Zwölfter Jahrgang. Sonntags⸗Beiblatt zur Aungshurger Poſtzeitung 4. Januar Nʳ· 1. 1852. Dieſes Blatt erſcheint regelmäßig alle Sonntage. Der halbjährl Abonnementspreis 40 fr., wofür es durch alle königl. bayer. Poſtaämter und alle Buchhandlungen bezogen werden kann. Dankbarkeit gegen Gott. (Aus den Papieren eines Convertiten) Aus des Todes tiefſten Gründen, Aus des Irrthums bittrer Noth, Aus dem Schlamme ſchwerer Sünden Haſt du mich erlöst, o Gott! Herr, was hat dich denn bewogen, Daß du noch an mich gedacht? Daß du mich hervorgezogen Aus des ew'gen Todes Nacht? Warum haſt du mich gerade Vor manch Andern aufgeſucht, Und mich von des Irrthums Pfade Sanft gelenkt zur Friedensbucht? Deine Liebe dein Erbarmen War es einzig und allein, Die mich Aermſten aller Armen Lud zum Mahl des Lebens ein. O für dieſen ſüßen Frieden, Herr, mein Gott, was kann ich dir Andres als mein Leben bieten? Vater, nimm es an von mir! Alles haſt du mir gegeben, Alles geb' ich dir zurück; Dir zu dienen, treu ergeben, Sey fortan mein einz'ges Glück! — Hirtenbrief Sr. Eminenz des hochwürdigſten Heren Cardinals und Fürſtbiſchofs von Breslau, Melchiör v. Diepenbrock. Seinem Ehrwürdigen Klerus und ſeinen geliebten Diöceſanen ⸗ Gruß und Segenswunſch in Chriſto unſerm Herrn. Als ich an der Pforte des nun dahingeſchiedenen Kirchenjahres, Geliebte! mein Hirtenwort an Euch richtete, da wendeten ſich unſere Blicke mit ängſtlicher 2 Beſorgniß in die nahe drohende Zukunft, denn ein unſeliges Zerwürfniß war in Folge der vorangegangenen zweijährigen Wirren zwiſchen den Regierungen des deutſchen Vaterlandes eingetreten, und drohete in einen verheerenden Bruderkrieg auszubrechen, der nur mit der Verſtümmelung und dem Tode vieler Tauſende, mit dem Jammer und Elende vieler Hunderttauſende, und mit der Verarmung und Verwüſtung ganzer Länderſtriche wäre zu Ende geführt worden. Darum forderte ich Euch damals auf, zu dem Herrn zu flehen, daß Er die drohende Kriegsgeißel gnädig von uns wende und uns den Frieden bewahre, damit wir in Ruhe und Eintracht Ihm ungeſtört dienen könnten. Und der Herr hat unſer armes Flehen gnädig erhört und Gedanken des Friedens und weiſer Verſtändigung in die Herzen der Fürſten und ihrer Rathgeber geſenkt und das Vaterland vor all' dem Blutvergießen und Gräuel bewahrt, der des Krieges unabwendbares Gefolge iſt. Es ziemet ſich daher, daß wir am Schluſſe des Kirchenjahres, uns im Geiſte in ſeinen Anfang zurückverſetzend, unſerm Gott dafür danken, daß Er nicht nach unſerm Verdienen mit uns gehandelt, ſondern in Seiner reichen Erbarmung die drohende Gefahr abgewendet und uns vor den Schreckniſſen des Krieges gnädig bewahrt hat. Preis und Dank ſey Ihm dafür auch jetzt noch von uns Allen dargebracht. Allein bei dem Vorausblicken in das neue Kirchenjahr, welches die Adventzeit uns eröffnet, finden wir leider nur zu dringende Veranlaſſung, mit jenem Danke für erhörtes Gebet neues Flehen zu verbinden, denn verkennen dürfen wir es nicht, daß noch ganz andere Gefahren im Anzuge ſind, als die vor einem Jahre aus einem geregelten Kriege berechtigter Fürſten uns bedrohten, und daß namentlich das kommende Jahr 1852 vielleicht wieder ein Jahr voll ſchwerer Prüfungen, ernſtlicher Kämpfe und verhängnißvoller Entſcheidung ſeyn könne. Denn es iſt das Jahr, worauf in aller Welt Gottloſigkeit und Empörung ihre Hoffnung geſetzt haben, weil, — Ihr wiſſet es, — die Neuwahl eines oberſten Staatshauptes in dem ſeit zwei Menſchenaltern einem verderblichen Regierungswechſel verfallenen großen Nachbarlande ſtattfinden ſoll, was den gegen alle menſchliche und göttliche Ordnung Verſchworenen willkommene Gelegenheit bietet, ihre Kräfte aufs neue zu verſuchen, ob ſie nicht, wie vor ſechzig Jahren, die Herrſchaft in jenem Lande an ſich reißen, und von dort aus als Apoſtel einer neuen Weltordnung die Blutfahne über ganz Europa ſchwingen können, Alles zerſtörend, was von jeher der Menſchheit heilig und heilſam geweſen: Gottes Ordnung in Kirche und Staat, in der Gemeinde und in der Familie, Recht, Eigenthum, Eheband, Kindſchaft und häusliches Glück; und vor Allem die Hüterin und Pflegerin dieſer Güter: die Religion, und ihren göttlich geformten Leib, die Kirche. Daß Leß ihre Abſicht und ihr unablaſſtges Streben ſey, iſt keine Verdächtigung, es iſt ihr eigenes Geſtändniß, welches ſie täglich in offenen Aufrufen und Manifeſten gottlos und ſchamlos der Welt verkündigen. Damit aber ſo frevelhaftem, aus der Hölle ſtammendem Beginnen ſein Deckmantel und der Verführung ihre Lockſpeiſe nicht fehle, verkleidet ſich auch dieſer Satan in einen Engel des Lichtes, und wiederholt in neuer Weiſe das alte Lied, womit er unſere erſten Eltern aus dem Paradieſe vertrieben und in den Fluch und das Elend geſtürzt, die er nun durch noch größeren Frevel von der Erde hinwegzuheben vorgibt.„Ihr werdet ſeyn wie Gott;“ nur hieß es damals: „Ihr werdet erkennen das Gute und das Böſe.“ — Heute heißt es: Hinweg mit Gott! d. h. mit dem Glauben an Ihn; dann gibt es auch kein Böſes mehr; und ihr werdet erkennen, daß Alles gut iſt und erlaubt Hinweg mit Gott! dann gibt es auch keinen jenſeitigen Himmel und keine Hölle mehr, und die Erde muß zum Himmel umgeſchaffen werden auf Koſten der Mächtigen und Reichen. Hinweg mit Gott! dann gibt es kein Eigenthum und keine Armuth mehr; denn jeder Menſch iſt nun ein Gott, und kennt keine Beſchränkung weder im Beſitze noch Genuſſe des Irdiſchen. Hinweg mit Gott! dann gibt es keine Obrigkeit, kein Geſetz, keinen Gehorſam mehr, 3 denn jeder iſt ſein eigener freier Herr und ſein Wille ſein Geſetz. Hinweg mit Gott! dann gibt es keine Ehe, keine Treue, keine Familie mehr; Begierde und Luſt wechſeln nach Willkür und Laune, und die Kinder gehören Allen und Keinem. Hinweg mit Gott! und darum hinweg vor Allem mit Kirche und Prieſterthum, die uns ſtets an Ihn erinnern und finſtere ſtörende Schatten in das helle Tageslicht unſerer Freude und Weltbeglückung werfen! Hinweg mit Allem, was uns an ein anderes Daſeyn mahnt, als das gegenwärtige, an ein anderes Glück, als das der Sinne, an eine andere Geſchichte, als die von heute ..... Das, Geliebte! iſt der kurze Inbegriff des Evangeliums des Widerchriſts, defſen offene unverhüllte Verkündigung das allermerkwürdigſte Zeichen unſerer an Zeichen ſo reichen Zeit, und darum von je dem Chriſten nicht genug zu beachten iſt. Und fürwahr, wollte Gott in Seiner Gerechtigkeit dieſes Geſchlecht ſirafen nach Verdienſt, Er dürfte nur jenem Geiſte des Widerchriſts, den ſie heuchleriſch „Socialismus“ nennen, den Sieg einräumen über die rechtmäßigen, ſchützenden Gewalten, und die Erde wäre in ein Raubneſt wilder, ſich zerfleiſchender Thiere verwandelt. Das arme Frankreich hat es vor ſechzig Jahren erlebt, was es iſt um die geprieſene Herrſchaft dieſer gottloſen Menſchheitsbeglückung, dieſer ſogenannten Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit: Freiheit des Raubens und Mordens, Gleichheit unter dem Meſſer der Guillotine, Brüderlichkeit in der Verarmung Aller, und mit Recht trägt dieſer Zeitraum für immer in der Geſchichte die gräuliche blutige Ueberſchrift: Herrſchaft des Schreckens. Fragt Ihr, Geliebte, warum ich Euch an dieſe allbekannten Dinge erinnere? Weil das Gedächtniß der Menſchen leider ſo kurz iſt für die Lehren der Geſchichte und der Gottesgerichte, daß faſt jedes neue Geſchlecht dieſelben bittern Erfahrungen wieder durchmachen muß, die es ſich an den Erlebnifſen ſeiner Väter zu erſparen gelernt haben ſollte; weil wir von Gott beſtellte Lehrer und Hirten der Völker nicht ſchweigend zuſehen können, wie der Geiſt des Unglaubens mit Rieſenarmen an dem göttlichen Bau der ſittlichen Weltordnung rüttelt, den der Allmächtige auf dem ewigen Fundamente der zwei Geſetzestafeln und auf den Säulen der zehn Gebote zum Heile der Menſchheit erbarmungsvoll aufgerichtet; weil wir nicht ſchweigend zuſehen können, wenn der Gottestrotz die heilige Inſchrift dieſer zwei Tafeln in dem Gewiffen der Menſchen auslöſchen, und jene zehn Säulen muthwillig niederreißen will, die Träger alles Rechtes, aller Ordnung und Geſittung, die Grundpfeiler aller menſchlichen Gemeinſchaft, worauf die Pflichten gegen Gott und die Menſchen eingegraben ſind, und die da heißen: Du ſollſt Gott lieben über Alles und Ihm dienen; Du ſollſt den Nächſten lieben wie Dich ſelbſt; Du ſollſt nicht ſtehlen, nicht ehebrechen, nicht tödten, nicht falſches Zeugniß geben, ſollſt Vater und Mutter und die Obrigkeit ehren und ihr gehorchen, ſollſt Deines Nächſten Weib, des Nächſten Eigenthum nicht begehren.... u. ſ. w. Weil wir nicht ſchweigend zuſehen können, wenn dieſe ewigen Regeln der Gerechtigkeit und des wahren Socialismus umgeſtoßen und ihr gerades Gegentheil der Welt, vorerſt mit verführeriſcher Rede, und dann mit Feuer und Schwert aufgedrungen werden will! Weil wir überhaupt nicht zugeben können, daß eine andere Erlöſung gepredigt werde von den Uebeln, die die gefallene Menſchheit drücken, als die uns in Jefu Chriſto, dem menſchgewordenen Gott erworbene; daß der Wahnwitz ſtolzer und gottloſer Menſchen einen andern Rathſchluß der Weltbeglückung erſinne, als den der Allerbarmer von Ewigkeit gefaßt und ins Werk geſetzt, indem Er die Welt ſo ſehr geliebt, daß Er ſeinen eingebornen Sohn dahin gab, damit Alle, die an Ihn glauben, das ewige Leben haben; nicht zugeben, daß das tägliche Gebet aller Menſchenherzen: Erlöſe uns von dem Uebel! nicht mehr an Gottes erbarmende Liebe, ſondern an die erdgeborne Weisheit gottloſer Staatsumwälzer gerichtet werde; nicht zugeben endlich, daß ein wahrhaftes dauerndes Glück auf dieſer Erde möglich ſey anders als in der Erfüllung des heiligen Gebotes der Gottes⸗ und Menſchenliebe, in der geduldigen Ertragung des Kreuzes, das dem Reichen wie dem Armen, dem Großen wie dem Kleinen von Gott zu ſeinem 4 Heile zugewiesen ist, und jenen häufig noch peinlicher, als diesen drückt, anders als in der gläubigen Aneignung des Segensspruches unseres Erlösers: Selig die Armen im Geiste, denn ihrer ist das Himmelreich, selig die Sanftmüthigen, denn sie werden das Erdreich besitzen; selig die Trauernden, denn sie werden getröstet werden; selig die Hunger und Durst haben nach der Gerechtigkeit, denn sie werden gesättigt werden; selig die Barmherzigen, denn sie werden Barmherzigkeit erlangen; selig die ein reines Herz haben, denn sie werden Gott anschauen; selig die Friedsamen, denn sie werden Kinder Gottes heißen: — göttliche SegenSworte, die einen bimmlisch lindernden Balsam in die brennenden Wunden der armen Menschheit träufeln, während die gottlosen Worte der Volksverführer sie wie mit Schwefel und Höllenstein ätzen und vergiften! Darum, GclieRe, dürfen Wir Hirten und Bischöfe nicht schweigen, sondern je geschäftiger die Verführung — und sie ist eS still und schleichend fort und fort auch in unserm Lande, — je größer die Gefahr, je näher vielleicht ein neuer offener Kampf, desto lauter müssen wir unsere Stimme erheben in Gottes Auftrag, und Euch warnen und ermuutern zum muthigen Ausharren bei der Fahkie Jesu Christi, die da ist die Fahne des Glaubens und darum des Gehorsams, der Treue gegen Gott, gegen Seine Kirche und gegen die von Ihm gesetzte, Seine Stelle auf der Erde vertretende Obrigkeit. Denn daß dieser der Sieg bleibe, wenn es je wieder zum offenen Kampfe mit der Umwälzung kommen sollte, daran ist, wie ich oben aus den eingestandenen Absichten und Plänen ihrer Gegner gezeigt, Alles gelegen, unendlich mehr, als der kurzsichtige, unbelehrbare Verstand so vieler unberufener Schwätzer begreift, die nach Allem, was wir erlebt, eS noch immer für ein rühmliches, verdienstliches Werk halten, die Obrigkeit zu schmähen, ihre Absichten zu verdächtigen, und den Maaßregeln, welche die Verderbniß der Zeit und die Pflicht der Selbsterhal- tnng nöthig machen, den schlimmsten, völkcrfeindlichen Sinn unterzulegen. (Schluß folgt.) "1 ÄiM .«-!!!>': ", Aphorismen aus einer Schrift des Marquis Donoso Cortes. Ein Verein katholischer Gelehrten hat sich die verdienstliche Aufgabe gestellt, dem französischen Volke eine Lidliotnizczue nouvelle klassischer, in katholischem Geiste geschriebener Schriften darzubieten. In dieser Sammlung erscheint auch eine Schrift unter dem Titel: Ls5gi 5ur le cgtllolicisme, Is lideralismö et I« soeialisme von dem ruhmilchst bekannten Donoso Cortes. Sie enthält eine Fülle von inhaltreichen Gedanken, in geistvoller Form ausgeführt, und überall getragen von dem sichern Grunde des Glaubens und der ticfinnigsten religiösen Ueberzeugung eines treuen Sohnes der katholischen Kirche. Wir glauben daher, daß eS den Lesern nicht unwillkommen seyn werde, wenn wir im Folgenden einige der vielen glänzenden und geistreichen Bemerkungen des Verfassers als Aphorismen mittheilen. Denn wenn ein Mann von solchem Geiste und Charakter, wie sie dieser edle Spanier in sich vereinigt, vie Ergebnisse seines Nachdenkens über die wichtigen und schwierigen Fragen, welche das Leben der Menschheit in seinem innersten Kern berühren, unS vorlegt, so werden wir durch ein näheres Eingehen daraus gewiß Nutzen ziehen. Wir lesen in dieser Schrift unter Anderm Folgendes: 1. „Die Verminderung des Glaubens, welche die Beeinträchtigung der Wahrheit nach sich zieht, hat nicht gerade die Verringerung, wohl aber die Verirrung der menschlichen Einsicht im Gefolge. Barmherzig und gerecht zugleich, versagt Gott den sündigen Vernunftwesen das Leben nicht, aber die Wahrheit: zum Irrthum verdammt er sie, nicht zum Tode. Alle haben wir vor unsern Augen daS an Unglauben so reiche, so durchaus verfeinerte Jahrhundert an unS vorüberziehen sehen, das demungeachtet auf dem Strome der Zeit wehr eine sengende, als glänzende Spur zurückließ, unh wie Phosphorglanz durch die Geschichte leuchtet. Dennoch wird, wer 5 genau zuſieht, gewahr werden, daß dieſer Glanz Feuersbrunſt, daß ſein Licht nur das Leuchten des Blitzes iſt!“ „Der Tag, der alſo ſcheint, kommt mehr von einer plötzlichen Exploſion an ſich dunkler, aber nicht entzündlicher Stoffe, als aus den reinen Regionen, denen das friedliche Acht entquillt, das über die Gewölbe des Himmels mit dem allmächtigen Pinſel eines allmächtigen Malers ausgebreitet wurde.“ Was von den Jahrhunderten gilt, kann man auch von den Menſchen ſagen. In dem Maaße, als Gott ihnen den Glauben verweigert oder ſchenkt, nimmt oder gibt er ihnen die Wahrheit, nicht aber gibt oder nimmt er ihnen die Erkenntniß. Die der Glaubensloſen kann ſogar eine ſehr entwickelte ſeyn, und die der Gläubigen eine ſehr beſchränkte, aber die erſte iſt bei alle dem nur in der Weiſe eines Abgrundes groß, während die zweite einem Tabernakel ähnlich, heilig iſt; — im Abgrund wohnt Tod und Schrecken, im Tabernakel mit der Wahrheit das Leben. Darin aber auch liegt der Grund, weßhalb keine Hoffnung iſt für die Geſellſchaften, welche für den ſtrengen Dienſt der Wahrheit den den Intelligenz eintauſchten Hinler den Sophismen ſtehen die Revolutionen, und hinter dieſen die Henker......“ 2. „Wenn ſich Alles in Gott erklärt und durch Gott, und wenn die Theologie die Wiſſenſchaft Gottes iſt, durch welchen ſich Alles erklärt, ſo iſt die Theologie die Wiſſenſchaft von Allem...“ 3. „Jedes Wort, das über die Lippen der Menſchen kommt, iſt eine Beſtätigung der Gottheit, ſelbſt dasjenige, welches ſie ſchmäht oder läugnet. Wer, ſich von Gott abwendend, ausruft: „„Ich haſſe Dich, Du biſt nicht!““ gibt eine vollſtändige Darlegung der Theologie ebenſowohl, als der, welcher das zerknirſchte Herz zu Gott erhebt und ihm ſagt „Herr, ſchlage Deinen Diener, der Dich anbetet zu — der Erfte wirft ihm eine Läſterung ins Augeſicht, — der Andere legt ein Gebet zu ſeinen Füßen nieder. Beide, ein Jeder nach ſeiner Art, bekennen Gott, weil Beide ſeinen unſagbaren Namen ausſprechen.“ 4. „Das iſraelitiſche Volk konnte ſo lange nicht beſiegt werden, als Moſes ſeine Hände zum Himmel ausſtreckte, und es konnte nicht ſiegen, als er ſie zur Erde fallen ließ. Moſes ſinnbildet das menſchliche Geſchlecht, das in allen Zeitaltern, unter ganz verſchiedenen Formen und Arten, die Allmacht Gottes und die Abhängigkeit des Menſchen, die Macht der Religion und das Verdienſt des Gebetes bezeugt.“ 5. „Ein Wort des Friedens, des Troſtes und der Barmherzigkeit erſcholl in der Welt, und hallte mächtig in den Gewiſſen der Menſchen wieder: dieſes Wort aber lehrte die Völker, daß die Kleinen und die Armen geboren würden, um bedient zu werden, weil ſie arm und klein ſind; und daß die Großen und Reichen geboren werden, um zu dienen, weil ſie groß und reich ſinde Der Katholicismus hat, die Gewalt vergöttlichend, auch den Gehorſam geheiligt, und indem er das Eine vergöttlichte und das Andere heiligte, hat er den Hochmuth in ſeinen ärgſten Erſcheinungen, d. h. auch den Geiſt der Herrſchſucht und des Aufruhrs verdammt....“ 6. „Die Kirche ſtellt die menſchliche Natur ohne Sünde dar, ſo wie ſie aus den Händen Gottes in urſprünglicher Gerechtigkeit und heiligender Gnade hervorgegangen, und aus dieſem Grunde iſt ſie unfehlbar und dem Tode nicht unterworfen. Gott hat ſie auf Erden eingeſetzt, damit der Menſch, von der Gnade unterſtützt, welche Niemand verſagt iſt, ſich würdig und theilhaftig machen kann der Verdienſte des Blutes, das auf dem Kalvarienberg für ihn vergoſſen, und indem er ſich freiwillig den göttlichen Eingebungen unterwirft. Mit dem Glauben wird er ſeine Unwiſſenheit, mit der Geduld ſeine Schmerzen beſiegen, und mit der Hingabe den Tod: der Tod, der Schmerz, die Unwiſſenheit ſind dann nur noch da, um beſiegt zu werden durch die Hingabe, die Geduld und den Glauben.“ 7. „Von dem Tage, an welchem die Geſellſchaft, ihre grundſätzlichen Beſtimmungen der Vergeſſenheit übergebend, die Preſſe und die Tribüne, die Journaliſten und die Vereine gefragt hat: Was iſt Wahrheit? was iſt Irrthum? von dieſem Tage an hat ſich Irrthum und Wahrheit in allen geiſtigen Kräften verwirrt, iſt die Geſell K schaft in das Reich der Finsterniß eingetreten, und dem der Hirngespinnste verfallen. Von einer Seite selbst die gebieterische Nothwendigkeit fühlend, sich der Wahrheit zu unterwerfen und dem Irrthum zu entziehen, — von der andern aber die Unmöglichkeit, entweder den Irrthum festzustellen oder die Wahrheit, hat sie einen ganzen Katalog von herkömmlichen und willkürlichen Wahrheiten, einen Katalog von vermeintlichen Irrthümern formulirt, und dann gesagt: Ich bete die ersten an und verdamme die zweiten, — in arger Blindheit übersehend, daß sie, indem sie die einen anbetet und die andern verdammt, in Wahrheit gar nichts anbetet und nichts verdammt; oder, wenn sie überhaupt etwas anbetet oder verdammt, sie selbst es ist, welche sich anbetet oder verdammt." 8. „Die doctrinelle Unduldsamkeit der Kirche hat die Welt auö dem Chaos gerettet; sie hat die politische Wahrheit außer Frage gesetzt, wie die häusliche, die sociale, wie die religiöse; — also ursprüngliche und heilige Wahrheiten, welche keinem Streite unterworfen seyn können, weil sie die Grundlage aller Erörterungen sind; Wahrheiten, welche man keinen Augenblick in Zweifel ziehen kann, ohne daß sofort das geistige Leben schwankt, sich zwischen Wahrheit und Irrthum verlierend, ohne daß sich sogleich auch der reinste Spiegel der menschlichen Vernunft verdunkelte und trübte. Darum hat die Gesellschaft, da sie sich von der Kirche loSriß, nichts Anderes gethan, als die Zeit in halt- und fruchtlosen Streitigkeiten verloren, welche, ihren AuSgangspunct im absoluten Zweifel findend, kein anderes Resultat liefern können, als den vollständigen Skepticismus. Die Kirche, allein die Kirche, hat daS heilige Vorrecht ergiebiger und fruchtbarer Erörterungen gehabt. Die Theorie von DeScar- tes, nach welcher die Wahrheit aus dem Zweifel, wie Minerva aus dem Haupte Jupiters hervorsteigt, verkennt das göttliche Gesetz, welches zu gleicher Zeit der Erzeugung der Körper und der Ideen vorsteht. Durch dieß Gesetz schließen die Gegensätze beständig die Gegensätze aus, und das Aehnliche bringt immer Aehnlichcs hervor. Kraft dieses Gesetzes geht aus dem Zweifel beständig der Zweifel, aus dem Skepticismus der Skepticismus hervor, wie aus dem Glauben die Wahrheit, aus der Wahrheit die Wissenschaft." 9. „In der Kirche sind die Dinge dergestalt geordnet, daß die Tyrannei und der Aufruhr unmöglich: da ist die Würde des Untergebenen so groß, als die des Kirchenfürsten, und die des Kirchenfürsten besteht genau in Dem, waS sie gemein hat mit dem Untergebenen. Die größte Würde des Bischofs besteht nicht darin, Fürst, noch die des Papstes darin, König zu seyn, sondern Priester, wie die Untergebenen, Ihr erhabenes nnv unveräußerliches Vorrecht besteht nicht im Regieren, es besteht in der Macht, den Sohn GotteS zum Diener ihres Wortes zu machen, und darin, daß sie dem Vater fortwährend den Sohn als Opfer für die Sünden.der Welt darbringen; es besteht in der Vermittelungsfunction, durch welche sich die Gnade ergießt; in dem höchsten und unveräußerlichen Recht, Sünden zu vergeben und zu behalten. Die höchste Würde ist diejenige, mit welcher Alle bekleidet sind: sie besteht weder im Apostolat noch im Pontificat; sie liegt im Priesterthum. Betrachtet man die päpstliche Würde als Einzelnes, so scheint die Kirche eine absolute Monarchie; betrachtet man aber in ihr ihre apostol. Verfassung, so scheint sie eine sehr mächtige Oligarchie. Und betrachtet man wieder von der einen Seite die Würde, welche die Prälaten mit den Priestern gemein haben, von der andern aber die tiefe Kluft, welche Priester und Volk scheidet, so erscheint sie als eine ungeheure Aristokratie. Wirft man dann einen Blick auf die zahllose Menge der in der ganzen Welt verbreiteten Gläubigen, und sieht, wie das Priesterthum, der Apostolat und der Pontificat zu ihren Diensten ist, wie sich in dieser wunderbaren Gesellschaft Alles nicht um das Wachsthum Derjenigen handelt, welche befehlen, sondern um das Heil Derer, die gehorchen, — wenn man den tröstlichen Glaubenssatz betrachtet von der wesentlichen Gleichheit der Seelen; wenn man sich erinnert, daß der Erlöser des Menschengeschlechtes den Opfertod am Kreuze für Alle und für jeden Menschen erduldet, — daß es ausgesprochener Grundsatz ist, daß der gute Hirt sein Leben für seine Schafe läßt, und wenn man 7 bedenkt, daß der letzte Zweck der Thätigkeit aller der verschiedenen Aemter die Vereinigung der Gläubigen ist, so scheint die Kirche eine ungeheure Demokratie, im ruhmreichen Sinne des Wortes, oder doch wenigstens eine, zu einem wesentlich volks- thümlichen und demokratischen Zweck gestiftete Gesellschaft. Das aber ist das Sonderbarste dabei, daß die Kirche alles wirklich ist, was sie scheint. In andern Gesellschaften sind diese verschiedenen Regierungsformen unter sich unverträglich, oder wenn sie sich durch Zufall vereinigt finden, verlieren sie viel von ihrer wesentlichen Eigenthümlichkeit...." „Das Endresultat ihrer gegenseitigen Vereinigung würde ihre gegenseitige Vernichtung seyn. In der Kirche allein, als in einer übernatürlichen Gesellschaft, treten sie in harmonische Verbindung, ohne von ihrer eigenthumlichen Reinheit und ursprünglichen Größe etwas einzubüßen. Diese friedliche Vereinigung von unter sich entgegenstehenden Kräften, von Regierungsformen, deren einziges Gesetz, menschlich zu reden, der Krieg ist, bietet das schönste Schauspiel, was die Annalen der Welt aufzuweisen haben. Wäre das Regiment der Kirche zu erklären, man müßte es eine ungeheure Aristokratie nennen, geleitet von einer mächtigen Oligarchie, in die Hände eines absoluten Königs gelegt, welchem eS obliegt, sich in beständigem Opfer für das Heil der Völker hinzugeben. Diese Begriffserklärung würde das Wunder der Erklärungen seyn, eben so wie der erklärte Gegenstand das größte Wunder der Geschichte ist." „Wollen wir das Gesagte in wenige Worte zusammenfassen, so können wir ohne Furcht, durch die Thatsachen widerlegt zu werden, behaupten, daß der Katholicismus alle menschlichen Dinge in Ordnung und Uebereinstimmung gebracht hat, nämlich bezüglich deS Menschen selbst besteht diese Ordnung und diese Harmonie darin, daß der Katholicismus den Körper dem Willen, den Willen dem Verständniß, das Verständniß aber der Vernuuft, die Vernunft dem Glauben und Alles dem christlichen Sinne unterworfen hat, welchem die Kraft inwohnt, den durch unendliche Liebe gereinigten Menschen in Gott umzubilden. Bezüglich der Familie wollen wir damit sagen, daß durch den Katholicismus die drei häuslichen Personen, gereinigt durch die zartesten Bande, zu einem bestimmten Verhältnisse gelangt sind; rücksichtlich der Regierung aber, daß dnrch den Katholicismus die Autorität wie der Gehorsam geheiligt, und die Tyrannei wie der Ausruhr für immer verurtheilt sind. In Beziehung auf die Gesellschaft bedeutet es, daß durch den Katholicismus der Krieg der Kasten aufgehört hat, daß der vollkommene Einklang aller gesellschaftlichen Gruppen begonnen; daß der Geist fruchtbarer Vereine dem Geiste der Eigenliebe und der Vereinzelung gefolgt ist, so wie das Reich der Liebe dem Reiche des Stolzes. Bezüglich der Wissenschaft und Kunst heißt es, daß durch den Katholicismus der Mensch in den Besitz der Wahrheit und der Schönheit, des wahren Gottes und der gött> lichen Herrlichkeit eingetreten. Aus Allem also, was wir gesagt, geht hervor, daß mit dem Katholicismus eine übernatürliche Gesellschaft in die Welt gekommen, eine herrliche, vollkommene, auf Gott gegründete, von Gott bewahrte, von Gott beschirmte, welcher auf immer das göttliche Wort hinterlegt ist; welche der Welt das Brod des Lebens reicht, welche nicht täuschen, noch getäuscht werden kann; welche den Menschen die Lehren ertheilt, die sie von ihrem göttlichen Meister empfängt; welche das vollkommene Ebenbild der göttlichen Vollkommenheiten ist, daS erhabene, das vollendete Muster menschlicher Gesellschaften....." (Schluß folgt.) üm soAM 5 ^! ^gUiN^.TiS '»«U'.'IZN Sl?Mt(5. tNMllttNM??1iN . . iktsfll« n» IN ") Die Furcht, der heiligen Demuth dieses Mannes nach dein Herzen Gottes zu nahe zu treten, hält uns ab, seinen Namen zu nennen. Der Name thut ja auch nichts zur Sache, und diese Wahrheit können wir verbürgen. 8 des Himmels verkündend..... Stets verkündet die unmittelbare Dazwischenkunft dieser Menschen, die mit dem Mittelpuncte der Kirche zusammenhängen, irgend etwas Großes und Außerordentliches; dann gehen in dem erstarrten Zeitalter seltsame Dinge vor, gleich denen, die man bei gewissen namenlosen Krankheiten bemerkt, wenn die Werkzeuge gelähmt, und unS die unmittelbare Einwirkung des Geistes gewissermaßen alle ausgehobenen Verrichtungen ersetzt." Was also vom Ganzen der Kirche gesagt ist, daS gilt nicht weniger von den einzelnen Theilen derselben, und daß eS, besonders in Deutschland und seinen Diöcesen, sich vielfach als eine große Wahrheit bewährt, brauchen wir nicht erst zu' sagen. Stets aber hatten solche besondere Abgesandte des Herrn, die in der Kirche ja nie aufhörende Macht der Wunder, und stets war das Wunderwirkende Macht ihres Gebeteö. In einem deutschen Bischofssitze lebte ein katholisches Ehepaar in tiefer Uneinigkeit; die Frau war fromm, und hielt treu an der Kirche, der Mann hingegen hatte sich von den Rongeanern und ihrem Anhange so viel vorschwätzen lassen, daß er sich über die Lehren der Kirche erhaben glaubte und immer mehr in Unglauben versank. Wer solche Leute, besonders in den untern Classen der Gesellschaft, kennt, der wird begreifen, daß der Friede in diesem Hause nicht wohnen konnte. Eines TageS ging die tiefgebeugte Frau zu dem Allen ohne Unterschied zugänglichen Oberhirten, und klagte ihm ihre Noth. Der Bischof tröstete sie, und ermähnte sie, zu beten, daS sey das einzige Mittel. Die Frau kehrte erhoben nach Hause zurück, und betete Tag für Tag, aber eine lange Zeit verging, und keine Aenderung erfolgte in dem Wesen des ManneS. Da wurde dieser krank; die arme Frau kam abermals zu dem Bischöfe und klagte von neuem Er tröstete sie wieder, und verwies sie abermals auf das Gebet, fügte jedoch dießmal hinzu, wenn ihr Mann eine Sinnesänderung zeige, solle sie sogleich zu ihm, dem Bischöfe, kommen, sey es bei Tage, sey eS bei der Nacht, er werde sie zu ihrem Manne begleiten. Die Frau kam nach Hause und that wie der Bischof gesagt. Abends gegen sieben Uhr brachte der Diener dem Bischöfe und dessen Caplan das gewohnte frugale Nachtessen, wobei der Bischof ihm bedeutete, Niemand mehr vorzulassen, eine Frau ausgenommen, welche er dem Diener näher beschrieb. Später kam der Diener zurück, den Tisch abzudecken, doch er fand Alles unberührt. Gegen Mitternacht schellte es am Hause, der Diener fragte am Fenster, wer da sey, unv findet die ihm beschriebene Frau, welche ihn bittet, dem Bischöfe zu sagen, daß ihr Mann nach ihm verlange. Der Diener geht zum Wohn-, zum Schlafzimmer deS Bischofes, und findet ihn nicht; er sucht ihn in dem Zimmer deS CaplanS, im ganzen Hause, vergebens; da fällt ihm ein, er möge wohl in der Hauscapelle seyn, und so war es, dort fand er den Bischof nebst seinem Caplan im Gebete vor dem Altare liegen. Er tritt zu ihm hin und meldet die Frau, worauf ^ der Bischof sofort sich erhebt, und mit ihr zu dem reuevoll zerknirschten Manne geht, welcher sogleich beichtet, am folgenden Tage die heilige Communion empfängt, und seitdem in musterhafter Ehe mit seiner Frau lebt. Und weiter? — „Er sprach: Hüte dich, daß du Niemanden etwas sagest, allein sobald er fort war, fing er (der Gerettete) an, viel von der Sache zu reden, und das Gerücht verbreitete sich in der ganzen Umgegend." Marc. 4, 44, 45, 28. — Heine ist eben in Aller Munde. Eines TageS war auch die Rede von ihm in einem Kreise, den derselbe Bischof mit seiner Gegenwart beglückte. Jeder sprach laut und scharf seine Entrüstung über die Bestialität deS Romanzero und über dessen Verfasser auS, Alle waren in der lebhaftesten Aufregung, als der Bischof plötzlich mit seiner liebevollen Stimme einfiel, und ernst sagte: „Der arme unglückliche Heine! Beten wir für ihn!" Dieß schöne und ächt christliche Wort des hochwürdigsten Oberhirten ließ Alle verstummen. Es war ihnen seitdem ein heiliges Gebot, dessen Erfüllung sie keinen Tag versäumen. Schenke der Herr diesem Gebete seines frommen Dieners dieselbe Erhörung, welche er jenem andern schenkte! vereinigen wir zu dem Ende unsere Bitten mit denen des Bischofes! Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. VerlagS-Znhaber: F. C. Kremer.