Zwölfter Jahrgang. Sonntags-Weiblatt -ißuattE iiznclch's msZ oi Z7dsii^-'l Äiiu sö^^ -»is znu oinüUD-z tt!i?»jilIi^,^^(Z° -LzchUHii^k ui> ^slkM6»,iD »i» yviij ichiu tjltti ^n,!^dr> hü7Ä^ÄH i!5 onil sunT ??N>;i!Z7^1 Htt» I'^liu ,nnc»llt ilzHMi!!? tN^zi«! S.'^I it!(!ü!L ÄNU zziZk^ »i^ -l^l»( Januar M- 2. ____——-- Dieses Blatt erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der halbjährige Abonnementsvreis 40 kr., wofür es durch alle köm'gl. bayer. Postämter und alle Buchhandlungen bezogen werden kann. Hirtenbrief Sr. Eminenz des hochwürdigsten Herrn CardinalS und Fürstbischofs von BreSlau, Melchior v. Diepenbrock. (Schluß.) tun »IMF vuo cb-ItziN choil ltt-l ^is^iMiliPj?^u z^i^l^g ?nu nchiiZljsiinuz Ja, Geliebte, ich nehme keinen Anstand, Ench auf die merkwürdigen Worte des Apostels hinzuweisen, und Euch zu sagen: daß das Geheimniß der Bosheit, welches schon damals wirksam war (2 Thessal. 2, 7.), gerade in unsern Tagen wirksamer ist, denn je zuvor, daß das Werk des Widerchrists offenkundiger betrieben wird als je, und daß, wenn die heiligen Väter ehemals das römische Reich für dasjenige Hinderniß hielten, welches nach dcS Apostels Andeutung den Sieg deS Widcrchristö noch aufhielt, wir jetzt, durch die Erfahrung belehrt, mit noch viel mehr Grund sagen können, weil wir's mit Augen sehen und mit Händen greifen: daß eS daS Bestehen der rechtmäßigen Gewalt, der obrigkeitlichen Auctori« tät überhaupt ist, welches dem Siege des Weltverderbers noch Einhalt thut, und darum auch von seinen Sendlingen und Wegbereitern so gründlich gehaßt, so heftig angegriffen und so unermüdlich unterwühlt wird. Darum auch haben die Worte des Apostels: „Wer sich der Obrigkeit widersetzt, der widersetzt sich der Anordnung Gotteö, und die sich widersetzen, ziehen sich selbst die Verdammniß zu" (Mm. 13.), in unserer Zeit ein doppeltes Gewicht; denn der Widersetzliche tritt, bei nunmehriger offener Scheidung, bewußt oder unbewußt auf die Seite deS WiderchristS und wird um Mithelfer und Werkzeuge für seine weltverderbenden Pläne. Hier ist Halbheit kaum mehr möglich, und das Wort des Apostels: „Wer auch nur Ein Gebot übertritt, verschuldet sich an allen" t^Jak. 2, 10.), gilt in dieser Zeit zumeist von diesem Gebots stjnüuü '. . - „ ,»s>?-.-c.i^'s s^.T sl!ü.!> ° Darum, Geliebte, weil wir in eine so verhängnißvolle Zeitcnstunde eingetreten sind, ermähne ich Euch, zu beten, daß der Arm der rechtmäßigen obrigkeitlichen Gewalt, der nach des Apostels Wort das Schwert führt im Dienste Gottes (Rom. 13, 4), nicht durch Gottes Zulassung und zu unsrer Strafe hinweggeräumt werde (2. Thess. 2, 7.). Lasset uns also beten für unsern LandeSvater und für seine Rathgeber, Helfer und Diener in dem so sehr erschwerten Amte der Landesregierung, daß der Herr ihnen seinen guten Geist gebe von oben herab, der sie bewahre vor falschem Dünkel, falscher Sicherheit und falscher Halbheit, und sie lehre, in Demnth und Gottvertrauen die Heiligthümer der Menschheit hüten mit dem Scepter der Gerechtigkeit und dem Schwerte der Gewalt, und bei kräftiger Niederhaltnng aller bösen Anschläge und Frevelthaten doch die wahre, gesunde Freiheit des Volkes achten und schützen und nur die Frechheit bändigen und das Verbrechen züchtigen. .kMg-tltr-16 z^uA Lasset uns beten für unsere tapfern Heere, die uns in den vorangegangenen Jahren schon gegen daS erste Anwogen der umwälzenden Mächte geschützt haben, daß der Geist deS Evangeliums sie erfülle, der allein wahre Treue, Tapferkeit und Opferwilligkeit dauernd erhält, und sie erhebe und begeistere in dem schönen Bewußtseyn, daß der Waffendienst fortan nicht bloß ein Ehrendienst, sondern ein christliches Ritterthum sey für Alles, was der Menschheit werth und heilig ist. Lasset unS beten, und an unserm Theile dahin wirken, daß die Gesinnungen ^ ehrenfester Treue und edler Pietät, die Höheres achtend sich selber adelt, und die von jeher die Zierde und der Ruhm deS biedern deutschen Volkes waren, unter unS nicht erlöschen, sondern neu angefacht und belebt in dem heranwachsenden Geschlechte fortgepflanzt werden. Lasset unS insbesondere beten und flehen, Geliebte, um göttlichen Schutz für unsern obersten Hirten, den Papst, der in seiner doppelten Eigenschaft, als Oberhaupt der Kirche und als Landesherr, den feindlichen Angriffen der unterwühlenden Bosheit jener gegen alles Heilige verschworenen Rotten zwiefach ausgesetzt ist. Darum mußte auch Er ihre gottlose Tücke am ersten erfahren und — entlarven; denn zum Danke dafür, daß er seinem Volke alle gewünschten Freiheiten gewährt, vertrieben sie ihn, nachdem sie zwei Jahre lang ihm geheuchelt und geschmeichelt, von seinem Sitze, entsetzten ihn seiner Regentenwürde, und jetzt, da er von verbündeten Mächten zurückgeführt und geschützt ist, überschütten sie ihn noch täglich auS der Ferne mit Lästerung und Drohung, und arbeiten rastlos, sein Volk zu Treubruch und frevelhafter Gottlosigkeit zu verführen. — Möge unsere treue kindliche Anhänglichkeit und unser Gebet ihm Trost und Muth und Kraft von Gott erlangen, und ihm die dreifache Dornenkrone, die er trägt, erleichtern I Lasset uns beten für die gesammte Christenheit, daß sie wachse im Glauben und ^ in der Liebe, und unter dem Anhauche des göttlichen Geistes erstarke zum Kampfe, der sich bereitet. Lasset uns flehen, daß Angesichts dieses drohenden Kampfes alle Uneinigkeit, Zwietracht und Spaltung hinweggethan werde unter allen Denen, die Jesum Christum ihren Herrn nennen und zu Seiner Fahne stehen wollen. Lasset unS flehen, daß daS reine Licht der Wahrheit und des Friedens alle Menschen erleuchte, die da guten demüthigen Willens sind; flehen, daß die Schuppen aller Mißverständnisse und ererbter Vorurtheile von den geblendeten Augen der Irrenden und Getrennten fallen, damit Alle, die sich als Söhne Eines Vaters und als Brüder EineS Herrn bekennen, sich auch als die Söhne Einer Mutter wiederfinden, auf daß unter ihrem Paniere geschaart die große Gemeinde der Gläubigen den Himmlischen »schön Wie der Mond, auserkoren wie die Sonne," den Feinden aber „furchtbar erscheine wie ein geordnetes Heerlager" (Hohel. 6, 10.). Wenn bei dem beängstigenden Ausblicke in eine dunkle, verhängnißvolle Zukunft, zu dem wir durch eine höhere Betrachtung der Gegenwart unS hingedrängt fühlen, etwas uns zum Troste gereichen und unS zu der Hoffnung ermuthigen kann, daß GotteS Langmuth die Tage der schwersten Prüfung noch fristen, das äußerste Verderben vorerst noch abwenden und vor der endlichen Reinigung seiner Tenne und der weltgerichtlichen Sichtung seines WeizenS u. noch neue frische Garben in seine Scheunen einführen (Match. 3, 12.), vielleicht auch seine gläubige Schaar zum bevorstehenden Kampfe geistig rüsten will: so ist eS die Wahrnehmung der Auffrischung des religiösen LebenS, welche sich auf den weiten Gefilden der Kirche, und zunächst auch in unserm deutschen Vaterlande erfreulich kund gibt. Während einerseits die Seelenhirten sich in stiller Zurückgezogenheit an geeigneten Orten versammeln und in mehrtägigen geistlichen Uebungen den heiligen Geist ihres Berufes und die himmlischen Kräfte der empfangenen Weihe nach des Apostels Mahnung (2. Timoth. 1, 6.) in sich erneuern, durch ausrichtige Selbsterforschung sich vor Gott Rechenschaft geben von der Verwaltung ihres Amtes und zu neuen heiligen Entschlüssen treuer Pflichterfüllung sich ermannen, gibt andererseits der gesegnete Erfolg der MissionSpredigten Zeugniß, daß in dem Volke die Empfänglichkeit > 11 für Gottes Wort und GotteS Heil auch durch die sittliche Verwüstuug der letzten Jahre noch nicht ertödtet ist; daß vielmehr das ernste heilige Wort von der wahren Bestimmung deS Menschen, von GotteS Gerechtigkeit und Erbarmung, von der Erlösung in Christo, von ihrer Verwirklichung in der Kirche, von den Pflichten veö Christen, von Sünde, Tod, Gericht, ewiger Vergeltung, Verdammniß und Seligkeit:c. noch m den Seelen der Menschen, die Gott dafür geschaffen hat, offenen Eingang findet. Und Gott sey dafür gepriesen, daß es so ist, und daß die Kirche gegenüber der teuflischen Verführung ihr heiliges Predigt- und RettungSamt auch in außergewöhnlicher Weise zu üben, von weisen Regierungen nicht gehindert wird, weil diese begreifen, daß zuletzt in dem Glauben und Gewissen der Christen der einzig feste Ankergrund für das schwankende Staatsschiff zu finden ist. Auch dieß Bisthum — mit dankbarer Freude sage ich'S — hat im abgelaufenen Jahre beider Wohlthaten sich zu erfreuen gehabt; und wenn ich mir und Euch, meine geliebten priesterlichen Mitbrüder beider Diöcesanantheile, zu dem Eifer Glück wünsche, den Ihr in Theilnehmung an den mehrfach gehaltenen geistlichen Uebungen gezeigt habet, so thue ich eS in der sichern Ueberzeugung, daß Ihr, weit entfernt, darin einen Ersatz für das täglich fortzusetzende Studium Eurer Berufswissenschaften zu suchen, vielmehr nur einen neuen Sporn zur ernstern Betreibung desselben darin werdet gefunden haben, durch die gewissenhafte Erwägung, daß eS nebst dem Gebete keine nothwendigere, heilsamere und schützender« Beschäftigung für den Priester gebe, als das Studium der theologischen Wissenschaften, zumal in dieser Zeit des stolzen Gottentfremdeten Wissens, welches auch an seinem Orte mit den Waffen ächter Wissenschaft bekämpft und besiegt werden soll. Auch hinsichtlich der außerordentlichen Missionen, die bereits in mehreren Pfarrgemeinden der Diöcese von begeisterten OrdenSmänncrn — (denen ich hier für ihre unermüdliche, uneigennützige und so weise geregelte Thätigkeit meinen warmen Dank vor Gott und aller Welt ausspreche), — mit so gesegnetem Erfolge zur Freude und Erbauung der herbeiströmenden Gläubigen sind gehalten worden, und im nächsten Jahre, so Gott will, an noch mehreren Orten auf dringendes Begehren gehalten werden sollen, möchte ich Euch, meine geliebten seelsorglichen Gehilfen, noch erinnern: daß, wie groß und erfreulich auch die augenblicklichen Eindrücke und Erfolge dieser erschütternden und tiefeingreifenden Vorträge zu seyn Pflegen, der bleibende Segen und die reifende Frucht davon doch vor Allem Eurer fortgesetzten Sorgfalt und treuen Pflege bedarf, damit nicht, nach dem Gleichnisse deS Herrn (Matth. 9, 17.), der junge gähreude Wein in alte morsche Schläuche gefaßt, diese zerreiße und im Sande verrinne, nicht die schöne Begeisterung, unbenutzt und ungepflegt, einer erkaltenden Abspannung und größern Stumpfheit Platz mache. Nicht minder dürfen wir die katholischen Vereine als eine tröstliche Erscheinung, als ein segenreiches Werk begrüßen, ganz geeignet, den auflösenden und zerstörenden Kräften entgegen zu wirken, indem sie das kirchliche Gemeingefühl wecken und beleben, die falsche Schaam, welche so viele Schwache von dem offenen Bekenntniß ihres Glaubens abhält, besiegen, die werkthätige Nächstenliebe anregen nnd auf gemeinsame, der Noth der Zeit begegnende Bahnen lenken, auch der wahren kirchlichen Freiheit, die von kurzsichtiger, engherziger Politik leider noch so vielfach verkannt und von kleinlicher Allregiererei mißtrauisch verschränkt wird, freimüthig und besonnen daS Wort reden. Sie werden durch solches Wirken sich als nützliche HilfSschaaren in dem großen Kampfe für die Erhaltung der sittlichen Weltordnung auch serner bewähren, wenn sie, wie bisher, sich bescheiden auf die ihrer schönen Thätigkeit vorgezeichneten Trän- zen beschränken, von politischen Streitfragen und Parteiungen und von Einmischungen in das kirchliche Hirtenamt sich fern halten, und nur für die große, allen Guten und Verständigen heilige Sache deS Rechtes, der Ordnung, deS christlichen Gehorsams und der opferwilligen Nächstenliebe einstehen. Und in dieser Zuversicht können wir Hirten der Kirche, nach dem Vorgange unseres obersten Hauptes, ihnen nur die 1s gesegnetste Entwickelung wünschen und die unserer Leitung anvertrauten Gläubigen zur regen Theilnahme daran ermuntern, wie ich eS hiermit gethan haben will. Und nun schließe ich diese Worte treuen Hirtenmeincnö mit der Ermahnung des Apostels an Euch Alle: „Seyd nicht ängstlich besorgt, sondern in allen Dingen lasset Euer Anliegen im Gebet nnd Flehen mit Danksagung vor Gott kunv werben. Und der Friede Gotles, der allen Begriff übersteigt, beschirme Eure Herzcn und Eure Sinne in Christo Jesu, UebrigenS, Brüder, waS wahr ist, waS ehrbar, waS gerecht, waS heilig, was liebenswürdig, was guten Namen macht, was irgend Tugend ist, was zur löblichen Zucht gehört, das beherziget" (Philipp. 4.); und betet mit mir und mit der Kirche Gottes: Allmächtiger, ewiger Gott, der Du Deine Herrlichkeit allen Völkern in Jesu Christo geoffenbart hast, beschütze die Werke Deiner Barmherzigkeit, damit Deine über die ganze Erde verbreitete Kirche mit unerschütterlicher Treue in dem Bekenntnisse Deines Namens verharre, durch denselben Jesum Christum, unsern Herrn. Amen! (Folgt die Fastenordnung für das nächste Kirchenjahr.) Die Gnade unsers Herrn Jesu Christi sey mit Euch Allen! Amenl Gegeben zu Breslau, den 6. Nov. 1851. Melchior. Paintner, Secretär. nztloü tz-iÄ iii wms!' iiWllMinTmW N5ck1wol5 Slo Aphorismen anS einer Schrift des Marquis Donoso Cortes. nnng!,!« ni dii'Ni'Z zjj ,nwoiffiHSchMHin'^ 10. „Zwischen der katholischen Kirche und den übrigen auf Erden verbreiteten Gesellschaften besteht dieselbe Entfernung, als zwischen den natürlichen und übernatürlichen, den menschlichen nnd göttlichen Ideen.... Daö Christenthum hat dem Menschen die menschliche Gesellschaft aufgeschlossen, und als ob dieß noch nicht genug gewesen wäre, hat es ihm noch eine andere, viel größere und herrlichere Gesellschaft offenbart, welcher eS in seiner Unermeßlichkeit nicht Gränzen und nicht Ende gesetzt: diese hat zu Bürgern die Heiligen, welche im Himmel triumphiren, die Gerechten, welche im Fegfeucr leiden, und die Christen, welche auf Erden kämpfen. . . . Wer, als Gott selbst, der die Liebe ist, konnte Denjenigen, welche dicßseitö kämpfen, begreiflich machen, daß sie in Gemeinschaft mit Denjenigen stehen, welche im Fcgfeuer leiden, und Denjenigen, welche im Himmel frohlocken? Wer anders, als Gott selbst, konnte durch ein Band der Liebe vereinigen die Todten und die Lebendigen, die Gerechten, die Heiligen und die Sünder? Wer anders, als Gott, eine Brücke schlagen über diese Meere?" 11. „Der Unterschied zwischen dem Pantheismus und dem Katholicismus besteht endlich nicht daran, daß der Eine die Vergöttlichung deS Menschen läugnet, und der Andere sie behauptet: er besteht vielmehr darin, daß der Pantheismus behauptet, der Mensch sey göttlich von Natur, während der Katholicismus erklärt, daß er eS übernatürlicher Weise durch die Gnade werden kann. Er besteht darin, daß der Pantheismus lehrt, daß der Mensch, als Theil des mit ihm verbundenen Gottes, ganz in diesem aufgegangen ist, während der Katholicismus lehrt, daß er selbst nach seiner Heiligung, d. h. nachdem er von der göttlichen Substanz durchdrungen, noch die unverletzliche Eigenthümlichkeit seines eigenen Wesens bewahrt." 12. ... „Der Mensch »nd die Wahrheit gingen getrennten Weges: der unbezähmbare Stolz jenes wollte sich der Unläugbarkeit dieser, wie bescheiden sie auch auftrat, nicht anbequemen, Gott mäßigte dann die Augenscheinlichkeit der Wahrheit, indem er sie mit einer durchsichtigen Wolke umhüllte, und schickte dem Menschen den Glauben. Indem er ihm den Glauben sandte, schrieb er ihm diesen Vertrag vor: Ich theile daö Reich mit dir. Ich sage dir, waö du glauben sollst, und werde dir 13 die Kraft geben, es zu glauben; aber ich werde deinen freien Willen nicht mit dem Joch der vollen Offenbarung beschweren 13. . . . „Wer könnte die Gränzen bezeichnen in diesem geistigen Reiche zwischen dem göttlichen Willen und dem freien Willen deS Menschen? Wer sagen, wie sie neben einander hergehen, ohne sich zu verwirren, sich zu schaden? — Nur Eines weiß ich, o Herr! daß, arm und klein wie ich bin, groß und mächtig wie Du bist, Du mich dennoch eben so sehr achtest, als Du mich liebst, und so sehr liebst, als Du mich achtest; ich weiß, daß Du mich nicht mir selbst überläßt, weil ich aus mir selbst nichts kann, als Dich vergessen und mich verlieren. Ich weiß, daß Du, wenn Du mir die Hand reichst, mich zu retten, Du sie mir so sanft reichst, so zärtlich, daß ich sie nicht nahen siihle. In der Sanstmuth bist Du dem Zephyr gleich, in der Kraft dem Sturmwind. Ich bin von Dir hinfortgeführt worden, wie vom Sturmwind, und ich wende mich frei zu Dir, wie von einem leichten Winde getrieben. Du machst mich fortschreiten, wie wenn Du mich antriebest, aber Du treibst mich nicht an, sondern Du gehst mich bittend an. Ich bewege mich, und Du bewegst Dich in mir.... . 14. „Die Menschen nennen die täglichen Wunderwerke natürlich, und wunderbar die nicht alltäglichen. Die Thorheit Derjenigen ist schwer zu begreifen, welche die Macht, dann und wann Wunder zu thun, Demjenigen absprechen, welcher die täglichen wirkt. Was in der That ist dieß anders, als Dem, der mehr gethan, das Wenige absprechen? Oder, waS gleichbedeutend, Demjenigen, der immer wirkt, läug- nen, daß er es bisweilen thut?. ." 15. „Die Unwissenheit deö Verstandes ist gar nichts Anderes, als die Ablösung von dem göttlichen Verständniß; die Schwäche deS Willens die LoSIösung von dem höchsten Willen. Das physische Mißverhältnis?, durch die Sünde erzeugt, besteht in der Krankheit und dem Tode. Deßhalb ist die Krankheit nichts Anderes, als Unordnung, die Veruneinigung, die Störung deS Gleichgewichts unter den Theilen unseres Körpers..." 16. „Die Wollust deS Fleisches und die Hoffart des Geistes haben einen Namen: die Sünde. Die entschiedene Loöreißung der Seele von Gott und die der Seele vom Körper heißt mit einem Worte: der Tod. ." 17. „Von allen Geheimnissen ist das furchtbarste das der Freiheit, welche den Menschen zum Herrn seiner selbst macht, zum Theilnehmcr an der Göttlichkeit in der Führung und Regierung der menschlichen Dinge....." 18. „Wenn das Geschöpf nicht Freiheit genug hätte, um mit der Fähigkeit, die ihm Gott geseht, auf dem einen oder dem andern Wege z» ihm zu kommen, mit weicher Freiheit würde es den Hunger in Sättigung verwandeln, um srei zu seyn? ..." 19. „Der Mensch wollte durch das Band der ursprünglichen Gerechtigkeit und der heiligenden Gnade nicht mit Gott geeint bleiben, und sah sich dann durch das Band seiner unendlichen Barmherzigkeit mit ihm geeinigt. Wenn Gott den Sündenfall zuließ, so behielt er gleichsam den Erlöser der Welt im Rückhalte, ihn, der in der Fülle der Zeiten kommen mußte. Dieß höchste Uebel war nöthig um des höchsten Gutes willen, dieses ungeheure Ereigniß um deS maßlosen Glückes willen." 20. „Die Wissenschaft der göttlichen Geheimnisse ist die Wissenschaft aller Fragen." 21. „WaS die liberale Schule betrifft, so sage ich nur, daß sie in ihrer stolzen Unwissenheit die Theologie verachtet, nicht, weil sie nicht theologisch ist nach ihrem Zuschnitt, sondern weil sie theologisch ist, ohne es zu wissen. Diese Schule ist noch nicht so weit gekommen, und wird wahrscheinlich nie dahin kommen, daS enge Band zu verstehen, welches die göttlichen und menschlichen Dinge vereinigt hält. Sie verkennt ganz und gar die Verwandtschaft der politischen, socialen und religiösen Fragen; sie weiß nichts von der Abhängigkeit, in der sich alle auf die Regierung der Völker bezüglichen Aufgaben zu denen verhalten, welche sich auf Gott beziehen, den obersten Gesetzgeber aller menschlichen Gesellschaften____" 14 22. „Die Wissenschaft Gottes gibt Demjenigen, welcher sie besitzt, Scharfsinn und Kraft, weil sie zu gleicher Zeit den Geist schärft und erweitert. . . ." 23. „Unter den Menschen, welche ich kenne, — und ich kenne deren viele, — sind die einzigen, in denen ich einen unzerstörbar gesunden Sinn, eine wahre Weisheit, eine bewundernswürdige Fertigkeit in praktischer und weiser Lösung der schwierigsten Aufgaben fand, wie auch die Fähigkeit, immer einen AuSgang, immer ein Ziel zu finden für die verwickeltsten Angelegenheiten, Diejenigen, welche ein beschauliches und zurückgezogenes Leben führten . . . ." 24. „Wenn Gott nicht Diejenigen, welche ihn verachten oder mißkennen, diese Betrüger von Profession, zu einer beständigen Dummheit verdammte, oder wenn er nicht in ihre eigene Tugend einen Zügel für Diejenigen gelegt, welche mit reichlicher Kenntniß ausgestattet: die menschliche Gesellschaft würde weder der Weisheit der Einen noch der Bosheit der Andern haben widerstehen können. Die Tugend der beschau-- lichen, und die Dummheit der gewandten Menschen, das war das Einzige, waS die Welt in ihrem Daseyn und vollkommenen Gleichgewicht erhalten konnte. Es gibt nur ein Wesen in der Schöpfung, welches in sich alle Wissenschaft der Beschaulichen, und die ganze Bosheit Derjenigen vereiniget, welche Gott nicht kennen oder verachten, und verachten die geistliche Beschauung: daS ist der Teufel. Der Teufel hat die Wissenschaft der Einen ohne ihre Tugend zu haben, und die Bosheit der Andern ohne ihre Dummheit; und darin gerade besteht seine zerstörende Kraft und seine ungeheure Macht." „WaS die liberale Schule im Allgemeinen betrifft, so ist sie nur in dem Grade theologisch, als eö alle Schulen sind. Ohne eine bestimmte Darlegung ihres Glaubens zu geben, ohne sich damit zu beschäftigen, ihre Gedanken über Gott und Menschen, über das Gute und das Böse, über Ordnung und Unordnung ins Klare zu stellen, im Gegentheil ihre Verachtung für hohe Dinge zur Schau tragend, glaubt die liberale Schule an einen abstracten und gleichgiltigen Gott, von der Regierung in menschlichen Dingen durch die Philosophen bedient, in der allgemeinen Weltregierung durch gewisse Gesetze geleitet, welche er im Anbeginn der Zeiten festgestellt...." 25. „Was daS Uebel betrifft, so läugnet eS die liberale Schule in physischen Dingen, und erkennt eS in den menschlichen. Für sie lassen sich alle auf daS Uebel oder daS Gute bezüglichen Fragen auf die eine der Regierungsform, und alle Fragen der Regierung auf die der Legitimität zurückführen, in der Art, daß daö Uebel unmöglich, wenn die Regierung rechtmäßig, und im Gegentheil, wenn die Regierung unrechtmäßig, daS Uebel unvermeidlich ist Die Frage über Wohl und Uebel läuft also darauf hinaus, zu beweisen, welche Regierungen rechtmäßig, und welche usurpatorisch sind." Das Walten der göttlichen Vorsehung. Wenn je etwas den Menschen in eine ernste Stimmung versetzt, so ist eS gewiß der Wechsel eines Jahres. Blicke auf die Vergangenheil erregen in ihm die sonderbarsten Gefühle, und wohl dem, der denselben einen freien Lauf läßt und ihnen einen bleibenden Eindruck auf sein Herz gewährt. In der Gegenwart und jüngsten Vergangenheit wurde eine persönliche Gottheit mehr als je bezweifelt, ja mehr als je geläugnet, und doch gibt es kaum eine Periode in der Geschichte, wo sich die Eristenz und das Walten derselben mehr kund gibt als in dieser. Wer nur immer einen vorurtheilSfreien Blick auf die Ereignisse der Neuzeit wirft, kann den Finger Gottes nicht verkennen. I Einem Philipp dem Schönen von Frankreich, dem wohl Ironie seiner Zeit diesen Beinamen gab, ist der Reichthum der Templer und die Pracht ihres OrdenS- hauseS in Paris (der Tempel genannt) ein Dorn im Auge. Neid und Habsucht drängen ihn zu einem ränkevollen Kampfe gegen sie. Seine Pläne gelingen, der 15 Orden wird vertilgt, die meisten Glieder wenigstens der angeklagten Hauptverbrechen unschuldig, einem schmerzlichen Tode überliefert und aus dem prachtvollen Tempel wird ein königliches Schloß. — Da rollt eine lange Zeit vorüber und die That deS Königs ist bereits verschollen. — Doch plötzlich sehen wir einen tiefgebeugten Mann zum Richtplatz wanken, ruhig legt er sein Haupt auf daS Schaffott, daS Messer fällt und sein Blut färbt das Gerüst. Wer ist wohl dieser Mann? wer ist der Ort seines letzten Aufenthaltes, von dem man ihn auf den Richtplatz führt? Es ist — Ludwig XVI., ein Enkel jenes Philipp, und jener Ort ist — der Tempel. (Er wurde später ein Gefängniß.) Der Nachkomme mußte daS Verbrechen seines Ahnherrn sühnen. ,i!ZM<>(! j k's il i^kH^^lzIztH z!z HliÄiüK »ibä jpldN^t? lüH^f" auu 'l'/iwN75ll 4im 57tZi,^ ttlilt^ IV ^ . ^ l?sii :m, iU^i. bntt -M- ZiZ c>7ucp .zchiik Am Main sitzen die Führer Deutschlands, um dem Vaterlande in einer neuen Verfassung daS goldene Zeitalter zu verschaffen. Der Bischof von Münster stellt den Antrag, in dieser wichtigen Angelegenheit zuvor den Herrn um seinen Segen zu bitten und darum die Versammlung mit einem feierlichen Gottesdienste zu eröffnen. Ein Tumult im Hause ist'die Antwort, und mit Entrüstung eilt Raveaur auf die Bühne und ruft: Jetzt ist nicht mehr die Zeit zu dergleichen Frömmeleien. — Auch dieses Bild verschwindet, und bald sehen wir ein anderes: Die Versammlung ist aufgelöst, ihre Glieder sind zersprengt, Raveaur stirbt in der Verbannung und hat erfahren, daß eö doch noch Zeit zu dergleichen Frömmeleien war. Der Bischof von Münster aber weidet noch immer seine Heerde und genießt die Früchte seines GebeteS. 16 »»chnÜ7ZviHttv6> mls>rZVi!G Il)stl?m ziÄ ',ti>Ii>7» bi^ üli^H iiiZl Die heidnische Revolution macht aus der Kirche St. Genovefa in Paris ein Pantheon. Das Königthum hat nicht den Muth, dieses Monument der Schande, obgleich zur Ehre bestimmt, zu vertilgen. Da fällt der Thron von Neuem. Das Pantheon wir durch die Republik vertilgt, wie es durch eine Republik entstanden ist. UZ'M 7'MM>.7»i? »I'llltT »UZ Die Führer Israels verfolgten den Heiland, sie bewirkten das schreckliche: Ans Kreuz mit ihml Da kam das Blut des Gerechten über sie und ihre Kinder. — 2vl)l) Jahre sind verflossen und Israel verfolgt den Heiland von Neuem in seiner Kirche. Durch die Presse bewirkte eS den Ruf: AnS Kreuz mit ihr! — Aber sieh, die Strafe folgt in dem steigenden Hasse deS Volkes, und die Bitte der Stadtverordneten Prags an Se. Majestät ist eine Lerche, der bald andere zu folgen scheinen, die aber keinen Sommer verkündet. Kann man beim Anblicke dieser Fügungen das Daseyn eines persönlichen Gottes käugnen oder kann man vernünftiger Weise der Meinung Jener beistimmen, welche die Wunder unmöglich nennen? Nein! Wir leben in einer Zeit voll Wunder, und diese zu läugnen oder dem Zufalle zuzuschreiben ist eben so lächerlich, als die Worte der Pharisäer, welche sie Werke deS Beelzebub nannten. — Darum, wer Augen hat, der sehe und wer Ohren hat, der höre!! (T. Z.) — Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. VerlagS-Jnhaber: F. C. Aremer.