Zwölfter Jahrgang. ^ ^ ^Nl^ 5 ^ L ^. ^. Sonntags-Betblatt zur Augsburger pojheitung. 7. März I«. 1852. _----- Dieses Blatt erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der halbjährige Abonnementsvrels 4V kr., wofür e« durch alle königl. bayer. Postämter und alle Buchhandlungen bezogen werden kaun. - - > Hirtenbrief des Hochwürdigsten Herrn ErzbischofS von Köln. (Schluß.) Wie aber die Gleichgültigkeit so oft im Familienkreise getroffen wird, so sehen Wir auch oft im kirchlichen Leben bei Vielen eine Lauheit, welche mit jener verbun« den und häufig ihre Folge ist. ES gereicht der Kirche zum gerechten Schmerze, daß Viele in dieser Gleickgilligkeir für die Religion und daS kirchliche Leben erstarrt sind. Zwar ist ihr Glaube unerschüttert; ihr Leben soll ein christliches seyn, so wollen sie. Aber wie ist ihr Glaube so todt, ihr Wille so ohnmächtig, ihr Leben so unfruchtbar an christlichen Werken! Sie üben wohl die Religion, aber nur kalt und träg, nur äußerlich, auS Gewohnheit, der Menschen wegen, ohne Wärme und Treue, und darum ohne Blüthe und Frucht. Ihr Mund bekennt, aber ihr Herz verläugnet. Schließen sie sich auch von der Kirche und ihren heiligen Uebungen, ihrem GotteS, dienste und ihren Guadenmitteln nicht aus, so ist doch ihre Theilnahme nur eine äußerliche, ein »odtcS Werk ohne inneres Leben, ein Leichnam ohne Seele. Empfangen sie auch alljährlich die Gnadenmittel der heiligen Beicht und Communion, weil eS also die Kirche verordnet, so empfangen sie dieselben doch ohne wahre Reue und Buße, ohne Besserung und Heiligung, und darum ohne Frucht. Sie empfangen sie alö Unerweckte, und darum nicht zum geistigen Leben, sondern zum geistigen Tode. Von ihnen sagt der Herr: „Du bist werer warm noch kalt, darum werde ich Dich auSspeien aus meinem Munde." (^poe. 3, 13.) Wenn aber Solche schon daS strafende Wort deS Herrn so strenge trifft, wie wird er zu Jenen reden, welche, der Kirche fast ganz entfremdet, ihre Gnadenmittel vernachlässigen? Wie Manche gibt eS nicht, welche vielleicht schon seit Jahren nicht mehr dem Gottesdienste, der Verkündigung deS göttlichen Wortes beigewohnt, nicht mehr im Richterstuhle der Buße erschienen, nicht mehr zum Tische deS Herrn getreten sind! Wie sind sie doch mit sich selbst im Widerspruche und in arger Täuschung befangen! Zwar sind sie weder vom Glauben, noch von der Kirche offen abgefallen; sie anerkennen die Macht deS Glaubens, sie anerkennen auch die große Sendung der Kirche zur sittlichen Führung deS Menschen, die Hoheit ihrer Lehre, die Heiligkeit ihres Gottesdienstes und ihrer Gnadenmittel. Aber ist Wohl ihr Sinn dabei ein anderer, als daß die Hörung des Wortes GotteS, die Theilnahme am Gottesdienste und der Empfang der heiligen Sacramente der Buße und der Communion wohl heilsam sey für Anrere, jedoch sie derselben nicht bedürfen? Die also thun, mögen sich selber fragen, ob sie der Religion, der Kirche und ihrer Führung und Gnadenmittcl in all ihrem Sein und Thun nicht bedürfen, wie Andere. Sind sie durch Reichthum, oder Geburt, oder Amt, oder Wissenschaft zu hoch gestellt, als daß sie dessen entbch. ren könnten? Haben sie, wer und was immer sie seyn mögen, keine Pflichten zu erfüllen, wie Andere? Bedarf ihr Geist und ihr Gemüth hierzu nicht der Gnade von 74 oben, der Erleuchtung und Belehrung durch GotteS heiliges Wort, der Anbetung und deS DankeS gegen Gott in seinem ihn verherrlichenden Dienste, der Stärke und Kraft in den heiligen Sacramenten? Sind sie, in ihrem pharisäischen Stolze, besser als Andere? Sie wähnen, deS heiligen Sacramentes der Buße nicht zu bedürfen. Sind sie denn nicht schwach und der Verirrung unterworfen, wie Andere? Haben sie einen Freibrief, auS jeder Versuchung der Welt und ihrer Verlockung unversehrt hervorzugehen? Sind sie niemals dieser Versuchung unterlegen? Haben sie keine Sünde? Wer da sagt, er habe keine Sünde, der betrügt sich selbst, er lügt (l. Joh. 1, 3). Sie bedürfen nicht deS Empfanges der heiligen Communion, so wähnen sie. Hat denn aber der Herr nicht auch für sie daS Geheimniß seines Leibes und BluteS eingcsctzt als Denkmal und Unterpfand seiner Liebe, als stärkende Speise zum guten Kampfe, als Brod der Seele zur Erlangung des ewigen Lebens? Wollen sie von seiner Liebe sich ausschließen, und haben sie keine Liebe für ihn? Gibt eS für sie keinen Kampf mit der Welt und ihrer Lust, und bedürfen sie keiner Stärkung, um ihn siegreich zu bestehen? Bedarf ihre Seele nicht deS ewigen LebenS und der Kräftigung, dasselbe zu gewinnen? Der Herr hat verheißen, daß er durch den Genuß seines Leibes und BluteS in ihnen leben wolle, aber sie wollen nicht leben in ihm. Er will sie auferwecken am jüngsten Tage, aber sie wollen begraben seyn in ewigen Tod (Joh. 6, 55—57). Wahrlich, sie täuschen sich nur selbst. Sie zählen sich zu den Gläubigen, aber ihr Glaube ist ein todter. Ihre Anerkennung der Religion ist ohne Wahrheit. Ihre Meinung, daß sie der Kirche, ihrer Lehren, ihrer heiligen Uebungen und ihrer Gnadenmiltel nicht bedürfen, ist ein blinder Selbstbetrug. Ihr Bekenntniß der Religion ist nur Heuchelei, eS ist nur laue Gleichgiltigkeit, welche in den todten Worten nur den sittlichen Tod verbirgt. WaS aber sollen Wir von Jenen sagen, welche ihre Gleichgiltigkeit durch offene Mißachtung deS Herrn und seiner Kirche kund geben, indem sie, wie so oft unter uns geschieht, seinen Sabbath entheiligen und so das christliche Leben in seiner Wurzel zerstören? Willst Du wissen, wie da und dort daS christliche Leben bestellt ist, so sieh nur zu, wie der Sonntag gefeiert wird; seine Feier ist dessen ein sicherer Prüfstein. Der Sonntag ist der Tag des Herrn, ihm und seinem Dienste geheiligt und der christlichen Ruhe bestimmt. Also hat ihn Gott eingesetzt. Wer darum den Sonntag nicht feiert, der begeht einen Raub an Gott: denn er entzieht ihm die Ehre, die ihm gebührt, den Dienst, den wir ihm schulden. Er begeht einen Raub an sich selbst: denn er versagt seiner Seele die Erhebung und seinem Leibe die Ruhe. Ueberall, wo der Sonntag entheiligt wird, ist auch daS christliche Leben im Verfalle. Wie sehr wird da und dort diese Wahrheit unter uns mißkannt! Den Einen ist der Sonntag ein Tag der Ruhe, aber nicht der Erhebung, vielmehr der Erniedrigung. Sie seiern ihn wohl, aber nicht dem Herrn, sondern sich selbst. Sie dienen, aber nicht Gott, von dessen heiligem Hause und Dienste sie sich fern halten, sondern der Welt, im Götzendienste ihrer Lust, in unheiligcn Vergnügungen, oder gar in unsittlicher Ausschweifung. Sie schänden den Sabbath des Herrn, ihre Sonntagsfeicr ist eine Gotteslästerung. Andere verbringen zwar nicht also den Tag des Herrn, aber dennoch ist er auch ihnen nicht ein Tag der Erhebung, und nicht einmal der Ruhe. Sie würdigen den Sonntag herab, indem sie an ihm Handel und Gewerbe treiben, knechtliche Arbeiten fortsetzen oder ihre Dienst- und Werkleute zu knechllichen Arbeiten zwingen. Für alle diese gibt es keinen Sonntag: er ist ihnen wie jeder andere Tag, den Einen ein Tag deS Geschäftes und Gewerbes, daS Gewinn bringt, den Andern ein Tag der Arbeit und mühevollen Anstrengung, wie jeder Werktag. Die Einen wie die Andern dienen nicht dem Herrn, sondern dem Mammon und sich Die Habsucht der Einen macht die Noth der LeibeSnahrung ihrer Dienst- und Werkleute für sich zu einer Quelle vermehrten Gewinnes, unbekümmert darüber, daß die Seele der Armen ohne die Erhebung und den Trost der Religion in stumpfe Rohheit versinkt; und die Andern mühen sich ab in knechtlicher Arbeit, ohne ihrem Leibe einen Tag der Ruhe und Erholung zur Stärkung für neue Arbeit zu gönnen, ohne ihrer von 75 des Lebens Noth niedergedrückten Seele einige Stunden der Erhebung und Erbauung, der Belehrung und Ermunterung zu frommer Gesinnung und christlichem Wandel zu gewähren. So werden sie wahrhaft Knechte an Leib und Seele. Da muß in den nur von Gewinn und Noth erfüllten Herzen jede fromme Regung erkalten und jedes Bewußtseyn der unsterblichen Bestimmung des Menschen in den verhärteten Seelen ersterben. Gott und seine Gebote, seine Kirche und ihre Gnadenmittel werden immer mehr vergessen; religiöse Erstarrung und Verwilderung gewinnen die Oberhand; daS christlich-sittliche Leden gerälh in tieferen Verfall, und ein neues Heidenthum bricht herein. DaS schone Band der Liebe, welches die Dienstherren und Dienst- und Werkleute zu einer christlichen Arbeiterfamilie, Beiden zum Segen, verbinden sollte, hört auf; es kettet sie nur noch Gewinn und Noth zusammen, Beiden zur Erniedrigung und zum Verderben. Sehet da, das sind Folgen der religiösen Lauheit, daS die Uebel, welche aus dieser traurigen Quelle entspringen, geliebte Erzdiöcesanen! Die Lauheit in der Religion gebiert die Gleichgiltigkeit gegen Gott und seine heilige Kirche, und die Gleichmütigkeit führt zum Unglauben. Wo aber der Unglaube einkehrt, da schwindet die Gottesfurcht, und wo er übermächtig wird, da hört zuletzt alle Religion auf. So war eö ja, als vor noch kaum sechszig Jahren der übermächtig gewordene Unglaube in einem Nachbarlande, und selbst bis in unsere Gegenden der Religion und Kirche den Untergang zu bereiten strebte. Noch leben Manche unter unö, die es gesehen haben, waS damals geschah: der Glaube war verhöhnt, die Religion geächtet, die Zeichen deS Christenthums, die Crucifire niedergeschlagen, die Kirchen geschlossen, die Glocken und heiligen Gefäße geraubt, die Sonn- und Feiertage abgeschafft, der Gottesdienst eingestellt, die Priester verbannt oder unter dem Fallbeile geschlachtet. Die Lebenden blieben ohne religiöse Erbauung, die Sterbenden ohne Trost, die Todten ohne kirchliches Gebet. Die heiligen Sacramente wurden nicht mehr oder nur selten im Verborgenen gespendet: der sie spendete und der sie empfing, war mit der Todesstrafe bedroht. Der offene Unglaube mit seiner Schreckensherrschaft trat alles Heilige unter die Füße. Es wurde lange Zeit keine Glocke mehr gehört, und in den entweihten Kirchen war eS daS ganze Jahr still, wie ein immerwährender Trauer- und Charfreitag — ein wahrer Todestag des Herrn; denn die Religion war todt. ES war eine trostlose, jammervolle Zeit! Daß sie jemals wiederkehre davor möge uns Gott in seiner Gnade bewahren! Aber sie kann wiederkehren, wiederkehren mit all ihren Gräueln, wenn wir nicht selbst die verdcrbenvolle Ursache, die sie unS wiederbringen kann, unter unS beseitigen. Ihr kennt diese Ursache, geliebte Erzdiöcesanen! Die hohen apostolischen Mahnworte des heiligen VaterS haben sie uns so eindringlich bezeichnet. Es ist keine andere, als die Lauheit in der Religion, die Gleichgiltigkeit gegen ihre Lehren und Gebote und der aus ihnen geborne Unglaube, der von Gott und seiner Kirche abfällt. Aus besorgtem Herzen hat daher unser heiliger Vater alle Bischöfe der katholischen Welt aufgefordert, ihre Diöcesanen zu ermähnen, den Glauben lebendig in Wort und That zu bekennen, mit erneuerter Treue der heiligen Kirche sich anzuschließen und all ihre Hoffnung auf Gott zu stellen, bei dem allein nur Heil und Rettung zu finden ist. Zugleich hat der heilige Vater, zur Abwendung der drohenden Strafgerichte GotteS und zur Erflehung seines Beistandes, ohne welchen wir nichts vermögen und der uns in dieser verhängnißvollen Zeit so noth thut, in seiner Hauptstadt Rom öffentliche Gebete angeordnet und befohlen, daß auch in allen BiSlhümern des Erdkreises gleiche öffentliche Gebete abgehalten werden. Damit aber die Theilnahme der Gläubigen um so lebendiger angeregt und ihr Eifer zur Erneuerung des christlichen Glaubens und Lebens um so wirksamer unterstützt und mit um so größerem Segen belohnt werde, hat seine väterliche Liebe, im Vertrauen auf die Erbcirmungen Gottes und in Kraft der ihm anvertrauten obersten Schlüsselgewalt, für uns die Fülle der Gnadenschätze der heiligen Kirche eröffnet und zu deren Gewinnung ein neues heiliges Jubiläum verliehen. 76 Dem apostolischen Auftrage mit Freuden entsprechend, bringen Wir Euch demnach zur bevorstehenden heiligen Fastenzeit die Gnadenschätze, die der heilige Vater Eurer Andacht eröffnet, geliebte Erzdiöcesanen. Wir verkünden Euch in seinem Namen das von ihm verliehene dreißigtägige Jubiläum» O, möchtet Ihr Alle, die Ihr Unserer oberhirtlichen Leitung anvertraut seyd, dem Rufe des heiligen VaterS folgen und Euch beeifern, die von ihm Euch dargebotenen Gnadenschätze zu gewinnen! Zu deren Erlangung hat der heilige Vater bestimmt, daß neben einem besondern eintägigen Fasten und dem würdigen Empfange der heiligen Saeramente der Buße und des Abendmahls noch die Ausübung besonderer LiebeSwerke: die Darreichung eines den Kräften deS Gebenden angemessenen Almosens an die Armen, und die Spende eines beliebigen Beitrags zu dem GotteSwcrke der Ausbreitung deS heiligen Glaubens unter den Heiden erforderlich sey. So übet denn diese Werke der Liebe mit frommem Eifer, bereitet Euch zum Empfange der heiligen Sacramente durch gottgefälliges Fasten vor, unterstützet Eure nothleidenden Brüder durch Almosen und bringet Eure Liebesgabe zum frommen Werke der Ausbreitung deS heiligen Glaubens. Und damit verbindet auch Euer frommes Gebet nach der Vorschrift deS heiligen VaterS und in seinem apostolischen Sinne, aus tiefer Seele, in aufrichtigem Glauben, in festver- trauendcr Hoffnung und inbrünstiger Liebe (Lpist. kno^cl.). Betet vor Allem sür unsern heiligen Vater Pius lX., den vielgeprüften, von schweren Sorgen um die Leitung der ganzen Kirche bedrückten obersten Hirten, daß Ihm rer Herr die apostolische Bürde erleichtern und mit seiner ganzen Gnadenfülle beistehen wolle, damit Er, wie Er auf dem Stuhle Pelri, zum Felsen und Mittelpunkte dcö Glaubens gesetzt, Allen Glauben und Liebe spendet, so auch wieder von Allen GlaubenStreue und Liebe zurückempfange — also wahrhaft ein Mittclpunct deS Segens für alle Seine Kinder auf der weiten Erde. Beret für unsern König und alle christlichen Fürsten, daß der Herr sie mit seinem Geiste erfülle, sie mit Kraft und Weisheit, Gerechtigkeit und Milde ausrüste, damit sie in Eintracht und Frieden christlich regieren, zu Golteö Ehre, ihnen selbst zum Heile und ihren Völkern zur Wohlfahrt. Betet für alle Bischöfe, Priester und Gläubigen: sür die ganze heilige Kirche, daß Gott sie in des lebendigen Glaubens Einigkeit unter allen Völkern und in allen Landen immer mehr ausbreite und erhöhe, daß er die Weit von allen Irrthümern reinige und allen Menschen die Erkenntniß der Wahrheit und deS Heils verleihe, daß er die Zuchtruthe seines Zornes, die wir durch unsere Sünden verdient haben, von uns gnädig abwende, daß er den Winden und Wogen gebiete und Frieden in unsern Tagen schenke, daß er sein Volk selia. mache, sein heiliges Erbe segne und Hirten und Heerde zum ewigen Leben führe (Lpist, Knebel, ?ii ?. IX.). — Mögen die Engel des Friedens, die da goldene Schaalen in ihren Händen tragen, Euer Gebet auf dem goldenen Altare deS Herrn in der Höhe darbringen, und möge cS, unterstützt durch die mächtige Fürbitte der allerseligsten uubefleckten Jungfrau und Gottesmutter Maria, durch die Fürbitte deS Apostelfürsten Petrus und seines Mitapostels Paulus, so wie der heiligen Schutzpatrone Eurer Pfarrkirchen, gnadenreiche Erhörung finden, Euch und UnS zum Segen. — Die Gnade deS Herrn sey allezeit mit Euch! Amen. Gegeben zu Köln am Feste Mariä Lichlmesse, 2. Februar 1852. -j- Johannes Cardinal von Geissel. Die Bibliothek eines Lanbgeistlichen. II. Mit einer doppelten Wissenschaft muß der Geist deS Priesters genährt seyn, mit der heiligen Wissenschaft und mit der Wissenschaft der Heiligen. Meine doch Keiner, wenn er auch nur geringe, ungelehrte Leute zu unterrichten und zu erziehen hat, eS bedürfe weder der einen noch der andern; eS genüge an einer oberflächlichen Kenntniß der Theologie, etwa aus ein paar modernen Büchern, und eS genüge an einer oberflächlichen christlichen Moral. Wer so dächte, würde seine eigene 77 Seele und seine Gemeinde unfehlbar zu Grunde richten, er besäße keinen Funken ächt priesterlichen Geistes. Von der eigenen Vervollkommnung abgesehen, kann Niemand Landlcmen Predigten, Niemand Kindern christliche Lebre mit Nutzen hallen, als nur in demselben Maaße, als er von der göttlichen Wahrheit erfüllt und in ihre Tiefe eingedrungen ist. Ein gründlicher Theolog wird in der Regel klarer und eindringlicher zum Volke reden, dem kleinen Kinde die ersten Elemente der heiligen Lehre besser beibringen, als ein seichter und oberflächlicher, wenn dieser auch nocl> so schön zu reden und das Gefühl zu rühren versteht. Eben so kann Niemand die Seelen auch der Ungebildetsten und Kleinsten für Cbristus gewinnen, zum Himmel führen auf der Kanzel und im Beichtstuhl, dem die Wissenschaft der Heiligen gänzlich fremd ist; je besser er sie aber kennt, je mehr er aScelisch gebildet ist, um so gedeihlicher wird unler seiner Pflege wahre, gediegene Frömmigkeit im Volke sich entfalten, wird schon in den Herzen der Kinder Wurzeln schlagen. Zur würdigen und segensreichen Verwaltung deS SeelsorgamtcS bedarf daher der KleruS auf dem Lande wie in der Stadt jene doppelle Wissenschaft, denn fehlt sie ihm, so ist daS Salz der Erde faul geworden und taugt nur noch zum Zertreten. Wir sagen jene doppelte, weil die Erfahrung lehrt, daß theologisches Wissen zur gottgefälligen Verwallung des Scel- sorgamteS nicht zureicht, sondern eher aufbläst als ausbaut, wenn nicht die Flamme heiliger Liebe, genährt durch daS Oel deS GebeteS, im Herzen brennt, und nicht ein exemplarischer priesterlicher Wandel die Grnndbcdingung einer gedeihlichen Wirksamkeit legt. Durch die Seelsorge, diesem unbestritten unmittelbarsten, höchsten und würdigsten, aber auch schwierigsten Beruf eines katholischen Priesters, soll, wie „daS Salzb. Kirchenblalt" in Nr. i sich ausdrückt, der Gedanke und daS Werk Jesu Clmsti, deö Urhebers und Urbildes aller Seelsorge, fortgesetzt, soll die Verkörperung deS göttlichen Gedankens und Willens deS Stifters der Kirche vermittelt werden, indem durch sie und in ihr die Anwendung des Ewigen und Unveränderlichen auf daS Zeilliche und Wandelbare zn geschehen hat. Es setzt demnach die Scelsorge ein richtiges Verständniß des Eivigen, ein gründliches Wissen um daS Unwandelbare und dessen Beziehungen zum Geschöpfe nothwendig voraus, und es kann die Seelsorge nur in so fern entsprechen, als sie auf die unveränderliche Grundlage der Heilsökonomie gebaut ist, nur in so weit conseauent, als sie auS GotteS ewiger Ordnung herauswächst, nur in so fern katholisch seyn, als ihr die Principien, so wie der Geist unserer heiligen Kirche zum Grunde liegen. Sieht man nur nach den einzelnen hervorragenden Beziehungen des ScelsorgsamteS, begleitet man den Priester auf die Kanzel, in den Beichtstuhl, in die Schnle, an's Kranken- und Sterbelager, würdiget man seinen Privatverkehr, überall wird man finden, daß ihm gereiftes theologisches Wissen, besonders in unsern Tagen, und der Geist kirchlicher AScese unerläßlich sey. Auf der Kanzel entspricht der Seelsorger nur dann seiner von Christus ihm gewordenen Mission zu lehren, wenn er nicht sich, den Menschen, sondern den Gekreuzigten, sein göttliches Wort, wie solches in der Kirche hinterlegt ist, den Gläubigen verkündet. Christi Wort ist aber umfassender, als man auf den ersten Anblick glauben dürfte, erfordert ernstes Studium und t efe Meditation. Christi Wort ist geordnet, trägt als GolteSgedanke ein System in sich, daS nur derjenige erfassen wird, der sich bemüht, in Christi Wort, so wie in den Wunderbau des menschlichen Geistes einzudringen. Christi Wort steht unendlich höher als menschliche Klugheit und Weisheit, und daß nun diese nicht mit jenem verwechselt werde, dazu gehört eine längere Vorbereitung. Im Beichtstuhl wird der Seelsorger das Bußsacrament nur dann nach der Absicht Jesu verwalten können, wenn er einen tiefen, auf Selbstkenntniß gegründeten Blick in die tausend Falten des menschlichen HerzenS, eine recht gründliche Kenntniß deS göttlichen Willens und der Bedingungen, unter denen Gott unsere Sünden verzeiht, und eine genaue Bekanntschaft mit den vielen Satzungen unserer Kirche besitzt. So unzählbar aber die Falten deS menschlichen HerzenS sind, so erhaben die Pläne GotteS, so mannigfach die kirchlichen Satzungen sind, so endlos ist daS Studium deS Beicht. vaterS. — Auch die Seelsorge in der Schule ist kein Leichtes. Da heißt eS nieder- 78 steigen zu den Kleinen, die höchsten Wahrheiten in daS einfachste Kleid hüllen, und zwar so, daß auch in diesem Gewände die Wahrheit dieselbe bleibt. DaS setzt wieder eine genaue Kenntniß des Christenthums voraus, will man nicht Gefahr laufen, den Kindern Gift statt nahrhafter Milch zu reichen, und ist im rechten Verstände weit schwieriger, als vom Katheder einer Hochschule dociren; es gehört aber auch dazu ein reicher Vorrath theologischen Wissens. Am Kranken- und Sterbelager steht der Seelsorger an Engelsstatt zu trösten, zu erheben, eine ganze Ewigkeit zu gewinnen. Eine Ewigkeit, vielleicht in einem Tage, in einer Stunde, in einem Augenblicke! Wer mag daran denken, ohne überzeugt zu seyn, wie nothwendig dem Seelsorger an dieser Stelle die Kenntniß des Weges zur Ewigkeit sey? — Der Seelsorger im Pri- vcilverkehr ist es seinem Stande und sich selbst schuldig, jedem vorkommenden Irrthum bezüglich der Religion gründliche Widerlegung entgegen zu stellen. Er ist berufen, die Lüge zu zertreten, wo und wie sich dieselbe zeigt. Dazu ist die Standesautorilät allein unzureichend, und dieß namentlich in unserer Zeit, wo das Individuum nicht so fast nach seinem Stande, als vielmehr nach seiner persönlichen Tüchtigkeit geschätzt wird. Es genügt also nicht, daß der Seelsorger bloß spricht, nein, er muß gründlich sprechen, soll der Gegner überwunden werden. Gründliche Belehrung ohne gründliches theologisches Wissen ist aber, wie schon gesagt wurde, nicht möglich. Es dringt sohin Alles auf die sorgfältige Pflege der Wissenschaft. Zur Pflege der Wissenschaft aber sind Bücher nothwendig, nicht viele, aber gute, und diese Bücher sind dem Geistlichen unentbehrlich, eS ist heilige Pflicht seines Standes, sie zu besitzen und zu benützen. Wer sich begnügt, den Stand seiner Wissenschaft bloß auf dem Grade zu erhalten, der ihn zum theologischen Absolulorium befähigte, und mit dem Nothwendigsten so zu sagen ausrüstete, der wird nur zu bald erfahren, daß sein Schatz erschöpft wird, und daß er hinter den Forderungen zurückbleibt, die die Zeit und sein Beruf an ihn stellen. Aber auch derjenige, der nur in den einzelnen Artikeln der Zeitungen oder des Conversationslericons, und in der Häufung von Monographien die ersprießliche GeisteSnahnmg sucht, wird nicht leicht Einklang der Theologie mit der praktischen Seelsorge anzubahnen vermögen, und nicht leicht gründliche Kenntnisse erwerben können, weil Princip und System mangeln. Auf Grundlage der aus der Schule mitgebrachten, auf Compendien und (Kollegienhefte sich stützenden Kenntnisse muß der Priester durch daS Studium gediegener gründlicher Werke jene Fort- und Ausbildung in der theologischen Wissenschaft sich erwerben, welche sowohl der Fortschritt letzterer selbst als auch seine Stellung als Lehrer der Kirche erheischt. Vor Allem braucht er eine tüchtige Dogmatik, ein Buch, welches die katholische Lehre mit Präcision treu und objectiv wiedergibt, und an daS man, als in Allem unzweifelhaft vrihodor, sich mit Sicherheit halten kann. Die „Summa" deS heiligen Thomas zu lesen, und fort und fort zu lesen, wäre freilich sehr rathsam; denn der heilige Thomas ist nicht nur daS lauterste Organ der heiligen katholischen Wissenschaft, er ist auch ein Heiliger, uud obwohl seine „Summa" ein rein wissenschaftliches Buch ist, so ist doch Alles von dem Geiste praktischer Heiligkeit durchdrungen. Doch die Zeit ist noch nicht da, wo der Heilige nach dem Wunsche der Kirche wieder in Wahrheit als ein lebendiger lloctor eeelesisv unter uns wirken könnte. Sie wird wohl wieder kommen; allein indeß möge jeder Geistliche wenigstens eine com- pendiösere solide katholische Dogmatik in Händen und vollständig inne haben, wie z. V. die Perrone's, Liebermanns. Auch die Dogmatik deS P. Albert von Bozen, wovon der erste Theil unlängst in Innsbruck erschienen ist, dürfte für die Zukunft, wenn sie einmal vollendet ist. für diesen Zweck vollkommen genügen. Daran mag man dann weitere Slndien anschließen, aber nicht vielerlei, sonst wird Frucht und Lohn deS heiligen AmteS dahin seyn, sobald gelehrte Schöngeisterei Zweck und Resultat wird. Denn so rühmlich und nützlich eS auch ist, mit der neuern theologischen Literatur vertraut zu seyn, so darf man doch nie vergessen, daß das ausschließliche Lesen moderner Bücher keinen Theologen und tüchtigen Piediger der katholischen Wahrheit macht. Die wahre katholische theologische Wissenschaft bildet eben, wenn daö Alte 79 mit dem Neuen in zweckmäßige, jede Einseitigkeit vermeidende Verbindung gebracht wird. Nun aber haben gerave manche Dogmatiker der neuern Zeit mit der Vergangenheit so entschieden gebrochen, daß der Katholik nicht mehr befriediget wird. Es ist daher immerhin für den, der der katholischen Literatur der letzten Zeit größere Aufmerksamkeit zu schenken Muße und Kräfte hat, rathsam, etwas vorsichtig zu seyn. Indessen hat er an Klee, Kühn, Dieringcr, Staudenmaier für die Dogmatik und das speculative Verständniß der Dogmen, und an Möhler für die Symbolik tüchtige Führer und verläßliche Lehrer. Der Priester ist ferner verpflichtet unter einer schwere» Sünde, die katholische Moral vollständig inne zu haben, und zwar nicht etwa, waS überaus leicht ist, in einigen allgemeinen Grundsätzen, sondern in ihren speciellen positiven Bestimmungen. Was müßie man daher zu einem Geistlichen sagen, in dessen Bibliothek nicht einmal eine zuverlässige Moral und Casuistik sich fände? — Der große Lehrer de.r Moral, der heilige AlphonS von Liguori, sollte keinem Geistlichen unbekannt seyn, und wenn auch nicht seine große Moral, sollte doch wenigstens der domo spo8tolicus, oder die treffliche Bearbeitung deS heiligen AlphonS von Neyraguet in der Bibliolhek deS Priesters sich finden. ' In der Diöcese Briren und wohl weit über ihre Gränzen hinaus hat die Moral Stapfe» in lateinischer und deutscher Bearbeitung sich eingebürgert und ein Ansehen erlangt, wie nicht leicht ein anderes Werk gleicher Art, mit Ausnahme dessen von Liguori. Ihr fortwährendes Studium dürfte für den Landgeistlichcn genügen; doch wird es immerhin auch gut seyn, in den Schriften des heiligen AlphonS von Liguori fleißig nachzulesen, in Hinsicht auf gewisse Materien auch ein oder das andere der neuesten Moralwerke von Fuchs, Probst und Hirscher zu studiren. (Schluß folgt.) ?ZÄ chuv nin? isi__ ^llkk Sü^isültz 5i0 ,5,nf -,',!jk I^Sl ^MnchK !I? MZÄ N o m» lN!>G sr^M rttisU li?Z^7Z n'-'lzs Rom, 30. Jan. Das Ponlificat Pius IX. wird wie durch manche andere zum Wohls der streitenden Kirche getroffenen Maaßregeln, so auch besonders durch die Beförderung der Ehre, welche der triumphirenden Kirche auf Erden erwiesen wird, ausgezeichnet seyn. Die Processe der Seligsprechung vieler Diener und Dienerinnen GotteS sind unter ihm bedeutend vorangerückt, einige beendigt, andere dem Ende nahe. In einer am 27. dieses Monats gehaltenen Eongregalion wurde die Frage gestellt, ob in Folge der, wie ich Ihnen jüngst meldete, beendigten Untersuchungen über den Martertod und die Wunder deS ehrwürdigen Johannes de Britto aus der Gesellschaft Jesu zur feierlichen Seligsprechung vorangeschritten werden könnte; eine Frage, welche wenigstens beim gewöhnlichen Verlaufe der Dinge keiner Schwierigkeit unterliegen kann. Denn sie sich von selbst versteht, geht man zu dieser Frage nur über, wenn die erwähnten Untersuchungen günstig ausgefallen sind. In derselben Kongregation werden auch die Cardinäle über die Wunder, welche auf die Fürbitte des ehrwürdigen Johannes Grande, eines Spaniers aus dem Orden der barmherzigen Brüder, von Gott gewirkt worden, vernommen. Der heilige Vater spricht sich während der Berathung s.!bcr nicht auS, um eine so wichtige Entscheidung erst Gott im Gebete zu empfehlen; doch hat man jetzt bereits erfahren, daß die Bestätigung jener Wunder nächstens erfolgen wird, und somit wären denn auch die vorbereitenden Untersuchungen für diesen Proceß vollendet. Aber auch jene, die über den von den Ketzern gemarterten Andreas Bobola aus der Gesellschaft Jesu angestellt worden, sind dem Ende nahe, und man darf die päpstliche Entscheidung nach einigen Wochen erwarten. Da nun aber auch, wie ich Ihnen zur Zeit geschrieben habe, der Proceß für die Seligsprechung der ehrwürdigen Jungfrau Maria Anna von Jesu auö Quito in Amerika bereits zu Ende geführt ist, so werden wir, so Gott will, binnen kurzer Zeit vier Seligsprechungen erleben. Rom, 4. Febr. Gestern hat der heilige Vater ein Decret veröffentlichen lassen, durch welches mehrere Werke von Bedeutung verworfen und verboten werden. 80 Unter diesen liest man sämmtliche Schriften des Priesters Vincenz Gioberti. Schon vor einigen Jahren hatten mehrere Bischöfe Italiens auf einer Provincial- Synode vereinigt den heiligen Vater gebeten, die Werke jenes TageShelden untersuchen zu lassen und sein Urtheil darüber der Christenheit bekannt zu machen. Es handelte sich aber vornehmlich um die früheren Schriften Gioberti'S — denn sein l-ssuits moclsrno wurde eben um jene Zeit schon verurtheilt — um die früheren Schriften Gioberti'S, sage ich, durch welche er sich nicht nur in Italien, sondern auch in dem übrigen Europa den Namen eines christlichen Philosophen erworben hatte. Viele, auch Gelehrte waren durch ihn getäuscht worden, jedoch nicht Alle. UebrigcnS ist eS durch Briefe und zur Zeit Pseudonyme Aufsätze deS Verfassers in einer Zeitschrift deS jungen Italiens jetzt gewiß, daß Gioberti jene philosophischen Schriften, durch die er die Religion zu vertheidigen schien, mit kalter Bosheit zur Untergrabung deS Glaubens verfaßt halte. Möchte man nach so vielen Betspielen endlich aufhören, neuen Systemen, wenn sie nur glänzend sind, voreilig zu huldigen. Ein anderes Werk, daS durch jeneö Decret den verbotenen Büchern beigezählt wird, ist die Geschichte der gallicanischen Kirche von dem Priester Guett6e. Der Verfasser ist bemüht, die sogenannten gallicanischen Freiheiten und andere Grundsätze, die man gegen ältere kirchliche Institutionen in neuerer Zeit geltend machen wollte, auf solche Weise in Schutz zu nehmen, daß sie zugleich den socialistischen Plänen dienen könnten. — Endlich sind durch dasselbe Decret auch die Werke ProudhonS und Eugens Sue'S verdammt. Dieß könnte vielleicht in so fern Verwunderung erregen, als derlei abscheuliche Schriften schon durch die öffentliche Meinung hinlänglich gebrandmarkt zu seyn scheinen. Allein die Erfahrung lehrt, daß eS nicht ohne heilsamen Einfluß ist, wenn auch über diese die von Gott zur Lehrerin der Völker bestellte Kirche ihr Urtheil feierlich auSspricht. Daher ist eS denn auch der Gebrauch, nicht zwar alle derartigen Schriften, wohl aber jene, die größeres Aufsehen erregen und ihren Verfassern eine traurige Berühmtheit verschafft haben, dem Verzeichniß der verbotenen Bücher einzuverleiben. (M. Sbl) cknu? di ,ttizMKr'»W-«2sMutStz »nSlMiNn .,',5 5kMV 'm»z Schweden. Stockholm, 6. Febr. Vorgestern, den 4. Febr. —nach unserm Kalender noch heute der Gedächtnißtag des heil. AnSgariuS, Apostel der Schweden — begann vor dem hiesigen Swea-Hofgericbt der Religionsproceß gegen den kath. Pfarrer und die Vorsteherin der kalh. Mädchenschule, welche deS ProselytismuS und der Aufnahme luth. Kinder in die kath. Schule angeklangt worden. Der Pfarrer erschien ohne Advocaten, die Vorsteherin in Begleitung deS Baron Th. Cederström, ihres Advocaten, und deS Baron Armfeldt, deS vom Gericht ihr angewiesenen Dolmetschen. Die Vorsteherin versteht nur Französisch. An diesem Tage handelte eS sich nur um gerichtliche Feststellung der Thalsache, wobei der Ankläger, ein armer Mann (ein Norweger), der sichtlich zu dieser Sache bedungen worden, eingestand, keine Zeugen zu haben, daß der kath. Pfarrer oder die Vorsteherin irgend Ueberredung oder Verlockung zum Abfall von der Staalskirche angewendet hätten; — und da alle Jeue, welche zur kathol. Kirche übergetreten, ihr Geständniß längst dahin gemacht, daß sie diesen Schritt aus voller Ueberzeugung und mit Wissen der strafgesetzlichen Folgen gethan, ohne anderes Zuthun deS Pfarrers, als daß er ihnen auf ihre Bitten hin die Aufnahme in die kathol. Kirche nicht verweigert habe, so ist man hier gespannt darauf, zu erfahren, welche Strafbestimmung der StaaiSanwalt auf diese passive Theilnahme am „Verbrechen" hin beantragen werde. Ueber die Wahl des TageS von Seite deS Hofgerichtes zur Eröffnung dieses Processes bemerkte der Pfarrer vor Gericht, daß er an diesem Tage, dem Erinnerungstage deS h. Ansgar, wegen derselben Lehre vor Gericht stehe, welche vor tausend Jahren (i. I. 853) dieser Apostel Schwedens dem Lande verkündet habe, und daß er somit aus dieselbe Unbefangenheit von Seite deS christl. Gerichtes hoffen dürfe, welche das heidnische Gericht dem hl. AnSgar angedeihen ließ. (D. V. H ) Verantwortlicher Redacteur: L. Schvnchcu, Verlags-Juhaber: F. C. Kremer.