeit des apostolischen ManneS — deö Missionärs, sich diesem wichtigen GotteS- «1 berufe — dem Jugendunterrichte — ohne Entgelt zu weihen. — UebrigenS gebührt vielen katholischen Landgemeinden Amerikas schon langehcr das gerechte Lob, daß sie ihr Bestes gethan haben in solchem Bezüge, und daß auch die mehrsten Schulen sich des preisenswerlhesten Erfolges erfreuen, woferne die Lehrer an Hand ihrer Geistlichkeit arbeiten mit heiligem Eifer, nicht bloß um des eigenen, materiellen Interesses halber, oder gar — — im heimlichen Geiste der sogenannten Emancipation von aller kirchlichen Leitung und Aufsicht. — Nach alle dem zeigt das Bild eines kaiholischen Missionärs in Amerika — neben dem wesentlich nöthigen Schlagschatten — gar manche, lieblich anziehende, zuweilen sogar romantisch schöne und großartige Lichlpanhie, und eS schwellt unfehlbar jede fühlende Brust, erhebt unwillkürlich jedes theNnehmende Herz, solchem GotteSwerke alle möglichste Förderung zu wünschen. Der Missionär selbst bleibt hinter den frommen Wünschen dieser Art nicht zu, rück, sondern er opfert sich thatsächlich ihrer kräftigen Ausführung nach Maaß seiner Kräfte, ja wohl gerne über dasselbe hinaus, weil überzeugt, daß nur außerordentliche Hingabe den heiligen Beruf zum Gedeihen bringt, und zum unsterbliche» Leben erhebt. — In Folge dessen kommt dem Missionär immerhin ganz genehm die rasche Erweiterung seines Wirkungskreises, indem sich hier wieder eine Station, und dort eine zweite, und anderSwo eine dritte bis zu einer sechsten und zehnten — anmeldet, um von ihm geistlich versehen zu werden. — Allerdings sind die Entfernungen derselben eben nicht selten auf zehn und zwanng und fünfzig englische Meilen ausgedehnt; und eS fehlt wohl noch oft an rechten Communication. Mitteln, d. h. Neisegelegcn- heiten; indeß' — die Liebe ist allerfinderisch, und sie weiß auch dort Raih, wo der enge Verstand oft rathloS bleibt; — der Mann GolteS schnürt sich im schlimmsten Falle sein Ränzchen, gefüllt mit allem nöthigen Apparate einer Mission, uud trollt zu Fuß entlang der Openings und Prairien, welche endlich zur gewählten Station kommen lassen. Dort knüpft er getrost und mnthig den abgebrochenen Faden seiner Lehre wieder an, und legt die überstandene Mühsal srommgläubig auf den Altar des Herrn, dem er dieß Opfer in Liebe gebracht hat. Einen wesentlichen Moment des katholischen MissionärlebenS bildet ganz natürlich auch die Krankenpflege, welche vorzugsweise in neuen Ansiedelungen fast allcnvärts mehr oder weniger streng in Anspruch nimmt; denn — die leidigen Wechselfieber, gewöhnliche Folge der Reisestrapa^en, der vielen anfänglichen Entbehrungen in Nahrung und Wohnung, — ja des oft schwernagenden GrameS über das verlassene Glück der Vaterhcimat, und der bittern Sorge — alltäglich — um willen des lieben Brodes am künftigen Morgen, am folgenden Abend: ach! die Schauer jener Wechsel- fieber brechen zumal den meisten Neueinwandercrn drüben so an Körper als an Geist alle Kraft, allen Muth, alle Hoffnung und malen der krankhaften Phantasie ein Zukunfrbild vor, dessen Schreck selbst dem Tode den Schrecken benimmt, ihn als willkommensten Freund mit kalter Hand noch fenrig begrüßen macht. Wer zählt die Seufzer, wer die Thränen, so da in einsamer Hütte im dichten UrWalde, oder ans endloser Prairie, dem gebrochenen Herzen, dem matten Auge ausgepreßt werden? — wer erfaßt und würdiget genugsam die Tiefe nnd Weite deS Schmerzes, so sich über Familie an Familie ergossen hat, nachdem das Wechselficber dort Einkehr genommen? — Man mnß die fahle Farbe, das eingesunkene Auge, den schorfigen Mund, den eisigen Frost, oder den großperlenden Angstschweiß, ach! man muß den leibhaftigen Tod in den letzten Zügen selbst gesehen haben, um da den ganzen, herben Eindruck vor die Seele zu bringen, und sie lreumitleidig zu machen! — Der Missionär — kaum angelangt in der Station — hört die Jammerbotschaft, und beflügelt dann schon seinen Schritt, als Trostbote, als Friedensengel in die niedrigen Hütten zu eilen, dort das malle Flämmlein des Glaubens, der Zuversicht, der Geduld und Ergebung wieder unzu- fachen, und neuen Lebensbalsim in die Todeswunden einzuträufeln. Welch' seliges Bewußtseyn ihm, — welch' Uebermaaß von Wonne ihm — dieser geistliche Beruf, diese volle Ausstattung mit himmlischen Gnaden- und Heilsschätzen! — Und — wenn der Missionär nebstdem noch im Stande ist, dem hilfbedürftigen Kranken mit eigener Hand SS leibliche Hilfe zu leisten, ihm gedeihlichen Rath der Pflege zu ertheilen, oder gar — ein einfaches, sicherwirkendes Arzneimittel einzugeben, ohne eben erst hiezu eines Doctorat- Diplomeg zu bedürfen: o wie süß und erquicklich im Herzen, wie vortheilhaft und großartig stellt sich da abermal der Beruf des katholischen Missionärs heraus, und sichert ihm daS Anrecht auf den würdigen Lobspruch: ein ächter, thatsächlicher Freund der Menschheit zu seyn! — Im Nachgange dieser Hindeutung auf medizinische Kenntnisse von Seite deS MissionärS in Amerika bedarf es für Unterrichtete keiner weitem Meldung, daß daselbst vorläufig noch keine Privilegien bestehen, kraft deren bloß gradnirte Aerzte befugt seyn, Kranke zu behandeln, die sich ihnen anvertrauen; daß dem nicht also ist, bringt freilich den nächsten Uebelstand einer ausgebreiteten Quacksalberei, und eincö vielseitigen PrellenS mit allmächtigen Wunderpillen, Wunderessenzen, Wunderlinklurcn :c.; gleichwohl liegt anderseits klar am Tage, daß — systematisch todtcurirt nicht besser sey, als empirisch mißglückt, — und daß der Vortheil immerhin größer bleibe, je einfacher und schneller und nachhaltiger dem Patienten geholfen wird. — Abgesehen von aller PrariS gegen Andere — darf kaum in Zweifel gezogen werden, daß dem Missionär eine solch' einfache, verläßliche Curart für seine eigene Person, — wenigstens auf dem Lande — gleichsam nothwendige Kenntniß ist, woferne er sich aufrecht halten will in dem vielbeschwerlichen, vielgefährlichen Wirkungskreise. — Vorsicht schadet gewiß niemals.— Einen namhaften Vorschub zumal leistet dem Missionär in seinem heiligen Berufe solch' bescheidenes Handhaben der Medizinen, falls es ihn trifft, unter die Urvölker deS Landes, die sogenannten Indianer, zu wandern, und ihnen den heiligen Glaubensboten zu machen; — zwar haben dieselben gewöhnlich große Kenntnisse der wohlthätigen Heilkräfte von Pflanzen, Säften:c., und wissen sich schnell zu helfen in Alletags-Krankhei- ten; doch — bekanntlich hat daS gelbe Fieber, in jüngster Zeit die Cholera, gar schreckliche Verwüstung unter ihnen angerichtet, so daß beinahe ganze Stämme davon ausgerottet wurden. Wie erfreulich mithin für den katholischen Apostel derselben, Balsam deS Lebens an Seele und Leib zu spenden, und dem Lande, daS der Herr ihnen gegeben, ihre Nachkommenschaft zu erhalten, der Kirche deS Herrn, die sie aufgenommen hat, einen eben so frommen, als kernigen Zuwachs zu gewinnen. Hier böte sich gar schöner Anlaß, den katholischen Missionär Amerikas in seiner erhabensten Größe— als Indianer-Apostel — zu schildern, und die wahrhaft übermenschlichen Verdienste in'S Licht zu stellen, so er da erwerben kann, wie selbe bereits forthin von einzelnen Helden dieser Art — leider! an Zahl zu wenige — erworben werden; allein — zunächst fordert der hohe Gegenstand eine Feder, welche aus selbsteigener Erfahrung schreiben kann, um die Aufgabe würbig und wahr zu lösen. Die St. Paulskirche in Rom. Rom, im December 1861. Die Entfernungen, welche in dem großen Rom die heiligen Stätten von einander trennen, erlauben es gar manchem Bewohner der Stadt, nur nach Monaten sie wieder zu besuchen. So erging eS auch unS: eine geraume Zeit war verflossen, seitdem wir am Grabe des heil. PauluS in der großen schönen Basilika, die seinen Namen trägt, zum letzten Male halten knieen können, als endlich ein freundlicher Tag erschien, welcher zur bekannten Pilgerfahrt in die sieben Hauptkirchen unS einlud. Welch herrliche Erinnerungen umgeben da den Pilger, wenn er zur frühen Morgenstunde die noch schlummernde Stact verläßt und deS Weges gen St. Paul zur alten Via OstiensiS hinauf wandert! — Da liegt zur Linken daS Forum mit seinen Tempelresten, mit seinen gestürzten Säulen, mit seinen Triumphbögen, so todt und still und wüst,, wie'S einst in den Herzen der heidnischen Menschbeit mag ausgesehen haben; und obendrein schaut düster und grimmig, wie daS Schicksal in'S heidnische Leben, der PalalinuS, als wollt' er jeden Augenblick daS ruinengekrönte Haupt schütteln unv die Trümmer der goldenen Burg, die einst der grausame Nero S3 sich erbaute, dort unten hin auf die christlichen Kirchen hinabstürzen. Aber daS Jammergeschrei der Christen, das hier oft ertönen mußte, wie die SicgeSgesänge der Heiden, — denn unser Fuß steht auf der alten Triumphalstraße — sind verklungen; der Geist deS blutgierigen Nero, welcher nach einem römischen Volksliede in die Ruinen seiner Burg gebannt ist und nun dort unten in den schauerlichen Gewölben herumheult, mag in unserer Zeit noch einmal auf die Wiederkehr der alten Tage gehofft haben, vergebens, sie sind überwunden: daS sagt uns der freundliche AventiuSberg, zu dem wir jetzt hinansteigen. Wohl auch herrscht hier eine Stille, aber eS ist nicht die der düstern heidnischen Trauer, sondern die Stille und Trauer der christlichen Buße in den hier blühenden strengen Orden; wohl auch ist hier Berg ab und Berg an eine Triumphalstraße gebaut, aber von den Händen der eifrigen Zöglinge deS JosephvereinS zum Triumph für die christliche Nächstenliebe. Und die Siegeszeichen, die hier daS Auge erblickt, sind die Trophäen der christlichen Ritterorden. Auch sie haben zwar den veränderten Zeiten weichen müssen, aber ihr Geist ist nicht gebannt und ihre Burgen sind nicht in Trümmer zerfallen, denn eS walten und wirken an ihrer Statt hier viele Andere und kämpfen den Kampf deS Geistes. Und werfen wir nun beim Hinabsteigen einen Blick in die Ferne, da sehen wir unten hingebreitet auf die üppige Wiesenflur, von grünenden Bäumen umschattet den herrlichen Dom deS heiligen Paulus, daS Ziel unserer Wünsche. Die Tiber, welche sich zu unsern Füßen so neckend und willkürlich durch die Weinberge hinschlängelt, wendet auf einmal den Lauf ihrer gelblichen Fluchen, als wollte sie dem Grabe deS Weltapostels ihren Tribut darbringen. Doch bevor wir an diesem Grabe knieen, sollen wir noch einmal an die Vergänglichkeit alles Irdischen erinnert werden. Zur Rechten am Wege erhebt sich der sogenannte Scherbenberg, eine beträchtliche Anhöhe, welche auS Aschenkrügen, Urnen, Trinkschaalen und Gefäßen aller Art, die vor Jahrtausenden in Brauch waren, gebildet ist. Ohne Ordnung, mit Gras und Moos überwachsen, liegen hier die Bruchstücke durcheinander, viele in ihrer noch kennbaren classischen Form, andere mürbe und zerfallend. Näher, als bei den Trümmern großer Bauten, tritt hier der Gedanke dem heidnischen Privatleben, aber um so mehr bewegt und belehrt er. Wenn wir nun eintreten in die breite Baumallee, welche unS die Aussicht auf den Chor der Basilika eröffnet, so können wir das niedliche Capellchen zur Linken nicht unbemerkt lassen. Die uralte Ueberlieferung sagt, daß hier PeiruS und Paulus, als sie auS dem Mamertinischen Gefängniß zur Marterstätte geführt wurden, sich trennten. Paulus, als der römische Bürger, ward zur gewöhnlichen Richtstätte der Römer geführt, Petrus aber zum Stadtviertel der Juden, welches durch das jetzige TraStevere bis zum Vatikan hin zerstreut lag. Die Tradition bestand noch in einer Zeit, wo man von der alten Lage der Stadt, von der Richtung der Straßen und der Richtstätte der Kaiserzeit nichts mehr wußte. Die neuesten Entdeckungen der Art haben aber die Voraussetzungen jener Tradition genau bestätigt. So treten wir denn endlich, von heiligen Empfindungen der Ehrfurcht und Andacht durchdrungen, in die weiten Hallen der Basilika ein, und zwar zuerst von der Seite deS rechten KreuzarmeS. Diese Kreuzarme, welche den Chor der Kirche bilden, sind bereits vollendet Schreiten wir voran bis zur Mitte: die staunenS- werthe Größe, und doch die Feinheil der Ausführung in der Arbeit, die kostbaren Steinarten, der Alabaster, der mannigfach verschiedene Marmor, und dabei doch eine edle Einfachheit, der größte Reichthum, und doch keine Ueberladung, das Alles fällt unS zwar sofort in die Augen, kann uns aber nicht abHallen, zuerst an dem Grabe deS Weltapostels, an dem Altar, der in der Mitte der Kreuzarme unter gothischem Baldachin sich erhebt, unsere Andacht zu verrichten. Dort unter dem Altare brennt ein Licht über den Reliquien dieses heiligen Apostels; dort tief unten in den Katakomben ruhte schon sein Körper sofort nach dem glorreichen Martertode. Diese Stätte und dieser Altar mit seinem Baldachin blieb von dem verwüstenden Brande verschont, der die alte Basilika in Asche legte. Dem 13ten Jahrhundert soll die gothische Arbeit L4 angehören; unfein ist sie zwar, aber ehrwürdig und zur Andacht stimmend. Ein neuer Baldachin wird sie umkleiden, gestützt auf Säulen von orientalischem Alabaster; Zur Geschichte der kirchlichen Bewegung in England. DaS eben erschienene „Catholic Directory" bringt uns interessante Notizen über die Fortschritte der katholischen Kirche in England. Zunächst enthält dasselbe ein Verzeichnis; der bekanntern Personen, welche in England im verflossenen Jahre zur katholischen Kirche zurückgekehrt sind. Die Zahl der anglicanischen Geistlichen, welche im verflossenen Jahre in den Schooß der Kirche ausgenommen sind, beträgt 32. Es sind die Herren: F. S. Barff und T. Dykes, CurateS (Capläne) zu Hull, H. Bedford, Curate zu Horton, DanverS Clarke, Mg. srtium, vom Ereter College zu Oxford, Landdechant und Rector (Pfarrer) von Jping in Susser, Evm. Coffin, Curate von East Farleigh in Kent, G. L. Coghlan, Curate von Torquay, I. CollinS, Mg, srtium zu Liverpool, DodSworth, Jncumbent (Pfarrer) von St. Pancrcis in London, J.E. Carle, Jncumbent zu Branford, Harper, von St. Peter in Pimlico, S. B. Harper, von St. Ninian in Perth, F. Hathaway, Fellow deS Worcester College zu Orford, früher Jncumbent von Shadwell bei Leeds, I. H. Jerrard, Dr. jur. cgn., Mitglied deS SenalS der Universität London und Examinator für Philologie und Geschichte, früher Fellow und Tutor im Cajus College zu Cambridge, W. I. C. Hulchinson, Curate von St. Endellions, R. A. Johnstone, James, Lapri- mandaye, CurateS des Archidiacon Manning, Hon. und Rev. I. Towry Law (Bruder deS Lord Ellenborough), Kanzler der Diöcese Bath und WellS und Vicar (Pfarrer) von Harbourne, W. M. Lethwaite, Jncumbent von Clifford, Manning, MZ. srtium, Archidiacon von Chichester, I. Orr, Curate zu Bristol, I. R. SHort land, NsZ. srtium, aus dem Oriel College zu Orford, Curate von Kibworth, I. Rodwell zu Cambridge, I. Scralton, Nsg. grtium, vom St. JohnS College zu Cambridge, Vale, an der Buckingham-Palast-Capelle, Edw. Walford, srtium, vom Balliol College zu Orford, I. H. Woodward, Jncumbent zu Bri- tzol, und H. Crombs, I. G. L, Crawley, I. Minster, S. P. Rooke und R. Ward, alle von der St. SaviourSkirche zu LeedS, Zu New-Uork sind die Geistlichen W. Evert und F. Elliot White zur katholischen Kirche übergetreten. Die bekannteren Convernlen aus dem Laienstande sind: Lord Nigel Kennedy, Bruder des Marquis von Ailsa, Hon. Gilbert Talbot, die Marquise von Lothian, Lady Newry, Lady Catharine Howard, Tochter deS Carl von Wicklow, Lady Emma Ch. Peat mit ihrer Familie, Admiral Sir I. Talbot, I. Simcon, Parlamentsmitglied für die Insel Wight, Sir Vere de Vere und Lady de Vere, Serjeant BellasiS, Sam. Grimshaw Esq. und Familie, Capilän Paterson, Bruder des Rev. Paterson, Ch. Dashwood Esq, James N. Hope Esq., O. C. (königlicher Rath), Capitain Halivurton vom 78sten Regiment, mit Frau und Tochter, Robert Biddulph PhillipS Esq., Neville Esq., Aubrey de Vere Esq, Verfasser der „Reisen in Griechenland" u. f. w., Lieutenant Ernst Nightingale, Neffe des Lord Ellenborough, Miß Scott, Aebtissin des protestantischen Klosters zu Perth, Miß Law und andere Damen auS dem Kloster zu Kuighisbritge und in Margaret-Streel, u. s. w- Die Zahl der Priester beträgt über 80(1 und die der Kirchen und Capellen über 600. Die meisten Kirchen und Capellen haben die Diöcesen Birmingham und Liverpool (je 84), die wenigsten Newport (18). Die meisten Priester haben die Erz- diöcese Westminster und die Diöcesen Birmingham und Liverpool (jede gegen 120), die wenigsten Plymouth und Newport (23 und 20). -____ Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. VerlagS-Jnhaber: F. C. Kremer. (Schluß folgt.) zZiiItz5Ioiö li'ich'jim?>l IM ->»G >lZMi!??uvch'l nsÄ n s.'imN M -lü Zwölfter Jahrgang. Sonntags-Beiblatt zur Augsburger Pojtzeitung. S5. Januar äll. 185S. Dieses Blatt erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der halbjährige Abonuementsprei« 4tt kr., wofür es durch alle königl. bayer. Postämter nud alle Buchhandlungen bezogen werden kaun. Charlotte Henriot, oder Ergebung und Aufopferung. *) I. Der Tod einer Mutter. Die Glocke der Pfarrkirche von St. Wulfran in Abbeville ertönte in langsamen Schlägen; ein Priester, vor dem Tabernakel stehend, entnahm eilig dem Hei- ligthume die heiligen Oele und die heilige Hostie, schloß alles in einen rothsammtnen Beutel und barg diesen an seiner Brust. Dann, Chorhemd und Stola unter seinem Mantel bergend, bloßen KopfeS, durchschritt er hastig mehrere Straßen, ohne daß, Dank den sonderbaren Einrichtungen unserer Zeit, Jemand geahnt hätte, der Schöpfer der Welt schreite in diesem Augenblick durch die Menge, demüthig, verborgen auf der Brust eines Sterblichen, und entschlossen, alle Erniedrigungen zu dulden, um einem sterbenden Wesen das Pfand der ewigen Glückseligkeit zu sichern. Unter der Fülle seiner Gedanken gleichsam gebeugt, eben so wie in Ehrfurcht vor dem lebendigen Gotte, den er so zu sagen unter seiner Hand fühlte, kam der gute Pfarrer bis zu einem bescheidenen Hause, dessen Aushängeschild die Worte trug: Henrior, Tuchhändler. Er durchschritt den verlassenen Laden, stieg die Treppe hinauf, und wurde oben von einem laut weinenden Manne empfangen: „Ach, kommen Sie, Herr Pfarrer, sie hört nicht auf, nach Ihnen zu fragen!" Der Pfarrer grüßte und folgte dem untröstlichen Gatten in ein Zimmer, welches starker Aethergeruch, die Folge der letzten bei der Sterbenden angewandten Arznei, erfüllte. Im Hintergrunde, auf einem mit Sorgsalt bereiteten Lager ruhte eine junge Frau, deren Züge in den Schmerzen und der Blässe des Todes noch anziehend erschienen; sie hielt ein kleines Crucifir in ihren Händen, und horchte mit frommer Sammlung der Stimme einer alten Dienerin, die ihr vorlas, indem diese, von Thränen fast erstickt, es versuchte, ihre Herrin durch einige Sprüche des vierten BucheS der Nachfolge Christi zur letzten heiligen Wegzehrung vorzubereiten: „Der größte und einzige Trost der Seele, so lange der sterbliche Körper sie noch von Dir entfernt hält, ist der, sich oft ihres GotteS zu erinnern, und ihren Geliebten mit zärtlicher Andacht zu empfangen." „O selig das Herz, glückselig die Seele, welche eS verdient, andächtig ihren Herrn und Gott zu empfangen, und dadurch von einer heiligen Freude erfüllt zu werden! Diese Freude, so sehr vom frommen Schreiber gewünscht, erglänzte hell auf der Stirne der jungen Frau, als sie den Priester an ihrem Bette stehen sah; ihr bleiches Gesicht verwandelte und verschönerte sich, so zu sagen, in dem heiligen AuS- -) Aus dem Journal de Brmelles. Uebersetzung der D. V. H. .ynl>yi(!l.K.267,h!5mK druck der Hoffnung, deS Vertrauens und der Liebe; eS schien, als färbe die unbewegliche ^onne der Ewigkeit schon die sterbende Stirne und entzünde in diesen, schon den Dingen der Welt geschlossenen Augen einen himmlischen Strahl. Der Geistliche nahte sich ihr, und nachdem er sie tiber ihren Glauben befragt, salbte er mit den heiligen Oclen ihre dem Grabe verfallenen Glieder, daS mütterliche Gebet sprechend, welches die heilige Kirche dem Munde ihrer Diener dictirt: „Durch diese heilige Oelung und durch Seine große Barmherzigkeit möge der Herr dir alles Böse verzeihen, waS du durch Augen, Ohren u. s. w. begangen." Er beeilte sich, weil ihm schien, als entfliehe bald der letzte LebenShauch der Kranken. Sie selbst fühlte es, und sprach leise: „O mein Erlöser, komm, komm doch bald!" Sie wollte sich aufrichten, aber ihre große Schwäche ließ cö nicht zu: auf ihren Gatten und die alte Dienerin gestützt, empfing sie mit verlangender Seele ihren Heiland und blieb lange in stillem Dank versunken; endlich erhob sie die Stimme, aber so schwach, so gebrochen, daß nur der über sie gebeugte Gatte die letzten Laute derselben vernehmen konnte. „Mein Lieber," sagte sie, „bringe mir Charlotte, ich will sie segnen." Der arme Gatte und Vater ging hinaus und kam bald zurück, ein kleines frisches, rosiges Mädchen von sechs Jahren an der Hand führend, das an das Belte der Mutler eille und sich mit stürmischer Freude darüber hinstürzen wollte. „Ruhig, mein Kind," sagte der Pfarrer, „deine Mutter ist sehr krank." — „O Mutter!" rief die Kleine mit kläglichem Tone. — «Hebe sie auf mein Bett," flüsterte die schwache Stimme der Sterbenden. ES geschah, und beim Anblick ihrer blassen, so veränderten Mutter brach das Kind in Weinen aus. Jene betrachtete die Kleine starr mit den verschleierten Augen, und ihre zitternden Hände zum Himmel erhebend, betete sie: „O mein Gott, Dir befehle ich sie, für sie bringe ich Dir das Opfer meines LebenS! Laß sie fromm, laß sie gut werden, und Dich über AlleS lieben!... LiebeS Kind, Gott möge dich segnen, wie ich dich segne!... Du, mein Freund, sey ihr gut, erziehe sie gottesfürchtig, liebe sie, wie du mich liebtest. — Leb' wohl, Charlotte, leb' wohl!" . . . Ihre Stimme sank, erschöpft fiel sie zurück, daS Crucifix, den Trost ihrer langen Leiden, auf ihre Lippen drückend. Charlotte näherte sich ihr, um sie zu küssen, aber schnell zog sie sich von ihr weg und rief: „O wie kalt ist meine arme Mutter!" II. Die Waise. Auf die ersten Tage einer fürchterlichen Leere, einer unendlichen Trostlosigkeit, die ein unersetzlicher Verlust hinterläßt, folgt ein stillerer Schmerz, der sich in den täglichen Beschäftigungen, in dem Treiben und Arbeiten deS LebenS allmälig abschleißt: Henriot nahm seinen Platz in Bureau und Comptoir wieder ein, Grete sah man wieder in ihrer gewohnten Thätigkeit, und ward sie durch die Arbeit von ihrer wirklichen Betrübniß etwas abgelenkt, so hörte man sie wohl bei ihren unaufhörlichen Wanderungen durch'S Haus das eine oder andere alte Liedchen singen. Der Verlust der guten Frau Henriot drückte also eigentlich mit seiner ganzen Last nur die kleine Charlotte; nicht daß dieS Kind sein Unglück auf eine seinem Alter unnatürliche Weise empfunden hätte, sondern darum, weil Niemand ihr daS Verlorne — die Sorge und Liebe einer Mutter — ersetzen konnte. Es ist wahr, daß der Vater sie liebte; indeß ganz durch sein Geschäft in Anspruch genommen, glaubte er die Schuld der väterlichen Liebe durch Liebkosungen und Spielzeug genügend abzutragen. Margaret!)'liebte die Kleine mit der Vergötterung, die oft daS Alter der Kindheit widmet, und die beständige Verwöhnung des Lieblings zeugte von ihrer Zärtlichkeit. Vergebens forderte daS Kind von diesen beiden Wesen, ihr gut zu seyn, jene ausopfernde Liebe, jene erfinderische Sorgfalt, jene geduldige, starke, verständige Zärtlichkeit, deren Gegenstand sie sich seit sechs Jahren gefühlt hatte. Ohne noch ihr Unglück zu begreifen, empfand sie eS dennoch: die Mutter war nicht mehr da, um mit ihr zu plaudern, um durch geschickte Fragen ihre schlummernden Begriffe zu wecken, den kaum erschlossenen Keim zu hüten; die Mutter fehlte, um sie lesen zu S7 lehren und ihr die heiligen Bilder der großen Bibel zu deuten > ihren Eifer durch interessante Erzählungen zu beleben und ihre Fehler-durch edle Beispiele verschwinden zu machen. Charlotte arbeitete nicht mehr; ihr Leben war eine lange Ferienzeit. O wie langweilte sie sich auch, wie langsam und traurig verfloß ihr die Zeit! In dem weiten, leeren Hause irrte sie bald in dem Laden, bald in dem Speisezimmer umher; von da zum Garten, wo einige spärliche Sträuche standen; von da zur Küche, wo Grete sie durch Liebkosungen und Leckerbissen zu unterhalten strebte; aber überall war sie traurig, wie ein armeS Kind ohne Mutter, d. h. ohne Führer, ohne Ordnung, Stütze und Leitung. So verfloß ein Jahr. Die wunderbare Maschine des VergefsenS, die, wie Jemand sagt, die Welt in Bewegung setzt, hatte auch auf Henriot's Geist ihre gewöhnliche Wirkung ausgeübt. Auch er vergaß die so sehr beweinte Gefährtin, und der verödete Herd erweckte in ihm allmälig den Wunsch, denselben wieder auf'ö Neue belebt zu sehen. Daher wurde das Verlangen, neue Baude zu schließen, in ihm immer dringender, und da er Gründe suchte, ein so schnelles Vergessen vor sich selbst zu rechtfertigen, so wurde der Zustand der Verlassenheit, in dem sich seine kleine Charlotte befand, der Vorwand, welcher ihn vor dem Richterstuhle seines eigenen Herzens entschuldigte. Er wählte ihr also eine Stiefmutter. Welch große Wurde und folglich welch große Bürde liegt in dem Titel einer Stiefmutter, den doch so viele Frauen so leicht sich aneignen I Nicht allein, die erste Gattin dem Gatten, sondern auch die Mutter an der Wiege zu ersetzen, all' ihre Empfindungen, ihre Selbstverläugnung, Zärtlichkeit, Aufopferung, Geduld zu übernehmen; durch Pflicht DaS zu werden, wozu die Natur die Mutter macht, ihr, so zu sagen, das in Liebe getränkte Herz abzuleihen, das Gott ihr gab, um daran ihre Kinder zu erwärmen; durch Vernunft und Güte alles DaS zu thun, was Jene aus natürlichem Triebe vollbringt; selbst später Mutter geworden, dann nicht ihre eigenen Kinder zu großen Vorzug ahnen zu lassen; immer, zu jeder Zeit gerecht, gut, zärtlich, Beherrscherin ihrer selbst zu seyn, über eine unwillkürliche Abneigung sowohl, als über eine zu blinde Liebe zu siegen: daS sind die Verbindlichkeiten, die jener Titel auferlegt, edle Pflichten, so selten verstanden, so selten erfüllt. DaS junge Mädchen, dem Henriot seinen Namen gab, hatte während ihres ganzen Lebens wenig darüber nachgedacht, waS Andere mit Recht von ihr fordern könnten. Aeußerst eigensüchtig, hatte sie sich zum Mittelpunct des kleinen Zirkels gemacht, in dem sie lebte; nie war es ihr eingefallen, daß irgend eine Pflicht Andern Rechte über ihre Zeit, ihre Sorge und ihre Person gäbe, und da sie ziemlich kalte Tochter und gleichgiltige Schwester gewesen, so glaubte sie nicht, daß jenes Kind, zu dessen Mutier sie Henriot machte, ihr eine ernstliche Aufgabe, eine schwere und bindende GewissenSverpflichtung werden könne. Während der wenigen, der Vermählung vorhergehenden Tage sah Melanie in der kleinen Charlotte nur ein niedliches Spielpüppchen, und nachdem Henriot die Kleine auf dem Schooße der jungen Braut gesehen, glaube er seinem Kinde alles DaS wiedergegeben zu habe», was ihm der Tod geraubt. Unter diesen günstigen Vorzeichen ging die Vermählung vor sich; nur Margareth, ähnlich Troja'S Kassandra, klagte allen Nachbarn: „Man gibt meiner armen Charlotte eine böse Stiefmutter, eine Rabenmutter! Ach, wenn meine Herrin das sähe!" III. Die Stiefmutter. Die ersten Monate vergingen auf ruhige Weise; Frau Henriot blieb ihrer Stieftochter gegenüber in der neutralen Lage gänzlicher Gleichgiltigkeit. Sie küßte Charlotte am Morgen und eben so Abends; während des TageS war die Kleine der Aufsicht und den LiebeSbezengungen der alten Grete übergeben, die sie nicht einen Augenblick verließ. Jedoch eine leicht vorherzusehende Begebenheit erweckte bald in der Tiefe von MelanienS Herzen die schlechten Gefühle, welche der Egoismus erzeugt. 28 / Während sie eines Tages im Comptoir ihres Ladens saß, sah sie einen Beamten an sich vorübergehen, der Henriot zu sprechen wünschte und sich lange mit ihm einschloß. Als ihr Mann auS dieser geheimen Confercnz zurückkehrte, fragte sie ihn um den Gegenstand der Unterredung. „O, dieser Herr," antwortete Henriot, „ist der Nebenvormund unserer Charlotte, der wegen Unterbringung einiger Gelder meine Meinung zu wissen wünschte." — „Wie, Charlotte hat also Vermögen?" — „Ja wohl, ungefähr 30,000 Franken, welche ihre Mutter besaß; ich denke sie durch den Ankauf eines kleinen Bauerngutes anzulegen, daS in ^ill^ Is nsut dlvoder liegt." Diese einfachen Worte verwandelten mit Einem Male alle Gefühle der Stiefmutter. Arm, und ohne Mitgift vermählt, konnte sie ihren künstigen Kindern kein anderes Gut hinterlassen, als daS väterliche, sehr beschränkte Vermögen, wovon Charlotte, ihr bereits unausstehlich geworden, noch die Hälfte für sich ansprach. Dieser Gedanke verfolgte sie von -nun an so sehr, daß daS Kind der Gegenstand ihres fortgesetzten Hasses wurde, den selbst seine zarte Kindheit nicht schmelzen konnte. Charlottens Fehler, über die sie bisheran nicht mit heilsamer Sorgfalt gewacht, wurden mit boshafter Aufmerksamkeit hervorgesucht, dem Vater mit listiger Verstellung geschildert, und ihre kleinsten Vergehungen auf's schärfste bestraft. Auch fand die Stiefmutter daS Geheimniß, das schwache und oberflächliche Gemüth deS VaterS von dem Kinde zu entfernen, und die ganze Summe der ihm möglichen Zuneigung dem Sohne und der Tochter zuzuwenden, die sie in wenigen Jahren ihm schenkte. So immer enger in die Bande um ihn her eingeschlossen, vernachlässigte er daS theure Vermächtniß einer Sterbenden, daS Kind, welches nur ihn zur Stütze und zum Vertheidiger hatte, und übergab Charlotte ihrer Stiesmutter, d. h. ihrer Feindin. Der Haß ist erfinderisch; auch litt die Kleine in jeder Hinsicht: Seit ihrer Geburt war sie von zärtlicher Sorgfalt umgeben gewesen, ihre Bedürfnisse, selbst ihre kleinen Wünsche waren von einer stets wachen Liebe vorhergesehen; gänzliche Verlassenheit trat an die Stelle jener süßen Sorge: Gesundheit, Anzug, Erholungen wurden vernachlässigt, und selbst ein Unwohlseyn rief kaum einigen Beistand bervor. Sie verlangte nach Unterricht, man beschränkte sie auf die nöthigsten Stunden, und nachher unternahm Frau Henriot selbst den Unterricht ihrer Stieftochter, waS ihr bei dem oft getäuschten Publicum zu großem Lobe gereichte. Charlotte bewegte sich gerne in frischer, freier Luft; man befahl ihr, meistens in einer Ecke deS finstern HinterladenS sitzen zu bleiben, wo sie immerwährend beschäftigt seyn mußte, grobe Strümpfe zu stricken oder breite Säume zu nähen. Sie hatte ein annäherndes, sich gerne erschließendes Gemüth: ihr Vertrauen wurde zurückgedrängt; Ausbrüche lindlicher Offenheit, die eine Mutter in die Tiefe ihrcS Herzens aufgenommen hätte, wurden durch Spott lächerlich gemacht, oder durch die wehthuende Kälte zurückgestoßen, und was ihr der Liebe so bedürftiges Herz bei allem Diesem noch mehr quälte, war die Vergleichung, die sie jeden Tag machen mußte, wenn sie ihre Geschwister von der Zärtlichkeit umgeben sah, die ihr selbst entzogen wurde. Während einiger Monate fand daS arme Kind eine Zufluchtsstätte bei der treuen Grete; aber sobald die Stiefmutter merkte, daß Charlotte ein FreundeSherz, eine sanfte Trostesstimme, wahre, sie vertheidigende Freundschaft gefunden, suchte sie einen Vorwand, ihr dieß zu rauben, und sie suchte nicht lange: Margaret!) wurde verabschiedet. Die arme, in Schmerz aufgelöste Alte nahm am Tage ihres Abschieds die Kleine an eine verborgene Stelle deS Gartens, küßte sie wohl hundert Mal und sagte: „Mein Kind, mein liebeS, theures Kind, ich muß gehen, man schickt mich fort; ich werde dich nicht mehr sehen, dir nicht mehr von deiner guten Mutter reden können, die im Himmel ist; aber da nimm, Charlotte, steh, da ist das Crucifix, das sie sterbend geküßt; ich habe es aus ihren kalten Händen genommen, bewahre eS gut und erinnere immer, daß sie dir so oft anbefohlen hat, gut und fromm zu seyn. Leb wohl, leb wohl, mein Kind!" .... „Ich will nicht, daß du weggehst," schrie die Kleine in Thränen zerfließend, und schlang ihre Arme um die alte Dienerin. Diese drückte das Kind fester an sich.... Aber Charlottens lautes Schluchzen hatte 29 die Stiefmutter herbeigerufen, die sie rauh bei der Hand nahm, und sagte: „Geh in dein Zimmer, und wenn du mich noch länger durch dein Schreien langweilst, so bekommst du nichts zu Mittag." Und zur Magd sich wendend, sprach sie: „Mar- gareth, verlaß auf der Stelle mein Haus, du verwöhntest dieses Kind auf lächerliche Weise, eS war daher Zeit, daß dies aufhörte." (Fortsetzung folgt.) Die heilige Genofeva, Schutzpatronin von Paris. Wird in Deutschland der Name Genofeva genannt, so denkt man zunächst an die Geschichte, welche den Inhalt eines unserer schönsten Volksbücher bildet, daS in so trefflicher Weise von Christoph v. Schmid zu einer seiner vielgelesenen Jugendschriften umgearbetet worden ist. Sofern diese Erzählung überhaupt auf geschichtlicher Grundlage beruht, darf die Heldin derselben nicht verwechselt werden mit der heiligen Genofeva, der Schutzpatronin von Paris, deren Name in jüngster Zeit auch in Deutschland viel genannt worden ist auS Veranlassung der Wiederherstellung deS ihr geweihten, seither „das Pantheon" genannten Tempels. Ihr JahrgcLächlniß wurde am 3. Januar begangen, so mag denn auö Anlaß desselben eine kurze Mittheilung über sie in unsern Blättern willkommen seyn. Die heilige Genofeva war in Nanterre, zwei Stunden von Paris, im Jahre 422 geboren. Die Volkssage nennt sie eine Schäferin; wahrscheinlicher ist, daß ihre Eltern SeveruS und Gerontia vermögende Gutsbesitzer waren, die denn wohl auch zahlreiche Heerden haben mochten. AIS im Jahr 429 zwei heilige Bischöfe Frankreichs, GermanuS von Aurerre und LupuS von TroycS sich nach Großbritannien begaben, um dort an der AuStilgung der damals grasstrenden pelagianischen Irrlehre zu arbeiten, und auf ihrer Reise in Nanterre übernachteten, strömte eine große Volksmenge herzu, um ihren Segen zu erbitten. Auch die Eltern der heiligen Genofeva mit ihrer damals siebenjährigen Tochter befanden sich unter der Menge. Da siel der Blick des heiligen GermanuS auf daS Kind, und mit jenem Tacte, der den Heiligen inncwohnt, ihres Gleichen aufzufinden, oder durch eine besondere Erleuchtung veranlaßt, rief GermanuS sie herbei, und unterredete sich mit ihr. Die Kleine sprach ihre Absicht auS, als eine gottgewcihte Jungfrau ganz Jesu Christo anzugehören und in Heiligkeit zu wandeln. GermanuS ertheilte ihr seinen Segen, nahm sie mit sich in die Kirche, betete mit aufgelegten Händen über sie, unv gab sie dann ihren Eltern zurück, indem er ihnen voraus sagte, wie ihre Tochter einmal eine große Heilige seyn und durch ihre Heiligkeit Vielen zum auferbauenden Beispiele gereichen werde. Am andern Morgen, vor seiner Abreise, ließ GermanuS sie mit ihren Eltern nochmals zu sich kommen, befragte sie von neuem um ihren Entschluß, und als sie denselben wiederholt auösprach, ermunterte er sie, demselben treu zu bleiben, und schenkte ihr ein kleines ans Kupfer gefertigtes Kreuz, daß sie es mit Weglassung alles sonstigen Geschmeides stets an ihrem Halse trage. Von dieser Zeit an betrachtete sich Genofeva als ein gottgeweihtes Kind, hielt sich von allen Spielen und Belustigungen fern und unterzog sich mit Eifer den Uebungen in der christlichen Vollkommenheit. Nirgend war ihr so wohl als in der Kirche. Im Alter von fünfzehn Jahren wurde sie mit zwei andern Jungfrauen dem Bischof vorgestellt, damit sie den heiligen Schleier empfange. Dbgleich die jüngste, wurde sie von diesem den beiden andern vorangestellt, mit dem Bemerken, Gott habe sie bereits geheiligt. Nach ihrer Eltern Tod zog sie nach Paris zu ihrer Taufpathin und führte da nunmehr ein Leben der strengsten Abtödtnng, verbunden mit der Pflege aller christlichen Tugenden, Uebung guter Werke, und eifrigem Gebete. Die Welt ist sich immer gleich geblieben; auch damals vermochte sie eine höhere Vollkommenheit nicht zu ertragen, 30 ohne daran zu mäckeln und zu schwärzen; Genofeva wurde als Schwärmerin und Heuchlerin verdächtigt und endlich selbst der Verdacht eines unerlaubten Umganges ihr nicht erspart. Sie hatte diese Befeindungen zu ertragen, bis der heilige Germanus von Aurerre zum andernmal durch die Gegend kam, um sich nach England zu begeben, sie in Paris besuchte, und ihre Gegner öffentlich der Verleumdung überwies. Zum andernmal brach ein Sturm über sie los, als der Hunnenkönig Attila Frankreich mit seinen Horden überschwemmte, die Einwohner von Paris in Schrecken setzte und zur Flucht bewog. Genofeva nämlich weissagte den Bewohnern den Schul) Gottes, wofern sie zu Uebungen der Frömmigkeit und Buße sich mit ihr vereinigen wollten und veranlaßte manche, den Gedanken an Flucht aufzugeben. Das erbitterte die andern, welche sie als falsche Prophetin erklärten, in solchem Maaße, daß sie ihr nach dem Leben strebten. Auch dießmal wurde der heilige GermanuS, obgleich zu dieser Zeit nicht mehr am Leben, wiederum ihr Retter. Dieser hatte nämlich von Italien aus, wohin er eine Reise unterommen, seilten Archiviacon nach Frankreich geschickt, und ihm bei dieser Gelegenheit auch „Eulogien" für Genofeva mittzegeben, fromme Geschenke, wie die Bischöfe sie als Zeichen und Ausdruck der kirchlichen Gemeinschaft zu übersenden pflegten. Der Archiviacon gelangte, in Folge eines nicht bekannten Hindernisses, erst zwei Jahre später nach Paris, und übergab an Genofeva die Geschenke des heiligen Bischofs, der inzwischen bereits in Ravenna gestorben war. Dieser Ausdruck der Hochschätzung von Seiten des heiligen Germanus brachte ihre Verfolger zum Schweigen, und die Befeindung der heiligen Jungfrau verwandelte sich in Ehrfurcht und Vertrauen, als endlich ihre Vorhersagungen bezüglich der politischen Ereignisse buchstäblich in Erfüllung gingen. Dieses Vertrauen bewies und rechtfertigte sich namentlich auch während der Belagerung von Paris durch den Frankenkönig Childerich. AIS nämlich die belagerte Stadt von Hungersnoth bedroht war, stellte sich Genofeva an die Spitze derer, die zur Beischaffung von Lebensmitteln auS> gesandt wurden, begleitete sie bis nach Arcis-sur-Aube und bis nach TroyeS, und führte sie durch alle Gefahren, die ihnen von Seiten der Feinde ringsum drohten, unversehrt in die Stadt zurück. Nachdem Childerich die Stadt eingenommen, konnte er, obgleich er ein Heide, den Tugenden der Heiligen seine Anerkennung nicht versagen, und ließ sich durch sie zu verschiedenen Werken der Liebe und Freigebigkeit bewegen. Noch mehr stand sie bei ChilvcrichS Sohn und Nachfolger Chlodwig in Verehrung, den sie nie um die Freilassung von Gefangenen bat, ohne von ihm erhört zu werden. Ueberhaupt waren der Ruf ihrer Tugenden, so wie ihrer Gabe der Weissagung uud der Wunder, die sie mehrfach wirkte, weithin gedrungen, so daß der heilige Simeon der Stylite von ihr Kunde erhielt und sich in ihr Gebet empfahl. Sie starb in hohem Alter im Jahr 5l2. nur wenige Wochen nach Chlodwig, und wurde neben diesem ersten christlichen König der Franken in dem Raum der Kirche beigesetzt, die derselbe auf ihren Anlaß zu Ehren der heiligen Apostelfürsten PetruS und Paulus zu erbauen augefangen hatte. ^Vollendet wurre sie erst nach dem Tode Chlodwigs durch seine Gemahlin Clotilde) Es ist dieselbe Kirche, die später nach ihr genannt wurde, und an deren Stelle der jetzige durch Ludwig XV. begonnene in den 1790er Jahren vollendete Tempel sich erhebt. Die Bewohner von Paris waren stets gewöhnt, bei allgemeinen Plagen ihre Fürbitte anzurufen und erfreuten sich vielfach in solchen Fällen augenscheinlich wunderbarer Hilfe. Die St. Panlskirche in Rom. (Schluß.) Wenden wir unS jetzt zu der dem freistehenden Altar gegenüberliegen Chornische. Sie umschließt den herrlichen Thron, welcher aus mehreren Marmorstufen ruht und dem heiligen Vater bei feierlichen Fuuctionen zum Sitze dient. Rundum 31 an den Wänden der Nische erblickt das Auge die feinste Bekleidung von buntem Marmor, ohne daß man jedoch, wie dieses so häufig der Fall ist, eine Uebertreibung oder ein Ueberladen in den Farben zu tadeln hätte. Ernst und ehrwürdig, ermunternd und mahnend zugleich blicken dann von der Wölbung der Nische die großen Mosaikbilder mit ihren lebendigen Augen auf unS herab. Es ist Christus der Herr, dargestellt auf den verklärten Fluren deS Paradieses; zu seinen Füßen entspringen die Ströme deS lebendigen WasserS, und zu beiden Seiten stehen PetruS und Pauluö mit andern Heiligen. In der That, wunderbar ist es um diese Mosaikbilder in den altchristlichen Kirchen Roms und anderswo: so ungelenkig, so steif sie sind, so viel die neuere Kunst daran kritteln und bessern möchte, sie genügen dem christlichen Herzen, sie sprechen zu demselben und führen es dem dargestellten Gegenstände sofort nahe. Wandern wir nun links und rechts von der Chornische in die Capellen, von der des heiligen SacramentS in die Crucifircapelle, von der des heiligen Beuedict in die Capelle des heiligen Stephanus: überall erblicken wir den Reichthum und die Pracht mit der Kunst und Frömmigkeit im Bunde. Der Boden ist künstlich ausgelegt mit kostbarem Gestein, die Wände sind bekleidet mit prächtigem Marmor, die gewölbte mit Malerei oder Vergoldung geschmückte Decke wird von schlanken Granitsäulen getragen, und von oben herab fällt durch farbige Gläser daö Licht. Wir können nicht sort von hier, ohne zu beten! Werfen wir nun noch einen Blick über den ganzen innern Raum der Kreuz- arme (also deS QuerschiffeS). In der Mitte der ehrwürdige gothische Baldachin über dem Grabe deS Apostels, von den Seilenwänden her der Glanz des edlen Marmors und deS Alabasters, an den beiden Schlußwänden die großartigen Gemälde, die Bekehrung des heiligen Paulus und die Krönung der heiligen Jungfrau darstellend, bei welchen die neuere italienische Kunst Alles, was sie vermag, aufgeboten hat; oben unter dem Gesimse die Mosaikbilder der Päpste vom heiligen PetruS an durch all' die Jahrhunderte hindurch, so lebend und so sprechend, die Decke mit herrlichem Schnitzwerk weiß und golden: wahrlich, ein Anblick, der dem Deutschen die Versuchung nahe legen könnte, auf einige Augenblicke selbst seiner gothischen Kirchen zu vergessen! Nur den vollendeten und bereits eingeweihten Theil der Basilika sahen wir bis jetzt; wollen wir auch eintreten — und wen würde es nicht dazu drängen! in jenen Theil derselben, wo noch Hunderte von Händen täglich beschäftigt sind, die milden Gaben der Christenheit 5) zu einem glorreichen Denkmal des Weltapostels zu gestalten, so müssen wir denselben Weg zurückwandern und das Gebäude umgehen, um zum Hauptportal zu gelangen; denn daS Querschiff ist zum Zweck deS Gottesdienstes einstweilen noch durch eine Bretterwand vom Hauptschiff geschieden. An der massiven Säulenhalle vor dem Portal hat das Feuer vergebens seine verwüstende Kraft versucht; sie steht noch und wird unverändert bleiben. Treten wir nun ein! Gewiß, daS Schweigen und die staunenden Blicke Aller sagen es mir deutlicher, als Worte es auszudrücken vermöchten: diese großartig weiten Räume, welche dennoch so leicht übersichtlich und in allen ihren Theilen so harmonisch geordnet sind, waren unerwartet! — Vierzig Granitsäulen scheiden den Raum in daS Haupt- und vier Nebenschiffe; Proportion und Arbeit ist bis in das Kleinste hinab gleich bewundernswerth. Hier sehen wir die Reihenfolge der Päpste in deren Bildern fortgesetzt. Die Täfelung der Decke mit ihrem feinen Schnitzwerk, welche eben so viel Fleiß als Tüchtigkeit erfordert, geht ihrer Vollendung entgegen. Auch die Wandbekleidung mit Marmor ist beinahe ausgeführt. Noch einige Jahre der rastlosen Arbeit, und an jenen mit dem Kranz bezeichneten Stellen werden Alläre sich erheben, und auch hier werden dann die Lobgesänge der frommen Pilger von Nah und Fern zu Ehren deS . rrWWWiti> m LijZZ i'jSvll?) H ,»A»?-„. >.' >,!!'!!t>L- ! hl/ .7!/ .ziivnky^ ,y'.< jsi-z . lt)K„ .51« »ijin V. Ein schöner Tag. St. Wulfran, die alte sächsische Kirche, hatte ihr Festkeid angelegt, der Altar strahlte von Lichtern und duftete von Blumen, und die sacramentalische Sonne leuch, tete über dem Heiligthum. Es war der Tag der ersten heiligen Communion. Die Kinder hatten im Chor Platz genommen; unter den verschleierten, weißgekleideten Mädchen bemerkte man ein blasses und zartes Köpfchen, dessen Züge Spuren längern Leidens trugen, das aber jetzt durch daS Gefühl einer unendlichen, heiligen Freude verwischt war. Dieses Kind war Charlotte, dem glücklichsten Augenblicke ihres LebenS nahe, da sie zum ersten Male dem heiligen Tische sich nähern durste. Seit einem Jahr hatte dieser große Gedanke sie einzig beschäftigt. Sie, die von Allen verstoßen war, sollte ihren Gott empfangen; sie, die Niemand zu lieben schien, sollte von Ihm so geliebt werden, in den vollen Besitz der Rechte der Kinder GolteS, einer Tochter der Kirche, einer Erbin deS himmlischen Reiches gelangen, sie, die der Gegenstand der Vernachläßigung, der Verachtung ihrer nächsten Angehörigen war. . .. Dieser Gedanke hatte alle ihre Stunden ausgefüllt, und da er immer in ihrem gläubigen Herzen lebendig blieb, so hatte er alle Empfindungen ihr eingegeben, alle ihre Wünsche geregelt und alle ihre Handlungen geleitet. Es schien, als habe Charlotte den Glauben als köstliches Erbtheil aus dem letzten Kusse, dem letzten Seufzer ihrer Mutter empfangen. Wie groß war auch die Erhebung und das Glück ihrer Seele nahe vor dem Hinknieen zum heiligen Mahle, wie war sie mit der doppelten Krone der Unschuld und deS Unglücks geschmückt! Weniger glücklich, als ihre Gefährtinnen, fand sie sich als Waise an dem Hochzeitsinahle ein, ihre Eltern waren nicht zugegen, keine andern FreundeSaugen ihr nahe, als die der guten barmherzigen Schwestern, bei denen sie ihren Katechismus gelernt hatte; aber was war ihr die sie umgebende Einsamkeit? Sollte sie nicht am heiligen Tische den Gott finden, in dem alle Güter sind, Denjenigen, der verlassenen Seelen Alles wird? Diese Gewißheit erfüllte ihr Herz, und unter diesen jungen Mädchen war keine, die daS lebendige Brod mit feurigerem Glauben, mit ehrfurchtsvollerer Liebe, tieferer Freude uud unaussprechlicherem Danke empfangen hätte, als die arme Charlotte, welche nun zum ersten Male glücklich war. Eine heilige Stille verbreitete sich in ihrer Seele, glücklich wie Maria, die Jesuö zu Gaste lud, schwieg sie wie Jene, und blieb mit ^ 36 ehrerbietiger Aufmerksamkeit zu Füßen des Heilandes. Endlich sagte sie mit der Einsalt eines Kindes, das seinen Vater um Rath fragt: „Herr, was willst du, daß ich thun soll? du gibst dich mir ganz hin — waS soll ich dir geben?" Mehrmals wiederholte sie dieses Gebet und es schien ihr (wie sie selbst nachher sagte), daß ein neuer Gesichtskreis von da sich ihr geöffnet. DaS Schöne, das Gute erschien ihr da in seinem höchsten Reize, sie verstand auS Eingebung die evangelischen Tugenden: die Sanftmuth, die vaS Erdreich sich unterwirft; die Demuth, welche den Himmel gewinnt; die Geduld, die unS zum Herrn unseres eigenen Herzens macht; die Liebe, welche deS Gesetzes Erfüllung ist; die Verzeihung aller Beleidigungen, die unS dem Sohne Gottes ähnlich macht. .. Sie verstand, was Niemand ihr gelehrt hatte, und von der sie durchglühenden Liebe GotteS erfüllt, rief sie mehrmals aus: „Ja Herr, um dir zu gefallen, will ich gut, will ich sanft seyn; ich will meine Stiefmutter, meine Geschwister lieben, mit Geduld leiden, und werde sie durch Liebe endlich gewinnen, und wenn eS mir schwer wird, dann will ich an dich denken, mein Erlöser!" Dieser Bund wurde gewiß im Himmel besiegelt, Charlotte fühlte dieß an dem süßen Frieden, der ihr ganzes Wesen durchdrang. Sie verließ die Kirche still und glücklich, jedoch wurde ihr das Herz schwerer, je mehr sie sich dem väterlichen Hause näherte. Ihr Vater saß im Comptoir vor einem großen Buche; schüchtern ging sie auf ihn zu und blieb einen Augenblick vor ihm stehen, ohne daß er aufsah; endlich von der in ihrem Herzen überströmenden Zärtlichkeit getrieben, nahm sie seine Hand und küßte sie. „Ach, du bist es, Charlotte, sagte er, eS ist schon gut; laß mich jetzt, ich habe zu thun." Und mit trockner Miene wandte er sich zu der Feder und den Ziffern zurück. Traurig, aber nicht entmuthigt, ging jetzt Charlotte ihrer Stiefmutter entgegen, bereit ihr einige herzliche Worte zu sagen; aber Frau Henriot warf ihr einen eiS, kalten Blick zu und rief auS: „Ach, Sie sind eS Fräulein, und noch in großer Toilette I Legen Sie das doch schnell ab und helfen sie Gertruden den Tisch decken." Die Tochter gehorchte ohne Widerrede, ohne Murren; denn an diesem Tage fing ja die Uebung aller Tugenden an, die sie auS dem Herzen des Heilandes schöpfte; von nun an sollte ihre Seele wie eine zu Boden getretene Blume den köstlichsten Wohlgeruch der seltensten Tugenden um sich her verbreiten. VI. Das Innere der Familie. zzz Zi^H^ gkizA, N^öÄ ^ ^il /I^'r!l'k! tf>!iil >n.'kl III/I^ Iil,//5l»n< n>>>ikk? Es war Abend; die Familie Henriot war in dem kleinen Saale vereint, der hinter dem Laden lag. Der Vater saß an einem von einer Carcel-Lampe hell erleuchteten Tische; er durchsah Handlungsbücher, und je mehr Seiten er darin nachschlug, desto sorgenvoller wurde seine Stirn. Da er vergnügungssüchtig und oberflächlich war, so belästigten ihn seine Pflichten, und mit dem Verluste seiner ersten Gaiiin hatte er auch die ihm gleiche Gehilfin verloren, deren sanfter Beistand ihm die Arbeit lieb und leicht gemacht hatte. Frau Henriot saß an der andern Seite des KaminS; ihre ausgesuchte Toilette zeigte, daß sie Ansprüche mache, welche die Zeit noch nicht geschwächt halte; nach zwölf Jahren war sie noch dieselbe kokette und harte Frau, nachsichtig gegen sich selbst und unbeugsam gegen Andere; ihr ganzes Leben zeugte von der Wahrheit des Spruches von la Bruyere: „Weichlichkeit gegen sich und Strenge gegen Andere sind ein und dasselbe Laster." — Ohne sich um die traurige Miene ihres Gatten zu kümmern, laS sie einen Roman und vergoß Thränen über das Unglück einer eingebildeten Heldin. Ihre Tochter Felicie, vor einem Ciavier sitzend, versuchte die Begleitung einer Romanze, während Julian, der Bruder, unter dem Vorwande, zu studiren, die Carri- caturen seiner Lehrer auf die Ränder eines Schulbuches zeichnete. Am andern Ende deS Tisches, fern vom Feuer, so wie vom Lichte, nähete Charlotte Leinenzeug und heftete von Zeit zu Zeit unruhig forschend das Auge auf die düstern Züge deS VaterS. Sie war jetzt achtzehn Jahre alt. AlleS, waS ihre harmlose Kindheit auf den Knieen der Mutter versprochen, Alles, was ihre geprüfte frühe Jugendzeit unter der Herrschast einer gegen sie eingenommenen Familie angekündigt, hatte Charlotte gehalten. DaS Feuer dcS Unglücks hatte ihre Seele geläutert und die Leiden, welche gemeine Herzen selbstsüchtig und hart machen, hatten in das ihrige eine unerschöpfliche Quelle von L>ebe, Milleid und edlen Gefühlen gegossen. Da sie bis zur Aengstlichkeit wahr, sanft, nachsichtig ohne Schwäche, geduldig bis zur Ermüdung ihrer Verfolger war, so hatte sie durch dieß Alles den Ihrigen unwillkürliche Ehrfurcht eingeflößt. Ihre Stiefmutter haßte sie noch stets, ja, wohl noch mehr, als früher, wegen der Achtung, die Charlotte ihr einflößte, aber sie durfte dieses Gefühl nicht mehr öffentlich zeigen. Zuweilen suchte der Vater ihren Rath nach, war aber gewöhnlich zu schwach, denselben zu befolgen; denn dieser war immer fest und edelmüthig. Julian liebte seine ältere Schwester, die so oft seine leichtsinnigen Streiche wieder gut machte; Felicie hingegen hatte von ihrer Mutter gelernt, Charlotte zu verabscheuen aus dem Grunde deS Frau Henriot immer gegenwärtigen AuSsprucheS: „Sie wird 30,000 FrcS. besitzen, und meine Kinder werden nichts haben." Mit geduldiger und engelgleicher Sanftmuth ertrug Charlotte die heimlichen Kränkungen und die stummen Uugerechtigkeiten, wodurch sie fast erdrückt wurde; Gott allein war der Vertraute ihres Kummers; vor der Welt hatte sie nur Worte deS Friedens und der Versöhnung für Diejenigen, durch welche sie litt. Jenen Abend gesellte sich zu ihren gewöhnlichen Leiden eine lebhafte Sorge für das Schicksal ihres Vaters; sie ahnte irgend ein trauriges Ereigniß und fürchtete dieß mehr für Andere, als für sich. Es herrschte große Slille, durch Verdrießlichkeit und Traurigkeit hervorgerufen; endlich rief Henriot auS: „Niemals werde ich die beiden Enden dieses JahreS zusammenknüpfen I Die Einnahme vermindert und die Ausgabe vermehrt sich." „Nun, und dann?" fragte Melanie mit Bitterkeit. „Nachher, Madame? — — der Bankrott I Wir sind auf dem breiten Wege zum Hospital." — „Großer Gott!" rief Charlotte auS. „Ach, das Fräulein fürchtet, unser Elend zu theilen; sie seufzt im Voraus darüber! --Vergiß jedoch nicht, Charlotte, daß deine Ellern, deine Geschwister nichts--tröste dich — sie werden auf Stroh schlafen, und du aus Federn---" „Liebe Mutter," erwiderte die Stieftochter ruhig, „ich habe diesen Verdacht nicht verdient; aber eS ist wahr, die Zukunft, welche ich vorhersehe, erfüllt mich mit Schmerz. Hat der Vater denn keine Aussichten auf Hilfe mehr?" „Für einen mehr oder weniger entfernten Fall weiß ich keine--" Charlotte war aufgestanden; eine schwache Röche färbte ihr sanftes und blasseS Gesicht: „Könnte eine gänzliche Aenderung unserer gewohnten Lebensweise uns nicht retten?" fragte sie. „Wie verstehst du daS?" „Erlaube, lieber Vater, daß ich mich erkläre: Du sagst, daß unser Handel wenig blühe und unsere Ausgaben die Einnahme übersteigen; könnten wir da nicht ein Gleichgewicht hervorbringen?" „Das Fräulein schlägt Einschränkungen vor; sie würde ohne Zweifel die Letzte seyn, sich in dieselben zu sügen." „Nein, liebe Mutter; denn wenn der Vater mich hören wollte, so würde er seine beiden Gehilfen im Comptoir verabschieden und mir erlauben, den einen zu ersetzen; ebenfalls würde er nur eine Magd halten; und ich würde mich bemühen, die Obliegenheiten der fehlenden zu erfüllen; unsern Tisch würde ich vereinfachen und endlich mir gestatten, die durch meinen Vormund mir für meine Toilette und meine Annehmlichkeilen zugestandene Pension zur Erziehung für die Geschwister zu verwenden. Diese Aenderungen, meine ich, müßten unsere Lage verbessern und das allge- meine Vertrauen würde einer Familie zugewendet werden, die der Ehre und Achtung einige Opfer zu bringen weiß." Charlottens Augen wurden belebt, während sie sprach; man las in ihnen alle edlen und großen Gefühle, von denen ihre Seele erfüllt war, und die Ihrigen ganz stille geworden, schienen die Autorität dieser Stimme zu fühlen, die gewöhnlich so beschnren und demüthig klang, sich aber im Namen der Tugend und Ehre laut erheben konnte. „Charlotte hat Recht," sagte endlich Henriot. Dieses Wort erweckte in seiner Frau den Geist deS spruches, wovon sie einen so großen Theil empfangen hatte „Charlotte hat Recht! Wie erkenne ich dich darin!" rief sie. „Der Vorschlag eines KindeS verwirrt deine Sinne, und um ihr zu gehorchen, bist du bereit, unsere Armuth an den Straßenecken zu veröffentlichen I Ist daS denn daS Mittel, daS öffentliche Vertrauen wieder zu gewinnen, wenn wir allen Menschen unsere bedrängte Lage bekannt machen? Verblenden, täuschen, daS ist das große Mittel, unsern Credit zu sichern; und was auch deine Meinung sey, ich erkläre hiermit: ich werde nicht zugeben, daß Charlotte die Ungeschickte und Dumme im Comptoir spielt; ihre Dienste im Hause will ich ebenfalls nichts auch mag ich nichts davon hören, daß meine Kinder auf ihre Kosten erzogen werden sollen, und endlich sehe ich nicht, wie man unsern Tisch vereinfachen könnte--" „Dennoch ... ." "Weder ob,'noch aber, noch dennoch! Ich habe mein letztes Wort gesprochen." „Ein unvermeidlicher Fall____—« „Nun wohlan! der Vorschlag Charlottens, uns als Bettler zu schildern, wird uns an den Bettelstab bringen! —--" , - /^"i.nn'in „Einige Einschränkungen „In Schwefelhölzern.---Sprich mir nicht mehr von solchen Ungereimtheiten." „Vater," rief Charlotte, auf's Aeußerfte getrieben, „verzeih, wenn ich auf meiner Bitte verharre; glaube mir, nur da ist Heil für uns, die einzige Rettung! Ich beschwöre dich, entziehe dich nicht diesen leichten Opfern, die, wenn auch nicht unser Vermögen, doch unsere Ehre retten werden!" „Aber wirklich, mein Kind, eS ist sehr hart____« „Ach, lieber Vater, härter wird eS seyn, unsern guten Ruf zu verlieren und Niemanden Mitleid einzuflößen.... Das wird daraus erfolgen.... Wenn unsere Opfer und Bemühungen wenigstens die rechtlichen Leute zu unsern Gunsten stimmen . . . . Verzeih', daß ich nickt nachlasse; noch EinS: eS handelt sich um unser Geschäft, das vom Vater meiner Mutter auf uns übertragen ist---" „Das ist mehr, als ich zu hören vermag," rief Frau Henriot wüthend aus; „ich trete zurück vor den schönen Phrasen des Fräuleins! —" „Ach, Mutter, verschließe dich nicht meinen Bitten; um die Zukunft meiner Geschwister handelt eS sich----" Sie sprach vergebens; die Stiefmutter hatte das Zimmer verlassen und die Thür heftig zugeworfen. Ihr schmacher Mann eilte ihr nach, und die untröstliche Charlotte sah daS Unglück ihrer Eltern unvermeidlich. (Fortsetzung folgt.) -WA Ilzii!^? -üliiiik.'H ".n?hü? uz n-6!/j'>iZ lil chkf iimZ -isttiiM .ni^?« Jerusalem. UllI In dem jüngsten Missionöberichte der ehrwürdigen P. P. Franciscaner im heiligen Lande sind folgende zwei Schreiben (hier auS dem Lateinischen übersetzt) enthalten, I. Schreiben deS hochwürdigsten P. Custos vom heiligen Lande an Seine fürstliche Gnaden den hochwürdigsten hochgebornen Herrn 39 Fürst-Erzbischof von Wien. Hochwürdigster, hochgeborner Herr Fürst-Erzbi- schof! Nichts konnte mir erfreulicher, nichts günstiger, nichts beglückender seyn, als die, durch ein Rückschreiben des Wiener-CommissariatS mir zugekommene Nachricht, daß Eure hochfürstliche Gnaden auf daö ehrerbietige Ersuchschreiben des CustodiatS- Discretoriums sich huldvoll entschlossen haben, daS, zum Zeichen der Verehrung und Dankbarkeit für Hochdero übergroße Verdienste unserseits anerbotene Diplom des Ritterordens vom heiligen Grabe unsers Herrn JesuS Christus, anzunehmen, somit in dem Register der Grabeöritler jenen hochherzigen Männern angereiht zu werden, welche sich um daS Grab Jesu vorzüglich verdient gemacht, und denen deßhalb daS heilige Land in hohem Grade verbunden bleibt. In der That, wer ist wohl der Ehre eines Ritters vom heiligen Grabe würdiger, als Eure hochfürstlichen Gnaden, hoch- welche nicht allein die Vorzüge eines wachsamen ProtectorS jenes General-Commissa- riateS, sondern auch die deS liebreichsten Vaters dieser heiligen Custodie ganz besonders auszeichnen? Empfangen daher Eure fürstlichen Gnaden mit angeborner Huld die zwei Diplome, welche ich mir erlaube Hochdenselben unter Einem zu übersenden; EineS nämlich des Ritterordens vom heiligen Grabe, das Andere aber der Confrater- nität in unserm seraphischen Orden und dieser heiligen Missions-Custodie. Für hoch- ihre besondere Herablassung, welche ich in dieser Annahme hochverehre, so wie für alle unS bisher geschenkte Gunst und erwiesenen Wohlthaten geruhen Eure fürstlichen Gnaden meinen und meiner Mitbrüder heißesten Dank huldreich entgegen zu nehmen, denn eine Vergeltung unterfangen wir uns gar nicht zu verheißen: zumal unsere dießfällige Unzulänglichkeit nur zu offenbar am Tage liegt. Indessen geruhen Hoch- dieselben für gewiß zu halten, daß wir auch hinfüro in unserm Gebete und heiligen Meßopfer Euer Hochfürstlichen Gnaden eingedenk, an den heiligen Stätten Jerusalems zu dem Belohner alles Guten flehen, und ihn inständigst bitten werden, er wolle Hochdieseiben lange erhalten, und mit dem Segen deS Himmels erfüllen. Mit beson» derm Dank muß ich erwähnen, wie willkommen und nützlich uns die Unterstützungen waren, welche von dem dortigen Commissariate, dessen huldvoller Protector Eure hvch- fürstlichcn Gnaden sind, in neuester Zeit unS zugeflossen sind. Hochdenselben sind die bcdaurungSwürdigen Verhältnisse Italiens keineswegs unbekannt; Verhältnisse, welche leider unter den Gläubigen jener Länder selbst die Möglichkeit hemmen, zur Linderung unseres Elendes ihr Schärflein wie früher beizutragen, da doch die Bedürfnisse der heiligen Länder sich mit jedem Tage vervielfältigen und derart vermehren, daß uns zu deren Befriedigung die Hilfsmittel unerschwinglich geworden. Ich habe mich bei Gelegenheit der canonischen Visitation überzeugt, daß die meisten unserer Kirchengebäube einer bedeutenden Ausbesserung bedürfen; mehrere derselben aber, wegen allmäliger Zunahme der Gläubigen, eine Erweiterung fordern; einige befinden sich leider in solch' elendem Zustande, daß ich sie den gottesdienstlichen Handlungen augenblicklich geschlossen hätte, wenn mir anders Mittel zu Gebote ständen, anständigere Locale hiezu anzukaufen. Dazu gesellet sich noch der Umstand, daß in mehreren Ortschaften Gotteshäuser von Neuem aufgebaut werden müssen; indem theils mehrere Katholiken sich da ansiedeln, theils Viele zum Katholicismus sich bekehren. Um nicht langweilig zu werden, will ich andere Ucbelstände dieses Missions-TerrainS dießmal gar nicht anführen, da auch solche Hochderselben religiöses und hochedleS Herz ohne Zähren des Schmerzes nicht vernehmen könnte. — Ich schließe daher mit der inständigsten Bitte: Verlassen «Eure fürstlichen Gnaden die heiligen Orte und unsere Missionen nie; sondern lassen Sie uns und unsere Angelegenheiten Hochihrem frommen und edlen Herzen jederzeit anempfohlen seyn. Entschuldigen Hochdieselben diese meine Bitte und leben stets wohl! Euer fürsterzbischöflichen Gnaden demüthigster und dienstwilligster P. Bernardin von Montefranco in. p. CustoS des heiligen Grabes und der gesammten heiligen Länder. ^__ Antwortschreiben des H. H. Fürsterzbischofs von Wien. Hochwürdigster P. CustoS! Von dem Eifer für unsere heilige Religion geleitet, hatte ich nichts sehnlicher gewünscht, als daß eS mir von Oben gegeben werde, Etwas zur 40 Erhaltung und Unterstützung der Custodie des Landes beizutragen, damit an den Orten, wo unser Herr und Heiland, JesuS Christus, den ersten Samen der christlichen Lehre gesäet, und das Heil der Menschen mit seinem kostbaren Blute erworben hat, Gottes Lob so wie das Heil der Menschen von Tag zu Tag mehr befördert werde. ES freuet mich, ja ich zolle Gott dem Allmächtigen den innigsten Dank dafür, daß ich von seiner Gnade unterstützt, das Commissariat für das heilige Land in Wien, welches durch so viele Jahre außer Wirksamkeit gewesen, wieder inS Leben rufen konnte. Jedoch nicht mir, sondern Gott gebührt dafür die Ehre; denn ich weiß nur zu wohl, daß ich hierin ein bloß unwürdiges Werkzeug in seinen Händen war. In Erwägung dessen habe ich das mir angebotene und übersandte Diplom deS Ritterordens vom heiligen Grabe so wie jenes der Confraternität des seraphischen Ordens mit innigstem Dankgefühle angenommen; und da ich der Erleuchtung und Stärkung von oben, vorzüglich in den dermaligen Zeitumständen benölhige, so empfehle ich mich angelegentlichst in die mir verheißenen frommen Gebete am Altare des Herrn. Gleich- zeilig wünsche ich sehnlichst, Sie wollen mich der Liebe und Andacht des hochwürdigsten Herrn Patriarchen, den ich im Geiste küsse und umarme, empfehlen. Gott segne Sie, hochwürdigster Vater, so wie alle Brüder des Ordens des heiligen Fran- ciscuS, und lasse Sie zu Ihrem eigenen und anderer Menschen Heile lange leben. Vincenz Eduarv m. p. Erzbischof. ,NZ!U?Nl llj InkA, U'>»l!tlji!>^ 7!iHli7(l! l"? 7!tl!lZM ÄllU ll!il!IZM NZ?liU(^> .7/>nil Is,muz -lttßjzkin« uz liditt 7l) s. ÄI!U 7107 Mhnr^ü-Iliu hNli,.?jZ7zU 5MZ lMZS ^choH mHung lttffüÄiiL .igsil Ztzi-T Ml- 7v'lll!,fja uz 7UN zi^^ilßiiöliiii.lk z^ill^ßzj^ D-- «.»r- »ek-»-.ng. Folge dem Beispiele deS heiligen Paulus, ivenn du dich wahrhaft bekehren willst. Folge, frage, thue, wie Er. Den heiligen Paulus traf ein Strahl vom Himmel und er hörte eine Stimme. Wie oft hat der Strahl der Gnade dich getroffen, wie oft hast du die Stimme GotteS gehört! Folge der Gnade, höre die Stimme! Bleib nicht liegen, kehre nicht auf den alten Sündenweg zurück, sondern frage, wie der heilige Paulus: Herr, was willst du, das ich tbun soll? Den Baum erkennt man an seinen Früchten, den Christen an seinen Thaten. Thue, wie der heilige PauluS! Er stand auf, — so stehe auf von deinen Sünden. Bleib nicht müßig stehen, sondern gehe, wohin der Herr dich führt. — Sey blind, wie Paulus, und verschließe deine Augen gegen die Welt und ihre Lust. — Er aß nicht und trank nicht — übe Abtödtung! Er ging in die Straße, welche die gerade heißt, — so verlaß die krummen, schlüpfrigen Straßen deS Lasters und suche die gerade Straße deS Heiles und der Tugend! Nimm den AnaniaS, welchen der Herr dir schickt, gern und willig auf und laß dir von dem Jünger und Diener deS Herrn die Hände auflegen, damit du wieder sehend, von deinen Sünden befreit und mit dem heiligen Geiste erfüllet werdest, das heißt kurz, beichte mit demüthigem, reu- müthigem Herzen aufrichtig deine Sünden und eS wird wie Schuppen von deinen Augen fallen. Und dann nimm, wie der heilige Paulus, Speise zu dir, daS heißt jene himmlische Lebensspeise, welche in der heiligen Comm union dir dargereicht wird, — und siehe, du wirst wieder zu Kräften kommen und wie der große Wellapostel, siegreich bestehen gegen Welt, Fleisch und Teufel. WaS du gelesen hast, das thue, und du wirst glücklich seyn für Zeit und Ewigkeit. Der heilige Paulus ist wunderbar bekehrt; er ist aber auch zugleich das vollständige Vorbild jeder wahren Bekehrung geworden. 5 ^ / 0 k, !l,"^lL U»« n ia77)I! 7!» T P 7')5s-l!-I i,.!^ -tnr^ jiüH läi ,,ZÄsittoÄ Angsburger PojWtung. „gi^udlvlckuoH ,1? N^-.A s, t^l^is i>!^ tt^j»j,l^^ s?kn/.w !l,-I^f<»6^ 7>NÄIl!dK mnöl I!» /z.-'! N7MMv?!M7M7^.ivsn» m K>ii »i^ ^S7»tcG 8. Februar «. 185S. Dieses Blatt erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der halbjährige Abonnementsprei« 40 kr., wofür es durch alle königl. bayer. Postämter und alle Buchhandlungen bezogm werden kann. Charlotte Henriot, oder Ergebung und Aufopferung. Ill^Dl^M ^ch>»Z1k!l ,Ä!l0(N?Ulö 1Z!Z!i7G MI Ig^ll ^PliI7>Z<Ä »ittbtz dl^l,, " Il-^iuib^ hzMrWwS'l,^>! Nü-^i. t»-"^,i - u. VII. Mißgeschick. Ein Jahr war vorüber gegangen; einige Gruppen von Müßiggängern, in der Straße der Franciscaner stillstehend, besahen mit boshafter Neugier daS HauS Hen- riol's, das trotz der ziemlich späten Stunde sich noch nicht öffnete, um seine Waaren vor den Käufern auszubreiten. „WaS geht denn hier vor?" fragte der Eine. „Wenn es kein Unglück ist, so sind eS wenigstens Wechsel-Proteste. Gestern hat mein Neffe, der Gerichtsbote, deren drei an Henriot übergeben--" „Aber--sie sind mir Geld schuldig," sagte ein Hinzukommender; „laß sehen, ich will klingeln, damit ich weiß, was das bedeutet." DaS Räthsel löste sich nur zu bald der ganzen Stadt: Mit Schulden bedeckt, ohne Credit und Hoffnung auf Rettung, hatte Henriot Abbeville verlassen und hinterließ Haus und Waaren seinen Gläubigern. Vor der Abreise hatte er seiner Frau einen Brief voll bitterer, überflüssiger Vorwürfe geschrieben, und durchaus den Ort nicht angegeben, wohin zu gehen er gedachte. Dieser Brief wurde durch die Magd Mclanien überbracht, als sie eben aufstehen wollte. Sie laS ihn, und voller Zorn und Schrecken brach sie in Weinen und Wehklagen aus. Ihre Kinder liefen herbei, Charlotte folgte ihnen auf dem Fuße. Sie entnahm sogleich aus den einzeln auS- gestoßenen Worten der Stiefmutter die traurige Begebenheit, und obgleich ihre Klugheit Alles vorausgesehen, erleichterte sie durch das stolze Wort: „Ich habe eS Euch wohl gesagt," niesen Trost eigensüchtiger Herzen, nicht ihren Schmerz. Aber mitten im größten Leiden, welches durch das Verschwinden ihres Vaters, die verlorene Ehre und den auf der Schwelle des Hauses sitzenden Fall sie ergriff, wußte sie die Festigkeit ihres Geistes und die Klarheit ihres Urtheils aufrecht zu erhalten. Mit einigen Liebkosungen und freundlichen Worten die Kinder entfernend, schickte sie die Magd aus der Stube, und setzte sich neben ihre Stiefmutter, welche, der Ueberlegenheit nachgebend, die starke Herzen über schwache ausüben, ausrief: „WaS fangen wir an? Der Kopf schwindelt mir--alle Gläubiger werden sich über uns herwersen.....Ich weiß nicht, waö ich ihnen sagen soll.. . Großer Gott, welche Lagel---" „Willst du mir erlauben, dieselben zu empfangen?" „Gewiß; ohne Zweifel, du bist nicht betroffen, und ich sterbe, wenn ich daran denke -__—" ^ > ' > ^ " ' Und die ehemals so stolze Frau brach in Thränen aus und verlor sich in AuS- brüchen der Verzweiflung. .lMch-k(!liR.42-"tN! 5 mÄ. Charlotte zitterte: der Gedanke, sich den erzürnten Gläubigern zu zeigen, war ihr unaussprechlich peinlich; aber im Stillen erhob sie ihre Seele zu Gott; sie bat ihren erhabenen Beschützer um Kraft, und fühlte sich von jener Demuth beseelt, die große Dinge zu thun fähig ist. Die HauSklingel ertönte bald wieder, ihr Herz antwortete darauf mit unwillkürlichem Pochen. Die Magd trat ein und sagte: »Drei Herren warten im Salon." Frau Henriot warf Charlotten einen Blick der Verzweiflung zu, und diese, blaß, aber entschlossen, begab sich zu den Besuchenden. Sie erkannte dieselben auf der Stelle; eS waren die Hauptgläubiger ihres VaterS, die sich in einem gemeinschaftlichen Gange zu ihrem Schuldner begeben hatten. Charlotte begrüßte die Herren mit einer Schüchternheit, welche noch durch den harten und düstern Ausdruck der Züge der vor ihr Stehenden sich verstärkte. Der Aelteste nahm daS Wort und sagte: „Aufrichtig gesagt, sind Sie eS nicht, mein Fräulein, mit der wir ein Geschäft abzumachen haben; Herr Henriot?" Sie reichte ihm daS von ihrem Vater an seine Gläubiger gerichtete Blatt, durch welches er ihnen seine Waaren und Möbel zu lassen erklärte. Herr Richard zog die Augenbrauen zusammen, gab daS Schreiben einem seiner College», und sagte in rauhem Tone: „Die ganze Geschichte liegt im Graben! Großer Aufwand, närrische Ausgaben I Der Schein eines großen Herrn und Werke eines Schurken .. . ." „Verschonen Sie uns, mein Herr! — —" „Aber, mein Fräulein, wie wollen Sie, daß ich dieses Benehmen auslege?" „Mein Vater hat unvorsichtig seyn können; aber er ist ehrlich, und läßt Ihnen Alles, was er besitzt." „Wer versichert uns dessen? .... Indessen, werden wir nicht bezahlt, so rächen Wir uns wenigstens, und auf der Stelle gehen wir jetzt an daS Handelsgericht, Henriot als sallit erklären zu lassen!" Dieses Wort ertönte in Charlotte wie Todtengeläute. Sie rang die Hände und rief aus: „Ich beschwöre Sie, mein Herr, verschonen Sie unS! Heften Sie diese Beschimpfung nicht an unsern Namen, an den meiner noch so jungen Geschwister. — --Seyn Sie gut, großmüthig; Alles, was wir besitzen, soll Ihren Händen übergeben werden, wir wollen arbeiten, um unsere Schuld abzutragen; ach ich flehe, erhören Sie mich!...." „Thut mir sehr leid, Ihnen nicht willfahren zu können, Fräulein: allein Sie verlangen etwas Unmögliches; wir müssen zu unserm Recht und unserer Ordnung kommen, und dann verdient der böse Streich, den uns Henriot gespielt, wohl ein solches Verfahren." „Aber, meine Herren," sagte Charlotte, in der plötzlich ein neuer Gedanke aufstieg: „wenn man Ihnen anböte, die Schulden auszugleichen, und so die Unterschrift meines Vaters frei zu machen?" „Wenn Sie Jemanden finden, der dazu gefällig genug wäre, so bin ich Ihr gehorsamer Diener." „Ich weiß es nicht.... ich hoffe .... Wollten Sie mir einige Stunden Aufschub noch geben?" Herr Richard besprach sich mit seinen Begleitern und sagte: „Aus Achtung gegen Sie, mein Fräulein, wollen wir bis diesen Abend um fünf Uhr noch warten; keine Gnade aber mehr, wenn diese Zeit vorüber ist!" VIII. Eine Minderjährige. Gleich nach dieser peinlichen Unterhaltung begab sich Charlotte, von ihrer Magd begleitet, zu ihrem Vormunde, Herrn Ravin, den sie allein fand und dem sie in Kürze das ihrer Familie zugestoßene Unglück erzählte. Er hörte sie stillschweigend an und sagte endlich: „Nun, liebes Fräulein, was gedenken Sie zu thun?« 43 „Mein Herr, ich besitze eine gewisse Summe als Erbtheil meiner Mutter —" „Ohne Zweifel, 30,000 schöne Franken, erheblich vermehrt und gut angelegt; ich rühme mich dessen." „Ich komme, um sie von Ihnen zu begehren." „Sie begehren!" rief der Vormund und sprang von seinem Sitze auf; „und um waS damit zu machen?" „Um sie den Gläubigern zu geben, so die Unterschrift meines Vaters auszulösen und ihm möglich zu machen, zu seinem Geschäfte zurückzukehren." Bei dieser Antwort, so bescheiden von Charlotte vorgebracht, sah Herr Ravin sie an, als wenn er an der Richtigkeit ihres Verstandes zweifle, und sagte dann: „Aber Sie träumen wirklich, mein Kind! Sich ganz zu entblößen!—" „Ach, mein Herr, nie werde ich ein besseres Geschäft machen!" „Und für wen? Für eine Familie... Hm, ich kenne mich darauf. Mehr als . einmal habe ich Henriot gesagt, waS ich über seine Frau dachte; aber eS war ein schwacher Mann — — —" „Schonen Sie mich, ich könnte nichts mehr hören--geben Sie mir eine Antwort---" „Wie, wegen deS Geldes? Es ist eine Thorheit! Ueberdieß kann eine Minderjährige nicht über ihr Vermögen verfügen; sie kann weder verkaufen, noch kaufen, noch schenken." „Sie weigern sich also? Die Ehre meines Vaters--?" „Ich bin eS nicht, der verweigert, sondern daS Gesetz. Hier sind die AuSsprüche." Charlotte durchlaS dieselben und sah, daß sie nichts erlangen könne. Sie grüßte ihren Vormund, der ihr sagte: „Sie werden jetzt Ihre Familie verlassen; wir wollen Ihre Pension bis zu Ihrer Großjährigkeit in einem Kloster Ihnen auszahlen, und dort werden Sie ein recht ruhiges Leben führen, so ganz nach Ihrem Geschmacke." „Mein Herr," antwortete Charlotte mit sanfter Stimme, „zwingen Sie mich nicht, Ihnen ungehorsam zu werden; lassen Sie mich, wo ich bin, und glauben Sie mir: ich fühle mich da wohl!" Sie grüßte ihn wiederholt, und ihn verlassend, schlug sie den Weg zu Herrn Richard ein. Der reiche Kaufmann war allein; er empfing Charlotte mit finsterer Höflichkeit, in der seine Unzufriedenheit mit dem Vater und die unwillkürliche Achtung, welche ihm dessen Tochter einflößte, sich gegenseitig stritten. Gleich auf ihren Zweck zugehend, legte sie ihm ihre Lage klar dar, ihren heißen Wunsch, den Namen ihres VaierS vor Schande zu retten, ihren vergeblichen Gang zum Vormunde, den Schmerz, den sie darüber empfand; sie sprach Alles mit unvergleichlicher Wahrheit und Offenheit und schloß ihren Vortrag mit den Worten: „Wenn Sie, mein Herr, mir eine Bitte erfüllen und sich mit mir verständigen wollen, so gebe ich Ihnen mein Wort, daß ich am Tage meiner Großjährigkeit die mir gehörende Summe Ihren Händen übergeben werde, die zur Genüge unsere Schulden decken wird. Sie haben keine andere Garantie, als mein Versprechen; genügt Ihnen dieses?" DaS Herz des alten Herrn Richard war durch sein Geschäft und durch den Umgang mit den Menschen etwas erkältet; aber unter dieser äußern Kälte und Härte schlugen Saiten an für'S Schöne und Gute. Er blickte Charlotte an und verstand sie ganz: „Ja, mein Fräulein," erwiderte er mit Ehrfurcht, „Ihr redliches Versprechen genügt mir, und ich hoffe, eS wird eben so den andern Betheiligten genug seyn. Ich werde ihnen selbst Ihre Vorschläge mittheilen und glaube, daß sie angenommen werden." „Ach, mein Herr, wie gut sind Sie!--Also die Ehre meines VaterS....?" „Wird gerettet seyn; Alles wird auf freundschaftlichem Wege beigelegt werden; aber Sie, mein Fräulein, sind dann ruinirt; ich muß gestehen, daß dieser Gedanke mich fast Ihr Anerbieten ablehnen macht." 44 „O, weigern Sie sich nicht, und glauben Sie, daß der Augenblick, wo ich Sie befriedigen kann, der schönste meines LebcnS seyn wird. Leben Sie wohl, mein Herr, und seyen Sie meiner ewigen Dankbarkeit versichert!" Der Kaufmann gab ihr daS Geleite, und als er sie weggehen sah, murmelte er vor sich hin: „ES ist seltsam, eine Seele glücklicher durch Opfer, als andere durch Genuß,--es ist vielleicht eine Thorheit, aber sie hat mich überwältigt!"--- Voller Freude eilte Charlotte, ehe sie nach Hause ging, Golt zu danken: ihr Herz floß über; sie goß eS zu den Füßen deö HeiligthumS aus und empfand jene überschwenglichen Tröstungen, die unS in diesen Worten verheißen sind: „Gebet, und es wird Euch gegeben werden, Ihr werdet ein gerütteltes, überfließendes Maaß empfangen; denn man wird Euch mit demselben Maaße ausmessen, mit dem Ihr Andern eingemessen." IX. Veränderte Lage. Wenige Tage nachher bereitete sich die Familie Henriot dazu, daS HauS zu verlassen, welches einem andern Kaufmanne schon vermiethet war; sie trennte sich von allen ihren Möbeln, die jetzt andere Eigenthümer hatten, und bezog arm unv entblößt von Allem eine kleine Wohnung am Ende der Stadt. Mit der tiefen Herzens- wehmuth, die den das Vaterland verlassenden Auswanderer ergreift, sagte auch Charlotte dem alten väterlichen Hause Lebewohl, diesem Hause, in welchem sie geboren, ihre Mutter gestorben war, worin sie gelebt und gelitten hatte, und das sie selbst dieser Leiden wegen liebte; denn das menschliche Herz kettet sich an'S Leben weit mehr durch Elend als durch Wohlergehen, Ihr so festes Herz brach, als sie sich von der Stätte losreißen sollte, die mit allen Erinnerungen ihres Daseyns verwebt war, und nur der Ruf der Pflicht machte sie stark, als sie mit Mutter und Geschwistern die kleine Wohnung betrat, welche von jetzt an die ihrige seyn sollte. Melanie, ganz zerrüttet durch den Schlag, der sie getroffen, überließ sich völlig der Führung ihrer Stieftochter; nicht daß sie dieselbe wegen ihrer Ausopferung geliebt oder wegen ihrer Handlungen geehrt hätte, sondern weil sie unfähig zum Handeln war, weil ihr Stolz gebrochen, ihre Heftigkeit geschwächt und ihre ganze Seele durch die Bande des Unglücks überwältigt war. Charlotte konnte also ihre neue Lebensweise eintheilen und ordnen. Sie hatte keine andere Hilfsquelle, als die aus ihrem Vermögen ihr zugetheilte kleine Rente und den Erlös des Verkaufs einiger Kleinodien, deren Gold und Edelsteine in einige einfache, der neuen Lage entsprechende Möbel verwandelt wurden. Nach diesen Ankäufen blieb nur eine kleine Summe übrig. Charlotte suchte Arbeit und erhielt sie, aber solche Frauenarbeit, deren Erlös für ihre Bedürfnisse nicht zureichend war, die sie jedoch als ein köstliches Geschenk des Himmels mit Dank annahm. Sie zog Felicie und selbst deren Mutter zur Arbeit, die indeß Beide in Stumpfsinn und Erschlaffung verfallen waren. Julian, dessen große Jugend Herrn Richard's Interesse ans sich gezogen, wurde von diesem in dessen Bureaur gebraucht, und sah auf solche Weise eine durch Arbeit geschaffene Zukunft sich vor ihm öffnen. Unsere Charlotte fand sich bald in ihr Leben der Entbehrungen, der Arbeiten uud Opfer, ohne mit dem Geschick zu hadern, mit dem Unglück zu unterhandeln, ohne es um einigen Aufschub, einige Vergessenheit zu bitten. Sie arbeitete mit Eifer unv Ausdauer nicht allein an Näharbeiten, die man ihr anvertraut, sondern auch an einigen Avministrationsschreibcn, um die sie muthig bat. Ihre beiden Gefährtinnen halfen ihr kaum, und sie allein besaß die Kraft, die Last einer Lebensweise zu ertragen, die beständig mit denselben Obliegenheiten verbunden war. Felicie, ein unbedachtsameS und leichtsinniges Kind, ging von einem Thränenstrome zum heitersten Lachen über, war ihrer Schwester eine nur sehr unzureichende Hilfe, und verstand so hohe und edle Aufopferung nicht. Melanie, die ganz zusammensank, arbeitete wenig und schlecht, erzürnte sich über ihr Geschick, über ihre Kinder, brach in bittere Klagen aus beim Anblick deS frugalen Mittags- und noch einfachern Abendessens, daS Charlotte mit vieler Sorgfall und Reinlichkeit, der letzten Koketterie der Armuth, auftischte; sie verletzte ihre sie ^ ' .ZMm^>u>!M?'5'nnslV»lM ^ 45 besuchenden Freunde durch rauhe Worte, erzürnte sich über die, welche nicht erschienen, unv so verflossen ihre Tage abwechselnd im Zustande der Aufgeregtheit, oder in einer Erschlaffung, welche ihre Seele verwirrten und ihre Gesundheit zerstörten. Diesen Zuständen hielt Charlotte nur den Schild einer unerschöpflichen Geduld und Güte entgegen, die durch alle Zurückstoßuug nicht zu ermüden war Am ersten aufgestanden, bereitete sie das Frühstück ihrer Mutter und verbesserte cS oft auf Kosten deS ihrigen; dann weckre sie ihre Geschwister, betete das Morgengebet mit ihnen, und war dann daS Haus besorgt, so entschlüpfte sie einen Augenblick, um zu den Füßen des Trösters Aller für den Tag Kräfte zu schöpfen, wohnte dem heiligen Opfer bei, und wenn sie dann am heiligen Tische Ihn empfing, der sich für Seine Brüder dar- gcgeben, so fühlte sie das Feuer der göttlichen Liebe in ihrem Herzen brennen, und kehrte gestärkter und heiterer zu ihren trockenen Beschäftigungen zurück. Der ganze Morgen war außer einigen häuslichen Beschäftigungen der Arbeit gewidmet, und wurde oft durch die Ausbriiche der heftigsten Launen Melaniens gestört. Nach dem kurzen, traurigen und stummen Mahle ging sie einen Moment auf ihr Zimmer, setzte sich zum rebenbekränzten Fenster und öffnete dort die tröstende „Nachahmung Christi." Diese wohlthuende Lectüre war für ihre Seele, was eine Rascnbank im Schalten deS Waldes und am Ufer des BacheS für den erschöpften Wanderer ist. Aber die monotone Nähnadel erwartete sie--- Nach dem Abendessen zog sie sich ebenfalls auf ihr Stübchen zurück, und beschäftigte sich dort bis zu später Stunde mit ihren Verwaltnngscopien; daS Abendgebet am Fuße eines MuttergottesbildeS schloß den Tag, der, von der verschlingenden Zeit vergessen, für die Ewigkeit aufgezeichnet wurde; denn jede Stunde hatte ihre Frucht getragen, die der Geduld, des Muthes, der Güte und Selbstverläug- nung. Eine große Zahl Tage verfloß ganz einander gleich, alö ein neues Unglück sich ereignete. (Fortsetzung folgt.) Die Mission in Mainz. Mainz, 15. Jan. Am Sonntag den 11. Januar in der Frühe um fünf Uhr ist die Mission im Dome dahicr, und an demselben Tage um 8'/z Uhr in St. Emmeran eröffnet worden. Wir ließen absichtlich einige Tage ablaufen, ehe wir unsern auswärtigen Lesern von diesem Ereignisse und seinem Verlaufe eine Nachricht geben wollten. Mit Recht nennen wir die Mission ein Ereignis;, sie ist es, und zwar nicht bloß ein religiöses, sondern auch ein sociales, so gewiß als die menschliche Gesellschaft auf der sittlichen und die Sittlichkeit auf der religiösen Grundlage beruht. Das waren die zwei verhängnisvollen Grundirrthümer der modernen Welt, daß man wähnte, ober doch so handelte, als ob die menschliche Gesellschaft lediglich auf politischen, polizeilichen und materiellen, nicht aber auf sittlichen, ja ganz und gar auf sittlichen Grundlagen beruhe, — und der andere Irrthum ist an Verderblichkeir diesem gleich, daß man wähnte, man könnte eine ausreichende, ächte, lebendige und lebensfähige Sittlichkeit im Einzelleben, in der Familie unv im öffentlichen Leben anf eine trockene und unsichere philosophische Moral, man könne sie überhaupt auf eine andere Grundlage stützen, als anf eine lebendige positive Religion, mit andern Worten auf das lebendige, positive Christenthum, wie eS — wohlgemerkt — nicht etwa erst zu schaffen, sondern wie es im Volke, weil von Ureltern ererbt, weil mit der Muttermilch eingesogen, weil in alle Lebcnsverhältnisse verschlungen, als Thatsache vorhanden ist. Mag es noch Leute geben, die, der abgestandenen und Bankerott gewordenen Weisheit des 18ten Jahrhunderts huldigend, diese Wahrheiten nicht hören wollen, — es ist gewiß, daß alle Staaten und die Gesellschaft zu Grunde gehen, wenn und wo dieselben nicht anerkannt uuo zur praktischen Geltung gebracht werden. Die Missionen aber sind thatsächlich daS Mittel, um jene tiefste Grundlage aller Sittlichkeit und aller socialen Tugenden, das lebendige und praktische Christenthum kräftig herzustellen. Denn auch das ist eine Thatsache, daß durch den Zusam- 46 menfluß vieler Ursachen und zuletzt noch in dem tollen Treiben der letzten Jahre, wo aller moralische Unrath aufgewühlt auf die Oberfläche des Lebens trat, jene religiöse Grundlage vielfach erschüttert und gleichsam wie mit Trümmer und Schlamm bedeckt wurde. Das geschah in hohem Grade auch in Mainz, dieser Stadt, welche durch ihre Geschichte und ihren ganzen Charakter eine vorzugsweise katholische Stadt ist, so daß sie wohl zu Grunde gerichtet, aber nimmer ihr ein anderer Charakter auf- gezwnngen werden kann; für sie ist also die Mission, diese großartige religiöse LebenS- erneuening in der That von jedem Standpuncte, der nicht jener der Zerstörung selbst ist, als ein höchst wichtiges und heilbringendts Ereigniß zu betrachten. Wir wollten nun einige Tage warten, um ein einigermaßen sicheres Urtheil, wenn auch nur ein vorläufiges, über die Wirksamkeit der Mission uns zu bilden, und können wir nun sagen: eS scheint gewiß, daß die Mission in einer sehr großartigen und fruchtbaren Weise verlaufen wird. Man komme um fünf Uhr des Morgens in den Dom, und seine weiten Räume sind dicht gedrängt voller Menschen, und wohl mehr als die Hälfte derselben mögen Männer seyn; man gehe hierauf 3'/» Uhr nach St. Emmeran, AUeS ist gedrängt voll Menschen; und eben so findet man es wieder um 2 Uhr Nachmittags in St. Emmeran, um 4 Uhr im Dome, Abends 6 Uhr in St. Emmeran und um 8 Uhr im Dome; in dieser Stunde wächst die Menschenmenge inS Ungeheure, wohl an die 8—10,000 mögen sich hier zusammendrängen. Das ist die Eine Thatsache; die andere ist, daß die Frequenz stets zunimmt, in sehr merklicher Progression; wie ein Magnet zieht die Mission an, in weitern und immer weitern Kreisen. Die dritte Thatsache ist, es findet keine, nicht die mindeste Störung statt, ja kaum hört man da und dort eine alberne Aeußerung, — vor nicht langer Zeit ist daS bekanntlich ganz anders gewesen. Eine vierte Beobachtung, die sich Jedem aufdrängt, ist die Art und Weise, wie die Predigten gehört werden. Da ist diese unermeßliche Menge und wo man hinsieht, bemerkt man fast nur ernste, gesammelte Mienen; da ist diese unermeßliche Menge, und eS herrscht die tiefste Stille schon vor dem Beginne der Predigten; auch die Menschenströme zu der Kirche, auS der Kirche bewegen sich in merklicher Ruhe und Stille; während der Predigten aber kann man öfters eine Stille bemerken, die fast einen größern Eindruck macht, als das Wort des Redners, die sie hervorrief. Auch jene tiefe Rührung, die in Thränen sich kundgibt, welche nicht durch sinnliche Motive, sondern durch erhabene Wahrheiten und tief innerliche Gemüthsbewegungen verursacht werden, zeigt sich öfters. Unter den Missionären sind freilich mehrere, die Alles besitzen, was den Redner ausmacht und man ist ihrer Bewunderung voll; aber dennoch schiene eS unS sehr irrig, ihren rednerischen Mitteln jene Erscheinungen zuzuschreiben; der Grund liegt vielmehr in der Kraft der christlichen Wahrheiten selbst, von denen eS unS nicht wundern kann, daß sie da, wo sie auf einmal, gleichsam wie die Sonne aus dichten Nebeln, mit concentrirter Stärke und mit vereinigten Strahlen hervorbrechen, ihren Einfluß auf ein Volk üben, daS seiner innersten Wesenheit nach christlich ist, aber durch schlimme Zeitverhältnisse in einen Zustand religiösen Zerfalles gekommen, der ihm selbst lästig ist und aus dem heraus eö sich unbewußt nach einem Zustande deS innern Friedens sehnt, den die Mission ihm nahe bringt. (Mainzer I.) Paris. Paris, 25. Jan. Heute feiern wir in unserer Psarre (St. Nicolas du Chardon- nct) daS Fest der Geistlichkeit. Mit diesem Feste hat eS folgende Bewandtniß. Jede unserer Pfarren hat sich einen bestimmten Heiligen als Patron ihrer Geistlichkeit gewählt und zwar einen solchen Heiligen, der eine gewisse Beziehung zum geistlichen Stande hat und ikm als Vorbild dienen kann. So findet man unter Andern als Patrone: den heil. Petruö, PauluS, Johannes, Carl BorromäuS, Vincenz von Paul u. s. w. Unsere Pfarre hat den h. Franz von Sales gewählt, dessen Fest auf den künftigen Donnerstag fällt und heute anticipirt wurde. Der heutige Tag ist für unsere Geistlichkeit ein Freudentag; man erinnert sich der Gnade der hl. Priesterweihe, gedenkt freudig des WahlspruchS: „Mein 47 LooS fiel mir auf ein herrliches Theil!" man wünscht sich Glück und gibt sich den Bruder, kuß. WaS der Tauftag und sein Jahrestag jedem Christen ist, nämlich eine feierliche Angelobung, den christlichen Glauben zu bekennen und zu befolgen, so wie eine feierliche Erneuerung der Taufgelübde; waS der Tag der ersten h. Communion und sein JahreStag jedem zur innigsten Gemeinschaft mit dem Gottmenschen zugelassenen Christen ist, nämlich eine Angelobung und jährliche Erneuerung dieses Versprechens, mit Christo vereint zu bleiben, wie die Rebe mit vem Weinstock; was der TrauungStag und sein Jahrgedächtniß den Eheleuten ist, nämlich ein Versprechen und eine wiederholte Erneuerung dieses Versprechens, einen Bund zu bilden, wie ihn Christus mit seiner Kirche bildet — das ist, in besonderer Art, auch der heutige Tag der Geistlichkeit, nämlich eine Belebung und Auffri» schung der mit dem Priesterstand übernommenen Gelübde und Pflichten. Man siebt heute nur die Geistlichen um den Allar; alle Chordienste, die sonst von Chorknaben, Chorsängern u. s. w. ausgeführt werden, werden von Geistlichen bestellt, kurz der ganze geistliche Stand ist den Tag über bei allen Feierlichkeiten um den Altar versammelt und zeigt damit an, daß er einzig dem Dienste des AltarS gewidmet ist. Eine ähnliche Erscheinung finden wir hier am Feste der unschuldigen Kinder, wo nur der Priester am Altare ist, alle übrigen Altar- und Chordienste aber von Chorknaben verrichtet werden. Die Knaben sind die Sänger im Chor und wissen sich ihrer Aufgabe vortrefflich zu entledigen. ES versteht sich von selbst, daß die heutige Festrede ausschließlich an die Geistlichkeit gerichtet ist. — Bei dieser Gelegenheit kann ich nicht umhin, auf ähnliche sinnreiche, im christlichen Boden begründete Feste hinzuweisen, die hier bestehen, aber in Deutschland (so viel mir bekannt ist) sich nicht finden. Es sind deren drei, die gewissermaßen ein Ganzes bilden: das Fest deS h. NicolauS, der h. Katharina und der h. Barbara. Ersteres ist nicht sowohl, wie im katholischen Deutschland und Rußland, ein allgemeines Kinderfest, sondern vielmehr das Fest der Knaben und Jünglinge (Is köte cleg Asr?ons). Das zweite ist das Fest der Jungfrauen; und das letzte das der Verheiratheten, oder vielmehr der Frauen. Wo in Paris diese Feste noch gefeiert werden, beschränken sie sich meist darauf, daß man sich gegenseitig beschenkt und daß der betreffende Theil (Knabe, Jungfrau oder Frau) an dem Tage eine gewisse Herrschaft im Hause und in den Gesellschaften ausübt. Der religiöse Charakter dieser Feste ist in unserer Hauptstadt ganz verloren gegangen, und muß man auf die entlegenen Dörfer gehen, um noch einige Spuren davon wieder zu finden. Dort eröffnet eine kirchliche Feier diese Familienfeste, unv jeder Theilnehmende muß der Kirchenfeier beigewohnt haben. In der Kirche, wie zu Hause, genießt der betreffende Theil einen Vorrang, indem er die vorder» Plätze einnimmt, den Gesang leitet und bei den Ceremonien (so weit eö die kirchliche Sitte erlaubt) sich betheiligt. So werden z. B. am Barbaratage die gesegneten Brode (pains dsaits) von den Frauen ausgetheilt. (WaS — beiläufig bemerkt — den Gebrauch betrifft, gesegnete Brode oder Kuchen an den Hauptfesten auszutheilen, so findet er sich in ganz Frankreich und ist ein offenbares Ueberbleibsel der Ngapen oder LiebeSmahle in der ersten Kirche.) Ferner bringt man der Kirche ein Opfer unv läßt die zu vertheilenden Geschenke nicht selten zuerst segnen. Jene drei Feste, wie sie hier in Paris gefeiert werden, erinnern mehr an die heidnischen Saturnalien, als an christliche Feste. So wahr ist es, daß der christliche Geist nur im Stande ist, eine reine und erhebende Familienfeier zu gründen und zu erhalten. Mit dem Umsichgreifen deS modernen HeidenthumS haben jene Feste ihren Sinn und ihre Bedeutung verloren, sind in Bacchanalien ausgeartet und sind, zum Glück, meist eingegangen, Mit dem wiedererwachenden christlichen Geiste wird eS nicht ausbleiben, daß jene Feste auch wieder aufstehen, denn daS Christenthum soll daS Leben der Menschheit beseelen, seinen Schmerz lindern und seine Freude heiligen, gemäß dem Spruche des Apostels: „Freuet euch, aber freuet euch im Herrn!" Im christlichen Mittelalter hatte jeder Stand, jedes Gewerk, jede Anstalt einen eigenen Schutzpatron, den man besonders verehrte. (M. S. Bl.) Mailand. Die Verwendung der barmherzigen Schwestern im großen Civilspital zu Mailand hat nicht nur auf die Krankenpflege ven wohlthätigsten Einfluß geübt, 48 sondern auch in ökonomischer Hinsicht die erfreulichsten Resultate geliefert. Ohne des UmstandeS weiter zu gedenken, daß die ehrwürdigen Schwestern freiwillig auf den jeder Einzelnen für Kleidung zugewiesenen Jahresbeitrag von 100 Lire verzichteten, hat es sich auch herausgestellt, daß, seitvem sie die Verwaltung der Küche übernahmen, diese nicht nur weit besser bestellt war, sondern daß auch in einem Jahre nur 122 Malter Kohlen gegen den alljährlichen frühern DurchschniuSverbrauch von 344 Malter Kohlen verbrannt wurden. Am Brennöl belief sich der jährliche DurchschuittSve» brauch früher auf 222 Pfund, unter der Leitung ver Schwestern wurden nur 157 Pfund gebraucht; an Brod wurden im laufenden Jahre 259 Pfund erspart; an Blutegeln, die sonst nach einmaliger Verwendung weggeworfen, von den Schwestern aber durch zweckmäßige Behandlung zur wiederholten Verwendung vollkommen geeignet erhalten wurden, sind 173,341 Stück in der Zeit von 4 Jahren und 4 Monaten erspart worden, was einer Geldökonomie von 23,292 Lire gleichkommt:c. !c. So berichtet die Wiener Zeitung. Berlin. Berlin, im Januar. Hengste nberg entwirft in der „evangelischen Kirchenzeitung" ein trauriges Bild von der „kirchlichen Verwahrlosung Berlins." Die meisten Kirchen stehen an Sonntagen leer; in der Marien-, Kloster-, Neuen-, Waisen- hauSkirche predigen die Geistlichen für die leeren Bänke, nur sehr wenige, königlichen Patronats, an welchen „gläubige" Prediger angestellt sind, werden besucht. ES erscheint ihm daher ziemlich gleichgiltig, „ob die neue Kirche in der Georgenparochie vollenvet werde oder nicht — denn leere Kirchen mit ihren leeren Predigern seyen ja doch als geistliche Ruinen zu betrachten; möge die äußere Ruine als Symbol dieses ganzen ruinirlen KirchenwesenS dastehen I" Wir wollen nicht untersuchen, ob bloß der Magistrat, der Patron der meisten Kirchen, wie Hengstenberg meint, die Schulv dieser kirchlichen Verwahrlosung trage; merkwürdig sind aber die Mittel, die er zur Abhilfe solcher Noth vorschlägt. Er räth neue Kirchen zu bauen — aus freiwilligen Beiträgen, unv zwar möge der König, wie einst Daviv, „einen besondern Schatz von Golv und Silber" dazu hergeben; dann meint er, könne es nichts Erwünschteres geben, als wenn römisch-katholischer Eifer sich Berlin recht zum Zielpuncte machte. Er ruft daher auS: „Hätten wir erst sechs Klöster in unserer Stadt, sähen wir auf den Straßen eben so viel Capuciner als Constabler, schlüge die katholische Mission erst ihr Lager hier auf, so dürften wir wohl hoffen, daß viele Schlafende zum Eifer erweckt würden. Wir müssen es bedauern, daß der Piusverein im vorigen Jahre den Plan aufgegeben hat, seine Hauptversammlung in dieser Stadt zu halten. Vielleicht wird dieser Plan im nächsten Jahre wieber ausgenommen." — ES muß sehr traurig um die „kirchliche Verwahrlosung Berlins" stehen, da ein Mann, wie Hengstenberg, ein solch verzweifeltes Mittel vorschlägt und die Protestanten durch die Katholikenfurcht in die Kirchen treiben will. Würden sechs Klöster in Berlin gegründet, so würden vielleicht manche Protestanten voll fanatischen EiserS in die Kirchen eilen, um dort: „Eine feste Burg ist unser Gott" zu singen, aber Viele würden auch still zu den Klöstern gehen, um dort zu suchen, wonach ihr Herz sich sehnt, und waS sie in den protestantischen Kirchen nicht finden, wahre Versöhnung mit Gott, wahren Frieden deS Herzens. Hengstenberg lobt seit einiger Zeit wiederholt den ThomaS von Kempen. Möge er denselben wieder und wieder lesen in den stillen Mauern eines katholischen Klosters und das vierte Buch etwa vor dem Tabernakel eines Klo- sterkirchleinS, wo das ewige Licht brennt, eS wird ihm dann vielleicht klar werten, warum die Protestanten ihre Kirchen nicht besuchen, wenn sie auch nach seinem Wunsche Tag und Nacht offen stehen. Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. VerlagS-Jnhaber: F. C. Kremer. Zwölfter Jahrgang. Sonntags-Beiblatt zur Augsburger Pojtzeitung. 15. Februar 7. - 1852. Dieses Blatt erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der halbjährige Abonnementspreis 40 kr., wofür es durch alle königl. bayer, Postämter und alle Buchhaodlimgen bezogen werden kann. Die Kirchenstürmer. „Wohlan! laßt uns die stolze Beste brechen „Mit ihren hohen, altersgrauen Zinnen; „Sonst mögen wir umsonst den Kampf beginnen, „Das Sclavenloos, das uns bedrückt, zu rächen! — > „Erschallt der Wächter Horn von ihren Thürmen, „Da fiuthen, zahllos wie der Sand am Meere, „Der Zwingburg Mauern vor dem Feind zu schirmen, „Heran der Kirche kampfgeübte Heere!" So sprach der Meister von der rothen Gilde, Und mit des Beifalls frevelndem Gcbahren Begrüßten der Gesellen rohe Schaarcn Den Ruf: „Für die Verhaßte keine Milde!" ') — Was von der Bosheit und der Lüge Waffen Im Arsenal des Zcitgeists aufgespeichert, Sehn' wir nun stolz die Helden an sich raffen, Mit buntem Wehrgehänge flink bereichert. Der zielet mit der Läst'rung gift'gcn Pfeilen Hin nach dem Kreuze auf des Thurmes Spitze: Umsonst! des Himmels nahe Nachcblitzc Zerstieben sie, eh' sie das Ziel ereilen; Die graben mit dem Lügcngeist im Bunde In trutzcm Grimme nach dem Fundamente: Doch weh: da starrt ein Fels aus tiefem Grunde, Und muthlos sinken die erschlafften Hände! Hier richten sie die dröhnenden Geschosse Mit sicherm Blicke nach dem Hauptportalc, Da winkt der Herr und sieh': die Kathedrale Steht unentweihet vor dem wilden Trosse! Dort schleudern sie der Lüge Feuerbrände Mit grauftm Spotte nach den hcil'gen Zinnen, Doch ruhig sah'n die grauen Ricscnwände Der Flamme Strom im leichten Sand zerrinnen. Jetzt winkt des lauernden Berräthcrs Tücke Den Kämpfenden, die schon den Muth verlieren: Er will zur Nacht sie in die Beste führen, Ganz nnbclauscht vom scharfen Wächterblicke. Doch eh' die Sonne von dem Tag gewichen, Ist des Verrathes Frevel kund geworden, Und als die Harrenden herangeschlichen, Sah'n sie bewacht die wohlverschloss'nen Pforten! eerssen I'mtsmö! Und nun erfaßt Verzweiflung die Verzagten, So daß sie toll, von blinder Wuth geschlagen, Die Waffen gegen sich zum Morde tragen, Da sie umsonst sich an die Beste wagten. — Doch diese blickt in düsterm Trauern Hernieder auf die blut'gcn Brnderleichcn, Und sühnend raget von den heiligen Mauern, Des Kreuzes unversehrtes Siegeszeichen! Tafrathshofer. Einladung zum GebetSverein für die Vereinigung schiSmatischer Slaven mit der katholischen Kirche unter Anrufung der beiden Slavenapostel Cyrill und MethodiuS. *) „Das letzte Gebet unseres göttlichen Lehrmeisters und Heilandes zum himmlischen Vater für seine Apostel und Gläubigen war, daß sie einig wären, so wie Er und der Vater EinS sind (Joh. 7, 1!). Von gleichem Geiste der Einigkeit beseelt waren auch die Apostel, unter denen der große Weltapostel Paulus die gläubigen Korinther durch den Namen Jesu Christi bittet und ermahnt, keine Spaltungen zu pflegen, sondern vielmehr vollkommen Eines SinneS und Einer Meinung zu seyn (l. Kor. i, 10). Auf diese Grundlage haben auch alle nachfolgenden apostolischen Männer und auch die beiden heiligen Apostel der Slaven, Cyrill und Method, im ausgezeichneten Grade an der heiligen katholischen Kirche gebaut, lebten und wirkten in heiliger Gemeinschaft mit Rom, dem apostolischen Lehrstuhle, dem Mittelpuncte der Einigkeit, und haben alldort nach glorreich vollbrachtem Tagewerke auch ihre Ruhe gefunden. Dieses herrliche Gebäude der Älaubenseinigkeit unter den bekehrten christlichen Slavcnvölkern hat das unglückselige Schisma deS Michael CerulariuS zerstört und den schönen Rock Christi in zwei große Theile (die orientalische und occidentalische Kirche) zerrissen, Völker getheilt, und zwischen Brüdern einen fanatischen Haß angefacht, der durch acht Jahrhunderte dauert, zum großen Nachtheile der Religion und Kirche, so wie jeder wahren christlichen Volksbildung, besonders bei den weit zerstreuten slavischen Völkern. Der glänzende Stern christlicher Civilisation, der den Slaven in den beiden Aposteln Cyrill und Method im 9ten Jahrhunderte so glänzend aufging, ist ihnen im ilten Jahrhunderte durch daS unselige Kirchenschisma untergegangen. Alle Versuche einer Vereinigung sind, mit weniger Ausnahme, großentheils erfolglos geblieben; eine kalte Eisdecke eines tief eingewurzelten NeligionShasseS bedeckt die Herzen auch . der sonst so gemüthlichen, warmen, aber getrennten Slavenvölker, die nur die Gnade Gottes zu brechen, die verschlossenen Herzen zu öffnen und sie mit dem Feuer christlicher Liebe zu erwärmen im Stande ist. Die Kraft deS Gebetes ist wunderbar, und was ein vereintes Gebet vermag, beweisen die zahlreichen Bekehrungen der getrennten Brüder durch England und Deutschland in unsern Tagen. Die GebetSvereine Frankreichs für die Bekehrung Englands, so wie die Gebetsvereine für die Glaubensvereinigung deS durch die sogenannte Reformation zerrissenen Deutschlands haben über die beiden Völker ein neues, frisches, religiöses Leben auSgegossen, daö als ein Geschenk GotteS für die katholische Kirche eine erfreuliche Zukunft verkündet, während im Lager deö unglückseligen SchiSma eine starre Grabesstille herrscht, die nur häufige Vorfälle deS lieblosesten Fanatismus unterbrechen. Und doch sind unS die nichtunirten Griechen so nahe in Anbetracht der UnterscheidungSlehren, den Slaven so nahe der Abstammung und der Sprache nach. Die unselige Glaubensspaltung ist die große Scheidewand, die unS gegenseitig entfremdet; und so lange diese Mauer nicht fällt, ist jede bleibende Annäherung und ") Der hochwürdigste Herr Fürstbischof von Lavant hat diesen Gebetsverein bei den Priester- Erercitien in seiner Diöcese in Anregung gebracht, und obenstehende Einladung zum Beitritte erlassen; welche wir, an uns geäußertem Ansuchen gemäß, gern diesem Blatte einverleiben. D. R. 51 Befreundung vergeblich. Das unselige Schisma hat uns getrennt, die Beseitigung deS SchiSma allein kann uns vereinen zu einem gemeinsamen Anstreben einer wahren christlichen Bildung. DaS wirksamste Mittel dazu ist ein GebetSverein, nicht etwa zu einer leidenschaftlichen Polemik, nicht zu einer unedlen Proselytenmacherei, sondern zur frommen christlichen Fürbitte, daß Gott, der ein Gott der Wahrheit, der Liebe und Einigkeit ist, unsern zertrennten Brüdern das Licht der Wahrheit anfachen, die Tugend der wahren Demuth beleben, die uneigennützige Liebe vermehren, und Alle zur Einigkeit teS Glaubens und der Hoffnung führen möge. Es erhob sich im Jahre 1342 eine Stimme auS Baden und forderte die katholischen Brüder zu einem GebetSvereine, für die irrenden und ungläubigen Mitbrüder Deutschlands zu beten, auf. Mit großer Freude wurde diese Aufforderung besonders vom katholischen Klerus vernommen, ES schlössen sich sogleich mehrere Priester und Laien dem GebetSvereine an und sammelten zu Hunderten betende Mitglieder. Dieß war der Grund zu dem schönen St. Bonifaciusverein, der nun für die Bekehrung und Einigung Deutschlands so kräftig wirket. Und eben reiset der berühmte Pater Jgnaz v. St. Paulo, einst Lord Georg Spencer, vormaliger anglicanischer Pfarrer, durch Irland, England, Deutschland und Italien, klopft an die Thüren der Katholiken und Protestanten, ladet alle zur Glaubensvereinigung ein, und hat für die Ausgleichung unserer religiösen Spaltungen eben durch die GebetSvereine mehr, als irgend einer seiner Zeitgenossen gethan; denn dadurch erwacht die wahre christliche Liebe, und wird einen mächtigen und heilsamen Einfluß auf die Neugestaltung Europas, sowohl in religiöser als socialer Beziehung ausüben, indem es ja eben die religiösen Zwistigkeiten sind, welche den Völkern eine Quelle noch größeren Uebels, als die gegenwärtigen sind, zu werden drohen. Die Einheit der Religion wieder herzustellen soll darum das eifrigste Bestreben eines jeden wohlwollenden Menschenfreundes, um so mehr eines jeden Katholiken seyn, dem die Religion, Nation und Vaterlandsliebe heilig sind. Diesem nach lade ich hiermit alle meine Mitbrüder, als Mitgenossen des Amtes, der Sprache und der Abstammung zu einer größern GebetSvcrbrüderung ein, auf daß der Vater deS Lichtes, von dem eine jede gute Gabe, besouders aber die Gabe deS Glaubens kömmt, durch die Verdienste Jesu, durch die Vermittlung Maria'S, der hochgebenedeiten Mutter unseres Heilandes, und durch die Fürbitte der beiden Slavenapostel, St. Cy- rilluS und MethodiuS, unsere durch die unselige Kirchenspaltung getrennten Brüder, und Schwestern zur Gemeinschaft unserer Mutter, der katholischen Kirche, führen wolle. Satzungen dieses Gebetsvereines. 1) Jedes Mitglied verpflichtet sich, täglich Ein Vater unser und Gegrüßt seyst du Maria, mit dem Beisatze: „Heil. CyrilluS und MethodiuS, ihr großen Apostel der Slaven, bittet für uns!" auf obige Meinung zu beten. 2) Am 9. März, als am Gedächtnißtage der beiden hl. Slavcnapostel, wollen alle Priester auf obige Meinung ein hl. Meßopfer Gott darbringen; die Laien aber nach abgelegter HI. Beichte die hl. Communion aufopfern. 3) Jedes Mitglied suche in seiuer Umgebung Theilnehmer zu werben, und scheue keine Mühe, um alle Wohlmeinenden, besonders aber Slaven zu dieser Gebels- vereinigung zu bewegen, auf daß sie sich und den getrennten Brüdern die Vervollkommnung in allen christlichen Tugenden, namentlich aber in der Demuth (der Hochmuth ist die Grundursache der Trennung) und in der christlichen Liebe (sie ist daS Band der Völker und Nationen) erflehen mögen. Die ächte Demuth wird alle Hin- dernisse der Einheit beseitigen und die Liebe in allen Herzen daS Verlangen nach christlicher Einheit entzünden, zugleich aber auch die Uebel deS SchiSma mildern. Welche katholische Seele, die daS uucrfaßliche Glück fühlt, ein Kind der allein wahren und eben deßhalb der alleinseligmachenden, römisch-katholischen Kirche zu seyn, sollte nicht auch das sehnlichste Verlangen haben, dieses höchste Glück hienieden auch seinen außenstehenden Brüdern und Schwestern, die sich nicht in dem Einen Schafstalle deS Einen guten Hirten befinden, und auö eigener oder fremder Schuld von dem 52 Felsen, auf den Christus seine Kirche gegründet (Matth. 16, 18), getrennt sind, durch sein kleines Scherflein baldmöglichst zu vermitteln, auf daß Alle Theil haben an der vollen Hinterlage deS Glaubens, so wie an allen Gnaden und Verheißungen der katholischen Kirche. Indem aber der Glaube nicht ein Werk der Natur, das durch VerstandeSbegriffe, nicht ein System, daS durch Vernunftschliisse constituirt wird, sondern eine reine unverdiente Gabe GotteS ist, und Niemand zu wahrer Erkenntniß desselben gelangt, außer eS ziehe ihn der Vater mit seiner Gnade hinzu (Joh, 7, 44), so ist vor Allen zur erwünschten Vereinigung das gläubige, vereinte und beharrliche Gebet nothwendig, damit Alle zur Erkenntniß der Wahrheit und dadurck zu ihrem wahren Heile gelangen (1. Tim. 24). Darum, ihr Alle, jeden Alters und Standes, die ihr eure Kirche, eure Nation und Sprache wahrhaft liebet, bringet zum wahren Heile derselben dieses kleine Opfer, daS aber durch daS vereinte Gebet großen Segen bringen wird, und treret diesem Gebetsvcreine bei, auf daß wir Alle Eins werden durch den, der die Erwartung der Völker ist. Ihm sey Lob und Ehre. Amen." Charlotte Henriot, oder Ergebung und Aufopferung. (Fortsetzung.) X. Stieftochter und Stiefmutter. Die Gesundheit Melaniens hatte seit ihrem Mißgeschick große Stöße erlitten; sie hatte sich eigensinnig gegen die Behandlung eines ArzteS aufgelehnt, vorgebend, daß eS sich der Mühe, zu leben, nicht mehr lohne, und selbst durch Charlottens Nähe nicht begreifend, daß daö Leben eine auferlegte Pflicht und nicht ein Vergnügen ist, dessen man genießen soll. Eines TageS endlich, von ihrem Zustande überwältigt, konnte sie daS Bett nicht mehr verlassen, beunruhigende Anfälle erfolgten, und sie wurde von dem Arzte zur strengsten Sorgfalt und der entschiedensten Ruhe aufgefordert. „Und wer wird mich denn pflegen?" rief sie mit Bitterkeit aus. „Ich, liebe Mutter, wenn du eS mir erlaubst," erwiverle Charlotte sanft. Von diesem Augenblicke an wurde sie in der That die eifrigste, wachsamste Pflegerin; jedoch entschloß sie sich nicht ohne geheime Kämpfe zu dem engen, immerwährenden Zusammenseyn mit der Frau, die "der Tyrann ihrer Kindheit und die Ursache all ihrer Seelenleiden war. Sie empfand eine unwillkürliche Abneigung gegen ihre Stiefmutter, und seit lange war ihr Leben ein beständiger Kampf zwischen einem sie von derselben entfernenden Gefühl und der unwiderstehlichen Liebe zu der Tugend, die sie täglich zu neuen Opfern anregte; denn Diejenigen, welche das Gute erkämpfen wollen, entdecken jeden Tag neue Felder für ihre Siege, neue Gesichtskreise für ihre Selbstverläugnung und Nächstenliebe. Die Krankheit Melaniens war der fruchtbare Acker, von dem Charlotte ernten sollte. Ihre treue, aufopfernde Pflege wurde zuerst mit der ihrer Stiefmutter eigenthümlichen Trockenheit und Gefühllosigkeit angenommen, aber daö liebe Mädchen ließ den Muth nicht sinken. Sie brachte all' ihre Zeit in diesem kleinen Zimmer zu, arbeitend oder schreibend während der kurzen Augenblicke, wo daö Leiden oder die Laune der Kranken eö ihr erlaubten, weder von Ermüdung, noch von den abstoßendsten Beschäftigungen zurückgehallen. , Zuweilen sank ihr der Muth unter dieser Last. Tiefe Traurigkeit ergriff ihre Seele bei'm Anblicke dieses kalten, ernsten Angesichtes, dieses ärmlichen und dunkeln Stübchens, dieser sie drückenden Obliegenheilen; aber ein Seufzer zu Gott erhob sie; sie gedachte deS glorreichen EndeS dieser kurzen Pilgerfahrt, und crmuthigte sich, weiter zu gehen. Oft auch opferte sie ihren eigenen Kummer für die Kranke auf; ihre zurückgehaltenen Thränen, ihre bekämpften Wünsche stiegen dann gewiß als ein 53 köstlich wohlriechendes Opfer zum Himmel auf, und sprachen am Richterstuhl Gottes für Melanie, wo so oft die Barmherzigkeit die Gerechtigkeit entwaffnet« Eines TageS war Charlotte zu Füßen der Mutter beschäftigt, eine böse Wunde am Fuße zu verbinden, deren Anblick mehr als eine Krankenwärtcrin vor Ekel zurückgescheucht hätte. Wider Willen wurde Melaniens Aufmerksamkeit durch diese jungen und rührenden Züge gefesselt, die sich zu ihr niederbeugten, und welche das vollendete Bild der Sanftmuth und Liebe waren. Eine schnelle Erinnerung hielt der Frau Henriot das Leben dieses KindeS vor, in Verlassenheit und der ungerechtesten Unterdrückung verflossen; ihr Gewissen erwachte zum ersten Male, und plötzlich durch die sie so beschuldigende Vergangenheit sich tief betroffen fühlend, fragte sie sich selbst, woher sie so viele Aufopferung verdient habe. Das Herz durch ungekannte Rührung gepreßt, in der sich die Bitterkeit der Vorwürfe und die Freuden eines werdenden Wohlwollens vermischten, sagte sie: „Charlotte, du bist mir sehr gut, ich habe eS nicht verdient--" Charlotte wurde roth, und als sie sich bückte, um ihr Geschäft fortzusetzen, fiel ein Crucifir'(daS ihrer Mutter) von ihrem Busen. Frau Henriot betrachtete eS lange stillschweigend und sagte dann: „Du bist fromm, sehr fromm, darum glaube ich, bist du auch so gut. Ich habe dir noch nichts gesagt, aber seit lange rührt mich deine treue Pflege, und ich fühle wohl, daß ich sie Gott und nicht mir verdanke." „Wirklich, liebe Mutter, wenn etwas in mir dir hat gefallen können, so hat Gott eS mir gegeben--für dich gab er mir das Herz einer Tochter---" „Einer Tochter! Sprich nicht so, Charlotte, du kannst, du darfst mich nicht lieben; ich bin so hart und ungerecht gegen dich gewesen, und doch fühle ich — wäre eS mir süß, von dir geliebt zu werden I" Bei diesen Worten erhob sich Charlotte, nahm der Stiefmutter Hand, und sah sie mit Blicken an, die so klar von der Zärtlichkeit und Reinheit ihrer Gesinnungen zeugten, dann sagte sie: „Ich liebe dich, Mutter, sey dessen gewiß!---" „Aber das Vergangene! — kannst du eS vergessen, verzeihen?" „Ich erinnere mich dessen nicht mehr--" „Aber Gott denkt daran, Er wird mir nicht vergeben!" „O Mutter, was sagst du da? Gort, der dich tausendmal mehr liebt, als ich es kann, Er sollte die Fehler nicht verzeihen, deren du dich anklagst!" „Wenn ich es glauben könnte! Das Vergangene verwirrt mich; seitdem ich dich so beständig um mich beschäftigt sehe, begreife ich, daß du Gott angenehm bist, und daß Er mich verabscheuen muß.— Höre, Charlotte, sprich mir noch mehr von Gott--vielleicht könnte ich noch einst dazu gelangen, wie du, ruhig und heiter zu werden —" Charlotte, wenig unterrichtet in andern Gegenständen, verstand es, von Gott auS der Fülle des Herzens zu reden; Er war ja der beständige Gegenstand ihrer Gedanken, das Ziel ihrer Neigungen, der Führer und Eingeber all' ihrer Empfindungen. Sie sprach von Ihm mit einer zärtlichen und kindlichen Freude, die allmälig das Herz ihrer Mutter durchdrang. Der Gott, den Diese sich bisheran als den strengen Gott gedacht, sitzend in Seiner ewigen Nnveränderlichkeit, verschwand, und das sanfte und väterliche Bild des Christengvlies trat an dessen Stelle, dieses Gottes, der uns mehr liebt, als eine Mutter, „denn diese kann ihres Kindes vergessen, aber Er vergißt unser nicht;" das Bild des barmherzigen Gottes, der daS Lager deS Armen bewacht, und welcher der Vertheidiger der Wittwe, der Vater der Waise ist; der, weit entfernt, gleichgiltig gegen unser Geschick zu seyn, kein Haar ohne Seinen Willen von unserm Haupte fal!en läßt, der unsere Namen in Seine Hände gezeichnet, dessen Liebe von Ewigkeit her über unS gewacht; diese göttlich erhabene Liebe, welche vor dem Werden der Welten war, und die im Voraus die armen Wesen umfaßte, welche dazu bestimmt waren, diese Erde zu bevölkern! Dieser große und gute 54 Gott war eS, den Charlotte sich bemühte, ihre Stiefmutter kennen zu lehren. Sie sprach ihr vorzüglich von Jesus Christus, unserm Heilande, und mit welchem Tone, welcher Liebe! DaS einfache junge Mädchen wurde beredt, wenn sie in naiver Sprache die Krippe beschrieb, worin der Sohn Gottes geboren, der ärmer war, als das ärmste unter den Kindern der Menschen; die Werkstatt von Nazareth, wo Er dreißig Jahre lang sich den Arbeiten unterzog, die das Erbtheil der Söhne AdamS geworden sind; dann die drei Jahre der evangelischen Ernte, während welcher das fleischgewordene Wort durch Sein Beispiel, unterstützt durch Wunder, daS göttliche Gesetz bestätigte, daß Er der Welt zu geben kam; dann endlich den Calvarienberg, wo Er mit Seinem Blut das Vermäcktniß Seiner Liebe besiegelte. Charlotte ergriff mit Eifer jede Gelegenheit, um ein Wort über diesen theuren Gegenstand zu reden, der ihre ganze Seele beherrschte. Diese Unterredungen waren oft kurz, oft unterbrochen durch die täglichen Verrichtungen; aber ihr ganzes Leben, ihre kleinsten Handlungen bestätigten die göttliche Lehre, in welcher zu unterrichten sie sich bemühte. Melanie, durch ihr Leiden an ihr Zimmer gefesselt, fand Geschmack an diesen Gesprächen, deren Gewicht noch einige gute Bücher unterstützten. Die dankbare Anhänglichkeit, welche Charlotte ihr einflößte, öffnete ihre Seele den Strahlen der Wahrheit und den klaren Bächen der Gnade — Gott hatte zugelassen, daß in diesem harten und stolzen Herzen der Hochmuth durch Unglück gestürzt, der Haß durch unaufhörliche Wohlthaten entwaffnet werde, und von dem Tage an, wo Melanie sich demüthigte, wo die Freundschaft ihre Seele erhellte, wurde sie eine Christin; denn daS 'süße Gesetz deS Heilandes kann wie eine himmlische Pflanze nur in den durch Demuth geläuterten und durch Liebe erweiterten Herzen blühen. So sagt der heilige Bischof von Genf. XI. Die beiden Schwestern. Die Krankheit der Frau Henriot hatte Charlotte nicht von der Sorge und Aufsicht abgehalten, deren ihre junge Schwester bedürfte. Sie bemühte sich, ihr Liebe zur Arbeit, Sanftmuth, Bescheidenheit, Liebe zur Einsamkeit, alle die bescheidenen und starken Tugenden einzuflößen, die der Schmuck der Frau nach dem Evangelium sind, deS durch das Christenthum wiedergeborenen WeibeS, daS unter dem häuslichen Dache große Dinge verrichtet in der Uebung eines verborgenen Lebens und in den täglichen Kämpfen mit Leiten und Unglück. Besonders suchte sie Felicie zur Frömmigkeit hin« zuneigen, jener einfachen und wahren, die für Gott die täglichen Pflichten deS LebenS erfüllt und nur Ihn zum Zeugen ihrer Bestrebungen, als Trost ihrer Leiden und Lohn ihrer Kämpfe sucht. Aber bis jetzt hatte der leichtsinnige Charakter der Schwester alle Versuche Charlottens vereitelt; daS Beispiel wurde nicht verstanden, Ermahnungen nicht angehört, Vorwürfe blieben ohne Erfolg, und selbst die harten Lehren des Unglücks hatten das Gemüth deS jungen Mädchens erbittert, ohne ihre Vernunft zu reifen. Einige Pensionsfreundinnen, so leichtsinnig wie möglich, unterhielten in ihr einen Geist des Widerspruches gegen Charlottens Wünsche, und die Krankheit von Frau Henriot machte diese Verbindungen inniger und häufiger. Mit Schmerz bemerkte Jene die üble Wirkung davon, und nachdem sie geduldig Feliciens Vernachlässigung und ihre kühnen und spöttischen Antworten ertragen, glaubte sie sich verpflichtet, mit einiger Strenge zu handeln, und die Nachsicht, mit welcher sie bisher die Fehler deS KindeS übersehen, im Hinblick auf der Schwester Zukunft durch Ernst zu ersetzen. Die Gelegenheit dazu bot sich bald: Es war im Frühjahr, und die ländlichen Feste zogen zahlreiche Spaziergänger zu jenen armen und malerischen Hütten, mit denen die Picardie übersäet ist, und die nichts der Kunst, aber Alles der Natur verdanken. EineS TageS kündigte Felicie der Schwester kurz an, daß sie den übermorgenden Tag, einen Sonntag, mit einer ihrer Freundinnen und deren Familie zur Kirchweihe nach ValloireS zu gehen gedenke. Charlotte besann sich einen Augenblick, und sagte dann einfach: 55 »Dieses Vorhaben ist nicht passend für dich; du wirst eS daher nicht ausführen." „Und warum nicht? Wer wird mich davon abHallen?" „Ich, die während unserer Mutter Krankheit und der Abwesenheit unseres Vaters über dich wachen und dich abhalten muß, an gefährlichen Vergnügungen in einer noch gefährlicheren Gesellschaft Theil zu nehmen. Mein Gewissen verbietet mir, dir dieses zu erlauben, und ich wiederhole, du wirst hier bleiben." Nachdem dieß gesagt war, setzte sich Charlotte nieder, nahm die Feder und schrieb den Angehörigen Albertinenö (der Freundin ihrer Schwester) einige Zeilen mit höflichen, aber bestimmten Entschuldigungen. Dann rief sie den im Nebenzimmer arbeitenden Bruder, und bat ihn, dieß Billet gleich wegzutragen. Während dieser Zeit machte Fclicie den AuSbrüchen ihrer Thränen und ihrer Widersetzlichkeit laut und lärmend Luft. Um sie zu besänftigen, wollte Charlotte ihr die Hand reichen, die aber unsanft zurückgestoßen wurde; sie sagte ihr nur milde: „Liebe Felicie, du hast keine bessere Freundin, als mich; dieß beweist dir heute meine Strenge; hoffentlich wirst du es noch einmal einsehen, und dann werden wir unS verstehen/' Felicie brachte den ganzen Freitag und Samstag abwechselnd in Schmerz oder Zorn zu; sie weinte, sie beschuldigte ihre Schwester, unv ihr Murren wurde noch stärker, als sie Samstag Abend den ruhigen, herrlichen Sonnenuntergang als Vorboten deS schönsten Tages sah. Wirklich beleuchtete am Sonntage die Maisonne strahlend das kleine Stübchen, daS die Schwestern beim Ausgange auS der Messe betraten; man hörte das Säuseln deS LaubeS von den Bäumen deS Walles, aus der Straße sah man Familien im Sonntagsstaat daS Land aufsuchen, welches so schön seyn mußte mit seinen blühenden Gebüschen, mit seinem unter leisem WindcShauche zitternden Korn und seinen in der ersten Frische ihres Schmuckes prangenden Gehölzen. Felicie betrachtete mit übler Laune die hüpfenden Sonnenstrahlen im Zimmer und rief: „Albertine ist jetzt schon weit---wie werde ich mich ergötzen, diese alten Bücher nochmals zu durchlesen oder alte Geschichten anzuhören! —" Sie wurde durch das Geräusch eines Wagens unterbrochen, der an der HauS- thüre hielt; es stieg Jemand die Treppe herauf, öffnete die Thür, und unsere Mädchen sahen Herrn Ravin eintreten, der lustig ausrief: „Wir kommen, Felicie zu holen, um mit ihr den schönen Tag in St. Valery zuzubringen; am Abend kehren wir zurück. Der Wagen ist unten mir meiner Frau und meiner Tochter--sie warten schon — komm, eile dich, meine kleine Felicie!" Diese, ganz erstaunt, suchte in den Augen der Schwester zu lesen. Lachend aber stieß Charlotte sie sanft in ihr Schlafzimmer, wo das betroffene Mädchen auf dem Bette ihren frischesten Sommeranzug bereit sah: ein Jaconnet-KIeid, Handschuhe, ein Gürtel, ein weißes Mantelet, Alles war durch die zuvorkommende Sorge der Schwester hergerichtet. Charlotte kleidete sie an, ohne ihr so zu sagen Zeit zu lassen, zu sich selbst zu kommen; dann führte sie Felicie zu Frau Henriot, die sie mit dem Wunsche zu einem fröhlichen Tage umarmte. Endlich rollte der Wagen weg, daS Kind zu entführen, daS noch zu träunun glaubte. Charlotte sah ihr nach und ging beglückt ins HauS zurück. Am andern Morgen arbeitete Felicie neben ihrer Schwester; sie hatte wenig gesprochen, weil sie sich noch ein wenig der bösen Laune schämte, die sie in den vorhergehenden Tagen gezeigt; jedoch faßte sie einen Einschluß, erhob den Kopf und sprach: „Herr Ravin hat mir gesagt, daß ich eS deiner Bitte verdanke, von ihm und den Seinigen gestern abgeholt worden zu seyn, daß du für mich diese allerliebste Partie eingerichtet hättest, ich danke dir sehr dafür!" Mehr vermochte sie nicht zu sagen; denn sie empfand in Charlottens Gegenwart eine lebhafte Verlegenheit als Folge deS großen Unrechts gegen diese. Die ^ Schwester nahm freundlich ihre Hand und entgegnete: > 56 „Felicie, mein liebes Schwesterchen, ich hatte dir ein Vergnügen entzogen, daS mir nicht schicklich für dich schien; eS war also ganz billig, dich zu entschädigen. Gestehe aber, du hast mich sehr streng gefunden?" „Aber--" „Ich gebe das zu; immer werde ich streng seyn, wenn es sich um deine Grundsätze und um deinen Ruf handelt; denn ich bin deine beste Freundin, dein Mentor, in einem Wort: deine Schwester. — Ich wünsche dich glücklich und geachtet zu sehen, und verlange von dir das Bestreben, dich zu beherrschen, einige, vielleicht etwas mühsame Ueberwindungen; aber immer werde ich bereit seyn, dir Vergnügen zu verschaffen, und über dein Glück mich zu freuen." „Du bist gut, liebe Schwester —" „Ich habe dich jieb, siehst du, darin liegt Alles--" „Ich verkannte dich sehr —" „Verstehst du mich denn jetzt?" Felicie legte ihren Kopf auf Charlottens Schulter, sie weinte, erweicht durch Güte und schwesterliche Liebe, diesen Herzensschatz, den ihre so lange verblendeten Augen zum ersten Mal entdeckten. AIS diese Rührung ein wenig vorüber war, sagte Charlotte weiter! „Wir verstehen uns jetzt und werden eS immer thun. Glaube mir, Felicie, ich habe nur einen Wunsch, den, dich glücklich zu sehen, so wie auch unsere Mutter; aber siehst du, daS Glück ist vor Allem in uns, es wohnt im Gründe unseres Herzens, in dem Zeugnisse unseres Gewissens, in der stillen Freude einer Seele, die mit Gott, mit den Menschen und sich selbst in Frieden ist. Dieses Glück können Alle, erlangen, eS ist von allen Vorfällen des Lebens unabhängig; aber du wirst eS nicht anders erreichen, als in Erfüllung deiner Pflichten, indem vu gut und weise bist; ^ das häusliche Glück erkauft sich durch Opfer, durch gegenseitiges Ertragen — du wirst die Fehler meines Charakters verzeihen, ich die Verirrungen deS deinigen; wir werden uns beide in dem Willen vereinen, unserer Mutter Achtung und kindliche Liebe zn beweisen. — Die Achtung Anderer trägt auch zu unserm Glücke bei, man gewinnt sie durch eiji geordnetes, arbeitsames Leben, durch Sanftmuth, durch die Gefälligkeit, die man in gesellschaftlichen Beziehungen übt--Ich denke mir, daß unser Glück aus diesen drei Elementen besteht: Frieden mit Gott, Familien-Anhänglichkeit und Aufopferung für Alle--Wirst du mir nicht helfen, dieß zu erreichen?" „Werde ich das können?" „Warum nicht? Und nun noch eins: Willst du einen schönen Anfang zn dem Leben deS Glückes machen, das ich dir vorschlage? In drei Tagen denkt die Mutter zuerst wieder auszugehen, und natürlich geht sie, dem guten Gott zu danken, der ihr die Gesundheit wieder schenkt; sie hat sich vorgenommen, in die Messe nach St. Wulfram zu gehen.--Vereinigen wir unsere Danksagungen mit den ihrigen, nähern wir unö dem heiligen Tisch, und dann wollen wir Gott versprechen, Ihm zu dienen, Ihn zu lieben und von ganzem Herzen unsere Pflichten zu erfüllen. — Willst du diesen Vertrag eingehen und ihn durch eine heilige Communion besiegeln?" — Drei Tage nachher ging Frau Henriot, obgleich noch schwach und blaß, aber mit heiterm Antlitz zum heiligen Abendmahle, auf Charlotte gestützt und von Felicien gefolgt, deren Züge den glänzenden Ausdruck wiedergewonnener Unschuld trugen. Als Charlotte so zwischen Mutter und Schwester kniete, gedachte sie auf einmal deS Tages ihrer ersten heiligen Communion, wo sie an demselben Platze in gänzlicher Verlassenheit von den Menschen ihrem Heilande gelobt hatte, Die zu lieben, welche sie haßten, und Denen wohlzuthun, durch die sie so viel gelitten. Sie hatte ihr Versprechen erfüllt, und indem sie über sich selbst gesiegt, hatte sie über Andere einen leichtern Sieg erfochten, und jetzt brachte sie die so eroberten Seelen zu Füßen des Hirten aller Schäflein-- _(Schluß folgt.)_ Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. Verlags-Jnhaber: F. E. Krcmer. Zwölfter Jahrgang. Sonntags-Beiblatt ,» Hub'.?!"""«' <-'< ich-» m?Ii anl^n^uL 1^^»»WH> .n«,s "° «»« "w«u >nl! .^U ^.ij chttv Zum v M^n'^ ,mil^sliljdils. N»W hvl A<-I6 ichiu illiW zimm! iiZÄdE n'»1 , i!?llizftns Mini Augsburger PsAZeitunl;. i^düliilik ziuin'itN'1 ^ii!^_ ^ »nld'lN^isK 7ÜIN!dt<^sN7Z ,NÜl«N^s/p7Z ZI-Z W>l I»ti>slls!l-M 2s. Februar ^. 8. 1852. Dieses Blatt erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der halbjährige Abonnementavreis TV kr., wofür cS durch alle königl. bayer. Postämter und alle Buchhandlungen bezogen werden kann. Die Bibliothek eines Landgeistlichen. I. Nothwendigkeit derselben. Wenn die Kirche noch einmal auf dem europäischen Boden ihren Triumph feiern soll, so kann derselbe nur ein geistiger seyn. Ohne Hilfe der materiellen Macht, welche im Mittelalter als Werkzeug der Kirche diente, muß dieser Sieg erfochten werden, rein durch die Gewalt der Wahrheit und der Liebe. Möglich ist dieser Sieg, denn auch daS römische Reich wurde ohne Waffengewalt besiegt; nothwendig ist er, denn die Kirche muß retten, waS sie retten kann; ja sogar wahrscheinlich ist er, denn an allen Orten regt sich eine neue Streitkraft des Glaubens und der Liebe, wahrend im Heerlager der Welt düstere Schwermuth, finsteres Pläne- schmieden oder bacchantische Lustigkeit überHand nehmen. Die Schwüle der Zeit wird allgemein gefühlt. Es ist als ob es in der Luft läge. Ja, wir dürfen eö hoffen, freudig hoffen; Gott hat die Wurfschaufel in die Hand genommen, um seine Tenne zu reinigen, und eS fließt in demselben Grade der Strom seiner Gnade mächtiger, als die Zeit der Entscheidung näher rückt. Nun ist eS aber eine allgemein bekannte Sache, daß der Sieg der Kirche nicht durch die Orden allein, sondern hauptsächlich durch die Weltgeistlichkeit erfochten werden muß; denn der Sieg der Kirche ist nicht eine augenblickliche Anstrengung, worauf Ruhe folgt, sondern das mächtige Aufblühen eines BaumeS, der über seine Umgebung hinaus Aeste treibt, und immer größere Kraftfülle erlangt und nöthig hat, um sich in seiner Stellung zu erhalten, unv die entsprechende Masse Früchte zu erzeugen und zu tragen. Die Orden sind zum Theil leichte Reiterei für den Vorpostendunst, zum Theil schweres Geschütz für den FestungSvienst; die eigentliche Kernmasse des HeereS, welche die Schlacht entscheidet und die Eroberung behauptet, daS ist die Weltgeistlichkeit, die Generäle sind die Bischöfe, der Felvmarschall ist ter Papst. Wo eine Macht ist, da muß sie herrschen; sie kann gar nicht anders als herrschen. Eine Herrschaft aber, welche keine Macht ist, zerfällt Soll die Kirche herrschen, so muß eS vorzüglich durch den Glauben und die Liebe der Weltgeistlichen geschehen; denn diese haben den regelmäßigen Dienst, sie sind die ordentlichen Arvei- ter, und haben darum die ganze Wucht deS Kampfes auszuhalten, die Last und Hitze deS TageS zu tragen. Aber eben darum ist ihnen auch eine größere Kraft, eine unbeugsame Ausdauer nöthig. Der OrdenSmann kommt; er ist eine ungewöhnliche Erscheinung, sein Kleid flößt Ehrfurcht ein; man ist begierig, ihn zu hören, man merkt auf seine Rede; sein ernstes Wort schneidet tief ein, weil man, besonders heut zu Tage, gewohnt ist, in den Ordenöleuten Männer von tiefer Frömmigkeit zu verehren. Nach wenigen Tagen .szil l>lz-!l! l,U58 tt^ geht er wieder weiter, und so ist er überall neu, überall ungewöhnlich. An den Weltpriester dagegen ist man gewöhnt; er hat die schwierige Aufgabe, immer frisch, immer neu zu seyn. Die Herzen der Zuhörer sind ihm nicht so bereitet; auch bat er nicht bloß das Wort auszustreuen, sondern er muß auch die Saat pflegen, das Unkraut entfernen, den Boden immer von Neuem auflockern; noch mehr: Die Welt sieht mit argwöhnischem Auge auf sein Leben, ob eS auch dem Worte entspreche; die kleinste Makel wird bemerkt, vergrößert, und die Wirkung der Lehre dadurch geschmälert, oft geradezu vernichtet. Der Missionär trägt eine bestimmte Reihe christlicher Wahrheiten vor, und zwar die erhabensten, ernstesten in ununterbrochener Reihenfolge. Wie aus schwerem Geschütz, auf Einen Punct hin gerichtet, schlägt Kugel auf Kugel ein, so daß selbst der härteste Stein endlich gebrochen wird. Bei dem Weltpriestcr sind alle diese Wahrheiten auf daS ganze Jahr vertheilt, zwischen die einzelnen Predigten tritt jedesmal eine ganze Woche mit all ihren weltlichen Zerstreuungen und Sorgen. Welche Tiefe, welche Lebendigkeit und Innigkeit ist da nicht nöthig, damit der Eindruck der einen Predigt doch einigermaßen bis zur folgenden bewahrt werde! So hat schon in der Lehre die Weltgeistlichkeit eine schwierigere Aufgabe als der RegularkleruS. bp.HL-'stÄnvÄ - In einer andern Beziehung aber steht der Weltpriester ganz einzig da: er ist an die Spitze einer Gemeinde gestellt, um sie zu leiten und zu führen. Diese Sorge, bei weitem die schwerste deS Pncsters, hat er allein. Er ist hier auf den Leuchter gesteckt, zu leuchten Allen, die im Hause sind, mit einem guten Beispiel: Aller Augen sind auf ihn gerichtet. Seine Fehltritte dienen den Bösen zur Entschuldigung, den Guten zum Aergerniß; seine Tugenden sind den Guten ein Antrieb, den Bösen ein Anstoß; er ist das Salz, der Sauerteig, der die ganze Gemeinde durchdringen soll. Er darf nicht fade werden, er darf nicht schwach werden, er darf nicht ermatten. Wie unendlich schwieriger ist diese Aufgabe für den Weltpriester als für den OrdenSmann, der in seinem Hause lebt, geschützt gegen die bösen Einflüsse der Welt, umgeben von frommen, gleichgesinnten Männern; dessen Leben einer steten Aufsicht unterliegt, der Ruth und Hilfe stets in der Nähe hat, was AlleS bei dem Weltpriester entweder gar nicht oder nur sehr spärlich vorhanden ist. Dagegen sind eine Menge Dinge, die seine Wirksamkeit lähmen: Fruchtlosigkeit jahrelanger Bemühun> gen, Undank, Verleumdung, oft offene Verfolgung; dazu die vielen Sorgen für die Gemeinde und Alles, was deren Seelenheil betrifft, in der Kirche, in der Schule, im HauS, für Klein und Groß. Alle Seelen, die ihm anvertraut worden, werden von seiner Hand gefordert werden; er ist der Vater.und der Hirt Aller, und die ganze Last ruht auf ihm allein, eine Last, die nur selten ein OrdenSmann zu tragen hat. Auch dazu hat also der Weltpriester eine größere Kräftigung und Stärke nothwendig. Der Weltpriester hat dieselben Tugenden zu üben, die auch der Ordensmann zu üben hat. Der Unterschied ist nur der, daß Letzterer es unter weniger Gefahren und getragen von seinem Gelübde und seiner Ordensregel thut. Der Wellpriester aber, besonders der Landgeistliche, steht hier allein> den mannigfaltigsten Gefahren preisgegeben. Er hat die Demuth zu üben, wie der Regulär; nur ist es diesem ungemein leichter; er unterwirft sich einfach seinem Obern und seiner Regel; die Versuchungen zum Hochmuth liegen ihm ferner; er hat Andere neben und über sich von gleichen oder noch höheren GeisteSgaben; seine Verfehlungen gegen die Regel erinnern stets an seine Schwachheit; er sieht um sich her die schönsten Tugendbeispiele. DaS Alles fehlt dem Weltgeistlichen; dagegen ist er umringt von Gefahren deö Hochmuths; er ist meist der Gebildetste, der Fähigste und Geehrteste in der Gemeinde; in allen Angelegenheiten wendet man sich an ihn; er soll rathen, helfen; ihm gehorchen wenigstens die Bessern in der Gemeinde, So ist er auf der einen Seite der Höchste; auf der andern soll er wieder der treueste und gehorsamste Diener der Kirche seyn, gehorsam auch im Kleinsten und scheinbar Unbedeutendsten, mit Liebe ergeben der kirchlichen Ordnung und seinen Obern um Gottes willen; der Welt gegenüber 59 anspruchslos, selbst denen gegenüber, die weit unter ihm stehen; gewiß ist diese Aufgabe für ihn, der in der Welt eine höhere Stellung einnimmt, schwerer, als für einen Mönch, der schon durch sein ärmliches Kleid von der Welt selbst als außer ihr stehend angesehen wird. — Der Weltgeistliche muß ferner die Armuth üben, wie der Ordensgeistliche, nur mit dem Unterschied, daß bei diesem daS Opfer ein augenblickliches, einmaliges ist, bei jenem aber ein fortwährend sich erneuerndes, daS dargebracht wird unter steten Versuchungen und Gefahren, die sich überdieß in daS Gewand der Tugend hüllen, und die Habsucht und den Lurus erscheinen lassen als pflichtschuldige Sorge für die Verwandten, als Wahrung deS guten Rechtes und der Rechte deS Standes, als standesmäßige Einrichtung u. dgl. Aehnlich verhält es sich mit der Enthaltsamkeit. Hier ist dem Mönch die Gelegenheit zur Sünde fast genommen, während der Weltgeistliche dieselbe kaum vermeiden kann, da er eben in der Welt und fortwährend mit ihr in Berührung steht, da er ferner der Herr in seinem Hause ist, und alle Anordnungen in Bezug auf Nahrung, Kleidung, Wohnung, Bequemlichkeiten u. von ihm ausgehen müssen — eine fast täglich wiederkehrende Reihe von Versuchungen. — Und doch muß er enthaltsam seyn, wie der Mönch; muß der Welt, entsagt haben, wie dieser; muß Gehorsam üben, wie dieser — diesellxn Verpflichtungen, größere Gefahren, mehr Gelegenheiten, weniger Hilfsmittel — lauter Gründe dafür, daß der Weltgeistliche einer stärkern Stütze seiner Frömmigkeit in sich selbst bedarf. Zum Schlüsse endlich sey noch der Gefahren gedacht, denen der Geistliche, besonders auf dem Lande, ausgesetzt ist — Gefahren, die nur zu unbemerkt und ganz allmälig ihr Opfer erfassen und sicher verderben, wenn dieß nicht wohl gerüstet ist Alle diese Gefahren entspringen auS einer gemeinsamen Quelle, der Einsamkeit nämlich, in der meist der Weltpriester sich befindet. Es fehlt an entsprechendem Umgang, am Austausch der Gedanken und Gefühle mit Gleichstehenden, kurz an lebendiger, geistiger Nahrung und Erholung, waS bei den meisten Ordeusleuten nur als Ausnahme eintritt. Dazu kommen nun noch die Bitterkeiten des Lebens, die Widerwärtigkeiten im Berufe, die geistlichen Trockenheiten und für all daS keine rechte Theilnahme. Wie nahe liegen da die Gefahren zu geistiger Erschlaffung, zur Unzufriedenheit mit dem Berufe und zu dem Bestreben, diese Ruhe und Befriedigung in anderweitigen Beschäftigungen, wozu auf dem Lande die Versuchung nur zu nahe liegt, zu suchen, — vergeblich zu suchen! Eine öde Leere ist dann im Herzen, uud an die Stelle des ernsten EiferS tritt Gleichgiltigkeit gegen die Berufspflichten und handwerksmäßige Uebung derselben, und am Ende kann eS sogar so weit kommen, daß der Geistliche eher alles Andere als ein Seelsorger ist. So große Gefahren bringt die Einsamkeit, der mannigfachen Versuchungen nicht zu gedenken, die in solcher Lage das Herz deS Menschen bestürmen. Wie fest und sicher muß da der Geistliche stehen, wie fest muß schon sein Herz in Gott gegründet seyn, wenn er unter solchen Gefahren nicht erliegen soll! (Schluß folgt.) »mH. llkiF ,,tiiÄ vi .' tjtMizzH, n-. xn,d,?.,,< „'! -N '.-i 6nu mtsnvs 7?? Z»vS . hkl ichiK nun »WizF Hva'Zchm innkiM. - ckvo a-iMbS n»4 Hv-l lun snnvS siMii ":'!! wi'l Charlotte Henriot, oder Ergebung und Aufopferung. (Schluß.) -i.>s)Ni,i h,OchW6»G >i6bttkriü,6 S>o< -»A , n»,O Herr, führe ihn uns wieder zu!" XIII. Das Gelübde der Matrosen. Nach der in Arbeit zugebrachten Woche war der Sonntag für die Familie Henriot ein Tag der Ruhe und der Freude. Die schöne und rührende Feierlichkeit deS Gottesdienstes, das Lesen, der Besuch bei einigen armen Kranken, ein Spaziergang am Ufer der Somme füllten die Stunden dieses nur zu schnell entfliehenden TageS auS; zuweilen, jedoch selten, ging man nach St. Valery, wo Herr Ravin, der gute Vormund Charlottens, ein Landhaus besaß. ES war einer der heißesten Sommertage: die beiden Familien, am vorigen Abend von Abbeville hierher gekommen, hatten sich auf einer Terrasse am Ufer deS Meeres versammelt, von wo auS man den kleinen, von einigen Fischerbarken belebten Hafen übersehen konnte, die mit ihren braunen, ausgebreiteten Segeln dunkeln Seevögeln glichen, welche die Oberfläche der Wellen kaum berührten. Eine tiefe Stille herrschte in Luft und Fluth, einige bleifarbene Wolken sammelten sich am Horizonte, und obgleich der Tag sich schon neigte, war die Hitze doch noch drückend. „Mutter," sagte plötzlich Julian, „willst du mir nicht erlauben, etwas aus'S Meer hinauszufahren?" „O nein, mein Freund," fiel lebhaft Herr Ravin ein; „wir werden keinen guten Abend haben, ein Gewitter ist im Anzüge, und das große Schiff dort in der Ferne kann sich wohl in Acht nehmen. Alle richteten ihre Augen auf den von Herrn Ravin bezeichneten Punct am Horizont; man sah wirklich ein Schiff mit vollen Segeln, daS mit Mühe gegen den zum Lande hin wehenden Wind kämvfte, und große Anstrengungen zu machen schien, vor dem nahen Wetter die Rhede zu erreichen. Im nämlichen Augenblicke durchfurchte ein matter Blitz die bleiernen Wolken; Wirbelwinde peitschten dieselben, die bald den ganzen Himmel bedeckten, dessen Blau vor dem matten Schwarzgrau der Wolken ganz verschwand. Einige heiße und schwere Tropfen fielen hörbar auf dem trockenen Boden nieder. Plötzlich wurde eS Nacht, und der Wächter des Leuchtthurms zündete an der Spitze des Thurmes das Licht an, dessen rother Glanz sich in den Wellen abspiegelte. Der Donner rollte dumpf. „Mir wird Angst," sagte leise Felicie zu ihrer Schwester. „Mir auch, ich fürchte für die armen Leute, die dort in solcher Gefahr sind. Komm, wir wollen den Rosenkranz für sie beten, willst du?" „Ich will es wohl." Sie lehnten sich auf daS Geländer der Terrasse und beteten leise. Das Gewitter nahm zu an Heftigkeit. Ohne Unterbrechung folgten sich die Blitze, und der Donner brüllte schrecklich drohend, wie jene feurigen Wagen, welche die Propheten auf Israels Beugen dahinrollen sahen. Im Scheine der Blitze sah man das unglückliche Segelschiff; eö kam näher, aber würde eS den Schutz des Hafens erreichen können? Die Schwestern beteten mit Innigkeit und hefteten ihre Blicke unverwandt auf daö Schiff, daS, durch einen heftigen Westwind gepeitscht, immer sichtbarer wurde. Ihre Augen konnten indessen kaum mehr den Glanz deS geöffneten Himmels ertragen, der mit feurigen Linien durchzogen war, und wenn ein Feucrstreifen die Wolken durchschnitt, und gleich darauf der Donner furchtbar krackte, dann riefen Beide auS: „O mein Gott, rette Du sie!" Ein Augenblick des Schweigens herrschte — „Der Blitz hat eingeschlagen," sagte Herr Ravin. „Großer Gott, der SchiffS- mast brennt!" SS Aller Augen hingen in unbeschreiblicher Angst an dem von den stürmischen Wellen hin und her geworfenen Schiffe, das seine brennenden Masten in den Wolken schüttelte. — E-n Steuermann warf sich in eine Barke, von einigen kühnen Matrosen gefolgt; aber mit Wuth warf der Wind ihr schwaches Fahrzeug in den Hafen zurück--Alles schien verloren — als man beim Scheine der Blitze und deS brennenden Schiffes eine Schaluppe sich losmachen und unerschrocken auf den Wogen schaukeln sah.--Ein freierer Athemzug flog aus jeder Brust; mit Todesangst folgte man den Bewegungen des armen Flüchtlings, dieser letzten Hoffnung einiger Menschen, die zwischen Tod und Leben schwebten. Das Fahrzeug erschien und verschwand wieder, aber doch kam es näher und näher dem Hafen — — der Sturm legte sich, der zerrissene Himmel ließ sein Blau nach und nach wieder hervorblicken, und der Westen wurde von den purpurnen Strahlen der Sonne gefärbt, die man nicht hatte sinken sehen. In den letzten, schwachen Strahlen sah man die Schaluppe, mit Menschen beladen, wie einen Pfeil unweit der Terrasse dahinfliegen, und triumphirend in den Hafen einlaufen. Im nämlichen Augenblick verschwand das vom Feuer verzehrte Schiff in der Tiefe des Oceans, Charlotte rief aus: „Mein Gort, wie danke ich Dir!" Frau Henriot, Frau Ravin und Felicie weinten, Herr Navin putzte seine Brillengläser und der jubelnde Julian warf seine Mütze hoch in die Luft. Plötzlich aber rief er auS: „.Mutter, Schwestern, seht doch! die Matrosen sind auSgestiegen, sie klettern den Hügel hinan, gewiß gehen sie zu Unserer L eb-Frauen-Hilf! Die ganze Familie schaute um und sah wirklich, wie die geretteten Seeleute den steilen Pfad hinanklommen, der zu einer von den Matrosen wohlgekannten Capelle führte, worin die heilige Jungfrau, der MeereSsteru, unter dem schonen Namen „Unserer Lieb-Frauen < Hilf" verehrt wurde. „Laßt uns auch hingehen!" rief Frau Henriot in dem Sturm der sie diesen Abend beherrschenden Gefühle auS. Lebhaft wurde dieser Borschlag angenommen, und man nahm einen kürzern Weg, der in wenigen Minuten zum stillen Heiligthum geleitete. Die gothische Capelle war dunkel, nur die vor dem Tabernakel angezündete Lampe erleuchtete sie matt und warf einen schwachen Schein auf das alte Bild Maria, die lächelnd ihr Kind im Arme hielt, dann auf die zahlreichen an den Wänden aufgehängt, auf silberne Herzen, Wachsfiguren, auf Dreimaster in Miniatur, auf Gemälde, die ein stürmisches Meer, darauf ein mit den Wogen kämpfeudes Schiff und Maria, durch ihren sanften Blick die Wellen beruhigend, vorstellten. Nach und nach füllie sich die leere Capelle; man zündele die Keinen am Altare an; der Geistliche, benachrichtigt von den Gelübden der Seeleuie zur „lieben Frau," bekleidete sich mit den geweihten Gewändern unc> nahm seinen Play im Chor. Laut ertönte die Glocke, die Flügelthüren wurden geöffnet und die Schiffer zogen in zwei Reihen, ihren Capitän an der Spitze, langsam ein. Sie hatten bluße Füße unv trugen noch ihre vom Scewasser durchnäßten Kleider. Der Priester stimmte »uu am Altare daS „1e veum lauclamus" an, und Alle knieten in Stille hin. Nach der Dankhymne sang man das „^ve Naris Stell»," und als dieß beendet war, näherten sich Matrosen und Passagiere, Jeder einzeln, um am Marien-Altare ihre Wachskerze zu opsern. Sie kamen Alle an Charlotten vorüber, die sie mit Rührung betrachtete und sich ihren THnkgebeten anschloß; da entfuhr ihr plötzlich fast ein Schrei beim Anblick Eines dieser Männer, den die flackernde Flamme der Kerze beleuchtete. Ganz außer sich ging sie zu der Mutter und zog sie in die untere Halle der Capelle; die Andern folgten ihr. Die Seeleute waren nuu im Begriffe, das Heiligthum zu verlassen, um die Ruhe aufzusuchen, deren sie so sehr bedurften. Die Matrosen wurden von den Ihrigen, von guten Freunden begleitet; denn fast alle geHorten dieser Küste an; da bemerkte Charlotte in der Menge Denjenigen, den ihr Herz wiedererkannt hatte. Sie flog auf ihn zu, umarmte ihn mit heißen Thränen und rief aus: „Vater, Bater, du bist es!" Fran Henriot hielt sich mit Mühe aufrecht; Navin näherte sich und sprach: «3 ..Auf mein Wort, es ist wirklich Hcnriot!" Er war es in der That. — Bewegt, fast zusammensinkend beantwortete er Charlottens Liebkosungen nur durch Thränen und sah nur sie — — „Kommt," sagte Ravin, der fürchtete, Aufsehen zu erregen. Man folgte ihm wie im Traum, und wenige Augenblicke später befand man sich im Salon des kleinen Landhauses. „Mein lieber Vater," sagte Charlotte, ihm zärtlich die Hände drückend, „da bist du ja wieder, und hoffentlich für immer, wie glücklich werden wir nun seyn!" „Mein armeS Kind," erwiderte er, „waS sprichst du von Glück? Ich komme auS Amerika so arm zurück als ich hinging; ungeachtet meiner Bemühungen ist meine Stellung noch wie zuvor, d. h. unerträglich." „Da irrst du dich, mein Freund," sagte Herr Ravin, „deine Lage ist verändert, Dank diesem Kinde. Dein Haus, dein Geschäft erwartet dich, du hast nur zu arbeiten und friedliche Tage mit Frau und Kindern zu verleben." „Mit meiner Frau?" rief er auS, die Brauen zusammenziehend, „niemals!" O mein Vater!" ,/ „Auch sie ist anders geworden!" sagte Ravin lächelnd; „ein Engel hat dein HauS während deiner Abwesenheit umgeschaffen, und dieser gute Geist ist deine Toch- ter, der du nichts versagen darfst." „Vater, die Mutter erwartet ein Wort von dir," bat Charlotte mit flehendem Tone. Und zu Melanien eilend, die im Schatten stand, nahm sie deren Hand und führte sie dem Gatten zu. „Vergebung, mein Freund," sagte Melanie schluchzend, und stürzte ihrem Manne zu Füßen. „Friede und Vergessen!" sprach dieser. „Friede und Glück für die Zukunft!" rief Herr Ravin. „Vater, da sind Julian und Felicie!" Die ganze glückliche Familie bildete nur eine Gruppe; sie war von jetzt an auS dem Schiffbruche deS Lebens gerettet. Charlotte lebt noch; sie ist daS Beispiel ihrer Familie, die Freude des Hauses, die Seele der guten Werke, ein FriedenSengel Allen, die sie kennen; denn Alle fühlen die Herrschaft der christlichen Tugend, jener starken und sanften, auf die man die Worte unseres Heilandes anwenden kann : Sein Joch ist sanft, und Seine Bürde ist leicht. " Die Trappisten in Frankreich. ^ ,c ,.^1>iui',6ti^'ilzr>. l^e! Zt7i?ft. mZ, Das „Univers" enthält folgende Bemerkungen über das Wirken der Trap- pisten in Frankreich: „Die großen Dienste, welche die Trappisten der Gesellschaft erweisen, werden heutzutage allgemein anerkannt; die Erfahrung hat gezeigt, wie nützlich selbst in zeitlicher Hinsicht diese Häuser des GebeiS und der Arbeit sind. Ein Trappistenklvster ist nicht allein das Hospital für die Umgegend, das Gasthaus für die vorbeigehenden Armen, das sprechende Beispiel der Arbeit, des Friedens und der Ordnung, eS ist auch für die ganze Gegend die beste Ackerbau-Schule. So haben die Trappisten deS vor dreißig Jahren gegründeten Klosters Briquebec Sümpfe und Felsen urbar gemacht, die bis dahin Niemand zu benutzen gewußt; der Unterpräfect von ValogneS bezeugte ihnen schon 1844, sie hätten den Werth ihrer Ländereicn verfünffacht. Man weiß, wie sie den Ertrag ihrer Arbeiten verwenden. Sie selbst schlafen auf einem Strohsack und essen sieben Monate des Jahrs hindurch täglich nur einmal, und zwar Gemüse in Salz und Wasser gekocht; in den fünf Monaten, wo sie die schwersten Arbeiten zu thun haben, nehmen sie ein zweites Mahl, auS Salat und Käse oder Obst bestehend; dazu erhalten sie täglich ein Pfund Brod. Das ist Alles, der Ertrag ihrer «4 Arbeiten wird ganz zu Werken der Frömmigkeit und Wohlthätigkeit verwendet. Ihre Hände und ihre Thüren sind nie geschlossen, alle geistig und leiblich Bedrängten nehmen sie auf. Zu Briquebec haben sie ein Local für arme Fremde, ein Spital, eine Schule und wie überall arme Nachbarn. Der Präfect de Tanlay sagt in einem Bericht von 1850, diese Abtei habe sehr viel zur Entwicklung deS Ackerbaues beigetragen, und der Maire von Caen sagt, sie verdiene die Unterstützung nicht nur derjenigen, welche ihr geistliches Wirken schätzten, sondern Aller, die sich für das Schicksal der Unglücklichen und das Fortschreiten der Civilisation interessirten. smmaZ chL SjMK na? ,»» Sr.-.».. .,-> it»ii«nz ".SniÄ. S»«nv »nibm i»i a,pnuDm-M ,i.,i>m wtdvi«fln"ß»ik"''^ düiuz M7v oj v,,,>tt,k vuo Das Mechitharistenklofter in Wien. Die Wirksamkeit dieses Klosters auf daS Leben und die Literatur orientalischer Völkerstämme ist unberechenbar. Würde irgend eine Akademie für gutes Geld nur den zehnten Theil von dem leisten, waö diese anspruchslosen Mechitharisten auf eigene Faust thun, so würde die Lobposaune ohne Unterlaß darüber geblasen werden. Mit Hunderttausenden von Exemplaren ausgezeichneter Werke in Geschichte, Geographie, Theologie, Philosophie, Physik, Mathematik u. s. w. werden die asiatischen Armenier von Seile dieses Institutes versehen. DaS Kloster ist eine tüchtige Schule und hat Schriftsteller, Setzer, Drucker und zugleich daS Speditionsgeschäft in den Orient im Bereiche seines Wirkens. Unter den Mitgliedern deö Klosters gibt eS höchst begabte Köpfe, und mancher aufgeblasene Zierbengel, der einen bebarteten Armenier über die Achsel ansieht, würde beschämt abtreten müssen, wenn er sich not» dens in deutscher Sprache, mit einem oder dem anvern armenischen Schriftsteller deS Mechitharisten-OrdenS in eine DiScussion über die deutsche Literatur, ja auch über die deutsche Philosophie einlassen möchte. Und diese großartige Mission zur Cultur deS Orients erfüllen die Mechitharisten mit eigenen Gelbmitteln, mit ihrer Druckerei und ihrem Bücherhandel in den Orient. Sie haben fast von keiner Seite her eine Unterstützung. In ihrem Kloster leben sie in strenger Disciplin, und in ihrer Schule (ihre Zöglinge sind fast durchgehendS junge Constantinopolitaner) zu Wien herrscht eine wissenschaftliche Regsamkeit und eine Thätigkeit der Schüler, wie solche in einem weltlichen Institute oder in einer Staatsanstalt gewiß selten anzutreffen sind. An diesem Institute, welches ohne Aufsehen so Bedeutendes leistet, geht daS Sprichwort in Erfüllung: Waö wächst, macht keinen Lärm. 5.iu^ i.i > ?" ^ . ^ Knriosum. A Ein Herr, welcher sich daS Vergnügen machte, bei gelcgenheitlichen Zusammenkünften über Tisch immer über die „unpraktische Wissenschaft" und das unnütze Spe- culiren und Lernen sich lustig zu machen, betrat einmal daS Wohnzimmer eines Dorf- CaplanS, um an denselben gewisse alljährlich wiederkehrende Fragen zu stellen. Der Caplan hatte ober seinem Bücherkasten auf Pappenstiel die Worte aufgeschrieben: „Die Wissenschaft (ohne Liebe) bläht auf." Darob freute sich nun der besuchende Herr über alle Maßen. Der Caplan aber öffnete die Flügel deS Bücherkastens, und darin stand wieder auf einem Pappenstiel: „Die Unwissenheit ohne Liebe bläht noch mehr auf." Da sagte nun der erschrockene Herr etwas ärgerlich: „DaS ist ja eine Entgegnung, eine Verspottung der Worie des heiligen Apostels." Der Caplan erwiderte ihm: „O nein. WaS der heilige Paulus gesagt hat, bleibt wahr — waS aber da drinnen steht, ist auch wahr; — denn Alles, was Paulus gesagt hat, ist wahr — aber nicht Alles, waS wahr ist, hat Paulus gesagt; und wenn der heilige Apostel jetzt da vor mir stünde, ich weiß gewiß, er würde mir nicht Unrecht geben." Berantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. Verlags-Juhaber: F. E. Kremer. ?;i(!i v>nn'N »1 .SslM P SkT anuB Mgöi Z» «'msy Zwölfter Jahrgang. Sonntags-Beiblatt zur Augsburger Pojtzeitung. L9. Februar S. 185S. Dieses Blatt erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der halbjährige Abonvementsvrei« TO kr., wofür es durch alle königl. bayer. Postämter und alle Buchhandlungen bezogen werden kann. Hirtenbrief deS Hochwürbigften Herrn ErzbifchofS von Köln. Johannes, der heil, romischen Kirche Cardina l - Pri e st er von Geissel, durch GotteS Barmherzigkeit und des heiligen Apostolischen Stuhleö Gnade Erzbischos von Köln, desselben Apostolischen Stuhles geborner Legat zc. :c., der hochwürdigen Geistlichkeit und allen Gläubigen der Erzdiöcese Gnade, Frieden und Segen von Gott dem Vater durch unsern Herrn JesuS Christus! Abermals hat der heilige Vater zu Rom seine obersthirtlicbe Stimme von der Höhe seines apostolischen SitzeS erschallen lassen. AIS oberster Wächter deS Heilig- thumS bestellt, daß er den Völkern im Kreislaufe der Zeit den kommenden Tag deS Heils, oder die hereinbrechende Nacht deS geistigen Unglücks ansage (Js. 2l, tl), hat sein, die katholische Welt überwachendes Auge den Zustand der Kirche unter den Völkern erwogen. Was er gefunden an heiligen und gnadenvollen Früchten eines wieder gebesserten Lebens, welches das früher von ihm verliehene große Jubiläum bei Unzähligen in allen Ländern hervorgebracht, gereichte ihm zur Beruhigung und Freude. Aber dennoch blieb sein väterliches Herz fortwährend mit Schmerz und Trauer erfüllt. Wie könnte daS auch anders seyn in unsern verhängnißvollen Zeiten, in denen sein prüfender Blick der Verwirrung, der Verkehrtheit unv der Verderbniß so viel trifft, daß seine Seele darüber von heiliger Besorgniß erfüllt ist? Er hat darum an alle Patriarchen, Erzbischöfe und Bischöse der katholischen Welt ein apostolisches Rundschreiben erlassen, ihnen seinen Schmerz und seine Besorgnisse mitzutheilen, damit sie mit ihren Gläubigen die Uebel dieser Zeit und die auS ihnen drohende Gefahr erkennen, und mit ihm die Mittel ergreifen, dem Verderben entgegen zu treten. > Und waS ist eS, waS sein apostolisches Herz beängstigt, geliebte Erzdiö- cesanen? Welche Uebel erblickt sein prophetisches Wächterauge? Er bezeichnet sie mit hohen, ernsten Mahnworten. ES ist die Verkehrtheit dieser Tage, in denen die Feinde GotteS und der Menschen die Gemüther verwirren, die Sitten verderben, die Religion untergraben und, alle Bande zerreißend, die göttliche und menschliche Ordnung umzustürzen suchen. ES ist die Geistesverblendung so Vieler, welche die Kirche und ihren apostolischen Mittelpunct anfeinden, die Tugend und Ehrbarkeit hassen, das Laster unter dem Namen der Tugend predigen, mit zügelloser Frechheit sich Alles erlauben, jedes Ansehen und jede Gewalt übermüthig mißachten, alles Heilige und Gesetzliche verspotten, die arglose Jugend verführen, und durch verderbliche Bücher, Schriften und Zeitblätter, in denen die Sünde gelehrt wird, die Geister vergiften und die Seelen morden. Es ist insbesondere der todbringende Unglaube und die religiöse Gleichgilttgkeit, in welche in unsern Tagen so Viele versunken sind (Lpist. Lao^ol. 66 ?ii?. IX.); der Unglaube, welcher alles Göttliche und Heilige verläugnet — die Gleichgiltigkeit, welche lau und kalt für alles Gute erstirbt: Das ist eS, was das Herz des heiligen Vaters bekümmert und seine Seele mit Schmerz erfüllt. Mit Recht, geliebte Erzdiöcesanen! denn eS gibt kein größeres Uebel, als der Abfall von Gott, der Unglaube. Schon an einer andern Stelle haben Wir Euch die wichtige Wahrheit anS Herz gelegt, daß nur die Religion die Grundlage alles Gedeihens seyn könne, und ohne sie nimmer und nirgendwo Heil und Segen zu finden sey. Wir wiederholen Euch heute diese große Wahrheit und ibre Bestätigung auS dem apostolischen Munde deS Hohenpriesters, welcher da als oberster Hüter und Herold der Wahrheit unter den Völkern gesetzt ist. Es ist ein Gesetz der ewigen Gerechtigkeit, und eS ist unabänderlich: der Abfall von Gott, der Unglaube, ist des Verderbens Quelle und Vollmaaß. Für den Menschen, der von Gott abfällt und dem Unglauben fröhnt, gibt eS nichts Heiliges mehr; für ihn hört alleö auf, waS die Religion heiligt und schützt: Familie, Eigenthum, Vaterland. Die Familie, in welcher der Unglaube wohnt, kann auf die Dauer nicht gedeihen; früher oder später wird die Gottvergessenheit auch die Unsittlichkeit, daS Laster und den Ruin ins HauS bringen. Die Gemeinde, in welcher der Unglaube mächtig wird, kann nicht bestehen; sie wird in Rohheit und Sittenlosigkeit, in Zwietracht und Parteisucht zerrüttet werden, und in fortschreitendem Unheil zerfallen. Ein Volk, in welchem der Unglaube die Herrschaft gewonnen, geht dem Verderben entgegen. Der Unglaube untergräbt alle Grundlagen der Gesellschaft, er predigt und übt, statt der Zucht und Sitte, Ausschweifung und Unzucht, statt der Wahrheit, Redlichkeit und Treue — Lüge, Trug und Meineid, statt deS Rechtes und der Gerechtigkeit — Bedrückung und Gewalt, und alle menschliche und göttliche Ordnung unterwühlend, frißt er, wie ein tödlicher Krebs, um sich, bis er zuletzt, in seinen von Gott abgefallenen Anhängern mächtig geworden, weder Gott noch der Menschen Ansehen mehr scheuend, zu Tage tritt und in offener Empörung alles Bestehende umstürzt. DaS ist deS Unglaubens Auögang. So will eS das Gesetz der ewigen Gerechtigkeit, und so lehrt eS die Geschichte aller Zeiten. Immer und überall, wo der Unglaube mächtig wird, da bricht auch mit Macht das Verderben herein. Hat nicht dieses Gesetz der ewigen Gerechtigkeit in den jüngsten Tagen in einem Nachbarlande wiederum eine neue Bestätigung erhalten? Haben wir nicht vernommen, wie dort an einigen Orten die auS Unglauben und Gottvergessenheit geborene Zügellosigkeit mit allen Schrecken sich erhob und während der wenigen Tage ihrer Herrschaft alle Gräuel beging? War eS nicht, als wenn dort der Engel der Offenbarung den Abgrund, daraus Scorpionen emporstiegen, geöffnet hätte (^poo. 9, 3)? War es nicht die Losung des Fürsten der Finsterniß zu Plünderung und Mord, zu allen Gräuelthaten, zur Vernichtung alles Heiligen? War eS nicht ein Vorbild des unsäglichen Jammers, der mit dem allgemeinen Umstürze kommen mußte, der Vorläufer der Alles unter die Füße tretenden Barbarei? — Ja, eS war sie selbst schon, wie sie ist, habsüchtig, blutgierig und unzüchtig, offen und ohne Scheu. — Gott ließ sie eine kurze Zeit schrankenlos walten, damit daran die Völker und Fürsten wiederum lernen sollten, in welchen Abgrund der Abfall von Gott führe, und wie überall und allzeit die Wahrheit deS Gesetzes der ewigen Gerechtigkeit sich bewähre, daß der Unglaube aller Uebel Quelle sey und deS Verderbens Vollendung. Und dieser großen Wahrheit hat der heilige Vater lebendige Worte verliehen. AuS obersthirtlichem Herzen hat er von der Zinne der Kirche apostolische Mahnworte an die Bischöfe gerichtet, damit sie ihre Gläubigen aufs Neue unter der Fahne des Glaubens sammeln, sie aufrufen, den Unglauben abzuthun, und sie ermuntern, in erneuerter Gottesfurcht die drohenden Gefahren abzuwenden, und gegen das herein, brechende Verderben ihre ganze Hoffnung auf den Herrn zu setzen, bei dem allein Hilfe und-Heil zu finden ist l^pist. Lno^cl.). Ist denn aber der Glaube und die Gottesfurcht auch unter unS so sehr erloschen, ist der Abfall von Gott, der Unglaube so allgemein und mächtig unter unS 67 geworden, geliebte Erzdiöcesanen? Ist nicht in der letzten Zeit Vieles unter uns besser geworden? Hat man es nicht erkannt in den Höhen und in den Tiefen, daß gegen die drohenden Erschütterungen dieser Zeit nur ein Heilmittel zu finden ist, die Religion? und hat man es nicht laut ausgesprochen, daß die Religion wieder die Grundlage alles Gedeihens werden müsse? Hat nicht der Glaube selbst in den ver- hängnißvollen Ereignissen, welche seinen gänzlichen Untergang herbeizuführen schienen, neue, tiefere und fruchtbringendere Wurzeln unter unS geschlagen? Gottlob, eS ist so, geliebte Erzdiöcesanen, und eS gereicht uns zum oberhirtlichen Troste, dessen Zeugniß ablegen zu können. Die Religion hat einen neuen Aufschwung genommen, der Glaube hat sogar neue Blüthen und Früchte unter uns hervorgebracht. Unser Herz wallt auf in heiliger Freude, wenn Wir auf das blicken, waS in den letzten Jahren unter unS entstanden ist. Wir sehen die Väter der Gesellschaft Jesu, als außerordentliche Sendboten des Evangeliums in der Mutterkirche und in den Kirchen anderer Städte Unseres ErzbiSthumS, wie mit Feuerzungen durch ihr die Geister durchleuchtendes und die Herzen entflammendes Wort die im Glauben Erkalteten und im Tode der Sünde Erstorbenen zum neuen christlichen Glauben und Leben erwecken. Neben ihnen sehen Wir die Priester des heiligen Vincenz mit unermüdlichem Eifer die Städte und Dörfer durchwandern, und in den geistlichen Uebungen der heiligen Mission die Gläubigen durch daS Wort des Herrn und die heiligen Sacramente zum christlichen Kampfe gegen das Böse und zur Ertragung der Mühseligkeiten deS Lebens ausrüsten. Wir sehen die frommen Schwestern „vom Kinde Jesu," wie sie an mehreren Orten die innige Liebe zu dem göttlichen Kinde, dem sie sich geweiht, auf die armen Kleinen, welche der Tod, oder der Eltern sittliche Verderbniß zu Waisen gemacht, übertragen und sie mit Muttersorge zu gesitteten Menschen und Christen erziehen. Wir sehen die „armen", an Schätzen der aufopfernden Liebe so reichen „Schwestern des heiligen FranciScuS" mit vollster Hingebung dem segensvollen Berufe sich widmen, am Krankenbette wachend und wartend, den Leidenden jeder Art Pflege und Trost zu bringen. Wir sehen die „Frauen vom guten Hirten" mit ausopferndem Mitleid die aus dem Sündcnpsuhle der Unzucht reuig sich Erhebenden in ihr stilles Asyl aufnehmen und sie durch Buße,' Gebet und Arbeit zu einem sittlichen und ehrbaren Leben zurückführen. Wir sehen die Töchter „der heiligen Theresia vom Berge Carmel" in der frommen Abgeschlossenheit in immerwährender Anbetung das Erbarmen GotteS über die sündige Welt und seinen Segen über die ganze Christenheit herabflehen. Und als jüngste, eben jetzt aufsprossende Blüthe am Baume der Kirche in Unserm Erzbisthume, erwarten Wir die „Schwestern der christlichen Liebe vom heiligen Vincenz", welche dem gleichen Berufe der Kindererziehung und der Pflege der armen Kranken sich zu weihen bestimmt sind. An der Seite dieser gottgewcihten Klostergemeinden sehen Wir den Xaveriusverein seine reichen Spenden zusammentragen, auf daß damit, als mit einem wahren Gottesalmosen, in den entferntesten Ländern über dem Weltmeere die unsterblichen Seelen auS der Nacht des Heidcnthums zum Lichte des Evangeliums erweckt und durch die heilige Taufe zur Kindschaft GotteS gewonnen werden. In gleichem Geiste sehen Wir den Verein „der heiligen Kindheit" die armen verlassenen Heivcnkindlein, welche die grausamste Unnatur der eigenen Eltern schon an der Schwelle des Lebens dem Tode freiwillig Preis gibt, nicht bloß für daS körperliche, sondern auch für daS geistige Leben in Christus retten und erkalten. Den BonifaciuSverein sehen Wir den katholischen Brüdern, denen eS an Mitteln zur Gründung von Schulen und Kirchen gebricht, mit werkthätiger Liebe zu Hilfe kommen. Den Vincentiusverein sehen Wir in die Wohnung deS Armen und Kranken Speise und Kleidung, und damit zugleich daS ächte Almosen, das theilnehmende Wort deS Rathes, des Trostes und der Liebe tragen. Und neben diesen größern Vereinen sehen Wir auch andere, die da und dort, von christlichem Sinne beseelt, zum Baue eines Spitals, oder zur Gründung eines Waisenhauses, oder anderer Anstalten der Nächstenliebe sich verbunden. — DaS alles hat in den letzten Jahren der werkthätige Glaube in Unserm Erzbisthume hervorgerufen, geliebte Erzdiöcesanen! Und «8 wahrlich, das sind ächte Blüthen am Baume des Glaubens, reiche goldene Früchte, gereist an der Sonne der christlichen Liebe. Dank und Segen sey dafür Allen, die dazu mitgewirkt und mitwirken. — O möchten doch diese Glaubensblüthen immer mehr unter Euch gepflegt, immer eifriger von Euch unterstützt werden, zu einer stets reichern, segensvollen Ernte! Aber dennoch, wenn auch Vieles unter unS besser geworden, so ist in dieser an Widersprüchen und Widerstreit so reichen Zeit Vieles nicht, wie eS seyn soll. Wir wollen nicht weiter davon reden, wie neben dem blüthenreichen Baume deS Glaubens auch der Giftstrauch des Unglaubens unter uns noch fortwuchert. Wir wollen nicht davon reden, wie Manche unter unS, nachdem die Sendlinge deS Unglaubens ihre Fahne zur Zenrümmerung alles Heiligen emporzutragen sich nicht mehr getrauen, nun auch nicht mehr ihren Unglauben öffentlich zu bekennen wagen. Die Macht der Ereignisse hat ihnen die Zunge gelähmt und den Mund geschlossen. Sie sind verstummt, unbekehrt. Aber neben diesem, in der Tiefe wühlenden Unglauben gibt eS ein anderes beklagenSwertheS Gebrechen, welches nicht minder wie der Unglaube die Quelle vielfachen Verderbens ist. ES ist dieses deS Unglaubens gleichgeborne Zwil- lingSschwester, die Gleichgiltigkeit im Glauben, die Lauheit in der Religion. Wir müssen eS mit Schmerz bekennen: eS ist Vieles faul unter uns, und am Baume deS christlichen Lebens ist Manches verdorrt und abgestorben. Die Lauheit ist aber um so gefährlicher, weil sie den Schein deS Lebens an sich trägt, während in ihrem Innern der Tod waltet; die Gleichgiltigkeit ist um so beklagenSwerther, weil sie, sich selbst und Andere betrügend, unter dem Scheine der sittlichen Gesundheit um so sorgloser und gewisser inS Verderben führt. Diese Gleichgiltigkeit im Glauben hat sich, wie ein enödtender Winterfrost, um so viele Herzen gelagert, daß sie in Trägheit und Kälte erstarren. Sie hält Unzählige umfangen, die eS sich nicht gestehen, nicht einmal wissen, da ihnen daö Gefühl dafür erstorben ist. Sie schlafen den Schlaf der religiösen Erstarrung, in welche der eisige Hauch der Gleichgiltigkeit sie versetzt hat. ES kann UnS, wenn Wir umherblicken, nicht entgehen, wie diese Gleichgiltigkeit weit verbreitet ist. Werfen Wir den Blick in daS Innere so mancher Familien, wie finden Wir da nicht selten daS christliche Leben hinter jenem der alten bessern Zeit zurückgeblieben! Jener alte gläubigfromme Sinn und jenes felsenstarke Gottvertrauen, welche mit der ehrenfesten Biederkeit und mit der stillen gemüthlichen Ruhe der Zufriedenheit durch Eimracht und Liebe ein christliches HauS, wie ein heiliger Zauber, erfüllten und es zu einem Wohnsitze deS Friedens und Glückes heiligten, ist dem gegenwärtigen Geschlechte vielfach unbekannt. Da waltet jetzt in manchen Familien ein anderer Sinn als jener, welcher daS ganze katholische Familienleben durchdrang und, dasselbe im Geiste GotteS und der Kirche ordnend, heiligend und ver, schönernd, überall sich kund gab. Da glauben die Eltern, sie hätten alle Pflicht erfüllt, wenn der HauSvater in rühriger Geschäftigkeit auf Erwerb und Gewinn sinnt unv seine Anstrengungen belohnt sieht, wenn die Hausmutter daS Erworbene ordnet und erhält, und wenn sie beide die Kinder mit Sorgfalt zu gleichem Erwerbe und Gewinne heranziehen und daS Gesinde in Ordnung halten. Eine solche Familie wird als eine musterhafte gelobt und glücklich gepriesen. Da ist Erwerb, Gewinn und Genuß daS Erste im Hause, aber daS Letzte ist die Religion. In dem Hause ist die fromme Sitte deS GebeleS veraltet; da weiß man nichts mehr von einer gemeinsamen oder gesonderten Erhebung der Seele zu Gott, und oft wird da in langen Monaten nicht einmal ein frommes Wort mehr gehört. DeS L:ibeS Sorge beherrscht Alle; was der Erde ist, wird errungen; darüber hinaus geht kaum noy ein Wunsch; man fühlt dazu nicht einmal das Bedürfniß; die religiöse Gleichgiltigkeit waltet im Hause. Laue Eltern, laue Kinder und laue Dienstboten bilden da eine Familie, die, wenn sie auch noch nicht dem Unglauben verfallen ist, doch ihm schnell entgegeneilt. Da ist wohl der Anschein deS christlichen Lebens, aber nicht das Leben selbst. DaS Gedeihen deS HauseS ist trügerisch, eS ist ohne Grundlage. Laß Dich nicht täuschen, Du christlicher HauSvater, und Du, christliche Hausmutter, der Flor Eures Fami- «9 lienwesenS ist nur scheinbar; eS fehlt ihm der Felsengrund der Religion. Ihr glaubt ihrer nicht zu bedürfen, weil ja Euer Gewerbe blüht und Eure Geschäfte gedeihen schon seit Iahren, obgleich schon seit Jahren Ihr nur in religiöser Gleichgiltigkeit und Lauheit erwerbet und schaffet. Aber wie wirv eS seyn, wenn auch für Euch die Tage deS Unglücks kommen? Und sie können kommen, ja, sie kommen wohl gewiß, früher oder später; denn sie bleiben für Niemand auS. Wie werdet Ihr dann bei Eurer, durch lange Jahre sortgesetzten Gleichgiltigkeit die Schläge deS Mißgeschicks ertragen? Wie werdet Ihr unglücklich seyn, wenn Euch der Welt Segen verläßt, nachdem Ihr den Segen GotteS nie gesucht habet! Wenn Ihr auch Eure Kinder zu solchen erzogen habt, die, wie Ihr, mit Geschick und Fertigkeit die Güter der Welt zu erringen verstehen, werden sie, die Ihr so gleichgilrig und lau in der Religion erzogen habt, die Prüfungen bestehen, die ihnen das Leben auflegt? Werden sie sich bewähren in der Stunde der Versuchung, wenn die Sünde mit ihrer Verführung ihnen nahe tritt, wenn der Reiz deS unter Blumen verdeckten Lasters sie verlockt, wenn der Vortheil deS verborgenen Verbrechens sie blendet? Wie leicht erlebt Ihr Eurer Kinder Fall und Verderben! DaS wird Euch dann zwiefach schmerzlich seyn, weil Ihr selbst solches angebahnt habt durch Eure ohne Glauben und Gottesfurcht in lauer Gleichgiltigkeit geleitete Erziehung, durch Euer eigenes glaubenöleereö, in öder Erstarrung tödtendeS Beispiel. Und gesetzt, Gott läßt Euer und Eurer Kinder Glück bestehen bis zu Ende, so läßt er eS bestehen in seinem Zorne, Euck zur Strafe, weil Ihr in träger Verstockung allen seinen Mahnungen taub geblieben seyd; er läßt Euch und Euren Kindern den Genuß der Erdengüter bis zu Ende, weil Ihr Euer ganzes Herz an sie gehängt. Aber dieses Ende wird zuletzt einmal kommen. Wie werdet Ihr dann die Heimsuchung der Todesstunde bestehen? Da werdet Ihr doch einmal scheiden müssen von Allem, wofür Ihr Euer ganzes Leben eingesetzt habt. Da werdet Ihr inne werden: Ihr habt für die Erde gesäet, und darum auch nur für die Erde geerntet; für den Himmel habt Ihr in Eurer lauen Gleichgiltigkeit nichtS gewirkt, er kann und wird Euch auch dafür nichts bieten. Ihr habt mit Euren Kindern Euren Lohn dahin! (Schluß folgt.) Die Bibliothek eines Landgeistlichen. (Schluß.) So ist die Stellung deS Weltgeistlichen in jeder Beziehung schwieriger als die deS OrdenSgeistlichen, während der Letztere weit mehr Stützen seiner Frömmigkeit und weniger Gefahren hat. WaS soll nun hier helfen? Wir antworten: Frömmigkeit und Studium. Beide find den Mönchen zur strengen Pflicht gemacht; eS ist ihnen sogar die Zeit dafür genau vorgeschrieben; dem Weltpriester sind sie noch nöthiger, um so weniger hat er Ursache, sie zu vernachlässigen. Von der Frömmigkeit gibt man auch diese Nothwendigkeit allgemein zu; wir gehen deßhalb darüber hinaus. Aber daS Andere, baß daS Studium dem Weltgeistlichen unter allen Umständen nicht bloß nützlich sey, nicht bloß eine angenehme Beschäftigung gewähre, sondern absolut nothwendig sey für sein Seelenheil und die Wohlfahrt der ihm Anvertrauten, will man weniger zugestehen, am wenigsten beim einfachen Landgeistlichen. Man läßt nämlich zweierlei unbeachtet; einmal, daß auch der reichste Schatz erschöpft wird, wenn stets nur hinweggenommen, nie aber hinzugethan wird, und zweitens, woran man noch weniger denkt, daß jede Kraft in der Welt ihre Entwicklung und entsprechende Anwendung verlangt. ES ist dieß ein Drang, den Gott selbst in seine Welt gelegt hat, der sich darum auch immer geltend machen wird, wie in der Natur, so im Geiste: in jedem Gebiete in seiner eigenthümlichen Weise. Dort in der Natur beruht diese Entwicklung auf dem Gesetze des Nothwendigkeit; hier beim Geiste kann die Freiheit sie beherrschen, gewaltsam den strebenden Geist in träger Ruhe fesseln, oder 70 vielmehr sein Streben auf einen nicht entsprechenden Gegenstand lenken. Aber nicht ungestraft geschieht daS; der Geist findet keine Beruhigung, seine Kraft keine hinreichende Beschäftigung; darum richtet er sich zerstörend gegen sich selbst, und daS ist der tiefste Grund des Weltschmerzes und der innern Zerfahrenheit und Unzufriedenheit, daS Nichtentwickeln und Nichtverbrauchen einer vorhandenen strebenden Kraft. Wie aber wird diese Kraft unsers Geistes besser und angemessener beschäftigt, als durch Studium, und bei dem Geistlichen durch daS Studium der Theologie und alles Dessen, waS ihm hierin förderlich seyn kann? Freilich muß dann auch daS Studium in der rechten Weise betrieben werden, damit es nicht eher geisttödtenv als belebend und befriedigend wirde. Daher darf eS vor allen Dingen nicht Selbstzweck werden, sondern muß in bescheidener Weise stets Mittel zum Zweck bleiben, zu dem Zweck nämlich, den Geist Gott stets näher zu bringen, in die göttlichen Wahrheiten immer tiefer einzuführen, sie immer mehr in sich aufzunehmen und so den Geist förmlich zu nähren mit einer unendlichen und darum stets sättigenden Speise. Ist so der Vorwitz und die eitle Ruhmsucht im Haschen nach Gelehrsamkeit ausgeschlossen, dann tritt eine andere Gefahr gar nicht ein, daß nämlich Dinge studirt werden, die weder der eigenen Seele nützen, noch die Herzen Anderer erbauen können. Es ist klar, daß, wenn daS Studium so betrieben wird, ein reicher Schatz von Kenntnissen sich in der Seele anhäufen wird, und daß dann nie der traurige, aber gar nicht so seltene Fall eintreten kann, daß ein Geistlicher am Anfang seiner seelsorglichen Wirksamkeit blühend und frisch ist, aber bald wie Gras verdorrt, weil die Quelle versiegt, der Schatz erschöpft ist, weil er die Kraft, die er sich in der Zeit seines Studiums gesammelt, verbraucht, und im nachherigen Müßiggang alle Frische des Geistes und alle Lust an ernsten geistigen Beschäftigen eingebüßt hat. Welch ein trauriger Zustand! Da sind die Unwissenden, und kein Lehrer; da kommen die Sünder, und eS ist Keiner, der ihnen hilft mit gutem Rath; die Traurigen bleiben ohne gediegenen Trost, die Kinder bleiben in ihrer Unwissenheit, die Gemeinde wird lau und jedem Winde der Lehre zugänglich. Die Irrlehre erhebt das Haupt, und der Unglaube macht sich breit; die Guten wagen es nicht zu reden, denn der Hirt selbst muß verstummen; die Schwachen fallen elendiglich dem Verderben anheim. Und das Alles lastet auf der Seele des Einen Mannes, der die strengste Pflicht hat, Allen Alles zu werden, und die ihm anvertrauten Seelen Gott wieder zu bringen und wie sein Herr und Meister zu sprechen: „Vater, hier sind sie, die du mir gegeben; ich habe aus ihnen Keinen verloren! Keiner ist durch meine Schuld untergegangen!" Wie will er sich rechtfertigen, was will er entgegnen, wenn der Herr die Talente mit Zinsen zurückfordert? Und woher dieß zweifache Elend? Aus der verkehrten Ansicht, man habe genug gelernt, um Andere lehren, man habe genug studirt, um seinen Pflichten genügen zu können. Wie ganz anders sieht eS bei Denen aus, die das Studium stets fortsetzen und so stets neue Schätze sammeln, immer neue Nahrung zuführen, neue Lebenskraft gewinnen! Sie schöpfen aus einer Quelle, die nie versiegt, die dem Geiste ist, was dem Leibe die Luft, die ihm Frische, Leben und Wärme verleiht, die ihn bewahrt vor der Fäulniß der Trägheit, dieser fruchtbaren Mutter der schwersten Versuchungen und Sünden, und vor der Dürre der Geistesarmuth, dieser Quelle der Unzufriedenheit deS Geistlichen mit sich selbst, und der Gemeinde mit ihrem Hirten, dieser Mörderin deS religiösen EiferS und der kindlichen Hingabe an Gott; die ihn sähig macht, die Pflichten gegen seine Gemeinde treu zu erfüllen, sie zu nähren mit dein Brode, daS vom Himmel gekommen, zu tränken mit dem lebendigen Wasser und ihr zugleich mit dem guten Beispiel voranzugehen, daß sie recht erfasse die Worte: „Das Himmelreich leidet Gewalt, und nur die, welche Gewalt brauchen, werden es an sich reißen." Bei dem Studium selbst aber ist zweierlei wohl zu beachten: Einmal, daß es in bestimmter Ordnung, zu bestimmter Zeit geschehe, und daß keine andere höhere Pflicht uns mehr von der einmal festgesetzten Studienzeit rauben darf, als sie eben 71 für sich in Anspruch nimmt, so daß, wenn irgend etwas Wichtigeres uns aus unserer wissenschaftlichen Beschäftigung herausreißt, wir alöbald nach dessen Beendigung zu der festgesetzten Beschäftigung zurückkehren. Welche Zeit diese Studien in Vergleich mit den andern Berufsarbeiten in Anspruch nehmen sollen, oder allgemeiner, in welcher Weise die Tagesordnung eines Geistlichen bestimmt und gehalten werden müsse, daS zu zeigen, ist hier nicht unsere Aufgabe. Jeder wird dieß selbst bald finden können, geleitet von einem guten aöcetischen Buche, Wir haben uns den Zweck gesetzt, das Andere, was hier noch in Betracht kommt, hervorzuheben, nämlich, welche Bücher diesem frommen Studium zu Grund zu legen seyen, oder besser, wie die Bibliothek des Landgeistlichen, den wir hier besonders im Auge haben, beschaffen seyn müsse. Daß das ein Punct von großer Wichtigkeit sey und wohl werth, reiflich erwogen und allseitig besprochen zu werven, wird Jeder zugeben, der die Nothwendigkeit der wissenschaftlichen Beschäftigung bei dem Geistlichen eingesehen hat. Es ist hier bei dem Geiste, wie bei dem Leibe; so nothwendig diesem die Nahrung ist, eben so jenem; und so wenig es gleichgiltig ist, welche Speisen unser Leib zu sich nimmt, eben so wenig ist es gleichgiltig, womit wir unsere Seele nähren. Auswahl ist hier noch darum erwünscht, weil im Grunde wenige Bücher, wenn sie nur gut sind, ausreichen, und selten ein Geistlicher im Stande seyn dürfte, viele Bücher zusammen zu kaufen auf die Gefahr hin, auch vieles Unnöthige zu besitzen. Wir werden dasselbe in einem andern Artikel zuerst im Allgemeinen darzulegen suchen, mit welchen Studien vorzüglich der gewöhnliche, bloß in der Seelsorgc stehende Geistliche sich besassen solle, und dann im Besondern die einzelnen Bücher namhaft machen und ihrem Inhalt nach besprechen, auf welche diese Studien sich am besten gründen dürften. (Katholik.) Mission in Bensheim. Bensheim, 19. Febr. Unsere Mission nimmt einen herrlichen, großartigen Fortgang, denn der Eifer unserer Bevölkerung für dieselbe ist von der Eröffnung an bis auf diese Stunde in stetem Zunehmen begriffen, so daß die Kirche, ungeachtet ihrer bedeutenden Größe, die Andächtigen kaum zu fassen vermag und besonders Mittags und Abends im eigentlichsten Sinne deS Wortes überfüllt ist; Niemand will aber auch zu Hause bleiben und Wer es nur immerhin vermag, folgt dem Rufe der Glocken und eilt in das Gotteshaus, um hier sich an den Predigten der Missionäre zu erbauen und das schlummernde christliche Leben auf's Neue zu erwecken. Allein nicht nur unsere Bensheimer betheiligen sich auf so erfreuliche Weise an der Mission, sondern auch die ganze Umgegend sendet zahlreiche Gläubige; namentlich gilt dieß von Heppenheim und Hambach, aus welchen Orten täglich mindestens drei- bis vierhundert Personen nach Benöheim kommen, die dann nach der letzten Predigt AbendS acht Uhr unter religiösen Gesängen, begleitet von ihrem Geistlichen, wieder nach Hause ziehen. Ein Gleiches gilt von Lorsch, dessen Pfarrer jeden Tag mit einem Theile seiner Gemeinde sich an der Mission betheiligt. Nicht minder finden sich viele Bewohner von Darm st adt hier ein, waS besonders am letztvergangenen Sonntage der Fall war, an welchem Tage BenSheim überhaupt eine so große Menge von Fremden sah, wie wohl selten. Und dabei war die Kirche so gedrängt voll Menschen, daß es dem Prediger kaum möglich war zur Kanzel zu gelangen, und obgleich das Gotteshaus in allen seinen Theilen, selbst hinter dem Altare mit Zuhörern angefüllt war, wie noch nie, mußte dennoch eine große Anzahl der zur Mission Herbeigekommenen darauf verzichten, die Kirche selbst zu betreten. Dieses Herbeiströmen der Gläubigen auS den umliegenden Orten währte aber, wie schon angedeutet, bis zu dieser Stunde ununterbrochen fort, und so zog auch heute Morgen wieder eine große Procession von Heppenheim hier ein, der eine andere von GernSheim kommend folgte. Wenn nun schon dieses, in unsern Tagen fast wunderbar zu nennende Zusammenströmen so vieler von einem höhern religiösen Gefühle erfüllter und beseelter 72 Menschen ungemein erhebend wirkt, so wird der Eindruck ein unwiderstehlicher, wenn man die Hingebung und den apostolischen Eifer betrachtet, welchen die PatrcS Missionäre sowohl als unser Hochwürdigster Herr Bischof auf der Kanzel wie im Beichtstühle entfalten Letzterer erfreut unS mit seiner Gegenwart seit Freitag den 13. d. M., an welchem Tage er unvermuthet auf der Eisenbahn Abends in BenS- heim eintraf, sogleich zur Kirche eilte und seine Freude, dieselbe so voll von Andächtigen zu finden, unverhohlen ausdrückte. Seitdem ist der gefeierte Oberhirt unermüdlich thätig und weilt von Morgens fünf Uhr an bis zum späten Abende im Beichtstuhle. Ja, schon am frühen Morgen, lange vor Tagesanbruch ist unser Gotteshaus mit frommen Betern erfüllt, welche dem Meßopfer, das auf drei Altären zugleich gefeiert wird, andächtig beiwohnen, während Andere die Beichtstühle, sechs an der Zahl, umlagern. — Gestern Abend, nach der ergreifenden Predigt deö Pater Roh über die feierliche Abbitte, trat der Hochwürdigste Bischof, umgeben von zwölf Priestern, die sich überhaupt sehr zahlreich an der Mission betheiligen, zum Allare und betete zu Gott um Nachlaß der vergessenen Sünden und Vergebung der unwür« digen Communionen, ein Act, der alle Anwesenden auf das Tiefste rührte und erschütterte und der ganz dazu geeignet war, sich für immer dem Gedächtnisse einzuprägen. Heute sind unsere Jungfrauen eifrig beschäftigt, die Feier zu Ehren der Mutter GotteS durch Ausschmücken der Marienbilder u. s. w. zu verherrlichen und werden dieselben auf gleiche Weise dazu beilragen, den Schluß der Mission, die Aufrichtung deS MissionSkreuzeS nämlich, zu verschönern, Diese Schlußfeierlichkeit findet nächsten Sonntag auf unserm Kirchhofe statt und läßt sich mir Bestimmtheit voraussehen, daß die herbeiströmende Menschenmenge eine sehr bedeutende seyn wird. Bereits haben sich sechzig Jünglinge gemeldet, welche daS dreißig Fuß hohe MissionSkreuz an den Ort seiner Aufrichtung tragen werden. — Nach Allem, waS wir bis jetzt wahrgenommen, dürfen wir von dieser Mission die schönsten sittlichen Früchte erwarten, eine Hoffnung, die nur um so fester wird, wenn man die Aeußerungen der hohen Zufriedenheit mit dem bisherigen Erfolge der Mission auö dem Munde unseres Hochwürdigsten Oberhirten und der PatreS Missionäre zu hören bekommt. (M. I.) Mission in Neuß. Neuß, 2V. Febr. kmis eoronat opus. Dieses müssen wir auch von der am 15. d. geschlossenen hiesigen Mission sagen. Der Schluß hat ihr die glänzendste Krone aufgesetzt. Nach dem Vorgange vom 13., wo wegen Ueberfüllung der Kirche die Abendpredigt ausgesetzt werden mußte, war festgestellt worden, die Schlußrede nach der Einsegnung deS MissionSkreuzeS im Freien zu halten, und der Erfolg hat diese Vorsicht gerechtfertigt. Gewiß mehr als fünfzehn tausend Menschen waren auf dem geräumigen Platze, südlich von der Kirche, wo auf colossalem Felsenblock das MissionSkreuz den frommen Gläubigen zur Andacht und zu frommem Gebete ladet, versammelt. Als lauschte die Natur mit der frommen Schaar der Gläubigen dem begeisterten Worte deS hochwürdigen P. Haßlachcr, regte sich auch kein Lüftchen, und jedes Ohr hing an seinem Munde. Doch diese feierliche Stille unterbrach sein Lebewohl, dieses durchschnitt so die Herzen der Zuhörer, daß sie sich durch Thränen und Schluchzen Luft machen mußten. Aber diese Thränen waren der befruchtende Regen für die heiligen Entschlüsse, welche während der heiligen MissionSzcit gefaßt worden sind; die herrlichen Früchte, die mit jedem Tage zum Vorscheine kommen, geben hievon die schönsten Beweise. — Neuß wollte die frommen Väter nicht scheiden lassen, ohne ihnen, wenn auch nur in schwachen Zügen, seine Verehrung, Liebe und Dankbarkeit zu bezeigen, darum erschien nach dem Schlüsse der Mission eine zahlreiche Deputaten aus seiner Mitte und überreichte ihnen eine auf Seide gedruckte Adresse, der das dankerfüllte Herz die Sprache gegeben, und den Schluß machte der hiesige sieggekrönte Gesangverein mit mehreren herrlichen Liedern. Neuß hat sich bewährt alö treue Tochter der heiligen katholischen Kirche. (D. V. H.) Verantwortlicher Redacteur: L. Schöncheu. VerlagS-Juhaber: F. C. Kremer. Zwölfter Jahrgang. ^ ^ ^Nl^ 5 ^ L ^. ^. Sonntags-Betblatt zur Augsburger pojheitung. 7. März I«. 1852. _----- Dieses Blatt erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der halbjährige Abonnementsvrels 4V kr., wofür e« durch alle königl. bayer. Postämter und alle Buchhandlungen bezogen werden kaun. - - > Hirtenbrief des Hochwürdigsten Herrn ErzbischofS von Köln. (Schluß.) Wie aber die Gleichgültigkeit so oft im Familienkreise getroffen wird, so sehen Wir auch oft im kirchlichen Leben bei Vielen eine Lauheit, welche mit jener verbun« den und häufig ihre Folge ist. ES gereicht der Kirche zum gerechten Schmerze, daß Viele in dieser Gleickgilligkeir für die Religion und daS kirchliche Leben erstarrt sind. Zwar ist ihr Glaube unerschüttert; ihr Leben soll ein christliches seyn, so wollen sie. Aber wie ist ihr Glaube so todt, ihr Wille so ohnmächtig, ihr Leben so unfruchtbar an christlichen Werken! Sie üben wohl die Religion, aber nur kalt und träg, nur äußerlich, auS Gewohnheit, der Menschen wegen, ohne Wärme und Treue, und darum ohne Blüthe und Frucht. Ihr Mund bekennt, aber ihr Herz verläugnet. Schließen sie sich auch von der Kirche und ihren heiligen Uebungen, ihrem GotteS, dienste und ihren Guadenmitteln nicht aus, so ist doch ihre Theilnahme nur eine äußerliche, ein »odtcS Werk ohne inneres Leben, ein Leichnam ohne Seele. Empfangen sie auch alljährlich die Gnadenmittel der heiligen Beicht und Communion, weil eS also die Kirche verordnet, so empfangen sie dieselben doch ohne wahre Reue und Buße, ohne Besserung und Heiligung, und darum ohne Frucht. Sie empfangen sie alö Unerweckte, und darum nicht zum geistigen Leben, sondern zum geistigen Tode. Von ihnen sagt der Herr: „Du bist werer warm noch kalt, darum werde ich Dich auSspeien aus meinem Munde." (^poe. 3, 13.) Wenn aber Solche schon daS strafende Wort deS Herrn so strenge trifft, wie wird er zu Jenen reden, welche, der Kirche fast ganz entfremdet, ihre Gnadenmittel vernachlässigen? Wie Manche gibt eS nicht, welche vielleicht schon seit Jahren nicht mehr dem Gottesdienste, der Verkündigung deS göttlichen Wortes beigewohnt, nicht mehr im Richterstuhle der Buße erschienen, nicht mehr zum Tische deS Herrn getreten sind! Wie sind sie doch mit sich selbst im Widerspruche und in arger Täuschung befangen! Zwar sind sie weder vom Glauben, noch von der Kirche offen abgefallen; sie anerkennen die Macht deS Glaubens, sie anerkennen auch die große Sendung der Kirche zur sittlichen Führung deS Menschen, die Hoheit ihrer Lehre, die Heiligkeit ihres Gottesdienstes und ihrer Gnadenmittel. Aber ist Wohl ihr Sinn dabei ein anderer, als daß die Hörung des Wortes GotteS, die Theilnahme am Gottesdienste und der Empfang der heiligen Sacramente der Buße und der Communion wohl heilsam sey für Anrere, jedoch sie derselben nicht bedürfen? Die also thun, mögen sich selber fragen, ob sie der Religion, der Kirche und ihrer Führung und Gnadenmittcl in all ihrem Sein und Thun nicht bedürfen, wie Andere. Sind sie durch Reichthum, oder Geburt, oder Amt, oder Wissenschaft zu hoch gestellt, als daß sie dessen entbch. ren könnten? Haben sie, wer und was immer sie seyn mögen, keine Pflichten zu erfüllen, wie Andere? Bedarf ihr Geist und ihr Gemüth hierzu nicht der Gnade von 74 oben, der Erleuchtung und Belehrung durch GotteS heiliges Wort, der Anbetung und deS DankeS gegen Gott in seinem ihn verherrlichenden Dienste, der Stärke und Kraft in den heiligen Sacramenten? Sind sie, in ihrem pharisäischen Stolze, besser als Andere? Sie wähnen, deS heiligen Sacramentes der Buße nicht zu bedürfen. Sind sie denn nicht schwach und der Verirrung unterworfen, wie Andere? Haben sie einen Freibrief, auS jeder Versuchung der Welt und ihrer Verlockung unversehrt hervorzugehen? Sind sie niemals dieser Versuchung unterlegen? Haben sie keine Sünde? Wer da sagt, er habe keine Sünde, der betrügt sich selbst, er lügt (l. Joh. 1, 3). Sie bedürfen nicht deS Empfanges der heiligen Communion, so wähnen sie. Hat denn aber der Herr nicht auch für sie daS Geheimniß seines Leibes und BluteS eingcsctzt als Denkmal und Unterpfand seiner Liebe, als stärkende Speise zum guten Kampfe, als Brod der Seele zur Erlangung des ewigen Lebens? Wollen sie von seiner Liebe sich ausschließen, und haben sie keine Liebe für ihn? Gibt eS für sie keinen Kampf mit der Welt und ihrer Lust, und bedürfen sie keiner Stärkung, um ihn siegreich zu bestehen? Bedarf ihre Seele nicht deS ewigen LebenS und der Kräftigung, dasselbe zu gewinnen? Der Herr hat verheißen, daß er durch den Genuß seines Leibes und BluteS in ihnen leben wolle, aber sie wollen nicht leben in ihm. Er will sie auferwecken am jüngsten Tage, aber sie wollen begraben seyn in ewigen Tod (Joh. 6, 55—57). Wahrlich, sie täuschen sich nur selbst. Sie zählen sich zu den Gläubigen, aber ihr Glaube ist ein todter. Ihre Anerkennung der Religion ist ohne Wahrheit. Ihre Meinung, daß sie der Kirche, ihrer Lehren, ihrer heiligen Uebungen und ihrer Gnadenmiltel nicht bedürfen, ist ein blinder Selbstbetrug. Ihr Bekenntniß der Religion ist nur Heuchelei, eS ist nur laue Gleichgiltigkeit, welche in den todten Worten nur den sittlichen Tod verbirgt. WaS aber sollen Wir von Jenen sagen, welche ihre Gleichgiltigkeit durch offene Mißachtung deS Herrn und seiner Kirche kund geben, indem sie, wie so oft unter uns geschieht, seinen Sabbath entheiligen und so das christliche Leben in seiner Wurzel zerstören? Willst Du wissen, wie da und dort daS christliche Leben bestellt ist, so sieh nur zu, wie der Sonntag gefeiert wird; seine Feier ist dessen ein sicherer Prüfstein. Der Sonntag ist der Tag des Herrn, ihm und seinem Dienste geheiligt und der christlichen Ruhe bestimmt. Also hat ihn Gott eingesetzt. Wer darum den Sonntag nicht feiert, der begeht einen Raub an Gott: denn er entzieht ihm die Ehre, die ihm gebührt, den Dienst, den wir ihm schulden. Er begeht einen Raub an sich selbst: denn er versagt seiner Seele die Erhebung und seinem Leibe die Ruhe. Ueberall, wo der Sonntag entheiligt wird, ist auch daS christliche Leben im Verfalle. Wie sehr wird da und dort diese Wahrheit unter uns mißkannt! Den Einen ist der Sonntag ein Tag der Ruhe, aber nicht der Erhebung, vielmehr der Erniedrigung. Sie seiern ihn wohl, aber nicht dem Herrn, sondern sich selbst. Sie dienen, aber nicht Gott, von dessen heiligem Hause und Dienste sie sich fern halten, sondern der Welt, im Götzendienste ihrer Lust, in unheiligcn Vergnügungen, oder gar in unsittlicher Ausschweifung. Sie schänden den Sabbath des Herrn, ihre Sonntagsfeicr ist eine Gotteslästerung. Andere verbringen zwar nicht also den Tag des Herrn, aber dennoch ist er auch ihnen nicht ein Tag der Erhebung, und nicht einmal der Ruhe. Sie würdigen den Sonntag herab, indem sie an ihm Handel und Gewerbe treiben, knechtliche Arbeiten fortsetzen oder ihre Dienst- und Werkleute zu knechllichen Arbeiten zwingen. Für alle diese gibt es keinen Sonntag: er ist ihnen wie jeder andere Tag, den Einen ein Tag deS Geschäftes und Gewerbes, daS Gewinn bringt, den Andern ein Tag der Arbeit und mühevollen Anstrengung, wie jeder Werktag. Die Einen wie die Andern dienen nicht dem Herrn, sondern dem Mammon und sich Die Habsucht der Einen macht die Noth der LeibeSnahrung ihrer Dienst- und Werkleute für sich zu einer Quelle vermehrten Gewinnes, unbekümmert darüber, daß die Seele der Armen ohne die Erhebung und den Trost der Religion in stumpfe Rohheit versinkt; und die Andern mühen sich ab in knechtlicher Arbeit, ohne ihrem Leibe einen Tag der Ruhe und Erholung zur Stärkung für neue Arbeit zu gönnen, ohne ihrer von 75 des Lebens Noth niedergedrückten Seele einige Stunden der Erhebung und Erbauung, der Belehrung und Ermunterung zu frommer Gesinnung und christlichem Wandel zu gewähren. So werden sie wahrhaft Knechte an Leib und Seele. Da muß in den nur von Gewinn und Noth erfüllten Herzen jede fromme Regung erkalten und jedes Bewußtseyn der unsterblichen Bestimmung des Menschen in den verhärteten Seelen ersterben. Gott und seine Gebote, seine Kirche und ihre Gnadenmittel werden immer mehr vergessen; religiöse Erstarrung und Verwilderung gewinnen die Oberhand; daS christlich-sittliche Leden gerälh in tieferen Verfall, und ein neues Heidenthum bricht herein. DaS schone Band der Liebe, welches die Dienstherren und Dienst- und Werkleute zu einer christlichen Arbeiterfamilie, Beiden zum Segen, verbinden sollte, hört auf; es kettet sie nur noch Gewinn und Noth zusammen, Beiden zur Erniedrigung und zum Verderben. Sehet da, das sind Folgen der religiösen Lauheit, daS die Uebel, welche aus dieser traurigen Quelle entspringen, geliebte Erzdiöcesanen! Die Lauheit in der Religion gebiert die Gleichgiltigkeit gegen Gott und seine heilige Kirche, und die Gleichmütigkeit führt zum Unglauben. Wo aber der Unglaube einkehrt, da schwindet die Gottesfurcht, und wo er übermächtig wird, da hört zuletzt alle Religion auf. So war eö ja, als vor noch kaum sechszig Jahren der übermächtig gewordene Unglaube in einem Nachbarlande, und selbst bis in unsere Gegenden der Religion und Kirche den Untergang zu bereiten strebte. Noch leben Manche unter unö, die es gesehen haben, waS damals geschah: der Glaube war verhöhnt, die Religion geächtet, die Zeichen deS Christenthums, die Crucifire niedergeschlagen, die Kirchen geschlossen, die Glocken und heiligen Gefäße geraubt, die Sonn- und Feiertage abgeschafft, der Gottesdienst eingestellt, die Priester verbannt oder unter dem Fallbeile geschlachtet. Die Lebenden blieben ohne religiöse Erbauung, die Sterbenden ohne Trost, die Todten ohne kirchliches Gebet. Die heiligen Sacramente wurden nicht mehr oder nur selten im Verborgenen gespendet: der sie spendete und der sie empfing, war mit der Todesstrafe bedroht. Der offene Unglaube mit seiner Schreckensherrschaft trat alles Heilige unter die Füße. Es wurde lange Zeit keine Glocke mehr gehört, und in den entweihten Kirchen war eS daS ganze Jahr still, wie ein immerwährender Trauer- und Charfreitag — ein wahrer Todestag des Herrn; denn die Religion war todt. ES war eine trostlose, jammervolle Zeit! Daß sie jemals wiederkehre davor möge uns Gott in seiner Gnade bewahren! Aber sie kann wiederkehren, wiederkehren mit all ihren Gräueln, wenn wir nicht selbst die verdcrbenvolle Ursache, die sie unS wiederbringen kann, unter unS beseitigen. Ihr kennt diese Ursache, geliebte Erzdiöcesanen! Die hohen apostolischen Mahnworte des heiligen VaterS haben sie uns so eindringlich bezeichnet. Es ist keine andere, als die Lauheit in der Religion, die Gleichgiltigkeit gegen ihre Lehren und Gebote und der aus ihnen geborne Unglaube, der von Gott und seiner Kirche abfällt. Aus besorgtem Herzen hat daher unser heiliger Vater alle Bischöfe der katholischen Welt aufgefordert, ihre Diöcesanen zu ermähnen, den Glauben lebendig in Wort und That zu bekennen, mit erneuerter Treue der heiligen Kirche sich anzuschließen und all ihre Hoffnung auf Gott zu stellen, bei dem allein nur Heil und Rettung zu finden ist. Zugleich hat der heilige Vater, zur Abwendung der drohenden Strafgerichte GotteS und zur Erflehung seines Beistandes, ohne welchen wir nichts vermögen und der uns in dieser verhängnißvollen Zeit so noth thut, in seiner Hauptstadt Rom öffentliche Gebete angeordnet und befohlen, daß auch in allen BiSlhümern des Erdkreises gleiche öffentliche Gebete abgehalten werden. Damit aber die Theilnahme der Gläubigen um so lebendiger angeregt und ihr Eifer zur Erneuerung des christlichen Glaubens und Lebens um so wirksamer unterstützt und mit um so größerem Segen belohnt werde, hat seine väterliche Liebe, im Vertrauen auf die Erbcirmungen Gottes und in Kraft der ihm anvertrauten obersten Schlüsselgewalt, für uns die Fülle der Gnadenschätze der heiligen Kirche eröffnet und zu deren Gewinnung ein neues heiliges Jubiläum verliehen. 76 Dem apostolischen Auftrage mit Freuden entsprechend, bringen Wir Euch demnach zur bevorstehenden heiligen Fastenzeit die Gnadenschätze, die der heilige Vater Eurer Andacht eröffnet, geliebte Erzdiöcesanen. Wir verkünden Euch in seinem Namen das von ihm verliehene dreißigtägige Jubiläum» O, möchtet Ihr Alle, die Ihr Unserer oberhirtlichen Leitung anvertraut seyd, dem Rufe des heiligen VaterS folgen und Euch beeifern, die von ihm Euch dargebotenen Gnadenschätze zu gewinnen! Zu deren Erlangung hat der heilige Vater bestimmt, daß neben einem besondern eintägigen Fasten und dem würdigen Empfange der heiligen Saeramente der Buße und des Abendmahls noch die Ausübung besonderer LiebeSwerke: die Darreichung eines den Kräften deS Gebenden angemessenen Almosens an die Armen, und die Spende eines beliebigen Beitrags zu dem GotteSwcrke der Ausbreitung deS heiligen Glaubens unter den Heiden erforderlich sey. So übet denn diese Werke der Liebe mit frommem Eifer, bereitet Euch zum Empfange der heiligen Sacramente durch gottgefälliges Fasten vor, unterstützet Eure nothleidenden Brüder durch Almosen und bringet Eure Liebesgabe zum frommen Werke der Ausbreitung deS heiligen Glaubens. Und damit verbindet auch Euer frommes Gebet nach der Vorschrift deS heiligen VaterS und in seinem apostolischen Sinne, aus tiefer Seele, in aufrichtigem Glauben, in festver- trauendcr Hoffnung und inbrünstiger Liebe (Lpist. kno^cl.). Betet vor Allem sür unsern heiligen Vater Pius lX., den vielgeprüften, von schweren Sorgen um die Leitung der ganzen Kirche bedrückten obersten Hirten, daß Ihm rer Herr die apostolische Bürde erleichtern und mit seiner ganzen Gnadenfülle beistehen wolle, damit Er, wie Er auf dem Stuhle Pelri, zum Felsen und Mittelpunkte dcö Glaubens gesetzt, Allen Glauben und Liebe spendet, so auch wieder von Allen GlaubenStreue und Liebe zurückempfange — also wahrhaft ein Mittclpunct deS Segens für alle Seine Kinder auf der weiten Erde. Beret für unsern König und alle christlichen Fürsten, daß der Herr sie mit seinem Geiste erfülle, sie mit Kraft und Weisheit, Gerechtigkeit und Milde ausrüste, damit sie in Eintracht und Frieden christlich regieren, zu Golteö Ehre, ihnen selbst zum Heile und ihren Völkern zur Wohlfahrt. Betet für alle Bischöfe, Priester und Gläubigen: sür die ganze heilige Kirche, daß Gott sie in des lebendigen Glaubens Einigkeit unter allen Völkern und in allen Landen immer mehr ausbreite und erhöhe, daß er die Weit von allen Irrthümern reinige und allen Menschen die Erkenntniß der Wahrheit und deS Heils verleihe, daß er die Zuchtruthe seines Zornes, die wir durch unsere Sünden verdient haben, von uns gnädig abwende, daß er den Winden und Wogen gebiete und Frieden in unsern Tagen schenke, daß er sein Volk selia. mache, sein heiliges Erbe segne und Hirten und Heerde zum ewigen Leben führe (Lpist, Knebel, ?ii ?. IX.). — Mögen die Engel des Friedens, die da goldene Schaalen in ihren Händen tragen, Euer Gebet auf dem goldenen Altare deS Herrn in der Höhe darbringen, und möge cS, unterstützt durch die mächtige Fürbitte der allerseligsten uubefleckten Jungfrau und Gottesmutter Maria, durch die Fürbitte deS Apostelfürsten Petrus und seines Mitapostels Paulus, so wie der heiligen Schutzpatrone Eurer Pfarrkirchen, gnadenreiche Erhörung finden, Euch und UnS zum Segen. — Die Gnade deS Herrn sey allezeit mit Euch! Amen. Gegeben zu Köln am Feste Mariä Lichlmesse, 2. Februar 1852. -j- Johannes Cardinal von Geissel. Die Bibliothek eines Lanbgeistlichen. II. Mit einer doppelten Wissenschaft muß der Geist deS Priesters genährt seyn, mit der heiligen Wissenschaft und mit der Wissenschaft der Heiligen. Meine doch Keiner, wenn er auch nur geringe, ungelehrte Leute zu unterrichten und zu erziehen hat, eS bedürfe weder der einen noch der andern; eS genüge an einer oberflächlichen Kenntniß der Theologie, etwa aus ein paar modernen Büchern, und eS genüge an einer oberflächlichen christlichen Moral. Wer so dächte, würde seine eigene 77 Seele und seine Gemeinde unfehlbar zu Grunde richten, er besäße keinen Funken ächt priesterlichen Geistes. Von der eigenen Vervollkommnung abgesehen, kann Niemand Landlcmen Predigten, Niemand Kindern christliche Lebre mit Nutzen hallen, als nur in demselben Maaße, als er von der göttlichen Wahrheit erfüllt und in ihre Tiefe eingedrungen ist. Ein gründlicher Theolog wird in der Regel klarer und eindringlicher zum Volke reden, dem kleinen Kinde die ersten Elemente der heiligen Lehre besser beibringen, als ein seichter und oberflächlicher, wenn dieser auch nocl> so schön zu reden und das Gefühl zu rühren versteht. Eben so kann Niemand die Seelen auch der Ungebildetsten und Kleinsten für Cbristus gewinnen, zum Himmel führen auf der Kanzel und im Beichtstuhl, dem die Wissenschaft der Heiligen gänzlich fremd ist; je besser er sie aber kennt, je mehr er aScelisch gebildet ist, um so gedeihlicher wird unler seiner Pflege wahre, gediegene Frömmigkeit im Volke sich entfalten, wird schon in den Herzen der Kinder Wurzeln schlagen. Zur würdigen und segensreichen Verwaltung deS SeelsorgamtcS bedarf daher der KleruS auf dem Lande wie in der Stadt jene doppelle Wissenschaft, denn fehlt sie ihm, so ist daS Salz der Erde faul geworden und taugt nur noch zum Zertreten. Wir sagen jene doppelte, weil die Erfahrung lehrt, daß theologisches Wissen zur gottgefälligen Verwallung des Scel- sorgamteS nicht zureicht, sondern eher aufbläst als ausbaut, wenn nicht die Flamme heiliger Liebe, genährt durch daS Oel deS GebeteS, im Herzen brennt, und nicht ein exemplarischer priesterlicher Wandel die Grnndbcdingung einer gedeihlichen Wirksamkeit legt. Durch die Seelsorge, diesem unbestritten unmittelbarsten, höchsten und würdigsten, aber auch schwierigsten Beruf eines katholischen Priesters, soll, wie „daS Salzb. Kirchenblalt" in Nr. i sich ausdrückt, der Gedanke und daS Werk Jesu Clmsti, deö Urhebers und Urbildes aller Seelsorge, fortgesetzt, soll die Verkörperung deS göttlichen Gedankens und Willens deS Stifters der Kirche vermittelt werden, indem durch sie und in ihr die Anwendung des Ewigen und Unveränderlichen auf daS Zeilliche und Wandelbare zn geschehen hat. Es setzt demnach die Scelsorge ein richtiges Verständniß des Eivigen, ein gründliches Wissen um daS Unwandelbare und dessen Beziehungen zum Geschöpfe nothwendig voraus, und es kann die Seelsorge nur in so fern entsprechen, als sie auf die unveränderliche Grundlage der Heilsökonomie gebaut ist, nur in so weit conseauent, als sie auS GotteS ewiger Ordnung herauswächst, nur in so fern katholisch seyn, als ihr die Principien, so wie der Geist unserer heiligen Kirche zum Grunde liegen. Sieht man nur nach den einzelnen hervorragenden Beziehungen des ScelsorgsamteS, begleitet man den Priester auf die Kanzel, in den Beichtstuhl, in die Schnle, an's Kranken- und Sterbelager, würdiget man seinen Privatverkehr, überall wird man finden, daß ihm gereiftes theologisches Wissen, besonders in unsern Tagen, und der Geist kirchlicher AScese unerläßlich sey. Auf der Kanzel entspricht der Seelsorger nur dann seiner von Christus ihm gewordenen Mission zu lehren, wenn er nicht sich, den Menschen, sondern den Gekreuzigten, sein göttliches Wort, wie solches in der Kirche hinterlegt ist, den Gläubigen verkündet. Christi Wort ist aber umfassender, als man auf den ersten Anblick glauben dürfte, erfordert ernstes Studium und t efe Meditation. Christi Wort ist geordnet, trägt als GolteSgedanke ein System in sich, daS nur derjenige erfassen wird, der sich bemüht, in Christi Wort, so wie in den Wunderbau des menschlichen Geistes einzudringen. Christi Wort steht unendlich höher als menschliche Klugheit und Weisheit, und daß nun diese nicht mit jenem verwechselt werde, dazu gehört eine längere Vorbereitung. Im Beichtstuhl wird der Seelsorger das Bußsacrament nur dann nach der Absicht Jesu verwalten können, wenn er einen tiefen, auf Selbstkenntniß gegründeten Blick in die tausend Falten des menschlichen HerzenS, eine recht gründliche Kenntniß deS göttlichen Willens und der Bedingungen, unter denen Gott unsere Sünden verzeiht, und eine genaue Bekanntschaft mit den vielen Satzungen unserer Kirche besitzt. So unzählbar aber die Falten deS menschlichen HerzenS sind, so erhaben die Pläne GotteS, so mannigfach die kirchlichen Satzungen sind, so endlos ist daS Studium deS Beicht. vaterS. — Auch die Seelsorge in der Schule ist kein Leichtes. Da heißt eS nieder- 78 steigen zu den Kleinen, die höchsten Wahrheiten in daS einfachste Kleid hüllen, und zwar so, daß auch in diesem Gewände die Wahrheit dieselbe bleibt. DaS setzt wieder eine genaue Kenntniß des Christenthums voraus, will man nicht Gefahr laufen, den Kindern Gift statt nahrhafter Milch zu reichen, und ist im rechten Verstände weit schwieriger, als vom Katheder einer Hochschule dociren; es gehört aber auch dazu ein reicher Vorrath theologischen Wissens. Am Kranken- und Sterbelager steht der Seelsorger an Engelsstatt zu trösten, zu erheben, eine ganze Ewigkeit zu gewinnen. Eine Ewigkeit, vielleicht in einem Tage, in einer Stunde, in einem Augenblicke! Wer mag daran denken, ohne überzeugt zu seyn, wie nothwendig dem Seelsorger an dieser Stelle die Kenntniß des Weges zur Ewigkeit sey? — Der Seelsorger im Pri- vcilverkehr ist es seinem Stande und sich selbst schuldig, jedem vorkommenden Irrthum bezüglich der Religion gründliche Widerlegung entgegen zu stellen. Er ist berufen, die Lüge zu zertreten, wo und wie sich dieselbe zeigt. Dazu ist die Standesautorilät allein unzureichend, und dieß namentlich in unserer Zeit, wo das Individuum nicht so fast nach seinem Stande, als vielmehr nach seiner persönlichen Tüchtigkeit geschätzt wird. Es genügt also nicht, daß der Seelsorger bloß spricht, nein, er muß gründlich sprechen, soll der Gegner überwunden werden. Gründliche Belehrung ohne gründliches theologisches Wissen ist aber, wie schon gesagt wurde, nicht möglich. Es dringt sohin Alles auf die sorgfältige Pflege der Wissenschaft. Zur Pflege der Wissenschaft aber sind Bücher nothwendig, nicht viele, aber gute, und diese Bücher sind dem Geistlichen unentbehrlich, eS ist heilige Pflicht seines Standes, sie zu besitzen und zu benützen. Wer sich begnügt, den Stand seiner Wissenschaft bloß auf dem Grade zu erhalten, der ihn zum theologischen Absolulorium befähigte, und mit dem Nothwendigsten so zu sagen ausrüstete, der wird nur zu bald erfahren, daß sein Schatz erschöpft wird, und daß er hinter den Forderungen zurückbleibt, die die Zeit und sein Beruf an ihn stellen. Aber auch derjenige, der nur in den einzelnen Artikeln der Zeitungen oder des Conversationslericons, und in der Häufung von Monographien die ersprießliche GeisteSnahnmg sucht, wird nicht leicht Einklang der Theologie mit der praktischen Seelsorge anzubahnen vermögen, und nicht leicht gründliche Kenntnisse erwerben können, weil Princip und System mangeln. Auf Grundlage der aus der Schule mitgebrachten, auf Compendien und (Kollegienhefte sich stützenden Kenntnisse muß der Priester durch daS Studium gediegener gründlicher Werke jene Fort- und Ausbildung in der theologischen Wissenschaft sich erwerben, welche sowohl der Fortschritt letzterer selbst als auch seine Stellung als Lehrer der Kirche erheischt. Vor Allem braucht er eine tüchtige Dogmatik, ein Buch, welches die katholische Lehre mit Präcision treu und objectiv wiedergibt, und an daS man, als in Allem unzweifelhaft vrihodor, sich mit Sicherheit halten kann. Die „Summa" deS heiligen Thomas zu lesen, und fort und fort zu lesen, wäre freilich sehr rathsam; denn der heilige Thomas ist nicht nur daS lauterste Organ der heiligen katholischen Wissenschaft, er ist auch ein Heiliger, uud obwohl seine „Summa" ein rein wissenschaftliches Buch ist, so ist doch Alles von dem Geiste praktischer Heiligkeit durchdrungen. Doch die Zeit ist noch nicht da, wo der Heilige nach dem Wunsche der Kirche wieder in Wahrheit als ein lebendiger lloctor eeelesisv unter uns wirken könnte. Sie wird wohl wieder kommen; allein indeß möge jeder Geistliche wenigstens eine com- pendiösere solide katholische Dogmatik in Händen und vollständig inne haben, wie z. V. die Perrone's, Liebermanns. Auch die Dogmatik deS P. Albert von Bozen, wovon der erste Theil unlängst in Innsbruck erschienen ist, dürfte für die Zukunft, wenn sie einmal vollendet ist. für diesen Zweck vollkommen genügen. Daran mag man dann weitere Slndien anschließen, aber nicht vielerlei, sonst wird Frucht und Lohn deS heiligen AmteS dahin seyn, sobald gelehrte Schöngeisterei Zweck und Resultat wird. Denn so rühmlich und nützlich eS auch ist, mit der neuern theologischen Literatur vertraut zu seyn, so darf man doch nie vergessen, daß das ausschließliche Lesen moderner Bücher keinen Theologen und tüchtigen Piediger der katholischen Wahrheit macht. Die wahre katholische theologische Wissenschaft bildet eben, wenn daö Alte 79 mit dem Neuen in zweckmäßige, jede Einseitigkeit vermeidende Verbindung gebracht wird. Nun aber haben gerave manche Dogmatiker der neuern Zeit mit der Vergangenheit so entschieden gebrochen, daß der Katholik nicht mehr befriediget wird. Es ist daher immerhin für den, der der katholischen Literatur der letzten Zeit größere Aufmerksamkeit zu schenken Muße und Kräfte hat, rathsam, etwas vorsichtig zu seyn. Indessen hat er an Klee, Kühn, Dieringcr, Staudenmaier für die Dogmatik und das speculative Verständniß der Dogmen, und an Möhler für die Symbolik tüchtige Führer und verläßliche Lehrer. Der Priester ist ferner verpflichtet unter einer schwere» Sünde, die katholische Moral vollständig inne zu haben, und zwar nicht etwa, waS überaus leicht ist, in einigen allgemeinen Grundsätzen, sondern in ihren speciellen positiven Bestimmungen. Was müßie man daher zu einem Geistlichen sagen, in dessen Bibliothek nicht einmal eine zuverlässige Moral und Casuistik sich fände? — Der große Lehrer de.r Moral, der heilige AlphonS von Liguori, sollte keinem Geistlichen unbekannt seyn, und wenn auch nicht seine große Moral, sollte doch wenigstens der domo spo8tolicus, oder die treffliche Bearbeitung deS heiligen AlphonS von Neyraguet in der Bibliolhek deS Priesters sich finden. ' In der Diöcese Briren und wohl weit über ihre Gränzen hinaus hat die Moral Stapfe» in lateinischer und deutscher Bearbeitung sich eingebürgert und ein Ansehen erlangt, wie nicht leicht ein anderes Werk gleicher Art, mit Ausnahme dessen von Liguori. Ihr fortwährendes Studium dürfte für den Landgeistlichcn genügen; doch wird es immerhin auch gut seyn, in den Schriften des heiligen AlphonS von Liguori fleißig nachzulesen, in Hinsicht auf gewisse Materien auch ein oder das andere der neuesten Moralwerke von Fuchs, Probst und Hirscher zu studiren. (Schluß folgt.) ?ZÄ chuv nin? isi__ ^llkk Sü^isültz 5i0 ,5,nf -,',!jk I^Sl ^MnchK !I? MZÄ N o m» lN!>G sr^M rttisU li?Z^7Z n'-'lzs Rom, 30. Jan. Das Ponlificat Pius IX. wird wie durch manche andere zum Wohls der streitenden Kirche getroffenen Maaßregeln, so auch besonders durch die Beförderung der Ehre, welche der triumphirenden Kirche auf Erden erwiesen wird, ausgezeichnet seyn. Die Processe der Seligsprechung vieler Diener und Dienerinnen GotteS sind unter ihm bedeutend vorangerückt, einige beendigt, andere dem Ende nahe. In einer am 27. dieses Monats gehaltenen Eongregalion wurde die Frage gestellt, ob in Folge der, wie ich Ihnen jüngst meldete, beendigten Untersuchungen über den Martertod und die Wunder deS ehrwürdigen Johannes de Britto aus der Gesellschaft Jesu zur feierlichen Seligsprechung vorangeschritten werden könnte; eine Frage, welche wenigstens beim gewöhnlichen Verlaufe der Dinge keiner Schwierigkeit unterliegen kann. Denn sie sich von selbst versteht, geht man zu dieser Frage nur über, wenn die erwähnten Untersuchungen günstig ausgefallen sind. In derselben Kongregation werden auch die Cardinäle über die Wunder, welche auf die Fürbitte des ehrwürdigen Johannes Grande, eines Spaniers aus dem Orden der barmherzigen Brüder, von Gott gewirkt worden, vernommen. Der heilige Vater spricht sich während der Berathung s.!bcr nicht auS, um eine so wichtige Entscheidung erst Gott im Gebete zu empfehlen; doch hat man jetzt bereits erfahren, daß die Bestätigung jener Wunder nächstens erfolgen wird, und somit wären denn auch die vorbereitenden Untersuchungen für diesen Proceß vollendet. Aber auch jene, die über den von den Ketzern gemarterten Andreas Bobola aus der Gesellschaft Jesu angestellt worden, sind dem Ende nahe, und man darf die päpstliche Entscheidung nach einigen Wochen erwarten. Da nun aber auch, wie ich Ihnen zur Zeit geschrieben habe, der Proceß für die Seligsprechung der ehrwürdigen Jungfrau Maria Anna von Jesu auö Quito in Amerika bereits zu Ende geführt ist, so werden wir, so Gott will, binnen kurzer Zeit vier Seligsprechungen erleben. Rom, 4. Febr. Gestern hat der heilige Vater ein Decret veröffentlichen lassen, durch welches mehrere Werke von Bedeutung verworfen und verboten werden. 80 Unter diesen liest man sämmtliche Schriften des Priesters Vincenz Gioberti. Schon vor einigen Jahren hatten mehrere Bischöfe Italiens auf einer Provincial- Synode vereinigt den heiligen Vater gebeten, die Werke jenes TageShelden untersuchen zu lassen und sein Urtheil darüber der Christenheit bekannt zu machen. Es handelte sich aber vornehmlich um die früheren Schriften Gioberti'S — denn sein l-ssuits moclsrno wurde eben um jene Zeit schon verurtheilt — um die früheren Schriften Gioberti'S, sage ich, durch welche er sich nicht nur in Italien, sondern auch in dem übrigen Europa den Namen eines christlichen Philosophen erworben hatte. Viele, auch Gelehrte waren durch ihn getäuscht worden, jedoch nicht Alle. UebrigcnS ist eS durch Briefe und zur Zeit Pseudonyme Aufsätze deS Verfassers in einer Zeitschrift deS jungen Italiens jetzt gewiß, daß Gioberti jene philosophischen Schriften, durch die er die Religion zu vertheidigen schien, mit kalter Bosheit zur Untergrabung deS Glaubens verfaßt halte. Möchte man nach so vielen Betspielen endlich aufhören, neuen Systemen, wenn sie nur glänzend sind, voreilig zu huldigen. Ein anderes Werk, daS durch jeneö Decret den verbotenen Büchern beigezählt wird, ist die Geschichte der gallicanischen Kirche von dem Priester Guett6e. Der Verfasser ist bemüht, die sogenannten gallicanischen Freiheiten und andere Grundsätze, die man gegen ältere kirchliche Institutionen in neuerer Zeit geltend machen wollte, auf solche Weise in Schutz zu nehmen, daß sie zugleich den socialistischen Plänen dienen könnten. — Endlich sind durch dasselbe Decret auch die Werke ProudhonS und Eugens Sue'S verdammt. Dieß könnte vielleicht in so fern Verwunderung erregen, als derlei abscheuliche Schriften schon durch die öffentliche Meinung hinlänglich gebrandmarkt zu seyn scheinen. Allein die Erfahrung lehrt, daß eS nicht ohne heilsamen Einfluß ist, wenn auch über diese die von Gott zur Lehrerin der Völker bestellte Kirche ihr Urtheil feierlich auSspricht. Daher ist eS denn auch der Gebrauch, nicht zwar alle derartigen Schriften, wohl aber jene, die größeres Aufsehen erregen und ihren Verfassern eine traurige Berühmtheit verschafft haben, dem Verzeichniß der verbotenen Bücher einzuverleiben. (M. Sbl) cknu? di ,ttizMKr'»W-«2sMutStz »nSlMiNn .,',5 5kMV 'm»z Schweden. Stockholm, 6. Febr. Vorgestern, den 4. Febr. —nach unserm Kalender noch heute der Gedächtnißtag des heil. AnSgariuS, Apostel der Schweden — begann vor dem hiesigen Swea-Hofgericbt der Religionsproceß gegen den kath. Pfarrer und die Vorsteherin der kalh. Mädchenschule, welche deS ProselytismuS und der Aufnahme luth. Kinder in die kath. Schule angeklangt worden. Der Pfarrer erschien ohne Advocaten, die Vorsteherin in Begleitung deS Baron Th. Cederström, ihres Advocaten, und deS Baron Armfeldt, deS vom Gericht ihr angewiesenen Dolmetschen. Die Vorsteherin versteht nur Französisch. An diesem Tage handelte eS sich nur um gerichtliche Feststellung der Thalsache, wobei der Ankläger, ein armer Mann (ein Norweger), der sichtlich zu dieser Sache bedungen worden, eingestand, keine Zeugen zu haben, daß der kath. Pfarrer oder die Vorsteherin irgend Ueberredung oder Verlockung zum Abfall von der Staalskirche angewendet hätten; — und da alle Jeue, welche zur kathol. Kirche übergetreten, ihr Geständniß längst dahin gemacht, daß sie diesen Schritt aus voller Ueberzeugung und mit Wissen der strafgesetzlichen Folgen gethan, ohne anderes Zuthun deS Pfarrers, als daß er ihnen auf ihre Bitten hin die Aufnahme in die kathol. Kirche nicht verweigert habe, so ist man hier gespannt darauf, zu erfahren, welche Strafbestimmung der StaaiSanwalt auf diese passive Theilnahme am „Verbrechen" hin beantragen werde. Ueber die Wahl des TageS von Seite deS Hofgerichtes zur Eröffnung dieses Processes bemerkte der Pfarrer vor Gericht, daß er an diesem Tage, dem Erinnerungstage deS h. Ansgar, wegen derselben Lehre vor Gericht stehe, welche vor tausend Jahren (i. I. 853) dieser Apostel Schwedens dem Lande verkündet habe, und daß er somit aus dieselbe Unbefangenheit von Seite deS christl. Gerichtes hoffen dürfe, welche das heidnische Gericht dem hl. AnSgar angedeihen ließ. (D. V. H ) Verantwortlicher Redacteur: L. Schvnchcu, Verlags-Juhaber: F. C. Kremer. Zwölfter Jahrgang. Sonntags-Beiblatt zur Augsburger Pojtzeitung. 14. März II. 185S. ^-.- > Dieses Blatt erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der halbjährige Abonuementsvrei» kr., wofür e« durch alle königl. bayer. Postämter und alle Buchhandlungen bezogen werde» kaun. Hirtenbrief des Hochwürdigsten Herrn Wilhelm Emmanuel, Bischofs von Mainz, zur Fastenzeit 1832. Wilhelm Emmanuel, durch GotteS Erbarmunq und deS heiligen apostolischen Stuhles Gnade Bischof von Mainz. Unserem Ehrwürdigen KleruS und unseren geliebten Diöcesanen Gruß und Segen in dem Herrn. Die Zustände in einzelnen Theilen der Diöcese, insbesondere in der Stadt Mainz selbst, haben mich im vorigen Jahre genöthigt, den RongeaniSmuS, der sich den Namen Deutschkatholicismus beigelegt hat, zum Gegenstand meines Hirtenbriefs zu machen, und daS Verhältniß dieser Secte zur katholischen Kirche auseinanderzusetzen. Zu diesem Ende habe ich damals die Grundwahrheiten deS Christenthums und die Lehren der rongischen Secte nebeneinandergestellt und von einer Wahrheit zur anvern bewiesen, daß jedes geistige Band zwischen Christenthum und RongeaniSmuS zerrissen ist. Selbst die Taufe, die, wenn sie im Geiste der Kirche Christi gespendet wird, die Täuflinge Aller christlichen Konfessionen mit der einen, heiligen, katholischen, apostolischen Kirche verbindet, und sie so lange in der Gemeinschaft der Kirche erhält, bis sie durch selbstverschulveten Irrthum sich freiwillig von derselben trennen, hat der RongeaniSmuS, nicht dem Namen, aber der Sache nach, verworfen, und Kinder, die in dem Geiste dieser Secte getauft iverden, erhalten nur den Schein der Taufe und gehören nicht dem Christen- thume an. Die Wahrheit dieser Aussage ist mit Gründen nicht widerlegt worden und hat dadurch eine neue Bestätigung erhalten. Man hat zwar zu behaupten versucht, daß doch der Glaube an einen Golt den sogenannten Deutschkatholicismus noch mit unS vereine. Wenn man aber die durch Schrift und Wort bekannt gewordenen Lehren der Verkündiger dieser Secte näher prüft, so stellt sich nur zu klar heraus, daß die Rongeaner in derselben Weise an Gott glauben, wie sie Christus verehren, wie sie sich katholisch nennen unv von Taufe und Abendmahl reden, d. h. daß sie altchristliche Namen gebrauchen und damit einen unchristlichen, ja antichristlichen Sinn verbinden. Diese Art zu handeln erstrecken sie sogar bis auf ihre Lieder. Bei ihrem sogenannten Gottesdienste nehmen sie alte volkSthümliche Gesänge der katholischen Kirche, behalten die alten Melodien und einzelne Verse dieser Lieder bei, streuen aber zwischen durch neue Verse, die eben ihre Irrlehre enthalten und der Lehre der Kirche widersprechen. Gewiß wird da Niemand in Wahrheit sagen können, daß sie mit der Kirche noch dieselben Gesänge gemein haben. .s!lll,kZ7(Is>WT 7lM?MÄ> Eben so machen sie eS mit den erhabensten Namen des Christenthums. Wie sie dort unter der Melodie der alten Kirchenlieder dem Volke die ungeheure Kluft zudecken, die sie zwischen den Anhängern ihrer Secte und den Kindern der Kirche reißen, so bedienen sie sich hier alter christlicher Bezeichnungen und haben wenigstens nicht den Muth, den Abgrund aufzudecken, dem sie unser Volk zuführen, ES ist aber doch klar, daß nicht Worte, sonvern die Uebereinstimmung in dem Sinn der Worte eine geistige Gemeinschaft begründen. Dem Christen ist Christus der eingeborne Sohn Gotteö, vom Vater geboren in der Ewigkeit. Gott von Gott, Licht vom Lichte, wahrer Gott vom wahren Gotle; erzeugt, nicht erschaffen, mit dem Vater von gleicher Wesenheit und Schöpfer von Allem. Er ist für unS Menschen und für unser Seelenheil vom Himmel herabgekommen, empfangen vom heiligen Geiste, geboren auS Maria der Zungfrau und Mensch geworren. Er ist für unS gekreuzigt unter PontiuS PilatuS und begraben, am dritten Tage aber wieder auferstanden nach der Schrift, aufgefahren gegen Himmel unv sitzet jetzt zur Rechten veS Vaters, von dannen er kommem wird in großer Glorie, zu richten die Lebendigen und die Todten, und seines Reiches wird kein Ende seyn. Den Rongeanern dagegen ist der Weltheiland ein bloßer Mensch. Sie machen eS aber nicht wie die Juden, denen Christus ein Aergerniß war, weil er sich für Gott ausgab, oder wie die Heiden, denen er aus demselben Grunde eine Thorheit war und die ihn deßhalb verlachten. Dem Sohne Gottes ist für unsere Zeit ejne neue Schmach vorbehalten, die alle christlichen Seelen mit unendlichem Schmerz erfüllen sollte. — Der Unglaube hat zunächst in Frankreich eine neue Gotteslästerung erfunden. So wie der Teufel einst in der Wüste die Worte GotteS gegen Gott, gebrauchte und mit Gottkswort Christus versuchte, so sucht der Unglaube unserer Tage den Gesalbten GotteS, Jesus Christus, der gekommen ist, um die Menschen zu erlö,en und sie zur Liebe, zur Erkenntniß und zum Dienste GotteS zurückzuführen, zu benutzen, um die Menschen durch Ehristus selbst von Gott abzuwenden. Die Socialisten und Commu nisten Frankreichs wagen eS deßhalb, auf ihre Fahne den Namen Christus zu schreiben. Sie machen ihn zu einem ihres Gleichen, sie verdrehen und entstellen seine erhabene Lehre, und mit Christus kämpfen sie so gegen Christus uno gegen Gott, der ihn gesandt hat. Die Geschichte lehrt unS, daß einst die Heiden, um ihren Sünden freien Lauf zu lassen und die Stimme deS Gewissens zu erdrücken, Götzen, die sie selbst gemacht hatten, ihre Laster beilegten, und so meinten sie den Göttern zu dienen, wenn sie die Laster übten. Unter dem Scheine deS Gottesdienstes dienten sie so dem Teufel. — Ganz dasselbe Verbrechen sehen wir jetzt an Christus üben. Die Menschen legen die Lügen deS eigenen HerzenS, die auS dem Lügner von Anbeginn geboren sind, Christus, dem Gotle der Wahrheit, bei, und zur Bestätigung der Lüge berufen sie sich auf daS Leben un.d das Wort der Wahrheit. Mit dem Namen Christus kämpft der Antichrist gegen Christus und ruft, wie eS vorhergesagt ist, unter die Völker auS: Hier ist Christus! Ganz ähnlich, wie in Frankreich die Socialisten, machen eS nun auch die ChristuS- läugner in Deutschland, von denen die Rongcaner nur eine Abart sind. Auch sie wollen unS bereden, daß man Christus seit achtzehnhundert Jahren nicht gekannt habe. Die Blutzeugen, die Heiligen, die Scbaar seiner Jünger bis heute — soll ihn nicht gekannt haben, sie aber wollen unS den Geist der Lehre Jesu Christi eröffnen. Auch sie rnfen: Hier ist Christus! auch sie kämpfen unter der Fahne deS Antichrists unter dem Namen Clmstus gegen Christus. Wie mit dem Namen Christus, so macht man eS nun auch mit dem heiligen Namen Gottes. Dem Christen hat sich Gott geoffenbart und er kennt den Gott, den er liebt, dem er dient. Dem Christen ist Gott „der König der Ewigkeit, der Unsterbliche, der Unsichtbare, der alleinige Gott, dem alle Ehre und Herrlichkeit gebührt in alle Ewigkeit" (i. Tim. 1, 17.).--Er hat daö Weltall nach seiner WillenSbestim- 83 mung ins Daseyn gewiesen. „Im Anfang erschuf Gott Himmel und Erde" (1. Mos. 1,1). „Er schuf die Himmel und spannte sie auS; er erhält die Erde und was darin sproßt; er gibt Odem dem Volke, das darauf ist, und Geist denen, die darauf wandeln. Er ist der Herr, daS ist sein Name: Er gibt seine Ehre keinem Andern und seinen Ruhm nicht den Götzen" (Js. 42, 5. 6. 8,). ^Die Himmel erzählen die Herrlichkeit dieses GotteS, und das Firmament verkündet die Werke seiner Hände. Aon ihm gibt Zeugniß ein Tag dem andern, von ihm gibt Kunde eine Nacht der andern. Ueber die ganze Erde geht aus ihr Schall und bis an die Enden des Erdkreises ihr Wort" (Ps. 18. 2. 3. 5.). Deßhalb rufen wir Christen freudenvoll auS: „Kommet, lasset unö frohlocken dem Herrn, jubeln Gott unserm Heilande, . .. denn ein großer Gott ist der Herr und ein großer König über alle Götter. In seiner Hand sind alle Gränzen der Erde, und die Höben der Berge sind sein. Sein ist daS Meer, denn er hat eS gemacht, und daS Trockne haben seine Hände gebildet. Kommet, lasset uns anbeten und niederfallen und weinen vor dem Herrn, der uns gemacht hat; denn er ist der Herr unser Gott und wir sind daS Volk seiner Weibe und die Schafe seiner Heerde" (Ps. 94, 1. u. ff.). Er hat unS gemacht, deßhalb gehören wir ihm, wie daS Gefäß dem Töpfer, der es gebildet hat. „Mache dich aiif, ruft Gott unS zu, und gehe hinab in des Töpfers HauS und merke da, was ich dir sagen werde. Und ich ging hinab in deS TöpscrS HauS und siehe, er arbeitete eben auf der Scheibe. Und daS Geschirr, das er auS dem Thon machte mit seinen Händen, zerbrach: und er machte wieder ein anderes Geschirr daraus, so wie eS ihm gutdünkte, eS zu machen. Da erging daS Wort des Herrn an mich und sprach: . .. . Siehe, wie der Thon in deS Töpfers Hand, also seyd auch ihr in meiner Hand".. (Jer. 13, 2. u. ff.). „Und dieser Gott, Geliebteste, er ist nicht fern von unö, denn in ihm leben wir, in ihm bewegen wir unS, in ihm sind wir" (Apostelg. 17, 27. 28.). Wir können ihm Nichts verbergen: „Er ist ein Richter der Gedanken und Gesinnungen deS Herzens. Es ist kein Geschöpf vor ihm verborgen, AllcS ist nackt und offenbar vor den Augen dessen, bei dem wir Rechenschaft zu geben haben" (Heb. 4, 12. 13.). Wir können seinen Augen und seinen Händen nicht entfliehen: „Wohin soll ich fliehen vor deinem Angesicht«? Steig ich gen Himmel, so bist du da; steig ich in die Hölle, so bist du da. Nehme ich Flügel von der Morgenröthe und wohne ich am äußersten Ende deS MeereS, so wird auch dahin deine Hand mich führen, und deine Rechte mich halten. Und spreche ich: Vielleicht kann Finsterniß mich decken, so wird die Nacht zum Licht bei meinen Lüsten; denn die Finsterniß ist nicht dunkel vor dir, und die Nacht ist hell wie der Tag. Du hast meine Nieren in deiner Gewalt, du nahmst dich meiner an von meiner Mutter Leibe her. Ich preise dich, daß du so schauerlich groß bist: wunderbar sind deine Werke und meine Seele erkennt sie gar wohl" (Ps. 138, 7.). Diesen schauerlich großen Gott erkennen, ist unS die wahre Weisheit, und nur durch die Furcht GotteS gelangen wir zu dieser Erkenntniß. Der Mensch vermag zwar Vieles mit den natürlichen Kräften, die ihm Gott gegeben hat. Er ist in die Geheimnisse der Naturwissenschaften eingedrungen. „Er hat erforscht den Ursprung der Adern deS Silbers und den Ort des GolteS, daS man schmelzet. Er hat den Eisenstein auS der Erde genommen und den Stein in der Hitze zu Erz geschmolzen. Er hat die Finsterniß überwunden. daS Ziel aller Dinge erforscht und ist in daS Dunkel deS Steines und in die Schatten deS TodeS eingedrungen. Er hat die Erde mit Feuer unterwühlt, auf deren Oberfläche Brod aufging an seinem Orte. Er ist Wege gewandert, die kein Vogel kannte, noch daS Auge eines Falken schaute. Er brach Ströme durch Felsen und sein Auge sah waS kostbar war auf Erden. Auch die Tiefe der Flüsse erforschte er und brachte daS Verborgene anS Licht" (Job 23, 2. u. ff). So sprach schon der alte Dulder Job vor Jahrtausenden. Und die Menschen haben seitdem fortgefahren, das Ziel aller Dinge zu erforschen, in daS Innere der Natur und ihrer Geheimnisse einzudringen und dennoch können wir auch heute noch mit Job fragen: „Aber die Weisheit, wo wird sie 84 gesunden? Wo ist der Ort des Verstandes? Nicht kennt der Mensch ihren Preis, noch findet man sie im Lande derer, die wollüstig leben. Der Abgrund sagt: In mir ist sie nicht I und das Meer sagt: Bei mir ist sie nicht! Man kann sie nicht kaufen sür daS beste Gold; noch Silber abwägen, um sie umzutauschen; nicht vergleichen mit Indiens gesättigtem Farbenschmucke, noch mit den köstlichen Steinen Sardonich und Saphir und was sonst hoch und erhaben ist. Woher kommt sie also die Weisheit? und wo ist der Ort deS Verstandes? Verborgen ist sie gar den Augen aller Lebenden, auch den Vögeln des Himmels verhüllt. Selbst das Verderben und der Tod sprechen: Unsere Ohren haben nur fernher ihren Ruf vernommen." Und nun, Geliebte, geht Job dazu über, die große Frage: Woher kommt die Weisheit? zu beantworten: „Gott weiß den Weg zu ihr und er kennt ihren Ort. Er schaut die Enden der Welt und sieht Alles, waS unter dem Himmel ist. Er gab den Winden Gewicht und wog nach dem Maaße die Wasser. Er gab dem Regen Gesetz und einen Weg den tobenden Wettern. Er sah sie, er offenbarte sie, er bereitete und erforschte sie. Und er spricht zu dem Menschen: Siehe die Furcht deS Herrn, das ist die Weisheit, — und das Böse meiden, das ist Verstand" (Job 28,). O, Vielgeliebte, sehet, daS ist der Gott der Christen, und der Weg, um zu diesem Gott zu gelangen. Das ist der Gott deS alten Bundes, der Gott Abrahams, JsaakS und Jakobs; der Gott, den alle Gerechten anbeten und lieben vom Tage der Schöpfung bis zum Ende der Welt; der Gott, der auch unS Menschen, seine armen Geschöpfe, der euch Alle so liebt, daß er durch den Mund seiner Propheten auf die Klage: „Der Herr hat mich verlassen, der Herr meiner vergessen!" antwortet: „Kann denn ein Weib ihres Kindes vergessen, daß sie sich des SohneS ihres Leibes nicht erbarmte? Und wenn sie eS vergäße, so will doch ich dich nicht vergessen (Js. 49, 15.)! Siehe, in meine Hände habe ich dich gezeichnet.« Ja noch mehr: „Der also die Welt geliebt hat, daß er seinen eingebornen Sohn hingab, damit Alle, die an ihn glauben, nicht verloren gehen, sondern daS ewige Leben haben" (Joh. 3, 16.); das ist der Gott, vor dem die Engel und heiligen Geister im Himmel liegen und Tag und Nacht rufen: „Heilig, heilig, heilig ist Gott, der Herr, der Allmächtige, der da war, und der da ist und der da kommen wird;" vor dessen Thron Andere ihre Kronen niederlegen und bekennen: „Würdig bist du Herr, unser Gott, zu empfangen Preis und Ehre und Kraft, denn du hast alle Dinge geschaffen und durch deinen Willen wurden sie und sind sie geschaffen" (Apostelg. 4, 8. 11.). DaS ist der Gott, den der Sohn Gottes unS offenbarte, den die Apostel verkündeten, für den die Blutzeugen gestorben sind, für den die heiligen Bekenner die Welt für Koth hielten! von dem die heiligen Lehrer der Kirche ihre GotteSweiSheit schöpften, dem die Schaar heiliger Jungfrauen gefolgt ist, zu dem wir im heiligen Geiste beten dürfen: Abba, Vater! der alle unsere Thränen fließen sieht und heilen kann. DaS ist, Vielgeliebte, der Gott, von dem unS der Heiland gesagt hat: „Du sollst den Herrn, deinen Gott lieben aus deinem ganzen Herzen und auS deiner ganzen Seele und auS deinem ganzen Gemüthe" (Match. 22, 37.). DaS ist also endlich der Gott, in dessen Liebe, Lob und Preis sich Alles vereinigen soll, waS im Himmel und auf Erden ist: „Preiset den Herrn, ihr alle Werke deS Herrn, lobet und erhebet ihn über Alles in Ewigkeit. Preiset den Herrn, ihr Engel deS Herrn, lobet und erhebet ihn über AlleS in Ewigkeit. Preiset ihr Himmel den Herrn, lobet und erhebet ihn über AlleS in Ewigkeil. Sonne und Mond.... Sterne deS Himmels, preiset den Herrn, lobet und erhebet ihn über AlleS in Ewigkeit. Die Erde lobe den Herrn, sie lobe und erhebe ihn über AlleS in Ewigkeit. Berge und Hügel.... AlleS was grünt auf Erden.... Meere und Flüsse.... Ihr Vögel deS Himmels preiset den Herrn, lobet und erhebet ihn über AlleS in Ewigkeit. Ihr Menschenkinder preiset den Herrn, lobet und erhebet ihn über AlleS in Ewigkeit. Israel preise den Herrn, cS lobe und erhebe ihn über AlleS in Ewigkeit. Ihr Priester des Herrn, preiset den Herrn, lobet und erhebet ihn über AlleS in Ewigkeit. Ihr Diener deS Herrn, preiset den Herrn, lohet und erhebet ihn über Alles in Ewigkeit. Ihr Geister und Seelen 85 der Gerechten preiset den Herrn, lobet und erhebet ihn über Alles in Ewigkeit. Ihr Heiligen und von Herzen Demüthigen preiset den Herrn, lobet und erhebet ihn über Alles in Ewigkeit" (Daniel 3, 57.). Das ist der Gott der Christen, der wahre, lebendige, persönliche, ewige Herr Himmels und der Erde. WaS ist aber der Gott der Rongeaner? Ein Wesen, das sie nicht näher zu bezeichnen wagen, ein sogenannter Weltgeist, von dem man nicht weiß, ob er ein von der Welt verschiedenes persönliches Daseyn hat, oder ob er nichts anderes, als die Naturkraft ist. Als der Apostel im Areopag zu Athen den Gott der Christen den Heiden predigte, sprach er: „AIS ich umherging und eure Götterbilder sah, fand ich auch einen Altar, auf dem geschrieben stand: dem unbekannten Gotie. Was ihr nun, ohne es zu kennen, verehrtet, das verkündige ich euch! Gott, der die Welt gemacht hat" (Apostelg. 17, 23). Seitdem ist der unbekannte Gott auch den Heiden bekannt geworden; die Rongeaner aber wollen den Altar deS unbekannten GotteS wieder in unserer Mitte errichten. Christus hat uns befohlen, einen Gott zu verehren, den wir kennen, den wir lieben sollen auS ganzem Herzen, auS allen Kräften, aus unserm ganzen Gemüthe; die Rongeaner aber verehren einen Gott, bei dem sie nichts denken, den man also nicht lieben, dem man nicht dienen kann. So ist eS also wahr: daS Christenthum hat nichlS gemein mit dem Ronge- thum. Der Christus und der Gott der Christen ist nicht das, waS die Rongeaner Gott und Christus nennen. — Ich bin aber weit entfernt, zu sagen, daß alle Jene, die sich jetzt äußerlich zu dieser Secte bekennen, den Glauben an Gott und Christus . verloren haben. Ich glaube vielmehr, daß eben der Mißbrauch unserer Namen, unserer Gesänge, mit einem romanhaften, sentimentalen Wesen umkleidet, viele Unwissende nur irre geführt hat und daß viele unter ihnen nicht wissen, in welche Hände sie gefallen sind. Wenn ihr mich aber fragt, Vielgeliebte, warum ich noch einmal auf diesen Gegenstand zurückgekommen bin, so will ich auch darauf eine Antwort nicht schuldig bleiben. Zunächst hat mich dazu das Verhältniß des RongeanismuS zu dem Unglauben der Gegenwart im Allgemeinen bestimmt. Der RongeaniSmuS ist nicht etwas für sich Bestehendes, sondern nur ein Glied in der großen Kette der Ver- irrungen aller Jener, von denen der königliche Prophet sagt: „Warum toben die Heiden und sinnen die Völker auf Eitles. ES stehen auf die Könige der Erde und kommen zusammen die Fürsten wider den Herrn und wider seinen Gesalbten! Lasset uns zerreissen ihre Bande und von unS werfen ihr Joch" (Ps. 2, 1.)! In katholischen Ländern Deutschlands nennen sie sich „Deutschkatholische," weil sie unter diesem Namen leicht Eingang bei Katholiken finden, in protestantischen nennen sie sich „freie Gemeinden." In andern Ländern nehmen sie wieder andere Namen an. Im letzten Grunde gehören zu ibnen alle Jene, welche einen übernatürlichen Gott und eine übernatürliche Offenbarung nicht anerkennen und im Widerspruche mit aller gesunden Vernunft den Geist des Menschen als den höchsten Geist an die Stelle GotteS setzen wollen, alle Jene, die wider Gott und seinen Gesalbten ausstehen, die daS Gesetz GotteS, daS Gesetz Jesu Christi zerreißen und sein Jock abschütteln wollen. Ferner haben mich zu dieser abermaligen Erklärung einige Vorgänge in unserm engern Vaterlande bestimmt. Man hat, wie Euch bekannt geworden ist, meinen Hirtenbrief, in dem ich, Euer katholischer Bischof, Euch, den Katholiken dieses Landes, einfach den RongeaniSmuS als den Widerspruch gegen das Christenthum bezeichnet habe, als eine maßlose Verhöhnung, Verleumdung und Provocation vor die Stände dieses Landes gebracht. Die zweite Kammer hat diese Beschwerde zur geeigneten Maßnahme an die Regierung übergeben. Ich glaube nicht, daß etwas AehnlicheS noch in der Welt vorgekommen ist. Ich habe in meinem Hirtenbriefe die Wahrheit gesprochen. Die Lehre der katholischen Kirche ist eine weltkundige 86 Thatsache, die nicht ich gemacht habe, von der ich kein Jota abnehmen kann. Ich habe dieser wellkundigen Lehre die Lehre der Secte des sogenannten Deutsch- kalholiciSmuS gegenübergestellt und gezeigt, daß dieser der volle Widerspruch von jener sey. Niemand hat cö vermocht, einen einzigen Gedanken an dieser Gegenüberstellung als unwahr nachzuweisen Habe ich unwahr gesprochen, so zeigt es! Man kann es nicht. Und das AuSsprechen der katholischen Wahrheit soll eine maßlose Verhöhnung, Verleumdung und Provocalion seyn? Und die zweite Kammer deS GroßherzoglhumS erkennt in dieser Anschuldigung nicht eine maßlose Verhöhnung und Verleumdung meines Hirtenbriefs, sondern übergibt eine solche Beschwerde der Regierung zur geeigneten Maßnahme I Der Apostel sagt: „Es gibt einige Menschen, die euch verwirren und das Evangelium Christi zu verkehren suchen. Aber wenn auch wir, oder ein Engel vom Himmel euch ein anderes Evangelium verkündigte, als wir euch verkündigt haben, der sey verflucht" (Gal. 1, 7. 3.)I und ich soll Euch nicht einmal warnen vor ChristuSläugnern, soll Euch nicht einmal sagen, daß eS ChristuSläugner in unserer Mitte gibt. Ein anderes Ereigniß hängt mit diesem enge zusammen. Die Secte der Ron« geaner hat zu wiederholten Malen den Vorstand der Stadt Mainz ersucht, ihnen städtische Locale zu ihren Versammlungen einzuräumen, und man hat ihr Gesuch erfüllt. Der Vorstand einer Stadt, in der vom Anfange deS Christenthums das Evangelium von der Erlösung gepredigt wird, die alles Gute und Große, waS sie besitzt, dem Christenthums verdankt, in der die unermeßliche Mehrzahl der Bewohner noch in Christus ihren Erlöser anbetet und verehrt, hat keinen Anstand genommen, ihre Locale einer Secte zu öffnen, die die Gottheit Christi offen läugnet und den Glauben der Kirche Christi verspottet und verhöhnt. Solchen Ereignissen gegenüber ist eS meine Pflicht, um so entschiedener das Kreuz Christi in die Höhe zu halten und Euch zuzurufen: „ES ist kein anderer Name unter dem Himmel den Menschen gegeben, wodurch wir selig werden können; als der Name deS Gesalbten deS Herrn Jesu Christi" (Apostelg. 4, 12.). (Fortsetzung folgt.) zchiil t-i vl.'KdtllvZg'n»K ?;»y»G ?>5 lttöuvtg >-?zV iz! zli;A lttijviv izÄ ni L5ilG n!i 7un nrz^nm ,h?Zs!:6?stsV chis M Die Bibliothek eines Landgeistlichen. (Schluß.) Der Priester soll täglich die heilige Schrift lesen, nicht als gelehrter Eregete, yder gar als Kritiker, das ist nur die Sache Weniger, sondern als ein solcher, der selbst ein Evangelist deS Volkes seyn soll; betend und meditirend soll er sie lesen. Allein dazu bedarf er dennoch eines zuverlässigen AuSlegerS, der ihm zeigt, wie in der Kirche die Schrift verstanden wird. Es genügt zu diesem Zwecke an wenigen Büchern, da eS sich ja nicht bei dem gewöhnlichen Priester darum handeln kann, auf der Höhe der eregeiischen Wissenschaft zu stehen, sondern die heilige Schrift richtig und im Geiste der Kirche zu verstehen. Irgend ein katholischer Commentaior der ganzen heiligen Schrift, Cornelius a Lapide, Tirin, Calmet, oder doch wenigstens deS neuen Testamentes, Maldonat, EstiuS, Maßl, ist daher gewiß wünschenSwerth in der Bibliothek eines Geistlichen. Protestantische Commenlare sind nicht blos überflüssig, sondern, wo sie nicht zu gelehrten Zwecken nothwendig sind, geradezu vom Uebel. Will ein Priester die Resultate der exegetischen Forschungen der neuern Zeit kennen lernen, so findet er sie in den Werken von Hug, Herbst, Welle, Hanebcrg, Maier, Schegg u. A. Auch ein Handbuch deS KirchenrechteS, aber kein josephinischeS oder protestan« tischeS, soll der Geistliche haben. Er soll wissen, waS heute der Kirche Recht ist, Welche kirchlichen Normen, welche Gesetze heute noch zu Recht bestehend sind und verbindende Kraft haben, und welche von den neuesten kirchlichen Normen den Slem- 87 pel der Kalholicität besitzen. Die Wissenschaft deS Kirchenrechtcs ist von sehr großer Bedeutung, und eS kommt deßhalb sehr viel darauf an, auö welchen Quellen sie geschöpft wird. ES gibt Lehrbücher deS KirchenrechtcS, die Grundsätze enthalten, welche im Leben angewandt der Kirche tiefe Wunden geschlagen haben, die der Kirche Rechte ab- und dem Staate zusprechen, welche der Ersteren doch von ihrem göttlichen Stifter eingeräumt sind. AlS Handbücher soll man dergleichen in der Bibliothek eines Geistlichen nicht finden, sondern nur solche, die Gott geben, waö GotteS, und dem Kaiser, waS des Kaisers ist, wie daS Lehrbuch von Walter, daö Kirchenrecht von Phillips und von Pachmann, und unter den lateinischen daS von Devoti. Eine katholische Kirchengeschichte ist gleichfalls für den Geistlichen nothwendig, oder doch wenigstens wünschenSwerth, desgleichen ein gutes liturgisches Werk, eine Anleitung zur Pastoration und insbesondere zur Verwaltung deS heiligen Sacramen« teS der Buße und ein gutes katechetisches Werk, Indessen halten wir nicht dafür, daß die bloße Lectüre von Lehr- und Handbüchern hinlängliche theologische Nahrung gewähre. Kann auch nicht jedem Geistlichen ein förmliches Studium der Väter und der kirchlichen Quellen angemuthet werden, so sollte doch Jeder mitunter auS diesen Quellen trinken, in denen das lebendige Wasser gleichsam unmittelbar aus dem Felsen sprudelt. ES ist eine ganz andere Sache die Wahrheit aus dem Munde eines heiligen Kirchenvaters, als aus dem eines, wenn auch noch so tüchtigen Professors zu vernehmen. Daher ist eö so gut, wenn ein Geistlicher daS eine oder das andere Buch eines Vaters besitzt und liest. In den Iristitutioneg patrologiae von vr. Feßler ist Jedem zur Kenntniß und Lesung der Väter eine sehr tüchtige und praktische Anleitung geboten. DaS nun scheint das Wichtigste, waS über die nothwendigen Bücher zum fortwährenden Studium der heiligen Wissenschaften zu sagen ist. Wenden wir uns zu den Büchern, welche die Wissenschaft der Heiligen betreffen. Da müssen wir vor Allem gestehen, daß eS in dieser Beziehung in gar manchen geistlichen Bibliotheken nicht am Besten bestellt ist, und das sollte nicht seyn. Ein Priester, der nicht betrachtet, ist todt in sich und für Andere, mag er auch lebendig scheinen; er wird nicht predigen wie Einer, der Gewalt hat; das Wort GotteS wird nicht fruchtbar seyn in seinem Munde. Die theologische Wissenschaft allein heiligt weder den Geistlichen noch seine Zuhörer und Beichtkinder. Ehe sie fruchtbar werden kann, bedarf die theologische Wahrheit einer Zubereitung, die kein Studium verleihen kann; sie muß zuerst durch Betrachtung und Gebet in die Seele des Priesters aufgenommen, und hier auS abstrakten Begriffen zu Geist und Leben werden, und nur als Geist und Leben, nicht aber als todler Begriff kann sie dann befruchtend von Kanzel und Beichtstuhl und auS jedem Wort deS Priesters überströmen in die Herzen der Gläubigen. Nun wissen wir wohl, daß man betrachten kann auch ohne BctrachtungSbücher; aber wir glauben, daß, wer gern betrachtet, sich auch gern die Werke jener GeisteSmänner anschafft, die besser haben betrachten können, als wir. Auch glauben wir, daß, einige wunderbare Ausnahmen abgerechnet, noch kein Priester ohne alle Hilfsmittel die Kunst der Betrachtung in dem Grade gelernt hat, daß er nun keines Buches mehr bedarf. Von den eigentlichen BetrachtungSbüchern verschieden sind die Bücher zur geistlichen Lesung, die der Priester ebenfalls so sehr benölhiget. Wir wollen von den BetrachtungSbüchern Eines hervorheben, das statt einer Bibliothek dienen kann, die Betrachtungen über die vorzüglichen Geheimnisse deS Glaubens von Ludwig de Ponte, dessen deutsche Uebersetzung nun mit dem sechsten Bande vollendet ist. Hier ist Stoff in Fülle für daS ganze Leben, nicht blos zur eigenen Betrachtung, sondern auch zur Predigt. Als geistliche Lesung steht diesem ebenbürtig zur Seite die Uebung der Vollkommenheit von AlphonS Rodriquez. Klei- nere aScetische Bücher, die Nachfolge Christi, die Philothca, die Anleitung zur Voll, kommenheit vom heiligen AlphonS v. Liguori u. dgl., sollten die wohl in einem geistlichen Hause nicht zu finden seyn? Noch etwas ist eine gar nothwendige und nützliche 88 Lectüre für den Priester; eS sind die Rubriken und gute Abhandlungen über die geistlichen Verrichtungen, wie sie z. B. in dem „Priester im Gebet" vom heil. AlphonS von Liguori sich befinden. Ein Geistlicher, der auf dem Lande lebt, würde eS hart finden, wenn er an seinem Hause nicht einmal ein kleines Gärtchen, ein wenig Grün und ein paar Blumen hätte: aber wie öde und unerquicklich ist eS erst in einem geistlichen Hause, worin nicht wenigstens einige jener Blumen anzutreffen sind, die Gott in seiner Kirche emporsprossen ließ zur Erquickung und Belebung Vieler, einige jener Bücher, in welchen große heilige Seelen die Geheimnisse und Früchte ihrer Gebete und Betrachtungen zum Gemeingut Aller gemacht haben! ES gibt noch eine Art von Büchern, die wir in dem Büchergestell eines Geistlichen gern sehen, eS sind Lebensbeschreibungen der Heiligen. Daß ein Geistlicher wenigstens ein gutes Leben der Heiligen besitze, versteht sich wohl eben so von selbst, als daß er eine heilige Schrift besitzt; aber wir meinen, eS ist auch sehr gut, einzelne ausführliche Biographien der Heiligen zu haben, eines PhilippuS Neri, Franz RegiS, Franz Xaver, Franz v. SaleS, Karl BorromäuS, AloisiuS, Franz von Assisi, Vincenz v, Paul, einer heiligen Theresia, Elisabeth u. s. w. Es gibt kaum etwas, waS so stärkt, tröstet, erfrischt, zur eigenen Heilung antreibt, als die Lesung deS Lebens der Heiligen. Muß denn nicht aber auch der Geistliche in seiner Bibliothek Predigtbücher und andere Hilfsmittel haben? Gute katechetische Bücher, Beispielsammlungen, wer sollte die nicht für nützlich halten? Aber moderne Predigtbücher? Predigten, die durch Form und Inhalt ausgezeichnet sind, haben immerhin großen Werth; doch dürfen sie nie geradehin zum Auswendiglernen benützt werden, denn gewärmte Speisen sind nicht schmackhaft, und aus gebrauchtem Zeug macht man keine neuen Kleider. Aber zum Nachlesen eignen sie sich gewiß, weil man daraus viel gewinnen kann. Nebrigens soll man seinen Predigtstoss jederzeit studiren, darüber gute Werke durchschauen und meditiren, und dazu dienen besonders die Werke erprobter GeisteSmänner. Nun noch ein Wort von einer besondern Bibliothek, die jeder Seelsorger haben sollte, nicht für sich, sondern für seine Gemeinde: eine Lesebibliothek guter katholischer Bücher für Kinder und Erwachsene. Ist eS aber möglich sich eine solche anzuschaffen und eine solche Last sich aufzubürden? Wir glauben wohl; denn die Erfahrung hat eS gezeigt, daß auch arme Geistliche sich eine solche Bibliothek anschaffen, und damit vielen Nutzen stiften können. Die Geistlichen waren durch Jahrhunderte die Träger der Wissenschaft und der Literatur. Möchten sie eS allzeit seyn! Eine Quelle des herrschenden GlaubenSver- falleS im Volke würde bald verstopft seyn, wenn jeder Priester eifrig, unv in so weit es seine Geschäfte gestatten, sich mit der katholischen Wissenschaft und Literatur beschäftigen würde. Und glücklich und segcilSreich würden die Geistlichen leben, wenn sie Männer heiliger Wissenschaft und heiligen Lebens allzeit wären; wie erhaben stünden sie über dieser hohlen und erbärmlichen Welt! — Die Bücher machen zwar den Mann nicht; doch kann man meistentheilS den Mann an seinen Büchern erkennen, zumal an denen, die nicht bestaubt auf dem Büchergestelle, sondern abgestaubt und benützt auf dem Tische liegen. Wir rathen keine unvernünftige Verschwendung für Bücher, aber die nothwendigen Bücher sollte Jeder besitzen, so gut als das tägliche Brod, und eS ist gewiß besser und eine schönere Zierde, ein Bücherbrett voll tüchtiger Theologen und GeisteSmänncr, als ein Schrank voll modischer GlaS- und Porzellanwaaren, als Pendeluhren, Sopha'S und anderer Tand, der die Freunde nicht erbaut, und die Feinde zum Aerger, Neid und bissigen Bemerkungen reizt. Darum suche Jeder sich mit etwas Rechtem zu versehen, nicht mit oberflächlichem fadem Zeug oder belletristischem Kram, sondern mit gesunder Geistesnahrung; „denn Alle," sagt der heilige ThomaS, „sind gehalten dasjenige zu wissen, was zu ihrem Stand und ihrer Pflicht gehört, denn sonst machen sie sich einer Unterlassungssünde schuldig." 'uvtZi 7U? 5>Nlm?Ili!? »jz ,vzytv!»ii5j5 zii't , jisiAlN °>l><(>i^D!l? zjc> ,7>chüV'''zK?i»iZtzv Z7ZK' ._____. Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. VerlagS-Jnhaber: F. C. Kremer. Zwölfter Jahrgang. Sonntags-Beiblatt zur Augsburger Pojheitung. 21. März M- 12. 185s. Dieses Blatt erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der halbjährige Abonnementspreis 5; z,A.iS»im,)w'-!L ,üim!> m i?>> j - jqtzu S »Wt <-t ».i^.itj Ueber christliche Gculptur. Wenn man Jahrhunderte lang sich für alles Antike, schon deßhalb, weil eS aus dem heidnischen Alterthum stammte, begeisterte und Dasjenige vernachläßigte, waS der christliche Geist in so reicher Fülle und Schönheit geschaffen: so sind wir, wenn auch der Sinn sich mehr erschlossen hat und allgemeiner, nicht mehr so bornirt einseitig ist, dennoch nicht bis zu der Höhe gelangt, von der wir die vorchristliche und christliche Kunst wenigstens mit gleicher Liebe und Unparteilichkeit überschauen sollten. Wir sind gewiß nicht geneigt, die sorgsamen Bestrebungen für das Auffinden, Erhalten, Erklären und Beschreiben antiker Denkmäler verächtlich abweisen zu wollen, vielmehr erfreut uns diese Thätigkeit in hohem Grade, weil sie dahin führt, die Geschichte und Zustände deS Alterthums bis in daS Einzelnste und Kleinste hinein aufzuhellen und zu beleben. Allein bei Weitem die meisten dieser gewonnenen Monumente der Vorzeit haben gar keinen künstlerischen Werth, höchst selten einen historischen, oder, wenigstens namhaften, archäologischen, sie reihen sich dagegen in der Regel ohne weitere Bedeutung an die Zahl derjenigen an, welche die Museen bereits füllen. Sie tragen demnach zur Erfrischung des Geistes, zur Versenkung deS Gemüthes in die Fülle der Schönheit Nichts bei, sie senden nicht aus der zündenden Betrachtung lcbenswarmer, aus schöpferischem Geistcsfeuer gebildeter Gestalten daS Licht neuer Ideen, überirdischer Wahrheiten in das Herz und führen dasselbe ge- wissermaßen in die unveränderliche Herrlichkett der Ewigkeit ein. Ja, will man auch über das bloß historische Interesse hinaus noch daS künstlerische befriedigen, so ist die alte Tyrannei der Gewohnheit, welche bei der bildenden Kunst nur die Antike und das ihr nachgeschaffene moderne Antike gelten lassen will, noch keineswegs besiegt, oder nur wesentlich erschüttert. Auch hier müssen wir uns — weil man in dieser Beziehung gar leicht Mißverständnissen ausgesetzt ist — verwahren, als ob wir der alten Sculptur ihren ungemein hohen Werth, ihre technische Vollendung, ihre formelle Schönheit auch im Entferntesten antasten wollten. Das ist so wenig unsere Absicht, als wir die herrlichen Schöpfungen der alten Poesie herabsetzen möchten. Nur das wünschen wir, und zwar zunächst vom Standpuncte der Kunst, daß man über den antiken, die aus dem ächt christlichen Geiste, in den christlichen Zeiten hervorgegangene Denkmäler nicht vergessen solle. Der tiefste Grund hiervon ist offenbar darin zu suchen, daß die Bildung Derer, welche sich mit solchen Gegenständen beschäftigen, daß die Bildung der yöhern Stände eben immer noch eine mehr auf der antiken, als christlichen Weltanschauung ruhende ist. Alle Gedanken, Empfindungeu, Ansichten und Strebungen des Herzens sind weit mehr verwandt dem Geiste, welcher die alten Monumente hervorgebracht, als jener Betrachtungsweise, auS welcher die christlichen Denkmäler entstammen. Die wahre Knnst ist die Darstellung deö wirklichen Lebens auf seinem letzte«, ewigen Grunde; sie ist deßhalb ein Genuß, weil sie DaS, was in der Tiefe der Seele lebt, zur Anschauung bringt. Ruht nun aber das Herz auf der Sichtbarkeit, der Sinnlichkeit, der bloßen Aeußerlichkeit, den gemeinen Erscheinungen, wie eben daS Alterthum, so kann eS die christliche Auffassung, welche auf den Grund deö Aeußern, auf daS Ucbernatürliche, das Geistige und wahrhaft Göttliche gerichtet ist, entweder gar nicht verstehen, oder eS wendet sich von ihr, als einem wesentlichen Gegensatze, ab. Das ist die eigentliche Ursache, warum man die christlichen Kunst- producte bei Weitem noch nicht mit derjenigen Aufmerksamkeit schätzt, welche sie — von dem christlichen und religiösen Charakter ganz abgesehen — in rein künstlerischer Beziehung mit dem vollsten Rechte verdienen. Fängt man nun auch schon seit geraumer Zeit an, einigen Respect zu bekommen vor der mittelalterlichen Architektur, obschon es hier an der richtigen Auffassung, weil eben am Verständnisse des christlichen Geistes, noch sehr fehlt, und antike Reminiscenzen, oder selbstschöpferischcr Hochmuth oftmals arge Streiche spielen, so ist dieß doch mit den ander» Künsten weit weniger der Fall. Zwar steht die Glasmalerei in besonderer 95 Achtung und Gunst. Allein dieß geschieht im Allgemeinen noch mehr, weil sie eben außer dem Mittelalter nicht vorkommt, also etwas Außerordentliches ist; dann liegt darin etwas Romantisches, auch ist dieser Zweig christlicher Kunst schon so sehr angepriesen und bewundert worden, daß eS schlechterdings zum guten Tone gehört, mit in das Lob dieses „zauberischen Helldunkels" einzustimmen. Allein welch' wunderbare Wirkung auch diese Malereien hervorbringen, rein künstlerisch betrachtet, werden sie steiS eine gewisse untergeordnete Stellung einnehmen. Denn die geist- und lebensvolle Durchbildung anderer Kunstwerke werden sie nie erlangen, und stetS mehr durch die Pracht und den Glanz der Farben auf die Phantasie mächtig einwirken. Dagegen hat man im großen Ganzen sich um die zum guten Glücke noch ziemlich zahlreich vorhandenen mittelalterlichen Sculpturen, namentlich die Grabdenkmäler, weniger geneigt angenommen. Und doch finden wir hier Arbeiten, welche sich selbst in äußerer, technischer Vollendung den besten Werken der Vorzeit kühn zur Seite stellen können. Das ist schon ein sehr richtiger Gedanke gewesen, diese Monumente in den Kirchen, Kreuzgängen oder in den Sälen der Nathhäuser anzubringen. Daö sind die Orte, an welchen auch die hauptsächlichsten Lebenserinnerungen sich knüpfen, und wo ein erhabener und wahrer Zusammenhang die Todten mit den Lebenden geistig verbindet, und durch diese innere Beziehung eine heilsame Frucht erwächst für Diejenigen, welche durch ihre Gestalten in das Leben hereinragen, so wie für Diejenigen, welche sie anschauen und dabei an die Dahingeschiedenen gemahnt werden. Die irdische Kirche ist dieser Weise das wahre, wirkliche Bild der ewigen, himmlischen Kirche, welche alle ihre Glieder umschließt. Wie sprechen die stummen, ernsten Gestalten, wie sie an Wände und Pfeiler lehnen, aus den Tagen der Vorzeit ans Herz! Der Mensch ist für sich allein in der Welt nicht vorhanden, er wäre die bcdauernSwertheste Crcatur; er ist Etwaö im großen Ganzen der Menschheit. Soll er nun nach seinem Scheiden aus der Sichtbarkeit in trostloser Vereinzelung uns vorgeführt werden? Darnach scheint unS wenigstens die Sitte, Monumente für sich allein, einzeln, oder gar auf Säulen gestellt zu errichten, durchaus unschön und verwerflich. Das erste Gesühl, welches beim Anblicke eines solchen unter freiem Himmel, ohne Schul) unv Halt dastehenden Monumentes das Herz beschleicht, ist daö eines gewissen Mitleides mit der trostlosen Verlassenheit und Einsamkeit. Man stellt unwillkürlich den Vergleich an zwischen der ehemals so bewegten, lebensvollen Stellung des Dargestellten und der peinvollen Lage, in die man jetzt ihn gebannt. Allein daß man die Denkmäler großer Verstorbener auf den Straßen und Plätzen und nicht mehr in Kirchen und Rathhäusern aufstellt, hat seinen nur allzu triftigen Grund. Daö öffentliche Leben ist nicht mehr ein religiöses und frommes, ist nicht mehr ein bürgerliches, eingezogenes; eS hat sich der Vergötterung und dem Genusse der Natur, dem Aeußern zugewandt, eS ist aus der Tiefe, Bedächtigkeit und dem Ernste hinausgetreten in das Weite, Schnelle und Leichtfertige. Da lebt es, da will eö auch seine Erinnerungen haben. Weil die Betrachtung die Schärfe und Bestimmtheit des Gedankens verloren hat, darum stellt man auch in den Denkmälern mehr oder weniger Ge- bilde der Phantasie hin, welche man nach dem Geschmacke der verschiedenartigsten Zeitrn auSstaffirt; so daß — daö erste Erfordernis; der Kunst — die Wahrheit des Gegenstandes nicht mehr mit aller Kraft dem Beschauer entgegentritt Wohl hat man dieß auch gefühlt und z. B. in der Walhalla dieser Verlassenheit und Einsamkeit, in welcher die Gestalten berühmter Männer der Vorzeit dastehen, abzuhelfen gesucht. Allein eine solche Sammlung und Aufstellung von Monumenten macht offenbar den Eindruck etwa eines Wachsfigurenkabinetts, eS ist eben in dem Gebäude zunächst kein anderer Zweck zu erkennen, als der, diesen Gebilden Dach und Fach zu geben. Aehnlich ist eS, aber in geringerem Maaße, mit den Gemäldekabineten, Mit welch' anderer Begeisterung muß ein Künstler arbeiten, der weiß, daß sein Werk einen unmittelbaren Lebenszweck, eine Anregung haben wird, als dann, wenn seine Schöpfung in einem Saale zur kritischen Betrachtung aufgestellt wird. Die Alten haben darin gewiß den besten Weg betreten, sowohl um die Kunst auf's Höchste für ihre Ausgabe zu begeistern, als auch ihren Einfluß auf die gestimmte Menschheit — alle Stände und Verhältnisse — am Weilesten auszudehnen. Waö nun die bildende Kunst betrifft, so sind wir in unserm engern Vater- 96 lande, besonders an Grabdenkmälern der vorzüglichsten Art, sehr reich. Der Dom von Mainz ist in dieser Hinsicht vielleicht der ausgezeichnetste in ganz Deutschland, oder noch weiter hin. Man kann in demselben die Stufen des künstlerischen Entwickelungsganges bis auf die neueste Zeit verfolgen. Wir wollen hier nicht eine kunstgeschichtliche Uebersicht seiner Monumente geben, sondern nur auf einige der vollendetsten aufmerksam machen. Erst als die Reinheit deS gothischen StyleS zu schwinden und sich vielfach in Willkür zu verirren begann, erscheinen die trefflichsten Arbeiten der Sculptur. Offenbar war man in der technischen Fertigkeit bei den mannigfachen, zarten Verzierungen im Gothischen bedeutend fortgeschritten. Allein nicht bloß ist eS die weiche, gleichsam elastische BehandlungSwcise, welche dem Steine Leben einzuhauchen scheint, die uns entzückt, eS ist noch weit mehr die innere, wahre, hohe Auffassung. ES liegt ein reiner, heiliger Ernst in den Gestalten, was sicherlich davon meistens herrührt, daß eben der Künstler wußte, er arbeite für eine Kirche, für die Erbauung, Dann hält man sich durchweg an der Wahrheit deS Darzustellenden, der uns entgegentritt, wie er leibte und lebte, ohne alle erborgte, erlogene Zuthat. Steht das Monument an sich schon im Vereine mit dem ganzen Gebäude, so ist es noch näher umgeben von Ornamenten, Figuren, Gruppen u. s. w. Es ist so gar nichts Gemachtes, Theatralisches an diesen Gestalten, vielmehr sind sie so schlicht, einfach und demüthig! Man sehe einmal das Denkmal deS ErzbischofS Konrad II. v. Weinsberg (gest. 1369), gleich links an der Thüre vom Leichhofe her; es ist noch schwer und einfach, aber voll Wahrheit und Leben. Vollendet schön aber sind die Monumente des Churfürsten Diether von Jsenburg (gest. 1482), deS Prinzen Albert von Sachsen, Administrators des ErzstifteS (gest. 1484), deS Churfürsten Berthold von Henneberg (gest, 1504), alle im Schiffe des DomeS befindlich, und das Denkmal des Domherrn Johann Bernard von Gablenz (gest. 1592), eine treffliche Gruppe, die ganze Familie vorstellend. Diese Kunstwerke sind entzückend schön und zeichnen sich besonders durch die Frische, Wärme und Beweglichkeit vor den Antiken aus. Die St. Katharinenkirche zu Oppenheim, sowohl nach den Verhältnissen, als der Gliederung im Grundrisse, der Mannigfaltigkeit und Reinheit in der Durchführung eine Perle unter den gothischen Kirchen, enthält auch vorzügliche Grabdenkmäler, auf welche wir hiemit aufmerksam machen: der Grabstein der „Anna dochter deS ritterS Wolffen kämmerers zu wormS," auS der letzten Hälfte deS fünfzehnten Jahrhunderts stellt uns daS Bild einer Jungfrau von fünfzehn oder sechzehn Jahren dar, rn einer Anmuth und Lieblichkeit, welche bezaubert. Die zarte Gestalt, im edlen, leicht hingeworfenen Gewände, mit diesen reinen, kindlichen Zügen, den rührend gefallenen Händen ist schon ganz verklärt und tritt uuS wie eine Lichterscheinung aus dem Himmel entgegen. Jeder wird bei diesem Anblicke tief bewegt und das lebensvolle Bild deS selig verklärten Leibes schauen. Ein anderes Denkmal aus der ersten Hälfte des sechszehnten Jahrhunderts stellt die noch trefflicher ausgeführten Gestalten eines RitterS und Kämmerers von Worms (d. h, eines auö der Familie von Dalberg) und seiner Ehefrau aus dem Geschlechte derer von Sickingen vor. Der ehrliche, treuherzige Kopf des Ritters und daS sanfte, ergebene, etwas bekümmerte Antlitz seines Weibes sind von der ausdrucksvollsten Wahrheit, und beide Figuren mit der größten Freiheit, Sicherheit und bis ins Einzelnste sorgfältig gearbeitet. Trefflich ist auch die Statue eines Ritters von Hanstein auS der letzten Hälfte deS sechszehnten Jahrhunderts, schon mit Ornamenten auS der wiederaufgegriffenen Antike. DaS Gesicht und die Gestalt sind höchst geistvoll, die Behandlung ganz trefflich, ungemein fein, ohne Aengstlichkeit und Kleinlichkeit. — Solcher Schätze gibt eS noch eine große Menge; sie werden aber durchaus nicht, wie billig, gewürdigt; wie viele sind aber umer den Hällden gebildeter und ungebildeter Barbaren zertrümmert worden! Möchte man sich um diese christliche, bildende Kunst doch auch bemühen, wie man sich um die Steindenkmale der Vorzeit so sehr kümmert; jedenfalls lernt man aber daraus, daß bei dem Reichthum an solchen Menumenten aus einem Zeitraume von mehr als zweihundert Jahren daS Leben der Kunst damals ein sehr tüchtiges und großartiges gewesen seyn müsse, und wir unS gegenwärtig keineswegs herabwürdigen, wenn wir die Werke jener Meister beschauen, bewundern und an ihnen lernen. (Katholik) Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. Verlags-Jnhaber: F. C. Kremer. Zwölfter Jahrgang. ^>5> ^ ^ » U° » ^ ^ sonntags-Betblatt billi^zMhÄ hVU^iü 7>i.'K ^ « ^» . . Augsburger Pojhntung. __ 28. März M- 785S. _ - ^^uÄ 4^4 ^wü--', Dieses Blatt erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der halbjährige Abonuementsvrei« 40 kr., wofür es durch alle königl. bayer. Postämter und alle Buchhaudluugen bezogen werden kann. Kirchenlied in der Fastenzeit. *) Durch myst'scher Sitte Brauck) geweiht Sey heilig uns die Fastenzeit, Da »ns von Gott gcschenket ist Der vierzig Tage Gnadenfrist. Gesetz und heil'ger Seher Chor Geschritten diese Bahn, bevor Der Herr sie heil'gend selbst betrat, Der Welt und Zeit geschaffen hat. So mäß'gen wir der Triebe Drang In Wort und Rede, Speis' und Trank: Den Schlas, den Scherz, mit kräft'ger Hand Bezähme strengrer Zügel Band. Die Sünde flieh'n wir, die den Geist In des Verderbens Abgrund reißt: Auf daß kein Raum gegeben sey Des listigen Feindes Tyrannei, Den Zorn des Rächers beugen wir, Und fleh'n zum Richter für und für, Mit Reuethränen, brünstiglich, Und sprechen all' einmüthiglich: Wir haben, Gott, durch unsre Schuld Beleidigt deine Liebeshuld: Sich uns, Erbarmer, gnädig an, Und laß Vergebung uns empfah'n. Gedenk', daß uns dein Allmachtsruf, Wenn auch aus schwachem Thon, erschuf; Gieb, die du schufst zu deinem Ruhm. Herr, nicht dem Feind zum Eigenthum. ") Aus I. F. H. Schlosser: Die Kirche in ihren Liedern durch alle Jahrhunderte. Band l. Mainz, Kirchheim und Schott j8S1, ^ ? .ytt5,l.1tlliS8 ^t^rZ-ll^ Vergib das Böse, so gescheh'n, Das Gute mehr', um das wir fieh'n: Daß hier und ewig dir allein Wir endlich wohlgefällig seyn. Du, Brunnquell aller Heiligkeit, O seligste Dreieinigkeit, Lass unser Fasten uns gedeih'n Und ewig uns dein eigen seyn. Hirtenbrief des Hochwürdigsten Herrn Wilhelm Emmanuel, Bischofs von Mainz, zur Fastenzeit 18S2. (Schluß.) Die Verwirrung über das Verhältniß der geistlichen und weltlichen Gewalt ist schon lange vorbereitet. Auch in katholischen Ländern hat die weltliche Gewalt vielfach in die Vollmachten eingegriffen, die die Kirche von Christus herleitet und dte nur sie auszuüben befugt ist. Dazu wirkten insbesondere zwei Ursachen mit. Erstens die Verbreitung jener abstracten absolutistischen Staatslehre, die auf kein göttliches und geschichtliches Recht Rücksicht nimmt und den Willen der Staatsgewalt zur einzigen Quelle alles Rechtes, zum unumschränkten Gesetze macht, dem gegenüber kein anderes Recht, keine andere Ordnung, namentlich nicht die Kirche, irgend eine Selbstständigkeit und einen Raum für freie Thätigkeit behalten darf. Zweitens jener protestantische Begriff über daS Verhältniß der weltlichen zur kirchlichen Gewalt. Unter dem Einflüsse dieser beiden Richtungen ist eS geschehen, daß der katholischen Kirche in den neueren Gesetzgebungen fast aller Länder der größte Theil jener Rechte entzogen worden ist, die Christus ihr unmittelbar übertragen hat und ohne welche sie ihre Aufgabe in der Welt nicht erfüllen kann. Deßhalb hat aber die Kirche auch die Pflicht, auf gesetzlichem Wege diese Rechte zurückzufordern, und eö ist daher keine Willkür und Herrschsucht, sondern eine heilige Pflichterfüllung, wenn zuerst die versammelten Erzbischöfe und Bischöfe Deutschlands in Würzburg und seitdem die Bischöse in allen einzelnen Theilen deS Vaterlandes diese Forderung gestellt haben. Die Wahrheit dieser Anssage und die aus dem Wesen der Kirche entspringende Nothwendigkeit dieser Forderung würdet Ihr noch besser erkennen, wenn ich Euch nun im Einzelnen die Rechte auseinandersetzen könnte, die Eure Bischöfe beansprucht haben. Nur die zwei wesentlichsten Rechte kann ich aber hier kurz erwähnen, das Recht der Kirche auf die katholischen Schulen und namentlich die Volksschule, und zweitens das Recht der Kirche auf freie Bildung der Geistlichen und Besetzung der geistlichen Stellen. Der Sohn GotteS hat vor Allem seiner Kirche das Recht und die Pflicht der Lehre und Erziehung übergeben. BemerkenSwerth ist die feierliche Art der Uebertragung dieses erhabenen AmteS ans die Kirche. Der Heiland beginnt mit den Worten: „Mir ist alle Gewalt gegeben im Himmel und auf Erden" (Matth. 28, 18). Dann geht er dazu über, in dieser seiner höchsten Machtvollkommenheit der Kirche den erhabenen Auftrag zu geben: erstens der Lehre mit den Worten: „Gehet hin und lehret alle Völker," — und zweitens der Erziehung: „Lehret sie AlleS halten, was ich euch befohlen habe" Matth. 19, 20). Endlich gibt er die Dauer dieses Auftrages und die Hilfe an, die Er, der Herr und Gott, seiner Kirche in Vollziehung dieses Auftrages leisten will: „Sehet, ich bin bei euch alle Tage bis ans Ende der Welt." Dieser göttliche, bis an daS Ende der Welt fortdauernde und oft wiederholte Austrag Christi ist die Grundlage deS Rechtes und der Pflicht der Kirche zur Be- 99 lehrung aller Völker und zur Erziehung aller derer, die durch die Taufe Kinder der Kirche Christi sind. In der That wurde auch die Kirche von da an eine Lehrerin der Völker und Erzieherin ihrer Kinder, und als ein wesentliches Mittel der Lehre und Erziehung betrachtete sie von jeber die Schule und namentlich die Volksschule. Schon mitten in den blutigen Verfolgungen fing sie an, ihre Schulen zu grün« den. Ueberall und in allen Ländern der Erve, wo daS Christenthum sich verbreitete und anerkannt wurde, wurde auch dieses Recht der Kirche auf Gründung ihrer Schn- len anerkannt. In allen größern Städten und an den Sitzen der Bischöfe errichtete sie gelehrte Schulen, bei den einzelnen Stadt- und Dorfkirchen dagegen Pfarrschulen, in welchen die Kinder der OrtSgemeinde durch den Geistlichen oder einen geeigneten Kirchenbeamten Unterricht in der Religion, im Lesen, Schreiben und Rechnen erhielten. Der Schullehrer war ein Beamter der Kirche. Von der Kirche halte er sein Amt und seine Sendung. Der Religionsunterricht war die wichtigste Aufgabe der Schule, und der Pfarrer der Leiter derselben. Diese Auffassung deS Verhältnisses zwischen Kirche und Schule stand so fest, daß die Kirchenspaltung daran nicht das mindeste änderte. Unter Katholiken wie Protestanten entstand in dieser Beziehung kein Streit; sie faßten den Auftrag Christi in demselben Umsangc auf. Der Westfälische Friede erklärte deßhalb feierlich die Schule für eine Zubehör der Kirche, srinexum exeroilii rcligionis, und der ReichSdeputationShauptabschluß vom Jahre 1803 garantirte jeder der in Deutschland berechtigten Konfessionen den Fortbesitz ihres eigenthümlichen SchulvermögenS. In vollem Gegensatze zu diesen durch alle vergangenen christlichen Jahrhunderte anerkannten Grundsätzen hat dagegen seit dem Ende deS vorigen Jahrhunderts der Unglaube seinen Grundsatz aufgestellt, daß nur der Staat, und dieser ausschließlich, ein Recht auf die Schule habe, und ohne Rücksicht auf Recht und Geschichte, auf Eigenthum und Besitzstand, auf Christenthum und Kirche ging dieser Grundsatz in die Gesetzgebung und Verwaltung der Staaten über. Der Staat begnügte sich nicht damit, aus eigenen Mitteln Schulen neben denen der Kirche zu gründen; nicht damit, eine Einsicht in die Schulen der verschiedenen Confessionen zur Wahrung seiner staatlichen Interessen zu nehmen, sondern er entzog der Kirche ein eigenes, selb st ständiges Recht zur Leitung und Gründung der Schule, und gab ihr an ihren eigenen Schulen die ärmlich beschränkte Stellung einer Fachlehrern, der Religion. WaS dieses System gewirkt hat zeigt die Gegenwart. Wenn Gott je ein Weltgericht hat ergchen lassen, so hat er diesen Eingriff in daö Lehr- und ErziehungS- amt der Kirche gerächt. Die zunehmende Korruption und Verwilderung der Jugend reißt nicht nur daS Leben Einzelner in zeitliches und ewigeö Verderben, sondern sie stellt wahrhaft die Möglichkeit des Bestandes einer geordneten Familie und bürgerlichen Gesellschaft in Frage. Es ist eine schauerliche Thatsache, daß unsere moderne Schulbildung auf Abnahme der Verbrechen nicht den mindesten Einfluß übt. Darum ist die Kirche verpflichtet, ihre Rechte auf ihre Schulen und namentlich auf die Volksschulen zurückzufordern. Die Kirche kann nicht jeder Zeitmeinung huldigen, weil sie nicht dem Zeitgeiste, sondern der Einsetzung Christi ihr Daseyn verdankt. Der Zusammenhang der Kirche Christi mit ihren Kindern kann nicht zerrissen werden. Durch die Taufe gehört daS Kind der streitenden Kirche an, wie eS durch dieselbe Taufe die ganze Ewigkeit hindurch der triumphirendcn Kirche angehören soll. Die Kirche muß fordern, daß ihr die Erziehung und Bildung der ihr so innig verbundenen Glieder auch in der Schule möglich gemacht werde. Deßhalb haben die versammelten Erzbischöfe und Bischöfe Deutschlands auf der Versammlung in Würzburg erklärt: „Unter den Rechten der Kirche steht oben an „das göttliche Recht der Lehre und Erziehung. Macht, Besitzthum, Glanz und „Ehre — mögte Alles ihr genommen werden; daS Recht, daS von Gott empfangene, zu lehren, zu erziehen, zu sittigen die Völker deS Erdkreises, hat die Kirche 100 „nie preisgegeben... Die Kirche, durch die Kraft deS Wortes unter dreihundert- „jähriger blutiger Verfolgung gegründet, nimmt jetzt wie früher die unbeschränkte „Freiheit der Lehre und des Unterrichts so wie der Errichtung und Leitung eigener „UnterrichtSanstalten im ausgedehntesten Sinne als dasjenige Mittel in Anspruch, „ohne welches sie ihre göttliche Sendung wahrhaft und in vollem Umfange zu erfüllen außer Stand seyn würde, und sie muß jede einengende Maaßregel auf diesem „Gebiete als nicht vereinbar mit den gerechten Ansprüchen der katholischen Kirche „deutscher Nation ansehen." Mit derselben Nothwendigkeit fordert die Kirche zweitens das Recht der freien Bildung, Berufung und Anstellung ihrer Geistlichen. Sie müßte ihren göttlichen Glauben und ihre göttliche Verfassung aufgeben, wenn sie je einer weltlichen Gewalt das Recht der Uebertragung priesterlicher Machtvollkommenheiten zuerkennen wollte. Der Pfarrer hat den Auftrag, tie Lehre Christi zu verkünden, die heiligen Sacramente zu spenden, die Pfarrgemcinde in ihren geistlichen Angelegenheiten zu lenken und zu leiten. Diese Machtvollkommenheit hat aber nach katholischem Glaubenssatze die Kirche und nicht der Staat, und deßhalb kann nur die Kirche und nicht der Staat diese Gewalt übertragen und Seelsorger anstellen. Alle Mitwirkung deS Staates kann sich bei den Besetzungen nur auf einen Vorschlag beschränken, wenn ein besonderer Rechtsgrund und eine Verleihung der Kirche dazu vorliegt. Wenn der Staat mehr verlangt, so hebt er, so viel an ihm ist, die katholische Kirchenverfassung auf und bestreitet das Recht ihres Bestandes. Ihr werdet eS daher gewiß nickt als Herrschsucht betrachten, wenn die Kirche auch dieses heilige, wesentliche Recht zurückfordert. Innig hängt hiermit das Recht auf freie Bildung und Erziehung ihrer Priester zusammen, und da ich über dieses natürliche Recht wohl nichts zu sagen brauche, so benutze ich diese Gelegenheit, um einige Worte an Euch, geliebte Eltern, zu richten. Die Kirche nimmt ihre Priester auS allen Ständen und Lebensverhältnissen. Der Kirchenralh von Trient hat deßhalb in Bezug auf die Aufnahme in die Seminarien ausdrücklich angeordnet: „Die Kirche will vorzüglich die Söhne der Armen gewählt haben, ohne jedoch die Söhne der Reichen auszuschließen" (Sitz. 23, K. 18). So ist eS denn geschehen, daß, wie die ersten Priester der Kirche Christi Fischer vom See Genesarclh waren, so auch bis heute die Mehrzahl ihrer Priester den ärmern Ständen angehört, und während den Armen die höhcrn Stände der Welt in der Regel verschlossen sind, so hat Christus eben sie vor Allen zur höchsten Würde auf Erden, zur Priesterwürde in seiner Kirche berufen. Darin zeigt sich eben wieder der erhabene göttliche Charakter der Kirche, die nicht auf menschliche Mittel, sondern auf GotteS Wort gegründet ist. Um so mehr ist eS aber auch Eure Pflicht, geliebte Ellern, dazu mitzuwirken, daß die Kinder, die Ihr dem Priesterstande zuzuführen gedenkt, wenn auch arm an zeitlicher Habe, so doch nicht arm an Tugend und Siltenreinhcit seyen. Vor Allem bitte ich Euch bei Euerm eigenen Seelenheile und dem Seelenheile Eurer Kinder, geliebte Eltern, laßt Euch nie durch die Hoffnung auf zeitlichen Gewinn dazu bewegen, Eure Kinder für den geistlichen Stand zu bestimmen. Ihr könnt keinen schwereren Fluch auf Euch laden, als wenn Ihr den geistlichen Stand als eine zeilliche Versorgung betrachtet und Eure Kinder nöthiget, gegen ihren Beruf eine so heilige, aber auch so schwere, verantwortungsvolle Bürde zu übernehmen. „Niemand," sagt der Apostel, „soll sich selbst diese Würde nehmen, sondern nur wer wie Aaron von Gott dazu berufen ist" (Hebr. 5, 4). Das erste Zeichen deS wahren Berufes ist eS aber, daß Ihr und Eure Kinder im geistlichen Stande nicht zeitlichen Vortheil sucht, sondern nur die Erfüllung des göttlichen Willens, nur die Ehre Goltcs und daS Seelenheil der Menschen. Eben so wichtig ist eS ferner, daß Ihr die Kinder, bei denen Ihr diesen hohen Beruf voraussetzt, mit besonderer Sorgfall zu aller Tugend und Frömmigkeit schon im elterlichen Hause von zarter Jugend an erziehet. „Die Jugend," sagt der Kir- chenrath von Trient (Sitz. 23, K. IS), „ist, wenn sie nicht recht geleitet wird, sehr 101 geneigt, weltlichen Vergnügungen nachzujagen, und sie wird nie, ohne ganz außerordentliche Hilfe dcS allmächtigen Gottes, in der kirchlichen Zucht verharren, wenn sie nicht von zarter Jugend an zur Frömmigkeit unv Religion angehallen wird, ehe der Hang zum Laster die Menschen in Besitz genommen hat." Ihr werdet die Wahrheit dieser Worte gewiß erkennen, geliebte Eltern! Ein Kind, daS im elterlichen Hause schon verdorben ist, dessen Herz durch daS Beispiel und die Lehren der Eltern schon in zarter Jugend vom Laster in Besitz genommen ist, kann nur durch ein Wunder Gottes ein würdiger Priester werden. Ihr werdet Euch deßhalb auch nicht wundern, geliebte Eltern, wenn ich mich von jetzt an immer genau nach den häuslichen Verhälinissen derer erkundigen werde, die sich zum geistlichen Stande melden, und wenn ich mit unerbittlicher Strenge jene von diesem Stande zurückweise, die im elterlichen Hause nicht zu wahrer Gottesfurcht, Frömmigkeit und Sittenreinheit angehalten sind. AuS allem bisher Gesagten, vielgeliebte Diöcesanen, werdet ihr erkennen, wie ungerecht und niedrig die Vorwürfe sind, die man in dieser Zeit der Verwirrung, Leidenschaft und Verblendung der Kirche Christi über ihr Verhalten zur weltlichen Gewalt macht. Die Kirche Christi glaubt, daß Christus wahrer Gott und wahrer Mensch ist, und deßhalb handelt sie nach dem Befehle, den sie von ihrem göttlichen Lehrmeister empfangen hat. Ihr Glaube ist der alleinige Grund ihreS Verfahrens. Die Kirche Christi weiß eS wohl, daß, so lange Gott durch gebrechliche Menschen eine Gewalt ausüben wird, dieser Gewalt immer viele Gebrechen unv Mängel ankleben werden. Wie sie aber auch bei Herrschaften, Eltern und Männern, die der Sünde unterworfen sind, fortfahren wird, die Dienstboten, Kinder und Weiber zu ermähnen: „Ihr Knechte gehorchet in Allem dem leiblichen Herrn, nickt als Augendiener, um Menschen zu gefallen, sondern mit aufrichtigen Herzen aus Furcht GvlleS." „Ihr Kinder gehorchet den Eltern in Allem, denn das ist wohlgefällig im Herrn." „Ihr Weiber seyd Unterthan den Männern, wie sichS geziemt im Herrn" (Col. 3, 20u. ff.); so wird sie auch, unbeirrt um das Toben der ganzen Welt und bei der klaren Erkenntniß, daß auch die weltliche Obrigkeit menschlichen Schwächen unterworfen ist, fortfahren, zu lehren: „Jedermann unterwerfe sich der obrigkeitlichen Gewalt, denn es gibt keine Gewalt außer von Gott, und die, welche besteht, ist von Golt angeordnet." „Gebet dem Kaiser, waS deö Kaisers ist." Sie wird so lehren, nicht aus Schmeichelei, sondern weil eS ihr Der befohlen hat, vor dem sich „alle Kuiee beugen sollen derer, die im Himmel, auf Erden und unter der Erde sind" M,il. 2, 10). Die Menschen haben sich aus Stolz gegen Gott empört, als Cr selbst über sie seine Gewalt ausübte. Deßhalb müssen sie jetzt auch armen schwachen Menschen gehorchen, um durch Demuth zu Gott zurückzukehren. Das ist der Geist, in dem wir Christen Gehorsam üben. Die Kirche Christi weiß auch, eben so wie der Apostel PauluS, daß, wenn sie Menschen oder der W.'It gefallen will, sie Christi Diener nicht seyn kann (Gal. 1, 10). Sie weiß, daß man an die Diener Christi die Hand anlegen, sie verfolgen, sie den Gefängnissen überliefern und vor Könige und Statthalter führen wird um des Namens Christi willen l^Luc. 21, 12). Dennoch wird sie fortfahren, das Wort Gottes der Welt, dem Hohen wie den Niedern, dem Kaiser wie dem Bettler zu verkünden; sie wird bis zum Tode allen Mächten der Welt widerstehen, die sie zwingen wollen, gegen Gottes Wort zu handeln; sie wird in solchen Fällen antworten: „Man muß Gott mehr gehorchen als den Menschen" (Apostelg. 5, 29). Sie wird so handeln — nicht aus Hochmuth und Stolz, nicht aus dem Geiste der Empörung, sondern weil es Christus, der König der Könige, also befohlen hat. DaS ist der Geist, in dem wir Christen handeln. Wenn wir den weltlichen Obrigkeiten gehorchen, so gehorchen wir Gott, wenn wir ihnen widerstehen, so gehorchen wir Gott, — Gott allein gebührt unser Gehorsam, unser Dienst und alle Ehre in Ewigkeit. 102 Christus ist „der Weg, die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater als durch Ihn" (Joh. 14, 6). Die Kirche aber ist die liebevolle Mutter, die Euch Christus gegeben hat, um Euch, ihre Kinder, auf diesem göttlichen Wege durch die göttliche Wahrheit zum ewigen Leben hinzuführen. Folget deßhalb, theure, geliebte Kinder in Christo, dem Herrn, folget der Stimme der Mutter, die Euch der gute Seeleuhirt gegeben hat und erfüllet vie Worte, die Er einst mit so liebendem Herzen sprach, als er sich mit dem guten Hirten verglich: „Die Schafe hören seine Stimme; er ruft seine Schafe mit Namen und führt sie heraus. Und wenn er seine Schafe herausgeführt hat, geht er vor ihnen her und die Schafe folgen ihm nach, weil sie seine Stimme kennen. Einem Fremden aber folgen sie nicht, sondern fliehen vor ihm, denn sie kennen die Stimme des Fremden nicht" (Joh. 1l), 3 u. ff.). O wahrhaft glückselig ist der Mensch , der so auf die Stimme des guten Hirten in seiner Kirche hört, der dem guten Hirten folgt, wohin er ihn führt, und der vor jenen Fremdlingen und Miethlinaen flieht, denen an den Schafen Christi nichts gelegen ist. Ja fliehet diesen Geist der Lüge, der jetzt in der Welt umgeht, um Eure Liebe zu Christus und zur Kirche zu erschüttern, und der fast durch jevcS ZeitungSblatt zu Euch spricht. Aergert Euch nicht und laßt Euch im Glauben nicht irre machen, wenn Ihr sehet, daß die Weltkinder die Kirche Christi hassen. Christus hat uns ja gesagt: „Wenn euch die Welt haßt, so wisset, daß sie mich vor euch gehaßt hat. Wäret ihr von der Welt gewesen, so würde die Welt das Ihrige lieben; weil ihr aber nicht von der Welt seyd, sondern ich euch von der Welt auSerwählt habe, darum haßt euch die Welt" (Joh. 15, 13). Der Haß gegen Christus uud seine Kirche hat dieselbe Quelle — die Bosheit des Herzens der Weltkinder; sie hassen Christus, »weil ihre Werke böse sind" (Joh. 7, 7). „Kämpfet also für den Glauben, der den Heiligen gegeben ist" (JudaS v. 3). „Es haben sich Menschen unter uns eingeschlichen, die längst dem Strafgerichte vor, herbestimmt sind, Gottlose, welche die Gnade unsers Gottes zur Befriedigung der Lüste mißbrauchen, und den einzigen Gebieter, unsern Herrn Jesum Christum, ver- läuguen. Wie aber Gott die Engel, welche ihre Würde nicht bewahrten,.... zum großen Gerichtstage mit ewigen Banden in der Finsterniß aufbewahrt hat; wie Sodoma und Gomonha und die umliegenden Städte, welche Unzucht trieben, zum Beispiele aufgestellt sind, eben so wird es auch diesen gehen, welche das Fleisch beflecken, die Obrigkeit verachten und alle Würde läugnen." Sie kennen weder die Kirche noch ihre Lehre, noch ihren Ursprung, noch ihren Geist, „aber sie lästern, was sie nicht kennen," fährt der Apostel Judas fort, „und das, was sie von Natur wissen, wird ihnen zum Verderben. Wehe ihnen, denn sie gehen den Weg des Kain, sind dem Irrthum Balaams, der Gewinnsucht ganz hingegeben und gehen zu Grunde im Aufruhr gegen Gott und seine Offenbarung wie Core." Sie sind wie Wolken ohne Wasser, die ohne alle wahre Weisheit und Wissenschaft von den Winden der TageSmcinungen umhergctrieben werden, wie Bänme des Herbstes, unfruchtbar im Guten und nur fruchtbar im Bösen, zweimal erstorben den Tod der Seele, indem sie erstens die wahre Liebe und zweitens den Glauben verloren haben, und auSgewurzelt, d. h. mit den Wurzeln, mit allen Fasern der Seele aus dem wahren Baume des Lebens, auö Christus und seiner Kirche herausgerissen, Sie sind wilde Wellen des Meeres, von ihren Leidenschaften uud blind.n sinnlichen Trieben hin und her gepeitscht, sie sind irrende Sterne, die sich der neuen Bahnen, worauf sie wandern uud woraus sie die Welt führen wollen, rühmen, ohne daran zu denken, daß sie hier auf Erden bald spurlos verschwinden werden und daß dann die Schrecken der Finsterniß ans ewig ihnen aufbehalten sind. Gott hat aber geweissagt und durch Enoch gesprochen: „Siehe eS kommt der Herr mit seinen Tausenden von Heiligen, Gericht zn halten über Alle, und zur Strafe zu ziehen alle Gottlosen wegen aller ihrer Werke der Gottlosigkeit, die sie verübt, und wegen aller der Lästerungen, die die gottlosen Sünder witer Gott ausgestoßen." „Sie sind murrende, stets klagende, nach ihren Lüsten wandelnde Leute," fahre 103 ich noch immer mit dem Apostel JudaS fort: „Ihr Mund redet stolze Worte und sie schmeicheln den Menschen um deS Gewinnes willen." Ihr aber, Beliebteste, erinnert euch der Worte, die vorhergesagt wurden von den Aposteln unsers Herrn Jesu Christi, die euch sagten, daß in der letzten Zeit Spötter kommen würden, die nach ihren gottlosen Lüsten wandeln. Das sin-d jene, welche sich selbst trennen von Gott und seiner Kirche, die fleischlich sind und den Geist nicht haben, d. h. die nur ihren menschlichen Eingebungen folgen und den Geist Gottes nicht besitzen, durch den allein man zum Glauben gelangen kann. Euch aber, Geliebteste, bitte ich mit demselben Apostel, bauet euch in euerm ganzen Leben, in euerm Denken nnd Wollen, fest auf euern allerheiligsten Glauben, betet im heiligen Geiste, erhallet euch in der Liebe Gottes und wartet auf die Barmherzigkeit unseres Herrn Jesu Christi zum ewigen Leben. In diesem Geiste der Liebe Gottes wirket auch für eure irrenden Brüder: diese strafet, nachdem ihr sie belehret habt, jene rettet, indem ihr sie auS dem Feuer, aus der Gefahr der ewigen Verdammung reißet, der Andern erbarmet euch in jener heiligen demüthigen Furcht, selbst zu fallen; betet ohne Unterlaß für euch und eure Anverwandte, für alle Arme, Kranke und Sterbende, für geistliche und weltliche Obrigkeit, für das Wohl der katholischen Kirche, für die Bekehrung aller armen Sünder. Hasset endlich wie ein beschmutztes Kleid Alles, was mit der Fleischeslust zusammenhängt. „Ihm aber, der euch ohne Sünde bewahren und vor das Angesicht seiner Herrlichkeit unbefleckt unv mit Freuden stellen kann bei Ankunft unsers Herrn Jesu Christi, ihm, dem alleinigen Gott, unserm Heilande durch Jesum Christum unsern Herrn, sey Ehre und Preis, Macht und Gewalt vor aller Zeit, jetzt und in alle Ewigkeit. Amen." '»iiM mA, d-r^—. i-^>), ^l-iltt-i! Z^.-iiT ".s»>oÄ,?k;Iii)'>«Ä ^ ^ . , . .«^ Centralafrika. Chartum, 29. Jan. 1852. Aus einem erst angelangten Briefe vom Provicar für Centralafrika, Dr. Knoblecher, entnehmen wir Folgendes: „Am Feste der unschuldigen Kindlein sangen wir in unserer Missionscapelle ein freudiges: Großer Gott, wir loben dich, dem Herrn für die glücklich überstandene Reise (von Wien) dankend. Alle meine Gefährten sind frisch und gesund angekommen (ein Umstand, welcher bei Erpeditionen in diesen Gegenden bisher fast beispiellos dasteht). Seit unserer Ankunft herrscht in unserm Etablissement, besonders aber in der neugeweckten Schule, regeS Leben. Man arbeitet fleißig an der Erziehung unserer kleinen Gehilfen (der Negerkinder), die unS mit Sehnsucht erwartet haben, und bereitet sich auf die nächste Erpedition und die Eröffnung der Station in den noch weit von hier gelegenen Gegenden deS vierten GradeS am weißen Flusse, wohin sich bereits einer der bei meiner Abreise nach Europa zurückgelassenen Missionäre im Januar 1351 begeben hat. Er weilt noch dort, um den auf meiner ersten Expedition für unS gewonnenen König der Bari-Neger, Nigila, von der Aufrichtigkeit meiner ihm damals geoffenbarten Gesinnungen neuerdings zu überzeugen. Ich erwarte mit der Ankunft der auf Ankauf von Elfenbein noch vor unserm Eintreffen in Chartum dahin abgereisten Expedition (die kommenden März zurückkommen dürfte) nähern Aufschluß über die Resultate der Bestrebungen jenes Missionärs zu erhalten. Auch von drei andern aus unserm Schiffe Stells mstutina zurückgelassenen Gefährten erwarte ich die Bestätigung der durch Loumime so eben erhaltenen Nachricht von der Ankunft der Dongola. Unser Schiff soll die lange Reihe der gefährlichen, mittleren Nilkatarakte siegreich zurückgelegt und festlich geschmückt in der Nähe jener Stadt gesehen worden seyn. Alles wundert sich daselbst höchlich über das Schiff, wie Eisen auf dem Wasser schwimmen könne." ' .-»iNvW .,s?sM'i»LiL ' '' -.^ . 104 Die Christiade. .,q„4,i!,G .,>ök..,^ "».n,Uial d?n!!i INN zur Augsburger Postzeitung. _ 4. April IA. ^852. Dieses Blatt erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der halbjährige Abonnementspreis TO kr., wofür es durch alle königl. bayer. Postämter und alle Buchhandlungen bezogen werden kann. Charwoche. inhoitz .M» ZÄnilG nA?n„umos«>suj vnu ^6^muAkchi)K ?un' NttXk,, »Hi O bange Woche, da der Heiland scheidet, Du stimmst so ernst zu dieser Lenzeswonne, Da wiederum die warme Lieb' der Sonne Die nackten Au'n mit zarten Blümlein kleidet; Da in den Lüften fromm die Vöglein grüße» Des lauen Westens holde Frühlingswinde, Und durch des Waldthals frische Wiesengründe Des Bächleins Silberfluten sich ergießen. O Frühlingssonne, laß die heitern Strahlen Mit düsterm Wolkenschlcier dir verhüllen, Daß du nicht schaust, wie um der Brüder willen Der Herr verblutet in des Todes Qualen. Ihr Blümlein aus den grüngeschmückten Wiesen, Senkt trauernd eure thaubcnetzien Blicke; Schon naht die sromme Hand, daß sie euch Pflücke, Und opfernd lege zu des Heilands Füßen. O schweigt ihr Sänger in den muntern Haine», Verstummt sind ja der Glocken Feierklänge; Die Kirche läßt durch düstre Grabgesänge Der ew'gen Liebe Opfertod beweinen, v! Ayn Mz'l-jM (scki'tt ,mjhL!Z ,UlM's» Zieht heimwärts, Winde, nach den sonn'gen Hohe« Ins klare Blau der lenzerfüllten Lüfte Des fernen Südens, da des Todes Düfte Mit kaltem Hauch das heil'ge Grab umwehen! -iilt .sn/kuA'N' wi>?ni »hilisH n-j chus ^»kttinnnK. ^Kilt?« mZttz.KlM'K Ihr Bächlein, frei nun von des Winters Bande», Rinnt stille hin an den bemoosten Hängen; Bald hallet es in lauten Jubelklängen Von dem Altare: „Christus ist erstanden!" ._ TafrathShofer. .ynttv?(!rI/^^M8mT. Die kranke Zeit und ihr Heilmittel. *) .....Wir haben mit der größten Aufmerksamkeil und Theilnahme die neuesten Erscheinungen auf dem Gebiete deS religiösen und sittlichen LebenS verfolgt, und zu Unserem Troste und Unserer innigsten Freude wahrgenommen, wie der lebendige Glaube an Christus und die aufrichtige Hingabe an seine heilige Kirche in manchen Kreisen sich wieder Bahn gebrochen, wo noch vor wenigen Jahren gänzlicher Unglaube, oder doch religiöse Gleichgültigkeit und sittliche Ungebundenheit herrschten. ES ist UnS insbesondere keineswegs entgangen, mit welch' nachahmungswürdigem Eifer und rühmlicher Opferwilligkeit Einzelne, welche nicht nur die ganze Gefahr der unS drohenden Auflösung der socialen Ordnung, sondern zugleich auch die einzig zureichenden Mittel ihrer Abwendung erkannt haben, sich bemühen, dem von sittlicher Fäulniß bereits tief ergriffenen Organismus der heutigen Gesellschaft durch die Bethätigung ihres christlichen Glaubens in Uebung aller demselben entsprechenden Tugenden und vorzüglich der werkthätigen christlichen Liebe neues, kräftigendes Leben einzuhauchen. Wir erblicken hierin mit allen Einsichtsvollen den Anfang eines durch Gottes Barmherzigkeit hervorgerufenen HeilungSproccsseS, an dessen glücklicher Vollendung znr geistigen Wiedergeburt deS jetzigen Geschlechts nicht zu zweifeln ist, wenn nur der Reichthum der unS zuvorkommenden Gnade von der großen Mehrheit der Menschen erkannt und dankbar benutzt wird. Ist es aber schon als sicher anzunehmen, daß dieses geschehe? Gibt unS das Verhalten der meisten Menschen eine genügende Berechtigung zu der zuversichtlichen Erwartung, daß sie die Güte und Langmuth GotteS nicht mißbrauchen, sondern in Demuth und Reue zu ihm zurückkehren, aufrichtige Buße wirken und so das Verderben abwenden werden, Welches immer eine unausbleibliche Folge der Unbußfertigkeit ist? Ach, Geliebte! eS drängen sich unS alltäglich Wahrnehmungen auf, die unS in dieser Beziehung mit nicht geringer Besorgnis; erfüllen müssen. Trotz aller Mahnungen und Warnungen, die Gott, um unS zur Buße und LebcnSbesseruug zu bewegen, durch die Ereignisse der letzteren Jahre an uns hat ergehen lassen, und trotz deS unS vorleuchtenden herrlichen Beispieles Derjenigen, welche in dankbarer Anerkennung seiner unS dadurch erwiesenen Liebe und Erbarmung mit Aufbietung aller ihrer Kräfte und Mittel für ihr und ihrer Mitmenschen Seelenheil besorgt sind, leben noch immer unzählig Viele in allzugroßer Geistesträgheit und Sorglosigkeit bezüglich der Erreichung ihrer ewigen Bestimmung dahin, für Nichts ein warmeS Interesse an den Tag legend, als für die möglichste Befriedigung ihrer bloß auf daS Irdische und Vergängliche gerichteten Wünsche, Neigungen und Begierden. Daß eS sich in Wahrheit so verhält, zeigt sich nicht nur in der weithin verbreiteten Vernachlässigung des Gebetes, der andächtigen Beiwohnung bei der Darbringung deS heiligen Meßopfers, der Anhörung des Wortes GotteS, der Lesung belehrender und erbauender religiöser Schriften, des öftern würdigen Empfanges der heiligen Sacra- mente der Buße und deS AltareS, und der Betheiligung an den zur Belebung des Glaubens und Bethätigung der- christlichen Liebe gegründeten kirchlichen Vereinen; sondern eS beweisen dieses auch und zwar noch klarer und unwidersprechlicher die überall, in Städten, Flecken und Dörfern, bei Hohen und Niedern noch immer so häufig zum Vorschein kommenden, ja hie und da sich mehrenden Laster und Verbrechen, welche die naturgemäßen Früchte eben dieser allem Ueberstnnllchen und Göttlichen abgewendeten fleischlichen LebenSrichtung sind, AIS nothwendige Folgen und Ausgeburten dieser gottentfremdeten falschen LebenSrichtung bezeichnet die unter unS herrschenden sittlichen Verirrungen auch der heilige PauluS; indem er Hurerei, Un- reinigkeit, Unkeuschheit, Ueppigkeit, Feindseligkeit, Hader, Eifersucht, Rache, Uneinigkeit, Zwist, Sectengeist, Neid, Mord, Völlerei, Schwelgerei und dergleichen, also gerade die Sünden und Laster, welche heute das gesellschaftliche Leben so sehr beflecken, die schon vorhandene Armuth und Noth mit jedem Tage noch steigern, und ») Aus dem dleßjähngen Fasterchirtenbriefe des Hochwürdigsten Bischofs von Limvurg. 107 die Grundpfeiler jeder sittlichen Ordnung untergraben, ausdrücklich Werke deS Fleisches nennt, und die Bemerkung beifügt, daß die damit Belasteten das Reich Gottes nicht erben werden (Gal. 5, 19—21). Ist aber die Bekehrung Aller, welche längere Zeit, den Einwirkungen der göttlichen Gnade sich verschließend, von den ungestümen Trieben ihrer verdorbenen sinnlichen Natur sich beherrschen lassen, wegen der nahe liegenden Gefahr allmäliger gänzlicher Verstockung ihres HerzenS schon zweifelhaft; so gewiß in noch weit Höhe- rem Grade die Bekehrung Derer, welche nicht sowohl aus träger Gedankenlosigkeit und Schwäche dem Gnadenzuge deS heiligen Geistes nicht folgen, als vielmehr auS Bosheit demselben absichtlich sich widersetzen. Und daß eS auch Solcher in unsern Tagen sehr Viele gibt, wird Niemand bezweifeln, der die lügenhaften und verleumderischen Angriffe kennt, welche die Kirche und alle ihre warmen Anhänger, besonders aber ihre freimüthigen und seeleneifrigen Diener täglich zu erdulden haben. Denn was anderes als der Haß gegen den in der Kirche lebenden Geist der Wahrheit, Liebe und Heiligkeit selbst ist eS, waS ihre ärgsten Feinde, die Hauptförderer des Unglaubens und der sittlichen Verkommenheit, in beständigem Kampfe gegen die, selbe erhält? Da sie wohl einsehen, daß unsere heilige katholische Kirche die einzige Macht ist, an welcher alle ihre Bestrebungen, die rechtliche Ordnung in der mensch, lichen Gesellschaft umzustoßen und dagegen ihre niedrigen Leidenschaften auf den Thron zu erheben, scheitern müssen, so lange deren Glieder durch lebendigen, ihre Gesinnungen und Handlungen bestimmenden Glauben mit ihr verbunden sind; so erfüllt der Anblick der dermaligen, keine Verfolgungen, Leiden und Opfer scheuenden Thätigkeit der Kirche, um die ihr noch aufrichtig Ergebenen in ihrer Treue zu befestigen, und die bereits Irregeleiteten wieder auf den Weg der Wahrheit und Tugend zurückzuführen, diese Feinde GotteS und der Menschheit mit einer wahrhaft teuflischen Wuth. Hierzu kommt nun noch, um das Maaß der Zerrüttung unserer heutigen Zustände und Verhältnisse voll zu machen, der beklagenSwerthe Umstand, daß die Kirche, die Trägerin aller christlichen Wahrheit und Gnade, die Seele der staatlichen und bürgerlichen Ordnung, bezüglich der Anwendung ihrer reichen Mittel zur Regeneration der Menschheit, wie an vielen andern Orten, so auch in einem bedeutenden Theile von Deutschland bis heute noch sehr wesentliche Hemmungen und Beschränkungen erleidet, während die Feinde deS Christenthums allerwärts ungestraft jede Ungerech, tigkeit gegen dieselbe sich erlauben, ihre heiligsten Lehren und Gebräuche verspotten und verhöhnen, ja selbst den Glauben an Gott, Tugend und Unsterblichkeit laut und öffentlich als Trug und Wahn ausgeben dürfen, und von dieser Freiheit nicht nur in mündlicher Rede, sondern auch in unzähligen Organen der TageSpresse den schamlosesten Gebrauch machen. Unter solchen Verhältnissen kann eS uns nicht wundern, wenn der lebendige, in gewissenhafter Erfüllung der sittlichen Gebote sich offenbarende christliche Glaube selbst aus dem Herzen des sonst so frommen Landvolkes hie und da in solchem Maaße entschwunden ist, daß neben den gröbsten sittlichen Vergehen und Ausschweifungen auch daS entsetzliche Verbrechen deS Meineides bei ihm nicht mehr zu den seltenen Erscheinungen gehört. Und wie nachtheilig alles Dieses namentlich auf die heranreifende Jugend wirken muß, daS bedarf bei den deßfallS schon gemach- ten vielfachen Erfahrungen keiner Erörterung. Wir wollen nun nicht behaupten, Geliebte I daß bei dieser Lage der Dinge die Herbeiführung einer bessern Zukunft auf dem Wege ruhiger Entwickelung des noch vorhandenen Guten nicht mehr möglich sey; aber so viel ist gewiß, daß, wenn für die Verbesserung unserer dermaligen Zustände fortan nicht allseitiger, einträchtiger und entschiedener gesorgt, die göttliche Autorität der Kirche nicht höher geachtet, und die Fülle der auS ihr strömenden übernatürlichen Lebenskräfte nicht dankbarer und eifriger benutzt wird, als dieses bisher geschehen, die kaum wieder einigermaßen befestigte staatliche und bürgerliche Ordnung der wachsenden Gewalt der auflösenden und zerstörenden Kräfte nicht lange mehr wird widerstehen können, und daß dann die Strafe gerichte, mit welchen uns Gott schon wiederholt gedroht, hereinbrechen und für das 108 Versäumnis; Dessen, waS jetzt noch leicht erwirkt werden könnte, eine Fürsten und Völker, Vorgesetzte unv Untergebene, Reiche und Arme, Gebildete und Ungebildeie gleichmäßig treffende, Furcht unv Entsetzen erregende Sühne fordern werden. Denn darüber, Geliebte! dürfen wir, um von andern Heimsuchungen, die dann sicher auch nicht ausbleiben werden, gar nicht zu reden, unS nicht läuschen, daß Diejenigen, welche jetzt, angetrieben von dem Fürsten der Finsterniß und Vater der Lügen, unter dem erheuchelten Vorgeben, durch Förderung wahrer Aufklärung und Erwirkung ausgedehnter Rechte und Freiheilen für daS Beste deS in geistiger und leiblicher Armuth und Knechtschaft schmachtenden Volkes zu sorgen, gegen die von Gott gesetzie Obrigkeit aufreizen, falls sie zur Herrschaft gelangen, die selbstsüchligste unv grausamste Tyrannei üben, kein Recht und kein Eigenthum ihrer Mitmenschen achten, in die zartesten Verbältnisse des Familienlebens schonungslos eingreifen, die christlichen BtldungS- und Wohlthätigkeilsanstallen aufheben, und ungerührt von dem Anblicke des entsetzlichen Jammers und Elendes, welches sie weit um sich her verbreiten, ihrem Stolze, ihrer Habsucht.und thierischen Sinnenlust AlleS zum Opfer bringen werden. Wann, Geliebte! waren demnach die heiligsten Güter der Menichhett, ja selbst die Grundlage der gesellschaftlichen Ordnung durch die religiöse und sillliche Verkommenheit der Menschen mehr gefährdet als jetzt? Und wann war eben darum auch die demüthige und reuevolle Rückkehr derselben zu Gott selbst im Interesse der zeitlichen Wohlfahrt dringender geboten, als unter den dermaligen Verhältnissen? Wahrlich, Gelieble! bei der Größe der unö umgebenden Gefahr und dem Maaße der auf unS lastenden Schuld, auS welcher dieselbe hervorgegangen, müßle jede Hoffnung ihrer nochmaligen Abwendung schwinden, überstiege nicht GotteS Liebe unendlich unser Verdienst; — wäre der Herr nicht gnävig unv barmherzig, langmülhig unv von großer Geduld. Doch sieh! die unendliche Liebe und Erbarmung, mit welcher Gott noch immer die längst verdienten Strafen von uns abwenden und durch neue geistige und leibliche Wohlthaten unser zeitliches und ewiges Glück gründen und sichern will, wofern wir nur ohne weitern Aufschub in Demuth und Reue zu ihm zurückkehren und bei ihm Hilfe suchen, offenbart sich unS gerade jetzt, in der größten Noth, auch auf die einleuchtendste, rührendste und ergreifendste Weise. Damit nämlich dieses einzige Mittel, welches uns retten kann, auch von Solchen erkannt unv gewürdigt werden möge, welche dasselbe nicht schon aus den bisherigen traurigen Ereignissen und der Eigenthümlichkeit unserer dermaligen Lage erfaßt und angewendet haben, hat daS sichtbare Oberhaupt unserer heiligen Kirche, der würdige Nachfolger des heiligen PetruS, unser vielgeprüfter, glorreich regierender Papst, Pius IX., geleitet von unserm unsichtbaren Oberhaupte Jesus Christus und beseelt von seinem Geiste, mit wahrhaft väterlicher Liebe und Sorgfalt an die gesammte Christenheit sich gewendet, ihr ein sprechendes Bild unserer beklagenswerthen Zeit vor Augen gestellt und unter Aufschließung der himmlischen Gnadenschätze sie zum Gebete und zur Buße aufgefordert. O möchte doch die hohe Bedeutsamkeit dieser Einladung zum gemeinsamen vertrauensvollen Gebete behufs der Abwendung der unS drohenden Strafgerichte durch aufrichtige Buße die nöthige Beachtung finden! Sie ist eine nochmalige laute, nur Liebe unv Barmherzigkeit athmende Mahnung unseres göttlichen Heilandes, uns durch dankbare Benutzung seiner unendlichen Verdienste mit seinem himmlischen Vater auszusöhnen, und in Kraft des wieder erlangten Friedens mit ihm und der auS demselben entquellenden Weisheit, Tugend und innern Beseligung auch der unglücklichen, kranken, durch Leidenschaften aller Art in sich gespaltenen bürgerlichen Gesellschaft Wohlseyn, Friede und Freude wieder zu bringen. Wird auch dieser Ruf nicht beherzigt, nun so dürfen wir uns nicht beklagen, wenn die furchtbaren Worte des Herrn sich abermals erfüllen: „darum, weil ich rief, und ihr nicht wolltet, ich meine Hand ausstreckte, und Keiner daraufmerkte; weil ihr verachtet all' meinen Rath, und meine Strafreden in den Wind schlüget: so will auch ich bei euerm Untergange lachen, und spotten, wenn euch begegnet, waS ihr fürchtet. Wenn plötzlich daS Unglück hereinbricht und der Untergang wie ein Wetter heranstürzt; wenn Trübsql und Angst über « 109 euch kommt: dann wird man mich rufen, aber ich werde nicht hören; frühe wird man ausstehen, mich aber nicht finden." ans, ö'iiUU'-l v>Z ZNiilil-»r,T ^i5ntt5 5s-nuj?c!llfi dk'Z ,l>dutt nci!iknlAv?uD ^ndd^tll n^vliiiHnt^'nA n',!kj!l?s,'Aii!!°ij'»v; 5:ltl> Hn«il>ÄUN5?u> Rom. ,«!>SNN »Zittdt ?u/i »KM-inttmi'L .»oli),.' °,IU.,. «na NII'ZKI^ Dem „UniverS" wird auS Rom geschrieben: Alle Welt weiß, daß die Zahl der englischen protestantischen Geistlichen, die sich zum Katholicismus bekehrten, bereits sehr beträchtlich ist und tagtäglich zunimmt. Viele derselben wünschen ihr künftiges Leben ausschließlich dem Herrn zu weihen und deßwegen in einen geistlichen Orden zu treten; die Mehrzahl ist aber nicht in der Lage, jene theologischen Studien machen zu können, die nothwendig ihrem Eintritts in den heiligen Aufenthalt vorangehen müssen. Einige sind an der Betreibung dieser Studien durch financielle Verlegenheiten gehindert; andere wieder wissen den Ort nicht zu finden, wo sie unter den unerläßlichen Garantien ihre wissenschaftlichen Bemühungen und ihr Noviciat vollenden können. Ihre Antecedentien, die Vorurtheile, die ihnen von Jugend an beigebracht wurden, die Eigenthümlichkeit ihrer künftigen priesterlichen Aufgabe, die sie in einem der Majorität nach protestantischen Lande zu lösen haben werden, erheischen überdieß eine besondere, den Anforderungen ihrer Intelligenz und den Bedürfnissen der Bevölkerung, deren Lehrer sie eines TageS seyn sollen, angepaßte Methode, da man nur unter solchen Bedingungen hoffen kann, sie eines TageS als würdige Arbeiter im Weinberge des Herrn alle jene Früchte ernten zu sehen, deren ihre erhabene Selbstverläugnung vollkommen würdig ist. Um die heilige Lehre unmittelbar auS der reinsten Quelle schöpfen zu können begeben sie sich in natürlichem, fast instinktmäßigem Antriebe meistens nach Rom. Aber auch hier ist für die Befriedigung der erwähnten Anforderungen bisher nur unvollkommen gesorgt. Sie müssen daselbst die öffentlichen Vorlesungen besuchen, die für Zuhörer berechnet sind, die so zu sagen in einer katholischen Atmosphäre ausgewachsen sind; sie sind ferner genöthigt, in Privathäusern oder Instituten Unterkunft zu suchen, die eine ganz andere Bestimmung haben und so mangelt ihnen sowohl vom Standpuncte der Intelligenz als dem der Frömmigkeit und der geistlichen Uebungen eine Unzahl nöthiger Dinge, woraus sich die Befürchtung ergab, sie würden in jenem Momente, in welchem sie die priesterliche Weihe erhalten sollten, nur Neo- phiten im Glauben, und keineswegs geeignet seyn, die Fülle der Gaben deS heiligen Geistes aufzunehmen. 111 Diesem so empfindlichen Mangel soll nun baldigst Abhilfe gebracht werden. Der heilige Vater, den die religiösen Bedürfnisse Englands so höchlich interessiren, den die Vorsehung bestimmt zu haben scheint, daS auf die Insel bezügliche Bekeh- rungSwerk des großen Papstes St. Gregor wieder aufzunehmen, wird ein besonderes Institut begründen, in welchem jene katholisch gewordenen, früher protestantischen Geistlichen aufgenommen werden sollen, die sich berufen fühlen, in den heiligen Orden einzutreten. Schon im nächstkommenden August hofft der heilige Vater die Anstalt eröffnen zu können, für welche er ein Gebäude bestimmt hat, daS früher schon einem ähnlichen Zwecke angehörte, und in welchem Konvertiten aufgenommen wurden, um sich im Religionsunterricht zu vervollkommnen und im Glauben zu stärken, daher eS auch den Namen „Palazzo dei Convertili" führt. Im Jahre 1685 hat es der sterbende Cardinal Castalvi, dem eS gehörte, zu diesem Zwecke bestimmt. Die Kosten der neuen Einrichtung werden ausschließlich vom heiligen Vater getragen, der so im vollen Sinne des Wortes der Vater der neuen Familie seyn will, die der Herr ihm zuweist. In solcher Weise will der Stellvertreter Jesu Christi sich für die ihm angethanen Beleidigungen der anglikanischen Kirche rächen und neue Apostel für England heranbilden lassen. Man muß übrigens zugestehen, daß die Güte des heiligen VaterS unmöglich besser angewendet werden könnte. ES gibt kein erbaulicheres und für die religiöse Zukunft Englands beruhigenderes Schauspiel, als daS anerkennenSwerthe Benehmen der englischen Convertiten in Rom. Die Andacht, mit der sie am Fuß der Altäre hingestreckt für die Bekehrung ihres Vaterlandes beten, ist überaus rührend. Gott erhört auch ihr Gebet und häufige Bekehrungen haben im Laufe dieses Winters zu Rom stattgefunden. Andere stehen noch bevor. Vorzugsweise aber erregt eS allgemeine Bewunderung, wenn man 40° bis 5vjährige, an daS behaglichste Leben gewöhnte Männer zu Schülern werden und sich neben den jungen Zöglingen deS Kollegium Romanum auf eine und dieselbe Bank setzen sieht. Manche sind sogar genöthigt, erst die lateinische Sprache zu lernen, um den theologischen Vorlesungen mit Nutzen beiwohnen zu können. ES ist dieß ein Muth, der nicht genug gelobt werden kann, eine Hingebung, der Gott den Lohn nicht versagen wird. (Salzb. Corr.) /^->o >. o ^ .irziL t»,4ok) «,6>g!Mv ,tz«T ?uz Ipmnk i n,)Zli5 iiiüü ,°>!l ,nsi,T HiiE >"iMuM — .mchr.'N uz dnüiiidliuÄ S,j mÄMuF m^.iak mckiZMnA. tzocl sgnuL. '"6 lim ,llü1 G m ü n v» AuS Gmünd in Württemberg 13. März wird dem „Schwäbischen Merkur" geschrieben: Um für die öffentlichen Spitäler der Stadt eine gewissenhafte und dabei möglichst wohlfeile Krankenpflege zu erhalten, knüpfte der StiftungSrath schon im Jahre 1849 mit dem Mutlerhause deS Ordens der barmherzigen Schwestern zu München Unterhandlungen an; da aber diese aus Mangel an verwendbaren Schwestern zu keinem Ziele führten, so fand der Plan, in Gmünd selbst ein Mutterhaus deS erwähnten Ordens für die Diöcese Rvttenburg zu gründen, immer mehr Freunde und Unterstützung. Die Behörde wandte sich sofort an daS Mutterhaus zu Straßburg und erhielt von diesem im Februar 1851 die bestimmte Zusage, daß Gmünd die benöthigte Anzahl von Schwestern erhallen solle, unter der Bedingung, daß daselbst ein Mutterhaus deS Ordens gegründet werde und die Statuten desselben die Genehmigung der geistlichen, wie der welllichen Obrigkeit erhalten. Hiedurch war man dem vorgesteckten Ziele einen bedeutenden Schritt näher gekommen. ES wurde nun definitiv beschlossen, hier ein Mutterhaus zu gründen und demselben die nöthigen Räumlichkeiten nebst einem Garten auf zehn Jahre zu unentgelvlicher Benützung zu überlassen; zugleich wurden Statuten entworfen und der Regierung zur Genehmigung vorgelegt. Nachdem sie diese unterm 14. Nov. 1351 erhalten hatten, wurden sie auch vom bischöflichen Ordinariate gu-t geheißen, daS zugleich die Wahl einer Commission anordnete, welche die ferneren zur Förderung dieser nun zur Diöcesansache gewordenen Angelegenheit nöthigen Schritte zu thun hat. 112 Nach der Ansicht dieser Commission soll Gmünd im Verlaufe der nächsten sechs Jahre mit barmherzigen Schwestern aus dem Mutlerhause zu Straßburg versehen werden, also ein Filial dieses Mutterhauses seyn. In dieser Zeit sollen aber aus unserer Diöcese so viele Schwestern in Slraßburq herangebildet werden, daß mit denselben nach Umfluß jener sechs Jahre das Mutterhaus Gmünd wirklich eröffnet und daS Bedürfniß größerer Gemeinden der Diöcese befriedigt werden kann. Bis jetzt sollen sich bereits 13 Jungfrauen angemeldet haben, die in den Orden einzutreten willens sind. Da nun, um daS Mutterhaus eröffnen zu können, bloß neun Schwestern nothwendig sind: eine OrdenSoberin, eine Novizenmeisterin, zwei Assistenzschwestern und fünf für den unmittelbaren Dienst in den Spitälern GmündS, und da die in Berechnung genommenen Mittel, welche bestehen in dem statutenmäßigen Beibringen der Schwestern, in theils schon gemachten, theils zugesicherten Stiftungen und in kirchlichen Collecten, für den Anfang als zureichend erscheinen, so können wir mit Bestimmtheit annehmen, daß wir in Bälde ein Filial und seiner Zeit ein Mutterhaus des Ordens der barmherzigen Schwestern hier haben werden. (MDl^nA lü> I!>ljO!l!d "-UZN' Sllu N5chi N >!tniÄ. N',IiNUsUl!'.>!iA innren .Il'-W llzZl'l'iüsN'^ Puseyitische Nonnen. Die englischen Puseyiten hegen bekanntlich eine große Vorliebe für den OrdenS- stand, und haben in England bereits mehrere Frauenklöster gestiftet. Mehrere derselben sind jedoch zu der Einsicht gelangt, daß der Protestantismus nicht der rechte Boden für Klöster ist. Am meisten Aufsehen erregt ein unter der Leitung einer Miß Selon stehendes Institut: englische Blätter scandalisiren sich gewaltig über Enthüllungen, welche eine ausgetretene Nonne darüber veröffentlicht hat. Wenn diese Mittheilungen getreu sind, so sind die Regeln katholischer Orden ziemlich getreu copirt, aber auch, wie daS bei Allem, was die Secten der Kirche nachmachen, der Fall zu seyn pflegt, verzerrt und carrikirt. Da finden sich die Gelübde deS Gehorsams, der Armuth und Keuschheit, Namen wie „Orden vom heiligen Geiste" oder „vom heiligen Herzen", „OrdenS-Capitel", Prim, Terz, Sert, Non u. s. w., sogar bei Einzelnen Verehrung der heiligen Jungfrau und Rosenkranz, und endlich gar Beicht, aber bei — „der Mutter", Miß Selon, die unter anderm einmal zur Buße aufgegeben haben soll, mit der Zunge daS Kreuzzeichen auf dem Fußboden deö Oratoriums zu machen. «,uwM mtMi)'.?ÄZ„ m'jZ uM M x^.^ -.-^ n- Ättii!:,,^ ^ n r r e t. Der heilige Vater hat bekanntlich in der sehr ausgedehnten Kirchenprovinz Konstantinopcl unlängst fünf neue BiSthümer nach armenischem Ritus errichtet. Briefe im „Osservatore Romano" vom 25. Februar bezeugen, daß diese Maaßregel für die Verbreitung deS Glaubens bereits günstige Erfolge hervorgebracht hat. In Gol Karasy, Diöcese von Bursa, sind 2l)0 schismatische Familien in den Schooß der katholischen Kirche zurückgekehrt. In der Diöcese Murat werden mehrere Familien zu demselben Schritte vorbereitet. ' Dill,')?'- i.'7',fji»jKT n«,«' IlZi Mtt ».lzissaitt ö. 5»4 y><" / >' ^ zUliniist Nötige« ' Die Sammlung für das GörreSdenkmal im Dom zu Köln beträgt nach dem Ausweis der histor. polit. Blätter bereits 2940 fl. 20 kr., wozu die Diöcese BreSlau über 6l)O fl. beigetragen hat. Der Verein der hl. Kindheit verbreitet sich sehr rasch. Von Frankreich erstreckt er sich jetzt über die englischen Inseln, Belgien, Holland, Rheinprovinz, Westfalen, Bayern, Polen, Italien, Schweiz, Spanien, Amerika u. f. w. Vor Kurzem hat er sich nach Oesterreich verbreitet. Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. VerlagS-Jnhaber: F. E. Kremer. Zwölfter Jahrgang. Sonntags-Beiblatt zur Angslmrger Pojheiwng. 11. April M AS. 1852. Dieses Blatt erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der halbjährige Abonnements»«!« kr., wofür es durch alle königl. bayer. Postämter nud alle Buchhandlungen bezogen werden kann. Am Charfreitag. Des Königs Fahnen zieh'n einher, Voran das Kreuz, lichtstrahlend, hehr, Daran den Tod das Leben litt, Und Leben aus dem Licht erstritt. Als auf der grimmen Lanze Stoß Aus wcitgespaltner Seite floß Ein Strom von Wasser und von Blut, Der rein uns wäscht in seiner Fluth, Erfüllt ist, was im Seherdrang In treuem Lied einst David sang Zu der erstaunten Völker Schaar: „Vom Kreuz herab herrscht Gott fürwahr!" O Baum, wie bist du schön u»d werth, Da dich des Königs Purpur ehrt: Aus würd'gcm Stamm hervorgethan, Solch' heil'ge Glieder zu umfahn. Heil Dir! an Deinen Armen zog Der Preis, der alle Welt aufwog, Du Wagbaum für des Leibes Last, Der allen Raub der Höll' erfaßt. Kreuz, einz'ge Hoffnung, sey gegrüßt, In dieser Heilgen Lcidensfrist! Mehr' allen Frommen Gottes Huld, Und tilge aller Sünden Schuld. Dich, Urquell alles Heiles, preist, Heil'gcS Dreieins, ein jeder Geist; Hast uns des Kreuzes Sieg gewährt, Nun sey uns auch der Lohn beschcert! 114 5UV Ein schönes altes Osterlied aus dem fünfzehnten Jahrhundert. Freu dich du werthe Christenheit Gott hat nuil überwunden, Die große Marter, die er leit, ^ Die hat uns nun entbunden. Große Sorge war uns bereit, Die ist jctzund gar hingeleit, Erstanden ist uns groß Seligkeit. Es ist ein österlicher Tag, Den mag kein Mensch gnug ehren; Den Gott, der alle Ding vermag, Sein Lob das svlln wir mehren. Christen nehmen des TageS wahr Und gehn samt zu der Engel Schaar, Da scheinet die liebe Sonne klar. Hochgelebter Herre Christ, Wir freuen uns allesamt heute, Und Alles was lebendig ist In aller Welt, weit und breite; Nun singet ihr Kinder und werdet froh, Es ist Alles geschehn also; Gelobt sehst du Maria. Als Magdalena ging zum Grabe dar In Trauern, wchmuthrcichc, Da sand sie zwei Eugel wunderbar Und grüßt sie demuthreiche: O Engel, liebste Engel mein, Wo ist doch nun der Meister hin, Und wo soll ich ihn finden? Der Herr und Meister ist nicht hie, Denn er ist auferstanden, Er ist so früh gen Galilee, Da ist er hingegangen; Aufstieß er der Hölle Thür Und führt die Seelen all hcrfür Wohl aus den schweren Banden. Gott der uns All geschaffen hat, Der laß uns nicht verderben, Sein Blut das er vergossen hat, Woll uns Genad erwerben. Wir loben dich, o reine Magd, Hast Keinem dein Fürbitt versagt, Du wollst unser Bestes werben. Ehre sey dem Vater und dem Sohn, Darzu dem heiligen Geiste, O Herre, unserer Sünden verschon' Zu dieser Zeit am meiste. , Gib deinen Fried und Einigkeit Von nnn an bis in Ewigkeit, So singen wir Hallcluja. 115 Der neue Aufschwung der katholischen Kirche» litt Ni'dlll t. l> !?1>L:^5,liusil>l^'-?L >U^d^U^Il'ill'»dZM I»!l ^i>>) ^iA>^ Dargestellt durch einen Protestanten in einem protestantischen Rlatte *1 jz? n» ,chiZ??tto?F in 1?a^ ,ÄS>>WjmZ^»»^i> -'Zau n^uxl -ism» ;q tmmm Wer in die Geschichte im Großen sieht, kann sich nicht verbergen, daß die römisch-katholische Kirche in neuerer Zeit einen höchst merkwürdigen Aufschwung genommen hat. JnS öffentliche Bewußtseyn ist er bei^uiisin Deutschland zuerst getreten seit der Gefangennehmung des ErzbischofS Clemens August von Köln, Einsichtige Protestanten (zu denen der Volksblattschreiber nicht gehörte), unseres jetzigen Königs Majestät an der Spitze, sahen gleich damals voraus, wohin ein solches Zusammentreffen ausschlagen muffe; weil jede Kirche, die auf den Namen einer christlichen noch irgend einen Anspruch hat, Waffen hat, an denen die Waffen der besten Gendarmerie stumpf werden müssen. Wenige Jahre darauf rief der falsche Prophet sein „Rom muß fallen!" — und von da an schien der Aufschwung erst rechte Kraft zu gewinnen. Und als endlich das Jahr 1848 mit'allen seinen Mächten der Finsterniß hereinbrach, und als Rom wirklich vor Menschenaugcn fiel, — da sahen wir erst daS Merkwürdigste: nämlich das Rom auch ohne Rom leben kann, und die katholische Kirche ent, faltete in den verschiedenen Theilen der Welt ihre lebhafteste Thätigkeit, während im Vatican die rothe Republik thronte und der Papst ein verbannter Flüchtling war. . . Zu einer Zeit, wo die europäische Welt von den größten Erschütterungen zerrissen war, und zwei Jahrhunderte lang in unserer protestantischen Kirche unter dem nicht endenden Streit der Schlachtfelder, der Höfe, der Kanzeln und Federn die seiner Kirche vom Herrn aufgetragene Mission reinab vergessen war, zogen unter Franz Xaver begeisterte Missionäre aus der katholischen in Schaaren zur Bekehrung beider Indien, fielen Tausende von Märtyrern in Japan, wurden ganze Länder, wie Paraguay, unter dem Schirme des Evangelii civilisirt. Zu einer andern Zeit, wo die Allmacht der StaatSmaschinen Alles, was Selbstständigkeit hatte, verschlang, und ihre tödtende Hand über Alles legte, waS fromme Vorzeit geschaffen, — erstanden aus der katholischen Kirche unter Vincenz von Paula und seinen Nachfolgern die neuen Schöpfungen christlicher Licbeömacht für die leidende Menschheit, — für die Kranken, die Gefangenen, die Armen, für die Verlassenen, die Verlornen, die Gefallenen, — die uns jetzt als Vorbilder dienen. Und selbst zu der Zeit, wo die Arbeit an der Zerstörung der Kirche auf unsern öffentlichen Lehrstühlen in voller Blüthe, und kaum ein Pfarrhaus war, in dem nicht daS Wort Gottes sammt den beschworncn Bekenntnissen leichter gewogen hätte als daS erste beste Regierungs- Rescript und als der erste beste Einfall eigener Klugheit oder Trägheit, — ging die Hälfte der französischen Geistlichkeit willig in die Gefängnisse der Revolution, auf daS Blutgerüst und in die Verbannung, ehe sie einen Eid geleistet hätte, der ihr kirchliches Gewissen verletzte.. . Doch wir wollten uns nicht in die Vergangenheit verlieren, sondern die Zustände, wie sie diese Neujahrssonne beleuchtet, so unbefangen als möglich beobachten. — Eine in sich einige, geschlossene Macht, die weiß, was sie will, macht die katholische Kirche gerade in Zuständen der Auflösung um sich her ihre größten Eroberungen, alle Zeitströmungen kommen ihr zu Nutze. Auf den deutschen Einheitsschwindel baut sie den Kölner Dom; in den vagen „constituirenden Versammlungen" greift sie mit sicherer Hand nach den bleibenden Gütern: Kirchen- und Unterrichtsfreiheit; mit den Errungenschaften ziehen, deS Verbotes ledig, ihre Missionen durch die Länder; von allem aufgeschossenen Associationswescn der tollen Jahre ist der feste Zusammenschluß des deutschen Episkopates, mit dem großen Umkreis der „katholischen Vereine", der sich an ihn lehnt, fast das einzige solid übrig gebliebene. DaS herrenlos gewordene Belgien nahm sie für sich zu einem Hauptquartiere in Beschlag; aus den ungewissen Geburtswehen und der Ratlosigkeit Alt, Englands ') Durch Herrn Philipp Nathusius in dem von ihm rediqirtcn, in Halle erscheinenden „Volksblatt für Stadt und Land", Nr. 3 vom 10. Januar 135L. US gehen neue feste Stellungen für sie hervor; auf den Ruine» Frankreichs pflanzt sie ihr schirmendes Banner ans; aus den mecklenburgischen Verfassungswirren tauchen ihr AnfangSpuncie auf in diesem alt-lulherischcn Lande; mit der Reaction in Oesterreich nimmt sie einen neuen Flug, und ist die einzige, die, dort wie in Frankreich, in der allgemeinen Knebelung, die der wüsten Zerrüttung nothwendig folgt, Freiheil für sich davonträgt. ES ist eine merkwürdige Erscheinung: in ihrem Mittelpunkte selbst aus einem Vulcan sitzend, bietet sie sich fernen mächtigen Reichen als gesuchte Stütze dar; wo sie Eigenthümerin und politische Gebieterin ist, nur durch fremde Waffengewalt sich behauptend, tritt sie als Herrscherin auf, wo sie die bloß geduldete ist, erkämpft kühne Siege, wo sie die gedrückte und mißhandelte ist, und verlangt nur freie Hand und Gleichstellung, um entschiedener Forlschritte gewiß zu seyn. In einem katholischen Lande nach dem andern ihrer änßern Machl beraubt, ihrer Reichthümer geplündert, gewinnt sie eben auö der Armuth und aus der bürgerlichen Zurücksetzung neue Macht, so daß nichts ihrer innern Entfaltung dienlicher erscheint als eben diese „Säcularisationcn", die sie nun außer Italien nachgerade fast überall betroffen haben. Vielleicht will ihr Gott der Herr ihre äußere Herrlichkeit auch in jenem Lande erst noch zerscheitern, damit sie erst ganz auf Ihn und seine innerlichen Gaben gewiesen werde. — Aber, wo sie eben ausgezogen worden ist bis aufs Hemd, an Geld und Mitteln fehlt'S ihr nie zu neuen Schöpfungen und auch an Herzen und Händen nicht, die ihr auch ohne Schätze und Dotationen — ja in allen Entbehrungen dienen. — Eine andere Merkwürdigkeit, die wir an der katholischen Kirche beobachten, ist: wie die äußersten Gegensätze sich in ihr zur Einheit verbinden. Wenn man ihr Gestalten betrachtet, weiß man nicht, soll man sagen: sie strebt zum alterthümlichsten Alterthume zurück? oder: sie folgt dem neuesten Fortschritte der Zeit? Während sie in ihren erschlafften Mönchsorden die strengsten ältesten Regeln mit Energie wieder herstellt, und zu der äußern Zucht (wenn wir protestantischen Nachrichten aus Flandern und Westfalen Glauben beimessen) sich auch die inwendige Inbrunst der alten Zeit neu zu gestalten scheint: geht sie eben so willig in die modernste Form deS VercinswcsenS ein. Unter die staunenden U^nkees und Bruder Jonaihans der neuen Weil tritt ihr stummer Mönch von La Trappa mit dem memenw mori, dem einzigen Lebenszeichen, daS über seine Lippen kommt; und in Städten und Dörfern Schlesiens hängt sie, den Demokraten nachahmend, ihren Zettelkasten aus, und beantwortet dreist in öffentlicher Versammlung, wo Jedermann Zutritt und Wort hat, jede hineingeworfene Frage der Zeit und der Kirche. Ueberall ist sie mit dabei: ihr Erzbischof von Paris fällt auf den Barricaoen, wo er sein Hirrenwort den Kugeln e-ntgegensetzt, und kaum sind die Meuterer geknebelt, so erbietet sich eine ganze fromme Bruderschaft, ihnen als die Freunde und Hüter der Unglücklichen in die Deportation zu folgen, wohin cö sey. Zu ihren wiederbelebten alten Kongregationen fügt sie neue, die sich neuen Aufgaben der christlichen Barmherzigkeit widmen.*) — Während bei uns alle Berge von „Verfassungsfragen" kreißen und, wenn eine MauS zu Tage kommt, Proteste von links den Protesten von rechts her begegnen, bis die arme MauS wieder todt prote- stirt ist: zieht die katholische Kirche mit sicherer Hand, ohne ein Wort zu verlieren, auS dem alten Schatze ihrer Traditionen daS Provincialconcil der Bischöfe, die Diö- cesansynode jedes Bischofes mit seinen Pfarrern wieder hervor. Während bei unS auf allen Versammlungen die Frage nach dem gegenseitigen Verhältnisse des Amis und der freien Vereinslhätigkeit bis in alle Ecken der Theorie hinein principiell diScu- tirt wird, und man alle die Scrupcl, wenn man auf das, waS wirklich von „Thätigkeit" eristirt, sieht, fast „viel Lärmen um nichts" z» nennen versucht wird: wirft die katholische Kirche, ohne alle Theorie und DiScussion, ihre großen zusammenhängenden Netze freier Vereine über die Länder: ihre Vincenz-Vereine für die männliche, - ') Eine der neuesten, die der treres gßronomes (ackerbaukundigen Brüder) mit einer bischöflich approbirtcn Ordensregel und in der Ordenstracht des blauen Leinwandkittels, lernte der Schreiber dieses in ciiiem Knabenrettungshause im nördlichen Frankreich kennen. 117 ihre HedwigS>Vereine für die weibliche Armen- und Krankenpflege, ihre Franz-RegiS- Vereine für die Siltigung wilder Ehen, ihre Marien Herz-Vereine für daS Gebet um die Bekehrung der Unbnßfertigcn, ihre Franz-Xavcr-Vercine für die Mission unter den Heiden, ihre BonifaciuS-Vereine (der zurückgewandte Gustas-Adolsö-Verein) für die Kirche in Deutschland, endlich ihre „katholischen" oder Piuö-Lcreinc, deren Generalversammlung, gleich unserm Kirchenlage, aber mit ganz anderer Einheit uud Einigkeit, von Jahr zu Jahr durch Deutschland wandert. — Einen ganz vorzüglichen Werth legt die katholische Kirche (wir glanben auch darauf noch aufmerksam machen zu müssen — in demselben Sinne, in welchem wir überhaupt auf sie aufmerksam machen, nämlich unS zur Lehre) auf die UnterrichlSfreiheit und auf deren Benutzung, wo sie sie besitzt oder erlangt. In Frankreich wimmelt es (wie ein jung-deutscher Reisender aus Frankreich schreibt) seit der UnterrichlSfreiheit des neuen Gesetzes von Lehrbrüdern und Schwestern gerade so, wie von Schützen, wenn die Jagcsreiheit ausgeht, und fortwährend, wie unser monatlicher Gerichtsbericht schon im Frühjahr erzählte, leeren sich die StaatSschulen und füllen sich die neuen kirchlichen. Derselbe Kampf wirv in Irland getämpft, wo man mit eben so großer Energie als Opferfreudigkeit an der Errichtung einer kirchlichen Universität und der Meidung der StaalS- lehranstaltcn arbeitet; denselben sehen wir im Einzelnen in Deutschland, wo die im- provisirle Facultäl Mainz in einem Momente die Gießener Professoren schülerlos als alleinige Bewohner der StaatSfacultät zurückgelassen hat. Die Liberalen in Belgien haben so stark erfahren, wie sehr sie bei der Freiheit den kürzern ziehen, daß ihre Kammcrmajorilät nach lebhafter Gegenwehr der Katholiken den StaatSzwang an der Stelle des freien Unterrichts wieder hergestellt hat. In Sardinien hofft die revolutionäre Negierung auf dieselbe Weise der Kirche einen Todesstoß beigebracht zu haben; aber eine Kirche, die Zeugen und Märtyrer findet, wie dort, lacht der Todesstöße durch StaatSmaaßrcgeln; sie wird doch noch lriumphiren. — Durch einfache Stanv- haftigkeit bei der EiveSfrage hat sie auch bei unS iu Preußen einen entschiedenen Schritt vorwärts über das Schulwesen gewonnen; in Nassau hat sie so eben die Scheidung des Staats-Schullehrer-SeminarS in zwei confessionelle erlangt. So sehen wir sie überall im Vorschreiten nach gleichen Grundsätzen, auf gleichen Wegen. — Aehnlich in der Organisation und in der Unabhängigkeit ihres Episkopats. Wie voriges Jahr in Oesterreich, so hat sie durch die neuesten Unterhandlungen auch im südwestlichen Deutschland (der oberrheinischen Kirchcnprovinz) Aussicht, der Bevormundung der Regierungen loser zu werden. In Hannover wird ihr ein zweites BiSthum zugestanden: auf ein BiSlhum Hamburg sind im Stillen, wie man sagt, ihre Hoffnungen gerichtet. In England aber, mit dem nicht zu niuerhandcln ist. weil eö fortfährt, sie zu ignoriren, ctablirt sie erst um so kühner, ohne zu fragen, ihre ganze Hierarchie, und behauptet sie, im festen Bewußtseyn ihres Rechtes, trotz Pöbelocmonstrationen und Parlameutsbcschlüssen, die eines wie daS andere wirknngs- loS an ihr abprallen. Und in Nordamerika, in dessen weiten Ländcrgebietcn sie ungc» stört schaltet, wächst BiSlhum auö ViSthum hervor, und mitten unier dem hundert- fachen Sectenwesen steigt sie dort um so imponirentcr empor und überflügelt sichtbar alle andern Konfessionen. — In dem auf die Reinheit seines Protestantismus stolzen England baut sie Kirche auf Kirche in mittelalterlich, r Schönheit, gründet Kloster auf Kloster, und bevölkert diese Klöster — nicht etwa mit Spaniern und Italienern, sondern mit der Jugendblüthe dcS Landes, mit den gelehrtesten Zöglingen teS prote- stantischcn OrfordS, mit begeisterten Eonvertiten. In dem Herzen von London legt sie den Grund einer erzbischöflichen Kathedrale, in der preußischen Hauptstadt errichtet sie, mit dem konigl. Bethanien wetteifernd, ein Krankenhaus großartigen Umfangs für Kranke aller Consessionen, Kirchen und barmherzige Stiftungen jedes Jahr in jeder Gegend von Deutschland. Und der glänzenden Reihe ihrer deutschen Eonvertiten, die mit dem ersten Anbruch dieses Jahrhunderts Friedrich Leopold von Stolberg eröffnet hat, schließen sich die neuesten in Mecklenburg an, aus die oben schon hingedeutet wurde. Dem Redacteur des einzigen vormärzlichen konservativen BlatteS, 1Z8 der dort schon vor mcbrern Jahren übertrat, sind nach einander die beiden Redacteure des nachmärzlichen „Norddeutschen Korrespondenten" und eine ganze kleine Reihe adeliger Grundbesitzer gefolgt. (Es werden jetzt ihrer etwa sechs an der Zahl seyn.) Erst in dem letzten Monate des nun abgelaufenen Jahres lasen wir wieder in den Zeitungen, daß ein junger begabter Evelmann auS alter Familie als einfacher Bruder in den Jesuitenorden eingetreten ist und ihm sein ganzes Vermögen als Mitgift gebracht hat. Und die Nachfolge noch eines andern ward in Aussicht gestellt. — Wahrlich deutliche Rufe genug für uns, uns zu ermannen zu dem Einen, waS uns noth thut, zu festen kirchlichen Ordnungen und Gemeinschaften, die Jeder, der in dieser Zeit in den evangelischen Kirchengemeinschaften zum Leben erwacht, mit Schmerzen sucht und — nicht'findet. WaS aber — zum Schluß — das Merkwürdigste ist in diesem Aufschwünge des Katholicismus, den wir bis Hieher betrachtet haben: daS ist gerade der mächtige Zug der Einheit, Alle Eifersucht auf Rom, die sonst einen GallikaniSmuS, einen AnglikaniSmus, einen GemaniziSmuS innerhalb jener Kirche ausbildete nnd nährte, scheint vor diesem Zuge verschwunden. Und Rom seinerseits läßt in gleichem Maaße von nationaler Engherzigkeit ab unv sucht seine neuen Car- dinäle unter den besten Männern aller Länder, um die katholische Kirche so wieder zu dem zu machen, waS sie seyn soll, einer wahrhaft „katholischen." — Segne Gott sie mit dem Besten, was Er hat, mit evangelischer Inbrunst, Kraft und Salbung! Dann wird auch alles ungerechte äußere Wesen, worin sie jetzt noch so oft ihren Fortschritt sucht, aufhören und eine Wiedervereinigung der zerrissenen Christenheit möglich werden. Der Freimaurerorden. Der Freimaurerorden ist in seinem Ursprünge eine Entartung der alten Bau- corporationen, denen sich manchmal Männer anschlössen, welche Nichts weniger, als die Ausbildung des eigentlichen Handwerkes, der Kunst im Auge hatten, sondern unter erborgter Hülle selbstsüchtige Zwecke verfolgten, wie es auf dieser Erde den geviegcnsten Vereinen schon ergangen ist und noch immer ergeht. Drei solche Mitglieder, der Physiker Dchagulierö, der Theologe James Anderson und Georg Payne stifteten in England eine ganz neue Gesellschaft der „freien Maurer," indem sie sich von der Bauzunft förmlich losmachten, und ein praktisches Surrogat der durch die Reformation gebrochenen christlichen Einheit dadurch bilden zu wollen vorgaben, daß sie jedes Mitglied des neuen Bundes zu jener Religion verpflichteten, in der alle Menschen übereinstimmen, zur Vcrnunftreligion der „Ehrlichkeit" mit der Grundlage der Freiheit, Gleichheit und Bruderliebe, mag übrigens jedes Mitglied bei seiner besondern consesfionellen Meinung verharren. ES wird uns hieraus erklärlich, wie der Freimaurerorden bald nach seiner Entstehung durch ganz Europa, namentlich in Deutschland, eine Ausdehnung gewonnen, wie nicht leicht eine andere Genossenschaft, und wie er noch bis znr Stunde explieite und implicite tausend und aber tausend Mitglieder zählt; denn der Satan als Engel des Lichtes zerstört mehr denn als brüllender Löwe. Schon die gcheimnißvollen Ceremonien der Aufnahme in den Bund, der gräßliche Eid, den jedes Mitglied schwören mußte, die ganze Organisation des Bundes in die verschiedenen Logen und Grade müssen uns zum Schlüsse führen, daß hier etwas Großes, aber Schlechtes im Schilde geführt werde.. Tendenz der Vereinöleiter war und ist: Auflösung aller positiven Religion und grundsätzliche Einlenkung in die Bahn deS Deismus und Pantheismus, und in Folge dessen deS heidnischen Staates. Aber nur sachte und klug die Maurerarbeit verrichtet! Lassen wir den Befangenen vor der Hand noch daS Spielzeug des consesfionellen Glaubens als Privatmeinung, nehmen wir die großen Worte? wie sie die katholische Kirche im Mitielalter gesprochen und geübt, für unS jetzt als ausschließendes Monopol in *) Salzburgcr Correspondent, 119 Anspruch, die Worte: „Nächstenliebe, Gleichheit, reines ächtes Christenthum, Humanität," singen wir, um die Schmerzen der Auflösung alles Positiven mit Chloroform zu betäuben, salbungsvolle Toleranzlieder von der reinen Lehre und Liebe Jesu, meißeln wir fleißig im Stillen an den schroffen Ecken der konfessionellen Gegensätze, legen wir Minen zur Nachtzeit, und eines schönen Morgens wird nichts mehr da seyn, als konfessionslose Wüste und Leere, in der wir dann positiv hervortreten können und werden, mit unserer „professionellen" Schöpfung des modernen HeidenthumS. Zu diesem Ende mußte ein großartiges Corruptionssystem auSge>'nrien und durchgeführt werden. Alle auf Wissenschaft, Kunst, Schule, Staat und Kirche Bezug Habente Stellen wurden von den Freimaurern in Beschlag genommen, und vornehmlich die Presse sollte als Freimaurcrhammer dazu dienen, die katholische Lehre und Hierarchie, vorzugsweise deu Primat, in Staub zu zerschlagen. Den Fels der Kirche konnte wohl dieser Hammer nicht zertrümmern, während seine Streiche den Protestantismus tödtlich verwunden mußten, und dessen Selbstauslösung wesentlich beschleunigt haben. Allein läuguen dürfen wir eS nicht, daß der Freimaurerorden auch die Reihen der wahren Katholiken hin und wieder gelichtet habe, und daß er noch heut zu Tage in der Presse, in der Wissenschaft, Kunst, in Kirche und Staat mehr Anhänger zählt, als wir vielleicht meinen. Oder ist nicht er der Vater des FebronianismuS in Kirche und Staat, des PaganiSmuS in Wissenschaft und Kunst, des Humanismus, der die christliche Liebe verdrängt, ja ihr den Namen gestohlen hat und auf riesigen Ball- und Theateranzeigen zur „Wohlthätigkeit" einladet, der da ißt und trinkt und tanzt für den Hungrigen, Durstigen und toceSmüden Kranken, um nur die Idee des katholischen ArmeninstituteS Paralysiren und sagen zu können: „Wir brauchen die Kirche nicht mehr." Einer der scharssinnigsten Historiker unserer Tage hat die religiöse oder vielmehr irreligiöse Wirksamkeit deö Freimaurerordens mit den treffenden Worten gezeichnet: „In katholischen Staaten, wo eS einen Katholicismus zu stürzen und den Bund zwischen Kirche nnd Staat zu sprengen, — in confessionell-gemischten, wo eS Katholiken zu helolisiren, — und in rational- und union-protestantischen, wo eS Altlutheraner vernünftig und unionsgesinnt zu machen gab, hat die Freimaurerei theils als mächtiges Werkzeug deö kirchenstürmenden und revolutionären Absolutismus von Oben herab, theils als thätiger NevolutionSherd hinaufgewirkt und ihren nie außerhalb ihrer Mitte geltenden Grundsatz der Brüderlichkeit, Liebe, Hilfe und Treue eifrig dazu benützt, überall die Ihrigen einzudrängen, ans Nuder zu bringen, zu protegiren. und aus diese Weise Kirche, Staat, Gemeinde, Familie, Alles sich im Geheimen unterzuordnen." ES leuchtet wohl von selbst ein, daß diese antichristliche Tendenz auch eine Todfcindin deS „christlichen" Staates seyn müsse, und daß somit die Freimaurerei, so sehr sich auch die Mohrin rein waschen will, dem Staate noch weit gefährlicher ist als der Kirche. Ist eS unläugbare Thatsache, daß Europa nur dem Christenthume die hohe politische Stufe unter den Völkern der Erde verdankt, so ist eS nicht minder apodiktisch wahr, daß Europa in eben dem Augenblicke, in dem es in seinem politischen und socialen Leben vom Christenthume abfällt, tiefer zurückfällt, alS je ein Welttheil gefallen, und darum vor dem im Finstern gezückten Dolche deS MeuchlerS wohl sich zu versehen hat. Ein solcher Meuchler ist jeder verkappte Feind der katholischen Kirche, ist der Freimaurer insbesondere, der desto sicherer und unbehinderter gleich dem Satan selbst arbeitet, je mehr Die Mehrzahl geneigt ist, die Existenz der Freimaurerei für eine Chimäre zu halten. Die Kirche hat mit psycholo- gischem Scharsblicke, geleitet vom Geiste Gottes, diesem unheimlichen Unwesen gleich im Beginne auf den Grund gesehen. Die Päpste Clemens XII., Benedikt XIV., PiuSVII., Leo XII., Gregor XVI. und PiuS IX. haben ihr verdammendes Wort über diese und andere geheime Gesellschaften gesprochen, und die in neuester Zeit in verschiedenen Blättern veröffentlichten Documente über die Freimaurerei, die unser Haar sträuben machen über die infernale Konsequenz dieser Gesellschaft, überheben mich wohl aller weitern Mühe, jene Verdammungsbullen vor dem Forum der Geschichte und der 120 gesunden Vernunft zu rechtfertigen. Während ein Prinz von Preußen sich an die Spitze dieser Gesellschaft stellt, während ein Napoleon des Friedens in seltsamer Inkonsequenz einen seiner Verwandten als Großmeister der Freimaurerloge autorisirt, während selbst sonst klardenkende, hellsehende Männer die Sache als Phantom belächeln, macht ein tief eingeweihtes Mitglied dieser Gesellschaft folgendes Geständnis: „Der römischen Hierarchie muß man die Gerechtigkeit widerfahren lassen: sie erkannte Zweck und Tragweite dieses Bundes und die Wichtigkeit desselben früher und klarer und blieb ihren Ansichten treuer als viele Glieder des Bundes selber." (Deutsche Viertel- jahrSschrift 184k. I. Heft.) So wird die katholische Kirche auS dem Munde ihrer Todfeinde gerechtfertigt, so wird sie zur Lehrmeisterin der Politik, indem sie die Revolution in ihrer Wurzel, in den „großen" Grundsätzen deS Jahres 1789: Freiheit, Gleichheit und Bruderliebe aufaßt und ausrottet. Wir begrüßen daher vr. Ecker tS Gesuch an den Bundestag um Aufhebung deS Freimaurerordens als einen kühnen, katholischen Griff, als einen Act welthistorischer Bedeutung, und die „Presse" hatte nicht nothwendig, diesem Manne, der mit seltenem, höchst empfehlenSwerthem Frci- muihe für Kirche und Staat in die Schranken tritt, Bescheidenheit zu empfehlen Unser Motto ist: „Kein Recht für das Unrecht!" Oberschlesien. NIl!l! )!!!! UI, !^ - - > , Während die Missionsprediger mit unermüdlichem Eifer das Licht des Glaubens zu neuer Glut anfachen, halten die aus Westfalen zu unS herübergewanderten Väter vom Orden des heiligen FranciscuS hier auf dem Annaberge Bußpredigten eigenthümlicher Art, die von Hohen und Niedrigen beherzigt werden. Zwar sind sie meist von polnischredenden Anwohnern umgeben; das gewöhnliche Mittel gegenseitiger Verständigung, die Gemeinschaft der Sprache, fehlt — und dennoch werden sie verstanden und begriffen. Der armselige Habit, die unbekleideten Füße, das harte Lager, die dürftige, erbettelte Nahrung verschließen den Mund deS armen Polen, wenn ein Klagelaut sich hervordrängt. Die Freude und die Freudigkeit, welche er in den Mienen des armen FranciscanerS erblickt, weisen ihn hin auf die Verheißung deS Herrn, daß die Armen selig und ihrer das Himmelreich seyn werde. Der Reiche fühlt sich beim Anblicke deS um deS höchsten Besitzes willen alles irdischen Besitzes entblößten PaterS beschämt und belehret. „Was nützt dir alleö," denkt er bei sich, „wenn du nach den flüchtigen Tagen deS Wohllebens deine Seele verlierest? WaS hast du bis jetzt für dein ewiges Heil gewirket? Wie wird deine Rechnung stehen, wenn du so hinübergehst und hintrittst vor den Richter der Ewigkeit?" Von ähnlichen Gefühlen und Gedanken mochten die Protestanten überrascht und bewältigt seyn, welche mit den PatreS zusammentrafen. In Minden, Hannover, Braunschweig, Berlin. Frankfurt waren diejenigen selten, welche ein Wort des Spottes oder ein Hohnlächeln sich erlaubten: die Mehrzahl der Protestanten behandelte die Patres mit Hochachtung und gewährte ihnen gern das Brod oder das Obdach, um welches sie baten. In der freiwilligen Entsagung liegt eine Kraft, der daS Herz deS denkenden Menschen sich nicht verschließen kann. Kälte und Hitze, Hunger uud Durst, Geringheit und Verachtung aus höheren Gründen gern übernehmen, das ist ein Thun, welches im Christenthum seine Wurzel, im Leben deS Heilandes und der Apostel seine Richtschnur und sein Vorbild findet. Der Heldenmuts) dieser Männer, so wie die Hochachtung, die man ihnen spendet, sind Zeugnisse von den Elementen, die noch im Volke leben. Verzweifeln wir darum nicht in unserer Zeit! Das Samenkorn, daS die Söhne deö hl. FranciScuS ausstreuen, sprießet schon jetzt auf; cS wird rascher und freudiger aufblühen, so bald sie durch Aufnahme neuer, schon angemeldeter Mitglieder im Stande seyn werben, durch ihr Wort das zu deuten, was ihr Wandel ahnen läßt. Gesegnet das Land, wo solche Apostel austreten, die alles für AuS- kehricht hallen um der Liebe Christi willen und selbst als Verworfene gelten mögen, um Andere zu retten! (Münst. Sbl.)__ Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. BerlagS-Jnhaber: F> C. Kremer. Zwõlfter Jahrgang. Sonntags⸗Beiblatt zur Augsburger Poſtzeitung. 16. Mai Nr. 20. 1852. Dieſes Blatt erſcheint regelmaͤßig alle Sonntage. Der halbjährige Abonnementspreis 40 kr., wofür es durch alle königl. bayer. Poſtämter und alle Buchhandlungen bezogen werden kann Leichenrede zu Ehren des hochwürdigſten Herrn Aloiſius Maria Blancis, Biſchofs von Syra, apoſtoliſchen Delegaten von Griechenland, gehalten von Nikolaus a Marinelli, Profeſſor der Theologie und apoſtoliſcher Miſſionär. Ein trauriger Anblick! Ach mein liebes Vaterland, welch großer und ſchrecklicher Unfall hat ſich innerhalb deiner Mauern ereignet! Heilige, theuerſte Metropole, warum haſt du dein feſtliches Kleid ausgezogen, warum geheſt du nun in Trauerkleidern einher? Heiliger Biſchof, warum iſt dein edles, menſchenfreundliches Antlitz wider Gewohnheit entſtellt? Drohet vielleicht Gefahr oder Unglück? Geliebte Mitbrüder, hochwürdige Prieſter, warum ſeufzet ihr alle? Liebe Mitbürger, warum weinet ihr alle? Edle und ehrſame Zuhörer, aus welcher Urſache ſtehet ihr da, ſtumm von Schmerz, mit Thränen in den Augen? Was iſt geſchehen? Wahrlich ein unerwartetes Ereigniß! Der unerbittliche Tod hat uns plötzlich unſern ehrwürdigen, frommen, theuren Vater geraubt, unſern Biſchof, der fünfundzwanzig volle Jahre hindurch dieſer Diöceſe vorſtand! Ein trauriges Ereigniß, das jedem Herzen die tiefſten Seufzer, jedem Auge Thränen entlockt. Ein Ereigniß, das auch beſonders mich Unwürdigen aus tauſend Gründen zur Theilnahme an jener allgemeinen Trauer zwingt; das mich in die Nothwendigkeit verſetzt, ſtatt eine Leichenrede zu halten, ſtatt unſern ehrwürdigen und tugendhaften dahingeſchiedenen Vater zu preiſen, um Nachſicht zu bitten, und von der mit ſchwarzen Tüchern behängten Kanzel herabzuſteigen, und ſtatt mit Worten, nur mit tiefen Seufzern und heißen Thraͤnen des Dahinſcheidens unſeres theuern Vaters zu gedenken. — Doch das iſt etwas Unmögliches! Sowohl meine kindliche Dankbarkelt gegen Ihn, ds auch eure gerechte Erwartung und ſein heiliges Recht, welches Er auf umfere Liebe, unſere Trauer und unſer Lob hat, nöthigen mich, daß ich für den Augenblick mein Herz opfere, meine Trauer und meinen Schmerz zurückhalte, kurz mir ſelbſt Gewalt anthue, und euch unſern verſtorbenen, ehrwürdigen Seelenhirten (in wie fern es die Kürze der Zeit und unſere ſchwachen Kräfte erlauben) vorſtelle als großen Wohlthater der Menſchheit, als mermüdet eifrigen Biſchof, als frommſten Diener Gottes ſeinem öffentlichen, prieſterlichen und Privatleben, damit ihr dadurch angefeuert werdet, um Ihn zu trauern, Ihn zu lieben, ſeine chriſtichen Tugenden nachzuahmen und für die Ruhe ſeiner dahingeſchiedenen Seele zu beten. 154 Als ein neuer Wohlthäter der leidenden Menſchheit ward unſer Aloiſtus nahe bei Turin, der Hauptſtadt Piemonts, am 26. December 1770 von tugendhaften, katholiſchen Eltern geboren. Den Vater verlor er ſchon in ſeiner allerfrüheſten Kindheit, die Mutter im ſechsten Jahre ſeines Alters. Deſſenungeachtet erhielt er eine aͤusgezeichnete, chriſtliche Erziehung, moraliſche und wiſſenſchaftliche Bildung in den verſchiedenen Schulen und Gymnaſien der Hauptſtadt durch die Sorgfalt ſeines eifrigen Erziehers. Als Er das geſetzliche Alter erreicht hatte, entſchloß Er ſich Prieſter zu werden und in den ehrwürdigen Orden des heiligen Franciscus strengster Observanz zu treten, um das Eine Nothwendige nicht zu verlieren (porro unum est necessarium, Lucas 10, 42) und in den Stand geſetzt zu werden, ſeinem Nächſten zu nützen. Und es ſcheint fürwahr, daß die Natur ſelbſt unſerm Aloiſtus den Drang eingepflanzt habe, ſeinem Nebenmenſchen zu nützen, welchem Volke, welcher Religion er auch immer aͤngehören möge. Der Erfolg zeigt am beſten, daß die göttliche Vorſehung Ihm den erhabenen Beruf eines Wohlthäters der leidenden Menſchheit im Allgemeinen angewieſen habe. Und in der That, nicht zufrieden die verſchiedenen Seelenleiden ſeiner Mitmenſchen in dem Vaterlande zu ſtillen, verlangte unſer Aloiſius als apoſtliſcher Miſſionär in die Levante geſchickt zu werden(vom Himmel dazu berufen, wie es ſcheint) und es gelang Ihm endlich nach vielen Kämpfen, dieſes ſein Verlangen durchzuſetzen. Im Anfang des jetzigen Jahrhunderts kam Er in das Vaterland des heiligen Polykarp. Es iſt unbeſchreiblich, mit welcher Hingabe, mit welchem Eifer Er ſich nun gänzlich ſeinem edlen Berufe widmete, auf jede mögliche Art und Weiſe der leidenden Menfchheit zu nützen. Es ſcheint mir ich ſehe Ihn, Allen Alles geworden, um alle Chriſto zu gewinnen, wie ein zweiter heiliger Paulus. Darum ſehet Ihn jetzt in Smyrna als Lehrer von Kindern der verſchiedenſten Nationen mit verſchiedenen Sprachen, der Griechen, Italiener, Türken, Armenier und Araber. Da lernte Er noch die ilitiſche Sprache, um die religiöſen Bedürfniſſe der Ilirier zu befriedigen, welche damals keinen Prieſter hatten, der ihre Sprache verſtand; dort ſuchte Er die geiſtigen und körperlichen Gebrechen der Menſchen im Allgemeinen zu heilen. Das zeiſtige Bedurfniß der Katholiken rief ihn von der Hauptſtadt in das Dorf Burnabat. Von da kehrte er zum Drittenmale nach Smyrna zurück, um die Leitung ſeiner lieben Schule zu übernehmen und von der Schule weggerufen bekam er die Aufſicht uͤber das dortige Kloſter ſeines Ordens. Dieſem Berufe ſtand er mit größtem Eifer, einer ſeltenen Umſicht und unermüdeter Thätigkeit vor. Hier iſt es, wo ſich die ſchwierige Laufbahn unſers Aloiſtus eröffnet. Pfarrer, Guardian, Director eines Krankenhauſes, o mit welchem Eifer, mit welch unausſprechlicher Anſtrengung lindert und heilt er die vielen Gebrechen und Uebel der Leidenden! Damit aber begnügte Er ſich noch bei weitem nicht! Seinem unausgeſetzten Streben gelang es, ein geräumiges Krankenhaus zu erbauen, das beſonders für Peſikranke beſtimmt war. Unterſtüßt von der göttlichen Vorſehung, auf die Er ſich allein verließ, brachte Er dieſes Gebäude in ſehr kurzer Zeit zu Stande. Er ſelbſt leiſtete perſönlich nicht nur den gewöhnlichen Kranken, ſondern ſogar den Peſtkranken alle möglichen geiſtigen und körperlichen Dienſte; vertrauend auf Jeſus Chriſtus, ward er ſo ein Diener, Beſchützer, Geſellſchafter und Vater der Kranken, deren unzaͤhlige Leiden und Schmerzen er linderte und heilte, wurde aber dadurch ſelbſt von der Peſt angeſteckt. Doch zurück, unheilvolle Seuche, zurück verwegene, wage es nicht ein ſo theures, gellebtes und nothwendiges Leben anzutaſten! — Die öffentlichen Gebete der Bewohner Smyrna's ſtiegen empor zu dem Throne des Allerhöchſten, und die unheilvolle Seuche verſchonte dieſes koſtbare Leben! Mit welcher Begeiſterung, mit weicher Hingabe Er ſich von nun an einzig und allein mit allen Kräften dem Dienſte der Peſttranken weihte, iſt nicht auszuſprechen,— ſo daß ſein Heldenmuth ſelbſt die Bewunderung der Weltweiſen und das Lob der Schriftſteller ſich erwarb. So ſchrieb 155 der gelehrte Madrole (Le prêtre devant le siecle pg. 346)„Cependant l'Abbé Luig fondait à Smyrne un hospice de Pestiférés qu'il soignait lui-même impunément à la fagon de Belsuna, au point de ravir le Philosophe Morellet dans son voyage en Sicile.“ Darum wird das Vaterland des heiligen Polykarp das Andenken dieſes tugendhaften und ehrwürdigen Wohlthäters der Menſchheit ewig bewahren. Doch nicht Smyrna allein ſollte ſich eines ſo großen Mannes rühmen. Ihn erwartet mit offenen Armen die ſchöne Stadt Conſtantins, die Hauptſtadt des türkiſchen Reiches, damit er da wirke als Provincial ſeines Ordens zum Beſten der dortigen Katholiken. Ja eine unzählige Schaar unſerer getrennten Brüder der morgenlaͤndiſchen Kirche, Männer, Frauen, Jünglinge und Greiſe, Reiche und Arme harren ſeiner in dem ehrwürdigen Byzanz, damit Er ſte, als ein wahrer Bote des Friedens, von der fanatiſchen Wuth des ottomaniſchen Barbaren errette, der damals wegen des griechiſchen Befreiungskrieges vorzüglich gegen die Chriſten raste. Doch wo iſt die Zeit uns gegönnt, wo nehmen wir die Kräfte her, Alles das genau zu ſchildern, was dieſer edle Menſchenfreund zum Beſten ſeiner Mitbrüder gethan hat. Ueberlaſſen wir dieſes der Geſchichte, welche als unparteiiſche Richterin ſich beeilen wird, die herrlichen Thaten dieſes edlen Wohlthäters des menſchlichen Geſchlechtes der Nachwelt aufzuzeichnen und gehen wir jetzt weiter, betrachten wir unſern Aloiſius als unermüdet eifrigen Biſchof. Aloiſtus wurde im Jahre 1825 vom allgemeinen Vater der Chriſtenheit Leo XII. ſeligen Angedenkens zum Biſchofe dieſer Diöceſe gemacht, und es iſt unausſprechlich, mit welchem Eifer, mit welch gänzlicher Hingabe Er für das Wohl der Ihm anvertrauten Heerde wachte. Ihr wiſſet es, Bewohner von Syra, es iſt euch wohl bekannt, was der Dahingeſchiedene in eurer Mitte gewirkt hat, ſo daß es nicht nöthig iſt Alles beſonders aufzuzählen. Gedenket nur, ich bitte euch, welche ſchwierige Stellung Er und euer damaliger katholiſcher Gouverneur hatten. Gedenket, von welchen Gefahren Er euch befreit, wie Er fuͤr euch ſtets ſorgfältig wachte zur Zeit des Befreiungskrieges. Erinnert euch, wie angelegen Er es ſich immer ſeyn ließ, euch geiſtig zu bilden, mit welchem Eifer Er euch das Wort Gottes predigte, mit welcher Freimüthigkeit und ächt chriſtlicher Liebe Er ſich aller annahm, wie ſehr Ihm das Heil von euch allen am Herzen lag. Durch ſein Bemühen wurde mit eurer Beihilfe eure erhabene Domkirche zu Ehren unſeres Patrons des heiligen Georgius erbaut, wo wir uns heute verſammelt haben, deren Gründer zu beweinen. Seinem und eurem vereinten Bemühen gelang es die Sebaſtlanskirche zu vergrößern. Erbaut wurde in ſeinen Tagen die ſchöne Kirche zu Ehren der ſeligſten Jungfrau vom Berge Karmel; ferners die Kirche zu Ehren Mariä Verkündigung in Hermupolis auf Koſten eines Landsmannes aus eurer Mitte, und ſo viele andere kleinere Kirchen auf dem Lande durch ſeine und eure Hilfe, o Bewohner von Syra. Ferners wurde durch ſeinen Eifer und durch die Unterftützung des menſchenfreundlichen Frankreichs eine Schule für eure Kinder lange vor dem Zuſtandekommen der jetzigen erbaut. Eben ſo errichtete Er ein Seminar zur Heranbildung derjenigen, welche ſich dem geiſtlichen Stande widmen, und eine Mädchenſchule. Ein ſo brennender Eifer konnte ſich unmöglich auf den ihm angewieſenen Kreis von Syra beſchränken; darum ernannte Ihn der heilige Vater Gregor XVI. im Jahre 18838 zum apoſtoliſchen Delegaten von ganz Griechenland und Er wurde auch durch die Vermittlung des franzöſifchen und öſterreichiſchen Geſandten, Herrn de laGrainé und Proketſch v. Oſten von der griechiſchen Regierung als ſolcher anerkannt. Mit welchem Eiſer Er ſich nun der Leitung der kirchlichen Angelegenheiten in ganz Griechenland annahm, läßt ſich nicht mit Worten ausdrücken. Er beſuchte nun als apoſtoliſcher Delegat die Hauptſtadt, und unternahm im Jahre 1840 ſeine Viſitationsreiſe in die Pfarreien von Athen, Hiraklion(einer bayeriſchen Colonie), Nauplia, Patras und Navarin, Er ſetzte überall Pfarrer ein und hinterließ allenthalben die ſchönſten Beiſpiele ſeines wahrhaft apoſtoliſchen Lebens. Auch baute Er in allen dieſen Städten mit Hilfe der Chriſten (in Hiraklion beſonders durch die Unterſtützung 156 der Katholiken Bayerns) ſchöne katholiſche Kirchen. Endlich kaufte Er mit großer Aufopferung ein ſchönes Grundſtück zur Erbauung einer katholiſchen Domkirche in Athen, und hinterließ ſeinem Nachfolger die Ausführung dieſes herrlichen Unternehmens. Von Sr. Heiligkeit Papſt Gregor XYVI. wurde Er dann im Jahre 1840 als apoſtoliſcher Adminiſtrator des Erzbisthums von Naxos berufen, wohin Er ſich ſogleich von der Hauptſtadt aus begab. Iſt es zu wundern, wenn ein Mann, der ſich ſo ganz dem Wohle der Menſchheit widmet, die Achtung und Liebe Roms, Griechen— lands, ja des katholiſchen Europa's ſich erwirbt? Ja es befremdet mich nicht, wenn ich höre, daß Papſt Gregor XVI. zu einem unſerer Geiſtlichen*) ſagte:„Er(Aloiſius) ſey einer der ehrwürdigſten Biſchöfe der Kirche“ und Ihn zum„Praelatus domesticus Papae et Solio Pontificio assistens“ macht. Es befremdet mich nicht, wenn Päpſte, Katſer und Könige Ihn lieben und auszeichnen. Frankreich, Oeſterreich und Piemont unterſtützten mit Geldmitteln ſeine herrlichen Unternehmungen zum Nutzen der Menſchheit, zum Heile der Kirche. Seine Majeſtät unſer allergnädigſter König Otto beehrte Ihn mit dem goldenen und ſilbernen Kreuze des Erxlöſerordens, und der erhabene Herrſcher von Bayern Max J. mit dem Großkreuz des St. Michgelsordens, und die ganze Welt nennt Ihn einſtimmig den Wohlthäter der Menſchheit, den eifrigen Biſchof, wie wir bereits geſehen haben, und den eifrigen Diener Gottes wie wir noch kurz ſehen werden. Die Frömmigkeit des dahingeſchiedenen Biſchofs war ungausſprechlich groß. Alles gebrauchte Er zur größern Ehre Gottes, zum Heile der Seelen und zum Dienſte der Kirche. Darüber Einiges mitzutheilen, beſtimmt mich vorzüglich der Umſtand, daß ich mit Ihm zwanzig Jahre lang umgegangen bin und Ihn immer aufs Genaueſt beobachtet habe. Nie habe ich einen ſanftmüthigern Menſchen gekannt, nie einen demüthigern geſehen! Wie lebhaft war ſein Glaube, wie unerſchuüͤtterlich ſeine Hoffnung, wie brennend ſeine Liebe zu Gott und den Nächſten! Mit welch kindlicher Andacht verehrte Er das Jeſukindlein(von welchem Er nie ohne Thränen der innigſten Rührung predigte), die ohne Makel der Erbſünde empfangene Gottesgebärerin, den ſeraphiſchen Vater Franciscus und unſern heiligen Schutzpatron Georgl Wie ſtrenge war ſeine Enthaltſamkeit, ſo daß man Ihn oft ernſtlich darauf aufmerkſam machen mußte, daß ſein Alter und die vielen Gebrechen, an denen Er litt, Ihn hinlänglich vom kirchlichen Faſten diſpenſirten, welches Er bis ans Ende ſeines Lebens hielt. Bis zum vorletzten Tage ſeines Lebens unterließ Er das Breviergebet nie, ſo zart war ſein Gewiſſen! Als der Tod, den Er ſchon längſt erwartet, ſich Ihm nahte, ſah Er ihn mit feſtem Blicke an. Er ertrug mit chriſtlicher Standhaftigkeit die Leiden ſeiner kurzen Krankheit, und gab, geſtärkt durch die heiligen Sterbſacramente, geſtern Abends, d. i. den 30. October 1851 ruhig und getroſt ſeinen Geiſt in die Hände des Schöpfers zurück, unter den Gebeten und Thränen ſeines Nachfolgers und der anweſenden Prieſter, im 81ſten Jahre ſeines Alters, nachdem Er ſechsundzwanzig Jahre Biſchof, achtzehn Jahre apoſtoliſcher Delegat und einundfünfzig Jahre apoſtoliſcher Miſſionär in der Levante geweſen war. Und nun überlaſſe ich es Dir, Geſchichte, unparteiiſche Richterin, die glänzenden Thaten dieſes großen Mannes der Nachwelt zu erzählen, die Thaten dieſes ausgezeichneten Wohlthäters der Menſchheit, dieſes eifrigen Seelenhirten und frommen Dieners des Herrn. — Leſet darüber, Zuhörer, ich bitte euch! den berühmten Pater Alexius Narbon societatis Jesu aus Sicilien in ſeiner Geſchichte der Wiſſenſchaften tom. 8. 8. 333. Palermo 1833. Nun laſſet uns beweinen den geliebteſten Biſchof, Vater und Hirten. Ewig ſey ſein Andenken unter euch, ewig eure Liebe, eure Ehrfurcht und Dankbarkeit gegen Ihn. Ahmet beſtändig ſeine chriſtlichen Tugenden nach und bittet Gott inſtändigſt, daß nun ſeine Seele in Frieden ruhen möge. Bei dem Tode dieſes berühmten Mannes erkennet ihr Alle die Eitelkeit des Irdiſchen, darüber beherzigt wohl jene ernſte Lehre des heiligen Geiſtes: Vanitas vanitatum et omnia vanitas. Ecl. 1, 2. ) Georg Brindeſi, Director des Seminars in Syra, Collega des Redners. —* 157 Bericht des apoſtoliſchen Vicars für Centralafrika. (A. d. D. Volkshalle.) Wien, 3. Mai. Am erſten Tage des Marienmonats iſt der Marienverein in Wien durch den ſehnlichſt erwarteten Bericht des apoſtoliſchen Provicars für Cen— tralafrika, gleichwie durch einen andern über die Fahrt der Stella matutina, erfreut worden. Beide ſind nicht allein ſehr einläßlich, ſondern auch höchſt intereſſant. Der erſte wird auf geeignetem Wege vollſtändig, der andere wenigſtens in einem Auszuge veröffentlicht werden. Einige Notizen aus jenem dürften auch unſern Leſern, in ſo fern ſie für Erweiterung des Reiches der Kirche Intereſſe haben, willkommen ſeyn. Der Abfahrt der Stella matutina von Cairo iſt ſchon früher Erwähnung geſche— hen. Nach zwei Tagen legte ſie vor Minieh an, deſſen Gouverneur zum Beſuch am Bord ſich einfand. Der guünſtige Wind feſtigte in dem Entſchluß, noch am gleichen Abend die Anker zu lichten. Unter glänzendem Sternenhimmel erfolgte die Abfahrt. Bald jedoch thütmten am nördlichen Horizont Wolken ſich auf; Finſterniß brach her— ein, Wind erhob ſich, der bald in Sturm überging und das Schiff in Gefahr brachte, aus der es nur durch die Beſonnenheit des Provicars und die äußerſte Anſtrengung der Mannſchaft gerettet wurde. Erſt gegen Tagesanbruch legte ſich der Sturm; aber auch der günſtige Wind hatte aufgehört, und nur mühſam konnten die wackern Schiffsleute das Fahrzeug ſtromaufwärls ziehen. Am 22. October erreichten die Reiſenden Piut, nach Cairo die anſehnlichſte Stadt von ganz Mittel- und Ober— Egypten, der Stapelplatz für die aus Dar-Fur kommenden Carawanen. Dort bezeugt eine Kirche der Franciscaner in ſchöner Ausſtattung den frommen Sinn von Oeſter— reichs erhabenem Herrſcherpaare, Kaiſer Ferdinand und ſeiner Gemahlin Maria Anna— Weiter hinauf behaupten die Söhne des heiligen Franciscus noch manche Station unter hartem Kampf mit den ſchismatiſchen und entſittlichten Kopten und den moha— medaniſchen Oberherren! Unter kurzdauernden Sturmwirbeln, zweimaligen Gewittern und ſelten zwiſchen⸗ eintretendem günſtigen Winde näherte ſich am 31. October das Schiff der Stätte, an der einſt das altberühmte Theben geſtanden. Zwiſchen den ſtaunenswerthen Ueberreſten von Karnak und Luxor hat nun ſchmutziges Arabervolk ſeine Wohnſtätten aus Schlamm und Koth zuſammengetragen, und wo einſt die üppigſten Gartenanlagen mit tropiſcher Vegetation lockten, ſucht ſich jetzt zwiſchen Dorngeſtrüppe das genüg— ſame Kameel ſein karges Futter. Angeſichts des ehemaligen Tempels des Sonnen—⸗ gottes zu Edfu wurde in der Schiffscapelle das Feſt Allerheiligen gefeiert, unter den zuſammengeworfenen Trümmern heidniſcher Götzenbilder, am folgenden Tage das unblutige Opfer für die armen Seelen dargebracht. Darauf mahnte günſtiger Wind zum Aufbruch, worguf des folgenden Tages die Katarakte von Syene, die natürliche Scheidewand Egyptens und Nubiens, zu Geſicht kamen, und Kanonenſchüſſe von den Anhöhen, die Aſſuan beherrſchen, die Ankommenden begrüßten. Dort harrten ihrer die Gefährten, welche Cairo früher verlaſſen hatten; alle Dächer waren mit Neugie— rigen beſäet. Mem Gruß, welchen der Provicar durch ſeinen Dragoman dem Gou— verneur anbieten ließ, folgte der freundliche Mann unmittelbar an das Schiff und verhieß alle mögliche Hilfeleiſtung zur Fortſetzung der Reiſe, namentlich um das Schiff über die erſten Nilkatarakte hinaufzubringen. Eben ſo freundlich verſprach der Hafencapitän Hagi-Kaptan, hiefür zu ſorgen und das Schiff nicht eher zu verlaſſen, als bis es jenſeits derſelben im nubiſchen Gebiete ſtände. Aber es mußte vorher erleichtert, das Hauptgepäck auf Kameelen weiter gebracht werden. Der Provicar ſammt einem Theil ſeiner Begleiter blieb auf dem Schiffe. Am frühen Morgen des 6. Novembers, kurz vor der ÄAbfahrt, ſchickte der Hafencapitän ſeinen eigenen Paudal (ein kleines, für die Katarakte eingerichtetes Schiff), um der Stella matutins als Wegweiſer zu dienen; er ſelbſt kam mit zwei Lootſfen an Bord, indeß 200 Mann am Eingange eines eingeengten Canales zur Hilfe des Fahrzeuges harren mußten. An der ſüdlichen Spitze der Inſel Elephantine dildet die öſtliche Ecke des ehemaligen — 9 e * 158 Kneph-Tempels von der Landſeite eine ſenkrecht herabſtürzende Granitwand, an welcher ſeit Jahrtauſenden ſchon der Waſſerſtand des Stromes iſt gemeſſen worden, beſagtes Thor, die Gränze, bis zu welcher die unterjochenden Waffen der alten Rö— mer vordrangen. Von Granitbergen umſchlofſen, glich der Nil einem See, auf wel—⸗ chem dunkle, metallglänzende Klippen in Gruppen und vereinzelt aufſtarren. Klippen und Wirbeln in behender Wendung, jetzt nach rechts, jetzt nach lints ausweichend erreichte das Schiff glücklich den durch hohe Felſenwände eingeengten Ausgang, hinter welchem ein noch ausgedehnteres Waſſerbecken ſich öffnete. Noch half der Wind an Felſengruppen und Sandbänken vorüber und durch kreiſende Wirbel; als aber die ſchwierigſte Stelle zu paſſiren war, ließ er nach, doch nicht ſo vollſtändig, um von dem reißenden Strome an einen Felſen geſchleudert oder auf eine Sandbank gewor— fen zu werden. Nur der äußerſten Anſtrengung gelang es, daſſelbe an zwei Felſen vorüberzubringen und für die kommende Nacht am Ufer zu befeſtigen. Unter gleicher Mühſal wurde des folgenden Tages bis 10 Uhr die eigentliche Stromenge erreicht, ein ſeichter Canal, vier Klafter breit, von Granitfelſen eingeſchloſſen und mit unzäh— ⸗ ligen Steinblöcken beſäet. Hunderte von Menſchenarmen ſind erforderlich, um ein Schiff über dieſe Stellen wegzubringen, denn die Steine müſſen zuſammengewälzt, Wehren gebildet werden, damit das Fahrzeug ſich ſchwimmend erhalten kann. Men— ſchen aus allen Richtungen des Kataraktengebietes waren in hinreichender Zahl her—⸗ zugekommen. Der Hafencapitän von Afſſuan theilte ſie in verſchiedene Rotten. Ihrer über hundert an jeder Uferſeite hatten die armsdicken Taue, die um die Wurzel des Maſtbaumes befeſtigt waren, anzuziehen; andere, bis zu den Lenden im Waſſer ſtehend, mußten die alten Wehren abtragen, hinter dem Schiffe neue errichten; die rüſtigſten Männer folgten dem Schiffe ſeitwärts, um mittelſt ihrer Muskelkraft ihm über ſeichte Stellen und verborgene Steine hinüberzuhelfen; auf dem Verdeck ſtand mit eiſenbewehrten Stangen die Mannſchaft, um das Anſtoßen an Felſenvorſprünge zu verhüten. Unter lautem Geſchrei, welches alles Getöſe des Waſſers überlärmte, ward das Becken der erſten Wehre glücklich überſchritten. Das zweite bot größere Schwierigkeit, größer durch den gänzlichen Mangel an Zuſammenwirken; denn zogen die Zieher, ſo blieben diejenigen ruhig, welche das Schiff heben ſollten; ſtrengten dieſe ſich an, ſo ſtanden jene müßig an den Tauen. Umſonſt gab Hagi⸗Kaptan— Zeichen, Befehle; jene wurden nicht beachtet, dieſe unter dem Geläcme nicht verſtan— den; bei zwei Stunden blieb das Schiff unbeweglich. Zuletzt jagte der Capitän die überflüſſigen Leute davon, ſammelte die rüſtigern in einen Kreis und ſchärfte ihnen pünktliche Befolgung aller Befehle ein, da ſie ſonſt des Arbeitslohnes verluſtig gehen würden. Dieſes letzte Wort wirkte. Jeder begab ſich wieder an ſeinen Poſten, und kräftig und übereinſtimmend wurde die Arbeit von Neuem begonnen, endlich unter allgemeinem Jubelgeſchrei die ſüdliche Mündung der Stromenge bis 4 Uhr Nachmit- tags, bald hierauf das Lager erreicht, welches die zu Land vorangegangenen Ge— fährten Angeſichts der Inſel Philage aufgeſchlagen hatten, wo die Ruinen des Tem— ——— pels, der einſt längere Zeit dem Dienſte des wahren Gottes geweiht war, die Blicke auf ſich zogen. Des folgenden Tages kamen von Aſſuan der Gouverneur, der Kadi und meh— rere angeſehene Mahomedaner zur Beglückwünſchung über die glücklich zurückgelegte Fahrt herausgeritten; mit ihnen auch zwei junge franzöſiſche Kaufleute, die einen Mongt früher Waaren zum Verkauf dahin gebracht hatten. Sie baten den Provicar um Etlaubniß, zu der Reiſe durch die Wüſte ihm ſich anſchließen zu dürfen. Da er ſie als brav und wohlgeſittet erkannte, gewaäͤhrte er ihren Wunſch, dafern es ihnen gelingen werde, ihn in Korosko einzuholen. Freudig eilten ſie zurück, ordneten ihre Sachen und mietheten ein Schiff, um ihm nachzufolgen.— Des Morgens am 10. November wurden die Schiffe wieder beladen. Am 11. feierten die Miſſionäre unter dem Meßzjelt das Feſt des heiligen Biſchofs von Tours. Für die Fahrt über die Katarakten von Wadi Halfa nahm Knoblecher vier kundige Männer an Bord, lichtete am 12. November die Anker, paſſtrte am 18. oberhalb des Tempels von ——— ——— 159 Kalabſcha den Wendekreis und erreichte am 15. mit Sonnenuntergang Korosko, das Thor der Haupt-Carawanenſtraße durch die nubiſche Wüſte. „Bis hieher,“ ſagt er in ſeinem Bericht,„galt uns Allen die Reiſe zu Schiffe als eine ſehr angenehme Luſtfahrt, die durch nichts Erhebliches geſtört worden war. Auf der„Stella matutina“ waren wir ganz heimiſch eingerichtet. Man konnte leſen, ſchreiben, ſtudiren, ſo viel man wollte, in den heißen Tagesſtunden in der Cajüte huͤbſch im Schatten ſitzen, in den Morgen- und Abendſtunden am Verdecke oder auf der Altane friſche Luft ſchöpfen und in der Nacht den prachtvollen Sternenhimmel betrachten, ohne daß die Fahrt dadurch im mindeſten geſtört worden wäre. Eine ſtricte Tagesordnung, die an Bord pünctlich befolgt werden mußte, verkürzte uns die Zeit dermaßen, daß wir uns am Abende nicht genug wundern konnten, wie in Egypten die Tage ſo ſchnell vergehen. Zur Frühandacht und zum Abendgebet rief uns das Glöckchen in die Capellez zum Mittagsmahl und zum Abendbrod, zum An— merken der Sonnenhöhen, der Barometer- und Thermometerſtände im Reiſejournal, zum Log-⸗Auswerfen u. ſ. w. wurde in den verſchiedenen Tageszeiten ebenfalls damit das Zeichen gegeben. Um wegen Sorgloſigkeit keine unangenehme Folgen bereuen zu muͤſſen, und um meine willensvollen Gefährten nach und nach äbzuhärten und ſie zu Führung von ferneren Expeditionen tauglich zu machen, mußte Jeder von uns in der Nacht eine Stunde am Verdecke Wache ſtehen. Jeder Wache wurden abwechſelnd zwei Wachtpoſten aus der Schiffsmannſchaft zugetheilt, wovon der eine am Vorder— iheil des Verdeckes, der andere über der Cajüte neben dem Steuerruder ſeinen Platz hatte. Von Zeit zu Zeit ſchrien ſich die Wachen nach Numern gegenſeitig zu, daß man die langgezogenen Töne weit herum hörte. So geſchah es, daß ſich nie Jemand mit boͤſen Abſichten in die Nähe des Schiffes wagte und daß nie in finſterer Nacht ein fremdes Schiff, auf dem ſich die leichtſinnigen Egypter dem ſüßen Schlafe in die Arme werfen, die Strömung herauffahrend an das unſrige ſtieß. Danninger, unermüdlich, fleißig und ſtets gut aufgelegt, fand während des Tages freie Momente, um auf der Physharmonica erhebende Arien zu ſpielen; des Abends mußten die Stücke von lautem Geſange in vaterländiſcher Sprache begleitet werden.— Die Mannſchaft ſelbſt war an genaue Ordnung gebunden, durch die ſte bald umgewan— delt wurde, ſa daß ſich die Barabra nicht genug darüber verwundern konnten, wie denn ihre Bruder in der Schule der Franken ſo ganz anders geworden ſeyen. Ord— nung, Heiterkeit, brüderliche Eintracht herrſchte unter uns, ſo lange wir am Nile waren, und dieß trug nicht wenig dazu bei, daß wir weder den Einfluß des ſüdli— chen Klimas, der ſonſt auf andere Expeditionen verheerend wirkte, fühlten, noch am Heimweh litten.“ —(Fortſetzung folgt.) J NRom. Rom, 11. April. So eben kehre ich vom Petersplatze zurück und habe gewiß das großartigſte und erhabenſte Schauſpiel geſehen, das es auf Erden gibte die Benediction, die der heilige Vater, der Stellvertreter Chriſti, der Stadt und der Welt(UOrbi et Orbi) ertheilt. Aber wenn ich Ihnen dieſen hehren und heiligen Act beſchreiben ſoll, ſo muß ich geſtehen, daß ich noch nie in meinem Leben, ſelbſt nicht in Rom bei allen vorhergegangenen Feierlichkeiten, ſo tief gefühlt habe, wie ſchwach menſchliche Worte und wie matt und fahl die Schilderungen ſind, die man mit den— ſelben entwerfen ſoll. Denken Sie die ungeheure Menſchenmaſſe, die dem Hochamte, das der heilige Vater unter Aſſiſtenz aller Cardinäle und einer großen Zahl von Biſchöfen über den Gräbern der Apoſtelfürſten und unter der rieſigen Kuppel von St. Peter hielt, beigewohnt hatte, ſich aus den Thoren der größten Kirche der Welt drängen,— ſie findet den großen, von Colonnaden eingeſchloſſenen Petersplatz ſchon ganz gefüllt, und man ſtaunt, wenn man von den Treppen der Kirche die ungeheu⸗ —9 J —9 9 d 160 ren Schaaren von Menſchen bis in weiter Ferne überblickt. Mitten darunter ſieht man die päpſtlichen und franzöſiſchen Truppen mit ihren in der Sonne blitzenden Waffen; aus St. Peters weiten Hallen drängt immer noch die Maſſe ſich nach, und rings auf den Colonaden und Gebäuden ſind bis in höchſter Höhe alle Plätze, auf denen ein Menſch ſtehen kann, benutzt. Alle Zungen und alle Natianen ſind hier vertreten und während die klangvollen Glocken von St. Peter ertönen, harret Alles der Ankunft des Stellvertreters Chriſti, der von der Kirche in feierlichem Zuge auf die über der Vorhalle liegende Loggia getragen wird, entgegen. Große Ruhe und immer ſich ſteigernde Erwartung charakteriſirte die Haltung der Maſſen, und es war, wie es nach menſchlichen Vorſtellungen am jüngſten der Tage ſeyn muß, wo auch alle Zungen und Völker auf die Ankunft Eines harren werden, des Einen, den der jetzt Erwartete in ſichtbarer Weiſe auf Erden vertritt,— nur daß nicht Furcht und Schrecken ob des kommenden Gerichtes herrſchte, ſondern die Freude und Selig⸗ keit des Auferſtehungstages und der kommenden Segenſpendung des heiligen Vaters. Immer mehrere Biſchöfe und Cardinäle in ihren weißen Mitren zeigten ſich auf der Höhe und in der Umgebung der Loggia, endlich verſtummten die Glocken, man ſah den Baldachin, der hoch über dem heiligen Vater gehalten ward, in einem Nu ent— ſtand lautloſe Stille. Alle ohne Ausnahme entblößten die Häupter, und nun erſchien über der Brüſtung der Loggia auf ſeinem Thronſeſſel, auf dem er hoch über Alle getragen wurde, der Stellvertreter Chriſti, das Oberhaupt unſerer heiligen katholi⸗ ſchen Kirche, mit der dreifachen Krone auf dem Haupte. Sitzend noch auf dem Seſſel rief er in den bekannten Worten die Hilfe des Herrn, der allerſeligſten Jung— frau, der Apoſtelfürſten und aller Heiligen mit der kräftigen und wohltönenden Stimme, die Pius IX. auszeichnet und die bis in weiter Ferne hörbar iſt, an; dann erhob ſich der heilige Vater, ſtreckte die Hände hoch zu Himmel aus, und in dem Momente, da er die Segensworte ausſprach, fielen die ungeheuren Maſſen nieder, alles Militär ſenkte die blitzenden Waffen und ſank in die Kniee, von der Engels⸗ burg ertönte der Donner der Kanonen und alle Glocken von St. Peter und der heiligen Stadt verkündeten weithin den Augenblick der Segnung. Noch verlaſen zwel Cardinäle die Decrete des Ablaſſes, den der heilige Vater ertheilte, und der feierliche Zug verließ dann wieder die Loggia. Es dauerte mehrere Stunden, ehe in den nach St. Peter führenden Straßen das Gedränge der Wagen und zurückkehrenden Fuß— gäuger ein Ende nahm— Der klarſte Himmel begünſtigte die Feier, in der wirklich mehr als in jeder andern das Ueberirdiſche der Wuͤrde des heiligen Vaters und das Göttliche ſeiner Miſſion auf dem Erdboden zu Tage tritt. Breslan. Breslau, im April. Die nachſtehende Thatſache iſt uns zur Veröffentlichung im Kirchenblatt berichtet worden, und obgleich wir uns ſehr ſchwer dazu entſchließen konnten, ihr Glauben zu ſchenken und daher Anſtand genommen hatten, ſie zu berichten, können wir doch leider an ihrer Wahrheit keinen Zweifel mehr hegen und halten es demnach für Pflicht, im Intereſſe der guten Sache, welches wir allein im Auge haben, dieſelbe nicht zu verſchweigen. Eimnem hieſigen proteſtantiſchen Volksſchullehrer ſtarb vor Kurzem ſein einziges Kind. Um nun, wie er ſich ausdrückte, ſeiner betruͤbten Frau einen Erſatz zu geben, Ztaufte“ derſelbe(man ſagt in der Trunkenheit) ſeinen Hund und legte ihm den Namen ſeines verſtorbenen Vaters bei. Als Taufzeugen wurden das Dienſtmädchen und das gerade anweſende Milchmädchen zugezogen. Reun Tage darauf ereille den Hundetäufer ein plötzlicher unvorgeſehener Tod.(Schl..-.) ——— Verantwortlicher Redacteur: L. Schonchenu. Verlags-Jnhaber: F. C. Kremer. Zwölfter Jahrgang. Sonntags-Beiblatt bliurnti^'.l-l 5suu.i.'i'l'!>.'M ZIIU " .'^IIUN N'^chi!>mnu ni>!ll >»!,' Slul> ?ij s7i,ÄnSjvj»ni ,ZM Sgi«,d,niiZ ><«/s?ia 16^ 7>,>i» W' «!>tkS' nv» n^'jr.L n^iuiz ,y« üllkA im?n,piii,<»« in ZlA - »» IV^Q SZ. Mal ^V- -^-----—- Dieses Blatt erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der halbjährige Abounementsvreis kr., wofür e» durch alle königl. bayer. Postämter und alle Buchhandlungen bezogen werden kann Hermann v. Vieari, durch Gotteö Erbarmung und des heiligen apostolischen Stuhles Gnade Erzbischofvon Freiburg ic. :c. Allen BiSthumSangehörigen im Großhcrzogthum Baden Gruß und Segen von Gott dem Vater und Jesu Christo, unserm Herrn! Geliebteste! Mit dem Gefühle der tiefsten Wehmuth richte ich diese Hirtenworte an Euch, erfüllt von unsäglicher Trauer über den Conflict, der zwischen der Staats- und Kirchenbehörde in Folge deS von dieser angeordneten TrauergolteSdiensteS für den Höchstseligen Großherzog Leopold Königl. Hoheit entstanden ist. Das hehre Bild deS Höchstseligen Großherzogs steht im Glänze der hellstrahlenden Tugenden dieses Regenten, im Glänze der Güte, Liebe und Milde dieses wahren VaterS des Vaterlandes, Höchstwelchcr sein Volk so innig, so zärtlich, so edelmülhig geliebt, im Glänze der Bewährung bei den herbsten Heimsuchungen und Prüfungen, so höchst verehrungöwürdig vor meinen Augen, daß mein Herz vom heftigsten Schmerze ergriffen wird über die vielfältige Veikennung der Absicht, welche die Kirchenbehörde bei Anordnung der Traucrfeierlichkeit geleitet hat. Und ich sehe eS als meine heiligste Pflicht an, meinen geliebten Diöcesanen klaren Aufschluß über den Thalbestand zu ertheilen, um so mehr, da in öffentlichen Blättern der Vorfall in einer Weise besprochen wird, die nur geeignet ist, Mißtrauen gegen den Oderhirten, feindselige Gesinnung gegen die katholische Kirche, Verdächtigungen der Katholiken hervorzurufen und zu Pflegen. Warum wurde — so lautet die Frage — zur Trauerfeicrlichkeit deS Höchstseligen GroßherzogS K. H. kein Seelenamt angeordnet? Geliebleste! vor Gott betheuere ich Euch, daß dazu einzig und allein meine Pflicht mich bewog, die mir, als katholischem Bischof, obliegt, den TrauergotteS- dienst nach den Vorschriften der katholischen Kirche, nach den Ansprüchen deö heiligen Stuhles, mit dem ich durch das heilige Band deS Gehorsams verbunden bin, anzuordnen. Offenbar steht eS nur der Kirche zu, Bestimmungen über gottcsdienst- liche Handlungen zu treffen, und zu entscheiden, wann das heilige Meßopfer dargebracht werden dürfe, wann nicht, und eS kann in diesem Puncte der katholischen Kirche gewiß nicht weniger Freiheit vergönnt seyn, als den Confessionen und Reli- gionögesellschaflen, die ja bei Anordnung gottesdicnstlicher Feierlichkeiten einzig und allein von ihren Grundsätzen sich leiten lassen. ES ist nun aber Vorschrift der kalbo- lischen Kirche, daß das heilige Meßopfer für keinen Verstorbenen dargebracht werden dürfe, der nicht in der Gemeinschaft der Kirche dahingeschieden, weil offen nur der Anspruch auf daö Opfer der Kirche hat, welcher ein Glied der Kirche gewesen, wie .ynnh7(!kE6^t1!?AH> an den Gütern der Familie eben nur die Glieder der Familie Antheil nehmen. Ist man in frühern Fällen von dieser Vorschrift abgewichen-, so folgt daraus nicht, daß man immer abweichen müsse. Die ein-, zwei-, drei- und mehrmalige Uebertretung einer Vorschrift hebt dieselbe keineswegs auf, insbesondere wenn sie aufs Neue eingeschärft wird, wie dieß in vorliegendem Falle vor einigen Jahren von Seiten deS heiligen Stuhles geschehen ist, wobei der heilige Stuhl auSsprach, daß für alle Verstorbene die heilige Messe zu lesen in solchen Fällen eine Täuschung veS gläubigen Volkes sey, was der Kirche unwürdig ist. Unser Höchstseliger Großherzog Leopold K. H. bekannte Sich zur evangelisch, protestantischen Konfession bis zum Enhe des Lebens. Seine K. H. konnten deßhalb nicht durch Abhaltung eines Seelenamtes zu den Gliedern der katholischen Kirche gerechnet werden. Ein ganz anderes Verhältniß ist eS, so lange der Landesregent noch lebt. Da werden allerdings, auch wenn derselbe nicht der katholischen Kirche angehört, bei besondern Veranlassungen, z. B. bei dem Regierungsantritt, dem hohen Namenöfeste u. f. w., Meßopfer durch Anordnung der Kirche dargebracht, allein in diesen Fällen wird der Regent aufgefaßt als der von Gott gesetzte Herrscher deS Staates, und von Gott ihm durch Darbringung deö heiligen Opfers erfleht die zur segensreichen Vollführung seines höchstwichtigen und höchsteinflußreichen AmteS nothwendigen Gaben. Oder eS wird dem Allerhöchsten gedankt für die Wohlthaten, die Er durch den LandeSvater dem Volke erwiesen, oder eS wird das Dankopfer dargebracht für besonders erfreuliche Ereignisse, wie z. B. für die Geburt eines KronpriN- zen, für die Wiedergenesung eines erkrankten Regenten, für die Beseitigung drohender Gefahren, wie ich auch nach Bewältigung der Revolution und nach Wiedereinsetzung der rechtmäßigen Regierung ein feierliches Amt zur Zeit angeordnet habe. Nach dem Tode eines nicht katholischen Regenten kann nur dann ein heiliges Meßopfer dargebracht werden, wenn sich dasselbe bezieht auf die Segnungen und Wohlthaten, die Gott durch seine Regierung dem Volke erwiesen, also wenn ee> ein Lob- und Dankamt ist, welches aber bei einem Trauergottesdienst zu feiern offenbar nicht angeht. DaS religiöse Bekenntniß kommt in solchen Fällen gar nicht in Betracht. Anders verhält eS sich, wenn für den Verblichenen ein Seelenamt soll gehalten werden. Ein Seelenamt kann die Kirche nicht mehr für ihn als Regenten feiern, sondern eS bezieht sich einzig und aNein auf seine Person. Der Dahingeschiedene erscheint nunmehr als Mitglied seiner Konfession. Für ihn nach seinem Tode ein Seelenopfer darbringen, hieße thatsächlich auSsprechen, daß Er Glied der katholischen Kirche gewesen, daß Er in der Gemeinschaft der Kirche gestorben, welche an die Wirksamkeit deS heiligen Meßopfers für die Verstorbenen und an den ReinigungSort glaubt. Darf die Kirche thatsächlich irgend Jemanden zu ihren Gliedern zählen, der eS nicht gewesen? Gewiß nicht! Die Kirche achtet höher die Freiheit der Gewissen. Es ist demnach die Versagung eineö Seelenamteö bei der Trauerfeier eines Protestanten etwas ganz Natürliches und Vernünftiges, insbesondere wenn wir die Lehre deS Protestantismus näher inS Auge fassen. Dieser Lehre gemäß ist die katholische Kirche im Irrthum, daß sie daS heilige Abendmahl als ein Opfer auffaßt, daß sie glaubt an den in der Eucharistie wahrhaft, wesentlich und wirklich gegenwärtigen Gottmenschen, der sich dem Vater für unS aufopfert, ja der Protestantismus macht der Kirche den Vorwurf, als entziehe sie durch die Lehre von der Messe dem Kreu- zeSopfer die Kraft und Bedeutung; noch andere weit härtere Aeußerungen fallen über die katholische Kirche wegen ihrer Lehre vom heiligen Meßopfer. Einem Protestanten, der^mit Ueberzeugung seiner Konfession zugethan ist, kann höchstens die Meßfeier als eine in die Sinne fallende Ceremonie erscheinen, gegen welche Auffassung die Kirche ihr heiligstes Opfer zu bewahren und zu beschützen verpflichtet ist, und nicht kann sie zugeben, daß man von ihrer heiligsten Handlung Gebrauch macht, um nur eine pomphafte Feierlichkeit zu veranstalten oder eine musicalische Produktion aufzuführen. Nein! der Katholik beugt sich in tiefer Anbetung vor dem Gottmenschen, der im Reichthum seiner Liebe und Gnade unblutigerweise Sich zum Heile der Welt hinopfert, wie 163 Er Sich blutigerweise am Kreuze dargebracht, Er, der einzige Mittler zwischen Gott und den Menschen (1. Tim. 2, 5. 6), und der ewige Hohepriester nach der Ord, nung MelchisedechS (Ps. 109, 4. Hebr. 7, 17). Um so weniger aber erscheint das heilige Meßopfer für einen verstorbenen Protestanten zulässig, da eS ja nach der Lehre deS Protestantismus über den Zustand der Seele Jenseits völlig werth' und zwecklos ist. Die protestantische Lehre nimmt an, daß die Seele nach dem Tode entweder sogleich in den Himmel, oder in die Hölle kömmt. In keinem Falle bedarf cS einer Fürbitte für den Verstorbenen, eines SühnopferS. Ist die Seele im Himmel, nun so ist sie in Gott ewig selig, bedarf also keiner weitern Reinigung; ist sie in der Hölle, nun, so ist für sie keine Erlösung zu hoffen und die Fürbitte erscheint nutzlos. Wozu also in diesem oder jenem Falle ein Versöhnungsopfer? Anders erscheint die Sache nach der Lehre der katholischen Kirche. Sie lehrt im Einklang mit der göttlichen Offenbarung und den Anforderungen der menschlichen Vernunft und deS menschlichen Gefühles, daß viele Seelen beim Tode noch nicht so rein sind, um sogleich Gott von Angesicht zu Angesicht zu schauen, und mit dem Allerheiligsten in die innigste Gemeinschaft zu treten, aber auch nicht in einem solchen Zustande sich befinden , um ewig verdammt zu werden; nein, die katholische Kirche verkündet unS die tröstliche Botschaft, daß eS nicht nur einen Himmel gebe, in den nichts Unreines eingehen kann (Offenb. 2l, 27), nicht nur eine Hölle, deren Strafen ewig währen (Matth. 25. 41.46. Mark, 9, 42—47. Luk. 3, 17. und a. a. O.), sondern auch einen Mittelzustand, einen ReinigungSort, in den solche Seelen kommen, die zwar in der Gnade Gottes sterben, aber noch nicht vollkommen gereinigt und geläutert sind. Für solche Verstorbene zu beten und zu opfern ist der Kirche ein heiliger, ein heilsamer Gedanke, damit "sie von ihren Sünden erlöst werden (2. Makk. 12, 43—46), erlöst aus jenem Orte, welchem die Seele nicht entrinnt, bis der letzte Heller bezahlt ist (Matth. 5, 25. 26), aus welchem sie aber wird selig werden, jedoch - so wie durch Feuer (l. Cor, 3, 13—15). Mit dieser Lehre vom Reinigungsorte hängt die Lehre vou der Fürbitte, von der Darbringung deö heiligen OpferS für die Verstorbenen auf das innigste zusammen, ohne sie hat wahrlich daS Opfer keine Bedeutung, eS ist werth« und zwecklos, und im Falle der Darbringung erschiene eS wiederum alS eine bloße äußerliche, ceremonielle Handlung. O tadle man doch die Kirche nicht, die ihr Heiligstes gegen jede Profanalion zn schützen sucht. Ihr sind die Gnadenschätze der Erlösung als eine kostbare Hinterlage anvertraut; ihre Bischöfe und Priester sind die verantwortlichen Verwalter und Spender der HeilSgeheimnissc, sie sind die Diener deS Herrn, der ihnen die Talente anvertraut, und einstenS strenge Rechenschaft fordern wird über deren Verwaltung. Achte man doch eine Kirche, die sich von solchen Gedanken leiten läßt, und die nicht in weltlicher Klugheit, in menschlicher Berechnung etwaiger übler Folgen, auS Furcht, bei der Welt anzustoßen, und bei den Großen der Erde einzubüßen, daS Allcrheiligste zu einem Zwecke gebraucht, zu welchem eS ihr von dem Urheber aller Gnade nicht anvertraut ist. Erkenne man doch gerade a»S solchem Auftreten der Kirche, daß ein höherer Geist sie belebt, daß sie auf tieferem Fundament ruht, als auf menschlicher Kraft und Stütze, und erblicke man in ihr die Stellvertreterin Jesu Christi, bei dem kein Ansehen der Person gilt, und bei dem in solchen Fällen der Mächtigste auf Erden nicht mehr ist, denn der Niedrigste. Keineswegs aber spricht die Kirche durch die Versagung deS Meßopfers über die geschiedene Seele ein Urtheil: dieses steht ja einzig und allein Gott dem Allerhöchsten zu. Beschuldige man deßhalb doch ja nicht die Kirche deS Mangels an Liebe! Wurde aber durch den angeordneten TrauergotteSdienst ohne Seelenamt daS Andenken an den Höchstseligen Großhcrzog Leopold K. H., deS von mir und allen treuen Katholiken stets mit tiefster Ehrfurcht verehrten, mit innigster Liebe geliebten, und' nun mit größtem Schmerz betrauerten LandeSvaterS, — nicht würdig, nicht ehrenvoll und entsprechend gefeiert? Eine unbefangene, vorurtheilöfreie Würdigung der kirchenobrigkeitlichen Anordnung wird gewiß jeden überzeugen, daß jedenfalls die in den katholischen Kirchen 164 angeordnete Feierlichkeit nicht übertroffen wurde von der in den evangelisch-protestantischen Kirchen angeordneten. Wozu also die Verdächtigung der katholischen Kirche; wozu die Zweifel an der Loyalität der Katholiken, wozu die lieblose Annahme, als habe Mangel an Hochschätzung und Liebe gegen den hohen Verblichenen, oder Rücksichten auf obschwebende kirchlich-politische Fragen die Kirchenbehörde bei ihrer Anordnung geleitet? Geliebteste! ich sage es Euch offen und unumwunden, eS hat die Verkcnnung meiner reinen Absicht meinem Herzen eine tiefe Wunde geschlagen, da daS Bewußtseyn unerschütterlicher Treue gegen unser erhabenes Fürstenhaus in meiner Brust lebt, da ich thatsächlich bewiesen, daß ich lieber mein Leben geopfert, als daß ich in jenen verhängnißvollen Tagen der Revolution auch nur einen Augenblick gewankt hätte in meiner beschwornen Anhänglichkeit und Liebe zum Höchstseligen Großherzoge Leopolv K. H.! Solche Verkcnnung thut mir wehe, auch um Euretwillen, Geliebteste, weil man so schnell geneigt ist, die treuen Kinder der Kirche deS Mangels an Loyalität und Gehorsam gegen die Obrigkeit zu beschuldigen; welche Beschuldigungen oft von solchen ausgehen, die keine Probe opferwilliger Liebe zu ihrem Fürsten abgelegt, ja die vielleicht schnöde und undankbar ihn verlassen zur Zeit der Prüfung. Geliebteste! Thut solche Verkennung wehe, —^ nun so tragen wir sie doch geduldig, eingedenk unsers Herrn und Erlösers, der, wiewohl Er offen gelehrt, Gott zu geben, waS Gottes ist, dem Kaiser zu geben, waS deS Kaisers ist, dennoch als ein Empörer und Volksaufwiegler ist verurtheilt, und, wiewohl der Gehorsamste und Sanstmüthigste, anS Kreuz geheftet worden. Folgen wir dem Beispiel Jesu Christi, beladen mit dem Kreuz des HohueS und deS Spottes, beten wir für die, die uns lästern, und beweisen wir durch die That, daß wir fest und unerschütterlich glauben: von dem Herrn ist dem Herrscher gegeben die Herrschaft, und die Macht von dem Allerhöchsten (WeiSh. 6, 4), eS gibt keine Gewalt außer von Gott, die, welche besteht, ist von Gott angeordnet; der, welcher sich ihr widersetzt, widersetzt sich den Anordnungen Gottes und zieht sich die Verdammniß zu (Rom. l3, 1. 2). Gehorchen wir in Allem, was nicht dem göttlichen Gesetze widerstreitet — der Obrigkeit, nW als Augendiener, sondern als Diener Christi, die den Willen thun von Herzen, und mit gutem Willen dienen (Ephes. 5, 5—7); erfüllen wir gegen Seine Königl. Hoheit den durchlauchtigsten, gnädigsten Regenten Friedrich die Unterthanen-- Pflichten auf daS Genaueste, „nicht nur um der Strafe willen, sondern auch um deS Gewissens willen" (Röm. 13), und verrichten wir „Bitten, Gebete, Fürbitten, Danksagungen" für alle Obrigkeiten, damit wir ein ruhiges und stilles Leben führen mögen in aller Gottseligkeit und Ehrbarkeit. Denn dieses ist gut und wohlgefällig vor Gott unserm Heilande (I.Tim. 2, i—3). Und um diesem Mahnruf des heiligen Geistes nachzukommen, verordne ich, daß in allen Pfarrkirchen der Erzdiöcese Freiburg, badischen Antheils, am 2. Juni dieses JahrS ein feierliches Amt cl« S8. Irinitste abgehalten werde als Dankopfer für alle Segnungen und Wohlthaten, die Gott dem Baterlande und dem Volke durch den Höchstseligen Großbcrzog Leopolv K. H. erwiesen hat, und als Bittopfer, auf daß der Allerhöchste unsern durchlauchtigsten und gnädigsten Regenten Friedrich segne, unter Seine Obhut nehme und ausrüste mit den zur segensreichen Regierung deS badischen Volkes nothwendigen Gaben. — Die Gnade Jesu Christi sey mit Euch Allen. Dieser Hirtenbrief ist von den hochwürdigsten Seelsorgern am sechsten Sonntag nach Ostern oder am Pfingstmontag den Gläubigen von der Kanzel zu verkünden und ich verpflichte die Seelsorger in ihrem Gewissen, ihn seinem ganzen Inhalte nach vorzulesen. --,!,« tch-m^tz? niWi >im »pst uMo-MÄ, »-smii Frei bürg, am Tage deS heiligen Gregor von Nazianz, den 9. Mai 1852. f Hermann, >" - Erzbischof von Freiburg. N'. lniK mOilsM? n?S in -i^ tzii« itU l ijj ' '. 'n)gv»z!>i!unij'/M^jI lim ,nn>ss! ,l,»mo1i. nsti (Fortsetzung.) In KoroSko mußten die Gefährten sich theilen; die Stolla mstutina sollte zu Wasser nach Chartum, aber bei dessen niederm Stanv ohne Gepäck; tieseö mußte unter Begleitung des größern Theils deS Missionspersonals die Wanderung durch die Wüste antreten. Daher wurde die ganze Befrachtung ungesäumt ans Ufer gebracht, und am 20. November, einen Monat und zwei Tage nach der Abreise von Kairo, stand daS Schiff bereit zu der kühnen Fahrt durch die mittlern Katarakte. Die Trennung fiel beiden Theilen schwer; den Provicar rief die Pflicht als Führer Derjenigen, die den Wüstenweg betreten sollten; die Stells matutina wurde der Obhut deö Missionsgefährten Johann Rociancik anvertraut. In dem Lager herrschte nun daS regste Getriebe und Gewimmel. Die Araber aus dem Stamme der Abavbe kamen mit ihren Kameelen, die Kisten wurden abgewogen, weil von manchen daS Gewicht zu groß war, neue gezimmert, singend durch die Araber auö Palmenfasern Stricke zum Festbinden der Kameellnsten gedreht, am Ufer die Wasserschläuche gefüllt. Auch die beiven Franzosen auö Assuan trafen ein. Am 24. November konnten die Kameele bepackt werden, der 25, war der Abfertigung der Korrespondenzen nach Egypten uno Europa gewidmet. Zu dem Gepäcke von 300 Centnern waren 60 Lastkameele erforderlich, für die Personen 12 Reitkameelc, 10 trugen 77 Schläuche und zwei Fässer mit Wasser, die Franzosen bedurften 24 Thiere. Für den Centncr waren 22'/z Piaster (der Piaster — 6 Kr. C.-M.). für jedes andere Kameel 90 Piaster zu entrichte». Mit der Ausgabe für die Wasserschläuche und für 12 Centner Stricke stiegen die Reisekosten von KoroSko bis Berber auf 1000 Fl. C.-M. Mit Anbruch des 26. Novembers weck, tcn die tiefen Gurgeltöne der Kameele aus dem kurzen Schlaf. Noch ein Blick auf den blauen Wasserspiegel deS NllS, auf daS schöne Grün, welches seine Ufer um- säumt, und fort wendeten sich die Ziehenden durch einen Engpaß gegen daS dunkel- gefärbte Gebirge zu der Karawane, wo unter lärmendem Geschrei Alleö noch mit dem Aufladen beschäftigt war. Erst nach neun Uhr entfaltete sich aus dem Gewirre der lange Zug der Carawaue. Die Reisenden hatten ihre europäischen Gewänder abgelegt, in die malerische Tracht der Orientalen sich gekleidet. Die Neiterschaar eröffnete den Zug; ihr folgten die Thiere mit der wandernden Küche, dann diejenigen mit den Brennmaterialien und dem kostbaren Schatz der 77 Schläuche, von dem treucsten schwarzen Diener scharf bewacht; hierauf kamen in fünf Abtheilungen die übrigen, bei jeder Abtheilung fünf bis zehn Treiber zu Fuß. Die Straße gleicht einen, brachliegenden Ackerlande von sandigem mit Kieseln gemengten Boden. Der erste Tag führte durch ein Längelhal, welches zwischen dürren Steinmassen von schwarzgebranntem Anstriche ohne die mindeste Spur von Vegetation sich durchwindet. Nur an den Fußtritten der Hyänen konnte eine schwache Spur des Lebenvigcn erkannt werden. Am Mittag prallten von den nahen Felsen und von dem Sand zu den Füßen die glühenden Sonnenstrahlen zurück. Bei Sonnenuntergang setzte sich der Carawanensührer mitten auf den Weg nieder und gab damit daS Zeichen, daS Ziel der ersten Tagereise sey erreicht. AlSbald kauerten auch die Thiere nieder, die Reiter stiegen ab; Jeder nahm seinen Teppich unv waS er an dem Sattel führte, und im Äreise lagerten Alle, die Schläuche wurden auf Strohmatten gelegr, damit durch den heißen Sand daö Wasser nicht verdunste. In kleiner Entfernung wurde der Herd für die Küche ausgegraben. In weiteren Kreisen lagerten sich gruppenweise auch die Nachkommenden. Indeß die schwarzen Köche daS Feuer schürten, um 'die ersehnte Mahlzeit zu bereiten, wurde in der Mitte deS Lagers der Felvtisch aufgeschlagen, die Lampe angezündet, die Stühle zurechtgestellt und theils geschrieben, theils gelesen, theils der Rückstand deS OfficiumS nachgeholt. Auch unter den Gruppen der Araber glühten Feuer, über dem sie jeden Abend ihr Brod, die einzige Nahrung auf dem Zuge, backen. Als die Trompete die Vollendung deö Mahles 166 verkündete, gewannen auch Diejenigen, welche deS Morgens in banger Besorgniß ihre Kameele bestiegen hatten, mit der Ueberzeugung, daß selbst in der Wüste Hunger und Durst könne gestillt werden, frischen Muth. Gesättigt uud heiter begaben sich nun Alle auf ihre Lagerstätten bei dem Sandwirth. Noch waren deS kommenden Morgens die Sterne an dem heitern Himmel nicht verglommen, als dreifacher Trompetenschall die Schläfer wachrief. Der Kaffee wurde bereitet, jedem Thier seine Last wieder aufgelegt, in einer halben Stunde war der lauge Zug von Neuem in Bewegung. Die Gegend erzeigte sich bald schauerlich und wilv, bald lieblich, in wie weit bei dem Mangel an aller Vegetation dieser AuSdruck sich anwenden läßt. Zuweilen verengte sich daS Längenihal zu einem zwischen schroff aufsteigenden Felsen in mannigfaltigen Krümmungen sich dahin windenden Gebirgspässe, wo der ganze Zug, Mann für Mann und Kamee! für Kameel, in unabsehbarer Reihe nur einzeln daherschreiten konnte. Bald mußten die beladenen Thiere Schritt für Schritt die unebenen Steine sorgfällig und prüfend bemessen, bald über die mit Sandverwehun- gen ausgefüllten Schluchteu und jähen Abgründe, bis an die Knie einsinkend, durch den weichen Sand mühsam in den Thalgrund Hinabwaden. AIS die Sonne dem Meridian sich näherte, wurde wieder Halt gemacht; denn gewöhnlich wird während der heißesten Tageszeit einige Stunden gerastet. Die Missionäre schlugen ihr Zelt auf, um im Schatten desselben, während das Mahl bereitet wurde, zu lesen oder zu schreibe». Um drei Uhr Nachmittags ging es weiter. So jeden Tag. Doch gelangten sie am Nachmittag deS drillen in ein malerisches Mimosenthal, am Abend in ein Palmenthal, am vierten zum Bir-Murad, wo die durstigen Kameele mit vollen Zügen an dem gelbgrüuen Wasser einer Cisterne sich labten. Am i. Dezember legten die Missionäre in einem langen höchst ermüdenden Engpasse die letzte Gebirgsgegend der Kubischen Wüste zurück und konnten erst um Millernacht in einem tiefen Kesselthale ihr Lager aufschlagen. Noch zwei Tage führte der Weg durch eine ungeheure, gleich dem Meer uferlose Ebene. In tiefer Nacht deS 3. Decembers näherte er sich wieder dem Nile, um aufs Neue die beinahe leer gewordenen Schläuche füllen zu können. Zum letzten Mal weckre am 4. die Trompete zum Ausbruch. Bald kamen wieder Dumpalmen zum Vorschein, der blaue Nil schlängelte sich durch die Ebene, die Gefährten stimmten einen Lobgesang an, dem Herrn zu Ehren, der sie wohlbehalten durch die Wüste geleitet hatte. Der Häuptling von Avu-Hamed wies ihnen eine Wohnung von Lehm, durch Baumstämme gestützt, dicht an dem NileSufer an. Der 4. und 5. waren Rasttage. Am 6. Nachmittags brach die Carawane wieder auf, immer längs deS NileS, theils an Ortschaften und Saatfeldern vorbei, theils über Sand- und Steinflächen, die mit Gebüsch und kleinen Bäume» nur kümmerlich bepflanzt sind. Rauhe Nordwinde wehten durch das Nilthal und erinnerten mit den dichten Sandnebeln, die sie veranlaßten, an die winterlichen Schneegestöber der Heimath. Oft hielt sich der Thermometer kaum 7° über Null; man mußte sich tief in die Mäntel hüllen, und die Carawane glich mehr ! einem Transport durch die Eisgefilve Sibiriens, als einer Erpedition in dem afrikanischen Tropenlande. DeS Nachts mußte nian sich um große Feuer lagern, durch umhergestellte Kisten und Reisesäcke sichern, und trotz dessen fanden sich bei dem Erwachen gewöhnlich Alle mit Sand überschüttet. Die leichtgekleideten Araber klapperten mit den Zähnen und waren kaum »ach Sonnenaufgang zum Aufbruche zu bewegen. Hätten Wind und Kälte in der Wüste sich eingestellt, so würde manches Kameel erjcgen, manche Kiste am Wege zurückgeblieben seyn. -nns^Da es hier weder an Lebensrnitteln (die Jagd lieferte wilde Gänse und Gazellen), noch an Wasser fehlte, durfte der Zug langsamer vorwärts gehen. Der freundliche Mudir von Berber, Ali-Hassth-Bey, sandte aus j.vei Tagcmärsche weit einen Cour- rier entgegen, um die Missionäre zu ihrer Ausunft zu bewillkommnen. Am 12. Nachmittags hielten sie unter Trompetenschall ihren feierlichen Einzug in Berber, wo sie, sammt all ihrem Gepäcke, der Gouverneur in seine eigene Wohnung aufnahm. Er schenkte ihnen während deS kurzen Aufenthall.'S jede freie Stunde, lud sie an seinen 167 Tisch, oder fand bei dem ihrigen sich ein. Er verschaffte ihnen zwei Schiffe zur Fahrt nach Charlum und versprach bei der Abreise, in kurzer Frist selbst dahin kommen zu wollen. >i „zu ?>'i-,m l-nnn! >7^ lnluKZ »"Wl öuo ljUii^IirlMMM Wildnis zchslvs Sn^l gum Sll^-nH ljliu S'-sinG g„uiIi!lS!i» >c diWtivmM l siÄ sllslT ins,^ no itnu tiiiil.!! Einige Bemerkungen über ein Hauptgebrecheu unserer Zeit. Man klagt jetzt allgemein über die rasche Zunahme deS Proletariats und über die steigende Anzahl der auS demselben hervorgehenden verwahrlosten Kinder und jugendlichen Verbrecher. Ich frage aber: tvaS würde auS den verzogenen, jedeS religiösen HaltS entbehrenden Kindern gebildeter und wohlhabender Familien werden, wenn sie in die elende, schutzlose Lage jener unglücklichen Geschöpfe versetzt werden? Kommen unter den sorgfältig gehüteten und wohlgepflegten Kindern der höhern Alande nicht genug Diebftähle, Betrügereien und Schlechtigkeiten aller Art vor, von denen keine Kriminalbehörde etwas erfährt? — Ich wünschte, den Lesern eine genaue Statistik der verheimlichten Verbrechen dieser Kategorie aus Schule und HauS vorlegen zu können; sie würden über die große Zahl derselben in Entsetzen gerathen und sich überzeugen, daß daS Verderben in weit schlimmerer Weise in den sogena-nn- ten gebildeten, oder vielmehr verbildeten Schichten, als in den niedern Elasten deS Volkes wuchert, und daß jene die gefährlichsten Pflanzstätten deS Proletariats sind, nicht deS ehrenwerthen Proletariats, welches im Schweiße deS Angesichts sein sauer erworbenes Brod dankbar genießt uud welches sein Elend bis zum Tode mit Ergebung erträgt, weil eS in seinem Glauben eine unversiegliche Quelle des Trostes, besitzt, sondern jener Hefe deS Proletariats, welche auS verdorbenen Beamten, herabgekom» inenen Speculanten, gelehrten Schuften und raisonnirenven Faullcnzern zusammengesetzt ist und welche die Quintessenz alleö Schlechten in sich enthält. Gott behüte unS davor, daß durch eine neue Umwälzung die Mittel deS Genusses in den sogenannten gebildeten Volksclassen gänzlich vernichtet und die schwachen Schranken, welche der Anstand, die Ehre und daS Gesetz unserer genußsüchtigen religionslosen Jugend noch entgegenstellen, umgestürzt werden! Wir würden dann mit Schrecken sehen, in welchen Abgrund des Verderbens unsere Jugend durch eine verkehrte Erziehung unv durch die falsche Richtung deS Unterrichts gestürzt worden ist. — DaS Princip deS Unterrichts auf unsern höhern Schulen, welche ich hier zunächst ins Auge fassen will, ist aber ein falsches, weil daS Wissen auf Kosten deS Glaubens, die Vielseitigkeit auf Kosten der Gründlichkeit, die Verstandesschärfe auf Kosten der H-rzenSeinfalt ^ ausgebildet wird. Alles kritisiren, Nichts auf bloße Auctorität annehmen, Alles beweisen — das ist das Axiom unserer modernen Schulweisheit! Wir lassen unS dieß auf denjenigen Gebieten des Wissens gefallen, welche der menschliche Geist vollkommen beherrscht, und in dem Alter, wo der Geist zu solcher Prüfung gereift und mit genügender Widerstandskraft ausgerüstet ist; wir müssen aber für die heranreifende Jugend dieses Princip der einseitigen VerstandeS- vildung als höchst gefährlich und verderblich erklären. Denn auf diesem Wege wird schon in der Seele deS KinveS die Zweifelsucht erweckt, uud eS wird hierdurch sehr bald der aus dem Elternhause zuweilm noch mitgebrachte Keim des kindlichen Glaubens, der künftighin als festgewurzelte religiöse Ueberzeugung dem Jünglinge und Manne in den Gefahren und Stürmen des Lebens Rettung , Halt und Trost gewähren soll, völlig zerstört. — Es.ist wahr, unsere Knaben von vierzehn Jahren wissen mehr, als früher Erwachsene wußten, sie sprechen über Dinge ab, an welche sonst das Alter nur mit Ehrfurcht heranzutreten wagte; aber wo sind die durch unsere modernen StaatSschuIen vorgebildete» großen Helden und Staatsmänner, welche auf die Geschicke der neuern Zeit mit schöpferischer Kraft eingewirkt haben? — Darf man sich aber wundern, daß auS unserer Schuldressur und EraminationS, tortur so äußerst wenige thatkräftige Männer und so viele gesinnungslose Wetter- > 168 sahnen hervorgehen? AuS einer solchen vom Leben abgelösten Treibhausblüthe deS Wissens kann sich unmöglich eine gesunde kräftige Frucht entwickeln. Soll nun diesem immer mehr um sich greifenden Uebel gesteuert werden, so muß daS falsche Princip der einseitigen Verstandesbildung aus unsern Schulen ver« bannt und an dessen Stelle die harmonische Ausbildung deS Geistes und Herzens, welche allein die mit der Religion verbundene Wissenschaft gewährt, zum einzigen Ziele der Schule gemacht werden. Die Religion muß nicht auf ein paar magere Stunden beschränkt werden, ihr warmer belebender Odem muß vielmehr, so weit als möglich, alle Zweige des Unterrichts durchdringen und sie muß in viel tieferer und gründlicherer Auffassung, als bisher, dem so empfänglichen jugendlichen Geiste dargeboten werden. Dazu gehört, daß die Lehrer wahrhaft religiöse, durch Schule und Leben gleichmäßig ausgebildete, für ihren Beruf begeisterte Männer sind, daß sie in einem Sinne handeln und einem Ziele nachstreben, und daß ihr Geist nicht von den Sorgen deS häuslichen Lebens niedergedrückt, ihr Eifer nicht durch tausend Rücksichten gelähmt und ihre Wirksamkeit nicht von dem Gange und der Laune der großen StaalSmaschine abhängig ist. Kurz: die Schulen müssen, wenn nicht die Gottlosigkeit und sittliche Verkommenheit immer mehr überHand nehmen soll, in die Hände der Kirche zurückgegeben werden, und eS ist hohe Zeit, daß die Kirche diesem dringendsten aller Bedürfnisse Abhilfe schafft. (Schl. Krchbl.) .ini! hll.i-tt.,.!-n!L« S?S n,ttvst,tivslP „»ückimiri^b "5 5«n >>r-'i ü,?u ,„,chtl,P mtM.«mn!^jQ.'^tU^'n^ui' ,!^!il.it<) «j d, liz«, .Ulknt,» d"U'>i Die Väter der Gesellschaft Jesu fangen an, im nördlichen Deutschland wieder festen Fuß zu fassen. Daß sie bereits seit zwei Jahren in Münster ein Noviziat errichtet haben, wird Ihnen nicht unbekannt seyn; diesen Herbst werden sie nun auch in Pad er born einziehen und daselbst ein Scholastikat für die Provinz Deutschland errichte«. Die Mittel zu dieser neuen Anstalt, worin die Novizen nach überstandener Probezeit ihre philosophischen und theologischen Studien absolviren, sind durch freiwillige Subscriplionen in Paderborn und der Umgegend aufgebracht worden. AIS am Ende vorigen JahreS in Paderborn durch drei Väter der Gesellschaft eine Mission gehalten wurde, erwachte bei den Einwohnern der genannren Stadt die Liebe und Verehrung gegen den berühmten Orden wieder in so hohem Grade, daß Alle der sehnliche Wunsch erfüllte, wieder einige Mitglieder desselben in ihrer Mitte zu haben. Paderborn verdankt den Jesuiten vorzüglich seine Erhaltung im kath. Glauben zur Zeit der Reformation, und bis Ende deS vorigen Jahrhunderts besaßen dieselben hier ein blühendes Collegium. AIS nach Beendigung der Mission die Aussicht eröffnet wurde, daß der Wunsch der Einwohner wohl erfüllt werden könne, wenn nur die erforderlichen Mittel zum Ankauf oder zur Anmicthung eineS-passenden Gebäudes beschafft würden, unternahmen eö einige wenige Männer, meist Laien auS dem Beamtenstande, durch Sammlungen von Suscriptionen die erforderliche Summe aufzubringen. Ju wenigen Wochen war eine Summe von 10,000 Gulden gezeichnet und zwar größten» theils in Paderborn selbst, einer Stadt von ungefähr neuntausend Einwohnern; arme Dienstmägde brachten unter sich allein eine Summe von 100 Gulden zusammen. Die kath. Adeligen in der Nachbarschaft schlössen sich freudig dem schönen Unternehmen an; der edle Graf v. B. zeichnete sofort als der erste 100 Gulden, und eS ist gewisse Aussicht vorhanden, daß seine StandeSgenossen dem schönen Beispiele nacheifern werden. So ist eS denn in diesen Tagen möglich geworden, eines der schönsten und größten Häuser der Stadt für die Väter der Gesellschaft Jesu zu miethen, und im October werden dieselben einziehen. Daß solche Unternehmungen von Seiten der Negierung nicht die geringsten Hindernisse erfahren, erkennen die kath. Unterthanen PrenßenS mit Dank an, und schreiben es mit Recht dem wohlwollenden und gerechten Sinne Sr. Majestät deS Köni gs zu. (Salzb. K rchbl.) Aeraatwvrtlicher Redacteur: L. Schöucheu. Verlags-Jnhaber: F. C. Kremer. Zwölfter Jahrgang. Sonntags-Beiblatt zur Augsburger PostMtung. 30. Mai 22. ^852. Dieses Blatt erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der halbjährige Abonnementspreis 4V kr., wofür es durch alle kömgl. bayer. Postämter und alle Buchhandlungen bezogen werden kann- Aechte Toleranz. Der bekannte amerikanische Romandichter Cooper, der gewiß weit davon entfernt ist, in seinen Grundsätzen und Anschauungen katholisch zu seyn, gibt gleichwohl ein beachtenswerthes und nachahmungswürdiges Beispiel wahrer Toleranz in mehreren Briefen, in welchen er sich über seinen Aufenthalt in Rom ausspricht. ES ist nöthig, von solchen Dingen Act zu nehmen, damit die deutschen Schöngeister an ihnen sich spiegeln können, und weil sie ein neuer Beweis für die Thalsache sind, daß die katholische Kirche vom wahren Genie selten etwas zu fürchten hat. In dem Werke das den Titel „Italien" führt, kommen unter Andern, folgende merkwürdige Stellen vor: „Gelegentlich habe ich mich überzeugt, daß man in Rom ziemlich zuversichtliche Hoffnungen nährt rücksichtlich der Fortschritte der katholischen Religion und folglich deS zunehmenden römischen Einflusses in unserm Vaterlandc. Wenn die Römer dieß bewirken können, so habe ich nichts dagegen; denn allen religiösen Ansichten muß meiner Meinung nach freier Spielraum gestattet werden. .... Eö wird Sie wundern, wenn Sie hören, daß in Rom selbst weit weniger strenge Bigotterie herrscht, als in manchen enlferntern Ländern, die unter den kanonischen Scepter sich beugen. Da die Regierung mit allen untergeordneten Verwaltungszweigen sich in den Händen der Geistlichkeit befindet, so wird freilich keine offenbare Vernachlässigung der religiösen Gebräuche geduldet; aber davon abgesehen, und mit Ausnahme der großen Zahl von Kirchen und Geistlichen, findet sich sonst wenig in Rom, was Fremde auf den Gedanken bringen könnte, daß sie wirklich in einem durchaus geistlich verwalteten Staate sich befinden. Die Päpste selbst sind die machtvollkommenen Herrscher nicht mehr, die sie vormals waren; NepotiSmus, Herrschsucht, Habgier wagen kaum mehr ihr Haupt zu erheben.. . . Die Ictzterwähllen Päpste sind fast alle milde, fromme Männer, und so weit menschliches Wissen reicht, wirklich zur Erfüllung ihrer wichtigen Berusöpflich- ten ganz geeignet gewesen. Doch alle menschlichen Einrichtungen dieser Art haben ihre schwachen Seiten; ich möchte nicht behaupten, daß die „General AssemblieS" in Amerika jederzeit aus lauter zusammenbcrufenen Heiligen bestehen.. .. Die Schonung gegen Andersdenkende wird in Rom fast übertrieben. Der Chorgesang in der St. PetcrSkirche ist weit und breit berühmt, und Fremde pflegen daher öfter diese Kirche zu besuchen, um den herrlichen Gesang mit anzuhören. In einer besondern Kapelle wird ein feierlicher Gesang, vermuthlich eine Vesper, jeden Sonntag Nachmittag gesungen, eine Vocalmusik, wie man sie sonst nirgends in der Welt hörr, weit schöner als die Musik der königlichen Kapelle in Dresden; letzlere ist übrigens hauptsächlich Instrumentalmusik, während erstere einzig von menschlichen Stimmen aufgeführt wird. Wer noch nie einen solchen Tempel Gottes gesehen, wer nie den Wohllaut vernommen hat, der aus einer solchen Vereinigung gründlichen Studiums, feite- 170 nen Talentes, und natürlicher, ich möchte sagen, kunstschöpferischer Gewalt des Gesanges hervorgehen kann, der hat keine Vorstellung von den Empfindungen, die sich deS menschlichen Innern bemächtigen, wenn man auf und nieder wandelt durch die wunderbaren Wölbungen dieser Kirche und den himmlischen Tönen lauscht. Zuweilen ziehe ich mich in einige Entfernung zurück, und die ernsten, feierlichen Klänge dringen wie daS Brausen der Lüfte auS fernen Welten zu mir herüber; dann nähere ich mich wieder allmälig dem Eingang der Kapelle und lasse die volle Kraft der Harmonie mich durchschauern. Alle Opern, alle Concerte, alle Conservatorien verschwinden in Nichts gegen die erhabene Vereintwirkung dieses KirchenbaueS und eines solchen gottesdienstlichen Gesanges. Denn beide scheinen den höchsten Gipfel menschlicher Kunst erstrebt zu haben, so weit solches durch irdische Mittel möglich ist. Um den Eingang zu dieser Kapelle pflegen ganze Schwärme von Fremden sich zu versammeln. ES thut mir leid, daß ich nichts Besseres von ihnen sagen kann; hier plaudern sie und lachen, führen müßige Reden und treiben allerlei Kurzweil, wie solches wohlerzogene Leute höchstens in einer lustigen Abendgesellschaft anderswo sich erlauben würden. Sie machen zwar keinen sonderlichen Lärm, ben man aber auch sonst nicht von wohlerzogenen Leuten erwartet; aber eS ist auch keine stille Andacht, nicht einmal schonende Rücksicht gegen gottesdienstliche Bräuche bei ihnen zu finden. Mag man noch so viel der Verschiedenheit der katholischen von den protestantischen Re- ligionSmeinungen zuschreiben, so ist doch diese Nichtachtung eines christlichen Tempels, eines christlichen Gottesdienstes durchaus nicht zu entschuldigen. Glücklicher Weise habe ich bis jetzt keinen einzigen Amerikaner einem solchen Leichtsinn stöhnen gesehen. Dieses einzige Factum beweist mehr als ganze Bände, die man wider unsere Nation schreiben mag, als ermangle sie aller Religion. Es gibt größere Gemeinden in Amerika, die vor einer Kirche, sofern sie solche bloß als Gebäude betrachten, keine sonderliche Ehrfurcht beweisen, die in ihren Kirchen politische Versammlungen halten, ja selbst Musikstücke und Oratorien aufführe», was ich Alles als unziemlich und tadelnSwerth betrachte; sobald aber irgend Etwas, das auf gottesdienstliche Handlungen Bezug hat, vorgenommen wird, dann herrscht andächtige Stille und würdevolles Benehmen durch die ganze Versammlung. Dieses Gefühl begleitet unsere Landsleute auch in fremde Länder; aber die Protestanten anderer Nationen, besonders die Engländer, welche doch in ihrer Heimath so streng auf geziemendes Betragen achten, scheinen solche Gefühle hier ganz zu verläugnen. Doch muß ich auch zugeben, daß die Katholiken selbst nicht immer ein gutes Beispiel geben..... Die Verglcichung zwischen Rom, wie eS jetzt ist, und einer unserer großen Städte, hat sich mir fast bei jeder Veranlassung wiederholt aufgedrungen. DaS heutige Rom und Newyork sind in moralischer Hinsicht einander geradezu entgegengesetzt und physisch ebenfalls. Die eine ist eine Stadt voll herrlicher Erinnerungen, die andere voll großer Hoffnungen. ... Rom ist, wie vormals Troja, wenigstens gewesen ^); aber es scheint nicht, daß Newyork. so sehr sich jährlich seine Bewohner um viele Tausende vermehren, jemals seyn wird . . .. Welches von beiden Völkern ist glücklicher? so fragte ich mich selbst, während ich meine Blicke über die sagenreiche Gegend gleiten ließ: diejenigen, welche ihr Daseyn in diesen Erinnerungen verträumen, oder die, welche den Augenblick mit solcher Gier ergreifen, als gälte eS, Vergangenheit und Zukunft in einen Tag zusammen zu pressen, die bloß darum zu leben scheinen, um, wenn die Nacht kommt, sich zu rühmen, daß sie abermals reicher geworden, als sie am Morgen waren? Diese Frage ist leicht beantwortet; obschon ich tausendmal vorziehen möchte, daß daS LooS meines Lebens mir in Rom zugetheilt gewesen wäre, als in Newyork, oder in irgend einer bloß Handel treibenden Stadt. Die Römer verachten die UankeeS, und die AankeeS verachten die Römer; die Einen deßhalb, weil jene bloß an die vorübergehenden Interessen des Augenblickes denken, die Andern diese, weil sie gar nicht an dieselben denken. Die Bewohner der „ewigen Stadt" sind ein Theil der Nachkommen jener alten Römer, die an dieser Stelle einst die alte Welt ') Ein unbefangener Katholik würde hinzusetzen: ist auch noch. 171 beherrschten; sie stammen von Männern ab, die, umgeben von den Denkmälern der Großthaten ihrer Vorfahren, von den erhabenen Gesinnungen durchwärmt, die sich in den Ereignissen ihrer Vorzeit aussprachen, wenn auch zu schwach, eS ihnen gleich zu thun, doch in der Erinnerung sich gehoben fühlen, und diese Erinnerung als ihr bestes Erbe den späten Nachkommen zu erhalten strebten. Dagegen der große Handelsplatz im Westen, was ist er anders, als ein Zusammenströmen von Abenteurern auS allen Weltgegenden, die alle Bande, die sie an ihr Geburtsland knüpften, zerrissen, jedes Gefühl für Nationalität verläugnet, jede Werthschätzung historischer Beziehungen vergessen haben; denen keine andern Ueberlieferungen zusagen, als die sich aus die Whit« tingtone (glückliche Abenteurer) unserer Zeit beziehen, und die für keine andere Größe empfänglich sind, als für die Größe eines Inventariums. Die Einen sind vielleicht thöricht, indem sie daS Positive mit dem Idealen verwechseln; die Andern sind unvermögend, sich über die Gränzen der niedrigsten menschlichen Bestrebungen hoch genug zu erheben, um eines Gefühles theilhaftig zu werden, daS etwas mehr ist als das Bewußtseyn, ihr ganzes Leben im beständigen Abquälen nach Gewinn zugebracht zu haben. „Dollars, Dollars, Dollars! Actien, Actien, Nctien!"...... Die Ceremonie der Segcnertheilung des PapstcS (am Grünendonnerstage und Ostersonntage), so feierlich und großartig sie auch ist, ging für die gesammte Menge fast verloren, bis auf die Armbewegungen deö Papstes. Seine Stimme konnte nicht gehört werden; aber seine Bewegungen waren anmuthig und würdevoll. Die Katholiken lagen auf den Knien; die Protestanten nicht; ich verwundere mich beinahe darüber; denn die Segenssprüche eines braven Mannes sind nicht zu verachten. In uns Protestanten steckt nur zu viel von dem: „verd—t will ich seyn! meine Religion verändern? nimmermehr!" jenes Matrosen; wir scheinen uns nur zu oft einzubilden, es liege etwas Verdienstliches in schonungsloser Intoleranz und in der Verachtung gegen Andersdenkende, wenn eS gilt, gegen Katholiken mit Nachsicht und Achtung uns zu benehmen. Wer aber freiwillig einem katholischen gottesdienstlichen Gebrauch mit beiwohnen will, ist meines ErachtenS verbunden, sich mit Achtung und Bescheidenheit zu benehmen; übrigens ist Gott überall gegenwärtig. Ich sehe nichts Unrechtes darin, mir allen Anwesenden vor dsr geweihten Hostie niederzuknien; denn wenn wir auch nicht an die wirkliche Gegenwart des Leibes deS Herrn glauben können, so sind wir doch überzeugt, daß andächtige Verehrung des höchsten Wesens, sey eS unter welcher Gestalt eS wolle, niemals außer der Zeit seyn könne." Wir wiederholen eS noch einmal, es ist der Protestant, der beliebte, hochgepriesene, in Aller Händen sich befindende Romandichter Cooper, der diese Lehren seinen Glaubensgenossen gibt. Bericht des apostolischen BiearS für Centralafrika. (Fortsetzung.) In Sehnsucht, zu Chartum daS Weihnachtsfest zu feiern, erfolgte die Abreise am 15. December bet starkem Winde, der eine beschleunigte Fahrt-verhieß. Aber diese inländischen Schiffe können bei andauerndem Winde nur kurze Strecken zurücklegen; die Mannschaft erwies sich dabei so unbeholfen, daß die Missionäre nicht wußten, ob sie über ihre Ungeschicklichkeit sich ärgern oder lustig machen sollten. Bei der Nacht vollends wagten sie eS nicht, zu fahren. So gingen fünf Tage hin, bis die Stromschnellen zwischen Berber und Chartum erreicht wurden; andere fünf Tage waren erforderlich, um diese zurückzulegen. Noch am 23. December lebte die Hoffnung, das Weihnachtsfeft in dem Missionshause feiern zu können. Aber kein Wind erhob sich und die SchiffSlente fürchteten das Ziehen. Wohl stellte sich am 24. ein leichter Wind ein; aber selbst ein mittelmäßig segelndes Schiff hätte noch zwei Tage gebraucht, um Chartum zu erreichen. Die Gefährten mußten dem Unabwendbaren sich fügen. Tiefbetrübt sichren sie zwischen üppig bewachsenen Eilanden durch und liefen des Nachmittags in den Engpaß von Ehern ein. Da wird der Strom von schroffen Gebirgswänden aus glänzenden, säulenartig geformten Granit- 172 blocken, die symmetrisch über und nebeneinander gethürmt sind, eingeschlossen; die Zwischcnräume sind mit zartem gelbem Grase und mit niedlichen Zwergmimosen ausgefüllt, ein sicheres Zeichen, daß hier während der nassen Jahreszeit ergiebige Regen fallen. Beide Schiffe folgten sich in geringer Entfernung. Unter dem glänzendsten Sternenhimmel wurde mit sanft gespannten Segeln die Fahrt fortgesetzt, bis daS erste Schiff, auf welchem der Provicar sich befand, unterhalb eines Wasserrades landete, des baldigen Nachrückens des zweiten Schiffes harrend. ES kam nicht; man sah und hörte nichts; Signale mit der Trompete gaben nur einen Widerhall von den Felsen; eine an die Segelstange hinaufgezogene Laterne blieb unbeachtet; abgefeuerte Schüsse rollten blos durch die "Felsschluchten. , Was sollte den Gefährten widerfahren seyn? Die Gewehre wurden schärfer geladen, da glaubte einer aus weiter Ferne einen Schuß zu vernehmen, ein zweiter fällt, ein dritter, die Ueberzeugung ist gewonnen, daß jene noch leben; wiederholte Signale wurden erwidert, aber Niemand näherte sich. Unverweilt schickte Herr Knoblccher einige Leute von seinem Schiffe mit Later« nen ab, um die Zurückgebliebenen herbeizuholen. Erst nach Mitternacht kehrten jene zurück mit der Nachricht, wie durch ungeschicktes Manövriren das andere Schiff an das entgegengesetzte Ufer sey verschlagen worden, und die Schiffsreiser eS nicht gewagt hätten, an das dießseitige Felsenuser hinüberzuschiffeu. Am folgenden Morgen kam das zurückgebliebene Schiff nach. Schmerzte eS, daß der Weihnachtsabend nicht in Gemeinschaft sich feiern ließ, so schmerzte eS noch mehr, daß das hohe Opfer dem Herrn nur im Geiste konnte dargebracht werden. Doch tröstete der Anblick des Ru- gans und des MclechitS, die gleich Pyramiden aus der weiten Ebene emporsteigen, mit der Gewißheit, dem Endziel der Reise nicht mehr ferne zu stehen. Noch zwei Tage und am Feste der Apostel des Herrn begrüßten die Reisenden die Hügelreihe von Kereri. Gegen ein Uhr Nachmittags kamen die Palmenwipfel hinter den Inseln von Hogeli zum Vorschein; bald öffnete sich die Einfahrt in den zweiten Arm deS blauen Nils, an dessen südlichem Ufer die Gärten und Häuser von Chartum vor ihren Angen sich entfalteten. Die Fahne Oesterreichs flatterte vom Rande deS Mis- stonsgarleuS hinüber, und in Kurzem stiegen sie anS Ufer, wo der Consulatsverweser, Herr Dr. Rcitz, dann zwei zurückgebliebene Missionäre nebst der kleinen Schaar ihrer Zöglinge mit Sehnsucht der Kommenden harrten und mit der herzlichsten Freude sie empfingen. Vier Monate waren inzwischen seit der Abreise von Trieft, zwei Monate und neun Tage seit derjenigen von Cairo verflossen. Der Bericht des Herrn Johann Rocianctc an den apostolischen Provicar ist auS Dongola, datirt vom 13. Januar. Er ist eben so inhaltsreich, als der bisher behandelte, daher wir auch jenem daS Wesentlichste entnehmen. Die Reise von Korosko bis Derr ging mit kurzer Unterbrechung glücklich von Statten, außer daß die in Assuan gedungenen Matrosen bisweilen durch lange Strecken das Schiff entweder ziehen oder mittelst Stangen fortschieben mußten. Am 2l. November, sagt Herr Rociancic, fuhren wir vor Derr an und setzten durch Abfeuern der beiden Schiffskanonen dessen ganze Bevölkerung in Bewegung. Groß und Klein strömte dem Ufer zu, um das Schiff zu betrachten. Unverweilt traten der Kadi, viele Ulemas und andere Personen auf daS Verdeck, schüchtern, dabei doch unverschämt, nach allen Seiten spähend. Mehr, als beträten sie eine Mauöfalle, krochen, dann gingen sie in die erste, in die zweite Cajüte, in die dritte wagten sie kaum die Augen zu wenden, daS Bild unserer lieben Frauen anzusehen. Im Nu waren alle Divane gefüllt, so daß ihrer Viele zu europäischen Sitzen sich bequemen mußten. Ich stand in der Mitte, gleich einem, über den das Urtheil soll gefällt werden. Unglücklicher Weise war Mahomed Aga, der in so peinlicher Lage als Dolmetsch hätte auftreten können, nicht zugegen. Ich stammelte einige arabische Worte in die lautlose Stille, wies auf Rußeggerö Landkarte, las die Namen einiger Ortschaften und brachte Alles . in Staunen, daß ich diese und diejenigen einiger Berge wissen könne. Inzwischen kam Mahomed und übersetzte, was ich ihm in italienischer Sprache sagte. So ging die Unterredung gut von statten, bis nach drei Uhr die ungebetenen Gäste sich wieder entfernten. Allein zwei Stunden später kamen sie mit Verstärkung zurück. DaS 173 Erste, was diese nubischen Magnaten verlangten, waren Geschenke (Bakschich); anfangs Rauchtabak, dann Schnupftabak, zuletzt Pulver und Blei, denn von hier bis oberhalb Akbe bettelt Alles, angefangen von dem kleinen Kinde bis hinauf zu Scheikh und Effendi. Ich erklärte rundweg: was wir haben, das brauchen wir selbst. Mit diesen ernst gesprochenen Worten mußten sie sich zwar zufrieden geben, aber wie angenagelt saßen sie dennoch bis in den späten Aben5. Ich konnte jedoch nicht warten, bis sie sich verabschiedeten, da ich mich zum Effendi zu verfügen hatte, um für seine Gefälligkeit und für sein Geschenk meinen Dank abzustatten. Letzteres war freilich durch Mahomed Aga' in ächt arabischer Weise vertuscht worden; eS hatte in Fleisch bestanden; Mahomed aber gab vor, dasselbe gekauft zu haben, und ließ sich dafür bezahlen. Der Effendi, ein freundlicher bulgarischer Greis, der noch einige Worte slavisch verstand, bewirthete mich mit Kaffee und versah mich mit zwei Schreiben für Wadi-Halfa. Zufällig befand sich Halil, der Effendi dieses OrteS, zu Derr. Er ließ mich fragen, ob er nicht mit mir nach Hause fahren könnte? Da er für den Katarakt von Wadi-Halfa die Mannschaft zu besorgen hatte, durfte ich ihn nicht abweisen, verlangte nur, daß er zur rechten Zeit bereit sey, weil ich weiter kommen müßte. Er traf pünktlich ein und war, gleich seinem Bruder und seinem Schreiber, unser Gast. Halil-Effendi ist ein großer, über sechs Fuß hoher Mann, freundlichen Aussehens, und gefälligen Benehmens, in dessen Sprache und Physiognomie etwaS Vornehmeres sich kund gibt, wie ich es sonst an keinem Berberin je wahrnahm. Alle seine Fragen drückten etwas Charakteristisches aus, waS sich auch auf seinen Sohn verpflanzt hat, einen lieben Jungen von zehn Jahren, der mich flehentlich bat, bei einer Reise nach Europa ihn doch sicherlich mitnehmen zu wollen. Einst bei spätem Wegreiten von Wadi-Halfa rief er mir freundlich und theilnehmend zu: „Reite gut, denn die Nacht ist finster!" So fuhren wir den 22. November mit geringem Winde, der den ganzen Tag über blieb, von Derr ab. Bald mußte gerudert, bald gezogen werden, was uns Muße gewährte, die schöne Gegend mit ihren hohen Dattelpalmen zu betrachten. Aber bloß um sieben Meilen kamen wir vorwärts. Nicht viel besser ging eS des folgenden TageS, an welchem wir an der einst starken Festung Jbrim, von steilem Felsen den Nil beherrschend, vorüberfuhren. Erst am Nachmittag deS dritten TageS erhob sich ein kräftigerer Wind, der aber bald in Sturm überging, indeß wir an der Ostseite der Insel Belani, wenn nicht ruhig, doch gesichert ankerten. Wieder folgte unerträgliche Windstille, bis gegen acht Uhr Abends der Sturm dergestalt zu wüthen begann, daß wir, vieler seichten Stellen wegen, uns genöthigt sahen, die Segel zu reffen und bei der Ortschaft Debros zu übernachten; dabei siel das Quecksilber von 21, auf 13, Am folgenden Tag 10 Uhr erreichten wir Wadi-Halfa. Zwei Reiese, kundige Kataraktenmänner, begrüßten das Schiff, verwundert über das Wagniß, in dieser Jahreszeit die Katarakten passiren zu wollen. Sie kamen an Bord, um meine Wünsche zu vernehmen, und setzten meiner Frage: ob eS möglich wäre, über die Katarakte hinaufzukommen, Zweifel entgegen, ohne jedoch die Hoffnung gänzlich abzuschneiden. Zuvor wollte ich also die Katarakte recognosciren. Zu diesem Zwecke bestieg ich ein kleines Schiff mit Ruder und Segel und mit LebenSmitteln versehen, denn es hieß, vor Sonnenuntergang könnten wir nicht zurück seyn. Obwohl das Schiffchen mit dreizehn Personen bemannt war, trieb eS der Wind doch schnell stromaufwärts; allein bald mußten die Ruder eingelegt werden, und in den Stromschnellen ging von Zug zu Zug die Fahrt beschwerlicher. Plötzlich ließen die SchiffSIcute die Ruder sinken und hoben insgesammt die Hände zum Himmel. Verwundert hierüber, fragte ich, was es denn gäbe? Da wiesen sie auf den Gipfel eines links sich erhebenden Berges; dort liege ihr heiliger Scheikh Abdel-Kader begraben, diesen bäten sie um Beihilfe. Ein schönes Seitenstück, dachte ich, zu der schlimmen Gewohnheit, die in so manchen Gegenden Europa'S, besonders unter den Arbeitsleuten, herrscht, daß sie, wenn vermöge ungeschickten Benehmens etwas nicht von statten geht, wie Besessene hundert und hundert Gott-sey-bei-unS herbeirufen. — AuS dieser Verglei- chung heraus riß mich daö brausende Anprallen der Strömung an das kleine Schiff. 174 DaS Segel wurde eingezogen, das Glück mit den Rudern versucht; umsonst; nicht vorwärts, nicht rückwärts wollte das Schiff, als plötzlich ein Wirbel uns begünstigte; ein kräftiger Ruderschlag, und wir standen an dem Felsen vor einem Thore, wo Granitblöcke das Flußbett einengen, bei genügsamem Wasser jedoch die Durchfahrt immer noch möglich ist. Die eigentlichen Katarakten liegen zwei Stunden weiter hinauf. Wir gingen nun, um Alles auszuspähen, zu Fuße. Die Ueberfahrt schien mir schwierig, doch nicht unmöglich. Als ich aber nachher von noch größeren Katarakten weiter hinauf sprechen hörte, gereute es mich, nicht auch diese in Augenschein genommen zu haben. Wie, dachte ich, wenn so unser Schiff gefangen liegen müßte? Meine erste Frage in Betreff der weitern Katarakten war daher: ist dort auch genug Wasser? Bei der Antwort: „Viel, sehr viel," war ich beruhigt, überzeugt, daß bei genügsamem Wasser, sofern nicht verborgene Steine die Fahrt hemmten, ein eisernes Schiff unter besonnener Leitung, mit festen Stricken und richtig angewendeten Menschenkräften jeden Katarakt von vier bis fünf Fuß Gefälle auf eine halbe Klafter sicher überwinden werde, um so viel leichter bei verlängerter Strömung. Zu unserm Schifflein zurückgekehrt, überschaute ich nochmals die Katarakten, in denen schon so manche Schiffe in Trümmer gegangen sind, so viele Menschen ihr Grab gefunden haben; denn nichts als Felseninseln auS Granit, rechts und links in den Sonnenstrahlen gleich Spiegeln glänzend, jeden Augenblick eine andere Richtung des Schiffes erheischend, stellten dem Auge sich dar. Von lebenden Wesen sah ich außer Turteltauben und Nilgänsen, die in schnellem Fluge über die unwirthliche Gegend sich hinwegschwangen, nichts. Zu nicht geringem Erstaunen Aller erklärte ich, die Fahrt zu versuchen, ohne den Hauptkatarakt gesehen zu haben. Wohl hatten sie Recht; denn auf einem hölzernen Schiffe würden wir unfehlbar zu Grunde gegangen seyn. Ich aber, um nicht größere Zaghaftigkeit hervorzurufen, unterdrückte jeden Zweifel. Schnell fuhr unser kleines Schifflein die Strömung hinab; aber wehe uns, wäre das kleine Ruder zerbrochen I Im Nu wären wir an einen Felsen geworfen worden; schwimme alsdann wer kann! Ehe noch die Sonne ihre letzten Strahlen über die geheimnißvolle Wüste sandte und die glänzenden Sterne hinaufzogen, waren wir wieder an unserer 8teIIs matutina angelangt. Halil-Effendi harrte am Bord, um den Contract für die Fahrt abzuschließen. Er ging von 1000 auf 500 Piaster zurück, wofür er 150 kräftige Männer zu stellen versprach. Unverweilt wurde Alles vorbereitet, zu Erleichterung des Schiffes jedes Entbehrliche an das Land gebracht, um am 29, November die gefährliche Fahrt zu beginnen. Einzig der Schmied und ich blieben auf dem Schiff, in Hoffnung, binnen drei Tagen jene zu vollenden. ES war ein Viertel vor zehn, als wir von Wadi-Halfa uns entfernten. Erst zeigte sich der Wind günstig; kaum hatten wir jedoch i'/^ Meile zurückgelegt, als er inne hielt, was zur Landung am rechten Ufer nöthigte. Die Leute fingen bereits an, zu murren, ließen sich aber dennoch einspannen, und so wurde die eine und die andere der ersten Stromschnellen nebst der Wendung um einen gefährlichen Felsen glücklich überwunden, eine Furth ruhigen Wassers gewonnen, wo aber die Mannschaft auf das andere Ufer mußte übergesetzt werden. Die Einen bestiegen das große Schiff, die Andern den Sandal (das kleine Kataraktenschiff), die Dritten setzten auf ihren Schläuchen über. Hier war eine der stärksten Stromschnellcn zu bekämpfen. Da bedienten sich aber die Zieher, Herrn Rociancic's Warnung entgegen, deS schwächern Seils; die Strömung riß daS Schiff in die Mitte, jene ließen daS Seil fahren und das Schiff schnellte an den jenseitigen Felsen zurück. Aus Holz gebaut, wäre es unfehlbar zerschellt; die Stella mswtins kam mit einem Bug davon. AIS die Leute — der Schmied hätte sie gerne zusammengeprügelt, wäre er nicht durch Herrn Rociancic zurückgehalten worden — sahen, daß das Schiff viel aushalten könne, faßten sie Muth. AIS es aber wieder im besten Zuge sich befand, konnten sie den Seitenstrick nicht rechtzeitig nachlassen, so daß es sich zwischen zwei Granitblöcken einklemmte, und theils der Strick entzwei gehauen, theils daS Schiff mit Stangen mußte gehoben werden. Ueber allem dem gingen mehrere Stunden 175 nutzlos hin. Unterhalb einer zweiten gefährlichen Stelle wurde sodann Halt gemacht; die 15V Zieher lagerten sich im Sande, zündeten mächtige Feuer an und begannen darauf Gelärme und Zank, die bald in Prügeleien übergingen. Da aber der Effendi selbst zugegen war, wurde schnell Justiz geübr, worauf Hadernde und Gezüchtigte dem Schlaf in die Arme sanken. Werkthätig folgte Halil-Effendi der Fahrt, bald in seinem Sandal sitzend, bald am Ufer einherschreitend, die Leute antreibend, zuweilen selbst Hand anlegend. Am 1. December ließen sich einige Stellen mittelst des Segels überfahren; wo das Ziehen erforderlich war, ging eS ohne Schwierigkeit von Statten. Größere Mühe verursachten die Leute, welche jeden Augenblick entweder mit den Matrosen oder unter sich zankten, selbst handgemein wurden, in den Sand sich legten, von ihren ScheikhS durch Schimpfworte und mit Peitschenhieben mußten angetrieben werden, und bei alle dem die kecksten Forderungen stellten. Nach langem Wortwechsel griffen sie an diesem Tage erst um 11 Uhr wieder zum Schiffsseil, so daß eine enge Strömung von beiläufig drei Fuß Gefalle auf zwei Klafter erst Nachmittags drei Uhr erreicht wurde. Um über sie hinaufzukommen, genügte die Zeit nicht mehr; daS Schiff mußte zur Sicherstellung für die Nacht angebunden werden. Der Lärm begann von Neuem, jeden Abend wilder, als an dem vorangegangenen. Auch Mangel an LebenSmitteln trat bei den Ziehern ein. AIS Herr Rociancic ein wenig am Ufer sich ergehen wollte, verfolgte ihn unablässig das Geschrei: Bakschisch! Bakschisch! Sein Versuch, zwei Raufende zu trennen, wurde durch einen derben Schlag auf den zum Glück dichten Turban vergolten. Die Strömung, vor welcher die Nacht zugebracht wurde, war am 2. December binnen drei Viertelstunden im Rücken. Beinahe noch einmal so lange Zeit blieb hierauf daS Schiff zwischen Felsen eingekeilt. Hier wurden die allmälig herbeikommenden Nachzügler niedergeworfen und zum Vergnügen der Uebrigen von HalilS eigenen Händen mit einer Dornenruthe über den halbnackten Rücken gestrichen. Fortan zogen Alle fröhlicher als bisher. Nach einer Stunde war daS Schiff über den kleineren Katarakt gezogen. Um zu dem größern zu gelangen, mußte die Mitte des Flußbettes gewonnen, das Ruder angewendet werben. Herrn Rociancics Hoffnung, selbigen Tages noch AlleS zu überwinden, wurde durch den Bericht der Katarakten- Reiese niedergeschlagen: man könne und dürfe nicht weiter fahren, daS Wasser sey noch zu groß, das Schiff müßte unvermeidlich zu Grunde gehen. Da hätte alles Zureden nichts vermocht, jede moralische, auch die Physische Kraft war von den Leuten gewichen. Bevor daS Wasser nicht wenigstens um 1'/2 Fuß fällt, sagten sie, auch die gefährlichsten Steine sichtbar werden, können wir nicht ziehen. Ob auch Herr Rociancic ihnen zeigte und selbst zeichnete, wie ohne alle Gefahr durchzukommen wäre, eS half nichts. Sie wollten zwanzig Tage warten, er nur zu neun sich verstehen, auch dieses bloß unter der Bedingung, daß sie alsdann mit gesundern Köpfen zurückkämen. Vorher mußte das Fahrzeug, welches an einer Felseninsel angebunden war, zum Ufer gebracht werden, um den Ankauf von LebenSmitteln möglich zu machen. In Hoffnung, in dem Nilarm von Akbe vielleicht einen Ausgang zu finden, wurde in einen Canal bei genanntem Ort eingelenkt. War aber in dem Hauptstrome des Wassers zu viel, so zeigte sich alsbald, daß hier dessen zu wenig sey. So war in Geduld zu harren, was die Zukunft bringen werde. (Forts, folgt,) Die Seelsorge auf den Marianne«. Wir entnehmen die folgenden Notizen über den Zustand der Kirche an einem der abgelegensten Winkel der Erde dem interessanten Bericht deS französischen Kapitäns Kurien cls la Kr»vik:rs, welcher diese östlich von den Philippinen gelegene und wie diese urtter spanischer Oberherrschaft stehende Inselgruppe mit der Fregatte l.» kg^onntiuss im Juli des Jahres 1848 besuchte. Neben der äußerst milden, fast patriarchalischen Regierung, welche die spanische Krone über diese Inseln ausübt, eristirt noch ein anderer verborgener und mächtiger 176 Einfluß, welchem jeder Indianer seit seiner Kindheit einen freiwilligen Gehorsam gelobt hat. Die Augustiner-Barfüßer-Mönche, welche den Jesuiren im Jahre 1767 nachfolgten, haben nichts von der moralischen Macht der ersten Missionäre verloren. Für die Einwohner der Mariannen haben diese Glieder deS spanischen Kleruö niemals aufgehört die Repräsentanten der Gottheit auf Erden und die einzigen Beschützer zu seyn, welche der Indianer gegen etwaige Bedrückungen der weltlichen Macht anrufen kann. Nur durch den Zauber dieses geheiligten Charakters und vorzugsweise durch die Beziehungen wohlwollender Fürsorge kann man sich die unglaubliche Herrschaft erklären, welche noch heute auf die Bevölkerung die beiden Pfarrer von Agagna und Agat (auf der Insel Guam) ausüben. Diese beiden Mönche sind die einzigen arbeitsfähigen Priester, aus denen der KleruS der Inselgruppe der Mariannen besteht. Von zwei andern Hirten, denen die Leitung dieser eifrigen und gelehrigen Hecrve anvertraut ist, scheint der eine, der Pfarrer von Merizo, an einer GeisteSzerrütlung zu leiden, der andere ist ein kranker und'fast achtzigjähriger Indianer, welcher die Stadt Agagna nicht mehr verlassen kann. Man könnte sich nicht leicht einen voll- kommneren Contrast denken als den, welchen der Pfarrer von Agagna und der von Agat, der Pater Vincenz und der Pater Manuel, darboten, beide Glieder desselben Ordens, beide von gleicher Ehrfurcht ihrer Pfarrkinder umgeben. Als ehemaliger eifriger Carlist verbannt, hatte der Pater Vincenz auf Alles vergessen, auf die großen Ebenen der Mancha, wo er das Licht der Welt erblickt, auf den blauen und heitern Himmel von Spanien, auf die Freunde, deren Hand die seinige vor der Abreise gedrückt, auf die Fahne selbst, unter der er lange Zeit mit seinen Wünschen und Gebeten gekämpft, um an nichts mehr, als an seine theuren Indianer zu denken, an ihr Heil und an ihren geistlichen Fortschritt. Die Physiognomie deS Pater Vincenz, seine von frühzeitigen Falten gefurchte Stirn, seine durch AScese und apostolische Arbeiten abgemagerten Züge verdienten unserm Gedächtniß sich tief einzuprägen. Noch jetzt glaube ich ihn zu sehen, jene strenge Figur, jene tiefliegenden Augen, jenen von einem düstern Feuer glühenden Blick, dessen Glanz nur von der evangelischen Liebe gemildert wurde. Es war ein Mönch deS Mittelalters, dieser Pfarrer von Agagna; seine Gestalt in den weißen Mantel der Augustiner gehüllt, erinnerte sprechend an jene Typen, welche der Pinsel eines Ribcira und Velasauez verewigt hat. Der Pater Manuel, mit seinem breiten Gesicht und gleichsam dreifachen Kinn, konnte keine dieser poetischen Ideen hervorrufen; es war eines jener fröhlichen Muster deS spanischen KleruS, über welche unsere gallicanischen Vorurtheile mit viel zu großer Voreiligkeit unbarmherzig den Stab brechen. Ein aufrichtiger Glaube, ein strenges und eifriges Festhallen an allen Pflichten seines Amtes, hielten vollkommen im Gleichgewicht die andalusische Fröhlichkeit und die liebenswürdige Offenheit deS Pater Manuel. Der unermüdliche Pfarrer beschäftigte sich mit demselben Eifer mit den geistlichen und den zeitlichen Interessen seiner Schafe. Er war es, der sie gelehrt hatte, den geeigneten Boden für ihren Anbau deö Mais und der Tarowurzel zu wählen u. s. w. Das Dorf Agat war ein lebendiger Beweis der Thätigkeit und deS wohlthätigen Einflusses seines Pfarrers. Es war daS regelmäßigste und reinlichste Dorf der ganzen Insel. Die Straße, welche es durchschnitt, war immer frei von Unrath; waren die Brücken durch einen Orkan zerstört worden, so wurden sie augenblicklich wieder hergestellt. Die Kirche, von der Frömmigkeit der Gläubigen gebaut und unterhalten, hatte ihres Gleichen in keinem andern Dorfe, und wenn beim Glänze strahlender Kerzen das Madonnenbild auf dem Altar mit dem Festtagsmantel bekleidet erschien, hätte man aus dem heil. Bilde Perlen und Goldzierrathen bemerken können, welche den Neid der Einwohner von Agagna rege machen mußten. (kevuö des äöux Uonäes.) ") Sollte nicht hier ein Irrthum obwalten und die Patres vielmehr dem Orden der Carmeliter angehören? Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. Verlags-Jnhaber: F. C. Kremer. Zwölfter Jahrgang. Sonntags-Beiblatt MllHnL l'^ »N'^tt ;öd>!ü!^ S^vS »>Ä M ^iM Hin >.!chyA Sly'i »M^up» zur Augsburger PostMtung. N'^.i^.l.^:! !!! ^ , -l !^- nzsl(Il llj N7p(tt zjch'tlHM UM ckvll «^nn'I'wDV- ^i^isW' >.W»Ä s. Juni Sit 185S. Kon iZinwi sjchnmPlij15ött« i'si >a»glli?D» MM«W ,mnH -^ Dieses Blatt erscheint regelmäßig alle Tonntage. Der halbjährige Aboimementsprels TV kr., wofür e« durch alle köm'gl. bayer. Postämter und alle Bllchhaudluugen bezogen werden kaun, Die englische Bibelgesellschaft, nebst zeitgemäßen Betrachtungen, UZllbPtMl>I)!-0ier n?^ ,>M1«'?K ll>fiZIl,Äk>ZK« ii^?^5>> l^i^. vliij Z-L,?jvi ,n>0'?tt ^uiZlZ, ÄIS Die englische Bibelgesellschaft feierte am 5. Mai in Ereter-Hall ihren 48sten Jahrestag. Graf ShafteSbury berichtet über den Stand der Gesellschaft, welcher hoffnungSerweckender sey als je; denn habe man auch mehr offene Feinde als zuvor, so habe man auch sehr viele geheime Freunde. Er zweifle nicht, daß eS die Absicht gewisser continentaler Regierungen sey, den Namen deS Protestantismus selber, und wo möglich jedes Eremplar des Wortes Gottes zu vernichten. Diese Gesellschaft sey ein mächtiges Gegengewicht gegen solche Tendenzen; sie sey der Ruhm und die Krast Großbritanniens. Die Einnahmen der Gesellschaft waren im vergangenen Jahre 108,449 Pfund Sterling, 1,154.642 Eremplare der Bibel seyen in diesem Jahre ausgetheilt worden. Die Totalsumme der von der Gesellschaft bisher ausgegebenen Bibeln betrage 25,402,309 Eremplare. Die Gesellschaft hat in Europa, Asien, Afrika und Amerika mehr als 8000 Filialvereine. Ritter Bunsen wünschte den Freunden deS Christenthums Glück für den Erfolg, welcher die Anstrebungen der Gesellschaft begleitet habe. Er bedauerte, dasz in vielen Theilen deS ConIinenteS eine Neigung sichtbar werde, die Verbreitung der Bibel zu hindern. Es scheine auf dem Kontinent die Ansicht vorzuherrschen, daß die Bibel den Regierungen gefährlich sey. Was Preußen angehe, so stehe der König selbst Niemanden in dem Wunsche nach, die Bibel über das ganze Königreich zu verbreiten. Wir würden eS kaum für nöthig halten, unsere Leser auf das Verleumderische, Gleisnerische und dabei in hohem Grade Lächerliche vorstehender Worte aufmerksam zu machen; denn wir trauen ihnen zu viel gesunden Menschenverstand zu, als daß sie je im Ernst sich beikommen lassen könnten, das Wort Gottes werde in der That dadurch ausgebreitet, wenn man fabrikmäßig in enormen Quantitäten materielle Bibeln in die Welt hinauSstreut, oder daß sie sich einreden ließen, irgend ein vernünftiger Christenmensch könnte je die Absicht hegen, wo möglich jedes Eremplar der Bibel zu vernichten. Aber die Sache hat auch ihre ernste Seite, und diese ist eö, auf die wir hier gelegentlich einmal hinweisen wollen. Die obenstehenden Zahlen liefern den Beweis, wie viel größer die Anstrengungen sind, welche der Irrthum macht, um den todten Buchstaben zu vervielfältigen, als jene, die von den wahren Gläubigen geschehen, um das lebendige Wort GolteS auszubreiten und in die Seelen und Herzen zu streuen. Die Einnahmen der Londoner Bibelgesellschaft allein übersteigen bei weitem die materiellen Hilfsmittel, welche den verschiedenen Vereinen der Verbreitung deS wahren Glaubens in ganz Europa zu Gebot stehen. Wenn eS nun trotzdem sich herausstellt, daß der bibelgläubige Protestantismus gegenwärtig gar keine Fortschritte, sondern offenbare Rückschritte macht, so ist dieß ein sehr einleuchtender und handgreiflicher Beweis, auf welcher Seite der .jMlmln^ nMvMÄ. Segen Gottes ruhe und ein um so größerer Triumph für den Katholicismus, wenn er mit geringen Hilfsmitteln dennoch Größeres bewirkt. Es ist aber auch ein Vorwurf und eine Beschämung für uns Katholiken, wenn die Kinder dieser Welt eifriger erfunden werden für ihre Sache, als wir für die Sache GotteS; wenn der Irrthum größere Anstrengungen macht, seine dunklen Schwingen über die Erde auszubreiten, als die Wahrheit, der doch die Verheißung unfehlbaren Sieges zur Seile steht, ihr Licht in der Welt strahlen zu lassen. Wohl gibt es Viele unter uns, und meistens sind es die Armen und Wenigbegüterten, welche ihre Pflicht redlich erfüllen und thun, was in ihren Kräften steht, ja waS selbst zuweilen ihre Kräfte zu übersteigen scheint. Aber die Gaben könnten noch weit reichlicher seyn, wenn Mehrere zu ihnen beitragen würden und vor Allem Mehrere der Wohlhabenden. Die Zahl der Personen, welche an dem MissionSwerk sich betheiligen, ist verhältnißmäßig immer noch klein, sehr klein. Mögen sich vaher Alle die frommen Geber nicht damit begnügen, für ihre eigene Person nach Kräften beigetragen zu haben, sondern vor Allem dahin wirken, Andere für daS heilige Werk zu gewinnen, die ihm noch nicht angehören. Schließlich wollen wir denjenigen Lesern, die etwa zufällig mit aufgeklärten Andersdenkenden über die Bibelverbreitung zu reden kommen, und nicht wissen, wie sie ihre Angriffe am besten zurückweisen können, einige kurze und bündige Gründe an die Hand geben, welche das Verfahren der katholischen Kirche, den Bibelgesellschaften gegenüber, rechtfertigen. Die katholische Kirche mißbilligt die Bestrebungen der Bibelgesellschaften, und die Päpste haben sie feierlich verworfen: 1) weil der Buchstabe nicht nützt, sondern der Geist lebendig macht; 2) weil Christus der Herr den Aposteln nicht gesagt hat: Geht und schreibet und drücket und theilt Bibeln aus und lehrt die Leute lesen, sondern „Gehet und lehret; wer glaubt und getauft ist, der wird selig werden" (auch wenn er nicht lesen kann); 3) weil Christus gesagt hat: „Werfet die Perlen nicht vor die Säue und gebt vaS Heilige nicht den Hunden." Wenn die heilige Schrift in so vielen Millionen Exemplaren in die Welt hinausgestreut wird, dann sieht jedes Kind ein, daß vielfacher Mißbrauch damit getrieben werden und man z. B. die heiligen Worte des Evangeliums zum Einwickeln von Käse, zum Einpacken von Waaren und Thee gebrauchen wird (wie das z. B. in China wirklich geschieht); 4) weil die von den Bibelgesellschaften vertheilten Bibeln verfälschte Bibeln sind, in welche der Irrthum sein Gift unmerklich hineingestreut hat. Wenn Luther selbst, wie Niemand mehr zu läugnen wagt, die Bibel an einigen Stellen verfälscht hat, wo sie mit seiner Irrlehre in Widerspruch stand, warum sollten das nicht auch seine Schüler und Anhänger sich erlauben? 5) weil die meisten Mensche») die solche Bibeln erhalten, Nichtwissen, waS sie damit anfangen sollen. Für die bei weitem größte Anzahl von Menschen ist die Sprache der heiligen Schrift an sehr vielen Stellen dunkel und unverständlich; 6) weil nicht Alles, was in der heiligen Schrift steht, für jeden Christen ohne Unterschied geschrieben ist und manches sogar gefährlich werden kann, wenn es von Unberufenen, namentlich jüngern Personen gelesen wird. Selbst jeder vernünftige Protestant muß wünschen, daß seine Kinder nicht AlleS lesen, waS z. B. im Mosaischen Gesetz geschrieben steht, bis sie erst die gehörige Reife deS Geistes erlangt haben; 7) weil die Erfahrung zeigt, daß wenn Jedem das Lesen der Bibel ohne Unterschied gestattet wird, auch Jeder einen andern Sinn darin finden wird. Da aber nur einer der wahre seyn kann, so ist eS klar, daß daraus nur Verwirrung, Streit, hochmüthiges Gezänk u. s. w. hervorgehen kann; oder, wenn das nicht, weil man zu bequem ist, für die Erkenntniß der Wahrheit sich einige Mühe zu geben, religiöse Gleichgiltigkeit und Verachtung der Wahrheit und des Wortes GotteS; 8) weil eS endlich grausam wäre, den kleinen Kindern, wenn sie Hunger haben, ein ganzes Brod zu reichen, ohne eS ihnen zu brechen. Die meisten (ja vielleicht alle) Menschen auf GotteS Erdboden befinden sich aber in Bezug auf die göttlichen Wahrheiten ihr ganzes Leben hindurch im Zustande der geistigen Kindheit und würden die Bibel nicht verstehen, daS Brod des Wortes Gottes nicht genießen können, wenn eS ihnen nicht 179 erllärt würde. Sie müßten alle auf die Frage: ob sie verstehen, was sie lesen, mit dem Kämmerer der Königin Candace (in der Apostelgeschichte) antworten: „Wie kann ich, wenn Niemand eS mir erklärt?" Der Irrthum begeht diese Grausamkeit, indem er gedruckte Bibeln (ohne alle Anmerkungen) unter die armen unwissenden Menschen vertheilt und ihnen so das Wort Gottes gleichsam liebloö vorwirst, während die katholische Kirche in wahrhaft mütterlicher Liebe dafür besorgt ist, den Kleinen das Brod des Evangeliums zu brechen, alles Schädliche von ihnen fern zu halten, sie vor dein Mißbrauch der heiligsten Sache gerade am sorgfältigsten zu bewahren. Wenn übrigens Jemand dieser unwissenden und vorurtheilsvollen Andersdenkenden die Behauptung aussprechen sollte, die katholische Kirche billige deßhalb nicht daS Lesen der Bibel von Jedem ohne Unterschied, weil sie die Leute in Unwissenheit erhalten wolle, weil der Inhalt der heiligen Schrift ihren Lehren widerspreche, so kann man getrost antworten, daß dieß elende Lüge und Verleumdung sey, und vom Gegner fordern, daß er seine Behauptung beweise. Diesen Beweis wird er wohl schuldig bleiben. " - Bericht des apostolischen Viears für Centralasrika. (Fortsetzung.) Von Akbe auS wurden die zu Wadi-Halfa zurückgelassenen Gefährten und Ge- räthschaften einberufen. Sie langten am 4. December auf 15 Kameelen an. Die Geräthschaften wurden in einer halb zerfallenen Lehmhütte, ^ Stunden von dem Schiff, bewacht. Sämmtliche Reisende befanden sich in einer Art Gefangenschaft, sie konnten weder rückwärts, noch vorwärts. Doch lagen sie in einer nicht unfreundlichen Gegend, die wenigstens Gänse und Hasen für den Tisch lieferte. Der höchste Wasser- stand betrug gegen den damaligen vier Klafter mehr. Am 5. ritt Herr Kociancic nach Wadi-Halfa, weil ihm gesagt worden war, ohne einen tüchtigen Reieftr von Dongola, der das Wasser vollkommen kenne, dürfe er die Fahrt nach Baten-el-Hagiar nicht wagen; und weil er zugleich einer Zuschrift des Mudirs von Dongola an seine untergebenen Scheikhs bedürfte, um für die vielen Katarakten mit Ziehern versehen zu werden. Der türkische Ferman hätte hier nichts genutzt, da die Einwohner nur denjenigen als Oberherrn anerkennen, der ihnen Prügel zutheilen läßt, und nur demjenigen gehorchen, der die Nilpferds-Peitsche über sie handhabt. Halil-Effendi fertigte das Schreiben an den Mudir aus; Herr Kociancic ließ eS deS folgenden TageS dnrch einen Expressen abgehen, mit dem Befehl an diesen, binnen 15 Tagen zurückgekehrt zu seyn. Voll Ungeduld, endlich vorwärts zu kommen, schrieb der thatkräftige Missionär schon am 9. December an Halil: bereits sey daS Wasser hinreichend gefallen, er solle die Zieher zusammenrufen; habe er ja versichert, auf seine erste Zuschrift kommen zu wollen. Tag um Tag verging indeß, Niemand erschien. Ehe der vierte vollendet war, ritt Herr Kociancic wieder nach Wadi-Halfa, um ernstlicher anzutreiben. Halil war abwesend; umsonst harrte er seiner Rückkehr. Da drang der Missionär auch in seiner Abwesenheit darauf, daß die Scheikhs ausgesendet würden, um die Zieher zusammenzutreiben. Auf dieses stellten einige sich ein, aber klappernd vor Kälte, denn bei sturmartigem Nordwind war daS Quecksilber auf 8° gefallen, da es sonst bis auf 40 steigt. Die Leute wollten weder von dem Feuer weg, noch an die Taue hin. DeS folgenden Tages fand Herr Kociancic bei Akbe eine Anzahl Zieher unter hefti- gem Wortwechsel, ihrer statt 150 nur 96, und dieses theils junge, theils gebrechliche Leute; doch sollte mit ihnen die Fahrt versucht werden. AnsangS, wie eS schien, mit Glück; denn schon nach eilf Uhr war die erste gefährliche Stelle der Strömung zurückgelegt. Aus dieser kam daS Schiff in eine engere Pforte, die vier Tage früher noch fahrbar gewesen wäre. Jetzt plagte sich Alles vergeblich drei volle Stunden hindurch. Endlich mußte das Schiff zurückgelassen werden, in der Strömung ungleich schwieriger als das Vorankommen. Der dreifache Strick, der um den Mastbaum 180 befestigt war, zerriß gleich einem Bindfaden; hätte nicht zum Glück der schwächere Probe gehalten, so wäre wahrscheinlich daS Schiff auf irgend einen verborgenen Felsen in der Mitte oder an daS jenseitige Granitgestein geworfen worden. So ließ sich an diesem Tage eine Strecke von kaum hundert Schritten zurücklegen. Des Abends war wieder Alles entmuthigt wie vor vierzehn Tagen. Noch weitere sechs Tage, hieß eS, wären abzuwarten. Der Missionär bestand darauf: contractmäßig müßten 150 Mann zusammengebracht werden. Da gab es allerlei Ränke, um eine geringere Anzahl zu stellenz Herr Kociancic blieb standhaft. Endlich am 19. traf hinreichende Mannschaft ein. Kurz vor Mittag hatten sie daS Schiff über eine der gefährlichsten Stellen gebracht. Bald stand eS, bei furchtbar daher sich wälzendem und wühlendem Wasser, über einen der schwierigsten Wirbel hinaus, vor Sigrin-Bab, der gesürchtetsten Stelle. Da ziehen an jeder Seite mit herkulischer Anstrengung fünfzig Mann, und dennoch rückt man nicht um einen Zoll vorwärts. Alles schreit, AlleS lamentirt. Jetzt ein Windzug, aus vollen Kräften ruft der Missionär: Segel! Segel! DaS Segel wird aufgespannt, von nenem strengen die Zieher sich an, daS Schiff schwankt rechts, schwankt links; endlich faßt das Segel den vollen Wind — und vorwärts; ein Hanpttheil des Kataraktes von Wadi-Halfa war überwunden, Oesterreichs Fahne flaggte über den weiten Strom, Kanonenschüsse, allen Jubel der Menschen überdonnernd, verkündeten den errungenen Sieg. Für den folgenden Tag waren die gefährlichen Krümmungen von Tigudra aufgespart. Ehe sie erreicht wurden, brachen bei einer Wendung zwei Seitenbankeisen, gleich morschem Holz, jedoch ohne weitern Nachtheil, Abends vier Uhr stand das Schiff am Thor von Tigudra, wo daS Gefalle auf eine Klafter vier Fuß beträgt; dazu kann in den vielen Krümmungen ein langes Schiff, wie die Ltella mstutins, nur schwer manövriren. Nach großer Anstrengung kam sie auch durch dieses Thor, was zehn Tage später nicht mehr möglich gewesen wäre. Nun lag der gesammte Katarakt hinter den kühnen Reisenden. Einundzwanzig Tage waren verflossen und alle Segel konnten wieder aufgespannt werden, durch deS Windes Kraft das Schiff dahinfliegen. Daß eines um diese Zeit, bei diesem Wasserstand die gefahrvolle Fahrt gewagt hätte, ist bis jetzt niemals vorgekommen. Noch steht als Wahrzeichen die eine Hälfte einer unlängst gescheiterten Barke an einen Granitselsen angebunden, indeß ihre andere Hälfte bereits im Nilsande modert. Nun ging daö Auszahlen, mit diesem das Jammern, Fordern, Betteln an. Um des zudringlichen Volkes endlich loS zu werden, ließ Herr Kociancic noch am Sonntage Nachmittags abfahren. Zwölf Meilen wurden in wenigen Stunden zurückgelegt, an der Ostseite der Insel Mogufel die Nacht zugebracht. Unter der Fahrt des MonlagS mußten aus den zerstreuten Uferbewvhnern die Leute zum Ziehen über den Fall von Kagingera zusammengesucht und in daS Schiff aufgenommen werden. Der Wind half über die Stromschnellen bis zum Eingang in den eigentlichen Katarakt. Er hat viel Ähnlichkeit mit demjenigen von Assuan. Eine Woche später wäre auch diese Fahrt unmöglich gewesen, denn jetzt schon rutschte daö Schiff mehr als daß eS schwebte. Nach vier Stunden, während deren mußte gezogen werden, kam wieder fahrbares Wasser, ans welchem bis gegen vier Uhr daS Schiff Semne sich nähertet Daö Brausen des Stromes ließ größere Schwierigkeit befürchten, als in der Wirklichkeit sich zeigten. Die 20t) Fuß lange Wasserstraße durch einen wie mit Kunst in dcn Felsen gehauenen Canal war leicht durchfahren, vor sechs Uhr AbendS wurde oberhalb Semne angelegt; ruhiger als unterhalb verliefen sich die abgelöhnlen Leute. ES waren neue aufzunehmen für den folgenden Katarakt von Ambutol. Wohl bei dreißig kamen auf das Schiff und boten sich an; allein der vorsichtige Missionär, die arabische Treulosigkeit kennend, wollte in nichts sich einlassen, bevor er dcn Katarakt gesehen, die Größe der Schwierigkeit bemessen hätte. Während dessen gerieth das Schiff unversehens in eine Strömung, der Wind rastete, eS schnellte znrück. DaS wollten die Angekommenen benutzen, um größern Lohn herauSzupressen. Dafür machten sich die Matrosen selbst an das Ziehen, die am Schiffe Gebliebenen 181 halfen bestens nach; die Hälfte der Strömung war überwunden, als plötzlich der mitwirkende Wind inne hielt, das Schiff unter höhnischem Gelächter jenes Volkes zum Weichen brachte. Dazu riß sich noch der Sandal los, so daß die Matrosen ihm nachschwimmen mußten. Grelleres Gelächter schlugen nun die Barebra auf. Dennoch wurde ihre Schadenfreude vereitelt, denn der dritten Anstrengung gelang eS, daS Schiff mit Hilfe des Windes hinaufzubringen, um ein Uhr stand cö unterhalb Ambutol, — Da der Bote aus Dongola bis dahin noch nicht zurückgekehrt war, ersuchte Herr Kociancic von jener Stelle aus den Mudir nochmals schriftlich um Zieher. Kaum war der Brief abgegangen, hieß eS, der früher abgefertigte Bote sammt dem verlangten ReieS stehe am jenseitigen Ufer. Dieser sollte die Leute aufnehmen, befehligen, den Lohn bestimmen. DaS war am Vorabend des WcihnachtS- festes, welches, durch die Kanonen verkündet, von dem hochwürdigen Herrn Trabant in der SchisfScapelle um Mitternacht gefeiert wurde. Des folgenden Morgens kamen sämmtliche zu Assuan gedungene Matrosen in ihrer besten Kleidung, uns ihre Glück, wünsche darzubringen, welche Aufmerksamkeit ihnen durch einen schönen Hammel vergolten wurde. (Schluß folgt.) .706 KttiD?»k-»n6nl, ,m, mu .wn tzunH vlii zZbM '?,?»i>''x m»5 nHur>gl?»4' n»H >nnn5M '/>i <.n ,H?-spch^vÄ?I 1>,v2? .wt.c?u?i6 u»' -sinvik ZlMspiliZ^in Die Enthaltsamkeitsbruderschaft in Geldern. Unter diesem Titel bringt die Zugabc zur Deutschen Volkshalle in einem Schreiben aus Geldern vom 22. Mai schauderhafte Mittheilungen über die Folgen der Branntweiupest. „Unser Proletariat, daS heißt einen verkommenen Stand von Armen, wie sonst nur größere Städte ihn haben, verdanken wir dem Fusel; die unehelichen Geburten, die Räuber mit ungeladenen Pistolen, welche unsere Bauerschaften heimsuchen und brandschatzen, und colonueuwcise auch die benachbarten Dorfschafren auösaugen, verdanken wir dem Fusel; die schlampampigen Weiber und zerlumpten Kinder an den Thüren und auf den Stadt-Promenaden, vorzüglich aber die viel beanspruchten und schlecht besuchten Freischulen verdanken wir dem Fusel. Man sollte, Recht nach Recht, den Fuselbrennern und Schentern eine eigene Commnnalsteuer, wenigstens eine Hospitalsteuer auflegen, denn sie helfen für unsere Barmherzigen-Schwestern - Anstalt ein bedeutendes Conlingcnt stellen. Was die Zukunft bringen wird, weiß ich nicht, aber augenblicklich grassirt das clelirium trsmsns in der furchtbarsten Weise. Innerhalb sechs Monaten starben eine Säuferin im vierten Delirium, ein Säufer nach zweimaligem Wahnsinn am Schlagflnß, ein anderer als Selbstmörder im Wasser. Die letztverflossene Nacht war eine Nacht deS Grauens und Schreckens für die armen barmherzigen Schwestern und für die armen Kranken unseres St. Clemeus- Hospitals. Der Kranke, der diesen Schrecken verbreitete, war ein vor wenigen Tagen aufgenommener Säufer, der gestern in den Nachmittagsstunden noch bei vollem Bewußtseyn war. Wohl fluchte er über Pfaffen und Pfaffeuthum (natürlich: der SchnappStcufel war sogar so gescheidt gewesen, ihn mit Beweisen dafür auszurüsten, daß er selbst, der Teufel nämlich, und die Hölle gar nicht cristire, o?er falls sie eristire, treffe er dort Konsorten'), verwünschte Gott, die heiligen Sacramcntc, sich selbst, fluchte und lästerte auf fürchterliche Weise; indessen daran war man gewöhnt, auch zur Zeit, wo er noch zum Scandal in den Straßen herumbaumclte. In der Nacht aber brach der Wahnsinn loS, und zwar war das ein über alle Beschreibung hinausgehendes 6elirium. Er lag im Erdgeschosse, und in den obersten Räumen deS HauscS meinte man einen Verdammten heule« zu hören. Nach der wörtlichen Aussage der im ersten Stocke verpflegten weiblichen Kranken heulte er „nicht wie ein wildes Thier, sondern wie etwa Einer schreien dürfte, der von den Krallen des SatanS sich gepackt fühlt." Spät erst gelang eS den Schwestern mit Hilfe eines Reconvalescenten, ihn in etwas zu besänftigen, leise zu binden uud dann in die Zwangsjacke zu schnüren. Sein Nebenmann im Krankenzimmer war ebenfalls ein Sl-Z YMIZU^ N?NdlllM>A:75!fZl?H5 llvy ^llUUoyiZtllU lZNIl 7?? Y)77ZitL «ZÄ 182 arger und allgemein bekannter Säufer. Dem aber gingen die Dinge, welche er hier erlebte, durch Mark und Bein. Herr Caplan Heythausen, welcher am frühen Morgen zu dem Deliranten gerufen wurde, traf denselben in den letzten Zügen; ein paar Secunden noch, und er stand vor seinem Richter. Der Andere ließ in Folge dessen auf der Stelle den Herrn Caplan Kleuter zu sich bitten, und empfing auf sein e ge- neS inständiges Bitten die heiligen Sterbsacramente, weil, wie er laut zu seinen Leidensgefährten sprach, wenn es mit ihm ein Ende im Delirium nehmen sollte, er wenigstens mit Neue über sein vergangenes Leben vor Gottes Richterstuhl hiiurcten wolle; er wolle nicht den Hundetod sterben, wie jener sein unglückseliger Freund; wenn er auch ein Hundeleben gelebt habe, so wolle er doch den Herrn Caplan Heythausen noch um Verzeihung bitten, daß er die Enthaltsamkeits-Bruderschaft so oft lächerlich gemacht und verhöhnt habe. Die Kranken, die im Zimmer lagen, staunten natürlich über einen solchen Erguß, und ein ehemaliger großer Säufer, aber seit acht Monaten treuer Enthaltsamkeitsbruder, beglückwünschte ihn von seinem LeidenS- lager auS. — Herr Caplan Kleuter hatte sein heiliges Amt geübt; aber noch brannten die beiden geweihten Kerzen auf dem Altartischchen neben dem Crucifire, als Herr Heythausen zum zweiten Male inö HauS trat, um eine andere gefährlich dar, niederliegende Kranke zu besuchen. Der Saal des Erdgeschosses, wo die Männer lagen, stand noch halb offen. Der Caplan geht hinein und tritt auf den Wink deS so eben mit den heiligen Sacramenten versehenen Menschen an dessen Bett, als dieser ganz laut etwa so beginnt: „Herr Caplan, nehmen Sie mich auf in die Bruderschaft, ich bitte Sie, um Jesu Christi willen; ich habe Sie vielfach beleidigt (dazwischen weinte der Arme fast laut auf), habe schlecht gesprochen vom Mäßigkeitsverein; ja, ihr Alle möget es nur hören, ich bin ein großer Sünder gewesen, aber ich fluche und vermciledeie den Schnaps; will der Herr mich holen, so kann ich ihm doch sagen, daß ich Reue gehabt habe und im Mäßigkeitsvereine bin; jeden Abend will ich, um nicht mit der bösen Gesellschaft wieder zusammenzukommen, gleich nach der Arbeit beten und um acht Uhr zu Bette gehen." — Die Kranken hatten sich während dem aufrecht gesetzt in ihren Betten, ein paar Schwestern blieben staunend stehen und sahen auf den Unglücklichen hin, der jetzt leise zu beten begann. — Wie ich höre, ist der Caplan nach Verlauf von etwa einer halben Stunde zurückgekehrt, und hat den bemitleidenSwerthen Menschen für eine Viertelstunde — vielleicht sür ein langes Leben noch! — unendlich glücklich dadurch gemacht, daß er ihm den Gelöbniß- und Aufnahmcschein in die EnthaltsamkeitS-Bruderschast einhändigte, mit der Anzeige und Bitte, er sey nun der 39ste notorische Säufer, der in Geldern eingetreten, und möge für seine 33 Vorgänger, so wie für sich selbst um die Gnade der Beharrlichkeit zu Gott flehen. Dieser versprach es unter Thränen. Einige Zeit nachher begann er heftig zu zittern, sprang aus dem Bette heraus und eilte aufs Gerathewohl durchs Zimmer. Einer der Kranken schellt; die Schwester eilt herbei; das äelirium trsmens ist ausgebrochcn. Gott sey ihm gnädig! — Außerdem liegt augenblicklich noch eine Säuferin im Wahnsinn, die das ganze höllische Heer an sich vorbeiziehen sieht; und bei acht bis zwölfen steht dieses Elend tagtäglich zu erwarten. Auf der Bruderschaft ruht GotteS Segen sichtlich; mit Einschluß deS für die Kinder und sür die sich selbst nicht trauenden Erwachsenen bestimmten Vereins zählt sie jetzt 932 Mitglieder; und seit dem 2. d. M., dem Monatssonntage, als an welchem Tage regelmäßig die feierliche Aufnahme in der Kirche stattfindet, hat sie sich mit neun früher allgemein bekannten Säufern bereichert, deren einer seine alte Schuld damit sühnen zu wollen bekennt, daß er sich verhöhnen lassen und Andere anwerben will. O, möchte doch der Staat endlich gegen die verheerende Pest deS Branntweins einschreiten!" K>6 n?l!k7H''n,5 Iihit z»6 ^'i'!-»? >u!uil>?—777159 5,'k'N -ti-tt nttZklü« 5ZN!1 ; >!>!, Frankreich. ZlÄ III ! >n ^ ^lll! I'^u. ' ^iLNl? /I! ll^l!. . NZjF'>j?'?!>!l,Z^!9')'>jö Der Bischof von PoilierS hat neuerdings einen Hirtenbrief erlassen in Betreff de^ö Werkes der Gründung und Unterhaltung von Priester-Seminarien (welches die I8Z katholische Liebe in Frankreich zu einem oeuvre clo eksritö gemacht hat, an dem sich durch namhafte Beiträge sehr viele Laien, namentlich fromme Damen, betheiligen). Wir entnehmen demselben folgende Stelle: n „Um Priester zu bilden, braucht man Zöglinge, und wir beschwören euch, theuerste Brüder in Christo, wer ihr auch seyd und welchem Stande ihr auch angehört, eure Söhne Gott nicht streitig zu machen und sie unS schon im zarten Alter anzuvertrauen, wenn ihr in ihnen Neigung zum Dienst der heiligen Alläre bemerket. Einer der wesentlichsten Vortheile, den das ehemalige Frankreich vor dem heutigen genoß, war der, daß damals alle Stände ihren Beitrag zu dem heiligen Dienste lieferten. ES war dieß nicht bloß eine Schuld der Religion und der Gerechtigkeit, welche in jenen Zeiten des Glaubens alle Classen des Volkes dem Heiligthum entrichten zu müssen glaubten, indem sie ihm die Steuer ihres BluteS zahlten; eS war nicht bloß eine Ehre, welche jede Familie zu erwerben glaubte, wenn sie eines ihrer Glieder jener göttlichen Hierarchie einverleibte, welche die Propheten und Apostel sich nicht scheuten, eine Gesellschaft von Königen, ein königliches Pnesterthum zu nennen; die ganze Gesellschaft erntete einen unschätzbaren Vortheil aus diesem herrlichen Zusammentreffen aller ihrer Glieder in demselben Stande, den die Versassung des Landes über alle andern gestellt hatte. Keine Classe, keine Familie konnte sich damals in dauernde und systematische Opposition mit der Religion und der Kirche setzen, weil alle Classen und alle Familien an dieselbe selbst durch die Bande der Natur sich gebunden fanden. Und diese Verbindung aller Stände mit der Kirche verband sie wiederum unter sich oder verminderte wenigstens den großen Abstand, der sie sonst getrennt haben würde. Wir haben hier nicht zu untersuchen, bis auf welchen Grad die unreine Mischung menschlicher Absichten dabei die heilige Ordnung der göttlichen Rathschlüsse störte; Alleö, waS ein irdisches Element in sich schließt, wird stets dem Mißbrauch und der Ausartung unterworfen seyn. Was wir aber hervorheben wollen, ist, daß trotz der polilischen Revolutionen, welche alle Stände gleich machen wollten, die gesellschaftlichen Unterschiede schärfer als je hervortraten, seitdem die Kirche m t ihrer Hingebung und ihren Opfern nicht mehr der gemeinschaftliche Sammelplatz aller Classen der Gesellschaft ist. ^ ^ ^ » ! ' ^ ^ v . Freilich, die Kirche ist heut zu Tage nicht reich. Man drängte sich um sie her, als sie glänzende Würden, reiche Einkünfte austheilte. Seit sie arm geworden, hat man sie verlassen. Man muß die Kirche deßhalb beklagen? Wir wissen eS nicht. Aber gewiß ist es edler und großer Seelen unwürdig, in solcher Weise die erhabenste und heiligste Sache in den Tagen deS Unglückes zu verlassen. Gewiß werden viele Familien, die früher eben so durch geistliche Würden ihrer Mitglieder als durch StaatSämter ausgezeichnet waren, von der Nachkommenschaft der Undankbarkeit angeklagt werden, wenn sie ihre Namen gar nicht mehr in den Katalogen deS HeiligthumS finden wird, seitdem daS Heiligthum seiner Schätze beraubt ist. Man lobe sie immerhin um ihrer ehrenwerthen und ausdauernden Treue willen gegen gefallene Dynastien; man wird sich um so mehr wuudern, ihre Söhne unter den Dienern jener Majestät nicht zu finden, der sie stets nach Muße zu dienen Gelegenheit hatten, und man wird bedauern, daß die oft unfruchtbaren Thränen ihrer gefährlichen Unthätigkeit nicht ersetzt wurden durch den Muth der Keuschheit und die Liebe des Opfers, die, indem eS sie unter die Fahnen des Königs der Könige gerufen hatte, sie zu gleicher Zeit der Religion und dem Vaterlande nützlich gemacht. Dasselbe müssen wir sagen von jenen neuern Familien, welchen ihre Talente, ihr Vermögen, die Zeitverhältnisse einen ausgezeichneten Platz in der Gesellschaft gesichert haben. Auch bei ihnen besitzt die Kirche unzweifelbare Rechte und Ansprüche, die sie wohl gelten machen könnte. Ohne von der Vergangenheit zu sprechen, ist eS nicht die Religion allein, der eS vorbehalten ist, endlich dieses Zeitalter der Revolutionen zu schließen, das gegenwärtig das neuerworbene Eigenthum eben so sehr bedroht, als eS früher dem angestammten Besitz verderblich gewesen? Möge das Bürgerthum darüber nachdenken; eS hat Vieles von der Kirche empfangen; eS ist' W ckit w^j ns) »jui! I'ttv'Dv ^ittvii? q.l> si/üso müliiz 11» Äi''7?noiL^il '-ch'sily^toi verpflichtet, ihr wenigstens Einiges zu geben, und in jedem Falle könnte eS keinen wichtigern Act der Versöhnung und der Gerechtigkeit ausüben, als ihr seine Söhne anzubieten. WaS uns betrifft, so rufen wir sie sehnlichst zu unS, und sie können auf unsere zärtliche Liebe rechnen. Und saget uns nicht, theuerste Brüder, es sey nicht eure Schuld, wenn der Hauch von Oben daS heilige Feuer in den Herzen eurer Kinder nicht anzündet. Außerdem, daß ihr selbst cS häufig ausgelöscht habt, sey eS durch directe Bekämpfung ihres Berufes, sey eS, indem ihr ihn übertriebenen Proben unterwarft, die ihn tövten mußten und in der That ihn getödtet haben, wir werfen euch auch vor, nichts gethan zu haben, um ihn hervorzurufen. Ist es nicht gewiß, daß, wenn an ihre Ohren so oft das Geräusch einer ganz weltlichen Weisheit tönt, wenn ihre Herzen daran gewöhnt werden, nichts zu schätzen, als was handgreiflich ist, auf nichts Werth zu legen, als was berechnet werden kann, wenn ihre junge Einbildungskraft mit glänzenden Hoffnungen der Welt genährt wird, ihr selbst eS ihnen wehrt, ihre Seelen jenen Gedanken des Glaubens, der Selbstverläugnung, der Liebe GotteS und der Menschen zu öffnen, die sie dem heiligen Dienste geneigt machen und sie auf den Weg zu den Altären leiten könnten? Ach! meine Brüver, gebt dem Priesterthum in eurem Bewußtseyn und in euren Reden jenen Platz wieder zurück, der ihm angehört; saget euren Kindern, daß daS erste und größte Gebor ist, Gott zu lieben und ihm zu dienen, daß eS eben darum die höchste Würde und daS edelste Amt, das auf Erden gedacht werden kann, sey, durch seinen Srand der Ehre Gottes und dem Heile der Seelen geweiht zu seyn; laßt sie erkennen, daß in den Augen eurer Vernunft und eures Glaubens die wichtigsten zeitlichen Interessen nichts sind gegen die ewigen, und daß deßhalb das heilige Geschäft deS Priesters unendlich erhaben ist über Alles, was euer Vermögen betrifft und euch hier unten größere Genüsse bereitet; sprechet diese Sprache zur rechten Zeit zu euren Söhnen, und ihr werdet bald erkennen, daß unter ihnen sich zum Heiliglhum Berufene finden. Und durch sie wird dann großer Segen, dessen ihr schon lange Zeit entbehrtet, aufs neue über eure Häuser sich ergießen." mu chij ^!ll-7l nvM .Kki tHju »Ak.S, Hl, zch?-Ä Rom. Zwei junge Franzosen, Söhne des modernen Unglaubens, hatten allen Ceremonien der heil. Woche zu Rom beigewohnt, ohne gerührt zu werden, ja mit der ausdrücklichen Absicht, darüber zu lachen und sich lustig zu machen. Am heil. Oftertage befanden sie sich um Mittag unter den Colonaden deS PeterSplatzeS unter der übrigen zahllosen Volks- menge, um die päpstl. Benediction zu sehen und über sie — zu lachen. Der Platz war bedeckt mit hunderttausend Gläubigen aus allen Theilen der Welt. Auf dem Balkon der PeterSkirche erschienen nach und nach die Prälaten und Cardinäle. Der Papst sollte jeden Augenblick erscheinen. Unsere beiden Franzosen lachten, unv verglichen die Menschenmasse, die hier versammelt war, mit der von Paris bei großen Nationalfesten. Unterdessen zeigte sich daS vorangetragene päpstl. Kreuz, und sofort auch der hl. Vater selbst mit der Tiara und dem Pluvial geschmückt auf dem riesigen Balkon in der ganzen Majestät, welche den Stellvertreter Jesu Christi umgibt. Die Trommeln wirbeln, die Soldaten fallen auf die Kniee. Die hunderttausendKöpfe entblößen sich, alle Kniee beugen sich, eine feierliche Stille tritt ein. Unsere beiden Pariser lachen nicht mehr. Der Stellvertreter Jesu Christi breitet seine Hände gegen den Himmel auS, und sie'wieder senkend und auf der Brust faltend, drückt er gleichsam den ganzen Erdkreis an/eitt '^erz. und läßt über die Stadt und über die Welt (ui-ki ot orbi) durch daS Zeichen des h^. Kreuzes seinen apostol. Segen herniedersteigen. Jemand, der hinter den beiden Freunden stand, und alle ihre Reden gehört hatte, hörte da den Einen zum Andern sagen: „Alles Uebrige ist nichts, ja daS ist schön!" „Es ist wahr", erwiderte der Andere. Er lachte nicht mehr; denn helle Thränen stürzten auS seinen Augen. Berantwortllcher Redacteur: L. Schönchen. Verlags-Jnhaber: F. C. Kremer. Zwölfter Jahrgang. Sonntags-Beiblatt zur Augstmrger PojWtung. 13. Juni M- 2^. 185s. Dieses Blatt erscheint regelmäßig alle Tonntage. Der halbjährige Abonnementspreis kr., wofür es durch alle königl. bayer. Postämter uud alle Buchhandlungen bezogen werden kann Die Freiheit der Kirche. WaS schon längst von einsichtsvollen Männern anerkannt und als unbedingt nothwendig für die bessere Gestaltung der Gesellschaft ersehnt worden war: daß nämlich ächte, wahre Gottesfurcht die Menschen durchgingen und zu dem Ende die Kirche — denn sonst ist dieß nicht möglich — alle ihre reichen Mittel entwickeln möge, um den Geist deS Volkes auf das Wahre und Ewige hinzulenken und damit Gewissenhaftigkeit, Opferwilligkeit und Liebe zu guten Werken in den Herzen zu entzünden, daS ist durch die Fügung der Vorsehung durch daS Jahr 1848 zu einem großen Theile wenigstens wirklich geworden. Als damals Alles sich löste und an daS Tageslicht trat, da begann auch, zwar schüchtern anfänglich, die alte, fromme Gesinnung zu leuchten und Wärme um sich zu verbreiten. In so fern ist jenes Jahr ein wahres Jahr des HeileS; viele Menschen haben eS böse gemeint, Gott aber hat daraus Gutes gemacht! Das von der Religion getragene Leben zeigte sich wieder einmal Angesichts der ganzen Welt in zahlreichen Vereinen zur Verbreitung einer kräftigen, wahrhaft religiösen Gesinnung, in wohlthätigen Gesellschaften, in Verbrüderungen zu besondern Werken der Frömmigkeit. Der schlummernde Sinn für daS Göttliche wurde erweckt durch die alterprobten Mittel, durch Missionen, Wallfahrten, Andachten. Nur ein ganz verblendeter Mensch könnte in Abrede stellen, daß dieß Alles unendlichen, mit Händen zu greifenden Nutzen in allen Verhältnissen des LebenS gestiftet habe. Und dennoch war die Anwendung der angegebenen, so segcnrcichcn Mittel vor dem Jahre 1843 der Kirche in Deutschland größtentheilS entweder sehr erschwert oder ganz unmöglich. Diese Mittel gebrauchen zu können, die Möglichkeit also, recht viel Gutes zu stiften, Niemanden zu belästigen, sondern Jeden durch freie Entschließung zum christlichen Leben zu führen, gehört unter die Forderungen nach der Freiheit der Kirche. Allein freilich bleiben diese Forderungen hierbei nicht stehen, sie verlangen noch mehr, was man der Kirche, d. h. den Bischöfen, welche sie leiten, gewähren müsse. Denn alle jene Einrichtungen auf die Besserung unserer Verhältnisse fallen wieder zusammen oder wirken wenigstens nicht viel, wenn die Bischöfe nicht Alles anwenden können, waö der Stifter der Kirche in ihre Hände gelegt hat, um die Menschen zu Gott hinzuführen. WaS helfen Missionen, Andachten und Vereine, wenn z. B. die Geistlichkeit nicht im Sinne der Kirche erzogen wird, wenn die Bischöfe nicht die Stellen besetzen, sondern Personen, die im besten Falle weder das warme, persönliche Interesse, noch diese Kenntniß, keinesfalls aber diese Verantwortung haben! Was helfen alle jene Mittel, wenn sie morgen wieder eingestellt, wenn alle Anordnungen der Bischöfe, um das erwachte, religiöse Leben, damit es nicht erlösche, zu beleben, von anderweitiger 186 Bestätigung abhängig sind? DaS ist klar, daß die Zukunft der Gesellschaft, welche religiös und geistig schon verkommen genug ist, davon abhängt, daß man Alles aufbietet, um dieselbe wieder auf daS Höhere und Ewige hinzulenken. Deßhalb ist ein Stillstand, oder ein Rückschritt in dem Ringen, sich in den Besitz alles Dessen zu setzen, was hierzu nothwendig ist, nicht denkbar, gar nicht möglich. DaS kirchliche Leben ist zu mächtig erwacht, als daß eS wieder zurückgetrieben werden könnte, und wenn auch Schwankungen eintreten sollten, so dienen sie zu nichts Anderem, als die Kräfte neu zu sammeln und desto entschiedener zu entfalten. DaS ist das Begehren nach der Freiheit der Kirche. Wenn man nun freilich viele Zeitungen und Flugschriften lieSt, so glaubt man: morgen sey eS aus mit dem Staate, wenn heute die Kirche frei würde, eS bliebe ihm gar Nichts mehr übrig, er sey rein überflüssig. ES ist dabei gar hübsch, daß dergleichen Blätter und Herren in dieser Angelegenheit ein so zärtliches Interesse am Staate und seinen Rechten, Schutzherrlichkeiten und Majestätsbefugnissen nehmen, da man doch weiß, wie sie sonst auf diejenigen Rechte und Gewalten, welche dem Staate in ihrer ganzen Ausdehnung zukommen und die er nur recht kräftig handhaben soll, so böse zu reden sind und ihm dieselben zu Gunsten der „Freiheit" entwinden möchten. Für Staatsmänner, die nicht verblendet sind, läge allein dain schon Grund genug, um zu sehen, waS zu thun sey. Ist denn aber wirklich solche Noth, bricht denn der Staat zusammen, wenn die Kirche frei wird? Sehet doch nur nach Belgien, England, Nordamerika — dort stellen die Regierungen nicht die Geistlichen an, erziehen sie auch nicht, eS gibt dort auch kein Placet, man kümmerr sich auch nicht darum, wie man die Kirchen baut und Altäre errichtet und Meßgewänver anschafft, und dennoch hat der Staat dort seine volle Gewalt. Doch, wir wollen in der Nähe bleiben, sehet nach, wie es in Frankreich, in Oesterreich, in Preußen steht! Das Alles ist demnach nur leerer Schein, man möchte gern Viel regieren, oder das katholische, daö christliche Leben, daS man nicht gern mag, möglichst einschränken. Beides aber ist vom Uebel. Wo ist auch nur Ein Eingriff, welcher von der Kirche, wenn ihr die gebührende Freiheit wird, in die Rechte des Staates gemacht wird? Will sie Mitwirkung bei den Anstellungen in Civil oder Militär, bei der Gesetzgebung, bei der Verwaltung deS StaatSvermögenS, will sie Verordnungen geben in bürgerlichen Dingen, Steuern auflegen, oder die Polizei in die Hand nehmen? AlleS daS soll und wird dem Staate bleiben und Niemand gönnt eS ihm mehr als die Kirche. Ja, aber die Kirche will frei, an Nichts mehr gebunden seyn! — Meinet ihr, sie verlange, daß ihre Diener oder die Gläubigen auch nur in Einem Puncte anders behandelt werden wollen, als auch die übrigen Unterthanen, oder daß sie sich über alle Anordnungen hinaussetzen wolle? O nein, sie verlangt, daß wer stiehlt, verleumdet, aufreizt, staatSgefährliche Verbindungen errichtet, wer kauft und verkauft, Testament oder Schenkung macht, geradeso behandelt werde, wie eS daS Gesetz für alle Unterthanen des Staates bestimmt hat. Die Kirche verlangt nur, daß sie in den Stücken, welche das Weltliche nichts angehen, daS thun darf, wozu sie auf der Welt ist. DaS ist doch gewiß nicht zu viel verlangt. Sie will singen und beten nach ihrem Gutdünken, Geistliche erziehen und anstellen, welche dieses thun nach ihrem Dafürhalten, sie will daS, waS die Gläubigen geschenkt haben, zum Gottesdienste und zur Erbauung verwenden nach ihrem Ermessen. Dabei will sie Niemanden zwingen, eS nimmt vielmehr Jeder nur nach seiner eigenen, freien Ueberzeugung Theil an Allem, was die Kirche unternimmt. Es ist dieß AlleS so sonnenklar, daß man gar nicht begreift, wie man sich dagegen nur immer so sehr sträuben mag! Allein, wendet man ein, der Staat muß sich vor dem Mißbrauche der Gewalt der Kirche wahren, was kann sie für Unheil gegen ihn anrichten! Mißtrauen ist eine schlimme Sache, besonders aber, wenn eS ungegründet ist. Alles, was in der Kirche gelehrt und gethan wird, ist so öffentlich wie etwas in der Welt; ihrer Wirksamkeit verdanken alle Staaten ihr eigenes Daseyn, eine zweitausendjährige Erfahrung 187 spricht entschieden gegen jenes Mißtrauen, wir wollen nicht reden von der Haltung der katholischen Kirche in den Stürmen der letzten Jahre. Sollte aber ein Mißbrauch von einzelnen Personen, waS stets möglich bleibt, je begangen werden, so hat der Staat das Recht und die Pflicht, solche Leute nach seinen Gesetzen zu strafen, und er thut wohl daran. Ein solches Mißtrauen ist um so schmerzlicher und kränkender, als die Kirche nichts Anderes will, als die Menschen zu Gott führen, also alles Böse auS ihnen entfernen, sie gewissenhast, zufrieden und tüchtig machen in jeder Art. Allein dieses Mißtrauen, welches der Staat gegen die Kirche, d. b. gegen die Bischöfe hegen will, ist eine Beleidigung und Zurücksetzung seiner eigenen, oft zahlreichsten Unterthanen. Die Katholiken schenken ihren Bischöfen und deren Stellvertretern das größte Vertrauen, welches einem Menschen nur gezollt werden kann, in den zartesten und geheimsten Angelegenheiten ihres HerzenS, und sie sind hierzu verpflichtet. Und nun kommt „der Staat" und verfolgt diese Männer mit Mißtrauen! Oder traut er seinen eigenen, katholischen Unterthanen nicht, müssen diese bewacht werden? dann ist keine rechtliche Gleichheit mehr vorhanden; davon wollen wir nicht reden, daß die Katholiken nie Anlaß gegeben haben zur Begründung eines solchen Mißtrauens. Endlich aber begehren die Bischöfe, wenn sie die Freiheit der Kirche verlangen, Nichts, als ihr gutes Recht, sie wollen keine Gnade, keine Gefälligkeit. Denn durch feierliche Verträge haben die Regierungen sich verpflichtet, den Bischöfen alles daS in der Ausübung zu gestatten, wozu sie nach der Gesetzgebung und der Anordnung der Kirche berechtigt seyen. Genau dieß und gar nichts mehr begehren die Bischöfe, und die Regierungen sollen alle kirchlichen Gesetze nachsehen und sollen daS Oberhaupt der Kirche befragen, ob die Bischöfe auch nur daS Geringste begehren, waS ihnen nicht nach den deutlichsten Bestimmungen unzweideutig zusteht Wir wollen hier nicht auf die Art und Weise eingehen, wie der Staat in den Zeiten der traurigsten Verwaisung und Zertrümmerung der kirchlichen Verhältnisse nach der französischen Revolution, dem ReichSdeputationshauptschluß und während der napoleonischen Kriege sich Vieles angeeignet hat, waS den Bischöfen angehört und auch bis dorthin stets angehört hat; wir wollen auch nicht enthüllen/ auf welche wenig erbauliche Weise man die feierlich eingegangenen Verpflichtungen rücksichtlich der Freiheit der Kirche, o. h. der Befugnisse der Bischöfe umgangen hat; wir wollen nur daS aussprechen, daß auch nicht der leiseste Grund besteht, aus dem der Staat auch nur Einen Augenblick Anstand nehmen könnte, die Forderung nach Freiheit der Kirche in ihrem ganzen Umfange und zwar bereitwillig, nicht erst nach langem Zögern und Drängen zuzugestehen. Er macht dann ein großes Unrecht gut, übt einen Act der Gerechtigkeit, befreit sich selbst von schädlichen Geschäften, weicht großen Mißständen aus und gewinnt für sich die beste und kräftigste Stütze: — eine aufrichtige und starke Hilfe in der Arbeit am Wohle der Menschen, da die Kirche mit allen ihren Mitteln nie etwas Anderes als dieß bezweckt hat und bezwecken will. (M. I.) Das erste National-Coneil in den Bereinigten Staaten. (Tablet.) Baltimore, 10. Mai. Ich bin vorgestern von Charleston hierher gereist, um bei der Eröffnung des ersten großen National-Concils der amerikanischen Kirche zugegen zu seyn. Alle Dampfboote und Eisenbahnen, welche nach Baltimore führen, waren seit einigen Tagen von Leuten gefüllt, die in derselben Absicht Hieher reisten. Sie wissen, die amerikanischen Bischöfe haben mehrere Provincial-Concilien gehalten; auf dem letzten, im Mai 1849, stellten sie dem heiligen Vater vor, eS sey sehr zu wünschen, daß mit der Auctorität des heiligen Stuhles sür daS folgende Jahr ein National- Concil berufen werde. Piuö IX. willfahrte der gemeinsamen Bitte der amerikanischen 183 Bischöfe, verschob aber das Concil bis 1852. In diesem Jahre erhielt der Erzbischof von Baltimore, Franz PatriciuS Kenrick, ein Schreiben deS heiligen VaterS, worin er ermächtigt wurde, ein National-Concil nach Baltimore zu berufen und demselben als Delegcit deS heiligen Stuhles zu präsidiren. Der Erzbischof lud nun die Erz« bischöfe, Bischöfe, Ordensobern u. s. w. auf den 9. Mai nach Baltimore ein. In der vorigen Woche kamen schon mehrere Prälaten und Geistliche an; die katholischen Familien in Baltimore nahmen alle Bischöfe und Priester in ihre Häuser auf, so daß keiner in einen Gasthof zu gehen braucht. Am Samstag kamen Tausende von Fremden aus New-York, Philadelphia, Boston, Charleston und den entfernten Städten des Westens an. Die Gasthöfe waren überfüllt; die Omnibus und Droschken fuhren beständig zwischen den Bahnhöfen und den verschiedenen Theilen der Stadt; an den Bahnhöfen erwarteten Gruppen von Neugierigen die Ankunft der Prälaten. Am SamStag Abend um 6 Uhr wurde die große Glocke im Dome gezogen und darauf in allen katholischen Kirchen geläutet. Die Bischöfe versammelten sich, um die Beamten deS Concils zu ernennen und die Ordnung, welche während desselben einzuhalten, festzusetzen. Zugleich wurden die sechs Commissionen gewählt, welche die Decrete vorbereiten. Die Namen der anwesenden Bischöfe sind: Erz bischöfe: Franz PatriciuS Kenrick (Baltimore), Franz Blanchet (Oregon), Peter R. Kenrick (St. Louis), Anton Blanc (New-OrleanS), Johann HugheS (New-York), Johann B. Purcell (Cincinnati). — Bischöfe: Michael Portier (Mobile), Mathias Loras (Dubuque), Richard P. MileS (Nash- ville), Johann Chanche (Natchcz). Richard V, Whclan (Wheeling), Peter Lefevre (Detroit), Johann Odin (Galveston), Michael O'Connor (Pittöburg), Johann M'KIoskey (Albany). Andreas Byrne (Little Rock), Johann Henni (Milwaukie), Jgnaz Reynolds (Charleston), Johann Fitzpatrick (Boston), Amadeus Rappe (Cleve- land), Johann Timon (Buffalo), Martin Spalding (LouiSville), Jacob Vandevelde (Chicago), Magloire Blanchet (Nesqually), Johann Alemany (Monterey), Bernard O'Reilly (Hartford). Franz Xav. Gartland (Savannah), Johann Mac Gill (Rich- mono), Johann V. Miege (Indisches Territorium), Johann Lamy (Neu-Mexico), de St. Palais (Vincennes) und der Bischof von Minisota. AIS Vertreter der religiösen Orden sind anwesend: Jesuiten, Joseph Aschwan- . der, Vice-Provincial von Maryland, W. Murphy, Vice-Provincial von Missouri, Clemens Bonlanger, Superior der Mission in Canada und New-York, und Anton Jourdant, Superior der Mission in New-OrleanS. — Trapp ist: Maria EutropiuS, Abt von St. Maria de Trappa in Kentucky. — Augustiner: PatriciuS Moriarty, Assistent und Generalcommissar. — Benediktiner: Bonifaz Wimmer, Superior.— Dominicaner: Robert Aug. White, v--. tkeol., Generalvisitator. — Lazarist: MarianuS Maller, Director der Barmherzigen Schwestern. — Sulpicianer: FranciS L'Homme, Superior deS Seminars zu Baltimore. — FranciScaner: / Wilhelm Untertbiner, Superior. — Redemp torist: B. I. Hackenscheid, Provincial. Im Ganzen waren 6 Erzbischöfe, 26 Bischöfe, 12 Vertreter von neun Orden, 38 Theologen der Bischöse und gegen 100 andere Priester zugegen. Am Sonntag Morgen zogen die Anwesenden in feierlicher Procession von der Wohnung deS Erz- bischofS zur Kathedrale. An der Spitze ging ein Seminarist mit dem Kreuze, begleitet von Akolythen und Thuriferarien, dann folgten die Seminaristen, die anwesenden Priester, die Theologen, die OrdeZS-Superioren, dann die Bischöfe im vollen Ornat und zuletzt der Erzbischof von Baltimore. Der feierliche Zug, der von dem herrlichsten Wetter begünstigt wurde, machte auf die Zuschauer einen tiefen Eindruck. Gewiß an 100 000 Menschen waren versammelt; die Straßen dicht gedrängt, alle Fenster und Balcone besetzt. Die Ruhe und Ordnung, welche selbst unter dem Pöbel herrschte, erregte die Bewunderung aller Fremden. Die Mitglieder eines katholischen Vereins begleiteten die Procession auf beiden Seiten, kamen aber kaum einmal in den Fall, die Prälaten gegen ungestümes Gedränge schützen zu müssen. 189 In der Cathedrale, die leider nur 3000 Menschen saßt, celebrirte der Erzbischof von Baltimore das Hochamt. Nach demselben hielt der Erzbischof von New-Uork, Dr. HugheS, die Predigt. Er ist ein Mann von sechzig Jahren, mit feinen Zügen, breiter Stirn und sanftem Blick. In seinem ganzen Wesen verbindet sich die Einfachheit eines Kindes mit der Würde eines Apostels. Während der Predigt herrschte in der Kirche die größte Ruhe. — Einige Stunden, nachdem sie gehalten war, muß man sie in New-Uork schon gedruckt gelesen haben, da sie unverzüglich von den Cor- respondenten der dortigen Blätter dorthin telegraphirt wurde. Nach der Predigt wurde das Concil unter den üblichen Förmlichkeiten für eröffnet erklärt. Bericht des apostolischen VicarS für Ceutralafrika. (Schluß.) Für die Katarakten von Ambnkol waltete keine Besorgniß, da der Reies von Dongola daS Wasser bis auf den letzten Stein kannte. Am 26. wurden die mittleren Strömungen ohne Schwierigkeit durchschifft; sobald eS aber an das Ziehen gehen»sollte, erhoben die Leute allerlei Schwierigkeiten, welche indeß die Festigkeit deS ReieS nach einiger Erörterung mit solchem Erfolg niederschlug, daß bis ein Uhr daS Schiff durch alle Krümmungen dieser Katarakte gebracht wurde und deS gleichen TageS noch bis in die Gegend von Tangua fuhr. Zwei Tage sodann kreuzte eS zwischen den Felsen, in welche von da an der Strom eingeengt ist; dann erst gelangte eS an die eigentlichen Katarakten von Tangua. Mittelst Segel und Seilen gewann eS die letzte gefährlichste Strömung, worauf eS wegen seichten WasserS bald vorwärts, bald rückwärts mußte gezogen werden, dabei einen Leck bekam, der erst auszubessern war, doch nicht hinderte, am gleichen Abend über die letzte Stelle dieses Kataraktes hinüberzukommen. DeS folgenden Tages stellte günstiger Wind sich ein. Die Gegend, nicht umsonst Baten-el-Hagiar (Bauch der Felsen) genannt, gewann allmälig ein freundlicheres AuSfthen; die Felsen, bisher immer den Fluß begränzend, weichen gegen die Wüste zurück, ein Saum üppiger Vegetation, jedoch bloß einige Klafter breit, zieht sich dem User entlang, knarrende Wasserräder (Salien) gellen wieder an daS Ohr. Das Schiff flog stromaufwärts; eine Stunde nach Mittag schwankte eS schon in dem Katarakt von Akasche. Auch über diesen half der kräftige Wind ohne Mcnschenhilfe. Um fünf Uhr wurde Angesichts der Trümmer eines ehemaligen katholischen Klosters auf der fruchtbaren Insel Kullub Halt gemacht, die Rastzeit zum Besuch von jenen verwendet. Mit dem kommenden Tag stand der Katarakt von Dal in Aussicht. Er hat eine Länge von drei Stunden. Am Firmament traten Anzeichen einer nahen Wit- terungSveränderung hervor. Sie blieb nicht auS. Ein heftiger Wind trieb daS Schiff im Nu vor den Katarakt. Der wackere ReieS von Dongola hatte bald den Ueberblick gewonnen. Er wagte eS, die Segel aufspannen zu lassen, um bloß mittelst deS WindeS durch die Stromschnellen daS jenseitige Ufer zu gewinnen. Schäumend schlug das Wasser von allen Seiten in daS Schiff; dennoch durchschnitt eS die Wogen und Strömungen, ohn« zu wanken; wehe aber, wenn eS anstieß! Der NckS und der Steuermann gedachten, knapp an dem Felsen die Strömung abzuschneit cn; allein der Wind blies zu heftig, das Wasser wälzte sich zu mächtig, rasch mußten die Segel gerefft werden, um deren Zerreißen und den Bruch deS MastbaumeS zu verhüten. Indeß stieg der Wind von Minute zu Minute, in Wolken wirbelte er den Sand auf; daS Schiff war aufgefahren. Die schwarzen Matrosen springen in den Strom, bemühen sich mit ihren Schultern, eS zu heben. Zum Glück war der Felsen flach unv vom Wasser geglättet; so hatte ihre Anstrengung den gewünschten Erfolg. In zwei Stunden war der Katarakt von Dal, wozu nach allgemeiner Aussage bei bloßem Ziehen zehn Tage kaum hingereicht hätten, dann noch eine weitere Strecke von neun Meilen zurückgelegt; an der Insel Differnati wurde die Nacht zugebracht. 190 Hier beginnt ein gesegneteres Land, eine gesichertere Fahrt. An beiden Ufern wechseln Dattelwälder mit grünen Gefilden. Am letzten Tage des scheidenden JahreS erreichten die Reisenden die Insel Seid, die Wohnstätte des vornehmsten ScheikhS der mohamedanischen Bcrberiner. Der ReieS von Dongola und die Matrosen statteten demselben ihren Besuch ab; zu solchem fand er mit Geschenken auf dem Schiffe sich ein. Der Beginn des eben eingetretenen JahreS war in so fern nicht so glücklich, wie das Ende des abgelaufenen, als Windstille eintrat und bei dem Ziehen das Schiff nur langsam vorwärts kommen konnte. Erst am 3. Januar stellte wieder einiger Wind sich ein, der zwischen den zahlreich bewohnten Nilinseln hindurch eine angenehme Fahrt gewährte. Ueberall standen an den Ufern Schaaren von Menschen, die mit Freudengejauchze das ungewöhnliche Schiff begrüßten, was mit Aufziehen der Flaggen und einer Kanoncnsalve erwidert wurde. Auf diese zwar verliefen sich im ersten Augenblick die Massen, kehrten aber bald jubelnd wieder zurück. Eben so mit Zuschauern gefüllt war der Landungsplatz bei Kouke am Abend des 3. Januars, vor welchem, noch eine Stunde entfernt, der Katarakt von Kazhbar wartete. Er zeichnet sich vor den andern durch seine Seichtigkeit aus, und verursachte Mühsal bloß durch öfteres Auffahren und wieder Flottmachen deS Schiffes, waS eine Zeit von sechs vollen Stunden erforderte. Merkwürdig! hier hat das Wasser eine Tiefe von bloß 2—4 Fuß, indeß oberhalb eine Stange von eben so vielen Klaftern den Grund nicht erreichen würde. Für die Strömungen von Taba wäre auf den folgenden Tag Wind besonders erwünscht gewesen; aber er blieb aus, was zu dem langsameren Ziehen, zu früherem Landen nöthigte. Der heilige DreikönigStag wurde auf Mossul gefeiert, wo bis zu Mittag das Quecksilber von 12 auf 45 stieg. Der dortige Scheikh lud die Fremdlinge zum Mahl und speiste die gesammte Mannschaft durch zwei Tage. Am 7. Januar half wieder der Wind den Ziehenden bis zum Eingang in den letzten Katarakt vor Dong-ola, der für den 8. aufgespart blieb. In der Nacht aufsteigender Wind ließ eine rasche Fahrt hoffen. Sie war eS Anfangs, aber nach einer halben Stunde blieb das Schiff im Schlamme stecken, auö dem es nur mir großer Mühe konnte herausgearbeitet werden. Bald darauf stieß es auS Unvorsichtigkeit deS Schiss- reieS mit solcher Gewalt auf einen Felsen, daß alles Geräthe zusammenkugelte. Zum Glück traf der Stoß nur das Vordertheil. Dennoch sank bei den Matrosen daS Vertrauen zu dem Winde; die Ziehcr mußten zusammengerufen werden, um daö Schiff wieder flott zu machen. Die letzte große Strömung gab noch viel zu schaffen; doch nach einer Stunde war auch diese überstanden und im Flug durchschnitt die 8te!Ia mstutins den bewegten Strom oberhalb TumboS. Von beiden Ufern lief abermals Alles herbei und schrie verwundert: „Ein eisernes Schiff schwimmt über daS Wasser!" Und noch mehr verwundert waren die Landesbewohner, überhaupt bei diesem Wasserstand ein Schiff die Katarakten hinaufkommen zu sehen. Um sechs Uhr AbendS landeten die Missionäre in der herrlichen Gegend von Hasir. DaS allmälige Rasten deS WindeS hätte es unmöglich gemacht, am folgenden Abend in Dongola einzutreffen, würde nicht Herrn KociancicS Festigkeit den ReieS gezwungen haben, auch durch die Dämmerung die Fahrt fortzusetzen, so daß die Stadt eine Stunde nach Sonnenuntergang mit den üblichen Salven konnte begrüßt werden. Ungesäumt verfügte sich Herr Kociancic zu dem Mudir, Horschub Bey, um ihm seinen Dank für die Uebersendung deS ReieS abzustatten, sodann ihn um Handreichung für die fernere Fahrt zu bitten. Der Missionär war überrascht, in dieser fernen Gegend einen so gebildeten Mann zu treffen; dieser dagegen bezeugte seine Freude, daß jener mit seiner Fahrt daS Unglaubliche geleistet habe. AIS der Mudir sodann das Schiff besuchte, setzte ihn Alles in Verwunderung, Alles ließ er mit dem lebhaftesten Interesse sich weisen, stellte auch manche Frage über die Vorgänge in Europa und in Egypten. Im Divan hernach, welchem Herr Kociancic beiwohnte, wurde die Weiterfahrt über Abusamed beschlossen, der Lohn für die Zieher festgesetzt. Ueber diese Fortsetzung der Reise steht der Bericht noch zu erwarten. 191 Diesem mag noch aus einem zweiten nach Chartum gerichteten und von da zur Kenntniß des Comites genannten Bericht aus Dongola vom 15. Januar Nachstehendes folgen: „Von drei Tagreisen her und noch weiter kommen die Leute, um zu sehen. Das Erste, waS ihnen am Herzen liegt, ist Maria. Gott weiß, wer ihnen das bekannt gemacht hat. Mit lauter Stimme, mit aufgehobenen Händen bitten sie, wenn wir sie nicht auf daö Schiff lassen, wir möchten wenigstens die Fenster (der Capelle öffnen); sobald sie dann Maria erblicken, schreien sie laut auf. Selbst von zwei kleinern Gemälden verbreitet sich weit durch das Land der Ruf. Das Zweite, was die Eingebornen anzieht, ist daS Schiff. ES scheint ihnen ein Wunder, daß Eisen schwimme. Manche glauben, wir hätten daS Schiff auf unsern Rücken über die Katarakten hinausgetragen. Andern ist AlleS unbegreiflich; den ganzen Tag im Staube gekrümmt, staunen sie das Schiff an und schweigen, als harrten sie neuer Wunder. „„So etwas habe ich in meinem Leben nicht gesehen"", ist oft der einzige Laut, der sich vernehmen läßt. Stell» mstutins, die unter GotteS und Mariens Schutz so große Gefahren überstanden hat, fortan siegesfreudig dem Lande der Neger zusteuern wird, ist eine Blüthe der werkthätigen Nächstenliebe; ist eine Perlenkrone, die sich vie Katholiken durch ihren Beistand zum Heile deS Südens geflochten haben; ist der Triumph Oesterreichs, dessen Macht und Ehre die vom Schiffe flatternde Fahne den staunenden Negern verkündet; ist der Triumph der Mission, die zu neuen Triumphen, zum Triumphe des Christenthums, den Weg bahnen wird!" Dem können wir auS einem kurzen Schreiben des Herrn ProvicarS — Chartum, den 10. Februar — noch beifügen: „Die Stell» mstutins hat eine wahre Riesensahrt zu Verwunderung der überraschten Nubier zurückgelegt. Wir erwarten sie hier in der ersten Hälfte des Märzes. — Meine Gefährten beschäftigen sich häufig mit den hiesigen Einwohnern und mit Vorbereitungen zu der Expedition auf dem weißen Strom, wo bereits ein von mir zurückgelassener Missionär seit Beginn des verflossenen Jahres unter den Bari-Negern den Nachkommenden den Weg bereitet. Auch von diesem hoffe ich mit Anfang des künftigen MonatS Berichte über seine Erfolge zu erhalten. Drei unverdächtige Zeugen über die Gesellschaft Jesu. Der Encyklopädist d'Alembert war bekanntlich in seinem Haß gegen die Kirche weit kälter, in seinem Grimm gegen dieselbe ungleich schneidender, als der Patriarch dieser sogenannten Philosophen: Voltaire. Dennoch sah selbst d'Alembert sich gezwungen, in seinem Artikel: „Abschaffung der Jesuiten" der Wahrheit in so weit wenigstens Zeugniß zu geben, baß er eingestehen mußte, die wissenschaftlichen Celebritäten der Gesellschaft ständen keinen andern nach. „Man muß billig seyn, sagt er. Keine Ordensgesellschaft ohne Ausnahme hat einer so großen Zahl berühmter Männer in allen Wissenschaften und in der Literatur sich zu rühmen. Die Jesuiten haben in allen Fächern mit Erfolg sich bewährt. Beredsamkeit, Geschichtsforschung, Alterthumskunde, Geometrie, tiefe und angenehme Literatur, eS gibt keine Classe von Schriftstellern, unter denen die Gesellschaft nicht Männer ersten Verdienstes aufzuweisen hat." Durfte der große Astronom und entschiedene Atheist La lande einen ClaviuS, «inen Ricciola und Grimaldi, welche Galilei'S System durch unumstößliche Versuche erhärteten und von denen letzterer KepplerS Sternencatalog mit 505 Sternen bereicherte, einen P. Scheiner, der lange vor Galilei die Sonnenflecken beobachtete, einen Grünberger, der die höchst merkwürdige prospeetivs novs coelestis verfaßte, einen Lecomte, der zuerst auf die Trabanten-Finsternisse aufmerksam machte, seinen Zeitgenossen BoScowich, den die königliche Gesellschaft der Wissenschaften zu London unter ihre Mitglieder aufnahm, so viele andere, welche in der Wissenschaft der Astronomie sich hervorgethan haben, mißkennen? Sie sammt solchen, welche in andern Fächern des Wissens sich hervorgethan haben, würdigend, sagt er in seinen „philosophischen 192 Jahrbüchern" von dcr Gesellschaft überhaupt: „Ich habe sie in der Nähe gesehen, eS war eine Helc>enschaar. Der Name Jesuit übt auf mein Herz, meinen Geist und meine Dankbarkeit Anziehungskraft auS. Carvalso und Choiseul haben das schönste Menschenwerk, den ewigen Gegenstand meiner Dankbarkeit und meiner Bewunderung und welchen nie irgend eine Anstalt unter'dem Monde gleichkommen wird, unwiederbringlich (?) zerstört." Dann sagt er an einem andern Ort: „Das menschliche Geschlecht hat jenen kostbaren und staunenswerthen Berein von zwanzigtausend Individuen, welche unausgesetzt und uneigennützig mit dem Unterricht, der Predigt, der Mission, mit Wiederaussöhnungen, mit dem Beistanv der Sterbenden, mit einem Worte, mit den der Menschheit theuersten und nützlichsten Leistungen, beschäftigt war, für alle Zeiten eingebüßt." — Was wäre aber der ehrliche Atheist gegen den verantwortlichen PillerSdorf? Hätte jener im Jahre 1848 in Wien gelebt, er hätte sich'S müssen gefallen lassen, den Jntelligenzlosen beigezählt zu werden. Der driite unserer Zeugen ist zwar ein Erzbischof, aber weniger als Kirchen- fürst, denn durch seine Unterwürfigkeit vor der Jmperatorengewalt Bonaparte'S ausgezeichnet: der aufgedrungene Bischof von Mecheln de Pradt, Auch er kann nicht umhin, auszurufen: „Welch' eine Richtung war dieses unter den Menschen! WaS sind die anspruchslosen Tugenden anderer Ordensgeistlichen gegen diese Männlichkeit des Genies? Wirklich, wie hat der Orden auch gelebt, wie ist er unterlegen? Dieses nach Art und Weise der Titanen — den vereinten Blitzen aller Götter deS irdischen Olymps. Hat der Anblick des TodeS seinen Muth erkältet? Ist er einen Schritt vor demselben zurückgewichen? ^ut 8int. ut sunt, gut non sint, lautete sein Bescheid. Das heißt aufrecht und nach Art der Cäsaren sterben. Wer könnte St. JgnatiuS und seiner Stiftung den Titel groß versagen? ES wäre eine gewaltige Unbill, ihnen in der Hierarchie der Macht des menschlichen GenieS den ersten Platz zu verweigern. Loyola war ein großer Eroberer, er besaß das Genie zu Eroberungen. Ja, JgnatiuS war groß, groß unter den Großen, von einer bis auf ihn unbekannte» Größe. Ein Eroberer einer neuen Art, hat er zwei Jahrhunderte hindurch mit wehrlosen Mönchen sich die Welt zu eigen gemacht. Er hat in die Mitte der Welt einen Baum mit unvergänglichen Wurzeln gepflanzt, welcher unter dem Beil, daS ihn verstümmelte, neue Lebens- und Triebkraft erlangt. Wenn dieß keine Größe des Genies ist, so sage man doch, worin denn eS bestehe. Es geziemt der Mittelmäßigkeit nicht, Colosse in Erz zu gießen." (W. Kirchenztg ) Berlin. Berlin, 22. Mai. In der Mark Brandenburg gedeiht die katholische Kirche auf eine höchst erfreuliche Weise. Die Seelenzahl mehrt sich von Monat zu Monat. So sind z. B. in Neustadt-EberSwalde vor Kurzem cilf erwachsene Personen mit ihren Kindern, zusammen fünfundzwanzig Personen, in den Schooß der Kirche aufgenommen worden, und acht Erwachsene sind wieder im Unterrichte. Möge die erbarmende Liebe unserer GlaubenSbrüder in der Ferne unS beistehen, damit dem Seelenhunger so vieler kleinen Gemeinden des Delegatur-Bezirkes, die kaum einmal deS Jahres einen Priester sehen, Genüge geschehen könne, Wohl hat der Himmel in den letzten Jahren wunderbar geholfen, denn die Zahl der Seelsorgerstellen ist innerhalb acht Jahren verdreifacht worden, aber noch brauchen wir wenigstens fünf Priester, um den dringendsten Bedürfnissen zu genügen, Was sind in Berlin selbst für 2O,vl1t> Seelen der Civilgemeinde fünf Curatpriester, von denen der eine noch zwei Drittheile seiner Zeit am Schreibtische zubringen mußl — Der zum Feldpropst für den katholischen Bestandtheil der Armee vom Könige bestellte westfälische Geistliche, Herr Menke, ist vor einigen Tagen hier eingetroffen und hat seine Funktionen begonnen. Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. Verlags-Jnhaber: F. E. Aremer. Zwölfter Jahrgang. Sonntags-Beiblatt zur Augswrger PostMtung. 20. Juni SS. 185s. Dieses Blatt erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der halbjährige Abouuementsvreis kr., wofür es durch alle königl. bayer. Postämter und alle Buchhandlungen bezöge» werde« kanu Der Freimaurer-Orden in seiner wahren Bedeutung. I. Unter dieser Aufschrift hat der Advocat Eduard Emil Eckert neuerdings zu Dresden ein Buch herausgegeben, welches mit einer Vollständigkeit, wie nie bisher, alle irgend wie zur Kcnnlniß gelangten Aclenstücke über den Freimaurer-Orden umfaßt und von-unschätzbarem Werthe für die richtige Beurtheilung dieser von der katholischen Kirche wiederholt feierlichst ercommunicirlen geheimen Verbindung ist. Indem ich das interessante Buch allen denen angelegentlich empfehle, welche bei Hellem Tage nicht im Finstern tappen wollen, vermeine ich der guten Sache einen Dienst zu erweisen, wenn ich in nachfolgenden Artikeln daraus eine kleine Aehrenlesl gebe und mit der Beleuchtung der Slellnng deS Ordens zur Kirche und zum positiven Christenthum beginne. Hier wird der Grund klar und deutlich werden, warum Papst Clemens XII. und Benedict XIV. den Freimaurerbund verworfen unv alle Katholiken, welche ihm beitraten, von der Kirche und ihren Seg-> nungen ausgeschlossen, eine Bestimmung, die noch bis heute in Kraft besteht, wcß- halb alle Absolutionen, welche ein Freimaurer von einem mit seiner Mitgliedschaft unbekannten oder sie ignorirenden Priester im Beichtstuhl erlangt, ungillig, kraftlos und gottesränberisch sind, so lange derselbe im Ordcnsverband verbleibt. Warum also diese Strenge der Kirche gegen einen Orden, der nach der vulgären Meinung nur edle wissenschaftliche und sittliche Zwecke verfolgen soll? Mit Recht findet Eckert es von vornherein sehr bedenklich, daß diese edlen Zwecke in das tiefste Geheimniß verhüllt und mit zwölf Eiden verklausnlirt werden. Denn besäße der Bund wirklich eine höhere Einsicht in die göttlichen Dinge als wir gewöhnlichen Menschenkinder, eine Einsicht, welche der Menschheit eine größere Vollkommenheit ermöglicht, als sie thalsächlich har, so wäre eine sittliche Nothwendigkeit da, dieß Licht mit seinem ganzen Glänze leuchten zu lafftn; denn offenbar hat der Weise die Pflicht, seine Weisheit zum Gemeingut zu machen, widrigenfalls er pflichtvergessen und unweise handelt und den gerechien Verdacht erregt, baß sein Vorgeben lügenhaft und seine Devise eine falsche Maöke sey. Oder besitzt der Orden außerordentliche Mittel zur sittlichen und gesellschaftlichen Erhebung der Menschen? Aber wie darf derselbe diese dann vorenthalten und nur wenigen Auserwäbllen knnd geben? Ist in diesem Fall das Geheimniß nicht unvernünftig und unmoralisch? Vernunft und Moral fordern die öffentliche Bekanntmachung aller guten Mittel zur Heilung der sittlichen und gesellschaftlichen Wunden der Völker. Es handelt somit der Orden unverantwortlich, wenn er seine angebliche Vorlrefflichkeit der Welt verbirgt, und wir haben das Recht, an der Güte seiner Zwecke zu. zweifeln, weil daö Gute di.> Finsterniß haßt. Dagegen heißt es: Wer böse ist, hasset daS Licht und kommt nicht .YNl,g7(lttß. 7?M5m6. ans Licht, damit seine Werke nicht offenbar werden. Oder ist es wahr, daß Wohlthätigkeit des Ordens letzter Zweck ist? Die ächte Wohlthätigkeit geht zwar ver. borgene Wege; allein ein Mal weiß man, daß der Orden seine Wohlthätigkeit in erheblichem Maaße nur auf die Ordensbrüder auSvehnt, und könnte man auch die Uneigennützigkeit seiner Liebe in ihrer Ausdehnung auf alle Menschen nachweisen, müßte eS nicht, sofern Wohlthätigkeit deS Ordens Envabsichl wäre, unverständig und lächerlich erscheinen, diesen Zweck in das Geheimniß zu hüllen und die Mitglieder mit einer Menge schrecklicher Eide zu verpflichten, denselben gegen Niemand zu offenbaren? Kein vernünftiger Mensch wird darum läugnen, daß Eckert Recht hat, wenn er sagt: „Mag nun Wohlthätigkeit, Wissenschaft, Moral oder Religion als Zweck genannt werden, keiner dieser Zwecke verträgt sich noch heute mit der ängstlichen Geheimhaltung, mit den Verschwiegenheilseiden bei jeder Graduirung, selbst den Brüdern unterer Grade gegenüber." Entweder ist also der Orden eine große Spielschule für erwachsene Kinder, roaS Keinem einfallen wird zu behaupten, oder seine Zwecke vertragen sich nicht mit den religiösen und sittlich-gesellschaftlichen Grund-- principicn, wie sie durch das Christenthum gelehrt und realisirt werden. Dieses letztere nachzuweisen wird nicht schwer fallen und kann unmöglich die Bemerkung eines höchst oberflächlichen Correspondenten der schlestschen Zeitung dagegen etwas verfangen, wenn er, um den Freimaurerbund gegen allen Ärgwohn sicher zu stellen, hervorhebt, daß hohe Persönlichkeiten, welche ein Interesse haben, alle religions- und staatSgefährlichen Tendenzen niederzuhalten, demselben angehörten; denn wahrscheinlich weiß derselbe nicht, daß die meisten OrdenSglieder in höchster Unkenntniß über die veschworenen Geheimnisse des Ordens sind, so daß es durchaus nicht auffällig ist, wie Männer in.ihm arbeiten und mit Geld und Ansehen ihn unterstützen, welche niemals ihre Hand bieten würden, wenn sie klar erkennten, welche Tendenzen alö letzte Absicht verfolgt werden. Aeußerst wichtig ist zur Charakterisirung des religiösen Standpunctes im Freimaurerorden die „kritische Geschichte der Freimaurerei von Feßler", welche als Manuscript von der Großloge an die einzelnen Logen abschriftlich vertheilt worden, die also alö authentische Urkunde zu betrachten. Hier lieSt man (ok. Eckert pgZ. 120): „In der Behandlung war ich weder Lutheraner noch Calvinist, nicht Katholik, nicht Atheist noch Deist, nicht einmal Christ; so mußte es denn auch kommen, daß mir der JesuS, wie ihn die Vernunft anerkennen und das edlerfühlende Herz verehren und lieben muß, unmöglich der Jesus der Kirche und der Theologie werden konnte." Dieß Bekenntniß deS nackten Unglaubens an Jesus Christus als Gottessohn wird 122 erläutert und verstärkt durch die Auslassung: „JesuS wollte weder das Jubenthum reformiren, noch eine neue religiöse Secte bilden, noch auch eine Kirche errichten, sondern unter dem von ihm errichteten Reiche bloß den Zweck deS essäischen Bundes theils erweitern, theils allgemeiner machen, theils unter einer einfacheren und der Vernunft angemesseneren Hülle verbergen." Im weiteren Verlauf wird dann die Gründung der Kirche durch die Apostel und die bekehrten Juden als ein Erzeugniß der Unwissenheit und Beschränktheit erklärt, indem dieselben ihre Synagogenverfassung nicht hätten vergessen können, „weßhalb sie dahin gearbeitet, daS von Jesu gestiftete Reich GotteS in eine synagogenartige, d ogmatisirende, verfolgende, herrschende Kirche zu verwandeln." Man hat hier also so viel Blasphemien als Worte oder Sätze. Unmöglich kann für daS Angeführte blos Feßler persönlich verantwortlich gemacht werden; denn seine Schrift ist Eigenthum der Großloge; diese hat Abschriften von selber versandt; sie hat somit die in dem Manuscript klar gelehrte Verläugnung der Gottheit Christi und die hierin insinuirte Erklärung deS christlichen Glaubens und der christlichen Kirche als Product der Unwissenheit und des mindc, stenS unabsichtlichen Betruges nicht gemißbilligt und verworfen, sondern durch Verbreitung dieser Lehren offen kund gegeben, daß die Verläugnung ver christlichen Grundlehren sich mit dem Zwecke deS Ordens wohl vertrage. Wenn daher auch in dem 195 Manifest, welches die Ordensobern in Deutschland unter dem Großmeisterthum des Herzogs von Braunschweig im Jahre 1794 erließen, gesagt wird: „Durch daS Christenthum hat der Bund seine Consistenz erhalten; daS Christenthum hat ihn ausgebildet; die Göttlichkeit des Christenthums war die Hauptgrundlage seiner Lehre und seiner Zwecke/' so ist doch unzweifelhaft, daß diese angebliche christliche Grundlage schon seit lange dem Orden abhanden gekommen. Faciisch hat derselbe dieß anerkannt durch die Aufnahme der Juden in die Verbrüderung, und die vorzüglichsten maurerischen Sprecher bestätigen mit Worten, was der Orden in der That sanctionirt hat. Man wolle bei der folgenden Darlegung der antichristlichen und antikirchlichen Bestrebungen im Freimaurerbunde nicht übersehen, daß kein Ordensbruder eine Rede halten oder drucken lassen darf, die nicht von den Obern approbirt ist. Somit sind sämmtliche Auslassungen Ansteht deS OrdenS, nicht einer Person. In der Zeitschrift für Freimaurerei, als Manuscrivt für Brüder gedruckt zu Altenburg 18Z3 (es. Eckert psg. 255) wiro die Zerstörung alles posiiiven Christenthums intendirt, indem gesagt wirv: „Einigung der verschiedenen Kirchengenossen in der naturlichen Religion, Gleichheit der Rechte und Ansprüche, gemeinschaftliches Vergnügen und gemeinschaftliches philanthropisches Wirken sollen die Verbrüderung befestigen." Ebendaselbst wird nicht undeutlich zu verstehen gegeben, daß die Gottheit unpersönlich und daß die eigentliche Gottheit die Menschheit sey; denn der Bruder Maurer meint: „Man würde unö (die Maurer) der Abgötterei beschuldigen, wenn wir die Idee von Menschheit als moralische Person ebenso personificiren wollten, wie man die Gottheit zu personificiren pflegt." DeS Pudels Kern also ist nach diesem Geständniß: Wir Maurer würden unsern Unglauben an Gott offen verkünden und an die Stelle deS christlichen GotteS die Menschheit setzen, wenn wir nicht glauben müßten, daß man uns für Abgötterei hielte. Wenn der Atheismus unter den Fittigen deS Maurer- thumS Platz hat, wie sollte das Christenthum daselbst auf große Ehre Anspruch machen? Wer kann cS daher dem Prediger am neuen israelitischen Tempel zu Hamburg, Gotthold Salomon, Mitglied der Loge „zur aufgehenden Morgenröthe im Osten" zu Frankfurt a. M., verübeln, wenn er in einer Logenrede ausruft: „Warum findet sich in dem ganzen maurerischen Ritual auch keine Spur von einem kirchlichen Christenthum? Warum wird der Name Christus nicht ein einziges Mal genannt, weder im Eivc, noch im Gebet, daS bei geöffneter Loge oder bei der Tafellogc verrichtet wird? Warum zählen die Maurer nicht von der Gvburt Christi, sondern wie die Juden von Erschaffung der Welt? Warum ist in der Freimaurerei kein christliches Symbol? Warum Zirkel, Winkelmaaß, Waage? Warum nicht daS Kreuz und die andern Marterwerkzeuge? Warum statt „Weisheit, Stärke und Schönheit" nicht daS christliche Trio: „Glaube, Hoffnung, Liebe?" Und Gotthold Salomon antwortet ganz recht: Alleö das sey so und nicht anders, „weil ein kirchlich-christliches Maurerthum der schreiendste Widerspruch, wie ein eckiger Zirkel, sey." DaS Maurerthum hat mit dem wahren Christenthum nichts zu schaffen. Deßhalb, als man zu Berlin die Juden nicht aufnehmen wollte, schrieb auch Graf Fernig, Vice-Präsident aller französischen Logen an vr. Verend: „daß man in ganz Frankreich den Maureraspiranten nur nach seinem Leben, nicht nach seinem Glauben frage; der Gott der Maurer habe keinen besondern Namen; eS sey der große Baumeister deS Universums, und, fährt er fort: „die religiösen Vorurlheile deS Mittelalters (daS Christenthum) bewahren, heißt daS Gesetz deS Fortschritt« läugnen; vorgeben, daß die Freimaurerei vo« christlicher Aera sich herleite, daS heißt die feierliche Ueberlieferung der königlichen Kunst verkennen; wir waren früher als die Stiftung der christlichen Religion." Der Sinn all dieser Thorheiten ist der: die Freimaurerei will auch nicht einmal christlich scheinen! Bruder Kloß, der gelehrteste Maurerschrifisteller, Professor und Medicinalrath, ist darum auch sehr ungehalten gegen die, welche die Logen noch mit einem christlichen Anstrich versehen wollen; er hielt 1344 in der Meisterloge zur „Einigkeit« einen Portrag: „über die Unstatthaf- 196 tigkeit deS Versuchs, ein positives Christenthum in die Freimaurerlogen hineinzuziehen," worin er bemerkt, daß 25W Logen an den Grundsätzen festhielten, welche die Behandlung positiv christlicher Gegenstände verböten. Ihm schließt sich an ein evangelischer Prediger zu Frankfurt a, M., welcher in der „Latomia" erklärt: daß auf der ganzen Erde nur die drei Berliner Logen specifisch christlich zu seyn prätendirten. Um das Maaß voll zu machen, wollen wir noch ein Paar Juden abhören. Der Eine, Dr. M. H eß, schreibt in der von einem evangelischen Prediger redi- girten „Latomia": Wenn Maurerlogen sich als christliche Institutionen betrachten und Nichtchristen den Zutritt nicht gestatten, so vergessen sie die wesentlichste B-stim- mung der Maurerei: daS im Menschengeschlechte wieder zu vereinigen, waS durch kirchliche Meinungen wie durch bürgerliche Verhältnisse von einander geschieden ist. Verliert die Maurerei diese ihre Bestimmung auS dem Auge, so dient sie nur, Irrthümer und Vorurtheile zu befestigen, von welchen die geläuterte Religion die Menschen zu befreien trachtet." WaS der Jude unter Irrthümern und Vorurtheil, so wie unter geläuterter Religion versteht, geht deutlich auö der Fortsetzung hervor, wo derselbe in unnachahmlicher Schamlosigkeit das Christenthum verhöhnt, wen» er sagt: „Zwar stürzt ein Stein nach dem andern von der dichten Mauer, welche Männer, deren Lebenselcment die Finsterniß ist, aus heiligem Trug und Satzung, auö Sagen und Legenden aufgeführt haben, um dem Licht der Vernunft (dem religionslosen Mauschellhum) den Zugang zu versperren und den blinden Glauben mit seinem Liede: blinden Gehorsam, unversehrt zu erhalten..... Die Maurerhallen waren eö, wo unter dem Schutze des Geheimnisses Edle (?) auS allen Classen und Ständen die Grundsätze lehrten und inS Leben riefen, die in der profanen bürgerlichen Gesellschaft noch als Ketzereien und frevel, hafte Neuerungen verpönt waren." Der Jude Heß wird noch übertroffen von dem Juden Ludwig Borne, welcher als Mitglied des Freimaurerbundes 1333 eine Rede hielt, worin derselbe ausführt: Die Herrschaft wurde geboren, mit ihr die Sklaverei. Die Bösen hielten Rath, ihre Herrschaft zu befestigen und ersannen daS Christenthum und benutzten cS, eine blutige Zwietracht unter die Menschen zu bringen. Dagegen verband sich der Maurerorden (es Eckert pgg. 261 ff ). Ich könnte noch zahllose authentische Belege auS dem vortrefflichen angezeigten Buch beibringen, um zn beweisen, baß der Maurcrorcen der Kirche und dem christlichen Glauben feindlich entgegenstehe, daß in seinen Hallen die Glaubensgleichgilligkeit privilegirt und selbst der Atheismus geduldet sey; allein für unsern Zweck sey eS dießmal genug. Jeder Kacholik, will er nicht Verrath an Kirche und Glauben üben, muß sich von diesem Bunde fern halten, unv wo er aus Unwissenheit sich ihm hingegeben, ihn verlassen. Das strenge VerwerfungSurtheil der Kirche, das sie über die Freimaurerei gefällt, steht gerechlfenigt da und würde selbst dann gerechtfertigt erscheinen, wenn wir weniger von der Maurerei in ihrem antichristlichen Charakter wüßten; denn eine Thalsache ist, daß Katholiken, die sich der Maurcrei zuwende», fast durchschnittlich ihre kirchlichen Pflichten sträflich verabsäumen, die Sacramente meiccn und dem JndiffercntiSmuS verfallen, von dem der Herr in der Offenbarung sagt: Weil du nicht kalt noch warm bist, darum will ich dich ausspeien auS meinem Munde. (Fortsetzung folgt.) " Religiös-politisches Glaubensbekenntniß des Marquis von Bal- degamas (Donoso CorteS.) An Herrn Herausgeber des „Heralbo." Paris, 15. April t8S2. Mein Herr! Der „Heraldo" (vom 8. d. M.) enthält einen Artikel, welcher der Vertheidigung deS Rationalismus, deS Liberalismus und deS Parlamentarismus gewidmet ist. Sie zählen dort lobend alle die kostbaren Vortheile der freien Erörterung auf und citiren, um Ihre Lehren zu stützen, gewisse Worte, die ich im Jahre 197 1336 im Athenäum zu Madrid gegen das göttliche Recht der Könige ausgesprochen habe, Worte, die Sie beredt nennen, während sie höchstens wohlklingend waren. Ich glaube, Sie daran erinnern zu müssen, daß ich bereits seit langer Zeit dergleichen Lobsprüche nicht mehr verdiene, und daß ich in Bezug hierauf von Ihnen nur Vergessenheit oder Tadel fordern kann. Zwischen Ihren Ansichten, welche ich selbst theilte, als ich noch ein junger Mensch war, und denen, zu welchen ich Mich jetzt bekenne, besteht ein vollständiger Widerspruch und eine unüberwindliche Verschiedenheit. Sie glauben, daß der Rationalismus das Mittel sey, zur Vernunft, der theoretische Liberalismus, zur praktischen Freiheit, der Parlamentarismus, zu einer guten Regierung zu gelangen; baß die freie Forschung in Wahrheit das Mittel zum Zweck, daß endlich die Könige nichts Anderes als die Verkörperung des mensch, lichen Rechtes. Ich glaube im Gegentheil rücksichtlich des Rechtes, daß daS menschliche Recht nicht eristirt, und daß es kein anderes Recht gibt als das göttliche Recht. In Gott ist das Recht und die Concentration aller Rechte; im Menschen ist die Pflicht unv die Concentration aller Pflichten. Der Mensch nennt sein Recht den Vortheil, der fin ihn aus der Erfüllung der Pflicht des Andern, die ihm zu gut kommt, hervorgeht: das Wort Recht ist auf seinen Lippen ein fehlerhafter Ausdruck. Wenn er noch weiter geht, und seinen fehlerhaften Ausdruck in Theorie verwandelt, so entfes, seit diese Theorie die Stürme auf der Welt. Die freie Erörterung, wie Sie dieselbe verstehen, ist nach meiner Ansicht die Quelle aller möglichen Irrthümer unv der Ursprung aller denkbaren Ertravaganzen. WaS den Parlamentarismus, den Liberalismus und den Rationalismus betrifft, so glanbe ich, daß der erstere die Negation der Regierung, der zweite die Negativ» der Freiheit, der dritte die Affirmation der Narrheil ist. Was bist du denn aber, wird man mir sagen, wenn du weder für die freie Erörterung, wie sie in der modernen Welt verstanden wird, noch liberal, noch rationalistisch, noch parlamentarisch bist? Bist du Absolutist? Ich würde Absolutist seyn, wenn der Absolutismus der radicale Widerspruch aller jener Dinge wäre; aber die Geschichte lehrt mich, daß es rationalistischen AbsolulismuS gibr, daß eö bis auf einen gewissen Punct liberalen und diSculirenden Absolutismus gibt, und daß eS umgekehrt absolute Parlamente gibt. Der Absolutismus ist also höchstens der Widerspruch in der Form, nicht der Widerspruch im Wesen, von jenen Lehren, welche berühmt geworden sind durch die Größe ihrer Verwüstungen. Der Absolutismus ist nicht der Widerspruch dieser Lehren; es kann kein Widerspruch vorhanden seyn zwischen Dingen von verschiedener Narur. Es ist eine Form, und nichis al>? eine Form; unv ist es nicht die größte Absurdiiät, in einer Form den radicalen Widerspruch einer Lehre zu suchen, oder in einer Lehre den radicalen Widerspruch einer Form? Der Kaiholiciömus allein ist der Widerspruch der Lehren, welche ich bekämpfe. Gebt der katholischen Lehre eine Form, welche ihr wollt; trotz dieser Form wud Alles im Augenblick umgewandelt seyn unv ihr wervet daS Angesicht der Eide erneuert sehen. Mit dem Katholicismus gibt es kein Phänomen, das nicht in die hierarchische Ordnung der Phänomene paßte, keine Sache, die nicht der hierarchischen Ordnung der Dinge sich fügte. Die Vernunft hört auf, Rationalismus zu styn, d. h. sie hört auf, jener Leuchllhunn zu seyn, von dem man sagt, daß er uuerschaffen sey, um ihm das Privilegium zu geben, zu erleuchten, ohne von irgend Jemand angezündet zu seyn; sie wird wahre Vernunft, d. h. ein wunderbares Licht, das sich in sich concenlrirt, und außer sich daS glänzende Licht des Dogma verbreitet, den reinsten Reflex Gottes, des ewigen, uuerschaffenen LichteS. WaS die Freiheit betrifft, so ist die katholische Freiheit weder ein Recht in ihrem Wesen, noch eine Unterhandlung in ihrer Form; sie erhält sich nicht dnrch den Krieg; sie entsteht nicht aus einem Conlracte, sie wirv nicht erworben durch Eroberung. Sie ist nicht eine weinberauschte Bacchantin, wie die demagogische Freiheit: sie 198 schreitet nicht einher unter den Völkern mit den Reizen einer Königin, wie die parlamentarische Freiheit; sie hat nicht zu ihren Dienern Tribunen, die ihr den Hof machen; sie schläft nicht ein unter dem Gemurmel der Menge; sie hat keine permanente Armeen, die aus Nationalgarden bestehen; sie liebt es nicht, sich auf dem Triumphwagen der Revolutionen bequem niederzulassen. Die Gebole Gottes sind das Brod deS Lebens. Unter der Herrschast des Katholicismus «heilt eS Gott den. Regierten und den Regierenden aus, invem Er sich das unveräußerliche Recht vorbehält, sich von den Regierenden eben so wie von den Regierten gehorchen zu lassen. Unter dem Schutze und in der Gegenwart GotteS vereinigen sich Herrscher und Unterthan in einer Ehe, deren Heiligkeit sie mehr der Natur eines Sacramentes, als der eines Contra cteS nähert. Die beiden Theile finden sich implicite gebunden durch die göttlichen Gebote. Der Unterthan übernimmt die Pflicht, zu gehorchen, mit Liebe zu dem Herrscher, den Gott einsetzt; und der eingesetzte Herrscher geht die Pflicht ein, mit Liebe und Milde die Unterthanen zu regieren, welche Gott seinen Händen anvertraut. Wenn die Unterthanen gegen diesen Gehorsam und diese Liebe fehlen, so läßt Gott die Tyrannei zu; wenn der Herrscher gegen jene Liebe und Milde verstößt, so läßt Gott die Revolutionen zu. Durch die erstere werden die Unterthanen zum Gehorsam zurückgeführt; durch die letzteren werden die Fürsten zur Milde zurückgeführt. Eben so also, wie der Mensch das Böse auS dem guten Werke GotteS zieht, so zieht Gott das Gute aus dem schlechten Werke des Menschen. Die Geschichte ist nichts Anderes als die Erzählung der verschiedenen Ereignisse dieses riesenhaften Kampfes zwischen dem Guten und dem Bösen, zwischen dem göttlichen Willen und dem menschlichen Willen, zwischen dem allbarmherzigen Gott und dem widerspenstigen Menschen. Wenn die Gebote Gottes genau beobachtet werden, d. h. wenn die Fürsten mild und die Völker gehorsam sind, und wenn beides von der Liebe unterstützt wirb, dann entsteht aus der gleichzeitigen Unterwerfung unter die göttlichen Vorschriften eine gewisse sociale Ordnung, eine gewisse Lebensweise, ein gewisses individuelles und allgemeines Wohlseyn, welches ich Zustand der Freiheit nenne, und welches dieß wirklich ist, weil die Gerechtigkeit da herrscht, und die Gerechtigkeit macht unS frei. Hierin besteht die Freiheit der Kinder GotteS, die katholische Freiheit. Diese Freiheil ist keine bestimmte, besondere und concrete Sache; sie ist weder ein Organ deS politischen Organismus, noch eine der verschiedenen socialen Institutionen. Dieß ist sie nicht; sie ist mehr: sie ist das allgemeine Resultat des guten Zustandes aller Organe; sie ist daS allgemeine Resultat der Harmonie und Uebereinstimmung aller Institutionen; sie ist daS, was die Gesundheit des Organismus im Allgemeinen ist, welche mehr gilt als ein gesundes Organ; sie ist daS, was daS Leben deg socialen und politischen Körpers ist, welches kostbarer ist als daS Leben einer blühenden Institution. Die katholische Freiheit ist daS, waS diese beiden Sachen sind, die vortrefflichsten unter den vortrefflichen, die, weil sie überall find, aus diesem besondern Grunde, in keinem einzelnen Theile ihren Ort haben. Diese Freiheit ist so heilig, daß jede Ungerechtigkeit sie verletzt; so stark und so gebrechlich zu gleicher Zeit, daß Alles sie belebt, und die kleinste ungeregelte Bewegung sie erschüttert; so voll Liebe, daß sie alle Menschen zur Liebe einladet; so mild, daß sie alle Menschen zum Frieden ruft; so eingezogen und bescheiden, daß sie, vom Himmel gekommen, um daS Glück Vieler zu begründen, von Wenigen nur gekannt und von Niemand beklatscht wird; ste selbst weiß nicht, wie sie sich nennt, oder wenn sie eS weiß, so sagt sie eS nicht, und die Welt kennt ihren Namen nicht. Was die freie Erörterung betrifft, so ist nicht mehr Aehnlichkcit zwischen der katholischen Erörterung und der philosophischen Erörterung vorhanden, als zwischen der katholischen Freiheit und dem, waS man politische Freiheit nennt. Der Katholicismus geht folgendermaßen zu Werke: Er n, mt einen Strahl deS Lichtes, daS ihm von Oben zukommt; er gibt ihn dem Menschen, um mit seiner Vernunft ihn zu befruchten, und der schwache Strahl deS Lichtes verwandelt sich durch daS Mittel der 199 Befruchtung in einen Lichtstrom, der die Horizonte erfüllt. Der Philosophismus im Gegentheil fängt damit an, geschickt mit einem dicken Schleier die Wahrheit und daS Licht zu bedecken, daS unS vom Himmel gekommen ist, und stellt der Vernunft ein unlösbares Problem, nämlich: durch dciö Mittel der Befruchtung die Wahrheil und das Licht aus dem Zweifel und der Dunkelheit zu erzeugen, welches die der Befruchtung der menschlichen Vernunft ausgesetzten Dinge sind. Der PhilosophiSmuS verlangt also vom Menschen eine Lösung, welche der Mensch nicht geben kann ohne vorläufigen Umsturz der ewigen und unveränderlichen Gesetze. Nach einem dieser Gesetze hat die Befruchtung nur die Kraft, den befruchteten Keim zu entwickeln nach den Bedingungen seiner eigenen Natur, und in seinem eigenen Sinne; so geht vaS Dunkle auö dem Dunklen, das Helle aus dem Hellen, das Aehnliche auS dem Ähnlichen hervor, veum cle veo, lumsn cle lumine. Gehorsam diesem Gesetze ist die menschliche Vernunft, in ihrer Befruchtung deS Zweifels, bei der Negation angekommen, und in ihrer Befruchtung der Dunkelheit bei der stockfinstern Nacht, und zwar durch daS Mittel logischer und progressiver Transformationen, die in der Natur der Sachen selbst gegründet sind. Bei der Verfolgung so verschiedener Wege ist es nicht zu verwundern, wenn der Katholicismus und der PhilosophiSmuS ein so verschiedenes Schicksal haben. Achtzehnhundert Jahre lang erörtert der Katholicismus auf seine Weise, und diese seine Weise zu erörtern hat ihm den Sieg in jever Erörterung verschafft. AUeS geht an ihm vorüber; die Sachen, die in ver Zeit sind, und die Zeit selbst. Er selbst geht nicht vorüber. Er bleibt, wo Gott ihn hingesetzt hat, unbeweglich in Mitten der großen Wirbelwinde, welche die allgemeine Bewegung anfacht. Er selbst lebt ein eigenes Leben in dieser Welt geborgter Leben. Der Tod hat nicht die Erlaubniß erhalten, sich ihm zu nähern, selbst in diesen untern und dunklen Regionen, die seiner Herrschaft unterworfen sind. Um seine Kräfte zu erproben sprach er einst zu sich selbst: Ich will ein barbarisches Jahrhundert wählen und eö mit meinen Wundern erfüllen, und er wählte daS dreizehnte Jahrhundert und schmückte eS mit vier Monumenten, den herrlichsten, die das menschliche Genie aufgerichtet hat: die theologische Summa des heil. Thomas, das Gesetzbuch cls Iss karticlss von AlphonS dem Weisen (eine Kompilation altspanischer Gesetze, welche daS vollendetste Muster einer christlichen Gesetzgebung ist), die göttliche Comödie von Dante und die Cathe- drale von Köln. Seit viertausend Jahren erörtert der Rationalismus auf seine Weise, und auch er hat, um sein Anvenken zu verewigen, zwei unsterbliche Monumente hinterlassen: das Pantheon, wo alle Philosophen liegen, und das Pantheon, wo alle Konstitutionen liegen. Was den Parlamentarismus betrifft, so läßt sich von ihm nichts sagen. WaS würde auS ihm bei einem wahrhaft katholischen Volke, d. h. wo der Mensch von Jugend auf weiß, daß er Gott Rechenschaft geben muß, selbst von den unnützen Worten? Juan Donoso CorteS. Jerusalem. Die „Union" widmet der Frage wegen der heiligen Oerter eine sehr einläßliche Untersuchung. Es bestehen darüber Verträge zwischen Frankreich und der Pforte von den Jahren 1673, 1740 und I7o4, Nach diesen Verträgen gehören den Lateinern unbestritten 1) im Innern von Jerusalem: g) die zwei Kuppeln der großen Kirche von Jerusalem; k) in dieser Kirche der Tisch, auf welchem der Leib deS Erlösers ein- balsamirt worden und den man den SalbungSstein nennt; e) in der gleichen Kirche die sieben Bogen, welche man die Bogen der heiligen Jungfrau nennt, von welchen wir (die Lateiner) nur noch die obere Terrasse besitzen; cl) die Gräber von Gottfried von Bouillon, von König Balduin, von Philipp von Burgund und von Philipp I. von Spanien. 2) Außer Jerusalem: a) das Grab der seligsten Jungfrau; b) die soo große Kirche von Bethlehem; e) die Grotte der Geburt, wo sich ein silberner Stern mit der lateinischen Inschrift befand: Hier ist von der Jungfrau Maria JesuS Christus geboren worden. Die „Union" bekennt, daß die französische Diplomatie, stall daß ihr einfach die Anerkennung dieser urkundlich zugesicherten Besitzungen von der Pforte ausgesprochen worden wäre, von der Pforte getäuscht worden sey. Der französische Botschafter habe zu der Ernennung einer UnlersuchungScommission beigestimmt, wodurch der Werth aller jener Urkunden in Frage gestellt worden sey. Es sey ein neuer Vergleich geschlossen worden, in welchem die Pforie sich verpflichtet habe 1) zur Zurückgabe der sieben Bogen der heiligen Jungfrau in ihren untern Theilen, ein Besitz, dessen wir seit einem halben Jahrhundert beraubt sind; 2) zur theilweisen Wiedereinräumung, nicht zn dem alleinigen Besitze deS GrabeS der seligsten Jungfrau, bei dem Bache Cedron, im Thale Josaphat, aus welchem die Lateiner seit 110 Jahren verdrängt sind; 3) zur Wiederanbringung deS silbernen SterneS in der Grotte der Geburt; >4) zur Rückgabe deS äußern Schlüssels der großen Kirche von Bethlehem und der zwei Schlüssel der Seitcnthüren, Die Mönche gingen sonst nur durch ein Loch hinein, welches der Prinz Joinville bei seiner Reise nach Palästina in die Tempelmauer brechen ließ. Ueberdieß erhielten die Mönche die Vollmacht, eine Kirche in dem gemischten und benachbarten Bethlehem, Bälidjella genannt, zu bauen; zwei Häuser an ihrem Kloster, die an die Kirche deS heiligen GrabeS stoßen, zu erwerben, und endlich ihre Hauplkirche des Klosters zum heiligen Erlöser zu Jerusalem auszubessern. Das waren die Bedingungen, welche die französische Diplomatie durch die Unterhandlungen gewonnen hatte, ein türkischer Commissar sollte in Jerusalem sie in Erfüllung bringen. Allein die Vollziehung zögerte — auf einmal erscheint der Ferman in dem „Siecle" von Athen. Durch diesen setzt sich der, Sultan als souveräner Richter über die Verträge. Der Ferman stellt den Lateinern nicht nur nicht zurück, was ihnen gehört, sondern er entscheidet Fragen, welche noch unerörtert waren, und beraubt sie unbestrittener Besitzungen. Augenscheinlich (sagt die „Union") können die Dinge nicht so bleiben. Die Ehre unseres Landes, unsere nationale Würde, unsere vielhundertjährigen Rechte, unsere wichtigsten Interessen sind im Spiele. R u H l a n d. DaS „UniverS" bringt einen höchst merkwürdigen Brief einer Synode russischer Bischöfe an die Sorbonne von Petersburg 6 ä. 18. Juni 1718. Die Sorbonne halte die Bischöfe zu einer Besprechung über die UnterscheidungSlehren eingeladen. Die Bischöfe geben in diesem Briefe dem Vorschlage zur Wahl von beidseitigen Commissarien Beifall und sprechen den Wunsch nach einer Vereinigung der lateinischen und griechischen Kirche auS. Im Jahre 1848 kam man auf diesen Brief von 17 l3 wieder zurück und schlug den russischen Bischöfen vor, sie möchten einige Theologen beauftragen, mit Theologen von Rom über die Schriftterte hinsichtlich deS Papstes in Unterredung zu treten. Allein man antwortete: „die Vereinigung unter den Christen sey eine Angelegenheit, welche Gott allein angehe." Damit war also der Vermitllungsantrag, zu welchem man sich im Jahre 1713 geneigt gezeigt hatte, hundert Jahre später abgelehnt. DaS „Univers" wagt die Zuversicht auszusprechen, daß der gegenwärtige Kaiser Ricolaus, wenn Jemand den Mulh hätte, ihm die Wahrheit zu sagen, zu einer solchen Vereinigung gern die Hand böte. Ist aber dem Kaiser Nicolaus nicht von Gregor XVI. in Rom die Wahrheit gesagt worden? Sie hat ihn erschüttert, aber nicht umgewandelt. Der Glaube ist eine Gnade GolleS. Wir wissen, daß in einem großen Theile von Frankreich an die Rückkehr deS Kaisers Nico^ lauS zu der kalholiichen Kirche und in Folge davon an eine Vereinigung der griechischen Kirche mit der römischen geglaubt und dafür eifrig gebetet wird. Zu diesem Gebeie möchten wir auch die Kalholiken Deutschlands ernstlich ausfordern. Welch' ein Heil für Europa, wenn die russische Nation mit ihrem kräftigen Heerführer in den Schooß der Kirche zurückkehren würde! Verantwortlicher Redacteur: L> Schönchen, VerlagS-Jnhaber: F. C. Kremer. Zwölfter Jahrgang. Sonntags-Beiblatt zur Augsburger Pojheitung. 27. Juni 2V. 1852. Dieses Blatt erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der halbjährige Abouuementsvrei« 4V kr., wofür e« durch alle königl. bayer. Postämter und alle Buchhandlungen bezogen werden kann- Das erste Rational-Concil in den Bereinigten Staaten. II. (Taklet.) Baltimore, t7. Mai. I» dieser Woche sind noch zwei Prälaten angekommen, so daß jetzt 6 Erzbi- schöfe und 27 Bischöfe hier sind, wohl die größte Zahl, welche sich seit dem Trienter Concil versammelt haben. Außer ihnen nehmen 12 Superioren der Orden und 42 Theologen an den Sitzungen Theil. Die Theologen sind in Commissionen vertheilt, welche den Tag über sich versammeln; AbendS von 4—6 Ubr kommen alle mit den Bischöfen in der Kirche zusammen. Die Bischöfe halten deS Morgen» allein eine Sitzung, um über die Fragen zu entscheiden, welche vorher den Commissionen vorgelegen haben. Jeden Abend predigt einer der Bischöfe oder Theologen. Am Donnerstag wurde ein feierliches Seelenamt für die seit dem letzten Concil verstorbenen Bischöfe gehalten; der Bischof von LouiSville hielt nach dem Evangelium die Trauerrede auf den Erzbischof Eccleston von Baltimore und die Bischöfe Tyler und Fiaget. Am 1k. Mai wurde in der Calhedrale die dritte öffentliche Sitzung geHallen. Die Bischöfe begaben sich dorthin in derselben feierlichen Weise, wie bei der Eröffnung deS Concils. Die versammelte Menschenmenge war eben so groß. Der Bischof von PittSburg predigte über den Primat. Am Tage Christi Himmelfahrt wird daS Concil in einer öffentlichen Sitzung geschlossen. Baltimore, 2t. Mai. Gestern hat das National-Concil seine Sitzungen beschlossen. Die Bischöfe begaben sich in feierlicher Procession zu der Cathedrale, wo der Erzbischof von New- Orleans daS Hochamt, der Bischof von Boston die Predigt hielt. Nach Absingung deS Voni Oöator wurden die gefaßten Beschlüsse vorgelesen und von den Bischöfen auf dem Hochaltar unterzeichnet. Der Bischof Vandevelde von Chicago wurde beauftragt, dieselben dem heiligen Vater zur Bestätigung zu überbringen. Darauf folgten die üblichen „Acclamationcn". das 1'e veum und der Segen. Zum Schlüsse sprach der Erzbischof HugheS von New-Uork dem Erzbischof von Baltimore, als Präsidenten deS Concils, den Dank der versammelten Prälaten auS und schilderte dabei mit hinreißender Beredsamkeit die Eintracht, welche bei den Berathungen geherrscht. ES sey kein Wort vorgefallen, welches nicht in der Gegenwart deS allerheiligsten Sacra- mentS hätte gesprochen werden dürfen. Der Erzbischof von Baltimore wollte antworten, aber Thränen erstickten seine Stimme. — Der Hirtenbrief deS Concils, welcher zu lang ist, um hier mitgetheilt werden zu können, empfiehlt Anhänglichkeit und Gehorsam gegen den heiligen Stuhl, Festhalten am Glauben und Beobachtung der Gebote der Kirche, Unterstützung der .yavg7(Il 2^ ,^ Bemühungen der Bischöfe für die kirchlichen Bedürfnisse der Gläubigen und die Begründung von katholischen NnterrichtSanstalten mit Hmweisung auf die Bestrebungen der irischen Bischöfe zur Gründung einer katholischen Universität, Theilnahme an dem Lyoner MissionSverein und Gehorsam gegen die wellliche Obrigkeit. Die Beschlüsse deS Concils werden erst veröffentlicht, nachdem sie vom heiligen Stuhle bestätigt sind. Es heißt, daS Concil habe die Errichtung von eilf neuen BiSlhümern beantragt: Newark und Brooklyn sollen als eigene BiSthümer von der jetzigen Erzdiöcese New Uork abgetrennt, und ferner zu Burlington im Staate Vermont, zu Portland in Maine, zu Erie in Pennsxlvanien, zu Wilmington in Nord- Carolina und zu Quincy in Illinois neue BiSthümer errichtet werden; auch Kalifornien und Neu-Merico oder TeraS sollen neue BiSthümer erhalten und zwei apostolische Vicare für Florida und das indianische Territorium ernannt werben. "ivll" ->> >'>>'>I^l^ ^»»t..». "» »» . 15.i .^>„... ^ 5>ii',i>>>i» H^zi'T Der Freimaurer-Orden in seiner wahren Bedeutung. (Fortsetzung.) ,U5tvvtT «5tHjui55»W N56 nji.ltZnoN-!l,ttoit«»5T sHr» ö»O Ich habe aus EckertS Schrift einige Bruchstücke zur Charakteristik der religiösen Tendenz der Freimaurerei auSgehoben und glaube durch die Selbstbekenntnisse der Maurer genugsam erwiesen zu haben, daß ihre Tendenz dem positiven. Christenthum durchaus feindlich und im Grunde auf nichts anderes hinauslaufe, als einen schalen Deismus und eine daS sogenannte Menschenthum bezweckende Moral zu verallgemeinern. Diese Tendenz wurde als daseyend bestätigt durch die Zulassung des Reform- JudenthumS in den Orden, so wie durch die Thatsache, daß alle bekannten Maurer zu den lauen Brüdern in der Kirche gehören. Wenn ich aber diese religiöse Verflachung als Ordenszweck dargethan, so kann doch auch nicht geläugnel werden, daß der Orden zu verschiedenen Zeiten Menschen zur Folie gedient hat, welche als die erklärtesten Feinde nicht bloß der Kirche, sondern des Christenthums überhaupt, auf seinen Ruin hinarbeiteten. In der durch einen Bruder ausgearbeiteten Constit litt on der Großloge deS JohanniS-Ordens zu London vom Jahre 1722 wird schon festgesetzt: „Die Maurerei ist ein MenschheitSbund zur Veredlung der Menschheit, um durch Ablegung schädlicher und thörichter Vorurtheile, durch Verbreitung toleranter Gesinnungen und humaner Grundsätze eine stufenweise sittliche Vervollkommnung Vermenschlichen Gesellschaft zu bewirken, an welchem Ordens st reden der Jude und Türke eben so viel Antheil nehmen kann, als bisher ausschließlich nur den evangelischen Christen vergönnt gewesen" (ck. Eckert, psZ. 63 und 64). Wenn auch eine Zeit lang die mehr aristokratisch gesinnten Logen gegen dieses Statut ankämpften, so wurde eS dennoch aufrecht erhalten und eS kann keinem entgehen, daß Juden und Türken zu den erklärten Feinden der christlichen Religion gehören. Diese Richtung verbreitete sich denn auch mit rapider Schnelligkeit nicht bloß in den englischen, sondern auch in den französischen Logen. Es genügt, wenn ich erwähne, daß die frechsten Verschwörer gegen das Christenthum, die Rottenführer der Encyklopävistenbande, als da waren Alembert, Condorcet, Diderot, Harpe, mit ihrem Anhang sich auf den Rath Voltaire'S im Jahre 1763 in den Freimaurer-Orden aufnehmen ließen; sie vereinigten sich mit der Loge vom Großorient und an die Spitze im Orden traten, außer dem als Chef erwählten, in der Revolution so entsetzlich gebrandmarkten Herzog Philipp von Orleans, Condorcet, Mirabeau, Brissot, SieyeS u. s. w. Diese Namen reichen hin, um darzuthun, wie in Frankreich in dem berüchtigten 13ten Jahrhundert die Logen der Sammelplatz für die frechsten Rebellen gegen Kirche und Christenthum waren, von wo aus der Krieg gegen die christliche Ordnung in ganz Europa organism wurde. Denn diese franzö- ') Schles. Kkchenbl. 203 fischen Maurer hatten in allen Landen ihre Bundesgenossen; am französischen Hofe wirkten in ihrem Geist und mit ihnen eng verbunden Graf Argenson, die Dirne Pompadour, der Herzog von Choiseul, welcher namentlich die Zerstörung deS Jesuiten- Ordens bewirkte; in Spanien hatten sie den Minister Pombal als Mitverschworenen, in Preußen arbeitete in ihrem Interesse Friedrich II., in Oesterreich Joseph II., in Rußland Catharina II. Kurz, es gab kein Land, wo sie nicht entweder die Fürsten oder ihre Räthe in ihren Sold nahmen. Natürlich ahnten die Fürsten nicht, daß sie daS Messer sich selbst an den Hals setzten; sie wollten den Preis der Aufklärung und wurden die Helfershelfer nicht bloß der kirchlichen, sondern auch der bürgerlichen Rebellion. Sehr passend scheint hier, was ein Maurer-Haupt Louis Blanc in seiner „Geschickte der französischen Revolution" hierauf bezüglich schreibt, indem er bemerkt: „Obgleich die Freimaurer den am meisten mißtrauischen Regierungen einen nicht geringen Schrecken einflößten, Clemens XII. in Rom sie in Bann that, die Sorbonne in Paris erklärte, „sie verdienten die ewigen Strafen", so fanden sie doch, Dank dem geschickten Organismus ihres Ordens, in den Fürsten und Adeligen weit eher Beschützer als Feinde. Regierende Häupter, z. B. Friedrich der Große, fauden kein Bedenken, die Maurerkelle in die Hand zu nehmen und daS Schurzfell umzubinden. Natürlich, da ihnen die Existenz der böhern Grade sorgfältig verschwiegen ward, so wußten sie von der Freimaurerei gerade so viel, als man ihnen ohne Gefahr zeigen konnte. . . . . Und so geschah eS, daß die hochmüthigen Volksver- räther (so nennt der Maurer Blanc die Fürsten) durch eine gerechte und merkwürdige Fügung des Zufalls verleitet wurden, die geheimen Pläne, die gegen sie selbst gerichtet waren, in ihren Schutz zu nehmen und blindlings durch ihren Einfluß zu fördern" (ck. Eckert, pgF. 74 u. 75). Leider nur zu wahr; die Fürsten halfen die Religion untergraben, damit die Revolution ohne Hemmung die Könige würge! Ich bemerkte oben, daß dieser in den französischen Logen e nheimisch gewordene antichristliche Geist sich auch in andern Ländern Eingang zu verschaffen wußte. Man richt-: sein Augenmerk auf Deutschland, wo Professor Weishaupt zu Jngolstadt den von ihm gegründeten berüchtigten.INu- minaten-Orden dem Freimaurerorden einverleibte (Eckert 87). Welche Art Leute durch diese Einverleibung die Freimaurerei in sich aufnahm, möge deS Kurzen erörtert werden. Weis Haupt, der daS Christenthum läutern und die ächte Humanität in die Welt einbürgern wollte und daher vorschrieb: „in seinen Bund passe nur, wer außer unzähligen schönen Eigenschaften, begierig sey, sich über alles niedrige Interesse hin. wegzusetzen, wer, wo eS um Wahrheit und Tugend zu thun se», sich über den Beifall des großen Haufens hinwegsetze," dieser Weishaupt war, wie gewöhnlich die erbitterten Feinde deS positiven Christenthums, ein erbärmliches Subject. In einem seiner später von der bayerischen Regierung in Beschlag genommenen Briefe bekennt er in Gefahr zu stehen, Ehre und Reputation zu verlieren, indem er in unlaulern Verhältnissen mit seiner Schwägerin gelebt und ist für seine Person nicht gegen die verbrecherischsten Mittel, um seine Reputation zu retten (Eckert 83). Seit dieser Verbindung der Jlluminaten mit den Freimaurern ist in den Orden auch in Deutschland jener unchristliche Geist vollends eingedrungen, von dem ich schon in Artikel I Proben geliefert. Und wenn dieser Geist offenbar ein verwerflicher ist, wie kann in dem Orden ein Mensch verharren, welcher an der Göttlichkeit deS Christenthums festhält? Und wie darf ein Geheimbund geduldet werden, unter dessen Schatten sich erbitterte Verschwörer gegen jene heilige Religion seit lange verborgen, welche doch die Grundlage des gesellschaftlichen Wohlergehens ist? WaS nützt eS den einzelnen OrdenSobern, wenn sie auch gegen diese Elemente Protestiren und sie als Mißbräuche schildern wollen, da sie den Mißbrauch nicht hindern und abstellen können? Daß eine große Zahl der Mitglieder in diesem Geheimbunde nicht weiß, was sie thut und nur einer unschädlichen Brüderschaft anzugehören glaubt, ist wahrscheinlich; allein daß diese „unschädliche Brüderschaft" in ihrem jetzigen Zustande vom christlichen Standpunct aus 204 durchaus verwerflich, weil das positive Christenthum untergrabend ist, wer kann das läugnen? Denn nicht bli«<5 ^ VRAKTUUS ^ ' " > " a,»sil? »i^l ch>,slüg ninn i>.!.cl^-lttzuo ,n?gisiiji7of n-ni^m >7»li^i 7ui n,?«E n^n^chölch?,^ u,l iuo n,-lnutT 'o'httr"^ "'^^ "L-> 6>L >b» n^choun-a ^^nu 7i« lnig^ ichk,inzttiW islU i?" idr.ii aini .-'luvtZ. ini ijiimivÄ. »üijZ't i-'l M..rA«gsburgcr PostMimg. >tgv^I?g childiilr, chim ?»tn^ oiiil .!«mW 7'tfchlicüiun^ »i .blAih^^ Vnu 7,j ,»^.^ Kl uz 4. Juli ^„j^ „„.i chilctn, «dl Ä m^i!^ l85)S. _>->"^ -NA-^I Dieses Blatt erscheint regelmäßig alle Tonntage. Der halbjährige Abonuemcntsprcis HlV kr., wofür es durch alle köni'gl. bayer, Postämter und alle Buchhandlungen bezogen werde» kauu »oll^-üilL N^r^ !dil!Zröll nZÄllittZ ^Iills a»u bliüM Udjl chlllf^cil N»'ZI1UI?S Iwu ltj!iil autt AuS einem Bericht über die von G. F. Brinbesis im I. 1830 im u> , . cr,^^-- ^- an den apostol lochen De legalen Blschof von Syra. libäi! ».Yen 15. Mai gegen sechs Uhr Abends lichteten wir die Anker und verließen den Has/n von Syra, Die See war spiegelglatt, und schon kommenden TageS um sieben Uhr Morgens liefen wir im PyränS ein, wo zwei französische, ein englisches und ein österreichisches Dampfboot, so wie eine russische Brigg vor Anker lagen. Da mir bei meinen vielen Geschäften in Athen nur kurzer Aufenthalt gegönnt war, so verfügte ich mich gleich nach der h, Messe in die Hauplstadt, übergab dem Superior der Missionen in Attika meine Briefe, und verfügte mich inS Schloß um den mir ertheilten Aufträgen nachzukommen. Hierauf ging ich zu dem Gesandten der französischen Republik, Herrn Thouvenel, welchem ich den ganzen Hergang der gräulichen Verwüstung der französischen und bayerischen Monumente auf den Feldern von Navarin und Modon auseinander setzte. Derselbe, höchlich erstaunt über einen sol- chen VandaliSmuS, bat mich, ihm bei meiner nächsten Hierhcrkunft einen ausführlichen Bericht hierüber vorzulegen, damit er beim Ministerium des Innern seine Klage formell begründen und die geeignete Genugthuung fordern könne. In den PyräuS zurückgekehrt erfreute ich mich der gastfreundlichen Aufnahme beim dortigen Missionär, und ging dann sogleich an Bord des Dampferö, um mlt dem Frühesten nach N aupIia abzugehen.^ m>^,-^ Hier verweilte ich fünf Tage, und reiste dann zu Schifte nach MiluS. Der im Sommer gewöhnliche Seewind schwellte die Segel unseres kleinen Fahrzeuges so gut, daß wir schon nach dreiviertel Stunden die Bucht durchschnitten hatten. Sogleich stieg ich zu Pferde, durchritt die Felder von Chivcr! und bestieg die Berge von Kolvssurli. Nachdem wir die Höhe erreicht hatten, bewunderte ich das herrliche Panorama, welches die Küste, die Berge und der Golf von ArgoliS bitten, und während sich ganz besonders meine Augen an dem südlichen Horizonte, von den Jllselu" Speiia und Hydra begränzt, weiteten, neigte sich die Sonne zum Untergänge und die Dämmerung entzog die entfernteren Berge meinen Blicken. Nach wenigen Augenblicken beleuchtete das Licht deS MondeS unsern bald gefährlichen, bald gut geebneten Pfad bis nach Achladhocambo. Die Stille dieser tiefen Thäler mit ihren riesigen Schatten schien uns kleinmülhig zu machen; die auf den Bergen zerstreuten Feuer der Schafhirten bewiesen uns jedoch die Nähe von lebenden Wesen. Nach zweistündigcm, beschwerlichem Ritte, hie und da von Hundegcbell unterbrochen, fanden wir uns in d r berühmten Hütte von Dusa, ich sage berühmt, weil König Otto einst hier abstieg. Für den, der noch nie in Griechenland eine Reise zu Land gemacht, ist es nicht möglich, sich eine richtige Vorstellung von einem Landwirthöhaüse zu machen. .httng-k(lr>i?!^r,h!5t«Ä. Wehe dem Reisenden, der nicht Bett und Küche mit sich führt oder sich mit Zwiebel und Knoblauch zu sättigen und am bloßen Boden zu schlafen gewohnt ist. Ich hielt eS für besser, meinen Weg fortzusetzen, allein weder mein Führer, noch sein Pferd vermochren eS. Ich legte mich daher ein paar Stunden auf den durchlöcherten Boden der besten Kammer im Hause, und nach ein Uhr Mitternacht setzten wir unsere Reise fort. Doch auf welche Weise! Gequält von dem erduldeten und noch schneidenden nächtlichen Froste, noch mehr aber von der Furcht vor Dieben beunruhiget, begrüßte ich Jeden, der uns begegnete, in freundlichster Weise, und hätte mich glücklich geschätzt, eine, wenn auch weniger höfliche Antwort zu erhalten; allein ich erhielt öfters auch diese nicht. ^. ^ . Nach einem Wege von fünf Stunden sah ich endlich zum dritten Male die Hauptstadr Arkadiens wieder, so wie meinen theuern Freund Herrn vr. Schimpfle, der mich, wie im verflossenen Jahre, in seinem Hause beherbergte. Ich vergaß alle Beschwerden der Reise in den Umarmungen meines besten und liebenswürdigsten WirlheS. Die Stadt Tripolitza wurde vor 25 Jahren von Ibrahim Pascha zerstört, und liegt acht Stunden westlich von MiluS und fünf Stunden nördlich von Mrgalo, poliS, ihre Bevölkerung besteht in 6—8Vöt> Seelen; größtenlheilö wohnen bier Eisen- und Kupferschmiede, Katholiken befinden sich hier keine, als der obenerwähnte Arzt und sein Diener, ein Venezianer, welche am darauffolgenden Sonntag TrinitatiS die heiligen Sacramente der Beicht und Communion empfingen. Obschon mein noch weit entferntes Reiseziel mir keinen längern Aufenthalt gestattete, so verschob ich doch meine Abreise bis nach dem heiligen Fronleichnamsfeste, während dessen ich nicht auf der Reise seyn wollte. Ich machte mich daher erst den folgenden Freitag auf den Weg, und kam den nächsten Tag in Begleitung zweier Gendarmen nach Kalamata, wo ich in der Kaserne St, Floro übernachtete. «Kalamata, der Hauptort des peloponnesischen Paradieses, ist berühmt durch seinen Feigen-, Seiden- und Oelhandel, und wird v^n 4000 Mainoten, Messeniern und FestlandSbewohnern bevölkert, unter denen sich zwei europäische Aerzte, von welchen einer ein Deutscher ist, sich befinden. DeS letztern Gastfreundschaft benützle ich Heuer vierzehn Tage lang, und obgleich derselbe Protestant und seine Frau schiömatische Griechin ist, so Überhäuften mich doch beide mit Artigkeit. Ich kam an einem Samstage hier an und hatte also nicht Zeit genug mich genau um die Zahl der hier wohnenden Katholiken zu erkundigen, ich erfuhr indeß, daß deren bloß fünf oder sechs, meist Lombarden hier seyen, welche in den Seidenfabriken arbeiten. Da diese von meiner Ankunft Kenntniß erhielten, wohnten sie den folgenden Tag der heiligen Messe bei, die ich in einem Saale meiner zuvorkommenden Gastfrennde feierte, doch machten sie keinen Gebrauch von den^heiligen Sacramenten der Buße und des Altars. Kaum waren zwei Tage in der herben Erinnerung dieser geistigen Lauheit verstrichen, so hörte ich auf einem Spaziergange unter den vaterländischen Lauten italienische Worte sprechen; ich nähere mich, und bemerke unter der griechischen Fustanella die europäische Tracht. Ich fragte daher die Fremden, ob sie Italiener seyen, und wie lange sie hier wären. Obschon sie aus der Sprache vermuthen konnten, daß ich ihr LandSmann, also Katholik sey, erriethen sie dennoch nicht, daß ich Priester wäre. Die Neugierde, oder besser mein Wunsch, ihre Zahl, die Zeit ihreS Aufenthaltes und ihre Absichten kennen zu lernen, vervielfältigte meine Fragen, und bestimmte mich, ihnen meinen Zweck zu entdecken. Ich näherte mich einem derselben, der ihr Vornehmster schien, und sagte ihm im Vertrauen, daß er meinen Eifer nicht übel nehmen möchte, da ich keine andere Absicht habe, als ihr geistiges Interesse zu fördern, und im Falle sie von den Gnadenschätzen unserer heiligen Kirche Gebrauch maclM möchten, sie in mir einen Priester derselben vor sich sähen. Ehrwürdiger Vater, rief er aus, während die innigste Freude aus den Augen der Uebrigen glänzte, ehrwürdiger Vater, ich bin ein katholischer SchiffSiuhrer aus Apulicn, habe zwei mit Segeln versehene Fischerbarken und mein SchiffSvolk, das in zwanzig Personen besteht, ist sämmtlich katholisch; nach achtzehnmonallichem Aufenthalte in diesen Gegenden S11 sind wir herzlich erfreut einen Priester unserer heil. Religion zu treffen, und bitten, uns die Zeit und den Ort zu bestimmen, wo wir unsere religiösen Pflichten erfüllen können. Die gegenseitige Freude, und die lange Unterredung hatte die Neugierde der umstehenden Moreiten erregt; um derselben zu entgehen, brach ich kurz ab, lud meine ReligionSgcnossen auf Samstag AbendS oder Sonntag früh ein, Beichte abzulegen und beurlaubte mich. Dieser glückliche Zufall bestimmte mich gegen meinen frühern Plan noch acht Tage hier zu verweilen. Damit indeß diese Verzögerung nicht zum Nachtheile anderer Gegenden gereiche, besuchte ich inzwischen daS Siädtchen Nist, zwei Stunden südlich von Kalamata, wo ich nach einem äußerst beschwerlichen Ritte leider nur drei Katholiken fand, einen mit einer Griechin verheiratheten Malleser, und einen Franzosen, der mit einer Italienerin im Concubinate lebte, und dessen zwei Kinder von Schismatikern aetauft und erzogen wurden. Würdige Früchte ihres legalen und sittlichen LebensI Der Erstere durch seine Verhältnisse an den hiesigen Aufenthalt gebunden, Halle seinen Sohn in Ermangelung eines katholischen Priesters von einem Schismatiker laufen lassen. Dieser wünjchte nun die heiligen Sacramente zu empfangen, allein die Umstände erlaubten eS nicht. Vor Kurzem hatte sich hier auch eine Gesellschaft französischer Seidenfabricanten gegründet, unter denen ich einen einzigen Katholiken fand, der seit dreißig Jahren mit einer Griechin verheiralhet ist und einen Sohn hat. Weder von dem Einen, noch von dem Andern wurde ein Verlangen ausgedrückt, ihren religiösen Pflichten nachkommen zu wollen. Der geringe Erfolg, der bei solchen Katholiken erwarlet werden konnte, beschleunigte meine Rückkehr, nach vierstündigem Aufentbalte machte ich mich wieder auf den beschwerlichen Weg. Nicht weniger unangenehm war meine Reise zu Meere nach Koron, welche ich während der Nacht in einem Schifferkahne unternehmen mußte; die weißen Gipfel deS TaygetoS verbreiteten eine Kälte, gegen die ich mich in dem offenen Fahrzeuge kaum zu schützen wußte. DaS unter der venetianischen und türkischen Herrschaft wegen seiner Befestigungen, die nun in Trümmer liegen, ehemals so berühmte Modon zählt ungefähr tausend Einwohner, und unter diesen lebt eine katholische Familie von sieben Individuen. Da diese Leute äußerst arm waren, so entschlossen sie sich auf meinen Rath nach Athen zu gehen, weßhalb ich ihnen bei Dr. Brachmann in Kala- mata 80 Drachmen anwies. Den 9. Juni als den fünften Sonntag nach Pfingsten schon vor Aufgang der Sonne suchte eine Anzahl von 18—20 Personen ihren geistlichen Vater auf, der sich in diesem Augenblicke für den Glücklichsten der Sterblichen hielt, und Thränen der Freude vergoß. Ihr unerschütterlicher Glaube, und ihre einfache Sitte, so selten in unsern Tagen, besonders bei Seeleuten, bewiesen ihre HerzcnSeinfalt. Nach ihrer aller Beichte hielt ich in Chorrock und Stole vor dem kleinen Altare eine italienische Anrede an sie, welcher sie mit der größten Aufmerksamkeit und mit Thränen im Auge zuhörten; und obgleich mein Eifer mich fast eine Stunde lang zu sprechen hinriß, verharrten doch viele derselben die ganze Zeit in knieender Stellung selbst bis nach der darauffolgenden heiligen Messe, der auch sechs italienische Flüchtlinge und zwei Malteser beiwohnten. Einer dieser Letztern hatte sich zum Zwecke der Verheirathung vor 22 Jahren nach dem Landesgebrauche salben lassen, und so seine Religion ver« läugnet, wenigstens äußerlich. Kaum hörte er jedoch von einem LandSmanne, daß ich katholischer Priester sey, so kam er von der göttlichen Gnade angeregt mich aufzusuchen, warf sich zu meinen Füßen und bat um Vergebung, indem er eS ganz meinem Ermessen anheimstellte für ihn und seine zwei Söhne zu thun, was ich am förderlichsten hielte. Da ich jedoch befürchtete, seine öffentliche Konversion möchte ihn einer Verfolgung aussetzen und so die Bekehrung seiner zwei Söhne hindern, so rieth ich ihm ungesäumt nach Syra zu gehen, und gab ihm Empfehlungsbriefe; dieses versprach auch der andere Malteser. Um indeß wieder auf die Vorerwähnten zurückzukommen. Wahrhaft rührend war die Erscheinung dieser Reuigen vor dem Altare, den sie in einem Halbkreise umgaben und wo sie in größter Andacht auf den Knien SIS liegend den eucharlstischen Gott anbeteten, den sie nun bald wahrhaft und wirklich empfangen sollten. Wie sie beim AgnuS Dci so reuig an die Brust schlugen, wurde ich so gerührt, daß ich, die heilige Hostie in der Hand, mit ihnen noch eine kurze Betrachtung über die drei theologischen'Tugendcn anstellte, um dadurch ihren Glauben, ihre Hoffnung und Liebe zu dem Gottmenschen noch zu vermehren, was auch auf die übrigen Umstehenden, die meistens Akatholiken waren, einen liefen Eindruck machte. Nach der heiligen Meste kamen sie mit kindlicher Liebe und Ehrfurcht zu mir, küßten mir die Hand, und sagten: „O hätten wir doch öfter diese Gnade, wie glücklich würden wir uns schätzen!" Bevor sie sich verabschiedeten, baten sie mich an Bord ihrer Fahrzeuge zu gehen um diele z» segnen, was ich auch gleich nach Tische that; alle wohnten der Feierlichkeit mit entblößtem Haupte bei und sangen einstimmig die Responsorien, was die in großer Anzahl aus Neugierde hcrbeigekommenen Griechen in nicht geringe Verwunderung setzte. Da mir die Mission hier nicht länger zu ver« weilen gestattete, entließ ich diese guten Leute den 15, Juni und ging nach Navarin. Bei meiner ungefähr nach 2 Uhr Nachmittags erfolgten Ankunft wuchs meine Freude, als ich jene theuern Seelen wieder sah, die ich seit dem vorigen Jahre nicht gesehen. Wenn jedoch bei meiner Abreise von Kalamata mein Herz blutete, als ich jene guten Menschen verlassen mußte; so tröstete mich hier der liebe Gott durch die Nachricht, daß seit dem verflossenen Jahre unter den wenigen Gelreuen kein Abfall zu beklagen sey. Nichts desto weniger mischte sich auch hier ein bitteres Gefühl in meine Freude. Ein Mädchen, welches vor einem Jahre auf meine Verwendung mit ihrer Mutter in daS Vaterland zurückkehrte, war wieder, wie ich vernahm, zurückgekommen, um sich mit einem Griechen schismatisch trauen-!zu lassen. Da ich an einem Samstage ankam, so wollte ich meine Navarinioten nicht ohne heilige Messe lassen, und verschob daher meine Reise nach Modon auf den Montag; indessen suchte ich jenes Mävchen auf ihre religiösen Pflichten aufmerksam zu machen, meine Ermahnungen blieben jedoch ohne Erfolg. Obwohl ich ihr die Mißstände einer gemischten Ehe und die Gründe auseinander setzte, weßhalb die Kirche sie nicht billige, und sie zugleich aufmerksam machte, daß ich für diesen Fall mit aller Vollmacht versehen sey, sie nach Vorschrift unserer heiligen Kirche zu trauen, wollte sie dennoch auS Furcht ihrem Bräutigam 'zu mißfallen auf dem gefaßten Entschlüsse beharren. Im Hause eineS Griechen wohnend und obschon innerhalb der geheiligten Gränzen meiner geistlichen Jurisdiktion, welche aber in dieser Stadt ganz unbekannt war, wollte ich dennoch den Vorwurf ver Proselytcnmacherei vermeiden, und verließ die Stadt. Ich begab mich auf den katholischen Kirchhof, welcher mit 30—40 Monumenten von Marmor geschmückt war, und die Gräber französischer und bayerischer Officiere bezeichnet Halle. Allein der Geiz der Modonesen halte sie ihres Schmuckes beraubt und ein gewisser Türkenknecht wollle sich selbst der geheiligten Erde bemächtigen, die mit dein Pfluge umgewühlt wurde. O schändliche Barbarei! Die theuersten Reliquien unserer neuesten Geschichte, die edlen Ucberrestc der Verlheidiger unserer hellenischen Freiheit, zerstreut und zertreten von jenen, welche sie von dem türkischen Joche befreit! Mit gerechtem Ingrimm, muß dieser VandaliömuS in den entfernlesten Theilen der Erde jedes menschliche Herz erfüllen und selbst zum Himmel um Rache schreien! — Hier fand man aber dieses Verfahren nicht auffallend: eS waren ja die Leiber keiner Orthodoren, alles lheilte sich in den Raub, und der französische Consul in Navarin hatte sich bloß um die Lebenden zu kümmeru, die Todten sollen für die Todten sorgen! — Die göttliche Vorsehung ließ aber diese undankbare Enthciligung nicht im Verborgenen. Schon im vorigen Jahre erstattete ich hievon umständlichen Bericht, damit er zur Kenntniß der Regierung komme, und ich hätte denselben in den Druck gegeben, wenn Europa nicht von der Geisel der Revolution heimgesucht und die Angehörigen dieser Verstorbenen in Trauer versetzt worden wären. Allein es geschah nur so viel, daß-Ndij?! Locaibehördcn hierüber befragt, die Sache möglichst bemäntelten. Doch fehltieS nicht an Männern in Modon, Navarin und Athen, welche der Wahrheit Zeugniß gy^IVVpMjli jchognl? i!»iij57g ni sss ?m 5nu n,6vgmu sfMdloZ. msni» ni n»? 213 In Modon fand ich nur vier Katholiken, von denen zwei meine Einladung zum Empfang der heiligen Sacramente damit ablehnten, daß sie vor acht Monaten die« selben in ihrem Vaterlande empfangen, wcßhalb ich noch denselben Tag nach der katholischen Metropole von Messenien zurückkehrte. Obgleich die doriige kleine Kirche zu verfallen droht, wenn nicht Hilfe geschafft wird; so fand ich dennoch bei den kalholischen Bewohnern die Glaubenstreue ihrer Bäter. so, daß von den 56 Seelen, welche diese Gemeinde bilden, kaum zwei vom Genusse der kirchlichen Gnadenmittel ausgeschlossen blieben. Welch ein Trost war c« für mich, und welche Erbauung für die Gemeinde, als auch vier Gefangene mit rührender Sindacht sich dem Tische deS Herrn nahten, wozu sie nicht die Furcht vor ihren Wächtern, sondern die Liebe zu ihrem Gott bewogen hatte. Nachdem ich vom 15. bis 23. Juni hier verweilt hatte, reiste ich am Vorabende der heiligen Apostel nach Gargagliano ab, wo ich nur einen sicilianischen Bäcker und einen Apotheker auS der Nomagna fand, die sich wenig um meine Ermahnungen kümmerten. Ein italienischer Flüchtling. Arzt, war eben abwesend, und eine Palermiianerin mit ihren vier Töchtern wagte eS nicht aus Furcht vor dem schiSmatischen Vater als Katholikin sich mir darzustellen. Da ich also hier nichts zu wirken vermochte, reiste ich den folgenden Tag nach Philiatra Und kam nach drei Stunden Weges morgens acht Uhr daselbst an. Ich celebrirte im Hause des Herrn I)r. Sagnolo auS Venedig die heilige Messe; weil die Zahl der Katholiken nur vier bis fünf betrug, die vor kurzem erst die heiligen «sacramente empfangen hatten, so setzte ich ollne Aufenthalt meinen Weg über Chiparissia und Pirgo nach Patras fort. Vier Tage und drei Nächte hatte ich die Beschwerden der Reise zu erdulden. Die erste Nacht brachte ich in der Nähe des lZhanS von Vuzi auf einer Insel deS FlusseS, wegen der Unzahl von Flohen und Mücken aus dem bloßen Boden zu; die zweite auf einem Balcone und die dritte unter Bauern in einer Scheune. In Gargagliano wurde ich von den Loealbehörden gut behandelt, eben so in Philiatra, wo ich dnrch die Frömmigkeit und Gastfreundschaft des oben genannten ArzteS und seiner Frau ganz besonders erfreut wurde. DaS Gegentheil widerfuhr mir aber in Pirgo. Ich hoffte dort nach den Mühsalen cineS überaus beschwerlichen WegeS in dem Hause eines hannoveranischcn GeometerS, ZerS mit Namen, Ruhe und gastliche Aufnahme zu finden, erfuhr aber das Schicksal eines Reisenden, der ermüdet auf einer Rasenbank auszuruhen gedenkt und sich plötzlich in die Klauen eineS giflsprüheuden Drachen gerathen sieht. Dasselbe erfuhr ich in moralischem Sinne. Indem ich mir schmeichelte eS möchte dieses ein Katholik, oder doch wenigstens ein Mann seyn, in dessen Adern noch ein Tropsen gastfreundlichen deutsche» BluteS fließe, fand ich einen fanatischen Lutheraner, der keine Erziehung, keine Sitte und Mäßigung kannte. Kaum hatte er in seiner Muttersprache von seinem müden Gaste vernommen, daß er mit einem katholischen Missionär zu thun habe, entfernte er sich unter dem Vorwande für den hungernden Adopliv-Eohn seines Vaterlandes Etwas zu besorgen, und ging hin mich bei den Behörden als Spion deS Papstes anzugeben. Ick ward sogleich zur Polizei gerufen, und fand dort die Vorstände der Civil-, Militär- und Kirchenbehöide. Nachdem sie meine Papiere in Ordnung gefunden, unterwarf man mich einem weitläufigen Eramen. Der Eine verlangte meine Dimissorien. ein Anderer wollte wissen, wann und wo ich celebrirt hätte, wieder Einer, wo ich studirte, wer mich zum Priester vrdinirte, und auf wessen Geheiß ich in die Mission gegangen sey. Ich cnigegnete, daß ihre Pflicht sich bloß darauf beschränke, meine Papiere einzusehen, ob sie in Richtigkeit seyen, und daß ich nicht verpflichtet wäre ihnen über rein geistliche Angelegenheiten Rechenschaft zu gebe»; als die ersten Beamten der Stadt dürfte eS ihnen übrigens wohl nicht unbekannt seyn, wer der von der Regierung anerkannte apostolische Delegat in Griechenland sey. Da sie endlich einzusehen anfingen, daß sie mit ihrer vcralorischcn Inquisition nichts bezwecken würden, und sich nur Unannehmlichkeiten zuziehen könnten, gaben sie mir meinen Reisepaß und entließen mich nach Hause. Kaum war ich daselbst angekommen, wurde ich von Besuchern beehrt, die mich auszuforschen trachteten, und da dieses nicht ging, meinen Wirth, der seit 814 den dreizehn Jahren, die er hier lebt, nie einen Tropfen Wasser auf die Zunge brachte, mit Wein regalirten, um ihn in einen Zustand fortgesetzter Schmähungen zu versetzen. Guter Gott! wie schmerzlich fiel mir sein Gebahren, ich mußte selbst für mein Leben fürchten, und wagte eS daher nicht, meine müden Glieder auf das Lager auszustrecken und meine Augenliver zu schließen, und geschal) dieses auch manchmal auS übermächtigem Bedürfnisse der Ruhe, so wurden sie wieder durch unmenschliches Gebrüll aufgeschreckt, bis endlich eine mit inS Bett genommene Flasche vollkommene Fühllosigkeit herbeiführte. Ich zog nun sogleich eine Malraze auf den Balkon, verschloß die Thüre von außen, und erlangte endlich wonach ich mich so sehr gesehnt hatte. — Die frühe Ankunft deS Führers und der lebhafte Wunsch, vor dem Erwachen meines rohen, ungeschliffnen Wirthes mich zu entfernen, bewogen mich, ohne einen Bissen Brod abzureisen. Der Hünger. die sengenden Strahlen der Juli-Sonne und noch mehr die schlaflos zugebrachte Nacht, machten mir den Ritt sehr beschwerlich, um so mehr da die ausgedehnten Fluren von Gastuni ein Vorwärtskomme» wenig merklich machten. Auf diesem ganzen Wege fand ich nichts als eine gelbe Gurke, von der ich selbst die Rinde noch genießbar fand um meine Eßlust zu befriedigen. Nachdem ich einen großen Wald von sechs Stunden halb durchritten, fand ich Gelegenheit ein Stück schwarzes Brod und etwas Käse zu kaufen, und dieses einfache Mahl hielt ich für das köstlichste, das ich in meinem Leben genossen. Nach ein paar Stunden der Erholunq machte ich mich zum benachbarten Kan auf den Weg, den ich auch bald in der Ferne gewahr wurde. Allein die Hoffnung hier Ruhe zu finden, wurde bitter betröge»; die ungewohnte Nahrung ließ mich nicht ruhen, noch weniger jedoch der quälende Stich der unermeßlichen Sckaar von Mücken, die hier hauseten. Ich war genöthiget den größten Theil der Nacht im Freien herum zu gehen. Gegen zwei Uhr nach Millernacht, nachdem der Mond am Saume des Horizonts sichtbar geworden, machte ich mich wieder auf den Weg, und kam um acht Uhr Vormittags den 9. Juli im Hause unserer Mission zu PatraS an. Hier blieb ich zehn Tage, besuchte dann Vostiza und Corinth, und da ich in letzterer Stadt nur fünf bis sechs Katholiken fand, die wenig Heilsbegierde zeigten, kehrte ich wieder auf meine vaterländische Insel zurück. „ni, ^uo^kMnM.^HH.W^ni^ !!.-?- hb'Z 7ll»,-z, "s sm,jdl,WK m?liifiiiiM>k) Szni, li?uk!N. si? ni chilZö^ Hs j ^-„i ,?nz?,g ll.Mriizhuo 1iir»i m»1»L .ZiuiiI llnchfillnvm m chi 5'UH5bv? .^»j, N'i(itbl'-st »»chrnT Der Freimaurer-Orden in seiner wahren Bedeutuna. ""'^ p)l Äiirij >!i??uf hsiiilv! i!/'r? n^chii'Aiiniinkg /i>!(»«7^. nn "ii?"Zi? n'iis'i? .5lIMI,i ßNUMkM lZttll .5lljZ Zlliü? .Vttlljl^Ä 5M'^ 7^7 ,7'iürn.^U!? Iizchjilonv^ N>N!» z^,,^W>r haben aus den sprechendsten Thatsachen und Bekenntnissen die Stellung der Maurerei zur Kirche und zum positiven Glauben u»S vergegenwärtigt, und man wird cingestehen müssen, daß diese eine feindliche sey, zumal nicht bekannt ist, daß die höchsten Ordensautoriläten jemals gegenüber ihren unchristlichen Untergebenen die christlichen Grundsätze gellend gemacht oder wohl gar die offen anlichristlichen Elemente ausgeschieden hätten, waS sie natürlich vermöge der leitenden Ordensgrundsätze nicht konnlen. Advvcat Eckerl uulerwirft aber auch die politischen Tendenzen, welche sich an einzelnen Maurer», so wie an ganzen Logen geoffenbart, einer gründlichen scharfen Krilik, und eS wird unsere Aufgabe seyn, »»»mehr diesem Theil des ausgezeichneten BncheS unsere Aufmerksamkeit zuzuwenden. Schon oben vernahmen wir, wie die deutschen Ordcnöobern in dem angeführte» Manifest bekannten, daß ein großer Theil der Maurerei „unter dem Schilde deS MenschenglückS alicS Menschenglück zum Raube zu machen gestrebt, daß durch ihn die Menschheit ans ganze Geschlechter hin vergiftet und verführt worden, daß man Menschenrechte erfand, die selbst im Gesetzbuch der Natur nirgends anzutreffen und die Völker aufforderte, die Rechte ihren ,>'l>!i»'j inikdu^T no? chj !,iiu<7! . lnlnmhiigliv tWz1v4 mur-A chrm jjz? ?H HchlHWrchMkn v V"iü tch>» ösi'^ ^ 6nu ,nzMchv?i nzchsi^uiSuc» chim 815 Fürsten abzudringen und den Plan einer allgemeinen Zerstörung in Wort und That verrieth" (Eckert 131). Ob man nun auch im Manifest diese Tendenzen gebrant- markt und als scheußlichen Mißbrauch darstellt, so viel wird klar werden, daß der Maurerbund von den erklärtesten Feinden der Monarchie u»v christlichen Staatsordnung gebraucht oder gemißbraucht und so eine Quelle zahlloser Uebel geworden, an welchen die Gesellschaft noch heute blutet und sich verblutet. Nach obigem Selbstbekenntniß kann es nicht ohne Bedeutung seyn, daß, wie Eckerl hervorhebt, „vor jeder großen RevolutionSperiore ein europäischer Freimaurer-Congreß statt fanv, so zu Paris 1785, zu Straßburg 1847 und in der Schweiz Ende 1348 vor dem Frankfurter Sturm auf die Nationalversammlung " Merkwürdig wenigstens bleibt diese Thaisache, mag man auch nachweisen, daß dort eine große Zahl Männer versammelt gewesen, welche mit den Revolutionen nicht im Geringsten zu schaffen gehabt. Denn daß viele unwissend über viele Zwecke vieler Ordenöglieder sind, wer kann daö läugnen, da der Freimaurer Venlurini in seiner Geschichte der Freimaurerei übereinstimmend mit Louis Bianc (bei Eckert pgA. 2l) ausdrücklich sagt: „Höchst erfreulich ist der Zutritt der Fürsten, Prinzen ic. Wenn jene Großen auch nicht den Bau als Werkleute befördern dürfen, und die Maurergeräihe nur von Silber niedlich verjüngt im Knopfloch tragen, so sind sie doch für den Bund wichtig durch ihren Reichthum als Bauherren, oder durch ihren weit ausgedehnten Einfluß im Staate. Zudem sind solche geheime Verbindungen, so frei und selbststäncig sie auch erscheinen mögen, doch gar zu abhängig vom guten Weiler von Obenher und gedeihen nur im Sonnenschein. Wo der Fürst schmollt, besorgt man Ungnade sich zu erbauen. . Mögen die vornehmen Gäste von höchsten, hohen und nicht hohen Graden immerhin befreit seyn von der Pflicht, im Schweiße deS AngestchlS zu bauen, nur dasitzen, wie Martins Ha üben stock, so befruchtet doch ihre Gegenwart Viele." Wenn also die höchsten Personen nur zum Geldzahlen unv zur Anfeuerung dasitzen und jedenfalls über die letzten Zwecke im Dunkel bleiben, warum sollen nicht auch minder Vornehme bloß Dienste leisten, ohne die Geheimnisse zu kennen und sie zu billigen? Ist ja doch Geheimniß und Mißtrauen selbst unter OrdenSgliedern durch die Funda« mentalgesetze der Maurerei privilegirt. UebrigenS wozu mit einem bloß auffälligen Factum unS beschäftigen, wenn wir bestimmtere Thalsachen zur Beurtheilung haben? In dem Ausnahmsritual in den Grad eines schottischen Meisters unv AndreaS- RitterS lieSt man laut Eckert paZ, 353: „Niedergerissene S>ufen der Treppe und Mauer können dienen, sie gleicherweise zu erinnern, daß die Festung und Mauer deS Aberglaubens, der Tyrannei und der Betrügerei niedergerissen werden müsse, wenn die Wohnung und der Tempel der wahren Gottesfurcht, der Freiheit und Redlichkeit bestehen könne." Ob die Erklärung EckertS falsch ist, der unter dem Aberglauben die Kirche und unter der wahren Gottesfurcht daS sogenannte OrvenSchristenlhum, unter Tyrannei die Monarchie als Gegensatz der OrvenS- Republik versteht? Daß unzählige Maurer die mysteriöse Stelle so verstanden, bezeugt die Geschichte. Wenigstens steht dieß von den Puritanern und Jndependanten fest, welche dem äußern Orden angehörig im Gegensatz zu dem aristokratischen Element desselben König Carl vom Throne auf daS Blutgerüst schleppten und Cromwell zu seinen Blutthaten behilflich waren. Noch evidenter ist dieß von der französischen Maurerei, welche sich im Jahre 1772 unter einer ordentlichen Centralleitung eng zusammenschloß, die Unabsetzbarkeit deS Meisters vom Stuhl aufhob, sich auf demokratischer Grundlage constituirte, fast alle jene Männer in ihren Sckovß aufnahm, die später die Großmeister deS KönigSmordeö und der blutigsten Menschcmchlächteret wurden und die Grundsätze der französischen M.iurerei am 15. Februar 1785 auf dem allgemeinen Freimaurer-Convent nach ganz Europa zu verpflanzen sich bemühte. Von nun an waren die Maurerlogen Frankreichs daS Revolulionölribunal, wo die Pläne geschmiedet wurden, wie man zunächst im eigenen Lande dem Thron eine Concession nach der andern durch Schmeichelei und Drohung abbringen, den König von seinen getreuen Berathern trennen und in die Hände von Verrälhern überliefern, 216 durch fortwährende Straßenrevolten das Volk zum Verbrechen reif machen könne, um endlich die fluchwürdige Schandthat des KvnigSmordeS auszuführen und die Hallunkenherrschaft mit dem Mordbeil zu gründen. Da war eS, wo die französischen Maurer die Heimlichkeit aufhoben und als Ludwig gefangen genommen war, schrieen die Brüder bei Verlesung deS AbsetzungöcecretS in ihrer Loge: „Seht, endlich ist ganz Frankreich nur eine große Loge, die Franzosen sind alle Freimaurer und das ganze Weltall wird es strakS sey», wie wir. Envlich seht den großen Entwurf der Freimaurer erfüllt; Gleichheit und Freiheit; alle Menschen sind gleich und Brüder, alle Menschen sind frei; dieß ist die Wesenheil der Verfassung, der einzige Gegenstand unserer Wünsche, unser ganzes großes Geheimniß. Ganz Frankreich soll zur Ehre der Maurer davon unterrichtet werden, damit eS in ihnen dielwah,ren Urheber dieser ganzen Revolution der Freiheit und Gleichheit erkenne." So jubelten die Maurer, als die katholischen Priester in Ueberzahl sich anschickten, für Gott unv König das Blutgerüst zu besteigen oder in die Verbannung zu gehen! Möchten die Fürsten ausmerken, damit sie nicht mit dem aus Varennes zurückgebrachten König Ludwig klagen dürften: „ich wußte alles dieß bereits vor eilf Jahren; wie ÄN>/r? AMA^^ßnichiiiAHiMrA^ ,.'^ni,4 nnciöf^ !-iii!»Ili!-W vlü likiL Gehen wir auf Italien über, wo als einer der Ersten, welche die Maurern daselbst einführten, der Dichter Lord Byron genannt werden muß. Sie sind unter dem Namen der Carbonari bekannt, erklärten, nach Herrn von o'A rIin co u r t, eineu VeriilgungSkrieg nicht nur den Thronen und Allären, sondern auch der ganzen gesellschaftlichen Ordnung. Sie biivcten unsichtbare Tribunale, durch welche ohne Milleiv der Tod eincö Jeden beschlossen wurde, der ihnen im Wege stand... Sie waren unermüdliche Gleichmacher, Vergaster des Menschengeschlechts und verhießen den Völkern gleichwohl daS golvene Zeitaller. Sie sprachen nur von Gerechtigkeit, Unabhängigkeit, Brüderschaft; allein unter diesen lügnerischen Worten wurde der Aufruhr gepredigt." Unter dem Vorwand wissenschaftlicher Kongresse durchwanderten sie als Verschwörer Italien, warben überall HilfSschaaren, entfernten allmälig alle treuen Beamten der italischen Fürsten unv scheuten, als sie im Kirchenstaat nicht recht an die Person des heiligen VaterS herankonnten, auch den Mord nicht, wie der To? Rossi'S bekundet. Eö gniügt, »m die maurerischen Carbonaris Italiens zu kennen, der Hinblick auf die letzten Ereignisse in diesem Lande und den Ehef des CarbonariSmuS Mazziui, der als europäischer Mordbrenner hinlänglich bekannt ist. d'il -liukttL Äiiu gmiifiL 5i6 ijlllZ .iMAuß sMF,niz5j^-, vif ,nzktti(l innM iiniM nun«' N»Pug1!l0?M jz,,,gü,t!.V 1^ ^11 jz«n»,t?F ,»<< .VN!>-llIvlg7,> tizlü st»F !»r^lj ^mi?smü^ lNbN!»!?iir^ lli »»rr^^zK Ijii , - N!i^filc>(ItV1 Dieses Blatt erscheint regelmäßig alle Tonntage. Der halbjährige Adonnevicntspreis TV kr., wofür e« durch alle königl. bayer. Postämter und alle Buchhandlungen bezogen werden kaun Ein Zeugnis; aus protestantischem Munde. In der „Freimüthigen Sachsen-Zeitung" lesen wir folgenden Artikel: Die katholische Kirche ist in einem neuen, wunrerbaren Aufschwünge begriffen. Ihre Regsamkeit, ihr Leben äußert sich auf allen Gebieten deS GeisteS wie auf dem Markte dcS gewöhnlichen Lebens. Sie ist eS, die unter den Trünimein deS politischen Schiffbruches nach dem Ewigen, dem Festen griff, die. während alle Auloriiät sich auflöste, während der Wahnwitz der Zeit auf den Gassen unv in den Volksversammlungen seine Saiurualien feierte, während die politische Phaiuastik und Theor-e in dem Irrgarten constituircndcr Parlamente umhertaumelte, still ihre größten Eroberungen gemacht hat, und cö ist ein nachoenkenSwenheS Zeichen, daß gerade von der Zeit an, wo der katholischen Kirche jene Feinve erstanden, von denen wohl manch Kurzsichtiger geglaubt hat, sie würden Rom zu Falle bringen können in Deutschland, daß gerade von jenem Tage an, wo die falschen Propheten ihre Um« züge hielten, die katholische Kirche eine Thätigkeit entfaltete, die ihr erst recht neue Kraft und neues Leben gab. Es kam die Zeit, wo fast alle menschliche und göttliche Autorität fiel. Auch Rom fiel. Aber nicht daS Rom, welches eine geistige unv kirchliche Gemeinschaft über dem Erdball bildet; nicht die Kirche RomS, — denn während ihr Haupt fluchtig irrte und man in den Straßen und Tempeln RomS die revolutionäre Fackel schwang, stählte sich die Kraft der eigentlichen Kirche, und cS zeigte sich, daß Rom auch ohne Rom leben konnte. Wie tritt unö heute diese Kirche in Deutschland, in Europa, ja auf dem ganzen Universum entgegen? — diese Kirche, die seit Jahren die härtesten Angriffe und Verfolgungen von fanatischen Gegnern und von der welllichen Macht erculcet hat, deren Güter „säcularisirt", deren Würdenträger verfolgt, eingekerkert und verbannt wurden, deren Thätigkeit ängstlich überwacht, oft gehemmt, deren Organe oft v-l- wundel wurden? Sie ist eine Macht wie keine zweite auf dieser Welt. Ihre Sendboten ziehen in die Thore der großen Städte, der Sipe ihrer Feinde und der Feinde allen Glau> benS, sie bahnen sich ihre Wege in die neuen Welten und erobern hier wie da. Sie hat in Frankreich aus dem Despotismus Freiheit für sich gewonnen, die Tuelbill in England hat ihre Macht nnr erhöht, das herrenlose Belgien nahm sie in Aesih, sie kämpst noch in einigen deutschen, italienischen Ländern und in der Schweiz als eine ächte ticclosia militans; in andern deutschen Staaten, in Oesterreich, tritt sie als Herrscherin auf. Wir Protestanten sehen den Aufschwung der katholischen Kirche an sich nicht mit Schmerz; können ihn nicht so betrachten, denn sie kämpft ja wie wir, für eins, 218 für den christlichen Glauben, und gegen einS, gegen unsern ärgsten, gemeinschaftlichen Feind, den Unglauben. Mit Schmerz aber sehen wir sie alle Siege für sich in Anspruch nehmen und unsere Kirche ohne Siege und ohne Kämpfe, es seyen denn die, welche sie in sich selbst führt. WaS ist es, fragen wir, was der katholischen Kirche so viele Siege vor der evangelischen voraus bereitet? Wir können dem Inhalte der katholischen Lehre nicht zugestehen, daß er eine schärfere Waffe für Kampf und Sieg gegen den Unglauben abgebe, als die ächte lutherisch-christliche Lehre, ll?) ES überschritte wohl Raum und Gränze eines politischen Blattes, dieß weiter auszuführen; aber was uns nahe liegt, worauf wir täglich verwiesen werden, das sind die Symptome der Regsamkeit der katholischen Kirche, ihr Verharren in schwierigen Kämpfen, ihre Festigkeit gegen Pvbelgcschrei und bureaukratische Staatsallmacht, ihre bewunderungswürdige äußere Disciplin, ihre geschickte Benützung der Presse, ihr eroberndes Borschreiten auf allen Gebieten der Wissenschaft, der Kunst, des Geistes. Blicken wir um unS in Deutschland: wo hätte die katholische Kirche sich an Recht und Macht etwas vergeben, wo nicht kühn den Streit darum geführt, wo endlich, wenn nicht gesiegt, doch jemals unterlegen? Der Freimaurer-Orden in seiner wahren Bedeutung. 5) IV. Den Gräueln in Italien gingen die Nichtswürdigkeiten in der Schweiz voran. Auch hier waren es die Caroonari, welche den Unterdrückungskrieg organisirten, den tapfern Streiter für die alte Freiheit, Joseph Leu von Ebersol erdolchen ließen. Daß die Maurerei hier mit dem CarbonariömuS gemeinschaftlich gehandelt, erklärt der belgische Minister Nothomb, welcher der Maurerei untreu geworden, indem er bekennt: „daß die Maurerei jetzt in Belgien in den Händen gewisser Männer zur mächtigen und gefährlichen Waffe geworden; daß der Aufruhr in der Schweiz seinen Ursprung den Machinationen der belgischen Loge verdanke; daß Br. Defaegz, Großmeister der belgischen Logen, im Sommer 13^4 bloß aus dem Grunde eine Reise nach der Schweiz unternommen, um jene Bewegung vorzubereiten." Und an der Spitze der radicalen Armee, bemerkt Eckert, sah man im Kampf gegen die katholische Schweiz denselben General Dufour, der mit den spanischen Rebellen und Maurern, so wie mit dem jungen Europa Verbindungen pflegte. Noch verunreinigter erscheint die politische Unschuld der Maurerei, wenn wir unS nach England wenden. Der Minister Lord Palmer st on ist General-Großmeister des gesammten FrcimaurerbundeS, und er gerade war eS, der die erlangte politische Gewalt und Stellung nur dazu benutzte, um überall die Revolution zu unterstützen. Unter seinem Schutz organisirte sich in London daS europäische NevolutionStribunal, wo die politischen Verbrecher aller Länder ihre Mordpfeile gegen die Gesellschaft wetzten; während seiner Leitung der auswärtigen Angelegenheiten rief ein Mitglied der englischen Gesandtschaft, Lord Minto, im öffentlichen Theater die Unabhängigkeit Italiens auS; der englische Consular-Agent Frenborn durfte einer Mazzinischen Gesellschaft in Rom angehören und zwar als Cassirer, die den Tod des päpstlichen Ministers Rossi beschloß und vollziehen ließ, in Sicilien ließ Palmerston mit englischen Kanonen den Forderungen der Rebellen Nachdruck geben; in Deutschland machte er Front gegen Oesterreich, das die Rebellion mit mächtigem Arm niederdrückte; nach Neapel sandte er in unnachahmlicher Frechheit drohende'Noten, weil dort ein König den Muth hatte, seine Krone und sein Land gegen die Nachkommen der französischen Kopfabschneider zu behaupten. Man müßte die Vernunft verloren haben, wenn man nicht einsehen wollte, daß dieser Großmeister der Maurerei diese aufs äußerste compromittirt und hinlänglich Grund -) Schles. Kirchen«. 219 gegeben, ihre Unterdrückung allenthalben energisch zu bewerkstelligen. Gestehen ja Maurer selbst, daß der Orden zu den schrecklichsten Comploltcn, wie sie sagen, gemißbraucht sey. So Blumenhagen, welcher (ek. Eckert p->g. 266) zuerst auf Frankreich sehend, sagt, daß nie daö Maurerlhum so besudelt worden, wie dort 1793, „wo man in JacobiniSmuS und TerroriSmuS einen brudermörderischenEgalit6, einen bluttrinkenden RobeSpierre an geschändeten Allären daS schlachtende Beil zum Meisterhammer machen und KönigSmorb »nd Gottesleugnung predigen hörte unv wo die Brüder in der Loge schon abgerichtet wurden, in einer schwarzen Höhle daS Eisen in eine menschliche Puppe zu stoßen." Derselbe will auch nicht läugnen, „daß die Carbonori entartete Kinder der Maurerei seyen, daß ihre wildbewegten Logen dicht am Tempel der Maurerei erbaut wurden, wie der bittere Gallapfel wächst auf der edlen Eiche," Wir nahmen zuletzt daS Gcständniß des Maurers Blumenhagen entgegen, daß der mit Mord und Verbrechen befleckte CarbonariSmuS auf dem Maurerlhum erwachsen sey, wie auf der edlen Eiche der bittere Gallapfel. Dieß würde auch ohnedem tein Mensch verkennen können; denn beiläufig gesagt, ein Blick auf den Freimaurer-Convent zu Straßburg im Jahre 1847 und auf die dort erschienenen Persönlichkeiten gibt dafür den sprechendsten Beleg. Hier war nämlich unter Andern der frechste GotteSläugncr und Socialist Ledru Roll in mil seinen Gesinnungsgenossen Proudhon, Blanc, von deutscher Seite Hecker, der großmäulige feige Ausreißer Herwegh, Rüge, der Rongeaner Blum, ferner Feuerbach, Simon, Slruve, lauter Namen, welche im Jahre 1848 aus der politischen Schaubühne auftauchten und die Revolution organisirten und ihr die Richtung gaben. Wie sie sämmtlich Maurer waren, so auch die Koryphäen deS jungen Europa oder veS über Europa ausgebreiteten CarbonariSmuS. Unsers Wissens hat man selbst in Deutschland auch nicht den leisesten Versuch gemacht, diese Brüder aus den Logen auszuschließen; im Gegentheil verblieb zwischen diesen und den gemäßigten Maurern eine freundliche Verbindung bestehen, wie der Besuch darzuthun scheint, welchen der angesehene Maurer von Gagern*) dem deutschen Socialisten-Chef Robert Blum in Leipzig gemacht haben soll. Man wird mir nicht Unrecht geben, wenn ich daraus schließe, daß die Maurerei in Deutschland keineswegs rein geblieben ist von jenen gefährlichen Elementen, welche in ganz Europa daS Recht der Revolution proklamirten. Daß dem wirklich so sey, mögen folgende Selbstbekenntnisse deutscher Maurer außer allen Zweifel stellen. In dem Taschenbuch für Freimaurer Asträa auf das Jahr 18Z3 von Friedrich v. Sydow liest man: „ES wäre unweise gewesen, in den offenen Kampf zu treten; durch Verbreitung von Freisinnigkeit und Unabhängig« keil mußte man allmälig daS Riesendenkmal zu untergraben fuchen, daS diese Ehrsüchtigen erbaut hallen. Im eigenen Schatten einer Autorität arbeitete die Manrerei an dem großen ihr anvertrauten Werk." Daß hier die zahme Revolution verkünlet wurde, geht auS der Fortsetzung hervor, wo eS heißt: „Auf euren Antrieb hat der hehre GeniuS der Unabhängigkeit daS Weltall durchzogen und alle Herzen entflammt; durch euch ist jener edelherzige Aufschwung, der freie Nationen macht, fortgepflanzt worden; mit eurer Hilfe sind die zahlreichen Völker ihrer Ketten entledigt." Sodann wird gerühmt, daß „die glücklichen Umwandlnngen, welche den Völkern verfassungsmäßige Monarchieen gegeben, dem Einfluß der Maurerei zuzuschreiben seyen." In demselben Taschcnbuche vom Jahre 1845 wird die Revolution gerechtfertigt, indem gesagt wird: „Wenn auch die Zerstörung alter Gerüste nach menschlichen Gesetzen strafbar ist, so wird damit doch dem ewigen Gesetze, welches in der Geschichte der Menschheit waltet, genug gethan/' Waö die letzte Endabsichl bei solchen Ansichten sey, verräth der genannte Blumenhagen, wenn er ausruft: „Nur noch ein Jahrhundert schenke unS der Weltenmeister, bann sind wir am vorgezeichnctcn Ziel und die Völker suchen ihre Fürsten nur unter den ") Nach andern Nachrichten ist Gagern nie Maurer gewesen, A, o. R, 220 Geweihten." Wahrlich, der Ehrgeiz ist nicht gering und die Fürsten sollten euch auf die Finger klopfen; denn wenn die Völker sich ihre Fürsten unter den Maurern suchen sollen, so müssen die Fürsten von GolteSgnaden offenbar erst beseitigt seyn — cS muß die Revolution tabula rs8a machen! Wir begreifen nach diesem, wie der evangelische Consistorialralh und Ordensbruder Dr. Gi eseler im Jahre 1848 in einer Logen Festrede im Hinblicke auf die Ereignisse sprechen konnte: „Wir begrüßen die äußere Freiheit, welche die Zeit zn gründen strebt, mit Freude und Hochgefühl" u»v vorher: „Drei große Worte schallen jetzt durch die Welt: Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit... Ist cS nicht der Geist unseres Bundes, welcher uns in diesen trei Worten entgegentritt? Ist eS nicht eben diese Freiheit, welche der Maurer über Alles achtet? Ist cS nicht Gleichheit und Brüderlichkeit, welche stetS in unsern Logen geherrscht haben? ... ES hat der Geist deS Bundes die Schranken der Loge durchbrochen." Nun, ich denke, daS ist für den Orten und seine politische Unschädlichkeit sehr verfänglich, zumal der Maurer, Diaconus 11r. Fischer, am silbernen Jubelfest der Loge Apollo zu Leipzig unS noch tentlicher zeigt, in welchem Verhältniß die Maurerei zu den neuesten Begebenheiten auf politischem Gebiet stehe, indem er, eine große Autorität in dem Orden, fragt: „Diese Demokratie aber, können Sie dieselbe anders bezeichnen, denn als Ergebniß, zu welchem unsere Kunst unter allen Umständen führen mußte und noch ferner führen wird? Erschrecken Sie nicht, so fährt er fort, es ist eine Frucht, deren wir uns nicht zu schämen brauchen, in wie rauher Schale sie jetzt auch vor uns liegt; ja sie ist unser Kind, unser edles hoffnungsreiches Kind." Damit ciese Vaterschaft ja nicht übersehen werde, sagt auch der Logenmeister Dr. Fischer in der Fceim.-Ztg. 185l: „Za, meine Brüder, die Demokratie ist ein Kind der Maurerei und wir müssen sie anerkennen als unser K>nd, und unser Beruf ist eS, das Kind heranzuziehen zu aller Weisheit, Kraft und Schönheit" (ek. Eckert, pag. 260—289). ES ekelt uuS a». noch mehr Zeugnisse abzuschreiben, welche alle insgesammt die Aushebung eines Ordens wünschenSwerth machen, der nach obigen Geständnissen der Religion und Monarchie offenbar sehr gefährlich ist, welcher unter geheimen ausländischen Obern steht unv ihnen blindlings dienen muß, weil jedes OrrenSglied sich zum Gehorsam eidlich verpflichtet, welcher in verschiedenen Ländern seit mehr alö einem halben Jahrhundert die anerkanntesten Feinde der Gesellschaft, wie RobeSpierre, Proudhon, Maz- zini, Rvllin, Hecker u. f. w. zu Mitgliedern gehabt. Es kann nicdtS verfangen, wenn man auf einige preußische Logen hinweisen wollte, welche eine mehr christliche Färbung beibehalten und unter einem geehrten Haupte stehen. Denn unseres Wissens ist keine Loge selbstständig und auch daö vortrefflichste Haupt derselben kann nicht verhindern, daß andere Tendenzen im Schauen des Geheimnisses gehegt werden, alS cö selbst besitzt, zumal Venturini und andere Maurer offen auSgejprvchen. daß man die mächtigen Be>chützer keineswegs immer auch in die Geheimnisse des Ordens einweihe. Wo sich aber gefährliche Elemente im Orden verbergen, da hat die Erfahrung gezeigt, daß die gemäßigten Männer in Zeilen großer Völkerkrisen immer unterlagen. Bei der Aufhebung dieses OrtcnS leidet ohnedem das Gute keine Gefabr; denn eS tritt, wenn eS vorhanden, in die Oeffentlichkeit und wird Gemeingut, was seine Bestimmung ist; wogegen ein Geheimbund, der sich mit seinen Tendenzen ins Dunkel verkriecht, immer ven ächtig scheint nach dem Worte der heiligen Schrift: „Wer böse ist, hasset daS Licht und kommt nicht ans Licht, damit seine Werke nicht offenbar werden." Schließlich will ich, weil daS kirchliche VerwcrsungSurthcil deS Freimaurer, OrdenS und die Ercommunication, welche seine Mitglieder trifft, manchen Leuten, seiest Katholiken, durchaus nicht einleuchte» zu wollen scheint, die authentischen Documeute dieser päpstlichen Entscheidungen beibringen, damit alle Möglichkeit deS BezweiselnS abgeschnitten werde und Jedermann wisse, waö er von Katholiken, welche Freimaurer sind, zu hallen habe. SSI Hören wir zuerst, waS Papst Clemens XII. im Jahr deS HeilS 1723 in der Bulle „In eminent!" über den Freimaurerbund sogt. Nachdem derselbe seiner Pflicht und Sorgfalt erwähnt, welche ihn treiben, Irrthümer und Laster auszurotten und den wahren Glauben rein zu bewahren, bemerkt der Nachfolger Petri, daß die Thatsache bekannt, wie der Maurerbund sich läglich weiter verbreite, in welchem sich Menschen aller Bekenntnisse und Secten, zufrieden mit dem angenommenen Schein einer na>ürlichen Recktschasfenheir, unter einem schweren Eide, dessen Bruch mit den peinlichsten Strafen belegt werde, zum ewigen Schweigen über die geheimen OrdcnS- zwecke versammelten. Weil aber das Böse seine Natur verrathe und daS Licht hasse, so stv schwerer Verdacht gegen den Orden in den Gläubigen entstanden und hätten selbst wellliche Mächte denselben als der Ruhe der Reiche zuwider auS ihren Ländern auSgerotiet. Und nun fährt Papst Clemens fort: „Wir daher, erwägend den großen Scbaden, welcher in hohem Grade von diesen Gesellschaften nicht bloß der Ruhe der Staaten, sondern auch dem geistigen Heil der Seelen zugefügt wird, da wir durch daS göttliche Wort belehrt worden, Tag und Nacht nach Art eineS getreuen Knechtes und cincS klugen Vorstehers in der Familie deS Herrn zu wachen, damit nicht eine derartige Mcnschcngattung daS HauS Gottes untergrabe und gleich den Füchsen den Weinberg deS Herrn zu verwüsten trachte, damit sie nämlich nicht die Herzen der Einfältigen verkehren und die Schuldlosen im Verborgenen verwunden,...... wir verdammen und verbieten aus apostolischer Vollmacht die Freimaurer.Verbin düngen unter welchem Namen immer." Sodann heißt ««: „Weßhalb wir allen Christgläubigcn. ohne Rucksicht auf Rang und Stand, Kle, rikern wie Laien, in Kraft deS heiligen Gehorsams befehlt», daß Keiner unter irgend welchem Prärcrt wage und sich herausnehme, in die vorgcdachten Frcimaurergesell- schaften einzutreten oder sie zu verbreiten, zu beschützen, sie in seinem Hause oder anverSwo aufzunehmen, in ihnen zu weilen.... ihnen Dienste zu leisten ober mit Rath und That ihnen öffentlich oder geheim, cirect oder indircct beizustehen.... Wir befehlen Allen, diese Versammlungen gänzlich zu meiden unter Strafe deS Kirchenbannes, von welchem Keiner soll losgesprochen werden können, als allein durch den jedesmaligen Papst, ausgenommen bei Todesgefahr." Weiter lesen wir: „Wir wollen außerdem und befehlen, daß die Bischöfe und höhern Würteträger... gegen die Uebertretcr ohne Rücksicht auf Rang und Stund vorschreiten, sie in Unter- suchung ziehen und sie als der Ketzerei schwer verdächtig mit entsprechenden Strafen belegen " Papst BenedictXIV. bestätigt dieß VerdammungSurtel in der Bulle „proviclos" (1751) und motivirt dieß damit, daß er beifügt, der Freimaurer« bund sey verwerflich, weil er Menschen aller Religionen und Secten aufnehme, woraus seine Gefährlichkeit für die katholische Religion einleuchte; zweitens, weil er sich in die Finsterniß hülle, so daß auf ihn anzuwenden, waS CäciliuS NataliS bei MinuciuS Felir sage: DaS Ehrbare freut sich der Oeffentlichkeit; Missethaten sind geheim; drittens, weil er von seinen Gliedern einen mit den Pflichte» gegen Kirche und Staat nicht verträglichen VerschwiegcnheitSeib fordere, so daß der Maurer, von der kirchlichen oder staatlichen Autorität über Ordenogegenstände zur Verantwortung gezogen, nicht antworten dürfe " Zur Ausführung dieses VerwersungSurtelS ruft venedict die Hilfe der katholischen Mächte und aller weltlichen Gewalten an und fordert sie auf, dem Orden den GarauS zu machen. Die Katholiken wissen also, woran sie sind, wenn sie der Freimaurerei sich anschließen. Unwissenheit kann von nun ab Keiner vorschützen; wir haben cie Kirche zuletzt selbst gehört und wer sie nicht hört, ist wie ein Heide und Publikan, Lic. Jos. Wick. Die Heldenthat zweier Priester. Die Pariser Blätter, welche jüngst einmal erzählten, daß ein Priester bei einem von der Wasserscheu befallenen jungen Mediciner, nachdem denselben Vater, Mutter, 222 ' Geschwister und Freunde verlassen, allein noch aushielt und den Unglücklichen, als dieser sterbend ihn zu umarmen wünschte, auch wirklich mit unerschüttertem Gottvertrauen und einem gewiß nicht gar zu häusigen Heroismus an sein Herz drückte; die Pariser Blätter, wie gesagt, berichten nun auch von einem andern ähnlichen Heldenmuthe, den ein Prediger in der Umgegend von BloiS kürzlich bei einer ähnlichen Gelegenheit zu Tage legte. Es war dort nämlich einem jungen, zwanzigjährigen Menschen von einer giftigen Viper eine tiefe Wunde beigebracht worden, so daß er, da Niemand, weder Vater, Freund, noch Geliebte die Aufopferung über sich gewinnen konnten, dieselbe mit ihren Lippen auSzusaugen, als dem Tode verfallen betrachtet werden mußte. AIS dieß ein in der Nähe sich befindender Priester hörte, eilte er sogleich herbei, riß die Wunde mit einem Messer weit und tief auf und sog mit einem großen Theil Blut sehr glücklich auch das Gift heraus. Ein Arzt, der später hinzukam, fand diese Procedur so vortrefflich, daß er nichts weiter als einen Verband anzulegen für nöthig fand. Während dessen war der Geistliche still und anspruchslos in seine stille Wohnung zurückgegangen, um dort dem höchsten Gotte dafür auf den Knieen zu danken, daß er daS Werkzeug zur Rettung eincS jungen Menschenleben hatte werden können. So viel man weiß und auS den Mittheilungen der Zeitungen schließen darf, ist der junge Mann alö schon fast ganz geheilt und sein Retter als von dem eingesogenen Gifte nicht afficirt anzusehen. Die Mission in Jngolstadt vom 29. Mai bis 13. Juni 1852. Kaum sah der würdige, für die Größe deS Christenthums aufrichtig begei, sterte Herr Stadtpfarrcr zu U. L. F. in Jngolstadt, Georg Angermaier, nachdem er unter Mühen und Leiden, die nur Gott allein kennt, die Restauration deS Pracht- TempelS zu U. L. F. betrieben, dieses schöne Werk seiner Vollendung sich nahen, so dachte sein christlich frommer Sinn sogleich daran, durch eine Mission den GotteS- Tempel auch in den Herzen der Gläubigen wieder in seiner vollkommenen Reinheit und Würde aufzubauen; der feierliche Einzug in die reparirte Licbfrauenkirche sollte zugleich der Anfang einer Mission seyn, und diese sollte durch Jesuiten abgehalten werden, d. h. durch Männer j -> «> ,>j , « A 'lN ,-.'-ittZ/. '»»^»i.^'Uiu? ?SmR> »:? »>L Berlin. Der Weiterbau der neuen katholischen Kirche auf dem Köpeniker Felde schreitet, wie daö „Organ für christliche Kunst" meldet, rüstig voran, und hoffr man, noch diesen Herbst den Bau unter Dach zu bringen. Die Kirche wird in Rohziegelbau und zwar im romanischen Style ausgeführt. Sie hat drei gleich hohe Schiffe, ein Kreuzschiff, Chor und Nebencapelle und drei Apsiden. Auf dem Kreuz wirv sich ein gewaltiger Kuppellhurm erheben; im Westen ein Borhallenbau sich anschließen, der malerisch nach Art der italienischen Basiliken nach Außen sich öffnet. DaS Mittelschiff ist mit einem Kuppclgewölbe zu überdecken, deren jedes ein sanftes Oberlicht erhalten wird. Die Seitenschiffe, mit Tonnengewölben geschlossen, lassen das Haupt- licht durch größere Rundbogensenster zu. Die Länge der Kirche beträgt 194 Fuß, die Weite deö Mittelschiffes 30, die ganze Breite dcö Kreuzschiffeö 98 Fuß. K r e m S m ü n st e r. Mit der vielbesprochenen Klosterreform in Oesterreich scheint eS nun Ernst werden zu wollen. Den Anfang wird, öffentlichen Berichten zufolge, der Orten der Benedictiner machen. Die Aebte der Benediclinerklöster Ober- und Niederösterreichs, SleiermarkS, Tirols, Jllyrienö und Böhmens treten in diesem Monate im Stifte KremSmünster zusammen, um über die wesenilichsten Puncte der Reform zu verham dein, und im Allgemeinen den Gang zu bezeichnen, nach welchem sie ins Leben treten soll Borläufig spricht man von Gründung eines BenedicineumS, einer theologischen BilvungSanstalt für sämmtliche OrdenSkleriker im Stifte Admont. Veraulwortlicher Redqcteur: L. Schönchen VerlagS-Jah-ber: F. E. Kremer. Zwölfter Jahrgang. Sonntags-Beiblatt zur Augsburger Pojheitung. 18. Juli 2«, !85S. DieseS Blatt erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der halbjährige Abouuementspreis TV kr., wofiir e» durch alle köuigl. bayer. Postämter und alle Buchhaudluogeu bezogen werdeo kann Hirtenbrief der versammelten Bäter auf dem National - Concil z« Baltimore. Die in Baltimore versammelten Bischöfe haben folgenden Hirtenbrief an den KleruS und die Gläubigen der Vereinigten Staaten erlassen: „Versammelt zu einem National-Concilium unter der Autorität unseres heiligsten VaterS, PiuSlX., haben wir keine dringendere und zu gleicher Zeit unseren Gefühlen wohlthuender« Pflicht zu erfüllen, als an die Heerde unö zu werden, die unserer Sorge anvertraut ist. Die Anhänglichkeit an vie Lehren und Gebräuche unserer heiligen Religion, welche die Katholiken der Vereinigten Staaten auszeichnet, die Gelehrigkeit und der Gehorsam, den sie stets zu erkennen gegeben haben; die herzliche Einigkeit, welche in dem ganzen katholischen Leibe dieses weiten Gebietes herrscht, trotz der Verschiedenheit des Ursprungs, der Sitten und der Sprache der einzelnen Glieder, ihr allgemeiner Eifer und ihre Hingabe in der Ausübung der Tugenden des Evangeliums, erfüllen unsere Herzen mit Freude und wiegen unö reichlich die Mühen und Sorgen unseres HirtenamteS auf. Wir können daS Wort des Apostels in den Mund nehmen: „Unser Mund ist offen sür euch, unser Herz ist weit." «Groß ist unser Vertrauen auf euch, groß ist unser Ruhm in euch. Wir sind voll von Trost und fließen über vor Freude in all unsern Trübsalen." DaS Ansehen, welches wir ausüben, ist von Christus uns gegeben. Wir sind seine Diener und Gesandten. Wir begehren keine Macht und suchen keinen Einfluß, den unS Gott nicht zuertheilen wollte. Unsere Wicht ist eS, das heilige Pfand des Glaubens zu bewahren; denn dieses Pfand ist unS anvertraut worden; von uns wird unser göttlicher Herr einst Rechenschaft darüber verlangen. Gott hat sich gewürdigt, zu verschiedener Zeit und auf mancherlei Weise zu unS zu reden, in der vergangenen Zeit durch die Propheten, und zuletzt durch seinen Sohn. Und dieser göttliche Sohn, der Abglanz der Herrlichkeit deS VaterS und die Figur seines Wesens, hat uns zu Bewahrern seiner Lehre gemacht, und da der Mensch nothwendig hat, von Gott Belehrung zu empfangen, so muß er auch stets diese Lehre durch einen Kanal erhalten, der sie bewahrt vor Allem. waS ihre Reinheit trüben und ihr Ansehen ver- Nichten könnte. Es ist nicht bloß nölhig, daß wir wissen, daß Gott gesprochen hat; wir müssen auch gewiß seyn, seine Stimme zu hören in jedem Zeitalter. Obgleich er nicht mehr sichtbar unter den Menschen wandelt, so hat Christus, unser Gott, uns doch nicht als Waisen hinterlassen. Er hat den heiligen Geist gesendet, den Tröster, den er versprochen hat; er hat belebt mit dem Hauche deS ewigen Lebens die irdischen Elemente, die er zur Bildung seiner Kirche ausersehen; und dieser heilige Geist wohnt stets in der Kirche, lehrt sie alle Wahrheit, bewahrt sie vor jedem Irrthum, macht sie zu einem sichern Führer zu den Weiden deS Heiles, zu der Quelle, welche inS 826 ewige Leben fließt. So haben sich seine Worte erfüllt: „Wer euch hört, der hört mich." So ist die Kirche „daS HauS deS lebendigen GotteS, die Säule und Grundseste der Wahrheit." Aus dieser Grundlage ruht eure Pflicht, die wir mit gleicher Zuversicht wie die Apostel verkünden: „Gehorchet euren Porgesetzten und seyd ihnen Unterthan, denn sie wachen, um Rechenschaft zu geben für eure Seelen." Die Quelle dieser Autorität ist Christus. Der Kanal, durch den sie den übrigen Gliedern der Kirche mitgetheilt wird, ist der Bischof von Rom. Der Nachfolger des heiligen PetruS ist der Erbe der dem Fürsten der Apostel verliehenen Vorrechte; die Kirche ist auf ihn gebaut und er ist der feste Grundstein, den der weise Baumeister erwählt hat; für ihn hat. in der Person des PeiruS, Christus besonders gebetet, ihm ist eS gegeben „seine Brüder zu befestigen." Wie in allen andern Ländern, wo die Kirche besteht, ist unsere Hierarchie durch seine väterliche Sorge errichtet; sie hat sich entwickelt in ihrem Ansehen und in ihrer Zahl, durch seine Einsetzung und Gutheißung; und die Glieder deS Episkopates, obgleich zerstreut in dem weiten Raum, der einen Ocean von dem andern trennt, gehorchten mit Freude seinem Aufruf, zu einem Nalionalconcil sich zu versammeln, unter dem Vorsitz eines besondern Stellvertreters deS heiligen Stuhles, in der Person deS ehrwürdigen ErMchofeS von Baltimore. Wir freuen unö dieser Gelegenheit, unsere Anhänglichkeit an den Mitlelpunct der katholischen Einheit bezeugen zu können, und wir ermähnen euch, mit Liebe jenen heiligen Stuhl zu umfassen, auf welchem sich eine ununterbrochene Nachfolge von Hirten erhalten hat, von Christus bis auf unsere Tage. Der heilige Stuhl ist eS, welcher alle Irrthümer verdammt hat, welche die Menschen versucht haben mit den Lehren der Offenbarung zu verbinden und der stets über die Reinheit des Glaubens wacht, indem er die Reinheit der kirchlichen Zucht bewahrt. Hoffen wir, daß die irrthümlichen Ideen, welche viele unserer Mitbürger hegen in Betreff des Wesens jener Macht, die wir in dem Bischof von Rom, als dem Nachfolger deS heiligen PetruS anerkennen, verschwinden werden, und daß dieser höchste Stuhl, von dem die priesterliche Einheit ihren Ursprung hat, erkannt werde als der Mittelpunkt der kirchlichen Einheit, als die Quelle alles dessen, waS groß und imposant ist in der Ausdehnung der Einheit und der UnVeränderlichkeit der Kirche. Beten wir, daß alle jene, welche von der Kirche getrennt sind, zur Erkenntniß oer Wahrheit gelangen, daß die schrecklichen Verirrungen, in welche der Irrthum diejenigen stürzt, welche die von Jesus Christus aufgestellte Autorität verwerfen, die Menschen zwingen mögen, ein Princip anzuerkennen, daS allein im Stande ist, sie alS eine Heerde unter einem Hirten zu versammeln.« Der Hirtenbrief gibt weiter Vorschriften in Betreff deS KirchenguteS und erklärt, daß die Verwaltung desselben überall der Approbation des DiöeesanbischofS unte» worfen seyn solle. Er verdammt sodann die geheimen Gesellschaften und die Freimaurerei, indem er die apostolischen Decrete in Betreff dieser Verbindungen einschärft. Er verbreitet sich ferner über die staunenswerthen Fortschritte der Kirche in Amerika und ermähnt die Liebe der Gläubigen, durch Almosen ihren Bedürfnissen zu Hilfe zu kommen. Den Familien wird die Pflicht in Erinnerung gebracht, den Beruf zum geistlichen Stande bei ihren Söhnen nicht zu ersticken. Ferner wird daS schädliche System der Simultanschulen, wo Zöglinge aller Culte vereinigt sind, und die Religion verbannt ist, in folgenden Worten verworfen: Höret nicht jene, welche euch überreden wollen, daß die Religion von dem weltlichen Unterricht getrennt werden könne. Wenn eure Kinder, während sie in den menschlichen Wissenschaften Fortschritte machen, nicht zugleich die Wissenschaft der Heiligen lernen, so wird ihr Geist mit allen Irrthümern sich erfüllen und ihr Herz daS Behälter aller Laster werden, und eben jene Wissenschaft selbst, welche sie sich «»geeignet haben, die an sich gut und nothwendig ist, wird ein neues Mittel werden, daS Glück eurer Kinder zu vernichten, wenn sie alles himmlischen Lichtes entbehrt. Sie wird den Kelch der elterlichen Enttäuschung noch mehr vergiften und die Grundlagen der socialen Ordnung schwächen. Höret unsere Stimme, die euch au L27 den alten Wegen zu wandeln heißt, eure Kinder zu erziehen, wie ihr selbst von euren frommen Eltern erzogen worden seyd. Unterstützet die Errichtung und Erhaltung katholischer Schulen; bringt alle nöthigen Opfer für diesen Zweck; ersparet unsern Herzen den Schmerz, eine Jugend, die wir nach dem Beispiel unseres göttlichen MeisterS so sehr lieben, allen den Uebeln einer antikatholischen Erziehung preisgegeben zu sehen. Diese Uebel sind zu vielfältig, und zu offenbar, als daß wir nicht unsere Stimme zu feierlicher Protestation gegen daS System erheben müßten, dem sie entspringen. Indem wir euch die Erfüllung dieser Pflicht ans Herz legen, handeln wir' im Auftrage deö heiligen VaierS, der in seinem Rundschreiden vom 21. November l85I alle Bischöse der katholischen Welt zur Sorge sür die religiöse Erziehung der Jugend aufruft." Die Bäter des Concils sprechen hierauf von dem Vereine der Verbreitung des Glaubens in folgender Weise: „Unser heiligster Vater, PiuS IX., hat ferner unserer Aufmerksamkeit, so wie der aller andern Bischöse der Welt, den zu Lyon in Frankreich errichteten Verein empfohlen, welcher die apostolischen Missionäre in der Verbreitung deS Glaubens unterstützt. Auch ohne diesen Wink würden unsere eigenen Gefühle unS drängen, von diesem Gegenstande zu euch zu reden. Seit seiner Gründung vor dreißig Jahren hat dieser Verein freigebig und ununterbrochen unsere Missionen unterstützt. Wenn unsere Kirchen so schnell sich vermehrt haben, wenn unsere religiösen Anstalten und Schulen jetzt verhältnißmäßig zahlreich sind, wenn neue Missionen und neue Diöcesen in Mitten der schwierigsten Verhältnisse entstanden sind, so müssen wir anerkennen, der Gerechtigkeit und Wahrheit gemäß, daß, um diese Resultate zu erreichen, der Verein zur Verbreitung des Glaubens seine edelmüthigste und weiseste Mithilfe uns geleistet hat. Wir fühlen die Verpflichtungen, welche wir gegen einen Verein haben, der mit den Fortschritten der Religion in allen Ländern so innig zusammenhängt, und wir ermähnen euch, seine Ausbreitung in euren Kreisen, dem Wunsche deö heiligen Vaters gemäß, zu fördern, welcher den ganzen katholischen Erdkreis in gemeinschaft- licher Anstrengung vereinigt wünscht, um daS Evangelium ^llen Nationen zu bringen. Die Geringfügigkeit deö jährlichen Beitrages, den der Verein fordert, wird euren übrigen LiebeSwerken nicht hemmend entgegentreten, und wir sind überzeugt, daß seine Ausbreitung bei unS die kostbarsten Segnungen GotteS über jene herabrufen werde, die zu diesem guten Werke sich vereinigen." Der Hirtenbrief empfiehlt sodann den Gläubigen Gehorsam gegen die weltliche Autorität und Achtung vor den amerikanischen Institutionen und schließt mit Ermah. nungen an den KleruS, die Religiösen und die Laien, je nach ihren verschiedenen Standespflichten. (Schles. Kirchenbl.) JohanneSwürmchen. Sinnig bezeichnet das Volk in seiner kindlichen Sprache die leuchtenden Würmchen, die in lauen Sommernächten in Wald und Flur erglühen, mit dem Namen vesjenigen, den der Herr ein brennendes und leuchtendes Licht nannte. — Monlalem- bert bedauert, daß wachsende Verbildung die lebensvolle, weil christliche AuövruckS- weise verdrängte, welche im Munde des Volkes die Natur zur Biloertafel der heiligen Schrift machte. So erinnern in der Pflanzenwelt die Erstlinge der Natur als „Himmelsschlüssel" an den Sieg, den der Herr über den Tod errungen, da er unS durch seine Auferstehung den Himmel wieder aufgethan; Schneeglocken helfen daS freudige Gloria der Ostern einläuten. Und in königlichem Purpur leuchtet die Pfingstrose zur Zeit der hehren Freude, da der Tröster in feurigen Zungen über die Häupter der Jünger niederschwebte. In dem der heiligen Jungfrau gewidmeten Monat ") W. K. I. L28 «rinnern die Maiglocken an das Ave «Maria-Geläute. So lobet nach dem Psalmes« wort die ganze Natur den Herrn: „Berge und alle Hügel, die fruchtbaren Bäume, und Bäume deS WaldeS; Gewild und alle Thiere; Gewürm und Vögel des Himmels." In diesem Sinne freuen wir unS an den Glühwürmern in Wiesen und Wäldern, die zur Zeit, da die Kirche den Geburtstag deS Messianischen Vorläufers begeht, erscheinen. Nachdem die Braut deS Herrn den CycluS ihrer höchsten Feste beschlossen, feiert sie daS Angedenken deS Freundes deS Bräutigams. Kaum find die festlichen Klänge verhallt, die „des glorreichen LeibeS Geheimniß" sangen, werden wir an die erfüllte Verheißung deS Täufers erinnert, daß „alles Fleisch das Heil sehen werde", daS unS im Fleische erschienen. So wie das Fest Johannes des Täufers auf Fronleichnam folgt, so reiht sich die Gedächtnißfeier Johannes deS Evangelisten an die heilige Weihnacht: daS Fest der Menschwerdung. Beide weisen auf daS Lamm, das geschlachtet wird, daS hinwegnimmt die Sünden der Welt, der Eine zeigte eS seinen Jüngern auf Erden, während eS der Andere im Himmel schaute. — Wie der Seher, der die Kirche in ihrer Vollendung als himmlisches Jerusalem erblickte, der Schutzpatron der Theologen ist, so möchten wir den Vorläufer deS Erlösers, der Ihm den Weg bereitete, den Schutzpatron der Philosophen nennen. Ist eS doch zumal in unsern Tagen recht eigentlich Beruf der Letztern, dem Herrn den Weg zu bereiten in alle Gebiete der Wissenschaft, wo noch so viele gedankenleere Tiefen eines heidnischen Rationalismus auszufüllen, so viele dünkelvolle Höhen eineS pharisäischen PietiSmuS abzutragen sind, soll anders auch hier daS Wort deS Apostels gelten: „Niemand kann einen andern Grund legen, als der schon gelegt ist, Christus ZesuS." Ist eS der Theologie eigenthümlich, wie mit Adlerfittigen sich himmelwärts zu schwingen im Sonnenlichte deS Glaubens, so schreitet die Philosophie aus mühe- vollen Wegen der Forschung durch die Niederungen deS irdischen Daseyns, selbstleuchtend gleich den JohanneSwürmchen und daS Dunkel ringsum erleuchtend; ihr Licht entquillt den Tiefen deS menschlichen Selbstbewußtseyns; dieses Licht aber hält sie so wenig für daS einzige, außer welchem kein anderes leuchtet, als eS Jemanden bei gesundem Verstand einfallen kann, daS Glühwürmchen für die Sonne im Weltall zu halten; vielmehr wie Johannes, in sich selber Licht, auf denjenigen hinwies, der, wie kein Anderer, von sich sagen konnte: „Ich bin das Licht der Welt" — auf die Frage: „Wer bist du?" aus der Tiefe deS eigenen Selbstbewußtseyns demjenigen Zeugniß gebend, „der nach ihm kam und vor ihm gewesen", so weist auch die Philosophie den selbstbewußten Menschen, als einen erschaffenen erkennend und bekennend, auf den Unerschaffenen hin, der allein durch sich selber Licht und als Schöpfer alles Lichtes Urquell ist. Sie weiSt aber auch und zwar eben deßhalb, seitdem die Finsternisse der Sünde sich über die lichte Schöpfung gelagert, auf denjenigen hin, der sein allmächtiges: „ES werde Licht" abermal in die Finsternisse hineinrief und selber als neuer Mensch daS neue Licht der Welt ward. In diesem Hinweis, in diesem Johanneischen Fingerzeig auf Christus gründet die Demuth, aber auch die Hoheit der Philosophie, die ganze Größe dieser Wissenschaft deS Menschen vom Menschen. — Wenn Christus von Johannes sagt, daß kein Größerer vom Weibe geboren als er, daß aber der Geringste im Reiche GotteS größer denn er sev, so dürften auch diese Worte auf die Philosophie ihre Anwendung finden. Sie ist die größte im Bereiche menschlicher Wissenschaft, wenn sie ihrem innersten Wesen nach, wie Johannes ein Fingerzeig auf denjenigen ist, der von sich gesagt hat: „Ich bin die Wahrheit; wer zu mir kommt, der wandelt nicht in Finsterniß" — sonst aber übertrifft sie an Wahrheit der Glaube des KindeS. Daher ordnet sich eine wahre Philosophie der Kirche unter, wohl wissend, daß ihr Gegenstand: der Mensch, nur in der Wahrheit besteht, die der Kirche verheißen ist. — Auch auf den seichten Rationalismus mit seinem endlosen Forlschritt inS Blaue fällt ein Licht aus dieser Parallele zwischen der Stimme des Rufenden in der Wüste und der Philosophie. Denn wenn JohannneS im Hinblick aus den Erlöser von sich aussagt: „Er muß wachsen, ich abnehmen", so hat auch daS menschliche Wissen sein Ziel und Ende erreicht, wenn eS, «29 wie der Glaube, sich ins Schauen verwandelt. Wäre eS nicht eben so thöricht al» roh, das Johanniswürmchen deßwegen zu zertreten, weil eS nicht die Sonne selber ist? So wäre auch daS Thun und Treiben derjenigen, welche gegen die ernste Mahnung deS Apostels: Spiritum nolite extinZuers (I. Thess. V. 19), den von Gott geschaffenen Lichtauell im Menschen, in Andern nicht fließen sehen wollen, weil sie zu träge sind, aus eigenem zu schöpfen, und die daher in ihrem so anspruchsvollen Gebete nie die Worte des königlichen Psalmensängers aufnehmen: „Du erleuchtest mein Licht, o Herr; o Gott, erleuchte meine Finsternisse.' KremSmünster. Sie erlauben vielleicht, in einer Zeit, wo man hie und da hadernd zwischen Kirche und Staat hin und her zerrt, in Ihrem vielgelesenen Blatte auf ein „kleines Ereigniß" aufmerksam zu machen, daS sich jüngst in unserer Nähe zutrug, und auf alle Betheiligten, ja selbst auf serner Stehende, einen höchst erquicklichen Eindruck gemacht hat. Sie erlauben eS vielleicht um so lieber, da in Ihrer Umgebung die Stürme der Zeit alle Gelegenheit verweht haben, selbst etwas AehnlicheS zu erleben. In einem der schönsten Thäler unseres paradiesisch-schönen Landes, auf einem AbHange des Kremsthales, das sich bis an die steierischen Alpen hinanzieht, erhebt sich die Abtei KremSmünster, welche sast ein halbes Jahrhundert vor dem Anfange Oesterreichs da war, und des römisch-veutschen Reiches Entstehen und Untergang gesehen. Wie viele berühmte Geschlechter sind bereits dem ihres Gründers, deS AgilolfingerS Tassilo von Bayern, wehmüthigen Angedenkens, nachgefolgt! WaS Alles verwelkte, ging unter, starb seit ihrem Daseyn I Sie aber lebt, und lebt nicht bloß, sie regt und blüht in vollster Jugendfrische, und hat da» Ansehen, daß sie, wenn man nicht künstlich ihr naturwüchsiges Leben vergiftet, noch irgend eines deut» schen Reiches Entstehen und Untergang überleben könne: „Das Münster ragt, kein Sturm vermag'S zu fällen, Sein Lebten strömt aus unverstegten Quellen." In dieses Münster nun, welches der eben so gelehrte als fromme Bischof Gregor Ziegler so gerne besuchte, in welchem er vor wenig Jahren in stiller Zurück- gezogenheit und frommer Betrachtung sich auf seine Secundizfeier vorbereitete, zog am 8. Juni 1852 der Statthalter der Provinz Oberösterreich, vr. Eduard Bach, ein, um den verdienten Vorsteher, Abt Thomas Mitterndorfer, mit dem Ritterkreuze deS k. k. Leopoldordens zu schmücken, „wegen seiner Verdienste, besonders um die Förderung deS Studienwesens", wie die präcise Amtssprache lautete. ES galt eine Art patriarchalischer Siegesfeier. Eine Schaar wackerer Söhne deS heil. Benedict, von ihrem väterlichen Führer auf ihre Posten umsichtig vertheilt, hatte ihm geholfen, den Sieg zu erringen, und ließ sich nun die Freude nicht wehren, dabei zu seyn, als ihm die Palme eingehändigt wurde. Um 9 Uhr bewegte sich unter vollem Glockengeläute ein langer, festlich gekleideter Zug in die festlich geschmückte Stiftskirche, um einem feierlichen, vom Hrn. StiftSprior celebrirten Hochamte und Te Deum beizuwohnen; voran die Schulkinder und die studirende Jugend, dann, im schwarzen, ehrwürdigen Festgewande deS heil. Benedict, silberhaarige Greise und rüstige Män- ner, die von den Seelsorgestationen des Stiftes herbeigekommen, Officialen, Professoren und Lehrer, an welche sich der gerührte Abt und der Herr Statthalter mit einer zahlreichen Begleitung von hohen und niedern Beamten anschlössen. Vermessen wäre eS, zu fragen, was während der heiligen Handlung in der Brust der Anwesenden vorging: auf dem Antlitze deS Gefeierten deS TageS sah man unverkennbare Zeichen einer tiefen innern Bewegung. AIS man dem Herrn gedankt, der das Wirken deS Stiftes gesegnet, begab sich der Zug nach kurzem Verweilen, während welchem die Schaaren der Zuschauer sich ordneten, von den Gemächern deö Herrn Statthalters in den geräumigen Festsaal L30 des Stiftes, wo der Hauptact der Feier vor sich gehen sollte. In dem Saale selbst, einem lichten, zwei Stockwerke hohen Vierecke, von fünf mächtigen Fenstern in die Länge und dreien in die Breite, das mit seinem meisterhaften Deckengemälde, Tag und Nacht vor einander auf der Flucht vorstellend, und den lebensgroßen PorträiS der fünfzehn habSburgischen Kaiser an der Wand einen überraschend großen und lieb, lichen Eindruck macht, war der Länge nach in der Mitte ein Thronhimmel mit dem Bilde des jungen Kaisers errichtet und verziert mit Allem, waS die blühenden Gärten des Stiftes und die Kunst des Gärtners Geschmackvolles aufzubieten vermochten. — AIS der Kreis um den Thronhimmel geschlossen und eS stille geworden war, begann der Herr Statthalter in einfacher, ungesuchter Rede die Verdienste deS Gefeierten her- vorzuheben: „wie er aus dem reichen Schatze von Lehrkräften, die dem Stifte zu Gebote stehen, stets die tüchtigsten ausgewählt und eS dahin gebracht, daß KremS- münster unter den Lehranstalten der Monarchie einen hervorragenden Platz einnehme; wie daS mit der Lehranstalt verbundene Convict eine Pflegeanstalt ächt religiösen Geistes und einer verständigen, praktischen Richtung sey; wie er durch stets neue Bereicherung deS ohnehin reichen Schatzes von Lehrmitteln dem traditionellen Sitze gelehrter Bildung neuen Glanz zugefügt; wie er überall, wo eS gilt, mit patriotischem Sinne wirke und durch weise Sparsamkeit eS ermögliche, daß das Stift eine Leuchte für Schule und Wissenschaft bleibe. Möge, so schloß er, das schöne OrdenS- kreuz lange zieren die Brust eines Vaters der Jugend, eines frommen Priesters, eines patriotischen Staatsbürgers, eines ächten Biedermannes!" Eine kurze, feierlich stille Pause trat ein, während welcher der Herr Statthalter das Ritterkreuz an die Brust des Herrn AbteS heftete und hie und da ein Auge mit weißem Tuche getrocknet wurde. Darauf begann der priesterliche Levpoldordensritter mit bewegter Stimme einen Vortrag, dessen Inhalt sich tief in Herz und Gedächtniß der Betheiligten eingrub. „Mit ahnungslosester Ueberraschung sey ihm die Nachricht von der allerhöchsten Auszeichnung gekommen; nichts hätte er wirken können ohne eifriges, harmonisches Zusammenwirken „„seiner Mitbrüder''", besonders in einer Zeit, wo alleS Frühere sich aufzulösen schien, die Klöster selbst in Frage waren, ihre Aufhebung von Vielen gewünscht wurde. Er habe Alles Gott empfohlen, und sey in Vereinigung mit „„seinen wackern Mitbrüdern"" nicht ein Haar breit von Recht und Pflicht gewichen. Die Prüfung sey vorüber; daS tausendjährige Stift stehe noch geregelt im Innern, geehrt nach Außen; die Lehranstalt sey allerdings eine vorzügliche in jeder Beziehung, waS nun aber nicht sein Werk sey, sondern einem edlen, patriotisch gesinnten Lehrkörper, einem harmonischen Vereine geschickter, thätiger und liebevoller Jugendfreunde zugeschrieben werden müsse. Darum freue ihn die Auszeichnung; denn Vorsteher, Lehrer, Erzieher, Priester wirkten mit freudigerm Muthe, wenn sie der Augenschein überzeuge, daß ihr Wirken nicht unbeachtet bleibe." Sie können sich denken, wie viele Taschentücher beschäftigt waren, als der väterliche Redner in fast ungerechter Bescheidenheit die wohlthuende, wahrhaft erquickende Anerkennung der Leistungen „seiner Milbrüder" vor einer so großen und mitunter so auserlesenen Versammlung auSsprach. Er sprach dann mit gerührtem Tone öffentlich seinen innigen Dank auS: seinem Kaiser, dem Statthalter und „seinen Mitbrüdern", — letzteren, daß sie, jeder auf seinem Platze, treu und redlich zur Ehre Gottes, zur Wohlfahrt der heiligen Kirche und deS theuren Vaterlandes gewirkt hätten. Darnach richtete er eindringliche Worte an die Zöglinge der Lehranstalt: „daß auS ihrer Mitte tüchtige Diener der Kirche und deS Staates hervorgehen möchten, wie dieses seit 300 Jahren bei dieser Lehranstalt sehr oft der erfreuliche Fall gewesen. Auch er sey Schüler an diesem Gymnasium gewesen, und könne sich das Zeugniß geben, daß er treulich den Rathschlägen seiner Jugendlehrer, von denen heute noch fünfe Zeugen seiner Auszeichnung seyen, Folge geleistet habe." Er schloß mit einem dreimaligen: „Hoch dem Kaiser!" in welches die ganze Versammlung begeistert einstimmte. Die Volkshymne fiel ein und Böllersalven dröhnten. Nachdem sich die Versammlung entfernt hatte, war eS rührend anzusehen, wit 231 in die Gemächer des Herrn AbteS unter der Schaar der Glückwünschenden eine Anzahl kleiner weißgekleideter Mädchen, von ihrem Katecheten geführt, eintrat, und eines davon mit naiv zutraulicher Unbefangenheit die von einem StiftSmitgliede, dem Lehrer der französischen, italienischen und englischen Sprache, MarcuS Holter, unübertrefflich verdolmetschten Kindergefühle zum Glückwünsche darbrachte, und bittend gleichsam auch den Unterricht der kommenden Geschlechter dem väterlichen Kinderfreunde anS Herz legte. Wie Sonnenschein zwischen Regen nahm eö sich aus, als die alten Herren mit nassen Augen bei den übernaiven Worten: „Mußt recht brav gewesen seyn!" plötzlich in ein herzliches Lachen auSbrachen. Um 1 Uhr wurde im Festsaale gespeist, errathbare Trinksprüche unter Musik und Böllersalven ausgebracht, darnach den Meister ehrende Uebungen in der Schwimmschule des ConvicteS angesehen, bis am späten Nachmittage im Musikzimmer deS Stiftes eine musicalisch-declamatorische Unterhaltung begann, welche zeigte, daß daS Stift, welches die rühmlich bekannten Tonsetzer Franz Sparry, Georg Pafterwitz, Günther Kronecker unter seine Mitglieder zählte, auch in dieser Hinsicht seiner Vergangenheit nicht ungetreu geworden sey. Die Unterhaltung begann mit der Ouvertüre eines Mozartschen Meisterwerks, worauf von einem Studirenden ein von dem Professor der deutschen Sprache, Amand Baumgarten, verfaßtes Festgedicht vorgetragen wurde, welches, dem Inhalte und der Form nach ein vollendet schöner Ausdruck deutscher Urkraft und frommer Gemüthlichkeit, die Quintessenz der tausendjährigen Geschichte der Abtei in poetischem Gewände der athemloS lauschenden Zuhörerschaft vorführte. Zum Mittelpuncte der Unterhaltung hatte man sinnig „Schillers Glocke, in Musik gesetzt von Romberg" gewählt, die Glocke, welche in den lieblichsten und ergreifendsten Werten und Tönen ausdrückt, was seit tausend Jahren vom Leben vor dem mitbetheiligten Stifte aufgeführt worden war: „Und milde klingt zu gnadenreichen Festen Des Glöcklcins Silberhall geliebten Gästen!" Hatte daS erste Festgedicht die Thatsache der tausendjährigen Dauer und Blüthe der Abtei angegeben, so folgte nun ein zweites, lateinisches, vom Professor der lateinischen Sprache, Beda Piringer, verfaßt, welches den erklärenden Grund jener Thatsache darlegte. Das Geheimniß ist kein anderes, als daß „die freie Muse, geleitet vom Sterne der Magier, ohne rechts oder links dem Ufer sich zu nähern, mitten über den Meeresspiegel hinfahre nach dem Hafen am Felsen mit dem Leucht- thurm, unbekümmert, ob der Wind von Westen oder Süden her wehe." Durch eine solche Pflege der Wissenschaften habe sich die Abtei mit Gotteö Hilfe aus den Erschütterungen der sogenannten Reformation erholt, den Untergang des deutschen Reiches überlebt und den Söhnen des MarS stets Achtung eingeflößt. Dieser auch auf die Zeilverhältnisse bedeutsam anspielende Vortrag wurde, obwohl er nicht Allen zugänglich war, unter gleich lautloser Stille angehört und daraus dieser Theil deS Festes mit einem dem Tage angepaßten Schlußchore von C. M. v. Wcber geschlossen. Nun stand daS Beste noch bevor. Nachdem der Abendtisch, den ein Chor von Sängerknaben mit seinen eben so lieblichen als frischen und wohlklingenden Stimmen erheitert hatte, beendet war, wurde in den StiftSgarten gegangen, wo ein Schauspiel überraschte, deßgleichen bis dahin Krcmsmünster nie gesehen. Stellen Sie sich ein ganz eigenthümliches Gebäude von sieben Fenstern Breite vor, dessen Mitte mit drei Fenstern und zwei Kanten eines Vierecks über die beiden Seiten von je zwei Fenstern vortritt, in der Mitte sieben, auf beiden Seiten fünf Stockwerke hoch, blendend weiß in den heiteren, dunkelblauen, sternbesäeten, aber mondlosen Himmel hinaufragend; die verhältnißmäßigen Fenster je einzeln ungefähr 36 Quadratfuß groß. Dieses Gebäude, die Sternwarte, oder eigentlich die Warte der Wissenschaften, — denn eS enthielt, mit Ausnahme der Bibliothek, bis in die neueste Zeit die meisten wissenschaftlichen und Kunstschätze deS Stiftes, — bildet den Mittelpunct der Anlagen des StiflSgartens. Ein GraSparterre und beiderseits Baumgruppen und Laubengänge finden sich davor, und verlieren sich links und rechts — hier über einen ziemlich «32 steilen Abhang — in die verschiedenen, über einer Fläche von ungefähr einer halben Stunde Umfang verbreiteten Anlagen. Die Vorderseite dieser Sternwarte nun und die entsprechenden Hinzugänge waren, erstere mit taufenden von Lampen, letztere mit mattem, farbigem Lichte beleuchtet, und die Warte strahlte hinaus in die Nacht, weithin das schöne Thal hinab sichtbar, wie das Stift selbst, seit tausend Jahren eine Leuchte der religiösen Gesittung und Bildung, in die Nacht deS Urwalds hin« ausgestrahlt hatte. Ein herrlich gelungenes Feuerwerk wurde abgebrannt, zwei Musikchöre spielten abwechselnd entsprechende Weisen, bis endlich gegen eilf Uhr die unzählige Menge der Zuschauer, welche das seltene Schauspiel herbeigelockt, sich ver- lor und die Lampen, allmälig verlöschend, einsam auf die feenhaft vom Dunkelblau des Himmels sich abhebenden, üppig grünen Baumgruppen herabflimmerten. Von dem überwältigenden Eindrucke, den daS sinnvolle Schauspiel der Beleuchtung gerade dieser Warte der Wissenschaft auf alle Anwesenden, besonders auf den priesterlichen Hausherrn machte, von den immer wiedM^> ^ « ^ » ^ Sonntags-Betblatt zur Augsdurger Postzeitung. S5. Juli SV. 185S. __ Dieses Blatt erscheint regelmäßig alle Tonntage. Der halbjährige Abonnementsprei« TV kr., wofür e« durch alle königl. bayer. Postämter und alle Buchhandlungen bezogen werdeu kaun Die FronleichnamSproeession in Rom. Rom, lt. Juni. Zu dem gestrigen Fronleichnamsfeste und insbesondere zu der an diesem Tage hergebrachten großen Procession waren auch in diesem Jahre bereits mehrere Wochen hindurch die großartigsten Anstalten getroffen. DaS Innere der riesigen PeterSkirche war ganz mit Draperien von rother Seide und Gold ausgestattet, die Säulenhallen zu beiden Seiten deS PetersplatzeS waren mit den kostbarsten Teppichen und anv'ern Zierrathen geschmückt, und eine große zeltartige und mit Kränzen gezierte Fortsetzung derselben bedeckte den Weg, den der feierliche Zug außerdem zu machen hatte, und diente zum Schutz gegen die brennenden Sonnenstrahlen. Schon früh fand sich eine ungeheure Menschenmenge auf dem Petersplatze und unter den Hallen ein; alle religiösen Orden RomS und die Pfarrer und Capitel, denen die Theilnahme zustand, versammelten sich in den ihnen zukommenden Trachten am Eingange deS Vatikans, und unaufhörlich rollten die Wägen der Cardinäle, Bischöfe und Prälaren, um diese zur sirtinischen Capelle zu bringen. Hier begann der heilige Vater um 8 Uhr unter Assistenz zweier Bischöfe und in der Umgebung deS ganzen heiligen Kollegiums die heilige Messe zu lesen, und der Zug fing an, sich in Bewegung zu setzen. Leider fiel aber während dessen ein so starker Regen und trieb der heftige Wind denselben so arg umher, daß die Procession die Säulenhalle und daS Zelt nicht passiren konnte und daher auf den Weg von der Sirtina durch den Vatikan und die Vorhalle von St. Peter beschränkt werden mußte. Wir hatten somit in diesem Jahre nur Gelegenheit, dem feierlichen Einzüge in St. Peter beizuwohnen. Ohne uns auf eine ins Einzelne gehende Beschreibung einzulassen, die bei einer so großartige» Feierlichkeit, in der daS, was anderswo imponirt. fast verschwindet, zu weit führen würde, bemerken wir nur, daß der Zug unter Vortritt der Alumnen verschiedener Kollegien durch den Regular-KleruS und zwar durch die Orden der FranciScaner, der beschuhten Augustiner, der Kapuciner, Hieronymiten, Minimen, Tertiarier vom heil. FranciScuS, Minoriten-Conventualen, Minoriten-Observanten, Augustinianer. Servilen, Carmelitaner und Dominicaner eröffnet wurde. Alle gingen in ihren Habiten und ließen sich ihre Standarten oder Kreuze mit zwei Leuchtern vortragen. An sie schlössen sich die Mönchsorden, die Olivetaner, Cistercienser, Camaldolenser, Cas- sineser und die lateranensischen Regulär-Kanoniker deS allerheiligsten Erlösers. Die Reihen deS Welt-KleruS begannen mit den Alumnen deS päpstlichen römischen Seminars, denen die Pfarrer der vierundsünfzig Pfarreien von Rom in der Stola, die Kanoniker und Beneficiaten von neun Collegiatstiften und endlich die Kanoniker der kleinern Basiliken von Regina Cöli, St. Maria in CoSmedin, St. Maria in Traötevere und St. Lorenzo in Damaso folgten. Dann erschienen die Capitel der stttkklkls'^^ drei Patriarchalkirchen St. Maria Maggiore, St. Peter und St. Johannes im Lateran in ihren Jnsignien, der Vicegerente von Rom, und nun begann die söge- nannte Cappella Poniificia mit ihren zahlreichen und in so verschiedenen Abstufungen ausgezeichneten Mitgliedern. Dem CardinalS' Kollegium vorher gingen die infulirten Aebte, die dem päpstlichen Throne nicht assistirenden Bischöfe und Erzbischöfe, der griechische und der armenische Bischof in der Tracht ihres RituS, und die assistirenden Bischöfe und Erzbischöfe — alle in Pluvialen auS Silberstoff und eine weiße Mitra l in der Hand tragend. Die Cardinäle waren nach ihrem Range, die Diaconen in der Tunicella, die Priester in Caseln und die Bischöfe in Pluvialen gekleidet und ließen, während alle andern an der Procession Theilnehmenden selbst brennende Wachs, lichter trugcn, diese durch ihre Dienerschaft tragen. Ihnen schlössen sich noch die drei Conservatoren des römischen Volkes, der Senator und Governatore von Rom und andere Würdenträger an, worauf Se. Heiligkeit der Papst, getragen auf dem hohen Sessel und das Sanctissimum vor sich habend, folgte, während der römische Magistrat hoch darüber den kostbaren Baldachin ausbreitete. — Man hat PiuS IX. in seinen verschiedenen kirchlichen Funktionen in verschiedener Hinsicht bewundert; die Einen heben die Majestät hervor, mit der er die Benediction von der Loggia von St. Peter spendet; die Andern fühlen sich noch mehr angezogen durch die außerordentliche Würde und die sichtbare Andacht, mit der er daS heilige Opfer auf dem Grabe deS Apostelfürsten darbringt; Andern wieder prägt sich die Einfachheit, Demuth und Erniedrigung tiefer ein, mit der er alljährlich dreizehn Priestern die Füße wäscht und küßt; — aber gewiß nie zeigt sich alles dieses schöner verbunden und vereinigt, als wenn er, der höchste Würdenträger auf Erden und als solcher hoch und in herrlicher Umgebung einhergetragen, sich oben auf dem Thronsessel vor dem Allerheilig- sten erniedrigt und mit entblößtem und tiefgebeugtem Haupte daS hochwürdigste Gut, das er hoch in den Händen hält, anbetet. Hier ist der Statthalter Jesu Christi, und siehe! — er ist versunken in tiefster Anbetung seines Herrn, den er auf seinen Händen trägt! Wirklich, man muß PiuS IX. da sehen, um fühlen zu können, waS in dieser Erscheinung liegt. — Beim Eintritt in St. Peter wurde von den Sängern daS Te Dmm angestimmt, und zum Schlüsse gab der heilige Vater dem überaus zahlreichen KleruS und der ungeheuren Volksmasse, welche heute fast Gedränge in den Räumen dieser Basilika verursachte, mit dem Sanctissimum die dreifache Benediction. (Münst. S.-Bl.) _ Die »au»«« S5»erv Oovur. (Von Friedrich Hurter.) , AIS in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts eine von Gott abgewen- dete Philosophie dem Wahn sich hingab, die Kirche vertilgen und den Glauben auS den Menschenherzen ausrotten zu können, suchte sie vor Allem deS Unterrichts und der Erziehung sich zu bemächtigen. Ihre vereinten Streiche waren daher zu allererst gegen j ne erlauchte Gesellschaft gerichtet, die durch zweihundert Jahre in allen katholischen Ländern dem Unterricht und der Erziehung mit solchen Erfolgen sich beflissen, ^ welche nur die Feindschaft gegen alles Höhere und die Unwissenheit mißkennen oder läugnen können. Der Schlag aber, welcher die Gesellschaft vernichtete, erschütterte zugleich die Grundlagen, auf welchen Unterricht und Erziehung bisher überall geruht hatten; beide, ob nun in ihrer Beziehung zu der männlichen, ob in ihrer Beziehung zu der weiblichen Jugend, verfielen immer mehr dem Weltgeist und seiner zerstörenden Einwirkung. AIS dann in fortschreitender Entwicklung jener Bestrebungen in so manchen Ländern alle kirchlichen Korporationen, auch diejenigen, welche Unterricht und Erziehung sich wesentlich als Lebensaufgabe gestellt, vernichtet wurden, blieb zwar daS Bedürfniß nach beiden wie zuvor. WaS aber bisher im Aufblick zu Gott und in liebreicher Hingebung an seine Menschenkinder dargeboten und gewährt worden war, sank jetzt zu einem Gewerbe und zur Geldspeculation herab, welche, den Impulsen von oben fremd, denjenigen von unten zur Verfügung sich stellen mußte. Die S35 , Kinder wurden nicht in dem allseitig veredelnden Sinne des Christenthums, sondern in dem äußerlich abschleifenden Sinne der von Gott abgekehrten Welt unterrichtet und erzogen. Zu eben der Zeit, da in Frankreich, in dessen Hauptstadt vornämlich, christlicher Glaube und Sittlichkeit und was mit beiden in unzertrennlicher Verbindung, Ordnung und Gerechtigkeit für immer darnieder getreten schienen, keimte jene Verbindung christlicher Frauen, die sich den Namen vames 6u 8aer6 Loeur 6s 5esu beilegten, und welche vor Jahren schon ein hocherleuchteter Mann „den Sieg der Barmherzigkeit GotteS über dessen Gerechtigkeit" genannt hat. Die jetzt noch zu Paris als Oberin der etlich und sechzig Häuser der Gesellschaft, die seitdem in drei Erdtheilen entstanden sind, lebende Sophie Barot war im Jahre 1800 eine Jungfrau von fünfzehn Jahren. Zu der außeryrdentlichen Mission, zu welcher die göttliche Vorsehung sie auSersehen hatte, war sie durch den seltenen Verein der vorzüglichsten Geistes- und HerzenSgaben ausgestattet. Zu Wissen und Frömmigkeit, Heldenkraft und Demuth, gesellte sich jene Liebenswürdigkeit, die ein besonderes Erbgut des französischen Charakters ist, und, durch Tugend verherrlicht, vielleicht nicht eineS der geringsten Mittel war, dessen sich die Güte GotteS bediente, um ihr so viele Herzen zu gewinnen. Durch heißes Gebet und durch eifriges Studium aller jener Gegenstände, die heut zu Tage zu einer feinen Erziehung gezählt werden, bereitete sie sich zu ihrer großen Aufgabe vor. Ihr tiefer Geist beschränkte sich nicht auf die gewöhnlichen Gebiete deS Wissens; sie machte sich selbst die alten Sprachen zu eigen, um deren Schriftstellen in dem Urtert lesen und mit Leichtigkeit auslegen zu können. Setzte sie hierdurch bei den vielfachen Prüfungen, die sie, um ihren Lehrplan in Ausführung zu bringen, zu bestehen hatte, die Männer in Staunen, so entzückte sie daS weibliche Geschlecht durch die vollendete Zierlichkeit ihrer Handarbeiten. Jenes Wissen aber, worin Madame Barot einer RoSwira von Gan- derSheim, einer Christine von Schweden kann verglichen werden, sollte ihr nur als Mittel dienen, um die Herzen für Tieferes und Edleres empfänglich zu machen, den beinahe verschwundenen Glauben wieder anzufachen und zu neuen Blüchcn zu erkräftigen. Sie fand bald einige würdige Mitarbeiterinnen in edlen Frauen, welche, wunderbar dem Blutgerüste entronnen, von dem reinsten Eifer lurchglüht waren, Gott und in Ihm dem Nächsten zu dienen, somit beizutragen, die schwere Schuld zu sühnen, die auf ihrem furchtbar durchwühlten Vaterlande lag. Sie Alle hatten sich in Gott und durch Gott gefunden, empfahlen Ihm im einsamen Gebet ihr Vorhaben und gründeten darauf in AmienS ihr erstes Haus, welches die Wiege der seitdem durch so viele Länder verbreiteten Gesellschaft ist. Der heilige Vater Leo XII. erkannte dieselbe als Orden, der seitdem der besondern Vorliebe seiner Nachfolger sich erfreut, dessen die drei Häuser, die er zu Rom besitzt, daS vollgiltigste Zeugniß sind. Unscheinbar und wie alles Bessere, unter Kampf mit mancherlei Schwierigkeiten, anfangs selbst mit Noth und Mangel und Anfechtung von außen begann dieses We»k. ES schien, als sollte daS mit Dornen gekrönte, mit dem Kreuz durchstochene, von Flammen umgebene Herz deS Erlösers an seinen erwählten Bräuten geistig sich darstellen. Nachdem sie Jahre und Jahre treu und muthig unter Armuth und Mißkennung ausgeharrt, brach endlich die Sonne durch die Wolken hindurch; Könige und Fürsten durchschauten die hohe Bedeutung dieses Instituts und kamen ihm mit Huld entgegen, wie aus den Jahresberichten deS Ordens sich nachweisen läßt, der schon im vorigen Jahr über 2000 Mitglieder zählte, die in 64 Häusern das Wort deS Herrn: „Lasset die Kleinen zu mir kommen, denn ihrer ist das Himmelreich," in der zartesten und erfolgreichsten Weise zu verwirklichen sich bestreben. Durch persönliche Beziehungen zu den Bischöfen von Parma und von Straßburg ist eS dem Schreiber dieses möglich geworden, die Häuser deS Ordens in ersterer Stadt, sodann dasjenige zu KinSheim im Elsaß etwas einläßlicher kennen zu lernen, als eS sonst einem Reisenden möglich ist; genaue Berichterstattung ist ihm später zu Theil geworden von einigen Vätern, die ihre Töchter den vsmes sor4 Ooeur sind erzogen worden, solchen Dienstboten den Vorzug geben. Andere verheirathen sich mit rechtschaffenen Handwerkern, da diese sicher sind, in ihnen wahre, weil ihrer Bestimmung nach jeglicher Beziehung entsprechende Lebensgefährtinnen zu finden. Wieder andere vereinigen sich zu Nähgesellschaften, nnd empfehlen sich gleichfalls durch Ein« gezogenheit und Gewissenhaftigkeit. Alle verbreiten über eine oft wüste Umgebung den Segen eines frommen HerzenS, eineS festen Glaubens, wahrer Tugend, und sind hiedurch nicht selten zu Werkzeugen der erfreulichsten Bekehrungen geworden. DaS dritte Mittel sind die ketraitvg (geistliche Uebungen) für diejenigen, welche in der Welt beschäftigt, nicht im Stande sind, ihrer Heilsangelegenheit täglich eine längere Zeit zu widmen und dennoch daS Bedürfniß fühlen, bisweilen einen ernsten Blick in ihr Inneres zu thun. Solche Seelen voll guten Willens können in einem Hause des Ordens nm Aufnahme für acht, nenn Tage anhalten, um während dieser Zeit in dem Hause des Herrn Gott und sich zu erfreuen. An Leib und Seele je nach Stand und Erziehung besorgt, stehen sie dann unter der liebevollsten Aufsicht und Leitung der erfahrensten Freundinnen deS Herzens Jesn. Solche Tage der Ruhe haben schon vielen hundert Seelen neue Kraft und neuen Muth verliehen, die Bürde der Familiensorge und der täglichen Lebenslasten im Geiste deS Christenthums wieder auf sich zu nehmen, und in freudigem Gottvertrauen ferner zu tragen. Wie manches matte Herz, wie manche gebeugte Seele hat nicht in einer solchen Anstalt ihren Frieden, ihr Heil wieder gefunden, ist nicht mit innigem Dank, mit zärtlicher Liebe aus dem Hause des Herzens Jesu geschieden! Und von dieser Wohlthat wird Niemand ausgeschlossen, der unbefleckten Rufes, anständigen Betragens ist. Diesem Zwecke ist »37 gewöhnlich ein eigener Flügel des Gebäudes gewidmet, indeß der andere für daS Pensionat eingerichtet ist, der mittlere Theil aber vaS Kloster bildet, welches für Fremde unzugänglich bleibt. — DaS vierte, vielleicht unscheinbarste, dennoch nicht weniger wirksame Mittel besteht darin, die schuldigen Familien- oder durch den Beruf gebotenen Rücksichten nicht aufzuheben. Hierin erkennen die Frauen ein Mittel, unendlich viel Gutes durch Wort und Beispiel zu wirken. In sämmtlichen Häusern werden nebst der französischen die deutsche, englische und italienische Sprache gelehrt, und zwar immer von Frauen aus den betreffenden Ländern. Ueberall wird die Nachmittagsschule in der Landessprache gehalten, indeß für den Vormittag beständig die französische Sprache angenommen ist. Zur Erhaltung der Gesundheit und Angewöhnung gefälliger Leibesbewegung wird die Kallysthenie und täglich Gymnastik, im Sommer selbst im Freien, angewendet. Zu diesen Uebungen, so wie für das Zeichnen und die Musik, werden immer die ersten Meister der Stadt ersehen, die aber unter Leitung und ununterbrochener Aufsicht der Damen ihren Unterricht ertheilen. Die Frauen selbst verlassen ihre Klausen niemals, außer auf Reisen von einer Anstalt zur andern, wenn sie ihnen in Kraft des heiligen Gehorsams auferlegt werden. Auch sehen sie nie Jemand außer in dem allgemeinen Sprechzimmer. Den Geist der Zeit und seine Meinung berücksichtigend, auch anerkennend, daß, wer den Zweck wolle, die Mittel nicht verschmähen dürfe, haben sie weder Gitter noch etwaS Eisernes in ihren Häusern, welche, inmitten weiter Gärten gelegen, das Aussehen reizender Landwohnungen haben. Eben so wenig Auffallendes hat ihre Kleidung; man könnte sie derjenigen ehrbarer Wittwen im verwichenen Jahrhundert vergleichen — ein schwarzes einfaches Wollenkleid mit einem dünnen Schleier ans Wollengewebe, der jedoch niemals über daS Antlitz herabfällt. Die Armenschule befindet sich stets in einem von dem Pensionate getrennten Gebäude, eben so die Waisenhäuser, welche in einigen Städten auf besonderes Verlangen der hochwürdigsten Herren Bischöfe von den Frauen übernommen wurden. Diese Trennung ist schon durch den ausgedehnten Raum bedingt, den solche Anstalten erheischen. Die Pensionate zählen gewöhnlich über 100 Mädchen, die Zahl der Erlernen beläuft sich in mancher Stadt auf 300 bis 400. Bei solchen Zahlen ist eS unerläßlich, daß auch die Spielplätze getrennt seyen. Eine andere Seite dieser Anstalt, die vorzüglich den Bürger- und GewerbSstand berührt, dürfte gleichfalls in Betracht kommen — die pecuniäre. Manche Lehrer finden durch sie ein gesichertes Auskommen; die verschiedenen Bedürfnisse bringen Leben in Verkehr und Erwerb. ES ist buchstäblich wahr, daß seit Errichtung eines solchen HauseS mehr als Eine Gemeinde in ihren VermögenSumständen sichtbar emporgekommen ist, auch die umliegenden Ortschaften ihren Vortheil dabei gefunden haben. Vermöge der Aufgabe, welche die vsmes clu 8scr6 t!oeur sich gestellt haben, ist eS begreiflich, daß sie ihren Zuwachs vornämlich auS den höhern Ständen erhalten, obwohl eine solche Herkunft durchaus nicht Bedingung, nicht einmal Empfehlung zur Aufnahme ist. Ein frommes reines Gemüth, ein gesundes Urtheil, ein hell ausgebildeter Verstand, eine sorgfältige Erziehung, vor Allem jene Schmiegsamkeit deS Charakters, die ihr Glück in dem heiligen Gehorsam findet, daher mit Freudigkeit jeden Augenblick HauS und Heimat und Stelle zu verlassen bereit ist, das sind die wesentlichsten Eigenschaften, auf welche bei Anmeldenden Rücksicht genommen wird. Bei aller Bildung, bei aller feinen Erziehung verrichten diese Damen alle häuslichen Geschäfte selbst; und nichts dürfte auf die ihrer Obhut anvertrauten Zöglinge so erfolgreich einwirken, als dieses Vorbild beständiger und freudiger Selbstaufopferung und reinen DahingebenS in Alles, waS die Liebe GotteS im Dienste des Nächsten verlangt; so wie in dieser weisen und glücklichen Mischung der geistigen und der Händearbeit daS Geheimniß jenes HochsinnS liegen dürfte, welche das bezeichnende Merkmal dieser Damen ist, ihre Häuser zu Wohnstätten des wahren Glückes weiht, und Niemand dieselben betreten läßt, ohne daß er in wohlthuender Stimmung sie wieder verließe. 238 Ein Freund deS Schreibers dieser Zeilen, der schon vor ein paar Jahren seine einzige reichbegabte Tochter zur Erziehung in ein HauS der vames äu 8ser6 dosur brachte, hat ihm seitdem mehrmals bezeugt, wie innig er dieses Entschlusses sich zu freuen Ursache habe. Sein dankbares Vaterherz hat dem Bestreben und Walten dieser Damen unausgesetzt das beredteste Zeugniß gegeben, welches eS nur deßhalb nicht in weitern Kreisen wollte laut werden lassen, weil dieselben nicht nach Lob vor der Welt trachten. Er zollt der Weise, wie sie ihre Zöglinge in gründliche Bildung einzuführen wissen, ohne sie der ächt weiblichen Sphäre zu entrücken, die vollste Anerkennung, worin er mit Schriftstellern hochberühmten Namens, namentlich mit Goume in seinen Iroi'5 komes (an mehrern Stellen) vollkommen übereinstimmt. (Schluß folgt.) Die Jesuitenmiffionen in der bayerischen Pfalz. Seit Jahresfrist sind vier Volksmissionen (zu Speyer, Landstuhl, Grünstadt und Rheinzabern) von den Jesuiten in unserer Pfalz abgehalten worden; sie haben so Manches aufgerüttelt im innern und im äußern Leben, und eS drängt sich jetzt die Frage auf: welches ist ihre Wirkung gewesen? Bei unserm katholischen Volke, für welches sie allein bestimmt waren, erfüllten sie ihren Zweck. Erregung, Belebung und Befestigung des religiösen Bewußtseyns, Unterdrückung und Beschränkung böser Leidenschaften, Werke der Demuth, der Liebe, des Gehorsams, neue Begründung eines christlichen Familienlebens: daS sind etwa die herrlichen Früchte, welche dieses GeisteSwerk gebracht hat. Im innern Seelenleben erzeugten sie Ruhe und Frieden, nicht jenen äußerlichen politischen Frieden, wie ihn die Welt bringt, sondern jenen innern HerzenSsrieden, wie ihn nur Gott geben kann und der die alleinige Quelle eines ruhigen, geordneten StaalSlebenS ist. Somit waren eS die „geduldeten" Missionen, welche als Begründer deS innern Friedens jene Sendung, die im Jahre 1849 die braven Preußen als äußere Friedensstifter begonnen, zum höchsten Wohle deS Staates bei unS ruhmvoll beschlossen haben. Obwohl nur für die katholische Bevölkerung bestimmt, mußten indessen diese außerordentlichen kirchlichen Heilmittel auch ihre Rückwirkung auf andere GlaubenS- und Parteigenossen ausüben. Die Protestanten blieben davon nicht ganz unberührt. Die rationalistischen, welche noch Gemüth und freie Urtheilskraft besaßen, denen aber der Begriff von Gott, von Unsterblichkeit, von jenseitiger Belohnung und Bestrafung im Strudel trivialer ZeitungS- und Romanenlectüre unbewußt abhanden gekommen war, — sie wurden durch diese klaren Vorträge nachdenkend und bestürzt: „eS könnte doch etwas Wahres an den alten Mährchen des dummen Volkes seyn." . Doch diesen Zweifel zur Gewißheit zu erheben, dazu fehlte meist der sittliche Muth. Allein selbst der bloße Zweifel hat hier sein GuteS; mancher frühere Maulheld und Spötter nämlich lernte jetzt jene vervehmten Jesuiten, welche mit seltener Klarheit und in einfacher volkSthümiicher Sprache die chriftl. Grundwahrheiten vortrugen, achten und schätzen, wennauch nicht lieben; er konnte in ihnen unmöglich jene moralischen Ungeheuer, jene VolkSverdummer, jene confefsionellen Unruhestifter, jene Störer deS Familienfriedens erkennen, wie sie tagtäglich der ganze radikale Journaltroß uns vor Augen führt. Wenn alle Jesuiten, so hieß eS, solche Männer sind und ihr Orden solche Priester erzieht, dann kann man sie unmöglich befeinden, und nur die teuflische Bosheit des Unglaubens vermag eS, jenen lödtlichcn Haß zu erzeugen wegen der siegreichen Verkündigung der göttlichen Wahrheit! — Ganz anders war die Rückwirkung auf die gläubigen Protestanten, besonders ihre Geistlichen gewesen, und - Wer sollte eS glauben? — sie sahen den häufigen Besuch jener Verträge durch ihre Pfarrkindcr äußerst ungern; ob aus Eifersucht, ob aus Furcht? ich kann eS nicht sagen. Sie belauschten sie mit ängstlicher Aufmerksamkeit und benutzten sie dann in ihrer Weise zur geeigneten Widerlegung. »39 Wenn so die Erscheinung der Jesuiten auf viele rationalistische Protestanten eine gute, auf die gläubigen dagegen eine ungünstige Wirkung hervorbrachte, die flch heute schon zum feindlichen Auftreten vorzubereiten scheint, so hat sie auf unsere Demokraten — und wir besitzen deren noch eine nicht kleine festsrganisirte Partei — als nährendes Oel gewirkt für das immer brennende Feuer ihres höllischen HasseS gegen den katholischen Glauben. Frivoler Spott, frecher Hohn und höllische Verleumdung find hier wie überall ihre gewohnte Angriffswaffe. Und wie sollte eS auch anders seyn? Wer daS Daseyn eines Gottes, wer die Unsterblichkeit lehrt, wer von einem jenseitigen Gerichte spricht, wer die thierischen Leidenschaften bekämpft, wer Demuth, Liebe, Gehorsam, Achtung jeder Autorität verkündet; wer die „aufgeklärte" Weisheit der Zeit und deren Hochmuth geißelt und nach jenes griechischen Philosophen Vorgang im „Lerne Dich selbst kennen," — in der christlichen Selbsterkenntniß eine Hauptaufgabe deS Lebens erblick-, der muß absolut einen tövtlichen Widersacher dort finden, wo der Atheismus auf dem Fleische thront, wo Seele und Geist der Sclave des Körpers, das eigene Ich der selbstgeschaffene Gott, die Unsterblichkeit der Seele nur ein dummeS Ammenmährchen ist, und wo die zügellosesten Leidenschaften als höchste Tugenden gelten. Die atheistische Demokratie — und nur diese hauSt in der Pfalz — ist der Todfeind deS Christenthumes, der Katholicismus erscheint ihr als dessen Hauptrepräsentant, die Jesuiten aber sind seine geist- und siegreichen Verkünder, darum jener tödtliche Haß. Möchten doch alle Staatsmänner nur die einfache Rückwirkung, welche die Missionen auf die Demokratie haben, unparteiisch und sachgemäß würdigen. Gegen die Jesuitenmissionen müßten dann überall die Schlagbäume fallen I (Mainz. Journ.) _ Die Mission in Neumarkt. Neumarkt, 4. J.uli. Die Tage des Heiles — die schönen Tage der Mission sind vorüber, doch nur der Zeit nach, im Andenken Tausender dauern sie noch lange, wo nicht ihr Leben hindurch. Soll ich von dieser Mission im Allgemeinen reden, so wird eS genügen, an daS erinnert zu haben, waS unlängst von jener in Jngolstadt erzählt wurde. Unser Gotteshaus war Tag für Tag mit Menschen gefüllt, daß man Mühe hatte, am Schlüsse der Predigt aus der Kirche zu kommen, die Beichtstühle von Morgens 4 Uhr bis Abends 7 Uhr belagert und um bei den PP. Missionären zuzukommen, sah man viele, die nicht einmal, sondern mehr Tage nach einander acht und mehr Stunden ausharrten. Mußte ja dieses liebevolle Auftreten, diese Leutseligkeit und dieser unermüdete Eifer uns gewinnen und unsere Begeisterung für die Religion aufflammen machen, die, im Glänze ihrer Schönheit gezeigt, im Munde dieser Prediger ihre anmuthsvolle Erbarmung selbst dann nicht verlor, wenn sie ernste Worte an uns richtete und wir, wie bei der Abbitte vor dem Allerheiligsten, zerknirscht und erschüttert an unser Herz geschlagen haben. Als aber am Ende Pater Rohmann die Freuden des Himmels schilderte, da schien wirklich der Himmel unS ein Vorgefühl seiner Freuden kosten zu lassen, als nach dem feierlichen Einzug deS hochwürdigsten Herrn Bischofes P. Schmude das Lob der Königin der Himmel verkündete und durch lautlose Stille der Gesang unschuldiger Kinder wie mit Engels» stimmen durch die Kirche tönte: „Jungfrau, Mutter, himmlisch Schöne", da faßte Entzücken jedwede Seele und die folgende Procession, bei der Se. bischöfl. Gnaden zur Freude und Erbauung seines Volkes das Allerheiligste trug, war ein Triumphzug der Gnade, an dem sicher die Engel deS Himmels sich erfreuten, in deren Chöre der SchlußhymnuS deS Te DeumS sich mischte. DaS war aber bloß die eine Perle in der Krone des Festes. Am folgenden Tage die heilige Firmung. Bischof Georg bestieg die Kanzel; seine Ansprache war nur der Erguß eines freudeerfüllten Herzens, seine Worte erstickten unter seinen und seiner Zuhörer Thränen. Zum letzten Male erschien P. Schmude, seine Rede galt den armen Schulschwestern, die in ihr neueS Kloster eingeführt werden sollten. Und mit Recht sprach gerade Er; denn Er war 240 a « cn >"»0'i »»»>u1^2 ^ ^ „u,»^^»-Ä »tt!iLL ' der Liebling der Kinder geworden. Unter dem Segen des Bischofes begann der Zug dahin, den Herr Provisor Hörmann, der vorzüglichste und unermüdete Beförderer deS Werkes, mit einer Rede empfangen wollte, der aber in der Freude, nach langen Mühen daS Ziel erreicht zu habin, einem der Schulmädchen eS überließ, die Schwestern im Namen der Kinder zu begrüßen. So schloß dieses eilftägige Fest, ein Fest der Religion, deS SegenSZund des Friedens. Möge dieser Segen lange unS erhalten, auf unsere späten Nachkommen noch überliefert werden. Möge es wahr werden, was die Bürgerschaft am Schlüsse deS dem Hochwürdigsten Bischöfe überreichten Gedichtes sagte: Daß der Mission geweckte Früchte Fortwachsend froh uns führen zum Gerichte!! Großbritannien. Nach dem katholischen Almanach von Schottland für 1852 zählt man daselbst 5 Bischöfe, 13V Priester, 100 Kirchen oder Kapellen, ferner über 40 Stationen, die entweder regelmäßig oder gelegenheillich besetzt werden. Zur Bildung des Priesterstandes besteht ein kathol. Kollegium im Lande in Aberdeen, mehrere außer Landes, wie jenes zu Rom, in Paris, zu Valladolid und zu RegenSburg. Es bestehen auch vier Klöster. Die Zahl der Katholiken schätzt man auf 150,000. die Mehrheit bilden jedoch Jrländer oder Abkömmlinge von Jrläudern. In England schätzt man die Zahl der Katholiken auf 1'/2 Mill. Diese besitzen 710 Kirchen ober Capellen, 17 religiöse Häuser, 62 Klöster und 1039 OrdenSpriester. Die Zahl der Priester vermehrte sich im abgelaufenen Jahre allein um 67. China. Einem Briefe deS katholischen Missionärs in Tong King, des Abb6S Taillander, an einen Geistlichen in Frankreich entnehmen wir Folgendes: Auch hier haben wir Revolutionen und das arme annamitische Königreich hat viele Drangsale zu erdulden. Kaum war der Krieg mit den KombadschiS beendigt, als daS Königreich von der Cholera verheert wurde. Die Piraten verübten fürchterliche Plünderungen, sie verschonten weder die königlichen Barken, noch die der Kaufleute. Durch häufige Orkane, besonders in diesem Jahre, sind auf der See viele Unglückliche mit all ihrem Hab und Gut zu Grunde gegangen und auf dem Lande richteten sie große Verwüstungen an. Im nördlichen Theile deö Königreichs Hausen gegenwärtig chinesische und annamitische Räuberbanden, die täglich zunehmen und Schrecken und Verheerungen in den Provinzen verbreiten. Die königliche Armee vermag nichts gegen sie. Da die Verfolgungen hier immer noch bestehen, so kann die Religion, obgleich in einem ziemlich gedeihlichen Zustande, sich nicht so entwickeln, wie sie eS bei vollkommener Freiheit gethan haben würde. Es scheint, daß der König und die meisten Mandarine nicht so wie ehemals die Christen hassen. Selbst in vielen Orten, wie in dem Districte, in welchem ich mich befinde, sind unS die Mandarine günstig. Sie suchen Bekanntschaft mit mir und den eingeborenen Priestern zu machen, aber da wir eS für rathsam halten, uns nicht zu sehr auSzusprechen, so sind wir sehr behutsam, arbeiten im Stillen und vermeiden, ausgenommen bei außerordentlichen Umständen, jedes Aufsehen. Doch konnte ich dieses Jahr, unterstützt von sechs bis sieben eingeborenen Priestern, geistliche Uebungen abhalten, die einen guten Erfolg hatten. Der Zudrang war ganz außerordentlich. Die Mandarine wußten, waS wir thaten, und viele alte Sünder sind bei dieser Gelegenheit zu Gott wieder zurückgekehrt.___ Verautwortlicher Redacteur: L. Schöuche». Verlage-Inhaber: F. E. Kremer. Iwalfter Jahrgang. ^onntags-Beiblatt onuichÜ7Ä -'-'j l-^tSZ7yv^ ^tpl» zj? .0 zur Augsbmger PostLeitnng. i. August ^ I85S. Dieses Blatt erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der halbjährige Abouuementspreis 5V kr,, wofür es durch alle königl. bayer, Postämter und alle Buchhandlungen bezogen werden kann, --- Bericht aus Ehartnm. Wien, IS, Juli, Von dem apostolischen Provicar für Centralaftila, Herrn Dr. Knoblecher, ist so eben nachstehender Bericht aus Chartum den 5. April, sammt dem Bericht des Herrn Kociancic über die weitere Nilfahrt der „8t«zIIa matutina" von Dongola bis Chartum*), eingelaufen. „Am 29. März erhielt ich noch vor Anbruch des TageS einen Bericht vom Bord der „8tvIIa matutina", welche schon am Abend vorher in der Gegend von Kerari, wenige Meilen unterhalb Chartum, Anker geworfen hatte. „Von dem ConsulatSverweser Herrn Dr. Reiz und einigen meiner Gefährten begleitet fuhr ich in einem kleinen Fahrzeug den Angekommenen entgegen. Nach zweistündiger Fahrt erblickten wir zwischen den weiten Sandbänken von Halfay die von leichtem Wind schwellenden Segel einer Dasabie, aus Nord-West herannahend. In ihrem leichten majestätischen Gang über die sanst bewegten Wellen deö Nils mochten wir die lang ersehnte „8tvIIa mstutina" erkennen. Die heimatliche Flagge unseres Fahrzeuges ward aus der Ferne wahrgenommen und vom Bord des heran- segrlnden Schiffes mit Kanonensalven begrüßt. Nun zog eö die Segel zur Hälfte auf, und im schimmernden Glänze der strahlenden Morgensonne leuchtete der Stern, den wir aus dem Lager von Korosko mit wehmüthigem Blicke so lange begleiteten, bis er am Horizonte verschwunden war. In wenigen Minuten war es uns vergönnt, hocherfreut über glückliches Wiedersehen die wackeren Gefährten zu umarmen, von denen wir unS vor vier Monaten und neun Tagen mit so schwerem Herzen getrennt hatten. Ihre heitern, aber schwarzgebrännten Gesichter verkündeten den Muth und die Aufopferung, womit sie unter Gottes unverkennbarem Schutze ihre schwierige Aufgabe zu losen wußten. Der stete Aufenthalt in freier Atmosphäre, die immerfort gespannte Aufmerksamkeit, die rastlose Thätigkeit hatte sie gegen die ungünstigen Einflüsse eines fremdartigen Klimaö geschützt, gegen Hitze und Entbehrungen abgehärtet. Alle sahen kräftig und gesund aus. Auch an der Schiffsmannschaft waren keinerlei Spuren der überstandenen mühevollen Reise wahrzunehmen; kein Einziger von allen den Schwarzen, die vor unserer Abreise von Kairo in unsern Dienst getreten waren, fehlte. Trotz der anstrengendsten Kämpfe mit Stürmen, reißenden Strömungen, zahllosen Klippen, denen das Schiff in der langen Fahrt durch die Katarakten beständig auggesetzt war, hatte keinen eine Krankheit befallen, keiner auch nur an einem Finger sich beschädigt; der allgütige Gott hat mit allmächtiger Hand alle beschützt; wie Er die eine Hälfte der Erpedition wohlbehalten durch die Wüste geführt hat, hat Er auch die andere so väterlich geleitet, daß man schwerlich eine afrikanifche Erpedition ') Aus welchem wir das Wesentlichste nachtragen werden. -inlls,^^ "fflLmÄ. finden wird, welche in dieser Beziehung der unsrigen an die Seite sich stellen dürfte. Somit hatten wir hinreichenden Grund, des folgenden Morgens an Bord deö Schiffes dem Herrn ein öffentliches Dankopfcr darzubringen, dessen Feierlichkeit dadurch erhöht ward, daß auf denselben Tag (30. März) die erste Jahresfeier der Eröffnung des k. k. GeneralconsulateS für Centralafrika fiel. „Die allerliebste Mariencapelle und daS ganze Schiff wurden, wie bei der Weihe in Kairo, so auch bei dieser Gelegenheit, festlich geschmückt. Der 5. k. ConsulatSver- weser erschien bei dem Hochamte in der österreichischen StaatSuniform; unsere mit blauer Kleidung und rothen Binden angethanen schwarzen Neophyten, die hier anwesenden Europäer, dann griechische, syrische und armenische Kaufleute, deren Zahl seit Aufhebung der Monopole täglich sich mehrt, endlich koptische Christen fanden in den bedeckten und auf den offenen Räumen des Schiffes zahlreich sich ein, indeß eine bunte Menge der schwarzen und der weißen Bevölkerung der Stadt wie zu einem gemeinsamen Feste sich versammelte und daS hohe, terrassenförmig ansteigende Ufer deö weißen Stromes unterhalb des MissionSgartcnS in langen und dichten Reihen bedeckte. „Das Erscheinen der „SwIIa matutina« hat, wie während der Reise allüberall, auf die Eingebornen und auf die machthabenden Türken einen tiefen Eindruck gemacht, dessen moralische Rückwirkung auf den Triumph des Christenthums in diesem fernen Binnenlande jedenfalls nicht so bald durch irgend ein erhebliches Ercigniß verdrängt werden wird. — Die Eingebornen machen die naivsten Bemerkungen über daS Schiff; sie besingen dasselbe und sprechen eS offen aus, daß die egyptischen Eroberer seit der Unterjochung etwas so Schönes nie in daS Land gebracht hätten; indeß der tiefsinnige Türke in Berücksichtigung des Umstandes, daß das Schiff eine bedeutende Strecke der Katarakten, namentlich diejenigen von Ober-Nubien, zur Zeit des niedrigsten Wasser- standeS, in welcher dieselben auch für kleine Fahrzeuge unbefahrbar gehalten werden, glücklich überschritten hat, den Schluß ziehen, nicht Menschenkräste hätten die Durchfahrt bewerkstelligt, sondern daß eine höhere Macht, deren weise Anordnungen und unergründliche Rathschlüsse sie ebenfalls verehren und anbeten müssen, dasselbe mit unsichtbarer Hand geleitet und geführt habe. „Durch den Verlauf von mehreren Tagen drängte sich Alles, Groß und Klein, Weiß und Schwarz, Alt und Jung herbei, um mir auf daS über dem Wasser schwimmende eiserne Schiff einen Schritt zu thun und wo möglich das schöne Bild der heiligen Jungfrau, dessen Ruf schon von den Katarakten her durch daS ganze Nilthal ihm vorangeeilt war, in der Schiffscapelle mit eigenen Augen zu sehen. Da ich vernahm, daß hierbei die Leute überaus glücklich sich fühlten, gestattete ich Jedermann freien Zutritt. Alles eilte vergnügt von bannen, um Angehörige herbeizuholen, oder ihnen von dem Gesehenen zu erzählen; am Ende prieS man den Herrn dafür, daß daS Schiff Christen und nicht Türken gehöre, da man eS in diesem Falle sicherlich nicht hätte besichtigen können. „Gegenwärtig werden Anstalten getroffen, um das Schiff aufs Trockene zu bringen. DaS dürfte jedoch auS Mangel an Winden und Hebgeschirren einige Schwierigkeit verursachen. Auch müssen die Wunden, die eS während der Reise erhalten, geheilt werden. Zum Glück find sie unbedeutend. Auch find die eisernen Platten an dem untern Theile des Schiffes, die durch Sand und Steine abgerieben wurden, wieder zu übertünchen. Ist dieses bewerkstelligt, dann wird die „„Stell» mswrina"" mit der Rückkehr des Nordwindes im künftigen November die weitere Fahrt auf dem klippenfreien Basar el Abiad antreten und die Missionäre an den vierten Grad nördlicher Breite zu den Bari-Negern bringen, wo wir die nächste Hauptstation zu gründen hoffen. „Ich habe bei der Rückkehr der hiesigen Elfenbein-Erpedition befriedigende Nachrichten über unsern Missionär Don Angelo Binco, der unter den Bari-Negern bereits ein volles Jahr zugebracht hat, erhalten. Er ist der erste Weiße, welcher in so weiter Ferne unter den Schwarzen, deren unbestimmte Gerüchte die Weißen als Menschenfresser verschreien, allein sich niederzulassen gewagt hat. Ich erwartete Nachrichten '"5 iiz'.nm mtzr»«K»» »stchmmstW »«? «« tmpnm r^ 243 von ihm nicht ohne einige Besorgniß; da er aber, durch die Erfahrung von unserer ersten Reise belehrt, nicht mehr in Gesellschaft Anderer dahin sich begeben hatte, so war kein Grund vorhanden, daß der Bari-König Nigila, der schon bei der ersten Erpedition sein Vertrauen unS zuwendete, denselben nicht mit Freuden aufgenommen hätte. Don Angelo stellte sich vor Allem die Aufgabe, die Sprache, die Sitten, die Tugenden und Untugenden der Bari kennen zu lernen, den Landstrich, den sie bewohnen, nach allen Richtungen hin in Augenschein zu nehmen. Er bemühte sich, das Vertrauen uud die Achtung der Eingebornen zu gewinnen, dieselben auf den Begriff deS allein wahren Gottes, auf den Unterschied deS Guten und deS Bösen zu leiten, vie mit der Verderbtheit der menschlichen Natur und dem Aberglauben eingewurzelten Laster zu rügen. Nachdem die Nachricht von seinem Aufenthalt unter den Bari bei den Nachbarstämmen in der Runde sich verbreitet, erschienen von verschiedenen Seiten Deputationen, um mit eigenen Augen sich zu überzeugen, ob der sonderbare Fremdling wirklich eine weiße Haut und einen Bart habe. Namentlich lobt er den von dem Barigebiet in einer Entfernung von drei Tagereisen gegen Osten an den Ufern eines mit dem Basar el Abiad nach Norden parallel laufenden FlusseS (Sowbat?) wohnenden Bari-Stamm, welchen er auf Einladung hin selbst besuchte, und wo er nach manchen glücklich überstandenen Gefahren, denen er auf der Reise dahin begegnete, eines erwünschten Empfanges sich zu erfreuen hatte. „Ich bedaure sehr, mit der eingetroffenen Expedition von Don Angelo nur einen gedrängten Bericht erhalten zu haben, somit nicht im Stande zu seyn, über diese, allein dem Namen nach bekannten Stämme nähere Auskunft geben zu können. Allein da ich mit der Expedition im November die neuen Missionäre selbst dahin zu begleiten und einige Monate dort mich aufzuhalten entschlossen bin, hoffe ich, so mir der Herr Leben und Gesundheit schenkt, nach meiner Rückkehr im Stande zu seyn, über die obern Aequinoctial-Gegenden deS Basar el Abiad und die daselbst wohnenden Stämme einläßliche Berichte einsenden zu können." (D. V.-H.) ,ü»M. Avs ..,n,chHtvHT A 6tM'm ,i>6 iPin ?6!Hhl>ÜZ' .,m?M!ttä u? tft KaN Ein noch gewichtigeres und vollgiltigeres Zeugniß liegt in der raschen Verbreitung dieser Gesellschaft durch alle Länder und alle Erdtheile. Ueberall bilden die Zöglinge cku 8gcr6 Loeur die Zierde der Gesellschaft, und begründen sie, waS weit mehr ist, das Glück der Familien. Schrieb doch erst kürzlich ein Bischof aiiS den Vereinigten Staaten Amerikas- „Unsere glücklichsten und zugleich liebenswürdigsten Missionäre sind die Zöglinge der vames clu 8sor6 Loeur. Wir schätzen unS glücklich, bereits sechzehn Häuser dieses Ordens in unserm früher in katholischer Beziehung so kalten Nordamerika zu besitzen." Diese englisch-amerikanische Anerkennung liefert zugleich den Beweis, daß die häusliche Erziehung keineswegs vernachlässigt wird, da, wie bekannt, auf häuslichen Sinn und verständige Wirthschaftlichkeit nirgends so großer Werth gelegt wird wie in Nordamerika. Hiezu kommt dann noch jener seine Anstand, welchen den Zöglingen Niemand so gut zu verleihen weiß als die französischen Damen höherer Abkunft. Die Einwirkung auf jene ist aber stets frei von gebieterischer Ueberlegenheit, unter welcher ihr Nationalcharakter leiden könnte. Dieß rührt daher, daß die in England, Spanien, Italien gegründeten Häuser größtentheils mit Frauen aus den betreffenden Ländern besetzt sind, die, durch einige Jahre in Frankreich gebildet, als Colonistinnen in dieselben zurückkehren. Wie die Oberhäupter der Kirche dem Orden seit seiner Anerkennung ihre Gunst zugewendet haben ist berührt worden. Er hat einen Cardinal als Protector, der mit der Liebe eineS Vaters über Aufrechthaltung der innern Ordnung und über dessen äußere Interessen wacht. Vorigen Sommer waren die Stifterin und Assistentinnen durch mehrere Monate m Rom versammelt, und es stellte sich dabei zu allgemeiner Befriedigung heraus, daß unter der so ansehnlichen und weit verbreiteten Gesellschaft in Geist und Form die schönste Uebereinstimmung herrsche. UnS Deutschen aber mag eS besonders werth seyn, zu wissen, daß auf die Abfassung der Ordensconstitution die Einsicht und der apostolische Eifer des hochwürdigstcn Herrn ErzbischofS von München, damals Rector des Kollegiums der Propaganda, einen besondern Einfluß geübt hat, wie er denn auch seitdem der Gesellschaft mit stets gleicher Liebe zugethan geblieben ist. Auf seinen Rath ist eS geschehen, daß auch in Deutschland, wo immer die politischen Zustände es gestatteten, Häuser der vames clu 8svr6 Loeur errichtet wurden; so im Siebengebirge, unfern von Bonn. Die Feinde der Kirche, die Widersacher jeder auf religiöser Grundlage ruhenden Erziehung, ob nun dieselbe der männlichen oder der weiblichen Jugend zu Theil werden soll, erheben immer noch ihr altbekanntes Feldgeschrei: Jesuiten. Mit diesem bemühen sie sich auch die Vgmk8 clu 8ger6 Loeur abzuwehren, indem sie eine enge Beziehung derselben zu jenen, wohl gar eine Abhängigkeit von ihnen den Unwissenden und Leichtgläubigen vorspiegeln, gerade wie solches vor einigen Jahren an dem Reichstag der hohenzollern-sigmaringischen Nation in Betreff der barmherzigen Schwestern vorgespiegelt worden ist. Die Beziehung der vsmes äu 8sor6 doour zu den Jesuiten besteht aber bloß darin, daß beide organisch dem Gesammtkörper der Kirche eingefügte Gljeder sind; daß beide, je nach ihrer Eigenthümlichkeit, in der Kirche, durch die Kirche und für die Kirche bestehen; endlich daß beide in solchem Sinne einen segensreichen Einfluß auf daS heranwachsende Geschlecht, auf die Zukunft und auf die Gesellschaft nehmen; in allem Uebrigen stehen die vames . C.-M.) unv gab mir hierüber besiegelte Zuschriften. Allein mein Geld war ausgegangen; solches von ChartuM zu erwarten, war unmöglich, weil inzwischen das Wasser unfahrbar geworden wäre. Der Mudir fand leicht Hilfe. „Nimm das Geld, sagte er, aus der Regierungöcasse; Dein Herr, den ich kenne, soll es der Casse von Chartum wieder zurückerstatten." ES waren aber nur 1790 Piaster vorhanden, die nicht einmal für die Zieher hingereicht hätten. Wieder half der wackere Mudir aus der Verlegenheit. „Gib, sagte er, den Ziehern schriftliche Anweisungen auf die Regierung, diese wird dieselben auszahlen und die Noten nach Chartum zur Einlösung senden." So meiner peinlichen Bedrängniß entrissen, lud ich den guten Mann zum Mittagmahlc, bei welchem er auch erschien, mit den üblichen Salven empfangen. Er bewunderte unser Schiff. „Ein solches Schiff, ein eisernes Schiff, sagte er, ist noch nie in unsere Gegenden gekommen; dasselbe hat unerhörtes geleistet." Beim Essen erzählte er uns seine LevenSgeschichte, hörte manche Frage über die Regimentseinrichtung. Er lud uns wieder ein, und bei zwanzig Schüsseln, die unter dem Gastmahle rasch sich drängten, bekam ich den besten Begriff von türkischen Tafeln. Nach der Beurlaubung ordnete ich Alles zum Ausbruch, worauf der Mudir mir noch seinen besten ReieS sammt einem Soldaten sandte, der den Auftrag hatte, für Zieher zu folgen und uns an die Hand zu gehen. DaS Schiff wurde aus dem Nebenarm des Nils in den Hauptarm gelenkt, am 16. Januar aufgebrochen, um gegen die dritten Nilkatarakten zu steuern. Der Winv war günstig, majestätisch bewegte sich das bewunderte Fahrzeug vorwärts, bis eS, vom Winde erfaßt, den Augen der Zuschauer, welche den Abschied winkte», entschwand. Kein Fels hinderte den Lauf, nur etwa eine verborgene Sandbank, wobei das getrübte Wasser durch Auffahren bis auf das Verbeck spritzte, verursachte ein leichtes Hinderniß. Dann trat Windstille ein, so daß wir erst am 18. Januar Abends sechs Uhr unter den hohen Felsen von Altdongola kamen. — In der Frühe erhob sich ein günstiger Wind, der uns vor eintretendem Mittag nach Ebdadba, der Einbruchsstation nach Chartum, und dem fünfzehn Tagereisen entfernten Kordofan brachte. Hier änderte sich die Richtung des Stromes, und mit diesem Tage begannen alle Unannehmlichkeiten einer langen und gefährlichen Fahrt. — Am Nachmittage sahen wir noch daS letzte Schiff unter englischer Flagge, welches unsere Begrüßung wiederholte; denn sonst segelt um diese Zeit von Meravi bis Berber niemals ein Schiff. Den 21. Januar standen wir vor Ambukol, von wo wir in das Land der Scheikien eintraten. Ein mäßiger Bergrücken bildet die Gränze. An dem ehemaligen Königssitze Hanik vorüber, wo jetzt nur Steingerölle, erreichten wir noch vor Abend Meravi. Da vergingen unter Strickflechten von Palmenfasern und andern Vorbereitungen für die Katarakten zwei Tage. Nachdem wir am 27. die schönen Ruinen von Djebel Barkal passirt hatten, trat uns am 28. das schöne Bild von Baten el Hagiar wieder lebhaft vor Augen, mit dem einzigen Unterschied, daß dort der Wind konnte benutzt werden, hier aber die Fahrt mit der Stärke des WindeS schwieriger wurde. Auch die Scenerie änderte sich. Bisher Palmen, Ebenen, blühende Inseln, zahlreiche Bewohner; von da an Felsen, Gebirgszüge, nacktes Gestein, Schwärme von Wildtauben und Schwalben, dazu daS dumpfe Tosen und Brausen der Brandungen. Am 29. zeigten sich die Vorboten der ersten Katarakten. In den folgenden Tagen wurden zwei gefährliche Puncte — die Katarakte Kab el Abd und der gefürchtete Fels Morsann, der bei hohem Wasser schon manchem Schiff den Untergang bereitet — glücklich zurückgelegt; wir standen an dem Schellal Kendi, den wir auf einem Nebenarm? zu umschiffen gedachten. Er wurde am 1. Februar glücklich durchschnitten; nach vier Stunden standen S5Z wn oberhalb des Katarakten, wo der Strom sich theilt. Bei zweihundert Schritten weiter hinaus kamen wir in die Strömung, das Seil war schlaff, die Strömung riß daS Schiff mit sich, das Seil entwischte den Ziehern, und nun drehte sich jenes und wurde mit aller Gewalt gegen einen FelSrücken getrieben, an welchem der gefährlichste Gtromwirbel des ganzen Katarakten sich zeigt. Die Gefahr war augenscheinlich, Alle bestürzt, als plötzlich das Schiff in der Mitte der Strömung in geringer Entfernung von dem gefahrdrohenden Felsen wie gebannt stehen blieb. Alles staunte; eine höhere Hand hatte eS gehalten. Unter Freudengejauchze eilte Jeder, daS RettungSscil auszuwerfen, um das Schiff aus der Strömung an das Ufer zu ziehen; Alle strengten aufs Aeußerste sich an, um jene zu pafsiren. An der Gränze von Dongola, am 3. Februar, hoffte ich einen ReicS nebst den schriftlichen Befehlen für die Zieher zu finden. Nichts war vorhanden. In dieser kritischen Lage erschien ein Melek, welchen der Ruf: „ein Schiff kommt", herbeigelockt hatte. Dieser versprach, für Alles zu sorgen. Der Mann hielt auch Wort. Die Strömungen von Umboterka wurden somit ohne Schwierigkeit durchfahren, die Zieher kamen und gehorchten ohne Zuschrift, auch der Schellal Gjemel machte kein Hinderniß; ich glaubte, es könne nicht anders, als gut gehen, als des Nachmittags vom 4. Februar daS Schiff aus bloßer Nachlässigkeit in eine Krümmung an einer kleinen Strömung bog, die dessen Bordcrtheil an das rechte, daS Hintertheil an das linke Ufer drängte, dieß so fest, als wäre eS angewachsen, zugleich aber als Sperre daS Wasser staute. Ich durchblickte die Gefahr, befahl drei Matrosen, das Steuerruder zu heben, aber bevor sie an die Arbeit sich machen konnten, schwankte das Schiff und das acht Centner schwere eiserne Ruder war entzwei. Ohne rasches Handeln wäre die Hälfte der Matrosen, wie sie nachher selbst gestanden, davongelaufen. Ich ließ eilendS die Schiffsschmiede aufschlagen. Erst aber mußten Hämmer geschmiedet wer, den, da unter der langen Fahrt die meisten verschwunden waren. Die Einen brannten Kohlen (die aber nicht ausgiebig genug waren), Andere hämmerten, die Matrosen zogen abwechselnd den Blasbalg. Der Wind wehte und wirbelte den Staub auf, daß man kaum auf dem Eisen die Hitze sehen konnte. Um die mächtigen Stücke schweißen zu können, war aber daS Feuer nicht stark genug. Der Versuch deS LöthenS wurde gemacht; dieser ging nicht rasch von statten; das Ruder blieb gebrochen, wie zuvor. Zuletzt rief ich: Heute noch muß das Ruder fertig sey», morgen ' gilts die Fahrt. Die abgebrochenen Theile wurden nun festgenietet, und bevor die Sonne sank, verklangen die letzten Hammcrschläge; das Ruder war mit festen Ringen gebunden. Drei Tage hatte in der dachlosen Werkstätte am Rande der Wüste die Riesenarbeit gedauert. (Fortsetzung folgt.) Zum BonifaeiuSverein. AuS dem Ausweise des Generalvorstandes vom BonifaeiuSverein entnehmen wir Folgendes- Seit der Gründung des Vereins im Herbste 1349 bis zum Schlüsse des Jahres 1851 betrug die gesammte Einnahme 22,419 Thaler, 23 Silbcrgroschen, von welcher Summe 1462 Thaler, 23 Silbergroschen beim Generalvorstande zu Padcrborn eingingen, die übrigen 20,957 Thaler bei den Diöcesan-Comii^: Cöln, Münster, Paderborn, Trier, BreSlau, Freiburg, Fulda, Limburg (Nassau), Mainz, Roltenburg, Luxemburg und Linz. Die Ausgaben beliefen sich in Summa auf 13,819 Thaler, 28 Silbergroschen, wovon auf Unterstützungen verwendet wurden in Summa 12,186 Thaler, 9 Silbergroschen, und zwar für die Diöcese Cöln: zur Errichtung von Schulen und Kirchen auf 50 Stationen, und somit bleibt nun nach Abzug der Ausgaben von den Einnahmen mit Ende des Jahres 1351 ein Cassarest mit 8599 Thaler, 25 Silbcrgroschen, wovon sich 901 Thaler, 19 Silbergroschen in der Cassa des Generalvorstands befinden, der übrige Theil in den Cassen der betreffenden Diöcesan-Comitös, unter welchen auf Münster die größte Summe kommt SS4 mit 2279 Thulern, 3 Gilbergrosche». „Diese Uebersicht," bemerkt der Generalvorstand, „ergibt, daß im Ganzen bis zum Anfang des laufenden Jahrs lö Missionen und 7 Schulen ganz oder doch hauptsächlich aus den Mitteln des BonifaciusvereinS neu gegründet und außerdem eine bedeutende Anzahl von bestehenden MissionSstellen entweder mit baarem Gelte oder mit Büchern und Kirchenvaramenten unterstützt wurden. — Wenn dabei der bei weitem größere Theil der Gelder aus die Diöcesen Breslau und Paderborn verwendet ist, so findet das in den örtlichen Verhältnissen seine vollkommene Rechtfertigung, indem zu diesen beiden Diöcesen der bei weitem größere Theil des MissiouSgebieteS deS Vereines in Deutschland gehört. — Ersichtlich ist übrigens aus diesem Ueberblicke über den Stand des Vereines, daß derselbe, wenn auch immerhin eine erfreuliche und ermuthigende, so doch bei weitem »och keine befriedigende und keine der außerordentlichen Wichtigkeit seines Zweckes angemessene Betheiligung gefunden hat. Selbst in solchen Diöcesen, in venen verhältnißmäßig -sehr große und erfreuliche Betheiligung stattfindet, ist das wünschenswerthe und thun- liche Maaß derselben bei weitem noch nicht erreicht. (So ist, um uns nahe liegende Beispiele zu nennen, in der Diöcese Münster, die nächst Linz die größten Beiträge geliefert hat, von 350 Pfarreien der Verein erst in 150 eingeführt; in der Diöcese Paderborn bei 398 Pfarreien und Missionen in 136.) — In einigen wenigen Fällen mag diese Nichtbetheiligung durch besondere Umstände wirklich entschuldiget seyn; in den allermeisten Fällen liegt ihr Grund in mangelnder Kenntniß von dem Zwecke und der Bedeutung, ja vielleicht von dem Bestehen deS Vereines oder gar in mangelndem Eifer und Ausdauer für die gute Sache desselben; was wenigstens den Trost mit sich bringt, daß ihm noch reiche Quellen sich öffnen können und werden. Indem wir daher denen, welche bisher die Ausbreitung des Vereines oft mit großen Opfern sich haben angelegen seyn lassen, im Namen der heiligen Sache des Vereines und im Namen der für den Glauben neu erwärmten und für das Heil wiedergewonnenen Seelen unsern wärmste» Dank aussprechen, können wir nicht umhin diejenigen, welche bisher sich nicht betheiligt haben, zu einem gleichen Eifer aufzumuntern, in der festen und wahrhaften Ueberzeugung, daß eö gegenwärtig kaum eine heiligere und wichtigere Angelegenheit für nnS gibt, als die Sache des BonifaciusvereinS. — Der Schutz und die Billigung des hochwürdigsten Episkopates ist ihm auch in der aufmunternd- stcn Weise zu Theil geworden und waS die Hauptsache ist, das größte Lob und die Empfehlung des heiligen Vaters, so wie auch die gnädige Verleihung der erbetenen Ablässe, nämlich: eines vollkommenen Ablasses 1) am 5. Juni, als dem Feste deS heiligen BonifaciuS; für die Diöcesen, wo dieses Fest weder im Chöre noch öffentlich gefeiert wird, an dem nächsten auf den 5. Juni folgenden Sonn- oder Festtag. 2) Am Feste des heiligen FranciScuS Seraphicus, als dem Stiftungstage deS Vereines. 3) An dem Tage, wo das Gedächtniß der unbefleckten Empfängniß der Mutter deS Herrn begangen wird. 4) Am Feste der Reinigung der seligsten Jungfrau Maria, oder auch innerhalb der Octav dieser Feste — für alle Vereinsgenossen, Welche außer den gewöhnlichen zur Gewinnung eines vollkommenen Ablasses nothwendigen frommen Werken, nämlich außer dem würdigen Empfang der heil. Sacra- mente der Buße und deS AltarS und den »ach ver Meinung der Kirche zu verrichtenden Gebeten täglich ein „Vater Unser" und ein „Gegrüßt seyst du Maria" mit der Bitte: „heiliger BonifaciuS, bitte für uns", beten und jeden Monat ein wenn auch noch so geringes Almosen z» dem Zwecke deS Vereines geben oder dasselbe, wenn auch nicht jeven Monat, doch jährlich oder vierteljährig oder halbjährig für den entsprechenden Zeitraum entrichten. — Ferner eines Ablasses von 109 Tagen für die, welche eine ganze Woche hindurch an jedem Tage andächtig und reumüthig das Vater Unser und Gegrüßt seyst du Maria beten und ein Almosen geben." Die Rehabilttirung der Lignorianer in Eggenburg. ES war im Frühlinge des Jahres 1348, unglückseligen Angedenkens, als bald L55 nach der brutalen Vertreibung der Redemptoristenpriester in Wien eine bewaffnete Schaar von Studenten und Nationalgcirden, welcher sich mehrere andere anrüchige Individuen angeschlossen hatten, von der Aula nach Eggenbnrg entsendet wurde, um das dortige Kloster aufzuheben. ES geschah dieses noch vor der Publication deS Auf- hebungSdecreteS, eS ward weder der Bischof von St. Polten noch daS KreiSamt oavon verständigt, und die Anführer dieser bewaffneten Horde, welche mitten in ^zer Nacht ankamen, sogleich alle Thore und die Glockenthürme besetzten und die Cassen uu> andere werthvolle Gegenstände in Beschlag nahmen, und den Mitgliedern der Congregation ein kleines Reisegeld mit dem Befehle einhändigten, daß sie binnen einigen Tagen das Kloster zu verlassen haben, konnten vor dem zufällig in der Gegend anwesenden Kreiscommissär nur eine vom Minister PillerSdorf unterzeichnete Schrift vorweisen, die sie sich wahrscheinlich erpreßt hatten. Zum Glücke ließen sich die Führer dieser sonderbaren ErecutionStruppe bewegen, am nämlichen Tage wieder abzuziehen, sonst wäre ein Zusammenstoß mit dem Volke, welches die sogenannten Fr Iheitshelden mit bedenklichen Blicken betrachtete, möglich gewesen. Die Stadt Eggenburg sendete eine Deputation, a.n deren Spitze vr. Mcl. Fink, nach Wien und St. Polten, um die Erlaubniß zu erbitten, daß der Gottesdienst in der Liguoriancrkirche nicht unterbrochen werde, und es wurde gestattet, daß drei Priester, aber ohne ihr Ordenskleid zu tragen, dort sich aufhalten dürfen. Se. k. k. apostolische Majestät haben das AufhebungSdecret gegen Jesuiten und Liguorianer zurück- zu nehmen geruht, und dadurch sind nun die Redemptoristen in den Stand gesetzt, von ihrem Hause in Eggenburg wieder Besitz zu nehmen und nach den Regeln ihres Stifters darin zu leben. Seine Excellenz der apostolische Nuntius hat am 1. August in Eggenburg die feierliche Wiedereinführung der Sohne deS heiligen LiguoriuS in ihr, ihnen wieder ganz zurückgegebenes Kloster vorgenommen; wo sie nun nach ihrer Ordensregel leben und besonders durch Missionen segensreich wirken können. (Oest. V.Fr.) Rom. Rom. Der im letzten öffentlichen Conststorium von Sr. Heiligkeit mit dem Purpur geschmückte Cardinal Morichini, als früherer Nuntius in München, auch in Deutschland sehr bekannt, hat von der ihm als Titel überwiesenen Kirche und dem Spitale von St. Spl'rito feierlichst Besitz genommen. Bekanntlich ist dieses Spital das größte der Welt, und da eS an diesem Tage, so weit der Zustand der Kranken eS irgend gestattete, ganz geöffnet war, so hatten wir Gelegenheit, dasselbe in seinen ei»nil»en Theilen näher kennen zu lernen und seine Großartigkeit zu bewundern Man hat wirklich eine kleine Reise zu machen, um dort zu Ende zu kommen; ein Saal reiht sich an den andern; immer wieder eröffnet die Thür den Anblick eineS neuen, und hat man an der einen Seite auch die Apotheke, die Badezimmer u. s. w. durchwandert, so beginnt an der gegenüberliegenden Seite der Straße die Sache von Neuem in nicht minder großartiger Anlage. Dazu hat man nicht eine, sondern drei, oft vier Reihen von Betten auf beiden Seiten in den Sälen vor einander gesetzt und so findet man sich fast in einer Stadt von Kranken, und zwar, wie in Rom nicht anders seyn kann , aus vielen verschiedenen Nationen. Der deutsche Pönitentiär von St. Peter, den wir an dem Bette eines deutschen Kranken trafen, erzählte unS später, wie er sich vor längerer Zeit auch einmal am Lager eines Deutschen befunden hätte, als ganz plötzlich und unerwartet Se. Heiligkeit Papst Pius IX. vorgefahren sey, um sich von dem Zustande deS HsspitalS zu überzeugen. Der heilige Vater habe sich dabei auch dem Bette des Deutschen genähert und sich mit der ihm eigenthümlichen Freundlichkeit und Herablassung nach den Umständen dieses Kranken näher erkuridigt. Als der Papst hörte, daß derselbe ein deutscher Pilger und in Folge der Anstrengungen der großen Reise auf daS Krankenlager niedergeworfen sey, suchte er ihn selbst zu trösten, versicherte ihm, daß der liebe Gott, zu dessen Ehre er die Mühseligkeiten und Beschwerden einer bedeutenden Reise getragen habe, um die Gräber« .jl .d :756v^a/^dstvij>ij.' IIV ^ s z : 7v?»l>«»» z^^iiii^iiiltiftnn. »56 der Apostel zu besuchen, ihn gewiß nicht verlassen und ihm zur Rückreise in sein Vaterland neue Kraft geben werde, er möge deßhalb den Muth nicht sinken lassen und lebendig auf ihn vertrauen. An diese Ermahnung schloß der heilige Vater die Benediction und zog dann auö der Tasche seines weißen Talars einen römischen Scudo hervor, den er dem Kranken überreichte. Niemals wirkte in St. Spirito eine Medizin so stark als dieser Besuch PiuS IX. Kein Mensch war glücklicher, als der deutsche Pilger; vom sichtbaren Stellvertreter Christi an seinem Krankenlager besucht und so begnadigt zu sey», das war ein Glück, worin er sich nickt zu finden vermochte; den Scudo, so versicherte er, den er aus der Hand des heiligen VaterS selbst empfangen habe, würde kein Mensch in der Welt ihm mit Hunderten bezahlen können; er war bald wieder gesund. — Was übrigens das Spital selbst betrifft, so hat eS sich von dem Scklage, den es von den Republikanern durch Verjaguug der Religiösen, welche den Krankendienst besorgten, erlitt, noch nicht ganz erholt, indem noch immer die Mehrzahl der Krankendiener dem Laienstande angehört. Welch' ein Contrast darin liegt, daß im Mittelpuncte der katholischen Welt und in dem größten Hospitale des Christenthums Weltleute für den Lohn der Welt, für Geld die K»anken verpflegen, daS sieht jeder, und daß darin der Grund zu vielen Klagen liegt, wird Niemand auffallend finden, der die Dienste kennt, die in Hospitälern geleistet werden müssen. Um so erfreulicher ist es daher, daß der heilige Vater der Stiftung jetzt einen so rüstigen Präfecten gegeben hat, und es steht zu erwarten, daß der Cardinal Morichini eS als seine besondere Aufgabe betrachten wird, den durch die republikaniscken Unruhen eingerissenen Uebelständen für die Zukunft vorzubeugen. (M. S.-Bl.') HuftM .t'.ttil, ' hijNNülh' schMfjhyk .",> /!,.!.'77: ->"^> tt» Klausen. ikljll INjll u-i «MMj!liL ^«!tij!/ .,a7UM tt,tlb,l5l^b Ii^s.iu nr^) ^Mls »nP n»Ä mu »-^>-) > .dst nnuiH «dva LZ snu tll»tfts.ii!v ünb^iivS ^^»WR ^u,»»nomsa? ?»1 m» ^, 15. August M SS. 185S. ___ Dieses Blatt erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der halbjährige Abonnementspreis TV kr., wofür es durch alle königl. bayer. Postämter und alle Buchhandlungen bezogen werden kann. ' ^ Das Fest des heiligen Petrus und Paulus. Rom, 12. Juli. Die heiligen Apostelfürsten Petruö und Paulus find nicht allein die Beschützer und Beschirmer der ganzen katholischen Welt, sondern vorzüglich auch die Patrone des Mittelpunktes derselben, der ewigen Stadt. Diese besitzt ihre Gräber und ihre irdischen Uebcrreste; sie zeigt die Stätten, an welchen sie ihre Wirksamkeil mit dem glorreichen Martyrium krönten; ihr Bocen ist besprengt mit dem Blute derselben und in vielen Oertlichkeiten bewahrt sie das lebendigste Andenken an ihr Leben und Wirken. Deßhalb war von jeher das Fest dieser beider Apostelfürsteil daS eigentliche Fest Roms, und wenn auch mit einigem Unterschied, so wurde eS doch immer mit dem höchsten Glänze und der größten Feierlichkeit begangen. DaS Centrum der Feier ist die Basilika des heiligen PetruS im Vatikan, erbaut über dem Grabe dcS heiligen Petrus, wegen ihrer riesigen Größe und Einrichtung ein Symbol der Kirche der ganzen Well, die da ruht auf dem Ecksteine Petrus. Mehrere Wochen lang hatte man an ihrer würdigen Ausschmückung zu dem bevorstehenden Festtage gearbeitet, und die letzten neun Tage vorher wurde eine besondere Vorbereilungsandacht gehalten, bei welcher jedesmal der lieilige Vater erschien. Zu der Vigilie aber war der vor dem Hauptaltare ^) befindliche Eingang zur Grabcapelle des heiligen PetruS (die sogenannte Confessio) in einer wirklich überaus geschmackvollen Weise mit frischem Grün, Blumen und zahlreichen Lichtern geziert; die 89 Lampen, welche hier bei Tage und bei Nacht in vergoldeten Schaalen fortwährend brennen, waren mit dem reinsten Wachse gefüllt und kostbare Leuchter ringS an den Seiten der Marmortreppen aufgestellt. Die an der rechten Seite deS Hauptschiffes befindliche Biltsäule deS heiligen PetruS, vom heiligen Leo dem Großen aus dem Metall der Statue deS Jupiter CapitolinuS gegossen, und vom Volke immer außerordentlich verehrt, war vollständig mit den Pontificalien bekleidet und trug die dreifache Krone auf dem Haupte. Die ganze untere Peterskirche, die Ruhestätte so vieler Heiligen und von allein 130 Päp- --'jMM chks uz instliUiSZZ'iK n:»t!!Hn» p«uitmMuH n5?'i.k:T, ^ ') Denjenigen unserer Leser, welche mit der Einrichtung der Peterskirche nicht bekannt sind, bemerken wir, daß dieselbe in der Form eines großen Kreuzes erbaut ist. Ueber dem Mittelpuncte des Kreuzes, dort, wo die Balken sich schneiden, erhebt sich die 413 Fuß hohe Kuppel, unter der sich freistehend und nur von einem aus vergoldeter Bronze gearbeiteten Baldachin bedeckt der Hauptaltar befindet. Auf diesem feiert nur der Papst und zwar gegen das Volk hin' gekehrt das allerheiligste Meßopfer; und vor demselben (vom Haupteingangc der Kirche aus gerechnet) steigt man auf Marmortreppen zum Grabe des heiligen Petrus und zur untern Kirche hinab (Confessio). Dort, wo bei uns der Hauptaltar steht, am obern Ende des Hauptschiffes, befindet sich hier der Stuhl des heiligen Petrus und davor der Thron des Papstes und von da aus zu beiden Seiten bis zum Altare hin stehen die Bänke für die Cardinäle und Prälaten. Der Papst besteigt den Altar von der Seite seines Thrones her und steht so mit dem Gesichte gegen das Hauptthor der Kirche hin. >i^i(!ivÄ> sten, stand, von fast unzähligen Wachslichtern erleuchtet, allen Männern zum Besuche offen, und acht Tage hindurch hatten schon alle Glocken von St. Peter täglich eine Stunde lang die Gläubigen zur Theilnahme an der großen Feier eingeladen. Diese begann mit der ersten VeSper am Abende des 23. Juni, die — das einzige Mal im Jahre — vom Papste selbst mir allen Cardinälen feierlich abgehalten wurde. Eine ungeheure Menschenmenge hatte sich dazu in den weiten Hallen von St. Peter eingefunden; die Cardinäle und Prälaten aber versammelten sich im Vatikan, um den heiligen Vater zur Kirche zu begleiten. Während des feierlichen ZugeS in dieselbe hatten sich die Mitglieder der Camera Apostolica, der Cardinal Camerlengo an der Spitze, am Ende der sogenannten KönigStreppe des Vatikans aufgestellt und da nach altem Herkommen an diesem Tage die dem Stuhle des heiligen PetruS gebührenden CensuS entrichlet seyn mußten, so lange daS aber nicht geschieht, ein feierlicher Protest an demselben Tuge hergebracht ist, so verlas der FiScal-Procurator in einer Anrede an den heiligen Vater eine Protestation gegen den seit vielen Jahren durch weltliche Macht dem heiligen Stuhle entzogenen Besitz der Herzogthümer Parma und Piacenza und alle aus der Nichtzahlung des dem apostolischen Stuhle davon gebührenden Tributs gezogenen Folgerungen. Nachdem der Papst diese Protestation durch eine kurze Antwort bekräftigt hatte, bewegte sich der Zug unter dem Geläute aller Glocken und dem Spielen zahlreicher, in der Vorhalle von St. Peter aufgestellter Mustkchöre bis zum Hauptthore dieser Kirche. In dem Momente, als der Statthalter Christi, hoch auf dem Tragsessel getragen, in demselben erschien, stimmte die päpstliche Capelle die Antiphon ani^u es Petrus, et super ksne petram seäiLesdo Lcelesism mesm (du bist PetruS und auf diesen Felsen will ich meine Kirche bauen), und unter dem Vortritte von vielen Prälaten, zehn assistirenden Bischöfen und dreißig Cardinälen — alle mit der weißen Milra geschmückt — trug man den heiligen Vater bis zur Capelle des allerheiligsten Sacramentes, wo die gewöhnliche kurze Anbetung stattfand. Am Hauptaltare dann stimmte Seine Heiligkeil selbst daS veus in schutorium der VeSper und die erste Antiphon an. Die zweite Antiphon intonirte der erste assistirende Cardinaltiacon, die dritte der assistirende Cardinalbischof, die vierte der erste Cardinalpriester und endlich die fünfte der zweite assistirende Cardinaldiacon. Während deS Magnificat incensirte der heilige Vater, von den dem päpstlichen Throne assistirenden Patriarchen, Erzbischöfen und Bischöfen gefolgt, den Altar, sang dann die Oration und feierliche Benediction und nahm die Segnung der erzbischöflichen Pallien vor, die ein Udilor der Rota vom Grabe des Apostelfürsten vor seinen Thron brachte. Die Gebete, welche die Kirche für die letztere Segnung vorgeschrieben hat, sind ganz ungemein ergreifend und schön, und Piuö IX., der immer mit außerordentlicher Andacht die heiligen Functionen vollzieht, wurde beim AuSsprechen derselben sichtbar gerührt und bewegt; Näherstehende wollen die Thränen in seinen Augen gesehen haben. Nachdem der heilige Vater in den Vatikan zurückgekehrt war, begann mit dem Anbrechen der Dunkelheit die Beleuchtung der PeterSkuppel mit 4400 Lampen, die einen unbeschreiblich majestätischen Anblick gewährt. Mit dem Glockenschlage 9'/^ Uhr wechselte dieselbe, indem daS Ganze in dem Lichte von 800 Fackeln erschien. Zweihunderlfünfzig Personen sind dazu angestellt, um diesen Wechsel im Zeitraum von einer Secunde zu bmmken. Wir haben oft an der PeterSkirche bewundert, daß, wenn auch in allen zu derselben führenden Straßen stundenlang ungeheure Volksmassen zu ihr sich hingedrängt haben, man doch eigentlich nie sagen kann, daß die Peterskirche angefüllt ist, und in ihren weiten Räumen selbst die größten Menschenmasscn sich verlieren. AIS wir aber am frühen Morgen des Festtages St. Peter und Paul diesen riesigen Dom betraten, fanden wir alle Schiffe schon von Menschen gefüllt: gewiß der bei weitem größere Theil der Einwohner RomS hatte die Frühe gewählt, um dem Apofielfürsten den Tribur seiner Verehrung darzubringen und seine Grabesstätte zu besuchen. Welch' eine Veränderung, welch' ein Wechsel doch, — dieser Gedanke mußte uns unwillkürlich ergreisen, — wenn wir eben diese Stätte vor kaum zweitausend Jahren .859 besucht hätten! — Hier, wo wir stehen, war damals der CircuS dcS Nero, jenes grausamen Beherrschers des heidnischen RomS; der Ort diente zu Pferd- und Wagenrennen und zu den schrecklichen Gladiatorenkämpfen, in denen sich die Heiden an dem Ringen, an dem Blute und den letzten Zuckungen der Fechter in wahrhaft thierischem Genusse erfreuten. Hier ward vor nicht achtzehnhundert Jahren auch ein einfacher Fischer auS Galiläa, der eine neue Lehre nach Rom gebracht und dafür wenige verachtete Menschen zu Anhängern erworben hatte, auf Befehl dcS Kaisers gekreuzigt, — und jetzt? jetzt sagt nur mehr die Geschichte, daß einstenS Nero an dieser Stelle seine Macht entfaltete und seine thierische Lust an blutigen Gefechten befriedigte, — aber über den Gebeinen dieses einfachen Fischers und zu dessen Ehre und dessen Verherrlichung hat sich hier der großartigste Dom der Welt erhoben und alle Völker der Erde strömen zu demselben, und fallen nieder an dem Eingange seiner Grabstätte, um bei seinen irdischen Ueberresten zu beten und Gnade vom Herrn zu erflehen! (Schluß folgt.) U»!I >Aj>«M NRZYMM 2.'? i k!Zgnma?55 I»L »MSS msniZl Suv «»NioMA. !M X av Die Erzherzogin Maria von Steiermark, Mutter Kaiser Ferdinand des Zweiten. Rede d«S Herrn Hofraths und ReichShisioriographcn vr. Friedrich Hurter, gehalten in der P lenarversammlung des Central,Sevcri- nuSvereineS in Wien am 13. Juli 1852. MuvIg^W «5-r nl,MM wlwsW« Kvws«A M:j vtHncknv (Schluß.) Zur Zeit, da Maria nach Steiermark kam, fand sie die dortigen Zustände bedenklicher, als sie eS während ihrer frühern Jugend in Bayern gewesen waren. Die Ursachen, die hiezu beigetragen haben, kann ich hier nicht entwickeln, blos als Summarium andeuten, daß der von der Kirche abgefallene Theil deS Adels, im Sinne jeder nach Alleingeltung strebenden Partei, eben so wohl die Rechte seiner katholischen StandeSgenossen als die Befugnisse des Landesherr» immer mehr einzuengen sich bestrebte; dieß unter dem stets in Bereitschaft gehaltenen Schlagwort der Gewissensfreiheit. Die alljährlich wiederkehrenden Besorgnisse vor einem Einfall der Türken erforderten außerordentliche Anstrengungen zu dessen Abwehr; an die Gewährung derselben wurden von Jahr zu Jahr Bedingungen geknüpft, deren Zugeständnis) daS Walten der katholischen Kirche immer mehr beschränkte und gefährdete. Während die unkatho^ tischen Landleute Prädikantcn und Schulmeister auS Württemberg, Sachsen und allen Gegenden Deutschlands in freiem Belieben haufenweise nach Jnnerösterreich beriefen, verlangten sie von dem Erzherzog wiederholt, er solle die kurz zuvor zum Unterricht der katholischen Jugend eingeführten Jesuiten verweisen, weil sie Fremdlinge wären. Endlich am 9. Februar 1578 wußten sie auf einem Landtage zu Brück an der Mur ihm die Bewilligung abznnöthigen, daß in den vier Städten Grätz, Klagenfur», Judenburg und Laibach unkatholischer Gottesdienst ohne irgend eine Beschränkung dürfe geübt werden. Der Erzherzog gewährte dieselbe mit schwerem Herzen in Gegenwart seiner geheimen Räthe mündlich; diejenigen aber, welchen die Bewilligung zu Gute kommen sollte, sormulirtcn sie sodann nach eigenem Gutfinden schriftlich, und fälschten die Worte hinein: der Erzherzog verpflichte sich hiezu für seine Erben und Nachkommen. Obglelch er diese Worte alSbald in ihrer Gegenwart mit eigener Hand auSstrich, behaupteten sie nach seinem Tod die Giltigkcit derselben mit der zähesten Hartnäckigkeit, wie oft auch die Erzherzogin die Vorweisung dcS Originals mit den durchgestrichenen Worten anbot. Was dieselbe unter solchen unablässigen Bemühungen der Unkatholischen möge gelitten haben, erkennen wir am Besten auS einem Vorgang, der nur wenige Jahre nach dieser Zeit konnte stattgefunden haben, und welcher in ihr Inneres in dieser 260 Beziehung den tiefsten Blick eröffnet. Einige, der unkatholischen Lehre beipflichtende Hofherren hatten ihren Gemahl mit Ueberreichung eines zierlich eingebundenen Gesangbuches zu bereden gewußt, den Gottesdienst ihrer Partei zu besuchen. DaS erfuhr die Erzherzogin und hielt sich für verpflichtet, dieses Borhaben, wenn immer möglich, zu verhindern. Als daher der Erzherzog aus seinem Gemach herausschritt, begegnete sie ihm, ihren kleinen Ferdinand an der Hand führend, und ein anderes ihrer Kinder auf dem Arme tragend. „Wo wollen Ew. Liebden hin mit den Kindern?" fragte der Erzherzog. „Nach Bayern, in meine Heimat," versetzte die Gemahlin, „denn hier sind sie in diesem Augenblicke in der höchsten Angelegenheit ihres Heils gefähr- det." Der Erzherzog verstand den zarten Sinn und sagte: „Bleiben wir lieber Beide zu Hause;" worauf auch er wieder umkehrte. Kein Jahr war seit dem Vertrage von Brück abgelaufen, als der Erzherzog seinem Bruder Ferdinand in Tirol klagen konnte: „eS sey nicht allein auf AuSlilgung der katholischen Religion, sondern eben so sehr auf Beseitigung des schuldigen Gehorsams in weltlichen Sachen abgesehen. Die unkatholischen Landleute legten eS darauf an, alle Katholiken auS seinem Lande zu verdrängen; sie mutheten ihm zu, den Befehlshaber in seinem eigenen Schlosse zu Grätz, als einen unerschütterlichen Bekenner des Glaubens, zu entlassen und über Städte und Schlösser nur solche Männer zu setzen, die von ihnen vorgeschlagen würden. Sie wollten sogar behaupten: auch daS gehöre zu ihren Freiheiten, durch fürstliche Befehle nicht gebunden zu seyn, sondern darüber hinwegsehen zu dürfen." — Einerseits wurde jene Beiseitsetzung der Katholiken sammt der Beeinträchtigung des fürstlichen Ansehens immer weiter getrieben, anderseits schallte eS jeden Sonntag von allen Kanzeln herab von Aberglauben, Götzendienst, Teufelswerk, Pfaffentrug und ähnlichen grobkörnigen Ausdrücken. Der grätzerische Prävikant JeremiaS Homburger entblödete sich nicht, am Sonntage nach dem Fronleichnamsfeste, woran der Erzherzog mit seiner Gemahlin und dem Hofe Theil genommen, zu verkünden: das sey purlautere Abgölterei, deS Festes Stifter, Förderer und Theilnehmer wären insgesammt verflucht; selbst die Kühe könnten den Gräuel der Procession nicht leiden, indem sie vor zwei Jahren dieselbe zertrennt hätten. Beschwerte sich der Landesherr über solche Frechheit, so erklärten die Prädikanten: zu ihrem Eifer würden sie von der Macht des heiligen Geistes angetrieben, und gegen wohlverdiente Rügen fanden sie Schutz bei den Mitgliedern der Stände. Die Landtage wurden von Jahr zu Jahr unfreundlicher. Selbst der Stadtralh von Grätz maßte sich an, ein Verbot gegen den Besuch katholischer Predigten zu erlassen; die Handwerker verbanden sich, keinen katholischen Arbeiter länger als vierzehn Tage zu dulden. Dieß alles konnte der Erzherzogin so wenig gleichgiltig seyn als ihrem Gemahl, welcher immer mehr einsah, daß er mit seiner angestammten österreichischen Milde nicht länger werde durchkommen können. Schon im Jahre 1581 schrieb Herzog Wilhelm von Bayern seiner Schwester: er freue sich, daß ihr Gemahl die ReligionS- sache sich so wohl angelegen seyn lasse und daß auch sie dazu rathe und mitwirke. Im folgenden Jahr bot die Taufe der Erzherzogin Eleonore deren Oheim Veranlassung, selbst nach Grätz zu kommen, um dem Schwager, vornämlich aber der Schwester, seinen Rath zu ertheilen. Wie willkommen dieser ihr müsse gewesen seyn, läßt sich jenem Wort derselben entnehmen: „Lieber wollte ich'alle meine Kinder in einer Butte auf den Rücken nehmen und zu Fuß nach Bayern zurückwandern, als daß ich zugäbe, daß etwatz ihrer Religion Nachteiliges unternommen würde. Sollte dann selbst mein Herr Bruder sie nicht ausnehmen wollen, so würde ich eben mit andern armen Leuten in einem Spital wohnen, um daselbst mein Leben katholisch zuzubringen." In einer solchen Rede liegt die über jeden Zweifel erhabene Bestätigung deö PsalmworteS: daß über Macht, Ehre und Reichthum daS Herz ungleich höhere Güter erkenne. Wilhelm sprach Muth ein, rieth, wenn Einige ihre Stellen aufgeben wollten, ihnen den Mantel deßhalb nicht zu zerreißen, das unkatholische Hosgesinde zu entlassen. S61 Maria freute sich des Gemahl zunehmender Entschlossenheit und bezeugte bald darauf, eS hätten so viele Katholiken zum Dienst sich angeboten, daß sie nicht geglaubt hätte, deren so viele in Grätz noch zu finden. Der Bruder ermunterte sie: ihr Gemahl solle nur Herr bleiben, es handle sich bloß um den ersten Schritt, daS Weitere werde sich dann leicht fügen. Bei der Erzherzogin begegnen wir jetzt schon jener Entschiedenheit, mit welcher sie später den Sohn unablässig ermähnte: bei einer Angelegenheit, worin die Ordnung im Lande, die Erhaltung der fürstlichen Rechte und die Wahrnehmung der geheiligtesten Verpflichtungen gleichmäßig sich verbänden, weder schläfrig noch verzagt zu Werke zu gehen. Die noch bei Lebzeiten des Gemahls immer weiter zielenden Folgerungen, welche aus dem Bruckervertrag wollten gezogen werden, die um sich greifende Vergewaltigung katholischer Kirchen und ihrer Priester, daS waS manchen Orts gegen glaubenötreue Laien vollführt wurde, rechtfertigen jene ausgesprochene Ueberzeugung aufs vollkommenste. Maria mochte selbst des geliebten Gemahls frühzeitigen Tod, die Verwaisung ihrer zahlreichen Kinderschaar jener traurigen Spaltung beimessen, welche die Einwohner des Landes nicht bloß auseinander gerissen, sondern in schlecht verhülltem Groll sich gegenüber gestellt hatte. Denn während der Erzherzog zur Kräftigung seiner angegriffenen Gesundheit im MannerS- dorferbade bei Larenburg sich befand, brach, durch die Unkatholischen veranlaßt, in Grätz ein arger Tumult aus. Der Fürst wollte zur Untersuchung selbst nach seiner Residenzstadt sich begeben, erkrankte unterwegs, und starb am fünften Tage nach seiner Rückkehr in einem Alter von fünfzig Jahren, eilf Kinder hinterlassend, zu denen in wenigen Wochen das zwölfte hinzukommen sollte. So tief gewurzelt, unerschütterlich und hell aber lehte in dieser gesegneten Mutter die Ueberzeugung: die Kirche sey die von Gott gesetzte Anstalt zur Leitung und Begleitung der Menschen hienieden, zu deren Beseligung für die Zukunft, daß sie die pflichtgetreuen Diener derselben, ohne irgend welche Rücksicht auf weltlichen Rang, aller Ehren werth hielt, mit dem freundlichsten Wohlwollen ihnen entgegentrat. AIS daher eine Edelfrau über die Neigung ihres SohneS, in den geistlichen Stand treten zu wollen, bei ihr sich beschwerte, erwiderte sie: „und wollte einer meiner Söhne Jesuite oder Capuciner werden, ich würde es nicht nur nicht hindern, eS vielmehr fördern, so gut ich eS vermöchte." Wie alle Lebensbeziehungen dieses erhabenen FürstenpaareS durch die lebendigste christliche Ueberzeugung geweiht und geadelt wurden, so vornehmlich die bedeutungsvollste derselben: ihre eheliche Verbindung. Beinahe bei allen Reisen des Erzherzogs begleitete ihn die Gemahlin; sie nahm Theil an seiner Jagdlust; sie richtete sich in der Bekleidung ihrer Leute nach seinem Geschmack; sie nahm Bedacht auf Alleö, waS ihn erfreuen konnte; sie hörte auf seinen Rath selbst in Sachen, die bloß ihre eigene Person betrafen. Im Jahre 1582 ging der Erzherzog nach Wien; Maria mußte zurückbleiben, weil sie nicht lange zuvor einer Tochter genesen war. Er traf am 7. November hier ein und schon am 9. schrieb er ihr: mache ihm vieles Nachdenken, daß er noch keinen Brief von ihr erhalten habe. T)rei Tage später sagte er: er könne nicht Worte finden, um eS auszudrücken, wie lang ihm die Weile nach ihr sey. Dann wieder schreibt er ihr: „mein Schatz! es ist Dir wohl die Weile so lang nach mir, als mir nach Dir." ES war zu jener Zeit und zumal am Ende des No, vemberS ehedem eine schöne Tagreise von Wien nach Schottwien. Im Augenblick, da der Erzherzog Wien verließ, erhielt er einen Brief von der Gemahlin, und sein Erstes bei der Ankunft in Schottwien war die Erwiderung desselben. Zwei Jahre später kam er nach Leoben; kaum abgestiegen, schrieb er der Gemahlin: „Wie ich in daS HauS eingetreten bin, bist Du mir halt abgegangen, daS HauS ist mir zu weit, denn der Weil ist mir schon lang "nach Dir." ES war daher der Ausdruck allgemein anerkannter Wahrheit, wenn in einer Leichenpredigt auf den Erzherzog gesagt wurde: ein Sinn, ein Rathschluß, ein Wille, ein Geist, eine Lebensweise habe Beide geeinigt. In seinem Testamente bezeugte der Erzherzog, „daß die freundliche, herzliebe Gemahlin während der ganzen Zeit ihrer Ehe eine offenkundige, beständige, herzliche «62 Liebe und treue Freundschaft gegen ihn stets erwiesen habe, wofür er zur Dankbarkeit gegen sie sich verpflichtet fühle." Ueberzeuyt, daß der angewiesene Wittwensitz zu Görz ihr nicht bequem sey, trage er seinen Erben ernstlich auf, ihr des Freiherr» von Teufenbach HauS zu Jugenburg anzukaufen und es standesmäßig einrichten und ausstatten zu lassen. Da sie bei diesen theuren Jahren mit den durch den Heiraths- brief bestimmten ItZMO fl. nickt wohl ausreichen könne, und damit Ihre Liebden seine wohlmeinende Neigung und Freundschaft im Werk spüren möchte, verdopple er diese Summe, deren Ablieferung jeder anderen Ausgabe jederzeit vorangehen solle. AIS getreue Mutter ordne er sie den Vormündern seines SohneS als Mitvormünderin in Allem zu. Aber auch Maria bewährte ihre Anhänglichkeit an den Gemahl. Während der achtzehn Jahre, die von seinem Tod bis zu ihrem eigenen Lebensende verliefen, verging kein einziger Tag, an welchem sie einer für ihn gestifteten heiligen Messe nicht beigewohnt hätte; und befand sie sich zu Meer, wo deren Abhaltung unmöglich war, so mußte dieselbe wenigstens vorgelesen werden. Das sind nur wenige Momente auS dem Wesen einer Fürstin, welche ihrer unvergeßlichen Enkelin, unserer hochgefeierten Maria Theresia, in jeder Beziehung mit dem Vollesten Recht an die Seite darf gestellt werden. Noch ungleich Ansprechenderes läßt sich in Menge hervorheben. Findet sich die verehrte Versammlung durch daS jetzt Mitgetheilte angesprochen, wünscht sie, daß ihr das vollständige Bild einer Fürstin vor Augen gestellt werde, aus welche jeder Oesterreicher Mit Recht stolz seyn, und deren Persönlichkeit die warme Liebe zu dem theuren Fürstenhause erhöhen muß, so werde ich mit freudiger Bereitwilligkeit in späteren Vorträgen dieses Bild in der retchen Fülle aller seiner anmuthigen Züge hervortreten lassen. » Hr. Präses Dr. Kaltenbäck fügte die Bemerkung hinzu, daß sich Hr. Dr. Hurter ein hohes Verdienst um Oesterreich erworben habe, indem er die Geschichtsfälschung aufdeckte, welche einen der größten und besten Fürsten auS dem Habsburger Stamme mit den ungerechtesten Schmähungen überhäuft hatte. Ja man könne mit Wahrheit sagen, daß Kaiser Ferdinand II. der bestverleumdete Fürst war, nnd eS sey gewiß sehr traurig, daß selbst Katholiken und Oesterreicher sich täuschen und hinreißen ließen, den zweiten Ferdinand, der eben so standhaft im Unglücke, als großmüthig im Glücke war, als grausamen Verfolger und Tyrannen zu verunglimpfen; den Erzfeind Oesterreichs und Deutschlands, Gustav Adolph, hingegen alö ritterlichen Vertheidiger der Religionsfreiheit, als Muster der Milde und Gerechtigkeit hinzustellen. Zum Beweise, wie irrig eine solche Auffassung sey, mögen folgende actenmäßig bewiesene Thatsachen dienen: Ferdinand der Zweite verwieß zwar die Protestanten, welche offene Rebellen waren, auS dem Lande, erlaubte ihnen jedoch ihr Vermögen mitzunehmen, und gestattete denjenigen, welche liegende Güter hatten, alljährlich einmal nach Oesterreich zu kommen und ihre Einkünfte in Empfang zu nehmen. Gustav Adolph zwang die Katholiken, die friedliche Unterthanen waren, auS Schweden auszuwandern, confiScirte ihr Vermögen und befahl, jene, welche je zurückkehren, auf dem nächsten Baume aufzuhängen. Auf welcher Seite ist nun die grausame Tyrannei, und auf welcher hingegen die Großmuth? .MVtthklk mx .?^!m.^ch9 chkn, mig? na!-!>?. 'Wte»ikimnJ»jlkj)!Io Am 7. war daS Ruder wieder an seiner Stelle. Durch das seichte Flußbett, auf dessen Oberfläche Gras, Schlamm und Steinspitzen sich zeigten, ging die Fahrt ungemein langsam, dazu noch heftiger Nordwind mit ungewöhnlicher Kälte. Doch überwanden wir noch am gleichen Tage den Schellall Kirbekan; am andern den von S6Z Mit, am folgenden erreichten wir Wodeine mit seinem Schellall, einem der längsten und reißendsten der dritten Katarakten. Am 1V. Februar waren zwei Strömungen zurückgelegt, über eine dritte die Stricke gespannt, als plötzlich daS Seil den Händen der Zicher entfuhr, ob in tückischer Absicht, muß dahingestellt bleiben. Drei Stunden gingen hierüber verloren. AIs AlleS wieder vorbereitet war, ging der wackere Schmied an daS Ufer, um die Zieher zu überwachen, wobei er vieren, die wieder das Seil fahren ließen, 5en verdienten Lohn aus ihre schwarzen Rücken hämmerte. Nun ging Alles gut von Statten, um sechs Uhr landeten wir bei Waddi Gamer, einem freundlichen Orte, wo wieder schöne Vegetation sich zeigt. Der 11. Februar bot nichts Besonderes dar, aber am 12. mußten wir bei brausendem Winde aufbrechen. Die Matrosen hofften mit zwölf Ruderern deS Wassers Meister zu werden, sahen aber bald, daß eS ohne Zieher nicht gehen werde. Die, welche mit dem Seil an daS Ufer schwimmen sollten, ließen eS aber im Kampfe mit zwei Krokodillen entwischen, so daß es noch am zweiten Tage nicht gefunden war, daS Schiff aber mittlerweile an einen Felsen stieß, so daß daS Ruder beinahe abermals gebrochen wäre. Die Saumseligkeit der Zieher machte die Fahrt der folgenden Tage höchst langwierig. Am 17. Februar erreichten wir die Insel Mograt. Hier schien AlleS gegen unsere Weiterfahrt sich verschworen zu haben. Obgleich drei Boten vorangegangen waren, zeigte sich keine Spur von Ziehern, und ohne schriftlichen Befehl seines Obern wollte der dortige Schech solche nicht hergeben; denn der großherrliche Ferman galt ihm so viel als nichts. Vier Stunden weit bis in die tiefe Nacht eilte ich ihm in seine Wohnung nach. Vor dem Thor derselben schoß ich meine Doppelbüchse ab, um den Matrosen ein Zeichen zu geben und dem Schech Furcht einzujagen. Erschrocken fuhr er auf und fragte, was eS gebe? Der Große vom Schiff ist da, hieß eS; da sprang er auf ein bereit gehaltenes Pferd und gerade dem Wasser zu, um mir zu entfliehen. Inzwischen besann er sich, kehrte um, warf sich vor mich hin und verhieß, Alles erfüllen zu wollen; noch in der Nacht erging der Ruf und in wenigen Augenblicken war eine Karavane von sechzig Personen, Eseln und Pferden in Bewegung. Da eS aber finster, ich selbst müde war, ließ ich Halt machen und rasten. Am frühen Morgen erreichte ich daS Schiff, und sofort wurde gezogen, mit schwachen Kräften, weil in der Nacht doch wieder Viele entflohen waren. Von unserm Landungsplätze am 20. Februar bis nach Abu-Hamed sind eS zwei Stunden, und erst nach den acht sorgenvollsten Tagen unserer ganzen Reise konnten wir dahin gelangen. Sie begannen damit, daß in der Frühe deS 21. die Matrosen, den zaghaft gewordenen ReieS an der Spitze, mit der Erklärung herankamen: keinen Schritt weiter zu fahren, denn das Flußbeet sey ausgetrocknet. Da half alles Zureden nichts. Mit tausend Menschen, schrieen sie, wäre cö nicht zu wagen. Waö war mit den muthloö gewordenen Leuten anzufangen? Das kleine Schiff wurde nun mit den Ge« räthschaften des Herrn Missionärs Trabant und deS Schmieds befrachtet, damit diese nach Abu-Hamed steuern und von dort auf Kameelen nach Chartum sich begeben könnten, indeß ich in dem Schiff bleiben sollte, um weitere Befehle zu erwarten. Die Fassung und der Ernst, womit ich diese Anstalten traf, blieb nicht ohne Eindruck auf die Matrosen. Sie machten sich verstohlenerweise auf, um daS Wasser nochmals zu untersuchen. Jetzt erklärte der ReieS, mit 120 Ziehern wollten sie die Fahrt doch zu Stande bringen. Diese hatten sich aber verlaufen, so daß erst am 23. wieder konnte abgefahren werden. Wir kamen ohne Schwierigkeit über die gesürchtetsten Stellen. Oberhalb derselben ist ein kleiner Canal zu passiren; da bekam das Schiff einen Leck und das kleine Seil, welches die Matrosen statt deS großen nahmen, riß entzwei, das Schiff schlug mir aller Gewalt auf einen spitzen Felsen, eS drohte zu sinken, weil das Wasser in die untern Räume eindrang. Dieses mußte eilendS herausgeschöpft, der Bruch nothdürftig ausgebessert werden. An einen Felsen angebunden, hatten wir die Nacht in der Mitte deS Stromes zuzubringen, wüthenden Sturmwindes wegen den folgenden Tag ebenfalls, und die ganze Nacht, mußte z»w»'jK> . Ä . ^ : iz?r^ii^>sg»j .siKaachs !Zpl"70ÄI«ü7?!i- 264 Wache gehalten werden, weil jeder Augenblick uns loszureißen drohte. Endlich konnten wir weiter und gelangten um zehn Uhr vor den letzten Katarakt Musur. Da zu wenig Zieher vorhanden waren, ging ein Malrose auS, um Leute aufzubieten, damit des folgenden Morgens die Fahrt könnte gewagt werden. Als ich mich da nach dem Stand der Mannschaft erkundigte, hieß eS: „Alle sind entflohen, kein Einziger will ziehen, ein Schech hat den ausgesendeten Matrosen todten wollen." Da tobte eS in mir; von einem Einzigen begleitet, machte ich mich auf, um über den Kopf des Schechs eine Fluth von Drohungen auszugießen. Der lange Weg, den ich auf dem Gerippe eines Esels zurückzulegen hatte, kühlte mich etwas ab, auch bedachte ich, daß ich nicht geläufig genug arabisch spreche. Zum Glück traf ich den Hauptschech Hagfare, mit einem Untergeordneten im Diwan versammelt. Ich erklärte, das Schiff auf seine Unkosten anbinden und fortgehen zu wollen, und verlangte die Auslieferung Desjenigen, der meinem Matrosen den Tod angedroht habe. AlleS ward sogleich bewilligt. Ob aber versprochen worden, die Zieher müßten noch vor Einbruch der Nacht sich einfinden, fehlten in der Frühe noch bei zwanzig. Da der Hauptschech sich davon gemacht hatte, war es schwierig, Vorsorge zu treffen. Da brachte einer der Schechs, der immer am günstigsten gegen uns sich erwiesen, im besten Augenblick Hilfe, so daß wir noch am 27. Februar ohne viel Anstrengung den Schellal Musur, bis zum Abend des folgenden Tages die letzten Schwierigkeiten überwanden. Wir steuerten nun auf dem felSlosen, gefahrfreien Strome mit schwellenden Segeln in südwestlicher Richtung, während wir eine Viertelstunde früher zwischen Felsen, Steinen, Schlamm und Untiefen nur langsam uns hatten bewegen können. Nach halbstündiger Fahrt erreichten wir Abu-Hamed mit vollen Segeln. Halte doch die Dahabie eines der ersten Würdenträger bei vollem Wasserstand nur in dreißig Tagen leisten können, waS wir bei niedrigem in zwölf Tagen geleistet hatten. (Fortsetzung folgt.) -zau »j;l chiü! Hsj lirwi ^">- .«-k^.? ,-Kij «iibt^ »5W-lws W i e n. Wien, 20. Juli. Vom Ministerium des Innern ist der Bescheid erfolgt, daß die Jsraeliten auch in Orten, wo sie die Mehrzahl der Bevölkerung'bilden, die äußere Feier der christlichen Sonn- und Feiertage einzuhalten haben, dagegen, wenn dort die Markttage auf einen israelitischen Feiertag treffen, dieselben auf den nächstfolgenden Tag zu verlegen sind. (Schw. M.) Beralltwortlicher Redacteur: L. Schönche». VerlagS-Juhaber: F. E. Kremer. Zwölfter Jahrgang. ^>»> ^ ^ >. ^ -L. ^ ^ T ^. >. ^sonntags-Betblatt usmi?i »ua '^aiwsi SÄ .,i,SniN^n-,,,Ä»>!lo« «ni> »o!«^ ?l! Hivl? ^><^ ,»^i.ttiUMnkjsj.jVN!>uj,<-' N^'/ ^uis ^>> l , -.'.>>»> >M Änu .ii^-?5,Ä> s^ I^n -u ^i^is li-iii iM init-'»u,6 i^Zl .iiilM sni»- SS. August M S^. 185S. ___ ^ > ^» Dieses Blatt erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der halbjährige Abonucmentspreis 40 kr., wofür es durch alle königl. bayer. Postämter und alle Buchhandlungen bezogen werden kann. Generalversammlung der katholischen Bereine Deutschlands zu Münster. Es war eine der denkwürdigsten Zeiten in der Geschichte Deutschlands, als die katholischen Vereine ins Leben traten. Die Revolution brauste, wie ein wilder Strom, über die Länder dahin und riß Alles in ihrem Strudel fort; die von Gott gesetzte Gewalt wurde verachtet und die Willkür regierte; alle Leidenschaften gährten, die Begriffe waren verwirrt; die berathenden und gesetzgebenden Versammlungen bauten, wie zu Babel, ohne Fundament, und eine grenzenlose Sprachenverwirrung hatte sich des ganzen Deutschlands bemächtigt. Von einem höheren Bewußtseyn, einem göttlichen Gedanken, einer ewigen Idee blickte kaum eine Spur durch, ja sie wurde öffentlich in einer Versammlung verworfen, die das Heil der deutschen Nation berathen und begründen sollte. In dieser Zeit, wo das Gute und Wahre nur mühsam durchdringen konnte, etwa wie ein Funke durch einen dichten Aschenhaufen, wie eine einzelne Aehre durch wucherndes Unkraut, wo die Stimme der Wahrheit verhallte in dein Sturmwind und dem unaufhörlichen Wogenschlag eines ganzen MeereS von Leidenschaften, in dieser Zeit erstanden die katholischen Vereine. Gegenüber der Unzahl von Vereinen, die damals, wie Pilze nach einem Gewitterregen, aus der Erde aufschössen, nahmen sie eine Stellung ein, die sich sofort und in der bestimmtesten Weise durch ihre Grundlage, durch ihre innere Beschaffenheit, durch ihr Ziel von sämmtlichen damals bestehenden Vereinen und Versammlungen wesentlich unterschied. Die katholischen Vereine wurden getragen von einer ewigen, göttlichen Idee. Während allgemein in den Vereinen und Versammlungen die irdische Seite und diese dazu leider oft genug in der unreinsten Gestalt hervortrat, stellte der katholische Verein eine andere, eine höhere Seile dar und vermittelte, indem er sich auf dieser Grundlage constituirte, der Zeit Gesichtspunkte, welche sie aus dem Auge verloren hatte, und verbreitete ein höheres Bewußtseyn durch Deutschland, zu Nutz und Frommen nach Oben und nach Unten hin. In dem Wirrwar von Versammlungen aller Art trat jugendlich frisch ein Verein ins Leben, der keinen Anstand nahm, in öffentlicher Versammlung seine Mitglieder mit dem Gruße „Gelobt sey JesuS ChristuS" zu begrüßen. Das war lange nicht geschehen, weder von der Bureaukratie in ihren Sitzungen, noch von der Demokratie in ihren Clubbs. Es versammelten sich die edelsten Männer verdeutschen Nation in den kath. Vereinen: sie wurden sich ihrer Einheit und Gemeinschaft bewußt. Es vereinten sich die Kräfte und wurden stark durch ihre Verbindung. Die Schranken der Länder fielen, die Gränzen waren aufgehoben, die Nationalitäten verschwanden, die Geister verbanden sich. ES war ein freier Zug der Gedanken durch Deutschland. LS6 Während die Versammlungen der damaligen Zeit durchweg daS Bild einer chaotischen Verwirrung und Zerfahrenheit darboten und Einem überall der wilde Galerielärm in die Ohren tönte, entfaltete stch in den kath. Vereinen auf eine wohlthuende Weise das Bild einer vollendeten Einheit. Es staunte die auS den Fugen gerissene Zeit, eine Versammlung zu sehen, wo Einheit war; — man hatte die große Wahrheit kennen gelernt, daß nur auf Grundlage ewiger, göttlicher Principien eine Einheit zu erreichen sey. — Es versammelten sich Männer aus allen Theilen Deutschlands, und es bewies sich auf den Generalversammlungen, daß auch in Deutschland eine Einheit der deutschen Nation zu erreichen sey, welche Gränzen, Länder und Nationalitäten nicht zu stören vermögen. AIS man in Frankfurt die Einheit Deutschlands berieth, sah man aus den Generalversammlungen der kath. Vereine eine Einheit hergestellt in dem Einen Glauben und der Einen Liebe. Preußen, Bayern, Westfalen, Tyroler, Oesterreicher, alle Stämme der deutschen Nation reichten sich in ihren Vertretern die Hand und standen stch persönlich gegenüber, standen persönlich zusammen, alle von demselben Glauben, denselben Ueberzeugungen durchdrungen, durch dieselbe Liebe verbunden! Die Versammlung der deutschen Bischöfe zu Würzburg war die vollendete Einheit, dargestellt in den obersten geistlichen Würdenträgern; die Versammlung der kath. Vereine bot uns den wohlthuenden und erhebenden Anblick einer Verbindung dar, die selten geworden war, — die Verbindung zwischen Geistlichen und Laien zu Einem Zweck, zu Einem heiligen Wirken für Wahrheit und Recht, für daS Wohl deS Staates und der Kirche. Uno hätten wir daö Bisherige nicht gesagt und würden wir alles Andere verschweigen, schon unter diesem Gesichtspunkte erscheinen die kath. Vereine als eine Zeiterscheinung, oer man ihre Bedeutung nicht absprechen kann. War man doch längst gewohnt, das Wirken für Gotteö Ehre, in ächt burcaukrati- scher Auffassung, einem gewissen Ressort, nämlich dem geistlichen Stande in engster Beziehung, zu überweisen und sich nicht mehr als Glieder des Einen heiligen LeibeS der Kirche zu betrachten, deren jedeS seine Bestimmung und Aufgabe, nicht etwa blos auf Erden und im Staate, sondern auch für den Himmel unv die Kirche, daS Himmelreich auf Erden, hat. Daß man nicht blos Geistliche auf der Kanzel, sondern auch Laien auf der Tribüne über religiöse Fragen und göttliche Dinge reden hörte, ist ein Moment, daS man nicht zu gering anschlagen sollte; denn eS ist eine Thatsache, daß man vor dem Jahre 1848 kaum eine Gesellschaft, auch der Bestgesinnten fand, wo höhere und religiöse Fragen zur Sprache gebracht wurden. Laien, welche an den katholischen Bereinen sich betheiligten, trugen daS Samenkorn deS Guten auch weiter in ihre und die höheren Kreise, und namentlich diese Kreise wurden zum ersten Male wieder von einem Luftzug berührt, gegen den man bisher hermetisch stch abgesperrt halte. Laien fühlten sich geweckt durch Geistliche, Geistliche durch Laien; eS fand eine Wechselwirkung statt, welche von den wohlthätigsten Folgen begleitet war. ES bedürfte aber außerdem in damaliger Zeit außergewöhnlicher Kräfte; und indem Geistliche und Laien sich die Hand reichten, hatten sich die Kräfte gemehrt und die einzelnen Laien wurden die überleitenden Mittel, wodurch überhaupt die vielfach so sehr gestörte, zum Theil abgebrochene Verbindung mit den unmittelbaren von Gott gesetzten Organen der Kirche wieder angebahnt und hergestellt wurde. So wurden die katholischen Vereine ein Mittel in Gottes Hand, wodurch zuerst und im Allgemeinen eine Einheit und Vereinigung der Katholiken Deutschlands angebahnt, wodurch ein christliches, göttliches Bewußtseyn allseitig geweckt, wodurch auf die ewigen, höheren Principien hingewiesen wurde; eS wurde durch dieselben der Begriff von Kirche und Staat und die Stellung des Katholiken zu beiden Gewalten aufgehellt; eS wurde die Lehre über die von Gott gesetzte Obrigkeit mit Kraft gelehrt und in dieser Beziehung der Revolution mit Entschiedenheit entgegengetreten; es wurde mit Vorficht und Umsicht auch die Stellung deS Katholiken zum Episkopat hervorgehoben und in allen diesen Beziehungen dahin gestrebt, die richtigen Ansichten zu vermitteln, die verwirrten Begriffe 267 aufzuhellen. Wenn gleich die Zeit und Geschichte durch Thatsachen NieleS lehrte, wurden dennoch die katholischen Vereine die Organe, welche überall ihr Scherflein zu dem großen Werke beitrugen. — Es wurde aber nicht nur ein christliches, sondern mit Bestimmtheit und Klarheit ein katholisches Bewußtseyn geweckt; und mit der Erwachung dieses Bewußtseyns belebte, stärkte sich der Wille; erwachte die That: denn alles wahrhaft Katholische ist Leben und That, niemals bloßer Gedanke und leere Abstraktion. Und da eS sich im engern Sinne um daS Wohl Deutschlands handelte, so konnte der Verein an jener Frage nicht vorübergehen, worauf einzig und allein die Einheit und daS Heil Deutschlands könne gegründet seyn, und er sprach eS mit Ueberzeugung aus, daß die Einheit Deutschlands einzig in dem Einen Glauben könne gegründet werden und daß die socialen Uebel nur durch die katholische Liebe zu heilen seyen. Hier betrat der Verein das Gebiet seiner praktischen Wirksamkeit. Der BonifaciuSverein ist als Schöpfung des katholischen Vereins zn betrachten, und die großartige Ausbreitung der Vincenzvereine wesentlich seiner Thätigkeit zuzuschreiben. Von dem bischöflichen Sitze zu Mainz ging einstens die Einheit Deutschlands auS; in Mainz war die erste Generalversammlung. Der heilige BonifaciuS hatte durch den Einen Glauben die Einheit Deutschlands geschaffen; darum hieß der neu gegründete Verein Bonifaciusvercin. Die Zeit hatte sich die Aufgabe gestellt, den Unterschied der Stände gewaltsam im Wege cer Revolution aufzuheben; der katholische Verein betrat den Weg der Kirche: sie läßt die Stände, die Völker, die Nationalitäten bestehen und verbindet sie durch die katholische Liebe. Eine große Aufgabe bleibt noch zu lösen übrig; eS wird darauf ankommen, weitere praktische Resultate, wie die letztgenannten, zu erzielen. Möchte die Generalversammlung zu Münster dazu die Veranlassung bieten! Man wolle daher entschuldigen, wenn Schreiber dieses, ein Mitglied deS katholischen Vereins, auf einige Puncte aufmerksam macht, die der Generalversammlung Gegenstand einer ernstlichrn Berathung werden könnten, mit der bestimmten Tendenz zugleich, denselben, so viel möglich, eine praktische Folge zu geben. Wir setzen auf die erste Stelle: die katholische Universität, ohne darüber ein Wort hinzuzusetzen. Auf die zweite Stelle: ein katholisches Missionshaus zur Erziehung von Priestern, welche in protestantischen Gegenden wirken, um dem Bonifaciusvereine eine nachhaltige, dauernde und segensreiche Wirksamkeit zu vermitteln. Dann: die Knabenseminare, um allseitig darüber die richtigen Ansichten zu vermitteln, ihre Nothwendigkeit für die Zeit zur Heranbildung eines tüchtigen WeltkleruS, worauf im letzten Grunde daS religiöse Wohl Deutschlands, wie überhaupt aller Länder wird gegründet seyn, zu entwickeln und darzuthun, und zur kräftigen Unterstützung dieser Institute aufzufordern. Auf die vierte Stelle: die Marianischen Sodali täten und die Gesellenvereine in ihrem Verhältnisse zu einander. Ferner: die katholische Presse und der katholische Preßverein. Endlich: die christliche Kunst und die Kunstvereine. Wenn ich den letzten Punct hervorhebe, so brauche ich kaum anzudeuten, 868 weßhalb gerade die Generalversammlung zu Münster eine treffende Gelegenheit zur Besprechung dieses Gegenstandes bieten würde. Und waS wird Münster thun, dem die Ehre einer Generalversammlung der katholischen Vereine Deutschlands zu Theile wird? — WaS in seinen Kräften steht! — DaS ist unsere Hoffnung. Münster, den L7. Juli 18S2. _ (M. S.-Bl.) Das Fest des heiligen Petrus und Paulus. (Schluß.) Die eigentliche Feier deS TageS begann aber erst gegen zehn Uhr und bestand in dem heiligen Meßopfer, das der 259ste Nachfolger des heiligen Petrus, unser heiliger Vater Plus IX. mit allen Cardinälen auf dem Hauptaltare und also über den Gebeinen deS ersten aller Päpste darbrachte. Niemand wird es von uns verlangen, daß wir diese Feier beschreiben; denn demjenigen, der nie daran Theil nahm, vermag keine Beschreibung eine adäquate Vorstellung zu geben, und demjenigen, der dabei gegenwärtig war, wird der damals empfangene Eindruck immer lebendig bleiben. Wir beschränken uns deßhalb auf die Bemerkung, daß nach dem feierlichen Einzüge jn St. Peter der heilige Vater die Functionen bis zum Offertorium auf dem Throne vornahm und sich dann an den Altar begab, und diesen nach dem AgnuS Dei wieder verließ. Am ergreifendsten sind die Momente der Elevation und der Communion. Bei ersterer nämlich zeigt der heilige Vater, nachdem er selbst die heilige Hostie und später den heiligen Kelch knieend angebetet hat, dieselben nach allen Weltgegenden, — und wenn dann lautlose Stille die zu Boden gesunkene ungeheure Volksmenge ergreift und alles Militär in die Kniee fällt und theils das Gewehr präsentirt, theils die blitzenden Schwerter zu Boden senkt und eine sanfte Musik in der Höhe der Kirche vom fernen Eingange' her ertönt, da muß es selbst den kältesten Katholiken durchzucken und zieht es nicht selten den Protestanten auf den Boden nieder. Die heilige Communion aber nimmt der Papst nicht am Altare, sondern auf seinem Throne. Die heilige Hostie wird deßhalb von dem ministrirenden Cardinaldiacon, der dieses Mal der Cardinal-StaatSsecretär Antonelli war, nach einer nochmaligen Elevation nach allen Weltgegenden und unter Wiederholung der allgemeinen Kniebeugung zum päpstlichen Throne gebracht, wo der heilige Vater sie knieend anbetet. Nachdem auch der Kelch in gleicher Weise dorthin gebracht ist, solgt die Communion, bei welcher der heilige Vater unter den ministrirenden Diacon und Sub- diacon die Hälfte der heiligen Hostie theilt. DaS heilige Blut nimmt er nach dem alten RituS vermittelst einer kleinen Röhre. — Ferner hat das Pontificalamt deS PapsteS noch das Eigenthümliche, daß die Epistel und das Evangelium in der griechischen Sprache und griechischem Gesänge nach der Recitation des Lateinischen wiederholt werden. — Auf dem feierlichen Rückweg zum Thore der Kirche, bei welchem der Papst, mit der Tiara bekleidet, getragen wurde, hielt man ungefähr in der Mitte des WegeS inne, und der Generalprokurator deS Fiscus trat wieder vor Se. Heiligkeit und verlas laut eine Protestation gegen die Nichtzahlung deS Zinses von Seiten Sr. Majestät des Königs von Neapel. AIS König beider Sicilien hat dieser nämlich seit dem Jahre 1737 den dem heiligen römischen Stuhle gebührenden Tribut von 7VW Ducaten Gold, die alljährlich in einem silbernen Gefäße am Vorabende des TageS von St. Peter und Paul überreicht werden müssen, zu zahlen unterlassen, und seitdem findet alljährlich dieser feierliche Protest statt, den der heilige Vater durch eine lateinische Erwiderung bekräftigte. Mit einer feierlichen Vesper in St. Peter, welcher daS heilige Kollegium beiwohnt, und einem großartigen Feuerwerke auf dem Monte Pincio schloß die Feier deS ersten TageS. An dem folgenven, dem Tage der Commemoration des heiligen Paulus, fuhr der heilige Vater mit allen Cardinälen zu der auf dem Wege nach Ostia, eine Miglie von Rom, über dem Grabe dieses großen Apostels erbauten S69 Basilika und wohnte dort dem Hochamte bei, das immer ein dem päpstlichen Throne assistirender Bischof hält und dieses Mal von dem hier anwesenden hochwürdigsten Erzbischofe von München-Freysing gefeiert wurde. Nach Beschluß der Feier besichtigte Se. Heiligkeit die Fortschritte deS Baues dieses bekanntlich vor mehreren Jahren leider niedergebrannten Tempels und die Geschenke, welche der Kaiser von Rußland und Mehemed Ali in zwei Malachit-Altären und großen Säulen von Alabaster dazu gemacht haben. Die Feier der übrigen Tage der Octav deS Festes besteht darin, daß die Bruderschaften Roms verschiedene Kirchen besuchen, an deren Oertlichkeit sich besonders das Andenken beider oder eines von beiden Aposteln knüpft, und in welchen bei diesem Besuche ein feierliches Pontificalamt abgehalten zu werden pflegt. So begeben sich die Bruderschaften am dritten Tage nach der Kirche St. Pudentiana, dem früheren Hause des Senators Pudens, bei welchem der heilige PetruS während seines Aufenthaltes in Rom wohnte, und der Pontificalmesse assistiren die Protonotarii Apo- stolici. Am vierten Tage wird Santa Maria in Via Lata (eine kleine Kirche am Corso, worin der jetzt regierende Papst früher Canonicus war) besucht, in deren unter der Erde befindlichen Gewölben der heilige Paulus gefangen gehalten wurde, und die Uditoren der heiligen Rota leisten Assistenz. Am fünften Tage kommt die Reihe an St. Pietro in Bincoli, wo die Ketten, in welche der heilige PetruS geschlossen wurde, aufbewahrt und verehrt werden und sich die Kleriker der Camera einfinden müssen. Weiter am sechsten Tage begeben sich die Bruderschaften zu St. Pietro in Carcere, dem alten mamertinischen Kerker, worin PetruS und PauluS gefangen saßen. Der siebente Tag wird durch einen Besuch der in der Nähe von St. Peter gelegenen Kirche St. Pietro in Montorio gefeiert, die gerade an der Stelle, wo der heilige Petrus gekreuzigt wurde, erbaut seyn soll. Endlich am achten Tage verehren sie mit dem Senate deS römischen Volkes die beiden Häupter der Apostel, die in der Basilika des Laterans bewahrt werden. — Von allen diesen heiligen Oertern hat unser Interesse am meisten der alte mamertinische Kerker erregt, der sich am Fuße des CapitolS in dem tarpeischen Felsen befindet. Den heidnischen Römern diente derselbe zum Gefängnisse für schwere Staatsverbrecher, wie wir ja unter Ander», wissen, daß Jugurtha darin den Hungertod erlitt und die Mitverschwornen Catilina'S darin erdrosselt wurden. Nach der Tradition mußte auch der heilige PetruS in diesem Gefängnisse leiden uud rief auf sein Gebet aus dem harten Felsen eine Quelle hervor, mit deren» Wasser er die beiden Kerkermeister Processuö und Martinianus taufte. Diese beiden starben bald nachher den Martyrertod für Christus, und die Kirche feiert ihr Andenken am 2. Juli. — Jetzt ist über dem Kerker eine Kirche gebaut, aus der man mittelst einer schmalen Treppe in denselben hinabsteigt. Der Kerker selbst enthält zwei übereinanderliegende und in außergewöhnlich harten Felsen eingehauene Räume; man sieht noch die mitten in die Fußböden eingehauenen runden Löcher, durch welche die Gefangenen von oben in daS am tiefsten liegende Gefängniß gesenkt wurden; in letzterem fließt bis auf den heutigen Tag die merkwürdige Quelle und gibt sehr klares und wohlschmeckendes Wasser. Die Quelle selbst ist der Stein deS Anstoßes für alle Kritiker, die jene heilige Tradition nun einmal nicht annehmen wollen; denn wie läßt es sich denken, daß die Römer in dem tiefen Kerker für die schwersten Verbrecher eine Quelle gruben und denen, die sie am schärfsten züchtigen wollten, diese Wohlthat eines frisch hervorsprudelnden Wassers angedeihen ließen? oder eine wie ausfallende Erscheinung wenigstens ist diese Quelle inmitten des festesten Gesteins, daß man in einem Felsen nur finden kann! — Das römische Volk überläßt den Kritikern übrigens gern ihre Ansichten und deren Schwierigkeiten und die ganze Octav hindurch ziehen ganze Schaaren zu dem mamertinischen Kerker hin, nehmen an den öffentlichen Gebeten Theil, steigen in die Tiefe deS untersten Gefängnisses hinab und trinken aus der Quelle, die das Gebet Petri schuf und die zur Taufe von Märtyrern diente. „Selig, die nicht sehen und doch glauben!" (M. S.-BI.) »70 Aus dem Bericht des Missionärs Johann Koeianelc über die Fahrt ver »Stell« mstutins" von Dongola bis Chartum. ii^iu.L NZ7„!IZM Zo« ^!!-k'i!r))6 kssWÄHöö! ^,:>^!j,^'/ ^i? -i^!^ ^ 7 ' ^li-.-'o'i'M !!.!! Wien, im Juli. Am Montag war vom Segeln keine Rede; die Zieher hatten über die seichten Stellen zu helfen. Jeden Augenblick mußte dem Schiffe eine andere Richtung gegeben, eS oft zurückgeschoben werden, um zwischen den Felsen durchzukommen. Es war eine harte Arbeit; in fünfstündiger Anstrengung legten wir bloß hundert Schritte zurück, zuletzt standen wir zwischen zwei Felsen in dem Sand, wie eingekeilt. Die folgende Nacht war nicht angenehm, doch nicht gefahrvoll; obwohl heftiger Nordwind sauSte, bewegte sich daS Schiff nicht. In der Frühe trat Kälte ein, bei welcher Niemand in das Wasser sich wagte, auch keine Zieher sich zeigte». Der Sturm wüthete fort, so daß Jeder Zuflucht hinter einem Felsen suchte. Um eilf Uhr kgte sich der Wind elwaS und die Zieher fanden sich ein. Die eine Hälfte griff zu den Seilen, die andere Hälfte sprang in daS Waffer und hob mit Hebern; in einer Viertelstunde war daS Schiff frei. Nun ging es von Felsen zu Felsen. Einmal drohte daS Schiff, sich zu wenden, wogegen die Matrosen durch die Ruderstangc» eS bewahrten, indeß die andern daS große Seil an einem Felsen befestigten, um zu ziehen. So gelangten wir unter gewaltigen Anstrengungen und vielfachen Stößen am Abend auf ein freieres Wasser oberhalb der Insel Dobake. Auch am i0. März hatten wir gutes Wasser, aber entgegengesetzten Wind, der unS zum Landen nöthigte, wo wir nicht wollten. Für den N. stand der Schellal Bager bevor, vor diesem aber eine 3600 Schritte lange seichte Stelle. Wasser nnd Gelände wurden erst in Augenschein genommen. Um zehn Uhr begann die Fahrt. Die Schwierigkeiten bei jeder Wendung des langen Schiffes waren größer, als wir eS vermuthet hatten; doch bis Abends sechs Uhr war die „Stella mswtins« über alle gefährlichen Puncte hinaus und in den Strömungen von Schellal Bager angelangt. Trotz des SturmeS untersuchte daS kleine Schiff den AuSweg, den das große Nachmittags mit vollen Segeln zurücklegte. Um vier Uhr flatterten unsere Fahnen oberhalb deS vorletzten Katarakten. Der letzte ist derjenige von Homar. Für diesen waren Zieher auszunehmen. Sie fanden sich etwaö spät ein. Aber die öde Gegend zwischen den beiden genannten Katarakte» konnte bei eingeengtem Strom mit vollen Segeln zurückgelegt werden. Abends vier Uhr war auch der Katarakt von Homar mit seinen vier großen Strömungen gewonnen; bei großem Wasserstande ist er einer der gefährlichsten. AIS hierauf ohne alle Bedenklichkeit die Segel konnten aufgezogen werden, jauchzten die Matrosen: „Jetzt sind wir in Chartum." Von nun an ist das Wasser unergründlich, breit, mit schön bewachsenen Inseln und Ufern geschmückt. Gleich einem Sieger flog auf ihm das Schiff daher. Um jedoch mit einem wohlgeordneten, gereinigten Schiff vor Berbers Hauptstadt El Mucheiref zu erscheinen, ließ ich am 15. März an der fruchtbaren Insel Tamur landcn, Alles ausladen, das Schiff auSwaschen und Ketten und Stricke in Ordnung bringen. Ein mäßiger Gewitterregen vollendete unsere Arbeit. Doch ging am 16. bei Windstille die Fahrt langsam, erst am Abend erreichten wir EI Mucheiref. Kanin waren die üblichen Salven gewechselt, so kamen viele Vornehme, uns zu beglückwünschen. Unter diesen war Latif Pascha der Erste, der daS Schiff betrat. Er bezeugte, eö nie für möglich gehalten zu haben, daß wir in dieser Zeit so weit würden vordringen können. Er erwieS sich sehr zuvorkommend und ich mußte ihn täglich besuchen. Ohne alle Schwierigkeit stellte er mir zur Weiterreise die erforderlichen Schriften aus. Anhaltende Südwiude verzögerten unsere Abreise bis zum 20. März. An diesen, Morgen trat ein frischer Nordwind ein, und gleichsam in dem Bewußtseyn, alle Hindernisse besiegt zu haben, flog die „8tkIIs mütutinz" den breiten Strom hinauf. Der Schellal Omeltegur verdient im Vergleich zu den vielen frühern Katarakten kaum »71 diesen Namen. An dem Landungsplatz oberhalb desselben harrte unser eine Dehabie der Regierung von Chartum in der Absicht, eine Wettfahrt mit der unsrigen anzustellen. Anfangs Überflügelle sie uns, waS die Matrosen so in Wuth versetzte, daß ich sie kaum besänftigen konnte. Sie wollten nicht, daß ihr Schiff besiegt werde, vergrößerten daher in der Nacht die Segel, arbeiteten und reparirten, und bewirkten eS am folgenden Tage, daß sie den Gegner trotz angewendeter List, uns den Wind abzuschneiden, übersegelten. Am folgenden Tage war Windstille bei brennender Hitze; sie dauerte zwei Tage und machte wieder das Ziehen nothwendig. Dafür wütheten am 26. und 27. Windhosen, die in dieser Zeit wegen deS Windwechsels besonders stark und häufig sind. Sie drohten oft, die Segelstangen entzwei zu knicken, waS immer durch die Gewandtheit der Matrosen verhütet wurde. Am Nachmittage deS 27. begrüßten wir zum ersten Male wieder eine österreichische Flagge. Sie wehte von einem kleinen Schiffe, welches unS zwei Missionäre aus Chartum entgegenbrachte. Welcher Jubel! Er läßt sich in Worten nicht ausdrücken. Wir nahmen sie auf unser Schiff und landeten Abends in Halfaye, eine Meile unter Chartum. Wie am folgenden Tage der Provicar mit seinen Gefährten den-Ankommenden entgegenfuhr, haben die Leser aus seinem Bericht vernommen. Vier Monate und neunundzwanzig Tage waren verflossen, seit die Einen von den Andern sich getrennt hatten; vereint erreichten sie Chartum um eilf Uhr deS 29. März. Wohlthun trägt Zinsen. An einem der letzten Octobertage deS verflossenen Jahres kehrte der ehrwürdige Pfarrer von Derval, einem kleinen Städtchen der Bretagne in Frankreich, sehr ermüdet »ach seiner Wohnung zurück. Er hatte eiue arme Familie seines Kirch- sprengels besucht, welche krank und von allen Mitteln entblößt darnieder lag, und derselben das wenige baare Geld geschenkt, welches er sich durch strenge Selbstver- läiignung an seinem bescheidenen Einkommen erspart hatte. Auf seinen Stab gestützt wanderte er seiner Wohnung zu und dachte unterwegs mit Betrübniß darüber nach, wie gering seine Mittel seyen, um Gutes thun und das Elend und Unglück unterstützen und erleichtern zu können. Er hatte noch nicht die Hälfte deS WegeS zurückgelegt, alö er sich beim Namen rufen hörte und den Maire von Chateaubriand auf sich zukommen sah, dem ein Mann mit einer kleinen Kiste auf dem Kopfe folgte. Nach beiderseitiger freundlicher Begrüßung theilte sodann der Maire dem Pfarrer mit, daß sein Besuch ihm gelte und daß er ihm einen Brief von einem gewissen frühern Sergeant-Major, Carl F. einzuhändigen habe. Der gute alte Pfarrer erinnerte sich dieses Namens anfänglich nicht mehr, endlich aber fiel ihm bei, daß er einst einem Unglücklichen eine Wohlthat erwiesen habe, und daß dieß Wohl jener Sergeant-Major gewesen seyn müsse. Der Maire erkundigte sich nach dem Dienste, den der Pfarrer jenem Unterofficier erzeigt habe, da derselbe auö dem Auftrage, den er an ihn habe, zu schließen, groß gewesen seyn müsse, worauf ihm der Pfarrer nach einigem Widerstreben Folgendes erzählte: „Ende Augusts deS Jahres 1848 kehrte ich wie gewöhnlich Abends vom Besuche einiger kranken und armen Pfarrkinder nach Hause zurück; da erblickte ich nicht weit von unserm Städtchen entfernt einen jungen Soldaten, der mit verstörten Blicken und wilden Geberden dem tiefen und reißenden Fluß zueilte, der dort mit rasender Schnelligkeit durch jene Bergschluchten ins Thal niederstürzt. Ich hielt ihn an und sprach freundlich mit ihm. Anfangs gab mir der junge Mann gar keine Antwort, sondern suchte sich durch eine abwehrende Bewegung deS lästigen Fragers zu entledigen; da ich aber gegründete Ursache hatte, einen Selbstmord zu befürchten, fo hielt ich ihn fest, und nach vieler Mühe gelang eS mir auch, ihn zu bewegen, mit mir nach Hause zu kommen. Nachdem er sich in meiner Wohnung niedergelassen und ich ihn auf die freundlichste Weise um die Ursache seines Kummers befragt hatte, 87S gestand er mir endlich, daß er eine ihm in seiner Stellung als Sergeant-Major anvertraute Summe im Spiele verloren habe, und daß ilmi, um der Schande zu entgehen, nichts Anderes übrig bleibe, als seinem Leben ein Ende zu machen. Nachdem er mir dieses Geständniß abgelegt, brach er in Thränen und lauteö Schluchzen aus und wiederholte öfters: „Ach, meine arme Mutter! meine arme Mutter, wenn die es wüßte..." „Ich wartete, bis der junge Soldat ruhiger geworden war, und redete ihn dann mit Worten des Vorwurfes, aber auch zugleich der Ermahnung und des Rathes an, so wie nur ein Vater mit einem irrenden Sohne sprechen kann. Um aber nicht bloS ein leidiger Tröster für ihn zu seyn, gab ich ihm ein Paket mit 130 Franken, den Betrag der von ihm so leichtsinnigerweise verschleuderten Summe. „Es ist dieß beinahe mein ganzes Besitzthum, sagte ich zu ihm, aber mit Gotteö Gnade werdet Ihr von nun an ein anderer Mensch werden, fleißig arbeiten und mir einst, wenn Ihr es im Stande seyd, diese Summe wieder zurückgeben, die eigentlich mehr den Armen als mir gehört." ES wäre schwer, des jungen Soldaten Freude und Erstaunen zu beschreiben. Krampfhaft drückte er mir die Hand und sagte nach einer Pause: „Mein Herr, in drei Monaten läuft meine militärische Dienstzeit ab. Ich verspreche Ihnen hiemit feierlich, daß ich unter GotteS Beistand von dieser Zeit an fleißig arbeiten und ein ordentlicher Mensch bleiben werde." Mit diesen Worten nahm er das Geld, verließ mich, und ich ertheilte ihm noch meinen Segen. Zum großen Aerger meiner Schwester, die mir oft vorwarf, daß ich mein Geld an einen unwürdigen Menschen verschwendet habe, welchen wir nie mehr zu sehen bekommen würden, mußte ich nun freilich den folgenden Winter hindurch in leichtem, fadenscheinigem Rocke und dergleichen Hosen zubringen, auch bestand unsere Speise meistens nur aus Brod und Suppe, aber der Herr hat unS seine Kraft verliehen, und wir Haben's auch überstanden. Seither habe ich nichts mehr von ihm gehört." Unter der Zeit hatten die drei Männer die Wohnung des Pfarrers erreicht und waren in die kleine niedere Stube eingetreten. „Von diesem Carl F.", begann hier der Maire, indem er sich setzte, „ist vor zwei Tagen der Mairie von Chateaubriand ein Packet nebst einem Briefe mit der Bemerkung zugekommen, Beides sicher in Ihre Händ? gelangen zu lassen. Da eS mich nun daS Sicherste däuchte, wenn ich diesen Auftrag selbst übernähme, so habe ich mich heute auf die Füße gemacht, um mich desselben bei Ihnen zu entledigen." Der Mann, der die kleine Kiste getragen hatte, stellte dieselbe auf den Tisch. Sie war außerordentlich schwer. Der Pfarrer erbrach den Brief, der von San Fran-- cisco in Californien datirr war, und las: „Hochwürdiger Herr Pfarrer, edelster der Menschen! Hierbei überschicke ich Ihnen einen kleinen Beweis meiner ewigen Dankbarkeit zur Erinnerung an den 28. August 1848. Es sind die Erstlinge meines Fleißes im fremden Lande. Carl F . . ., ehemals Sergeant-Major im . . sten Regiment, jetzt Goldgräber in Californien." Das Kästchen wurde geöffnet; eS enthielt mehrere massive Goldklumpen, im Werthe von 12- bis 15,000 Franken. „Nannette," sagte der Pfarrer bei diesem Anblicke mit Freudcnthränen in den Augen zu seiner Schwester, „beurtheile mir nimmer auf so harte Weise einen reuigen Sünder. Unser unglücklicher Gast hat sein Wort hundertfältig gelöst. Nun, Gottlob! nächsten Winter soll eS meiner armen Gemeinde weder an Nahrung noch an Medicin mehr fehlen, und du, meine Schwester Nannette, wirft ein großes Quantum warmer Stoffe kaufen, worin sich die armen Männer und Frauen meines Kirchsprengels kleiden sollen. O, eö gibt wahrhaftig kein größeres Vergnügen als Wohlthun!" <ü i",zSni»,< uz ««nttMN -nn!».vdvM Äsoiims'k chi vck ? jj',n' i.' ,st?«,K?ux n'Ü ,vuk 'iim v«»j>p,5(iiM n!sw -!»»>, Ü>t!«7) ijUb? dvtllZt! lüri «ir>>« 2S. August M- SS. 185S. IM» ujv!l ^nuli^z^«.?!i!^>i^ n>iN!j »>i>!^l?ni^ Dieses Blatt erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der halbjährige Abounementsvrei» 4V kr., wofür es durch alle königl. bciyer. Postämter und alle Buchhandlungen bezogen werdeu kauu, »Sm^S liz^il/iliid muj .'" ' ' ^^'t" -7i.uz gn»ti,"ttZ,oiP znzasnsm?/ s»?!.l>t,',!'itS, 5Utt ttM, zjuNtinL.' It^mu^ ' j Ulttii» m I-'.'.' .Ä >A >- NüMh'i:- jjiü! ^ijiZ) ?i» «duo lNs^iiof °,a»5iiW 'nn:-'5>i'>,Zluivj«u»''" «5n!5 Böhme». Unstreitig geht eS in Böhmen wieder zum Bessern; man gehe auf der eingeschlagenen Bahn vorwärts und man wird die schönsten Erfolge erleben. Die Führer S78 aus den Wegen des Heiles umgürten überall straffer ihre Lenden und nehmen brennende Lichter in die Hand, damit sie den Ihrigen vorleuchtcn und so Alle den Valer im Himmel preisen. So erhebend eS ist, in allen Diöcesen Priestererercitien zu sehen, eben so erhebend ist cS, zu bemerken, wie bereits in allen Orden ein eifrigeres Leben sich zu regen beginnt, unv wie die meisten schon ihren erhabenen Beruf mit einem Ernst erfaßten, der an die Zeiten erin«ert. als das von der Schmach der Ketzerei und der Empörung tief gebeugte und in seinem eigenen Blule fast ertränkte Böhmen aufstand, unv die Siegesfahne deS Glaubens binnen fünfzehn Jahren an allen Orten aufpflanzte. Erst unlängst stand ich hart an der sächsischen Gränze an einem alten halvverwitterten Eichenstamm; eS ist der Rest eines Kreuzes, welches aufgerichtet wurde, als dort die ewige Wahrheit einen der großen Siege feierte. Die D'öcese BudweiS schien am schwersten sich aufraffen zu können, aber man muß auch bedenken, daß dort einer der Koryphäen deS> JosephiniSmuS bis in die letzten Zeiten lenkend an der Spitze stand und sein Nachfolger eine so kurze Zeit lebte, daß er nur Weniges zu Stande bringen konnte. Wie aber der gute Geist mächtig unter der Pricsterschaft waltet, ist dieses ein erfreulicher Beweis, daß sich auf den ersten Ruf ihres gegenwärtigen apostolischen Bischofs hundert vier und dreißig Priester zu den Exercitien sammelten, und überdieß die wenigen PaireS «Zisterzienser, auS Hohensnrth, welche als Professoren in der Stadt wohnten, diesem kleinen Hause die Verfassung eines strenggeregelten Klosters zu geben beschlossen. WaS die Benedictiner, Cister- zienser und Prämonstratenser rühmlichst anstreben, ist allbekannt, und der mächtige Stamm der Kreuzherrn will sich durch eigene Erercitien stärken und dann gemeinschaftlich berathen, wie auch er am Besten zur Ehre der Kirche mitwirken könne! Seine Aufgabe scheint eine große zu seyn, man erwäge dieses, wie ihn die Vorsehung in der letzten Zeit von Schlacken gereinigt hat, wie kaum einen zweiten Orten, und wie er die herrlichsten Kräfte in sich vereint, welche sich allseitig Achtung verschaffen. — Der biedere P. Provincial der Capucincr bereiset eben seine Häuser und überall kömmt man ihm mit kaum geahnter Bereitwilligkeit entgegen, die alte ernste Zucht, unter der daS Herz so frei und freudig schlägt, in Aufnahme zu bringen. Wenn ich der andern ehrwürdigen Orden nicht erwähne, so geschieht eS nur, weil ich darüber keine näheren Kenntnisse habe. In neuester Zeit haben sich die Societät Jesu und die Congregation des allerheiligsten Erlösers niedergelassen; die erste übernahm die Leitung deS KnabenseminarS in der Leitmerizer, die andern eröffneten ein Missionshaus in der Budweiser Diöcese. DaS Knabenseminar erwarb sich den Beifall selbst der Jesuitenfeindlichsten, und nachdem sich das dazu verwendete Schloß Politz als ungeeignet erweist, um die nöthigen Erweiterungen zu erzwecken, so wird Fürsorge getroffen werden, damit man aiidere Räumlichkeiten gewinnt. Die Missionen beginnen wieder den 15. d. M. Mit lobenswerthem GlaubenSmuth beginnt auch "'BudweiS Heuer noch ein Knabenseminar, und die namhaften Gaben, welche seit der erst kürzlich geschehenen Anregung deS Gegenstandes eingeflossen sind, sind ein« sprechender Beweis, daß der Budweiser KlcruS zu dem opferwilligsten Böhmens gehört. Die «rneuerte Lebensfrische macht sich auch in den Frauenorven überall bemerkbar. Die Elisabeihinen gründeten ein Waisenhaus, die Ursulinen nahmen sich der Zierde armer Kirchen an, die barmherzigen Schwestern bauen bereits das zweite Jahr an einem großartigen Noviziate, um größere Kräfte, die sich allseitig herbeirrängen, cm stch zu ziehen, und dadurch den vielen Arbeiten genügen zu können, die sich ihrem wohlthätigen Wirken allerorts darbieten, und neben dem Noviziate bauen sie zugleich ein Krankenhaus, welches für die Kleinseite Prags von größter Wichtigkeit seyn wird. Die Schulschwestern werden hoffentlich nicht mehr lange auf Hirschau beschränkt seyn, sondern sie werden bald in einem bedeutenden Institute nicht nur Gelegenheit zu einem umfangreicheren Wirken, sondern auch zur Erziehung ihrer eigenen Glieder finden. Und eS will uns gedünken, daß selbst die einstige leidige Bureaukratie minder störend in das segensreiche Wirken der Kirche eingreift. So sind die Zeiten, wo man Juden die Lieferungen von Hostien und Meßwein amtlich zuwies« wir hoffen «S L79 zu Gott, überwunden. In einem Statthalterei-Erlaß vom 26. April l. I. Z. 755k ist daS Geständniß abgelegt: „Die Fälle, daß die Reisekosten des technischen Personals mehr betragen, als die Kosten der betreffenden Bauherstellung selbst, sind leider zu häufig vorgekommen." Ein solches reuevolles mes culp» läßt auch Besserung erwarten. Anstatt sonstiger Noh- heiten, mit welchen man den Geistlichen Austräge gab, finden wir in einem Erlasse vom 6. März l. I. Z. 4072, Med. Z.: „die hohe Intelligenz des Klerus, namentlich deS katholischen," welche sich bei Verfassung der Rubriken abermals bewährt, rühmlich erwähnt, waS Einem so überrascht, daß man gerne den Umstand übersieht, daß eS ja nur bei den Katholiken einen KleruS gib». Der AlovsiuSverein wurde leider verboten. Wenig beachtet scheint zu werden, daß jedem fremden reisenden protestantischen Prediger in Teplitz und Karlsbad mit aller Zuvorkommenheit die Kanzel zu besteigen erlaubt wird, während unsere Missionäre mit vieler Vorsicht bewacht werten. Wir hoffen aber, daß der Wille unseres apostolischen Kaisers — der die Kirche freigegeben, auch von den fernsten Vollziehern deS kaiserlichen Wortes zur Beachtung gelangen werde. (W. K.-Z.) nncl , 7s?cjotz,W- shilkt) ' dv? ' pikä? : »gi4?ü«chm! mtt,!»s ,k»4i>chT mtdilzumtd? chilÄN!» tt5M>,ü«cho6 »'1 sik .»„in-lvvit^ 'n,MM-'ni mgi6utlO zick Misston in Abenbera. » Am 3l. Juli, Nachmittags vier Uhr, war eS, wo die hochwürdigen Patres Superior Friedrich KrupSki, Johann Nepomuk Oehler, Alois Mathoy und Theodor Schmude unter Begleitung der hochwürdigen Geistlichkeit und der Gemeindeverwaltung still in unsere Stadt einzogen» um auch da die heilige Mission zu halten. Noch am selben Abend um sechs Uhr eröffnete der hochwürvige Pater Superior die Mission mit einer vortrefflichen Predigt über die Bedeutung der heiligen Mission, nachdem zuerst der hochwürdige Herr Stadtpfarrer diese würdigen Söhne deS heiligen JgnatiuS mit einer gediegenen, kurzen Anrede vom Altare a»S begrüßt hatte, und alsdann der göttliche Geist vor dem hochwurdigsten Gute durch den HymnuS: „Veni ssnets Spiritus" angerufen worden. Am Schlüsse der Predigt setzte der P. Superior die Stunden für die während der acht Tage abzuhaltenden Predigten und sonstigen Andachtsübungen fest, und ermähnte daS Volk zu ernster und beharrlicher Theilnahme. Täglich wurden drei Predigten, meistens von der im Freien unweit des PfarrhofS errichteten Kanzel geHallen, und eS war rührend, nicht blos die Pfarrgemeinde selbst, sondern auch unzählige Fremde und unter diesen viele Andersgläubige von Nahe und Ferne mit wahrhaft heiligem Hunger sich zur Anhörung deS göttlichen Wortes täglich drängen zu sehen. Erhebend war die Theilnahme der beiden Pfarrgemeinden Obererlbsch und Theilenberg, welche am Donnerstag den 5. August mit ihren eifrigen Seelsorgern in feierlicher Procession einzogen. Aber besonders groß und unausgesetzt war die Theilnahme der Bewohner Spalts, deren frommen Wünschen, für Heuer noch die heilige Mission zu erhalten, leider nicht mehr entsprochen werden konnte. ES war nur eine Stimme deS Lobes und allgemeiner Zufriedenheit, welche man nach jeglicher Predigt von Katholiken und Protestanten hören konnte. Manche in Sünden und bösen Gewohnheilen Verhärtete sah man in sich gekehrt und tief erschüttert hineilen zum heiligen Bußgerichte, und mit heiterer, aber seliger Ruhe von dannen gehen. Die heilige Kraft und himmlische Wirkung der Mission zeigte sich aber ganz besonders am Schlüsse derselben, welcher am 9. l. MlS. staltfand. Der letzte Tag der heiligen Mission begann mit der Predigt über daS Fegfeuer und über die Hilfe, die wir den darin befindlichen armen Seelen leisten können — eine Rede, vortrefflich in jeder Beziehung, welche kein Auge trocken ließ und der sogar zwei Israel iten mit der gespanntesten Aufmerksamkeit beiwohnten. Darauf feierliches Requiem und Bibers für alle auö der Pfarrei in Golt Entschlafenen. — Nachmittags drei Uhr hielt der hochwürdige Pater Superior die herzliche und ergreifende Schlußpredigt vom heiligen Kreuze und nach derselben Weihe der L80 Medaillen, Rosenkränze u. s. w. nnd Ertheilung des päpstlichen Segens. Hierauf bestieg der Herr Generalvicar die Kanzel und hielt über den Text „Ehre sey Gott in der Höhe" u. s. w. eine alle Herzen rührende Dankrede, worin er auch in den eindringlichsten Worten zur Beharrlichkeit ermähnte. — Unmittelbar hierauf folgte die Einweihung deS MissionSkreuzeö, dem die zahlreich anwesende Geistlichkeit ihre fromme Verehrung widmete. Den feierlichen Schluß der ganzen Mission bildete eine Procession mit dem Allerheiligsten durch die Straßen der Stadt; getragen wurde dasselbe vom Herrn Generalvicar, dem die hochwürbige Geistlichkeit und zahlloses Volk andächtig sich anreihte. — Nach der Rückkehr in die Kirche „?e veum" und Segen. — Kurz nach Rückkehr der ehrwürdigen Väter in den Pfarrhof erschienen zahlreiche Jünglinge und Jungfrauen, die während dieser Zeit in Bündnisse sich hatten aufnehmen lassen, um den hochwürdigen Vätern ihren/innigsten Dank für die in den StandeSprevigten ihnen gegebenen Lehren und Mahnungen abzustatten. Abends kam auch die Gemeindeverwaltung. Später erklangen die lieblichen Töne einer Serenade. — So schlössen sich diese für die Bürgerschaft AbenbergS denkwürdigen, wahrhast segenSvollen Tage. Noch einmal, kurz vor ihrem für die Bewohner AbenbergS schmerzlichen Scheiden, feierten die hochwürdigen Väter das heilige Meßopfer, dem die Gläubigen in dichten Massen beiwohnten. AlS die hochwürdigen Väter endlich schieden, blieb kein Auge thränenleer, besonders als Pater Schmude nochmals Jedem, so weit'S geh'n konnte, herzlich die Hand drückte. ES war eine Scene wie damals, als der hl. Paulus in Milet von den Aeltesten Abschied nahm. (V.B.) «Il)M7Z?!»Mzm!iN 7?6 Sini Michillsjzt«) ^HiZülMcha(! Z'^c ftlluii»IghG 7öinu Zi-sumchI .»!>>!,i(! uz A-zisjiM zM'^Z hj-z Hl,» nm , li^vziii!»-i-wtK ii^Ntt «i llikj miul ' Gehorsam. ,n6Hi,l^ nzjjiji^! nnlttlt'AiA ?)6Ä».ip>?^A 7).'iiz lim Mjtt'iE Vor Kurzem starb zu Paris, wie Manchen vielleicht bekannt seyn wird, der Graf Julius de Mornay im Hotel des Marschall Soult. Eine barmherzige Schwester saß am Fuße deS Bettes des Grafen Mornay, dem sie ihren Beistand mit wahrhaft christlicher Sorgfalt und Hingebung angedeihen ließ. Die Schwester war ein Märchen von zweiunbzwanzig Jahren, in der vollsten Blüthe deS LebenS. Der s Graf lag im Sterben. Die barmherzige Schwester sah ihn mit Thränen an. Plötzlich schlägt die Pendeluhr im Gemache halb neun. Die Schwester erhebt sich, neigt sich nochmal schluchzend über die Stirne Des Sterbenden und schickt sich an, zu gehen. — Meine Schwester — ruft ein Priester, der am Bette deS Sterbenden betete — was macht ihr? Ich muß gehen — entgegnere daS Mävchen, in Thränen schwimmend. — Bleibt doch! Ihr werdet doch Eurem Vater die Augen schließen. — Nein, entgegncte die Schwester. Meine Ordensregel gebietet mir, um neun Uhr im Kloster zurück zu seyn. Ich muß gehorchen, der Schmerz, den ich mitnehme, wird mein Opfer und meinen Gehorsam um so verdienstlicher machen. Wieder umarmte sie ihren Vater, der dieses letzte schmerzliche Lebewohl gar nicht fühlte und entfernte sich unter Gebet und Thränen .... Der Graf Mornay starb noch in derselben Nacht. DaS Mädchen war Louise von Mornay, Enkelin des Marschalls von Dalmatien, die vor etwa vier Jahren Novize wurde, und jetzt barmherzige Schwester im Spital von Enghien ist, daS von der Herzogin von Aumale in dem Faubourg Samt Antvine gestiftet worden. Sie konnte 100 000 LivreS Renten haben und zu ihrem glänzenden Wappen ein zweites, eben so glänzendes hinzufügen. Sie hatte eö aber vorgezogen, „Schwester Louise" zu heißen und ihre schöne Jugend der sorgsamen Pflege unbekannter Menschen zu widmen, die in Spitälern von einem traurigen Leben Abschied nehmen. 1.7»^»I, .,,>f7v "I7«7? ,« , ?^>iu^iilil> 7j)zj H7 fl)iiss«il!':(.' ,?!ZZ^ ZNIZ n.'tl .»Mn^-ttisa tj'iintt-MilHü« ,i'.'!'--,z,inv!t criu -klchsui?) N'.-tH in z?'l?>W ,ü; oüxli^ ),!!! i!i'»i,>j>-»tl Äldttnk? juv?r.E _^_—____ Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. Verlags-Jnhaber: F. C. Kremer. Zwölfter Jahrgang. Sonntags-Beiblatt zur Augsburger PoMtung. 5. September SV. 185S. __,- Dieses Blatt erscheint regelmäßig alle Tonntage. Der halbjährige Abouuementsvrel« Tl> kr., wofür es durch alle köuigl. bayer. Postämter und alle Buchhandluugeu bezöge» werdeu kauu. Unsrer lieben Frauen Mantel. Eine Erzählung in sieben Lectionen über das Salve Negina. Erste Lection: „Sey gegrüßt, o Königin, Mutter der Barmherzigkeit!" Mein Sohn, mein Sohn, sprach betrübten Sinneö der eisgraue Buchbinder Falzmann, wie befremden mich deine Reden! Es ist wahr, du hast in Golha, Braunschweig, Paris und Lyon viel Neues in unserer ehrbaren Kunst profitirt, aber lieber wär'S mir beinahe, ich hätte dich zu einem alten, ehrlichen Meister in Mariazell, All- Oetling oder Einsiedeln geschickt, obwohl du wenig Lust bezeigt hast, an so lustbarliche Orte dich zu begeben, wo die Buchbinder auch ihren schönen Antheil haben an der Beförderung des Seelenheils, und beim Falzen und Heften lauter herzliche Gebete und fromme Lieder vor Augen sehen, auch die hochlheurcn Namen Jesu und Mariä bei jeder Deckelverzierung.— Der Sohn erwiderte und sprach mit guter Manier: Vieles, Vater, ist übertrieben; vieles ist und bleibt übertrieben. Ja freilich, mein Sohn, fuhr der Alte fort, sehr vieles ist übertrieben; besonders in den Büchern, die du gelesen haben magst, anstatt sie lediglich nur einzubinden, oder lieber, statt sie weder zu lesen noch einzubinden. Glaube mir, eS ist immer eine Art von Verantwortung bei solchen Büchern, denen der Autor einst zurufen wird: ach, hätte ich euch nicht geschrieben! der Buchdrucker: ach, hätte ich euch nicht gedruckt! der Leser: ach, hätte ich euch nicht gelesen! Und wie wird dann zumal der Buchbinder rufen? Denn blieben alle bösen Bücher ungebunden, so würden sie wenig Schaden stiften; nun aber kommen Eleganz und Lurus noch hinzu und geben dem Buche ein schmuckes, reizendes Kleid, damit nur ja gewiß jeder das übertünchte Grab öffne und vom TodeS- qualm sich betäuben lasse. Ist daS nicht übertrieben, mein Vater? — Nein, mein Sohn, im Mindesten nicht. Von dir vielmehr ist'S übertrieben, daß du darüber dich ereiferst, wenn ich diese Marianischen Gebet- und WallfahrtSbücher fein und nett eingebunden haben will. Ich habe eS immer so gehalten und du wirst mich keines Bessern belehren. Nützliche Bücher bindeich fest, Romane binde ich gar nicht, auf Schulbüchlein verwende ich Holz, auf christkatholische Erbauungsbücher aber geziemt sich Gold, und auf Marianische Bücher daS U mit der goldenen Krone darüber, auf daß der christkalholische Mensch, wie er daS Büchlein zur Hand nimmt, sogleich gedenken möge: „Salve Negina, sey gegrüßet, o Königin." Aber, bester Vater, wie ist'S dann möglich, daß Sie bei der splendiden Arbeit für so schlechte Preise bestehen können? — Mein Sohn, wollest dich deßhalb nicht in Sorgen setzen! Denn diese große Königin, der ich zu dienen mich bestrebe, ist mächtig und reich genug, um meine Armuth zu segnen, wenn du anders eS verstehst, wie solch eine gesegnete Armuth unendlich besser sey, als Reichthum ohne Segen. Sie ist ") Mit einigen Aenderungen den „Oelzweigen" von 5320 entnommen. .ynvh-^!lI82 ssy,^ auch eine Königin und Mutter der Barmherzigkeit, die aufs dankbarste sich erweiset, wo man ihren geliebten Kindern etwas zn Liebe thut. Deßhalb sendet Sie mir Arbeit vollauf, aus allen Ortschaften und Kanzleien in der ganzen Gegend; ja selbst unsere durchlauchtigste Frau, die verwittwetc Fürstin, bringt jedes Jahr, wenn sie ihr hiesiges Schloß bezieht (und sie wird wohl heute wieder hier ankommen), ihre rohen Bücher mit hierher, um selbe mir gemeinen Landbuchbinder anzuvertrauen. DaS ist allerdings viel Gnade, sagte der junge Falzmann; und da wird wohl keine Frage seyn, welcher von beiden Sie mit größerm Eifer dienen werden, der Königin ober der Fürstin? — Lächelst du, lächelst du? rief der Alte, mit edlem, väterlichem Zorn hart vor ihn hintretenb; treibst du solchen Scherz? Entweder spricht der Unglaube aus dir, oder jene elende Gleichgiltigkeit, die hoch über Alles zu schweben meint, während sie mit ihren bleiernen Flügeln immer tiefer hinabsinkt. Ja, ich rühme mir die edle, gütige Fürstin, aber auch sie demüthigt sich vor der großen Fürstin, der Königin des Himmels und der Erde, auS welcher der Gottmensch wollte geboren werden. — Aber warum so zürnen, mein Bater? — Mein Sohn, weil du keine größere Schmach mir anthun kannst, als wenn du zu den Fahnen jener Leute dich gesellst, welche der göttlichen Liebe den Rücken wenden und das Reich Gottes als widerspenstige Narren bekämpfen, und nicht aushören, mit hochtrabenden Worten sich laut zu machen, bis daS Wort deS LebenS in ihnen verstummt, oder mancherlei Bücher zu schreiben, bis ihr Name auS dem Buche deS LebenS für immer ausgelöscht wird, oder mit besonderer bösartiger Vorliebe so lange gewisse Bücher prächtig einzubinden, bis sie von dem himmlischen Einbande der Gemeinschaft der Heiligen ausgeschlossen werden. Ach, mein Sohn, haft du die Worte unseres Heilandes nie gehört: Glaubet ihr an Gott, so glaubet auch an Mich! Daran reihet sich noch ein anderer Satz: Glaubet ihr an Jesum Christum, so glaubet auch an die allerseligste Jungfrau Maria. Wer Jesum nicht glaubet, obschon er von Ihm weiß, von dem erkühne ich mich zu . zweifeln, ob er an Gott glaube, oder ob jener Gott, den er bekennet, Gott sey, und nicht ein bloßer Abgott, oder ein schaler und kahler Begriff. Und wer an Maria, die göttliche, jungfräuliche Mutter, nicht glaubt und sie nicht verehrt, von dem getraue ich mich zu behaupten, daß er auch an Jesum Christum nicht glaube. Was erfrechst du dich also zu scherzen? Ist Christus der König der Könige und der Herr der Herrschenden, so wird seine glorreichste Mutter doch wohl eine Königin seyn? und ist in Christo die volle und herrliche Erweisung der göttlichen Barmherzigkeit, wer dann wird Maria wohl seyn, als die Mutter der Barmherzigkeit. Gewiß, mein Batcr, antwortete der junge Falzmann, ich wüßte nichts dagegen einzuwenden. Ich bewundere vielmehr Ihre geistliche Beredsamkeit, und überzeuge mich, daß Sie nicht ohne Frucht so viele Gebetbücher eingebunden haben; sind Sie doch selber schon ein lebendiges ErbauungSbuchz so recht nach alter kernhaster Form mit > festem Beschläg und gewichtigen Deckeln. Aber die Moden ändern sich ja, so auch die Titel, die Redensarten, die Andachten. Ich habe draußen zwischen der Elbe und der Ober ein Buch eingebunden, da hieß Maria ein Ideal hoher Weiblichkeit; sollte daS dem neuern Geschmack nicht angemessener seyn, als der Ausdruck: Königin? Aber, Herr JacqueS, wie reden Sie da? rief der ehrsame Lebkuchenbäcker Pankraz, der eben nachbarlich hereingctreten war; sind Sie auch einer von Denjenigen? Sieh' doch diesen jungen Herrn JacqueS! Auch meiner Pepi hat er schon solches Zeug vorgeschwätzr; allein waS soll daS heißen? DaS Muttergottesbild in meiner Stube ist ihm zu schwarz und die Krone darüber will ihm gar nicht gefallen. Ei Sie ärgerlicher Herr JacqueS, ich will'S Ihnen nur rund heraussagen; nehmen Sie sich an Ihrem Vater ein Muster! Sagen Sie'S ihm, älter Herr, sagen Sie'S ihm, oder warten Sie, ich will'S ihm selber sagen, und wenn er mein Sohn wäre, müßte ich ihn nebenbei noch prügeln, Gott verzeih mir'S. Herr Pankraz nahm Platz und redete des Weitern also: Eine Königin ist die glorwürdigste Jungfrau, ja allerdings eine Königin und Alles muß ihr dienen. WaS ich aber jetzt sagen werde, steht zu Hause in meinen alten Büchern. Sie ist die AuS- erwählte deS ganzen Menschengeschlechtes, eine Königstochter auö dem Hause David, S8Z die geliebte Tochter des Allerhöchsten, die königliche Mutter des großen Königs, zur Mutter allen Menschen gesetzt durch die letzten Worte deS Erlösers; sie ist die Mutter der schönen Liebe, wie die beilige Schrift sie nennt; sie ist die jungfräuliche Mutter Jesu, braucht eS der Worte noch mehr? Sie ist auch eine Königin der Engel; denn eS ist billig, daß diejenige über alle himmlischen Heerschaaren erhoben sey, welche daS ewige Wort, der Herr der Heerschaaren, zur Mutter und Mittlerin erkoren. Sie ist auch eine Königin ver Patriarchen, sintemal in ihr allein alle göttlichen Verheißungen erfüllet wurden, auf welche die Patriarchen gehofft haben. Sie ist auch eine Königin der Propheten, denn sie und ihres Leibes gebenedeite Frucht haben alle Propheten verkündet, so wie sie selber die wundersamste unter den Sehern war, da sie weissagte und sprach: Selig werden mich preisen alle Geschlechter der Menschen. So ist sie auch eine Königin der Apostel, denn sie war ja die Arche deS Bundes, zu welchem deS Evangeliums Freudenbotschaft alle Menschen berufen hat. Sie ist ferner eine Königin der Märtyrer, denn sie war eS vor Allen und mehr als Alle, die Zeugniß gab von Jesu dem Gekreuzigten, stehend bei ihrem Sohne am Kreuzesstamme, vom Schwert daS Herz durchbohrt, gleichwohl stehend in unerschütterter Glaubenskraft. Sie ist eine Königin der Beichtiger, denn sie war eö, die allen Bekennern Jesu voranging, da sie sprach: AlleS, was Er euch sagen wird, daS thut. Sie ist eine Königin der Jungfrauen, denn ihr, der Jungfrau, ward vor Allen die Gnade, ein Tempel deS heil. Geistes, eine Wohnstätte der ewigen Weisheit zu seyn. Sie ist zugleich eine Königin aller Heiligen, denn nur Einer ist heilig und die erschaffenen Geister durch Ihn, und dieser ist ihr göttlicher Sohn, dem sey die Ehre in Ewigkeit. — Wahrhaftig, sprach Herr Jacques Falzmann, jammerschade ist'S, daß Sie, ein Mann von so lebhaftem Geiste und gutem Gedächtnisse, Ihr Leben bei der teigigen Hand« thierung verkneten mußten. ES geht Ihnen darin wie mir; auch ich bin zu etwas Bessern, als Kleister und Pappe geboren. — Purer Hochmuth, Herr JacqueS, entgegnete der Leb- kuchenbäckcr, pure Eitelkeit; unser Gewerb ist ein ehrsameS Gewerb, und eS kommt nicht darauf an, wer man ist, sondern wie man ist. Aber, mein leichtfertiger Hr. JacqueS, warum springen Sie mir von der Hauptsache ab? Umsonst bin ich nicht da hereingekommen, der Teig, den ich jetzt kneten will, ist eben kein Honigteig, sondern eS ist die sogenannte bittere Wahrheit dabei, lautend also: Wenn Sie, mein vortrefflicher Herr JacqueS, als meines ehrlichen und geliebten Nachbars Sohn, mit meiner Pepi in geziemendem Umgang bleiben wollen und dieses gute Kind Ihnen wohlaefällt, wie sollte ich etwas dagegen baben? Aber ich habe viel dagegen, maßen ein junger Mensch nach der heutigen Welt, der die allerscligste Jungfrau nicht würdiglich zu verehren sich befleißiget, in Anbetracht einer solchen Bekanntschaft ärger denn ein reißender Wolf zu fürchten seyn thut. Von dannenhero mir, als einem BürgerSmann aus der alten Schule, nichts erübriget, als Ihnen die freie Wahl an die Hand zu geben, entweder von jetzt an die glorwürdigste Zungfrau von Herzen zu verehren und in dieser Verehrung mit Wort und That zu verharren, oder mein HauS und jedes Wörtlein mit meinem Kinde für immer zu meiden. Diri, und der Herr Nachbar sind damit einverstanden. — Schätzbarster Hr. Pankraz. erwiderte JacqueS; ich verwundere mich über Ihre edle Simplicität. Denn könnte ich mich, wenn'S mir darum zu thun wäre, nicht so gebärden und anstellen, als wäre mir'S ganz ernst mit der gewissen Andacht, die Sie meinen, ohne doch etwas Anderes zu seyn, als ein niederträchtiger Heuchler? — Bester Hr. JacqueS, entgegnete Jener, daS ist so leicht nicht, als Sie glauben; habe ich nicht gesagt: mit Wort und That? Etwa wie Sie in Gegenwart einer mächtigen, gütigen und weisen, gleichwohl irdischen Königin sich betragen möchten: bescheiden, anständig, sittsam, ergeben, aufmerksam, so und bei weitem noch inniger muß ein Diener der Himmelskönigin seinen Wandel führen.— Schön, sagte JacqueS; ich bin's also zufrieden und will mich verhalten, wie eS Ihnen gefällig ist. — Brav, mein Liebster! daS war ein herzhafter Entschluß. Nun wohlan denn, wir wollen vorläufig mit Worten den Anfang machen und der Königin unsere Verehrung darbringen, sprechend: Hochgelobt und gebenedeit sey die allerscligste Jungfrau Maria. Sagen Sie eS nach, Hr. JacqueS, sagen Sie eS nur frisch heraus! Nun, will'S nicht werden? He, Hr. Jacques, wo fehlt'S denn? DaS RedhauS ist ja sonsten recht gut bestellt? — Sprachorgan sagt man, erwiderte JacqueS, und nicht RedhauS. — Meinet, wegen, rief Hr. Pankraz, aber warum den Gruß nicht nachsprechen, wie? — Hm, versetzte 284 JacqueS, bin ich denn ein Kind, um nachzubeten oder nachzulallen? — Selig sind die Kleinen, Hr. JacqueS, selig sind die Kindlein in der Kindschaft GotteS. Nun wohlan, nur frisch: Gelobt und gebenedeit--Ich weiß nicht was Sie wollen! sprach der junge Mann entrüstet; soll ich mich etwa wie ein Schulknabe behandeln lassen? Sind daS nicht alter Weiber Possen, die Sie mit mir treiben? — O mein Hr. Jacques, entgegnete der Lebkuchcn- bäcker und hob bedenklich den rechten Zeigefinger in die Höhe) o wie traurig ist mir die Ueberzeugung, daß ich keinen ungegründeten Verdacht im Herzen hege; weiß ich denn nicht, daß es Leute gibt, welche die süßen Worte „allerseligste Jungfrau Maria" ohne eine Art von innerlichem Verdruß, ohne eine Art von hämischer, aberwitziger Vornehmthuerei nicht aussprechen können? Begreifen kann ich'S nicht, wie daS zugeht, aber wahr ist's leider! ES bleibt dabei, Hr. JacqueS, Sie unterstehen sich beileibe nimmer, meine Pepi anzusprechen ; Sie kommen mir ja nimmer inS HauS, bevor ich von Ihrem Vater nicht ein Besseres erfahre! — Recht, Hr. Nachbar! sagte der alte Falzmann und schüttelte ihm die Hand, so ist'S Recht! Der junge Falzmann aber ging, um seinem Verdruss« Luft zu machen, an die Presse hin, schrob sie aus'S gewaltigste zusammen und murrte dabei: So weit gehen Vorurtheile! Erfahrungen eines katholischen Geistlichen in Wien. Geschildert in harmlosen Briefen. (Oesterr. Bolksfreund.) 1. Die Hochzeiten. Theuerster Freund! Wenn ich Dir in diesen Zeilen mittheile, waS ich seit meiner priesterlichen Wirksamkeit in der großen Stadt Wien BeachtenSwertheS unter den Leuten gesehen, gehört und erlebt habe; so glaube ich nicht bloß Deinen Wunsch zu erfüllen, sondern ich folge auch dem Dränge meines eigenen Herzens. Um Dir aber meine Erfahrungen nach einer natürlichen Reihenfolge zu schildern, und Dir ein klares Bild von dem sittlichen Zustande der Bewohner Wiens zu liefern, will ich Dir zuvörderst die Geschichte der meisten Wiener von ihrer Geburt erzählen; denn Du weißt, daß unsere Geschichte früher anfängt als unser Leben. Mit einem Worte: Ich werde Dir zuerst meine Beobachtungen über den Eintritt in den so wichtigen Ehestand mittheilen. Von den Tausenden, die nicht verehelicht, und dennoch Väter oder Mütter sind, will ich gar keine Erwähnung machen. Leider kann ich Dir aber auch von denen, die durch daS Band der christlichen Ehe mit einander vereinigt werden, nicht viel GuteS schreiben, ich muß vielmehr gestehen, daß ich bei dem Anblicke eines Brautpaares in Wien meistens von Mitleid bewegt, und von Besorgniß erfüllt werde. Die meisten unserer Brautleute nämlich wissen oder bedenken gar nicht die hohe Bedeutung dcS Schrittes, den sie unternehmen. Du würdest, lieber Freund, gewiß sehr bedenklich den Kopf schütteln, wenn Du einem Brauteramen beiwohnen möchtest, denn Du würdest sehen, daß die Meisten entweder gar Nichts von der heiligen Religion gelernt, oder daö in der Jugend Gelernte bereits wieder ganz vergessen haben. Manche können nicht einmal die zehn Gebote GotteS Herabsagen, geschweige erst, daß sie den Inhalt oder Geist derselben verständen. Ferner ist die Absicht, aus der die Leute in den Ehestand treten, gewöhnlich nicht rein. Auf Tugend und Frömmigkeit wird bei der Wahl eines Lebensgefährten nicht gesehen, sondern nur auf die anmuthige Gestalt, auf die blendende Larve, oder WaS noch unwürdiger ist, aufS Geld und auf daS Emporkommen in der Welt. Die Persönlichkeit wird häufig nur als Nebensache, und daS einträgliche Geschäft, daS große Zinshaus oder die mächtige Empfehlung als Hauptsache betrachtet. Wenn aber schon die Absicht, aus der man in den Ehestand tritt, nicht gebilligt werden kann, so läßt eS sich leicht denken, daß beim Eintritte selbst auch nicht Alles beobachtet wird, waS die heilige Religion den Brautleuten empfiehlt. Jene EhcstandSkandidaten z. B., die vor ihrer Trauung so wie Tobias und Sara im alten Bunde längere Zeit hindurch » 885 Gott inständig um Schutz und Segen anflehen, dürften in Wien sehr selten seyn Zum Gebete nimmt man sich bei solch' einem Vorhaben keine Zeit, sondern nur zum Nähen, Sticken und Stricken, damit man nur recht kostbar oder zierlich aufgeputzt zum Altare binschreiten und schon auf der Straße einer zahlreichen gaffenden Schaar eine Augenweide verschaffen kann. Zwar verrichten die meisten Brautleute vor der Trauung die heilige Beicht und Communion; allein ob der Empfang dieser heiligen Sacramente würdig sey, daS wird dem Allwissenden bekannt seyn. Mancher Bräutigam aber und selbst manche Braut erspart sich die heilige Beicht und Commu- nion ganz; denn der Veichtzettel, den man vor der Trauung beibringen muß, ist in Wien auf mancherlei Art und Weise zu haben. Eben so pflegt man in der Residenz nicht so, wie auf dem Lande, am Tage der Trauung einem feierlichen Hochamte, ja nicht einmal einer stillen heiligen Messe beizuwohnen; eS herrscht vielmehr der sonderbare Gebrauch, die Trauungen Nachmittags vorzunehmen. Blos die armen Leute, die ganz unbemerkt getraut werden wollen, erscheinen Morgens vor dem Altare; die Vermöglichen hingegen, die mit Pomp daherfahren, wählen sich eine Abendstunde. Leider vermißt man bei den Brautleuten aus den niedern Volksklassen nur zu häufig den Kranz der jungfräulichen Reinigkeit auf dem Haupte; die Höhern und Reichern hingegen sind meistens mit einem zierlichen Kranze versehen, weil ihnen die Welt eben nichts UebleS nachweisen kann. Ist endlich die Trauung vorüber, so verfügt man sich gewöhnlich in irgend ein renowirteS GasthauS, wo in einem dazu eigenS vorbehaltenen Locale ein theures HochzeitSmahl eingenommen wird. Natürlich läßt Niemand bei solch' einer Gelegenheit auch nur die geringste Traurigkeit merken; oder wenn dieses bei Jemanden der Fall ist, so ist eS etwa bei der Braut oder beim Bräutigam, da diesen vor der Zukunft denn doch ein wenig bange ist. Die Gäste hingegen sind reckt lustig, und voll Witz, auch sprecken sie den Speisen und Getränken tüchtig zu. Du kannst eS Dir jedoch leicht denken, daß Jesus und Maria, wenn sie jetzt noch auf Erden wandelten, selten einer Hochzeir in Wien beiwohnen möchten; denn die heutigen Hochzeitsfreuden sind nicht von der Art, daß der heiligste Gott« mensch und seine jungfräuliche Mutter, so wie einst zu Cana in Galiläa daran Theil nehmen könnten. Eben deßhalb aber folgt auf die HochzeitSsreude oft sehr bald ein arger EhestandSjammer, die Noth nämlich bricht herein, weil man, von der Haushaltung wenig versteht, und sich nickt einschränken will. Zu der Noth gesellt sich die wechselseitige Unzufriedenheit, und daraus entspringt mit der Zeit eine völlige Abneigung gegen einander. Du kannst es mir glauben, daß in Wien weit mehr unzufriedene und unglückliche Eheleute leben, als zufriedene, glückliche. UebrigenS weiß sich daS Volk, wenn eS ihm nicht recht zusammen geht, gleich zu helfen. An die Unauf- lösbarkeit deS katholischen Ehebundes nämlich, und an das große Sacrament, welches man empfangen hat, wird nicht gedacht; sondern so leichtsinnig, wie sich die Leute mit einander verbunden haben, so leichtsinnig laufen sie auch von einander fort, ohne erst dem Pfarrer oder einem weltlichen Vorgesetzten etwas davon zu sagen. Nach allem dem wirst Du mir eS wohl zugeben, daß von solchen Leuten gerade kein hoff« nungSvoller Nachwuchs zu erwarten ist. Ueber diesen Nachwuchs aber werde ich Dir, wenn es Dir recht ist, im folgenden Briefe meine Beobachtungen mittheilen. Lebe wohl, und gedenke in Deinem Gebete bisweilen der Kaiserstadt. Um dieses bittet Dich Dein aufrichtiger Freund. Einige Bemerkungen über die Sonntagsfeier. ! NZil?"« !U Y'^n^iHsMAi Es unterliegt keinem Zweifel, daß die Sonn- und Feiertage von der concreten und positiven Religion nicht abgelöst werden können. Die Nothwendigkeit, unter je sieben Tagen einen zu finden, der dem Umgange mit Gott, der Sammlung der geistigen Kräfte, der vorzugsweisen Pflege deS Seelenheils gehört, ist so einleuchtend, daß nur Müßiggänger oder erpichte Mammonsknechte sie verkennen mögen. Die frommen SonntagSgedanken sollen der geistige Vorrath seyn, der dem 28« arbeitbeladenen Menschen durch die ganze Woche zu Hilfe kommt, mahnend an Schöpfer und Ewigkeit, belebend und aufrichtend. Sie sollen der frische Brunnen seyn, a»S welchem Kühlung in der Last und Hitze deS WerktagölebenS geschöpft wird. Man sagt: „Wer arbeitet, um seinen Brüdern zu dienen, der thut nichts Schlechteres als der müßige Beter. Ueberdieß ist ja Arbeit, im rechten Geiste vollbracht, auch Gottesdienst." So können Menschen sprechen, die von keiner Arbeit wissen, bei der nicht Hände und Füße die Hauptrolle spielen, da doch daS rechte Gebet die erhabenste, und keineswegs die leichteste Arbeit ist. Wer aber seinen Acker und sein Landgut, und sein Weib und seine fünf Joch Ochsen so lieb hat, daß er'S nicht über sich bringt, sie nur je den siebenten Tag wegen der Anbetung seines GotteS bei Seite zu stellen: der entheiligt GotteS Dienst durch Sabbathschändung, und fällt in verfeinerte Jdololatrie: er verlange nur nicht, daß wir glauben, seine Arbeit, die mit Gottvergessenheit anfängt, werde fortgeführt unv vollendet im Geiste GotteS. Aber warum gerade der Sonntag? Warum soll cS mir nicht srei stehen, mir selbst die hiefür geeigneten Tage zu bestimmen? Antwort: Gott hat AlleS geordnet nach Maaß und Zahl und Gewicht; Er ließ einen Ruhesabbath auf sein Herasmeron folgen. Er hat durch den Lauf der Gestirne die Zeiten getheilt. An Sommer und Winter, an Tag und Nacht, an Wochen und Monde hat Er das Leben der Erde und ihrer Bewohner gebunden. So soll auch in dem Reiche deS Geistigen eine Ordnung der Zeit seyn. Für den alten Bund war der Sabbath der religiöse Ruhetag, ihm schlössen aber jene Zeiten sich an, in welchen daS auScrwählte Volk der, zu seiner Befreiung und Heiligung gewirkten Thaten GotteS mit höherer Festfreude gedenken sollte. DaS Gebot: „Gedenke, daß du den Sabbath heiligest," hat im neuen Bunde, trotz der Verlegung ans einen andern Tag seine Geltung nicht verlören, denn eS galt GotteS Majestät und Herrschaft über die Kreatur, daS Andenken Seiner Allmacht und Güte zu feiern. Die Firirung auf den Sonnabend war untergeordnet, oder vielmehr, eS lag in GotteS Plan, daß im Reiche der Erlösung eine andere Aera als im Reiche der Schöpfung seyn sollte. Natürlich war cS dann Christus, der Central- und Wendepunct der Geschichte, der Eckstein deS alten und neuen Bundes, an den sich diese Aenderung anschloß. Wollte nun der Einzelne von dem Gebote der Sabbathheiligung überhaupt, oder von der allgemeinen öffentlichen sich lossagen, so wäre die nächste Folge der Unsegen GotteS, die Belastung des Gewissens mit einer schweren Sünde (II. Mos. 35, Z. 3. III. Mos. 26, 34. 35. II. ESdr. 13, 15. 22.). — Die Entfremdung von der Kirche, dem Reiche deS Heiles und der Gnade, könnte nicht ausbleiben, wo ferne sie nicht etwa bei grundsätzlicher Mißachtung schon vorhergegangen. Verloren gingen die Früchte der gemeinsamen Andacht und Erbauung, der Fürbitte, deS Opfers. Ueber der Arbeit, die zur verbotenen Zeit verrichtet, als ein Zeugniß deS Kleinmuths, der Habgier oder deS Eigenwillens den Sclaven der Scholle verriethe, könnte nicht Gottes Hand ruhen. AuS der Abneigung gegen daS Kirchengebot erwächst Verachtung der Kirche, damit Christi, zuletzt eine völlige Abkehr deS HerzenS vom Göttlichen. DaS Gemüth, daS sich nicht selbst mehr erhebt, hat nur Aerger, scheeles Zusehen und Spöttelei bei der Erhebung der Andern; den, der GotteS Andenken verachtet, wird Gott verächtlich machen. Der öffentliche Cult ist ein Bekenntniß des Glaubens: so die Versäumniß darin eine faktische Verläugnung. Endlich verliert daS Herz jede höhere Weihe, den Aufschwung deS christlichen Gedankens und die Belebung der Liebe. Die Segnungen deS heiligsten OpfcrS und reS göttlichen Wortes sind ihm abgeschnitten; eine heilsame Veranlassung, einen prüfenden Blick in sein Inneres zu werfen, fällt hinweg. DaS Leben, daS keine gewissen Halt- und Ruhepuncte mehr hat, artet in einen Fluß gedankenloser Zerstreuung auS. Gott wird vergessen, die fromme Ehrfurcht vor dem Heiligen, daS Entsetzen vor dem Laster nützt sich ohne Wiederersay in dem ununterbrochenen Getriebe werktägigen Lebens ab. So ist der letzte Denkstein der Mahnung» der vor dem Lasterwege stand, beseitigt, der höhern Zuspräche des Geistes einer der gewöhnlichsten Wege versperrt, — und der Mensch geht hin nach den Gelüsten seines 287 Herzens. Hier berühren wir die Quelle eines dämonischen Zuges, der sich wie ein Nessuöhemd um unsere Zeit her zu legen begonnen. Der Gottlose sieht, sich zum steten Vorwurfe, die frommen Uebungen der treu Gebliebenen, seine Entschuldigungen wollen ihn nicht mehr beruhigen, er wird feindlich und bitter gesinnt seyn gegen die Gewissenhafteren, und so ist der erste Schritt zum bodenlosen Abgrunde jenes mit Wissen und Willen Gott feindlichen TobenS geschehen, daS seit Jahrzehnten epidemisch werden will. So führt der Materialismus zur Verachtung des Sonntags, diese zum DämoniSmus. Wir sagen also nicht zu viel mit der Behauptung, daß die EntHeiligung der Sonn- und Feiertage aus eine völlige Zerstörung des religiösen Sinnes hinausläuft. Die Bedeutung der Feiertage dürfte nur Weniges gegen die der Sonntage zurückstehen. Dieß ergibt schon die Erwägung, wie geeignet diese Tage sind, die Haupt» Puncte im Leben und der Lehre Jesu vor daS Gemüth eines eifrigen TheilnehmerS in lebendigen kräftigen Zügen hinzustellen. Und wie viel z. V. können nicht bei einem rechten Eingehen in ihre Bedeutung für milde, schamhafte, gottesfürchtige Sitte schon die Marientage thun? Wenn die Gottheit nicht mehr öffentlich verherrlicht wird, so wird sie ganz gewiß, oder ist vielmehr schon vergessen und verachtet. Die Feindseligkeit und Empörung der gefallenen Geister, die zunehmende Lästerung und Bosheit der Christusfeinde, sollte an alle noch Gläubigen ein dringender Ruf seyn, um so mehr öffentlich und feierlich ihrem Herrn und Schöpfer die Ehre zu geben. Wer sich aber von der Cultfeier der Kirche ausscheidet, der hat sich damit bis auf einen dünnen, äußerlichen Zusammenhalt von der Gnabenanstalt GotteS auf Erden geschieden. Keine Sonn^ lagSfeier— keine Kirche; keine Kirche—kein Christenthum; kein Christenthum—keine Bildung; keine Sitte — kein Heil. WaS würde nun auS einem Staate werden, wo man die Sonntagsfeier nur noch wie vom Hörensagen kennte? Die Wichtigkeit deS EideS für den Staat, deS religiösen Lebens für den Staat, des religiösen Lebens für den Eid sey nur genannt, nicht erörtert. Uebrigens würde ein solcher Staat Menschen haben ohne Gottesfurcht; also ohne Ehrfurcht vor der Obrigkeit; ohne Gewissen, — also ohne Treue; ohne Demutd also wird der Gehorsam keines Fingers breit über die Motive der Selbstsucht hinauSreichen. Ein Staat, der etwa durch Bureaustunden, öffentliche Arbeiten u. dgl., sich selbst der SonntagSfchändung schuldig machte, würde auch den materiellen Unsegen auf sich herabziehen. Wenn ferner die Ausschweifungen, die sündhaften Vergnügungen geduldet werden, die gewiß nicht die kleinste Enlheiligung deS Gott geweihten TageS sind, so wird man kein Recht haben, sich über die einreißeude Verwilderung und Unbotmäßigkeit des Volkes zu wundern. Wenn der Staat mit dem Beispiele, das dritte Gebot zu verachten, voranginge, also der kirchlichen Autorität, so viel an ihm gelegen, derogirte, so würde diese an Kraft zur Sittigung der Massen verhältnißmäßig verlieren. Wer jetzt noch nicht weiß, wohin eS Staaten, denen der Zusammenhalt mit der Kirche fehlt, bringen müssen — der wird es niemals einsehen. Offenbar ist in jenen Landschaften, wo die SonntagSfeier (und die Kirche überhaupt) am meisten herabgewürdiget war, auch die Revolution, wo nicht in den heftigsten, doch in den niederträchtigsten Auftritten erschienen. Man hat oft das Anschwellen deS Proletariates, die Verarmung der Massen mit der SonntagSentheiligung zusammengestellt. Nicht mit Unrecht. Der Arbeiter, der am Sonntage nicht feiert, hat damit die menschliche Natur, welche einer Erholung und Abwechslung von Zeit zu Zeit bedarf, nicht ausgezogen. Feiert er am Sonntag nicht,, so feiert er am Montag. Nun aber keine religiöse Feier, sondern ein Fest der Sinnenlust und Zügellosigkeit, eine ausgiebige Quelle der Verarmung durch Trunk und illesitims prole8. Der Arbeiter, bei dem nur roher Sinnengenuß (zu dem feinern genügen seine Mittel nicht) mit dem Joch abwechselt, muß abgestumpft werden, verthieren, verwildern in Lüderlichkeit und Armuth. Die Folgen für daS Gemeinwohl sind dem Staatshaushalte fühlbar genug, und möchten sie doch auf diesen beschränkt seynl S88 Der Mensch muß eine geistige Bethätigung haben. Dafür bietet daS Leben folgende concrete Centralpuncte: Kirche, Theater, CaffehauS, Schenken, Leihbibliotheken. Caffehauö und Schenke ziehen zwar zahllose unberufene Politiker, Malcontenten, RaisonneurS und Banquerolteurs, aber sehr wenige, vielmehr gar keine guten Bürger. Wollte man sofort unsern Selbstmördern Schritt für Schritt rückwärts bis zum ersten Anstoß ihres Unterganges nachgehen, so käme man in den meisten Fällen entweder in daS Comptoir einer Romanbibliothek oder auf die Bretter, die die Welt bedeuten. Wer nicht das Volk der Schenken und Theater will, der muß daS Volk der Kirche wollen, welches den Sonntag heiligt, und auch allein für daS Familienleben befähigt ist. Es steht außer Zweifel, daß der Versall der Familie den der bürgerlichen Ordnung zur Folge hat. Die Gutachten zweier so gründlichen Kenner des Alterthums wie Gaume und v. Lasaulr, überheben unS der Pflicht, darüber etwas Weiteres zu sagen. Indessen bemerken wir, wie der Verfall der antiken Familie mit der Verachtung der, wenn auch nur erträumten, Götter und mit dem öffentlich über ihre Feste auSgegofsenen Spotte zusammenhängt. Gewiß ist es, daß die Sonnlagsfeier einen der wichtigsten Haltpuncte für die christliche Familie bildet. Die Woche hinaus trennt der frühe Morgen die Angehörigen, die ihrer Arbeit nachgehen; ermüdet, schlaftrunken, wenig mehr empfänglich für Belehrung unv Theilnahme führt der späte Abend sie wieder zusammen. Diesen schwer vermeidlichen Uebelstand unterbricht heilsam der in der christlichen Familie christlich gefeierte Sonntag. Da ist Vereinigung im Gebete, dann Erholung in schuldloser Freude, Ueberblick über die Werke der verwichenen, und über die Aufgabe der kommenden Woche. Da ist, oder sollte seyn, eine allgemeine Correction der Fehltritte, eine geweihte Versammlung um das Familienhaupt. Man gedenkt der Gefahren und der göttlichen Hilfe; der Fehltritte Und der göttlichen Erbarmung, der Mühseligkeit und der Kraft von Oben, die das Ausharren und Ueberwinden verlieh. Man denkt der empfangenen Wohlthaten, und holt den Dank nach, den man vielleicht vergessen, oder lau und säumig dargebracht. Schon in den feierlichen Morgenstunden, vom klingenden Glockenrufe lieblich geladen, ist man um daS Heiligste und in dem Heiligsten versammelt. DaS Opfer der Versöhnung, daS priesterliche Wort des Heiles, fällt in Herzen, welche die FesttagSstimmung zubereitet. Leider, dieses Bild will immer seltener sich als ein Spiegel der Wirklichkeit erkennen lassen. Mit der Furcht GolteS geht die Sonntagsfeier, hinwieder mit dieser jene mehr und mehr verloren. Jedes Familienglied geht gesondertem Vergnügen nach. AuS der Häuslichkeit entweicht die Freude, unv auS der Freude die Häuslichkeit. Erheiterung, sollte man meinen, wohnt nur noch auf den Tanzböven, in den Bicrschenken, in voller unbändiger Sinnenlust. Eine traurige Art, die Weihetage des Christenthums zu begehen! Wo eö aber Kauf und Verkauf, wo eS Taglohn und Erwerb ist, waS die heilige Festfreude verdrängt, da entgeht der Familie mit der Gnade und Furcht Gottes daS Band der Liebe, der kindlichen Pietät. WaS hilftS, im Namen GotteS zu befehlen: „Ehre Vater und Mutter," wenn man den Namen Gottes selbst verachtet. Wenn dem Hausvater der Gelderwerb lieber ist als die Religionspflichten; waS will er dem Sohne sagen, der seinen Kindes- Pflichten daS Vergnügen vorzieht? Keine Leidenschaft hat mehr Recht als die andere, kein Gebot gilt, wo Gottes Gebot nicht gilt. Nichts ist ehrwürdig, wo eS Gott nicht ist. Die Strenge, womit die Juden und sogar ihre größten Gelb- unv Geschäftsmänner ihren Sabbath begehen, ohne durch eine Staatsgewalt gezwungen zu seyn, sollte manchen Christen beschämen. Vielleicht verarmen deßwegen so viele christliche Familien, mit ihrer Noth und Dürftigkeit immer mehr die Juden bereichernd. Schließen wir mit der Erinnerung, daß daS vierte Gebot und alle folgenden in der Luft hangen, wenn sie nichr auf einen tiefen und unantastbaren Respect vor den drei ersten gebaut sind. ,üi N5gl(»k -Hwnnltz -jnu -i'.^>.!!,'.-ii-!t ,«t n-koMmi.„ .NZIzjij!,',» ,Nz6?'lA I^lllUtj Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen- Verlags-Juhaber: F. C, Kremer. Zwölfter Jahrgang. Sonntags-Beiblatt «ma« iHNUMvH. pfllZchs ^u,m /diuG »WAviN 7?i nkm .cs-E Augsburger Postzettung. Z/V sichvnl chL ?t2lz > l ,> > , . Unsrer lieben Frauen Mantel. Eine Erzählung in lieben Lectionen über das Salve Negina. iiiu lchrn chij -z»Z> nMnn, ^ , ^/^^^ . . , Ihr sollt euch erwählen -^,^^',j.„ ^ . .'"./j^ Sprecht Ave M-r.a So Herz und ,0 Mund, Singt Salve Regina All' Tag und all' Stund Dem Herrn JacqueS mochte dieß Erwachen auS seinem Traume nicht sehr erfreulich gewesen seyn; daher eS auch von einem vernehmlichen Verdruß-Seufzer .gnnh,s!k>L90nNlymK begleitet ward. Joseph« ward den Lauscher gewahr und machte Miene sich zu entfernen. Da ließ Herr JacqueS auf die Gesangparlhie ein DeclamationSstück folgen und ließ stch in folgenden herzbrechenden Worten vernehmen: „O Joscpha. mein süßes Leben, o Pepi, mein einziger Trost, o Gute, meine schönste Hoffnung! warum fliehest du vor mir? Warum vermeiden Sie mich so ängstlich, ich will nicht sagen, so fremd und kaltherzig? Beinahe wäre ich erschrocken, erwiderte Joseph«,, jetzt aber muß ich recht von Herzen lachen! Was für närrische Worte reden Sie da zusammen? Wissen Sie nicht, daß man diese Worte spricht, wenn man zur Mutter Gottes betet? Ich möchte mich wahrhaftig schämen, so ungeschickte unv lästerliche Reden zu führen! Mein Leben, mein Trost, meine Hoffnung! wen spricht man wohl so an?— Gute Pepi, versetzte der Andere jenseits der Bretterwand, Sie reden ja wie ihr alter Papa? Nun ist aber das, was ich gesagt habe, die lauterste Wahrheit, und ich bin davon so durch und durch überzeugt, als nur immer Ihr Papa von seinen Meinungen überzeugt seyn kann. Darum nur ein freundliches Wort, nur einen freundlichen Blick, sonst bin ich ja ein Verlorner, desperater Mensch und thue mir möglicher Weise noch ein LeiveS an. Und werden Sie alsdann, Hochmuthsvolle, das zu verantworten im Stande seyn? ES wird so arg nicht werden, sagte Josepha, bemühen Sie sich nicht mit unnöthigen Sorgen. Gehen Sie lieber in die Kirche, zu dem Gnadenbilde unserer lieben Frau, und bitten Sie, daß sie Ihnen durch die Fürbitte einige gescheibtere Gedanken auswirken möge. — Josepha, das ist Spott! hämischer Spott! — Nein, Herr Jacques, gewiß nicht, sondern ich meine eS im ganzen Ernst. — Sie betrachten mich also für einen Narren, Josepha? Mich, der ich so weit herum gewesen bin, in Golha, Braunschweig, Straßburg, Lyon.--Das Rechte haben Sie doch nirgends gelernt, Herr JacqueS. Wie könnte Ihnen sonst einfallen, mich einfältige Person Ihr Leben zu nennen? Unser Leben ist von Gott, der unS erlöset hat. Sie wissen ja das noch? Er ist vom Himmel herabgekommen und hat der Welt das Leben gegeben; JesuS, unser Leben, JesuS, unsere Liebe. Nicht wahr? Darum freut's mich lininer von Herzen, wenn ich seine liebe Mutter auch so grüßen kann: Unser Leben, denn sie hat baS Leben geboren, sie ist die Mutter des Lebens. Unser Trost, unsere Hoffnung ist auch nur von Gotl; das ist ein schlechter Trost und eine elende Hoffnung, die nicht von Gott ist. Aber unsere himmlische Mutter, diese freilich ist uns von Gott vor Allem zur Süßigkeit und Hoffnung unseres Lebens geschenkt; sie ist eine liebreicheste Mutter unserer Seelen, und wer sie nur ein Bischen lieb hat, dem hilft sie zu aller Zeit. Sie wandte sich wieder zu ihrer Bleiche und sang daS begonnene Lied weiter, wie folget: Dir, herrlichste Blüthe In himmlischer Au', Wie bist du voll Güte, Du hohe JungftalU Sprecht Ave Maria So Herz und so Mund; Singt Salve Regina Zu jeglicher Stund! Schön, schön! sagte BenitiuS, mit dem Lebkuchenbäcker aus dem engen Gange zwischen dem Gesträuch hervortretend; da wird ja gar ein Duett gesungen? — So ist'S endlich recht, Herr JacqueS, setzte Pankraz hinzu, in daS Lob mit einstimmen ist so viel, als selber lobsingen. — DaS ich nicht wüßte, sagte der junge Falzmann etwas ernsthaft; ich habe lediglich nur secundirt; man thut dergleichen unwillkürlich, wo immer eine Melodie gesungen wird, die gut in'S Gehör geht. — Ganz recht, sagte Pankraz, mich freut'S insonderheit, wenn Ihnen eine solche Singweise gut in'S Gehör geht. Ja, ich sage noch mehr: nachdem Sie schon mitten an der Wand stehen, die unS von Ihnen trennet, so schwingen Sie sich ganz fein artiglich hinauf und »91 springen herüber, jedoch ohne sich dero werthen Fuß zu verstauchen; ein anderes Mal aber, wenn meine Tochter und der Vater derselben hier zugegen sind, kommen Sie lieber von vorn herein, durch die gewöhnliche Hof- und Gartenthür. — Herr Jacques machte einen zierlichen Sprung über die Wand herüber, und BenitiuS nahm, nachdem sie auf eine GraSbank sich gesetzt hatten, daS Wort und sprach: Wir haben, lieber Herr Falzmann, einen guten Theil des Gesprächs angehört, daS Sie eben mit Josepha führten. Als einer von den Dienern Mariä, die den Ordensbrauch haben, jede heilige Messe mit dem Salve Regina zu beschließen, ist eS ganz natürlich, daß ich auf dieses wunderschöne Gebet ungemein viel halte, besonders lieb aber sind mir jene Worte, über welche Jungfer Josepha Ihnen eine kleine Lection halten wollte. Sie müssen, Bester, als ein gebildeter junger Mann, allezeit voraussetzen, daß die öffentlichen Gebete, die unsere Kirche eingeführt hat, voll hohen und lebendigen Sinnes sind, wie denn insbesondere dieß Salve Regina bereits seit vielen Jahrhunderten mehr Seelen, auch von Kaisern, Königen, Fürsten, Feldherren und andern Hochgewaltigen erquickt und ermuthigt hat, als Sie vielleicht ahnen mögen. Wir nennen darin Maria unser Leben; und zwar steht daS schon in heiliger Schrift von ihr: Wer mich findet, findet daS Leben. ES ist aber das Leben der Seele damit gemeint, welches in der göttlichen Gnade besteht. Siehe, da lesen wir nun, wie der Engel der Jungfrau erscheint, und sie grüßet: Du Gnadenvollc, und wie er ferner zu ihr spricht: Fürchte nicht, Maria, denn du hast Gnade gesunden. Sollte diejenige für sich erst Gnade gefunden haben, die schon die Gnadenvolle ist? Nein, sondern für ihre Brüder und Schwestern, für die sündigen Menschen, deren Mittlerin sie geworden. Wie schön bezeichnet dieß der große Bernardus, da er spricht: Lasset unS Gnade suchen, lasset unS durch Maria sie suchen, welche die Finderin der Gnade oder des Lebens ist. Darum sagt auch RiccarduS: Wünschen wir Gnade zu finden, so lasset die Finderin der Gnade uns suchen! Wahrlich, Niemand wird zur Erkenntniß und zum Verharren in der seligen Wahrheit gelangen, den Mariens Huld nicht leitet, denn dazu ist sie von Gott auöerwählt, auf daß wir durch ihre Vermittlung seiner Erbarmung fähig und theilhaftig werden. Mein bester Falzmann, dieß könnte ich Ihnen mit unzähligen Geschichten beweisen, eS ist aber besser, sie erleben den Beweis an Ihrem eigenen Gemüthe! Wir nennen Maria unsere Süßigkeit, weil sie die herbeste Bitterkeit, so daS irdische Leben trifft, hinwegnimmt, weil sie den Tod versüßet. Daher wir so anhaltend sie bitten, daß sie unS beistehe in jener Stunde der unaussprechlichen Angst, da der Menschenseele die Welt untersinkt sammt allen ihren Täuschungen, und sie ihrer Armseligkeit plötzlich sich bewußt wird! Der Sterne Glanz, der Sonne glühend Roth, Der Sinnen Freuden unter find gegangen, Es stirbt die Welt, und was fie trüg'risch bot, In dunkle Nacht versinkt ihr eitles Prangen; Die Sund' allein, fie bleibet, steht und droht, Und füllt den Geist mit wüstem Schreckensbangen. Zerronnen ist der Traum, entsloh'n die Stunde», Der Haß entlarvt nun in der Seele grinst, Mit dunklen Banden fühlt fie sich gebunden, Sieht fie so arg ihr göttlich Pfund verzinst; Verzweifeln müßte fie, ohn' Christi Wunden, Und ohn' der Jungfrau seliges Verdienst. Selig, wem eine liebende Mutter auf dem Krankenlager beisteht, unendlich seliger, wen die Mutter der schönen Liebe auS dem Tode ins Leben einführt. Der große Gelehrte Suarez, ihr eifriger Diener, starb mit solcher Fröhlichkeit, daß er wenige Augenblicke vor seinem Tode noch ausrief: Nicht glaubte ich, daß der Tod so ttoL mck" -lli .mkttB l»v. x MsM-H SZttUs L9Z süß sey! Wie herrlich ist nicht der Tod einer Clara, einer Thereia, eines Petrus von Alcantara? Glauben Sie mir, mein Sohn, ich bin bei vielen Sterbenden gewesen, und ich war oft so glücklich, den Tod in seiner Süßigkeit zu sehen, unendlich lieblicher, als in jener heidnischen Vorstellung vom Genius mit der ausgelöschten Fackel, ja vielmehr flammt hier erst die Fackel der Liebe im entscheidenden Augenblicke recht hell empor. Doch nur bei Solchen fand ich diese überschwengliche Friedlichkeit und Süße des TodeS, welche zur Mutter der Gnaden ein herzlich und ehrfürchtig Vertrauen geübt hatten. Wir nennen Maria unsere Hoffnung, weil sie unsere Mittlerin ist, deren große Würdigkeit (wie der heilige AnselmuS sagt) unsere Armseligkeit ersetzen möge. Wer etwaS dagegen einzuwenden hat, und zwar dieses: daß auf Gott allein, und nicht auf seine Geschöpfe unsere Hoffnung zu setzen sey, dem erwidert Thomas von Aquin: Der König deS HimmeS, da er die unendliche Güte ist, verlangt aufs höchste, unS mit seinen Gnaden zu bereichern, aber weil hierzu von unserer Seite ein herzliches Vertrauen erfordert wird, so hat er, um dieß Vertrauen in uns wachsen zu machen, zur Mutter und Fürsprecherin seine Mutter unS gegeben. Darum ist sie auch die Hoffnung der Sünder, und wie die königliche Brigitta sie nennt, daS Gestirn, so vor der Sonne hergeht. Denn eS ist gewiß, daß, so wie in einer Seele die Andacht zur göttlichen Mutter erwacht, dieselbe Seele gar bald auch von göttlicher Gnade bereichert seyn wird. Darum ist sie auch der Leitstern auf dem wüsten Meere der Welt, welcher, wie Sanct Bonaventura spricht, zum Hafen deö Heiles die Bahn zeigt. Darum ruft auch der preiswürdige BlosiuS mit solcher Zuversicht: Unmöglich ist eS, daß der zu Grunde gehe, der in treuer und demüthiger Verehrung Mariens beharret; und in kindlicher Ehrfurcht flehte Augustinus zu ihr: Du, der Sünder einzige Hoffnung. Vieles hätte der ehrwürdige BenitiuS noch zu sagen gehabt, und vieles Herr Jacques nicht sowohl einzuwenden, als vielmehr von sich abzuwenden, als draußen ein Wagen vorfuhr und eine der fürstlichen Kammerfrauen ausstieg, um den Prior und zugleich auch Josepha zur Fürstin abzuholen. Wie? sprach Herr JacqueS verwundert zum Meister Pankraz: ist Ihre Tochter bei der Fürstin so beliebt? Ja wohl, sagte dieser, und rieb mit väterlicher Freude die Hände, ja wohl allerdings, mein bester Herr JacqueS. — Und auch der Prior? — Ja wohl freilich auch der Prior, mein guter Herr JacqueS, ja wohl! — Herr JacqueS machte sich daraus kein geringes Bedenken, denn standen seine beiden Lectoren ihm jetzt im hohen Lichte, so konnte eS nicht fehlen, daß dieß auch ihren Lectionen einigen Glanz verschaffte, nur hatte er leider weder auf Josepha'S noch auf des Priors Worte so viel von seinem Ohr verwendet als von den beiden andern Sinnen: Aug' und Nase; ersteres nämlich für Josepha'S Unterricht zum Gaffen, letztere bei deS PriorS Lection zum Rümpfen. n-fMM Sli, , Ü^IIU mimiK- N nzvi, 'chMMWkMtmnK -mMM .,zkz,gm>. Urtheil eines Protestanten über die religiösen Zustände der Nordamerikanischen Freistaaten. Geheimrath Hesse sagt in seinen amerikanischen Reiseblättern: Wenn ich mich am Ziel meiner nordamerikanischen Pilgerfahrt nach dem Gesammturtheil über die nordamerikanischen Zustände frage, so komme ich in Gefahr, die Ungunst der zahlreichen begeisterten Lobredner herauszufordern. Ich bin zunächst nicht der Meinung, daß von einem specifischen nordamerikanischcn Volke die Rede seyn kann. Ich finde nur ein Gemisch von Nalionalitäten aller Art, ein Aggregat verschiedener Agentien, welche ihre Wahlverwandtschaft erst erproben sollen, deren Product erst das nordamerikanische Volk seyn wird. Nach dem Zeugniß der Geschichte darf ich an keine gedeihliche Volksentwicklung glauben, die nicht durch eine religiöse Basis getragen wird. Nun halte ich aber daS nordamerikanische Volk, abweichend von vielen seiner Schmeichler, mehr für kirchlich als für religiös. Ich glaube, daß daS Princip der Sectenfrciheit und die ungeheure Willkür in Begründung religiöser Gemeinschaften absolut nachtheilig wirkt, und den JndifferentismuS befördert. Diese gewaltige Zersplitterung in tausend Sectcn wird nach meiner vielleicht sehr parador klingenden Ansicht keinen neuen Messias hervorrufen, sondern die Nordamerikaner gelegentlich dem Katholicismus überliefern, der mit seiner unerschütterlichen Organisation durch die Feinheit und Thätigkeit seiner Führer immer mehr Terrain gewinnt. Aufrichtig gestanden, halte ich daS für die künftige Geschichte dieses Landes für kein Unglück, sondern für eine Wendung, welche dem proclamirtcn Unglauben, wie er dort dem Katholicismus thatsächlich entgegensteht, unendlich vorzuziehen ist. Ohne eine solche Wendung ist die Mission der Vereinigten Staaten in Bezug auf die Cultivirung von Meriko, Westindien und Südamerika nickt zu erreichen. Äiind Zidm lWvW'.'HüM v>ma .s«?>? > ^dvn 9v8 mkivä' ^Smr .nüM ,m,x 7knoUMKrM .Äit M iMtK» — .zcwvt «,^1 n»6>W HttttilZtziM »»-^ MMon »n Miltenberg. Vom 25. Juli bis 8. August ist in Miltenberg in Unterfranken eine Mission von den Jesuitenvätern gehalten worden, über welche der VolkSbol' folgenden Bericht bringt: Vor Allem muß bemerkt werden, daß ein Häuslein demokratischer Schwindler, die sich in den Tollheitsjahren als Nationalconvent der europäischen Republik Miltenberg zu betrachten gewohnt waren, schön bei dem Gerücht von einer nahenden Mission von einem panischen Schrecken befallen wurden und in ihrer Angst von einer Stelle zur andern rannten, um, gleichviel ob auf gesetzlichem oder ungesetzlichem Wege, daS Ungewitter abzuwenden, daS ihnen religiöse und politische Brandmarkung drohte: denn daS Gericht, so wie daS städtische Archiv bewahren unzählige Beweise, welche Nachtheile die demokratische Schellenjacke über eine friedliche Gemeinde herbeizubringen vermag. Da dieses armselige Häuflein sich jedoch mit seiner Abwendungspolitik auch abgewiesen sah, beschloß eS, mit ächt preußischem „Todesmuth" auf heilige (!) Verpflichtung, keiner Missionöpredigt beizuwohnen, damit nicht die längst verbrauchten Register ihrer politischen Drehorgel allen aufgesammelten Wind der Vorjahre ganz L95 verlieren möchten. — WaS nun die Predigten der Missionäre selbst betrifft, so haben sie bei dem Theil der Bewohner Miltenbergs, denen der gesunde Verstand noch nicht völlig davon gegangen, ihre Wirkung nicht verfehlt; nur da, wo mit dem Glauben jede Sittlichkeit verschwunden war, mag'S anders ausschauen. Selbst die großen Anstrengungen demokratischer Auösendlinge, die Bauersleute vom Besuch der Mission abzuhalten, verfehlten total ihren Zweck, und die Kirche, welche nahe an 6000 Zuhörer saßt, war, wenn nicht überfüllt, doch regelmäßig stark besetzt, während bei besondern Anlässen mindestens über 8000 Menschen zusammengeströmt waren. Bei den Predigten im Freien umgaben sicher 10,000 Zuhörer den Prediger in aufmerksamer und lautloser Stille. Hierbei ist jedoch überdies; noch zu erwägen, daß die Erntezeit vom 25. Juli bis 8. August ganz natürlich die Bewohner der Umgegend sehr zurückhielt. Bei so großen Volksversammlungen ist'S allerdings begreiflich, daß, wie im Nürnberger Kurier spöttisch vorgebracht wird, auch die Wirthe bei der großen Hitze reichlichen Zuspruch hatten; aber von jenem unsittlichen Betragen und unziemenven Lärm, wie die Demokratie mit sich führte, hat man dabei auch nicht das Geringste verspürt, gewiß also, daß keine „theatralischen Vorstellungen" nach Art der Bursche in der Turnjacke den gesunden Verstand erhitzten oder gar aus dem Häusel brachten, sondern daß nur begeisterte Vorträge die Finsterniß des Unglaubens mit dem Lichte der Wahrheit verscheuchten, mit ihrer belebenden Kraft sich lange entfremdete Herzen ergriffen und zur bleibenden Freundschaft versöhnten, und cntfrem- veteS Gut dem Besitzer zurückführten. Wohl haben die radicalen Feinde der Ordnung und aller Religion jeden Tag neue Aufhetzereien gegen die Jesuiten und ihre Vorträge in Schwung zu bringen gesucht; allein das mit jeder weitern Predigt steigende Interesse schob all' die ausgesäeten künstlichen Besorgnisse bei Seite und zog den schlichten Bürger wie den Gebildeten zu dem Predigtstuhle der Jesuiten hin, wo sie dann gänzlich über die ausgestreuten Verleumdungen enttäuscht wurden. Eine Ausnahme hiervon haben freilich auch die Frauen der hiesigen gespreizten Demokraten machen müssen, da sie sammt ihren Dienstboten durch ein absolutes Verbot am Besuch der Predigten verhindert wurden. So machen'S aber diese demokratischen Helden! während sie über jedes Gesetz als Tyrannei, Gewissenszwang u. s. w. losschlagen, verbieten sie sogar ihren Frauen und Untergebenen, ihren religiösen Bedürfnissen nachzugehen! Wahrscheinlich haben selbige Demokraten „vom reinsten Wasser" befürchtet, bei den Missionen würde den Frauen und den Dienstboten der jämmerliche Zustand des religiösen und sittlichen Bankerotts ihrer Männer und Dienstherren völlig klar werden, — eine Furcht, die allerdings nicht ohne Grund gewesen seyn mag." Die Franciscaner in Bamberg. Bamberg, 1. Sept. Die ersten Franciscaner sind ungefähr im Jahre 1223 ans 24 in Bamberg erschienen und sollen an der Stelle des Siechhauses oder in demselben, was an der Straße nach Hallstadt bis 1803 war, gewohnt haben. 1311 wurden sie in den Besitz deS Gebäudes und der Kirche der Tempelherren, die 1311 erloschen sind, eingesetzt und blieben bis 1804, wo die Aufhebung stattfand. Am 29. September 180k mußten sie schnell für Militär zwecke daS Kloster räumen, in die Kirche kam das Heumagazin, die dann 1812 ganz niedergerissen wurde. In den Jahren 1827, 1838, 1845 und 1846 wurden bereits Schritte zur Reorganisation deS Klosters gethan, jedoch fruchtlos. Erst, nachdem durch Wohlthäter die nöthigen Localitäten durch Ankauf eines alten CanonicathauseS (Wohnung deS Cano- nicus Stöhr) zur Verfügung standen, wurde endlich am 2. April 1852 von Seiner Majestät dem König Mar II. die Urkunde unterzeichnet, am 4. Mai daS Kloster durch den Pater Provincial Franciscus (Fritsch) eröffnet und nach fast fünfzig Jahren stand wieder ein Franciscaner, der Quardian Pater Aemilian (Paulus) auf der Kanzel der St. JakovSkirche, um dem zahlreich versammelten Auditorium in begeisterter Rede «96 das Evangelium zu verkünden. Seitdem führen die drei PatreS und drei FratreS in klösterlicher Zurückgezogenheit ein oft sehr anspruchloses und frugales Leben. Sie sind jedoch meist von den Einwohnern hiesiger Stadt freundlich aufgenommen worden. Denn daß einige Bürger den wehrlosen Mönchen sehr unzart begegneten, da doch Niemand ihnen auch nur einen Pfennig zu geben gezwungen ist, kommt hier nicht in Betracht, eben so wenig, daß man durch Zerstörung des hölzernen KreuzeS an der Glocke, nächtliches Anläuten zc. sie zu insultiren sucht. Daß aber einzelne Bürger so weit sich vergessen, ihnen verleumderischer und boshafter Weise die schmählichsten Dinge nachzureden, um so ihre Wirksamkeit zu hemmen, und daß der fränkische Kurier sich abermäl nicht schämt, solche Lügen breit nachzudrucken, fordert öffentliche Rüge, und eS freute uns, daß man sie von anderer Seite her durch Ueberreichung sehr schöner Kirchenparamente für solch' bittere Kränkungen zu entschädigen suchte. Jedoch wird sich dem Vernehmen nach durch das Resultat der eingeleiteten Untersuchung der Triumph des Kuriers in ein sehr bitteres Martvrthum verwandeln. (Bamb. Volksbl.) Mainz. Der Vorort der katholischen Vereine Deutschlands hat folgende Einladung an die sämmtlichen Einzelvereine erlassen: „Wir haben die Freude, unsern verehrlichen Brüdervereinen hiermit das Nähere über die in diesem Jahre stattfindende sechste Generalversammlung des katholischen Vereins Deutschlands mittheilen zu können. Dieselbe wird, übereinstimmend mit dem auf der fünften Generalversammlung dahier gefaßten Beschlusse, und nach vorausgegangener Verhandlung mit dem katholischen Verein zu Münster in Westfalen, in letzterer Stadt und zwar am 21., 22. und 23. September gehalten werden. Dabei wird gewünscht, daß möglichst viele Abgeordnete und Theil- nehmer bereits am 20. in der Vorversammlung anwesend seyen. Der unterzeichnete Vorstand des Vorortes erlaubt sich nun, sowohl die gesammten Einzelvereine, als auch überhaupt die Mitglieder deS katholi>chen Vereins zur Beschickung, beziehungsweise zum Besuche dieser sechsten Generalversammlung auf das Angelegentlichste und Herzlichste einzuladen. Gewiß verdient das treffliche Münsterland, das dem katholischen Deutschland so vielfach das Beispiel entschiedener religiöser Gesinnung und der kathol. Sache so manchen muthigen Vorkämpfer gegeben hat, daß die deutschen Katholiken diese Gelegenheit, ihre wohlverdiente Anerkennung ihm kund zu geben, nicht unbenützt vorüber gehen lassen. Insbesondere aber möge der unverkennbare Ernst der Zeitverhältnisse, in wie sern dieselben sich auf die Lösung der großen kirchlichen Frage beziehen, die Erwägung, daß unter diesen Verhältnissen die Aufgabe des katholischen Vereins eine wichtigere und dringendere als je geworden ist, und endlich der Umstand, daß eine Anzahl von Gegenständen und Fragen zur Verhandlung vorliegt, welche nicht leicht irgendwo besser als in Münster ihre Erledigung finden können, Allen, die es angeht, ein mächtiger Antrieb zur Theilnahme an dieser sechsten Generalversammlung seyn! Mit diesem Wunsche und mit dieser Bitte zeichnet: Der Vorsitzende Lennig. Der Schriftführer: Moufang." _ Böhmen. Die Prüfungen in dem Knabenseminarium zu Pollitz sind sehr gut ausgefallen, Man ist jetzt auf die Erweiterung des Instituts bedacht, und da sich diese in dem Schlosse zu Pollitz nicht ermitteln läßt, sieht man sich nach einem andern Locale um. Bei der Wahl wird nun auch der Umstand berücksichtiget werden, daß die PP, Jesuiten Gelegenheit finden, sich zum Frommen Böhmens zu entwickeln. Budweis macht auch Heuer noch den Anfang mit einem Knabenseminar. Bei den Exercitien waren 135 Priester beisammen. — In Prag waren auch über 90 Priester bei den Erercitien, die auch in Königgrätz sehr viel Theilnahme fanden, und in Leitmeritz den 14. Sept. beginnen werden. (K. Bl. a. T.) Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen, Verlags-Jnhaber: F. E- Kremer. Zwölfter Jahrgang. Sonntags-Beiblatt zur Augsburger Pojtzeitung. 79. September S8. 185S. Dieses Blatt erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der halbjährige Abounementspreis TV kr., wofür e« durch alle köuigl. bayer. Postämter und alle Bnchhandümgen bezogen werden kann. Die Erzherzogin Maria von Steiermark, Mutter Kaiser Ferdinand des Zweiten. Rede deS HofrathS und ReichShistoriographen vr. Friedrich Hurter, gehalten in der P lenarversammlung des Wiener Central-Severi- nusvereineS am 30. August 1852. *) II. Vereinigen sich die einzelnen Züge, die hinsichtlich der Beziehungen der Erzherzogin Maria zu ihrem Gemahl sich erhallen haben, zu einem höchst anziehenden Bilde der Gemahlin, so wird — ich bin dessen auf'ö vollkommenste versichert — die Mutler Sie nicht minder, ja, ich getraue mir im Voraus zu sagen, noch mehr ansprechen als jene. Vereinigt doch ohnedem daS Wort Mutter in dem unermeßlichen Reich- thume seines VollgehalteS alles Fürsorgliche, Liebliche, Zarte, Anmuthige, Fruchtbare, Edle, und gewiß nicht minder alles Tiefe, Hohe und Ernste in solchem Maaße, daß selbst die Kirche unserer Verehrung und unserer Zuversicht nichts Höheres entgegen zu bringen gewußt hat, als die Mutter der reinsten Liebe. Es wäre jedoch Vermessenheit, die Mutter Weniger, und wäre sie auch in jeglicher Beziehung das vollendetste Ideal einer solchen, der Mutter deS Einzigen, durch Ihn aber Aller, an die Seite stellen zu wollen; das jedoch dürfen wir als unbestreitbare Wahrheit annehmen, daß in dem Maaße, in welchem die irdische Mutter jene Mutter aller Gläubigen fortwährend als die ihrige ehrt, dieselbe auch die getreueste Mutter der eigenen leiblichen Kinder seyn werde. Von diesem Standpuncte haben wir die Erzherzogin Maria zu betrachten und zu beurtheilen; von diesem Standpuncte werden wir bewältigt werden, ihr, als der Stammmutter unseres Regentenhauses unsere Anerkennung und unsere Verehrung mit der freudigsten Ueberzeugung darbringen zu müssen. ES ist eine natürliche, deßhalb keinem ernsten Tadel unterliegende Regung, wenn Eltern bei der nahen und gewissen Aussicht auf LeibeSerben in Betreff deS Geschlechtes einem leisen und bescheidenen Wunsche sich hingeben. Derselbe ist bei Regenten um so gerechtfertigter, weil er mit demjenigen gesicherter Fortdauer deS Stammes zusammenfällt. Selbst hierüber sehen wir Maria durch ihre erleuchtete christliche Gesinnung emporgehoben. „Bezüglich deS Geschlechtes, welches sie zur Welt bringen werde, — schrieb sie einst dem Bruder, — hege sie keine Wünsche, dessen lasse sie in aller Hingebung Gott walten; sie beschränke sich einzig auf die Bitte, daß das, was Gott ihr schenken wolle, gesund, aller Mängel frei seyn möge, Gott eS zu Seiner Ehre und zum Heile der eigenen Seele heranwachsen lasse." So ein anderes Mal: „Der liebe Gott schick eS mit Gnaden, daß es etwas Rechtes sey.- Dieselbe Gesinnung war auch der Quell ihres Trostes und ihrer Gottergebenheit bei ') S. Nr. I. in Nr. SS ». 33 d. Bl. 298 dem Verlust eines KindeS. „Ich Hab'S schon aus dem Sinn geschlagen und Gott befohlen," schreibt sie dem Bruder nach dem Hinscheiden eines SohneS in seiner zartesten Kindheit; „ich zweifle nicht, deine Christina und mein seliger Carl werden im Himmel gute Gesellschaft haben und ihren Gott treulich für unS bitten.» Auf die Nachricht von dem Tod der neunzehnjährigen Erzherzogin Katharina schrieb sie ihrem Sohn Ferdinand von der Reise nach Siebenbürgen zur Vermählung ihrer Tochter Maria Christina mit dem Großfürsten SigiSmund Bachori: „mit herzlichem Leid habe ich die Nachricht erhalten, daß mir der Allmächtige meine liebe Tochter Katharina genommen hat, wiewohl sie nie mein, sondern, wie ihr Kinder alle, dessen war, der sie wieder zu sich genommen hat. Ihm sey ewig Lob, Ehr und Dank. Wie eö aber meinem mütterlichen Herzen ist, daS weiß Gott am besten; denn sie war ein frommes, gotteSfürchtiges, gehorsames Kind, welches, wie ich in Wahrheit von ihr bezeugen kann, mich hoch geliebt und geehrt hat; darum ihr Gott ohne Zweifel die ewige Krone wird gegeben haben. O mein Ferdinand, ich habe ein liebes Kleinod an unserm Hause verloren, doch Gott sey ewig Lob, er hat mir genommen, was zuvor sein gewesen ist." Erzherzog Carl und seine Gemahlin sorgten vor Allem dafür, daß ihre Kinder von den frühesten Jahren an nur von solchen Personen umgeben würden, welche treue Erfüllung aller religiösen Obliegenheiten durch Anleitung und Vorbild in ihnen wecken konnten. Hierdurch, wie durch der Eltern eigenes Beispiel, sollte der Kinder zartem Sinn Hingebung an Gott, freudige Beachtung alles dessen, was der lebendige Glaube und die denselben erhaltende Kirche fordert, eingepflanzt, daneben, was diese vorschreibt, gefestigt und entwickelt werden. Kaum daß die erzherzoglichen Kinder des Gebrauches ihrer Finger mächtig waren, wurden sie gelehrt, daS Kreuzeszeichen zu machen, heiligen Dingen Ehrerbietung zu erweisen. Sobald ihr Sprachvermögen sich zu entfalten begann, mußten ihnen die Wärterinnen den Namen Jesus und Maria vorsprechen, damit frühzeitig alle Anschauungen des Segenövollen und Trostreichen an dieselben sich knüpfen möchten. Schon in ihrem zartesten Alter wurden sie in die Schloßcapelle gebracht, um in den Uebungen der Andacht gleichsam aufzuwachsen. Traten sie in daS Alter, in welchem der Unterricht beginnen konnte, so wurde noch strenger darauf gehalten, daß sie täglich der heiligen Messe beiwohnten. Von dem nachmaligen Kaiser Ferdinand namentlich wird berichtet, daß er in seiner zartesten Kindheit, noch bevor er die Gebete vollständig dem Gedächtniß eingeprägt, dennoch eS wohlverstanden habe, unter der heiligen Messe und bei dem Geläute des Ave Maria niederzuknieen und allen heiligen Handlungen mit unverkennbarer innerer Theilnahme zu folgen. Bereits mit seinem siebenten AlterSjahre mußte er der Fron- leichnamSprocession beiwohnen; und mit solcher Andacht und Geistessammlung nahm er hierauf als Jüngling zu Jngolstadt an allen gottesdienstlichen Uebungen, kirchlichen Festen und Umzügen Theil, daß er den dortigen Einwohnern zur Erbauung und zur Nacheiferung diente, und nach langen Jahren noch Greise sich erinnerten, unter den Stimmen der Vorsänger die seinige gehört zu haben. Ein anmuthiger Zug desselben, welcher von hellbewußter Gottesfurcht Zeugniß gibt, hat sich in der Ueberlieferung bis auf den heutigen Tag erhalten. Der Hofmeister schenkte einst dem kaum zehnjährigen Erzherzog zum Angebinde für den Namenstag einen Spiegel in einem schönen Rahmen. Ferdinand nahm heimlich das GlaS heraus und ersetzte eS durch ein Bild von der unbefleckten Empfängnis) Mariens. Wie nun nach einiger Zeit der Hofmeister dem Spiegel nachfragte, wies der junge Erzherzog auf das Bild und sagte: „Hier ist der Spiegel und zeigt das wahre Bild, nach welchem wir uns zu richten haben." Die Wirkungen dieser Erziehung treten am anschaulichsten vor Augen in der Persönlichkeit der Erzherzogin Anna, Königin von Polen, Mariens ältester Tochter. Dieselbe betete täglich für Freund und Feind, für Gläubige und Ungläubige, oft auch um den Geist der Weisheit und der Erkenntniß für ihren Beichtvater; an Festtagen kam noch das Brevier hinzu, wie eS den Geistlichen vorgeschrieben ist. Täglich erhob sie sich um fünf Uhr von dem Lager, weilte dann zwei Stunden einsam in ihrer GebetSkammer. Schweigend, um den Rosenkranz beim zu können, ließ sie L9S sich hierauf ankleiden, rief den Priester, der die Messe zu lesen hatte, um ihm Auftrag zu geben, in welche Krankenhäuser, Wohnungen von Armen, Gotteshäuser er nachher sich begeben sollte, um nachzusehen, wo eS etwa an Nothvürstigem gebreche, um Hilfe auS ihrem Auftrage zu leisten; ferner um ihm zu eröffnen, was er unter der heiligen Handlung Gott anzuempfehlen habe. Dieser ersten Messe, für die Lebenden folgte eine zweite für die Todten. Wie sie jeden Priester tadelte, der die unverantwortliche Leichtfertigkeit einer hastig gelesenen Messe sich zu Schulden kommen ließ, so konnte ihrem Auge auch kein ungeziemendes Umherschweifen der Blicke bei der Umgebung entgehen. Einst meinte Jemand ihr eine Freude zu bereiten, indem er ihr längst erwartete Briefe der Mutter in der Kirche übergeben wollte. Anna warf nur einen flüchtigen Blick darauf, und sagte mit leiser Stimme: „Geh' mit deinen Briefen; hier ist weder der Ort, noch gegenwärtig die Zeit, sie zu lesen. Bewahre sie, bis ich die Kirche verlasse; jetzt liegt mir ob, deS Gottesdienstes zu warten, nicht Briefe zur Hand zu nehmen." Sie hatte Ribadeneira'S Leben des heiligen JgnatiuS in die deutsche Sprache übertragen und außerdem selbst geistliche Lieder verfaßt. Auch darin ahmte sie der Mutter nach, daß sie wöchentlich zwölf Arme speiste, nicht allein selbst die Speisen auftrug, oft auch dieselben kochte. Dann schürzte sie sich mit einem Linnentuche, waS auch der Beichtvater thun mußte, und nahm mit einem großen Küchenlöffel den Theil für einen Jeden aus dem Topf, duldete aber so wenig, daß Jemand ihr beistehe, als daß die Armen vor ihr sich erhöben. Hätte nicht der Tod sie ereilt, so hätte keine Gewalt sie zurückhalten können, ihrem Gemahl auf seinem Kriegszuge nach Schweden zu folgen. „Weder Gefangenschaft noch Tod — sagte sie — könnten mich unvorbereitet finden. Ich bin gewappnet gegen alle Pfeile des Mißgeschicks. Ich werde mich bei jeder Widerwärtigkeit unter den Willen Gottes beugen und mit Job sagen: nackt bin ich von meiner Mutter Leibe gekommen, nackt werde ich zurückkehren, der Herr hat eS gegeben, der Herr hat eS genommen, es ist nach deS Herrn Willen geschehen, des Herrn Name sey gepriesen." AehnlicheS ließe sich von allen Schwestern berichten. Es würde mich aber zu weit führen; nur zwei Aeußerungen der Erzherzogin Margaretha, Königin von Spanien, darf ich nicht unerwähnt lassen. Nicht auf den Rang einer Königin, auf den Vorzug, eine fromme Königin zu seyn, wollte sie alles Gewicht legen. Jenes — sagte sie — hat mir Gott ohne mein Verdienst gegeben, um dieses aber habe ich mich unter seiner Gnade zu bemühen." Eine andere Aeußerung derselben lautet: „ich kann nicht begreifen, wie Jemand einen Beichtvater haben mag, der ihm nicht rundweg die lautere Wahrheit sagt." (Schluß folgt.) Unsrer lieben Frauen Mantel. Eine Erzählung in sieben Lectionen über das Salve Ncgina. Dritte Lection: „Zu dir rufen wir verwiesene Kinder Eva's," Der alte Falzmann saß friedlich arbeitend in seiner Werkstube und sah erwartungsvoll dem Sohne entgegen, den er, auf ihr Geheiß, zur Fürstin geschickt hatte, als dieser mit ganz entrüsteter Geberde hereinstürmte, und einen ansehnlichen Pack von rohen und broschirten Buchern trotzig in eine Ecke warf. — Ho, ho, mein Sohn, sprach er verwundert, jedoch ruhig, was ist da vorgegangen? Wo kommt das Wetter her? — Herr JacaueS gab keine Antwort, er riß seinen wunderschönen ultraneumodischen Frack vom Leibe, warf ihn ins Nebenzimmer, band die Schürze um und setzte sich mit einer Heftigkeit an seinen Arbeitstisch, die mehr auf Zorneifer als auf Arbeitslust deutete. Mein Sohn, fuhr der Alte gleichmüthig fort, du hast dich der durchlauchtigsten Fürstin heute in einem sehr eleganten Einband präsentirt, aber das Papier sammt dem Inhalt in dem Buche scheint theils unfein, theils sehr zerknittert zu seyn. Auch find Rücken, Ecken und Titel nicht von bester Beschaffenheit, denn der Rücken ist zu 300 steif und unbiegsam , die Ecken zu hart und nicht hinlänglich abgeglättet, der Titel aber zeigt gar keine zierlichen Lettern, denn eS steht auf deiner Stirn und dem ganzen Gestcht ein häßlicher, recht widerwärtiger Unmuth angeschrieben. Endlich, wenn man das Buch aufschlagen will, so zeigt sich ein großer Fehler in der Falze, denn eS wirft sich und liegt nicht plan da, sondern fällt gleich wieder zu; auf diese Weise geschieht eS, daß dein Vater dich frägt, und du ihm keine Antwort gibst und vor ihm das Herz verschließest, als hätte dein Vater kein Recht, darin zu lesen. O mein Sohn, mein Sohn! Vater, erwiderte dieser, Sie mögen die Fürstin rühmen, wie Si« wollen, ich habe sie nun kennen gelernt. — So, Mein Sohn, und? — Lauter hochfahrendes, wegwerfendes Wesen, erschreckliche Vornehmheit. — Mein Sohn, sie ist auch vornehm genug, sie ist ja Fürstin! Hochfahrend mag sie in so fern seyn, als sie zuweilen in ihrem hohen Staatöwagen daher fahren muß; wegwerfend ist sie nicht, wenigstens sicher nicht in dem Grade wie du, der du daS ganze Bücherpacket dort in den Winkel geworfen hast, wiewohl du nur ein gemeiner Buchbinder bist, und weder Fürst noch Herr, am wenigsten über dich selbst. — Vater, eS ist Ein Mensch wie der Andere. — Mein Sohn, bedenke, daß du hier etwas sehr AlberneS gesagt hast, denn an daS Wahre, was darin liegt, dachtest du eben nicht. Hat dich etwa die Fürstin nicht so höflich behandelt, wie eS dir gebührt? Hat sie ihre Freude nicht genugsam zu erkennen gegeben, einen so vortrefflichen, jungen Mann kennen zu lernen, als der du in deinem neuen Frack zu seyn dir einbildest? — Hat sie etwa gar unterlassen, dir einen Sitz auf dem Sopha anzubieten? Ei du Sausewind, wo sausest du hin? — Vater, von Ihnen muß ich die Spöttelei hinnehmen, aber der Fürstin verächtlich herablassendes „Er" und „mein Lieber" und „wie meint Er, mein Lieber?" kann ich nicht so hinnehmen, als wäre ich etwa einer ihrer Livreegeister und Stallknechte, und nicht ein freier Buchkünstler, ein Mensch von Welt und Bildung, und der sich fühlt. Richtig, sagte der alte Falzmann, so singen ja die Zeisige, welche einen freien Gesang zu führen meinen, und deS FlageoletS vergessen, daS ihnen die unnatürliche Singweise aufgezwungen hat. So schrieben diejenigen auch, die durch ihr Flugschrift- und Journalwesen dem ehrsamen Buchbindergewerbe so großen Schaden verursacht haben, indem diese ungebundene Literatur der solid gebundenen den Vorrang abgewann. Ach wir Buchbinder kennen die Zeit! DaS Binden und Gebundenseyn wird immer verhaßter, die Bände werden lockerer wie die Bande, und junge feuerfangende Strohköpfe fühlen sich. Also du fühlst dich, mein Sohn, aber wie? Du fühlst dich, und deßwegen wirst du grob und widerspenstig. Ist daS wohl ein feines Gefühl, mein Sohn? Wir Alten, besonders aber unsere lieben Vorfahren, fühlten sich auch, und ihr in der Wahrheit, im gebenedeiten, katholischen Glauben befestigtes Herz sagte ihnen vernehmlich, daß sie nichts als verwiesene Kinder Eva'S seyen. Und zwar Kinder Eva'S, als Kinder der blinden Begierde und Hoffart, welche die Freiheit göttlicher Liebe vernichtet und dafür die Frechheit inS Herz gepflanzt hat; verwiesene Kinder Eva'S, als Kinder deS ungehorsamen, gefallenen, in der Welt der Sinne und der Knechtschaft versunkenen Menschen, welche von Gott, vom Quell der Seligkeit getrennt sind und auf dieser Erde ein ParadieSgärtlein jeder nach seinem Behagen sich anlegen möchten, wo doch nur Disteln und Dornen wachsen können. Wie paßt aber dieß hierher, mein Vater? — Sehr genan paßt eS hierher, mein Sohn. Wenn du dich als ein verwiesenes Evakind fühltest, so hättest du den Frieden durch die Demuth bewahrt und würdest einsehen, daß wir Menschen nur durch Gehorsam bestehen können, so wie wir lediglich durch Ungehorsam gefallen find. Du würdest dann nicht gesagt haben: ich fühle mich, denn eben dein Ich, das du fühlest, würde sich in seiner großen Erbärmlichkeit dir vor Augen stellen und dir die Nothwendigkeit zeigen, das einzige wahrhaste und selige Ich anzuflehen, daß eS dein Ich werden möge. — Sehen Sie, Vater, wie Sie mir da selber die Waffen in die Hand legen? Wenn wir Alle Evakinder, und in unserm eigenen Ich erbärmlich sind, wie Sie selbst sagen, nun wie hat denn Eines einen Vorzug vor Andern? — Pfui, mein Sohn, was für häßliche Reden! Hast du eine Welt ohne Ordnung gesehen? 301 und eine Ordnung ohne Gehorsam? Gibt es eine Ordnung ohne Gesetz? und ein Gesetz ohne Urheber? Aber ich antworte dir lieber gar nicht auf solche Bubenworte, sondern ich klage mich selber an, daß ich nicht hinlängliche Sorgfalt für dich getragen habe, du Schmach meiner grauen Haare, du gedankenloser Gedankenkrämer, du ungetreuer Christ! Lerne die göttliche Ordnung verehren, bete und arbeite, du verwiesenes Evakind! Ich will nicht, daß Sie sich erzürnen, Vater! — Mein Sohn, mußt du das letzte Wort haben? Bringe die Bücher dort her, sogleich! Warum hast du sie weg- geworfen? War'S dir schimpflich, sie zu tragen? — Die Fürstin hat Leute genug; ich bin kein Packesel. — Mehr als du glaubst, mein Sohn, du trägst eine schwere Last, und diese Last möchte mir das Herz abdrücken. Lege die Bücher säuberlich da herauf, eins nach dem andern, und lese mir die Titel vor; ich bin doch begierig, waS für Neuigkeiten die durchlauchtige Frau dießmal mitgebracht habe. — Der Sohn gehorchte und laS: I. F. Allioli, die heiligen Schriften deS neuen Testaments. Des gottseligen ThomaS von Kempen vier Bücher von der Nachfolge Christi. DeS heiligen Franz von Sales Philothea. L. Goffine'S Unterrichts« und Er- bauungöbuch. G. RippelS Schönheit der katholischen Kirche. K. Martin'S Lehrbuch der katholischen Religion. I. B. HirscherS Betrachtungen über die sonntäglichen Evangelien. I. B. HirscherS Betrachtungen über sämmtliche Evangelien der Fasten. A. Rodriguez, christliche Vollkommenheit. Ludwig von Granada, Homilien. Schön, schön, sagte der alte Falzmann, wieder ganz heitern Antlitzes, das nenne ich mir wackere Leute! Siehst du, mein Sohn, was da alles für die gute Sache geschieht? O die Fürstin weiß auszuwählen! WaS kommt denn noch? — Herr JacaueS musterte ferner, und sprach: lauter Gebetbücher. DaS Köthener Mis- sionSbuch. HumannS Lehr- und Gebetbuch. Merlo-HorstiuS, Paradies der christlichen Seele. LamvruSchini, der geistliche Führer. HauberS Gebetbuch. I. P. Silbert, Gegrüßet seyst Du, Maria. Ch. Moufang, Oktioium äivinum. Galura'S Gebetbuch. M. A. Nickel, Gott mit uns. H. Himioben, Ehre sey Gott in der Höhe. Dann noch eines: Handbüchlein der Erzbruderschaft vom hochheiligen und unbefleckten Herzen Mariä. Schön, schön! wiederholte Herr Falzmann, welch ein Strauß von AndachtS- blüthen! DaS letztere gehört wohl zu den allerschönsten. — Die Fürstin scheint sich auch etwas daraus zu machen, denn eS liegt noch eine Parthie von hundert Exemplaren bei ihr, die sie bis zum Muttergottesfeste gebunden haben will. — Ich weiß, ich weiß, mein Sohn, sie will dieselben hier unter die jungen Leute vertheilen. Aber du rümpfst schon wieder die Nase? — Ich rümpfe die Nase nicht, Vater, aber ich bin der Meinung, ein gutes Sittenbüchlein oder ein Unterrichtsbuch über giftige Kräuter und Schwämme, und sonst dergleichen, wie man sie in Menge hat, möchte nützlicher seyn. — Ei du klugeS Evakind, bringst du das Alles von deinen Reisen mit? Die Fürstin denkt wohl: Vieles ist gut, aber EineS ist noth: daß man selig werde! Weil sie aber weiß, daß wir alle verwiesene Kinder Eva'S sind, so weiß sie auch, daß gerade dieß das Allerschwerste sey. DaS ist aber eine große Himmelsfürstin, die ihren Fürstenmantel gnädiglich über uns ausbreiten und zu ihrem göttlichen Sohne uns leiten will, bei Dem sie, wie billig, Alles vermag, das ist die zweite und makellose Eva und wahrhafte Mutter der Menschen, zu welcher wir Ursache haben, immerdar zu flehen, wie denn auch daS Gebet der heiligen Kirche lautet: Zu dir rufen wir verwiesene Kinder Eva'S! Zu dir flehen wir, o Königin der himmlischen Wohnungen, daß du den Verwiesenen beistehest, um wieder eingelassen zu werden ins ewige Vaterland! Der alte Falzmann stand auf und faßte seines SohneS Hände, und eS traten ihm Thränen in die Augen. Du geliebter Sohn, sprach er, wie wirst du einst weinen, wenn diese unsere Mutter in ihrer großen Liebe, welche sie zu unS Allen heget, dein Herz berührt; wenn du sie erkennen wirst und dann erst daS Leben dir aufblüht! Christus, dein Herr, ist nicht dein Bruder bloß, er ist auch dein Richter, und auch das Strafen gehört ihm zu; die Jungfrau, deine Mutter und Schützerin, einst deine 30S Schwester, da sie aus Erden lebte, kennet das Mitleid bloß. So bemerket es ein hocherteuchteter Mann, mir schein«, der heilige AnselmuS ist'S. Gewiß aber weiß ich, daß eS BerncirduS war (welcher, wie du selber bekennen wirst, doch unendlich höher zu achten ist, als Zehntausend von Deines- und Meinesgleichen), dessen Gebet noch viel deutlicher klingt. Da, hier in diesem Buche steht es: Gedenke, o gütigste Jungfrau Maria, daß es noch nie erhört gewesen, daß Einer, der zu dir seine Zuflucht genommen, deine Hilfe angerufen, um deine Fürsprache gebeten, von dir verlassen worden sey. — So fange denn kühnlich an, und bitte sie, die heilbringende Jungfrau, sie möge auch dich aufnehmen unter die Zahl ihrer glücklichen Verehrer; und — wenn du dieß Lese- und Gebetbuch für ihre Verehrer hundertmal einbindest, dann lese eS bei dieser Gelegenheit doch Einmal nur. Ich bin ja nicht dawider, entgegnete Jacques, ich will ja gar nicht störrisch seyn, aber ich will nicht per Er behandelt werden und mit einer ganzen Last bepackt, während man gegen anvere Personen, die auch nur zum bürgerlichen Stande gehören, mit größter Freundlichkeit sich benimmt. DaS macht solche Personen stolz, verdirbt die Einfalt ihres Herzens und stört ihr gutes Verhältniß zu andern Personen, mit denen sie bisher in Einklang waren, zumal wenn diese andern Personen in Gegenwart jener Personen so geringfügig genommen werden. — Wer sind denn aber diese Personen? fragte Herr Falzmann. — Es ist dießmal nur eine, mein Vater, Josephs ist's, eine gemeine LebkuchenbäckerStochter; die sitzt dort wie eine Dame du Palais und stickt goldene Blumen auf rothsammtnem Grund, und ist dabei, Gott weiß wie, aufgeblasen von Selbstgefühl. — Siehst du? siehst du? erwiderte der Alte lächelnd; sie fühlt sich eben auch, das soll man ja nach deinen Ansichten? Aber man kaun Bücher einbinden mit Gold, wie wir; man kann Blumen sticken mit Gold, wie Josepha; man kann Lebkuchen und andere Süßigkeiten backen und in Goldpapier wickeln, wie Herr Pankraz, ihr Vater, und dabei doch recht demüthig seyn und bleiben, sofern man Alles nur zur größern Ehre Gottes und zur Freude deS Nächsten thut. Recht so! rief Herr Pankraz zur offenen Thüre herein. Und meine Pcpi thut wirklich also, denn sie stickt an einem Mantel unserer lieben Frau. Das AntoniuS-Glöckletn. (Eine Reliquie von Guido Görres.) ES ist vor vielen Jahren zu Ende des Franzosenkrieges gewesen, da war ich in Salzburg, Mozarts Geburtsstadt. Traurige Tage hatten wir damals durchlebt, als der glühende Ehrgeiz des Franzosenkaisers die zahllosen Schaaren der großen Armee in den Winter Rußlands hinausgeführt; vor ihren Augen hatten sie Moskau in Rauch aufgehen sehen; ohne daß sie eS wußten, hatte eS ihnen als Todesfackel ihres Leichenbegängnisses geleuchtet; in den Schncegefilden waren sie dem Hunger und der Kälte, den Kugeln und den Pfeilen der verfolgenden Feinde erlegen. Auch aus Bayern waren auf Befehl des Unersättlichen, Dreißigtausend hinausgegangen, die Ihrigen harrten noch immer von Tag zu Tag, von Woche zu Woche, von Monat zu Monat in banger Erwartung auf die Heimkehr ihrer Angehörigen. Doch n^ur herzzerreißende, unglückliche Botschaften, nur ungewisse Gerüchte trafen statt ihrer em, und hier und da ein Einzelner, der wie durch ein Wunder dem Tode entronnen. Und doch mochten die Eltern und Geschwister die Hoffnung nicht aufgeben, die immer wieder auch bei dem kleinsten Schimmer aufwachte. In dieser Zeit machten wir einmal in die so wunderschöne Umgegend Salzburgs einen Ausflug. Wir gingen MichelSbach zu; der Weg war reizend; anfänglich führte er durch die reiche wie,en- grüne Ebene, dann erhoben lich waldgrüne Hügel, und dahinter die mächtigen, zum Himmel hinanragenden Felswände des salzburgischen Alpenzuges. In der ländlichen Stille und Einsamkeit vernimmt daS Ohr schon in weiter Ferne jeden Jodler, jeden Hahnenschrei. Doch darauf achtete ich nicht, es war vielmehr der helle Ton eines GlöckleinS, der mich aufmerksam machte. Sein lauter, silberner Ruf tönte von Zeit 3V3 zu Zeit in unregelmäßigen Absätzen weit vernehmbar in der Runde in die Stille der großartigen Natur hinein. ES war kein Dorf, keine Kirche in der Nähe, von woher der Ton kommen konnte; in der Einsamkeit selbst mußte das Glöcklein stehen. Der Ruf klang einmal kürzer und dann wieder länger, einmal leiser und dann wieder überlaut, als würde das Klöckletn von einer nach Hilfe ringenden, verzweifelnden Hand gezogen. Allein wer sollte eS läuten, und was konnte hier sein weit in d.ic Ferne hallendes Klingen bedeuten? Da eS indessen nicht aushörte, und eben wieder recht hell und vernehmlich ans seiner Einsamkeit in unsere Einsamkeit hinüberrief, frug ich einen Geistlichen, der mich begleitete, welche Bewandtniß es doch mit dem Glöcklein hätte? „Das ist das Antonius-Glöcklein," erwiderte er, „daS wird freilich jetzt gar oft von denen, die vorüber gehen, geläutet." Ich bat ihn, mir darüber nähern Aufschluß zu geben, und er erzählte mir Folgendes: „Wie Jedermann weiß, wird die Fürbitte des heiligen Antonius in großen Nöthen, und besonders dann angerufen, wenn uns ein kostbares, werthes Gut verloren gegangen ist. Nun gehört das Glöcklein, welches wir heute so oft gehört, einer kleinen, dem heiligen AntoniuS geweihten Capelle. Es sind aber gar Viele, Gott weiß eS, in der gegenwärtigen Zeit, deren liebste Anverwandte und Freunde nach dem fernen Rußland gezogen; die Ihrigen wissen nicht, ob sie erschlagen auf dem großen Schlacht- und Leichenfelde liegen, oder ob sie, erstarrt auf Schnee und EiS gebettet, den tiefen TodeSschlaf schlafen; oder sind sie gefangen und leiden Hunger und Kummer; oder liegen sie schwer verwundet in irgend einem Hospitale aus hartem SchmerzenSlager; Niemand kann eS ihnen sagen, Gott weiß eS allein; da nehmen dann die betrübten Gläubigen mit festem Vertrauen ihre Zuflucht zu dem gnadenreichen Heiligen. Wer mit bangem Herzen einen seiner Angehörigen zurückerwartet und des WegeS vorüberwandert, der läutet das Antonius-Glöcklein und betet ein andächtiges Vater unser und Ave Maria dazu, und verläßt mit der festen Zuversicht die Capelle, daß der Verlorene in Jahr und Tag heimkehre; denn er hat ihn ja gesucht und gerufen, so gut er eS immer vermochte; ist dieß aber nicht GotteS Wille, erhört Gott nicht den klagenden, suchenden Ton des Glöckleins und die Fürbitte seines Heiligen, so ergibt er sich in GotteS Willen, getröstet, ihm noch den letzten Liebesdienst erwiesen zu haben, und überzeugt, daß er dann seiner armen Seele im Fegfeuer zu Gute kommt." An städtische Sitte und Denkweise gewohnt, wollte mir dieser Brauch gar seltsam erscheinen; der Geistliche fuhr indessen fort: ,,O, der glaubensarme Städter, der sich gar so klug und weise dünkt, und so vornehm auf den einfachen Glauben des Armen herabsieht, was thut denn der im gleichen Falle? Ist es nicht oft zum Erbarmen, ihn sich so abmühen und abhetzen zu sehen. Hundert- und hundertmal hält er immer wieder von Neuem vergebliche Nachfrage, auch selbst an solche Orte sendet er einen Boten nach dem andern, wo er schon von vornherein überzeugt seyn muß, daß dort der schwer Vermißte nicht zu finden seyn wird. Mit der eigenen schwachen Kraft möchte man Hilfe erzwingen. Der Kleingläubige kann und kann sich ja nicht in sein Schicksal ergeben; er greift nach jedem Strohhalm, und sucht vielleicht gar bei einer Kartenschlagen« Trost, läutet an allen Glocken, mir nicht an der rechten; bei Gott seine Zuflucht zu nehmen, in dessen Hand unser Aller Schicksal liegt, daran denkt er nicht." Während der Geistliche so sprach, läutete daS Glöcklein wieder mit lautem Rufen lange, lange in die Nacht hinaus. Ich dachte, welche bekümmerte Seele mag dem Glöcklein seinen Schmerz anvertrauen? Gott führe ihr den Verlornen zurück, den sie sucht. (Hist. polit. Bl.) Amerika. DaS „UniverS" schreibt: „Seitdem die socialistische Secte sich in Neugranada oer Herrschaft bemächtiget, hat sie die kathol. Kirche unaufhörlich verfolgt. Die Austreibung der Jesuiten war der Anfang. Vor sechs Jahren waren sie ans Begehren der Kammer durch die damalige Regierung eingeführt worden. Sie unterrichteten die Jugend, sie hielten Missionen und verkündeten überall die Wunder ihres Eifers. Solche Männer stellten Denjenigen ein zu starkes Hinderniß entgegen, welche die revolutionären und anarchischen 304 Ideen in den Geist der jungen Leute pflanzen und in ihren Herzen die Keime des Katholicismus ersticken wollten. Um ihrer loS zu werden, bedürfte eS nur eines VorwandeS: man suchte einen solchen in der Rüstkammer der alten Verleumdungen. Die neue Regierung erklärte also, die Jesuiten hätten sich gegen die Republik verschworen, sie wollten sich Neugranada's bemächtigen, sie ruinirten die Familien, um sich zu bereichern u. s. w., und ungeachtet der Protestationen der ungeheuern Mehrheit der Granadier, welche daS Gegentheil öffentlich bezeugten, ungeachtet der Bittschriften, welche von der Gesammtheit unterzeichnet wurden, und die sogar der Präsident Hilario Lopez offen unterstützte, wurde ein VerbannungSdecret gegen die Jesuiten erlassen. Die Fortschritte in der Sittlichkeit, die Leitung der Gewissen, ja die Erziehung der Kinder, alle diese höhern und ewigen Jnteres- sen wurden den Forderungen der radicalen Politik, und zwar wohlgemerkt im Namen der Freiheit zum Opfer gebracht. Die Gesetzgebungen von 1851 und 1852 fuhren, von dem gleichen Geiste beseelt und daS gleiche Ziel verfolgend, wie die Regierung — nämlich die Vernichtung der kath. Religion — auf dieser Bahn fort. Sie erließen Gesetze, welche die Kirchenzucht zerstörten: ein Gesetz über das Patronatsrecht und über die Immunität. DaS erstere vertraut die Ernennung der Pfarrer den Capiteln und den Gemeinden. Dadurch hofft man, wie bei politischen Wahlen, wo einige Lärmer daS Gesetz machen, Priester nach dem Herzen der Demagogen zu bekommen. Durch daS zweite Gesetz will man die heilige Würde deö Priesters herabwijjdigen und verächtlich machen, indem man ihn sogar für Vergehen in geistlichen Dingen vor die Civilgerichte schleppt. Umsonst haben die Bischöfe und die Geistlichkeit gegen diese Gesetze prolestirt und der Regierung bewiesen, daß es ihnen nicht erlaubt wäre, sie anzunehmen. Die Repräsentantenkammer und der Senat haben den Erzbischof von Bogata, mit Hintansetzung der Gesetze und der Verfassung, verbannt. Diese Gesetzgeber machen die Gesetze nicht, um sich ihnen zu unterwerfen; sie erlassen sie gegen diejenigen, welche sich berufs- und pflichtgemäß ihren anarchischen Bestrebungen widersetzen..... Ihr Ultimatum ist: die Kirche soll vom Staate unabhängig seyn, das heißt beraubt und isolirt; Gott soll in das Heiligthum eingeschlossen seyn und die Priester mit ihm; oder die Kirche soll dem Staate unterworfen seyn und alle Folgen dieser Unterwerfung tragen; sie soll z. B. die Gehilfin, die Trägerin demokratischer und socialistischer Lehren werden. Umsonst mögen sich die Bischöfe auf die Artikel der Verfassung, auf ein abzuschließendes Concordat mit dem heil. Vater berufen. Gerade ein solches will man nicht. Man will die Zerstörung der Kirche : und dazu schreitet man im Einzelnen, ohne Unterlassung, durch Gesetze, Decrete, Kammerreden, durch die Presse, durch Hinlerlist und durch Gewalt. Man zerstört das Seminarium in Bogata; man verbannt den ehrwürdigen und muthvolkn Erzbischof dieser Stadt, man hintergeht Treue und Glauben, man täuscht daS Greisenalter desjenigen Prälaten, welcher secle vseante die Diöcese von Antioquia verwaltet, und man erlaubt sich ungesetzliche Handlungen, um den Promotor der Erzdiöcese und den einstweiligen Promotor, welche der kirchlichen Disciplin treu geblieben sind, zu verfolgen und zu strafen..... Die Zeitungen lassen bis in die kleinsten Dörfer ihre religionsfeindlichen Lehren ertönen; Lüge und Verleumdung werden überall ausgestreut. Um z. B. die Wirkung zu vereiteln, welche die Breven deS heil. Vaters an den Erzbischof von Bogata auf den Geist der Gläubigen ausüben, suchte man den Zweifel über deren Aechtheit zu verbreiten. Zu diesem Ende erfand man ein apokryphes Breve, ließ eS in einer Menge von Zeitungen abdrucken, verbreitete eS in Tausenden von Exemplaren; ein Gouverneur ging so weit, eS in den amtlichen Theil eines LocalblatteS einrücken zu lassen, und theilte eS dem Promotor der Diöcese mit, um ihm die Gesinnungen des heil. Vaters zur Kenntniß zu bringen..... Der apostolische Nuntius beeilte sich, diese schändliche Betrügerei zu enthüllen und von der Regierung die Einrückung einer Note in das Amtsblatt zu fordern. Die Regierung durste sie nicht verweigern, aber die öffentlichen Blätter sorgen dafür, daß der Zweifel über deren Wahrheit rege werde und der alte Zweifel nicht verschwinde. Alle diese Mittel führen zur Beknechtung und zum Ruine der katholischen Kirche." Wir fügen dieser Darstellung bei: die Feinde der katholischen Kirche haben keine andere Mittel gegen dieselbe, als List, Betrug und Gewalt. Verantwortlicher Siedactenr: L. Schönchen. » VerlagS-Jnhaber: F. E> Kremer. Zwölfter Jahrgang. Sonnt aas-Beiblatt »ch» HvvHdw««.'Pp-DHTK ,,5'Ns«g,?ioV 'Svck .chilmtu ÜE A,ch„qiiai zur Augsburger PostZeitung. Nl.>?« ^na .»usäS^tt-N Sv? n : 5,amk ZL«6zK chpn nschoW ^ini- i»t»uLt a«Z nt>I mvschtt'b ttciixv »ff ;1 ilitz»» t.?k jss tz u-' U. Die heiligt Taufe, das Vorfegnen der Wöchnerinnen und die erste Erziehung der Minder. tkk »bnvt ZM »chr»N»tt;äsi ,ch>« «zW »i mnisiK inmtv. >ÜÄ jiau^jnV Theuerster Freund! Ich erfülle mein Versprechen, und schreibe Dir, da mir eben wieder einige freie Minuten gegönnt sind, meine Ansichten und Erfahrungen über daS junge Wien, worunter ich aber nicht daS ravicale oder revolutionäre Wien, sondern nur die kleinen Kinder in der Residenzstadt verstehe. Ich fange jedoch bei den aUerkleinsten an, welche getauft' werden sollen. UnS Geistlichen in Wien werden die neugeborneu Kinblein in der Regel nicht inS Gotteshaus zum Taufbrunnen hingebracht, sondern wir Müssen in die Wohnung der Eltern gehen, um dort die heilige Taufe auSzuspen- den. Ooschon dieser Gebrauch eben nicht preiswürdig ist, so läßt er sich roch in Wien auS mancherlei Ursachen nicht leicht abschaffe». Zuerst nämlich proleslirt die Mutter dagegen, daß ihr daS neugeborne Kindlein fortgeiragcn wird; dann fürchtet man, daß das zarle Geschöpf in der Kirche einen Schaden an der Gesunlheil leiben könnte; ncbstvem gehen die Tauspalhen nicht gern i»S Gotteshaus, unv das Fahren kostet zu viel Gelv; endlich ihut dem Pfarrgeistlichen eine Remuneration für den Gang inS HauS sehr wohl, weil seine Besoldung zum Leben in Wien nicht hin, reichend ist. Bisweilen aber sind mir diese HauSlaufen recht schwer gefallen, und zwar nicht bloß der großen Hitze oder deS rauhen stürmischen WetierS wegen, sondern auch der sonderbaren Leute wegen, zu denen ich gekommen bin. Manche Leute nämlich sehen einen katholischen Priester nicht gern in der Nähe, und eS wird ihnen bei einer heiligen Handlung unheimlich zu Muthe; bei andern ist die liebe Armuih zu Hause, daher muß sich der Priester auf finstere oder trübselige Mienen gesaßt machen, oder gar spitzige Worte anhören, und sehr oft in Betreff seiner Nemuncralion viel Nachsicht haben. Ost habe ich mit Bedauern gehört, daß die Ellern nur auf vieles Bitten einen Tauspalhen für ihr Kind gesunden h^ben, und zwar einen armen Dienstvolen oder Taglöhner. ES scheint demnach in Vergessenheit geraihen zu seyn, daß eS ein gutes, für den Himmel sehr verdienstreiches Werk ist, bei einem Täuflinge Pathenstelle zu vertreten, besonders wenn man daS erfüllt, waS die heil. Kirche von den Tauspalhen verlangt, wenn man nämlich in der Folge die Erziehung unv den Wandel derjenigen, denen man beim Empfange der heil. Taufe Beistand geleistet hat, liebevoll überwacht. — Nicht genug aber, daß in Wien zu jeder Jahreszeit und bei allen verehelichten Leute» den Neugebornen die heilige Taufe in der oft sehr 306 armseligen Wohnstube ertheilt wird; sondern nebstdem werden auch die Mütter also» gleich vorgesegnet, und daS dürfte der Abficht unserer heiligen Kirche schon gar nicht entsprechen. Du weißt nämlich, daß Vorsegnen der Mütter im Gotteshause recht finn- und lehrreich ist; denn gleichwie Maria am vierzigsten Tage nach der Geburt Jesu im Tempel zu Jerusalem erschienen ist, um ihren angebeteten Sohn dem allmächtigen Vater aufzuopfern, und zugleich auS Demuth daS im mosaischen Gesetze vor» geschriebene Reinigungsopfer darzubringen: so begibt sich auch eine christkatholische Mutter einige Wochen nach der Geburt ihres KindeS in daS Gotteshaus, und opfert ihren Sprößling dem himmlischen Vater auf; sie weihet gleichsam ihr Kindlein dem Dienste GotteS, und dankt dem Allmächtigen in seinem heiligen Hause für die glückliche Geburt deS KinveS. Nebstdem wird auch jede christkatholische Mutter durch die Vorsegnung daran erinnert, daß der Ursprung deS Menschen noch immer unrein ist, und daß eben deßhalb nicht bloß der Neugeborne deS BadeS der heiligen Taufe, sondern auch jede Mutter der Weihe oder deS Segens ihrer von Christo gestifteten Kirche bedarf, um wieder würdig im Heiligthume deS Gotteshauses erscheinen zu können. Diese Bedeutung des VorsegnenS nun geht größtentheilS verloren, wenn die genannte Ceremonie in der Wohnstube einer Mutter vorgenommen wird. Darum, lieber Freund, wirst Du mit mir wohl einverstanden seyn, wenn ich meine, daß die Mütter ohne weiterS im Gotteshause erscheinen sollten, um sich vorsegnen zu lassen. In Spanien hat ja vor einiger Zeit sogar die Königin ihren Kirchengang öffentlich verrichtet, und die kleine Prinzessin dem himmlischen Vater vor dem Altare aufgeopfert; warum sollte daS in Wien nicht ebenfalls thunlich seyn? Leider ist auch die Wartung und erste Erziehung der armen Kleinen in Wien nicht lobenSwerth. Ich würde eine lange Zeit und viel Raum in diesem Briefe brauchen, wenn ich Dir alle Febler und Thorheiten schildern wollte, die bei der Pflege der Kinder begangen werden. Namentlich pfleg» man die zarten Geschöpfe selbst mit solchen Speisen und Getränken, die nicht einmal den Erwachsenen zuträglich sind, völlig zu überladen, so daß schon frühzeitig in sie der Keim zu einem lebenslänglichen Siechthum gelegt wird. Nebstdem läßt man eS an der nöthigen Aufsicht fehlen. Sehr nützlich sind darum die Kleinkinverbewahr- anstalten in jenen Vorstädten, die meistens von armen Leuten bewohnt werden; denn in diesen Anstalten werden einige hundert Kinder im Alter von drei bis fünf Jahren den ganzen Tag hindurch sorgfältig überwacht und beschäftiget, so daß die Eltern ihret Arbeit ungehindert nachgehen können. Nebstdem lernen die Kleinen beinahe spielend recht nützliche Dinge, wie z. B. etwas Rechnen, dann die Buchstaben, und sogar ein wenig Lesen, ganz besonders aber die Anfangsgründe der heiligen Religion. Besser wäre eS freilich, wenn sich die Eltern selbst mit der ersten Bildung ihrer Kinder befassen könnten und wollten, denn dadurch würde vie kindliche Liebe und Dankbarkeit mehr befördert werden, als durch den Aufenthalt in einer Kinderbewahr- anstalt; allein bei dem jetzigen Stande der Dinge ist von Eltern nicht viel Gutes jv erwarten. Nicht genug nämlich, daß die meisten Eltern mit Berufsgeschäften überhäuft sind, sondern nebstdem besitzen sie selbst so wenig Geistes- und Herzensbildung, daß Kinder von ihnen sürwahr nicht viel Gutes lernen können. Ich versichere, daß mir oft daS Herz geblutet hat, wenn ich die zarte Jugend betrachtete, und ihre rohen Ausdrücke, ihre schmutzigen, wilden Reden, ihre Schimpf- und Schmähworte hörte oder ihr unbändiges Benehmen sah. Einst hörte ick «in ungefähr dreijähriges Kind mehrere Verse eines abscheulichen Liedes herablallen, und der Bater hatte darüber eine große Freude. DaS Kreuzmachen aber und daS Vater unser hatte daS Kind noch nicht gelernt. Bei den vornehmeren und reicheren Leuten endlich werden die Kinder schon frühzeitig zur Eitelkeit, zur Putz- und Gefallsucht angeleitet. Du würdest Dich, theurer Freund, gewiß wundern, wenn Du eS mit eigenen Augen sehen könntest, wie kostbar und wie phantastisch die Nachkommenschaft der vornehm seyn wollenden Leute in Wien auSstaffirt ist. Wenn Du mich daher mit den bekannten Worten, die nach der Geburt deS Johannes Baptista vorgebracht worden find, fragen wolltest: Was wird denn au< diesen Kindern werden? dann würde ich die 307 Achseln zucken, und Dir antworten: Ich weiß eS nicht. Gar viel Gutes darf man sich meines ErachtenS nicht versprechen. Da ich jedoch voraussetzen kann, daß Du Dich für die Verhältnisse und Zustände der Bewohner Wiens interessirest, so will ich Dir nächsten» noch weiteren Aufschluß darüber geben. Entziehe unterdessen deine Gewogenheit nicht deinem aufrichtigen Freunde N. Die Erzherzogin Maria von Steiermark« Mutter Kaiser Ferdinand de» Zweiten. Rede des Hofraths und ReichShistoriographen Dr. Friedrich Hurrer, gehalten in der P lenarversammlung des Wiener Central,Severi« nuSvereineS am 30. August 1852. ll. (Schluß.) Von den Töchtern wenden wir unS wieder zu der Mutter und deren Obsorge um alle ihre Kinder. Neben dem Höchsten und Tiefsten, jeder Lebensäußerung die verklärende Weihe Verleihenden, ward auch von allem, waS auf Vervollkommnung deS Geistes und auf Ausstattung mit manchartiger Geschicklichkeit, je nach der Eigenthümlichkeit deS Geschlechtes. Bezug Hai, nichts verabsäumt. Die lateinische Sprache nahm damals unter den Anforderungen höherer Bildung dieselbe Stelle ein, welche seit anderthalb Jahrhunderten der französischen nur allzuwillfährig ist eingeräumt wor« den. Gleich den Erzherzogen wurden auch die Erzherzoginnen in derselben von frühen Iahren an unterrichtet; mit welcher Gründlichkeit, zeigt ein jetzt noch vorhandener Brief, welchen die zehnjährige Erzherzogin Anna an ihren Oheim, den Herzog Wil» Helm von Bayern, in jener Sprache schrieb. Ferdinand, fünf Jahre jünger als Anna, scheint an ihrem Unterricht Theil genommen zu haben, denn schon nach seinem vierten Jahre konnte er eS versuchen, seinem Vater ein Brieflein zu schreiben, der freilich der Gemahlin darüber bemerkte: „um eö lesen zu können, hätte ich einer eigenen Ziffer bedurft." Immerhin ist eS ein Beweis, daß frühzeitig sein Unterricht begonnen habe. In seinem siebenten Jahre erhielt er solchen im Zeichnen und Malen, denn die Mutter schreibt ihrem Bruder: „Du glaubst nicht, wie der Bube den Lehrer plagt, er muß ihn stets abmalen.' Seinem Erzieher, dem Herrn Jakob von AttimiS, einem eben so erfahrenen als feingebildeten und gotteSfürchtigen Edelmann? jener Zeit, schrieb Maria, da Ferdinand eben das zehnte Jahr zurückgelegt hatte: „Ich sehe auS Eurem Schreiben, daß alle meine Kinder sich wohl befinden; daß mein Ferdinand zeichnet, höre ich gerne. Grüßet mir denselben und saget ihm, daß er fromm und gehorsam sey, durchaus nie etwaS von Euch begehre, waS ihm nachtheilig wäre. Saget ihm, ich hätte seinen Brief wohl empfangen." Die Sorgfalt der Erzherzogin um ihre Kinder spiegelt sich am hellsten ab in einigen Briefen derselben, welche ihr zweiter Sohn, Maximilian Ernst, veranlaßte. Klagen des Lehrers über denselben hatten Mahnungen, Erinnerungen, selbst Drohungen an ihn zur Folge. Aber als verständige Mutter wünschte Maria zu wissen: ob zu große Strenge deS Lehrers oder wirklicher Ungehorsam deS Zöglings die Klagen hervorgerufen hätten, denn der Erzherzog stand bereits in seinem achtzehnten Jahre. Alles aber, was wir über seine Persönlichkeit wissen, berechtigt zu der Vermuthung, daß die Behandlung deS LehrerS nicht die zweckmäßigste gewesen sey. Doch schrieb Maria dem Beichtvater Ferdinands: „nichts könnte ihr mütterliches Herz mehr erfreuen, als wenn Mar seine üblen Gewohnheiten wollte ablegen, ein vortrefflicher Fürst werden. Gingen ihr aber von Lehrern und andern Personen unablässig Beschwerden über denselben zu, so wäre eS nicht anders, als wenn man ihr daS Herz auS dem Leibe risse. Der Pater solle ihn ermähnen, daß er sie nicht immerfort betrübe, endlich sich bessere." 308 Auf dieses hatte besonders Ferdinand einzuwirken, welchen ste zur Berichterstattung über den Bruder aufforderte. Da nun Marimilian alles Gute angelobt, sandte sie jenem eine schriftliche Ermahnung zu, die er ihm unter vier Augen vorlesen sollte, und von der ste unter der Gnade GotteS, in Verbindung mit des SohneS gutem Willen, den besten Erfolg sich versprach. Sie täuschte sich nicht. Von Ferdinand kam ihr ein befriedigendes Zeugniß über den Bruder zu, worüber sie bemerkte: „Was kann ich Besseres wünschen, als daß Marimilian umkehre unv seinen üblen Gewohnheiten entsage? Laß ihn dir brüderlich empfohlen seyn und strafe ihn brüderlich, wo eS nöthig seyn sollte. Er wird cS annehmen, wo nicht, so drohe ihm mit mir. Mit nichts hättest du mich so sehr erfreuen können, als mit der Nachricht von seinem Wohlverhalten und mjt dem Zeugniß deiner Zufriedenheit mit ihm. Er solle ihn daher öfter zur Ausdauer mahnen, dann würden ihre Wünsche ungezweifelt in Erfüllung gehen, sie seines Fleißes im Lernen noch mehr sich erfreuen können als seines körperlichen Wachsthums." Ihm selbst schickte sie an seinem Namenstag ein Ringlein und knüpfte daran den Wink: „damit will ich dich zu der Ehre GotteS verbinden und anveutcn, daß du den Heiligen, dessen Namen du trägst, zum Vorbild nehmest, so fromm werbest, wie dieser eS war." Auch die andern Söhne ließ sie durch Ferdinand, der während ihrer Reise nach Spanien die Stelle deS HauSvaterS zu versehen hatte, öfters an Frömmigkeit, an fleißiges Studiren, an Gehorsam gegen ihn, gegen die Lehrer, gegen den Hofmeister erinnern. Den Grüßen an seine Geschwister fehlte selten der Beisay: „denjenigen, welche fromm sind, den bösen aber nicht." Würde nicht jedes ihrer Kinder gegen den Bruder, als den Aeltesten, gebührlich sich verhalten, so müßte ihr dieses großen Kummer bereiten. „Seyd friedlich unter einander," schrieb sie Allen zumal, denn einem Jeden derselben sollten ihre Briefe stetS mitgetheilt werden, „seyd friedlich unter einander, alsdann wird Gott mit Euch seyn." Ferdinand aber mahnte sie: «Hüte fleißig, eS thut alleS von nöthen." , Die Erzherzoginnen wurden unter den Augen der Mutter zur Arbeitsamkeit erzogen. Vcn der Königin von Polen wissen wir, daß sie jeden Tag von der Mit» tagöstunde an bis um vier Uhr mit zweien ihrer vertrautesten Kammerfrauen in Nähen, Stricken, Verfertigung kirchlicher Gerä'hschaftcn zubrachte. Hierin war auch die Königin von Spanien ras Ebenbild der Mittler; gleich derselben fertigte sie Manches, entweder für den Dienst der Kirche oder zur Hilfe für Arme. Bei dem Hofapoiheker, der zugleich den Namen und den Dienst eines ConfectuartuS hatte, mußten die Erzherzoginnen daS, was damals destilliren genannt wurde, erlernen. Auch den Verrichtungen in der Küche waren sie nicht fremd, wenigstens verstanden sie sich auf Bereitung von Backwerk, denn Maria trug einst Ferdinand auf, von Eleonorens „Kocherei" von jeder Sorte eine Schachtel voll ihr zu schicken, damit sie sehe, wie dieselbe ausgefallen sey. Jene Zeit kränkelte noch nicht an dem HumanitätS-Schleichfieber unserer Tage. Sie glaubte noch nicht, daß die Kinder zu Männern und zu Frauen könnten heran- geiändell und hcrangeiänzelt werden. Sie war dessen fest überzeugt, daß eine tüchtige, gedeihliche Erfolge inS Auge fassende Erziehung, neben der zartesten und wärmsten, aber auch vernünftigen Liebe, vor Anwendung zweckmäßiger Strenge nicht zurückschrecken dürfe. Gegen diese räumte fürstliche Geburt kein Vorrecht ein, und die Mutter glaubte so wenig dieselbe vermeiden zu müssen als der Vater. Beide sahen in den Kindern den Menschen, welchen die Liebe mit Erfolg nur dann heranzubilden vermöge, wenn auch der Ernst im Hintergrunde stehe. Die Erzherzogin Maria Christine, die ihre Kinderjahre am Hofe zu München zubrachte, hatte daher den Großvater nur deßwegen lieber als die Großmutter, weil er sie nie züchtigte. Di'k siebenjährige Ferdinand unterließ eS, vor einer Reise deS BaterS Abschied von demselben zu nehmen. Da trug Erzherzog Carl der Gemahlin schriftlich (wahrscheinlich um eS dem Knaben vorlesen zu können) auf, ihn bis zu seiner Rückkehr bei Wasser und Brod einzusperren. DaS ^Vrieflein ist noch vorhanden und zeigt in dem durchgestrichenen Wort Brod, wofür" der Erzherzog Stein setzte, daß ihm daS 309 Empfindlichste sollte angedroht werden. Eben so erfahren wir auS einem Brief der Erzherzogin, daß sie Ferdinand die Ruthe gegeben habe, weil er ungeziemende AuS, drücke gegen seinen Oheim Wilhelm sich erlaubt hatte. WaS zu meiner Jugendzeit, wenigstens in meiner Vaterstadt noch allgemein und gewiß wohlüberlegter Gebrauch war, daS wurde damals auch an dem Hofe zu Grat) beobachtet: der heilige Nikolaus kam niemals mit seinen Festgeschenken, ohne eine Ruthe mitzubringen. Maria aber schrieb in Erwartung dieses TageS und im Hinblick auf Ferdinand dem Bruder: „Wie wird der Bub eine Freude haben? Er spricht unausgesetzt von dem Nickel; nur fürchtet er sich, derselbe könnte auch eine Ruthe einlegen. DaS höre ich von Herzen gern." AIS aber eben dieser „Bub," wie ihn die Mutter nannte, regierender Erzherzog in Steiermark und Stellvertreter des Kaisers am Reichstag geworden war, schrieb er derselben von seinem dreijährigen Prinzen Johann Carl: „ich freue mich über nichts so sehr, als daß er so gerne betet und die Ruthe fürchtet." Heut zu Tage fürchten häufig die Eltern die Ruthe, da eine solche nicht selten in den Kindern für sie heranwächst. Auch ein Fortschritt! Hiermit habe ich Ihnen daS Walten der Erzherzogin Maria über ihre Kinder von der ernsten Seite dargestellt. Findet sich die hochverehrte Versammlung hierdurch angezogen und wünscht sie ein Bild desselben auch von seiner heitern und freuvigen Seite, so fehlt eS nicht an den bewährtesten Zeugnissen, um hierüber ebenfalls manches Ansprechende und Unmuthige mittheilen zu können. In diesem wird dann zugleich der vollgiltigste Beweis liegen, vaß der zu jedem Kampf gerüstete katholische Glaube, die gewissenhafteste Beobachtung alles dessen, waS derselbe vorschreibt, die freudigste Erfüllung der mannigfaltigen kirchlichen Bethätigungen, daS redlichste Streben nach seiner Heiligung durch Uebung jeder Art von LiebeS- und Bußwerken am fernsten stehe von zweideutiger Kopfhängern und von saurer Grämlichkeit, vielmehr mit der heitersten Hcrzensfreudigkeil jenes Wort deS Herrn erfüllend: Wenn ihr fastet, sollt ihr nicht traurig seyn wie die Heuchler. «i öt-.nrsS - :Kn,z,5,t «,m«vmt ,ir ' Unsrer lieben Frauen Mantel. Eine Erzählung in sieben Lectionen über das Salve Negma. Vierte Lection: „Zu dir seufzen wir trauernd und weinend in diesem Thale der Zähre«." Höchlich vergnügt kam, nach einigen arbeitsamen Tagen, der alte Falzmann von der Fürstin nach Hause und hätte seinem Sohn gerne etwas Freundliches gesagt, Wäre nicht dieser allzu mürrisch an seinem Arbeitstisch gesessen. Darum ließ er eS mittlerweile beim Schweigen bewenden, bis Herr JacaueS aufstund, vor ihn hintrat unv sprach: Die Gebetbücher sind nun ebenfalls fertig unv nebenbei auch ich. — Du, mein Sohn? wie meinst du dieß? — Reisefertig, meine ich. — Wie redest du da, mein Kind? waS betrübst du mich? — Die Betrübniß wird so groß nicht seyn, mein Vater; Sie haben ja ohnehin keine Freude an mir! — Mir Freuve zu machen, daS hängt bloß von dir ab, mein Sohn.'— Etwa durch Heuchelei? dazu tun ich zu stolz. — Ja, das bist du. Wärest du eS nicht, so könnte ich dir'S weitläufig erzählen, welch einen ausnehmenden Beifall deine Einbände bei der Fürst»; gesunren haben, wie sehr sie daS Geschmackvolle und Solide deiner Arbeit gerühmt hat. Ich muß dir gestehe», ich war selber voll Freude darüber. — So? erwiderte Herr JacqueS, mit einigem Sonnenschein im Wolkengesicht; so gnävig waren Ihre Durchlaucht? — Gewiß, mein Kind. Sie will dich sogar sehen, um mehr mit dir zu sprechen, als daS erstemal, und du sollst heute bei ihr erscheinen. Sie nimmt dich ganz besonders in Proteciion. — Dafür danke ich schönstens. WaS soll ich dort? wahrscheinlich eine Lection anhören? oder neuerdings vor der schnippischen Jungfer Josephs mich beschämen lassen? — Du bist bitter, mein Kind. — Ja ich bin biller und gar nichts mehr will mich freuen. Ganz von Herzen betrübt bin ich, mein Vater. — Du armer 310 Gohn! Gott sey Lob und Dank! — Wie, Sie danken noch Gott dafür? — Freilich, mein Jacques. Nun lernst du doch, was du bisher nicht gewußt hast, daß wir in einem Jammer- und Thränenthale leben. — O nein, Herr Vater, ich werde weder jammern noch Thränen vergießen, dazu bin ich wirklich zu stolz. — Aber waS hast du denn, mein Sohn? Ist'S der Mühe werth, dick so zu quälen? Der Eine trauert und weint, weil er seinen Herzenswunsch nicht erreichen kann, der Andere, weil er ihn erreicht hat; da ist Trübsal und Jammer vor der Heirath oder nach der Heirath, oder auch nach wie vor; darum sind wir ja im Jammerthal! Sie scherzen da, sagte Herr JacqueS, als ob ich nicht wüßte, daß Sie tag- täglich vor dem Porträt meiner seligen Mutter stehen, und dabei lieber weinen als lachen möchten! . Ja wohl, erwiderte Herr Falzmann'sebr weich, Gott hat sie früh, zeitig von mir genommen. Aber, mein Sohn, darum ist ja auch hier das Thal der Thränen! Du hast eS bisher noch nicht erfahren! — Nicht? ich bin gewiß ein unglücklicher Mensch! Und wer ist'S, der mich so unselig macht, als eben Jene, welche Sie die Allerseligste nennen? — Sey still, Sohn, daS ist ja Lästerung! — Darf ich'S nicht sagen, mein Vater? warum nicht? Ich komme hierher, und zwar mit ziemiichem Widerwillen, und nur auf Ihr Geheiß, weil ich in unserer Kunst zu viel gelernt habe, als daß ich mich gerne in einer Landstadt damit vergraben möchte. Kaum habe ich Josephs gesehen, als ich schon ganz getrost war, so daß eS mir nim- mer einfiel, jemals von hier wegzugehen. Das weiß Gott, ich bliebe mit tausend Freuden. Da war aber der Meister Pankraz gleich hinterher, und hieß mich seine Tochter meiden, und warum? bloß weil ich das Madonnabilv in seiner Stube etwas gar zu schwarz gefunden habe. Der wackere alte Scrvit begütigt ihn kaum auf meine Bitte, alS schon ein zweites und noch größeres Unglück dazwischen tritt; denn da kömmt die Fürstin und läßt der Allerseligsten einen prächtigen Mantel sticken und sieht sich Josephs zur Gehilfin auS; davon wird daS gute Kind so stolz, daß sie zu vornehm für mich zu seyn glaubt, besonders seit die Fürstin mich per Er zu behandeln beliebte; und nun ist mein Glück zu Ende. Aber, mein Sohn, waS du wieder dir zusammen träumst! — Vater, eS ist klar. Ich wollte, die Fürstin hätte das Geld, daS der rothe Sammt mit der Goldstickerei kostet, lieber an die Armen vertheilt, so wäre daS sicher ein besseres Werk, und Josepha hätte keine Gelegenheit, einen redlichen, jungen Mann zu verachten, dessen Kunst der ihrigen wohl noch gleich kommen wird! — Mein Sohn, die Leidenschaft schmält ja aus dir, wie, Gott behüte, auS einem Jscharioth? Die Armen, ja die Armen! hast du dich jemals schon um ihre Noth recht eigentlich bekümmert? Oder weißt du auch, was die gute Fürstin für sie thut? Erst gehe hin und erkundige dich darum, und dann urtheile. Urtheile aber auch nicht wie jener, der über Magva- lena'S Verschwendung gescholten hat; denn Maria, die arme Jungfrau auS königlichem Hause, ist die Mutter aller Armen, unv die Armen sind eS wahrhaft, die da wissen, daß sie im Thal der Thränen leben, und diese auch wissen eS, wohin sie um Hilft sich zu wenden haben, und sprechen: Zu dir seufzen wir weinend und trauernd in diesem Thal der Zähren. Darauf erwidert ihr göttlicher Sohn und sagt es unverholen: Selig die Armen im Geiste, denn das Himmelreich ist ihrer. Die Königin des Himmelreichs ist aber Maria, darum kennen die Armen auch ihre Königin. Das weiß und fühlt die gute Fürstin gar tief und ehret die Königin in ihrem Bilde durch einen goldgestickten, königlichen Purpurmantel, und die Armen erkennen daS für keine geringere Wohlthat, als wenn sie selber gespeiset unv gekleidet würden. Ach du mein armer Sohn, wärest auch du ein Armer im Geiste, du würdest eS ebenfalls einsehen, und nicht so gesprochen haben, wie Jener, der den GUv- beutel trug und ein Schalk war. Mein Sohn, in heiliger Schrift steht'S: den Armen wird das Evangelium verkündigt. Merke dir'S: nur den Armen! Ach Gott! seufzte Jacques, die ewigen Lectionen! Mir ist so wüst, mir ist so wüst! ich wollte lieber, daß alle Donnerwetter mich zerreißen möchten! — Mein Sohn, erwiderte der alte Falzmann zitternd, sey nicht so mürrisch gegen deinen 311 fiebenzigjährigen Vater, dem eS so bange um dich istl Gehe du nur nicht von mir, ich meinerseits will dir nichts mehr sagen, was dich aufbringen könnte. — Ein Strom von Thränen ergoß sich von seinen grauen Wimpern. Beim MittagStisch saß er still und freundlich, doch ohne einen Bissen zu berühren, Herr JacqueS aß auch nichts. Nachmittags nahm er die neu gebunoenen Gebetbücher zusammen und sprach: Ich gehe damit zur Fürstin. Du kommst wohl auch nach? — Herr JacqueS küßte ihm die Hand, vermied aber, ihm in die Augen zu sehen. Kopfschüttelnd ging der alte Falzmann seinen Weg. Herr JacqueS machte sich alSbalv auf, schnürte sein Felleisen, warf sich in sein Reisegewand, worin er ein Mittelding von pilgerndem Künstler, weitauSsahren- dem wissenschaftlichem Kopf und wanderndem HandwerkSburschen vorstellte, nahm seinen Knotenstock zur Hand und begab sich, ein eben so kurz als erhaben stvltsuteS Brieschen zurücklassend, auf den Weg. Gern hätte er noch ein anderes, schöner noch stylistrteS an Josephs ausgefertigt, dieß ließ jedoch sein gekränktes Herz nicht zu; uno dieß Eine nur mochte er sich nicht versagen, sie noch einmal, wenn auch von ferne nur, zu sehen. Er ging deßhalb den Fußsteig längs des Schloßparkes hinan im Schweiße seines Angesichtes, bis zu der schattigen Anhöhe, wo dem Vernehmen nach der LieblingSaufenthalt der Fürstin war. Da trugen die glühenden Lüfte deS Spätsommers ihm diese LiedeStöne auS Josepha'S Mund entgegen: Wir trauern wohl und klagen, Umringt von Leid und Qual; Doch seh'n wir ohn' Verzagen Hinauf zum Himmelssaal; Maria, hör' uns weinen, Lieh', Mutter, auf die Deinen Herab >, j.^-s m,0 Ülll,t,..^ Anfang deS Sommers wohnte der Prinzpräsident in St. Cloud, zwei Stunden von Paris. Ein paar Tage vor seiner Abreise nach Siraßburg kam er eines Morgens ohne alle Ankündigung in Begleitung eines Adjutanten in daS HauS der christlichen Schulbrüder. „Meine lieben Brüder^" sagte er nach dem Eintreten, „ich höre, Sie haben hier Bücher, die in einem gewissen Geiste geschrieben sind, der geeignet ist, die Gesinnungen der Zöglinge in Betreff unserer Nationalgeschichte irre zu leiten." — „Man hat Sie hintergangen, Prinz," antwortete der Superior, „solche Bücher gibt eS bei unS gar nicht." Da äußerte der Adjutant: „Haben Sie nichts ein Geschichtsbuch, worin der Kaiser arg mitgenommen wird?" Hierauf gab ihm der Superior ein Unterrichtsbuch der LanreSgeschichte, das für den Orden besonders versaßt war, und sagte: „dieß ist das einzige Buch, welches neuere Geschichte betrifft." Der Prinzpräsident nahm schnell daS Buch an sich, las sofort einige Seiten und gab eS dann dem Superior mit den Worten »urück: „Ganz gut. Seit wann besteht Ihr HauS? wie ist Ihre finanzielle Lage?" Der Superior eiugegnete: „König Carl X. hat eS gegründet und reich ausgestattet aus seiner KabinetSkasse, aber die Zahl der Zöglinge ist unS doch ein wenig über den Kopf gewachsen." „Nun, wie groß ist ihr jährlicher Ausfall?" „Etwa 300 Franken." „So nehmen Sie diesen kleinen Beitrag, um sie auS der Verlegenheit zu ziehen," sagte Ludwig Napoleon, indem er einige Banknoten auS der Tasche zog und sich entfernte Es war «in Geschenk von 2000 Franken. ——.-„ Verantwortlicher Redacteur: L. Scheuche», VerlagS-Iohaber: F. z0 70? ibN2-' Erfahrungen eines katholischen Geistliche« über die vorzüglichste Ursache der vielen unehelichen Geburten. . ÄsltHUA ÄN"r5ÄPl !>i?I IlKüt t^)Ü!/> ^l < ülll^. lt? jIO>ft!!-)v^ 7:^ Ä>U i^ItlV? (In einem Briefe.) Lieber Freund! Auf deine Frage über die vorzüglichste Ursache der vielen unehelichen Geburten glaube ich die Wahrheit zu sagen, wenn ich antworte: Cie liegt sowohl bei noch schuldlosen Söhnen und Töchtern, als bei solchen, die schon in Bekaunlschaslen leben, im Mangel an Abscheu gegen die Sünde deS sechölen Gebotes und was dazu verleitet, als Kleiderhoffart, Besuchen der Personen deS andern Geschlechtes, Bekanntschaften, Tänze mit Personen deS andern Geschlechtes, sowohl bei Hochzeiten alS Freitänzen an Sonnlagen, wodurch der Tag deS Herrn am meisten cniheiligt wirv, gewiß Dinge, die zu den Werken deö SalanS gehören, denen man bei dem Empfang der Taufe enlsagen mußte. Wenn den Erwachsenen, welche diese Werke des SalanS nicht verabscheuen, nach der Lehre deS Conciliums von Trient, weil die Vorbereitung zur Rechtfertigung mangelt, die heilige T^ufe und Communion nicht ertheilt werden darf: so wird von allen unsern Söhnen uud Töchtern, die nicht Abscheu an Kleirer- Hoffart, Bekanntschaften, Tanzplätzen, Trinkgelagen (Röm. 13, 13. 14), dann Umgang mit leichlferligen Personen haben, sondern Neigung und Freude daran haben, die heilige Communion unwürdig empfangen. Von der Rechtfertigung, die dem würdigen Empfange der Taufe und der heiligen Communion vorausgehen muß, lehrt daS Concilium von Trient in der sechsten Sitzung und im sechsten Kapitel, „daß man auS Furcht vor der göttlichen Gerechtigkeit zur Betrachtung der Barmherzigkeit GotteS hingewendet, Gott zu lieben und die Sünde zu verabscheuen und zu hassen anfangen müsse." Zur Sünde gehört offenbar auch die Neigung zur Kleiderhoffart, zu Personen des andern Geschlechtes, zur Tanzlustbarkeit, zu Trinkgelagen :c., weil jene, die Jesum lieben, diese Werke des SalanS verabscheuen, und der Apostel Paulus lehrt, „verflucht ist, wer Jesum nicht liebt," und Johannes: „Wer Gott nicht liebt bleibt im Tode" (1. Joh. 3, 14). Alle diese empfangen daher die heilige Communivn unwürdig auSMangel an der dazu nöthigen Vorbereitung. Mangel an Abscheu der Sünde und waS zur Sünde verleitet, weil die Tauf, gnade die Liebe zur Sündengefahr verbietet, und Mangel an Liebe zu Jesus, welchen sie verabscheut, sind also nicht nur Ursache der vielen unehelichen Geburten, sondern auch der so vielen unwürdigen Communionen, welche die Beichtväter, durch Verschiebung der Lossprechung, bei jenen Söhnen und Töchtern nicht verhindern können, welchen die Liebe zu JesuS und der verlangte Abscheu an den genannten Werken des SatanS mangelt, und sich daher auch über solche Sünden nicht anklagen im Beichtstühle. 314 Damit solche Sünder zur Selbstkenntniß gelangen, und auch die Seelsorger sich überzeugen können, daß solche Jünglinge und Jungfrauen nicht Jesum, sondern die obengenannten Werke deS SatanS lieben und von der unwürdigen Communion ausgeschlossen werden, weiß ich nur ein Mittel: Die Herren Bischöfe sollen diesen vor der Ostercommunion jährlich befehlen, vor dem Seelsorger öffentlich zu erklären, durch Aufzeichnung ihres NamenS, daß sie der Kleiderhoffart, Bekanntschaften, Frei» tänzen zc. entsagen müssen, wenn sie zur Ostercommunion nach ihrer Beicht sollen zugelassen werden können. Dieß kann auch zugleich als Aufnahme in ein Tugend, dündniß betrachtet werden. Unstreitig wäre dieß eines der kräftigsten Tugendmittel nicht nur zur Verminderung unwürdiger Communionen, sondern auch der so vielen unehelichen Geburten, wie schon Bourdato in einer Osterpredigt vor dem Könige bemerkte. WaS dieser von der wirklichen, sich entschieden zeigenden LebenS- besserung sagt, gilt auch von der öffentlichen Erklärung, die Pflichten deS Taufbun- deS erfüllen zu wollen. Bourdato sagt: „In Wahrheit! man will nicht, daß man eS äußerlich merke, man habe sein Leben geändert (oder öffentlich versprochen, die Pflichten deS TaufbundeS zu halten),, weil man wohl einsieht, daß, wenn diese Ver, Änderung einmal bekannt würde, man sich dann genöthigt sehen würde, sie fortzusetzen. Man würde sich nicht mehr von ihr losmachen können; und wenn auch die Ehre der Pflicht und der Religion zu Hilfe käme, so würde man die schwerste Tugend, die Beständigkeit, nicht etwa nur in eine bloße Verbindlichkeit, sondern gleichsam in eine unumgängliche Nothwendigkeit verwandeln. Wie gut man aber auch gesinnt seyn mag, so will man sich doch die Freiheit vorbehalten, in Zukunft zu thun, was man will — wieder zur Welt zurückzukehren." Jünglinge, Jungfrauen, welche sich Christo der Art schämen, daß sie sich scheuen, öffentlich obigen Werken des SatanS zu entsagen, um der Welt nicht zu mißfallen, find offenbar der heiligen Communion unwürdig nach den Worten Jesu: „Wer sich meiner und meiner Lehre vor diesem sündhaften Geschlechte schämt, dessen wird auch der Menschen Sohn sich schämen." (Mark. 8, 33.) Unsrer lieben Frauen Mantel. Eine Erzählung in sieben Lectionen über das Salve Regina. Fünfte Lection: „Eja, «nftre Fürsprechen'»." ES war schon ziemlich am Abend, als die Fürstin sammt ihrer Begleitung wieder im Schlosse anlangte. Zwischen den Leuten, die ihrer an der Einfahrt harrten, trat alsbald der Prior hervor, der bisher nach seiner freundlichen Weise sie um sich versammelt gehalten; er hatte aber kaum die Fürstin gegrüßt, als er schon auSries: Ach, da ist er ja, da ist ja der liebe Freund! Also Ihre Durchlaucht selber bringen ihn zurück? — Ich weiß nicht, wie Sie dieß Zurückbringen meinen, sagte die Fürstin; kommen Sie jedoch mit herauf, Herr Prior, und Sie, Falzmann, ebenfalls. — Sie ging mit BenitiuS in ihre Zimmer, während ersterer und Joseph« im Vorsaale zurückblieben. Josepha, so nahm Herr JacqueS daS Wort, komme ich Ihnen wohl recht dumm vor? — Ach, daS eben nicht, antwortete diese lachend, aber ganz wunderlich. — Seh'n Sie, Josepha, damit ich aufrichtig rede, Sie kommen mir heute gar nicht stolz vor. — Haben Sie mich denn für stolz gehalten? — Ja, der Anschein Hat'S gegeben. Ich finde aber auch keinen Stolz an der durchlauchtigen Frau. — Freilich nicht, Herr JacqueS. Welch eine hohe Geistesbildung und welch eine Sanftmuth! sie ist eine himmlische Frau! Ei waS nicht noch, Herr JacqueS! wo reden Sie wieder hin? Eine große Verehrerin der himmlischen Frau ist sie, daS ist wahr, sie selber aber ist für jetzt noch eine irdische Frau und nimmt solche abgeschmackte Lobsprüche nicht an. — Sie find doch stolz, Josepha! sogar über die Fürstin nehmen Sie sich etwas heraus! — Während Herr Falzmann dieß sprach, kam einer 315 von den HauSofficieren und brachte ihr einige Schlüssel mit den Worten: Jungfer Pepi, Ihr Vater war vorhin da und läßt Ihnen sagen, Sie sollen heute Nacht zu Hause seyn, so auch morgen, weil er mit dem Buchbindermeister eiligst verreisen müsse. — Merken Sie etwas? sagte Joseph«; mir geht beinahe ein Licht auf wegen des Felleisens, welches der Fürstin auch schon so seltsam vorgekommen ist. Oder glauben Sie, die Fürstin habe an Ihnen keine Verlegenheit bemerkt? ihr entgeht nichts so leicht! — Liebe, liebe Joseph«, erwiderte JacqueS mit unsicherer Stimme, in der That habe ich einen dummen Streich begangen, an dem zwar Sie selber schuld sind; und ich möchte um alles in der Welt bei der Fürstin nicht in Ungnade oder in ein verächtliches Licht gerathen. Machen Sie also die Fürsprecherin für mich; ich will Ihnen Alles erzählen, waS ich auf dem Herzen habe. — Fürsprecherin, erinnerte Josephs lächelnd, waS für ein besonderes Unglück Sie haben, lauter solche Worte vorzubringen, mit denen man vorsichtig umgehen muß, weil sie inS Gebet gehören und nicht zu den Alltagsdingen. Ja, wenden Sie sich nur an die wahre Fürsprecherin, welcher Niemand jemals vergeblich seine Bitte vorgelegt hat, und wenn Sie nicht ganz verstehen sollten, welche ich meine, so will ich sie Ihnen nennen. Ich weiß schon, ich verstehe schon, antwortete Jacques mit halb bitterer Freundlichkeit; die Fürstin, der Prior, mein Vater, Ihr Vater und Sie, das sind zusammen fünf, und diese fünf reden allezeit daö Nämliche. Mir ist'S ja recht, ich will ja die Allerseligste auch verehren und veneriren, weil Diejenige, deren Sohn von allen Menschen angebetet werden muß, billig von allen Menschen zu verehren ist; aber zwingen soll man mich nicht, Niemand soll mich zwingen; keimn Zwang lasse ich mir nicht anthun. Es ist erschrecklich, wenn so Alles hinter einem her ist, da muß man ja endlich auf und davon gehen I Und glauben Sie etwa, Josepha, eS sey mir ein Leichtes gewesen? weil Sie nicht wissen, Kind, weil Sie nicht wissen! — Er brach in Thränen auS und konnte sie mit dem regennassen Schnupftuch nicht trocknen; und als Josepha ihm ihr eigenes Tuch zu diesem Ende anbot, weinte er noch mehr, dabei schien ihm der letzte rothe Abendsonnenstrahl ins Angesicht und spiegelte sich in den Thränen, und umgab den trotzigen, jungen Mann mit einer eigenen, mildglän- zenden Umschrift, deren Inhalt war: So hat dieser ausgesehen, als er noch ein Kind war und klaren Gemüthes. ES haben (im Vorbeigehen gesagt) die Frauen dieß Eigene, daß sie keinen Mann weinen sehen können ohne inniges Mitleid. AIS noch (und zwar nicht gerade nur im Mittelalter, sondern bis nahe in unsere Zeit herein) Fürsten und Feldherren, Bürger und Kaufleute, Gelehrte und Künstler (selbst Professoren und Landrälhe nicht ausgenommen) im Brauche hatten, zur Mutter deS Herrn zu rufen, und mit Thränen ihre Sorgen und Mühen dieser großen Fürsprecherin anzuempfehlen, haben sie dieses selige Mitleid gar oft und reichlich erfahren, und sind erfreut, erhört oder getröstet worden. Ist es nicht schade, daß dieser Brauch jetzt so selten ist? — Auch bei der Fürstin verwandelte sich die strenge Miene, mit der sie in den Vorsaal heraustrat, sogleich in jene der Rührung, als sie den weinenden JacqueS sah. Sie stand einige Augenblicke schweigend ihm gegenüber, ohne daß dieser die Augen zu ihr aufzuheben sich getraute, da sprach sie: Ihr Gewissen, mein Lieber, scheint Ihnen bereits zu sagen, wie unrecht Sie sich benommen haben. Ihr armer Vater wollte Sie finden und zurückholen, sicher hat das ganze Unwetter ihn getroffen, und das kann diesem Greise nicht wohlthun, so wenig als Ihr Ungehorsam. Bedenken Sie daS recht und bitten Sie Gott, daß er AlleS inS Gute lenke; denn Sie haben eine schwere Schuld auf sich. Denken Sie auch jetzt noch daran, ihn zu verlassen? — Herr JacqueS schüttelte verneinend den Kopf. — Nun denn, fuhr die Fürstin freundlich fort, so folgen Sie indessen mir; ich setze wenigstens daS Vertrauen in Sie, daß Sie so artig seyn werden, mich für Sie sorgen zu lassen. DaS Weitere wird der Herr Prior Ihnen sagen. BenitiuS nahm Abschied und führte den Flüchtling mit sich fort. Lieber Sohn, erklärte er ihm aus dem Wege, die Fürstin will die volle Sicherheit haben, daß Sie 31« nicht neuerdings davon ziehen; darum bin ich zu Ihrem Wächter bestellt, jedoch alles in bester Freunvschaft und nach Ihrem eigenen, freien Willen, welchen der Mensch nur dazu erhalten hat, damit er ihn durch den schönen und liebreichen Gehorsam dem höchsten und absoluten Willen aufopfere. Wohlgemerkt, ich behalte Sie nur diese Nacht über, und höchstens so lange, bis Ihr Herr Vater zurückkommt. Sie gingen vor dem Hause des letztern vorüber, da war alles dunkel und stille, und der Laden von außen mit Querbalken verriegelt, wo eS um diese Zeit schon ein lebhaftes Zeitungsgespräch mit den Nachbarn absetzte. Eben warf der Wind die Fenster oben an des alten FalzmannS Schlafkammer mit Macht auseinander und eö klirrten die letzten Glasscheiben von selben auf die Gasse herunter. Ach, mein Gott! begann Herr JacaueS zu seufzen, wenn nur meinem Vater kein Leid geschehen istl — Wir stehen Alle in GotteS Hand, sagte der Prior, und eS ist gar nicht geheuer mit der Zeichendeuierei, aus dem Vogelflug unv auS zerbrochenen Fenstern Unglück zu wiltern. Aber freilich, wer ein böseS Gewissen hat, verfällt leichtlich auf solch ein Unwesen. Ihr Vater hat im Forteilen die Fenster zu befestigen vergessen und nun treibt der Sturm sein Spiel damit. Sie, mein lieber Sohn, haben im Forteilen daS vierte Gebot festzuhalten vergessen, darum sind Sie auch dem Nachtsturm Preis gegeben. Nun ängstiget sich Ihr Vater um Ihretwillen und Sie um seinetwillen, und eS ist nur Ein wesentlicher Unterschied dabei, der tief innen im Gewissen geschrieben steht. Ehre deinen Vater, sagte der heilige Geist, in Werken und Worten und in aller Gedulv; stütze sein Greisenalter und kränke ihn nicht! Dieß, mein lieber Sohn, führen Sie sich zu Herzen und die große Beleidigung deS göttlichen Gesetzes, denn hierin liegt mehr, als in dem Omen mit den Fensterscheiben. Es ist wahr, sagte der Tiefbestürzte, und ich kann's nimmer läugnen. Vorhin war's mir mehr um die Fürstin zu thun und um die Gefahr, von ihr verachtet zu seyn, jetzt erst wird mir meines VaterS wegen so angst, daß ich vergehen möchte. Ach, mein bester Herr Prior, ich bin ganz verzagt worden! — Getrost, mein Sohn, entgegnete dieser; Sie sind nicht mehr auf dem schlimmsten Wege. Woher kommt denn alles Unglück und Uebel in der Welt, als davon, daß unsere Stammeltern ihrem Vater, dem ewigen Vater ungehorsam wurden und sein Gebot verließen? Sie und wir Alle haben ihn verlassen, doch er nicht uns. Er hat eine zweite Eva erschaffen und durch sie seinen eingebornen Sohn uns gegeben, auf daß derselbe durch seinen Gehorsam uns .wieder mit dem Vater vereinige. Er kam, der himmlische Sohn der Unbefleckten, er, die weseniliche Weisheit, kam und lud unS zu sich, und bezeugte: er sey nicht gekommen, die Gerechten zu rufen, sondern die Sünder. Und wenn er unS beruft, wie sollten wir unS fürchten, zu ihm zu gehen? Stellet ihn euch nicht strenge vor, spricht BernarduS, da er doch gütig ist; furchtbar nicht, da er so holdselig ist! WaS fürchtet ihr Schwachgläubigen? Hat er mit eigenen Händen doch eure Sünden an'S Kreuz geheftet! Fürchtet ihr aber die göttliche Majestät in ihm, der, obgleich er Mensch geworden, doch Gott geblieben ist, und bedürfet ihr also einer Fürsprache? Wohlan denn, nehmt zu Maria eure Zuflucht! Sie ist die Leiter, die zur Höhe der göttlichen Gnade hinan führt, so wie sie die Leiter war, durch welche die Gnade zu unS herab gekommen. Sie ist die Zuflucht der Sünder, denn sie ist ja die Mutier deS SeligmacherS, der nur um der Sünder willen gekommen ist. Darum erheben wir weinend und jauchzend unsere Seele zu ihr, und rufen: Eja, unsere Fürsprecherin! Unsere liebe Frau, unsere Mittlerin! In diesem Sinne ruft auch der heilige Thomas von Villanova: Seyd getrost, ihr Kleinmüthigen, athmet frei, ihr Geängstigten; deS ganzen Menschengeschlechts mächtigste und weiseste Fürsprecherin ist ja die jungfräuliche Goltesgebärerin! Ich wiu's nicht verhehlen, sagte Herr JacaueS nicht ohne Rührung, daß ich in frühern Jahren eine große Liebe und Ehrfurcht zu ihr getragen habe, und daß ich damals sehr glückselig war. Aber eS ist mir nimmer zu Muthe, wie eh' und wie zuvor, ich kann nicht glauben, daß ich je wieder zu einer solchen innerlichen Meinung gelange. — Ei, mein Kind, nur daS Vergangene bereuen und fleißig anklopfen. 317 " Wer den Sohn suchr, den liebet die Mutter, und wer die Mutter sucht, den liebet der Sohn; keiner aber suchet, den nicht der Vater ziehet. Beten muß man, mein Kind, beten und arbeiten, nicht bloß allein arbeiten, wie bisher. Ehe wir daS Haus erreichen, will ich Sie geschwind noch eine von den schönen Bittweisen dcö seligen AlphonsuS lehren, die Sie im Willen mitsprechen können. Wir wenden uns im Geiste zur göttlichen Mutter, und sprechen also: „O große und glorreiche Mutter meines Herrn, schon erkenne ich, wie sehr ich durch meinen vieljährigen Undank gegen Gott und gegen dich, verdienet hätte, deiner Fürsorge verlustig zu werden, weil der Undankbare keiner fernern Wohlthaten mehr würbig ist. Doch aber, o Himmlische, habe ich einen viel zu großen Begriff von deiner Gütigkeit, um nicht sestiglich zu glauben, daß sie bei weitem größer als mein Undank sey. Mögest du also noch fernerhin, o du Zuflucht der Sünder, nicht unterlassen, einem Armseligen beizustehen, der auf dich vertraut! Reiche, o Mutler der Barmherzigkeit, deine Hand dar, um einen armen Gesunkenen aufzurichten, der dein Mitleid anfleht! Beschirme mich, o Maria, oder sage mir, an wen ich mich wenden soll, der kräftiger als du mich zu beschirmen vermöchte! Aber wie könnte ich eine gütigere und mächtigere Fürsprecherin finden bei Gott, als dich, die du seine Mutter bist? Als du die Mutter des HeilanreS geworden bist, wardst du daS Heil aller Sünder, und mir auch wurdest du zu meinem Heile geboren. Nun verdiene ich zwar deine Liebe nicht, aber daS große Verlangen, so du nach der Rettung der Verlornen trägst, macht mich hoffen, daß du auch mich liebst. Und wenn du mich liebest, wie kann ich zu Grunde gehen? O geliebte Mutter, von dir erwarte ich mein Heil, und immerdar danke ich dem Herrn, der mir dieß Vertrauen zu dir geschenkt hat. In Ewigkeit will ich diese liebreichen Hände küssen, die so oft vom ewigen Verderben mich bewahrt! O Maria, meine Befreierin, meine Hoffnung, meine Königin, meine Fürsprecherin, meine Mutter! Dich liebe ich, dich will ich in Ewigkeit lieben, Amen." Am Schlüsse des Gebetes standen sie an der Pforte, eben begann schon daS Abendgeläute für den englischen Gruß. So, mein Kind, sagte der Prior, folgen Sie mir nur nach. Wir sind alle Diener Mariä, oder wollen eS seyn, und alle ihre Söhne sind Brüder unter einander, oder sollen es seyn. Der Pförtner öffnete, neigte sich und sprach, nach Klostergebrauch grüßend: Ave Maria. Die Zeitlage. (Katholik.) Der Heiland hat seine Jünger oft an die Leiden und Kämpfe erinnert, die ihnen bevorstanden, um sie, wie Gregor der Große sagt, durch den Schild des Vorherwissens gegen dieselben zu waffnen. So sollen auch wir unS klar zu machen suchen über die Leiden und Kämpfe, welche die Kirche in der nächsten Zukunft zu erwarten hat und die bereits begonnen haben. Wenn seit ein paar Jahren der Horizont der Kirche heiterer geworden, so ist offenbar seit einiger Zeit eine Umwandlung eingetreten und haben sich ringsumher drohendere Wetter als je zusammengezogen, zumal in Deutschland. Die schrecklichste Erscheinung deS JahreS 1343 war daS offene und massenhafte Hervortreten deS antichristlichen Unglaubens und eines unendlichen Hasses gegen daS Christenthum und die Kirche. Die durch die religiösen Wühlereien deS RongeaniSmuS und Freichristenthums vorbereitete politische revolutionäre Bewegung hat ihren antireligiösen Charakter nie verläugnet, und so hat überall die revolutionäre Partei wesentlich auch gegen die Religion und Kirche gewirkt. Allein dieses mächtige Hervortreten deS UnchristenthumS in wesentlicher Verbindung mit Bestrebungen, welche auf den Umsturz der ganzen sittlichen und socialen Ordnung gerichtet waren, hatte auch heilsame und großartige Wirkungen. In der katholischen Kirche zeigte sich ein kräftiges Bestreben zu helfen, die Religion und durch sie daS Volk zu reiten. Weil 318 man aber erkannte, daß nur von Innen durch die Kraft des lebendigen Christenthums geholfen werden könne, so wendete sich die kirchliche Bewegung zumeist dem innern Leben zu. 'Man sah, daß die gewöhnlichen Mittel nicht mehr ausreichen, daher überall die Missionen — und wirklich hatte diese mächtige Verkündigung der christlichen Grundwahrheiten in Mitten einer Zeit, die Alles, zumal aber die ganze alte christliche LebenSordnung umzustürzen schien, einen Erfolg, der selbst die Anerkennung der Welt sich erwarb und einige Zeit die Vorurtheile vergessen zu machen schien, welche noch kurz zuvor die Jesuiten und Redemptoristen, welche die Missionen gaben, so verhaßt gemacht hatten. Außerdem erweckte der Ernst der Zeit in vielen gläubigen Menschen einen Drang, auS Liebe zu Gott und den Seelen etwaS zu thun und zu opfern und namentlich die Kraft deS Glaubens in Werken der Barmherzigkeit zu erweisen. Klöster entstanden wieder, und wohlthätige und religiöse Vereine und Bruderschaften manchfacher Art. Weil das Verderben so nahe drohte und die Meisten statt in Christus und seiner Kirche in dem geraden Gegentheil daS Heil der Welt suchten, fanden viele gläubige Katholiken sich gedrungen, ihre Ueberzeugung in offenem Bekenntniß an den Tag zu legen, daß nur in der Rückkehr zum lebendigen Christenthum Heil und daß die verschmähte katholische Kirche die Trägerin dieses Christenthums sey — deßhalb aber glaubten sie auch, jetzt in dieser Zeit, wo AlleS Freiheit fordere und erlange, gelte eS vor Allem, der Kirche diese lange vorenthaltene Freiheit zu erringen. Für diese ihre Ueberzeugung sprachen und wirkten sie in den katholischen Vereinen. Die rechtmäßigen Hirten der Kirche aber, die Bischöfe, waren eS, welche all diesen Bestrebungen Weihe und die sichere Richtung verliehen. So entwickelte sich, Vielen zum Erstaunen, in der katholischen Kirche ein regeres vielversprechendes Leben — und zwar mit weniger Hemmung, als nach den frühern Zuständen zu fürchten gewesen. Die Staaten gestatteten der Kirche ein größeres oder minderes Maaß freier Bewegung, in Oesterreich und Preußen erkannte man dieß Princip der kirchlichen Selbstständigkeit selbst durch die Gesetzgebung an. Man hatte eS theilweise eingesehen, worin man früher gefehlt und daß allein die Religion im Stande sey, die Uebel der Zeit zu bewältige«. — Auch von Seite der Protestanten wurde das Bestreben der katholischen Kirche nicht eben mit feindlichem Auge betrachtet, namentlich die gläubigen Protestanten sahen darin immerhin einen erfolgreichen Widerstand gegen den gemeinsamen Feind, daS Antichristenthum. Ueberdieß lag, wie nicht geläugnet werden kann, in der ganzen katholischen Bewegung nichts konfessionell Polemisches, eS war lediglich ein positives Wirken, um in dem katholischen Volke ein lebendiges praktisches Christenthum zu erneuern. In so fern hatten diese letzten Jahre neben allem Trüben und Entsetzlichen auch etwas ungemein Tröstendes und Erhebendes. Dazu kam, daß die Revolution, die daS christliche Europa mit Verwüstung bedrohte und vor Allem die katholische Kirche, wie sich außer so vielem Andern in der römischen Revolution klar genug zeigte, daö Allerschlimmste befürchten ließ, durch die rechtmäßige Gewalt niedergeworfen wurde und eS nun zu hoffen stand, die Staaten würden, nachdem die äußere Gefahr überwunden, bereitwilliger der Kirche gestatten, den Seelen den Frieden zu bringen. Allein eben scheint sich AlleS anders, sehr anders zu gestalten. Vor Allem hat die äußere Beilegung der zerstörenden Mächte auf politischem Gebiet dem Wirken deS Unglaubens und deS AntichristenthumS keineswegs einen Damm gesetzt, im Gegentheil dasselbe um ein Beträchtliches gesteigert. In demselben Maaße, als auf dem politischen Gebiete vor der Hand die destructiven Bestrebungen sich eingeengt fühlen, haben sie sich ausschließlich wider die Kirche gewendet — und man darf eS sich nicht verhehlen, eS wirb gegen dieselbe von dieser Seite ein furchtbarer VernichtungSkampf geführt. Hunderte von Tagesblättern, die in allen Wirthshäusern, die in den Werkstätten der Handwerker und vielfach selbst in den Häusern der Landleute anzutreffen find, arbeiten Tag für Tag systematisch an der Zerstörung deS Glaubens und an der Fanatisirung deS Volkes wider die Kirche und deren Diener, die man, wie in den Zeiten der alten Christenversolgungen, als die eigentlichen Feinde des Menschen, 319 « geschlechteS dem allgemeinen Hasse zu überantworten sucht. In vielen Gegenden sind die meisten Blätter, welche vom Volke gelesen werden, dieser Art. Von Seite der weltlichen Obrigkeit geschieht nichts gegen dieselben, obwohl sie da,u unter allen Umständen berechtigt und verpflichtet wären, nicht bloß, weil die Obrigkeit verbunden ist, die anerkannten Confessionen zu schützen und nicht zu dulden, daß der Haß gegen sie gepredigt werde, sondern und ganz vorzüglich deßhalb, weil diese Blätter die allen Confessionen und aller sittlichen Ordnung gemeinsamen Grundlagen untergraben. Mit dieser schriftlichen Ausbreitung des AntichristenthumS in Blättern, wozu noch zahlreiche Brochüren und Kalender in gleichem Geiste sich gesellen, geht Hand in Hand die mündliche Verkündigung der antichriftlichen Lehre durch Hunderte von Anhängern derselben in allen Stänren. Anstatt daß aber nun so entsetzlichen Gefahren gegenüber die Kirche Förderung fände, tritt im gegenwärtigen Augenblick eine doppelte Thatsache mehr und mehr hervor. Eine emsig genährte Aufregung und Abneigung gegen die katholische Kirche greift unter den Protestanten mächtig um sich. Gott sey Dank, daß wir Katholiken mit gutem Gewisien sagen können, daß wir keine Veranlassung dazu gegeben haben, und daß dasjenige, waS diese Aufregung veranlaßt hat, lediglich eine Ausübung der natürlichen Rechte zu dem besten Zwecke war; denn es ist in der That kein anderer Grund hiezu zu entdecken, als eben die oben erwähnte größere Thätigkeit zur religiösen Hebung des katholischen Volkes. Wohl wissen wir, daß man einige Missionen, weil in Städten gehalten, deren Bewohner der Mehrzahl nach protestantisch sind, wie in Heidelberg, Wiesbaden, Danzig, als Angriffe auf den Protestantismus betrachtet hat; allein kein Vorwurf kann ungerechter seyn. ES finden sich in all jenen Orten große katholische Gemeinden, dieselben bedurften einer Geisteserneuerung, wie die Missionen sie geben, und bloß für sie wurden diese Missionen gehalten. Dazu kommen die Konversionen einiger hervorragender Protestanten, die noch dazu gar nicht in Folge von Missionen oder überhaupt äußerer Einflüsse zu Stande gekommen sind. — Allein, wie gesagt, ärger vielleicht, als zur Zeit der Reformationsfeste, oder zur Zeit Ronge'S, erhebt sich eben von protestantischer Seite eine Bewegung wider die katholische Kirche der allerschlimmsten Art. WaS je die gehässigste Polemik an Verdrehung katholischer Dogmen und an Entstellung geschichtlicher Thatsachen auSgeboren und wovon man hoffen konnte, daß man endlich diese Waffen werde ruhen lassen, wird an allen Ecken und Enden in neuen Bearbeitungen nicht bloß unter den Protestanten, sondern auch unter Katholiken verbreitet, die Schriften Schenkels, wie sein neuestes Werk „Gespräch über Katholicismus und Protestantismus" sind Belege dafür, und deßgleichen die von Marriott in Basel herausgegebene Zeitschrift „der wahre Protestant," die man eben selbst unter dem katholischen Volke zu verbreiten bemüht ist, und deren Hauptartikel die Erzählung angeblicher, von der katholischen Kirche wider Protestanten verübter Verbrechen, Mordthaten, Blutbäder ist. — Die Darmstävter Kirchenzeitung bringt fast in jeder Nummer scandalöse Angriffe wider die Kirche und ihre Institute. Als Aushängeschild werden, wie überall, die Jesuiten gebraucht. DaS Schlimmste aber besteht darin, daß diese protestantische Parteileidenschaft förmlich darauf aus ist, die prote stanti. schen Regierungen in diese Bewegung mit hinein zu ziehen und sie vor Allem dahin zu bringen, der katholischen Kirche nicht bloß die ihr gebührende Freiheit nicht rechtlich zu sichern, sondern auch das ihr bisher Gewährte wieder zu entziehen, — und leider kann man nach den neuesten Vorgängen in Preußen Schlimmes fürchten. So scheint eS also festzustehen, daß der Kirche in der nächsten Zukunft überaus schwere Leiden und Kämpfe drohen. Die revolutionäre Macht, die so mächtig ist, daß sie vor Kurzem noch fast alle Throne Europas wanken machte, sie wird ihren Einfluß und all ihre Mittel und Künste zunächst gegen die katholische Kirche wirken lassen und AlleS benutzen, waS ihr zu schaden im Stande ist. Ihr Wirken ist ein durchaus unmittelbares und praktisches, auf die LoSreißung der Einzelnen von der Kirche gerichtet, und jeder Verführte wird sofort ein Verführer. Der Protestantismus 32» scheint in der nächsten Zukunft seine innern Streitigketten vergessen zu wollen, um in alter Kampfweise und mit erneuten Waffen gegen die kaiholische Kirche, von welcher er sich bedroht glaubt, zu Felde zu ziehen. DaS aufgeklärte StaatSkirchenthum aber sieht die katholische Kirche als flaatSgefährlich an und will sie in möglichst enge Botmäßigkeit zurückversetzen und sie so ihren Feinden gegenüber möglichst wehrlos machen. So ist im Augenblick die Constellation und bei ihrer Betrachtung naht sich der Seele die Versuchung schwerer Traurigkeit. WaS kann auch trauriger seyn, als eine in alles Elend, daS die Folge der Gvttenifremdung ist, versunkene Welt, die mit aller Anstrengung gegen jene göttliche Anstalt sich wehrt, die allein ihr in der Kraft des WeltheilanveS Rettung und Frieden zu bringen im Stande ist? als die Aussicht, anstatt auf bessere Zeiten, in welchen die Kirche in Frieren und Freiheit ihre Segnungen spendet, auf eine noch ärgere Befeindung und Fesselung der Kirche, als zuvor stattgefunden? Allein diesen Versuchungen zur Traurigkeit stellen wir einige Wahrheiten ent. gegen. Vor allem ist eS Gott, der dieses AlleS so zuläßt und ordnet, und vielleicht schon nach kurzer Zeit kann er zu unS sprechen: „mußte nicht alles dieses so geschehen, damit die Kirche verherrlicht würde?" Die letzlen vier Jahre geben unS Grund genug, falls eS dessen bedürfte, gerade in den erschütterndsten und gefährlichsten Ereignissen der Zeit die Hand GotteS zu erkennen. Es ist aber ein allgemeines Gesetz im Reiche GotleS, daß große Güter nur durch große Kämpfe und Leiden errungen werden. Wir aber sind kindischen HerzenS und möchten auf eine leichte kämpf- und schmerzlose Weise Großes erreichen. Es ist daS Gesetz des christlichen Lebens unv deßhalb zumeist deS Lebens der Kirche, daß alle Gnaden und alle Siege durch viele Trübsale und in einem harten Streiten errungen werden sollen. Sehen wir aber näher ins Einzelne, so mögten wir nur Einen Punct hervorheben. ES bedarf die Kirche zur Lösung ihrer ungeheuren Aufgabe in der Gegenwart ungemeiner Tugenden im Klerus und unter den Gläubigen. Sind dieselben bereits vorhanden? Nun gut, je größere Leiden und Kämpfe die Kirche treffen, um so größere und heroischere Tugenden werden sich in ihr entwickeln. Das ist daS Geheimniß , weßhalb die Kirche in friedlichen Zeiten von der Höhe herabsinkt, dagegen auf Zeiten ihrer tiefsten Erniedrigung oft rasch eine wunderbare Verherrlichung derselben folgt. Im Frieden erschlaffen Viele, lieben Gott weniger, sind weniger opferwillig, man vergißt mehr und mehr wie deS DankeS, so auch der Bitte — je größer aber die Noth, je größer die Schmach, die von der Welt auf die Kirche gehäuft wird, je drohender der Untergang, um so mehr entbrennt in Vielen der Eifer und dann bereitet Gott sich seine Streiter, um zur rechten Zeit ihnen den Sieg zu verleihen. Wenn also nur diese Trübsale die Eine Frucht haben, daß wir dadurch demüthiger nnd eifriger werden, so haben wir keinen Grund zur Furcht, daß die Kirche Schaden leiben werde. Je größer unv ungerechter aber der Krieg wider die Kirche ist, um so heilbringender ist er für sie: der Jnviffe- rentiSmus schwindet und die Kirche wird zum Schauspiel für die ganze Welt — wenn aber die Welt nun ihr Bedrängnis;, aber auch ihre Glaubhaftigkeit sieht, das gegen sie geüble Unrecht, aber auch ihr Recht kennen lernt, mit ihren Grundsätzen und Sitten bekannt wird und endlich ihren Sieg über ihre Gegner wahrnimmt, dann werden Unzählige den Glauben wieder gewinnen und aus gleichgiltigen Zuschauern oder selbst erbitterten Gegnern eifervolle Anhänger der Kirche werden. Darum dürfen wir wohl getrost in die Zukunft sehen, und sicher erwarten, daß die sich erhebenden Anfeindungen und Drangsale, weit entfernt die Entwickelung der kirchlichen Freiheit nach Außen und deS kirchlichen LebenS im Innern zu hemmen, beide vielmehr mächtig fördern werden. Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. VerlagS-Juhaber: F. C- Kremer. Zwölfter Jahrgang. Sonntags-Beiblatt zur Augsburger PostLeitung. 10. October ^ 185s. Dieses Blatt erscheint regelmäßig alle ESountage. Der halbjährige Abouuementsprei» kr.» wofür e« durch alle königl. bayer. Postämter uud alle Buchhandlungen bezogen werden kaun. B r n un» Hirtenschreibm des hochwürdigften L»nton Ernst, von Gotteö und deS apostolischen Stuhles Gnaden Bischof zu Brunn ic. .c. Dem ehrwürdigen in Christo geliebten DiöcesankleruS unsern Gruß und Segen in dem Herrn! „Gewohnt unserm geliebten KleruS die Kunde keines Ereignisses zu entziehen, daS ihn gemeinsam mit uns zur Freude und zum Preis der Erwärmungen GoiteS bestimmen kann, finden wir uns gedrängt, ihm den überaus tröstlichen Ersvlg der heiligen Mission bekannt zu geben, die in den Tagen vom 16. bis zum 23. August im hiesigen Provincial-Strafhause abgehallen worden ist. Der Wunsch, seinen Pflegempfohlencn die Wohlthat einer geistigen Erneuerung durch die Mission zukommen zu lassen, war in dem Seelsorger der benannten Siraf- anstalt wohl schon früher rege geworden, erhielt aber besondere Nahrung durch die freudigen Wahrnehmungen, zu denen die in unserer Cathedra!- und in der Minoriten» kirche im Monate März d. I. abgehaltenen MissionSandachten so reiche Gelegenheit boten. Wir konnten diesen Wunsch nur genehmigen, und Se. Ercellenz der Herr Statthalter erklärte sich mit der dankenSwerihesten Bereitwilligkeit für die Verwirklichung desselben. So fiel eS nickt schwer, noch während der Mission im Frühjahre die Zusicherung der ehrwindigen Väter anS der Congregation deS allerheiligsien Er- löierS zu erhalten, daß sie zu den großen apostolischen Mühen, tie im Laufe deS SommerS ihrer harrten, auch die der Abhaltung der Mission im hiesigen ProvinciaU Strafbause fügen würden. Wahrlich, nur Gott kann die Opfer lohnen, welche die Söhne deS heiligen AlphonS von Liguori immer und überall gleich freudig bringen, wo eS gilt, für daS Heil der unsterblichen Seelen zn wirken, Seelen zu retten, die durch daö Blut deS eingebornen Sohnes GolteS erkauft sind!" „Die Mission begann am 16. August Vormittags, und wurde in beiden Landessprachen durch den hochwürdigen Superior, P. Anton Mastalir, in Gegenwart der Herren Hausvorsteher, deren Mitwirkung zum guten Werke wir rühmlichst anerkennen müssen, eröffnet und in beiden Sprachen durch acht Tage fortgesetzt. Die hochwürdigen Väter: Michälek, Richter, Hrebacka theilten die Mühen deS vorgenannten Missionsobern. „War eS von günstiger Vorbedeutung, daß schon zur Zeit der JubiläumSandacht 763 Sträflinge freiwillig zur Haltung eines Fasttages sich erboten, um den Betrag, der so an ihrer Kost erspart würde, als JubilSumSalmosen für di« Armen und für HNstt ALTntllvWÄ. das Werk der Glaubensverbreitung darbringen zu können, so ließ aus der Stimmung, die gleich nach dem EröffnungSvorlrage bei den meisten Sträflingen sichtbar hervortrat, ein nicht minder günstiger Schluß sich ableiten. „ES war den Armen gesagt worden, die Mission werde unter ihnen gehalten, damit sie Gelegenheit hätten, daS Eine Nothwendige so recht inö Auge zu fassen, die ewigen Wahrheiten, die sie vielleicht nie oder doch nur unvollkommen kennen gelernt, oder im Lause des LebenS unter den Versuchungen und Lockungen der Welt vergessen, in ihrem Zusammenhange zu betrachten, aufs Leben anzuwenden, das Heil ihrer unsterblichen Seelen zu sichern; nur darum handle eS sich; nur geistliche Wohlthaten werden ihnen angeboten; zeitliche Wohlthaten, selbst eine bloße Erleichterung können ihnen die Missionäre nicht zuwenden; die Theilnahme an der Mission sey eine ganz freie, Niemand werde gehalten, den Bußpredigten beizuwohnen, Niemanden werde ein Zwang zum Empfange der heiligen Sacramente angethan: aber alle Mühe würden sich die Missionäre geben, um alle in diesem Hause Festgehaltenen Gott und dem Himmel wieder zu gewinnen; dürften sie ja Niemanden richten, sähen sie ja in ihren *) Es wurde durch dieses gewiß nicht gering anzuschlagende Opfer ein Almosen von 32 fl. 18 kr. C. M. erzielt, das der Herr an den armen Gebern durch den gesegneten Erfolg der Mission wohl gelohnt hat. Auch in der Spielberger Strafanstalt hielten 422 Sträflinge zur Jubiläumszeit freiwillig einen Fasttag und baten, daß der Geldbetrag, der so für ihre Beköstigung entfiele, zur Hälfte den Armen, zur Hälfte dem Leopoldinen- und dem Marienvereine zugewendet werden möchte. Das nachstehende Schreiben, das Einer der Sträflinge bei dieser Gelegenheit an den Strafhausseelsorger gerichtet, werden Wir dem hochwürdigcn Herrn Provicar Oi-. Knoblecher mit der nächsten Almosensammlung in Original» zukommen lassen und veröffentlichen es, weil Wir glauben, es werde nicht ohne Trost von dem Klerus und den Gläubigen unserer Diöcese gelesen werden. Nur die Bekanntmachung seines Namens hat der Briefschreiber sich verbeten: „Offenes Schreiben an Se. Hochwürden den Herrn P. Eduard Haschek, unsern vielgeliebten Seelsorger in dem k. k. Strafhause auf dem Spielberge." „Hochwürdiger Herr! „Mit innigster Freude meiner Seele ergreife ich die Gelegenheit des kundgemachten, von Seiner Heiligkeit Papst Pius IX. der ganzen Christenheit und auch den in Gefängnissen Schmachtenden aller- gnädigst verliehenen Jubelablasses — und bringe mit willigem Herzen hier ein kleines Opfer mit Bestimmung des Zweckes, zu welchem es verwendet werden soll. — Judas Jskariot hat bekannter Maßen unsern göttlichen Heiland um den schnöden Preis von dreißig Silberlingen schändlich verkauft, und ich habe es mir längst schon vorgenommen gehabt, denselben lieben Jesum Christum mit den von meinem täglichen Brode im Kerker mir ersparten dreißig Silberlingen wieder loszukaufen. „Was ihr gethan habt Einem dieser Meiner geringsten Brüder, das habt ihr mir gethan!" so spricht der Herr in dem heiligen Evangelium. Nun — so habe ich denn diese Worte wohl beherzigt und bitte Sie, hochwürdiger und vielgeehrter Bater, Sie möchten die Güte haben, die anruhenden dreißig Silberlinge, respective dreißig Silbersechser, in nsturs dem Hochwürdigsten Herrn Knoblecher, apostolischen Provi- cariuS und Präsidenten des frommen Marienvereines, zur Loskaufung der Negersclaven und Verbreitung des Christenthums in Centralafrika durch das vorgesetzte hochwürdigste Ordinariat nach Chartum in Afrika mit dem allerhöflichsten Ansuchen übersenden, Höchderselbc möge nach seiner allgepriesencn Bereitwilligkeit, Herzensgröße und Menschenliebe für diesen geringen Betrag (weil die Negerknäben, wie man schreibt, sehr wohlfeil auf den Bazars feilgeboten werden) einen jungen Negersclaven, der gute Anlagen zur christlichen Ausbildung verräth — nach Belieben loskaufen, denselben in der römisch- katholischen Religion unterrichten, auf den Namen Emanuel taufen, und in der Erziehungsanstalt in Chartum zum heil. Pricstersiande und zu den weitern christlichen Missionen in Afrika ausbilden lassen." „Sobald mir der Allmächtige die Freiheit schenken wird, will ich nicht ermangeln, noch mehr Gutes für meinen lieben Emanuel zu thun. Jetzt bin ich es noch nicht im Stande. — In der sichersten Anhoffung, daß der hochwürdigste Herr Provicarius diese meine demüthige Bitte nicht abschlagen und meine sehr geringfügige Gabe nicht verschmähen wird, sehe ich schon im Geiste meinen lieben, stehen, kleinen Emanuel, küsse ihn viclmal herzlich, ertheile ihm meinen brüderlichen Segen und verspreche, denselben künftighin noch weiter nach meiner Möglichkeit zu unterstützen und auch selbst persönlich, wenn mir Gott das Leben schenkt, einmal zu besuchen und liebevoll an mein Herz zu drücken, dann zu seiner hohen Bestimmung und Beruf kräftigst anzueifer»; — daher bitte ich noch ferner« den hochwürdigsten Herrn Provicarius, dieses Schreiben dem kleinen Emanuel einzuhändigen, damit er es zum ewigen Andenken auf die Barmherzigkeit Gottes bei sich stets behalte und bewahre. DaS orientalische Sprichwort sagt: Berge kommen nicht zusammen, aber Menschen kommen zusammen. Bi« dahin »erharre ich sowohl des hochwürdigsten Herrn Provicars als auch Eurer Hochwürden ganz ergebenster Diener armer Sünder aus " ' Brüml, de» IS. J»li ISöS. 3SZ dermaligen Zuhörern die Aermsten und Verlassensten, denen ste sich nicht verzögen, ondern deren Diener sie nach der Meinung ihres heiligen OrdenSstisterS seyn wollten, da sie an der Stelle der hier Festgehaltenen und in den Versuchungen, in denen diese gefallen, vielleicht noch schwerer würden gesündigt haben — daS war gesagt worden, und das Wort der Liebe fand Anklang; der Ruf der Gnade ward nicht zurückgewiesen. Nicht bloß die katholischen Sträflinge wohnten sämmtlichen Andachten, Predigten und Unterweisungen bei, sondern auch die Nichtkatholischen, Protestanten und Jsraeliten, erbaten eS sich als Gnade, daß sie die MissionSvorträge in der StrafhauSkirche mit anhören dürften. „Dabei war die Haltung fast Aller die erbaulichste. Daß Einzelne minder gerührt sich zeigten, daß Andere vielleicht nur auS Furcht vor dem Tadel ihrer Kameraden ein anständiges Betragen einhielten, wollen Wir nicht in Abrede stellen, aber eben daß Mindergutgesinnte eS nicht hätten wagen dürfen, vor den Augen ihrer Kameraden eine Leichtfertigkeit zu üben, oder ihre Verstocktheit an den Tag zu legen, zeigt, auf welcher Seite die Mehrheit war und wie vortrefflich die Mission auf den Geist der Sträflinge gewirkt. Die Bekehrung Aller und Jeder kann man auch bei solchen geistlichen Uebungen nicht erwarten, denn nie und nimmer, selbst bei der Mission nicht, thut Gott dem Willen des Menschen Gewalt an; immer gilt das auch von den Missionären oft genug in Erinnerung gebrachte Wort (Ps. 44, 3): Heut, wenn ihr Gottes Stimme höret, verstocket eure Herzen nicht! „Der Gang der MissionSvorträge war der gewöhnliche: Zuerst wurde die Aufmerksamkeit für die ernsten, erschütternden Wahrheiten in Anspruch genommen, dann folgte die Betrachtung der tröstenden, der erhebenden, immer mehr zur Liebe Jesu und zu seiner Nachfolge, zum Verlangen nach der Einigung mit Gott hinführenden Lehren unserer heiligen Religion. Daß eS aber auch beim Vortrage der erstem nicht auf Furcht und Schre- cken überhaupt, sondern auf Weckung jener Furcht abgesehen war, welche der Anfang (Sprüchw. 1, 7), die Krone der Weisheit ist, welche vollkommenen Frieden gibt, die Frucht des Heils (Sir. 1, 22), — daß durch die Hinweisung auf Tod, Gericht, Hölle und Ewigkeit Niemand in Verzweiflung gestürzt werden sollte und auch nicht gestürzt wurde — daß die Missionäre Niemanden die Hoffnung des Heils absprachen und bei den furchtbaren Wahrheiten immer auch die tröstliche Anwendung herauszuheben verstanden: dafür gibt das Verlangen Zeugniß, mit welchem die Sträflinge schon in den ersten Tagen nach dem Empfange des heiligen BußsacramenteS begehrten; dafür sprechen die Thränen der Rührung, die ihren Augen entflossen; dafür die Aeußerung, die nicht aus dem Munde eines unv deS Andern, sondern gar Vieler zu wiederholten Malen gehört wurde: „Ach, wie schätze ich mich jetzt glücklich, daß ich in diesem Hause bin! daß ich meine Sünden abbüßen kann! daß ich so schöne und so tröstliche Unterweisungen höre! O gewiß, nie, nie will ich mehr sündigen! Gott lohne eS allen, die unö so selige Tage bereitet haben!" — dafür mag insbesondere die Thatsache sprechen, daß ein junger, noch nicht vierundzwanzig Jahre zählender Sträfling, dessen Strafzeit am vierten Tage der Mission, als noch die ernsten Wahrheiten behandelt wurden, abgelaufen war, unter Thränen bat, er möchte doch bis zum Schlüsse der heiligen Uebungen, also noch vier weitere Tage im Strafhause belassen werden! Fürwahr ein seltenes Vorkommniß, daß ein junger, lebenskräftiger und lebenslustiger Mann einen längeren Aufenthalt im Strafhause als Gnade und Wohlthat sich erbittet! „So können wir ohne Furcht, daß man uns der Uebertreibung zeihe, wohl sagen, daS Zucht- und StrafhauS zu Brünn habe in den Tagen der Mission denHimmelSbewoh« nern ein Freudenschauspiel (Luk. 15, 7) geboten, denn (Röm.5, 20) wo die Sünde überschwenglich war, wurde die Gnade noch überschwenglicher und eS hätte gar Mancher von den Gefangenen zu den in der Welt Lebenden sprechen können, wie einst PauluS zu König Agrippa gesprochen hat (Ap.-Gesch. 26, 19): Wollte Gott, daß nicht nur wenig, sondern viel, nicht allein du, sondern auch Alle, die mich hören, heute daS würden, waS ich bin, ausgenommen diese Bande! „Ja eS waren gewiß viele Gerechtfertigte in den Reihen der Strafhausbewohner, SSt und die Fesseln, die fie trugen und noch tragen, werden ihnen von Gott nicht mehr zur Tilgung der Schuld, sondern der Ergebung wegen, mit welcher sie solche tragen, zum Verdienste angerechnet. Von denjenigen, denen wir mit größtem Troste am 2l. und 23. August die heil. Communion reichen konnten, werden sicherlich die Wenigsten ein zweites Mal wieder Bewohner dieses HauseS werden; und so möchte die Mission, welche die wohlehrwürdigen Väter Redemptoristen in dem Brünner Provincialstrafbause abgehalten, den klaren Fingerzeig geben, wie man auf die wirksamste und mindest kostspielige Weise die Besserung der Sträflinge erzielen und der Ueberfüllung der Strafanstalten mit Rückfälligen und der dadurch nothwendig werdenden Erweiterung und Vermehrung der Strafhäu- ser vorbeugen könne. Die Bauart der Gefängnisse allein entscheidet hierüber nichts; die kreis- oder sternförmige Gestalt der Zuchthäuser bewältigt die' Sünde in der Brust des Verbrechers nicht: daS Innere deS Menschen erfaßt einzig die Religion, schafft und bildet eS um durch himmlische Wahrbeit und Gnade, und darum gilt auch bei der Frage um die Gefängnißresorm daS Wort deS großen Apostels (.1. Tim. 4, 3), daß die Gottseligkeit zu Allem nützlich ist. „Schließlich erwähnen Wir noch der wahrhast rührenden Weise, in welcher die Sträflinge ihren Dank gegen die Väter Missionäre auszudrücken begehrten. Sie hatten das Ansinnen, einen Fasttag zu halten, um von dem Gelde, das ihnen in Folge deS Er- sparnisseS an ihrer Beköstigung zufiele, den guten Bußpredigern ein Andenken zu kaufen. ES kostete Mühe, ihnen begreiflich zu inachen, daß dieß nicht angehe, daß die Missionäre, selbst nicht unter dem Titel eines Meßstipendiums, irgend ein Geschenk annehmen, daß fie aber schon über den guten Willen ihrer neuen geistigen Kinder hocherfreut seyen; endlich aber mußte man den dringenden Bitten doch in so fern Nachgeben, als die Gefangenen einen Fasttag hielten und den AdlösungSbctrag der freien Verfügung deS HauSseelsorgerS anheimstellten. Auf Anrathen der hochw. Missionäre und mit Zustimmung der löblichen HauSdircciion wurde beschlossen, daß mit dem Gelde der Anfang zur Gründung einer ständigen Bibliothek für die Strafanstalt gemacht werden solle. „So sey denn Gott für diesen tröstlichen Erfolg von unS Allen laut und offen gepriesen, aber auch inständigst gebeten, daß Er, der daS gute Werk angefangen, eS auch vollendcn wolle bis auf den Tag Christi Jesu (Phil. 1, 6). Gegeben in unserer bischöflichen Residenz zu Brunn am Tage der Geburt der allerseligsten Jurtgfrau, im Jahre deS Heils 1353. Anton Ernst, Bischof. (I.. 8.) Augustin Kiorvöky, SecretSr. Unsrer lieben Frauen Mantel. Ein» Erzählung in sieben Lectionrn über da« Salve Negina. Sechste Lection: „Wende deine barmherzigen Avgen un« zu." Am nächsten Vormittag (eS war am Vorabend deS großen MuttergotteStageS) hörte Joscpha kaum den Einspänner vor der HauSthüre rollen, als fie schon eilend» entgegen rief: Er ist ja hier! er ist ja schon hier! — Werden», Pepi, sprach Herr Pankraz, von seinem zeitweiligen Kutscherposten sich herabarbeitend, wer denn, mein Kind? — Nun wer denn? Den Herrn JacqueS meine ich, Vater. — Wirklich, Josephs? rief freudig der alte Falzmann. Ja gewiß, betheuerte sie, indem sie ihm herabsteig«n half, seit gestern Abend schon. — Nun gelobt sey Gott! sprach der GreiS; dießmal hat Gott wieder geholfen! — Josepha rief einem Gesellen, um Wagey und Pferd in den Hof zu bringen, und führte die Beiden in die Stube hinein. Sen gegrüßt und habe Dank, du Helferin der Christen! so sprach Pankraz, gegen daS MuitergotteSbild gewendet; Dank sey dir, daß du Dcujenigen unS zurück geführt hast, der dir zwar keine sonderliche Ehifurcht hat beweisen wollen. Du, o große Frau, hast dennoch unser Gebet erhört und die Macht deiner Fürbitte an den Tag gelegt. Darum hat Gott nicht zugelassen, daß wir selber ihn fänden, damit wir nicht unsern 325 Bemühungen eS zuschreiben, sondern seiner väterlichen Gütigkeit und deinen Mitleids» vollen Augen, die unsere Noth angesehen. Setzen Sie sich doch, bester Herr Nachbar, meine Pepi bringt Ihnen sogleich einen Teller Suppe. Nichts mit dem Fasten heute, Sie sind übel auf. Erst die Erhitzung, die Angst, der Schweiß, dann der erschreckliche Gewitterschauer darauf; c« ist kaum anders möglich. Ich will doch lieber nach meinem Sohne mich umsehen, erwiderte FcilzNiann, auch ist noch Manches an Büchern und Bildern zusammen zu richten aus Morgen. — Ja wohl, ja wohl, sagte Pankraz, und gerieth in einige Unruhe, denn er hatte bisher mit seiner Arbeit kaum dazu gelangen können, um jugendlichen Augen und Gaumen für daS bevorstehende Wall« sahnSfest ein reich gefülltes Lebkuchen, Lustgezelt aufzurichten. Er eilte hinaus, um Gesellen und Lehrjungcn zu meistern und auch Joseph» an ein Geschäft zu beordern, als einer von der fürstlichen Dienerschaft kam, um diese letztere und den alten Falzmann zur Fürstin zu holen. Ach die Fürstin! rief er mit väterlicher Behaglichkeit, du giltst richtig etwas bei ihr; mußt bei allem dem doch morgen im Zelt stehen und lebkuchene Reiter verkaufen! In einem der einsamen Klosterstübchen saß indessen Herr JacqueS und sann und schrieb in der Bitterkeit seines Herzens mit solcher Emsigkeit, als wollte er daS Buchbindergewerbe mit dem Schriststellerwesen vertauschen. Er schrieb jedoch Werke, auf die er sich im Mindesten nichts einbilden konnte und die er am Nachmittage sammt mündlichen Erklärungen bloß allein dem Prior zu lesen gab, worin sich denn zwischen dem unberühmten JacqueS, dem Buchbinder, und dem berühmten Jean JacqueS, dem Schriftsteller, ein großer Abstand zeigte, in so fern der letztere seine Bekenntnisse keinem Diener Mariä überreicht hat, um im Namen ihres SohncS, des Richters aller Gedanken und Werke, nicht sowohl daS Admittitur, als vielmehr daS Remittitur zu erlangen. Dieß aber ist daS große Remittitur: Gehe hin, mein Sohn, dir sind deine Sünden vergeben! Und der Prior sprach ferner zu ihm: Sie dürfen nun fröhlich seyn, mein Lieber, und JhreS VaterS wegen ganz ohne Kummer. Verlassen Sie nunmehr auch diese stille Zelle hier und helfen Sie unS, da Sie ein Mann von Geschmack sind, die Kirche und die Alläre für daS Fest decoriren; auch hat die Fürstin bereits den Mantel für daS Gnadenbild über dem Hochaltare hierher geschickt. Wenn Sie bei dieser Gelegenheit dem Bilde in die Nähe kommen, so betrachten Sie mit Ehrfurcht die erhabenen, wenn gleich nicht kunstreichen Züge dieser uralten Abbildung, und die wundersamen Augen voll Ernst und Gütigkeit, in deren Anschauung wirklich etwas unbeschreiblich Wahrhaftes empfunden wird, und sprechen Sie ganz kindlich und unbefangen in Ihrem Herzen: Dich, o glorreiche Mutter und Jungfrau, verehre ich in diesem Bilde, in welchem du so Vielen schon Trost und Freude gegeben, und ihnen die göttliche Gnade, deren Mutler du bist, vermittelt hast. Wende diese deine huldreichen Augen auch zu mir und flöße mir die Liebe zu deinem göttlichen Sohne inS Herz, welcher auS Liebe zu mir dein Sohn geworden ist. Bitten Sie auch für Ihren Vater und halten Sie fest an der Zuversicht zur großen Mittlerin, dcr sie nun schon so Vieles verdanken; denn, mein Sohn, wenige sind so glücklich wie S^e! In kurzer Zeit war in der Kirche alles zum Feste vollendet; mit rothem Damaste die Säulen umwunden, die Altäre mit künstlichen Blumen geschmückt uuv die glänzenden Leuchter in vielfache Reihen geordnet, in AlleS überstrahlender Pracht aber nahm sich der goldblumige Purpurmantel auS, der zu beiden Seiten daS Frauenbild umfing, mit dcr Krone von zwölf Sternen darüber, von zwei Seraphinen gehalten und die reiche Stickerei des ThroneS ober dem Tabernakel, von der Hand der Fürstin selbst verfertigt. AlleS dieß gab dem GotteShause ein so hochfesilicheS, prunkvoll friedliches Ansehen, daß eS wie mit stillem Jubel den geweihten Raum durchzog: Wie lieblich sind deine Wohnungen, o Herr der Heerschaaren! Selig, o Herr, die in deinem Hause wohnen, sie werden dich in Ewigkeit loben! Bald auch, vom festlichen Geläute zusammen gerufen, füllte ein zahlreiches Volk das Haus und sang, als Vesper und Segen zu Ende waren, mit großer Freude und Andacht folgendes einfältige Lied: 32S *HSsch?F?-' Milde Fürsprecher,'«, Reinste Jungfrau! Wende, « wende voll seliger Ruh Deiue barmherzigen Augeu uu< zu! Mutter der Gütigkeit, Mutter de« Herrn! Ueber die Himmel weit Leuchtender Stern! Wende, o weiseste Führeriu du, Deine barmherzigen Augen un« zu! Glänzende Lilie, Rof ohne Dorn! Quell aller Glorie, Seligkeitsborn! Wende, o mildeste Trösterin du, Deiue barmherzige» Augen un« zu! Pforte der Seligkeit, Reinigkeitsschild! Gchutzwehr der Christenheit, » Furchtbar nud mild! Wende, o mächtige Schätzerin du, Deine barmherzigen Augen un« zu! Mutter in Todesnoth, Mutter des Lichts, Wenn uns die Hölle droht, Fürchte» wir nichts, Wendest du, führend zur seligen Ruh', Deine barmherzigen Augeu un« zn! Den Beschluß der heuligen Andacht machten aber noch folgende Gebetesstrophen, die der Prior zu diesem Ende aufgesetzt hatte und die Jemand, der in einer der vordersten Bänke Platz genommen, mit wohlklingender Stimme gar anständig und fittiglich vorlas: Unter deinen Schutz und Schirm fliehen wir, o jungfräuliche Mittlerin, die du am göttlichen Tbrone stehst, bekleidet mit dem Gewände der Herrlichkeit, von schimmernden Farben, dem Regenbogen gleich umstrahlet, weil du zum ewigen Friedensbund zwischen Himmel und Erde gesetzt bist. Breite dieß Gewand des himmlischen Friedens über unS auS, auf daß wir in seliger Ewigkeit Alle durch deinen Sohn zum Vater gelangen, Amen. — Ein Vater unser und Ave für die Wohlfahrt der heiligen Kirche. Unter deinen Schutz und Schirm fliehen wir, du Zuflucht der Sünder! Breite den Mantel deiner seraphischen Reinigkeit über unS aus, und wende, die du ganz Auge bist, um unserm Elende zu Hilfe zu kommen, jene erbarmenden Augen, welche um deines göttlichen Sohnes willen einst so viele Thränen vergossen, zu unS; damit auch wir endlich unser Herz und Auge weinend zu Ihm wenden, und Er sich unser erbarme. Amen. — Ein Vater unser und Ave für alle Sünder. Unter deinen Schutz und Schirm fliehen wir, du Mutter aller Menschen, der Lebenden und der Abgestorbenen! Breite den Mantel deiner mütterlichen Liebe auS über unS Alle, und mit jenen barmherzigen Augen, mit welchen du die Noth der Familie zu Cana ansahst, als du zu deinem Sohne sprachst: sie haben keinen Wein! schaue auch herab zu allen Hilf- und Trostlosen, und zu Allen, deren Herz freudenleer ist, und erbitte ihnen den Wein der fröhlichen Hoffnung und deS himmlischen Trostes, Amen. — Ein Vater unser und Ave sür die abgeschiedenen Seelen. Als die größte Zahl der Leute schon auS der Kirche sich begeben hatte, klopfte der Prior dem Herrn JacqueS ganz leise aus die Achsel. Sie können nun'für heute schon nach Hause gehen, sagte er, Sie stehen unter keiner Aussicht mehr. Er sübrte ihn durch die Sacristei in den äußern Kirchengang, da stand sein Vater vor ihm. sgiMni, ö,an»üt«) ZAvonK önu »aunZ 327 In freudiger Ueberraschung sank er fast vor ihm nieder; der Greis aber umfing und küßte ihn, und sprach: Mein Sohn, ich habe deine Stimme gehört, und doch hätte ich meinen Ohren nicht getraut, würde ich dich mit meinen Augen nicht gesehen haben. — ES war dieß die Buße, sagte JacqueS ganz leise, die der Prior mir aufgegeben hat. — ES war auch die Prüfung, mein Sohn, setzte der Prior hinzu, ob's dir Ernst sev auf dem neuen Wege, oder nicht. — Und der Alte umfing und herzte ihn von Neuem; die Fürstin aber, die mit Josepha einige Schritte von ihnen verweilt halte, trat hinzu und sprach: Kindesliebe und Vaterfreude — welch' eine schöne Blume mehr an unserer lieben Frauen Mantel. i:,".-l!Ä nsS na« vsjzM Erfahrungen eines katholischen Geistlichen in Wien. ' Geschildert in harmlosen Briefen. (Oesterr. Volksfreund.) III. Die Pfarrschule. Theuerster Freund! Ein für mich heißer Tag ist wieder glücklich vorübergegangen, in dieser Woche nämlich ist die Schule, der ich als Katechet zugetheilt bin, visitirt, und über die liebe Jugend die vorgeschriebene Prüfung gehalten worden. An solch einem Tage muß ich jederzeit viele Schweißtropfen vergießen — und zwar nicht bloß deßwegen, wcil im PrüfungSzimmer, welches mit Kindern und Gästen überfüllt ist, sich ein schrecklicher Dunst entwickelt, sondern auch wegen der Anstrengung, die mit der Prüfung so vieler Kinder aus der Religionslehre verbunden ist. In jeder Psarr- schule Wiens nämlich bestehen gegenwärtig vier Abtheilungen von Kindern, die in der heiligen Religion unterrichtet und am Ende deS Schuljahres geprüft werden. Die Zahl der Schulkinder beläuft sich in jeder Schule aus 300 bis 400, und diese alle soll ich als Katechet nach ihren Fähigkeiten, nach ihrem Fleiße und nach dem Maaße ihres Wissens kennen, um eine entsprechende Prüfung zu halten. Nun ist zwar der hochwürdige Herr Visitator jedesmal so gütig, seine Zufriedenheit auszudrücken , auch werden jedes Jahr viele von hochherzigen Wohlthätern gespendete Prämien vertheilt; allein ich muß gestehen, daß ich selbst mit den Kenntnissen, so wie auch mit der Aufführung der Schulkinder in Wien nicht zufrieden bin. Die armen und in mancher Hinsicht unbeholfenen Dorfkinder waren mir lieber, als die schmucken, gesprächigen und witzigen Kinder der Stadt; denn bei jenen habe ich weit mehr Fleiß im Schulbesuche und zu Hause, so wie auch weit mehr Eifer im Gottesdienste angetroffen, als bei den Schulkindern in der Stadt. Darum konnte ich mit der Hilfe GotteS bei der Dorsjugend einen tiefen, festen Grund der Gottesfurcht und Frömmigkeit legen; während ich bei der Stadtjugend sehr daran zweifle, daß sie von christlicher Gesinnung durchdrungen auS der Schule ins Leben treten wird. Gewiß wirst Du diesen Zweifel mit mir theilen, wenn ich Dir sage, daß viele Kinder in Wien hundert- bis zweihundertmal im Jahre auS der Schule wegbleiben, und die wenigsten zu Hause zum Lernen angehalten werden. Den Einen fehlt eS an der nöthigen oder doch an der zur Befriedigung der Eitelkeit erforderlichen Kleidung, den Andern fehlt eS wieder an den vorgeschriebenen Büchern und sonstigen Schulerfordernissen, noch Andere müssen schon frühzeitig Opfer des Eigennutzes ihrer Eltern seyn, und nicht Wenige bringen mit ihren Eltern im Sommer einige Monate auf dem Lande zu, ohne auch nur an die Schule zu denken. Manche Schulen, die sonst von den Kindern der Wohlhabenden besucht werden, stehen während der Sommermonate ganz leer, da sich die liebe Jugend in der Umgebung Wiens munter herumtreibt. Die ärmern Leute hingegen nehmen ihre Kinder wenigstens an Sonn- und Festtagen mit auf'S Land, von wo ste erst spät in der Nacht zu Hause wieder ankommen, und zwar in einem für die zarte Jugend sehr verderblichen Zustande. Man gibt nämlich den Kindern auf einer Landparthie sehr häufig sogar Wein und Bier zu trinken. 328 Die Folge vom Trinken, so wie auch von der Ermüdung ist dann in der Schule nur zu deutlich zu bemerken. Die meisten Kinder befinden sich nach einem schönen Sonn» und Feiertage in jenem Zustande, den die Burschen in den deutschen UniversttälS- stävten mit dem Namen „Katzenjammer" zu bezeichnen pflegen. Ueberdieß herrscht in Wien der Uebelstand,' daß die Kinder balv wegen der WohnungSveränderung ihrer Eltern, bald aber auch, weil sie vom Lehrer oder Katecheten ein wenig schief ange. schaut worden sind, zu jeder beliebigen Zeit auS der einen Schule auSireten und sich in eine andere aufnehmen lassen. Ich wenigstens habe fast in jedem Monate einige neue Schüler bekommen und andere dafür verloren. Endlich muß ich eS Dir, lieber Freund, bitter klagen, daß die Jugend in Wien nicht zum Gottesdienste, zur Anhörung der heiligen Messe und zur häuslichen Andacht von den Eltern aufgemuntert, sondern vielmehr davon abgehalten und auf vielfache Weise, namentlich auch durch die Uebertretung deS Fastengebotes und durch die Berschmäbung der heiligen Sacra- mente geärgert wird. Nach allem dem wirst Du Dich wohl nicht wundern, wenn Du hörst und auS den Zeitungen entnimmst, daß die Jugend in Wien unwissend und sittenlos ist; noch wirst Du die Schulv hiervon auf die Geistlichen und Lehrer schieben. Ich habe mir die Schule gewiß angelegen seyn lassen, und ich muß gestehen, daß ich immer recht eifrige, biedere, für die heilige Religion eingenommene Lehrer an meiner Seite gehabt habe, die mich in der Erfüllung meiner Pflichten stetS zu unterstützen suchten > allein durch den Leichtsinn, die Thorheit, oder Verderblheit der Eltern ist unsere Mühe größtenlheilS vereitelt worden. Einmal aber habe ich einen Kleinbürger, der seine Kinder von der Schule abhielt, recht derb zurecht gewiesen. Der Mensch sagte mir nämlich, als ich ihn seiner armen Kinder wegen zur Rede stellte: „Die Kinder gehören mir, ich muß sie ernähren, darum kann ich aus ihnen machen. waS ich will." Darauf gab ich ihm nun zur Antwort: „Wem werden denn ihre Kinder gehören, wenn Sie, mein Herr, einmal todt sind? Werden Sie sich dieselben vielleicht mit ins Grad nehmen? Merken Sie sich daS: Ihre Kinder gehören nicht bloß Ihnen, sondern sie gehören auch Gott, sich selbst, dann der Kirche und dem Staate an. Gott hat Ihre Kinder erschaffen zu seiner Ehre; die Kinder selbst wollen einst ihr Fortkommen hier auf Erden und jenseits die ewige Seligkeit finden; die Kirche wünscht gute Christen und der Staat brave Bürger zu haben. Darum dürfen Sie auö Ihren Kindern nicht machen, waS Sie wollen, sondern Sie sollen auS ihnen machen, was Gott haben will, waS die Kinder einst selbst wünschen werden, und was sowohl die Kirche als der Staat wünscht. Mit einem Worte: „Sie sollen Ihre Kinder christlich erziehen, und wenn Sie daS nicht thun, so werden Sie furchtbar bestraft werden, sowohl in ver Zeit, als auch in der Ewigkeit; venn Sie selbst haben eS bei der Trauung unter einem Eide versprochen, die Kinder, welche Ihnen Gott anvertrauen wirv, gut zu erziehen. Ein Mensch aber, der das nicht erfüllt, was er unter einem Eide versprochen hat, wird ein Meineidiger genannt, und von dem strafenden Arme Gottes früh oder spät schmerzlich getroffen. Uebrigens muß ich Ihnen auch sagen, daß die Kirche Ihnen gar nicht vaS heilige Sacrament der Ehe sammt ihrem Segen gespendet und der Staat Ihnen gar nicht die Erlaubniß gegeben hätte, Bater zu werden, wenn Sie nicht feierlich versprochen hätten, Ihre Kinder sorgfältig zu erziehen. Ein ehrlicher Mann aber hält Wort." Auf diese etwas hastig gesprochenen Worte erwiderte der Mann gar nichts, sondern ging brummend davon. Wahrscheinlich hat er mich einen Jesuiten genannt; allein durch diese Benennung werde ich nicht beleidiget. In der Folge kamen seine Kinder fleißiger in die Schule und hatten einen großen Respect vor mir. Du siehst hieraus, theurer Freund, daß man sich in Wien mitunter ein wenig ereisern muß. Bete nur für mich, daß ich vom heil. Geiste mit einem weisen und ausdauernden Eifer erfüllt werde. Um dieß ersucht Dich dringend Dein Freund. Beraotwortlicher Redacteur: L. Schönchen. VerlagS-Znhaber: F. <5. Kremer. Zwölfter Jahrgang. Sonntags-Beiblatt zur Augsburger Posheitung. 17. October ^ ^2. 185S. Dieses Blatt erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der halbjährige Abouuementsprel« kr., wofür e» durch alle köaigl. bayer. Postämter und alle Buchhandlungen bezogen werden kaun. Rom und die Kirchengeschichte. Wie viel hundert und hundert Mal ist geklagt worden, daß Rom nicht jedem dahergelaufenen übelrüchigen Subject, welches sich das Prädicat „deutscher Gelehrter" in gewichtiger Selbstschätzung beigethan, die Schränke seiner großartigen Bücher- und Manuscriptensammlungen alsogleich unter Trompeten- und Paukcnschall geöffnet hat? WaS für Anhängsel sind an solche Klagen nicht immer bitterböse beigefügt worden? Da hieß eS: Seht ihr, waS Rom selber und daS heilige Collegium der Cardinäle angeht — da lassen die Herren nicht gern in die Karlen schauen, da lieben sie eS nicht, daß der Weltgeschichte actenmäßigeS Licht aufgezündet werde, da zeigt sich deutlich ihr Streben, über manches Geschehene, was den Ihren nicht zur Ehre gereicht, den Schleier ungelüftet zu lassen für ewige Zeiten; da habt ihr RomS wahres Signal: Engherzigkeit und Lichtscheu!--AIS Theiner seinen Cardinal Frankenberg herausgab, haben wir selbst in unsere Ohren vernommen, wie ein zwar geborner, aber im Schlepptau jämmerlicher öffentlicher Jugendbilvuug ausgewässerter Katholik, der noch immer die ihm aufgekleisterte Nolteck und W'elker'sche Geschichtsanschauung nicht loö werden kann, bemerkte: „Wäre der Cardinal Frankenberg gegen Rom gewesen, wäre er ein unsittlicher Charakter gewesen, so Halle man in Rom dem Theiner gewiß nicht erlaubt, die Actenstücke zu veröffentlichen." Nun gibt aber Theiner — in Rom vom heiligen Vater selbst angestellt — unter deS PapsteS Augen die Beiträge zur Geschichte der Kirche in Schlesien heraus, und da wirb einer der höchsten kirchlichen Würdenträger, ein Cardinal und Bischöfe so hart und entschieden, so wahrheitsgetreu und ihrer Persönlichkeit halber nachsichlSloS in allen ihren Lebensbeziehungen durchgenommen, daß die so oft vorgebrachten erlogenen Klagen und verkleinernden Lamentationen in ihrem wahren Lichte dastehen. Dieß neue Werk Theiners gibt in der That einen neuen Beweis von der Großartigkeit, mit welcher in Rom die Wahrheit in der Kirchengeschichte über alle andern kleinlichen Rücksichten gestellt wird. Wenn auch die Acten und Thatsachen dem Todten nicht zur Ehre gereichen, so muß doch die Geschichte ihre Sendung, ihren Zweck, erfüllen. Ihr Zweck aber ist nicht, die Thatsachen zu enthüllen, dem Todten zur Unehre, sondern den Lebendigen zur Lehre. Wenn nun der Fürstbischof von BreSlau, Cardinal Sinzendorf, dargestellt wird, wie er wohl „gesetzt vom heiligen Geiste" und begabt mit hoher Würde, doch dieser Würde, dieser Setzung, diesem Berufe durch seinen Werth, durch seine That nicht im mindesten entsprach, und statt seinen Beruf zu erfüllen ' von ihm abgewichen ist, wenn dargestellt wird, wie er seinen kanonischen Rath, sein Domcapitel jederzeit verschmähte, wie er nur an blinden oder blöden, an Schmeichlern, an nur irdische Rücksichten kennenden und stellensüchtigen Klerikern sein Behagen fand, wenn er 33l) dargestellt wird, wie er nur Werkzeuge selbstsüchtiger Willkür dulden mochte und Priester, die mit ächt kirchlicher Gesinnung erfüllt waren, zu verfolgen wußte — so wird durch solche Darstellung doch offenbar eine großartige Lehre gegeben, wie die Kirche in ihrer historischen Wissenschaft schon das Gericht für'S Dießseits — die unerbittliche Geschichte — über diejenigen ergehen läßt, die abgefallen von ihrem wahren Geiste nur in Selbstsucht und weltlichem Gebahren befangen waren, ob sie auch noch so hoch in Würden dagestanden sind. Und da ist unS eben TheinerS Buch ein neuer Beweis, wie großartig Rom die Kirchengeschichte behandelt wissen will, und wie eS keineswegs in Rom beabsichtigt ist, die Acten zu verbergen und die Wahrheit der Geschichte zurückzuhalten. (W. Kirchenz.) Die Mission in Heining unweit Paßau. Längere Zeit schon gingS von Mund zu Mund, auch Heining sollte der Wohlthat einer Mission theilhaftig werden. Von dem größten Theil der Gläubigen wurde somit sehnsuchtsvoll nach dem Tage geschaut, welcher die Boten des Friedens GotteS herbeirufen sollte. Endlich erschien er denn und ungemeine Freude bemächtigte sich der Meisten, als am 14. September die heilige Mission ihren Anfang nahm. Selbe abzuhalten waren die fünf hochwürdigen PP. Redemptoristen 5) mit ihrem hochwürdigen Herrn Superior P. Haringer an der Spitze, TagS vorher in Paßau angelangt, wohin sie von St. Oswald gekommen waren, und wurden von dem hochwürdigen Herrn Pfarrer Damberger in Heining nach eben diesem Orte abgeholt. Am 14. selbst nun bestieg P. Haringer, nachdem ihm in der neuestens schön restaurirten Pfarr- kirche die sämmtlichen Vollmachten vom Herrn OrtSpfarrer übertragen worden, die auf freiem Felde links der Straße, welche über VilShofen und StraubingZnach RegenS- bürg führt, errichtete Kanzel, die Mission zu eröffnen. Eö war Abends vier Uhr, da er die ersten Worte an die ziemlich zahlreich versammelte Gemeinde richtete. Sie waren Worte der Verkündigung dcS Friedens, der Ermahnung zur Buße und Umkehr zu Gott, warum eben die Missionen abgehalten wurden. Der Eindruck war ein sichtbarer: die Herzen der versammelten Gläubigen schienen gewonnen. Hierauf wurde die Tagesordnung von der Kanzel gelesen, wornach die Mission vom 14. bis 22. September incl. dauern, an jedem Tage dreimal, um halb acht Uhr Morgens, ein Uhr Nachmittags und vier Uhr Abends eine Predigt gehalten werden sollte, worauf mit dem Allerheiligsten der Segen gegeben wurde. Nach der Frühpredigt war jederzeit feierliches Hochamt, darnach meist um zehn Uhr eine Christenlehre für die Kinder. Nachmittags zwischen der Predigt um ein Uhr und der um vier Uhr wurde der heilige Rosenkranz erklärt und abgebetet. Spät am Abend endlich, nachdem durch das Ave- Läuten zum Preise demjenigen aufgemuntert war, der eS nicht verschmähte, als deö Menschen Sohn zur Erde niederzusteigen und uns in Allem gleich zu werden, die Sünde ausgenommen — ertönte nochmal der Klang der Glocke, aber ernst und tief in die Herzen eingreifend. Um halb neun Uhr nämlich hallte eS weit und laut vom Thurme in die stille Nacht hinaus, für die Bekehrung der Sünder den Allerbarmer aus tiefstem Herzen anzuflehen. Wie Viele mag wohl beim stillen Gebete der bittende Ton der Glocke selbst gerührt und zur Umkehr bewogen haben? Wenn aber auch dieß möglich, weit mehr — deß bm ich überzeugt — wirkte die Gnade deS Herrn durch den Mund seiner Missionäre. In der That, alle Predigten, welche ich zu hören daS Glück hatte und ohne Zweifel alle andern, können als Muster, an daS Herz des Volkes zu sprechen, betrachtet werden. Einfach, ohne Ziererei, drang das göttliche Wort auö dem Herzen und Munde des Predigers zum Gemüthe der.Gläubigen. Bald ernst und erschütternd, bald aufmunternd und tröstend, wie es der Seelenzustand erheischte, wurden die hei- ") Ertlmayr, Hader, Hermann, Riegger und Freimadl. 331 ligen Wahrheiten und Lehren unserer hl. Kirche vorgetragen. Niemals aber fehlte die Absicht der Liebe, als einzige Richtschnur für die Wirksamkeit der Missionäre. Was soll ich sagen von den herrlichen Gleichnissen und erklärenden Beispielen, welche die hochwürdigen PatreS benutzten, um dem Worte GotteS desto leichteren Eingang in der Gläubigen Verständniß und Gemüth zu verschaffen? Genau für das Volk berechnet wurden sie auS der Mitte deö Volkslebens selber genommen: die nahe rauschende Donau mit der ganzen umgebenden Natur wurde aufs tiefste und doch einfachste zur Belehrung und Erbauung ausgebeutet. Oft vernahm ich von Solchen, die hierin ein Urtheil haben: Das sind wahre Volksprediger, geeignet, Gott und sich die Herzen zu gewinnen. ES war aber auch etwas Erhebendes und Niederschmetterndes, z. B. Herrn P. Riegger mit der Kraft eines PauluS und der Sanftmuth eines Johannes die ernstesten Wahrheiten vortragen zu hören. Wenn der hochwürdige P. Ertlmayr von der Macht der Hölle und der Macht des Kreuzes sprach, wußte man nicht, ob der Abscheu vor der Sünde oder die Liebe zur Tugend tiefer in die Herzen dringen sollte. Oeffnete der hochwürdige P. Superior den Mund, sey es als Engel des Friedens aufzutreten, wie er in der EröffnungSpredigt gethan, oder als ernster und strenger Mahner zur schnellen Buße zu erschüttern, oder mit der Liebe eines frommen Kindes zu seiner Mutter von dem Lobe und dem Preise, so wie der Nachahmung der allerseligsten Jungfrau zu reden, war es zweifelhaft, ob Thränen der Freude über die großen Gnaden oder Zähren der Trauer über die vielen Sünden in den Augen der Gläubigen glänzten. WaS die frommen, opferfreudigen Patres im Beichtgerichte als Seelenärzte wirkten, ist nur Gott und den einzelnen Herzen bekannt, welche nunmehr den Frieden der Seele nächst Gott den theuren Missionären verdanken. Die Anstrengung war eine wahrhaft übermenschliche. Herr P. Freimadl unterlag derselben schon in den ersten Tagen, so daß er nach Nltötting zurückgebracht werden mußte. Besonders aber muß ich noch hervorheben die sogenannten Standespredigten, welche vor dem Sündenbekenntnisse eines jeden einzelnen Standes gehalten wurden. An vier Tagen gab eS solche: der Eindruck muß gewaltig gewesen seyn, denn ich glaube, alle Pfarrkinder reinigten ihre Seelen durch Generalbeichten. Feierlich waren die Generalcommunionen, welche in der Regel TagS darauf während deS Hochamtes abgehalten wurven. Vor und nach denselben ertönten eindringliche Worte der Ermahnung und Bestärkung an die Communicanten und bei zwei Generalcommunionen geschah die Errichtung der für unsere Zeit so nothwendigen Jungfrauen- und Jünglingsbündnisse. Auch hier war eS sehr tröstend zu sehen, wie zahlreich, insbesondere bei den Jungfrauen, der Zutritt zu denselben war. Ueberhaupt aber sage ich keine Unwahrheit, wenn ich von der Theilnahme von Seite der Gläubigen sage, daß sie sehr groß und erfreulich gewesen. Während der ganzen heiligen Mission konnte man die geheimnißvolle Umwandlung durch die Gnade des barmherzigen GotteS an fast allen Pfarrangehörigen bemerken. Dieser entsprach das ernste, in sich gekehrte, würdige Benehmen der Gemeinde. Allein nicht bloß diese, sondern Gläubige aus Nah und Ferne zog der fromme Eifer und der Durst nach der himmlischen Heilsquelle zu der Theilnahme an den Segnungen der Mission. Wie Vieles könnte ich noch sagen von der rührenden Feier der Kindercommunion, der Wiederholung deS TausgelübdeS, der feierlichen Hingabe der Gläubigen an JesuS und seine heilige Mutter Maria! Doch ich begnüge mich dieses gesagt zu haben und berühre nur noch den letzten Tag, die Schlußfeier der Mission. Sie war die schönste, die rührendste, die ergreifendste. Nachdem der hochwürdige P. Hader die Weihungen der Kreuze, Rosenkränze, Medaillen und Bilder vorgenommen, bestieg nach feierlicher Procession mit dem Allerhciligsten der hochwürdige P. Superior zum letzten Male die Kanzel. In heiliger Freude pries er den Eifer der Gläubigen und die Frucht der heiligen Mission: sodann aber sprach er auch seine Gefühle der Bangigkeit und Trauer aus, sich und die Gläubigen erinnernd, „daß der Geist zwar willig, aber daS Fleisch schwach sey", demnach gar Mancher wieder abfallen würde. Daher gab er nochmal die Mittel an, in der Treue gegen Gott standhast auszuharren, und nahm sofort 33S Abschied von der Gemeinde. Kaum hatte er hievon zu sprechen angefangen, da er» griff cS im heiligen Schmerze die Tausende der Anwesenden. Ein laureS Schluchzen begleitete die weiteren Worte des hochwürdigen SuperiorS, und helle Thränen schim- mene», ja rannen aus eines Jeden Auge, das den dockwürdigen Paler besah. Ich sah Männer von gewaltiger Natur, die ich nicht für befähigt hielt, eine Zähre zu vergießen. Aber dennoch griffen auch sie zum Tuche, sich die Thränen abzutreiben, welche sie — man fühlte eS wohl — mit ihren Weibern und greisen Vätern, ihren Kleinen und Ehehalten um die lieben PalrcS vergossen. Diese Thränen waren das schönste Gebet im Angesichts deS Himmels zum Herrn cmporgesendet für die vielen Wohlihaten Seiner Gnade, die Er durch die Hände Seiner frommen Missionäre in die Herzen der Gläubigen ausstreuen ließ: sie waren aber auch der zeugendste Dank den Bemühungen der hvchwüroigen Väter gegenüber, welcher nie erlöschen wird. Hierauf ertheilte der hochwürdige Superior noch den feierlichen Segen der Kirche und insbesondere deS heiligen VaterS, worauf die heilige Mission für geendigt erklärt wurde. DaS Allerheiligste, welches während der Schlußpredigt auf dem Altare ausgesetzt war, ward sorann in großartiger und feierlicher Procession wieber in die Kirche zurückgetragen; von Ihm sodann daS „Te Deum laudamuS" freudigst angestimmt und nach Abhaltung desselben noch der Segen gegeben, womit diese erhabene, mir und Vielen ewig denkwürdige Feier vollends schloß. Die hochwürdigen Väter verwenden noch einen ganzen Tag auf die Bcsuchung der Kranken, um ihnen in ihren körperlichen Leiden die stärkenden Freuden deS Trostes uuv der Beseligung durch die Gnaden der Religion zu gewähren. Sofort reisen sie am Freitage den Z4. Früh Morgens ab. An eben diesem Tage beginnt eine heilige Mission in Poiking im sogenannten Rottthal und bald auch andere in Regen, Rinch- nach, und BischofSmaiS, Pfarreien im Wald. Schließlich noch dieses. Für zwei Stücke danke ich Gott: daß wir einen so eifrigen und frommen Regulär- und SecularkleruS haben und dann auch dafür, daß daS Volk noch einen so guten Willen zeigt. Endlich aber beseelt mich noch der Wunsch, eS möchten alle Diejenigen, welche in ihrer Verblendung voll der Vorurtheile gegen die Missionen sind, eS über sich bringen, einmal einer solchen anzuwohnen. ES würde nicht blos der Nebel, der vor den Augen ihres Geistes und Herzens ist, hinweagenommcn werden, sondern auch ihnen sich die Ueberzeugung bilden, daß die Missionen, deren sich «die heilige Kirche in unsern Zeiten bedient, ein Radikalmittel seyen, die Schäden unsrer Tage gründlich zu heilen, und daß man sie mit Recht die Kanäle nennen kann, durch welche mit Zuführung der erfrischenden Quellen der Gnade GollcS Ehrfurcht gegen den Herrn und Sein heiliges Gebot, Gehorsam gegen die Kirche und ihre Vorsteher, Achtung und Anhänglichkeit und Treue gegen König und Vaterland in die Herzen deS Volkes einströmt und hiemit auch Segen, Heil und wahres Glück in jeder Hinsicht. Auf Euch endlich, hochwürdige Bärer! ergieße sich im reichlichsten Maaße die lohnende Gnade deS Herrn I DaS Volk in dem Bewußtseyn, daß ihr eS wahrhaft beglücken könnet, liebt Euch als seine theuren Väter. In dieser Liebe möge Euer Lohn hier, in der ewigen Glorie aber, wo aller Verfolgung Ende ist, derselbe jenseits bestehen, kmt, Lst! Die Crefelder Ausstellung mittelalterlicher Kunstgegenstände. Es ist eine schon oft wiederholte Bemerkung, daß seit 1833 daS kirchliche Leben in fortwährendem Wachsthum« und immer weiterer Ausbreitung begriffen sey. Wallfahrten, Bruderschaften, Vereine zu den verschiedenartigsten religiösen und kirchlichen Zwecken, kirchliche Neubauten und Reparaturen, Missionen, Stiftung neuer und Reformation alter Orden und mehrereS Andere beweisen diese Behauptung. Namentlich zeigt sich der erweckte kirchliche Sinn in der Wiederbelebung der mittelalterlichen Kunst, welche, ein Erzeugniß tiefer Religiosität, aus den Tempeln der 333 Religion fast verbannt war; der alte, lange verkannte Choral kommt wieder zu verdienten Ehren, die Ornamentik tritt mit dem kirchlichen Baue und der Heiligkeit deS geschmückten Gegenstandes in Eintracht, und die gotteSdienstlichen Gesäße und Ge« rälhschaflen erlangen wiever Charakter und Styl. Seit dem Ende deS MittelalterS hat die religiöse Kunst nichts Besseres, alS daS schon Vorhandene, schaffen können; deßhalb wandte sich der fromme Sinn dem verrufenen „finsteren" Mittelaltcr wieder zu, und mit Staunen und Bewunderung steht der Beobachter vor seinen herrlichen Werken, dessen Verständniß ihm die einschlägige Literatur der letzten J'ahre ver- milielt hat. Unter diesen Umständen ist die Crefelder Ausstellung mittelalterlicher Kunstgegenstände ein Zeichen der Zeit, ein Beweis deS neu erwachten kirchlichen SinneS; vor zehn Jahren wäre sie noch nicht möglich gewesen oder hätte wenig Besucher gefunden, während sie jetzt, auch nach der Londoner und andern Industrie-Ausstellungen, ein sehr großes Interesse in Anspruch nimmt. Wer den andauernden Fleiß und die Opserwilligkeit, wer prachtvolle kirchliche Arbeiten in Silber und Gold, in Schmelz, Email und Filigran aus der romanischen und gothischen Periode, wer kunstreiche asiatische Gewebe, die der Frommsinn der Vorfahren dem höchsten Herrn geweihet, wer die ursprüngliche Form kirchlicher Gewänder und Gefäße (Caseln, Kelche, Patenen, Kreuze) und ihre Aenderung zu der jetzigen Gestalt sehen, vergleichen und bewundern will, der gehe nach Crefeld. Eine ausführliche Beschreibung überlasse ich einer andern Feder, kann jedoch nicht umhin, folgende Gegenstände namentlich zu nennen: die Caseln deS heiligen HeribertuS, Bernard und Bruno, deS Albertus MagnuS, Monstranzen und Ciborien, Ostensorien und Reliquiarien, Kreuze (darunter ein sehr altes) aus der romanischen und gothischen Zeit, Statuetten, Weihrauchfässer; den großen Altarteppich aus dem Kölner Dome und den durch den Crefelder Marienverein gefertigten Altarteppich; eine Stickarbeit: „Christus am Kreuze" (wunderschöne neue Arbeit Crefelder Damen); Webereien der Herren Casaretto und Kleinenbroich. Neben den alten Werken der Goldschmiedekunst haben und verdienen die romanischen und gothischen Kirchengefäße deS Herrn Dutzenberg ihre Stelle. Der Eindruck, welchen die Ausstellung auf den Beschauer macht, ist ein erhebender; sie reißt zur Bewunderung der mittelalterlichen kirchlichen Kunstperiode und zur gebührenden Geringschätzung der folgenden hin, wo die Glaubensspaltung ihre unheilvollen Früchte auch im Verfalle der kirchlichen Kunst hervorbrachte, wo die kirchlichen Kunstwerke in der Rumpelkammer und gegossene und gepreßte Gefäße auf den Altären standen. Auf, gen Crefeld! lasset euch erleuchten durch die Werke deS „finsteren" MittelalterS! (Z. z. V. H.) _ Unsrer lieben Frauen Mantel. Eine Erzählung in steben Lcctionen über da» Salve Negina. Siebente Lection: „Und nach diesem Elende zeige un« Jesum, die gebenedeite Frucht deines Leibes." Es ist wahr, sagte Meister Pankraz, es ist nichts Besonders in und an der Welt; Alles ist höchstens nur Versuchung, Lockung, Prüfung. Meine eigene Hand- thierung lehrt das schon! WaS den Menschen nährt, ist Mehl und Wasser; der Honig, den ich hinzuthue, ist schon eine Lockung. DaS tägliche Brod ist unS Menschenkindern nicht genug, wir wollen auch Lebkuchen haben, und unterstehen unS, in unserer deutschen Sprache dergleichen Honigbrod Lebkuchen zu nennen, als wollten wir damit zu verstehen geben, daß wir nicht vom Brod, sondern von der Süßigkeit unser Leben haben. DaS pflegt aber oftmals eine elende und eingebildete Süßigkeit zu seyn, zumal wir von der Ehre leben, und vom Ehrhunger geplagt werden. 334 WaS wollen Sie aber damit sagen? entgegnete der Kranke. Nichts, mein lieber Herr Falzmann, sprach der Lebkuchenbäcker, als dieses, daß am gestrigen Festtage Alles sebr gut abgelaufen ist. Ist nicht Ihr Jacques ein Junge voll Glanz und Nettigkeit? Der hak eine große Portion Ehre zu seinem täglichen Bedarf nöthig gehabt; jetzt aber lebt er ganz sparsam damit, ist auch gestern ganz friedfertig in Ihrem Bilver- und Bücherhüttchen neben der Kirche gestanden, und hat Groß und Klein auf'S bereitwilligste abgefertigt. Und meine Pepi vollends — hat ihre Stickerei am Frauenmantel und daS, waS sie bet der Fürstin gilt, nicht allen Neidharden ins Auge geleuchtet? Viel Ehre, ja wirklich gar zu viel Ehre; und ich, als ihr Vater, habe auch meinen Theil davon mttgegessen und mitgenossen; aber wie benimmt sich gestern daS kluge Kind? Sie steht ganz bescheidentlich in meiner Lebkuchenhütte und verkauft Reiter, Marzipan und Pfeffernüsse an Groß und Klein, als wäre sie niemals am Stickrahmen einer durchlauchtigen Fürstin gesessen I Der Kranke sprach: mich freut es inniglich, daß eS so gut mit unsern Kindern steht und kann ich nun sorgenlos zum hölzernen Einband mich zusammen legen, in welchem wir zu ruhen hoffen, bis zur Zeit, da daS große Buch wird aufgethan. — Der Lebkuchenbäcker: Trübselige Gedanken daS! — Der Kranke: Es ist eben kein trüber Gedanke, die Hoffnung, bald hinauszugehen auS diesem Elende. Wohl, sagte Herr Pankraz; aber ist denn dieß Leben wirklich nichts als Elend? — Ja, bester Nachbar, und zwar im doppelten Sinn. Denn einmal ist daS Elend auf Latein Erilium, zu deutsch Verweisung, und im Elend seyn, bedeutete vor Zeiten, fern von seinem Vaterland wandern. Unser wahres Vaterland ist aber nicht hier, folglich, so lange wir hier sind, sind wir in der Fremde, im Elend. Zum andern ist daS Elend auf Latein Miseria, zu deutsch Elend schlechtweg, und das findet sich bekanntlich überall, wo daS Paradies nicht ist; denn wo daö Elend nicht zu finden wäre, da wäre eben schon daS Paradies; nun aber ist selbes dem sterblichen Leben nicht zugänglich, und ist nimmer auf Erden. ES ist aber noch ein drittes Elend, und dieß zwar ist größer als alles übrige, nämlich nicht wissen, daß dieses Leben sonst nichts denn Elend sey. DaS ist hart, Herr Falzmann. — Nicht härter als wahr, Herr Pankraz. Aber weil daS Reden mir sehr hart fällt, so bitte ich Sie, dort die Schrift herauszunehmen, ich habe sie schon vorgestern niedergeschrieben, und zwar für meinen Sohn; lesen Sie mir doch die etlichen Zeilen vor. — Und Pankraz las, wie folgt: „Außer meinem letzten Willen, so hauptsächlich von zeitlichen Dingen handelt, wollte ich dir, mein lieber einziger Sohn, noch einige gewichtige Worte ans Herz legen, die sollst du wohl zu Herzen nehmen, aber auch in dem Felleisen sorgfältig bewahren, das dir auf deinen Reisen gedient hat. „Ich zwar, wenn du diese Zeilen liesest, bin von hier hinaus gegangen und hoffe durch die Fürbitte der Mutter Gottes, der ich allzeit vertraut habe, das Angesicht meines Erlösers zu schauen. Du aber bleibst noch in diesem Elende. „Ein Elend aber ist dieses Leben^ es erscheine dir nun bitter oder süß, fröhlich oder trübe. Denn obwohl daS Leben oft voll Wolken ist und peinlichem Gewirr, und heimgesucht von Hitze, Frost, Mangel, Schmerz, Sorge, Schmach, eitlem Bestreben, ermüdender Arbeit, Feindseligkeit, Ueberdruß und überhaupt einem Hundertsachen Alphabet von Armseligkeiten, Bangigkeiten und Calamitäten, so sind doch diese keineswegs daS Schlimmste, sondern vielmehr das Beste von der Sache, denn sie wirken in dir eine Sehnsucht nach dem Vaterlande und zeigen dir daS Elend in seiner wahren Gestalt, während die sogenannten Lebensfreuden, oder die Freuden dicseS Elendes, dir seine wahre Gestalt verhüllen, und dich mit solcher Liebe an dieses Elend ketten und kitten, daß du des Baterlandes nimmer begehrst. „Und also zwar, da dieß Elend ein doppeltes Antlitz zeigt, ein freundliches und ein trübes, so traue dem ersten nie, und sey gewiß, daß nur daS letztere dir die Wahrheit sagt. DaS freundliche darf dich nicht zu sehr erlustigen, doch auch vaS 335 trübe nicht erschrecken. Schrecklich ist nur der Abgrund längs des Weges, furchtbar oder erfreulich nur allein daS Ziel. „Vergissest du nie, daß hienieden nur eine Wanderung sey durch Elend zur Freudenfülle, durch Finsterniß zum Licht, so wirst du in stiller Sehnsucht deinen Weg gehen und in heiliger Furchl; du wirst aber, der Gefahr stets eingedenk, zu deiner Mutter flehen, die alle Menschen mit himmlischer Liebe liebt und täglich rufen: Nach dieser Finsterniß zeig' unS das Licht! nach diesem Elende zeig' uns Jesum, den Herrn der Seligkeit; die gebenedeite Frucht deines LeibeS! „Zu Ihr rufe täglich, mein Sohn, Ihrem Schutze empfiehl' deine Seele. Die daS Licht, die Wahrheit und das Leben, die den Seligmacher uns gebar, sie ist die Pforte deS Himmels, die Königin des Paradieses. Ihrer Huld empfehle ich dich und mich, da voll christlicher Zuversicht auf Christi Wunden und Mariä Schmerzen ich hinaus gehe auS diesem Elende; ich, dein Vater, Thomas Falzmann, Buchbindermeister allhier." DaS ist ein beweglicher Brief! sprach Pankraz, ihn wieder zusammenfaltend; aber kaum für junge, glückselige, frische Leute, bei denen der Himmel noch voll Geigen hängt. Wir Alten freilich, wir haben schon ein MehrereS erfahren. — Herr Falzmann aber entgegnete: Dieß Gute hat daS Elend, daS da genannt wird Miseria, daß eS uns über das Elend belehrt, so da heißt Erilium. Im Uebrigen werden der Herr Nachbar höflichst ersucht, den Herrn Prior baldigst zu mir zu bitten. Denn eS ist aller Tage Abend herbeigekommen und dämmert schon herein. !nn>? ME ötjzjE :chvM S»k -^»^tnminH. n,möoK nsAttzaöl» msm» ni ui/iK Schluß. „O gütige, o milde, o süße Jungfrau Maria." Als eS binnen wenigen Wochen mit dem alten Falzmann dahin kam, daß seine Seele von den morsch gewordenen Banden ihres irdischen Einbandes sich löste, hat man diese kindliche Anrufung noch von seinen erbleichenden Lippen vernommen. Herr Pankraz sah in sein altes Gebetbuch hinein, und laS die Bernardischen Worte: „Gütig bist du den Dürftigen, milde den Flehenden, süß den Liebenden. O wie gütig erweisest du dich den Reuigen, wie milde den Fortschreitenden, wie süß den Vollendeten!" Der Prior sprach die letzten priesterlichen Worte über den Verblichenen, Herr Jacques schluchzte und Josephs weinte mit ihm. Da hielt der fürstliche Wagen vor dem Hause und die Fürstin selbst trat herein. Wir bitten tausendmal um Verzeihung, rief Herr Pankraz, indem er, obwohl mit großer Submission, Miene machte, der hohen Frau den ferneren Weg in des Zimmers Mitte abzusperren; er ist so eben fortgegangen, der Selige, er ist ganz richtig gestorben, wie er'S seit den letzten Wochen immer behauptet hat, daß er ganz sicher sterben werde; er muß eS also doch deutlich in sich gefühlt haben! Ja, waS noch mehr ist, er hat sich daS Salve Regina vorbeten lassen, wie Einer, — um ein recht plumpes und doch in etwas erhabenes Erempel zu geben, wie Einer, der da sagt: Ihr Hautboisten, oder ihr mit den Cymbeln und Harfen, spielt mir anjetzo mein Lieblingsstück auf, denn ich gehe meinen Freudengang und komme nimmermehr, und mit dem Elende hat eS ein Ende. Nicht hinschauen, Ew. Durchlaucht, wiewohl Ew. Durchlaucht ganz allein zu befehlen haben, aber ich wollte nur gemeint haben--Der Prior unterbrach diesen Vortrag gutgemeinter Besorgnisse, indem er durch einen abwehrenden Blick auf den lebhaften Redner die Aussicht auf den beredsamen Todten frei machte. Auf diesem erstarrten Angesichts, sagte er, hat die scheidende Seele eine Glanzspur ihres Friedens und ihrer Freudigkeit zurückgelassen, hier sind keine TodeSschrecken. Von Lippen, in deren letzten zuckenden Regungen sich noch der süße Name Maria formt, kann der TodeSschmerz das Lächeln nicht verscheuchen. Sie hat ihrem treuen Diener den Beistand gewährt, um welchen er täglich sie gebeten halte; gelobt sey Gott. Herr JacaueS schluchzte bei diesen Worten noch mehr als früher, und Josepha weinte noch ferner mit ihm. Auch Herr Pankraz konnte nicht umhin, ein Gleiches zu thun, nur rief er dazwischen: die guten Kinder! ach, die guten Kinder! — 336 Bereits war daS letzte buntfarbige Herbstlaub über des alten FalzmannS Grabhügel hingeweht, als die Thränen wieder von neuem flössen. Die Fürstin war in die Hauptstadt zurückgekehrt und halte Josepha als Gesellschafterin, wie Pankraz versicherte, oder alS Kammerjungfer, wie die andern Leute im Orte wußten, mit sich genommen. Herr JacqueS gab sich zwar zum letzten in die Kost und hielt sich fleißig zur Arbeit, auch redete ihm der alte Nachbar oftmals zu, und sprach: Nur ausharren, mein Kind, und dem Herrn Prior gehorsam seyn und der Meinung der Fürstin folgen, die an Ihnen wie eine Mutter handelt, und vor Allem die HtmmelSfürstin um ihren Schutz anflehen, die Ihnen schon so viele Gnaden erzeigt! — Nichtsdestoweniger verging kaum eine Woche, wo er nicht nach seinem Felleisen sah und die Riemen aufzog, um eS in reisefertigen Stand zu setzen. Aber da war das Erste, waS seinem Blick begegnete, seines VaterS Abschiedsschreiben, das laS er dann, erwog eS hin und her, zog ganz sachte die Riemen wieder zu und blieb. ES dauerte aber nicht einmal siebenmal sieben solcher Wochen, die Herr Jacques alS seine Probezeit zubringen mußte, und eS soll diese Geduld- und Ergebungsübung ihn nimmermehr gereut haben, obwohl die Folge davon war, daß der nunmehrige junge Buchbindermeister, ehe ein JolleS Jahr umging, aus dem ungebundenen in den gebundenen Stand übertrat. Da war die Gesellschaft, die bei dem Sterbelager versammelt gewesen, auf dem fürstlichen Schlosse wieder beisammen, und Herr Pankraz genoß einer Ehre, die ihn süßer dünkte, als Alles, was er an eigenem Hänvewerk jemals SüßeS vollbracht hatte. Die Fürstin aber ließ beim Schlüsse der Tafel ein schönes Bild unserer lieben Frau in einem glänzenden Rahmen hereintragen, und sprach: Dieses Bild kennt ihr wohl, auch der goldgestickte Mantel ist nicht hinweggelassen; eS ist genau nach jenem am Altare, vor dem Ihr heute daS heilige Bündniß einginget. Unter dem Schutze der göttlichen Mutter möget Ihr in treuer Liebe und Einigkeit durch dieses Leben wandeln, und tagtäglich durch ihre Fürbitte erfahren, wag mit den goldenen Buchstaben unter dem Bilde steht. Sie sahen hin und lasen die Worte: O gütige, o milde, o süße Jungfrau Maria! WeHindien. Der Generaldirector der Schulbrüder auf der Insel Martinique, Bruder Philemon, starb kürzlich. Dieser schmerzliche Verlust ist keine vereinzelte Thatsache. Jedes Jahr sterben in dieser Mission mehrere Arbeiter in der Blüthe ihrer Jahre, oder werden doch wenigstens zur Rückkehr nach Frankreich genöthigt, um ihre geschwächte Gesundheit zu stärken. Ihrer sind einerseits zu wenige, um den dringenden Bedürfnissen der Colonien zu genügen, und andererseits sind sie zu eifrig, um alles Gute zu fördern. In einzelnen Gemeinden haben sie 5l1t), köv, ja 7- bis 300 zur ersten Communion vorzubereiten. Der Director der Schulbrüder zu Guadeloupe schreibt unter dem 27. Juli an den Generalobern Herrn de la MennaiS: Sie begreifen, mein guter Vater, daß solche Anstrengungen die Brüder ermüden. Nichts desto weniger unterziehen sie sich ihnen mit bewunderungswürdigem Eifer. Man bemerkt aber auch so vielen guten Willen bei diesen braven Leuten, man ist Zeuge von dem Eifer, welchen sie beweisen, zu Gott zurückzukehren, nachdem sie so lange Sclaven deS Teufels waren, so daß man unmöglich seinem Eifer Schranken setzen kann, und sich mit Freude für ihr Seelenheil aufopfert. ES ist wahrhaft rührend, wenn man sieht, wie nach Beendigung ihres mühseligen Tagewerks nicht allein Jünglinge, sondern Greise von sechzig, siebenzig und achtzig Jahren begierig nach der Lehre des Heils zu unsern Häusern kommen, und sich so auö Begierde zu hören, der nothwendigsten Ruhe berauben. Ich kann nicht aufhören Freudenthränen zu weinen. Dieser Religionsunterricht ist mein größler Trost. Er ist das Beste in unserer Mission. Berautwortlicher Redacteur: L. Scheuchen. VerlagS-Znhaber: F. C. Kremer. Zwölfter Jahrgang. Sonntags-Beiblatt zur Äugslmrger PostMung. St. Oktober M 1852. Dieses Blatt erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der halbjährige Abonuementspreis HU kr., wofür e« durch alle kvmgl. bayer. Postämter uud alle Buchhaudlungeu bezogen werde» kann GlaubenStöue aus der Mark. ES ist eine nicht zu verkennende Thatsache, daß sich im nördlichen Deutschland ein der katholischen GlaubenSanffassung geneigter mächtiger Geist regt, und eS sind in der letzten Zeit Erscheinungen zu Tage getreten, die deS Kaiholiken Herz mit Freude erfüllen, cS haben Ereignisse statt gefunden, die, wenn sie auch im ersten Augenblick die veolssia prvssu beweinen lassen, doch den erfreulichsten Auögang nehmen werden und müssen, wir sagen: müssen, denn die Wahrheit muß durchdringen, muß siegen. Sind die Erscheinungen auf dem kirchliche» Gebiete im nördlichen Theile unseres Vaterlandes erfreulicher Natur, so sind sie eS besonders auch deßwegen, weil sie ein Beweis nicht bloß deS Suchens, sonderndes SchncnS nach dem positiven Glauben sind, und ihren äußern Grund in der Zerfahrenheit deS Protestantismus, in seiner kirchlichen Unselbstständigkeit, in dem dogmatische^ Indifferentismus der Union finden. Zeuge dessen ist ein Schriftchen, welches die Ausschrift führt: „Unser Zustand von dem Tode bis zur Auferstehung", und dessen. Verfasser L- P. W. Lülkemüller nicht bloß dem Protestantismus angehört, sondern selbst evangelischer Pfarrer in der Mark Brandenburg ist. In diesem Werkchen ist nicht nur die Lehre vom Fegefeuer auf biblischem und traditionellem Grunde evident bewiesen, sondern sind fast alle Fnndamentalwahrheiten deS christkatholischen Glaubens mit einer Schärfe und Wahrheit dargelegt, daß der Verfasser in seinem Glauben mit dem Glauben der heiligen Kirche vollkommen übereinstimmend betrachtet werden muß. Wir sind beim Lesen dieser Schrift so freudig überrascht worden, daß wir glauben, den Lesern dieser Blätter einen angenehmen Dienst zu erweisen, wenn wir sie einige frische GlaubenStöue auS der sonst so sandigen Mark vernehmen lassen. Der Verfasser widmet seine Schrift „der heiligen allgemeinen, d. i. katholischen Kirche." Und was ist unserm Verfasser die Kirche? Nachdem er das monarchische Princip in der Kirche, daö Papalsystem, als das allein wahre, von Christus iusti- tuirte anerkannt und bewiesen hat, fährt er S. 32 fort: „Ich bekenne offen, daß ich seitdem die katholische Kirche in einem ganz andern Lichte betrachte, ich verehre, wo ich früher— ich meinte in einem ehrenhaften, ritterlichen Kampfe — das Schwert zog. Ich kann die heilige Kirche nicht mehr alö ein Unhistorisches, als eine unsichtbare, oder wenn sichtbar als ein todt AbstracteS, formulirt in einer subjektiven Auffassung von einer „Versammlung aller Gläubigen, bei welchen das Evangelium rein gepredigt, und die heiligen Sacramente laut deS Evangelii gereicht werden" annehmen. Dieses ist eben so uubestimmt, wie der Paragraph einer modernen Con- stitution." — „Ich sehe schon aus der Organisation der heiligen Kirche, welche der Herr EhristuS selbst bestimmte, und aus der geschichtlichen Erscheinung der heiligen Kirche seit dem ersten Pfingstfeste (vergl. Apostelg. 2), mithin aus dem neuen Testa- 338 mente, daß die Kirche hier auf Erden kein bloßcS Hirngespinnst ohne Fleisch und Blut, sondern eine wirkliche historische ist, oder ich müßte sie deßhalb für unsichtbar halte», weil sie mir, etwa wegen meines Ichs, und so aus Blindheil gegen das Wort Gottes, noch unsichtbar wäre. Ich glaube an die einige, heilige, apostolische und katholische Kirche." — „Wie ich in Christo selbst, dem Haupte, annehme, als er vom Himmel auf Erden in die Erniedrigung gekommen war, daß Gott geoffenbaret ist im Fleische, daß JesuS Christus ist ins Fleisch gekommen, also die Gemeinschaft zwischen der Gottheit und der Körperwelt, ihre Verbindung annehme: so kann ich auch nun den Leib Jesu Christi in ssiner Einen, heiligen Kirche nicht mehr schwärmerisch verabscheuen, in der sichtbaren Kirche und damit andererseits die Kirche selbstwörtlich überschätzen, d. h. sie mir in ein falsch spiritualistischeS Phantom auflösen, in ein unsichtbar abstracteS Ding ohne Wirklichkeit, in eine bloße Idee, wie einst Juno die Himmelskönigin sich, nach der Mythe, dem, der sie sinnlich erkennen will, entzieht, indem sie sich in eine Wolke auflöst. Einen Dunst statt der Kirche umfaßt Jeder, der sie nun auch in irgend einen todten Buchstaben ohne Geist, Leben unb Wirklichkeit formulirt, heiße es: „Die Bibel allein!" und wo möglich noch ohne Apokryphen, oder: „die symbolische Schrift! oder Schriften", oder: „die Bibel so weil sie Bibel ist!" Ohne die heilige apostolische und katholische Kirche selbst bleibt alles ein strohernes Wesen, Holz, Heu, Stoppeln, ein todtes Schema, eine fremdartige, unhistorisch?, revolutionäre Konstitution, da man meint, den ganzen Staat mit aller Weisheit in der Westentasche forttragen zu können. — DaS ist freilich leichter als die katholische Kirche! Eben so thöricht ist das Geschrei: Christ! Christ! gegen den Geist der heiligen Kirche. — Dagegen schaue ich die unaussprechlich herrliche, die heroisch Erhabene, die Vergötterte, das Weib mit der Sonne bekleidet. Ich schaue die Braut des himmlischen Salomon, die Eine, die AuSerwählte, die Taube. Wie der Herr aus verschiedenen Heerden von Schaafen (in den Kirchen des Heidenthums) gewollt hat, daß sie Eine werde, und dazu in den Einen Schaaf- stall geführt werde, damit Eine Heerde und Ein Hin sey, so auch hier: Eine ist die AuSerwählte, die Taube, nicht Zwei. Ich schane sie die Himmelsbraut, dieses verkörperte, höchste EpoS der Lieder, deren äußeres Wundervolles die Hülle deö Innern, des Jncorporirten selbst ist, in welchem der Geist zur Realität geworden ist. Ich schaue dieses höchste Kunstwerk Gottes. Fleisch von dem Fleische deS zweiten Adam, auS Christi Rippe, da er in den TodeSschlaf gesunken ist, geschaffen, die geistliche Eoa, die Mutter aller Lebendigen, die Herrin und Inhaberin deS Paradieses. Sie ist, abstract betrachtet, die heilige Mutter GotteS, die Maria, welche das Jesuskind unter ihrem Herzen hat, bis zur seligen Geburt! Seit die heiligmachende Gnade daS Bild GotteS, den ^os, wieder in mir hervortreten ließ, sehe ich auch nicht mehr in der heiligen Kirche einen bloßen Schattenriß, eine leere Form, ein blasses Bild — das Bildliche ist unter dem Alten Testamente — nein, hier ist daS lebendige Wesen, von welchem wir im Alten Testament daS Bild sehen! Gewinnt Christus erst in uns selbst die Gestalt,' dann vermögen wir ihn auch wieder in der Gestalt seiner heiligen Kirche zu schauen, dann begreifen wir deren Institutionen, deren Zweckmäßigkeit, deren Contemplativität, deren Entsagung, deren Zucht, wie auch ihre monarchische Gestaltung, ihre Hierarchie!" „Diese heilige Kirche muß u»S, als Unwürdige, an das Gängelband ihres GlaubenSansehcnS nehmen, oder wir vermögen nicht zu gehen"; sie ist Auktorität, Richterin, „durch ein Primat in dem Papstthume ist die heilige Kirche in sich selbst erhalten worden, durch Christi göttliche Institution des Petrus in daS Primat mit der Uebertragung der Schlüssel deö Himmelreiches ist sie der Sauerteig geworden, um alle Völkermasscn zu durchsäuern." Die katholische Kirche hat auch mit ihrem Geiste die Völker durchsäuert, in den Völkern die wirkliche Reformation vollbracht, und um diese zu vollbringen, hat sie den bei den einzelnen Völkern sich vorfindenden reinen, natürlichen Namen der Religion, die Fragmente der Uroffenbarung, nicht verworfen, sondern gerade auf diesen Stamm, diese OffenbarungSsragmente das neue Pfropfreis des S39 Christenthums eingepflanzt, wie der heilige Paulus in Athen gethan, da er den Athenern nur den unbekannten Gott, dessen Altar er vorfand, zum Bewußtseyn bringt, und Propst so auf den Namen der Gottesfurcht der Athener daS Reis dcS Christen. lhnmS. Aber diesen „natürlichen, volksthümlichen Stamm der Religion beachteten die sogenannten kirchlichen resormaton'schcn Männer des Volkes im löten Jahrhunderte ganz und gar nicht; im Gegentheile, unfähig zu unterscheiden, verlästerten sie, judai- sirend, ihn und damit die nachgewiesene apostolische Weisheit der katholischen Kirche alS^ „heidnisches Rom", als Heidenthum, Abgötterei, als den Antichrist u. s. w. Darum muß ich entschieden bestreiken, daß sie als Männer des Volkes, im höheren Sinne, handelten; vielmehr begann damit ihre rationalisirende, nur auslösende, nur zersetzende Subjektivität und die Begründung von Scctenthum statt der Kirche. Einerseits entsteht bei dem Verlust der wahren Kirche nun ein subjcctiver Idealismus, ein loSgeschältcr todter AbstrahiSmuS, ein Phantom, ein Idol, ein Gespenst von Kirchenthum, daS man für den lebendigen Christus und sseinc wahre Kirche, für den Geist hielt, andererseits zugleich die Auflösung in den rein fleischlichen Materialismus, daS Ende deS Rationalismus, welches nothwendig auS seinem Principe folgt; — während die andern sich todt jagen in dem: „Hier ist Christus! und da ist er!" „Nein, dort ist der Geist!" Und überall doch «ur dasselbe Gespenst. — DaS Abgestorbene kann nicht erzeugen, nur zerstören. So hat die Reformation deS löten Jahrhunderts auch keinen kirchlichen Baustyl erzeugt, nur ausgeräumt hat sie, nur, «o sie etwas Kirchlicheres zeigt, das Alte für sich in Beschlag gehalten oder dasselbe mit mehr oder minderm Geschicke etwas nachgeahmt in äußerlicher Mosaik arbeit. Betrachten wir dieses moderne Wesen geschichtlich, so macht die Revolution derartig tabula rsss, um sich mit ihrer usurpatorischen Willkür an die Stelle deS naturwüchsig Christlichen, Legitime», Historischen zu setze». Sie pflanzt den wurzellosen, todten Frciheitsbaum statt dcö natürlichen, wurzelnde», immer grünen, veredelten LcbcnsbaumcS auf; sie wirkt, statt der Cultur, Verwilderung. (Fortsetzung folgt.) Ueber die alten christlichen Handwerker-Innungen. (Oestcrr, Bolksfrcund.) Kirchlich gesinnte Männer richten seit einiger Zeit ein vorzügliches Augenmerk auf den Handwerkerstand, und bemühen sich, die Mitglieder dieses Standes in religiöser Beziehung zu heben, und eine wahrhaft christliche und kirchliche Gesinnung in demselben zu verbreiten. Dem Bemühen dieser edlen Männer verdanken die Gcsellenvereine ihren Ursprung, von denen man mit Recht nicht bloß für den Handwerkerstand, sondern überhaupt für die ganze menschliche Gesellschaft, für Kirche und Staat heilsame Früchte erwarten kann. Um nun den christlichen, den kirchlichen Geist bei den Mitgliedern des Handwerkerstandes zu wecken, möchte ein Rückblick auf die Geschichte dcS christlichen Hand« werkerstandeS, besonders aufsein uraltes, auf kirchlichem Grunde beruhendes JnnungS- wesen nicht ohne Nutzen seyn. Die Handwerker-Innungen, d. i. die Handwerker-Vereinigungen, auch Aemter, Gilden, Gaffeln oder Eidgenossenschaften genannt, sind sowohl ihrem Ursprünge als ihren Einrichtungen nach kirchliche, christliche Vereine, religiöse Bruderschaften. Wenn sie gleich bürgerliche Zwecke hatten, so war doch ihre Einrichtung religiös, nach dem Vorbilde anderer religiöser Vereine und Bruderschafte». Man kann darum mit Recht auch die alten Handwerker-Innungen eine Pflanzung der christlichen Kirche nennen, da sie alle ihre Einrichtungen, alle ihre Gesetze und Vorschriften, ja selbst ihre Gebräuche und Gewohnheiten auS der christlichen Kirche, besonders auS dem kirchlichen Bruderschafts- und Klosterleben entnommen haben. 34« Die EntstehuiigSzcit des christlichen JnnuiigSwesenS fällt, wenigstens in Bezug auf unser deutsches Vaterland, in daS zehnte und eilfte Jahrhundert. Aus den Klöstern nahm dasselbe seinen Ursprung und seine Einrichtungen. — So lehrt eS die Geschichte, die unS, wenn sie nicht von schlechten, glaubenslosen und kirchenfeindlichen Menschen verfälscht wird, unbestreitbar nachweiset, daß zu jener Zeit und schon durch mehrere Jahrhunderte früher stets die Klöster die einzigen Stätten waren, wo Kunst und Wissenschaft und auch das Handwerk seine Pflege fand. AIS die ersten GlaubcnSpredigcr Deutschland durchzogen, da war selbes noch voll Wüsten, Waldungen, Sümpfen und Einöden. Die Einwohner führten ein wildes Kriegs- und Jägcrleben. Ihre Bedürfnisse waren gering, ihre Wohnungen elend. Städte waren nur wenige, und selbst diese waren nur ehemalige Niederlassungen der Römer, die unsern heutigen Begriffen von einer Stadt nur wenig entsprechend seyn mochten. Unter solchen Umständen konnte von Kunst und Handwerk keine Rede sevn. Da kamen die Söhne dcö heiligen Benedicts und gründeten ihre Klöster. Sie suchten sich zu ihren Niederlassungen die verwildertsten und einsamsten Gegenden auf. Balv lichtete sich durch ihrer Hände Arbeit der dichte Wald, die Sümpfe wurden ausgetrocknet und in fruchtbares Ackerland umgewandelt. An der Stelle, wo sonst nur wilde Thiere hauSten, erhoben sich die Zellen der Mönche und daS Gotteshaus, daS Kloster. Zur Herstellung eines Klosters war nun daS Handwerk in allen seinen Zweigen unumgänglich nothwendig. Denn daS Kloster sollte eine dauerhafte Stätte werden nicht'bloß für jene frommen Männer, die eS gründeten, sondern auch für Jene, die nach ihnen sich demselben heiligen Berufe weihen würden. Die Zellen der Mönche sollten nicht seyn wie die Zelte der Hirten oder der Krieger, wandelbar, sondern beständig, fortdauernd nicht bloß für den ersten Bewohner, sondern auch für seine Nachfolger. DaS Kloster sollte eine feste Burg werden, aus welcher nicht bloß für heute, sondern auch für kommende Zeiten das Christenthum, christliche Bildung und Gesittung über Nah und Fern sich verbreiten sollte. Die Klöster waren ohne Widerrede die ersten festen fortdauernden Anstedlnngen. Wer baute denn nun die Klöster? Wer übte die bei einem solchen auf eine längere Dauer bestimmten Baue nothwendigen Handwerksarbeiten? Die Mönche selbst. Wer sich die Mühe gibt, nur einigermaßen die Geschichte der Ausbreitung des Christenthumes in Deutschland zu erforschen, der wird das Gesagte tausendfach bestätigt finden. Alle damals noth- wenvigen und üblichen Handwerke wurden von den Klosterbrüdern ausgeübt. Darum enthält jede alte Klosterregel eigene Vorschriften über die Handwerke. AIS man aber im zehnten Jahrhundert unter König Heinrich dem Finkler anfing Städte zu bauen, so genügten die Klosterbrüder als Handwerker nicht mehr. Der Bau einer Stadt erfordert viele Handwerker. Zudem war den Klosterbrüdern verboten, bei rein weltlichen Bauten sich zu bctheiligen. So wurde denn nun mit der Gründung der Städte ein weltlicher Handwerkerstand nothwendig, der auch in dieser Zeit wirklich entstanden ist. Indessen übten dcmohngcachtet die Mönche wie vorher ihre Handwerke aus. Der Bau der Kirchen blieb noch Jahrhunderte hindurch beinahe ausschließend in ihren Händen. Zudem waren eben die Mönche die Lehrer für die weltlichen Handwerker. Von wem hätten sie sonst auch die Handwerke erlernen können? So waren denn die Klöster die Mütter auch des weltlichen Handwerkerstandes. Der neu entstandene weltliche Handwerkerstand verläugnete aber auch seine Mutter nicht. So wie ein gutes Kind aus dem Elternhause die meisten Sitten, Gebräuche und Gewohnheiten mitnimmt, und im neuen Hause getreulich fortübt, ja selbst der Nachkommenschaft dieselben gewissenhaft überliefert: eben so nahm auch der weltliche Handwerkerstand aus seinem Mntterhause, dem Kloster, gar manche Einrichtungen mit in die Welt hinaus. Davon überzeugt uuS der Zeitgenosse Berthold von Konstanz. Nach seinem Berichte bildete sich daS Jnnungswesen kurz vor den Kreuzzügen, und er bemerkt um daS Jahr 1091, daß in jenen Zeiten daS gemeinschaftliche Leben nicht bloß unter Mönchen und Geistlichen, sondern auch in der 341 Laicnwclt in Schwung gekommen sey. Die Laien, vorzüglich die Handwerker, ahmten das Klostcrlebcn nach, und nahmen die religiösen Einrichtungen desselben, so viel eS nur immer mit dem Wcltlebcn vereinbar war, auf. Gleich den geistlichen Bruderschaften bildeten die Mitglieder desselben Handwerkes eine durch einen Eid verpflichtete Eidgenossenschaft. Sie ahmten selbst die mönch'sche Abgeschlossenheit nach, indem in gar vielen Städten die Mitglieder desselben Handwerkes dieselben Straßen oder Stadtviertel bewohnten. Diese Einrichtungen nun, welche die Handwerker auS dem Klosterleben genommen hatten, machten das eigentliche Wesen, den Kern der Handwerker-Innungen aus. Alle diese Einrichtungen der Handwerker Innungen sind streng religiös, kirchlich, und haben das Christenthum, seine Glaubens- und Sittenlehre zur Grundlage. Wir wollen nur einige dieser Einrichtungen in Kürze vorführen. Eine der vornehmsten, wahrhast christlichen Einrichtungen der alten Handwerker- Innungen sind die Zahltage. Jede Handwerker-Innung hat ihren Jahrtag. Der Jahrtag ist das VercinS- und Bruderschaftsfest des Handwerkes und seiner Mitglieder. Er entspricht dem Ordcnsfeste der Klosterbrüder. Der Mittelpunct der Feicr dieses BruderschastSfesteS besteht in der Darbiingung des heiligen Meßopfers. Dadurch zeigt sich die Innung als ein streng katholischer Verein. Denn nur der Katholik betrachtet die heilige Messe als Mittelpunct aller GotteSvcrehrung, als das einzig wahre Bitt- und Dankopfer. An diesem JnnungSfeste sollen, wie die alten JnnungSbücher strenge vorschreiben, außer „Gottsgcwalt," d. h. außer dem Falle einer schweren Krankheit, alle Mitglieder der Innung Theil nehmen. Nachdem sich dieselben beim HandwerkSvater versammelt haben, wandeln alle JnnungSbrüder, Meister und Gesellen im feierlichen Znge in die Kirche zu dem Brudcrschaftöaltare, wo nach altem Brauche die heilige Messe gefeiert wird. Dadurch zeigen die Mitglieder ihren Glauben an das Geheimniß des heiligen Meßopfers an, sie drücken damit ihren Dank auS gegen Gott für die von ihm der Innung und den einzelnen Mitgliedern erwiesenen Wohlthaten, und zugleich die Bitte um fernern Schutz für die gesammte Innung. Und somit ist der JnnungS-Jahrtag eine rein kirchliche, katholische Einrichtung. Eine andere ganz christliche Einrichtung, die wir in den alten Handwerker-Innungen antreffen, ist die Verehrung eines Schutzheiligen, eines Patrons, der Handwerkspatron genannt. Jedes einzelne Handwerk verehrt einen Heiligen als seinen Patron, als seinen Fürbitter bei Gott. Man wählte zum Patron eines Handwerkes gewöhnlich einen solchen Heiligen, der entweder selbst, als er auf Erden lebie, das Handwerk bclrieben hatte, oder doch auf irgend eine Weise zum Handwerke in einer nähern Beziehung stand. So hat sich das ehrsame Handwerk der Zimmerleute den Nährvater Christi, den heiligen Joseph zum Patron erwählt, weil nach dem Zeugnisse des Evangeliums der heilige Joseph das Zimmerhandwerk betrieben hatte. Die Maler verehrten den heiligen LukaS als ihren Patron, weil er nach der Legende selbst die Malclkunst soll betrieben haben. Der heilige EligiuS ward, da er selbst ein Schmied irar, als Patron der Schmiede verehrt. Der heilige Nikolaus ward zum Patron der Schiffer, Fischer, Brauer und Müller, der heilige Johannes der Täufer zum P.iiron der Schneider, der heilige SrveruS von Ravenna zum Patron der Weber, lur heilige Jakobus Allemanus zum Patron der Glaser, der heilige Goar zum Patron der Töpfer, der heilige GualfarduS zum Patron der Sattler, die heiligen Crispin und Cri« spinian zu Patronen der Schuster, die heiligen CoSmaS und Damian zu Patronen der Aerzte erwählt. Ihre Verehrung gegen den Patron deS Handwerkes haben nun von jeher die Innungen auf verschiedene Weise ausgedrückt. Der Festtag des Patrons war Feiertag für die Mitglieder der Innung. In jenen Orten, wo die Innung ihren eigenen Altar, JnnungSaltar, hatte, da stellte das Altarbild den Handwerkspatron vor. Auch die Zunft- und JnnungSfahnen wurden und werden noch jetzt mit seinem Bild- 34s nisft geschmückt. Auch daS Jnnungssiegel zeigt sei» Bildniß, und in der JnnungS- stube war sonst stets seine Abbildung zu finde». Ans solche Weise wollte» die cilten Innungen ihrem Handwerke eine religiöse Weihe geben, sie wollten dadurch zeigen, daß die Jnnnng ein Verein katholischer Christen sey. Sie wollten damit ihren Glauben zu erkennen geben an die Gemeinschaft der Heiligen, und an die Wirklichkeit nnd Nützlichkeit ihrer Fürbitte bei Gott. Zugleich sollte der Handwerkopalron den JnnungS- Mitgliedern zum Beispiele der Tugend dienen, und ihnen den Beweis liefern, daß man auch im Handwerkerstande sein ewiges Ziel erreichen könne. (Schluß folgt.) Die Grundsteinlegung zur neuen Pfarrkirche in Haidhause»». München, 17. Oct. Ein feierliches, ein Herz und Gemüth erhebendes Fest wnrde heute in unserer braven Nachbargemcindc Haichausen begangen: das Fest oer Grundsteinlegnng zu der neuen Pfarrkirche, deren Bedürfniß längst so dringend gefühlt wnrde, und deren Bau nun die Genehmigung Sr. Majestät deS Königs erhalten hat. DaS Wetter zeigte sich der ganzen Feierlichkeit ausnehmend günstig. Die ganze Banstätte war eben so sinnig als schön geschmückt. Von drei hohen Mastbäumen, die da, wo das künftige EingangSportale und die beiden Scitenaufgänge sich befinden werden, in der Mitte von grünem Buschwerk aufgepflanzt waren, wehten eben so viele mächtige Flaggen in den freundlichen Nationalfarben; drei andere befanden sich da, wo künftig Chor und Hochaltar zu stehen kommen werden. Für daS heute abzuhaltende Hochamt war ein provisorischer Hochaltar errichtet unter einer Reihe das künftige Chor darstellender Bögen in gothischer Form, zu denen ein auö dem Gebälke gebildetes durchbrochenes Giebelfeld mit hohem Kreuze darüber führte. Alles dabei verwendete Gebälke war mit frischem Grün umwunden. Im künftigen Mittelgangc deS Kirchenschiffs in einiger Entfernung vom Haupteingange war der Grundstein aufgestellt, darauf lagen grüne Kränze mit blauweißcn Bändern und Schleifen verziert. Auf einem andern Postamente dabei lagen die sämmtlichen bayerischen GeschichtSthaler, Münzen und die goldene Uhr, welche mit in den Grundstein eingemauert werden sollten. Endlich war dort auch die Steinplatte aufgestellt, auf welcher der Grundriß deS vom Herrn Civilarchitecten Berger entworfenen und nun von ihm auszuführenden Neubaues zu sehen war. ES mochte etwa 9'/4 Uhr seyn, als daö Glockengeläute von der alten Pfarrkirche her den Ausgang der feierlichen Proccssion von dort nach der Baustätte verkündete. Die Schuljugend eröffnete dieselbe, ihr folgten die Zöglinge verschiedener Wohlthätigkcitsinstitnte, die Bruderschaften und Gcwerke mit ihren Fahnen, und dann die bei dem feierlichen Acte selbst betheiligten Werkleute mit ihren Instrumenten, sämmtlich in der Kleidung ihreö GewerkcS mit Hut und Schurzfell und in Hemdärmeln; dann folgte die zahlreiche hohe Geistlichkeil, in deren Reihen wir auch den für das Zustandekommen des nenen Kirchcubaucs, im Zusammenwirken mit der Gemeinde- unv Kirchcnverwaltung so unermüdlich thäligen und darum so hochverdienten, würdigen Pfarrer der Gemeinde Haidhause», Herrn Walser bemerkten. Als Se. Erc. der hochwürdigste Herr Erzbischof Graf v. Reisach, assistirt vo» den Herren Domprobst v. Deutinger, Dompfarrcr und Domcapitular Schmid und noch einigen andern Herren Capitularcn, und gefolgt von den Mitgliedern der Gemeinvc- und Kirchenvcrwaltung, so wie deS BauauSschusseS, herankamen, ertönte Musik und Trommelschall von Seite der um die Kirchenfuudamente her aufgestellten Landwehr- vataillonc; segnend hielt der hohe Kirchenprälat im erzbischöflichen Ornate mit Juful und Stab seinen Einzug. An der Schwelle deS Neubaues angelangt empfing ihn der von Sr. Majestät dem Könige allergnädigst mit Vornahme deS CivilacteS beauftragte Herr Regierungspräsident Graf v. Neigersberg, an der Spitze der sämmtlichen Beamten, mit einer kurzen Anrede nnd der daran geknüpften Einladung, sofort zur Vornahme der kirchlichen Einweihnng zu schreiten. Diese erfolgte denn auch sogleich 343 ganz in der von dem Programm vorgezeichneten Weise, und unter tiefster religiöser Stille der Tausende, die Zeugen des imposanten Actes waren. Der Herr Erzbischof nahm, nachdem die in den Grundstein bestimmten Gegenstände eingelegt waren, die feierliche Einweihung desselben vor, während die Geistlichkeit so wie alle Anwesenden auf die Kniee gesunken waren und die Landwehr zum Gebete commandirt war. Nun wurde der Grundstein von acht Werkleuten unter VorauStritt der hohen Geistlichkeit und der Choralisten an die für ihu bestimmte Stelle'getragen, dort von dem Herrn Erzbischofe mit Weihwasser besprengt, und sofort die Ceremonie des HammerschlagS und Mörtelwurfs begonnen, welche der Reihe nach auch der Herr Regierungspräsident, so wie die übrigen hiezu Eingeladenen vollzogen. In dem Augenblick, wo diese Ceremonie begann, ertönte von Neuem das Glockengeläute und Kanonendonner von Seite einer Abtheilung der Landwehrartillerie der Hauptstadt. Nachdem dann die hohe Geistlichkeit auch die Einweihung der Grundmauern nach dem ganzen Umfange deS KirchenbaucS vorgenommen hatte, stimmte der Herr Erzbischof, vor dem Faldistorium in der Nähe deS Grundsteins wieder angekommen, das Vom erestor Spiritus an, wobei alle Anwesenden auf die Kniee fielen und die Landwehr zum Gebet commandirt wurde. Nach ertheiltem erzbischöflichcn Segen nahm hierauf der hohe Kirchenprälat auf der Erhöhung am Eingange des PreSbyteriumS Platz, und richtete zum Volke gewendet unter der lautlosesten Stille eine eben so warme als salbungsvolle, mit Kraft und Nachdruck gesprochene Anrede an dasselbe, deren Hauptthema die Nothwendigkeit deS treuen FesthaltenS am Glauben an Jesus Christus und die Ermahnung dazu war. Den Schluß bildete eine Aufforderung an alle Anwesenden zur werkthätigen Beförderung deS beginnenden Kirchenbaues durch Spendung von milden Beiträgen dazu, damit das so schön begonnene und so Großes versprechende Werk zur Vollendung geführt werden könne. Zuvor schon war allen Denen, welche bisher schon dazu thätig und helfend mitgewirkt, der wärmste Dank ausgesprochen worden. Die von Herzen kommenden Worte des sichtlich ergriffenen hohen Prälaten drangen auch zu den Herzen; davon gaben die in vielen Augen perlenden Thränen der tiefsten Rührung das sprechendste Zeugniß, und wir hoffen und wünschen, daß sie auch für das herrlich sich erhebende neue Gotteshaus reiche Früchte tragen mögen. Nach ertheiltem Segen celebrirte nun der Herr Erzbischof in der feierlichsten Weise das Pontificalamt, worauf der ganze Zug in derselben Ordnung, wie er gekommen war, nach der alten Pfarrkirche zurückkehrte. Schreiben eines 7Sjährigen Bischofs. Als im Jahre 1819 dem Erzbischof von Bamberg, Grafen von Stubenberg (früher Fürstbischof von Eichstätt), zugemuthet wurde, er solle den für die Kirche verderblichen Constitutionseiv schwöre«!, schrieb er unter andern an den Fürsten Wrede zu München: „Vielfältig und schwer waren die Opfer, welche ich seit der Säkularisation bringen mußte. Tiefkränkend war oft die Behandlung, welche sich einige StciatSdiener gegen einen legitimen Reichsfürsten erlaubten. Und bei alle dem fügte ich mich gelassen, ruhig und Gott ergeben in diese neue, unverschuldete Lage, und beschloß in stiller Zurückgezogeuheit mich ganz für das geistige Wohl meiner anvertrauten Heerde zu verwenden. Allein für mich scheint der Friede entflohen zu seyn, und waS meine Seele noch tiefer verwundet, ist das wiederholte Verlangen, in Alles geradezu, ohne den mindesten Vorbehalt zu willigen, AlleS zu thun und in Allem unbedingt zu gehorchen, waö der Staat von mir fordern wird." . . . Daß er dem Regenten Unterwürfigkeit und Gehorsam in allen Gesetzen des Staates schuldig sey, lehre die Religion, aber sie lehrt auch, daß er Gott mehr gehorchen müsse als den Menschen" .... „Wie könnte ich bei solchen Verhältnissen gegen meine innerste Ueberzeugung und gegen die laute Stimme meines warnenden Gewissens einen unbedingten Eid schwören, wie könnte ich der Braut unsere» göttlichen Erlösers, der I 344 Kirche, die mich schon beinahe 54 Jahre lang liebevoll in ihrem mütterlichen Schooße genährt hat, wie könnte ich dem allgemeinen Vater der Christenheit und dem apostolischen Stuhle, dem Centrum der kirchlichen Einigkeit, jetzt treulos, und meineidig werden? Wie könnte ich, nachdem ich als ein entehrter, von Gewissensbissen gefolterter Greis als ein Object des Aergernisses und MitleidenS bei meinem theuren Klerus, als der Spott meiner Feinde, als ein Fluch der Menschheit in mein nahes Grab dahin sänke — wie könnte«!« vor dem Richlerstuhle eines allwissenden, gerechten GotteS bestehen! Man fordere von mir zum Besten des Vaterlandes Alles, was man will; aber meine Ehre und mein Gewissen aufopfern, dazu kann und werde ich mich nicht verstehen. Ich habe beschworen, Alles, waS der König und der Staat berechtigt ist, zu fordern. Mehr kann ich nicht, und mehr will auch der König nicht. Oder was wäre der unbedingte Eid aus dem Munde eines Priesters anders als eine bloße Formalität, ein leeres Ceremonie! ohne innern Gehalt und.Verbindlichkeit, und waS läßt sich von einem Menschen, der dem allwissenden Gott trcnlos zu werden unverschämt genug war, anders gewärtigen, als daß er seinen Eir>- schwnr eben so rasch und unbedenklich breche, als schnell und leichtfertig er ihn geleistet hat." ___ Wien. Wien im September. Die Wiener Tagblätter berichteten vor Kurzem die Taufe eines Mohren in Wien. Kaum war dieß bekannt, so erschien eines TageS ein uubekannrer aber überaus höflicher Herr bei dem neuen Katholiken, bezeugte ihm seine Freude darüber, daß er getauft sey, und drängte ihm zwei schön gebundene Bücher auf mit den Worten: „Nehmen Sie diese Bücher und lesen Sie fleißig darin, damit Sie doch auch wisse«, warum Sie Christ geworven sind!" Und diese wichtigen Bücher waren? „Das neue Testament von vr. Martin Luther?, das andere, „die Geschichte von dem bekehrten Räuberhauptmann Afrikaner. Herausgegeben von der evangelischen MissionSgesellschaft zu Basel Nr. 3," eine läppische Erzählung voll Lug und pietistischer Scheinheiligkeit. Und wer war der gute Herr mit der großmüthigen Prämie? Nach näherer Erkundigung Niemand als ein frommer Anglikaner auS irgend einem HandelSbureau, und allem Anscheine nach ein eifriger Agent, den die vor einigen Monaten auS Pcsth-Ofen ausgewiesenen anglikanischen Missionäre in Wien zu einer spätern Mission zurückgelassen haben. ES ist schade, daß die Bescheidenheit dieses frommen Bureaumissionärs eö unsern Seelsorgern unmöglich macht, ihm für seinen Eifer, ihr Werk zu vervollständigen, den verdiente» Dank zu bringen. Ein Hausirverbot gegen lutherische Bibeln ist für das fromme Krämervolk, welches im eigenen Vaterlande Fabriken für Götzenbilder hält, nur ein nutzloses Schreckmittel. (W. Kchztg.) _ Pommern. AuS Pommern wird geschrieben: Die neuesten Praktiken gegen die katholische Religion scheinen trotz Allein doch nickt gut anzuschlagen. In Neustadt-EberSwalde find im letzten halben Jahre zwanzig Personen bereits katholisch geworden. Obendrein ist dieß noch eine Gegend, in welcher der katholische Glaube erst jetzt wieder aufkommt. In der dortigen katholischen Schule werden liebst den Kindern katholischer Eltern zehn ans ganz protestantischen Ehen katholisch erzogen, weil die Leute jetzt nur noch im katholischen Glauben eine Zukunft sehen. Verantwortlicher Redacteji^: L, Schöucheu, VerlagS-Inhaber: E, Kremer. Zwölfter Jahrgang. Sonntags-Beiblatt rwmm sttsii,?, ni.,MimA mi Ki 5-5^ 5M«L zur Angsburger Psjheitnng. 31. Oktober /U^ 1852. PNlUH Nm HL.? »<7k»»-«!>e»»^j^. . II^^I^V»! HII^I ^>>^u«tju^ !» . Dieses Blatt erscheint regelmäßig alle Sonntage» Der halbjährige Abonuementsprei« 4V lr., wofür es durch alle königl. bayer. Postämter und alle Bnchhaudluugeu bezogen werden kaun. > Abschiedsschreiben des bisherigen Pastors der evangelisch-lutherischen Gemeinden in und um Bnnzlau, Görlitz, Warmbrunn, Löwenberg, Greiffenberg u. s. w. an seine Pfarrkinder bei Gelegenheit seines Rücktrittes zur katholischen Kirche. Meine theure, herzlich geliebte Gemeinde! Möchtet ihr in Liebe noch ein Abschiedsschreiben von mir nehmen, da ich mein Amt bereits niedergelegt habe. Empfanget zuerst meinen innigsten Dank für das große Vertrauen, welches ihr mir bisher geschenkt, mit welchem ihr mein Wort fünf Jahre lang aufgenommen; mir thut cS herzlich leid, dass ich nicht, wie ich hätte sollen, überall mit sichtbar herzlicher Freundlichkeit euch erwiedert habe und Jedem entgegen gekommen bin. Insbesondere danke ich denen unter euch, die besondere Liebe und Güte in mancherlei Erweisungen freundlich mir entgegen brachten; ich bitte Gott, er wolle auch deS Becher Wassers nicht vergessen, und Alleö reichlich lohnen, was einem seiner Geringsten erwiesen worden ist. Mit Wehmut!) nehme ich Abschied, mit Thränen im Auge und Herzen, wenn ich besonders auch der Versäumnisse gedenke, die ich in'einem so hohen Amte mir zu Schulden kommen lassen. Wie oft hatte ich mir vorgenommen, mich ganz in seinem Dienste aufzuopfern; aber wie oft habe ich leibliche Schwachheit und Beschwerden mich abhalten lassen, euch daS zu seyn, was mein Herz immer wünschte und mein Wille wa»! Ich bitte Gott um Vergebung aller dieser Versäumnisse: Er wolle gnädig erlassen, was ich ihm schuldig blieb I Ich bitte euch Alle insgesammt und Jeden Einzelnen: Vergebet mir, und durchstreichet, was ich euch schuldig blieb! Ich meines Theils habe gegen Keinen Etwas im Herzen, es darf Keiner sich ein Bedenken machen: O möchten wir Alle rein und frei gegen ein« ander — vor GotteS Angesicht einst treten! Waö ich jetzt euch sagen muß, ist EtwaS, das eure Herzen aufs Tiefste verletzen muß; das den Glauben, dem ihr -die größten Opfer gebracht, antastet; das die Kirche unserer Väter, für die wir Schmach und Spott willig bisher litten, daö den Grund unter den Füßen euch rütteln wird. Wie gerne wollte ich eS nicht seyn — daS weiß Goit — der solchen Schmerz, solches Herzeleid seiner geliebten Gemeinde macht; aber ach, ich kann ja nicht anders! Gott hat mir den Schmerz, daö Herzeleid gemacht, Gott hat meiner nicht verschont; er hat mich au,fS Tiefste betrübt, um mich aufS Höchste zu erfreuen. «Mein Abschied ist nicht allein von eurer lutherischen Gemeinde, sondern von der ganzen lutherischen Kirche. In BreSIau, wohin ich zur Generalsynode gereist war, habe ich wiederholt in vielen Unterredungen mich ausgesprochen, nachdem dieß schon im vorigen Jahre und in diesem geschehen, und ich bin immer nur bestärkt und zur völligsten Klarheit entschieden worden. So habe ich .jisis»? 34k nun gestern unter vielen Thränen in herzlicher Liebe, aber in seliger Gewißheit von ihrem Angesichts Abschied genommen, um in die katholische Kirche einzutreten. Länger als zwei Jahre stand ich im schwersten Kampfe, in welchen durch meinen seligen Schwager, den Superintendent und Kirchenrath Wedemann, mich Gott geführt, welcher auch zu diesem Schritt entschlossen war. Ich bitte euch nun, geliebte Brüder: sehet mich nicht an als vom Teufel verblendet, oder in schwere Sünden verfallen! DaS weiß ich, das glaubt ihr wohl von mir, daß kein irdisches Interesse mich verlockt habe. Ich bringe Gott mein sicheres Brod zum Opfer dar, ich bringe Gott ein Amt zum Opfer, in welchem ich völlig eingeübt, mit Lust arbeitete, und das ich so nie wieder haben kann. Saget mir: glaubet ihr, daß ich aufrichtig suche selig zu werden? Glaubet ihr, daß ich mit gutem Gewissen meinem Gotte dienen will? Ich glaube von den Meisten unter euch, die ich kenne, daß sie aufrichtig nach dem Reiche GotteS trachten und suchen ^ und eS ist gerade auf dem Standpuncte, den ich jetzt erstiegen, eine Macht und Kraft mir gegeben, euch Alle in herzlichster Liebe zu umfassen, Keinen zu verwerfen, Keinen zu richten. ES ist mein Wunsch an euch: Richtet mich nicht! Richtet nicht, bevor der Herr kommt, der den Rath der Herzen offenbaren wird, während ein Mensch siehet, was vor Augen ist. ES ist meine Bitte an euch: Bleibet in der Liebe! Die Liebe glaubt Alles, sie hoffet Alles, sie duldet Alles. Wünschen mögt ihr und begehren, daß euer alter Freund und Seelsorger noch wäre wie ihr seyd. DaS ist richtig, das ist brüderlich; denn eS kann Keiner anders, als ihm gegeben ist, eS soll auch Jeder, je nachdem ihm gegeben ist. Aber wenn ihr weiter geht, und richtet den, dem anders gegeben ist, dann sündigt ihr, dann werdet ihr wieder gerichtet werden, dann thut ihr den größten Schaden euch selbst. Davon ganz abgesehen, daß ihr dann nicht einmal wisset, was ihr wollt, daß ihr unseres religiösen Vereines Grund, sähen unverständig selbst widersprechet, nach welchen jeder Christ auS sich selbst sich bestimmen darf und soll, und nur so lange bei uns zu stehen hat, als er selbst unsere Auslegung und Glaubensansicht mit der Schrift übereinstimmend findet. Ich wünsche auch und begehre von Herzen, daß meine alten Freunde und Beichtkinder allesammt wären wie ich bin; aber ich fordere eS nicht, und ich richte nicht. Wenn auch keinS meiner lieben Schafe seinem Hirten folgen wollte, so hoffe ich dort alle Redlichen wieder zu finden in der Einen Kirche, die Christus gestiftet hat. ES kann ja auch KeinS ohne Weiteres wollen, denn eS weiß nicht und kennt nicht. Und. ich gönne zwar den Kampspreis einem Jeden, aber nicht den schmerzlichen Kampf, in welchem mir das, was als Menschensatzung, als dummer Aberglaube, Lüge und Finsterniß, als leere Ceremonie und todter Werkedienst jedem Lutheraner als Lutheraner erscheinen muß, mir Gott, als Gottes Ordnung, als seligmachenden Glauben, Wahrheit und Licht, als Geist und Leben hat erscheinen und aufgehen lassen. Die Juden sagen von uns Christen: wir ließen von einem falschen Propheten ihrer Nation am Narrenseil uns führen; während wir wissen, daß vor ihren Augen die Decke MosiS hängt: so nun sehen wir Protestanten die katholische Kirche an; wir können und vermögen nicht anders. Wir wundern unS, wir Lutheraner, über so viele gelehrte und fromme Männer in der Landeskirche, daß ihre Augen nicht sehen, daß sie schuldig seyen, das Erbe ihrer Väter treu zu bewahren, und zur lutherischen Kirche zurückzutreten; aber geliebte Brüder, die ihr bisher mit mir das Erbe unserer Väter treu zu bewahren suchtet, — o möchte euch Allen als Lohn eurer Treue Gott mehr geben, möcht' er euch das volle Erbe geben! DaS wahre volle Erbe wird durch GotteS Fürsorge von Geschlecht zu Geschlecht unfehlbar übergeben; die Pforten der Hölle haben nie, Finsterniß und Irrthum haben nie Seine Kirche überwältigt; eS hat sie in aller Wahrheit der heilige Geist erhalten. Die aber', welche daS nicht glauben wollten, und als Menschen selbst zu erhalten sich Herausnahmen was Gott geschaffen hatte, und selbst ihr Heil versorgen wollten, diese sind in Irrthum und Finsterniß gerathen; sie haben die Schrift als Constitution ausgerufen. Da soll nun in Christi Reiche jeder Unterthan auf der Schrift stehn, und nicht mehr auf den Gesandten Christi, » 347 nicht mehr auf Gottes Obrigkeit, aus lebendigen Personen. Aber die Schrift redet doch nicht selbst, sie selbst gibt keine Antwort, sie ist kein lebendiger Lehrer, kein Richter, der einen AuSspruch thäte; sondern ein Jeder nimmt selbst sich an der Schrift die Antwort und den Spruch, Luther nach seiner Art, jede Secte nach ihrer Art; jede meint und denkt, sie hätte daS reine lautere Wort Gottes, und damit wären sie Gottes Gesandte; aber daS Gesandt seyn fehlt. Rom. 10, 15. Joh. 30, 21—22. Jer. 23. 21—32. Hes. 13, 6—23. Solch' einer war auch euer Pastor. Ich habe es unwissend gethan; nun aber weiß ich es. Doch ich hoffe bald ein Schriftchen euch zu schicken. Wie gerne möchte ich, so wie ich vor daS Angesicht meiner AmtSbrüder mit voller Freudigkeit getreten bin, auch vor euer Angesicht treten, und von der Kanzel euch sagen, waS ich der ganzen Welt inS Angesicht rufen will; aber ich habe kein Recht mehr an die Kanzel. O wie gerne möchte ich, wie ich von meinen lieben Amtsbrüdern mit Thränen und herzlichem Kuß Abschied genommen, auch Jedem von euch um dem Hals fallen; aber ich kann jetzt Nichts mehr thun als euch sagen: Ich bin von ganzem Herzen bereit, einem Jeden, der das Vertrauen und die Liebe mir noch schenken und zu mir kommen will, aufs freundlichste Rechenschaft und Erklärung zu geben! Petr. 2, 15. Eins bitte ich euch noch? Probieret wenigstens! ES heißt doch sonst bei unS immer: Prüfet AlleSl Warum wollen wir denn nun gerade mit der katholischen Kirche auf ewig fertig seyn? Dort müssen wir doch in die allein seligmachende, wenn wir nicht ewig verdammt seyn wollen; warum denn nicht gleich hier? — Thut mir und eurer armen Seele einmal den Gefallen, überwindet euren Ekel und besuchet eine Messe! Stehet aber da nichl im Unglauben und in stolzer Verachtung gaffend, wie ich sonst that; sondern in Sehnen und Verlangen wie jenes Weib, daS Christi Kleides Saum anrührte, und eine Kraft ging von ihm auS und heilte sie. Marc. 5. Erwartet mit Seufzen und Flehen, welche Eindrücke in euch einstießen, welche Erfahrungen ihr machen werdet, die ihr Geist und Natur unterscheiden wollet! Mit freundlichstem Gruß und Segenswunsch drücke ich Jedem von euch die Hand, und höre nie auf, in herzlichster Liebe und Fürbitte zu seyn euer ergebenster Bunzlau, 12. Oct. 1352. R. Hasert. Ueber die alten christlichen Handwerker-Innungen. (Schluß.) Eine andere auf das Christenthum, auf die christliche Liebe, auf die katholische Glaubenslehre von der Gemeinschaft der Heiligen begründete Einrichtung ist die bei den meisten Innungen gebräuchliche Gedächtnißseier für die verstorbenen In nungS Mitglieder. In den meisten alten JnnungSbüchern wird vorgeschrieben, daß alle Jahre an einem bestimmten Tage für die Seelen der verstorbenen JnnungS- Mitglieder Jahrmessen gehalten werden sollen. Diese Einrichtung beweist deutlich , daß die alten Handwerker-Innungen durchaus nicht aus rein weltlichen Gründen gestiftet wurden, sondern vielmehr eines höhern christlichen Zweckes willen. Diese Gedächtnißfeier bezeugt deutlich den festen Glauben an den ReinigungSort und an die Möglichkeit und Wirksamkeit unseres Gebetes für die Verstorbenen. Zugleich ist diese Gedächtnißfeier ein schönes Zeugniß von jener wahrhaft christlichen Liebe, die selbst der verstorbenen Mitgenossen noch freundlich gedenkt, und ihnen mit Gebet und Opfer zu Hilfe kommen will. Wieder eine andere ganz auf das Christenthum gegründete Einrichtung ist ferner auch die, daß jede Handwerker-Innung ihren Handwerks- oder Herbergsvater hat. Der HandwerkSvater entspricht in vieler Beziehung dem Klosterabte. WaS der Abt für die Klostergemeinde, das sollte der HandwerkSvater für die Innung seyn. 348 Der Klosterabt, d. h. Klostervatcr hatte zu sorgen für das leibliche und geistliche Wohl der Seinigen, und zwar so viel wie möglich mit Liebe, mit verständiger Vaterliebe. Ihm lag eS ob, die Werke der Mildthätigkeit im Namen der Kloster- gcmeinde zu üben, Kranke zu pflegen, Nothleidende zu unterstützen und Fremde zu beherbergen. Diesem Beispiele zufolge sollte auch der HandwerkSvater die christlichen LiebeSwerke gegen die Genossenschaft selbst, so wie auch gegen Fremde zu erfüllen haben. Er sollte Sorge tragen für das Beste der Handwerker-Innung überhaupt und für die einzelnen Mitglieder derselben insbesondere. Der HandwerkSvater war verpflichtet, im Namen der Innung die Werke der Nächstenliebe auszuüben, für Wittwen und Waisen, besonders verstorbener Mitglieder zu sorgen, fremde Meister und Gesellen aufzunehmen, zu beschenken, und zu beherbergen; darum heißt er auch Herbergsvater. Der HandwerkSvater nimmt darum in der Innung eine sehr ehrenvolle Stellung ein. Er hat mit den Meistern deS Handwerkes den Vortritt bei feierlichen Gelegenheiten, bei Processionen. Er hat das Recht, von jedem Zunftgenossen den Gruß zu fordern. In seinem Hause finden die Zusammenkünfte und Berathungen der Innung, die Aufnahme der Lehrjungen, die Freisprechung der Gesellen statt. Er bewahrt die Jnnungslade mit dem Siegel, mit den Schriften und Dokumenten der Innung. Der HandwerkSvater ist der Vertrauensmann der Innung. Er steht mit der Innung in dem Verhältnisse eines Vaters zu seinen Kindern, in jenem Verhältnisse also, daS nur durch das Christenthum in seiner wahren Schönheit begründet wurde. AIS eine besonders schöne, wahrhaft christliche Einrichtung muß auch der sogenannte HandwerkSgruß bezeichnet werden. Jede Handwerker-Innung hat ihren eigenen HandwerkSgruß. Dieser drückt einerseits den Glauben und die höchste Verehrung gegen Gott auS, denn der Handwerksgruß beginnt ja mit jenem wunderschönen Gruße, der von jedes Christen Mund gern und ehrfurchtsvoll gesprochen werden soll, mit: Gelobt sey JesuS Christus. Andererseits drückt der HandwerkSgruß die Brüderlichkeit aus, die unter allen Menschen herrschen soll. Wenn ein fremder Geselle, der demselben Handwerke angehört, zu einem fremden Meister kommt, so entrichtet er von Meistern und Gesellen seiner Heimat den HandwerkSgruß, er bittet damit um brüderliche Aufnahme zur Arbeit und Pflege; und der Meister ist verpflichtet, ihm seinen Gruß zu erwiedern, zu danken, und ihn als Zunftgenossen und als christlichen Mitbruder zu behandeln. So wie nun die bisher angeführten Einrichtungen auf rein kirchlicher, christlicher Grundlage beruhen, so find auch jene Vorschriften, die über das sittliche Verhalten der JnnungSmitglieder gegeben worden, ganz dem Evangelium entnommen, und ganz mit dem Geiste desselben übereinstimmend. In den alten Jnnungsbüchern werden die dem Christen schon durch das Evangelium gebotenen Tugenden neuerdings eingeschärft, unter diesen besonders der Gehorsam gegen die Vorgesetzten, Ehrlichkeit und Redlichkeit und ein guter, unbescholtener, reiner Lebenswandel, nach dem Sprichworte: „Die Zünfte müssen so rein seyn, als wenn sie von Tauben gelesen wären." Diesen religiösen Einrichtungen verdankten aber auch die Handwerker-Innungen ihren langen dauerhaften Bestand durch so viele Jahrhunderte. Diesen auf christlichem, kirchlichem Grunde stehenden Einrichtungen ist eS zuzuschreiben, daß manche Handwerker-Innungen so viel Großes und Herrliches geleistet, und eine so große Achtung genossen haben, waS besonders von dem deutschen Handwerkerstande gilt, der selbst in fremden Ländern hochgeschätzt und geachtet wurde. — Wären die uralten christlichen Einrichtungen deS JnnungSwesens nie vernachlässigt worden, oder zur leeren Förmlichkeit herabgesunken, gewiß der Handwerkerstand würde noch heut zu Tage auf einer weit höhern Stufe deS Glaubens und der Sittlichkeit stehen, als er leider kann gefunden werden. Hier gibt es viel zu thun, viel Unkraut auszurotten, viel guten Samen zu säen. Gott wird helfen! .6,,. 34S Sende uns deinen Geist und sie werden erschaffen werden, und du wirst erneuem die Gestalt der Erde. zis -Äjll,ö^,Mn nuMo« Mnöt^-TMSV^ »a« FbitKi! »t nk? chf^ !?t Glaub-nstöne aus der Mark. (Fortsetzung.) So nenne ich kirchlich revolutionär, oder entschieden afterreformatousch, daß man im löten Jahrhundert — die Unterwelt freilich keineswegs, — aber wenigstens die Lehre von derselben mir Stumpf und Stiel bei seiner Partei schnöder Weise ausrottete, um dafür unter dem Rufe: FreiheitI Freiheit! seinem gläubigen Volke, wahrhastig, mit der absoluten Hölle auf den Nacken zu rücken! — Ein vortrefflicher Tausch in der That, welchen die sich selbst Täuschenden und durch sie Getäuschten gemacht haben! — Die Unterwelt hat aufgehört zu seyn,---weil es ungnädigen Herrn des löten Jahrhunderts der Christenheit beliebt, also zu decretiren." „Sehen wir also unbefangen, dann kann uns nicht entgehen, daß der Sturm des löten Jahrhunderts eigentlich, wie gegen eine Bastille, gegen den Kerker GotteS, gegen daS Gefängniß, darein man geworfen wird, bis daß man den letzten Heller bezahle, mit Einem Worte, gegen das Fegfeuer, diesen Ort der Qual in der Unterwelt, gerichtet ist. Denn erst mit dem Aufhören dieses eigenthümlichen Theils der Kirche Gottes kann ein Dualismus in der Kirche durchdringen, wie ihn die reformirte Kirchengesellschaft in sich consequenter als daS Lutherthum durchgebildet hat; erst damit können nun auch die heilsamen Gnadenmittel Christi in Seiner Heilsanstalt, der Kirche, welche sich bis auf diesen Theil derselben erstrecken, namentlich das Meßopfer, mit besserem Erfolge bestritten werden. Nur so kann damit eine weitere, beliebige Verstümmelung der Gnadenmittel der Kirche Jesu Christi überhaupt erfolgen. Also um so zu zerstören, siedelt man die Seinigen, wahrlich allzu- hastig, sofort in den Himmel über I Dort sollen sie seyn, weil man eS in Opposition gegen die katholische Kirche so will! — Aber ist diese Illusion wohl zuträglich? Heißt daS Fortentwickelung nach der Ordnung Gottes? — Oder man wirft Andere, z. B. die Katholiken als Götzendiener und Anttchristen, und damit doch, recht gesehen, seine frommen deutschen Vorfahren, Väter und Mütter selbst, unbarmherziger Weise — so wahr eS Gott und der Heiland anders meint — in die ewige Hölle und Verdammniß." — Wie der Verfasser in seiner Ansicht von der Kirche ganz auf katholischem Standpuncte steht, so spricht er sich ganz im katholischen Sinne über die wichtigsten Wahrheiten unseres Glaubens aus, wie z. B. über daS heilige Meßopfer, TranSsubstan- tiation, Beichtanstalt u. s. w. und belegt überall den Glauben der Kirche, der auch sein Glaube ist, durch die schlagendsten Argumente. Wo der Glaube an die Kirche da ist, da folgern sich die einzelnen Wahrheiten dieser Kirche, wie die Folgesätze aus dem Hauptsatz. Wie aber der Verfasser dem Glauben der katholischen Kirche nicht bloß Gerechtigkeit widerfahren läßt, sondern ihn selbst vertheidigt und bewahrheitet, so auch die Disciplin der Kirche. Hören wir, was er unter Anderm in einer längern Anmerkung in seiner Schrift vom Cölibate sagt: „Man eifert bei uns gegen das Cölibat der Geistlichen: 1) weil die Natur bei dem Manne ihr Recht fordere, 2) weil eS unmöglich sey, daß ein Stand von so viel tausend Männern ohne Ehe rein in Betreff des sechsten Gebotes leben könne. Die Behauptung sä l hängt mit der protestantischen Lehre von der absoluten Sündhaftigkeii zusammen, wogegen sich die Lehre von dem freien Willen geltend machen läßt. Auch beweist ja die Erfahrung, daß sogar von dem schwächern Geschlechte so viele tausend? von Jungfrauen unter unS, welche keinen Mann finden, dennoch rein zu leben vermögen. Bilde man sich mehr als weibisch nur nicht ein, eS kann nicht gehen, sondern erhebe man sich zu dem männlichen, moralischen Entschluß: es soll und muß gehen! und beobachte dabei eine christlich weise Disciplin, so geht es. Geht eS doch auch bei evangelischen Predigt- 35« amtskandidaten, welche ihr vierzigstes Jahr jetzt erreichen, bevor sie einen Pfarrdienst bekommen, auf welchem sie dann heirathen können. ^,6 2. Daß die Ehe daS Mittel sey, sich rein zu halten von der Sünde contra sextum und eS nicht vielmehr die Gottesfurcht mit der moralischen Willenskraft eines Joseph bleibe, läugne ich unbe. dingt. Denn warum lehrte doch sonst die Erfahrung, daß Tausende, ja leider auch unter uns Deutschen jetzt Hunderttausende, die Ehe nicht vor Unkeuschheit schützt, auch nicht einmal protestantische Geistliche" u. s. w. AuS dem oben Angeführten ist zum Theil schon ersichtlich, welche Ansicht der Verfasser vom Fegfeuer habe: eS sey uns vergönnt, auf diese Anschauung genauer einzugehen, um die Katholicität deS Verfassers auch hierin kennen zu lernen. Können wir nicht so genau in seine Entwickelung eingehen als wir eS wünschen, so mögen die engen Räume dieses Blattes zur Entschuldigung dienen; Alles, waS der Verfasser sagt, ist Hörens- und wissenswerth. Wie die Katholiken bekennen auch die Protestanten im apostolischen Symbolum: vesosnclit sä inkerc>8. Was wird nun unter intsri verstanden. Inkeri ist die Unterwelt, und diese kann nach einem dreifachen Sinne genommen werden: s) als Aufenthaltsort der vor Christus abgeschiedenen Seelen der Gerechten, als Paradies in der Unterwelt, zu welchem die abgeschiedene Seele Christi niedergegangen ist, und zwar in der Absicht, diesen Gerechten in limbc» patrum, in Abrahams Schooße, die vollbrachte Erlösung anzukündigen und sie auS dem Zustande der Gefangenschaft (deS Harrens) in den frohen Besitz der übernatürlichen Seligkeit einzuführen, deren sie bis dahin noch entbehrt hatten; b) Interi ist weiter der Aufenthalt der noch nicht geläuterten Seelen der Gerechten, also die Hel, oder Hölle, auch im altnordischen und germanischen Sinne: o) weil die Substanz der Flamme, in welcher die dort zur Läuterung Befindlichen Pein leiden, auS dem Tartarus stammt, auS der absoluten Hölle, in welche Christus nimmermehr niedergegangen ist, nennt die Kirche nicht falsch diesen Ort der Qual in der Unterwelt auch wohl Hölle, wie schon die Alten so Tartarus und EreboS anwenden." Die Unterwelt besteht also, ganz conform der katholischen Lehre (vergl. Lato- vkigrn. komsn.) i) aus dem limbus pstrurn, 2) dem Fegfeuer-----HadeSScheol, 3) der absoluten Hölle — Tartarus — ErebuS — Gehenna. Den limbus pstr. und daS Pvrgatorium faßt der Verfasser in dem HadeS zusammen, sagt, der HadeS habe zwei Abtheilungen a) limb. pstr. als Vorhalle des Himmels, Paradies; b) den Ort der Qual als Vorhalle der Hölle, und stellt folgende Sätze auf: 1) ES gibt einen HadeS, den Ort eines Mittelzustandes von dem Tode bis zur Auferstehung. Er ist von dem Grabe zunächst, dann aber auch von Himmel und Hölle verschieden. - 2) Dieser HadeS besteht aus zwei Abtheilungen, auS dem Paradiese, welches die Vorhalle deS Himmels ist, und aus dem Gefängnisse, welches eine Vorhalle der Hölle ist. 3) WaS lehrt die Schrift über den Zustand der Seelen in beiden Abtheilungen? 4) ES gibt für unS eine Gemeinschaft mit den Heiligen deS Himmels und deS Paradieses, und welche? 5) ES gibt für uns eine Verpflichtung in Betreff derjenigen, welche in dem Gefängnisse deS HadeS sind. (Schluß folgt.) Nordamerika. Die auf dem ersten Nationalconcil der vereinigten Staaten zu Baltimore versammelten Prälaten, sechs Erzbischöfe und sechsundzwanzig Bischöfe, haben unter dem 20. Mai ein Schreiben an die Präsidenten und Direktoren der Gesellschaft zur Verbreitung des Glaubens zu Lyon und Paris erlassen. Sie berichten, daß sie 351 durch Acclamation beschlossen hätten, daß der Verein zur Verbreitung des Glaubens in allen Diöcesen eingerichtet werden sollte, in Anerkennung dessen, was die katho, lische Kirche der vereinigten Staaten diesem Vereine verdanke. Sie sagen weiter: Die Väter deS Concils erinnern sich noch der Zeit, als sechs Bischöfe die Kirche in den Vereinigten Staaten regierten, und jetzt zählen sie eben so viele erzbischöfliche Kirchen. Die Hierarchie besteht jetzt auö dreiunddreißig Prälaten, und bald werden zwölf neue Mitarbeiter dieser Zahl zugefügt werden. Welche glorreiche Zukunft wartet unser, ich wage zu sagen, oder wir wagen zu sagen, gehört schon unS! DaS Werk unserer Schöpfung entwickelt sich wie in der Vergangenheit, wetteifert an Schnelligkeit mit der Entwicklung des Landes, und erstreckt sich bis zum stillen Ocean. Wir dürfen daher hoffen und glauben, daß in fünfundzwanzig Jahren oder etwaS später der amerikanische Theil der katholischen Kirche eben so viele bischöfliche Stühle zählen wird als die ältesten europäischen Königreiche. Ist dieses rasche Wachsthum der wahren Kirche in diesem Theile der neuen Welt, wo die Vorurtheile des Irrthums so tief wurzelten, wo Reichthum und Einfluß sich feindlich bewiesen, wo die größte Armuth unser geringstes Hinderniß war, nicht ein Wunder der Vorsehung?— Aber Gott wußte, daß ein bedeutender Theil der Bevölkerung von Europa nach Nordamerika auswandern würde, darum erneuert er die Wunder des ApostolatS und der Missionen, — deßhalb flößte er den Gedanken eurer Gesellschaft ein, und umgab sie mit der Fülle seines Segens, und so bietet sich die in der Kirchengeschichte einzeln stehende Thatsache dar, daß eine kleine Zahl von Laien, welche von der christlichen Lüde zuerst die Mission empfingen, unter dem Schutze deS heiligen Stuhles die Nähreltern aller Missionen der katholischen Kirche wurden. Zum Schlüsse empfehlen die Prälaten die vielfachen Bedürfnisse der amerikanischen Kirche, besonders der im Oregon, und erinnern daran, daß sie für die geistliche, oft auch für die körperliche Existenz von wenigstens 200,000 Katholiken zu sorgen haben, welche jährlich von Europa ankommen. ^ ' 5-u«M MvilinckttK mz-l Auch ei» Märtyrer. DaS „PittSburgh Journal" erzählt folgende wahre Begebenheit aus den dreißiger Jahren. Ein Gutsbesitzer in Kentuckv hatte einen frommen Neger, den er im Ganzen mild und menschlich behandelte; abgleich er selbst nicht zu den Tugendspiegeln im Lande gehörte, pflegte er die Christlichkeit seines Negers als ein Mirakel herauszustreichen. Eines Sonntags hatte er Besuch; eS wurde hoch gespielt und stark getrunken. DaS Gespräch kam, wie gewöhnlich, auf daS schwarze Gesinde, und der Hausherr prahlte mit seinem Neger, der „die Religion gekriegt," und sie fest halte. Sein Gast lachte und rief: „Dummes Zeug! Ich will jedem Schwarzen in einer halben Stunde seinen Gott aus dem Leibe peitschen." Der Hausherr wider- ' sprach, und eS kam zu einer Wette! Man rief den armen Neger, und die beiden jovialen Ehrenmänner sagten ihm eine schauerliche und gotteslästerliche AbschwörungS- formel vor, mit dem Bedeuten, er habe kein Recht, den Christen zu spielen, wie seine weißen Herren; er müsse augenblicklich den Glauben an den Heiland ablegen, oder sich darauf gefaßt machen, zu Tode gepeitscht zu werden Der unglückliche alte Mann erstarrte vor Schrecken, er kannte den grausamen Ernst von Pflanzer-Späßen, faßte sich aber bald, und rief: „Nein, Massa! Bitte, Massa, kann nicht! Christus, er für mich gestorben seyn! Bitte, Massa!" Seine Bitten blieben fruchtlos und ! die Probe begann. Bald fiel der Neger unter den Streichen der Treiber in Ohnmacht. AIS er zu sich kam wurde die erste Aufforderung wiederholt. Blutend, stöhnend und mit flehenden Blicken rief der Schwarze: „Herr sey gepriesen, Massa! Kann nicht, Massa! Christus, er sterben für mich, ich sterben für Christus!" Da der Gast auf der Ausführung deS Experiments bestand und betheuerte, er könne die Wette nicht aufgeben, wurde die Operation fortgesetzt, bis der Gast — verloren hatte. Der Neger starb unter der Peitsche. Man glaubt eine Geschichte aus den 35S Zeiten der römischen Christenhetzen zu lesen; aber die Römer unter den ersten Zmpe, ratoren waren Heiden und nicht selber Christen wie ihre Opfer. T r e v i f o. Der hochwürdigste Herr Bischof von Treviso, Giov. Antonio Baron Farina, richtete bei der Visitation seines Kirchensprengels ein Hirtenschreiben an den Klerus, in dem er den Vorwurf „aufstachelnden, übertriebenen Eifers" zurückweiset, den man ihm gemacht, weil er die Zeitschriften „Civilta Cattolica und Bilancia" empfahl als Muster periodischer Journale, welche den Muth haben, die Fahne der Ordnung, der Treue mit Kraft zu entfalten. WuS er bei dieser Gelegenheit über Klugheit und Entschlossenheit sagt, wird mit Nutzen auch in weiteren Kreisen als die seiner Diöcese gehört und beherzigt werden. „Wir wissen, wie das Wort Klugheit sehr oft mißbraucht wird, um verwerfliche Furcht zu verhüllen. ES dient als MaSke der Feigheit, als Schminke deS EgoiSmuS. In unserm Falle wäre Schweigen daS Eine wie das Andere. Sollen wir etwa, um die häusliche Ruhe nicht zu stören, um nicht zu ermüden, dem Fortkommen nicht zu schaden, die Pflichten deS Standes und Gewissens vernachläßigen, die großen Interessen der Kirche und der Religion preisgeben? Schlafend sitzen, während jene Geister, welche die Lichter der Welt seyn sollen, verkehrten Meinungen folgen und so die Irrthümer noch ausbreiten? Sollen wir eS einsehen, daß eS gut wäre, die Wahrheit an den Tag zu bringen und dennoch den Mund verschließen? Nein! wir schämen uns der Freiheit deö Evangeliums nicht. In der Ueberzeugung, daß die Wahrheit Einige enttäuschen werde, oder wenigstens als Zeugniß dienen, daß wir jedes Einverständnisz mit demagogischen Rathschlägen zurückweisen, zeigen wir offen unsern Abscheu vor allen Jenen, die daö freie Wort mißbrauchen, daö Vaterland an den Rand deS Abgrundes bringen, während sie Liebe dafür im Munde führen. Die Verantwortung, welche wir vor dem Richterstuhle GotteS, nicht der Liberalen haben, liegt uns auf der Seele. Lob ist ein Magnet, der unS nicht zieht; Schimpf ein Stachel, der unS nicht verwundet; elend wäre eS, Drohungen zu beachten. ES wird geschehen, was Gott gefällt. Um jeden Preis wollen wir das Gute thun, und da man unS sagte, daß diese Erklärung nützen könne, leisteten wir sie bereitwillig zur Ehre Gottes. Wäre eö Muth beim Soldaten, wenn er voraus die Wunden bedächte, denen cr sich für die gerechte Sache aussetzt! Wir sind aber Soldaten. Antwortet den Tadlern durch Thaten. Solchen Beweisen kann man keine Sylben abstehlen. So war es bis nun unser höchster Triumph, daß ihr Alle für die „Civilta Cattolica" einstandet. Böhmen. Am Feste deS heiligen Rosenkranzes hat in der frühern Dominicanerkirche zu Gabel in einem herrlichen Baue die Mission begonnen. Die Missionäre haben mehrere Kräfte an sich gezogen, um dem größern Andränge genügen zu können. Sehr zweckmäßig halten sie dort auch um eilf Uhr eine Previgt, welche durch ein tieferes Eingehen in ControverSpuncte wegen deS häufigen Verkehres mit dem protestantischen Nachbarland von Katholiken und Protestanten mit großem Interesse vernommen werden. In jenem Winkel Böhmens, wo fast alle Seelen zusammengedrängt sind, und' in der letzten Zeit sich auch Mohamedaner zusammengesellen wollten, flammt der alte Haß hie und da auf. So ist zu Sl.. . unlängst erst Blut geflossen. Ein Fleischhauer eegoß sich in die schändlichsten Schmähungen und Verwünschungen der heiligen katholischen Kirche; ein junger Mensch, der dieses anhören mußte, gab ihm darüber einen Verweis, worüber der Fleischer in eine solche Wuth geriet!), daß er dem armen Menschen das Messer in den Leib stieß. Am zehnten Tage war er noch in Lebens- gefahr. (Kath. Bl. a. T.) __ Verantwortlicher Redacteur: L. Scheuchen, VerlagS-Zuhaber: F, C> Kremer. Zwölfter Jahrgang. SonntBgB-Wejblatt Augsburger Psstzeitung. 7. November /U^ I85S. Dieses Blatt erscheint regelmäßig alle Sonvtaae. Der halbjährige Abonncmentsprei« TA kr., wofür es durch alle köuigl. daher. Postämter »ad alle Buchhaudluugeu bezöge» werden kann. Am Allerseelen-Tage. I Im Friedhof weht ein junger Lebenshauch Von FrühlingSduft und zarten Rosensprossen. Zu ehren so die einstigen Genossen Verlangt der schöne Allerseelen-Brauch. Ich selber Pflanzt' in Liebe einen Strauch; Doch ach! in meinem Auge thränumflossen Ist noch ein andrer, tiefer Schmerz verschlossen, Denn verer, welche leben, denk ich auch. Viel tausend Leiber wallen durch das Seyn, Und drinnen schläft der Geist, wie ohne Leben, Gleicht einer Kerze, die der Flamme harrt. In solche Gräber, Menschen, blickt hinein, Und weckt den Geist zu Leben und zu Streben; Das wär ein Seelenfest nach hoher Art! — II. Ist Einer aus dem Leben nun geschieden Und liegt er in der Erde eingegraben, So meint man, doppelt ihn geliebt zu haben. Und lobt und preist, was er gethan hienieden; Und ist mit Allem, was er that, zufrieden, Und weint um ihn, und weiht ihm Blumengaben, Seufzt bang und tief, als könn' ihn dieses laben, Und wünschet fromm: „Geh' ein zu Gottes Frieden!' O späte Lieb'! o, wärst du früher kommen! O, kämst du jetzt für Manchen hier auf Erden, Der heiß sich sehnt »ach Einem Tropsen Lieb! Wie würd' ihm das im Erdenleben frommen! Es wär' für ihn ein neues, süßes Werden; Drum Herz, zur rechten Zeit dein Lieben gib! — III. „Gott geb' ihm ew'ge Ruhe!" hör' ich sagen. Das ist der beste Wunsch, er werde Allen, Die man nach dieses Erdenlebens Wallen Zum stillen Friedhoss - Bette hat getragen. 354 --»M?,^ Doch hör' ich ihu, so fasset mich ein Zagen, Und vorwurfsvoll des Todten Klagen schallen, Daß Keinem es voll Liebe eingefallen Ihm Ruh' zu gönnen in des Lebens Tagen, So lang der Mensch betritt die Erdengleise Hebt Keiner einen Stein von seinem Wege, Damit er ruhe von der Mühsal aus. Viel leichter übt sich die gewohnte Weise, Mit Worten fromm zu sprechen solchen Segen Dann, wenn er schläft im engen Sarges-Haus. Jsabella Braun. Ein Jesuit. Der folgende gedrängte Auszug aus der Lebensbeschreibung des P. Albrecht Ehanowsky von Langendorf aus der Gesellschaft Jesu, welche der Jesuit Tanner böhmisch und lateinisch herausgegeben hat, ist einem katholischen Blatte, der „Wahrheit", entnommen, daö bis zum Ende des JahreS 1850 in Prag erschien. Wir geben diesen AuSzug hier wieder, um zu zeigen, durch welche Männer die Gesellschaft Jesu ihre staunenswerthen Erfolge bewirkte, und um so lieber geben wir ihn wieder, weil der selige P. Albrecht in Böhmen wirkte, wo der Jesuitenorden am meisten verdächtigt wird, als habe er nur durch die weltliche Gewalt daö Band der katholischen Kirche erhalten. Nicht Gewalt, sondern die Waffen deS Geistes, der lebendige Glaube, auS dem die thätige Liebe hervorgeht, sind es, die große und nachhaltige Erfolge erzielen. Und gerade der Jesuitenorden zählte sehr viele Glieder, die wie P. Albrecht durch einen klindlichen Glauben und opferwillige Liebe sich auszeichneten. P. Albrecht Ehanowsky wurde 1531 in dem Dorfe Swiradic im ehemaligen prachi- ner Kreise Böhmens geboren; er war unter fünfzehn Kindern daö achte Kind deS Ritterö Johann Ehanowsky von Langendorf, Herrn auf Dozic, Hradischt und Teynisst. Vor der Prager Akademie bezog er die niedern Schulen im Jesuitencollegium zu Krumau. Seine Eltern wollten ihn zum Ritter erziehen; er fühlte aber von Kindheit auf in sich den Beruf zum geistlichen Stande. Schon als Knabe verschmähte er die Kinderspiele, baute kleine Eapellen, Altäre; seine Eltern bat er, ihm ein kleines Meßgewand machen zu lassen , er feierte als Knabe die Messe, hielt Predigten voll Eiser und Herzlichkeit, sang Psalmen, verrichtete eifrige Gebete, segnete Wasser, Brod und Fleisch. DaS Noviziat hielt er bei den Jesuiten in Brunn und verwendete sich unterdessen bittlich bei seinen Eltern um die Erlaubniß, bei der Gesellschaft Jesu bleiben zu dürfen. Nach einigen Jahren kam er mit einem Ordensbruder nach Hause, wo seine Mutter krank lag und ihren Unwillen noch nicht verhalten konnte, daß er in den geistlichen Stand trat. Sie wurde von Albrecht, ihrem Sohne, zum frommen Tode vorbereitet. Zum Priester wurde er in Grätz geweiht, war dann Regens in Prag, erklärte in der dortigen Akademie die hl. Schrift und die hebräische Sprache. In Olmütz lehrte er die Mathematik. Gott rief ihn aber zur Liebe deS Kreuzes, zu apostol. Arbeiten, schmückte ihn mit apostol. Tugenden, und führte ihn dahin durch mannigfaltige widerwärtige Begebenheiten. Nach der Schlacht am weißen Berge wurde von dem Jesuitenprovincial, P. Gregor Rumer, Böhmen zwischen den PP. Krawarsky und Albrecht Ehanowsky getheilt, damit sie beide apostolisch herumreisen, die im katholischen Glauben Schwachen befestigen, die Unwissenden unterrichten, die von demselben bereits Abgefallenen wieder in den Schooß der Kirche zurückzuführen streben möchten. P. Krawarsky bereiste die Kreise Böhmens an der Gränze Mährens, Schlesiens und der Laufitz; P. Albrecht verrichtete seine apostolischen Arbeiten in den Kreisen, welche mit Oesterreich und Bayern gränzten. Seit der Zeit hörte er nicht auf, in den Städten, Marktflecken, Schlössern, Dörfern, Häusern und Einöden Tag und Nacht mehr als zwanzig Jahre zu lehren, daS Volk im kath. Glauben und in der Frömmigkeit zu unterrichten. Er pflegte sich kein Ziel zu setzen, wie weit er deS TageS kommen sollte; manchmal besuchte Mr ein Dorf, zuweilen mehrere, fingend trat er in die Dörfer ein. So wie ihn die Kinder 355 erblickten, liefen sie ihm entgegen, küßten sein Kleid und schrien: „Unser Vater kommt, Pater Albrecht kommt." Mit den Kindern trat er sodann in Procession, die Knaben sowohl als die Mädchen abgesondert, in die Kirche, lehrte sie den Katechismus, wozu sich allmälig die Eltern und Erwachsenen einfanden, und theilte dann Bilder, Rosenkränze aus. Ueberall bewirkte er eine wunderbare Bekehrung des Lebens. In ven Marktflecken und Dörfern besuchte er jedes einzelne HauS; von wem er nicht viel beachtet wurde, bei dem blieb er länger, lag mit dem Knaben, welcher ihm Rosenkränze, Bilder, Aepfel für Kinder trug, bei der Nacht auf Stroh, hatte ein ärmliches Gewand an sich, zerrissene Strümpfe, die er selbst flickte, Hemden von grober Leinwand. Keine Stürme, kein Regen, Schnee, keine Gefahr von Seiten der Räuber, noch der wilden Thiere, schreckte ihn. Ein Stück Brod, reineS Quellwasser war seine Nahrung, sein Getränk. Wenn er bei Adeligen zu Tische war, sprach er so lange von himmlischen Wahrheiten, bis der ihn begleitende Knabe seinen Teller mit der Speise unter den Tisch herabzog und wieder leer hinaufschob, wozu der fromme Diener Gottes lächelte. Er aß den ganzen Tag nicht und trank nicht bis des AbendS, und wenn sich Abends ein Kranker vorfand, nahm er auch da keine Nahrung, sondern wachte die ganze Nacht bei ihm und bereitete ihn entweder zum Tode oder betete mit ihm; des Morgens wandelte er nach dem heiligen Meßopfer abermals zu Fuß weiter. Obwohl öfter selbst von der Kolik, von Steinschmerzen, mit geschwollenen Füßen geplagt, im hohen Alter vor Schmerzen zitternd und wie ein Wurm sich windend, ließ er sich dennoch von seinen Ordensbrüdern nicht bewegen, seine apostol. Arbeiten aufzugeben, hörte auf seinen Herbergen auf den Zimmcrbänken unermüdet die Beicht, so daß ihm einmal in Schüttenhosen vom vielen Reden und vom Durste die Zunge aufgesprungen war. Früh, wenn er die hl. Messe feiern sollte, war ihm gewöhnlich immer leichter, nach der hl. Messe quälte ihn daS Chiragra wieder mehr. Er ermähnte dazu, daß aus jedem Hause wenigstens Einer in die hl. Messe gehen möchte, indem Gott die Arbeit desto mehr segnen würde, nahm jedes einzelne Meßkleidungsstück in die Hand, erklärte, was eS bedeute, und feierte dann einem Seraph' ähnlich das heiligste Meßopfer. Er kam nie in ein Bett, schlief nur wenig, daher fand man ihn oft mitten in einem Walde ruhend und schlummernd. Beim Gebete strahlte oft sein Leib, als wenn er brennen möchte, seine Augen waren stets zum Himmel erhoben; in der Capelle bei Nepomuk zu Ehren des heil. Adalbert verweilte er manchmal einige Tage in gcistl. Uebungen. Die geistl. Tagzeiten betete er stundenlang in einem Walde oder Garten, bis der Knabe, sein Begleiter, einschlummerte. Unterwegs betete er größtentheils und trug an den Händen den Rosenkranz, wallfahrtet« jährlich mehrmal zum hl. Blute nach Bayern und auf den hl. Berg*) in Böhmen, wo die Wallfahrten damals erst im Beginne waren. In seiner Kammer im Colleg. zu Klattau hatte er keine Lehne zum Gebete, er betete am bloßen Boden knieend; wenn er die hl. Messe feierte, sah man über seinem Haupte eine himmlische Flamme und feurige Kugeln ; die hl. Messe hielt er nie länger als eine halbe Stunde. Am Charfreitage stellte er mit den Knaben im HI. Theater das Leiden deS Herrn vor, baute das hl. Grab, die Krippe, den Stall von Beth, lehem. Zu diesem Zwecke kaufte er einmal eine Kinderwiege und schämte sich nicht, selbe durch die Prager Gassen zu tragen. Bei den Kirchen vorübergehend verweilte er stets einige Augenblicke im Gebete. Es war nicht eine Kirche, welcher er nicht etwas Gutes erwiesen hätte, indem er die Mauern, den Fußboden, die Bänke, Fenster, daS Dach ausbessern ließ ; er pflückte ans den Feldern und Wiesen Blumen für die Kirchenaltäre, verfertigte mit eigenen Händen die für Kirchen erforderlichen Sachen, als Stolen, Manipel, Ornate; beredete angesehene Damen, seine Anverwandten, mit lieblichen Worten, waS in den Kirchen schmutzig war, zu reinigen, das Zerrissene auszubessern. Am liebsten wohnte er in der Nähe der Kirchen und kniete ganze Nächte vor dem HI. Altarssakramente und stiftete daS ewige Licht vor dem hochw. Gute. Er leitete viele Jungfrauen zum vollkommenen christl. Leben, vorzüglich die Tochter seines Bruders, Katharina, welche lebenslänglich die Jungfräulichkeit bewahrte, in allen Tugenden sich übte und dem P. Albrecht als Werkzeug zum ') Der heilige Berg ist ein stark besuchter Wallfahrtsort der seligsten Jungsau Maria, na' bei der Bergstadt Pribram. 35« Heile vieler Seelen diente, Bußgürtel und Geißeln verfertigte und heimlich austheilte, Knaben und Mädchen in der Religion unterrichtete. Er führte viele vornehme Damen zum strengsten Leben, so daß sie auf hartem Lager schliefen, Bußkleider trugen, ihren Leib geißelten; seine Nichte Catharina erwählte dann das Klosterleben. Er liebte seinen Orden, prieS die Heiligen seines Ordens und war seinen Obern so pünktlich gehorsam, daß er einmal zum Feste des HI. JgnatiuS, weil es der Rector wünschte, obwohl Jeder daran zweifelte, im größten Gußregen in daS Colleg. nach Klattau kam. Zumeist wegen seiner Verdienste und Liebe zu den Menschen kam die Gesellschaft Jesu ungeachtet der frühern Abneigung gegen dieselbe in Aufnahme und wurde beliebt. Kaiser Ferdinand II. ertheilte zwar die Erlaubniß zur Errichtung des Kollegiums in Klattau. Da aber wegen der damaligen schweren Kriegözciten eS den Ordensindividuen an NahrungSauellen gebrach, sammelte P. Chanowsky im ganzen Kreise milde Gaben, trug sie nach Klattau für seine Brüder, schaffte die HauSgeräike an durch die Unterstützung von Seite frommer, reicher Frauen, vornehmlich solcher, die er von der Ketzerei erst unlängst zum kath. Glauben bekehrt hatte. Und va er die sichere Hoffnung hatte, daß daS Colleg. zu Klattau bald gegründet werde, kündete er es von Freude entzückt in einer Predigt an. Im Jahre 1635 erhielt er ein dem FiScuS verfallenes Haus zum Baue des Kollegiums zu Klattau; der oberste Kanzler Böhmens, Adam von Martinitz, schenkte dazu 10,000 fl., und seine Tochter, Ottilia Gräfin von Kolowrat, schenkte 30.000 fl. Im Jahre 1636 wurden die Jesuiten in Klattau»eingeführt, die herrliche große Kirche aber, die mit den großartigen Galerien 10,000 Menschen fassen kann, wurde erst i. 1.1675 vollendet. P. Albrecht Chanowsky wurde von Schütten- hofen krank nach Klattau gebracht und starb 1643 den 16. Mai um die dritte Morgenstunde, währsnd man ob seiner Wohnkammer ein Licht erblickte, und wurde, da die Kirche noch nicht bestand, in der Jesuitencapelle begraben. Er war 62 Jahre alt, 42 Jahre im Orden, sein Gesicht war sanft, seine Augen stets zum Himmel gerichtet, die Gestalt hoch, daS Gesicht blaß und immer lächelnd, die Haare kurz und schneeweiß. Sein Biograph sagt von ihm, daß er die Gabe vieler Heiligen gemein hatte, zu gleicher Zeit an mehrern Orten gesehen worden zu seyn, im Collegium und um dieselbe Stunde einige Meilen weit bei einem Kranken. Auch soll er, obwohl alt und kränklich, schneller als der Wagen, der ihn einholen sollte, an Ort und Stelle eingetroffen seyn. Die Menschen sprachen von ihm nie anders als von einem Heiligen. Glaubenstöne aus der Mark. (Schluß.) Um den Leser mit der Beweisführung und der Eregese des Verfassers einigermaßen bekannt zu machen, wählen wir jene Stellen auS dem N. T., über deren Erklärung sich eine Legion von Eigenmeinungen nur unter den älteren Theologen der lutherischen Kirche gebildet hat, und welche Luther selbst für „einen finstern Spruch" erklärt, und „daß er nicht wisse, was Sct. Peter meine." DaS heißt also, nach seinem kirchlich politischen Interesse hält er keineswegs für gut, für diesen, wie wir sehen werden, ihm kritischen Punct die beilige Kirche zur Pathe zu nehmen; vielmehr thut er ganz, als hebe diese mit ihm erst an." 1) ES ist die Stelle 1. Petr. 3, 19. 20: „In demselben (Geiste) kam er (Christus) auch zu den Geistern, die im Gefängnisse waren, und predigte denen, welche einst ungläubig waren, als sie in den Tagen Noah'S sich auf Gottes Langmuth verließen, da die Arche gebaut ward u. f. w." Also 1. „in demselben Geiste." Dieses verstehen wir nun schon; 2. „kam er auch" das x«/ „auch" zeigt eine Ergänzung in dem folgenden Zusätze an, ein Werk Christi, welches ebenfalls bei seinenv Niedergange in die Unterwell stattgefunden hat. So wird unser Abendroth der Sonne Andern ein Morgenroth. Die Sonne rastet nicht. Und wenn jenen daS Scheiden der Sonne kommt, dann wird dieses uns wieder ein Morgenglanz. — Daß Christus bei seinem Niedergange in die Unterwelt erstlich in das Paradies gegangen ist, tehrt deutlich und klar sein dem Schächer am Kreuze gegebenes Wort. Dieses Para- 357 dies war, wie dem Schächer, so Allen im Volke Israel, aus der Lehre klar und verständlich. ES braucht also der heilige PetruS hierüber in unserer Stelle kein Wort zu verlieren, sondern diese That Christi in dem xa/ „auch" nur anzudeuten. Zuerst ist er also in das Paradies als Erlöser gegangen. ES ist mit dem Sündenfalle entrückt. ES ist so das vorläufige Behältniß für die Seelen der Gerechten bis auf Christus. Nun erscheint dieser, der Erlöser, in seinem ErlösungSwerke selbst auch sür die, welche „unter der Erde" sind, und wird Jacobs Sehnsucht bei seincui Sterben: „Herr, ich warte auf dein Heil!" (1. Mos. 49, 18) in letzter Instanz befrie» digen. Geschieht dieses, so wird auch daS Paradies selbst eine Aenderung, die Erl ösung, erfahren. Hier müssen wir zu dem xc>i zunächst weiter 3) das x»^<7<7etv: „er kam zu den Geistern und predigte," verstehen lernen. /ü^ovetv. predigen, hebräisch ist dasselbe, was Kap. 2,6, erläutert ist durch e^a^eA^v. Es wird in profanem Sprachgebrauche von Herolden gebraucht, von den Boten deS Königs, welche als Stellvertreter desselben etwaS verkünden, waS daS Publicum betrifft, und mit ihrer empfangenen Botschaft vor demselben hergehen. Uebcrtragen wird eS von der Predigt des Evangelii gebraucht: daß Gott also die Welt geliebt hat, daß er seinen eingebornen Sohn gegeben hat! auf daß alle, die an ih» glauben, nicht verloren gehen, sondern das ewige Leben haben. So predigt also Christus auch den Geistern im Gefängnisse dasjenige, waS für sie darauf Bezug hat, und zwar einer gewissen Masse derselben. Merken wir nochmals auf daS Wort xai, „auch" predigte er. Also zunächst hat er denen, die im Paradiese sind, für ihr besonderes Bedürfniß das in Ihm zur Erlösung zum ewigen Leben und zur Seligkeit für sie enthaltene Heil verkündet. Hier geschieht in beiden Fällen, für die im Paradiese und sür die an dem Orte der Qual, dasselbe: er erfüllt die Weissagung des Propheten Jesaja in äußerster, letzter Instanz: „er predigt den Gefangenen ihre Erledigung." Vcrgl. auch Luc. 4, 18. WaS der Sohn verkündet, daS bestätigt der Vater den Harrenden im Paradiese sofort durch die That: „Die Gräber thaten sich auf und standen auf viele Leiber der Heiligen, die da schliefen, und gingen aus ihren Gräbern nach seiner Auferstehung, und kamen in die heilige Stadt und erschienen Vielen." Matth. 27, 52. 53. So wurde die Predigt Christi denen im Paradiese, den Patriarchen und den Gerechten in Abrahams Schooße, in limbo pstrum, gebracht zu ihrem Troste in der Erfüllung ihrer Hoffnung, so wurde dieselbe mit der Auferstehung Christi, des Erstlings von den Todten, auch durch die mit ihm Auferstandenen, den Heiligen auf Erden, zu ihrer seligen Hoffnung bekundet. Nun verstehen wir den heiligen EpiphaniuS, wenn er mit den andern Kirchenvätern erklärt (Häres. 69): „Die Gottheit Christi vermochte Alles zu bewerkstelligen, waS Bezug auf das Geheimniß seiner Leiden hatte, und mit der Seele hinabzusteigen in die Unterwelt, um denjenigen heiligen Patriarchen, die vor ihm dorthin gegangen, daS Heil zuzuwenden." Nun ist der von der katholischen Kirche geglaubte und bekannte limbus pstrum sonnenklare Wahrheit und wahrlich keine Fabel, eS sey dcnn, daß jemand aus Leidenschaft oder verstockt und wissentlich die Augen der Wahrheit verschließen wollte. Die Bibel enthält diese Lehre so deutlich wie andere Lehre». Aber wir verstehen auch die Bibel nicht mehr, wenn wir die Tradition der heiligc» Kirche verwerfen. WaS wird nun aus dem Paradiese? „ES hört auf, ein Gefängniß zu seyn. AuS seiner mit dem Sündutsalle eingetretenen widernatürlichen Stellung zunächst zum Himmel tritt eS in die reine Bestimmung der Vorhalle des Himmels zurück: Die Verbindung ist offen, wie Adam mit dem Herrn im unmittelbaren Umgange stand, die Thüre ist nicht mehr verschlossen. Es waltet fortan freier Eingang und AuSgang, und dadurch geht eS in den Himmel auf. Hiermit stimmt nun auch vollkommen, und beweist also für die Lehre der katholischen Kirche, der heilige Paulus. AIS Apostel wird er, laut 2. Kor. 12, 2, „entzückt bis in den dritten Himmel," und zugleich erklärt er V. 4, er sey entzückt worden bis in das Paradies. Dadurch ist klar, daß der dritte 358 Himmel und das Paradies, nach der Himmelfahrt unseres Heilandes, als verbunden, als ein Gemeinsames erscheinen, so zu sagen, als identisch der That nach und als unterschieden nur noch dem Namen nach. So heißt eS denn auch, Ossenb. 14, 13: „Selig sind die Todten, die in dem Herrn sterben von nun an. Ja, der Geist spricht, sie ruhen von ihrer Arbeit, und ihre Werke folgen ihnen nach." Aber, kann nun eingewendet werden, das Paradies steht ja doch nun leer? „Keineswegs." DaS zeigt schon Paulus dadurch, daß er dort unaussprechliche Worte hört. In die Stelle derer, welche dasselbe verlassen, ziehen ja, kraft derselben Predigt Christi, welche den Himmel für die Seelen im Schooße Abrahams bewirkte, nun ins Paradies zunächst schon diejenigen Geister ein, welche von der Pein in den Flammen und aus dem Orte der Qual in der Unterwelt ihre Erledigung finden. Aber hierin müssen wir unsern Tert ansehen. „In demselben (Geiste) kam er" u. s. w. Auch vor Abraham war schon die Kirche vorhanden. Noah war ihr Prediger, Priester und Patriarch. Die Geister, welche hier als im Gefängnisse befindlich von dem heiligen Petruö angegeben sind, werden Kap. 4, 6 „Todte" genannt. Sie sind offenbar im Gegensatze zu denen so genannt, welche nach Christi Aussage im Paradiese „Gott leben." Doch ist dieser Tod nicht zu verwechseln mit „dem andern Tode," mit dem Zustande der ewigen Verdammniß in der Hölle, welchen wir Ossenb. 20, 14 kennen lernen. Die Geister sind zu diesem Orte der Qual grkommen, an welchem auch der reiche Mann Pein leidet in den Flammen. WeShalb? Weil sie einst ungläubig waren; aber später, als daS von Gott durch Noah verkündete Strafgericht Gottes hereinbrach, kamen sie noch zur Buße und Umkehr. 5) Ein ernster Beleg zu der Mahnung: Spare deine Buße nicht auf, bis du krank werdest, sondern bessere dich, weil du noch sündigen kannst. Verziehe nicht fromm zu werden, und harre nicht mit Besserung deines Lebens bis in den Tod! — Eine Masse aus den Todten und zwar Gleichverschuldete und zu gleicher Zeit Gestorbene werden hervorgehoben. Kraft desselben Opfertodes Christi gelangen sie aus dem Orte der Qual und aus ihrem Gefängnisse, kraft dessen das Paradies vom Herrn auch dem Schächer zuertheilt wurde, weil er bußfertig sich noch in seinem Leiden zu Christo bekehrte. Dieses lehrt unS, daß die Gnabö Christi für jeden dieser beiden Fälle vorhanden blieb, daß aber keineswegs alle Sünden von Christo (gänzlich, ewig ausgenommen bleibt die Sünde wider den heiligen Geist) in diesem Leben vergeben werden, sondern erst in jenem Leben, ^) nachdem der letzte Heller bezahlt, und die erforderliche Reinigung der Seele erfolgt ist, ich kann sagen, nachdem die Seele von den sündhaften Schlacken gereinigt, und ihr Metall so ausgeschmolzen worden ist. Dann folgt die Verbindung mit dem Bräutigam der Seele, die Durchdringung mit der Gnade in göttlicher Entwicklung. Wir sehen weiter, daß die Opferkraft Christi eine Milderung, einen Erlaß in der Gefängnißzeit herbeiführen kann. Wenn aber ChristnS durch seine Predigt zuerst in die Unterwelt die Erledigung bringen und dadurch in unserm letztern Falle denen im Gefängnisse dasjenige gewähren konnte, was zur Abkürzung ihrer Gefangenschaft diente, so sehen wir damit: 1) daß das Reich, die Kirche Christi, auf der Ober- und Unterwelt insofern den engsten Zusammenhang hat, daß dieselben Gnadenmittel nach der HeilSordunng für beide Theile gelten, so weit nämlich noch Seelen der Erlösung in der Unterwelt bedürftig sind; 2) daß also anch die von Christo der Kirche übertragene Macht der Gnade znr Vergebung der Sünden, zu lösen und den Himmel aufzuthun, daS Amt der Schlüssel, sich auf die Unterwelt erstreckt." — „Wir können also zur ergänzenden Bestimmung der zweiten Abtheilung des HadcS zurückkehren. AuS ihrer Benennung „Kerker" oder „Gefängniß", wie Matth. 5, 25, ! >: !, ^ !,. ,1-tt ,hkvKhüK'Ä»il' »MgUM^ÄjÄ^MttH tMvck.sV .nsHoickij ') Vcrgl. hiemit die 20. Bemerkung in der Alioli'schen Bibelübersetzung zu gedachter Stelle 1. Petr. 3, 20. A d. E> —) Besser formulirt wird dieser Passus lauten: daß auch in dem andern Leben Sünden gesühnt . und erlassen werden können. - A. d. E. 359 und daraus, daß von denen, welche darin sind, gesagt wird (i. Petr. 4, 6), daß sie gestraft werden, sehen wir, l) daß dieser Kerker eine Strafe der Entbehrung mit sich bringt, 2) aber auch eine positive Züchtigung. Dasselbe sehen wir von dem reichen Manne. AIS er, gefangen gehalten, seine Augen aufhebt und LazaruS steht in Abrahams Schooße, leidet er die Strafe deS Verlustes, und als er rufen muß: ich leide Pein in dieser Flamme! leidet er die Strafe der Empfindung, d. i. andere positive Züchtigungen. Nehmen wir nun zusammen, daß der Kerker und der Ort der Qual in dem Hades liegt, daß er Seelen der Art. wie wir vorhin sahen, zum Besten, also zur Läuterung dient, und daß sie dabei ebengezeigter Weise büßen, biö sie durch Christus krast seines Opfertodes in das Paradies hinüber gelangen: was haben wir in dem bösen Orte deS HadeS überhaupt? — Wir wollen eS unS durch die Kirchenväter z. B. durch den heiligen HermaS, durch JrenäuS, durch TertullianuS, durch Cyrillus von Jerusalem, CyprianuS, Clemens von Alerandrien, OrigeneS, ChrysostomuS, LactantiuS, HieronymuS, AugustinuS, AmbrosiuS, PrudentiuS u. A. sagen lassen, durch die ältesten kirchlichen liturgischen Formulare, durch die alte griechische wie lateimsche Kirche, ja durch die Beibehaltung von beiden getrennten altorientalisch christlichen Parteien: — wir haben daS kurgatorium, daS Fegefeuer!" Wir haben aus der vortrefflichen Schrift deS Pf. Lütkemüller mit Absicht seine Ansicht über die Kirche, den Cölibat und daS Fegfeuer hervorgehoben, weil diese Trias in der Regel die Angriffspunkte der Feinde der katholischen Kirche bilden, und wir wiederholen die Versicherung unseres Bedauerns, nicht noch mehr z. B. über den Primat, daS heilige Meßopfer, Gemeinschaft der Heiligen u. s. w. hervorheben zu können. Von der Wahrheit, der unumstößlichen Wahrheit seiner aufgestellten und durchgeführten Glaubenssätze ist der Verfasser so sehr überzeugt und so tief durchdrungen, daß er alle redlichen und wackern Sucher und Kämpfer der Wahrheit auf Seite des Protestantismus nicht als Feind, sondern als Freund im höchsten Sinne, und als langjährigen, erprobten Waffengenossen zu einem brüderlichen Wettstreite zur größern Ehre Gottes herausfordert. Wie sehr er die Zeit ersehnt, daß noch Eine Heerde und Ein Hirt werde, weil doch Christi Werk Niemand hindern kann, möge er uns mit seinen eigenen Worten sagen: „O komm, du ersehnte Zeit, über mein deutsches Vaterland, bringe ihm den Frieden und heile seine Wunden, seine Zwietracht! Kehre wieder, du germanisches Zeitalter der christlichen Kirche! Nicht in dem Abfalle der Völker von der Kirche, wovon unsere deutsche Geschichte namentlich zu sprechen weiß, kommt der Friede, nicht in dem Widerstande von Kaisern, den sie der Kirche persönlich entgegensetzten, nicht in dem Abfalle von Fürsten ruht der Friede, nicht in dem Unternehmen von Theologen und Philosophen, die Kirche mit der Schärfe ihres Verstandes zu ertheilen. Diese Krankheit war unter unS Deutschen schon vor der Reformation eingerissen, und die Reformation deS löten Jahrhunderts machte diesen Krebsschaden unter unS nicht gut, sondern führte ihn gar zum AuSbruche. Unsere, von Jedermann unter uns empfundene, beklagte Zerrissenheit bis auf dem politischen Gebiete, ja bis in die Ehen, sie hat den Einen Grund der Entfernung von uns selbst, von Gott und von seiner heiligmachenden Gnade im tiefsten Innern. — Darum: Was uns Deutschen hoch noth thut? ES ist die Rückkehr zu der heiligen Kirche." Wie der Verfasser seine Schrift mit der Widmung „der heiligen allgemeinen d. i. katholischen Kirche" begonnen hat, so beschließt er sie mit dem Decrete deS tridentinischen Concils, 8ess. XXIV. über daS Purgatorium. DaS letzte bildliche Zeichen krönt den Schluß, eS ist das Siegeszeichen des Christenthums: I. U. 8. mit Kreuz und Nägeln, und das fast letzte Wort ist — Iesuite n-M issionen! (K. BI. a. Fr.) Jesuitenmiffio» in Bamberg. Bamberg, 30. Oct. Unsere Erwartungen sind in die schönste Wirklichkeit getreten. Schon am frühen Morgen des Sonntages füllten sich die weiten Räume 360 der ehemaligen prächtigen Jesuitenkirche zu St. Martin mit einer überaus großen Schaar der Andächtigen. Um 8'/, Uhr des Morgens wurden die bereits eingetroffenen Väter der Gesellschaft Jesu, nämlich die Herren Patres Roder, Anderledy und Fruzzini vom Klerikalseminar auS, woselbst sie ihre Wohnung nahmen, von einer Deputation des hochwürdigsten Domcapitels in die gedachte Kirche geführt, woselbst der hochwürdige Herr Generalvicar Deinlein die bezeichneten Väter der Versammlung der Gläubigen vorstellte, und sie im Namen deS hochwürdigsten Herrn ErzbischofcS von Bamberg sür die Dauer der Mission mit der geistlichen JuriSdiction bekleidete. Hierauf trat der ganze anwesende Klerus zum Altar; eS wurde der Hymnus Vsni 8gnete 8piriw8 intonirt, und nach Beendigung deS vom Volke gesungenen Predigtliedes hielt Herr Pater Roder die Eröffnungsrede. Er verbreitete sich darin über den Zweck einer Mission. Se. Ercellenz unser hochwürdigster Herr Erzbischof celebrirte hierauf daö Hochamt bei ausgesetztem Allerheiligsten. Nachmittags 2 Uhr entwickelte Herr Pater Anderledy in einer einstündigen Rede den Begriff der Religion, worauf die Ablaßandacht abgehalten wurde. Abends 6 Uhr handelte die Predigt, welche Herr Pater Fruzzini hielt, von der Bestimmung deS Menschen. Mit derselben wurde ganz nach Angabe des Programmes die Misercre-Andacht in Verbindung gesetzt. Am Ende dieser Andacht ertönte zum ersten Male und so fort bisher die große Glocke, welche die Bestimmung hat, täglich zu dieser Abendzeit die andächtigen Bewohner der Stadt zum Gebete um Bekehrung der Sünder aufzufordern. Dieses Gebet findet in der Kirche von Seite der höchst zahlreichen Versammlung in lautloser Stille statt. Vom darausfolgenden Montage an ruft täglich Morgens 5 Uhr das feierliche Glockengeläute das Volk zur Kirche. Zur gedachten Stunde wird das Allerheiligste ausgesetzt, und eS beginnen die heiligen Messen Die erste Predigt Morgens 6 Uhr am gedachten Tage hielt P. Fruzzini über die Bestimmung deö Menschen; nach derselben fand, wie bisher täglich, die gesungene Pfarrmesse statt. Um 8'/z Uhr entwickelte P. Roder den Begriff von Gut und Bös, worauf ein Hochamt folgte, welches während der Mission täglich abwechselnd von Mitgliedern deS hochw. DomcapirelS, von den Stabtpfarrern und von einzelnen Professoren celebrirt wird. Um 11 Uhr wird die letzte heil. Messe gelesen. Nachmittags 2 Uhr sprach P. Roder von der Generalbeicht, Abends 6 Uhr P. Anderledy von der Sünde. Dienstags handelte die erste Rede von der Reue (P. Ottiger, welcher inzwischen als vierter Missionär eingetreten ist) die zweite von den Folgen der Sünde, (P. Fruzzini), die dritte von den Pflichten der Jünglinge und Jungfrauen (P. Roder), die vierte von der Unsterblichkeit (P. Anderledy); am Mittwoch die erste von der Hölle (P. Anderledy), die zweite von der Sünde des Aergernisses (P. Ottiger), die dritte von der Sünde der Unkeuschheit (P. Fruzzini), die vierte (welche alö eine außerordentl. Nachmittags 4 Uhr in der Kirche zu U. L. Fr. stattfand) von den Pflichten der Kinder, die fünfte von der Göttlichkeit der Beichtanstalt (P. Roder); am Donnerstag die erste von der Heilsvergessenheit (P. Anderledy), die zweite von der Gewissenserforschung (P. Fruzzini), die dritte von den Pflichten der Jünglinge und Jungfrauen (P. Roder), die vierte vom Tode (P- Ottiger); am Freitage die erste vom Gericht (P. Fruzzini), die zweite vom Lesen schlechter Bücher (P. Anderledy), die dritte von den Pflichten deS Ehestandes (P. Roder); die vierte setzte daS Thema von der Unkeuschheit fort (P. Roder). In der bezeichneten Weise wird die Mission fortgesetzt werden. UeberauS groß ist die Theilnahme des Volkes. Nicht bloß die ganze Stadt Bamberg nimmt den erfreulichsten Antheil, sondern auch auf 16 Stunden hin und darüber erscheinen die Bewohner deS Landes und der benachbarten Städte; auch große Schaaren aus dem benachbarten BiSthume Würzburg. Auö einigen benachbarten Pfarrorten kamen Processionen, von ihren Seelsorgern geführt, und noch andere dergl. werden erwartet. Seit dem Nachmittage deS letzten Mitwoch wird in allen Kirchen der Stadt von zahlreichen Priestern daS heil. Bußsacrament gespendet. Herzbewegend ist der Zudrang zum Bußgerichte. Am morgigen Sonntage wird Nachmittags 2 Uhr eine feierliche Procesfion auS der MissiouSkirche zur Pfarrkirche zu U. L. Fr. stattfinden. (K. Bl. a. Fr.) _ Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. VerlagS-Znhaber: F. E. Kremer. Zwölfter Jahrgang. Sonntags-Beiblatt zur Augsburger Pojtzeitung. 14. November ^ !85>s. Dieses Blatt erscheiut regelmäßig alle Tonntage. Der halbjährige Abonnementsprei« TV kr., wofür e« durch alle köm'gl. bayer. Postämter und alle Bochhaudluugen bczogeu werde» kauo. Schreiben des hochwürdigsten Erzbischofs von Tuam in Irland an Se. Ercell. den StaatSminister Herrn Grafen von Derby, über die kirchlichen Verhältnisse Irlands. Jalaths, Tuam, am Feste der sieben Schmerzen der allerseligsten Jungfrau, l9. September t3SL. Excellenz! Die Anhänger der protestantischen Hochkirche haben in Irland viel Aufsehen und großen Lärm erregt. Sie entblödeten sich nicht, die schamlosesten Lügen von ihrer Ausbreitung in Umlauf zu setzen und nach allen Richtungen hin zu verbreiten. Dieß Alles ist erfolglos geblieben, und sie sehen jetzt ihr eigenes Daseyn ernstlich in Frage gestellt. Vergebens werden sie durch solche Maaßregeln ihre nahe bevorstehende gänzliche Auflösung zu hindern suchen. Bisher konnten sie das englische Volk bethören, weil sie die unerhörtesten Verleumdungen rücksichtslos und unbesorgt ausstreuen durften. Sie mögen sich auch jetzt noch immer im unbestrittenen Besitze deS Rechtes zu betrügen wähnen, ohne zu ahnen, daß Jemand an eine Enthüllung denken werde — aber sie scheinen doch wenigstens auch zu merken, daß sie sich in ihren Berechnungen geirrt haben. DaS Ergebniß der letzten Wahlen in Irland hat sie mit einer Angst erfüllt, welche sie gerne verheimlichen wollten; aber ihre überlaute freche Prahlerei zu einer Zeit, wo die Welt den Sturz des hochkirchlichen Parlamentes mit eigenen Augen sieht, und der thatkräftige Widerstand eines Volkes, welches seine Freunde für zertreten hielt, sind zu offenkundige Beweise und Gründe ihrer schrecklichen Befürchtungen. Wir können wohl diese bebenden Sachwalter in dem süßen Tranme von ihren Fortschritten belassen, während wir vor dem unparteiischen Richterstuhle die unläug- bare Behauptung aussprechen, daß die letzte Stunde der protestantischen Hochkirche geschlagen har. Die Times, dieses getreue Organ der Hochkirche — wenn eine verworrene und launenhafte Einrichtung diesen Namen verdient — mögen wüthen und schnauben und blitzen und wieder und wieder den schrecklichen AuSbrüchen ihrer Fieberhitze über den unverbesserlichen Starrsinn, womit der celtische Stamm an seinen alten Gebräuchen klebt, Luft machen, und das andere weniger geräuschvolle, und gleichsam harmlose literarische Gewehrseuer möge demselben Zuge sich anschließen. Sie müssen Alle unserm Zwecke dienen, und wider ihren Willen den Sturz der protestantischen Hochkirche gleichsam laut bezeugen, da sie ja selbst weit und breit die Verzweiflung bekannt machen, welche sich ihrer Träger bemächtigt hat. Sie mögen in ihren feilen Spalten die lächerlichen Lügenberichte ihrer irisch-protestantischen Korrespondenten über den Fortschritt der sogenannten Reformation in Irland und über die neue Begeisterung deS Volkes für die Reinheit und 3S2 Vortrefflichkeit der Sitten, wodurch dieselbe sich in England auszeichnet, ruhig aufnehmen. Ew. Ercellenz werden, denke ich, mit den Times gerne glauben, daß das Celten-Volk am Hergebrachten festhält, und vor allem an seinem hergebrachten Glauben und seiner reinen Sittlichkeit. Deßwegen sollte auch daS englische Volk nicht so leichthin glauben, daß das irische Volk wegen seines langen Zusammenlebens mit dem Sachsenstamme nun auch dieses sein brutales System zur Entsittlichung der Gesellschaft liebgewonnen habe. Gleich einem Krebsschaden frißt diese Lehre um sich und hat alle bürgerlichen und sittlichen Tugenden in England untergraben, wie in der Neuzeit die vielen Untersuchungen über Kindermorde, durch unverheirathete Frauenzimmer verübt, leider zu klar beweisen. Und doch find dieß lauter Handlungen, welche, dürfen wir den Lobrednern dieses sittlichen Volkes Glauben schenken, der unmittelbare Ausfluß jener protestantischen Lehre sind, für deren Verbreitung in Irland man, Gott sey Dank umsonst, so viel arbeitet. Ercellenz, durchdrungen von der Ueberzeugung, die jeder wahre Christ theilen muß, von dem unheilvollen Einfluß einer solchen schauderhaften Sittenlosigkeit auf das ewige und nicht minder auf daS zeitliche Wohl des Menschen, könnten daS Volk und die Priesterschafl Irlands unter keiner Voraussetzung ruhig die Hände in den Schooß legen, indem sie die Versuche zur Ausbreitung dieser so verderblichen Grundsätze vor Augen haben. Man wirft uns vor — und dieser Vorwurf gereicht uns gerade zum größten Lobe — daß Irlands Volk eine so große Verehrung für das Alte hegt und mit einer Anhänglichkeit zu seinen Geistlichen hält wie keine Nation auf Erden. Diese Anhänglichkeit an seinen Klerus hat eS genügend in seinen letzten glänzenden Siegen über den furchtbaren Bund bewährt, den Pietismus und Macht geschlossen hatten. Man hatte beabsichtigt, die Wahlfreiheit zu einer VersolgungS- waffe gegen seinen Glauben zu gebrauchen, und nun ist sie durch sein Bemühen zu einem Schutz und Schild desselben geworden. Können diesemnach Ew. Ercellenz, ja sollte der leichtgläubigste Pietist, der auf Mährchen lauscht, dem Gedanken Raum geben, die Jrländer würden jemals zur protestantischen Religion übergehen? Religion darf man eigentlich auch nicht sagen, sondern Legion ist der Name, denn sie sind zahlreich. Wie werden Ew. Ercellenz diese LoStrennung des Volkes von den katholischen Geistlichen und dieses gänzliche Aufhören ihres Einflusses mit der furchtbaren Wuth in Einklang bringen, zu welcher sich alle englischen Journalisten — Whig, Tory, Radikalen — haben hinreißen lassen? Dürfte nicht die Wahl von eilf katholischen Parlamentsmitgliedern in der Provinz Connaught, welche doch nur die geringe Zahl von dreizehn zu wählen und mit der hitzigsten Opposition zu kämpfen hatte, ein hinreichender Beweis seyn, daß daS sächsische Religionswesen unter den celtischen Bewohnern dieses westlichen Striches außerordentlich wenig Anklang findet? Ew. Ercellenz besitzen doch zu viel Ehrenhaftigkeit, um dieses in Abrede stellen zu wollen, und werden vielleicht recht bald eine ähnliche Ueberzeugung durch die Abstimmungen und daS Auftreten der Parlamentsmitglieder gewinnen. Wir werden dann wieder Gelegenheit haben, die Kundgebungen der Theilnahme der Sachsen gegen unsere auch zu sehr übertriebenen Fehler und Schwächen, nicht weniger aber die gewohnten AuSbrüche von Wuth und Rache über die wachsende Stärke und Herrlichkeit der katholischen Kirche in Irland anzuhören. Ja gerade diese feste Ueberzeugung von der tief eingewurzelten Anhänglichkeit der katholischen Bevölkerung von Irland an ihte Religion, und thr unabänderlicher Entschluß, dieselbe nicht bloß zu erhalten, sondern auch einen kühnen, gesetzmäßigen und konstitutionellen Kampf gegen den Moloch der StaatSkirche aufzunehmen, hat diese veranlaßt, neuerdings eine beträchtliche Schaar Prediger und Kirchendiener in diese Gegend zu beordern, und dafür schwere Frachtladungen von Lügen und Dichtungen über errungene Siege im Westen Irlands einzutauschen. Auch diese Umtriebe wird man nicht länger fortsetzen, da doch das Schicksal jedes neuen vergeblichen Versuches den klaren Beweis liefert, daß die Tage der Hochkirche gezählt find. Wenn aber diese geschlossene Reihe irischer Parlamentsmitglieder, welche eine noch stärkere 363 Regierung als die jetzige stürzen könnte, das Land einmal von dem Alp, welcher alle seine Anstrengungen hemmt, befreit hat, so werden sie schon von selbst den AuSgang der neunten oder zehnten Reformation im Süden oder Westen von Irland nicht abwarten. Nein, sie werden nicht zuwarten, noch auf jene süßen Versprechungen hören, deren sich die Tory- und Whigminister gleich listig zu bedienen wissen. Denn dieses ächte Celtenvolk, das in England als protestantisirt gilt, hat seinen Vertretern die Weisung ertheilt, nicht nachzugeben, noch ein Amt anzunehmen, noch irgend welche Gunst vom Ministerium, bis dieses Land von dem Drucke dieser StaatSkirche, von welcher nur schamlose Verleumdung behauptet hat, daß sie ihm zusage, befreit worden ist. Weit besser und vernünftiger wäre es daher, wenn diejenigen, welche diese Lügen von dem Fortgange der Reformation in Irland aussinnen, sich um ihr eigenes HauS bekümmerten, und sich in das allgemeine Schicksal aller menschlichen Dinge, dem auch dieses Menschenwerk nothwendig anheimfallen muß, zu fügen suchten, als daß sie unausgesetzt das Volk des einen Landes verleumden und das Volk deS andern Landes betrügen, indem sie staunenswerthe Nachrichten von erdichteten Wundern aus dem Westen Irlands mittheilen, mit denen die verbürgten Wunderberichte, welche von ihnen lächerlich gemacht werden, gar keine Aehnlichkeit haben. Die Engländer werden gerechtigkeitSIiebend genannt; wir dürfen aber nicht vergessen, daß sie selbst sich dieses Lob in Schrift und Rede beilegen. Ich glaube nicht, daß ihre Gerechtigkeitsliebe reiner und hochherziger ist als ihre vielgepriesene Freiheitsliebe, welche den besten und größten Theil für sich beansprucht und Andern nur einen geringen Antheil verstattet. Ihre Liebe zur Liederlichkeit steht, so weit Irland in Betracht kommt, durchgängig hinter dem gespendeten Lobe zurück. Aus diesem triftigen Grunde ist eS auch keine vergebliche Arbeit, wenn ich die Widerlegung der Verleumdungen von Uebertritten in Irland, welche keinem andern als dem englischen Volke glaubwürdig erscheinen, begonnen und ausgeführt habe. Diese Verleumder kann man heute und morgen widerlegen, mit derselben Unverschämtheit im Verleumden treten sie doch vor den Hintergangenen Engländern wieder damit auf. Von der Gerechtigkeit der englischen Nation haben wir daher wenig zu erwarten. Sie wird diesen Uebelstand — diese reiche Quelle von Jammer und Zwietracht — nicht heben, aber die Begeisterung deS irischen Volkes für seinen Glauben, sein fester Entschluß, das englische Volk durch die Haltung der irländischen Mitglieder im Parlamente zu überzeugen, müssen endlich siegen. Ihre Summen — der klare AuS- spruch deS Glaubens und der Gefühle der celtischen Bevölkerung — werden deutlicher als Alles, waS man sagen oder schreiben könnte, zeigen, daß sie keine Zuneigung zum Protestantismus haben. Ist so im Parlamente der Ueberzeugung Bahn gemacht, so werden auch die gedungenen Vorleser — wenn man sie Leser nennen soll, obgleich sie kaum buchstabiren können — und Prediger, welche hinter diesen Vor« läufern von Lug und Trug auf reichen Gewinn ausgehen, bald gewahr werden, daß sie, anstatt die gehofft« .Ausdehnung der Hochkirche zu sehen, sich eine bedeutende Minderung deS Gebietes nach den Forderungen der Gerechtigkeit und einer vernüns- ttgen Politik gefallen lassen müssen. Die Bewerber um dergleichen Stellen bilden sich ein, sie fänden Glauben für ihre übertriebenen Berichte und doch rufen sie nur Spott und Verwünschungen hervor. DaS englische Volk ist in der That niemals so großartig hintergangen worden, als durch die Berichte von der neuen Reformation, denen eS zur Selbsttäuschung so gerne zuhört. Der Klerus von Irland ist nicht gewohnt, mit Schatten zu kämpfen. Spricht man daher von Uebertritten im westlichen Irland und gibt die ungefähren Zahlen derjenigen an, von denen man sagt, daß sie zu den Versammlungen deS Irrthums gekommen sind, so sollte man bei der Angabe die genauen Bestimmungen von Namen und Ort und Zeit — das sind die wohlbekannten Prüfsteine der Wahrheit und Glaubwürdigkeit — doch nicht vergessen. Warum bleiben diese gerade durchgängig bei den wunderlichen Darstellungen von dem Fortgang der Reformation, wo- 3S4 mit man das englische Volk zu ergötzen sucht, ganz außer Acht? Doch wohl nur, weil eS weit leichter ist, falsche Nachrichten unter dem Deckmantel der Allgemeinheit zu verbreiten. Wenn nun auch diese Betrüger sich schon lange ungestört mit dem Betrüge abgaben und ausstreuten, daß in dieser Diöcese Massen Eingeborner — Tausende, wenn man ihnen glaubt — überträten, so fordere ich doch jetzt dieselben hierdurch auf, nicht nach Tausenden oder Hunderten zu zählen, sondern die Plätze anzugeben, wo ihrer fünfzig oder zwanzig, oder zehn sich aufhalten. Auf diese Weise wird eS ermöglicht, zu beweisen, ob und wie viel Glauben sie verdienen. — Die furchtbare Geißel der HungerSnoth hat überall tiefe Wunden geschlagen, welche noch nicht ganz vernarbt sind, und weit schlimmer war die Geißel der Verfolgung von Seiten deS Pietismus; deßungeachtet haben in beinahe fünfzig Pfarren dieser Diöcese die Betrüger in keiner Hinsicht festen Fuß fassen können. In den wenigen Psarren, in denen sie sich festzusetzen suchten, benutzten sie den Jammer der Eltern, welche ihre Kinder hinschmachten sahen und den Fanatismus der königlichen Aufseher bei den Arbeitshäusern. Diese vertrieben die Leute zuerst von HauS und Hof, jagten sie dann gleich nach der Aufnahme wieder aus dem Arbeitshause, oder verweigerten ihnen die zukömmliche Unterstützung, und ließen ihnen auf diese Weise bloß die Wahl zwischen jenem Verführergifte und dem Tode. Manche legten in solcher Noth ein Scheinbekenntniß auf den Irrthum ab, hielten jedoch kaum so lange aus, als das Schicksal auf ihnen lastete. Sie mögen diese in der HungerSnoth erhetzten Opfer einmal nachzählen, und eS wird sich ergeben, daß dieselben glücklich in den Schooß jener Kirche zurückgekehrt sind, die sie nur im Dränge der äußersten Noth verlassen hatten. Wenn sie sich dieser augenblicklichen AuSnahmSübertritte rühmen wollen, so sollten sie doch auch nicht vergessen, daß dieselben Zeugnisse wider ihre eigene Unmenschlichkeit und Grausamkeit ablegen — oder sollten die Aufmerksamkeit lieber nicht auf eine Vergangenheit hinlenken, welche doch nur ihren Schimpf und ihre Schande deckt. Ich will mich keineswegs in Vermuthungen erheben, noch aus den traurigen Erfahrungen, die ich hier gemacht habe, auf die auch anderwärts durch das schauderhafte Wühlen der hochkirchlichen Sendboten vorgekommenen Vertreibungen von HauS und Hof und Verfolgungen um der Religion willen schließen und anspielen. Nein, ich will berichten, was ich selbst gesehen, und anführen, waS Jedem handgreiflich scheint und wovon sich Jeder selbst überzeugen kann. Ist eS Ew. Ercellenz bekannt, daß in Connemara, dem eigentlichsn Herde dieser Wühlereien für daS Evangelium, ein achtbarer Gutsbesitzer feinen Pächtern mit Kündigung gedroht hat, wenn sie in ihren Wohnungen die Vornahme irgend einer Reli- gtonShandlung ihreö Glaubens gestatteten? Was wird daS Volk — daS gebildete Volk — Englands, dieser Lobredner ihrer Liebe zur Duldung, Gerechtigkeit und Menschenfreundlichkeit von der zarten Frömmigkeit dieser Eiferer sagen, wenn diese Häscher am 9. September einer Mutter, welche ihre beiden Kinder, die in der HungerSnoth mit Hunderten solcher Opfer zur Anhörung der schlechten Lehren gezwungen worden waren, in den Schutz der Kirche flüchten wollte, auf dem Wegenach Clifven förmlich auflauerten und ihnen die elenden Lumpen, wofür sie am Schulunterrichte Theil nehmen sollen, geradezu vom Leibe rissen, so daß die arme Mutter die Gefühle des AnstandeS unterdrücken mußte, um ihre Lieben dem Tempel GotteS zuzuführen und vor dem Unterrichte und Schicksale der Frauen zu Dorsetshire zu bewahren. Und doch versichert man uns, diese Uebertritte geschähen ohne jegliche Bestechung; während eben die Bestechung in den einzelnen Fällen einziger Grund ist, wenn Einer für Augenblicke abtrünnig schien. Man kannte wohl die eigenthümliche Liebe, welche in Connemara die nackten Waisenkinder kleidete. Aber es ist unmöglich, die tiefe Entrüstung gehörig zu beschreiben, von welcher daS gesammte Volk beim Anblick dieser halbnackten Kinder ergriffen wurde, dieser entwichenen Raudopfer, welchen die Wölfe wenigstens die Proselvtenkleidung noch ausgezogen hatten. Dieser Auftritt gab ihnen einen harten Stoß, und öffnete auch denjenigen wieder die Augen, welche durch die arge Heuchelei am meisten eingenommen waren. Der Hunger hat Viele aus dem 365 Volke hinweggerafft, aber die Kirchen in Connemara waren doch immer gedrängt voll, und namentlich bildete die Jugend einen beträchtlichen Theil.. ES zeigte fich auch keine Spur von dem sogenannten JumperiSmuS. Die Zahlverminderung in Folge deS Hungers und der Ausweisung wurde durch den erhöhten Eifer der Bevölkerung ersetzt, die sich ernstlich bemühte, dem nachtheiligen Einfluß derjenigen, welche sich gleichgiltig gegen die heilige Religion benahmen, entgegenzuwirken. Weiter schließt man auch auf den Fortschritt der Reformation von der Zahl der Bibelleser, welche auf der Küste zerstreut wohnen! Welch schlagender Beweis für c>ie Uebertritte der Eingebornen! — Diese sehen mit Verachtung und Hohn aus die Betrüger. Wo das Aas ist, da sammeln sich die Adler, und eS hat gewiß niemals ein Wasserrabe mit einem sichereren Instinkt seine Wohnung gefunden, als diese reisenden Kirchendiener und unberufenen Prediger die Stellen treffen, wo englische Gutherzigkeit für die irländischen Recruten reichlich fließt. Nun, sie bauen doch Kirchen! Die Steine müßten sprechen, und könnten, wenn sie in den kalten Mauern der Versamm- lungSplätze in der Einsamkeit zu Menschen würden, zum Zeugnisse über die Zahl der Versammlungen aufgefordert werden.^ Man sollte meinen, eS wären bei der Zählung von 1641 (glaub' ich) so viele protestantische Pfarreien mit sehr ausgedehnten Kirchenländern und Kirchen mit ragenden Thürmen in Irland ohne einen einzigen Protestanten vorhanden gewesen, daß man auf immer die Wiederholung der höhnenden Bemerkung, der Prote- stantiöm folge den protestantischen Kirchen nach, verhütet hätte. Ew. Excellenz werden meine Behauptung besser verstehen, wenn ich mich auf die Pfründe des Pfarrers Marly zu Annadown berufe. Dieser mußte mehrere Jahre lang — er erreichte ein schönes hohes Alter — geduldig die Rückkehr seines katholischen Küsters aus der heiligen Messe abwarten, damit ihm derselbe bei seinem einsamen Gottesdienste das Amen antwortete, denn er hatte sonst Niemand bei sich. Obgleich diese Abhaltung seines SonntagsgotteödiensteS traurig genug war, so konnte er sich doch nach einer längern Abwesenheit von Wochen, Monaten, ja von einer ganzen Reihe von Jahren rühmen, daß kein einziges Schäflein seiner Heerde ohne seine Gegenwart gestorben sey. Solche Vorfälle, mögen sie nun spaßhaft oder traurig seyn, müssen selbst in der ernsthaftesten Stimmung ein Lächeln hervorrufen. Aber selbst der roheste und verworfenste Mensch hat doch ein Gefühl für Recht und Gerechtigkeit, welches fich gegen die Fortsetzung eines solchen Unwesens sträubt. So gut wie Connaught könnte jede Provinz in Irland und vorzüglich Munster noch manchen solchen Marly aufweisen, abgesehen davon, daß die protestantischen Polizei- und Zollbeamten kürzlich in der Nähe einer solchen Kirche eines Pfarrers ohne Pfarrkinder angestellt und so manche künstliche Gemeinden gebildet werden. Und zur Verewigung solchen Possen- spielS, welches der katholischen Bevölkerung so lästig und für die Regierung so unangenehm ist, will man die Errichtung von kleinen Kammern — den Namen Kirche verdienen sie nicht — noch weiter treiben? Solche unsinnige und unnütze Pläne sollten doch endlich einmal aufgegeben werden. Diese so lange mißbrauchten kirchlichen Fonds sollten nach Abzug der Leibrenten ihrer jetzigen Inhaber ihrer ursprünglichen Bestimmung gemäß für fromme Zwecke der Nächstenliebe und Erziehung für Katholiken verwandt werden. Zu lange sind diese Einkünfte verschleudert worden, ohne andern Erfolg als die Fortpflanzung von Mißstimmung und die Aufrechthaltung eines unseligen Einflusses. Es würde ersprießlich seyn, wenn diese Gelder zur Erbauung und Fundirung katholischer Schulen und zur Erbauung katholischer Kirchen, und so weit die Ueberschüsse reichen, zum Ankauf katholischer Ländereien verwendet würden, alle frei und unabhängig von einer mißtrauischen Einmischung von Seite der weltlichen Macht, wie eS zuerst war, ehe diese Fonds ihren frommen Zwecken entzogen wurden. Nur unter diesen Bedingungen werden sie zurückgefordert, und unter keinen andern werden sie angenommen. Unter diesen Umständen würde eS ein großer Fehlgriff seyn, sie vorenthalten zu wollen. Es ist dieß nur eine gerechte 3S« und zwar späte Rückgabe von Eigenthum, welches lange seiner rechtmäßigen Bestimmung entfremdet war. Und was unsere Zukunft — daS tägliche Brod des katholischen KlcruS — angeht, so wird der sich ausschließlich auf jene reiche Quelle, die bisher niemals versiegte, auf die freiwilligen Beisteuern eines dankbaren Volkes verlassen. Und dieses wird mit zunehmender Begeisterung seinen religiösen Pflichten geniigen, wenn es erst durch schützende Maaßregeln die Früchte seines Fleißes genießen kann. Was die protestantische Kirche angeht, so dente man doch nicht länger mehr an deren Aufrechthaltung in Irland. Man behandelte sie vielmehr wie die Freihandelsfrage und stelle der unvermeidlich nothwendigen Fortentwickelung anheim, was ein Staatsmann nicht hemmen kann. DaS katholische Volk dieser Gegend wird nicht eher ruhen, bis eS ihre gesetzliche Aufhebung erlangt hat. — Die Art liegt bereits an der Wurzel deö BaumeS, und da die Zeit daS fluchwürdige Verderben seiner Früchte nur zu gut dargethan hat, so wird man vergebens seinen unvermeidlichen Fall aufzuhalten suchen. Ich habe die Ehre zu verharren Ew. Excellenz gehorsamer Diener -j- John, Erzbischof von Tuam. (Schi. K. Bl.) Jesuitenmiffion in Bamberg. Bamberg, 6. Nov. Um in der Darstellung der dermalen dahier stattfindenden überaus großartigen Mission fortzufahren, so handelte am letzten Samstag die erste Predigt vom Geize (P. Fruzzini), die zweite vom Mißbrauch der Rede (P. Ottiger), die dritte abermals von den Pflichten deS Ehestandes (P. Roder), die vierte vom Glauben (P. Anderledy); am Sonntag als dem Anfange der zweiten MissionSwoche die erste von Christus als unserm Beispiel (P. Ottiger), die zweite von der Bekehrung deS Sünders (P. Fruzzini), die dritte von der Verehrung Maria, außerordentlicher Weise in der Pfarrkirche zu U. L. Fr. gehalten (P. Roder), die vierte von der Gottheit Christi (P. Anderledy); am Montag die erste von der Genugthuung (P. Fruzzini), die zweite von der Verehrung der Heiligen (P. Roder), die dritte von der Gleichgiltigkeit in Betreff des Glaubens (P. Anderledy), die vierte von den Merkmalen der wahren Kirche (P. Roder); am Dienstag die erste vom Gebet (P. Ottiger), die zweite vom Gebet für die Verstorbenen (P. Fruzzini), die dritte von dem Lehr-, Priester- und Regierungsamte in der Kirche (P. Anderledy), die vierte von der Habsucht (P. Roder); am Mittwoch die erste von der Menschenfurcht (P. Ottiger), die zweite vom Oberhaupte der Kirche (P. Anderledy), die dritte von den Pflichten der Dienstboten (P. Roder), die vierte von der Versöhnung der Feinde (P. Roder); am Donnerstag die erste von der rechten Beicht und Communion (P. Fruzzini), die zweite von der unwürdigen Beicht und Communion (P. Ottiger), die dritte von der Gegenwart Christi im heiligen Altarssakrament (P. Anderledy), die vierte von den aus dieser Gegenwart sich ergebenden Pflichten (P. Roder). Am Schlüsse der letzten fand die feierliche Abbitte vor dem Allerheiligsten in Anwesenheit Sr. erzbischöflichen Ercellenz und eines zahlreichen Klerus statt. Am letzten Sonntage so wie am Feste aller Heiligen und dem Gedächtnißtage aller Seelen war daS Zuströmen von auswärtigen Andächtigen ein außerordentliches und bot ein dahier vielleicht noch nie gesehenes Schauspiel. In der großen MifsionSkirche fand man während der Predigten kaum mehr ein freies Plätzchen von den Stufen des Hauptallars bis zur großen Pforte, welche offen stand, um auch den außerhalb Stehenden nach Möglichkeit Gelegenheit zum Hören deS göttlichen - Wortes zu geben. Wer einmal in der Kirche einen Raum zum Stehen erlangt hatte, mußte unbeweglich stehen bleiben. Außerdem waren die übrigen Pfarrkirchen so wie die Kirche zu St. Jakob gedrängt voll von Beichtenden. Das Volk auS allen Ständen und mitunter von weiter Ferne wogte in der Art durch die Straßen zu den Kirchen, daß die ganze Stadt das Bild einer großartigen, wohl geordneten, bedeu- 367 tmigSvollen, erbaulichen Bewegung darbot. Man hörte von Leuten sprechen, daß sie halbe und ganze Tage in den Kirchen standen, um zur Beichte zu gelangen. ES gab Leute, welche die Kirchendiener baten, ihnen zu gestatten, ihre Andacht durch die ganze Nacht in dem Hause Gottes fortsetzen zu dürfen. Aus einigen benachbarten Pfarren, so von Hallstadt und Döringstadt, wie vorher von Trunstadt:c. kamen große Wallfahrten Hieher. Doch die großartigste Erscheinung war die Procession, welche sich am letzten Sonntag zur Verehrung Maria aus der St. Martinskirche in die obere Pfarrkirche zu unserer lieben Frau bewegte. Sie wurde eröffnet von der Jugend; hierauf folgten zwölf Jünglinge, welche daS silberne Standbild der heiligen Jungfrau Maria, umgeben von etwa 15V weißgekleideten, theils Lilien, theils brennende Kerzen in den Händen habenden Mädchen, trugen; darnach der zahlreiche KleruS der Stadt mit dem hochwürdigsten Domcapitel, in dessen Mitte sich unser hochwürdigster Herr Erzbischof zur allgemeinen Freude des Volkes befand; endlich eine unübersehbare Masse des Volkes. Wie ein Meer rauschte der Gesang „Mutter Christi hocherhoben" und „Sey gegrüßt, o Jungfrau rein" auS dem Munde von Tausenden und Tausenden. Zwischen den beiden genannten Kirchen stand nach der ganzen Breite der Straße Mann an Mann. Es war ein Triumphzug ohne Gleichen. Wer, der noch Sinn hat für das Ewige und Geistige, bewunderte nicht die Macht des Glaubens in der Stadt und dem Hochstiste des heiligen Heinrich! Am nächsten Sonntag Nachmittags 2 Uhr findet die Schlußfeier der Mission statt Kirche und Presse in Bayern. Wie soll (wenn von Kirchenfreiheit anders nur noch von Ferne her geredet werden kann) die katholische, zunächst die publicistische Presse gegenüber der Kirchenbehörde und gegenüber der Staatsbehörde stehen? Von der Beantwortung dieser Frage hängt für das Heil der Kirche vieles ab. DaS fühlen die Männer der Kirche, daS fühlen aber auch die' Feinde und Gegner der Kirche von allen Farben sehr gut. Wir wollen versuchen, darauf zu antworten. Daß die katholische Presse nicht beansprucht, im Staatsregiment mitarbeiten zu wollen, versteht sich von selbst; daß sie aber aus kirchlichem Gebiete immer innerhalb deS kirchlichen Gesetzes freie Bewegung verlangt, versteht sich auch von selbst. Jeder Bischof hat offenbar das Recht, einen Priester oder auch einen katholischen Laien, welcher Irrlehren verbreiten oder gegen die Kanones der Kirche schreiben wollte, vor sich zu citiren und mit ihm kanonisch zu verfahren; ja jeder Bischof hat sogar die Pflicht dazu. Zu diesen wie zu andern Bchufen sind ja auch die kirchlichen Gerichte in den Diöcesen anbefohlen, und sie werden sicherlich auch ins Leben treten, wenn die provisorischen Zustände einmal zu Ende gehen werden. Jeder katholische Publicist soll also schreiben, daß er sich vor dem Gerichte seines Bischofs über das Geschriebene jederzeit verantworten kann. Wie traurig wäre es selbst mit den Ueberresten freier kirchlicher Bewegung bestellt, wenn eine Kirchenbehörde deßhalb, weil ihr geschriebene Wahrheiten mißliebig sind, sich an die weltliche Behörde wenden wollte mit dem Ansuchen, eS soll eine Schrift oder eine Zeitung eines Geistlichen von Seite der weltlichen Behörde unterdrückt werden? Läge nicht schon im Betreten eines solchen heimlichen Nebenweges daS tiefinnerliche Gefühl, daß man eine unrechte That vorhabe, für welche man vor der Oeffentlichkeit nicht wagt die Verantwortung auf sich zu nehmen? Das wäre also offenbares Unrecht einer kirchlichen Behörde, ja eS wäre dann sogar eine große Pflichtverletzung, wenn eine solche Schrift für daS Recht der Kirche kämpfend einsteht; denn in einem solchen Falle ist es ja sogar Pflicht der Kirchenbehörde, dem Worte der Wahrheit Geltung und Eingang zu verschaffen und sür dasselbe einzustehen. Emen solchen Fall haben wir so eben in Bayern. Die vortreffliche Schrift: „DaS Recht der Kirche und die Staatsgewalt in Bayern" wurde für Bayern mit Beschlag belegt. Die Schrift enthält in Mäßigung, aber auch in Entschiedenheit die Forderung, daß daS Concordat solle aufrecht erhalten werden, und zeigt durch die trockene Er- 368 zählung von schlagenden Thatsachen, wie diese Ausrechthaltung bisher nicht geschehen ist, wie im Gegentheil die wesentlichsten Puncte durch Mißbrauch bis auf diese Stunde zum größten Nachtheil der Kirche umgestoßen wurden. Wie wir nun vernehmen, hat der hochwürdigste Herr Erzbischof von München-Freising bereits sich geäußert, daß er seinerseits mit dem Verbot einer Schrift nicht einverstanden seyn könne, welche den Boden der Wahrheit und des kirchlichen Rechts nicht verlasse, und die nur diejenigen gerechten Forderungen wiederholt und mit Thatsachen unterstützt, welche die Bischöfe in ihrer Denkschrift ausgesprochen haben. Was sollen aber auch die Bischöfe Bayerns von der Gewährung der in ihrer Denkschrift aufgestellten Puncte für eine Erwartung hegen, wenn eine Schrift, die dasselbe auS- spricht, was in der Denkschrift steht, und gegen welche vom kirchlichen Standpunct nur RühmenSwertheS gesagt werden kann — von Seite der Staatsbehörde den Katholiken Bayerns nicht einmal zu lesen erlaubt wird? Die Tragweite und die Folgen eines solchen Verbotes liegen auf offener Hand. Wie ehrenwerth ist der katholische KleruS während der Z?it des Aufruhrs, in ganz Bayern, besonders aber in der gefährlichen Revolution in der Pfalz dagestanden — so daß selbst König Ludwig seine offene Anerkennung darüber schriftlich und mündlich mehrmal ausgesprochen; — diesem katholischen KleruS nun dürfte doch von Seite des Ministeriums eine andere Behandlung gebühren als jene, welche demselben jetzt widerfährt. Aber die Weisheit predigt draußen, wie es im Buch der Sprichwörter im ersten Capitel heißt, und eS dürfte allen jenen, welche sich die Ohren vor der Wahrheit zuhalten, nicht schaden — wenn sie dieses Capitel vom Anfang bis zum Ende aufmerksam durchlesen wollten! (W. Kirchenz.) Nordamerika. Im vorigen Jahre entstand zu Rom eine amerikanische GcsandtschastScapelle. Die amerikanischen Gesandten zu Paris, Wien, St. Petersburg, Constantinopel und in andern Hauptstädten haben nie besondere Gesandtschaftscapellen noch Gesandtschafts- capläne gehabt. So ist eS auch in der Ordnung, denn die vereinigten Staaten Nordamerikas haben ja keine StaatSreligion, sondern sie haben die Trennung des Staates von der Kirche aufs vollständigste durchgeführt. Man kommt daher auf die Vermuthung, daß bei der Eröffnung dieser americanischen Gesandtschaftscapelle andere Zwecke verfolgt werden. Ein Geständnis; hierüber finden wir in einem protestantischen Blatte, welches unter dem Titel: „Ms cnristisn IntelliAkneer^ zu New-Aork erscheint. Dieses enthält in der Nr. vom 3. Mai 1851 einen Brief aus Rom, in welchem eS heißt: „Ich habe Ihnen gemeldet, daß hier eine amerikanische preSbyterianische Capelle besteht, deren Pfarrer der Geistliche HastingS ist. Er ist dem Scheine nach Caplaii der Gesandtschaft der vereinigten Staaten, wird aber in der That von der Gesellschaft der amerikanischen Missionen zur Unterdrückung der katholischen Kirche verwendet. Die englische Kirche wird zu Rom nicht geduldet, und diese protestantische Kirche ist nur erlaubt, weil sie sich unter dem Namen der Gesandtschaft der vereinigten Staaten verbirgt." (M. Sbl.) _ Peru. Während die Kirche in Neu-Gran ada verfolgt wird, indem man die geistlichen Orden verbannt, die Güter der Geistlichkeit einzieht, die Bischöfe vertreibt, oder doch in der Ausübung ihres heil. Amtes hindert, schlägt die Regierung in Lima den ganz entgegengesetzten Weg ein. Sie sucht mit dem Mittelpuncte cer kathol. Einheit, dem heiligen Stuhle, in immer engere Verbindung zu treten. Der Präsident, General Etchenique, schickt den Vorsteher seines CabinetS, Herrera, einen jungen Priester, welcher sich schon durch sein Talent rmv seine Ergebenheil sür Gott und sein Vaterland berühmt gemacht hat, als Gesandten nach Rom. Als Mitglied deS Parlaments von Peru verfocht er immer die Rechte der Kirche und die Unabhängkeit der geistlichen Macht. (M. Sbl.) Bera-twortlicher Redacteur: L. Schönchen. VerlagS-Jnhaber: F. C. Kremer. Zwölfter Jahrgang. Sonntags-Beiblatt zur Augsburger Pojlzeitung. 21. November 185S. Dieses Blatt erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der halbjährige Abonnementspre!« kr., wofür es durch alle köuigl. bayer. Postämter und alle Buchhaudlnugeu bezogen werden kann. Die Heiligen und Heiligenbilder der katholischen Kirche. *) Die Wittembergische Confession sagt: „ES unterliegt keinem Zweifel, daß daS Andenken jener Heiligen, welche, als sie noch im Fleische wandelten, der Kirche nützten, im Herzen aller Frommen heilig gehalten werden müsse." Die AugSburgische Confession hält eS sür nützlich, wahre Geschichten frommer Personen zu erzählen, weil gute Beispiele nicht ohne Vortheil seyen, und die helvetische Confession sagt sogar, die Heiligen müßten, behufs der Nachahmung, geehrt werden. Die katholische Kirche bestimmte nieEtwaS über den Namen der Ehre, welche sie den Heiligen erweist. Indessen unterscheidet sie einen zweifachen ReligionSact, einen unmittelbaren und mittelbaren, wovon keiner auf Goll allein bezogen wird. Ueber letzteren äußert sich AmasiuS folgendermaaßen: „Die Geschöpfe muß man auS Achtung gegen Gott verehren und nicht aus Achtung gegen sie selbst, und die Religion befiehlt nach der Lehre der Scholastiker eine solche Verehrung." Selbst Luther schreibt: „Die Obrigkeiten, der Kaiser, König, Fürst, Consul, Doctor, Prediger, Lehrer, Schüler, Vater, Mutter, die Kinder, der Herr, der Knecht u. s. w. sind Personen, welche wir nach dem Willen Gottes für seine Geschöpfe erkennen, fromm verehren und die auch auf dieser Welt seyn müssen. Aber er will nicht, daß wir sie zu Göttern machen." Weil wir nun die Verehrung GotteS von jener der Heiligen unterscheiden, und letzteren wegen ihrer übernatürlichen Herrlichkeit und Gnade eine größere Ehre, als den Sterblichen erweisen, welche auf Erden wandeln, so ist kein Grund vorhanden, die Heiligenverehrung zu verwerfen. Die Anrufung der Heiligen ist nicht zum Heile nothwendig, sondern nur erlaubt und nützlich: Loths Gebet rettete die Stadt vom Untergänge; Jakob sagte, indem er seinen Enkeln den Segen ertheilte: „der Engel, welcher mich vor allem Uebel bewahrte, sogar diese Knaben u. s. w." Endlich schreibt der heil. Johannes: „Gnade euch und Friede von Dem, der war und seyn wird, und von den sieben Geistern, die vor seinem Throne stehen." Durch diese Worte fleht Johannes nicht nur bei Gott, sondern auch bei den sieben Geistern, die vor seinem Throne stehen, um Gnade und Frieden. Die Protestanten geben auch zu, daß die Engel nicht stumm seyen, sondern' daß der eine zum andern durch die Richtung seines Willens reden könne. Wenn also ein Engel durch die Richtung seines Willens den Gedanken eines andern kennen lernt, oder demselben seine Gesinnung mittheilt, so können sie gewiß auch unsere Bitten, welche wir durch unsern Willen an sie richten, erfahren. Muß man aber den Engeln diese Kenntniß zugestehen, wie kann man sie den Heiligen absprechen, ») Mainzer S.-Bl. 370 welche im Himmel herrschen? Sagt doch selbst Christus von ihnen: „Sie können nicht mehr sterben, weil sie den Engeln gleich und als Kinder der Auferstehung Kinder Gottes sind." Aber die Protestanten reden gewöhnlich von den Heiligen wie von den Todten, obgleich die Heiligen sich eines weit höhern Lebens erfreuen als wir, und Theil nehmen am unerschaffenen Lichte und der ewigen Herrlichkeit. „Unvollkommen," schreibt der Apostel,, ist unsere Erkenntniß, und unvollkommen unser begeisterter Vortrag; wann aber das Vollkommene erscheint, dann wird das Unvollkommene aufhören." Reichlicher begabt Gott die Heiligen, welche mit ihm in den seligen Gefilden herrschen, als die Pilgrime in diesem Erdenjammerthal. Wenn der Prophet ElisäuS im Geiste sah, wie Naaman, der Syrer, seinem Diener Giezi Geschenke machte; sollten denn die Heiligen, wenn gleich von unS abwesend, nicht auch die Bitten wahrnehmen, die wir an sie richten? Wenn ElisäuS nicht der Augen bedürfte, um seinen Knecht zu sehen, warum sollen die Heiligen der Sinne bedürfen, um unsere Bitten wahrzunehmen? Wenn Jener von oben die Gnade erhielt, um abwesend zu sehen: um wie viel mehr werden sich die Heiligen dieser Gnade zu erfreuen haben, da ihnen Gott Alles in Allem geworden ist? Daniel wußte die mystische Auslegung jenes Traumes, den Nabuchodonosor hatte; Samuel sah die geheimsten Falten des Herzens Sauls; Abdias kannte die Verstellung von JerobeamS Weib; EliaS, aufgenommen ins Paradies, tadelte den König Joram in einem Briefe; und Gott sollte den Heiligen, welche schon im Besitze des Vollkommenen sind, indem bei ihnen das Unvollkommene aufgehört hat, geringere Gnaden zufließen lassen? Gewiß würbe sich Jakob nicht an die Engel gewendet haben, damit sie seinen Enkeln den Segen ertheilten, wenn er nicht überzeugt gewesen wäre, daß die Engel die Bitten, welche er an sie richtete, kennten. Eben so glaubte der heilige Johannes, daß die sieben Geister sein Gebet wüßten, und wenn David singt: „Im Angesicht der Engel will ich dir lobsingen," so glaubte er gewiß, daß ihn dieselben nicht nur sähen, sondern auch hörte». Auch aus deu Worten Christi: „Im Himmel wird Freude über einen Sünder seyn, der sich bekehrt," geht hervor, daß sich die Engel nicht nur über die Bekehrung der Sünder im Allgemeinen, sondern auch über die Bekehrung eines einzelnen Sünders freuen. Woher aber diese Freude, wenn sie von der Bekehrung des Sünders nichts wissen? „WaS gab es Geringeres als den Schatten deö heiligen PetruS." Und doch verehrte ihn das Volk und Gott wirkte durch denselben Wunder. Gott wirkte Wunder durch die Tücher und den Gürtel des heiligen Paulus; man dürfte sie nur auf Kranke legen, um Krankheiten und böse Geister von ihnen zu vertreiben. Jene Frau, welche am Blutflusse litt, und das Kleid Christi berührte, erhielt ihre Gesundheit wieder. ElisäuS theilte durch Berührung mit dem Mantel deS Elias die Gewässer; ein Todter erhielt durch Berührung der Gebeine des ElisäuS daS Leben wieder, und als Moses aus Egypten wanderte, nahm er die Gebeine des Joseph mit. Hierzu bemerkt Chemnitz: „Gewiß haben die Jsraeliten die Gebeine Josephs ehrfurchtsvoll aufbewahrt." Die JSraeliten führten gewiß ehrfurchtsvoll Josephs Gebeine aus Egypten ins gelobte Land. Wer kann nun nach dem so eben Angeführten in Abrede stellen, daß man die Reliquien der Heiligen in Ehren halten müsse und verebren könne? Die Katholiken beten weder die Heiligen an, noch halten sie sie für Götter, sondern glauben, die Ehre, welche sie den Heiligen beweisen, gehe auf Gott, deu Urheber ihrer Heiligkeit, der allein anzubeten ist. Eben so wenig beten sie die Bilder der Heiligen an oder verehren dieselben um ihrer selbst willen, sondern wissen, die Ehre, welche sie den Bildern derselben erweisen, beziehe sich auf die Heiligen selbst. Wenn man einem König einen Schimpf anthut, indem man sein Bildniß beschimpft: Warum sollen wir jene Bilder nicht verehren; welche uns an Gott wohlgefällige Personen, an seine besondere Freunde erinnern? Wenn es den Protestanten erlaubt ist, sich vor einer Wand niederzuknieen, um zu Gott zu beten: warum soll eS den Katholiken nicht gestattet seyn, sich vor einem Krucifix niederzuwerfen, welches ihnen 371 die empfangenen Wohlthaten besonders ins Gedächtniß zurückruft? Die Juden beteten Gott bei der Bundeslade an, welche sie in großen Ehren hielten, und doch war diese nur ein Bild Gottes, wie denn auch die Cherubim, welche sich über ihr befanden und gleich ihr verehrt wurde», ebenfalls nur Figuren waren. Die eherne Schlange, ein Vorbild Christi, hatte die Macht, Alle, welche von den feurigen Schlangen gebissen worden waren und sich ihr nahten, zu heilen. Nach der Lehre der Refor- mirtcn wird im Abendmahl nur vaS Zeichen, daS Bild des Leibes Christi genossen, und doch will Calvin, daß seine Anhänger es mit Ehrfurcht empfangen. Die Protestanten geben zu, daß die Worte Zeichen der Dinge seyen. Nichtsdestoweniger findet man wohl Solche unter ihnen, welche beim Namen eines irdischen Fürsten das Haupt entblößen, aber dem allerhciligsten Namen Jesu keine Ehre erweisen, obgleich der Apostel schreibt: „Im Namen Jesu sollen sich beugen alle Kniee Derer, die im Himmel, auf Erden und unter der Erde sind." Am besten kann Johannes Huß die Protestanten über die Verehrung der Heiligenbilder belehren, indem er schreibt: „Obgleich die Menschen vor einem Bildnisse Christi oder irgend eines Heiligen die Kniee beugen, beten, opfern und Kerzen anzünden, so thun sie dieß nicht im Namen dcS Bildes, sondern im Namen Dessen, welchen dasselbe vorstellt, so wie denn auch nicht daö Bild seiner selbst wegen, sondern wegen Desjenigen, der aus ihm abgebildet ist, vor den Menschen ausgestellt wird." (Fortsetzung folgt.) Christliche Lefefruchte und Betrachtungen eines Laien. 1. So wie Gott einst wegen eines einzigen Gerechten einer ganzen Stadt verschonte, so kann Seine Barmherzigkeit auch das ganze Leben eines reuigen Sünders auch nur wegen eines einzigen demuthövollen und gläubigen Gebetes, auch nur wegen einer einzigen demuthvollen Unterwerfung unter Ihn in Gnaden aufnehmen. 2. Die heiligen Evangelisten erzählen fast von keinem Wunder Christi, wo sie nicht bemerken, daß Christus beigefügt habe, der Glaube habe dem Geretteten oder Begnadigten geholfen. Eben so bemerken sie fast bei jedem von ihnen erzählten derartigen Wunder des Herrn,-daß er den Begnadigten befahl, es Niemanden zu sage«. Allein fast Alle, bemerken sie, verbreiteten es dann nur desto mehr. 3. Wenn die heiligen Evangelisten von der Erscheinung eines Engels, z. B. bei den Hirten, beim Zacharias, beim heiligen Grab ic. erzählen, so fügen sie fast immer bei, daß man sich vor dem Engel fürchtete, und daß der Engel sagte: „fürchtet euch nicht!" 4. Wenn dein Geist oft zum Herrn schöne, glühende Worte hinaufsendet, dein kühles Herz aber seine Leere fühlt und sich sehnet, von der Liebe zu Ihm entzündet zu werden, dann ergib dich still und demüthig in deine innere und äußere Lebenslage; daS ist dann daS beste Gebet. 5. Wenn dir die Andacht nicht recht gelingen will oder du dich nicht von der Gnade gehoben fühlst, so sey zufrieden mit dem Wenigen, was dir Gott gibt; nimm eS immer hin voll Dank als Gabe GotteS; denk', daß du ja nicht einmal dieses Wenige verdient hast. 6. Wenn sich der Christ mit dem Zeichen des heiligen Kreuzes bezeichnet, so mag er erwägen oder denken: 1) (Stirne.) Der Vater ist der schaffende Geist; gehciliget seyen auch die Gedanken des erschaffenen Geistes! (Mund.) Der Sohn ist das ewige Wort; geheiliget sey auch bei mir der Gebrauch des Wortes! (Herz.) Der heilige Geist erleuchte und heilige mein Herz! 372 2) (Stirne.) Christ! benutze deine Gedanken! (Mund.) Christ! benutze deine Zunge! (Herz.) Christ! kreuzige dein Herz und seine Begierden! 3) (Stirne.) Betrachte im Geiste stets das Leiden und Kreuz deines Heilandes! (Mund.) Lobpreise dein ganzes Leben hindurch deinen Erlöser, der für dich am Kreuz gestorben ist! (Herz.) Trachte, Ihn zu lieben aus allen Kräften deines Gemüthes I 7. Wie kann denn der sündige Mensch Gott für Seine Erbarmuugen und Wohlthaten irgend würdig danken? ich wüßte keinen bessern Weg dazu, als daß er mit Geduld und Ergebung leidet, was Gott über ihn verhängt. B a m b e r g. Im Kölner Domblatt finden wir von E. W. (Ernst Weyden) folgende interessante „Reisenotiz." Jedem wahren Dombaufreunde ist eS ein wohlthuendes, erhebendes Gefühl, auch fern von Köln Männer zu finden, welche für das herrliche Werk und seinen gedeihlichen Fortgang wahrhaft, begeistert sind. Viele solcher Dombaufreunde fanden wir im südlichen Deutschlande, wo überhaupt der Sinn für deutsche Kunst ein leben« diger, ein werkthätiger ist, wie dieß die Wiederherstellung einzelner Kirchen, viele öffentliche Neubauten und die Pflege deutscher Kunst in den Gewerbe- und polytechnischen Schulen am schönsten bekunden. In Bayern fand dieses Streben die erste Anregung, Aufmunterung und Unterstützung in dem edlen, hochsinnigen Wiederbeleber deutscher Kunst nach so langen Jahren der Schmach und Mißachtung, in König Ludwig I. Durch sein Wollen und Wirken ist die deutsche Kunst zu einer Höhe der Entwicklung gelangt, die vor ihm die Geschichte nicht gekannt, und welche um so großartiger belebend wirkte, da dem königlichen Kunst-Mäcen, dem gleich Deutschlands Annalen keinen Zweiten aufzuweisen haben, alle Einseitigkeit fremd, sein reiner Kunstsinn alle Richtungen wahren KunsistrebenS mit gleicher Liebe, gleicher Fürsorge umfaßte. Mit welcher begeisterten Liebe König Ludwig den großen Gedanken der Vollendung unseres DomeS ergriff, ist bekannt und hat allseitig den wärmsten Dank der Anerkennung gefunden. Daß seine Begeisterung für daS herrliche Gotteshaus eine lebendige, werkthätige, dieß bekundet das königliche Geschenk der prachtvollen Fenster, mit dem er den Tempel schon verherrlichte, dieß beweisen die bedeutenden Beiträge, welche Bayern bis dahin zum Foribaue unseres Domes gespendet hat und noch sürder spenden wird, da Ludwigs Nachfolger, König Marll., nach den trüben Jahren politischer Wirren den^ bayerischen Dombauverein zu erneuerter Thätigkeit aufgefordert hat und die Sammlungen bereits wieder begonnen haben sollen. In allen Ständen zählt Bayern viele der wärmsten Dombaufrcunde, unter denen aber vor allen Martin Joseph von Neider in Bamberg genannt zu werden verdient. Der enthusiastische Kunstfreund, ein rüstiger SechSziger, ist ein durch und durch gebildeter Architekt, bei welchem die Theorie selbst frisch grünt, der mit einer, man darf sagen jungfräulichen, heiligen Begeisterung für altdeutsche Kunst lebt und strebt, und namentlich das innere, noch so wenig gekannte Wesen altdeutscher Baukunst lebendig erfaßt hat. Den größten Theil seines in jeder Rücksicht anspruchslos, aber um so fruchtbringender wirkenden Lebens — er ist Lehrer deö technischen Zeichnens an der Bamberger Landwirthschafts- und Gewerbeschule — hat er dem Studium der altdeutschen Kunst und vorzüglich ihrer Bauweise gewidmet, und mit Opfern aller Art, vielleicht selbst mit Entbehrungen, eine Sammlung von Werken über diesen Kunstzweig, von Plänen, Grund« und Aufrissen altdeutscher Bauwerke zu Stande gebracht, die als einzig in. ihrer Art bezeichnet werden kann und der mehr 373 als aufopfernden Liebe des Edlen für dieses, erst seit dem Beginne unsers Jahrhun« derts wieder gewürdigte, in seinen unerreichten Werken so großartige Kunststreben daS rühmlichste Zeugniß gibt. Die Ergebnisse seines unermüdlichen Bienenfleißes hat der eben so bescheidene als verdienstvolle Mann, eine wahre, aber seltene deutsche Künstlernatur, in zwei Schulprogrammen der Anstalt, an welcher er wirkt, unter dem Titel: „Die Bemühungen in Erforschung der Denkmäler altdeutscher Baukunst, vorzüglich ihrer Bauregeln" (Bamberg, gedruckt in der Humann'schen Officin. 4. 1841 und 1847), niedergelegt. In diesen Abhandlungen findet der Freund altdeutscher Kunst ein möglich vollständiges Verzeichnis) aller Werke, die besonders in Deutschland, dann in Frankreich und England über das Wesen der altdeutschen Baukunst, ihre Ornamentik u. s. w. bis zum Zeitpunct ihres Erscheinens herausgegeben wurden, mit höchst schätzenSwerthen Andeutungen. Gar Mancher mag sich sonst bei dem eben so leutseligen als dienstfertigen Manne schon Rath geholt und Aufschlüsse gefunden haben, die er anderwärts vergebens suchte; gar Mancher mag sich schon mit v. ReiderS Verdiensten geschmückt haben, während dieser selbst sein höchstes Glück einzig darin findet, für die Wiederbelebung ächt deutschen KunststrebenS, für die wahre Würdigung, daS Verständniß altdeutscher Bauwerke anregend und fördernd wirken zu können, v. Neider war es, dessen umsichtigen Rath der leider zu früh Heimgegangene Erbauer der Aukirche in München, Ohlmüller, bei diesem einfach schönen Baue freudig und dankbar benutzte; v. Neider lieferte sehr schätzbare Beiträge zu dem anerkannt tüchtigen Werke des auch schon verstorbenen Friedrich Hoffstadt: „Gothisches ABC-Buch, daS ist: Grundregeln deS gothischen Styls für Künstler und Werkleute", und durch v. ReiderS umsichtigen Rath unterstützt, vollendete der Modelleur Schropp aus Erfurt auch in Bamberg das große Dom-Modell, das, als einzig in seiner Art, jetzt in Köln bewundert wird. Möchte sich Herr v. Neider nur veranlaßt sehen, zum wahren Nutzen und Frommen altdeutscher Kunst, zur Förderung deS wahren Verständnisses ihrer Bauweise und dtten Verbreitung seine eben so gründlichen als seltenen Kenntnisse, seine mit einem so unsäglichen Fleiße gesammelten Schätze und Erfahrungen in einem umfassenden Werke bekannt zu machen, damit ein so überreicher Schatz nicht mit ihm verloren gehe, damit dem Vaterlande Gelegenheit geboten werde, sein Verdienst um altdeutsche Kunst kennen zu lernen und zu würdigen. Jeder Kunstfreund, der auf seinen Wanderungen daS so malerisch gelegene Bamberg besucht, findet in Herrn v. Neider den leutseligsten und kenntnißvollsten Cicerone. Er kennt Bamberg und seine Geschichte auswendig, ist bis zu den kleinsten Details mit dem massenprächtigen und doch bauzierlichcn Dome, dem vollendetsten Meisterwerke byzantinisch-romanischer Bauweise in Deutschland, vertraut, hat sich selbst um dessen Wiederherstellungsbau in mancher Weise verdient gemacht. Sein höchster Genuß ist eS, Jemanden die Kunstgenüsse BambergS zugänglich machen zu können, unter denen als einzig und wirklich vollständig die Sammlung von Kupferstichen und Holzschnitten Dürers und CranachS hervorzuheben ist, welche sein Freund Heller unter seinem Beistande anlegte, und die jetzt neben vielen merkwürdigen Manuskripten, Jncuuabeln und bibliographischen Seltenheiten auf der Stadtbibliothek aufbewahrt wird. Wir sind dem Ehrenmanne für seine rührende Leutseligkeit zu ganz besonderm Danke verpflichtet, der ihm hier öffentlich dargebracht sey. Daß ein so begeisterter Freund altdeutscher Kunst, wie Herr v. Neider, auch für unsern Dom mit der ganzen Gluth einer frommen Künstlerseele schwärmt, wer sollte daran zweifeln. In seiner Sammlung findet man alles, waS nur in entferntester Beziehung zu unserm Dome steht, und außerdem viele Kunstschätze auö der Blüthezeit Kölns, die selbst in der Vaterstadt selten. Er zog, ein frommer Pilger, mit heiliger Sehnsucht nach dem erhabensten Heiligthume deutscher Kunst, unserm Dome, als der königliche Protektor deö heiligen Baues am Sonntag den 4. September 1842 den Grundstein zu seinem Fortbaue 374 legte, auf dem, trotz aller Sturmwirrcn der Zeit, Gottes Segen sichtbarlich ruht. Der gottbeseelte Kunstfreund findet darin eine glückliche Vorbedeutung für den Welterbau, daß sich durch Versetzung der Zahlen 1842 merkwürdiger Weise das Jahr der ersten Grundsteinlegung 1248 wieder findet, diese Zahlen sich in geometrischer Ordnung folgen und dabei gerade die wichtigsten sind, deren sich die altdeutschen Baumeister bei ihren Entwürfen bedienten, nämlich das 4 und 3 Ort; addirt man die Zahle» 1 und 2, so erhält man 3, so wie diese zu 4 addirt die Zahl 7 gibt. Jefuitenmission in Bamberg. Bamberg, 13. Nov. Wir theilen den weitern Verlauf und Schluß der hiesigen überaus großen und glänzenden Mission mit. Am Freitag der zweiten Mis- stonSwoche handelte die erste Predigt von dem Meßopfer l?P. Ottiger), die zweite von der äußern GotteSvcrehruug (H. Anderledy), die dritte von den Tugeudbünd- nisscn (P. Roder), die vierte von dem Leiden Christi (P. Fruzzini); am Samstag die erste von der Sonntagsseier (P. Anderledy), die zweite von der Vernachlässigung der Rückkehr zu Gott (P. Ottiger), die dritte vom Ablaß (P. Roder), die vierte von der Erneuerung des Taufgclübdes (P. Rover). Die letzte endigte mit einer entflammenden Ermahnung an die weibliche Schuljugend, welche in großer Anzahl mit weißen Kleidern angethan und mit brennenden Kerzen in den Händen den Hochaltar umgab. Am Sonntage als dem 15. und Schlußtage der Mission handelte die erste Rede von der Dankbarkeit deS zu Gott Bekehrten, welche sich in der wahren christlichen LebenSordnung auSsprechen soll (P. Fruzzini), die zweite von der Beharrlichkeit im Guten (P. Anderledy); die dritte als die Schlußrede von der Schönheit der Kirche (P. Roder). Am Tage des Schlusses hielten Se. Excellenz der hvchwür- digste Herr Erzbischof daS Hochamt. Nach der Schlußrede fand die Weihe des in der St. MartinSkirche auf dem Kreuzaltar aufgestellten MissionSkreuzcS durch Herrn P. Roder statt. Während dieses heiligen Actes sangen die Alumnen deS Klerikalseminars den erhabenen HymnuS: „0 crux, avv speg um'oa!" Darnach intonirte Se. erzbischöfliche Ercellenz, umgeben von dem hochw. Domkapitel, das ?o veum. Das andächtige Volk sang in wahrer Begeisterung drei Strophen des Ambrosianischen Lobgcsanges, worauf der Segen mit dem Allerheiligsten gegeben wurde. Nun sprach unser hochwürdigstcr Obcrhirt mit Worten der tiefsten Gemüthsbewegung, der Kraft nnd der Liebe, welche die Umgebung zu Thränen rührte, den ehrwürdigen Vätern für ihr wahrhaft apostolisches, begeistertes Wirken in der bisherigen Mission seinen Dank auS. So wie die Stadt und das BiSthum Bamberg der Missionäre stets gedenken werden, so möchten auch sie für die Stadt und das BiSthum Bamberg immerdar beten, damit der von ihnen ausgestreute Same deS Guten bleibende Früchte trage. Endlich ertheilte der hochwürdigste Herr Erzbischof den vor ihm kniecnden Vätern den obcrhirtlichen Segen. Alles war tief ergriffen und Freudenthränen strahlten in den Augen Aller. Mehrere der Pfarrgeistlichkeit hiesiger Stadt geleiteten in der Kirchenkleidnng die Väter zu ihrer Wohnung in das Klerikalseminar. Eine Menge Volkes schloß sich ihnen an, den Vätern ihren Dank ausdrückend. Der Schlußfeier wohnte eine solche Menschenmenge bei. daß in den untern Räumen der St. MartinSkirche nicht nur Mann an Mann stand, sondern auch alle Emporen, Tribunen und Fensternischen von Andächtigen angefüllt waren, und Tausende die Kirche von Außen umgaben, um wenigstens in der Nähe des Hauses Gottes während der großartigsten Feier zu seyn. Eine Schaar weißgekleideter Mädchen umgab die Stufen des HauptaltarS, Blumensträuße und Kränze in den Händen tragend, welche sie am Schlüsse den geliebten Vätern überreichten. Abends sechs Uhr brachte eine Deputation von Bürgern denselben ihren Dank dar. Herr MagistratSrath Kauschinger sprach das Wort in schöner ergreifender Rede und überreichte dem Supcrior P. Roder zum Andenken ein prächtiges Diplom. 37S Auf einer mit vielen Unterschriften bedeckten Pergamentrolle stehen in herrlicher Schrift folgende Worte des DankeS: „Ehrwürdige Väter! Wenn es dankbaren Kindern ein Augenblick der seligsten Freude ist, ihren guten Eltern den Beweis ihrer Liebe darbringen zu können, so ist es uns unterzeichneten Bürgern der Stadt Bamberg ein wohlthuendes Gefühl, Euch, hvchwürdige Väter! die Gefühle unserer innigsten Dankbarkeit und Liebe zu offenbaren, und unser einziger Wunsch ist, daß Ihr, gute Väter! solche Darlegung unserer Gefühle gerne genehmigen möget. Ja ewig sind wir Euch in Dankbarkeit verpflichtet für die Umwandlung so vieler sündiger Herzen, sür die Tröstung und Stärkung so vieler bekümmerter Seelen, die durch Euer Wirken bei uns, durch Eure Mühe und Aufopferung für uns mit der Gnade unseres GotteS hl wirkt worden ist; und zu einiger Genugthuung dient unS nur daS, was wir als Kinder unserer gemeinsamen Mutter, der katholischen Kirche, mit Euch litten und leiden. Die ruhmwürdige Stelle, welche diese MissionSzeit in den Annalen unserer Stadt fortan behaupten wird, sey Euch und unS zur Ehre vor Gott und seiner heiligen Kirche! In vollkommenster Hochachtung und tiefgefühltester Verehrung untcrzeich» nen die dankbaren Bürger." Diese den Bürgern der Stadt zur großen Ehre gereichende Dankadresse ist mit schönen Randverzierungen in Farben und Gold versehen. Oben in der Mitte befindet sich daS heilige Kaiserpaar St. Heinrich und Kunegund, den Bamberger Dom aus den Händen tragend; unmittelbar unter dieser Darstellung die Patrone der vier Missionäre, nämlich der hl. Georg, Leopold, Jgnaz und AntoniuS. An den Seiten ist die Kirche zu St. Martin und zu N. L. Frau, in welchen beiden die Missionäre predigten, und am untern Rande die bürgerliche SodalitätSkirche zu St. Jakob abgebildet. Dieses schöne Denkmal der religiösen Gesinnung der Bürger Bambergs wird im nengegründeten Noviziate der Gesellschaft Jesu zu Sigmaringen aufbewahrt werden, um die jungen Zöglinge des Ordens zu ihrem erhabenen Berufe zu ermuthigen. Am darauffolgenden Montage verließen die Väter unsere Stadt. Vor dem Seminargebäude und am Bahnhöfe hatten sich Hunderte von Menschen versammelt, um den Scheidenden ein herzliches Lebewohl zuzurufen. P. Auderledy begab sich in sein Kollegium zu Münster, P. Roder in daö Noviziatenhaus zu Sigmaringen, die beiden Uebrigen in das Missionshaus zu Freiburg in Baden. Mehrere Geistliche gaben ihnen daS Geleit bis Schweinfurt und Vorchheim. Am 9. d. M. begab sich eine Deputation von Bürgern zn Sr. Erzbischöflichen Ercellenz, um ihren Dank für die Berufung der Missionäre auSzusprechcn. Wir behalten unS vor, unserm Berichte über die Mission nächstens noch einige Bemerkungen anzufügen. (K. Bl. a.Fr.) Aus der Diöeese Etchftädt. *) Freystadt. Am 9. und 10. v. MtS. bot unsere Stadt einen ungewöhnlichen, außerorvcntlich lebhaften Anblick. ES wurde nämlich am 9. gegen Abend der hoch- ' würdigste Herr Bischof Georg von Eichstädt hier erwartet, der hier im Pfarrhofe übernachtete und am 10. in oer Wallfahrtskirche das heilige Sacrament der Firmung spendete. Die Stadt war zu dieser Festlichkeit prächtig geschmückt, und theils vor, theils in derselben waren sechs Triumphbogen mit passenden Inschriften errichtet worden. Die Geistlichkeit an der Spitze einer großen Proccssion war dem Kirchenfürsten entgegengegangen, der mit Böllerschüssen und Glockengeläute empfangen und feierlich nach der Pfarrkirche geleitet ward. Ein Knabe und zwei Mävchen hatten Gedichte vorgetragen. Der Herr Stadtpfarrer hielt vor der Pfarrkirche eine kurze Ansprache an die große Versammlung über die Kraft des Segens und des Fluches, worauf der hochwürdigste Herr Bischof nach den üblichen Ceremonien in der Kirche sich in den Pfarrhof begab. Am nächsten Tage zogen die Tugendbündnisse christlicher Jünglinge und Jungfrauen von AllerSberg, Berngau, Freystadt, Monkenhausen, Morning, MörSborf, ReichertShofen und Sondersfeld an dem Pfarrhofe mit ihren Fahnen und unter Musikbegleitung vorüber, hierauf Seine hochbischöfliche Gnaden selber in Mitte 37k eines zahlreichen festlichen ZugeS nach der Wallfahrtskirche, welche in festlichem Schmucke prangte. Der hochwürdigste Herr Bischof las dort die heil. Messe, bestieg darauf die Kanzel und hielt eine eben so herzliche als erhebende Rede an das in der großen Kirche dichtgedrängte Volk, in welcher er zunächst seine Freude über die Tugendbündnisse christlicher Jünglinge und Jungfrauen auSsprach und die hohe Bedeutung deS heiligen SacramentS der Firmung nachdrucksamst ans Herz legte. Nach hierauf erfolgter AuSspeudung deS heiligen SacramentS der Firmung bewegte sich der Zug wieder feierlich in die Stadt zurück. Mit Ertheilung des bischöflichen SegenS an die versammelten, über kövl) Köpfe zählenden Gläubigen, endete diese erhebende Feier, welche in den Herzen Aller ein nie erlöschendes Andenken zurückgelassen hat. Die gebührende Verehrung gegen den Hochwürdigsten, so wie der Sinn und die Bedeutung deS Festes und überhaupt der Kirche und deS christlichen Glaubens, drückt sich in einem Festgedichte auS, daS wir in der nächsten Nummer mittheilen. Rom. Rom. An den Thürsäulen der Patriarchalkirchen und an allen öffentlichen Palästen der Stadt, bei welchen daS Anheften von Anschlägen hergebracht ist, las man vor einiger Zeit eine Bekanntmachung der h. Congregatio Rituum, nach welcher in dem Processe der Seligsprechung deS Stifters deS Passionistenordens, Paulus a Cruce, ein neues Wunder die kirchliche Anerkennung und Bestätigung gefunden hat. Bekanntlich ist eS nach den Gesetzen der Kirche eine nothwendige Bedingung, nach deren Erfüllung erst die Seligsprechung eines Dieners GotteS erfolgen kann, daß in dem bei der hl. Kongregation geführten Processe wenigstens zwei der zur Anzeige gebrachten wunderbaren Erscheinungen ganz evident und unumstößlich als wahre und eigentliche Wunder, und zwar als ersichtlich gerade durch die Jiuercession deS Seligzusprechenden bewirkte Wunder bewiesen werden. Mit welcher Vorsicht und Rücksicht auch auf die kleinsten und unscheinbarsten Umstände bei der Führung dieses Beweises zu Werke gegangen und welch' hoher Grad von Gewißheit dafür gefordert wird, das wird jeder, der den Geschäftsgang und das Verfahren in den hiesigen Congregationen kennen lernt, anerkennen müssen. In dem Processe für den Stifter des Passionisten- ordenS wurde am 26. April 1851 das erste Wunder vom h. Vater Papst Pins IX. bestätigt; darauf hielt die Kongregation der RituS, zu der viele Kardinäle gehören, am 10. August 1851 und am 23. Mai deS lausenden Jahres vorbereitende Sitzungen zur Prüfung des weitem Ganges der Untersuchungen, die von dem Präfecten der Con- gregation, Sr. Eminenz dem Cardinal Lambruschini geleitet wurden, und am 12. Juli endlich eine weitere Sitzung vor Sr. Heiligkeit dem Papste, in welcher die Frage: ec>u8tet cle inirseulo in essu et scl ekeowin cis «zuc» agiwr? zur Schlußerörterung kam. Der h. Vater, dem, nachdem er die Meinung aller Cardinäle und Prälaten gehört hat, der Urtheilsspruch ausschließlich zusteht, entließ diese Versammlung mit der dringenden Aufforderung an alle Mitglieder, die Sache noch weiter auf daS Inständigste Gott im Gebet zu empfehlen. Nachdem der Papst aber auch selbst noch eine Reihe von Tagen für die wichtige Entscheidung die göttliche Hilfe angerufen hatte, besuchte er am 2. August, als am Tage der Kirchweihc, Sr. Maria Angelorum (Portiunkula), die Kirche St. Franciöko a Ripa und gab dort nach feierlich dargebrachtem h. Meßopfer und nochmaliger Erflehung deS Beistandes deS Herrn die feierliche Erklärung: Lonstsre civ mirseulo a l). (1. U, pstrato, intereessors säoibito Venersliili Viro ?auIo a Lruce, nimirum instsntiwege perleetgeciu« sgngtiorn8 Nsriae äs Rollo s sexrino Isevse maxillas jsm in c-mcrum oeeultum versc». — Somit steht wohl der Seligsprechung deS ehrwürdigen Stifters deS Ordens der Passionisten, deren hiesige Mitglieder wegen ihres strengen ascctischen Lebens und ihrer gänzlichen Zurückgezogenheit von allem weltlichen Treiben vom HI. Vater dem Vernehmen nach besonders geliebt werden sollen, kein weiteres Hinderniß entgegen. (M. Sbl.) Verantwortlicher Redacteur: L. Schöucheo, VerlagS-Juhaber: F. C, Krem er. Zwölfter Jahrgang. Sonntags-Beiblatt ,„ » ' ^» Augsburger Postzeitung. >U»IkklS »i« l!- ti,v.,iN'»,i?,- s»u 28. November M 185S. Dieses Blatt erscheint regelmäßig alle Tonntage. Der halbjährige Abonuementsprei« 4V kr., wofür es durch alle königl. bayer, Postämter und alle Buchhandlungen bezogen werden kaun. Auf die hohe Anwesenheit - ' ' ««pi- «>i>ii«!^4,Sa «i KZr in,m»mtt Hochw. Herrn Herrn Georg, Bischofs von Eichstädt, in Freistadt, den 10. October 1852. Es lenkte heut zu uns die hehrcn Schritte Der Fürst der Kirche, Wächter auf Sion: Da rauscht des Segens Strom durch uns're Mitte, Ein Born, der niedcrquillt von Gottes Thron. Dreifacher Jubel tönet durch die Sphären, Und Freude senket sich in's Herz herab, Es beugen sich die Kniee an Fcstaltürcu, Wenn hehr er waltet mit dem Hirtenstab. Dem Hirten Heil, der, seines Amtes Bürde So freundlich tragend, Himmelsgaben reicht: Wo ist der Weise, der durch hehre Würde, Und wo ein Freund, der ihm an Liebe gleicht? — ES trübt sein Herz kein Zürnen, keine Rache, Sein holder Blick, sein sreundliches Gesicht, Der Rede Fluß, die Anmuth seiner Sprache, Sie zeichnen einen Kreis von Freud' und Licht. Und groß und prächtig wie des Stromes Wogen Fortfluthen nach dem fernen Ottan, So majestätisch hin zu Gott gezogen, So wallt des Fürsten Glaube himmelan. Ja, in des hcil'gen Glaubens klarem Spiegel Da flammt des Hohenpriesters Name hell, Und auf der Hoffnung steilem Sonnenhügel Umfließet ihn der Liebe heil'ger Quell. Man kennt der Dichtung Schwung und Zaubereien, Und kennet Färb' und Leben der Natur: Entwerft sein Bildm'ß nicht in Schmeicheleien, Verfolget rmr der That, des Wirkens Spur! 378 Wer gleicht ihm, der mit eines Engels Milde So zwischen Gott und seinem Volke steht, And allerquickend nnter deinem Schilde, Religion, den hohen Lichtpfad geht? Und nun, ihr Völker, laßt euch heute ratheu, Und seyd der Kirche, ihren Herrschern hold, Die Furcht des Herrn, — sie ist der Grund der Staaten, Und Frömmigkeit ist mehr als Gut und Gold. «« sinket Lüg' und Abfall im Gerichte, Allein die Macht des heil'gen Glaubens steigt: — Ist nicht enthüllt der Schleier der Geschichte, — War Abfall Völkerglück? — Sie schweigt. Der heil'ge Glaube war der Völker Retter, Der Glaube hielt mit seinem Segensstab Den Fall der Welt, des dräu'nden Unglücks Wetter Zum Wohl und Heil des Vaterlande» ab. — Die Furcht des Herrn und die Gewalt, — sie müsse» Umarmen sich in aller Christen Land, Nur wo sie liebend sich einander küssen, Umschlingt sich Land und Herr mit festem Band. De« heil'gen Glaubens reinein Licht und Lehren Entblüht die Wissenschaft, entblüht die Kunst, Und nur in seinen heil'gen Kreisen mehren Sich Gottes Gnaden, Gottes Huld und Gunst. Der Glaube löst die schwersten der Probleme, Er, deiner Väter Erbe, sey dein Theil. Sein Schwung geht höher als der Welt Systeme, Er ist der Völker, ist der Seelen Heil. , Die Furcht des Herrn, — sie breite durch die Lande Der ganzen Welt durch frommen Geist sich au«, Es schließen sich des heil'gen Glaubens Bande An'S Bayerland, an unser Herrscherhaus! — Und einem Hirten so erhab'ncr Würde Sey schuld'ger Ehrfurcht Gabe dargereicht, Der Schäflein Frömmigkeit, — sie macht die Bürde, Die Bürde selbst des Hohenpriesters leicht. Und ihr, o Bitten, dringend durch die Wolke, Von Gott erhöret, kehrt zu uns zurück! Erhalte, Herr, ihn deinem Christenvolke, Erhalte ihn zu unserm Heil und Glück! Und laß dir, Herr des Himmels, Wohlgefallen, Daß freudig aller Christen Herz dir schlägt, Denn sieh', in unsrer Kirche heil'gen Hallen Hat Er geopfert, der die Mitra trägt. 379 Rede bei Gelegenheit einer feierlichen Einkleidung und Profeß-Ablegung in dem englischen Fräulein-Institute zu Nvmphenburg am 4. Oktober 1852, gehalten von Sr. Hochwürden Herrn Dr. KrauS, Prediger an der St, Michaelis, Hofkirche zu München. „Vater, Herr des Himmels und der Erde, ich preise dich, daß du dieses vor Weisen und Klugen verborgen, Kleinen aber geoffenbart hast," so sprach Jesus nach der Erzählung deS heutigen Evangeliums, und er sprach dieses Dank- und Preisgebet, als die zwei und siebenzig Jünger, welche die Gemüther auf seine Ankunft vorbereiten sollten, von ihrer Sendung zurückkamen und mit heiliger Freude ihm erzählten, wie gesegnet ihre Wirksamkeit gewesen. „Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, daß du dieses vor Weisen und Klugen verborgen, Kleinen aber geosfenbaret hast," so muß auch ich aus freudigem Herzen rufen, wenn ich diese vierzehn Jungfrauen überblicke, welche heute als geistliche Bräute vor dem Altare ihres göttlichen Bräutigams knieen. Gar manchen Christen, die in der Welt leben, wollte der Herr in reichcrem Maße seine Gnaden mittheilen, er wollte sie lieben wie seine AuSerwähl- ten, er hätte ihnen, wie der Prophet, einen Platz angewiesen in seinem Hause, er hätte sie geführt in die Einsamkeit und dort zu ihrem Herze» gesprochen. Aber sie wollen der Welt gefallen, sie schmücken sich auf wie Götzen, um ihre Blicke auf sich zu ziehen, sie rennen allen Gesellschaften der Welt nach, sie gewöhnen die Sprache der Welt sich an, und wenn so das Verderben alle Eingänge ihres Herzens in Besitz genommen, so zieht sich der Herr von ihnen zurück, die Tiefen des geistlichen Lebens bleiben ihnen verborgen und die Wichtigkeit ihres Seelenheils ist ihnen verhüllt. Diese vierzehn Jungfrauen dagegen haben den Ruf des Herrn nicht verachtet, sie find überzeugt, daß der Heir zu ihrem Herzen gesprochen; schon seit längerer Zeir kannten sie keinen höheren Wunsch, als in dieses HauS der Ordnung, der Abtödtung, der Jugend, bildung einzutreten, und der Herr hat ihr Bitten erhört und schmückt heute neun aus ihnen mit dem geistlichen Kleide, weil sie fest entschlossen sind, sich künftig dem Allerhöchsten als ein Brandopser hinzugeben. Fünf andere aber stehen heute auf dem Punkte, die Gelübde auszusprechen, welche sie fest und unzertrennlich an ihren göttlichen Bräutigam fesseln sollen. Wir verlassen, so erklären vor dem sacramentalen Heiligthume und vor ihrer ehrwürdigen Oberin und vor unS Allen, wir verlassen und vergessen dich, o Welt, und wollen von dir verlassen und vergessen werden; wir verlassen und vergessen euch, ihr frommen Aeltern, ihr theuern Ver« wandten, ihr treuen Freunde und Wohlthäter unsers bisherigen LebenS; wir verlassen und vergessen euch, nicht zwar in unseren Gebeten, wohl aber in Bezug auf euere zeitlichen Angelegenheiten; ja wir verlassen und vergessen uns selbst; wir verzichten auf unsere Besitzthümer, auf unsere Freiheit, auf unsere irdischen Aussichten, auf unsere Bequemlichkeit; wir geben Alles hin, weil wir nicht anders mehr glücklich seyn wollen, als in Gott und mit Gott, weil wir kein anderes Bedürfniß mehr haben, als Gott! Und ich — was soll ich sagen zu diesen Gefühlen Eueres Herzens? Soll ich die Freude Euch schildern, mit der ich Hieher gekommen in diese traute Kapelle, um Zeuge zu seyn Euerer Verlobung, Euerer Vermählung mit JesuS, dem beßten Bräutigame edler Seelen? Ach, eS ist nicht nöthig, erst zu sagen, der Schritt, den Ihr heute thuet, ist ein Triumph für die Kirche, ein Triumph für die heiligen Engel, ein Triumph für JesuS selber. Oder soll ich Euch Neueingekleideten auseinandersetzen, auf welche Kennzeichen Ihr während des Noviziates zu achten habet, um die Wahrheit deS klösterlichen Berufes daraus zu erkennen? Soll ich Euch, die Ihr heute Euere Gelübde ableget, Euere Verpflichtungen vor Augen halten? Auch nicht; denn 380 das Alles ist Euch schon an's Herz gelegt worden und wird Euch noch oft wiederholt und zwar nachdrücklicher und salbungsvoller, als ich eS könnte. So lasset mich denn von dem Allem schweigen; lasset mich Euch nnr erinnern an ein Wort, ein Wort des Trostes und der Ermunterung, das der göttliche Heiland im heutigen Evangelium ausgesprochen! „Nehmet mein Joch aus euch, sagt er, und lernet von mir, so werdet ihr Ruhe finden für euere Seelen!" Verehrte Schwestern in Christus! Ihr nehmet Jesu Joch auf Ench, daö Joch, der Armuth, deö Gehorsams, der Reinheit, der Jugendbildung, und dieseö Joch hält die Welt für ein schweres, drückendes Joch; sie träumt von Seufzern, womit die unglücklichen Schlachtopfer in Klöstern ihre Sclaverei beklagen; sie tränmt von Klagen, womit sie ihre Einsamkeit erfüllen; sie träumt von Thränen, womit sie den Verlust ihrer Selbstständigkeit beweinen; aber nein, Ihr werdet eS erfahren, nicht die Welt hat Recht, JesuS hat Recht, wer von ihm lmiet, dem Armen, dem Gehorsamen, dem Reinen, dem Freunde der Kinder, der wird Ruhe finden für seine Seele. Ja, Ruhe werdet Ihr finden für Euere Seelen. Denn Ihr wollet entsagen den zeitlichen Gütern, Ihr wollet Nichts mehr als Eigenthum besitzen und zufrieden seyn mit dem, was fremder Wille Euch anweiset zur Wohnnng, Nahrung und Kleidung. So verzehren Euch denn nicht mehr die nagenden Brodsorgen, eS verwirren Euch nicht mehr die Familienangelegenheiten, eS ziehen Ench nickt mehr die Bestrebungen um Geld und Gut zur Erde nieder; denn eine Mauer, eine Scheidewand trennt Euch von dem Mammon der Erde. O süßcr, seliger Friede, der auS solcher LoSschälung von zeitlichen Dingen sich entwickelt! FranciScus, dessen Fest die Kirche heute feiert, hat ihn empfunden diesen seligen Frieden! Dort in Italien, in der Kirche von Assisi befindet sich ein sinniges Gemälde, und dieses Gemälde stellt Jesum dar im Verklärungsglanze, wie er dem heiligen FranciScus die Hand einer Jungfrau darbietet und wie FranciScus ihr den Verlobnngsring an die Finger steckt. Die Braut ist lichtnmflossen und mit Rosen bekränzt, ihre Augen find voll sanfter Klarheit, um ihren Mund schwebt ein anmuthiges Lächeln; aber ihr Gewand ist grob und zerrissen, ihre Füße sind wund und bluiig. Sie wandelt auf ranhcn, beschwerlichen Wegen über Dornen und Felsenstück? dahin, und die Wcltkinder mißhandeln sie, werfen sie mit Steinen und überschütten sie mit Verwünschungen und Schlägen. Diese Jungfrau, werdet Ihr fragen, wer ist sie? Es ist die heilige Armuth. Mit ihr hat FranziScus sich verbunden; sie hat er zur Lebensgefährtin sich erkoren, und so hat er jenen süßen Frieden gefunden, den er selbst als eine Frucht der Armuth mit den Worten begrüßte: „DaS ist'S, was ich suchte, das ist's, was ich von Herzen wünschte!" Und als sein Vater ihn enterbte und als er selbst seiner weltlichen Kleider sich entäußerte, da erkannte er, welch' eine Tiefe göttlichen Friedens in dieser Selbstberaubung liege, da brach er in die denkwürdigen Worte auS: Bis zur Stunde habe ich meinen leiblichen Vater wohl Vater genannt; aber von mm an kann ich mit ganzem, vollem Rechte den lieben Gott meinen Vater nennen. Ahnet Ihr, geliebte Schwestern, was in diesen Worten liegt? Wer arm ist aus Liebe zu JesuS, dem in Armuth Gebornen, dem in Armuth am Kreuze Gestorbenen, dem in Armuth in ein sremdcs Grab Gelegten, der wird Jesu ähnlich, er kann ihn mit besonderem Rechte seinen Bruder und Gott seinen Vater nennen; er kann freier, leichter, ungehinderter sich zu Gott erheben, und in dieser Hingabe an Gott findet er den Frieden, den die Welt nicht kennt, den Frieden, der allen Begriff übersteigt. Ruhe werdet Ihr finden für Euere Seelen. Denn Ihr wollet, Ihr müsset fortan in unbedingtem Gehorsam leben. Es ist das ein Gehorsam der That; denn waS immer die Oberen befehlen, Ihr müsset es erfüllen; es ist das ein Gehorsam deS WillenS; denn würdet ihr bloß äußerlich die Befehle vollziehen, so wäre eS ungenügend; auch den eigenen Willen müsset Ihr verläugnen, dem eigenen Willen müsset Ihr absterben und in dieser Verläugnung, in dieser Erstorbenheit des eigenen Willens müsset Ihr auch in beschwerlichen Dingen Euch unterwerfen; eS ist daS endlich ein Gehorsam des Urtheiles; denn auch die Urtheile Eueres Verstandes müsset 381 Ihr zurückdrängen. Eueren eigenen Ansichten müsset Ihr entsagen, Euer eigenes Urtheil müsset Ihr unterordnen dem Urtheile Euerer Oberen. Und diese Unterwerfung, dieser rückhaltslose Gehorsam ist cS dann, der den gefährlichsten Feind in Euch, die Selbstsucht, ertövtet und zur nothwendigsten Tugend, zur Selbstverläugnung, Euch führt. Was eS heiße, sich selbst verläugnen, das könnet Ihr am besten einsehen, wenn Ihr bedenket, was es heiße, einen Anderen verläugnen. Jemanden verläugnen heißt so thun, als kenne man ihn gar nicht, um ihn keine Sorge tragen, sich um ihn nicht bekümmern. Wer sich selbst verläugnet, der verfährt gerade so mit sich selbst, mit seinen Ansichten, mit seinem Willen, mit seinen Neigungen. Und das ist eben die Frucht des Gehorsams! St. Franciscus, dessen Fest wir heute feiern, war überaus erfinderisch in Werken äußerer Abtödtung; er trug ein rauhes Gewand; er schlief gewöhnlich auf bloßer Erde; seine spärliche Nahrung vermischte er nicht selten mit Äsche. Groß und erhaben sind diese äußeren Werke der Buße; aber größer noch und erhabener, als sie alle miteinander, ist ein einziger Act der inneren Selbstverläugnung. „Ist unser Streben, sagt ein großer Gcisteslehrer, daraus gerichtet, unsere unordentlichen Neigungen abzulödten und unseren Willen auch in den kleinsten Dingen zn brechen und zu vernichten, dann thun wir ein größeres und Gott wohlgefälligeres Werk, als wenn wir durch Fasten und Enthaltsamkeit selbst die Einsiedler der Vorzeit übertreffen und viele tausend Ungläubige und Sünder bekehren würden. Sehet Ihr da, meine Schwestern, waS der Gehorsam Euch bringt! Der Gehorsam, den Euer Stand von Euch verlangt, ertödtet in Euch die Selbstsucht, er ertödtet die Eigenliebe, und je mehr die Fesseln der Selbstsucht, der Eigenliebe fallen, desto ruhiger wird das Herz, desto tiefer wird der Seelenfriedc, desto freier wird der Geist, desto ungehinderter kann er sich zu Gott erschwingen. Der Gehorsam, den Euer Stand von Euch verlangt, verehrt in Euer» Obern die Stellvertreter Gottes, und wenn Ihr in ihrem Willen den göttlichen Willen erkennet, so verklärt er Alles, er veredelt Alles, er Heiligel Alles, und so traget Ihr in Euch das erhebende Bewußtseyn, Gottes Willen zu erfüllen. Ruhe werdet Ihr finden für Euere Seelen. Denn Ihr wollet als reine Bräute dem Herrn dienen, und darum seyd Ihr Hieher gekommen in dieses Haus der Einsamkeit. Wenn Ihr hinausblicket in die Welt, ach, wie muß Euch werden? Wie muß Euch werden, wenn Ihr die Gefahren in der Welt überschauet? Gefahren in den Gesellschaften, wo man gefallen und unterhalten will; Gefahren in den bösen Beispielen, die im Bunde mit verkehrten Neigungen den Menschen fortreißen; Gefahren beim Reichthums, wo man sich ebenso gegen die Verschwendungssucht der Eitelkeit, als gegen die Härte des Geizes zu verwahren hat; Gefahren auf öffentlichen Spaziergängen, beim Spiele, bei üppigen Tänzen; Gefahren innerhalb und außerhalb des Menschen, und zwar Gefahren, welche ihn mit dem Verluste seiner Unschuld, seiner Tugend, seiner Seele, seiner ewigen Glückseligkeit, seines Gottes bedrohen. Und all' diesen Gefahren seyd Ihr entzogen! Sagt mir, muß dieser Gedanke Euch nicht mit heiliger Freude, ich möchte fast sagen, mit edlem Stolze erfüllen! Getrennt von den Lockungen der Welt könnet Ihr rein und unbefleckt im Schatten des Heiligthumes Euch mit Euerer Seele, mit Euerem Heile, mit der Ewigkeit beschäftigen! Reine Seelen aber haben jenes Zeichen der Auserwählung, welches sie mit den Engeln bei Gott seyn läßt, sie frei nnd leicht mit Gott vereiniget; und wie die Engel von Gott geliebt und ausgezeichnet werden, so hat die unsichtbare Schönheit einer reinen Seele der ewige Gott selbst geliebt und hervorgehoben. Denn wer war seine Mutter, wer sein Nährvater, wer seine Lieblingsjüngcr? Waren es nicht jungfräuliche Seelen. Habt- Ihr noch Nichts gehört von der Vereinigung heiliger Jungfrauen im Himmel mit dem göttlichen Lamme, das auf dem Throne sitzt? Heißt es nicht von ihnen, daß sie ein Lied singen, das sonst Niemand singen kann; denn sie sind Jungfrauen, sie sind die Erstlinge für Gott und das Lamm, unter den Menschen losgekauft? Man sollte doch meinen, die Engel dürften dieses Lied mitsingen! Aber nein; die Engel haben zwar die Jungfräulichkeit, aber den Kampf haben sie nicht; die Reinigkeit der Menschen dagegen ist die Frucht ihrer Treue, ihres beständigen Kampfes. Sehet da, ge- 38S liebte Schwestern, Euere Würde, Eueren Adelsbrief, ausgefertigt von Euerem himmlischen Bräutigam! Ruhe werdet Ihr finden für Euere Seelen, DcnnJhr beschäftigt Euch mit dem Unterrichte und der Erziehung der Jugend, und auch diejenigen von Euch, welche nicht unmittelbar diesem Zwecke dienen, dienen ihm doch mittelbar, Soll ich Euch erinnern an die stille» Freude», die mit der Jugendbildung verbunden sind? Aber es kann nicht beschrieben, eS muß erfahren werden, welch' ein Hochgefühl in dem Gedanken liegt. Diese jugendliche Seele, ich habe sie gebildet, ich habe den Keim der Tugend in sie gepflanzt! Over soll ich Euch erinnern an die heißen Dankgebete, die auö vielen Herzen für Euch zum Himmel emporsteigen ? Es ist zwar wahr, daß Ihr oft nur Undank erntet und Vcrkennung; aber es ist auch wahr, Hunderte verlassen dieses Hans und sie tragen ein tiefes Gefühl der Dankbarkeit mit sich herum und flehen für Diejenigen, denen sie Erziehung und Bildung verdanken. Und wenn Ihr selbst dann einstens sterbet, wenn Ihr dalieget in Euerem letzten Kampfe, wenn dir Pforte der Ewigkeit sich Euch öffnet, dann erst werdet Ihr cS erfahren, welch' ein Verdienst die Juge»dbildu»g erwirbt Es mag sey», daß Ihr strauchelt, ja eS könnte sogar geschehen, daß Ihr die Gnade uud Freundschaft Eueres Gottes verlieret; denn Ihr wisset ja, obwohl Ihr getrennt seyd von der Welt und ihren Lockungen, jener gefährlichste Feind des Heiles, den wir i» unserem eigenen Herzen «ragen, er ruht selbst in der Einsamkeit nicht, und auch dem Geiste der Finsterniß sind die klösterlichen Mauer» nicht verschlossen. Aber zu Euerer Beruhigung rufe ich Euch zu mit dem heil. Augustin: Sehet, welchen Schatz Ihr in der Person der Euch anvertrauten Zöglinge besitzet! Wenn Ihr sie im Namen Jesu unterrichtet und bildet, so werden sie für Euch das Unterpfand Euerer ewigen Glückseligkeit! WaS Ihr den Zöglingen thut, das thut Ihr Jesu selber; JesuS wird es so ansehen und so belohnen, als hättet Ihr eS ihm selbst gethan, denn wer eines von diesen Kleinen aufnimmt, sagt er selber, der nimmt mich auf!" Doch, ich ende. Ich habe Euch gezeigt, weil Ihr den zeitlichen Gütern entsaget um Jesu willeu, weil Ihr gehorsam seyn wollet um Jesu willen, weil Ihr die Reinheit bewahren wollet um Jesu willen, weil Ihr dem Zwecke der Jugcndbildung dienen wollet um Jesu willen: darum wird er mit seinem Frieden Euch beglücken, mit seinen Tröstungen Euch heimsuchen. Auf darum, dem göttlichen Bräutigam entgegen! Seine Arme sind auSgespauut, Euch zu umarmen; sein Haupt ist geneigt, Euch den Kuß der göttliche« Liebe auszudrücken; sein Herz ist geöffnet, Euch im Sitze der göttlichen Liebe selbst Wohnung zu bereiten! Nehmet hin das heilige Kleid, und übet Euch fortan in Armuth, Gehorsam, Reinheit, um Euereu Beruf zu erprcbcn! Leget nieder Enere Gelübde in das Herz Eueres göttlichen Bräutigams! Erhebender Gedanke, eine reine Braut deS GotreS der Heiligkeit zu seyn, mit seinen Engeln an seinem Tabernakel zu wachen, ihn durch Armuth, Gehorsam, Reinheit zu ehren und jugendliche Seelen ihm zuzuführen! Weihet Euch dem unbefleckten Lamme; dieses Lamm wird Euch führen durch die Zeit in die Ewigkeit. Amen. ^nte prnlessinnom votoi-um: Sehet an das Lamm GotteS, welches hinwegnimmt die Sünden der Welt! Sehet eS an in seiner sacramentalen Umhüllung. ES ruft einer Jeden von Euch gleichsam zu: Mit ewiger Liebe habe ich dich geliebt! Dein bisheriges Leben habe ich so geleitet, daß dn erkennen konntest: ich will dein Herz! „Meine Tochter, schenk mir dein Herz!" Dein Herz ist zu groß und zu weit und zu erhaben, als daß die ganze Welt mit all' ihren Schein- gütcrn es ausfüllen und befriedigen könnte; darum reiß es los vou dieser trügerischen Welt, schenk mir dein Herz. Ich habe dein Herz geschaffen; ich habe es mir erkaust um den theueren Preis meines eigenen Blutes; ich will es besitzen durch meine Gnade; darum, meine Tochter, schenk' mir dein Herz! So ruft Jesus in diesem Augenblicke einer Jeden von Euch zu, lautlos zwar, aber doch vernehmbar dem gläubigen Herzen! Höret sie also, diese freundliche Stimme! Gebet Euch Jesu hin und verzichtet ihm zu Liebe auf Euer Eigenthum; gebet Euch Eueren Oberen hin und entsaget Euerer Selbst- 383 sucht; gebet Euch dem Himmel hin und ersterbet den sinnlichen Lüsten; gebet Euch dem Jnstitutszwecke hin und opfert Enere Bequemlichkeit. So gebet denn AlleS hin, aber großherzig und edelmüthig! Sprechet aus Euere Gelübde vor den Engeln, die unsichtbar diesen heiligen Ort umschweben; sprechet sie aus vor Euerer ehrwürdigen Oberin, die fortan Euch geistige Mutter seyn will; sprechet sie aus vor Eueren Mitschwestern, die für Euch in diesen Augenblicken zum Himmel flehen; sprechet sie aus vor uns Anwesenden Allen, die wir mit gerührtem Harzen Zeugen sind Euerer heiligen Handlung, sptechet sie auS Euere Gelübde! ?ost prole88ionem votorum: So ist sie denn geschlossen, Euere Verlobung, Euere Vermählung mit Jesus. Engel haben Euere Worte gehört und sie hingetragen zum Throne des LammeS. Das Lamm aber will den Bund, den Ihr jetzt mit ihm geschlossen, besiegeln mit seinem eigenen Blute I Ihr sollet seine Wohnung, sein Tabernakel werden! ES will sich mit Euch vereinigen so innig, so gnadenvoll, wie die Mutter mit dem Kinde, der Freund mit dem Freunde nicht vereiniget ist! Demüthigt Euch tief in der Betrachtung dieser. unerfaß liehen Gnade, und weil die hochheilige Communion um so segensreicher wirkt und um so schöner Euern Liebesbund mit Jesus bekräftiget, je tiefer Euere Demuth ist, so sprechet mit mir in Andacht: „Herr, ich bin nicht würdig ic." Christliche Lefefrüchte und Betrachtungen eines Laien. (Fortsetzung.) l^ch-NiuS Ä ^uN^/i!^^ Zwei Kelche werden dem Menschen im Leben vorgesetzt, der Kelch der Leiden und der Kelch des weltlichen Trostes, des FreiseynS von Leiden; nach dem letzteren greift der Mensch begierig, den ersteren trinkt er nur mit Widerstreben; und hat er ihn auch zuweilen mit Ergebung getrunken, so greift er doch, kaum daß das Leiden gewichen, wieder nach dem anderen Kelche. Den Menschen hindert eben seine Sündhaftigkeit, aus Leiden den rechten Nutzen für seine Seele zu ziehen; er ist ein König Pharao, kaum ist eine Plage vorüber, so ist er wieder der Alte. r?z-^--M^'?^^?^ A ^' Du warst oft vor einem Heiligenbild?, vor einer Krippe, in einer Kirche so andächtig, so fromm gesinnt, so aufrichtig demüthig und später — bleibst du ebendaselbst kalt, andachtslos, kannst dich jener schönen frühern Stimmung oft nur mehr dumpf, oft gar nicht mehr erinnern. Gott selbst stellt dir eben manchmal solche liebliche Bilder, solche fromme Gefühle vor die Seele zur Beschauung, zur Stärkung. Läßt Er dir auch später hievon keine Erinnerung mehr, was thut'S? Er weiß, wozu es dir damals gut war, und es kommt nicht darauf an, daß du jene süßen Augenblicke in der Erinnerung wieder genießest. Danke Ihm vielmehr innigst, daß Er dich auch nur einmal damit beglückte! 10. Deine Barmherzigkeit, o Herr! gegen uns, Deine Gnadenspendungen, Hilfen und Errettungen sind so groß, daß wir darüber eigentlich zeitlebens nur betrübt seyn können; denn nicht nur, daß wir Dir (ausgenommen etwa durch recht geduldiges Leiden und durch Selbstkreuzigung) nicht die mindeste Dankbarkeit bezeigen können, so betrüben und beleidigen wir Dich sogar fortwährend und tagtäglich durch unsere Sünden und haben also vollen und ausreichenden Grund, uns im Angesichte Deiner Erbarmungen zu beweinen. 11. Man muß unterscheiden zwischen göttlicher Gnade und göttlichem Trost; letzteren entzieht Er bisweilen den Menschen, die Gnade aber, wenigstens die nothwendige, hat der Mensch jederzeit; ja, er muß sie haben vermöge der Gerechtig- 384 keit GottcS wegen seiner Sündhaftigkeit; denn da der Mensch sich der Sündhaf, tigkeit ohne die Gnade nicht erwehren könnte, jedoch zu Grunde gehen müßte, wenn er sich ihrer nicht erwehrte, so verleiht dem Menschen, welcher freien Willen hat und weil er ihn hat, die Gerechtigkeit Gottes die nothwendige Gnade, sich der Sündhaftigkeit zu erwehren; benützt er diese ihm gegebene nothwendige und hinreichende Gnade nicht, so verfällt er dem Gerichte, und Gott ist dann nicht ungerecht, wenn Er ihn verurtheilt. 12. Von Job soll man lernen, daß wir im Elend nicht das Elend vor Augen haben sollen, sondern daß es von Gottes allerhöchster Hand komme, daß wir daher das Glück mit Dank und Mäßigung, das Unglück aber mit Dank nnd Ergebung aus Gottes Hand annehmen sollen, MünnL' "lA^Mw?'^ Und wenn uns auch noch so viel Unglück träfe, und wenn wir uns auch für noch so rein hielten, — wer ist rein vor Gott? Und kann Gott je dem Menschen etwas Böses zufügen? Alles, was Gott über uns verhängt, ist gut und Barmherzigkeit, selbst die schweren Strafen für unsere Sünden, da wir gewiß noch weit schwerere verdient hätten. Der Dom zu Speyer. Ueber die Freskomalereien in genanntem Dome sagt ein Bericht in der N. M. Z.: „Die Gemälde sind in dem Stiftschore, in der Kuppel, in den Seitenchören und in dem Mittelschiffe angebracht; in den beiden Seitenschiffen ist der Ornamentik Raum gegeben. Der Gegenstand der FreScogemälde des Mittelschiffes ist das Leben M a« rias, welcher der altehrwürdige Kaiserdom als erster Patronin geweiht ist. Dieser Gegenstand setzt sich im Stiftschore fort und vollendet sich in den Gemälden seines Gewölbes. Der nördliche Seitenchor ist dagegen zur Aufnahme von Darstellungen aus dem Leben deö heiligen Bernhard, der südliche solchen aus dem Leben des heiligen Stephan verwendet; diese beiden werden als Schutzheilige des Domes verehrt. Die Kuppel endlich, welche sich über dem Hochaltare wölbt, enthält in ihren Gewölbefeldern die Vorbilder des Opfers, nämlich im Felde gegen Norden ist daS Opfer AbelS abgebildet; Abel in kräftiger Jugendschöne opfert ein Lamm. Im Felde gegen Westen erblicken wir das Opfer Abrahams; im Felde gegen Osten daS Opfer MelchisedechS, und das Feld gegen Süden endlich zeigt daS vierte Vorbild: das Manna in der Wüste. In der Mitte des Kuppelgewölbes erscheint dann von einer Glorie und den vier apokalyptischen Gestalten umgeben, das mystische Lamm, ruhend über dem Siebensiegelbuche aus dem Throne." Asien. Im Reiche der Birmanen, welches man auch daö Königreich Ava, Arrakan und Pegu nennt, befindet sich in der Stadt Rangun eine römisch-katholische Kirche, auf deren Thurm von Holz mitten unter den Pagoden des Buddhismus sich das Kreuz erhebt. Der Pfarrer Domingo stammt aus der Stadt Trient in Tyrol, ist etwas über 50 Jahre alt, und befindet sich seit 1830 im Reiche der Birmanen. Er spricht viele Sprachen und hat sich auch durch seine anderweitigen Kenntnisse in Ansehen gesetzt. Er versteht etwas von der Arzneikunst und bereitet die Arzneien selbst, spricht und schreibt die birmanische Volkssprache ganz richtig. Auch besitzt er eine kleine Druckerei, und hat die birmanischen Buchstaben selbst gegossen, und einen Katechismus in der Landessprache gedruckt. Wegen seiner ausgezeichneten Eigenschaften steht er bei den Armeniern, Mohammedanern und Birmanen in großem Ansehen. ° ^ " ____^_^. Verantwortlicher Redacteur: L> Schönchen. VerlagS-Jnhaber: F. E. Kvemer. >, Zwölfter Jahrgang. Sonntags-Beiblatt zur »k« ZikmT»>i iinlll? M M >Lt .^L> ?L>ik.>iM^Ä M 5. December 185S. .NlNIUl»' H^lNlUK? tz)Mtt'»Oi>?(t! --^ Dieses Blatt erscheint regelmäßig alle Tonntage. Der halbjährige Abonuementspreis kr., wofür es dnrch alle köuigl. bayer. Postämter und alle Buchhandlungen bezogen werden kauu. —.-------------------------- , > — -— — ...... Hv6 Ifn9 Hk6 ,iZlMII!tI^l)IP^H7IIIl)i'. Die Heiligen und Heiligenbilder der katholischen Kirche. (Fortsetzung.) Wir gehen jetzt zu einer speciellen Besprechung über die Heiligenbilder über. Wir beginnen mit einigen der am häufigsten vorkommenden Symbole (Sinnbilder) der Heiligenbilder. Das Bild des AdlerS, als Sinnbild des heiligen Geistes, findet sich in alten hebräischen Bildern oft. Der heilige Geist wird in solchen philosophirenden Schriften bald „diö Taube", bald „der Adler" genannt. Viele Völker — in Dentschland nachweisbar bis in das zwölfte Jahrhundert — stellten sich den Sturmwind als einen großen mächtigen Adler vor. Anker bedeutet im Allgemeinen Standhaftigkeit im Leiden, sodann Glaube, Hoffnung oder Geduld als deren christliche Faktoren. Als allgemeines Symbol bedeutet der Apfel den Sündenfall, die Erbsünde. Er wurde im Mittelalter häufig bei Christuöbildern angewendet, wo er dann die Erlösung von der Erbsüude andeutet. Bäume find zumeist geschichtliche Zeichen, die sich auf die Lebensweise der Heiligen oder ihren Martertod beziehen. Der Kelch dient nur zum heiligen Gebrauch und ist ein allgemeines Zeichen deS priesterlichen Standes. Auf richterlichen Grabsteinen oder über Burgthoren gehört er zum Wappen der Templer, deren Patron der heilige Johannes der Evangelist war (dieser Heilige hat einen Kelch mit einer Schlange neben sich). Der Becher dient nur zu profanem Gebrauche. Beile und Aerte sind fast immer geschichtliche Zeichen des Martyrthums. Beutel, Geldbeutel bildlich für Almvseiigeben, nur in den Darstellungen des ägyptischen Joseph vorbildlich gebraucht (auf deu Verrath Christi durch JudaS bezogen), der Evangelist Matthäus wird mit einem Beutel vorgestellt, weil er Zöllner war. Der Bienenkorb ist das Symbol der Beredsamkeit. Die Palme ist ein Siegeszeichen. Als erstes christliches Symbol bedeutet die Palme Sieg über den Tod. Sie findet sich daher sehr häufig auf den ersten christlichen Grabsteinen, und keineswegs nur allein bei den Märtyrern. Jeder Gläubige wurde als Sieger über den Tod gedacht und war der Palme würdig. Erst die spätere Kirche gibt ausschließlich den Blutzeugen die Palme. Eine frühere Zeic pflegte den Martyrtod oft durch Oelzweige anzudeuten. Der Kranz war wiederum schlechtweg SiegeSkranz. Der Oelzweig, den Noah'S Taube gebracht, wurde in Verbindung mit dem Wasser und somit der Tanse gesetzt. Das Martyrthum aber ist die Bluttause. Nicht selten findet sich mit der Palme der Vogel Phöm'r verbunden. Bon beiden be- 386 richtet die mystische Naturgeschichte, daß sie aus ihrer Asche neu auserstehen, und so mag denn die Palme auch Symbol der Wiederauferstehung nach den, Tode geworden seyn. Die weiße Lilie ist das Symbol der Jungfräulichkeit. Das Buch, welches fast immer ausgeschlagen ist, scheint Hch auf daS Evangelium zu beziehen. Sonst deutet eS den Kirchenlehrer an. Die Delphine, als Symbol eine Nebenform von Fisch, bezeichnen die Christen. Der Drache ist das Symbol deS Bösen. Der Satan wird der große Drache, die alte Schlange genannt (Apoc. 12, 9; 13, 2). Vor Allem ist der Drache daS Symbol der Abgötterei. Die christliche Kirche ist in einem beständigen Kriege mit dem Drachen, der als der Widersacher des Lammes auftritt. Edelsteine finden sich in reichem Maße als Verzierungen an den Gewändern der Märtyrer angebracht, und die Gläubigen pflegten in solchen Edelsteinen daS kostbare Blut der Märtyrer anzudeuten. Bei den Engeln sind sie Symbole der Tugenden. Das Einhorn ist das Symbol deS Kreuzes, wahrscheinlich weil die fabelhafte Naturgeschichte von dem Horn dieses ThiereS berichtet, daß jegliches Gift durch dasselbe unschädlich gemacht werde. Auch wurde das Einhorn als Symbol der Reinheit, der Jungfräulichkeit betrachtet. Die alte Fabel wurde vorgebracht, das Thier könne nur eingefangen werden, wenn eine reine Jungfrau ihm den Schooß öffne, woraus sodann entsprang, daß das Einhorn Symbol der unbefleckten Empfängniß wurde. Die dem Thiere beigelegte Schüchternheit und Liebe zur Einsamkeit machte eS nach einer andern Seite hin zum Ausdruck deS klösterlichen Lebens, der klösterlichen Zucht und der beschauliche» Einsamkeit. Daher kommt es an Bischofsstäben, u. a. auch am Stäbe deS heil. Sturmius, der in Fulda aufbewahrt wird, vor. Die Einsamkeit wird übrigens auch durch Löwe und Schwan ausgedrückt. Fahnen bezeichnen zunächst den Triumph Christi. Die alten heidnisch-römischen Fahnen führten theilweise einen Drachen, der in der christlichen Zeit durch daS Kreuz verdrängt wurde. Der Fisch ist im Allgemeinen Symbol des Christen, wozu vielleicht die Stellen: Mtth. 4, 19 und Mark. 1, 17 die nächste Veranlassung gaben. Nach einem sybilli- schen Werke lassen sich die fünf Buchstaben deS griechischen Wortes für Fisch, I. Ch. Th(cou) Y(ios) S(oter) — Jesus Christus, Gottes Sohn, Erlöser — auf Christus deuten. Vier Flüsse, die sich unter andern symbolischen Bildern auf Kunstwerken der ältesten christlichen Zeit sehr hänfig finden — zumal iu den Wandgemälden alter Kirchen zu Rom und Ravenna — bedeuten im weitern Sinne das Evangelium von der Versöhnung, im engern die vier Evangelisten. Als geschichtliches Attribut kommen Flüsse und Wasser insbesondere bei Einsiedlern häufig vor. Die Geisel ist meist ein geschichtliches Zeichen, dann auch ein symbolischer allgemeiner Ausdruck sür Buße. Die Musik, als die Kunst der Töne, wird in der Sculptur zuweilen als weibliche Figur dargestellt, die mit einem Hämmerchen an eine Glocke schlägt. Das Glöckchen beim heiligen Antonius erinnert vielleicht an das von seinen Schülern befolgte Nachtwachen und Frühaufstehen. Der Hahn ist ein Attribut des heiligen PetruS (mit Beziehung auf Mark. 1-4, 68), dann daS Symbol der Wachsamkeit überhaupt, der christlichen Wachsamkeit insbesondere (1. Cor. 10, 12). Der Hahn über dem Kreuze auf den Kirchthürmen scheint sich mehr auf den Apostel Petrus zu beziehen, oder auf die Kirche, deren Haupt er ist, als auf jene allgemeine Aufforderung zur Wachsamkeit; eS sey denn, daß man speciell die Wachsamkeit im Glauben (Orthodoxie) unterlege, wo es dann wieder mit Obigem zusammenfällt. Die römische Kirche ist der Wächter der Rechtgläubigkeit, und somit wäre der Hahn auf dem Kreuze der Kirchthürme ein Trinmphzeichen der katholischen Kirche. Eine Hand, die aus den Wolken hervorreicht, bedeutet die Allmacht Gotteö 387 (Apost. 7, 50; Jsai. 66, 2); eine Krone über das Haupt Christi hallend, die dem Sohne verliehene Macht. Die Hirsche sind aus Bildern meist durch einen Pseil verwundet. In der gcr-- manischcn Mythologie erscheint der Hirsch gerne als Wegweiser. Im Mittelaltcr dagegen ist er der Hülfsbedürstige, der sich zn dem Frommen flüchtet und Rettung findet. Die altchristliche Symbolik scheint, nach Ps. 4t, die nach Gott verlangende Seele unter dem Bilde des Hirsches anzudeuten. Späterhin hat man wohl schlechtweg die Frommen und Gläubigen damit bezeichnet. Von der nach Gott verlangenden Seele lag der Uebergang zum Wasser der Taufe nahe (Ps. 41, 2: „Wie der Hirsch nach Wasserquellen verlangt, so verlangt meine Seele nach dir, o Gott.") Und so findet sich denn auch in der alten Kirche der Hirsch einigemal als Symbol an Taufbecken angebracht. Die Hunde sind auf Grabsteinen das Sinnbild der Treue und dauu gewöhulich zu den Füßen verheiratheter Frauen; der Mann erhält einen Löwen Es gibt auch allegorische Bilder, in welchen die Gläubigen unter der Gestalt von Schafen vorgestellt werden, die von schwarz und weiß gefleckten Hnnden (um an die Ordenstracht der Dominikaner zu erinnern, Ooiriini Lsnss) gegen die einbrechende Ketzerei geschützt werden. Keule und Schwert sind fast immer historische (Zeichen für den Martertod). Die Keule deutet meistens auf den Tod von der Hand der Heiden; Schwert auf gerichtliches Versahren. Zuweilen auch wird nnbekannter Martertod durch die Keule angedeutet. Die Seele wird sehr häufig unter dem Bilde eines ncugebornen Ki ndes dargestellt, wie denn der Todestag der Märtyrer „Geburtstag" genannt, und gleich dem Sacrament der Taufe als der Ansang eines neuen Lebens, als der wahre Geburtstag betrachtet wird. Die Seelen der nach empfangener Taufe gestorbenen Kinder werden als lebende, die ohne Taufe verstorbenen als todte Kindlein dargestellt. Auf Bildern vom Tode der Mutter Gottes erscheint Christus häufig, wie er die Seele der Mutter, als neugebornes Kind, auf dem Arm trägt. Dasselbe von andern frommen Seelen. Ebenso empfangen die Engel die Seelen der Sterbenden, wo dann die Gerechten als Kindlein vorgestellt sind, die nach Oben schauen und verlangen, die Seelen der Gottlosen sich nach der Erde zurückwenden. Auch aus den gefalteten Händen eines Betenden steigt ein kleines Kindlein auf, um die zu Gott sich erhebende Seele anzudeuten. ° Den Fundatoren von Kirchen oder Stiftern wird gewöhnlich eine Kirche als historisches Attribut beigegeben. Simson wird gewöhnlich als ein Bild des heiligen Petrus angesehen. Der alte Lehrstuhl (Lstkeclrg), auf dem dieser in Rom gepredigt haben soll, ist mit kleinen Herkulesbildern verziert. Der christlichen Sinnesart war es augemessen, diesen Bildern eine andere Deutung zu geben und sie geradehin mit dein alten Testamente in Beziehung zu setzen (als Simson), wo sie dann als Vorbilder für die Zeit der Erfüllung galten. Aus diesem Zusammenhang ist es wohl zn erklären, warum die biblische Her- kuleSfigur (der Herkules-Petrus) noch fortwährend an der Kanzel d. i. am Lehrstuhle Petri vorkommt. Kränze findet man in der ältesten Zeit aus Särgen uud Grabsteinen. Nach der Apokalypse des heiligen Johannes sind sie ein Zeichen des im Herrn ruhenden Christen, der siegreich geendet hat. Später scheint er allein aus Heilige und Märtyrer bezogen. Auch nimmt die Krone die Bedeutung von Sieg uud Lohn auf, und schließt den Begriff des Martyrthums weder ein noch aus; sie symbolisirt die Vollendung, den Preis des Gerechten, des Vollkommenen. Auch bezeichnet sie fürstliche Geburt oder nur Weihgeschenk. Das Lamm, als Symbol, ist Christus, „das Lamm, das der Welt Sünden trägt." Zumeist trägt dann dieses Lamm das Kreuzpanier. Auch die Apostel werden unter dem Bilde von Lämnurn vorgestellt. In symbolischen Darftellungen alter Deckengemälde kommen aus zwei Städten je sechs Lämmer aus einer Stadt gezogen, unter welchen beiden Städten Bethlehem und Jerusalem (als Anfang und Ende der zeitlichen 388 Geschichte des Herrn) zu verstehen sind. Die Schafe (gewöhnlich truppweis) sind historische Attribute, die den Hirten, Schäfern, zukommen. Die Widder und Böcke symbolisiren den Erlöser, den Versöhner (Hcbr. 13, 11. 12; 3. Mos. 1k, 5, 7), Unter dem Bilde des Löwen wird der Teufel symbolisirt (1. Petr. 5, 8); auch werdcu durch Löwen die zahlreichen Hinrichtungen im Amphitheater angedeutet. Nicht minder war der Löwe, wie schon gesagt, ein Bild der Einsamkeit. Mäuse, und überhaupt unreine Thiere, sind das Symbol böser Dämonen. Leier, Laute, Orgel, auch die Geige, besonders aber Leier und Orgel, sind Symbole des Gottesdienstes, in engerem Sinne: Lobpreisung Gottes, Die großen Zimmermannsnägel waren schon bei den alten Römern Peini- gungswerkzeugc und es wird ihrer in der Märtyrergeschichte oft Erwähnung gethan. Der Pelic an soll sich die Brust öffnen und mit seinem Blute die Jungen ernähren. Den Christen schien es ein gefälliges Bild für die freiwillige Hingabe des Erlösers, „der sein Blut gegeben zur Erlösung für Viele." Das Pelicannest findet sich deshalb öfters in alten, zumal italienischen Bildern, über dem Haupte des gekreuzigten Heilands angebracht, auf der Spitze des Kreuzes, oder unmittelbar über dem Haupte Jesu, so daß die Dornenkrone mit den Zweigen des Nestes zusammenkommt. Das Bild des Pfaues war im römischen Heidenthum bei der Vergötterung der Kaiserinnen angebracht. Diesem Bilde der Unsterblichkeit wurde in den ersten Jahrhunderten der Kirche die christliche Idee von der Unsterblichkeit und Wiederauferstehung unterlegt. Das Pfauenbild konnte beibehalten werden, insofern darin bereits eine dunkle Ahnung von Dem erkannt war, was jetzt in einer größeren und allgemeineren Bedeutung gelehrt und erfaßt worden, ES scheint, daß sich die christlich-symbolische Bedeutung deS Pfaues zunächst an den jährlichen Federwechsel des Thieres anlehnte, der bei der Schönheil des Gefieders aufgefallen war; auch behaupteten die Alten, sein Fleisch widerstehe der Verwesung, Durch alles dieses empfahl sich das Bild als Symbol der Unsterblichkeit, des Triumphes über den Tod, einer freudigen Hoffnung der Auferstehung. Der Pfeil ist meist historisches Attribut, um die Todcsart anzuzeigen und steht manchesmal geradezu für Geschoß, insbesondere für Wurfspieß, Dolch. Die Rüstung, welche viele Heilige tragen, deutet an, daß sie Ritter, Soldaten, überhaupt Krieger waren; oft erscheint sie als Symbol der „Streiter Christi," womit man auch in früheren Zeiten jeden Gläubigen bezeichnete. In der allgemeinen christlichen Symbolik bedeutet das Schiff die christliche Kirche. Die alte Kirche nahm vorzugsweise die Arche Noah's als Symbol für die Kirche Christi, wohl in Beziehung auf 1. Petr. 3, 20. 21, Rettung des Menschen aus der Sünde. Die Kirche (daS Schiff) als das Alleinrettende (Alleinseligmachende). Das Schwein bedeutet gewöhnlich den Teufel, Das Schwert wird bald als Zeichen der Enthauptung insbesondere, bald für den nicht näher bestimmten (oder unbekannten) Martyrtod im Allgemeinen gebraucht. Darin liegt denn auch der Grund, warum Schwert, Beil und Lanze oft miteinander wechseln. Nicht selten tragen gewisse Heilige einen Stab, an dem oben eine kleine, meist längliche Sonne befestigt ist, in der die Buchstaben IL8 stehen; sehr oft findet man dieses bei Missionären, und so scheint es die Ausbreitung deS Christenthums, als die neu aufgehende Sonne, bezeichnen zu wollen, 'Der Stein (Steine) bezeichnet zunächst und am häufigsten den Martyrtod durch Steinigung, dann anch ascetisches Leben, Beschaulichkeit und Abtödtung. Büßer pflegten sich mit einem Steine gegen die Brust zu schlagen. Am allerhäufigsten wird Taube als Symbol des heiligen Geistes gefunden, Sie ist serner der Ausdruck der Inspiration des heiligen Geistes, das Sinnbild der Seele, der Hcrzenseinfalt und der Frauen. Des Teufels Symbol ist gewöhnlich die Schlange und der Drache. Die Rebe bezeichnet die Bekenner Christi, der Wein stock bedeutet Christus. Joh. 15, 1. 5. Auf sehr alten Bildern ist Christus oder das Lamm von Weintrauben 38» umgeben. Eine speciellere Bedeutung ist es, wenn durch die Traube auf das Blut Christi oder der Märtyrer angespielt wird, > Die Heiligen werden gewöhnlich mit einer Krone aus dem Haupte abgebildet, weil sie die nnverwclkliche Krone des Ruhmes und deS Lebens erhielten, welche Gott Denen verheißen hat, welche ihn lieben. Ihr Haupt ist kreisförmig von Strahlen nmgeben, weil sie das Licht der Welt sind, Die Patriarchen und Propheten haben Rädchen in den Händen, weil vor der Ankunft Christi der Glaube nur bildlich, und in Betreff vieler Punkte in sich selbst verwickelt, also dunkel war. In den Kirchen steht man sehr häufig die Apostel. Gewöhnlich werden sie barfuß abgebildet. Der heilige Bouaventura sagt, Christus und seine Apostel und Junger seyen barfuß gegangen; dasselbe schreibt der heilige Gregor von Nazianz. Conrad Brnnus bemerkt, daß sich heilige Männer des Gebrauchs der Schuhe enthalten hätten, wie z. B. der heilige Jacobus, und daß dieß höchst wahrscheinlich auch die übrigen Apostel gethan hätten, weil Christus (Mtth. 50, 9. 10) sagt: „Ihr sollt weder Gold, noch Silber, noch Geld in euern Gürteln haben, weder eine Reisetasche, noch zwei Röcke, noch Schuhe^)." Die Bischöfe werden sitzend abgebildet, wodurch ihre richterliche Gewalt angedeutet wird. Auch sieht man sie init erhobener Hand abgemalt. Die Hand wird aber besonders beim Segnen und Predigen in die Höhe gehoben. Die Kirchenlehrer und Beichtiger werden mit denjenigen Zeichen abgebildet, welche die heiligen Väter aus der heiligen Schrift auf sie angewendet haben. Die Kirchenlehrer sieht man mit Sternen abgebildet, denn Licht und Glanz ist ein Symbol ihrer Gelehrsamkeit, und Daniel (13, 3) sagt: „Die Gelehrten werden leuchten wie der Glanz deS Firmaments, und die, welche Viele zur Gerechtigkeit heranbilden, wie Sterne in alle Ewigkeit." Die Jungfrauen tragen eine aus Blumen gewundene Krone, denn der Jungfrauen Sache ist es, Blumen zu pflücken und aus ihnen Honig zu bereiten, von dem es (Lsrit. 4, 11) heißt: „Flüssiger Honig sind deine Lippen, Geliebte; Milch und Honig sind unter deiner Zunge." Auch nennt der heil. Cyprkan die Jungfrauschaft eine Blume. Die Engel werden gewöhnlich so abgebildet, wie sie früher den Menschen erschienen sind. Sie werden in menschlicher Gestalt, als Jünglinge mit glänzendem Gesichte, mit weißen Kleidern und unbeschuhten Füßen, mit Gürteln um die Lenden und die Brust mit Edelsteinen geziert, mit zwei Flügeln, und von Wolken umgeben dargestellt; oft steht man sie mit Symbolen des Zornes oder der Barmherzigkeit Gottes, wie mit einem Schwerte oder einem Kreuze in der Hand. Man bildet sie in menschlicher Gestalt ab, um dadurch anzudeuten, welche Zuneigung sie zum menschlichen Geschlechte haben, wie bereit sie sind zum Dienste des Herrn, denn, „alle sind dienstbare nos T^tv ntoT !m>Z ,'mMH)/,!«lW' m'-zl lkaG'nnlM ?y«/ t6o6-S-. ^>-ov? rra-'Fa^l-r. — ^av-ill^io,', oa-^«^-»>. üoll'sch 5ll^//?«^o-/, war eine Art von Weiberschuh oder eine hölzerne Sole, soles, ssnäslig, welche, wie man dieß noch bei den Franciscanern ficht, mit Riemen um den Oberfuß gebunden wurde). Daher bemerkt der heilige Auzustin, daß unter den bei Matth. 10 und Luc. 10 den Aposteln verbotenen Schuhen solche zu verstehen seyen, welche den ganzen Fuß bedeckten, daß sie aber Sohlen, Sandalen, tragen durften, welche die Fußsohle vor Ungcmach schützten. Da nun Christus und seine Apostel nach der Sitte der Armen jener Gegend Sandalen trugen, so befahl er den Aposteln, sich mit solchen zu begnügen und nicht erst Schuhe zu nehmen, welche den ganzen Fuß bedeckten, wie deren sich die Reisenden in dortigen Gegenden bedienten. Von Christus selbst sagt der heilige Johannes der Täufer bei Matth. 3, lt.- „Der nach mir kommt, ist stärker als ich ; ich bin nicht würdig, seine Schuhe zu tragen," und bei Marc. t, 7: „Ich bin nicht würdig, daß ich mich bücke, um seine Schühriemen aufzulösen." An beiden Stellen heißt es im Griechischen: ,,^?ro^«r«;" i)?roS^oi (abgeleitet von v?ro3k», unterbinden, darunter binden) heißt das unter den Fuß Gebundene, die Sohle, in welcher Bedeutung es an den gedachten zwei Stellen genommen zu seyn scheint; freilich bedentet es auch im weitern Sinne Schuh. Zu Petrus sprach der Engel (Act. t2, 8): „Thue deine Schuhe (im Griechischen o---^«^») an." Daher ist es wahrscheinlich, daß die Apostel nicht barfuß gegangen find, sondern Sandalen, nicht aber Schuhe, getragen haben. 39« Geister, wegen Derer, die die Seligkeit erben sollen." lHebr. 1, 14.) Ihre Jlugcl bedeuten dieselbe Bereitwilligfci!, nicht nur Gott, sondern auch dcu Frommen dieser Welt zu dienen, von welch' letztern es heißt: „Er hat seinen Engel deinetwegen befohlen, daß sie dich auf allen deinen Wegen bewahren" (Ps. 90). Manchmal sieht man die Engel mit Rauchfässern in den Händen, wodurch angedeutet wird, daß sie unser Gebet zu Gott bringen. (Tob. 3, 25 und 12, 12.) Auch heißt eS in der Apokalypse (8, 3): „Und ein anderer Engel kam und trat zum Altare; er hatte ein goldenes Rauchfaß und der Rauch des Räucherwerks vom Gebete aller Heiligen stieg auf von der Hand des Engels zu Gott." Man stellt die Statuen der Engel deshalb auf die Altäre, nm anzudeuten, daß sie der Feier der göttlichen Geheimnisse daselbst beiwohnen. Die Cherubim sind Engel eines anderen RangeS, welche die göttliche Wissenschaft den Priestern mittheilen. Sie betrachten immer das Versöhnungspfer, und deuten dadurch an, daß die Engel immer auf unsern Vermittler JesuS Christus hinzublicken wünschen, damit er unsere Erlösung vollende. Hierauf hat wohl jene Stelle des Apoftelfürsten (l. 1, 12) Bezug: „...Auf welchen die Engel zu schauen wünschen." Die Einsiedler werden gewöhnlich dargestellt als in Fetten gekleidete (bärtige) Männer, die sich in einer Wüste oder in einer felsigen Gegend befinden. Nicht selten sind sie auch an einem Flusse oder Wasser, wie es denn als frommes Werk betrachtet wurde, Reisende über einen Fluß zu tragen. Ihre Attribute sind meistens individuell. Die Pilger haben gewöhnlich einen Pilgerstab, eine Pilgcrtasche, einen Muschel- Hut und Muschelkragen, oft auch eine (Kürbis-) Flasche. (Fortsetzung folgt.) Amerika. Die hochwiirdigsten Erzbischöfc und Bischöfe in den Vereinigten Staaten von Noldamerika haben in dem zu Baltimore abgehaltenen ersten National-Concilium das uachfolgendc Schreiben vom 19. Mai 1852 an den hochw. Herrn Fürsterzbischof von Wien gesendet, in welchem sie ihren Dank allen Gliedern des Leopoldinen-Vereines anssprcchcn und um fernere Unterstützung durch Gebet und Beiträge bitten. Schreiben des hochwürdigsten Conciliums zu Baltimore. Seiner Gnaden, dem hochwürdigsten Herrn Vincenz Eduard Milde, Fürst-Erzbischos von Wien, Präsidenten deö löblichen Leopolvinen-Vereines, den Herren Directoren und allen Mitgliedern dieses Vereines. Die ehrwürdigen Väter des ersten National-ConciliumS von Baltimore. „Wenn unser heiliger Glaube sich immer weiter im Gebiete der Vereinigten Staaten von Nordamerika ausbreitet und zugleich, wie eS die stets mehr aufblühende Frömmigkeit und Tugend seiner Bekenner bezeugt, auch an innerer Kraft gewinnt, so müssen wir wohl vor Allem Gott den Allmächtigen, dem Vater alles Lichtes, von dem jede gute Gabe kommt und jedes vollkommene Geschenk, dafür preisen und ihm in Demuth und Aufrichtigkeit der Herzen Dank sagen. Doch auch unsern GlaubenS- brüdern sind wir dafür zum Danke verpflichtet. Denn jene erfreulichen Fortschritte sind ohne Zweiscl eine Frucht des Gebetes, welches in fast allen Ländern des Erdkreises für die Bekehrung der Sünder und der Ungläubigen aufgeopfert wird. Die Bitten, welche dcm Vater der Erbarmungen unter den verschiedenen Nationen des österreichischen Kaiserstaates von den frommen Mitgliedern des Leopoldinen - Vereins für das Gedeihen der heil, Kirche in diesen so viel versprechenden Staaten aufgeopfert werden, konnten nicht unerhört bleiben, nachdem unser göttlicher Lehrmeister nnS versichert hat: Bittet, so werdet ihr erlangen; suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgechan werden." Der Eifer dieses schönen Vereins für die Ehre GottcS und das Heil der unsterblichen Seelen begnügt sich nicht mit der Anrufung der göttlichen Barmherzigkeit zu Gunsten der uns von dem Stellvertreter Jesu Christi anvertrauten Missionen; denn in werkthätiger Liebe sendet er jährlich der katholischen 381 Kirche dieses Welttheils jene Gaben, welche der Reiche von seinem Ueberfluß, der Arme von seiner Nothdurft, ein Jeder aber mit freudigem Herzen reicht, um dadurch auch mitzuwirken an der Ausbreitung und Befestigung jenes Glaubens, welcher ihn selbst glücklich macht und ihm die Hoffnung des ewigen Heiles gewährt. Wie viel Gott und die Menschen Erfreuliches ist schon durch die Gaben dieses herrlichen Vereins ermöglicht uud verwirklicht worden! „Seeleneifrige Priester werden unS zugeschickt, iu diesem noch jugendlichen Theile des Weinberges deS Herrn zu arbeiten, wo der Arbeiter leider immer noch zu wenige sind; wo noch vor nicht langer Zeit der Wilde seinen KriegStanz feierte und sich an der Todesqual seines besiegten Feindes weidete, da erheben sich von Tag zu Tag neue Kirchen, ärmlich zwar und unscheinbar, aber, gleich dem Stalle zu Bethlehem, doch immer die Wohnung deS Herrn, dessen Lust eS ist, bei den Menschenkindern zu seyn und der sich auch jetzt zu ihrem Heile in den endlosen Wäldern und unübersehbaren Prairien dieses Welttheiles in unaussprechlicher Liebe seinem himmlischen Vater aufopfert. Die Anzahl der katholischen Schulen vermehrt sich beständig und ist uns Bürge, daß der heilige Glaube, der ohne solche Schulen stets gefährdet bliebe, fortan immer tiefere Wurzel fassen werde. Auch die bischöflichen Seminäre gestalten sich immer besser und haben bereits viele vom Geiste GotteS erfüllte Männer zu würdigen Priestern gebildet. „An allen diesen Werken hat der löbliche Leopoldinen-Verein thätigst mitgewirkt durch die täglichen Gebete und die freiwilligen Gaben, welche die Glieder desselben biöher in so reichlichem Maße beigesteuert haben. Deshalb hielten eS die ehrwürdigen Väler dieses Conciliums für ihre heilige Pflicht, die sie hiemit jetzt freudig erfüllen, dem hochwürdigsten Herrn Fürst-Erzbischofe von Wien als Präsidenten, so wie den andern Herren Direktoren und allen Mitgliedern und Beförderern des löblichen Leopoldinen-Vereins zu einem so unerwarteten Segen Ihres Wirkens Glück zu wünschen und für alle den amerikanischen Missionen gezeigte Theilnahme zu danken. Sie hoffen von der Barmherzigkeit Gottes, daß er auch in Zukunft über dieses wahrhaft katholische Werk seinen Segen ausgießen werde, zur Ehre und zum Verdienste der Theilnehmer in Europa und zum Heile und Gedeihen der amerikanischen Kirchen. Die Obcrhirten und die ihnen anvertrauten Heerden werden nicht unterlassen, eingedenk der Worte des heiligen Apostels, ihre Bitten, Gebete, Fürbitten und Danksagungen Gott dem Herrn darzubringen, aus daß das erlauchte Kaiserhaus und alle unter seiner Obhut stehenden Völker, besonders die Freunde der amerikanischen Missionen aus der Hand ihrer Feinde erlöset in Heiligkeit und Gerechtigkeit des heiligen Friedens genießen mögen alle Tage ihres Lebens." D. Baltimore, den 19. Mai 1852. FranciscuS Patriticy Kenrick, ^reti. kalt. 8eäis. ^p. vel. Fr. Lhomme, Promolor. __ Zweibrücken. Zweibrücken, 11. Nov. Vor Kurzem hat der im beuachbarten Orte Cont- wig ohne nahestehende Erben verstorbene quieScirte Revierförster Held dem hiesigen Bürgerhospitale sein Gesammtvermögen von circa 80V0 fl. hinterlassen. Eine so edle Handlung verdient auch in weiteren Kreisen bekannt zu werden, denn wir halten derlei Vermächtnisse zu allgemein wohlthätigen Zwecken für das sicherste Mittel, menschenfreundlichen Gesinnungen bis über das Grab hinaus eine nützliche Richtung und Dauer zu gebe». So steht hierorts noch heute der Name des Abbv Grinsard, als eines der edelste» WohlthäterZweibnickenS uud der Umgegend, im ehrendsten Andenken. Er lebte wahrhast dürstig, versagte sich selbst jeden Genuß und fast jede Bequemlichkeit, nur um am Ende seines Lebens all sein Hab und Gut, im Gesammtbetrage von 392 110,000 fl., zu wohlthätigen Zwecken, überhaupt zur Linderung menschlicher Noth und Leiden verwenden zu können, denn rührend ist es, was er Hierwegen selbst am Schlüsse seines Testamentes (1787) sagt: „Da ich stets beabsichtigt hatte, alle in meinem Leben gemachten Erwerbungen und Ersparnisse nach meinem Tode für Unterstützung der Armen zu hinterlassen, so setze ich die Armen überhaupt zu meinen wahren Erben aller meiner beweglichen und unbeweglichen Verlassenschaft ein." Möchte man doch bei den letzten Pulsschlägen so manchen Herzens, das üppig in den Freuden und Genüssen des Lebens schwelgte, noch der Worte deS Abt>6 Grinsard gedenken I Neapel. ,s(-5s ii? ins<^Nn)chjinM «ziizH?i>'!?>j »lysiM m?ch!ltd'l!>7 of ni iz^iö Der Herbst — des Lebens. Traurig schleicht der blasse Nebel Uni den stillen Wiesengrund, Und der flücht'ge Gang des Reifes Tritt die nackten Gräslein wund. Bange weht es durch die Weide An der düstern Friedhofsmauer, Und die salben Blätter zittern Wie von ahnungsvollem Schauer. Oede steh'n die kahlen Aecker, Längst des Sommers Schmuck beraubt; Von des Schnitters scharfer Sichel Sank der Aehren goldnes Haupt. Und der Sänger heitre Lieder Aus des Lenzes Blüthetagen Hat der Todesengel schweigend In die Liedergruft getragen. — So auch harrt ein Herbstesmorgen An des Lebens Neige dein, Und die Hand des Friedensboten Führt auch dich zur Ruhe ein; Dann verstummen dir die Klagen, Es versiegen deine Thränen, Da sich der Vollendung nahet Deiner Seele frommes Sehnen. Sage, daß in diesem Herbste Du, der vollen Aehre gleich, Heiter dich zu Grabe neigest An der Liebe Werken reich. Welche Wonne, wenn die Engel Gottes zu dir niedcrschweben, Und für deine Erdenmühen Dir den Lohn des Himmels geben! TafrathShofer. ' " -^--'- Leranlw^Ui'che! Redacteur: L, Schoucheu. VerlagS-Iahabcr: F. tS. Kremer. Zwölfter Jahrgang. - Sonntags-Beiblatt zur Augsburger Poffzeitung. -u;y»«owz mtzüG'»i«l niä. r»!!-,s . ,1,«« Z(do7Ä>k nzt^eM ckme vut'frrD ^ 12. December Z«. 185L. >>> > . Dieses Blatt erscheint regelmäßig alle Tonntage. Der halbjährige Abonnementspreis TA kr., wofür e» durch alle köm'gl. bayer. Postämter und alle Buchhandlungen bezogen werden kann. Die Heiligen und Heiligenbilder der katholischen Kirche. (Fortsetzung.) Nach diesen Vorbemerkungen über die Heiligenbilder gehen wir zur Beschreibung derselben im Einzelnen über und beginnen mit den Bildern deS Herrn der Heiligen. Auf Bildern, welche die Geburt Christi darstellen, sieht man neben der Krippe einen Ochsen und einen Esel. Dazu bemerkt ErasmuS: „Von alten Zeiten her ist uns ein Gemälde zugekommen, welches zur Krippe einen Ochsen und Esel hinzufügt." Doch steht hiervon nichts deutlich in der heiligen Schrift; die Veranlassung hierzu mag entweder jene Stelle auS Jsaias 1, 3: „Der Ochs kennt seinen Herrn und der Esel die Krippe deS Herrn"' oder aus Habaknk 3: Inmitten zweier Thiere wirst du erkannt werden," gegeben haben. Ueber die ans daö Fest der Erscheinung deS Herrn bezüglichen Bilder bemerken wir Folgendes: Nach Petrus (cls. ust. I. 2. Lat. 8 ) soll der eine der drei Weisen, Balthasar, vierzig, der andere, Kaspar, sechzig, und der dritte, Melchior, zwanzig Jahre alt gewesen seyn, und gewöhnlich werden sie auch als Manner von diesem Aller abgebildet. Auf älteren Bildern steht man alle drei mit weißen Gesichtern, und so waren sie auch in der kölnischen Kirche dargestellt. Der Gebrauch, einen der Weisen als Mohren zu malen, ist erst in neuerer Zeit erschienen. Mit Recht aber werden sie als Könige abgebildet, denn als solche bezeichnen sie die ältesten Schriftsteller. Der heil Chry- sostomuS nennt sie persische Könige, und ebenso sagen die heiligen AthanasiuS und HieronymuS-, wie nicht minder Tcrtullian, daß sie Könige gewesen seyen, und jene Schriftsteller stützen sich nicht sowohl aus die Geschichte, als auf die heilige Schrift, und namentlich auf jene Stellen Ps. 71: „Die Könige von TharseS und die Inseln werden Geschenke bringen; die Könige der Araber unv von Saba werden Geschenke herbeiführen," und Jsaias 6V: „Im Glänze deiner Geburt werden Könige einher-- gehen," und diese Stellen sang die christliche Kirche schon in ältester Zeit am Feste der Epiphanie. Tertullian sagt überdies,, daß fast der ganze Orient die Weisen für Könige halte. Nicht minder scheinen die Worte: „Und sie öffneten ihre Schätze" anzudeuten, daß sie Könige waren. In einem alten Epigramm, welches man Claudian zuschreibt, werden sie chaldäische Könige genannt, und diese Meinung hatte schon in früheren Zeilen im Volke Wurzel gefaßt. Adam SaSbout schreibt in der Homilie am Feste der drei Könige: „Sie waren aber nicht nur Weise, sondern auch Mächtige, ja sogar Könige; so sagt die mündliche Ueberlieferung, welche der Umstand wahrscheinlich macht, daß bei den Persern Niemand König seyn konnte, der nicht vorher die Wissenschaft der Magier erlernt hatte." Den schönsten und gründlichsten Beweis dafür, daß die ' drei Weisen Könige gewesen seyen, führt Cornelius Jansen; doch da derselbe ziemlich lang ist, so übergehen wir ihn; die bereits angeführten mögen genügen. In Jem- SS4 blour wurde ein Meßgewand aufbewahrt, welches aus den Zeiten des heiligen Bernhard stammte und sehr schön gestickt war. Auf demselben waren die drei Weisen als Könige mit Kronen und weißen Gesichtern. Gegen die Meinung Luthers, daß es mehr als drei Weisen gewesen seyen, welche zur Anbetung Christi kamen, streitet, daß in Köln drei heilige Leiber der Weisen aufbewahrt werden, und daß Leo der Große und andere Schriftsteller drei aufzählen, Auf den Bildern der drei Weisen sieht man auch oft einen Mann bei dem Stalle, der die Hände emporhebt: der Prophet MichäaS (5, 1). — Als Christus nach Egypten gebracht wurde, sollen hier die Götzen zusammengestürzt seyn (Jsai. 19), weshalb man aus Bildern, die die Flucht nach Egypten vorstellen, ein umfallendes Götzenbild fleht. Der Teufel, welcher sich gern in einen Engel des LichtS verwandelt, kam wahrscheinlich in der Gestalt eines ehrbaren und heiligen Mannes zu Christus, um ihn zu versuchen. Heinrich Agrippa schreibt, er habe auf einem Bilde, welches die Versuchung Christi darstellte, den Teusel nach Art der Mönche und Eremiten mit einer Capuce abgebildet gesehen, weshalb er mit einem schlechten Witze auSrust, er habe aus einem Bilde gefunden, was er in der heiligen Schrift vergeblich gesucht habe, daß nämlich der Teufel der Erfinder der Capucen sey. Manche Maler verabsäumen es, bei Darstellung des letzten Abendmahles ungesäuertes Brod zu malen. Gewöhnlich sieht man dreizehn Stücke Brod abgebildet, um anzudeuten, daß Christus nicht nur seinen zwölf Aposteln, sondern auch sich selbst das heilige Sakrament gespendet habe. Der Gebrauch, das Abendmahlbrod rund darzustellen, ist sehr alt; schon der heilige EpiphaniuS erwähnt desselben. Jetzt einige Bemerkungen über die Bilder, welche das Leidendes Herrn darstellen. Der Heresiarch Beza tadelte die katholischen Maler, weil sie, gestützt auf jene Worte: „Dieser Kelch gehe an mir vorüber," den Kelch Christi im Oelgarten nach der Gestalt der in der Messe gebräuchlichen malten. Er sagt, daö griechische ?ror^to^ dürfe nicht durch Kelch, sondern durch Becher übersetzt werden, und bezeichne den Zorn Gottes, die Strafe für unsere Sünden, weshalb jener Becher das „verfluchte Opfer beS Antichrists" nichts angehe. — Gewiß ist keiner unserer Maler so dumm, daß er glaube, Christus habe von dem Meßkelche geredet. Weil aber der Heiland im figürlichen Sinne bat, der Kelch oder der Becher seines Leidens möge an ihm vorübergehen, so malen unsere Künstler gewöhnlich einen Kelch; sie behielten die Form des Kelches oder Bechers bei, welcher einzig beim heiligen Meßopfer gebraucht wird, weil Christus nicht einen gewöhnlichen, sondern einen allerheiligsten Becher (oder Kelch) trank, denn allerheiligst war sein Leiden, in welchem er sich seinem Vater sür uns als Opser darbrachte. Daher zog wohl auch der Uebersetzer den Ausdruck „Kelch" vor, weil dieses Wort nach dem Gebrauche der Christen etwas Höheres nnd Heiligeres bezeichnet, als das Wort Becher. Von Alters her malte man aber den Kelch in der Hand des Engels, wodurch bezeichnet wird, daß, als Christus bat, der Kelch möge an ihm vorübergehen, ein Engel erschien, der ihn stärkte. Manches ist über die Kreuzigung Christi zu sagen. Man hat die Frage erörtert, ob Christus vor oder nach der Aufrichtung des Kreuzes an dasselbe gehestet worden sey. Der hl. Gregor von Nazianz und Andere schreiben, er sey nach der Aufrichtung des Kreuzes gekreuzigt worden. Die allgemeine Annahme ist wohl für das Gegentheil. Der Heiland wurde aber so an's Kreuz gehestet, oder hing an demselben so, daß er mit dem Rücken gegen Jerusalem, also gegen Osten, mit dem Gesichte nach Westen sah, mit seiner rechten Hand nach Norden, mit seiner linken nach Süden zeigte. Ebenso stieg er gen Himmel auf; Er wendete sein Gesicht nach Westen, nach der römischen Kirche hin, für die er PetruS und Paulus auserkoren hatte. — Vor dem vierten Jahrhunderte scheint man keine Crucifixe gehabt zu haben, was wohl durch die Rücksicht aus die Heiden und auf die kaum aus dem Heidenthum bekehrten Christen verhindert wurde; in den ältesten Zeiten diente das bloße Kreuz zur Erinnerung an den Versöhnungstod des Heilandes. Zuweilen auch findet sich ein Lamm zu den Füßen des Kreuzes stehend, oder mitten in 395 demselben Daß Christus nackt, wenigstens nur mit Bekleidung der Lenden gekreuzigt wurde, muß aus dem Umstände, daß die Kreuziger sich in seine (Ober- und Unter-) Kleider theilten, gefolgert werden. Auf älteren Gemälden, und in den griechischen Kirchen erscheint er bekleidet am Kreuze. Auch der heilige Gregor von TourS schreibt, daß in der Nähe der Stadt Narbonne eine Kirche sey, in welcher der gekreuzigte Christus in eine Art Leinentuch eingehüllt sey. Die Form der ehedem zur Kreuzigung verwendeten Kreuze war dreifach: das sogenannte Andreaskreuz (X), das Kreuz, welches durch die Befestigung eines Querbalkens über dem aufrechten Balken gebildet war (I') und endlich das Kreuz, wie wir eS bei der Abbildung des gekreuzigten Erlösers zu sehen gewöhnt sind. Daß die letztere Form bei Christus wirklich angewendet worden, geht auS Stellen der heiligen JrenäuS, Augustin, Gregor von Nyssa u. a. hervor, in welchen sie ausdrücklich von dieser Kreuzform reden. Eine so allgemeine Uebereinstimmung, wie sie in der Abbildung deS Kreuzes Christi besteht, setzt auch nothwendig eine thatsächliche Ueberlieferung voraus, die obenein in dem von der heiligen Helena wieder aufgefundenen Kreuze eine neue Begründung und Stütze finden mußte. Auf sehr alten Bildern sieht man Christus mit vier Nägeln an das Kreuz geheftet, und diese Kreuzigungsweise haben bis auf den heutigen Tag die französischen Bildhauer und Maler beibehalten; wohl nicht mit Unrecht, denn sie ist durch das Alter geheiligt. Zudem schreibt Gregor von TourS, und schon der heilige Cyprian, daß zwei Nägel die Hände und zwei die Füße des Heilandes angeheftet hätten. Auf vielen Kreuzen sieht man ein Stück Holz, als Stütze für die Füße des Gekreuzigten, angebracht. Hicvon weiß man vor dem sechsten Jahrhunderte nichts. Es war nicht Sitte, die Füße der Gekreuzigten zu stützen, wohl aber ein Holz, auf welches der Gekreuzigte rittlings zu fitzen kam, in das Kreuz einzuschlagen, um das AuSreißen der Hände zu verhindern. Christus am Kreuze hat eine Dornenkrone, um anzudeuten, daß er der kurz vorher mit Dornen gekrönte König der Juden sey. Gregor, mit dem Beinamen der Theolog, schreibt, daß Christus wirklich eine Dornenkrone auf dem Haupte gehabt habe, und in einem Gebete, das Gregor dem Großen zugeschrieben wird, heißt es: „Ö Herr Jesus Christus, ich bete dich an, der du am Kreuze hängst und eine Dornenkrone auf dem Haupte trägst." Auch Tertullian sagt, daß Christus eine Dornenkrone am Kreuze getragen habe. Auf älteren Bildern vermißt man die Krone, auf andern hat der Erlöser eine Königskrone. Einige Kirchenschriftsteller tadeln jene Maler, welche die Dornen bis in den Schädel und das Hirn Christi eindringen lassen, weil eS in der Schrift heißt: „Ihr sollt ihm kein Bein zerbrechen." Der Sinn dieser prophetischen Worte kann übrigens unmöglich so weit ausgedehnt werden. Tertullian schreibt, daß die Schläfe des Herrn durch die Dornen der Krone beschmutzt und aufgerissen worden seyen.- Früher erschien Christus am Kreuze lebend, mit offenen Augen, die Füße nebeneinander angenagelt, und erst vom zehnten oder eilsten Jahrhunderte an verscheidend oder todt und zwar mit 'niedergesenktem Haupte, gegen das sechszehnte Jahrhundert beide Füße mit Einem Nagel durchbohrt. Vielleicht erst seit Michael Angelo wird das Haupt nach hinten gesunken, mit offenem Munde dargestellt. Ju den Offenbarungen der heiligen Brigitta heißt es, daß die Mutter Gottes ohnmächtig neben dem Kreuze niedergefallen sey. Auf den meisten Bildern sieht man sie schmerzenvoll, ja in Thränen zerfließend, wie eS denn auch in jenem unvergleichlichen HymnuS auf die schmerzhafte Mutter heißt: „Stakst m?tvr tc" Christi Mutter stand in Schmerzen Bei dem Kreuz, und weint von Herzen, Als ihr lieber Sohn da hing. Durch die Seele voller Trauer, Seufzend unter Todesschauer, Jetzt>5'a, Schwert de« Leiden« gticg? 396 Sehr Viele tadeln eine solche Darstellung Maria', wie ste in den erwähnten Offenbarungen und auf manchen Bildern 'gemacht wird. Denn vor Allem schreibt der heilige Johannes (19.)- „Bei dem Kreuze Jesu stand seine Mutter." „Ja," sagt ein Kirchenschriftsteller, „sie, deren Glauben nicht wie der der Apostel wankte, stand da, ohne ein Zeichen eines schwachen Geistes von sich zu geben; ste sank nicht auf die Erde, sie zerriß nicht ihre Haare, sie zerschlug nicht ihre Brust." „Sie stand da, sagt der heilige AmbrosiuS, „selbst bereit, für das Heil deS menschlichen Geschlechtes zu sterben." Matthäus GalenuS schreibt: „Wer kann, ich möchte fast sagen die Gottlosigkeit jen er Maler ertragen, welche die Mutter so vorstellen, als habe sie ihre Haare zerraufet, ihr Haupt besudelt, ihre Brust zerschlagen, als sey sie von Krämpfen befallen worden und niedergesunken u. s. w.?" Fast ebenso äußert sich der heilige An- selm, und Bernardin von Bustis bemerkt, daß der Fall Maria unter dem Kreuze aus einer ungegründeten Meinung süße. Auch sagt derselbe, daß Maria links vom Kreuze vorgestellt werden müsse, denn ste stand nach Norden hin und betete für die Sünder; daß sie nicht zur rechten Seite des Kreuzes gestanden habe, folgert Alexander von HaleS aus Pf. 14t, wo es heißt: „Ich sah rechts und schaute mich um, und Niemand war da, der mich kannte." — Der heilige Thomas von Aquin schreibt in seinem Werke über das heilige Sakrament deS AltarS, daß man zuweilen auf der rechten Seite deS Kreuzes ein Mädchen mit fröhlichem Gesichte, von sehr schönem Aenßern und mit einer Krone auf dem Haupte dargestellt finde, welches das Blut des Herrn in einem Kelche auffängt und die Kirche bedeutet. „Eine gläubige Seele," bemerkt der Heilige hierzu, „trinkt geistiger Weise das Blut des Herrn und empfängt dagegen Licht, Freude deS Herzens und die Krone der ewigen Herrlichkeit." „Links vom Kreuze," fährt derselbe fort, „wird die Synagoge vorgestellt, und zwar mit verbundenen Augen, trauriger Miene, gebeugtem Haupte und einer herabfallenden Krone; sie schüttet daS Blut aus und behandelt es mit Verachtung. Hierdurch wird bildlich angedeutet, daß sowohl die Synagoge, wie Jeder, der eine Todsünde begeht, drei Güter verliert: das Licht, die Freude deS Herzens und die Krone der Herrlichkeit. In dem apokryphischen Evangelium deS Nicodemus und durch die allgemeine Ueberlieferung wird der Schächer, welcher zur rechten Seite Christi hing, DiSmaS genannt. Die heiligen Augustin und Leo sagen: Christus zwischen den zwei Räubern am Kreuze hängend sey ein Vorbild deS letzten Gerichtes gewesen, in welchem er die Guten zu seiner Rechten, die Bösen zu seiner Linken stellen wird. In derselben Weise sprechen sich aus der Papst Cölestin, der heilige HieronymuS, der heilige HrabranuS, der heilige Hilarius und Andere. Auch sieht der heilige Augustin in dem rechten Schächer Die, welche wegen der Gerechtigkeit leiden, und im linken die falschen Märtyrer, die ohne Liebe leiden. Daß beide Räuber mit Nägeln an das Kreuz angeheftet worden seyen, schreiben die heiligen Augustin, Chrysostomus, GregoriuS und Andere; die Meisten kommen anch dahin überein, daß die Kreuze derselben dem unseres Heilandes ganz ähnlich gewesen seyen. Seit längerer Zeit sieht man die Schächer mit Stricken an das Kreuz gebunden, wahrscheinlich, damit ste nicht so leicht mit Christus verwechselt werden. Unter dem Kreuze ist oft ein Todtenkopf abgebildet, und dies ist, wie Albert der Große bemerkt, der Schädel AdamS, der unter dem Kreuze begraben gewesen sey. Doch erscheint Adam hier wohl mehr als sinnbildlicher Stellvertreter des gesammten durch die Sünde dem Tode verfallenen Menschengeschlechtes. An sich ist der Schädel unter dem Kreuze eher eine Anspielung auf den Ort, wo Christus gekreuzigt wurde, und der Schädelstätte hieß. Man sieht auch oft Adam unter dem Kreuze liegen, durch welches er erlöst wuroe, und die heiligen Väter schreiben, er sey der erste gewesen, den Christus aus der Vorhölle befreite. Daß Christus ohne alle Wunde, ohne Flecken vom Kreuze herabgenommen worden sey, ist unbegründet. Unerweislich, aber ein schönes Moment für künstlerische Darstellung ist, daß er nach semer Abnahme vom Kreuze in den Schooß seiner Mutter gelegt worden. (Fortsetzung folgt.) 397 « u » Ungarn.*) In der jüngsten General-Versammlung des Gustav-Adolph-VereineS, in welcher so viele Redner Feuer und Flammen gegen die Kirche spieen, trat auch der bekannte resormirte Prediger Hr. Ferencsik aus Ungarn mit vielen und schweren Klagen in Hinsicht der höchst betrübten Lage und Umstände der ungarischen Protestanten auf. Die Redaktion der „Kirchenzeitung" sprach deßhalb den Wunsch auS, daß Jemand aus Ungarn seine Klagen gehörig würdigen oder beleuchten möge. Da nun dieser Wunsch bisher unberücksichtigt blieb, so will ich zur Feder greifen und der besagten Aufforderung, so gut ich eS vermag, nachkommen sine ira et stuäio. — 1. Hr. Ferencsik schlägt die Zahl der Protestanten in Ungarn vor Allem viel zu hoch an, und wenn er auch Ungarn im vormärzlichen Sinne nimmt und dazu auch die Socinianer in Siebenbürgen rechnet. Der bekannte ungarische Statistiker F6nyes ist auch selbst eifriger Protestant und hat noch nie so viele Protestanten herausgebracht, als Hr. Ferencsik. — 2. Müssen wir auch Protestiren gegen die vorgeschützte große Armuth der Protestanten in Ungarn in Hinsicht ihrer Kirchen und Schulen. Ihre Stiftungen zu Debrezin, Ssros-Patak, Oedenburg, Kecskemet, Leutschau, Käsmark, Papa, Komorn, Pesth zc. ic. sind groß; und wenn sie erst gewissenhaft wären verwaltet worden! Es ließen sich aber Bücher schreiben, wie man damit z. B. in Debrezin, Säros-Patak wirthschaftete, Tausende ohne Hypothek auS lauter Rücksichten geborgt, wie man die Zinsen nie eingetrieben, wie man mit einem Worte „more pstric," gehauset hat. WaS hätte eine katholische religiöse Genossenschaft nicht alles geleistet mit dem, was bei protestantischen Stiftungen nicht ausreichte? — 3. Hatten die Protestanten im Vormärz in Ungarn gewiß die größte Freiheit in Hinsicht der Kirche und Schule. Die Beschlüsse der Preßburger National-Synode sind heute noch nicht genehmigt, und eS kostete dem sel. Primas Rudnay unendlich viel, die Erlaubniß dazu zu erhalten, uud die Bischöfe fanden sogar Hindernisse in der Einführung der Katechismen in den sogenannten Normalschulen, während die Protestanten Convente über Convente hielten, ihre Schulen frank und frei nach Belieben organisirten und machen konnten, was sie wollten, ohne nur irgendwo anzufragen. Während die katholischen Schulbücher, voll Josephinischen Geistes, stereotyp waren, und überall ohne Ausnahme streng gehandhabt wurden, konnten die Protestanten lehren und lernen, was und wie sie wollten, und kein Hahn krähte darüber. Und welche Stirn gehört dazu, um öffentlich vor ver Welt zu behaupten, daß die Lesung protestantischer Bücher in Ungarn höchst verpönt war. Gerade in Ungarn herrschte ja in dieser Hinsicht die zügelloseste Freiheit. Der „Kanonische Wächter" unseligen Angedenkens und die Schriften aller Katholikenfresser waren ja gerade in Ungarn am meisten verbreitet. Während z. B. in Wien die Polizei die Buchhandlungen überwachte, war „im freien Ungarn" in dieser Hinsicht gar keine Aufficht, — und wer hätte sie auch gehandhabt? Vielleicht die Stuhlrichter oder die Stadthauptleute? Die hielten eS ja unter ihrer Würde, sich mit Büchern abzugeben. Nur ein Beispiel. Diejenigen, die die „Worte eines Gläubigen" hätten confisciren sollen, verbreiteten dieselben am eifrigsten. Und wie war die Presse in Ungarn in den letzten Jahren bei aller Censur so ganz ohne Beschränkung? Es wurden in Ungarn selbst die revolutionärsten Werke gedruckt, man konnte eS mit der Hand greifen, wo, und sie wurden dennoch überall verbreitet. Herr A. T. Wimmer, Prediger von Oberschützen, verglich in der ungarischen protestantischen Kirchenzeitung die Prälaten der ungarischen Kirche, mit den „ großköpfigen, ägyptischen Zwiebeln, nach denen die Juden so lüstern waren ic. zc." ohne Scheu; in GünS erschienen Bilderbücher, in welchen die kathol. Kirche mit Wort und Bild auf das ärgste verhöhnt wurde, und das betreffende Ordinariat bekümmerte sich darum nicht im Mindesten, obwohl mehrere Seelsorger darüber ex oklö klagten. Lutherische Bibeln wurden in ungarischer und deutscher Sprache den Katholiken um wahre Spottpreise aufgedrungen, und man ließ eS ungehindert ') Au« der Wiener K. Z. 398 geschehen. In den Komitatsversamml»mgen wütheten katholische Redner am eifrigsten gegen ihre Mutter die katholische Kirche und tausend und abermal tausend „kHsn" waren der Lohn ihres „FreiheitsinneS und Heldenmuthes". Katholische Prälaten eiferten für protestantische-Vicegespäne , bei den in der letzten Zeit so fluchwürdigen BeamtMwahlen, wo so viele- Todtschläge und andere furchtbare Erzesse sich ereigneten, ohne daß Jemand darnach gefragt hätte. Freilich änderte sich nun Vieles im Jahre 1849. Das ! Ministerium'für Unterricht organisirte die höheren Lehranstalten ohne Unterschied für Protestanten--und Katholiken. Die letzteren fügten sich auch mit den größten Opfern ohne Widerrede, nicht so die ersteren, sie blieben — Protestanten auch in dieser Hinsicht, und das Ministerium entzog allen sich nicht fügenden Lehranstalten die Oeffentlichkert, befahl aber mit keinem Worte, wie Herr FerencSik es glauben machen will, daß protestantische Jünglinge sich an katholischen Lehranstalten müssen prüfen lassen. Die Verordnungen in Hinsicht der Maturitätsprüfungen gehen Katholiken wie Protestanten gleich an und-'sind allbekannt; man kann daher nur staunen, wie denn Herr FttencSik eö wagen kann, so frech in die Welt hinauszulügem — Auch in Hinficht des k. k. Militärdienstes ist kein Unterschied zwischen Katholiken und Protestanten, folglich-hat FerencSik-auch da gelogen. — Nun für heute nur noch ei» Wort über „Schützen", für das die Thaler des Gustav'Adolph-Vereines schon so oft' in Anspruch genommen wurden. Oberschützen ist ein deutsches Dorf im Eisenburger Comitat, nicht fern von der österreichischen und steierischen Grenze,' mit 52 kätholischen und 1396 protestantischen sAugSb. Conf.) Einwohner. Herr A. Wimmer, besonders als deutscher geograph. Schliftsteller bekannt, wirkte hier mit besonderem Eifer durch viele Jahre- „Mächtig--in Wort und in der Feder", trotzte er seinem Snperintendenten, dem Konvente ic.'Zcl'und regierte seine Heerde nach Beliebelt, wurde abÄ"von einennTheile derselben vertrieben und ging nach Modern. Von der sieghaften -Partei bald wieder zurückberufen, entwickelte er neuen Eifer, als'man in Un- ga?N'!aDW^mitnallen -Verhältnissen und Einrichtungen des Landes auf einmal unzu- srkdenuzu werden. Er schloß sich vor Allem der englischen Bibelgesellschaft an, und überschwemmte auch Ungarn bald mit Büchern der Gesellschaft, erschien in der Versammlung deS Gustav - Adolph - Vereines und klagte noch jämmerlicher als FerencSik, Mr-vbed auch glücklicher und erbante , nachdem er Oberschützen dahin bewogen, sich sich0um--8g,000 -fl. C. M. von, grundherrschaftlichen Verbände loszukaufen, eine große Schuld'allta und berief Lehrer aus'Berlin und übergab einem davon nicht"nur'die Leitung'der Anstalt, sondern auch eine seiner Töchter als Frau. Die Anstalt wurde bald NM't und breit bekannt und mußte erweitert werden. AIS daS vcrhängnißvolle Jähr'1848 hereinbrach und der BanuS mit seinen Schaaren nach Ungarn kam, organisirte Hr -Wimmer den Landsturm/ drohte sogar edlen Frauen mit dem GalMn und entwickelte einim Eifer, der einer besseren Sache würdig gewesen wäre. Als aber Fürst Windischgmy -nach Ungarn kan^ flüchtete sich Hr. Wimmer glücklich nach 'Berlin, und-tzerirte sich dort als Agenten Kossuths. Er ging-später nach Amerika, protestirtc dort mit einigen Flüchtlingen im Namen Ungarns (ohne von Jemanden dazu autorisirt zu-sehn) gegen alle Anordnungen der Regierung, kam aber bald wieder nach Bremen und machte auch da wonach "reden. Sein nicht kompromittkrter Schwiegersohn leitete auch"in WimmerS Abwesenheit die Anstalt, erweiterte sie zu einem kleinen Gymnasium und einer dreiklassigen Realschule, und war so glücklich, weil er den hohen Verordnungen in Hinficht der Organisirung sich fügte, für das Gymnasium und die Realschule die« Qeffentlichkeitsrechte zu erhalten..— Das ist also das oftgenannte Schützen. Keim-Katholik wird es den Protestanten verargen, daß sie sich bestreben, Schulen zu errichten und für dieselben Hülfe "on ibrcn Glaubensgenossen ;u erhalten; nur muß noch in Hinsicht Schützens bemerkt werden, daß viele katholische Jünglinge dort ihre Studien machen? jcmsogar sich im dortigen Convicte befinden. Nun ist die katholische Pfarrkirche (Pinkafeld) von- Schützen- 1'/? Stunden entfernt und in Schützen nur einmal im Jahre katholischer Gottesdienst. Ja, eS ist nicht einmal ein katholischer Religionslehrer für Schützen vorhanden, wie sollen nun die sich dort befindlichen kathol. 398 Jünglinge katholisch erzogen werden? Wollte Gott, der hochwürdigste Bischof von Brünn fände auch bei uns Nachahmer, es würde darum der Religionösriede nicht gestört und die Toleranz nicht verletzt werden, ,>än'ck tt4 sutk -)Än6iiZi!i< '^""-ilp IN-»^' ^swmzj Ittl^>6 Iilim Hiu ,ui'üt?» ch^i Chrifiliche Lesefrüchte und Betrachtungen eines Laien. (Fortsetzung,) ^ilch..^ '.U ^ - ^ t4. „Wie Gott will! Wer in Leid und Kummer es einmal-so weit gebracht hat, dieses Stoßgebet zu beten, der ist auf dem Wege zum Heil seiner Seele, Doch gibt es auch hier, wie in Allem, Grade und Unterschiede. Es gibt Leidende, welche bei diesem Stoßgebet noch eine gewisse Stärke des Geistes, einen gewissen Seelentrost, einen gewissen freudigen Muth fühlen; sie tragen ihr Leid leichter; schwerer und verdienstvoller aber wohl Jene, denen Gott in ihrem Leid oft allen fühlbaren Trost, alles Bewußtseyn der Gnade, alle empfindliche Süßigkeit der Andacht, alle AuS- ficht und Hoffnung benimmt und sich ganz vor ihnen verbirgt, sie rundum mit völliger Finsterniß des Leids umgebend; wenn nun solche gekreuzigte Seelen — (und eö gibt deren) — gleichwohl in Demuth und in unbedingter Hingebung an Gott kein anderes Wort mehr haben, alS: „wie Gott will!" und keine andere Sorge als die, ja dem Willen Gottes sich recht demüthig zu ergeben und Ihn nicht durch Kleinmuth oder Eigenwillen zu beleidigen, so stehen sie freilich in ihrem Kreuzleben recht arm und verlassen da; aber glaubt mir, die Engel im Himmel jubeln über eine solche gekreuzigte Seele und Gott selbst muß, menschlicherweise zu sprechen, sich sehnen, eine so schwergeprüfte und so demüthig treue Seele seiner Zeit mit Seiner ewigen Liebe zu belohnen, ,qKi«»umck<»St,< Communicire im Geist bei der heiligen Messe mit, und denke, eS sey deln Communion tag; und da du dich an deinen Communiontagen mehr als sonst vor deinen Gewohnheits- und sonstigen Sünden hütest, so thue dieß auch an jenen Tagen, wo du im Geiste communicirt hast; — und da du an wirklichen Communiontagen, wie du auS Erfahrung weißt, oft ohne dein Zuthun einen eigenen innerlichen Frieden fühlst, so suche ihn dir an Tagen, wo du im Geiste mitcommunicirst, zu erwerben und zu verdienen durch größere Geduld und Friedfertigkeit, durch treuere Uebung deiner Berufspflicht, durch vermehrte gute Werke zc. So wird dir allmählig die heilige Messe eine Quelle besonderer Heiligung werden. P a s s a u. Passau, 2. Dezember.' Drei Jahrhunderte sind vorüber, seitdem am einsamen Gestade der Insel Sancian ein Mann von der Welt geschieden, dessen Andenken wie in der Kirche wohl auch in jener gefeiert werden dürfte. Wer, der nur einigermaßen — ich will von Anderem schweigen — die Geschichte der Menschheit in Verstand und zu Herzen gebracht hat, kennt nicht den Namen Xaver, den Apostel von Indien und Japan? Wahrhaft ein Apostel dem Geiste, ein Apostel der Thätigkeit und dem Wirken nach. Gleich dem großen Völkerlehrer war er dem Herrn zu Liebe der Welt ein Thor geworden, umfassend das Kreuz und seine Lehre. Der aber thöricht und schwach schien, war weise und stark in der Krast seines Gottes, so daß Königen und Fürsten er den Sieg abgerungen, die Elemente selbst ihm gedient und sogar die Todesgewalten dem im Namen Christi einfach gesprochenen Worte des Dieners Gottes gehorcht haben. Wie viele Triumphe er über Steinherzen gefeiert, wie viele Tausende er für Zeit und Ewigkeit beglückt hat, ist Dem allein bekannt, mit dessen Gnade er Solches vollbrachte. Und doch war Xaver nur ein einfacher, demüthiger Missionär aus der Gesellschaft Jesu, jener Gesellschaft, die vom Anfang ihres Bestehens an bis heute dem modernen Heidenthume die ausgemachteste Thorheit 400 und das größte Aergerniß gewesen und ist. Auch jetzt wie einst lebt der Geist noch in Lavers Mitbrüdern, die ihm der Herr in unsern Tagen erweckte, allenthalben GotteS Ehre suchend und bestrebt das Heil und Wohl der Menschen zu fördern. Auch jetzt ertönt, und mehr denn jemals, auS ihrem Munde der einladende Ruf der Kirche, mit Gott sich zu versöhnen und einschlagend die verlassene Bahn des Heiles ihr Glück für alle Zeit zu gründen. Sendboten, nicht blos für die fernen Länder des asiatischen Ostens, durchziehen sie die Gauen des deutschen Landes, hier wieder aufbauen zu helfen, was vielfach durch den zerstörenden Geist falscher Weisheit und menschlichen Hochmuthes zerfallen. Verfolgung durch Schmach und Hohn und Lüge und noch andere „edle" Mittel ist vielfach ihrer Mühen Lohn; kein Wunder, denn schon Xaver und Alle dieses Geistes haben dasselbe erfahren. Am Ende aber siegt doch immer die Wahrheit — und Baal macht dem Jehovah Platz und daS Kreuz hat seine uner> schütterliche Kraft bewährt. Bereits zeigt es sich, wie der Menschen Herzen, obwohl oft lang vom Lügengeist und ihrem SinneSgelüst betrogen, endlich sich nach dem sehnen und zurückwenden, was wahrhaft Ruhe schafft. Und wer ihnen zu diesem höchsten Gute wiederverhilft, den lieben sie. Darum nur fortgestritten, nur fortgelitten mit der Geduld des großen JndianerapostelS, ihr mannigfach gehaßten, doch auch vielfach geliebten Schüler deS heiligen Jgnatius! Tausende danken Euch schon, was Niemand in der Welt geben kann, den Seelenfrieden: ihr Leben beweist am besten Eure Lehre. Wahr, wie der hl. Xaver, könnt auch Ihr sprechen: „Herr! auf Dich habe ich mein Vertrauen gesetzt, ich werde niemals zu Schanden werden." F u I d a. (5 Fulda, 20 November. Gestern feierte der hiesige Vincentius- und Elisabethenverein sein Patronatsfest in der Kirche zum heil. Michael. Der hochwürdigste Bischof hielt, von einem zahlreichen Klerus assistirt, das feierliche Hochamt, nach demselben richtete er mit dem bischöflichen Ornate bekleidet von dem Altare aus eine Anrede an das zahlreich versammelte Publikum, worin er auf das Leben der heiligen Landgräfin von Thüringen und Hessen St. Elisabeth hinwies und dann ausführte, was die christliche Liebe sey und was sie geleistet habe, was sie ganz besonders aber heutzutage in Frankreich leiste, wobei der hochwürvige Redner eine kurze Schilderung der religiösen Frauencongregationcn Frankreichs gab und dann die Mitglieder der hiesigen WohllhätigkeitSvereine aufforderte, in ihrem schönen Streben zu verharren und dasselbe immer mehr zu bethätigen. Beide Vereine wirken hier in der That sehr viel Gutes, obschon die zu ihrer Disposition stehenden Mittel durch monatliche freiwillige Beiträge aufgebracht werden und so bedeutend an sich nicht sind. Wir haben uns bei dieser Gelegenheit recht deutlich überzeugt, daß keine noch so sorgfältig bureaukratisch organisirte und controlirtej Armenpflege daö zu leisten vermag, was ein aus der christlichen Liebe hervorgegangener Verein leistet. Möchten dieselben doch überall im katholischen Deutschland entstehen und recht freudig gedeihen, sie werden die beste Schutzwehr seyn gegen den immer mehr um sich greifenden Pauperismus, dem papierne Verordnungen so wenig wie die Verbreitung gemeinnütziger Schriften abhilft. N o m. Rom, im November. Im vorigen Monate fand in den stillen Mauern eines NonuenklosterS ein? interessante religiöse Feierlichkeit statt. Es wurde nämlich in der Kirche des Klosters der Dominikanerinnen, zur hl. Katharina von Sie na, ein junges Mohrenmädchen getaust. Der Cardinal Patrizi, Generalvicar Sr. Heiligkeit für die Stadt Rom, wollte selbst das Sacrament ertheilen, eine Dame von hohem Stande und ein Prälat waren Gevatter. Berautwortlicher Redacteur! L. Schöuchen. Lerlag«-Zuhaber: F. S. Kremer. Zwölfter Jahrgang. Sonntags-Beiblatt zur Augsburger PostMtung. 19. December ZI t85S. Dieses Blatt erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der halbjährige Abomiementsprei« TV kr., wofür e« durch all? königl. bayer. Postämter und alle Buchhandlungen bezöge» werden kano. Die Heilige» und Heiligenbilder der katholischen Kirche. (Fortsetzung.) Nach den Bemerkungen über die Bilder, welche aus das Leiden Christi Bezug haben, bleibt uns übrig, etwas über die Bilder, welche die Auferstehung und Himmel- fahrt des Herrn, die Sendung des heiligen Geistes und das letzte Gericht vorstellen, zu sagen. Christus stand, nach Uebereinstimmung aller heiligen Bäter, aus einem verschlossenen Grabe auf, gleichwie er durch eine verschlossene Thüre zu seinen Jüngern ging. Daher haben jene Maler unrecht, welche Christus erst nach Entfernung des Grabsteines auserstehen, lassen. Auch unterliegt es keinem Zweifel, daß die Wächter nicht geschlafen haben, sondern munter waren, denn sonst hätten sie nicht vor^en Pharisäern das Zeugniß von der Auferstehung ablegen können. Es waren römische Soldaten, deren Disciplin nichts daran denken läßt> daß sie nach Dorfnachtwächter-Arl sich's auf ein Stündchen sollten bequem gemacht haben. Das Grab war nicht in den Boden abwärts vertieft, sondern wagrecht in den emporstehenden Felsen eingehauen, mit einem niederen Eingang (Thür) in dasselbe, welche durch den davor oder hinein- gewälzten Stein verschlossen war. So war auch das Grab deS Lazarus, daher der Heiland bei seiner Auferweckung ihm zurufen konnte: LazaruS, komme heraus. So waren, überhaupt die Gräber, nnd wurden dann durch davor gestellte schön angestrichene Grabplatten geschlossen; daher Christus die Pharisäer mit „übertünchten Gräbern" vergleicht. Einer der Evangelisten zählt unter jenen Frauen, die Christum salben wollten, nicht seine Mutter auf. „Sie wußte," schreibt der heilige Bernhard, „daß er auferstehen und daß folglich die Salbung vergeblich seyn würde, und deshalb kam sie nicht mit den andern (Frauen) zum Grabe." Viele sind der Meinung, Christus, sey nach seiner Auferstehung zuerst seiner Mutter erschienen. Aber aus Markus 16 geht hervor, daß er zuerst der Maria Magdalena, aus welcher er sieben Teufel auSgetrieben hatte, erschien. Doch treten jener Meinung die heiligen Ambro- siuö, Anseimus, Gregor von Nyssa und Jguaz von Loyola bei, und ist dieselbe allgemein verbreit^. Auf alten. Bildern, welche die Himmelfahrt Christi vorstellen, sieht man eine Leiter, auf welcher der Herr von der Erde in den Himmel steigt. Doch ist diese rohe Darstellungsweise längst verschwunden. Mit Recht werden aber viele Engel bei der Himmelfahrt Christi abgebildet , und zwar mit Bezug auf Pf. 67, wo David im Geiste dieselbe besingt und es u. a. (V. 18) heißt: „Der Wagen GotteS ist viel tausendmal tausend, der Herr ist unter ihnen auf Sinai; Du bist in die Höhe gefahren und hast daS Gefängniß gefangen genommen." David nennt die Engel oft „Wagen", denn Gott bediente sich der Engel zum Streite und zum Triumphe, wie 4VL sich die Könige der Wagen im Kriege und bei Triumphzügen bedienten. Auch liest man 4. Kon, 6: „Siehe, der Berg war voll von feurigen Pferden und Wagen um den Elisäus herum;" unter diesen Wagen sind gleichfalls Engel zu verstehen. Als Christus in den Himmel fuhr, segnete er seine Jünger mit ausgehobenen Händen, indem er wahrscheinlich nach jüdischer Weise seine Hände über sie ausstreckte. Daß aber der Herr seine Fußstapfen am Orte seiner Himmelfahrt zurückgelassen habe, bezeugen PaulinuS von Nola und Beda. Aus der Richtung dieser Fußstapfen kann man schließen, daß Christus mit dem Rücken nach Jerusalem und das Gesicht nach Westen gekehrt, aufgefahren sey. Die Herabkunft des heiligen Geistes wird durch feurige Zungen (Ap. 2) angedeutet. Außer den Aposteln waren noch andere Jünger Jesu, sowie seine Mutter beim Gebete versammelt, und Die, welche wollen, über die Apostel allein sey der heilige Geist herabgekommen, erinnern sich nicht der Stelle bei Joel Kap. 2, welche auch der Apostelfürst anführt: „In jenen Tagen will ich über meine Knechte und Mägde mein«n Geist ausgießen." Auch räumen die Maler der Mutter deS Herrn einen ehrenvollen Platz unter den Aposteln und übrigen Jüngern ein. Christus wird bei seiner Ankunft zum jüngsten Gerichte ebenso gemalt, wie er in den Himmel stieg. „Er wird ebenso wiederkommen, wie ihr ihn habt in den Himmel fahren sehen," sagten die Engel (Act. 1). „Und dann wird das Zeichen deS Menschen- sohneS erscheinen," sagt Christus (Matth. 24). „DaS Zeichen deS MenschensohneS," schreibt der heilige ChrysostomuS, „ist das Kreuz, welches glänzender als die Sonne erscheinen wird." Mit Recht wird daher bei der Vorstellung des letzten Gerichts ein Kreuz gemalt. Der Regenbogen, auf welchem der Herr sitzt, ist bei Ezechiel t angedeutet. Zu dieser Stelle macht der heilige Gregor die Bemerkung: „der Herr stellte den Regenbogen zwischen sich und die Menschen zum Zeichen auf, daß er die Welt nicht mehr durch eine Sündfluth heimsuchen wolle, indem er sprach: Ich werde meinen Bogen in die Wolken setzen, und er wird ein Zeichen des Bundes zwischen mir und der Erde seyn, und wenn ich den Himmel umwölke, wird mein Bogen in den Wolken erscheinen, und ich werde mich meines Bundes mit euch erinnern. Daher zeigt sich an demselben Bogen zugleich die Wasser- und Feuerfarbe, weil er theils bläulich, theils röthlich ist, damit er Zeuge sey der beiden Gerichte, nämlich eines, welches noch zu halten, unv eines, welches schon gehalten ist." Die Hölle wird gewöhnlich so abgebildet, wie sie in der heiligen Schrift beschrieben wird. Job (Kap. 1V) sagt, sie sey ein „dunkles, mit der Finsterniß des Todes beveckies Land, wo der Schatten des Todes , keine Ordnung, sondern ewiger Schrecken wohnt." Ezechiel (Kap. 33) nennt sie einen See, Jsaias (Kap. 5) vergleicht sie mit einem ungeheuern Rachen, und die Kirche hat der letzteren Beschreibung den Vorzug gegeben. Die Hölle wird nämlich als ein weilaufstehender Rachen eines ungeheuern Thieres dargestellt, auS welchem von allen Seiten dunkles Feuer und so dunkle Flammen hervorbrechen, daß man eher Finsterniß und Schatten, als Licht zu sehen glaubt. Zum Schlüsse der Abhandlung über die Christusbilder noch etwas über das Antlitz des Erlösers.' Die Christusbilder, welche seit Konstantin dem Großen innerhalb der katholischen Kirche entstehen, zeigen sast durchgängig einen übereinstimmenden Charakter und lassen einen gemeinsamen Typus erkennen, der sich nicht unwahrscheinlich an eine alte Tradition anlehnt. Zunächst freilich scheint dieser Typus aus apokryphischen Schriften (z. B. aus dem Berichte des Lentulus an den römischen Senat) gezogen zu seyn; aber auch diese mögen leicht aus allerlei Nachrichten und mündlichen Ueberlieferungen herzuleiten seyn, die unter den Gläubigen gangbar waren. Der heilige Johannes ChrysostomuS schreibt: „Christus solle von Angesicht sehr anmuthig gewesen seyn," und der heilige HieronymuS sagt: „Selbst der Glanz und die Majestät seiner verborgenen Gottheit strahlte auf seinem menschlichen Antlitze wieder." Weit schöner ist es im Himmel, da die Engel es zu schauen verlangen, und ebenso war eS nach seiner Auf- 403 erstehung. Wenn schon die Gerechten im Reiche des Vaters wie die Sonne glänzen, um wie viel größer muß der Glanz des Gerechtesten der Gerechten, deS Heiligsten der Heiligen seyn? Aber beim Leiden war er ohne alle Schönheit (JsaiaS 53), weshalb die s. g. Eccehomobilder den Heiland ganz entstellt, mit Blut bespritzt, mit blauen Flecken:c. vorstellen. Daß in Rom daS Schweißtuch der heiligen Veronica, auf welchem daS Antlitz deS Herrn abgedrückt ist, ausbewahrt wird, ist bekannt. Die GesichtSzüge der Jungfrau Maria sind zunächst und ursprünglich aus älteren Christusbildern abgezogen. Denn einer Tradition zufolge war Christus „in Allem seiner Mutter ähnlich." Der heilige Lucas soll ein Bild der Mutter Gottes gemalt haben. Diese Bemerkungen bilden den Uebergang zu der Besprechung der Marienbilder. Daß die heilige Maria die Jungfrauschast gelobt habe, läßt sich aus jenen Worten (Luc. 1) folgern: „Wie kann denn dies geschehen, da ich keinen Mann erkenne?" Als dreijähriges Kind soll Maria von ihren Eltern in den Tempel gebracht, die fünfzehn Stufen, deren jede eine halbe Elle hoch gewesen, ohne Straucheln hinaufgegangen seyn. Vielleicht ist in dieser bildlichen Darstellung die alte jüdische Sitte angedeutet worden, nach welcher beim Heraufsteigen aus dem Vorhofe der Frauen in den Tempel fünfzehn Psalmen abgesungen wurden. Unter dem weiten Mantel, mit welchem man oft Maria angethan sieht, ist der Gnadenmantel, der Mantel der Liebe, zu verstehen, unter den sie als größte Fürbitterin die Gläubigen nimmt. — Ost wird Maria auf dem Monde stehend dargestellt, wohl in Rücksicht auf Apokal. 12. Oft hat sie auch einen Stern über dem Haupte (den Stern der Weisen), und dann sind beide Bilder (Mond und Stern) verbunden. Ueberhaupt scheint die Zusammenstellung: Maria mit dem Kinde, von einer strahlenden Sonne umgeben, auf dem Haupte eine Krone von 12 Sternen, ein goldneS Scepter in der Hand, zu ihren Füßen der Mond, der hinwiederum auf der Erdkugel steht, um welche die Schlange gewunden ist, die gewöhnlich einen Apfel im Maule hat, aus dem zwölften Kapitel der Apokalypse geflossen zu seyn. Jedoch liegen allerlei Spuren vor', daß dieses mystische Marienbild auf die Kirche gedeutet wurde. Die Kirche (die Braut — mit Krone), in ewiger Wahrheit (Sonne) erhaben über allem Wandelbaren (Mond), beherrscht (Scepter) die Welt (Kugel), sie, die Kirche, ist die Trägerin des menschgewordenen Wortes (sie trägt Christus im Arm), der die alte Schlange, welche die Welt gefangen hielt, mit der Sünde zertrat. „Ich will Feindschaft setzen zwischen dir und dem Weibe, zwischen deinem und ihrem Saamen: sie wird dir den Kopf zertreten," sagte der Herr zu der Schlange, und unter diesem Weibe ist Maria zu verstehen, unter der Schlange der Satan. Der Saame der Schlange ist, wie der heilige Peter CanisiuS schreibt, die gesammte Ketzerei. DaS Concilium von Chalcedon bestimmte schon, daß in der Kirche gesungen werde: „Freue dich, Jungfrau Maria, denn du allein haft alle Ketzereien vernichtet" OliveriuS MailarduS spricht sich in einer Predigt tadelnd über ein Bild aus, worauf sich Joachim und Anna gegenseitig küssen, und worunter geschrieben steht: „So wurde die heilige Maria empfangen." Daher der dumme Glaube, Maria sey durch einen Kuß empfangen worden. Doch steht auch Aehnliches in einem apokryphischen Evangelium des heiligen Jakob. Bekanntlich wird der VerS (aus Cant): „Du bist ganz schön, meine Freundin, und kein Makel ist an dir; du bist auserwählt, wie die Sonne, schön wie der Mond, ein Stern des Meeres, eine Pforte deS Himmels, wie eine Lilie unter den Dornen," auf die unbefleckte Empfängniß Mariä gedeutet. Ob alle Apostel, außer dem heiligen Thomas, bei dem Tode Mariä zugegen waren, wie man dies häufig auf Bildern sieht, ist nicht gewiß. Nach dem heiligen Gregor ist Maria ohne Schmerz verschieden. „Daher," schreibt Johann Eck, „darf Maria nicht mit einem Sterbekleide und mit dem Gesichte einer Kranken abgebildet werden." JodocuS Clichtoväus sagt, Maria habe auf den Knieen, mit nach dem Himmel erhobenen Händen und unter Gebet den Geist aufgegeben. Engel sollen bei der Himmelfahrt Mariens zugegen gewesen seyn, ja der heilige Anselm sagt, alle Bewohner des himmlischen Vaterlandes seyen da gewesen, und BrunuS billigt die Dar- 404 stellung Mariä, wenn sie bei ihrer Himmelfahrt von der heiligen Dreifaltigkeit als Kömgin des Himmels gekrönt wird. Wir wollen nach der Beschreibung der Marienbilder etwas Näheres über die der Eltern der heiligen Jungfrau, des heiligen Joachim und der heiligen Anna mittheilen. Der heilige Joachim trägt die Jungfrau Maria als Kind und hat einen Korb mit Trauben (Opfer) zur Seite. Die heilige Anna wird mit dem Kinde Maria, die sie lesen lehrt, dargestellt. Die heilige Anna soll mehrere Töchter gehabt haben (die drei Marien): aber diese Meinung widerlegen gewichtige Schriftsteller, welche darthun, daß sie nur eine einzige gehabt hab?. Ebenso unerweislich ist es, daß sie dreimal verheirathet gewesen sey. Der heilige Joseph hat einen Lilienstengel. Maria sollte nur mit dem Freier verlobt werden, zu dessen Gunsten ein Wunder geschehe, und Josephs Stab trieb eine Lilienblüthe, und eine Taube setzte sich auf die Spitze des Stabes. So ward Maria dem Joseph verlobt. Auch trägt dieser einen Stab und hat Zimmermannswerkzeuge, alS: Hobel, Art, Säge u. s. w, bei sich. Die Maler stellten, vielleicht durch eine Stelle im apokryphen Evangelium der Kindheit Jesu verleitet, den heiligen Joseph ost als einen Mann dar, der nicht drei zählen kann, weshalb der Name Joseph sprüchwörtlich wurde, um einen geistlosen Menschen anzudeuten. Einige malten ihn bei der Geburt Christi als einen hochbejahrten Greis, der sich wegen seines Alters aus einen Stab stützte. Dem letzteren besonders widerspricht Gerson, indem er sich auf jene Stelle Jsaias 62 beruft: „Ein Jüngling wird mit einer Jungfrau zusammenwohnen und der Bräutigam wird sich über seine Braut freuen." Einige behaupten sogar, der heilige Joseph sey, als er sich mit Maria vermählte, achtzig Jahre alt gewesen. Wie konnte er aber als schwacher GrekS Maria beschützen, und mit ihr und dem Jesuskinde nach Egypten fliehen und von da wieder zurückreisen? Wahrscheinlicher ist, daß Joseph ein kräftiger und starker junger Mann war, der eine Jungfrau in seinen Schutz nehmen, sie und den Knaben durch seine Arbeit ernähren und mit ihnen die beschwerliche Reise nach Egypten und zurück machen konnte. Tresslich ist die Darstellung, wie Joseph den kleinen JesuS an der Hand führt. Dadurch wird bezeichnet, baß Christus seinem Vater Unterthan war. Der große Vorläufer Christi, der heilige Johannes der Täufer, wird dargestellt, wie er sich in der Wüste in Felle gekleidet auf ein Beil lehnt, daö in die Wurzel eines BaumeS eingeschlagen ist. Diese allegorische Darstellung ist zunächst auS dem Evangelium geflossen. Der heilige Marcus Cap. 1 schreibt jedoch, daß der heilige Johannes „mit Kameelhaaren bekleidet gewesen sey," und der heil. Matthäus Cap. 2 sagt, daß er „ein Kleid," und zwar wie der „ano rzi^äv --«/t^ov — von Kameelhaaren" gehabt habe. Johannes war demnach nicht mit bloßen Thierfellen, fondern mit einem aus Kameelhaaren gefertigten Kleide angethan, welches zugleich ein Aeichen der Buße, die er predigte, war. Auch einen Gürtel trug der Heilige: „Er hatte einen ledernen Gürtel um seine Lenden." Marc. 1. — Johannes trägt ein Lamm im Arm oder auf einem Buche (als Anspielung auf die erfüllte Prophezeiung des alten Testaments) und ein Kreuzesrohr. Nicht selten hat er auch eine Lilie zur Seite. Das Lamm hat meist, zum Unterschiede von gewöhnlichen Lämmern, eine goldene Krone auf dem Kopfe und die Kreuzesfahne auf dem Rücken. Auf Gemälden der griechischen Kirche vermißt man dieses Lamm, dagegen sieht man in den Händen des Täufers ein Papier, auf welchem die Worte stehen: „Ich bin die Stimme des Rufenden in der Wüste: bereitet den Weg des Herrn, ebnet seine Pfade." In Brügge und Gent sah man früher Gemälde, auf welchen der heilige Johannes mit einem Finger auf das Lamm Gottes zeigt und mit den Füßen auf Herodes, den er durch seinen Tod besiegte, tritt. Von den Apoftelbildern Folgendes: Der Chor der Apostel war durch jene zwölf Ochsen des Salomon vorgedeutet (3. Kön. 7; 2. Petr. 4). Beda schreibt: Wenn es erlaubt war, zwölf Ochsen zu 405 machen, welche ein über sie gestelltes Meer trugen, und zu je drei nach den vier Himmelsgegenden schauten; was steht denn im Wege, die Apostel so zu sagen durch ein lebendiges Gemälde vor den Augen Aller darzustellen?" Gregor II. ließ die Apostel auf den Wänden des Petrusaltars abbilden und Konstantin der Große stellte ihre Statuen in der Kirche des Laterans auf. Dem Kaiser Konstantin erschienen einst die Apostel Petrus und Paulus; er ließ sich vom Papste Sylvester die Gemälde derselben überschicken und fand, daß diese eine auffallende Aehnlichkeit mit den beiden Aposteln hatten, wie sie ihm erschienen waren. Der heilige HieronymuS, und schon vor ihm der heilige Clemens, schreibt: daß der heilige Petrus einen Kahlkopf gehabt habe. Der Petruskopf ist überhaupt von konstantem eigenthümlichem Typus. Auf den allerältesten Bildern steht man PetruS mit einem Schlüssel in der Hand, den er meistens an die Brust drückt. Später wurden zwei Schlüssel, üblich, Schlüssel deS Himmels und der Erde, in der Farbe durch Gold und Silber unterschieden. Auch findet sich je zuweilen noch ein dritter, Schlüssel der Hölle; Alles Anspielungen aus die Schlüsselgewall deS Heiligen (Matth. 16). Auch trägt derselbe manchmal eine Krone auf dem Haupte, und zwar, wie Beda bemerkt, zur Erinnerung an das Leiden deS Herrn. Gewiß ist, daß Petrus nicht mit Stricken an das Kreuz gebunden, sondern mir vier Nägeln an dasselbe geheftet worden ist. Hegesippus schreibt auch, daß Petrus auf seine Bitte kopfunter gekreuzigt wurde, da er sich nicht für würdig hielt, wie der Erlöser gekreuzigt zu werden. Daher sieht man ihn auch auf einem umgekehrten Kreuze kopfunter angehestet. Neben dem heiligen Paulus sieht man eine Quelle, welche auf sein Gebet entstanden seyn soll. Gewöhnlich sieht man ihn mit einem oder zwei Schwertern, oft mit einem Buche abgebilder. DaS Eine Schwert ist ein historisches Zeichen, denn Paulus ist mit dem Schwerte hingerichtet worden. Die zwei (jungem) Schwerter sind symbolische Zeichen und zwar als Parallele zu St. Petri Symbol (was Anfangs auch nur Ein Schlüssel war). DaS Paulus-Symbol (das Schwert) bezieht sich wohl auf Lucas 22, 38. Auch mag in den zwei Schwertern des heiligen PauluS eine Anspielung auf die geistliche und weltliche Macht liegen. UebrigenS ist die Kopfform deS Heiligen auS alter Zeit als tradioneller TypuS fortgeerbt: Ein leichter Kopf mit einem langen Barte. Bei Zusammenstellung mit dem Apostel Petrus ist die Position so, daß Petrus links steht. Woher dies? War Paulus größer als PetruS? Es war ein altrömischer Gebrauch) dem Vornehmern die linke Seite zu überlassen. Benjamin bezeichnet den Sohn der Rechten; Paulus war aber nicht nur aus dem Stamme Benjamin; sondern der Sohn Jacobs, Benjamin, war auch ein Vorbild des heiligen PauluS. PetruS war besonders der Apostel der Beschneidung, PauluS der der Heiden, welche mit Hintansetzung der Synagoge zur Rechten Gottes zu stellen sind. PetruS, zur Linken des PauluS, soll den Päpsten ein Muster der Demuth seyn. PetruS Damianus führt noch vier andere Gründe an, die wir aber übergehen wollen, um nicht zu weitläufig zu werden. Auf solchen Bildern aber, auf welchen PetruS zur Linken des Paulus steht, führt dieser oft auch eine Lanze. Der heilige Andreas hat ein schräges Kreuz (Andreas- oder Burgunderkreuz) unterm Arm oder zur Seite. Aber das Kreuz deS Heiligen bei St. Victor in Marseille hat dieselbe Gestalt, wie das, worauf Christus starb. Der heilige BarnabaS hat als historisches Symbol Steine bei sich, weil er gesteinigt wurde. Der heilige Bartholomäus (Nathauael) hält ein Messer, mit dem er geschunden wurde, und trägt seine Haut auf dem Arme. Der Statthalter von AlbanopoliS hatte ihn zum Kreuzestod verurtheilt, wobei ihm zugleich die Haut zerschnitten und abge- gezogen wurde. Auf einem Gemälde des Michael Angelo in der Sirlinischen Kapelle, welches das letzte Gericht vorstellt, steht man gleichfalls den heiligen Bartholomäus mit seiner Haut auf dem Arme. Doch soll er nicht am ganzen Leibe geschunden worden seyn, und Viele tadeln auch die vorerwähnte Darstellung, wie er seine Haut 406 auf dem Arme oder gar auf einem Stocke trägt und einem Unthiere ähnlich steht. Nicht minder verwerflich ist jene Weise, diesen Heiligen als einen vornehmen Mann abzubilden, die den Worten des Teufels im Pseudo-Abdias ihren Ursprung verdankt. Der heilige Jacob der Größere sitzt auf einem weißen Pferde, weil er in den Kriegen der Sarazenen mit den Spaniern (die ihn ihren Apostel nennen) diesen auf einem weißen Rosse zu Hilfe kam. OefterS wird er als Pilger mit dem langen Pilger, ftabe und einem Schwerte abgebildet. Er verlor unter allen Aposteln zuerst das Leben; er wurde im Jahre ä3 in Jerusalem auf Agrippa'S Befehl enthauptet. Einige Maler malen den heiligen Jacob Christus sehr ähnlich, was jedoch gar keinen Grund hat. Auch der heilige Jacob der Jüngere wird mit gleichem Unrecht von vielen Malern Christus ähnlich gemalt. . Er wurde von den Zinnen des Tempels herabgestürzt, und da er noch lebte, gesteinigt, bis ihn endlich ein Tuchwalker mit seiner Stange todt schlug. Deshalb wird er mit einer Walkerstange in der Hand dargestellt. Der heilige Judas Thaddäus wird mit einem umgekehrten Kreuze, häufiger mit einer Keule abgebildet. Die Nachrichten von seinem Tode sind sehr verschieden; Einige sagen, er sey mit Pfeilen erschossen worden, Andere, er sey gekreuzigt worden. Der heilige Matthäus hat ein Beil, eine Lanze oder eine Hellebarde als Zeichen seines Martertodes. Er wurde von dem Könige Hirtak von Aethiopien ermordet. Oft hat er auch als Attribute ein Winkelmaß oder (als ehemaliger Zöllner) einen Geldbeutel in der Hand. Als Evangelist hat der heilige Matthäus als Symbol einen Engel bei sich. Die Erklärung dieses Symbols führt uns zu allgemeinen Bemerkungen über die Sinnbilder der Evangelisten. Die Bilder der vier Evangelisten sind aus der bekannten Vision des Ezechiel (1, 10) hergenommen, in der die Herrlichkeit Gottes und der mystische Wagen beschrieben werden. Die vier geheimnißvollen Gestalten (Adler, Löwe, Stier, Mensch), welche den Thron des Allerhöchsten tragen, sind in der jüdischen Geheimlehre von Alters her auf die Erzengel Gabriel, Michael, Raphael und Uriel bezogen worden. Die christliche Mystik faßte den Sinn dieser Symbole anders auf und deutete dieselben so: der Adler bezieht sich auf die Inspiration des heiligen Geistes, er ist auch das Symbol der Gottheit, und ihn hat Johannes bei sich, weil er die Gottheit Jesu Christi besonders hervorhebt; der Löwe ist das Sinnbild der Einsamkeit, und ihn führt Marcus, weil sein Evangelium mit der Stimme eines Predigers in der Wüste beginnt (V. 3); Lucas hat einen Stier, um JcsuS Christus als Hohenpriester zu bezeichnen und weil sein Evangelium mit dem Opfer des ZachariaS im Tempel anfängt: und Matthäus den Menschen, weil er sein Evangelium mit dem Geschlechtsregister deS David'schen HauseS und der Menschwerdung Jesu Christi beginnt. Der heilige Matthias hat ein Beil oder eine Lanze und ein Buch. Nachdem er gesteinigt worden war, wurde ihm der Kopf abgeschlagen. Letzteres scheint durch sein Beil angedeutet, während die Lanze schlechtweg, wie Schwert, mit dem es ohnehin oft wechselt, sür Martertod steht. Der heilige Philippus hält ein einfaches Kreuz, AntoniuSkreuz, wie 1'gestaltet; oder einen langen runden Stab, der sich aber in einem Kreuze endigt; oder einen Pilgerstab, ans dem oben ein kleines, nicht selten goldenes Kreuz befestigt ist. Der heilige Simon, der Eiferer, hat etne Säge, als Zeichen seines Martyrthums. Der heilige Thomas hat eine Lanze, zuweilen auch ein Winkelmaß. Der Nerräther Judas hält einen Beutel in der Hand, weil ihm, unter den Jüngern, das Almosenamt anvertraut war. Nachträglich hätten wir noch etwas über die Darstellung des Evangelisten Johannes zu bemerken. Der heilige Johannes wird ohne Bart gemalt, theils weil er zur Zeit des letzten Abendmahls noch jung war, theils um den Jünglingen ein Beispiel an die Hand zu geben, wie sie (gleich dem Heiligen) die Blüthe ihrer Jugend dem Herrn weihen unv sich seinem Dienste widmen sollen. Er hat auch einen Kelch in der Hand, entweder in Bezug auf die Worte Christi (Matth. 2V): „Ihr werdet meinen Kelch trinken," oder vielmehr, weil, wie der heilige Jsidor schreibt, das Gift sich in Gestalt einer Schlange ausschied, als er den Giftbecher austrinken mußte. DaS 407 Letztere ist das Wahrscheinlichere, weil gewöhnlich aus dem Kelche eine Schlange hervorkriecht. Der heilige Johannes war bekanntlich Patron der Tempelherren, in deren Wappen deshalb der Kelch aufgenommen war. Wir gehen nun zu den Bildern der übrigen Heiligen über. Die heilige Genofeva (von Paris) hat eine brennende Kerze in der Hand und einen gefesselten Teufel unter ihren Füßen, der einen kleinen Blasebalg hält, weil sie die Lichter, welche dieser während der Vigilien auSgeblasen hatte, ohne Feuer anzündete und einige Besessene durch Gebet und daS Kreuzzeichen vom Teufel befreite. ES gibt noch eine andere heilige Genofeva (von Brabant), welche eine Hirschkuh zur Seite hat und sich gewöhnlich in einer Höhle befindet, in der sie mit ihrem Kindlein lebte und von einer Hirschkuh ernährt wurde. Der heilige Paulus der Eremit ist in Holzschindeln oder Blätter gekleidet und hat einen Raben zur Seite. Er war der erste Einsiedler. Ein Palmbaum vor seiner Höhle gab ihm Nahrung und Kleidung, weßhalb er mit Schindeln bedeckt oder in Blätter gekleidet ist, und ein Rabe brachte ihm täglich ein halbes Brod, und als ihn einst der heilige Antonius besuchte, brachte der Rabe ein ganzes Brod. Der heilige Antonius, der Vater der Einsiedler, hat ein Feuer neben sich, weil er die Macht hat, vor dem ewigen Feuer zu bewahren und von dem Feuer der Pest befreit: denn in der Collecte vieler Kirchen heißt es: „Loncsäe obtsnäu k. ^ntonii Lvllkessoris wi morbiäum izasm extinZui." Er steht auch über den Thüren vieler Häuser, damit die Pest nicht in sie eindringe. Er hat auch ein Schwein neben sich, wcil ihm der Teufel in der Gestalt von Schweinen erschienen, und weil er der Patron der Schweine ist. (Vor der Antonikirche in Rom werden alljährlich die Hausthiere gesegnet.) Er hält ein Buch in der Hand, weil er ohne alle wissenschaftliche Bildung durch Aufmerksamkeit beim Lesen Anderer die heilige Schrift auswendig lernte, ja sie auch auszulegen verstand. Man sieht auch neben ihm ein I, welches das Kreuz bedeutet, wodurch er dem Teufel widerstand (Antoniuskreuz). Was die Glocke bedeutet, die er in seiner Hand hält, ist schon oben bei der Erplication der allgemeinen Symbole der Heiligenbilder gesagt worden. Der heilige Sebastian war Hauptmann in der prätorianischen Leibwache nnd wurde unter Domitkan an einem Baume erschossen. Man sieht ihn gewöhnlich entkleidet an einen Baum gebunden (manchmal auch an eine Säule), mit Pfeilen durchschossen, dann auch in freier Stellung bekleidet, mit kriegerischem Costüm und einigen Pfeilen in der Hand, oft mit einem kleinen Barte auf der Oberlippe. Der heilige Fabian hat ein Schwert und neben sich eine Taube. EusebiuS erzählt, bei der Papstwahl 236 habe sich diesem Heiligen eine Taube auf's Haupt niedergelassen, woraus er zum Papste erwählt worden sey. Er starb den Martyrtod unter DeciuS 253. Die heilige AgneS wird mit langen, den Leib umhüllenden Haaren dargestellt, weil sie nach ausgestandenen Martern in ein schlechtes HauS gebracht und da entkleidet wurde, worauf sie ihren Leib mit ihrem langen Haupthaar bedeckte. Sie hat ein Lamm zur Seite, weil sie mit einem goldenen Gewände angethan und ein schneeweißes Lamm tragend in Gesellschaft vieler heiligen Jungfrauen ihren an ihrem Grabe wachenden Eltern erschien. Man sieht die Heilige auch auf einem Scheiterhaufen sitzen. Der heilige Jgnatius hat Löwen zur Seite und einige Knochen vor sich. Er wurde unter Trajan nach Rom gebracht und hier im Amphitheater zweien Löwen vorgeworfen (107). In dem Karmeliterkloster zu Mecheln war früher ein Bild, auf welchem der heilige JgnatiuS den Namen Jesu im Herzen tragend dargestellt war. (Er nannte sich selbst TheophoroS, Gotteöträger, als er vor dem Kaiser Trajan im Verhöre stand.) Der heilige Thomas von Aquin, ein Dominicaner, hat einen Kelch in der Hand, weil er das so schöne Officium des FrohnleichnamS des Herrn geschrieben hat. Unter manchen Bildern desselben stehen die Worte: „Du hast gut geschrieben, Thomas," weil er einst, als er in Neapel vor einem Crucifixe sehr eifrig betete, diese Stimme 408 vernahm: „Du haft gut von mir geschrieben, Thomas; welchen Lohn willst du nun erhalten?" Der Heilige antwortete: „Keinen andern, Herr, als dich selbst," Der heilige Geist schwebt in Gestalt einer Taube über ihm, weil er eine unermeßliche Gelehrsamkeit in den heiligen Wissenschaften besaß. (Schluß folgt,) Christliche Lefefrüchte und Betrachtungen eineH Laien. (Fortsetzung.), 17. Schön ist'S, wenn der Soldat, wissend, daß eö sein letzter Gang seyn könne, muthig und ohne Zögern in die Schlacht eilt; schöner aber dünkt es mir, wenn die christliche Seele, wissend, daß sie einem übergroßen Leid entgegen gehe, ohne Zage», ohne Bedenken in demüthiger Ergebung ihren schweren Gang antritt, zumal, wenn ihr Leiv einen ruhmlosen und spurlosen Untergang droht; so stirbt ein Held in Jesu Christo, ganz sich dem Willen Gottes hingebend, ganz und ohne allen Trost und Vorbehalt sterbend! t8. Manche bedrängte Seele gelobt Gott, daß sie, wenn ein auf ihr lastendes überschweres Leid von ihr genommen seyn werde, dieß und jenes Gute thue, in dieser und jener Ueberwindung sich üben, dieß und jenes Opfer bringen wolle; o Schwachheit und Sündhaftigkeit der menschlichen Seele! Warum unterhandelst du gleichsam mit dem allwissenden Gott, warum willst du, daß Er mit seiner Erbarmung vorausgehe und daß du Ihm dann erst vergeltungsweise mit guten Vorsätzen und Tugenden entgegenkommst? Warum beginnst du nicht sogleich, während noch das schwere Kreuz der Leiden aus dir ruht, mit diesen Vorsätzen, Ueberwindungen und Opfern, da sie doch ein Mittel zu deiner Heiligung sind? Warum willst du diesen Schritt zur Heiligung, der mit dem Kreuz viel verdienstlicher ist, erst thun, wenn das Kreuz dir abgenommen ist? Und weißt du denn-überhaupt, ob dir noch Zeit gegeben ist zu so späten Schritten zum Heil und ob du nicht hinweggenommen wirst mitten im Leid? Winke für katholisirende Protestanten. Der evangelische Pfarrer zu Selch ow bei Storkov in der Mark Brandenburg, E. P, W. Lütkemüller, welcher wegen seiner Schrift: „Unser Zustand von dem Tode bis zur Auferstehung" suspendirt wurde, und auch bei der Generalversammlung deS kath. Vereins Deutschlands in Münster gegenwärtig war, bemerkt sehr richtig uns praktisch in seinem Werke: „Wir Protestanten haben durch Erziehung daS Vorurteil eingesogen von kath. Dummheit, von Aberglauben und Götzendienst. Zum richtigen Urtheil über die kath. Kirche bedarf man 1) der genauen wissenschaftlichen Kenntniß des katholisch-kirchlichen Princips; 2) der jetzt auf Gymnasien zc. in Deutschland angewandten kirchlich appro birten Lehrbücher; 3) auch einer gründlichen Einsicht und Pergleichung der Bildung der kathol, Geistlichen; 4) auch einer lebendigen Selbstkenntniß des kathol. Cultus, des römischen Breviers, des Missale liomimum; 3) einer persönlichen Einsicht in die Anwendung d eS kirchlichen Princips für deren Leben in allen ilrenOrganisationen bis zu den Heidenmissionen, und L) einer verständigen Unterscheidung für die allgemeine Beurtheilung." In letzterer Beziehung, sagt er, sey eS z. B. eine große Thorheit, wenn die evang. Kirchenzeitung etwa dem Katholicismus vorwerfe, daß es den Croaten an innerer kirchlicher Cultur gebreche. Hr. Pfarrer Lütkemüller hat hier die richtigen, praktischen Gesichtspunkte erfaßt und wir sind überzeugt, daß mancher Protestant und namentlich auch mancher Protest. Prediger andere Ueberzeugungen gewinnen werde, wenn er auch nur ein gewöhnliches Religionshandbuch , wie von Martin oder Deharbe n. zur Hand nähme und dadurch mit aufrichtigem Herzen das richtige Verständniß der kathol. Wahrheit sich zu vermitteln suchte. Berantwortlicher Redacteur: L. Schönchen, V«rlag«-3uhaber: F. T, Krem er. Zwölfter Jahrgang. Sonntags-Beiblatt zur Augsburger PsstMung. 26. December SS. 185». Diese« Blatt erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der halbjährige Abonuementsprei« TV kr., wofür e» durch alle königl. bayer. Postämter uud alle Buchhandlungen bezogen werden kann. . " ' " , Die Heiligen und Heiligenbilder der katholischen Kirche. (Fortsetzung.) Der heilige Papst und Kirchenlehrer Gregvr der Große wird mit einem Buche pontificirend dargestellt, weil von ihm daS veränderte Officium der Messe herrührt. Er hat eine Taube auf seiner Schulter, weil, wie der Diacon Paul Warnefried erzählt, der heilige Geist in Gestalt einer Taube über ihn kam. Der Apostel von Irland, der heilige Patricins, hat Schlangen zu seinen Füßen, weil er alle giftigen Schlangen aus Irland vertrieb. Die heilige Gertrud, Aebtissin von Nivelle, hat eine Lilie in der Hand und Ratten und Mäuse um sich, und steht am Meere. Diese Heilige überwand den Teufel, der ihr in der Gestalt jener unreinen Thiere erschien. Auch soll das Wasser, welches in der Krypta der heiligen Gertrud zu Nivelle seine Quelle hat, an Häuser und Felder gegossen, die Mäuse vertreiben. Eine ähnliche Praxis kommt auch bei den heidnischen Schriftstellern Plinius (lili. 10 tust. c. 65) und Diodorus lid. 3 v. 3) vor. Als Nachtrag zu den Marienbildern bemerken wir, daß der Erzengel Gabriel bei der Verkündiguug Mariens mit einem Lilienstengcl dargestellt wird, welcher ein Symbol der Reinheit Mariens ist. Auf einem altdeutschen Gemälde, welches die Verkündigung vorstellt, fehlen in der Lilie die Staubgesäße. Auch sieht man zuweilen diese Lilie in einem Becher; auf italienischen Bildern hält sie Gabriel wie ein Scepter in der Hand. Bekanntlich verkündete Gabriel auch der Mutter Simsons die Geburt ihres Sohnes vorher. Es gibt auch Bilder, auf welchen man ein Kindlein (JesuS) zwischen Strahlen, welche der heilige Geist aussendet, in den Schoos der Jungfrau Maria herabsteigen sieht: eine solche Darstellung tadelt sehr der heilige Antonius, weil sie leicht zu ketzerischen Ansichten führen könne. Da wir hier auf den Erzengel Gabriel zu reden kamen, so wollen wir noch etwas über die Darstellung der übrigen Erzengel und Engel sagen. Der Erzengel Michael hat eine Wage, weil er die Macht besitzt, die Seelen der Menschen aufzunehmen und ihre Verdienste abzuwiegen. Sehr oft sieht man ihn im Kampfe mit dem Drachen, den er zu seinen Füßen hat, wobei er ein gezücktes Schwert, mitunter auch eine Lanze in der Hand hält. Diese Darstellung bezieht sich auf die Geschichte der Verstoßung der Engel auS dem Himmelreich« womit wohl auch Lp. luäge V 6, 9 in Verbindung zu setzen ist. Der Erzengel Raphael hat einen Wanderstab und eine Kürbisflasche, weil er den jungen Tobias begleitete, deßwegen auch oft mit einem Fische. Er erschien auch den Hirten bei der Geburt Christi auf d«m Felde. Der Erzengel Uriel trägt ein Buch und eine Rolle in der Hand, welche die Erfüllung der Verheißungen des Alten und Neuen Bundes bezeichnen. 410 Der Engel Chamuel, mit Becher und Stab. Er erscheint dem Heilande aus dem Oelberge und stärkt ihn. Auch soll er mit dem Erzvater Jacob gerungen haben. Der Engel Jophiel, welcher Adam und Eva aus dem Paradiese trieb, hat ein flammendes Schwert und eine Geißel. Er behütet, auf vier Seraphim daherfahrcnd, die Seelen der verstorbenen Weisen und ist überhaupt der Patron Derer, die sich mit Erforschung der höheren Dinge abgeben. Er wird auch der Fürst der heiligen Schrift, der Thorah, des Baumeö des LebenS genannt. Der Engel Zadkiel verhinderte den Abraham an der Opferung JsaacS und hat deßhalb ein Opfermesser; da er aber auch die reinen Seelen empfängt und sie dem heiligen Michael entgegenhebt, der sie Gott als Opfer darbringt, so kann sich sein Attribut auf diesen Opferdienst beziehen, bei welchem Zadkiel dem Michael in einer Weise dienstbar ist, wie das Opfermesser dem Priester. Der Engel Zaphkiel (mit einer Ruthe in der Hand) zieht vor den Kindern Israels her bei dem Durchgang durch das rothe Meer. Der heilige Georg von Kappadozien, geharnischt, mit einer Fahne, den Drachen unter und ein Mädchen neben sich. Er wurde unter Diocletian gemartert und enthauptet, und soll einen Drachen erlegt und viele Wunder gewirkt haben. An der Wahrheit seiner Lebenögeschichte zweifeln Viele, und PiuS V. befahl, alle Erzählung von ihm im Breviarium weg zu lassen. Der heilige Bernardin, aus dem Orden der Minoriten, trägt in der Hand den von Sonnenstrahlen umgebenen Namen Jesu. Er zeigte den so aus ein kleines Brett gemalten Namen Jesu dem Volke während der Predigt, welches ihm der Papst Martin, als eine Neuerung, verbot. Der heilige Urban (von Langreö) wird oft als Papst dargestellt, was aber offenbar eine Verwechslung ist. Er hat einen Weinstock zur Seite. Die heilige Maria Magdalena wird gewöhnlich von den Malern prachtvoll gekleidet, Buße thuend oder unter dem Kreuze knieend dargestellt. Aber die Kirche legt ihr die Worte in den Mund: „Ich habe das Reich der Welt und alle Zierde der Menschen wegen der Liebe meines Herrn Jesus Christus verachtet." Deßhalb irren sich jene Maler, welche die Heilige in großer Kleiverpracht darstellen. Sie hat eine Salbenbüchse und lange Haare, weil sie die Füße des Herrn nach der Salbung mit ihren Haaren abtrocknete. (Luk. 7, 44) Auch soll sie, als ihr ihre Verfolger die Kleider entrissen hatten, auf ihr Gebet von ihren Haaren verhüllt worden seyn. Vor ihr sieht man auch einen Todtenkopf, als Zeichen ihres spätern beschaulichen und bußfertigen Lebens. Der heilige Christoph wird als ein Riese mit einem mächtigen Stab (Baum) in der Hand, das Christuökindlein auf der Schulter, abgebildet, welches er durch ein Wasser trägt. Die Legende, aus welcher diese Darstellungsweise floß, ist bekannt, weß- halb wir sie übergehen. Die heilige Martba wird mit Weihwasser und Wedel abgebildet, zu ihren Füßen liegt ein Drache. Die Legende erzählt von ihr, daß sie einen Drachen, welcher in der Gegend von Air hausete, dadurch bändigte, daß sie ihn mit Weihwasser besprengte, worauf das Volk das Ungeheuer mit Steinen und Lanzen tödlete. Der heilige Dominicus im Kleide seines Ordens, mit einem Buche, zuweilen auch mit einem Lilienstengel; zur Seite hat er einen schwarz und weiß gefleckten Hund, der eine Fackel im Maule trägt. Vor seiner Geburt träumte es seiner Mutter, sie werde einen solchen Hund zur Welt bringen, der durch seine Fackel den Erdball erleuchte. Zuweilen steht man auch neben diesem Heiligen einen Sperling, weil ihm der Teufel in dieser Gestalt erschienen war. Der heilige Laurentius, in Diakonenkleidung, einen Rost neben sich. Er wurde langsam auf einem Roste gebraten, 258. Es gibt alte römische, zur Zeit des Longo- barvenkönigS Desiverius geschlagene Münzen mit dem Bildnisse dieses Heiligen, um an dessen Mildthätigkeit gegen die Armen zu erinnern. Die heilige Clara im Ordenskleid der Clarissinnen, mit dem Stab der Aebtifsin, 411 eine Monstranz oder einen Kelch tragend. Sie nöthigte dadurch, daß sie das heilige Altarssakrament vor sich hertragen ließ, die die Stadt Assist belagernden Sarazenen zum Abzüge. Auch war sie Stifterin eines Ordens, dem der heil. Franz von Assisi 1224 seine Regeln gab. Die heilige Helena, mit einer Kaiserkrone auf dem Haupte, das Kreuz (welche« sie 326 wieder aufgefunden hatte) und die Nägel tragend. Sie muß zwar als eine hochbejahrte, aber doch heitere, kräftige, muthige und hohe Frau dargestellt werden. Ihr Sohn Konstantin der Große hält eine Kugel, in welche ein Kreuz befestigt ist, zum Zeichen, daß ihm der Erdkreis durch das Kreuz unterworfen worden. Auch sieht man ihn mit Fahne und Schwert, meist in römischer Kleidung. Der heilige Bischof und Kirchenlehrer Augustin trägt ein durchbohrtes brennendes Herz in der Hand, eine Anspielung auf die Stelle des neunten Buches seiner Bekenntnisse: „Durch deine Liebe hattest du mein Herz durchpfeilet." Zu seinen Füßen steht man zuweilen einen Knaben, welcher es versucht, das Meer in eine kleine Grube zu schöpfen. Es soll ihm einst, als er in seiner Zelle zu Hippo über die göttlichen Geheimnisse nachdachte, ein Knabe erschienen seyn und durch daS (vergebliche) Ausschöpfen des Meeres die Unergründlichkeit des Göttlichen angedeutet haben. Doch ist die ganze Erzählung nicht begründet. Der heilige Augustin wird auch zuweilen, und zwar mit Unrecht, mit dem Habit deS nach ihm genannten Eremitenordens abgebildet, und über diese Tracht des Heiligen entstand zwischen den Augustiner-Eremiten und den regulirten Chorherren ein solcher Streit, daß 1484 SirtuS IV. denjenigen Mitgliedern beider Orden mit dem Banne drohte, welche es sich künftighin beigehen ließen, darüber zu streiten, wie der Heilige abgebildet werden müsse. Der heilige Eugen oder Gilles wird als Einsiedler mit einer Hirschkuh, die durch einen Pfeil verwundet ist, oder im Diaconenkleive, eine Palme tragend, dargestellt. Er lebte an der Rhonemündung und eine Hirschkuh ernährte ihn. Der Gothen- könig Flavius, der dieses Thier angeschossen und verfolgt hatte, entdeckte so den Heiligen. Man sieht ihn auch, wie er Carl Martell die Hände auflegt oder die Absolution ertheilt. Dieser Frankenkönig soll nämlich ein Verbrechen begangen haben, das er sich zu beichten schämte; der heilige Eugen soll ihm durch Auflegung der Hände Verzeihung erlangt haben. Dieß ist unwahr. Wahrscheinlicher ist dagegen, daß Carl durch die Auflegung der Hände des Heiligen die Gnade erhielt, die Scham, welche ihn am Sändenbekenntnissc hinderte, zu überwinden. > Der heilige Adrian, mit ritterlicher Kleidung, einen Ambos zur Seite, aus welchem ihm in der Verfolgung des Maximian die Hände und die Füße abgehauen wurden. Er hat auch auf manchen Bilvern einen Löwen bei sich, wahrscheinlich weil er mit großer Standhaftigkeit die Marter ertrug. Der heilige Hieronymus entwirft in seinem Briefe an Eustuchium ein Bild seines bußfertigen Lebens in der Wüste, aus welches viele seiner Attribute hindeuten. Er hat einen Stein, womit er sich die Brust zerschlug, einen Todtenkopf und das Bildniß des Kreuzes bei sich, weil er sich viel mit der Betrachtung über das letztere, den Tod und das Gericht beschäftigte. Auch sieht man, wie er beim Studiren sich in der dunkeln Höhle eines Lichtes bediente. Er hat einen Cardinalshut, als Zeichen der Cardinalswürde; ein Buch, weil er Kirchenlehrer ist; einen Löwen zu seinen Füßen oder zur Seite, als Zeichen der Einsamkeit. Zwar war er nicht wirklich Cardinal — denn diese Würde kam erst später auf, — aber er hatte beim Papste Damasus dieselben Verrichtungen, die jeyt die Cardinäle haben. Der heilige Franz von Assisi im Habit seines Ordens. Vor ihm in der Höhe sieht man einen Seraph mit sechs Flügeln auf dem Kreuze, von dem fünf Strahlen nach den Wundmalen deS Heiligen ausgehen. Diese Vision ging bekanntlich der Vrrleihung der Wundmale am Leibe des Heiligen vorher. — Der heilige FranciScuS hat auch eine Lilie in der Hand; er hält den einstürzenden Lateran und fährt auf einem feurigen Wagen in den Himmel. Der heilige Dionysius Areopagita, als Bischof, trägt den Kopf in der Hand. 412 Er heißt Areopagita, weil er Mitglied deSAreopagS in Athen war (Apost, 17, 34.). Der heilige Paulus, dessen Schüler er war, ernannte ihn zum Bischof von Athen, Der Papst Clemens soll ihn nach Gallien geschickt haben. Er wurde in der Verfolgung der Wandalen enthauptet; nach seiner Hinrichtung erhob sich sein Rumpf, seine Arme erfaßten den abgeschlagenen Kopf und so ging er herum. Er trug denselben vom Berge, auf welchem er enthauptet worden, und zwar unter Begleitung der himmlischen Heerschaaren, bis an den Ort, wo er begraben liegt. So berichtet der Abt Hilduin, welcher eine Lebensgeschichte deS Heiligen schrieb. Der heilige Qnintkn, als römischer Krieger, oft mit Ketten an Händen und Füßen, einen Bratspieß in der Hand. Er war ein Römer, predigte in Gallien das Christenthum, weßhalb er wohl auch als Diacon abgebildet wird, wurde in Amiens wiederholt gemartert, mit zwei Bratspießen durchbohrt und enthauptet. Der heilige Wolfgang als Bischof, ein Beil in der Hand, oft eine Kirche in der Hand oder zur Eeire. Er predigte den Ungarn das Christenthum und wurde unter Otto II. Bischof zu Regensburg. DaS Beil trägt er, um, wie es in einem Buche über die deutschen Klöster heißt: 8or6v8 resecsrs puäenäss, „den abscheulichen Unflath auszutilgen." Der heilige Martin von Tours, als Krieger zu Pferd, zerschneidet mit einem Schwert seinen Mantel, um die Hälfte einem Armen zu geben. Er schenkte, wie Severus Sulpitius berichtet, vor dem Thore von Amiens zu harter Winterszeit einem Bettler die Halste seines Mantels. Nachts erschien ihm JesuS Christus, mit der Hälfte dieses Mantels angethan und sprach: „Das hat mir der Katechumene Martin geschenkt." Oft sieht man neben diesem Heiligen eine Gans, Anspielung auf seine Erwählung zum Bischof von Tours. Oft ist er auch als Bischof abgebildet. Die heilige Elisabeth von Hessen hat drei Kronen, weil sie als Jungfrau, Gattin und Wittwe heilig gelebt hat. Oft trägt sie zwei Kronen auf der Hand und die dritte auf dem Kopfe; oder sie trägt Brode — oder hat einen Korb mit Brod und einen Weinkrug zur Seite — umgeben von Armen, denn sie war eine wahre Mutter der Letzteren. Meistens ist sie in fürstlicher Kleidnng, zuweilen auch als Dominicanerin (oder Tertiarierin deS heil. FranciScuS), oder als fromme Matrone. Die heilige Katharina von Alerandrien hat zur Seite ein zerbrochenes Rad mit Messern besetzt (das Rad, mit welchem sie gemartert wurde, zerbrach.) Sie trägt oft eine königliche Krone, weil sie aus königlichem Geschlechte entsprossen, ja nach Einigen sogar eine Tochter des Kaisers MarentiuS gewesen seyn soll (wenigstens nennt das römische Breviarium ihren Vater MarentiuS). Ihren Vater sieht man oft zu ihren Füßen liegen, weil sie über denselben durch ihren Martertod triumphirte. Sie hat endlich ein Buch, um ihre große Gelehrsamkeit anzudeuten. Der heilige EligiuS oder Alo, Bischof von Noyon, hat einen Hammer und Zange in der Hand. Er war früher Goldschmied und Münzmeister und verfertigte viele Relkquienkasten. Die heilige Barbara mit einem Schwerte, Kelch in der Hand und Thurm zur Seite. Sie schloß sich freiwillig in einen Thurm, um ihre Jungfrauschaft zu bewahren , und weil sie insgeheim Christin war. Als sie einst ihr Vater mit einem Schwerte verfolgte, öffnete sich ein Felsen, um sie zu verbergen. Ihr Vater lieferte sie den Gerichten aus, sie wurde gemartert und endlich mit dem Schwerte hingerichtet. Ja, ihr Vater soll selbst die Erccution ausgeführt Habens ihr Richter wurde bald darauf vom Blitze erschlagen. Sie hat einen Kelch (über welchem sich eine Hostie befindet), weil sie vielen Scheidenden beistand, so daß diese erst das heilige Abendmahl empfingen. Dieser Kelch befindet sich gewöhnlich an der Thüre des Thurmes, welcher meist drei Fenster hat. Der heilige NicolauS (von Bari oder Myra) wird manchmal ohne Mitra abgebildet. Er soll nämlich auf dem Concil von Nicäa im heiligen GlaubenSeifer einem Arianer eine Ohrfeige gegeben haben, und deßhalb von der Versammlung der Mitra und des PalliumS für verlustig erklärt worden seyn. Als er jedoch einst diesen Ver- 4? 3 tust der heiligen Jungfrau während der Messe klagte, standen auf einmal zwei Engel bei ihm, wovon ihm der eine das Pallium und der andere die Mitra zurückgab. Diese Erzählung ist erdichtet, denn der Heilige wohnte dem Concil von Nicäa nicht bei, obgleich er im Breviarium Romanum zu den dort versammelten Vätern gerechnet wird. Ohne Zweifel wird er deßhalb ohne Mitra dargestellt, weil die orientalischen Bischöfe sich einer solchen überhaupt nicht bedienen. Der Heilige hat einen Anker, weil er Patron der Schiffer ist; er hat ferner drei Brode auf einem Buche oder in der Hand, weil, als in Myra eine große Hungersnoth auSbrach, er einem Kaufmanne in Sicilien im Traume erschien und diesem gebot, ein Schiff mit Getreide nach Myra zu bringen, wodurch die Stadt gerettet wurde; zu seiner Seite sieht man drei Kugeln, weil er die drei Töchter eines armen Mannes zu Padua dreimal rettete indem er ihnen des Nachts Geld durch das Fenster zuwarf; man sieht auch dm Jünglinge (Soldaten) bei ihm, die er, schon zum Tode verurtheilt, rettete. Oft trägt er auch eine Kirche und hinter ihm sieht man zuweilen ein Schiff, weil er auf einer Reise nach Palästina einen Sturm voraussagte und daS wilde Meer hernach durch sein Gebet beschwichtigte. Der heilige Ambrosius hat eine Geißel in der Hand, Anspielung auf die Züchtigung des Kai>ers Theodosius. den er wegen seiner unbarmherzigen Rache am Volke von Thessalonich aus ver Kirche verwies und mit dem Bann belegte. Einige behaupten aber, die Geißel sey ihm deßhalb beizegeben worden, weil er entweder die arianische Ketzerei vernichtete oder i. I. 1338 den Mailändern einen großen Sieg davon tragen half. Er hat oft einen Bienenkorb, das Sinnbild der Fruchtbarkeit an guten Werken, auch der heiligen Beredsamkeit, zur Seile. Der heilige Adalbert, als Bischof mit Keule und Lanze. Er wurde in Saarland unweit Fischhausen von einem heidnischen Priester mit einer Lanze durchbohrt und von den Heiden vollends getödtet. Die heilige Asra von Augsburg, an einen Baum gebunden und von Flammen umgeben. Sie wurde verbrannt, oder, wie Andere wollen, im Reisholz erstickt, weil man ihren Leib unverletzt gefunden. Der heilige Alban, als Bischof, mit einem Schwerte, seinen abgehauenen Kopf tragend. Er würde in Mainz von den Hunnen gemartert. Der heilige Aloysius Gonzaga erscheint in Jesuitenkleidung mit einem Crucifir und einer Lilie in der Hand. Er ist das Vorbild eines reinen Herzens. Der heilige AntoniuS von Padua in Franciscanerkleivung, das ChristuSkind tragend und eine Lilie haltend. Sein Hauswirth sah einst, wie er mit einem kleinen Jesuskind, das anfangs auf einem Buche stand, dann von dem Heiligen in den Arm genommen wurde, kos'te. Man sieht auch vor ihm einem Esel knieen. Ein Häretiker, der mit dem Heiligen über das AltarSsacrament diSputirte, hatte verlangt, AntoniuS solle dadurch, daß er einem Esel eine geweihte Hostie vorhalte, bewirken, oaß daS Thier vor derselben niederkniee. Der Heilige that dieß und der Esel fiel ehrfurchtsvoll nieder. Man sieht auch beim heiligen AntoniuS einen Fisch; denn Fische kamen auf seinen Ruf herbei, hörten seine Predigt und senkten am Schlüsse derselben ihren Kopf, um den Segen zu empfangen. Die heilige Apollonia hält eine Zange mit einem Zahn. ES wurden ihr die Zähne mit «einer glühenden Zange ausgerissen. Die heilige Balbina hat eine Kette in der Hand, weil sie die Ketten deS Apostels Petrus wiedergefunden hatte. Der heilige Benedict von Nursia wird im Kleide seines Ordens oder als Bischof abgebildet. Man sieht ihn auch mit einem Becher auf einem Buche oder nur mit einem Becher, aus dem eine Schlange kriecht. Die Mönche von Vicovaro, deren Abt er war, wollten ihn vergiften und thaten deßhalb Gift in Wein, den sie dem Heiligen in einem Becher reichten. Er hat auch Dornen neben sich, in denen er sich wälzte, um den Versuchungen des Fleisches zu widerstehen. Man sieht ihn ferner mit einem Raben, der ein Band trägt. Die feurige Kugel, welche in der Höhe über ihm V 414 schwebt, bedeutet die Seele des heiligen GermanuS von Eapua, die er in solcher Gestalt zum Himmel steigen sah. Seine Amme hatte einen Krug zerbrochen, den er als Kind sogleich wieder herstellte; daher der Krug, der auf vielen seiner Bilder angebracht ist. Der heilige Benno, als Bischof, mit einem Fisch, der Schlüssel im Maule hat. Er war mannigfach in die Zerwürfnisse Heinrichs IV. mit Gregor VII. verwickelt. Vor dem Wormser Reichstage reis'te Benno nach Rom, nachdem er zweien Chorherren die Meißener Domschlüssel — denn er war Bischof von Meissen — mit dem Auftrage überreicht hatte, dieselben in die Elbe zu werfen, wenn der Kaiser sollte ercom- municirt werden. DaS geschah. Aber nach deS Bischofs Rückkehr fanden sich die Schlüssel wunderbarer Weise wieder. Der heilige Bernard von Clairvaur, als Abt. Er trägt das Ordenskleid der Cisterckenser, deren Stifter er war und hat einen Bienenkorb zur Seile, weil er der Doctor mellifluus genannt wurde. Ueberhaupt erscheint er immer in seinem Ordens- kleide, aber nicht immer als Abt. Maria steht grüßend vor ihm und hält ihm das Christuskind vor; er trägt die Marterinstrumente Christi und hat einen Hund neben sich. Der heilige Bischof BlasiuS mit einem Schwerte, eiserner Hechel und Wachskerze in der Hand. Sieben fromme Frauen sammelten nach seiner Marter sein Blut auf und wurden deßhalb mit eisernen Kämmen (Hecheln) zerfleischt. BlasiuS wurde in einen See geworfen, aus dem er lebendig hervorging, und dann enthauptet. Der heilige Bonaventura, in Franciscanerkleidung mit dem Zeichen eines Bischofs und Kirchenlehrers; manchmal auch als Cardinal. Ein Engel reicht ihm das heilige Sacrament. Er war Cardinal und Bischof von Albano, so wie General seines Ordens. AuS Demuth wagte er oft nicht, das heilige Sacrament des Altars zu empfangen; und so geschah es, daß ihm einst ein Engel während der Messe, eine con- secrirte Hostie brachte. Den heiligen Bonifacius sieht man in bischöflichem Gewände, ein Buch haltend, durch welches ein Schwert gestochen ist. Er wurde bei Dokkum 755 von den heidnischen Friesen erschlagen. Noch ist das Buch erhalten, durch das der Stich durchgedrungen ist. Die heilige Brigitta, Königin von Schweden und Stifterin des Brigittenordens, erscheint in Nonnenkleidnng, ein mit einem Kreuze bezeichnetes Herz in der Hand haltend. Der Stifter des Karthäuserordens, der heilige Bruno erscheint im Kleide seines Ordens, mit einem Kreuze, dessen Enden in Blätter ausschlagen. Der heilige Bischof Burkhard hat eine Hostie in der Hand, wegen feiner großen Andacht zum heiligen Sacramente des Altars. In Betreff der heiligen Cäcilie ist zu bemerken, daß die Maler mehr die lobpreisende, musicirende Heilige, die Sculptoren mehr die Martyrin vorstellen, und zwar in jener Lage, in welcher der Leichnam war aufgefunden word.n: auf dem Antlitz liegend, eine Schnittwunde im Genicke, die Arme und die drei vorderll Finger an jeder Hand ausgereckt, Ring- und Kleinfinger eingeschlagen. Auch sieht man auf Bildern einen Kessel neben ihr, oder sie selbst in einem Kessel stehend, weil sie in siedendem Oel gepeinigt wurde. Sie hat endlich mustcalische Instrumente um sich und ewe Orgel in der Hand, denn sie ist die Patronin der Musik. Der Stifter der Theatiner, der heilige Cajetan von Thiena, als regulirter Kleriker, mit einer Lilie in der Hand. Der heilige Carl Borromäus, Cardinal und Erzbischof von Mailand, trägt Pestkranke. Er nahm sich der Pestkranken besonders an, pflegte sie, spendete ihnen das heilige Sacrament d^s Altars u. s. w. ' Der heilige Kaiser Carl der Große, mit einer Krone auf dem Haupte, dem Scepter in der Hand, in voller Rüstung, gewöhnlich als Ritter und eine Kirche (Dom von Aachen) tragend. MS Der heilige Casimir wird gewöhnlich in polnischer Tracht, einen Lilienzweig in der Hand haltend, dargestellt. Der heilige Columban (als Bischof) hat über dem Haupte eine strahlende Sonne, weil seine Mutter träumte, sie bringe eine leuchtende Sonne zur Welt. Er fand einst in einer Höhle einen Bären, den er hinauswieS und sodaun die Höhle für sich selbst einrichtete, und worin auf sein Gebet eine Quelle entsprang (daher auf seinen Bildern der Bär und die Quelle.) Der heilige Conrad von Konstanz, Bischof, hat cinen Kelch in der Hand, über dem ein Spinnengewebe schwebt. Er trank aus dem Kelche, in den eine giftige Spinne gefallen war, ohne Schaden zu nehmen; ja die Spinne kroch ihm bald hernach wieder aus dem Munde. Der heilige Cosmas und Damian, als Aerzte, tragen Ärzneigläser, chirurgische Instrumente u. dgl. Sie übten ihre medicinischen Kenntnisse im Dienst der christlichen Frömmigkeit auS und wurden 303 in Sicilien enthauptet. Die heiligen Erispin und Crispinian, mit Schuhmachergeräth, weil sie Schuhmacher waren. Der heilige Cyprian von Antiochien, genannt der Zauberer, gewöhnlich in Verbindung mit der heiligen Justina; beide tragen Schwerter, denn beide erduldeten zusammen den Martertod. Die heilige Jnstina hat ein Einhorn als Zeichen der Jungfräulichkeit. Der heilige CyriakuS, als Diacon, hat einen Drachen zu seinen Füßen. Der heilige Bischof CyrilluS (ein Karmeliter); ein Engel reicht ihm zwei Tafeln aus den Wolken; er war der Apostel der Bulgaren. Die heilige Dorothea, mit einem Schwert, Blumen und Früchte zur Seite oder in einem Körbchen. Der heilige Edmund von Canterbury, als Bischof, das Christuökindchen als Erscheinung vor sich. Der heilige Eduard der Bekenner, in königlichem Schmucke; er trägt einen Kranken, den er solcher Weise heilte. Die heilige Elisabeth von Portugal, mit der Königskrone, im Habit der Fran- ciscanerinnen; Bettler um sie. Nach dem Tode ihres Gemahls trat sie in den dritten Orden des heiligen Franciscus und übte viele Werke der Barmherzigkeit aus. Der heilige Bischof Emmeran mit einer Lanze und einer Leiter; er wurde an eine Leiter gebunden und in Stücke zerhauen. Der heilige Eustachius hat zur Seite einen Hirsch, zwischen dessen Geweih ein Crncifir steht; oft trägt er auch ein Hirschköpfchen auf der Hand, oder er hält nur das Geweih, in dessen Mitte dann manchmal ein Crucifir steht. Er traf, wie die Legende erzählt, einst auf der Jagd einen weißen Hirsch an, der zwischen seinem Geweih ein Crucifir trug, das ihm zurief: „Placidus (so hieß Eustachius früher), warum verfolgst du mich?" Er hat einen glühenden Ofen zur Seite, weil er in einem solchen verbrannt wurde. Die heiligen Ewalo, zwei Brüder, haben Schwerter; ein Heller Schein am Himmel über ihnen, oder Strahlen, die auf sie herabfallen. Sie predigten in Westfalen, wurden von den Sachsen erschlagen, worauf ihre Leiber in deu Rhein geworfen wurden. Man unterscheidet sie als schwarzen und weißen (blonden) Ewald. Die heiligen Faustinus und Simplicius, in deren Schildern das Simpliciuswappen (drei Lilienstengel), weil sie die Patrone der Fuldner Brüderschaft des SimpliciuS- ordens waren, dessen Mitglieder an der OrdenSkette sieben Klöpplein trugen, was an die sieben Gaben veS heiligen Geistes erinnern sollte. Der heilige Felir von Välois hat einen Hirsch neben sich, der ein Crucifir zwischen dem Geweihe trägt. Er stiftete mit dem heiligen Johann von Matha den Orden der allerheiligstcn Dreifaltigkeit zur Auslösung der Gefangenen. Der heilige Johannes de Matha trägt ein Stück Kette oder hält einen gefesselten Sclaven. Der heilige Ferdinand von Castilien, mit dem Zeichen der königlichen Würde, trägt ein Kreuz auf der Brust. 4t6 Der heilige FideliS von Sigmaringen, ein Kapuciner, früher ein Rechtsgelehrter, hat einen Streitkolben (Stachelkeule) in der Hand. Er wurde 1622 von den Calvi- nisten, gegen die er gepredigt hatte, in Graubünden grausam erschlagen. Der heilige Florens von Straßburg, als Bischof oder Einsiedler, hat wilde Thiere um sich. Er war ein Schottländer, der als Einsiedler im Elsaß lebte, Um seine kleine Hütte zog sich friedlich alles Wild der Umgegend zusammen. König Dagobert ließ ihn zu sich bescheiden. Er war der Nachfolger des heiligen Arbogast. Man sieht ihn auch als Schäfer, und ein Bär hütet ihm die Schafe. Der heilige Franz von Borgia erscheint als Jesuit und Cardinal und hat einen Fürstenhut neben sich. Er war Herzog von Gandia, Grand von Spanien, angesehen am Hofe Carls V. Beauftragt, den Leichnam der Kaiserin Jsabella nach Granada zu führen, wurde er durch den Anblick der sonst so reizenden Fürstin dermaßen erschüttert, daß er allem Zeitlichen entsagte, in den Jesuitenorden trat, später dessen General, zuletzt Cardinal wurde. Der heilige Franz de Paula wird dargestellt im Kleide des von ihm gestifteten Ordens der Minimen. Er steht auf seinem ausgebreiteten Mantel im Meere, vor sich in einer Glorie daS Wort CharitaS. Er setzte auf seinem Mantel über daS Meer. Der heilige Franz von Sales, als Bischof in bischöflicher Kleidung, ein durchbohrtes, mit einer Dornenkrone umwundenes Herz sammt einem Kreuz in einer Glorie über ihm. Der Jndierapostel, der heilige Franz XaveriuS, wird in der Jesuitenkleivung, mit Kreuz oder Crucifix in der Hand, dargestellt. Der Stifter der berühmlen Abtei St. Gallen, der heilige Gallus, wird als Einkiedler mit einem Wanderstabc dargestellt. Er hat auch einen Bären zur Seite, weil ihn ein solcher in seiner Einsiedelei bediente. Der heilige Goar, als Einsiedler, hat drei Hirschkühe um sich und einen Hm oder eine Mütze an einem Sonnenstrahl hängend. Oft hat er auch einen Topf bei sich oder in der Hand, und einen Teufel auf der Schulter (wahrscheinlich eine Anspielung auf die boshaften Verleumdungen, wovon gleich die Rede seyn wird; er soll auch viele Teufel ausgetrieben haben). Er predigte das Christenthum im Tricrischen und am Rhein. Einige Verleumder klagten ihn beim Bischöfe Rusticus an, der ihn zu sich beschied. Die Boten überfällt, als sie mit dem Heiligen nach Trier reisen, ein großer Hunger; alle Nahrung fehlt und die Quellen sind vertrocknet. Drei Hirschkühe kommen und lassen sich von dem Heiligen melken, die Boten erquicken sich und zu der- . selben Zeit füllen sich ihre Reiselaschen mit Speisen. Der Bischof Rusticus hält dieß Alles für Zauberei und will Goar prüfen. Dieser läßt ein dreitägiges Kind aussagen, wer sein Vater sey. EZ nennt den Bischof -Rusticus von Trier. Der heilige Goar schlug die ihm vom Volk und König Siegbert angebotene bischöfliche Würde aus. Er ist der Patron der Töpfer. Die heilige Hedwig, in Nonnenkleidung. Sie hat Krone und Hermelinmantel (Zeichen ihres fürstlichen Standes) zur Seite. Sie trägt Schuhe in der Hand, weil sie meistens so zu gehen pflegte und nur bei Annäherung Fremder die Schuhe anlegte; auch hat sie das Modell einer Kirche oder ein Bildniß der Mutter Gottes mit dem Christuskiuvchen; man sieht sie auch vordem Gekreuzigten knieen, der sie segnet. Der heilige Kaiser Heinrich II. hvird gewöhnlich in voller Rüstung mit der Krone auf dem Haupte, dem Sceptcr ! i der Hand uud mit dem Modell der Kirche von Bamberg dargestellt. Seine Gemahlin, die heilige Kunigunde, hat ebenfalls das Modell der Kirche von Bambcrg in der Hand, oder eine glühende Pflugschaar (sie bewies durch ein Oldal ihre Unschuld), und eine Kaiserkrone auf ihrem Haupte. Dem heiligen Hermenegild, einem Sohn des Westgothenkönigs Leovigild, wurde auf deS VaterS Befehl der Kopf gespalten. Den Heiligen sieht man mit einem Beile, die Königskrone auf dem Haupte oder zur Seite. Die Ketten und Kugeln, welche der heilige HieronymuS AemilianuS bei sich hat, deuten auf seine Leiden im Gesängnisse, in welchem er in sich ging. A> Der heilige Hubert (Bischof von Lüttich) :n der Kleidung eines Jägers, oft auch eiNÄ Bischofs, hat einen Hirsch vor sich, zwischen dessen Geweih ein Crucifir steht. Er verfolgte in der Charwoche einen weißen Hirsch, der plößlich vor ihm stehen blieb und ein Crucifir zwischen dem Geweih zeigte. Den heiligen Bischof JanuariuS sieht man an einen Baum gebunden und von wilden Thieren umgeben; ein glühender Ofen steht ihm ost znr Seile. Er hat auch ein Schwert, als Zeichen deS Marterthums, Die wilden Bestien verschonten ihn im Amphitheater; er ging auch unversehrt aus einem glühenden Ofen hervor und wurde zuletzt nebst sieben Gefährten mit dem Schwerte hingerichtet. Die heilige Jva (in Nonnenkleidung) hat eine Hirschkuh zur Seite, die sie in der Wildniß mit ihrer Milch nährte, einen Naben mit einem Ring im Schnabel , ^uiLÜsnonsi» Lcdesis« LpiZc-., lilx III cle eultu imÄßirium »ä Larolum Alsgn. säversus dssresin Clauclii prsesulis 'Isuriensis," namentlich aber die „christliche Kunstsymbolii und Ikonographie, Frankfurt 1839" zur Hand. Diese Werke, sowie das römische Brevier benutzten wir bei Anfertigung dieser Abhandlung. Möchte diese Ikonographie namentlich in den Seminarien recht gefördert, möchte der ästhetische Sinn des Volkes von Seite der Geistlichkeit' und zwar eben vermittelst anziehender Bilder recht geweckt werden. Ein einziges Bild thut oft mehr Wirkung als eine Predigt, als viele Katechesen und Ermahnungen. Das sehen selbst die Protestanten jetzt ein, und daher das Streben ihrer innern Mission, schöne, rührendes erbauende Bilder unter dem Volke zu verbreiten. Ich kenne ein Dorf, dessen Einwohner wahre Muster der guten Sitten, wahre Vorbilder ächter Christen sind. Wodurch sind sie es geworden? Durch die Bilder! Das scheint dir wohl lächerlich, lieber Leser? Und dennoch ist es so. Das Dorf, von welchem ich rede, ist Ms in der Diöcese Fulda. Hack. Christliche Lesefrüchte und Betrachtungen eines Laien. (Fortsetzung.) 19. Du bist zuweilen nahe daran, irgend eine Sünde zu begehen; die Versuchung ist stark; du fühlst dich nicht erhoben genug, den Entschluß zu fassen, rein aus Liebe zu Gott und aus Furcht, Ihn zu beleidigen, nicht zu sündigen; du fühlst aber, daß du im Stande wärest, diese Sünde aus Furcht vor zeitlicher Strafe zu unterlassen; du stehst hier an einem Scheideweg, wo dir der Versucher eine Schlinge legt; gib acht, daß du nicht unterliegst! Denn während du nicht genug Seelenstärke fühlst, das Böse reiu um Gotteswillen und aus Liebe zu Ihm, sohin aus dem reinsten christlichen Beweggrund zu meiden, flüstert dir der Versucher ein, es nicht aus dem nicht so reinen, sondern untergeordneten Beweggrund der Furcht vor zeitlicher Straft zu meiden. Was lhuu? Hier gilt kein Besinnen; unterlaß das Böse unbedingt, sey eS auch, daß du es aus Furcht vor zeitlicher Strafe thust und dich zu jenem reineren Beweggrund nicht erschwingen kannst, denn besser ist es in allen Fällen, nicht sündigen, als in Sünde verfallen. 20. Um das Leiden des Herrn besser begreifen und mit mehr Andacht, Zerknirschung und Dankbarkeit betrachten zu können, betrachte vor Allem die Seligkeit des Herrn; bedenke die Glorie der Seligkeit eines Menschen, der gewürdigt wurde, in den Himmel aufgenommen zu werden,— und nuu erst die ewige und unaussprechliche Seligkeit Gottes! — Und Gott verließ diese Seligkeit, stieg vom Himmel herab und nahm das menschliche Elend aus sich! Ach, wer so recht weiß, was eS um das menschliche Elend ist, der begreift erst, was eS heiße, daß Gott Seine ' Seligkeit verließ, um dieses Elend auf sich zu nehmen! Und warum hat Gott dieß gethan? Haben wir es irgendwie verdient? O nein, du bist dem ewigen Tod verfallen gewesen, o Mensch, du bist nicht den mindesten Theil einer Gnade verdient; Gott aber hat deine Menschheil angenommen rein auS Liebe und Erbarmung für dich! 21. Alles Leiden der Menschen hat in Gottes Augen nur dann einen Werth, wenn der Mensch es recht ertragen und wenn er sich bemüht hat, aus demselben für seine Besserung einen Nutzen zu ziehen. Verantwortlicher Redacteur: L. Schöacheo VerlagS-Zuhaoer - F. E, Kremer