Zwölfter Jahrgang. Sonntags-Beiblatt ,» Hub'.?!"""«' <-'< ich-» m?Ii anl^n^uL 1^^»»WH> .n«,s "° «»« "w«u >nl! .^U ^.ij chttv Zum v M^n'^ ,mil^sliljdils. N»W hvl A<-I6 ichiu illiW zimm! iiZÄdE n'»1 , i!?llizftns Mini Augsburger PsAZeitunl;. i^düliilik ziuin'itN'1 ^ii!^_ ^ »nld'lN^isK 7ÜIN!dt<^sN7Z ,NÜl«N^s/p7Z ZI-Z W>l I»ti>slls!l-M 2s. Februar ^. 8. 1852. Dieses Blatt erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der halbjährige Abonnementavreis TV kr., wofür cS durch alle königl. bayer. Postämter und alle Buchhandlungen bezogen werden kann. Die Bibliothek eines Landgeistlichen. I. Nothwendigkeit derselben. Wenn die Kirche noch einmal auf dem europäischen Boden ihren Triumph feiern soll, so kann derselbe nur ein geistiger seyn. Ohne Hilfe der materiellen Macht, welche im Mittelalter als Werkzeug der Kirche diente, muß dieser Sieg erfochten werden, rein durch die Gewalt der Wahrheit und der Liebe. Möglich ist dieser Sieg, denn auch daS römische Reich wurde ohne Waffengewalt besiegt; nothwendig ist er, denn die Kirche muß retten, waS sie retten kann; ja sogar wahrscheinlich ist er, denn an allen Orten regt sich eine neue Streitkraft des Glaubens und der Liebe, wahrend im Heerlager der Welt düstere Schwermuth, finsteres Pläne- schmieden oder bacchantische Lustigkeit überHand nehmen. Die Schwüle der Zeit wird allgemein gefühlt. Es ist als ob es in der Luft läge. Ja, wir dürfen eö hoffen, freudig hoffen; Gott hat die Wurfschaufel in die Hand genommen, um seine Tenne zu reinigen, und eS fließt in demselben Grade der Strom seiner Gnade mächtiger, als die Zeit der Entscheidung näher rückt. Nun ist eS aber eine allgemein bekannte Sache, daß der Sieg der Kirche nicht durch die Orden allein, sondern hauptsächlich durch die Weltgeistlichkeit erfochten werden muß; denn der Sieg der Kirche ist nicht eine augenblickliche Anstrengung, worauf Ruhe folgt, sondern das mächtige Aufblühen eines BaumeS, der über seine Umgebung hinaus Aeste treibt, und immer größere Kraftfülle erlangt und nöthig hat, um sich in seiner Stellung zu erhalten, unv die entsprechende Masse Früchte zu erzeugen und zu tragen. Die Orden sind zum Theil leichte Reiterei für den Vorpostendunst, zum Theil schweres Geschütz für den FestungSvienst; die eigentliche Kernmasse des HeereS, welche die Schlacht entscheidet und die Eroberung behauptet, daS ist die Weltgeistlichkeit, die Generäle sind die Bischöfe, der Felvmarschall ist ter Papst. Wo eine Macht ist, da muß sie herrschen; sie kann gar nicht anders als herrschen. Eine Herrschaft aber, welche keine Macht ist, zerfällt Soll die Kirche herrschen, so muß eS vorzüglich durch den Glauben und die Liebe der Weltgeistlichen geschehen; denn diese haben den regelmäßigen Dienst, sie sind die ordentlichen Arvei- ter, und haben darum die ganze Wucht deS Kampfes auszuhalten, die Last und Hitze deS TageS zu tragen. Aber eben darum ist ihnen auch eine größere Kraft, eine unbeugsame Ausdauer nöthig. Der OrdenSmann kommt; er ist eine ungewöhnliche Erscheinung, sein Kleid flößt Ehrfurcht ein; man ist begierig, ihn zu hören, man merkt auf seine Rede; sein ernstes Wort schneidet tief ein, weil man, besonders heut zu Tage, gewohnt ist, in den Ordenöleuten Männer von tiefer Frömmigkeit zu verehren. Nach wenigen Tagen .szil l>lz-!l! l,U58 tt^ geht er wieder weiter, und so ist er überall neu, überall ungewöhnlich. An den Weltpriester dagegen ist man gewöhnt; er hat die schwierige Aufgabe, immer frisch, immer neu zu seyn. Die Herzen der Zuhörer sind ihm nicht so bereitet; auch bat er nicht bloß das Wort auszustreuen, sondern er muß auch die Saat pflegen, das Unkraut entfernen, den Boden immer von Neuem auflockern; noch mehr: Die Welt sieht mit argwöhnischem Auge auf sein Leben, ob eS auch dem Worte entspreche; die kleinste Makel wird bemerkt, vergrößert, und die Wirkung der Lehre dadurch geschmälert, oft geradezu vernichtet. Der Missionär trägt eine bestimmte Reihe christlicher Wahrheiten vor, und zwar die erhabensten, ernstesten in ununterbrochener Reihenfolge. Wie aus schwerem Geschütz, auf Einen Punct hin gerichtet, schlägt Kugel auf Kugel ein, so daß selbst der härteste Stein endlich gebrochen wird. Bei dem Weltpriestcr sind alle diese Wahrheiten auf daS ganze Jahr vertheilt, zwischen die einzelnen Predigten tritt jedesmal eine ganze Woche mit all ihren weltlichen Zerstreuungen und Sorgen. Welche Tiefe, welche Lebendigkeit und Innigkeit ist da nicht nöthig, damit der Eindruck der einen Predigt doch einigermaßen bis zur folgenden bewahrt werde! So hat schon in der Lehre die Weltgeistlichkeit eine schwierigere Aufgabe als der RegularkleruS. bp.HL-'stÄnvÄ - In einer andern Beziehung aber steht der Weltpriester ganz einzig da: er ist an die Spitze einer Gemeinde gestellt, um sie zu leiten und zu führen. Diese Sorge, bei weitem die schwerste deS Pncsters, hat er allein. Er ist hier auf den Leuchter gesteckt, zu leuchten Allen, die im Hause sind, mit einem guten Beispiel: Aller Augen sind auf ihn gerichtet. Seine Fehltritte dienen den Bösen zur Entschuldigung, den Guten zum Aergerniß; seine Tugenden sind den Guten ein Antrieb, den Bösen ein Anstoß; er ist das Salz, der Sauerteig, der die ganze Gemeinde durchdringen soll. Er darf nicht fade werden, er darf nicht schwach werden, er darf nicht ermatten. Wie unendlich schwieriger ist diese Aufgabe für den Weltpriester als für den OrdenSmann, der in seinem Hause lebt, geschützt gegen die bösen Einflüsse der Welt, umgeben von frommen, gleichgesinnten Männern; dessen Leben einer steten Aufsicht unterliegt, der Ruth und Hilfe stets in der Nähe hat, was AlleS bei dem Weltpriester entweder gar nicht oder nur sehr spärlich vorhanden ist. Dagegen sind eine Menge Dinge, die seine Wirksamkeit lähmen: Fruchtlosigkeit jahrelanger Bemühun> gen, Undank, Verleumdung, oft offene Verfolgung; dazu die vielen Sorgen für die Gemeinde und Alles, was deren Seelenheil betrifft, in der Kirche, in der Schule, im HauS, für Klein und Groß. Alle Seelen, die ihm anvertraut worden, werden von seiner Hand gefordert werden; er ist der Vater.und der Hirt Aller, und die ganze Last ruht auf ihm allein, eine Last, die nur selten ein OrdenSmann zu tragen hat. Auch dazu hat also der Weltpriester eine größere Kräftigung und Stärke nothwendig. Der Weltpriester hat dieselben Tugenden zu üben, die auch der Ordensmann zu üben hat. Der Unterschied ist nur der, daß Letzterer es unter weniger Gefahren und getragen von seinem Gelübde und seiner Ordensregel thut. Der Wellpriester aber, besonders der Landgeistliche, steht hier allein> den mannigfaltigsten Gefahren preisgegeben. Er hat die Demuth zu üben, wie der Regulär; nur ist es diesem ungemein leichter; er unterwirft sich einfach seinem Obern und seiner Regel; die Versuchungen zum Hochmuth liegen ihm ferner; er hat Andere neben und über sich von gleichen oder noch höheren GeisteSgaben; seine Verfehlungen gegen die Regel erinnern stets an seine Schwachheit; er sieht um sich her die schönsten Tugendbeispiele. DaS Alles fehlt dem Weltgeistlichen; dagegen ist er umringt von Gefahren deö Hochmuths; er ist meist der Gebildetste, der Fähigste und Geehrteste in der Gemeinde; in allen Angelegenheiten wendet man sich an ihn; er soll rathen, helfen; ihm gehorchen wenigstens die Bessern in der Gemeinde, So ist er auf der einen Seite der Höchste; auf der andern soll er wieder der treueste und gehorsamste Diener der Kirche seyn, gehorsam auch im Kleinsten und scheinbar Unbedeutendsten, mit Liebe ergeben der kirchlichen Ordnung und seinen Obern um Gottes willen; der Welt gegenüber 59 anspruchslos, selbst denen gegenüber, die weit unter ihm stehen; gewiß ist diese Aufgabe für ihn, der in der Welt eine höhere Stellung einnimmt, schwerer, als für einen Mönch, der schon durch sein ärmliches Kleid von der Welt selbst als außer ihr stehend angesehen wird. — Der Weltgeistliche muß ferner die Armuth üben, wie der Ordensgeistliche, nur mit dem Unterschied, daß bei diesem daS Opfer ein augenblickliches, einmaliges ist, bei jenem aber ein fortwährend sich erneuerndes, daS dargebracht wird unter steten Versuchungen und Gefahren, die sich überdieß in daS Gewand der Tugend hüllen, und die Habsucht und den Lurus erscheinen lassen als pflichtschuldige Sorge für die Verwandten, als Wahrung deS guten Rechtes und der Rechte deS Standes, als standesmäßige Einrichtung u. dgl. Aehnlich verhält es sich mit der Enthaltsamkeit. Hier ist dem Mönch die Gelegenheit zur Sünde fast genommen, während der Weltgeistliche dieselbe kaum vermeiden kann, da er eben in der Welt und fortwährend mit ihr in Berührung steht, da er ferner der Herr in seinem Hause ist, und alle Anordnungen in Bezug auf Nahrung, Kleidung, Wohnung, Bequemlichkeiten u. von ihm ausgehen müssen — eine fast täglich wiederkehrende Reihe von Versuchungen. — Und doch muß er enthaltsam seyn, wie der Mönch; muß der Welt, entsagt haben, wie dieser; muß Gehorsam üben, wie dieser — diesellxn Verpflichtungen, größere Gefahren, mehr Gelegenheiten, weniger Hilfsmittel — lauter Gründe dafür, daß der Weltgeistliche einer stärkern Stütze seiner Frömmigkeit in sich selbst bedarf. Zum Schlüsse endlich sey noch der Gefahren gedacht, denen der Geistliche, besonders auf dem Lande, ausgesetzt ist — Gefahren, die nur zu unbemerkt und ganz allmälig ihr Opfer erfassen und sicher verderben, wenn dieß nicht wohl gerüstet ist Alle diese Gefahren entspringen auS einer gemeinsamen Quelle, der Einsamkeit nämlich, in der meist der Weltpriester sich befindet. Es fehlt an entsprechendem Umgang, am Austausch der Gedanken und Gefühle mit Gleichstehenden, kurz an lebendiger, geistiger Nahrung und Erholung, waS bei den meisten Ordeusleuten nur als Ausnahme eintritt. Dazu kommen nun noch die Bitterkeiten des Lebens, die Widerwärtigkeiten im Berufe, die geistlichen Trockenheiten und für all daS keine rechte Theilnahme. Wie nahe liegen da die Gefahren zu geistiger Erschlaffung, zur Unzufriedenheit mit dem Berufe und zu dem Bestreben, diese Ruhe und Befriedigung in anderweitigen Beschäftigungen, wozu auf dem Lande die Versuchung nur zu nahe liegt, zu suchen, — vergeblich zu suchen! Eine öde Leere ist dann im Herzen, uud an die Stelle des ernsten EiferS tritt Gleichgiltigkeit gegen die Berufspflichten und handwerksmäßige Uebung derselben, und am Ende kann eS sogar so weit kommen, daß der Geistliche eher alles Andere als ein Seelsorger ist. So große Gefahren bringt die Einsamkeit, der mannigfachen Versuchungen nicht zu gedenken, die in solcher Lage das Herz deS Menschen bestürmen. Wie fest und sicher muß da der Geistliche stehen, wie fest muß schon sein Herz in Gott gegründet seyn, wenn er unter solchen Gefahren nicht erliegen soll! (Schluß folgt.) »mH. llkiF ,,tiiÄ vi .' tjtMizzH, n-. xn,d,?.,,< „'! -N '.-i 6nu mtsnvs 7?? Z»vS . hkl ichiK nun »WizF Hva'Zchm innkiM. - ckvo a-iMbS n»4 Hv-l lun snnvS siMii ":'!! wi'l Charlotte Henriot, oder Ergebung und Aufopferung. (Schluß.) -i.>s)Ni,i h,OchW6»G >i6bttkriü,6 S>o< -»A , n»,O Herr, führe ihn uns wieder zu!" XIII. Das Gelübde der Matrosen. Nach der in Arbeit zugebrachten Woche war der Sonntag für die Familie Henriot ein Tag der Ruhe und der Freude. Die schöne und rührende Feierlichkeit deS Gottesdienstes, das Lesen, der Besuch bei einigen armen Kranken, ein Spaziergang am Ufer der Somme füllten die Stunden dieses nur zu schnell entfliehenden TageS auS; zuweilen, jedoch selten, ging man nach St. Valery, wo Herr Ravin, der gute Vormund Charlottens, ein Landhaus besaß. ES war einer der heißesten Sommertage: die beiden Familien, am vorigen Abend von Abbeville hierher gekommen, hatten sich auf einer Terrasse am Ufer deS Meeres versammelt, von wo auS man den kleinen, von einigen Fischerbarken belebten Hafen übersehen konnte, die mit ihren braunen, ausgebreiteten Segeln dunkeln Seevögeln glichen, welche die Oberfläche der Wellen kaum berührten. Eine tiefe Stille herrschte in Luft und Fluth, einige bleifarbene Wolken sammelten sich am Horizonte, und obgleich der Tag sich schon neigte, war die Hitze doch noch drückend. „Mutter," sagte plötzlich Julian, „willst du mir nicht erlauben, etwas aus'S Meer hinauszufahren?" „O nein, mein Freund," fiel lebhaft Herr Ravin ein; „wir werden keinen guten Abend haben, ein Gewitter ist im Anzüge, und das große Schiff dort in der Ferne kann sich wohl in Acht nehmen. Alle richteten ihre Augen auf den von Herrn Ravin bezeichneten Punct am Horizont; man sah wirklich ein Schiff mit vollen Segeln, daS mit Mühe gegen den zum Lande hin wehenden Wind kämvfte, und große Anstrengungen zu machen schien, vor dem nahen Wetter die Rhede zu erreichen. Im nämlichen Augenblicke durchfurchte ein matter Blitz die bleiernen Wolken; Wirbelwinde peitschten dieselben, die bald den ganzen Himmel bedeckten, dessen Blau vor dem matten Schwarzgrau der Wolken ganz verschwand. Einige heiße und schwere Tropfen fielen hörbar auf dem trockenen Boden nieder. Plötzlich wurde eS Nacht, und der Wächter des Leuchtthurms zündete an der Spitze des Thurmes das Licht an, dessen rother Glanz sich in den Wellen abspiegelte. Der Donner rollte dumpf. „Mir wird Angst," sagte leise Felicie zu ihrer Schwester. „Mir auch, ich fürchte für die armen Leute, die dort in solcher Gefahr sind. Komm, wir wollen den Rosenkranz für sie beten, willst du?" „Ich will es wohl." Sie lehnten sich auf daS Geländer der Terrasse und beteten leise. Das Gewitter nahm zu an Heftigkeit. Ohne Unterbrechung folgten sich die Blitze, und der Donner brüllte schrecklich drohend, wie jene feurigen Wagen, welche die Propheten auf Israels Beugen dahinrollen sahen. Im Scheine der Blitze sah man das unglückliche Segelschiff; eö kam näher, aber würde eS den Schutz des Hafens erreichen können? Die Schwestern beteten mit Innigkeit und hefteten ihre Blicke unverwandt auf daö Schiff, daS, durch einen heftigen Westwind gepeitscht, immer sichtbarer wurde. Ihre Augen konnten indessen kaum mehr den Glanz deS geöffneten Himmels ertragen, der mit feurigen Linien durchzogen war, und wenn ein Feucrstreifen die Wolken durchschnitt, und gleich darauf der Donner furchtbar krackte, dann riefen Beide auS: „O mein Gott, rette Du sie!" Ein Augenblick des Schweigens herrschte — „Der Blitz hat eingeschlagen," sagte Herr Ravin. „Großer Gott, der SchiffS- mast brennt!" SS Aller Augen hingen in unbeschreiblicher Angst an dem von den stürmischen Wellen hin und her geworfenen Schiffe, das seine brennenden Masten in den Wolken schüttelte. — E-n Steuermann warf sich in eine Barke, von einigen kühnen Matrosen gefolgt; aber mit Wuth warf der Wind ihr schwaches Fahrzeug in den Hafen zurück--Alles schien verloren — als man beim Scheine der Blitze und deS brennenden Schiffes eine Schaluppe sich losmachen und unerschrocken auf den Wogen schaukeln sah.--Ein freierer Athemzug flog aus jeder Brust; mit Todesangst folgte man den Bewegungen des armen Flüchtlings, dieser letzten Hoffnung einiger Menschen, die zwischen Tod und Leben schwebten. Das Fahrzeug erschien und verschwand wieder, aber doch kam es näher und näher dem Hafen — — der Sturm legte sich, der zerrissene Himmel ließ sein Blau nach und nach wieder hervorblicken, und der Westen wurde von den purpurnen Strahlen der Sonne gefärbt, die man nicht hatte sinken sehen. In den letzten, schwachen Strahlen sah man die Schaluppe, mit Menschen beladen, wie einen Pfeil unweit der Terrasse dahinfliegen, und triumphirend in den Hafen einlaufen. Im nämlichen Augenblick verschwand das vom Feuer verzehrte Schiff in der Tiefe des Oceans, Charlotte rief aus: „Mein Gort, wie danke ich Dir!" Frau Henriot, Frau Ravin und Felicie weinten, Herr Navin putzte seine Brillengläser und der jubelnde Julian warf seine Mütze hoch in die Luft. Plötzlich aber rief er auS: „.Mutter, Schwestern, seht doch! die Matrosen sind auSgestiegen, sie klettern den Hügel hinan, gewiß gehen sie zu Unserer L eb-Frauen-Hilf! Die ganze Familie schaute um und sah wirklich, wie die geretteten Seeleute den steilen Pfad hinanklommen, der zu einer von den Matrosen wohlgekannten Capelle führte, worin die heilige Jungfrau, der MeereSsteru, unter dem schonen Namen „Unserer Lieb-Frauen < Hilf" verehrt wurde. „Laßt uns auch hingehen!" rief Frau Henriot in dem Sturm der sie diesen Abend beherrschenden Gefühle auS. Lebhaft wurde dieser Borschlag angenommen, und man nahm einen kürzern Weg, der in wenigen Minuten zum stillen Heiligthum geleitete. Die gothische Capelle war dunkel, nur die vor dem Tabernakel angezündete Lampe erleuchtete sie matt und warf einen schwachen Schein auf das alte Bild Maria, die lächelnd ihr Kind im Arme hielt, dann auf die zahlreichen an den Wänden aufgehängt, auf silberne Herzen, Wachsfiguren, auf Dreimaster in Miniatur, auf Gemälde, die ein stürmisches Meer, darauf ein mit den Wogen kämpfeudes Schiff und Maria, durch ihren sanften Blick die Wellen beruhigend, vorstellten. Nach und nach füllie sich die leere Capelle; man zündele die Keinen am Altare an; der Geistliche, benachrichtigt von den Gelübden der Seeleuie zur „lieben Frau," bekleidete sich mit den geweihten Gewändern unc> nahm seinen Play im Chor. Laut ertönte die Glocke, die Flügelthüren wurden geöffnet und die Schiffer zogen in zwei Reihen, ihren Capitän an der Spitze, langsam ein. Sie hatten bluße Füße unv trugen noch ihre vom Scewasser durchnäßten Kleider. Der Priester stimmte »uu am Altare daS „1e veum lauclamus" an, und Alle knieten in Stille hin. Nach der Dankhymne sang man das „^ve Naris Stell»," und als dieß beendet war, näherten sich Matrosen und Passagiere, Jeder einzeln, um am Marien-Altare ihre Wachskerze zu opsern. Sie kamen Alle an Charlotten vorüber, die sie mit Rührung betrachtete und sich ihren THnkgebeten anschloß; da entfuhr ihr plötzlich fast ein Schrei beim Anblick Eines dieser Männer, den die flackernde Flamme der Kerze beleuchtete. Ganz außer sich ging sie zu der Mutter und zog sie in die untere Halle der Capelle; die Andern folgten ihr. Die Seeleute waren nuu im Begriffe, das Heiligthum zu verlassen, um die Ruhe aufzusuchen, deren sie so sehr bedurften. Die Matrosen wurden von den Ihrigen, von guten Freunden begleitet; denn fast alle geHorten dieser Küste an; da bemerkte Charlotte in der Menge Denjenigen, den ihr Herz wiedererkannt hatte. Sie flog auf ihn zu, umarmte ihn mit heißen Thränen und rief aus: „Vater, Bater, du bist es!" Fran Henriot hielt sich mit Mühe aufrecht; Navin näherte sich und sprach: «3 ..Auf mein Wort, es ist wirklich Hcnriot!" Er war es in der That. — Bewegt, fast zusammensinkend beantwortete er Charlottens Liebkosungen nur durch Thränen und sah nur sie — — „Kommt," sagte Ravin, der fürchtete, Aufsehen zu erregen. Man folgte ihm wie im Traum, und wenige Augenblicke später befand man sich im Salon des kleinen Landhauses. „Mein lieber Vater," sagte Charlotte, ihm zärtlich die Hände drückend, „da bist du ja wieder, und hoffentlich für immer, wie glücklich werden wir nun seyn!" „Mein armeS Kind," erwiderte er, „waS sprichst du von Glück? Ich komme auS Amerika so arm zurück als ich hinging; ungeachtet meiner Bemühungen ist meine Stellung noch wie zuvor, d. h. unerträglich." „Da irrst du dich, mein Freund," sagte Herr Ravin, „deine Lage ist verändert, Dank diesem Kinde. Dein Haus, dein Geschäft erwartet dich, du hast nur zu arbeiten und friedliche Tage mit Frau und Kindern zu verleben." „Mit meiner Frau?" rief er auS, die Brauen zusammenziehend, „niemals!" O mein Vater!" ,/ „Auch sie ist anders geworden!" sagte Ravin lächelnd; „ein Engel hat dein HauS während deiner Abwesenheit umgeschaffen, und dieser gute Geist ist deine Toch- ter, der du nichts versagen darfst." „Vater, die Mutter erwartet ein Wort von dir," bat Charlotte mit flehendem Tone. Und zu Melanien eilend, die im Schatten stand, nahm sie deren Hand und führte sie dem Gatten zu. „Vergebung, mein Freund," sagte Melanie schluchzend, und stürzte ihrem Manne zu Füßen. „Friede und Vergessen!" sprach dieser. „Friede und Glück für die Zukunft!" rief Herr Ravin. „Vater, da sind Julian und Felicie!" Die ganze glückliche Familie bildete nur eine Gruppe; sie war von jetzt an auS dem Schiffbruche deS Lebens gerettet. Charlotte lebt noch; sie ist daS Beispiel ihrer Familie, die Freude des Hauses, die Seele der guten Werke, ein FriedenSengel Allen, die sie kennen; denn Alle fühlen die Herrschaft der christlichen Tugend, jener starken und sanften, auf die man die Worte unseres Heilandes anwenden kann : Sein Joch ist sanft, und Seine Bürde ist leicht. " Die Trappisten in Frankreich. ^ ,c ,.^1>iui',6ti^'ilzr>. l^e! Zt7i?ft. mZ, Das „Univers" enthält folgende Bemerkungen über das Wirken der Trap- pisten in Frankreich: „Die großen Dienste, welche die Trappisten der Gesellschaft erweisen, werden heutzutage allgemein anerkannt; die Erfahrung hat gezeigt, wie nützlich selbst in zeitlicher Hinsicht diese Häuser des GebeiS und der Arbeit sind. Ein Trappistenklvster ist nicht allein das Hospital für die Umgegend, das Gasthaus für die vorbeigehenden Armen, das sprechende Beispiel der Arbeit, des Friedens und der Ordnung, eS ist auch für die ganze Gegend die beste Ackerbau-Schule. So haben die Trappisten deS vor dreißig Jahren gegründeten Klosters Briquebec Sümpfe und Felsen urbar gemacht, die bis dahin Niemand zu benutzen gewußt; der Unterpräfect von ValogneS bezeugte ihnen schon 1844, sie hätten den Werth ihrer Ländereicn verfünffacht. Man weiß, wie sie den Ertrag ihrer Arbeiten verwenden. Sie selbst schlafen auf einem Strohsack und essen sieben Monate des Jahrs hindurch täglich nur einmal, und zwar Gemüse in Salz und Wasser gekocht; in den fünf Monaten, wo sie die schwersten Arbeiten zu thun haben, nehmen sie ein zweites Mahl, auS Salat und Käse oder Obst bestehend; dazu erhalten sie täglich ein Pfund Brod. Das ist Alles, der Ertrag ihrer «4 Arbeiten wird ganz zu Werken der Frömmigkeit und Wohlthätigkeit verwendet. Ihre Hände und ihre Thüren sind nie geschlossen, alle geistig und leiblich Bedrängten nehmen sie auf. Zu Briquebec haben sie ein Local für arme Fremde, ein Spital, eine Schule und wie überall arme Nachbarn. Der Präfect de Tanlay sagt in einem Bericht von 1850, diese Abtei habe sehr viel zur Entwicklung deS Ackerbaues beigetragen, und der Maire von Caen sagt, sie verdiene die Unterstützung nicht nur derjenigen, welche ihr geistliches Wirken schätzten, sondern Aller, die sich für das Schicksal der Unglücklichen und das Fortschreiten der Civilisation interessirten. smmaZ chL SjMK na? ,»» Sr.-.».. .,-> it»ii«nz ".SniÄ. S»«nv »nibm i»i a,pnuDm-M ,i.,i>m wtdvi«fln"ß»ik"''^ düiuz M7v oj v,,,>tt,k vuo Das Mechitharistenklofter in Wien. Die Wirksamkeit dieses Klosters auf daS Leben und die Literatur orientalischer Völkerstämme ist unberechenbar. Würde irgend eine Akademie für gutes Geld nur den zehnten Theil von dem leisten, waö diese anspruchslosen Mechitharisten auf eigene Faust thun, so würde die Lobposaune ohne Unterlaß darüber geblasen werden. Mit Hunderttausenden von Exemplaren ausgezeichneter Werke in Geschichte, Geographie, Theologie, Philosophie, Physik, Mathematik u. s. w. werden die asiatischen Armenier von Seile dieses Institutes versehen. DaS Kloster ist eine tüchtige Schule und hat Schriftsteller, Setzer, Drucker und zugleich daS Speditionsgeschäft in den Orient im Bereiche seines Wirkens. Unter den Mitgliedern deö Klosters gibt eS höchst begabte Köpfe, und mancher aufgeblasene Zierbengel, der einen bebarteten Armenier über die Achsel ansieht, würde beschämt abtreten müssen, wenn er sich not» dens in deutscher Sprache, mit einem oder dem anvern armenischen Schriftsteller deS Mechitharisten-OrdenS in eine DiScussion über die deutsche Literatur, ja auch über die deutsche Philosophie einlassen möchte. Und diese großartige Mission zur Cultur deS Orients erfüllen die Mechitharisten mit eigenen Gelbmitteln, mit ihrer Druckerei und ihrem Bücherhandel in den Orient. Sie haben fast von keiner Seite her eine Unterstützung. In ihrem Kloster leben sie in strenger Disciplin, und in ihrer Schule (ihre Zöglinge sind fast durchgehendS junge Constantinopolitaner) zu Wien herrscht eine wissenschaftliche Regsamkeit und eine Thätigkeit der Schüler, wie solche in einem weltlichen Institute oder in einer Staatsanstalt gewiß selten anzutreffen sind. An diesem Institute, welches ohne Aufsehen so Bedeutendes leistet, geht daS Sprichwort in Erfüllung: Waö wächst, macht keinen Lärm. 5.iu^ i.i > ?" ^ . ^ Knriosum. A Ein Herr, welcher sich daS Vergnügen machte, bei gelcgenheitlichen Zusammenkünften über Tisch immer über die „unpraktische Wissenschaft" und das unnütze Spe- culiren und Lernen sich lustig zu machen, betrat einmal daS Wohnzimmer eines Dorf- CaplanS, um an denselben gewisse alljährlich wiederkehrende Fragen zu stellen. Der Caplan hatte ober seinem Bücherkasten auf Pappenstiel die Worte aufgeschrieben: „Die Wissenschaft (ohne Liebe) bläht auf." Darob freute sich nun der besuchende Herr über alle Maßen. Der Caplan aber öffnete die Flügel deS Bücherkastens, und darin stand wieder auf einem Pappenstiel: „Die Unwissenheit ohne Liebe bläht noch mehr auf." Da sagte nun der erschrockene Herr etwas ärgerlich: „DaS ist ja eine Entgegnung, eine Verspottung der Worie des heiligen Apostels." Der Caplan erwiderte ihm: „O nein. WaS der heilige Paulus gesagt hat, bleibt wahr — waS aber da drinnen steht, ist auch wahr; — denn Alles, was Paulus gesagt hat, ist wahr — aber nicht Alles, waS wahr ist, hat Paulus gesagt; und wenn der heilige Apostel jetzt da vor mir stünde, ich weiß gewiß, er würde mir nicht Unrecht geben." Berantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. Verlags-Juhaber: F. E. Kremer. ?;i(!i v>nn'N »1 .SslM P SkT anuB Mgöi Z» «'msy