Zwölfter Jahrgang. ^>5> ^ ^ » U° » ^ ^ sonntags-Betblatt billi^zMhÄ hVU^iü 7>i.'K ^ « ^» . . Augsburger Pojhntung. __ 28. März M- 785S. _ - ^^uÄ 4^4 ^wü--', Dieses Blatt erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der halbjährige Abonuementsvrei« 40 kr., wofür es durch alle königl. bayer. Postämter und alle Buchhaudluugen bezogen werden kann. Kirchenlied in der Fastenzeit. *) Durch myst'scher Sitte Brauck) geweiht Sey heilig uns die Fastenzeit, Da »ns von Gott gcschenket ist Der vierzig Tage Gnadenfrist. Gesetz und heil'ger Seher Chor Geschritten diese Bahn, bevor Der Herr sie heil'gend selbst betrat, Der Welt und Zeit geschaffen hat. So mäß'gen wir der Triebe Drang In Wort und Rede, Speis' und Trank: Den Schlas, den Scherz, mit kräft'ger Hand Bezähme strengrer Zügel Band. Die Sünde flieh'n wir, die den Geist In des Verderbens Abgrund reißt: Auf daß kein Raum gegeben sey Des listigen Feindes Tyrannei, Den Zorn des Rächers beugen wir, Und fleh'n zum Richter für und für, Mit Reuethränen, brünstiglich, Und sprechen all' einmüthiglich: Wir haben, Gott, durch unsre Schuld Beleidigt deine Liebeshuld: Sich uns, Erbarmer, gnädig an, Und laß Vergebung uns empfah'n. Gedenk', daß uns dein Allmachtsruf, Wenn auch aus schwachem Thon, erschuf; Gieb, die du schufst zu deinem Ruhm. Herr, nicht dem Feind zum Eigenthum. ") Aus I. F. H. Schlosser: Die Kirche in ihren Liedern durch alle Jahrhunderte. Band l. Mainz, Kirchheim und Schott j8S1, ^ ? .ytt5,l.1tlliS8 ^t^rZ-ll^ Vergib das Böse, so gescheh'n, Das Gute mehr', um das wir fieh'n: Daß hier und ewig dir allein Wir endlich wohlgefällig seyn. Du, Brunnquell aller Heiligkeit, O seligste Dreieinigkeit, Lass unser Fasten uns gedeih'n Und ewig uns dein eigen seyn. Hirtenbrief des Hochwürdigsten Herrn Wilhelm Emmanuel, Bischofs von Mainz, zur Fastenzeit 18S2. (Schluß.) Die Verwirrung über das Verhältniß der geistlichen und weltlichen Gewalt ist schon lange vorbereitet. Auch in katholischen Ländern hat die weltliche Gewalt vielfach in die Vollmachten eingegriffen, die die Kirche von Christus herleitet und dte nur sie auszuüben befugt ist. Dazu wirkten insbesondere zwei Ursachen mit. Erstens die Verbreitung jener abstracten absolutistischen Staatslehre, die auf kein göttliches und geschichtliches Recht Rücksicht nimmt und den Willen der Staatsgewalt zur einzigen Quelle alles Rechtes, zum unumschränkten Gesetze macht, dem gegenüber kein anderes Recht, keine andere Ordnung, namentlich nicht die Kirche, irgend eine Selbstständigkeit und einen Raum für freie Thätigkeit behalten darf. Zweitens jener protestantische Begriff über daS Verhältniß der weltlichen zur kirchlichen Gewalt. Unter dem Einflüsse dieser beiden Richtungen ist eS geschehen, daß der katholischen Kirche in den neueren Gesetzgebungen fast aller Länder der größte Theil jener Rechte entzogen worden ist, die Christus ihr unmittelbar übertragen hat und ohne welche sie ihre Aufgabe in der Welt nicht erfüllen kann. Deßhalb hat aber die Kirche auch die Pflicht, auf gesetzlichem Wege diese Rechte zurückzufordern, und eö ist daher keine Willkür und Herrschsucht, sondern eine heilige Pflichterfüllung, wenn zuerst die versammelten Erzbischöfe und Bischöfe Deutschlands in Würzburg und seitdem die Bischöse in allen einzelnen Theilen deS Vaterlandes diese Forderung gestellt haben. Die Wahrheit dieser Anssage und die aus dem Wesen der Kirche entspringende Nothwendigkeit dieser Forderung würdet Ihr noch besser erkennen, wenn ich Euch nun im Einzelnen die Rechte auseinandersetzen könnte, die Eure Bischöfe beansprucht haben. Nur die zwei wesentlichsten Rechte kann ich aber hier kurz erwähnen, das Recht der Kirche auf die katholischen Schulen und namentlich die Volksschule, und zweitens das Recht der Kirche auf freie Bildung der Geistlichen und Besetzung der geistlichen Stellen. Der Sohn GotteS hat vor Allem seiner Kirche das Recht und die Pflicht der Lehre und Erziehung übergeben. BemerkenSwerth ist die feierliche Art der Uebertragung dieses erhabenen AmteS ans die Kirche. Der Heiland beginnt mit den Worten: „Mir ist alle Gewalt gegeben im Himmel und auf Erden" (Matth. 28, 18). Dann geht er dazu über, in dieser seiner höchsten Machtvollkommenheit der Kirche den erhabenen Auftrag zu geben: erstens der Lehre mit den Worten: „Gehet hin und lehret alle Völker," — und zweitens der Erziehung: „Lehret sie AlleS halten, was ich euch befohlen habe" Matth. 19, 20). Endlich gibt er die Dauer dieses Auftrages und die Hilfe an, die Er, der Herr und Gott, seiner Kirche in Vollziehung dieses Auftrages leisten will: „Sehet, ich bin bei euch alle Tage bis ans Ende der Welt." Dieser göttliche, bis an daS Ende der Welt fortdauernde und oft wiederholte Austrag Christi ist die Grundlage deS Rechtes und der Pflicht der Kirche zur Be- 99 lehrung aller Völker und zur Erziehung aller derer, die durch die Taufe Kinder der Kirche Christi sind. In der That wurde auch die Kirche von da an eine Lehrerin der Völker und Erzieherin ihrer Kinder, und als ein wesentliches Mittel der Lehre und Erziehung betrachtete sie von jeber die Schule und namentlich die Volksschule. Schon mitten in den blutigen Verfolgungen fing sie an, ihre Schulen zu grün« den. Ueberall und in allen Ländern der Erve, wo daS Christenthum sich verbreitete und anerkannt wurde, wurde auch dieses Recht der Kirche auf Gründung ihrer Schn- len anerkannt. In allen größern Städten und an den Sitzen der Bischöfe errichtete sie gelehrte Schulen, bei den einzelnen Stadt- und Dorfkirchen dagegen Pfarrschulen, in welchen die Kinder der OrtSgemeinde durch den Geistlichen oder einen geeigneten Kirchenbeamten Unterricht in der Religion, im Lesen, Schreiben und Rechnen erhielten. Der Schullehrer war ein Beamter der Kirche. Von der Kirche halte er sein Amt und seine Sendung. Der Religionsunterricht war die wichtigste Aufgabe der Schule, und der Pfarrer der Leiter derselben. Diese Auffassung deS Verhältnisses zwischen Kirche und Schule stand so fest, daß die Kirchenspaltung daran nicht das mindeste änderte. Unter Katholiken wie Protestanten entstand in dieser Beziehung kein Streit; sie faßten den Auftrag Christi in demselben Umsangc auf. Der Westfälische Friede erklärte deßhalb feierlich die Schule für eine Zubehör der Kirche, srinexum exeroilii rcligionis, und der ReichSdeputationShauptabschluß vom Jahre 1803 garantirte jeder der in Deutschland berechtigten Konfessionen den Fortbesitz ihres eigenthümlichen SchulvermögenS. In vollem Gegensatze zu diesen durch alle vergangenen christlichen Jahrhunderte anerkannten Grundsätzen hat dagegen seit dem Ende deS vorigen Jahrhunderts der Unglaube seinen Grundsatz aufgestellt, daß nur der Staat, und dieser ausschließlich, ein Recht auf die Schule habe, und ohne Rücksicht auf Recht und Geschichte, auf Eigenthum und Besitzstand, auf Christenthum und Kirche ging dieser Grundsatz in die Gesetzgebung und Verwaltung der Staaten über. Der Staat begnügte sich nicht damit, aus eigenen Mitteln Schulen neben denen der Kirche zu gründen; nicht damit, eine Einsicht in die Schulen der verschiedenen Confessionen zur Wahrung seiner staatlichen Interessen zu nehmen, sondern er entzog der Kirche ein eigenes, selb st ständiges Recht zur Leitung und Gründung der Schule, und gab ihr an ihren eigenen Schulen die ärmlich beschränkte Stellung einer Fachlehrern, der Religion. WaS dieses System gewirkt hat zeigt die Gegenwart. Wenn Gott je ein Weltgericht hat ergchen lassen, so hat er diesen Eingriff in daö Lehr- und ErziehungS- amt der Kirche gerächt. Die zunehmende Korruption und Verwilderung der Jugend reißt nicht nur daS Leben Einzelner in zeitliches und ewigeö Verderben, sondern sie stellt wahrhaft die Möglichkeit des Bestandes einer geordneten Familie und bürgerlichen Gesellschaft in Frage. Es ist eine schauerliche Thatsache, daß unsere moderne Schulbildung auf Abnahme der Verbrechen nicht den mindesten Einfluß übt. Darum ist die Kirche verpflichtet, ihre Rechte auf ihre Schulen und namentlich auf die Volksschulen zurückzufordern. Die Kirche kann nicht jeder Zeitmeinung huldigen, weil sie nicht dem Zeitgeiste, sondern der Einsetzung Christi ihr Daseyn verdankt. Der Zusammenhang der Kirche Christi mit ihren Kindern kann nicht zerrissen werden. Durch die Taufe gehört daS Kind der streitenden Kirche an, wie eS durch dieselbe Taufe die ganze Ewigkeit hindurch der triumphirendcn Kirche angehören soll. Die Kirche muß fordern, daß ihr die Erziehung und Bildung der ihr so innig verbundenen Glieder auch in der Schule möglich gemacht werde. Deßhalb haben die versammelten Erzbischöfe und Bischöfe Deutschlands auf der Versammlung in Würzburg erklärt: „Unter den Rechten der Kirche steht oben an „das göttliche Recht der Lehre und Erziehung. Macht, Besitzthum, Glanz und „Ehre — mögte Alles ihr genommen werden; daS Recht, daS von Gott empfangene, zu lehren, zu erziehen, zu sittigen die Völker deS Erdkreises, hat die Kirche 100 „nie preisgegeben... Die Kirche, durch die Kraft deS Wortes unter dreihundert- „jähriger blutiger Verfolgung gegründet, nimmt jetzt wie früher die unbeschränkte „Freiheit der Lehre und des Unterrichts so wie der Errichtung und Leitung eigener „UnterrichtSanstalten im ausgedehntesten Sinne als dasjenige Mittel in Anspruch, „ohne welches sie ihre göttliche Sendung wahrhaft und in vollem Umfange zu erfüllen außer Stand seyn würde, und sie muß jede einengende Maaßregel auf diesem „Gebiete als nicht vereinbar mit den gerechten Ansprüchen der katholischen Kirche „deutscher Nation ansehen." Mit derselben Nothwendigkeit fordert die Kirche zweitens das Recht der freien Bildung, Berufung und Anstellung ihrer Geistlichen. Sie müßte ihren göttlichen Glauben und ihre göttliche Verfassung aufgeben, wenn sie je einer weltlichen Gewalt das Recht der Uebertragung priesterlicher Machtvollkommenheiten zuerkennen wollte. Der Pfarrer hat den Auftrag, tie Lehre Christi zu verkünden, die heiligen Sacramente zu spenden, die Pfarrgemcinde in ihren geistlichen Angelegenheiten zu lenken und zu leiten. Diese Machtvollkommenheit hat aber nach katholischem Glaubenssatze die Kirche und nicht der Staat, und deßhalb kann nur die Kirche und nicht der Staat diese Gewalt übertragen und Seelsorger anstellen. Alle Mitwirkung deS Staates kann sich bei den Besetzungen nur auf einen Vorschlag beschränken, wenn ein besonderer Rechtsgrund und eine Verleihung der Kirche dazu vorliegt. Wenn der Staat mehr verlangt, so hebt er, so viel an ihm ist, die katholische Kirchenverfassung auf und bestreitet das Recht ihres Bestandes. Ihr werdet eS daher gewiß nickt als Herrschsucht betrachten, wenn die Kirche auch dieses heilige, wesentliche Recht zurückfordert. Innig hängt hiermit das Recht auf freie Bildung und Erziehung ihrer Priester zusammen, und da ich über dieses natürliche Recht wohl nichts zu sagen brauche, so benutze ich diese Gelegenheit, um einige Worte an Euch, geliebte Eltern, zu richten. Die Kirche nimmt ihre Priester auS allen Ständen und Lebensverhältnissen. Der Kirchenralh von Trient hat deßhalb in Bezug auf die Aufnahme in die Seminarien ausdrücklich angeordnet: „Die Kirche will vorzüglich die Söhne der Armen gewählt haben, ohne jedoch die Söhne der Reichen auszuschließen" (Sitz. 23, K. 18). So ist eS denn geschehen, daß, wie die ersten Priester der Kirche Christi Fischer vom See Genesarclh waren, so auch bis heute die Mehrzahl ihrer Priester den ärmern Ständen angehört, und während den Armen die höhcrn Stände der Welt in der Regel verschlossen sind, so hat Christus eben sie vor Allen zur höchsten Würde auf Erden, zur Priesterwürde in seiner Kirche berufen. Darin zeigt sich eben wieder der erhabene göttliche Charakter der Kirche, die nicht auf menschliche Mittel, sondern auf GotteS Wort gegründet ist. Um so mehr ist eS aber auch Eure Pflicht, geliebte Ellern, dazu mitzuwirken, daß die Kinder, die Ihr dem Priesterstande zuzuführen gedenkt, wenn auch arm an zeitlicher Habe, so doch nicht arm an Tugend und Siltenreinhcit seyen. Vor Allem bitte ich Euch bei Euerm eigenen Seelenheile und dem Seelenheile Eurer Kinder, geliebte Eltern, laßt Euch nie durch die Hoffnung auf zeitlichen Gewinn dazu bewegen, Eure Kinder für den geistlichen Stand zu bestimmen. Ihr könnt keinen schwereren Fluch auf Euch laden, als wenn Ihr den geistlichen Stand als eine zeilliche Versorgung betrachtet und Eure Kinder nöthiget, gegen ihren Beruf eine so heilige, aber auch so schwere, verantwortungsvolle Bürde zu übernehmen. „Niemand," sagt der Apostel, „soll sich selbst diese Würde nehmen, sondern nur wer wie Aaron von Gott dazu berufen ist" (Hebr. 5, 4). Das erste Zeichen deS wahren Berufes ist eS aber, daß Ihr und Eure Kinder im geistlichen Stande nicht zeitlichen Vortheil sucht, sondern nur die Erfüllung des göttlichen Willens, nur die Ehre Goltcs und daS Seelenheil der Menschen. Eben so wichtig ist eS ferner, daß Ihr die Kinder, bei denen Ihr diesen hohen Beruf voraussetzt, mit besonderer Sorgfall zu aller Tugend und Frömmigkeit schon im elterlichen Hause von zarter Jugend an erziehet. „Die Jugend," sagt der Kir- chenrath von Trient (Sitz. 23, K. IS), „ist, wenn sie nicht recht geleitet wird, sehr 101 geneigt, weltlichen Vergnügungen nachzujagen, und sie wird nie, ohne ganz außerordentliche Hilfe dcS allmächtigen Gottes, in der kirchlichen Zucht verharren, wenn sie nicht von zarter Jugend an zur Frömmigkeit unv Religion angehallen wird, ehe der Hang zum Laster die Menschen in Besitz genommen hat." Ihr werdet die Wahrheit dieser Worte gewiß erkennen, geliebte Eltern! Ein Kind, daS im elterlichen Hause schon verdorben ist, dessen Herz durch daS Beispiel und die Lehren der Eltern schon in zarter Jugend vom Laster in Besitz genommen ist, kann nur durch ein Wunder Gottes ein würdiger Priester werden. Ihr werdet Euch deßhalb auch nicht wundern, geliebte Eltern, wenn ich mich von jetzt an immer genau nach den häuslichen Verhälinissen derer erkundigen werde, die sich zum geistlichen Stande melden, und wenn ich mit unerbittlicher Strenge jene von diesem Stande zurückweise, die im elterlichen Hause nicht zu wahrer Gottesfurcht, Frömmigkeit und Sittenreinheit angehalten sind. AuS allem bisher Gesagten, vielgeliebte Diöcesanen, werdet ihr erkennen, wie ungerecht und niedrig die Vorwürfe sind, die man in dieser Zeit der Verwirrung, Leidenschaft und Verblendung der Kirche Christi über ihr Verhalten zur weltlichen Gewalt macht. Die Kirche Christi glaubt, daß Christus wahrer Gott und wahrer Mensch ist, und deßhalb handelt sie nach dem Befehle, den sie von ihrem göttlichen Lehrmeister empfangen hat. Ihr Glaube ist der alleinige Grund ihreS Verfahrens. Die Kirche Christi weiß eS wohl, daß, so lange Gott durch gebrechliche Menschen eine Gewalt ausüben wird, dieser Gewalt immer viele Gebrechen unv Mängel ankleben werden. Wie sie aber auch bei Herrschaften, Eltern und Männern, die der Sünde unterworfen sind, fortfahren wird, die Dienstboten, Kinder und Weiber zu ermähnen: „Ihr Knechte gehorchet in Allem dem leiblichen Herrn, nickt als Augendiener, um Menschen zu gefallen, sondern mit aufrichtigen Herzen aus Furcht GvlleS." „Ihr Kinder gehorchet den Eltern in Allem, denn das ist wohlgefällig im Herrn." „Ihr Weiber seyd Unterthan den Männern, wie sichS geziemt im Herrn" (Col. 3, 20u. ff.); so wird sie auch, unbeirrt um das Toben der ganzen Welt und bei der klaren Erkenntniß, daß auch die weltliche Obrigkeit menschlichen Schwächen unterworfen ist, fortfahren, zu lehren: „Jedermann unterwerfe sich der obrigkeitlichen Gewalt, denn es gibt keine Gewalt außer von Gott, und die, welche besteht, ist von Golt angeordnet." „Gebet dem Kaiser, waS deö Kaisers ist." Sie wird so lehren, nicht aus Schmeichelei, sondern weil eS ihr Der befohlen hat, vor dem sich „alle Kuiee beugen sollen derer, die im Himmel, auf Erden und unter der Erde sind" M,il. 2, 10). Die Menschen haben sich aus Stolz gegen Gott empört, als Cr selbst über sie seine Gewalt ausübte. Deßhalb müssen sie jetzt auch armen schwachen Menschen gehorchen, um durch Demuth zu Gott zurückzukehren. Das ist der Geist, in dem wir Christen Gehorsam üben. Die Kirche Christi weiß auch, eben so wie der Apostel PauluS, daß, wenn sie Menschen oder der W.'It gefallen will, sie Christi Diener nicht seyn kann (Gal. 1, 10). Sie weiß, daß man an die Diener Christi die Hand anlegen, sie verfolgen, sie den Gefängnissen überliefern und vor Könige und Statthalter führen wird um des Namens Christi willen l^Luc. 21, 12). Dennoch wird sie fortfahren, das Wort Gottes der Welt, dem Hohen wie den Niedern, dem Kaiser wie dem Bettler zu verkünden; sie wird bis zum Tode allen Mächten der Welt widerstehen, die sie zwingen wollen, gegen Gottes Wort zu handeln; sie wird in solchen Fällen antworten: „Man muß Gott mehr gehorchen als den Menschen" (Apostelg. 5, 29). Sie wird so handeln — nicht aus Hochmuth und Stolz, nicht aus dem Geiste der Empörung, sondern weil es Christus, der König der Könige, also befohlen hat. DaS ist der Geist, in dem wir Christen handeln. Wenn wir den weltlichen Obrigkeiten gehorchen, so gehorchen wir Gott, wenn wir ihnen widerstehen, so gehorchen wir Gott, — Gott allein gebührt unser Gehorsam, unser Dienst und alle Ehre in Ewigkeit. 102 Christus ist „der Weg, die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater als durch Ihn" (Joh. 14, 6). Die Kirche aber ist die liebevolle Mutter, die Euch Christus gegeben hat, um Euch, ihre Kinder, auf diesem göttlichen Wege durch die göttliche Wahrheit zum ewigen Leben hinzuführen. Folget deßhalb, theure, geliebte Kinder in Christo, dem Herrn, folget der Stimme der Mutter, die Euch der gute Seeleuhirt gegeben hat und erfüllet vie Worte, die Er einst mit so liebendem Herzen sprach, als er sich mit dem guten Hirten verglich: „Die Schafe hören seine Stimme; er ruft seine Schafe mit Namen und führt sie heraus. Und wenn er seine Schafe herausgeführt hat, geht er vor ihnen her und die Schafe folgen ihm nach, weil sie seine Stimme kennen. Einem Fremden aber folgen sie nicht, sondern fliehen vor ihm, denn sie kennen die Stimme des Fremden nicht" (Joh. 1l), 3 u. ff.). O wahrhaft glückselig ist der Mensch , der so auf die Stimme des guten Hirten in seiner Kirche hört, der dem guten Hirten folgt, wohin er ihn führt, und der vor jenen Fremdlingen und Miethlinaen flieht, denen an den Schafen Christi nichts gelegen ist. Ja fliehet diesen Geist der Lüge, der jetzt in der Welt umgeht, um Eure Liebe zu Christus und zur Kirche zu erschüttern, und der fast durch jevcS ZeitungSblatt zu Euch spricht. Aergert Euch nicht und laßt Euch im Glauben nicht irre machen, wenn Ihr sehet, daß die Weltkinder die Kirche Christi hassen. Christus hat uns ja gesagt: „Wenn euch die Welt haßt, so wisset, daß sie mich vor euch gehaßt hat. Wäret ihr von der Welt gewesen, so würde die Welt das Ihrige lieben; weil ihr aber nicht von der Welt seyd, sondern ich euch von der Welt auSerwählt habe, darum haßt euch die Welt" (Joh. 15, 13). Der Haß gegen Christus uud seine Kirche hat dieselbe Quelle — die Bosheit des Herzens der Weltkinder; sie hassen Christus, »weil ihre Werke böse sind" (Joh. 7, 7). „Kämpfet also für den Glauben, der den Heiligen gegeben ist" (JudaS v. 3). „Es haben sich Menschen unter uns eingeschlichen, die längst dem Strafgerichte vor, herbestimmt sind, Gottlose, welche die Gnade unsers Gottes zur Befriedigung der Lüste mißbrauchen, und den einzigen Gebieter, unsern Herrn Jesum Christum, ver- läuguen. Wie aber Gott die Engel, welche ihre Würde nicht bewahrten,.... zum großen Gerichtstage mit ewigen Banden in der Finsterniß aufbewahrt hat; wie Sodoma und Gomonha und die umliegenden Städte, welche Unzucht trieben, zum Beispiele aufgestellt sind, eben so wird es auch diesen gehen, welche das Fleisch beflecken, die Obrigkeit verachten und alle Würde läugnen." Sie kennen weder die Kirche noch ihre Lehre, noch ihren Ursprung, noch ihren Geist, „aber sie lästern, was sie nicht kennen," fährt der Apostel Judas fort, „und das, was sie von Natur wissen, wird ihnen zum Verderben. Wehe ihnen, denn sie gehen den Weg des Kain, sind dem Irrthum Balaams, der Gewinnsucht ganz hingegeben und gehen zu Grunde im Aufruhr gegen Gott und seine Offenbarung wie Core." Sie sind wie Wolken ohne Wasser, die ohne alle wahre Weisheit und Wissenschaft von den Winden der TageSmcinungen umhergctrieben werden, wie Bänme des Herbstes, unfruchtbar im Guten und nur fruchtbar im Bösen, zweimal erstorben den Tod der Seele, indem sie erstens die wahre Liebe und zweitens den Glauben verloren haben, und auSgewurzelt, d. h. mit den Wurzeln, mit allen Fasern der Seele aus dem wahren Baume des Lebens, auö Christus und seiner Kirche herausgerissen, Sie sind wilde Wellen des Meeres, von ihren Leidenschaften uud blind.n sinnlichen Trieben hin und her gepeitscht, sie sind irrende Sterne, die sich der neuen Bahnen, worauf sie wandern uud woraus sie die Welt führen wollen, rühmen, ohne daran zu denken, daß sie hier auf Erden bald spurlos verschwinden werden und daß dann die Schrecken der Finsterniß ans ewig ihnen aufbehalten sind. Gott hat aber geweissagt und durch Enoch gesprochen: „Siehe eS kommt der Herr mit seinen Tausenden von Heiligen, Gericht zn halten über Alle, und zur Strafe zu ziehen alle Gottlosen wegen aller ihrer Werke der Gottlosigkeit, die sie verübt, und wegen aller der Lästerungen, die die gottlosen Sünder witer Gott ausgestoßen." „Sie sind murrende, stets klagende, nach ihren Lüsten wandelnde Leute," fahre 103 ich noch immer mit dem Apostel JudaS fort: „Ihr Mund redet stolze Worte und sie schmeicheln den Menschen um deS Gewinnes willen." Ihr aber, Beliebteste, erinnert euch der Worte, die vorhergesagt wurden von den Aposteln unsers Herrn Jesu Christi, die euch sagten, daß in der letzten Zeit Spötter kommen würden, die nach ihren gottlosen Lüsten wandeln. Das sin-d jene, welche sich selbst trennen von Gott und seiner Kirche, die fleischlich sind und den Geist nicht haben, d. h. die nur ihren menschlichen Eingebungen folgen und den Geist Gottes nicht besitzen, durch den allein man zum Glauben gelangen kann. Euch aber, Geliebteste, bitte ich mit demselben Apostel, bauet euch in euerm ganzen Leben, in euerm Denken nnd Wollen, fest auf euern allerheiligsten Glauben, betet im heiligen Geiste, erhallet euch in der Liebe Gottes und wartet auf die Barmherzigkeit unseres Herrn Jesu Christi zum ewigen Leben. In diesem Geiste der Liebe Gottes wirket auch für eure irrenden Brüder: diese strafet, nachdem ihr sie belehret habt, jene rettet, indem ihr sie auS dem Feuer, aus der Gefahr der ewigen Verdammung reißet, der Andern erbarmet euch in jener heiligen demüthigen Furcht, selbst zu fallen; betet ohne Unterlaß für euch und eure Anverwandte, für alle Arme, Kranke und Sterbende, für geistliche und weltliche Obrigkeit, für das Wohl der katholischen Kirche, für die Bekehrung aller armen Sünder. Hasset endlich wie ein beschmutztes Kleid Alles, was mit der Fleischeslust zusammenhängt. „Ihm aber, der euch ohne Sünde bewahren und vor das Angesicht seiner Herrlichkeit unbefleckt unv mit Freuden stellen kann bei Ankunft unsers Herrn Jesu Christi, ihm, dem alleinigen Gott, unserm Heilande durch Jesum Christum unsern Herrn, sey Ehre und Preis, Macht und Gewalt vor aller Zeit, jetzt und in alle Ewigkeit. Amen." '»iiM mA, d-r^—. i-^>), ^l-iltt-i! Z^.-iiT ".s»>oÄ,?k;Iii)'>«Ä ^ ^ . , . .«^ Centralafrika. Chartum, 29. Jan. 1852. Aus einem erst angelangten Briefe vom Provicar für Centralafrika, Dr. Knoblecher, entnehmen wir Folgendes: „Am Feste der unschuldigen Kindlein sangen wir in unserer Missionscapelle ein freudiges: Großer Gott, wir loben dich, dem Herrn für die glücklich überstandene Reise (von Wien) dankend. Alle meine Gefährten sind frisch und gesund angekommen (ein Umstand, welcher bei Erpeditionen in diesen Gegenden bisher fast beispiellos dasteht). Seit unserer Ankunft herrscht in unserm Etablissement, besonders aber in der neugeweckten Schule, regeS Leben. Man arbeitet fleißig an der Erziehung unserer kleinen Gehilfen (der Negerkinder), die unS mit Sehnsucht erwartet haben, und bereitet sich auf die nächste Erpedition und die Eröffnung der Station in den noch weit von hier gelegenen Gegenden deS vierten GradeS am weißen Flusse, wohin sich bereits einer der bei meiner Abreise nach Europa zurückgelassenen Missionäre im Januar 1351 begeben hat. Er weilt noch dort, um den auf meiner ersten Expedition für unS gewonnenen König der Bari-Neger, Nigila, von der Aufrichtigkeit meiner ihm damals geoffenbarten Gesinnungen neuerdings zu überzeugen. Ich erwarte mit der Ankunft der auf Ankauf von Elfenbein noch vor unserm Eintreffen in Chartum dahin abgereisten Expedition (die kommenden März zurückkommen dürfte) nähern Aufschluß über die Resultate der Bestrebungen jenes Missionärs zu erhalten. Auch von drei andern aus unserm Schiffe Stells mstutina zurückgelassenen Gefährten erwarte ich die Bestätigung der durch Loumime so eben erhaltenen Nachricht von der Ankunft der Dongola. Unser Schiff soll die lange Reihe der gefährlichen, mittleren Nilkatarakte siegreich zurückgelegt und festlich geschmückt in der Nähe jener Stadt gesehen worden seyn. Alles wundert sich daselbst höchlich über das Schiff, wie Eisen auf dem Wasser schwimmen könne." ' .-»iNvW .,s?sM'i»LiL ' '' -.^ . 104 Die Christiade. .,q„4,i!,G .,>ök..,^ "».n,Uial d?n!!i