Zwölfter Jahrgang. Sonntags-Beiblatt zur Augsburger Pojtzeitung. 14. März II. 185S. ^-.- > Dieses Blatt erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der halbjährige Abonuementsvrei» kr., wofür e« durch alle königl. bayer. Postämter und alle Buchhandlungen bezogen werde» kaun. Hirtenbrief des Hochwürdigsten Herrn Wilhelm Emmanuel, Bischofs von Mainz, zur Fastenzeit 1832. Wilhelm Emmanuel, durch GotteS Erbarmunq und deS heiligen apostolischen Stuhles Gnade Bischof von Mainz. Unserem Ehrwürdigen KleruS und unseren geliebten Diöcesanen Gruß und Segen in dem Herrn. Die Zustände in einzelnen Theilen der Diöcese, insbesondere in der Stadt Mainz selbst, haben mich im vorigen Jahre genöthigt, den RongeaniSmuS, der sich den Namen Deutschkatholicismus beigelegt hat, zum Gegenstand meines Hirtenbriefs zu machen, und daS Verhältniß dieser Secte zur katholischen Kirche auseinanderzusetzen. Zu diesem Ende habe ich damals die Grundwahrheiten deS Christenthums und die Lehren der rongischen Secte nebeneinandergestellt und von einer Wahrheit zur anvern bewiesen, daß jedes geistige Band zwischen Christenthum und RongeaniSmuS zerrissen ist. Selbst die Taufe, die, wenn sie im Geiste der Kirche Christi gespendet wird, die Täuflinge Aller christlichen Konfessionen mit der einen, heiligen, katholischen, apostolischen Kirche verbindet, und sie so lange in der Gemeinschaft der Kirche erhält, bis sie durch selbstverschulveten Irrthum sich freiwillig von derselben trennen, hat der RongeaniSmuS, nicht dem Namen, aber der Sache nach, verworfen, und Kinder, die in dem Geiste dieser Secte getauft iverden, erhalten nur den Schein der Taufe und gehören nicht dem Christen- thume an. Die Wahrheit dieser Aussage ist mit Gründen nicht widerlegt worden und hat dadurch eine neue Bestätigung erhalten. Man hat zwar zu behaupten versucht, daß doch der Glaube an einen Golt den sogenannten Deutschkatholicismus noch mit unS vereine. Wenn man aber die durch Schrift und Wort bekannt gewordenen Lehren der Verkündiger dieser Secte näher prüft, so stellt sich nur zu klar heraus, daß die Rongeaner in derselben Weise an Gott glauben, wie sie Christus verehren, wie sie sich katholisch nennen unv von Taufe und Abendmahl reden, d. h. daß sie altchristliche Namen gebrauchen und damit einen unchristlichen, ja antichristlichen Sinn verbinden. Diese Art zu handeln erstrecken sie sogar bis auf ihre Lieder. Bei ihrem sogenannten Gottesdienste nehmen sie alte volkSthümliche Gesänge der katholischen Kirche, behalten die alten Melodien und einzelne Verse dieser Lieder bei, streuen aber zwischen durch neue Verse, die eben ihre Irrlehre enthalten und der Lehre der Kirche widersprechen. Gewiß wird da Niemand in Wahrheit sagen können, daß sie mit der Kirche noch dieselben Gesänge gemein haben. .s!lll,kZ7(Is>WT 7lM?MÄ> Eben so machen sie eS mit den erhabensten Namen des Christenthums. Wie sie dort unter der Melodie der alten Kirchenlieder dem Volke die ungeheure Kluft zudecken, die sie zwischen den Anhängern ihrer Secte und den Kindern der Kirche reißen, so bedienen sie sich hier alter christlicher Bezeichnungen und haben wenigstens nicht den Muth, den Abgrund aufzudecken, dem sie unser Volk zuführen, ES ist aber doch klar, daß nicht Worte, sonvern die Uebereinstimmung in dem Sinn der Worte eine geistige Gemeinschaft begründen. Dem Christen ist Christus der eingeborne Sohn Gotteö, vom Vater geboren in der Ewigkeit. Gott von Gott, Licht vom Lichte, wahrer Gott vom wahren Gotle; erzeugt, nicht erschaffen, mit dem Vater von gleicher Wesenheit und Schöpfer von Allem. Er ist für unS Menschen und für unser Seelenheil vom Himmel herabgekommen, empfangen vom heiligen Geiste, geboren auS Maria der Zungfrau und Mensch geworren. Er ist für unS gekreuzigt unter PontiuS PilatuS und begraben, am dritten Tage aber wieder auferstanden nach der Schrift, aufgefahren gegen Himmel unv sitzet jetzt zur Rechten veS Vaters, von dannen er kommem wird in großer Glorie, zu richten die Lebendigen und die Todten, und seines Reiches wird kein Ende seyn. Den Rongeanern dagegen ist der Weltheiland ein bloßer Mensch. Sie machen eS aber nicht wie die Juden, denen Christus ein Aergerniß war, weil er sich für Gott ausgab, oder wie die Heiden, denen er aus demselben Grunde eine Thorheit war und die ihn deßhalb verlachten. Dem Sohne Gottes ist für unsere Zeit ejne neue Schmach vorbehalten, die alle christlichen Seelen mit unendlichem Schmerz erfüllen sollte. — Der Unglaube hat zunächst in Frankreich eine neue Gotteslästerung erfunden. So wie der Teufel einst in der Wüste die Worte GotteS gegen Gott, gebrauchte und mit Gottkswort Christus versuchte, so sucht der Unglaube unserer Tage den Gesalbten GotteS, Jesus Christus, der gekommen ist, um die Menschen zu erlö,en und sie zur Liebe, zur Erkenntniß und zum Dienste GotteS zurückzuführen, zu benutzen, um die Menschen durch Ehristus selbst von Gott abzuwenden. Die Socialisten und Commu nisten Frankreichs wagen eS deßhalb, auf ihre Fahne den Namen Christus zu schreiben. Sie machen ihn zu einem ihres Gleichen, sie verdrehen und entstellen seine erhabene Lehre, und mit Christus kämpfen sie so gegen Christus uno gegen Gott, der ihn gesandt hat. Die Geschichte lehrt unS, daß einst die Heiden, um ihren Sünden freien Lauf zu lassen und die Stimme deS Gewissens zu erdrücken, Götzen, die sie selbst gemacht hatten, ihre Laster beilegten, und so meinten sie den Göttern zu dienen, wenn sie die Laster übten. Unter dem Scheine deS Gottesdienstes dienten sie so dem Teufel. — Ganz dasselbe Verbrechen sehen wir jetzt an Christus üben. Die Menschen legen die Lügen deS eigenen HerzenS, die auS dem Lügner von Anbeginn geboren sind, Christus, dem Gotle der Wahrheit, bei, und zur Bestätigung der Lüge berufen sie sich auf daS Leben un.d das Wort der Wahrheit. Mit dem Namen Christus kämpft der Antichrist gegen Christus und ruft, wie eS vorhergesagt ist, unter die Völker auS: Hier ist Christus! Ganz ähnlich, wie in Frankreich die Socialisten, machen eS nun auch die ChristuS- läugner in Deutschland, von denen die Rongcaner nur eine Abart sind. Auch sie wollen unS bereden, daß man Christus seit achtzehnhundert Jahren nicht gekannt habe. Die Blutzeugen, die Heiligen, die Scbaar seiner Jünger bis heute — soll ihn nicht gekannt haben, sie aber wollen unS den Geist der Lehre Jesu Christi eröffnen. Auch sie rnfen: Hier ist Christus! auch sie kämpfen unter der Fahne deS Antichrists unter dem Namen Clmstus gegen Christus. Wie mit dem Namen Christus, so macht man eS nun auch mit dem heiligen Namen Gottes. Dem Christen hat sich Gott geoffenbart und er kennt den Gott, den er liebt, dem er dient. Dem Christen ist Gott „der König der Ewigkeit, der Unsterbliche, der Unsichtbare, der alleinige Gott, dem alle Ehre und Herrlichkeit gebührt in alle Ewigkeit" (i. Tim. 1, 17.).--Er hat daö Weltall nach seiner WillenSbestim- 83 mung ins Daseyn gewiesen. „Im Anfang erschuf Gott Himmel und Erde" (1. Mos. 1,1). „Er schuf die Himmel und spannte sie auS; er erhält die Erde und was darin sproßt; er gibt Odem dem Volke, das darauf ist, und Geist denen, die darauf wandeln. Er ist der Herr, daS ist sein Name: Er gibt seine Ehre keinem Andern und seinen Ruhm nicht den Götzen" (Js. 42, 5. 6. 8,). ^Die Himmel erzählen die Herrlichkeit dieses GotteS, und das Firmament verkündet die Werke seiner Hände. Aon ihm gibt Zeugniß ein Tag dem andern, von ihm gibt Kunde eine Nacht der andern. Ueber die ganze Erde geht aus ihr Schall und bis an die Enden des Erdkreises ihr Wort" (Ps. 18. 2. 3. 5.). Deßhalb rufen wir Christen freudenvoll auS: „Kommet, lasset unö frohlocken dem Herrn, jubeln Gott unserm Heilande, . .. denn ein großer Gott ist der Herr und ein großer König über alle Götter. In seiner Hand sind alle Gränzen der Erde, und die Höben der Berge sind sein. Sein ist daS Meer, denn er hat eS gemacht, und daS Trockne haben seine Hände gebildet. Kommet, lasset uns anbeten und niederfallen und weinen vor dem Herrn, der uns gemacht hat; denn er ist der Herr unser Gott und wir sind daS Volk seiner Weibe und die Schafe seiner Heerde" (Ps. 94, 1. u. ff.). Er hat unS gemacht, deßhalb gehören wir ihm, wie daS Gefäß dem Töpfer, der es gebildet hat. „Mache dich aiif, ruft Gott unS zu, und gehe hinab in des Töpfers HauS und merke da, was ich dir sagen werde. Und ich ging hinab in deS TöpscrS HauS und siehe, er arbeitete eben auf der Scheibe. Und daS Geschirr, das er auS dem Thon machte mit seinen Händen, zerbrach: und er machte wieder ein anderes Geschirr daraus, so wie eS ihm gutdünkte, eS zu machen. Da erging daS Wort des Herrn an mich und sprach: . .. . Siehe, wie der Thon in deS Töpfers Hand, also seyd auch ihr in meiner Hand".. (Jer. 13, 2. u. ff.). „Und dieser Gott, Geliebteste, er ist nicht fern von unö, denn in ihm leben wir, in ihm bewegen wir unS, in ihm sind wir" (Apostelg. 17, 27. 28.). Wir können ihm Nichts verbergen: „Er ist ein Richter der Gedanken und Gesinnungen deS Herzens. Es ist kein Geschöpf vor ihm verborgen, AllcS ist nackt und offenbar vor den Augen dessen, bei dem wir Rechenschaft zu geben haben" (Heb. 4, 12. 13.). Wir können seinen Augen und seinen Händen nicht entfliehen: „Wohin soll ich fliehen vor deinem Angesicht«? Steig ich gen Himmel, so bist du da; steig ich in die Hölle, so bist du da. Nehme ich Flügel von der Morgenröthe und wohne ich am äußersten Ende deS MeereS, so wird auch dahin deine Hand mich führen, und deine Rechte mich halten. Und spreche ich: Vielleicht kann Finsterniß mich decken, so wird die Nacht zum Licht bei meinen Lüsten; denn die Finsterniß ist nicht dunkel vor dir, und die Nacht ist hell wie der Tag. Du hast meine Nieren in deiner Gewalt, du nahmst dich meiner an von meiner Mutter Leibe her. Ich preise dich, daß du so schauerlich groß bist: wunderbar sind deine Werke und meine Seele erkennt sie gar wohl" (Ps. 138, 7.). Diesen schauerlich großen Gott erkennen, ist unS die wahre Weisheit, und nur durch die Furcht GotteS gelangen wir zu dieser Erkenntniß. Der Mensch vermag zwar Vieles mit den natürlichen Kräften, die ihm Gott gegeben hat. Er ist in die Geheimnisse der Naturwissenschaften eingedrungen. „Er hat erforscht den Ursprung der Adern deS Silbers und den Ort des GolteS, daS man schmelzet. Er hat den Eisenstein auS der Erde genommen und den Stein in der Hitze zu Erz geschmolzen. Er hat die Finsterniß überwunden. daS Ziel aller Dinge erforscht und ist in daS Dunkel deS Steines und in die Schatten deS TodeS eingedrungen. Er hat die Erde mit Feuer unterwühlt, auf deren Oberfläche Brod aufging an seinem Orte. Er ist Wege gewandert, die kein Vogel kannte, noch daS Auge eines Falken schaute. Er brach Ströme durch Felsen und sein Auge sah waS kostbar war auf Erden. Auch die Tiefe der Flüsse erforschte er und brachte daS Verborgene anS Licht" (Job 23, 2. u. ff). So sprach schon der alte Dulder Job vor Jahrtausenden. Und die Menschen haben seitdem fortgefahren, das Ziel aller Dinge zu erforschen, in daS Innere der Natur und ihrer Geheimnisse einzudringen und dennoch können wir auch heute noch mit Job fragen: „Aber die Weisheit, wo wird sie 84 gesunden? Wo ist der Ort des Verstandes? Nicht kennt der Mensch ihren Preis, noch findet man sie im Lande derer, die wollüstig leben. Der Abgrund sagt: In mir ist sie nicht I und das Meer sagt: Bei mir ist sie nicht! Man kann sie nicht kaufen sür daS beste Gold; noch Silber abwägen, um sie umzutauschen; nicht vergleichen mit Indiens gesättigtem Farbenschmucke, noch mit den köstlichen Steinen Sardonich und Saphir und was sonst hoch und erhaben ist. Woher kommt sie also die Weisheit? und wo ist der Ort deS Verstandes? Verborgen ist sie gar den Augen aller Lebenden, auch den Vögeln des Himmels verhüllt. Selbst das Verderben und der Tod sprechen: Unsere Ohren haben nur fernher ihren Ruf vernommen." Und nun, Geliebte, geht Job dazu über, die große Frage: Woher kommt die Weisheit? zu beantworten: „Gott weiß den Weg zu ihr und er kennt ihren Ort. Er schaut die Enden der Welt und sieht Alles, waS unter dem Himmel ist. Er gab den Winden Gewicht und wog nach dem Maaße die Wasser. Er gab dem Regen Gesetz und einen Weg den tobenden Wettern. Er sah sie, er offenbarte sie, er bereitete und erforschte sie. Und er spricht zu dem Menschen: Siehe die Furcht deS Herrn, das ist die Weisheit, — und das Böse meiden, das ist Verstand" (Job 28,). O, Vielgeliebte, sehet, daS ist der Gott der Christen, und der Weg, um zu diesem Gott zu gelangen. Das ist der Gott deS alten Bundes, der Gott Abrahams, JsaakS und Jakobs; der Gott, den alle Gerechten anbeten und lieben vom Tage der Schöpfung bis zum Ende der Welt; der Gott, der auch unS Menschen, seine armen Geschöpfe, der euch Alle so liebt, daß er durch den Mund seiner Propheten auf die Klage: „Der Herr hat mich verlassen, der Herr meiner vergessen!" antwortet: „Kann denn ein Weib ihres Kindes vergessen, daß sie sich des SohneS ihres Leibes nicht erbarmte? Und wenn sie eS vergäße, so will doch ich dich nicht vergessen (Js. 49, 15.)! Siehe, in meine Hände habe ich dich gezeichnet.« Ja noch mehr: „Der also die Welt geliebt hat, daß er seinen eingebornen Sohn hingab, damit Alle, die an ihn glauben, nicht verloren gehen, sondern daS ewige Leben haben" (Joh. 3, 16.); das ist der Gott, vor dem die Engel und heiligen Geister im Himmel liegen und Tag und Nacht rufen: „Heilig, heilig, heilig ist Gott, der Herr, der Allmächtige, der da war, und der da ist und der da kommen wird;" vor dessen Thron Andere ihre Kronen niederlegen und bekennen: „Würdig bist du Herr, unser Gott, zu empfangen Preis und Ehre und Kraft, denn du hast alle Dinge geschaffen und durch deinen Willen wurden sie und sind sie geschaffen" (Apostelg. 4, 8. 11.). DaS ist der Gott, den der Sohn Gottes unS offenbarte, den die Apostel verkündeten, für den die Blutzeugen gestorben sind, für den die heiligen Bekenner die Welt für Koth hielten! von dem die heiligen Lehrer der Kirche ihre GotteSweiSheit schöpften, dem die Schaar heiliger Jungfrauen gefolgt ist, zu dem wir im heiligen Geiste beten dürfen: Abba, Vater! der alle unsere Thränen fließen sieht und heilen kann. DaS ist, Vielgeliebte, der Gott, von dem unS der Heiland gesagt hat: „Du sollst den Herrn, deinen Gott lieben aus deinem ganzen Herzen und auS deiner ganzen Seele und auS deinem ganzen Gemüthe" (Match. 22, 37.). DaS ist also endlich der Gott, in dessen Liebe, Lob und Preis sich Alles vereinigen soll, waS im Himmel und auf Erden ist: „Preiset den Herrn, ihr alle Werke deS Herrn, lobet und erhebet ihn über Alles in Ewigkeit. Preiset den Herrn, ihr Engel deS Herrn, lobet und erhebet ihn über AlleS in Ewigkeit. Preiset ihr Himmel den Herrn, lobet und erhebet ihn über AlleS in Ewigkeil. Sonne und Mond.... Sterne deS Himmels, preiset den Herrn, lobet und erhebet ihn über AlleS in Ewigkeit. Die Erde lobe den Herrn, sie lobe und erhebe ihn über AlleS in Ewigkeit. Berge und Hügel.... AlleS was grünt auf Erden.... Meere und Flüsse.... Ihr Vögel deS Himmels preiset den Herrn, lobet und erhebet ihn über AlleS in Ewigkeit. Ihr Menschenkinder preiset den Herrn, lobet und erhebet ihn über AlleS in Ewigkeit. Israel preise den Herrn, cS lobe und erhebe ihn über AlleS in Ewigkeit. Ihr Priester des Herrn, preiset den Herrn, lobet und erhebet ihn über AlleS in Ewigkeit. Ihr Diener deS Herrn, preiset den Herrn, lohet und erhebet ihn über Alles in Ewigkeit. Ihr Geister und Seelen 85 der Gerechten preiset den Herrn, lobet und erhebet ihn über Alles in Ewigkeit. Ihr Heiligen und von Herzen Demüthigen preiset den Herrn, lobet und erhebet ihn über Alles in Ewigkeit" (Daniel 3, 57.). Das ist der Gott der Christen, der wahre, lebendige, persönliche, ewige Herr Himmels und der Erde. WaS ist aber der Gott der Rongeaner? Ein Wesen, das sie nicht näher zu bezeichnen wagen, ein sogenannter Weltgeist, von dem man nicht weiß, ob er ein von der Welt verschiedenes persönliches Daseyn hat, oder ob er nichts anderes, als die Naturkraft ist. Als der Apostel im Areopag zu Athen den Gott der Christen den Heiden predigte, sprach er: „AIS ich umherging und eure Götterbilder sah, fand ich auch einen Altar, auf dem geschrieben stand: dem unbekannten Gotie. Was ihr nun, ohne es zu kennen, verehrtet, das verkündige ich euch! Gott, der die Welt gemacht hat" (Apostelg. 17, 23). Seitdem ist der unbekannte Gott auch den Heiden bekannt geworden; die Rongeaner aber wollen den Altar deS unbekannten GotteS wieder in unserer Mitte errichten. Christus hat uns befohlen, einen Gott zu verehren, den wir kennen, den wir lieben sollen auS ganzem Herzen, auS allen Kräften, aus unserm ganzen Gemüthe; die Rongeaner aber verehren einen Gott, bei dem sie nichts denken, den man also nicht lieben, dem man nicht dienen kann. So ist eS also wahr: daS Christenthum hat nichlS gemein mit dem Ronge- thum. Der Christus und der Gott der Christen ist nicht das, waS die Rongeaner Gott und Christus nennen. — Ich bin aber weit entfernt, zu sagen, daß alle Jene, die sich jetzt äußerlich zu dieser Secte bekennen, den Glauben an Gott und Christus . verloren haben. Ich glaube vielmehr, daß eben der Mißbrauch unserer Namen, unserer Gesänge, mit einem romanhaften, sentimentalen Wesen umkleidet, viele Unwissende nur irre geführt hat und daß viele unter ihnen nicht wissen, in welche Hände sie gefallen sind. Wenn ihr mich aber fragt, Vielgeliebte, warum ich noch einmal auf diesen Gegenstand zurückgekommen bin, so will ich auch darauf eine Antwort nicht schuldig bleiben. Zunächst hat mich dazu das Verhältniß des RongeanismuS zu dem Unglauben der Gegenwart im Allgemeinen bestimmt. Der RongeaniSmuS ist nicht etwas für sich Bestehendes, sondern nur ein Glied in der großen Kette der Ver- irrungen aller Jener, von denen der königliche Prophet sagt: „Warum toben die Heiden und sinnen die Völker auf Eitles. ES stehen auf die Könige der Erde und kommen zusammen die Fürsten wider den Herrn und wider seinen Gesalbten! Lasset uns zerreissen ihre Bande und von unS werfen ihr Joch" (Ps. 2, 1.)! In katholischen Ländern Deutschlands nennen sie sich „Deutschkatholische," weil sie unter diesem Namen leicht Eingang bei Katholiken finden, in protestantischen nennen sie sich „freie Gemeinden." In andern Ländern nehmen sie wieder andere Namen an. Im letzten Grunde gehören zu ibnen alle Jene, welche einen übernatürlichen Gott und eine übernatürliche Offenbarung nicht anerkennen und im Widerspruche mit aller gesunden Vernunft den Geist des Menschen als den höchsten Geist an die Stelle GotteS setzen wollen, alle Jene, die wider Gott und seinen Gesalbten ausstehen, die daS Gesetz GotteS, daS Gesetz Jesu Christi zerreißen und sein Jock abschütteln wollen. Ferner haben mich zu dieser abermaligen Erklärung einige Vorgänge in unserm engern Vaterlande bestimmt. Man hat, wie Euch bekannt geworden ist, meinen Hirtenbrief, in dem ich, Euer katholischer Bischof, Euch, den Katholiken dieses Landes, einfach den RongeaniSmuS als den Widerspruch gegen das Christenthum bezeichnet habe, als eine maßlose Verhöhnung, Verleumdung und Provocation vor die Stände dieses Landes gebracht. Die zweite Kammer hat diese Beschwerde zur geeigneten Maßnahme an die Regierung übergeben. Ich glaube nicht, daß etwas AehnlicheS noch in der Welt vorgekommen ist. Ich habe in meinem Hirtenbriefe die Wahrheit gesprochen. Die Lehre der katholischen Kirche ist eine weltkundige 86 Thatsache, die nicht ich gemacht habe, von der ich kein Jota abnehmen kann. Ich habe dieser wellkundigen Lehre die Lehre der Secte des sogenannten Deutsch- kalholiciSmuS gegenübergestellt und gezeigt, daß dieser der volle Widerspruch von jener sey. Niemand hat cö vermocht, einen einzigen Gedanken an dieser Gegenüberstellung als unwahr nachzuweisen Habe ich unwahr gesprochen, so zeigt es! Man kann es nicht. Und das AuSsprechen der katholischen Wahrheit soll eine maßlose Verhöhnung, Verleumdung und Provocalion seyn? Und die zweite Kammer deS GroßherzoglhumS erkennt in dieser Anschuldigung nicht eine maßlose Verhöhnung und Verleumdung meines Hirtenbriefs, sondern übergibt eine solche Beschwerde der Regierung zur geeigneten Maßnahme I Der Apostel sagt: „Es gibt einige Menschen, die euch verwirren und das Evangelium Christi zu verkehren suchen. Aber wenn auch wir, oder ein Engel vom Himmel euch ein anderes Evangelium verkündigte, als wir euch verkündigt haben, der sey verflucht" (Gal. 1, 7. 3.)I und ich soll Euch nicht einmal warnen vor ChristuSläugnern, soll Euch nicht einmal sagen, daß eS ChristuSläugner in unserer Mitte gibt. Ein anderes Ereigniß hängt mit diesem enge zusammen. Die Secte der Ron« geaner hat zu wiederholten Malen den Vorstand der Stadt Mainz ersucht, ihnen städtische Locale zu ihren Versammlungen einzuräumen, und man hat ihr Gesuch erfüllt. Der Vorstand einer Stadt, in der vom Anfange deS Christenthums das Evangelium von der Erlösung gepredigt wird, die alles Gute und Große, waS sie besitzt, dem Christenthums verdankt, in der die unermeßliche Mehrzahl der Bewohner noch in Christus ihren Erlöser anbetet und verehrt, hat keinen Anstand genommen, ihre Locale einer Secte zu öffnen, die die Gottheit Christi offen läugnet und den Glauben der Kirche Christi verspottet und verhöhnt. Solchen Ereignissen gegenüber ist eS meine Pflicht, um so entschiedener das Kreuz Christi in die Höhe zu halten und Euch zuzurufen: „ES ist kein anderer Name unter dem Himmel den Menschen gegeben, wodurch wir selig werden können; als der Name deS Gesalbten deS Herrn Jesu Christi" (Apostelg. 4, 12.). (Fortsetzung folgt.) zchiil t-i vl.'KdtllvZg'n»K ?;»y»G ?>5 lttöuvtg >-?zV iz! zli;A lttijviv izÄ ni L5ilG n!i 7un nrz^nm ,h?Zs!:6?stsV chis M Die Bibliothek eines Landgeistlichen. (Schluß.) Der Priester soll täglich die heilige Schrift lesen, nicht als gelehrter Eregete, yder gar als Kritiker, das ist nur die Sache Weniger, sondern als ein solcher, der selbst ein Evangelist deS Volkes seyn soll; betend und meditirend soll er sie lesen. Allein dazu bedarf er dennoch eines zuverlässigen AuSlegerS, der ihm zeigt, wie in der Kirche die Schrift verstanden wird. Es genügt zu diesem Zwecke an wenigen Büchern, da eS sich ja nicht bei dem gewöhnlichen Priester darum handeln kann, auf der Höhe der eregeiischen Wissenschaft zu stehen, sondern die heilige Schrift richtig und im Geiste der Kirche zu verstehen. Irgend ein katholischer Commentaior der ganzen heiligen Schrift, Cornelius a Lapide, Tirin, Calmet, oder doch wenigstens deS neuen Testamentes, Maldonat, EstiuS, Maßl, ist daher gewiß wünschenSwerth in der Bibliothek eines Geistlichen. Protestantische Commenlare sind nicht blos überflüssig, sondern, wo sie nicht zu gelehrten Zwecken nothwendig sind, geradezu vom Uebel. Will ein Priester die Resultate der exegetischen Forschungen der neuern Zeit kennen lernen, so findet er sie in den Werken von Hug, Herbst, Welle, Hanebcrg, Maier, Schegg u. A. Auch ein Handbuch deS KirchenrechteS, aber kein josephinischeS oder protestan« tischeS, soll der Geistliche haben. Er soll wissen, waS heute der Kirche Recht ist, Welche kirchlichen Normen, welche Gesetze heute noch zu Recht bestehend sind und verbindende Kraft haben, und welche von den neuesten kirchlichen Normen den Slem- 87 pel der Kalholicität besitzen. Die Wissenschaft deS Kirchenrechtcs ist von sehr großer Bedeutung, und eS kommt deßhalb sehr viel darauf an, auö welchen Quellen sie geschöpft wird. ES gibt Lehrbücher deS KirchenrechtcS, die Grundsätze enthalten, welche im Leben angewandt der Kirche tiefe Wunden geschlagen haben, die der Kirche Rechte ab- und dem Staate zusprechen, welche der Ersteren doch von ihrem göttlichen Stifter eingeräumt sind. AlS Handbücher soll man dergleichen in der Bibliothek eines Geistlichen nicht finden, sondern nur solche, die Gott geben, waö GotteS, und dem Kaiser, waS des Kaisers ist, wie daS Lehrbuch von Walter, daö Kirchenrecht von Phillips und von Pachmann, und unter den lateinischen daS von Devoti. Eine katholische Kirchengeschichte ist gleichfalls für den Geistlichen nothwendig, oder doch wenigstens wünschenSwerth, desgleichen ein gutes liturgisches Werk, eine Anleitung zur Pastoration und insbesondere zur Verwaltung deS heiligen Sacramen« teS der Buße und ein gutes katechetisches Werk, Indessen halten wir nicht dafür, daß die bloße Lectüre von Lehr- und Handbüchern hinlängliche theologische Nahrung gewähre. Kann auch nicht jedem Geistlichen ein förmliches Studium der Väter und der kirchlichen Quellen angemuthet werden, so sollte doch Jeder mitunter auS diesen Quellen trinken, in denen das lebendige Wasser gleichsam unmittelbar aus dem Felsen sprudelt. ES ist eine ganz andere Sache die Wahrheit aus dem Munde eines heiligen Kirchenvaters, als aus dem eines, wenn auch noch so tüchtigen Professors zu vernehmen. Daher ist eö so gut, wenn ein Geistlicher daS eine oder das andere Buch eines Vaters besitzt und liest. In den Iristitutioneg patrologiae von vr. Feßler ist Jedem zur Kenntniß und Lesung der Väter eine sehr tüchtige und praktische Anleitung geboten. DaS nun scheint das Wichtigste, waS über die nothwendigen Bücher zum fortwährenden Studium der heiligen Wissenschaften zu sagen ist. Wenden wir uns zu den Büchern, welche die Wissenschaft der Heiligen betreffen. Da müssen wir vor Allem gestehen, daß eS in dieser Beziehung in gar manchen geistlichen Bibliotheken nicht am Besten bestellt ist, und das sollte nicht seyn. Ein Priester, der nicht betrachtet, ist todt in sich und für Andere, mag er auch lebendig scheinen; er wird nicht predigen wie Einer, der Gewalt hat; das Wort GotteS wird nicht fruchtbar seyn in seinem Munde. Die theologische Wissenschaft allein heiligt weder den Geistlichen noch seine Zuhörer und Beichtkinder. Ehe sie fruchtbar werden kann, bedarf die theologische Wahrheit einer Zubereitung, die kein Studium verleihen kann; sie muß zuerst durch Betrachtung und Gebet in die Seele des Priesters aufgenommen, und hier auS abstrakten Begriffen zu Geist und Leben werden, und nur als Geist und Leben, nicht aber als todler Begriff kann sie dann befruchtend von Kanzel und Beichtstuhl und auS jedem Wort deS Priesters überströmen in die Herzen der Gläubigen. Nun wissen wir wohl, daß man betrachten kann auch ohne BctrachtungSbücher; aber wir glauben, daß, wer gern betrachtet, sich auch gern die Werke jener GeisteSmänner anschafft, die besser haben betrachten können, als wir. Auch glauben wir, daß, einige wunderbare Ausnahmen abgerechnet, noch kein Priester ohne alle Hilfsmittel die Kunst der Betrachtung in dem Grade gelernt hat, daß er nun keines Buches mehr bedarf. Von den eigentlichen BetrachtungSbüchern verschieden sind die Bücher zur geistlichen Lesung, die der Priester ebenfalls so sehr benölhiget. Wir wollen von den BetrachtungSbüchern Eines hervorheben, das statt einer Bibliothek dienen kann, die Betrachtungen über die vorzüglichen Geheimnisse deS Glaubens von Ludwig de Ponte, dessen deutsche Uebersetzung nun mit dem sechsten Bande vollendet ist. Hier ist Stoff in Fülle für daS ganze Leben, nicht blos zur eigenen Betrachtung, sondern auch zur Predigt. Als geistliche Lesung steht diesem ebenbürtig zur Seite die Uebung der Vollkommenheit von AlphonS Rodriquez. Klei- nere aScetische Bücher, die Nachfolge Christi, die Philothca, die Anleitung zur Voll, kommenheit vom heiligen AlphonS v. Liguori u. dgl., sollten die wohl in einem geistlichen Hause nicht zu finden seyn? Noch etwas ist eine gar nothwendige und nützliche 88 Lectüre für den Priester; eS sind die Rubriken und gute Abhandlungen über die geistlichen Verrichtungen, wie sie z. B. in dem „Priester im Gebet" vom heil. AlphonS von Liguori sich befinden. Ein Geistlicher, der auf dem Lande lebt, würde eS hart finden, wenn er an seinem Hause nicht einmal ein kleines Gärtchen, ein wenig Grün und ein paar Blumen hätte: aber wie öde und unerquicklich ist eS erst in einem geistlichen Hause, worin nicht wenigstens einige jener Blumen anzutreffen sind, die Gott in seiner Kirche emporsprossen ließ zur Erquickung und Belebung Vieler, einige jener Bücher, in welchen große heilige Seelen die Geheimnisse und Früchte ihrer Gebete und Betrachtungen zum Gemeingut Aller gemacht haben! ES gibt noch eine Art von Büchern, die wir in dem Büchergestell eines Geistlichen gern sehen, eS sind Lebensbeschreibungen der Heiligen. Daß ein Geistlicher wenigstens ein gutes Leben der Heiligen besitze, versteht sich wohl eben so von selbst, als daß er eine heilige Schrift besitzt; aber wir meinen, eS ist auch sehr gut, einzelne ausführliche Biographien der Heiligen zu haben, eines PhilippuS Neri, Franz RegiS, Franz Xaver, Franz v. SaleS, Karl BorromäuS, AloisiuS, Franz von Assisi, Vincenz v, Paul, einer heiligen Theresia, Elisabeth u. s. w. Es gibt kaum etwas, waS so stärkt, tröstet, erfrischt, zur eigenen Heilung antreibt, als die Lesung deS Lebens der Heiligen. Muß denn nicht aber auch der Geistliche in seiner Bibliothek Predigtbücher und andere Hilfsmittel haben? Gute katechetische Bücher, Beispielsammlungen, wer sollte die nicht für nützlich halten? Aber moderne Predigtbücher? Predigten, die durch Form und Inhalt ausgezeichnet sind, haben immerhin großen Werth; doch dürfen sie nie geradehin zum Auswendiglernen benützt werden, denn gewärmte Speisen sind nicht schmackhaft, und aus gebrauchtem Zeug macht man keine neuen Kleider. Aber zum Nachlesen eignen sie sich gewiß, weil man daraus viel gewinnen kann. Nebrigens soll man seinen Predigtstoss jederzeit studiren, darüber gute Werke durchschauen und meditiren, und dazu dienen besonders die Werke erprobter GeisteSmänner. Nun noch ein Wort von einer besondern Bibliothek, die jeder Seelsorger haben sollte, nicht für sich, sondern für seine Gemeinde: eine Lesebibliothek guter katholischer Bücher für Kinder und Erwachsene. Ist eS aber möglich sich eine solche anzuschaffen und eine solche Last sich aufzubürden? Wir glauben wohl; denn die Erfahrung hat eS gezeigt, daß auch arme Geistliche sich eine solche Bibliothek anschaffen, und damit vielen Nutzen stiften können. Die Geistlichen waren durch Jahrhunderte die Träger der Wissenschaft und der Literatur. Möchten sie eS allzeit seyn! Eine Quelle des herrschenden GlaubenSver- falleS im Volke würde bald verstopft seyn, wenn jeder Priester eifrig, unv in so weit es seine Geschäfte gestatten, sich mit der katholischen Wissenschaft und Literatur beschäftigen würde. Und glücklich und segcilSreich würden die Geistlichen leben, wenn sie Männer heiliger Wissenschaft und heiligen Lebens allzeit wären; wie erhaben stünden sie über dieser hohlen und erbärmlichen Welt! — Die Bücher machen zwar den Mann nicht; doch kann man meistentheilS den Mann an seinen Büchern erkennen, zumal an denen, die nicht bestaubt auf dem Büchergestelle, sondern abgestaubt und benützt auf dem Tische liegen. Wir rathen keine unvernünftige Verschwendung für Bücher, aber die nothwendigen Bücher sollte Jeder besitzen, so gut als das tägliche Brod, und eS ist gewiß besser und eine schönere Zierde, ein Bücherbrett voll tüchtiger Theologen und GeisteSmänncr, als ein Schrank voll modischer GlaS- und Porzellanwaaren, als Pendeluhren, Sopha'S und anderer Tand, der die Freunde nicht erbaut, und die Feinde zum Aerger, Neid und bissigen Bemerkungen reizt. Darum suche Jeder sich mit etwas Rechtem zu versehen, nicht mit oberflächlichem fadem Zeug oder belletristischem Kram, sondern mit gesunder Geistesnahrung; „denn Alle," sagt der heilige ThomaS, „sind gehalten dasjenige zu wissen, was zu ihrem Stand und ihrer Pflicht gehört, denn sonst machen sie sich einer Unterlassungssünde schuldig." 'uvtZi 7U? 5>Nlm?Ili!? »jz ,vzytv!»ii5j5 zii't , jisiAlN °>l><(>i^D!l? zjc> ,7>chüV'''zK?i»iZtzv Z7ZK' ._____. Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. VerlagS-Jnhaber: F. C. Kremer.