Zwölfter Jahrgang. Sonntags-Beiblatt .timZillNsulö — 7,6Il^ tt'lt!l)^7Ä?n,ck7iA »is .lckitriüH ,in,??ciid»7uz ?»s?i«t Augsburger Postzettung. 7«It .»iLnai'st-W -.iijliitT mi i^i!>U-i(k t^Zii^ n^M — '.»,7s!r>ch, 18. Januar S. 185S. ÄN» nilN vs — ,ri,IIr, nMiii. bi^i^l^ ,IM ,i,nch'^ er gar dauernden Schaden zuzufügen; denn — das gutgesinnte, katholische Volk daselbst hat seine eigentliche Stütze, seinen festen AnhaltSpunct in solchem Bezüge lediglich bloß im Bischöfe, dem der Missionär als Vermittler dient; — wenn Bischof und Missionär zagen, wanken, thatloS stehen, so fällt und stürzt — rascher, denn sonst — der kirchliche Sinn und Geist deS Volkes in Amerika zusammen. Mit kurzen Worten gesagt: der Bischof, oder — in dessen Namen der Missionär in Amerika muß bald möglichst eine Kirche bauen, muß hiezu Capitale auS- leihen, muß die Schuldenlast auf die Baute selbst legen, und muß Jahrlang eben so schwere Sorge tragen, um endlich sie frei zu machen. Eine süße, eine edle, eine völlig himmlische Freiheit für ihn, für die Seinen, für die geweihte Braut deS Herrn I — Bei derartiger Sachlage darf es wohl kaum wundern, wenn selbst aus den großartigen Städten Amerikas herüber dieser und jener laute Nothruf geschieht an die treuen Freunde dießseitS im deutschen Vaterlande; wenn Bischöfe und Missionäre — fast in die Wette — alle guten Geister beschwören, um Hilfe zu bringen, um--der Verzweiflung Einhalt zu thun! — Noth bricht Eisen; die Noth der Bischöfe und der Missionäre ist zumal drängend allerwärtS, ist keineswegs bloß eine personelle, d. h. für die materielle Eristenz, sondern eine universale, eine gemeindliche, eine katholische. Sohin — was von der einen, ersten Classe der amerikanischen Missionäre gilt, gilt auch, und zwar in vielfältigem Grade, von der zweiten Classe derselben, d. i. von jenen, welche auf dem sogenannten Lande leben, — welche wandernde Apostel seyn müssen. — Der Landmissionär — von seinem Bischöfe ausgerüstet mit namhaften, geistlichen Vollmachten, aber — statt deS Anfangs doppelt nothwendigen BaarvorschusseS, nur mit der ganzen Fülle deS apostolischen Segens, wie mehr denn doppelt noth thut; — also, der Landmissionär zieht zu einer der angewiesenen Gemeinden hin, und schlägt seinen Sitz auf im nächstbesten Farmerhause, daS ihn gastlich bewillkommt; der einfache Tisch der Familie ist der seinige auch; die Liegerstätte bereitet ihm die sorgliche Hausmutter dort in irgend einer noch freien Ecke deS Zimmers, manchmal nur auf glattem Boden, wo Strohsack und Wollteppich oder dergleichen die ganze Herrlichkeit ausmachen; ein Linnentuch, von oben herab gehängt, sondert den geistlichen Gast von dem übrigen Hausvolke, das gewöhnlich — aus Mangel anderer Localitäten — in demselben Gemache sich zurecht findet. — Alsbald am nächsten Morgen schaut der Missionär sich um: ob der Farmer selbst, oder ein Nachbar irgend eine Scheune, eine Tenne besitze, zur Abhaltung deS heiligen Gottesdienstes; — glückt der Fund, desto besser; — sonst übriget freilich nichts, als sich des gastlichen Familienzimmers zu bescheiden, und dort — statt des LagcrS — die heilige Altarstätte aufzuschlagen; wie denn? ganz einfach — entweder durch Hinordnen des Tisches, oder durch Uebereinanderstellen zweier Kisten, welche die HauS- und Leiogeräthe der Familie herüberbrachten, oder endlich durch Einbohren von ein paar IS Hölzern in die Wand deS Zimmers, welche aus rohen Eichstämmen besteht, und darüber etwa einen solchen Kistendeckel zu befestigen, und daö ganze Gerüste mit dem Weißzeuge aus der Garderobe der Hausmutter zu bekleiden; — als Ertrazier solch eineS Kunstaltars verschafft der Missionär sich zuweilen noch eincn^Shawl der Hausfrau, heftet ihn ob dem Altare gleichsam zum Baldachine, unv sucht, wo möglich, ein Crucifix oder religiöses Bild als Altarblatl in dessen Mitte anzubringen; zuweilen trifft eS, statt solcher Gegenstände bloß den eigenen Rosenkranz aus der Tasche zu langen, und gehörig in Herzform aufzuheften, damit der Vorschrift in allwege Genüge geleistet sey. Laufs der Zeit streckt der Missionär seine Gedanken nach weitern Planen aus, indem er die Gemeindemänner allgemach um sich sammelt, und ihnen an's Herz legt, wie nothwendig die Baute einer eigenen, kleinen Kirche — vorerst aus Holz — bleibe; — er entwirft die Skizze hiezu, d. h. schlägt Größe und Anordnung der Theile vor, namentlich deS FenstereinsatzeS, um nicht daS eine Höher, das andere weiter, daS dritte und vierte abermal verschieden sehen zu müssen, weil die Rahmen hiezu gewöhnlich schon in Städten zu Kaufvorräthig sind; woher selbe bezogen werden. Ein wichtiges Augenmerk für den Bauzweck hat der Missionär dem zur Kirche dienlichen Terrain zuzuwenden; vor allem muß er auf den dermaligen, oder — noch eher — auf den künftigen Mittelpunct der Gemeinde schauen, damit keine Rivalitäten entstehen mögen; sodann muß er unabweichlich darauf bestehen, daß der Baugrund — je mehrere Acres (Jucharte) desto besser — vom Eigenthümer gesetzmäßig abgetreten werde an den resp. Bischof der Diöcese, oder — nach gewöhnlicher Sprachweise: daß der veeä (Kaufbrief) auf den Namen des Bischofs laute, entweder glatt- hin, ohne irgend einen Vorbehalt, oder nur unter einfacher Bedingniß der Verwendung deS Grundes zu dem Kirchenbaue; denn — gar gerne läßt der deutsche Farmer sich von irgend einem dünkelhaften Sprudelkopfe seines Stammes weiß machen: das Kirchengut in Amerika solle und dürfe nicht unmittelbar dem Klerus unter die Hände kommen, sondern müsse stets allerwege solcher Abhängigkeit entzogen, folglich, bloß unter directer, alleiniger Verwaltung der Gemeinde, resp, ihrer Ausschüsse oder Gewalthaber (truswes) stehen bleiben. — Woferne der Missionär versäumt, jene entscheidende Forderung durchzuführen, ist auch — leider! zu sehr schon — einer endlosen Kette von Zwisten, Wirren und Scandalen der bösesten Art das Anfangsglied geschmiedet. — Es schreiben sich hievon her all' die Ercommunicationen und Jnter« dicte, womit die Bischöfe Amerikas vielfach diese und jene Gemeinde belegen mußten, bis wieder in die rechte Bahn deS Friedens, des Heiles eingelenkt ward. — Betreff der Plätze für Gottesacker, Schule und Pfarrhaus hat es in solcher Rücksicht schlechtweg die nämliche Bewandtniß; soll nämlich jedem möglichen Anstoße vorgebeugt seyn, so hat der Missionär zur nächsten Aufgabe, den vesä hierüber in beste Ordnung zu bringen. UebrigenS — zu Ehre der meisten katholischen Gemeinden Amerikas sey gesagt, daß sie von vorneherein niemals schon den Willen haben, sich mit ihrer Geistlichkeit in irgend eine Spannung zu setzen, noch minder hartnäckig auf unbilligen Ansichten und Forderungen bestehen; nur erst das tückische Spötteln und gleißnerische Lobhudeln der Freiheit unv Selbstständigkeit aus dem Munde eines sogenannten VolksfreundeS, eines hohlen Schwätzers, eines elenden Schmarozers treibt allgemach argen Spuck im Gehirne und Herzen deS sonst schlichten, deutschen SettlerS, und verwirrt ihm beide — fortschreitend — zu völliger Stumpfheit gegen jede, vormals richtige, bessere Ueberzeugung. Gleichwohl aber — Gott Lob! ist der tüchtige, kluge Missionär noch durchweg im Stande, solchen Schwindel der Verführten, nicht doch der Verführer selbst, durch nüchterne, parteilose Erklärung der Sache zu heilen, und die Sache in's rechte Geleise zu bringen. Es kehrt Vertrauen, Ordnung, Friede und Segen zurück in alle Herzen, die frommen Willens sind, unv — dagegen den nachtschwarzen, blutrothen Molchen, welche — selbst bodenlos — den Boven unterwühlten, tritt allgemeine Verachtung auf den Racken! so Hat der Missionär seine Gemeinde — gleichsam die Erstgeburt seiner Liebe, oder — seiner Schmerzen, daher doppelt geliebt — die Urpfade des socialen LebenS durchgeführt, dann wandelt er Hand in Hand mit ihr zuversichtlich vorwärts in festem Schritte nach dem Ziele der Bestimmung, welches kein anderes ist, als — die fortdauernde, sittliche Besserung von innen heraus, der immer kräftigere Aufschwung deö Geistes zum Einen, höchsten Gute oben im Himmel, und die unzertrennliche Verbindung mit demselben in seliger Freude. — Dieß und bevorab dieß muß der Leitfaden deS katholischen Missionärs seyn in all' seinem Wirken, in all' seinen kirchlichen Diensten, in all' seinen Beziehungen zu der anvertrauten Heerde Christi deö Herrn; — so, und nur so kann, wird sein Vortrag, sein Unterricht am Altare — denn eine Kanzel hat er Anfangs nicht — von gutem Erfolge bleiben, und wird reichlich gesegnete Früchte tragen für die Glieder der Gemeinde, klein und groß; — falls übervem noch, wie gewöhnlich, andere Settier — Nichlkatholiken — daselbst leben, wird ihnen daS thätige erbauliche Glauben und Leben sowohl deS Missionärs als der katholischen Glieder eine vollständig heilsame Predigt seyn, und sie werden sich allgemach als bereitwillige Schüler zu dessen Füßen setzen, um dem Zuge der Gnade von Oben zu folgen, und den Flugsandboden ihrer bisher blinden Nachbeterei oder Selbstmeinung mit dem Felsengrunde deS klaren Bewußtseyns in dem Schooße der Einen katholischen, apostolischen Kirche glücklich zu verrauschen, nimmer, ewig nimmer zu verlieren. Eine der schwersten Aufgaben (eben so schwer sie zu schildern) ist die Schule; die geübtesten Denker, die umfassendsten Beobachter haben eingestanden, daß eine genaue Beschreibung des UnterrichtSwesenS zumal in Amerika vorerst nicht in Möglichkeit bleibe, sondern daß eben nur die Hauptumrisse mit einigen markirten Nebenlinien geliefert werden können. — Deßhalb hier bloß zu einiger Verständniß des überwichtigen Stoffes wenige Worte; die katholischen Missionäre auf dem Lande dürfen — ohne Gefahr schwerer Schuld — nie und nimmer anrathen, daß die katholischen Kinder schlechthin die sogenannten Comonn-, d. h. Gemein- oder StaalSschulen besuchen; sie dürfen kaum jemals erlauben, daß die Eltern ihre Kinder unbedingt dahin schicken; sie müssen — gegentheils — darauf dringen, daß die katholische Gemeinde mit äußerster Anstrengung auf Errichtung einer eigenen Schule bedacht bleibe. — Die einzelnen Gründe dessen liegen in dem amerikanischen Schulwesen selbst, und würden hier zweifelsohne auch die langmüthigste Geduld der Leser erschöpfen, so namhaft übrigens ihr Interesse ist. — Aber — wie rettet der Missionär sich selbst, und seine Gemeinde, und deren Kinder aus dem Doppelstrudel der Scvlla und CharybdiS? welche Auswege schlägt er ein, um daS heilige Glaubensschiff der Kleinen an'S sichere Ufer zu bringen? Gar einfach dadurch, daß er--selbsteigcn — Schule hält, — daß er — dem himmlischen Vorbilde, seinem Herrn Jesu nach — die Kinder um sich sammelt, und ihnen die Lehre deS Heiles in's Herz pflanzt. — Art und Welse dessen lehrt ihn — vorab der praktische Verstand, unv sollte es ihm vielleicht daran mangeln, so muß die christliche Liebe auShelfen. — Nun die kleine Zwischenfrage: wo hält der Mann GotteS seine Schule? in welchem Locale?— Ach! die a>me Blockhütte seines Herbergers muß hiezu dienen, oder — daS hölzerne Kirchlein, so er dort zu errichten daS Glück gehabt hat; — in wie ferne solche Gelegenheiten auch wirklich geeignet seyen, mag ohnschwer Jedermann schon genugsam ermessen; aber — die Noth ist die beste Lehrmeisterin. Eine zweite Frage: warum nicht eigentliche Schullehrer, d. h. Männer vom Fache angestellt werden? beantwortet sich kurzhin damit: daß die katholischen Gemeinden auf dem Lanre noch alle zu jung sinv, um die nöthigen Geldmittel zum Solde eines bestimmten Lehrers erübrigen zu können, obgleich ihnen tief im Bewußtseyn liegt, daß solche Opfer die reichsten Hinterlagen zum wahren Wohle ihrer Kinder bleiben; — allein — anderseits soll doch wieder für'S materielle Leben zunächst gesorgt werden, und dieß Streben findet leicht einen liebsamen Ruhepolster an der Bereitwilligkeit des apostolischen ManneS — deö Missionärs, sich diesem wichtigen GotteS- «1 berufe — dem Jugendunterrichte — ohne Entgelt zu weihen. — UebrigenS gebührt vielen katholischen Landgemeinden Amerikas schon langehcr das gerechte Lob, daß sie ihr Bestes gethan haben in solchem Bezüge, und daß auch die mehrsten Schulen sich des preisenswerlhesten Erfolges erfreuen, woferne die Lehrer an Hand ihrer Geistlichkeit arbeiten mit heiligem Eifer, nicht bloß um des eigenen, materiellen Interesses halber, oder gar — — im heimlichen Geiste der sogenannten Emancipation von aller kirchlichen Leitung und Aufsicht. — Nach alle dem zeigt das Bild eines kaiholischen Missionärs in Amerika — neben dem wesentlich nöthigen Schlagschatten — gar manche, lieblich anziehende, zuweilen sogar romantisch schöne und großartige Lichlpanhie, und eS schwellt unfehlbar jede fühlende Brust, erhebt unwillkürlich jedes theNnehmende Herz, solchem GotteSwerke alle möglichste Förderung zu wünschen. Der Missionär selbst bleibt hinter den frommen Wünschen dieser Art nicht zu, rück, sondern er opfert sich thatsächlich ihrer kräftigen Ausführung nach Maaß seiner Kräfte, ja wohl gerne über dasselbe hinaus, weil überzeugt, daß nur außerordentliche Hingabe den heiligen Beruf zum Gedeihen bringt, und zum unsterbliche» Leben erhebt. — In Folge dessen kommt dem Missionär immerhin ganz genehm die rasche Erweiterung seines Wirkungskreises, indem sich hier wieder eine Station, und dort eine zweite, und anderSwo eine dritte bis zu einer sechsten und zehnten — anmeldet, um von ihm geistlich versehen zu werden. — Allerdings sind die Entfernungen derselben eben nicht selten auf zehn und zwanng und fünfzig englische Meilen ausgedehnt; und eS fehlt wohl noch oft an rechten Communication. Mitteln, d. h. Neisegelegcn- heiten; indeß' — die Liebe ist allerfinderisch, und sie weiß auch dort Raih, wo der enge Verstand oft rathloS bleibt; — der Mann GolteS schnürt sich im schlimmsten Falle sein Ränzchen, gefüllt mit allem nöthigen Apparate einer Mission, uud trollt zu Fuß entlang der Openings und Prairien, welche endlich zur gewählten Station kommen lassen. Dort knüpft er getrost und mnthig den abgebrochenen Faden seiner Lehre wieder an, und legt die überstandene Mühsal srommgläubig auf den Altar des Herrn, dem er dieß Opfer in Liebe gebracht hat. Einen wesentlichen Moment des katholischen MissionärlebenS bildet ganz natürlich auch die Krankenpflege, welche vorzugsweise in neuen Ansiedelungen fast allcnvärts mehr oder weniger streng in Anspruch nimmt; denn — die leidigen Wechselfieber, gewöhnliche Folge der Reisestrapa^en, der vielen anfänglichen Entbehrungen in Nahrung und Wohnung, — ja des oft schwernagenden GrameS über das verlassene Glück der Vaterhcimat, und der bittern Sorge — alltäglich — um willen des lieben Brodes am künftigen Morgen, am folgenden Abend: ach! die Schauer jener Wechsel- fieber brechen zumal den meisten Neueinwandercrn drüben so an Körper als an Geist alle Kraft, allen Muth, alle Hoffnung und malen der krankhaften Phantasie ein Zukunfrbild vor, dessen Schreck selbst dem Tode den Schrecken benimmt, ihn als willkommensten Freund mit kalter Hand noch fenrig begrüßen macht. Wer zählt die Seufzer, wer die Thränen, so da in einsamer Hütte im dichten UrWalde, oder ans endloser Prairie, dem gebrochenen Herzen, dem matten Auge ausgepreßt werden? — wer erfaßt und würdiget genugsam die Tiefe nnd Weite deS Schmerzes, so sich über Familie an Familie ergossen hat, nachdem das Wechselficber dort Einkehr genommen? — Man mnß die fahle Farbe, das eingesunkene Auge, den schorfigen Mund, den eisigen Frost, oder den großperlenden Angstschweiß, ach! man muß den leibhaftigen Tod in den letzten Zügen selbst gesehen haben, um da den ganzen, herben Eindruck vor die Seele zu bringen, und sie lreumitleidig zu machen! — Der Missionär — kaum angelangt in der Station — hört die Jammerbotschaft, und beflügelt dann schon seinen Schritt, als Trostbote, als Friedensengel in die niedrigen Hütten zu eilen, dort das malle Flämmlein des Glaubens, der Zuversicht, der Geduld und Ergebung wieder unzu- fachen, und neuen Lebensbalsim in die Todeswunden einzuträufeln. Welch' seliges Bewußtseyn ihm, — welch' Uebermaaß von Wonne ihm — dieser geistliche Beruf, diese volle Ausstattung mit himmlischen Gnaden- und Heilsschätzen! — Und — wenn der Missionär nebstdem noch im Stande ist, dem hilfbedürftigen Kranken mit eigener Hand SS leibliche Hilfe zu leisten, ihm gedeihlichen Rath der Pflege zu ertheilen, oder gar — ein einfaches, sicherwirkendes Arzneimittel einzugeben, ohne eben erst hiezu eines Doctorat- Diplomeg zu bedürfen: o wie süß und erquicklich im Herzen, wie vortheilhaft und großartig stellt sich da abermal der Beruf des katholischen Missionärs heraus, und sichert ihm daS Anrecht auf den würdigen Lobspruch: ein ächter, thatsächlicher Freund der Menschheit zu seyn! — Im Nachgange dieser Hindeutung auf medizinische Kenntnisse von Seite deS MissionärS in Amerika bedarf es für Unterrichtete keiner weitem Meldung, daß daselbst vorläufig noch keine Privilegien bestehen, kraft deren bloß gradnirte Aerzte befugt seyn, Kranke zu behandeln, die sich ihnen anvertrauen; daß dem nicht also ist, bringt freilich den nächsten Uebelstand einer ausgebreiteten Quacksalberei, und eincö vielseitigen PrellenS mit allmächtigen Wunderpillen, Wunderessenzen, Wunderlinklurcn :c.; gleichwohl liegt anderseits klar am Tage, daß — systematisch todtcurirt nicht besser sey, als empirisch mißglückt, — und daß der Vortheil immerhin größer bleibe, je einfacher und schneller und nachhaltiger dem Patienten geholfen wird. — Abgesehen von aller PrariS gegen Andere — darf kaum in Zweifel gezogen werden, daß dem Missionär eine solch' einfache, verläßliche Curart für seine eigene Person, — wenigstens auf dem Lande — gleichsam nothwendige Kenntniß ist, woferne er sich aufrecht halten will in dem vielbeschwerlichen, vielgefährlichen Wirkungskreise. — Vorsicht schadet gewiß niemals.— Einen namhaften Vorschub zumal leistet dem Missionär in seinem heiligen Berufe solch' bescheidenes Handhaben der Medizinen, falls es ihn trifft, unter die Urvölker deS Landes, die sogenannten Indianer, zu wandern, und ihnen den heiligen Glaubensboten zu machen; — zwar haben dieselben gewöhnlich große Kenntnisse der wohlthätigen Heilkräfte von Pflanzen, Säften:c., und wissen sich schnell zu helfen in Alletags-Krankhei- ten; doch — bekanntlich hat daS gelbe Fieber, in jüngster Zeit die Cholera, gar schreckliche Verwüstung unter ihnen angerichtet, so daß beinahe ganze Stämme davon ausgerottet wurden. Wie erfreulich mithin für den katholischen Apostel derselben, Balsam deS Lebens an Seele und Leib zu spenden, und dem Lande, daS der Herr ihnen gegeben, ihre Nachkommenschaft zu erhalten, der Kirche deS Herrn, die sie aufgenommen hat, einen eben so frommen, als kernigen Zuwachs zu gewinnen. Hier böte sich gar schöner Anlaß, den katholischen Missionär Amerikas in seiner erhabensten Größe— als Indianer-Apostel — zu schildern, und die wahrhaft übermenschlichen Verdienste in'S Licht zu stellen, so er da erwerben kann, wie selbe bereits forthin von einzelnen Helden dieser Art — leider! an Zahl zu wenige — erworben werden; allein — zunächst fordert der hohe Gegenstand eine Feder, welche aus selbsteigener Erfahrung schreiben kann, um die Aufgabe würbig und wahr zu lösen. Die St. Paulskirche in Rom. Rom, im December 1861. Die Entfernungen, welche in dem großen Rom die heiligen Stätten von einander trennen, erlauben es gar manchem Bewohner der Stadt, nur nach Monaten sie wieder zu besuchen. So erging eS auch unS: eine geraume Zeit war verflossen, seitdem wir am Grabe des heil. PauluS in der großen schönen Basilika, die seinen Namen trägt, zum letzten Male halten knieen können, als endlich ein freundlicher Tag erschien, welcher zur bekannten Pilgerfahrt in die sieben Hauptkirchen unS einlud. Welch herrliche Erinnerungen umgeben da den Pilger, wenn er zur frühen Morgenstunde die noch schlummernde Stact verläßt und deS Weges gen St. Paul zur alten Via OstiensiS hinauf wandert! — Da liegt zur Linken daS Forum mit seinen Tempelresten, mit seinen gestürzten Säulen, mit seinen Triumphbögen, so todt und still und wüst,, wie'S einst in den Herzen der heidnischen Menschbeit mag ausgesehen haben; und obendrein schaut düster und grimmig, wie daS Schicksal in'S heidnische Leben, der PalalinuS, als wollt' er jeden Augenblick daS ruinengekrönte Haupt schütteln unv die Trümmer der goldenen Burg, die einst der grausame Nero S3 sich erbaute, dort unten hin auf die christlichen Kirchen hinabstürzen. Aber daS Jammergeschrei der Christen, das hier oft ertönen mußte, wie die SicgeSgesänge der Heiden, — denn unser Fuß steht auf der alten Triumphalstraße — sind verklungen; der Geist deS blutgierigen Nero, welcher nach einem römischen Volksliede in die Ruinen seiner Burg gebannt ist und nun dort unten in den schauerlichen Gewölben herumheult, mag in unserer Zeit noch einmal auf die Wiederkehr der alten Tage gehofft haben, vergebens, sie sind überwunden: daS sagt uns der freundliche AventiuSberg, zu dem wir jetzt hinansteigen. Wohl auch herrscht hier eine Stille, aber eS ist nicht die der düstern heidnischen Trauer, sondern die Stille und Trauer der christlichen Buße in den hier blühenden strengen Orden; wohl auch ist hier Berg ab und Berg an eine Triumphalstraße gebaut, aber von den Händen der eifrigen Zöglinge deS JosephvereinS zum Triumph für die christliche Nächstenliebe. Und die Siegeszeichen, die hier daS Auge erblickt, sind die Trophäen der christlichen Ritterorden. Auch sie haben zwar den veränderten Zeiten weichen müssen, aber ihr Geist ist nicht gebannt und ihre Burgen sind nicht in Trümmer zerfallen, denn eS walten und wirken an ihrer Statt hier viele Andere und kämpfen den Kampf deS Geistes. Und werfen wir nun beim Hinabsteigen einen Blick in die Ferne, da sehen wir unten hingebreitet auf die üppige Wiesenflur, von grünenden Bäumen umschattet den herrlichen Dom deS heiligen Paulus, daS Ziel unserer Wünsche. Die Tiber, welche sich zu unsern Füßen so neckend und willkürlich durch die Weinberge hinschlängelt, wendet auf einmal den Lauf ihrer gelblichen Fluchen, als wollte sie dem Grabe deS Weltapostels ihren Tribut darbringen. Doch bevor wir an diesem Grabe knieen, sollen wir noch einmal an die Vergänglichkeit alles Irdischen erinnert werden. Zur Rechten am Wege erhebt sich der sogenannte Scherbenberg, eine beträchtliche Anhöhe, welche auS Aschenkrügen, Urnen, Trinkschaalen und Gefäßen aller Art, die vor Jahrtausenden in Brauch waren, gebildet ist. Ohne Ordnung, mit Gras und Moos überwachsen, liegen hier die Bruchstücke durcheinander, viele in ihrer noch kennbaren classischen Form, andere mürbe und zerfallend. Näher, als bei den Trümmern großer Bauten, tritt hier der Gedanke dem heidnischen Privatleben, aber um so mehr bewegt und belehrt er. Wenn wir nun eintreten in die breite Baumallee, welche unS die Aussicht auf den Chor der Basilika eröffnet, so können wir das niedliche Capellchen zur Linken nicht unbemerkt lassen. Die uralte Ueberlieferung sagt, daß hier PeiruS und Paulus, als sie auS dem Mamertinischen Gefängniß zur Marterstätte geführt wurden, sich trennten. Paulus, als der römische Bürger, ward zur gewöhnlichen Richtstätte der Römer geführt, Petrus aber zum Stadtviertel der Juden, welches durch das jetzige TraStevere bis zum Vatikan hin zerstreut lag. Die Tradition bestand noch in einer Zeit, wo man von der alten Lage der Stadt, von der Richtung der Straßen und der Richtstätte der Kaiserzeit nichts mehr wußte. Die neuesten Entdeckungen der Art haben aber die Voraussetzungen jener Tradition genau bestätigt. So treten wir denn endlich, von heiligen Empfindungen der Ehrfurcht und Andacht durchdrungen, in die weiten Hallen der Basilika ein, und zwar zuerst von der Seite deS rechten KreuzarmeS. Diese Kreuzarme, welche den Chor der Kirche bilden, sind bereits vollendet Schreiten wir voran bis zur Mitte: die staunenS- werthe Größe, und doch die Feinheil der Ausführung in der Arbeit, die kostbaren Steinarten, der Alabaster, der mannigfach verschiedene Marmor, und dabei doch eine edle Einfachheit, der größte Reichthum, und doch keine Ueberladung, das Alles fällt unS zwar sofort in die Augen, kann uns aber nicht abHallen, zuerst an dem Grabe deS Weltapostels, an dem Altar, der in der Mitte der Kreuzarme unter gothischem Baldachin sich erhebt, unsere Andacht zu verrichten. Dort unter dem Altare brennt ein Licht über den Reliquien dieses heiligen Apostels; dort tief unten in den Katakomben ruhte schon sein Körper sofort nach dem glorreichen Martertode. Diese Stätte und dieser Altar mit seinem Baldachin blieb von dem verwüstenden Brande verschont, der die alte Basilika in Asche legte. Dem 13ten Jahrhundert soll die gothische Arbeit L4 angehören; unfein ist sie zwar, aber ehrwürdig und zur Andacht stimmend. Ein neuer Baldachin wird sie umkleiden, gestützt auf Säulen von orientalischem Alabaster; Zur Geschichte der kirchlichen Bewegung in England. DaS eben erschienene „Catholic Directory" bringt uns interessante Notizen über die Fortschritte der katholischen Kirche in England. Zunächst enthält dasselbe ein Verzeichnis; der bekanntern Personen, welche in England im verflossenen Jahre zur katholischen Kirche zurückgekehrt sind. Die Zahl der anglicanischen Geistlichen, welche im verflossenen Jahre in den Schooß der Kirche ausgenommen sind, beträgt 32. Es sind die Herren: F. S. Barff und T. Dykes, CurateS (Capläne) zu Hull, H. Bedford, Curate zu Horton, DanverS Clarke, Mg. srtium, vom Ereter College zu Oxford, Landdechant und Rector (Pfarrer) von Jping in Susser, Evm. Coffin, Curate von East Farleigh in Kent, G. L. Coghlan, Curate von Torquay, I. CollinS, Mg, srtium zu Liverpool, DodSworth, Jncumbent (Pfarrer) von St. Pancrcis in London, J.E. Carle, Jncumbent zu Branford, Harper, von St. Peter in Pimlico, S. B. Harper, von St. Ninian in Perth, F. Hathaway, Fellow deS Worcester College zu Orford, früher Jncumbent von Shadwell bei Leeds, I. H. Jerrard, Dr. jur. cgn., Mitglied deS SenalS der Universität London und Examinator für Philologie und Geschichte, früher Fellow und Tutor im Cajus College zu Cambridge, W. I. C. Hulchinson, Curate von St. Endellions, R. A. Johnstone, James, Lapri- mandaye, CurateS des Archidiacon Manning, Hon. und Rev. I. Towry Law (Bruder deS Lord Ellenborough), Kanzler der Diöcese Bath und WellS und Vicar (Pfarrer) von Harbourne, W. M. Lethwaite, Jncumbent von Clifford, Manning, MZ. srtium, Archidiacon von Chichester, I. Orr, Curate zu Bristol, I. R. SHort land, NsZ. srtium, aus dem Oriel College zu Orford, Curate von Kibworth, I. Rodwell zu Cambridge, I. Scralton, Nsg. grtium, vom St. JohnS College zu Cambridge, Vale, an der Buckingham-Palast-Capelle, Edw. Walford, srtium, vom Balliol College zu Orford, I. H. Woodward, Jncumbent zu Bri- tzol, und H. Crombs, I. G. L, Crawley, I. Minster, S. P. Rooke und R. Ward, alle von der St. SaviourSkirche zu LeedS, Zu New-Uork sind die Geistlichen W. Evert und F. Elliot White zur katholischen Kirche übergetreten. Die bekannteren Convernlen aus dem Laienstande sind: Lord Nigel Kennedy, Bruder des Marquis von Ailsa, Hon. Gilbert Talbot, die Marquise von Lothian, Lady Newry, Lady Catharine Howard, Tochter deS Carl von Wicklow, Lady Emma Ch. Peat mit ihrer Familie, Admiral Sir I. Talbot, I. Simcon, Parlamentsmitglied für die Insel Wight, Sir Vere de Vere und Lady de Vere, Serjeant BellasiS, Sam. Grimshaw Esq. und Familie, Capilän Paterson, Bruder des Rev. Paterson, Ch. Dashwood Esq, James N. Hope Esq., O. C. (königlicher Rath), Capitain Halivurton vom 78sten Regiment, mit Frau und Tochter, Robert Biddulph PhillipS Esq., Neville Esq., Aubrey de Vere Esq, Verfasser der „Reisen in Griechenland" u. f. w., Lieutenant Ernst Nightingale, Neffe des Lord Ellenborough, Miß Scott, Aebtissin des protestantischen Klosters zu Perth, Miß Law und andere Damen auS dem Kloster zu Kuighisbritge und in Margaret-Streel, u. s. w- Die Zahl der Priester beträgt über 80(1 und die der Kirchen und Capellen über 600. Die meisten Kirchen und Capellen haben die Diöcesen Birmingham und Liverpool (je 84), die wenigsten Newport (18). Die meisten Priester haben die Erz- diöcese Westminster und die Diöcesen Birmingham und Liverpool (jede gegen 120), die wenigsten Plymouth und Newport (23 und 20). -____ Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. VerlagS-Jnhaber: F. C. Kremer. (Schluß folgt.) zZiiItz5Ioiö li'ich'jim?>l IM ->»G >lZMi!??uvch'l nsÄ n s.'imN M -lü