Zwölfter Jahrgang. Sonntags-Beiblatt zur Angslmrger Pojheiwng. 11. April M AS. 1852. Dieses Blatt erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der halbjährige Abonnements»«!« kr., wofür es durch alle königl. bayer. Postämter nud alle Buchhandlungen bezogen werden kann. Am Charfreitag. Des Königs Fahnen zieh'n einher, Voran das Kreuz, lichtstrahlend, hehr, Daran den Tod das Leben litt, Und Leben aus dem Licht erstritt. Als auf der grimmen Lanze Stoß Aus wcitgespaltner Seite floß Ein Strom von Wasser und von Blut, Der rein uns wäscht in seiner Fluth, Erfüllt ist, was im Seherdrang In treuem Lied einst David sang Zu der erstaunten Völker Schaar: „Vom Kreuz herab herrscht Gott fürwahr!" O Baum, wie bist du schön u»d werth, Da dich des Königs Purpur ehrt: Aus würd'gcm Stamm hervorgethan, Solch' heil'ge Glieder zu umfahn. Heil Dir! an Deinen Armen zog Der Preis, der alle Welt aufwog, Du Wagbaum für des Leibes Last, Der allen Raub der Höll' erfaßt. Kreuz, einz'ge Hoffnung, sey gegrüßt, In dieser Heilgen Lcidensfrist! Mehr' allen Frommen Gottes Huld, Und tilge aller Sünden Schuld. Dich, Urquell alles Heiles, preist, Heil'gcS Dreieins, ein jeder Geist; Hast uns des Kreuzes Sieg gewährt, Nun sey uns auch der Lohn beschcert! 114 5UV Ein schönes altes Osterlied aus dem fünfzehnten Jahrhundert. Freu dich du werthe Christenheit Gott hat nuil überwunden, Die große Marter, die er leit, ^ Die hat uns nun entbunden. Große Sorge war uns bereit, Die ist jctzund gar hingeleit, Erstanden ist uns groß Seligkeit. Es ist ein österlicher Tag, Den mag kein Mensch gnug ehren; Den Gott, der alle Ding vermag, Sein Lob das svlln wir mehren. Christen nehmen des TageS wahr Und gehn samt zu der Engel Schaar, Da scheinet die liebe Sonne klar. Hochgelebter Herre Christ, Wir freuen uns allesamt heute, Und Alles was lebendig ist In aller Welt, weit und breite; Nun singet ihr Kinder und werdet froh, Es ist Alles geschehn also; Gelobt sehst du Maria. Als Magdalena ging zum Grabe dar In Trauern, wchmuthrcichc, Da sand sie zwei Eugel wunderbar Und grüßt sie demuthreiche: O Engel, liebste Engel mein, Wo ist doch nun der Meister hin, Und wo soll ich ihn finden? Der Herr und Meister ist nicht hie, Denn er ist auferstanden, Er ist so früh gen Galilee, Da ist er hingegangen; Aufstieß er der Hölle Thür Und führt die Seelen all hcrfür Wohl aus den schweren Banden. Gott der uns All geschaffen hat, Der laß uns nicht verderben, Sein Blut das er vergossen hat, Woll uns Genad erwerben. Wir loben dich, o reine Magd, Hast Keinem dein Fürbitt versagt, Du wollst unser Bestes werben. Ehre sey dem Vater und dem Sohn, Darzu dem heiligen Geiste, O Herre, unserer Sünden verschon' Zu dieser Zeit am meiste. , Gib deinen Fried und Einigkeit Von nnn an bis in Ewigkeit, So singen wir Hallcluja. 115 Der neue Aufschwung der katholischen Kirche» litt Ni'dlll t. l> !?1>L:^5,liusil>l^'-?L >U^d^U^Il'ill'»dZM I»!l ^i>>) ^iA>^ Dargestellt durch einen Protestanten in einem protestantischen Rlatte *1 jz? n» ,chiZ??tto?F in 1?a^ ,ÄS>>WjmZ^»»^i> -'Zau n^uxl -ism» ;q tmmm Wer in die Geschichte im Großen sieht, kann sich nicht verbergen, daß die römisch-katholische Kirche in neuerer Zeit einen höchst merkwürdigen Aufschwung genommen hat. JnS öffentliche Bewußtseyn ist er bei^uiisin Deutschland zuerst getreten seit der Gefangennehmung des ErzbischofS Clemens August von Köln, Einsichtige Protestanten (zu denen der Volksblattschreiber nicht gehörte), unseres jetzigen Königs Majestät an der Spitze, sahen gleich damals voraus, wohin ein solches Zusammentreffen ausschlagen muffe; weil jede Kirche, die auf den Namen einer christlichen noch irgend einen Anspruch hat, Waffen hat, an denen die Waffen der besten Gendarmerie stumpf werden müssen. Wenige Jahre darauf rief der falsche Prophet sein „Rom muß fallen!" — und von da an schien der Aufschwung erst rechte Kraft zu gewinnen. Und als endlich das Jahr 1848 mit'allen seinen Mächten der Finsterniß hereinbrach, und als Rom wirklich vor Menschenaugcn fiel, — da sahen wir erst daS Merkwürdigste: nämlich das Rom auch ohne Rom leben kann, und die katholische Kirche ent, faltete in den verschiedenen Theilen der Welt ihre lebhafteste Thätigkeit, während im Vatican die rothe Republik thronte und der Papst ein verbannter Flüchtling war. . . Zu einer Zeit, wo die europäische Welt von den größten Erschütterungen zerrissen war, und zwei Jahrhunderte lang in unserer protestantischen Kirche unter dem nicht endenden Streit der Schlachtfelder, der Höfe, der Kanzeln und Federn die seiner Kirche vom Herrn aufgetragene Mission reinab vergessen war, zogen unter Franz Xaver begeisterte Missionäre aus der katholischen in Schaaren zur Bekehrung beider Indien, fielen Tausende von Märtyrern in Japan, wurden ganze Länder, wie Paraguay, unter dem Schirme des Evangelii civilisirt. Zu einer andern Zeit, wo die Allmacht der StaatSmaschinen Alles, was Selbstständigkeit hatte, verschlang, und ihre tödtende Hand über Alles legte, waS fromme Vorzeit geschaffen, — erstanden aus der katholischen Kirche unter Vincenz von Paula und seinen Nachfolgern die neuen Schöpfungen christlicher Licbeömacht für die leidende Menschheit, — für die Kranken, die Gefangenen, die Armen, für die Verlassenen, die Verlornen, die Gefallenen, — die uns jetzt als Vorbilder dienen. Und selbst zu der Zeit, wo die Arbeit an der Zerstörung der Kirche auf unsern öffentlichen Lehrstühlen in voller Blüthe, und kaum ein Pfarrhaus war, in dem nicht daS Wort Gottes sammt den beschworncn Bekenntnissen leichter gewogen hätte als daS erste beste Regierungs- Rescript und als der erste beste Einfall eigener Klugheit oder Trägheit, — ging die Hälfte der französischen Geistlichkeit willig in die Gefängnisse der Revolution, auf daS Blutgerüst und in die Verbannung, ehe sie einen Eid geleistet hätte, der ihr kirchliches Gewissen verletzte.. . Doch wir wollten uns nicht in die Vergangenheit verlieren, sondern die Zustände, wie sie diese Neujahrssonne beleuchtet, so unbefangen als möglich beobachten. — Eine in sich einige, geschlossene Macht, die weiß, was sie will, macht die katholische Kirche gerade in Zuständen der Auflösung um sich her ihre größten Eroberungen, alle Zeitströmungen kommen ihr zu Nutze. Auf den deutschen Einheitsschwindel baut sie den Kölner Dom; in den vagen „constituirenden Versammlungen" greift sie mit sicherer Hand nach den bleibenden Gütern: Kirchen- und Unterrichtsfreiheit; mit den Errungenschaften ziehen, deS Verbotes ledig, ihre Missionen durch die Länder; von allem aufgeschossenen Associationswescn der tollen Jahre ist der feste Zusammenschluß des deutschen Episkopates, mit dem großen Umkreis der „katholischen Vereine", der sich an ihn lehnt, fast das einzige solid übrig gebliebene. DaS herrenlos gewordene Belgien nahm sie für sich zu einem Hauptquartiere in Beschlag; aus den ungewissen Geburtswehen und der Ratlosigkeit Alt, Englands ') Durch Herrn Philipp Nathusius in dem von ihm rediqirtcn, in Halle erscheinenden „Volksblatt für Stadt und Land", Nr. 3 vom 10. Januar 135L. US gehen neue feste Stellungen für sie hervor; auf den Ruine» Frankreichs pflanzt sie ihr schirmendes Banner ans; aus den mecklenburgischen Verfassungswirren tauchen ihr AnfangSpuncie auf in diesem alt-lulherischcn Lande; mit der Reaction in Oesterreich nimmt sie einen neuen Flug, und ist die einzige, die, dort wie in Frankreich, in der allgemeinen Knebelung, die der wüsten Zerrüttung nothwendig folgt, Freiheil für sich davonträgt. ES ist eine merkwürdige Erscheinung: in ihrem Mittelpunkte selbst aus einem Vulcan sitzend, bietet sie sich fernen mächtigen Reichen als gesuchte Stütze dar; wo sie Eigenthümerin und politische Gebieterin ist, nur durch fremde Waffengewalt sich behauptend, tritt sie als Herrscherin auf, wo sie die bloß geduldete ist, erkämpft kühne Siege, wo sie die gedrückte und mißhandelte ist, und verlangt nur freie Hand und Gleichstellung, um entschiedener Forlschritte gewiß zu seyn. In einem katholischen Lande nach dem andern ihrer änßern Machl beraubt, ihrer Reichthümer geplündert, gewinnt sie eben auö der Armuth und aus der bürgerlichen Zurücksetzung neue Macht, so daß nichts ihrer innern Entfaltung dienlicher erscheint als eben diese „Säcularisationcn", die sie nun außer Italien nachgerade fast überall betroffen haben. Vielleicht will ihr Gott der Herr ihre äußere Herrlichkeit auch in jenem Lande erst noch zerscheitern, damit sie erst ganz auf Ihn und seine innerlichen Gaben gewiesen werde. — Aber, wo sie eben ausgezogen worden ist bis aufs Hemd, an Geld und Mitteln fehlt'S ihr nie zu neuen Schöpfungen und auch an Herzen und Händen nicht, die ihr auch ohne Schätze und Dotationen — ja in allen Entbehrungen dienen. — Eine andere Merkwürdigkeit, die wir an der katholischen Kirche beobachten, ist: wie die äußersten Gegensätze sich in ihr zur Einheit verbinden. Wenn man ihr Gestalten betrachtet, weiß man nicht, soll man sagen: sie strebt zum alterthümlichsten Alterthume zurück? oder: sie folgt dem neuesten Fortschritte der Zeit? Während sie in ihren erschlafften Mönchsorden die strengsten ältesten Regeln mit Energie wieder herstellt, und zu der äußern Zucht (wenn wir protestantischen Nachrichten aus Flandern und Westfalen Glauben beimessen) sich auch die inwendige Inbrunst der alten Zeit neu zu gestalten scheint: geht sie eben so willig in die modernste Form deS VercinswcsenS ein. Unter die staunenden U^nkees und Bruder Jonaihans der neuen Weil tritt ihr stummer Mönch von La Trappa mit dem memenw mori, dem einzigen Lebenszeichen, daS über seine Lippen kommt; und in Städten und Dörfern Schlesiens hängt sie, den Demokraten nachahmend, ihren Zettelkasten aus, und beantwortet dreist in öffentlicher Versammlung, wo Jedermann Zutritt und Wort hat, jede hineingeworfene Frage der Zeit und der Kirche. Ueberall ist sie mit dabei: ihr Erzbischof von Paris fällt auf den Barricaoen, wo er sein Hirrenwort den Kugeln e-ntgegensetzt, und kaum sind die Meuterer geknebelt, so erbietet sich eine ganze fromme Bruderschaft, ihnen als die Freunde und Hüter der Unglücklichen in die Deportation zu folgen, wohin cö sey. Zu ihren wiederbelebten alten Kongregationen fügt sie neue, die sich neuen Aufgaben der christlichen Barmherzigkeit widmen.*) — Während bei uns alle Berge von „Verfassungsfragen" kreißen und, wenn eine MauS zu Tage kommt, Proteste von links den Protesten von rechts her begegnen, bis die arme MauS wieder todt prote- stirt ist: zieht die katholische Kirche mit sicherer Hand, ohne ein Wort zu verlieren, auS dem alten Schatze ihrer Traditionen daS Provincialconcil der Bischöfe, die Diö- cesansynode jedes Bischofes mit seinen Pfarrern wieder hervor. Während bei unS auf allen Versammlungen die Frage nach dem gegenseitigen Verhältnisse des Amis und der freien Vereinslhätigkeit bis in alle Ecken der Theorie hinein principiell diScu- tirt wird, und man alle die Scrupcl, wenn man auf das, waS wirklich von „Thätigkeit" eristirt, sieht, fast „viel Lärmen um nichts" z» nennen versucht wird: wirft die katholische Kirche, ohne alle Theorie und DiScussion, ihre großen zusammenhängenden Netze freier Vereine über die Länder: ihre Vincenz-Vereine für die männliche, - ') Eine der neuesten, die der treres gßronomes (ackerbaukundigen Brüder) mit einer bischöflich approbirtcn Ordensregel und in der Ordenstracht des blauen Leinwandkittels, lernte der Schreiber dieses in ciiiem Knabenrettungshause im nördlichen Frankreich kennen. 117 ihre HedwigS>Vereine für die weibliche Armen- und Krankenpflege, ihre Franz-RegiS- Vereine für die Siltigung wilder Ehen, ihre Marien Herz-Vereine für daS Gebet um die Bekehrung der Unbnßfertigcn, ihre Franz-Xavcr-Vercine für die Mission unter den Heiden, ihre BonifaciuS-Vereine (der zurückgewandte Gustas-Adolsö-Verein) für die Kirche in Deutschland, endlich ihre „katholischen" oder Piuö-Lcreinc, deren Generalversammlung, gleich unserm Kirchenlage, aber mit ganz anderer Einheit uud Einigkeit, von Jahr zu Jahr durch Deutschland wandert. — Einen ganz vorzüglichen Werth legt die katholische Kirche (wir glanben auch darauf noch aufmerksam machen zu müssen — in demselben Sinne, in welchem wir überhaupt auf sie aufmerksam machen, nämlich unS zur Lehre) auf die UnterrichlSfreiheit und auf deren Benutzung, wo sie sie besitzt oder erlangt. In Frankreich wimmelt es (wie ein jung-deutscher Reisender aus Frankreich schreibt) seit der UnterrichlSfreiheit des neuen Gesetzes von Lehrbrüdern und Schwestern gerade so, wie von Schützen, wenn die Jagcsreiheit ausgeht, und fortwährend, wie unser monatlicher Gerichtsbericht schon im Frühjahr erzählte, leeren sich die StaatSschulen und füllen sich die neuen kirchlichen. Derselbe Kampf wirv in Irland getämpft, wo man mit eben so großer Energie als Opferfreudigkeit an der Errichtung einer kirchlichen Universität und der Meidung der StaalS- lehranstaltcn arbeitet; denselben sehen wir im Einzelnen in Deutschland, wo die im- provisirle Facultäl Mainz in einem Momente die Gießener Professoren schülerlos als alleinige Bewohner der StaatSfacultät zurückgelassen hat. Die Liberalen in Belgien haben so stark erfahren, wie sehr sie bei der Freiheit den kürzern ziehen, daß ihre Kammcrmajorilät nach lebhafter Gegenwehr der Katholiken den StaatSzwang an der Stelle des freien Unterrichts wieder hergestellt hat. In Sardinien hofft die revolutionäre Negierung auf dieselbe Weise der Kirche einen Todesstoß beigebracht zu haben; aber eine Kirche, die Zeugen und Märtyrer findet, wie dort, lacht der Todesstöße durch StaatSmaaßrcgeln; sie wird doch noch lriumphiren. — Durch einfache Stanv- haftigkeit bei der EiveSfrage hat sie auch bei unS iu Preußen einen entschiedenen Schritt vorwärts über das Schulwesen gewonnen; in Nassau hat sie so eben die Scheidung des Staats-Schullehrer-SeminarS in zwei confessionelle erlangt. So sehen wir sie überall im Vorschreiten nach gleichen Grundsätzen, auf gleichen Wegen. — Aehnlich in der Organisation und in der Unabhängigkeit ihres Episkopats. Wie voriges Jahr in Oesterreich, so hat sie durch die neuesten Unterhandlungen auch im südwestlichen Deutschland (der oberrheinischen Kirchcnprovinz) Aussicht, der Bevormundung der Regierungen loser zu werden. In Hannover wird ihr ein zweites BiSthum zugestanden: auf ein BiSlhum Hamburg sind im Stillen, wie man sagt, ihre Hoffnungen gerichtet. In England aber, mit dem nicht zu niuerhandcln ist. weil eö fortfährt, sie zu ignoriren, ctablirt sie erst um so kühner, ohne zu fragen, ihre ganze Hierarchie, und behauptet sie, im festen Bewußtseyn ihres Rechtes, trotz Pöbelocmonstrationen und Parlameutsbcschlüssen, die eines wie daS andere wirknngs- loS an ihr abprallen. Und in Nordamerika, in dessen weiten Ländcrgebietcn sie ungc» stört schaltet, wächst BiSlhum auö ViSthum hervor, und mitten unier dem hundert- fachen Sectenwesen steigt sie dort um so imponirentcr empor und überflügelt sichtbar alle andern Konfessionen. — In dem auf die Reinheit seines Protestantismus stolzen England baut sie Kirche auf Kirche in mittelalterlich, r Schönheit, gründet Kloster auf Kloster, und bevölkert diese Klöster — nicht etwa mit Spaniern und Italienern, sondern mit der Jugendblüthe dcS Landes, mit den gelehrtesten Zöglingen teS prote- stantischcn OrfordS, mit begeisterten Eonvertiten. In dem Herzen von London legt sie den Grund einer erzbischöflichen Kathedrale, in der preußischen Hauptstadt errichtet sie, mit dem konigl. Bethanien wetteifernd, ein Krankenhaus großartigen Umfangs für Kranke aller Consessionen, Kirchen und barmherzige Stiftungen jedes Jahr in jeder Gegend von Deutschland. Und der glänzenden Reihe ihrer deutschen Eonvertiten, die mit dem ersten Anbruch dieses Jahrhunderts Friedrich Leopold von Stolberg eröffnet hat, schließen sich die neuesten in Mecklenburg an, aus die oben schon hingedeutet wurde. Dem Redacteur des einzigen vormärzlichen konservativen BlatteS, 1Z8 der dort schon vor mcbrern Jahren übertrat, sind nach einander die beiden Redacteure des nachmärzlichen „Norddeutschen Korrespondenten" und eine ganze kleine Reihe adeliger Grundbesitzer gefolgt. (Es werden jetzt ihrer etwa sechs an der Zahl seyn.) Erst in dem letzten Monate des nun abgelaufenen Jahres lasen wir wieder in den Zeitungen, daß ein junger begabter Evelmann auS alter Familie als einfacher Bruder in den Jesuitenorden eingetreten ist und ihm sein ganzes Vermögen als Mitgift gebracht hat. Und die Nachfolge noch eines andern ward in Aussicht gestellt. — Wahrlich deutliche Rufe genug für uns, uns zu ermannen zu dem Einen, waS uns noth thut, zu festen kirchlichen Ordnungen und Gemeinschaften, die Jeder, der in dieser Zeit in den evangelischen Kirchengemeinschaften zum Leben erwacht, mit Schmerzen sucht und — nicht'findet. WaS aber — zum Schluß — das Merkwürdigste ist in diesem Aufschwünge des Katholicismus, den wir bis Hieher betrachtet haben: daS ist gerade der mächtige Zug der Einheit, Alle Eifersucht auf Rom, die sonst einen GallikaniSmuS, einen AnglikaniSmus, einen GemaniziSmuS innerhalb jener Kirche ausbildete nnd nährte, scheint vor diesem Zuge verschwunden. Und Rom seinerseits läßt in gleichem Maaße von nationaler Engherzigkeit ab unv sucht seine neuen Car- dinäle unter den besten Männern aller Länder, um die katholische Kirche so wieder zu dem zu machen, waS sie seyn soll, einer wahrhaft „katholischen." — Segne Gott sie mit dem Besten, was Er hat, mit evangelischer Inbrunst, Kraft und Salbung! Dann wird auch alles ungerechte äußere Wesen, worin sie jetzt noch so oft ihren Fortschritt sucht, aufhören und eine Wiedervereinigung der zerrissenen Christenheit möglich werden. Der Freimaurerorden. Der Freimaurerorden ist in seinem Ursprünge eine Entartung der alten Bau- corporationen, denen sich manchmal Männer anschlössen, welche Nichts weniger, als die Ausbildung des eigentlichen Handwerkes, der Kunst im Auge hatten, sondern unter erborgter Hülle selbstsüchtige Zwecke verfolgten, wie es auf dieser Erde den geviegcnsten Vereinen schon ergangen ist und noch immer ergeht. Drei solche Mitglieder, der Physiker Dchagulierö, der Theologe James Anderson und Georg Payne stifteten in England eine ganz neue Gesellschaft der „freien Maurer," indem sie sich von der Bauzunft förmlich losmachten, und ein praktisches Surrogat der durch die Reformation gebrochenen christlichen Einheit dadurch bilden zu wollen vorgaben, daß sie jedes Mitglied des neuen Bundes zu jener Religion verpflichteten, in der alle Menschen übereinstimmen, zur Vcrnunftreligion der „Ehrlichkeit" mit der Grundlage der Freiheit, Gleichheit und Bruderliebe, mag übrigens jedes Mitglied bei seiner besondern consesfionellen Meinung verharren. ES wird uns hieraus erklärlich, wie der Freimaurerorden bald nach seiner Entstehung durch ganz Europa, namentlich in Deutschland, eine Ausdehnung gewonnen, wie nicht leicht eine andere Genossenschaft, und wie er noch bis znr Stunde explieite und implicite tausend und aber tausend Mitglieder zählt; denn der Satan als Engel des Lichtes zerstört mehr denn als brüllender Löwe. Schon die gcheimnißvollen Ceremonien der Aufnahme in den Bund, der gräßliche Eid, den jedes Mitglied schwören mußte, die ganze Organisation des Bundes in die verschiedenen Logen und Grade müssen uns zum Schlüsse führen, daß hier etwas Großes, aber Schlechtes im Schilde geführt werde.. Tendenz der Vereinöleiter war und ist: Auflösung aller positiven Religion und grundsätzliche Einlenkung in die Bahn deS Deismus und Pantheismus, und in Folge dessen deS heidnischen Staates. Aber nur sachte und klug die Maurerarbeit verrichtet! Lassen wir den Befangenen vor der Hand noch daS Spielzeug des consesfionellen Glaubens als Privatmeinung, nehmen wir die großen Worte? wie sie die katholische Kirche im Mitielalter gesprochen und geübt, für unS jetzt als ausschließendes Monopol in *) Salzburgcr Correspondent, 119 Anspruch, die Worte: „Nächstenliebe, Gleichheit, reines ächtes Christenthum, Humanität," singen wir, um die Schmerzen der Auflösung alles Positiven mit Chloroform zu betäuben, salbungsvolle Toleranzlieder von der reinen Lehre und Liebe Jesu, meißeln wir fleißig im Stillen an den schroffen Ecken der konfessionellen Gegensätze, legen wir Minen zur Nachtzeit, und eines schönen Morgens wird nichts mehr da seyn, als konfessionslose Wüste und Leere, in der wir dann positiv hervortreten können und werden, mit unserer „professionellen" Schöpfung des modernen HeidenthumS. Zu diesem Ende mußte ein großartiges Corruptionssystem auSge>'nrien und durchgeführt werden. Alle auf Wissenschaft, Kunst, Schule, Staat und Kirche Bezug Habente Stellen wurden von den Freimaurern in Beschlag genommen, und vornehmlich die Presse sollte als Freimaurcrhammer dazu dienen, die katholische Lehre und Hierarchie, vorzugsweise deu Primat, in Staub zu zerschlagen. Den Fels der Kirche konnte wohl dieser Hammer nicht zertrümmern, während seine Streiche den Protestantismus tödtlich verwunden mußten, und dessen Selbstauslösung wesentlich beschleunigt haben. Allein läuguen dürfen wir eS nicht, daß der Freimaurerorden auch die Reihen der wahren Katholiken hin und wieder gelichtet habe, und daß er noch heut zu Tage in der Presse, in der Wissenschaft, Kunst, in Kirche und Staat mehr Anhänger zählt, als wir vielleicht meinen. Oder ist nicht er der Vater des FebronianismuS in Kirche und Staat, des PaganiSmuS in Wissenschaft und Kunst, des Humanismus, der die christliche Liebe verdrängt, ja ihr den Namen gestohlen hat und auf riesigen Ball- und Theateranzeigen zur „Wohlthätigkeit" einladet, der da ißt und trinkt und tanzt für den Hungrigen, Durstigen und toceSmüden Kranken, um nur die Idee des katholischen ArmeninstituteS Paralysiren und sagen zu können: „Wir brauchen die Kirche nicht mehr." Einer der scharssinnigsten Historiker unserer Tage hat die religiöse oder vielmehr irreligiöse Wirksamkeit deö Freimaurerordens mit den treffenden Worten gezeichnet: „In katholischen Staaten, wo eS einen Katholicismus zu stürzen und den Bund zwischen Kirche nnd Staat zu sprengen, — in confessionell-gemischten, wo eS Katholiken zu helolisiren, — und in rational- und union-protestantischen, wo eS Altlutheraner vernünftig und unionsgesinnt zu machen gab, hat die Freimaurerei theils als mächtiges Werkzeug deö kirchenstürmenden und revolutionären Absolutismus von Oben herab, theils als thätiger NevolutionSherd hinaufgewirkt und ihren nie außerhalb ihrer Mitte geltenden Grundsatz der Brüderlichkeit, Liebe, Hilfe und Treue eifrig dazu benützt, überall die Ihrigen einzudrängen, ans Nuder zu bringen, zu protegiren. und aus diese Weise Kirche, Staat, Gemeinde, Familie, Alles sich im Geheimen unterzuordnen." ES leuchtet wohl von selbst ein, daß diese antichristliche Tendenz auch eine Todfcindin deS „christlichen" Staates seyn müsse, und daß somit die Freimaurerei, so sehr sich auch die Mohrin rein waschen will, dem Staate noch weit gefährlicher ist als der Kirche. Ist eS unläugbare Thatsache, daß Europa nur dem Christenthume die hohe politische Stufe unter den Völkern der Erde verdankt, so ist eS nicht minder apodiktisch wahr, daß Europa in eben dem Augenblicke, in dem es in seinem politischen und socialen Leben vom Christenthume abfällt, tiefer zurückfällt, alS je ein Welttheil gefallen, und darum vor dem im Finstern gezückten Dolche deS MeuchlerS wohl sich zu versehen hat. Ein solcher Meuchler ist jeder verkappte Feind der katholischen Kirche, ist der Freimaurer insbesondere, der desto sicherer und unbehinderter gleich dem Satan selbst arbeitet, je mehr Die Mehrzahl geneigt ist, die Existenz der Freimaurerei für eine Chimäre zu halten. Die Kirche hat mit psycholo- gischem Scharsblicke, geleitet vom Geiste Gottes, diesem unheimlichen Unwesen gleich im Beginne auf den Grund gesehen. Die Päpste Clemens XII., Benedikt XIV., PiuSVII., Leo XII., Gregor XVI. und PiuS IX. haben ihr verdammendes Wort über diese und andere geheime Gesellschaften gesprochen, und die in neuester Zeit in verschiedenen Blättern veröffentlichten Documente über die Freimaurerei, die unser Haar sträuben machen über die infernale Konsequenz dieser Gesellschaft, überheben mich wohl aller weitern Mühe, jene Verdammungsbullen vor dem Forum der Geschichte und der 120 gesunden Vernunft zu rechtfertigen. Während ein Prinz von Preußen sich an die Spitze dieser Gesellschaft stellt, während ein Napoleon des Friedens in seltsamer Inkonsequenz einen seiner Verwandten als Großmeister der Freimaurerloge autorisirt, während selbst sonst klardenkende, hellsehende Männer die Sache als Phantom belächeln, macht ein tief eingeweihtes Mitglied dieser Gesellschaft folgendes Geständnis: „Der römischen Hierarchie muß man die Gerechtigkeit widerfahren lassen: sie erkannte Zweck und Tragweite dieses Bundes und die Wichtigkeit desselben früher und klarer und blieb ihren Ansichten treuer als viele Glieder des Bundes selber." (Deutsche Viertel- jahrSschrift 184k. I. Heft.) So wird die katholische Kirche auS dem Munde ihrer Todfeinde gerechtfertigt, so wird sie zur Lehrmeisterin der Politik, indem sie die Revolution in ihrer Wurzel, in den „großen" Grundsätzen deS Jahres 1789: Freiheit, Gleichheit und Bruderliebe aufaßt und ausrottet. Wir begrüßen daher vr. Ecker tS Gesuch an den Bundestag um Aufhebung deS Freimaurerordens als einen kühnen, katholischen Griff, als einen Act welthistorischer Bedeutung, und die „Presse" hatte nicht nothwendig, diesem Manne, der mit seltenem, höchst empfehlenSwerthem Frci- muihe für Kirche und Staat in die Schranken tritt, Bescheidenheit zu empfehlen Unser Motto ist: „Kein Recht für das Unrecht!" Oberschlesien. NIl!l! )!!!! UI, !^ - - > , Während die Missionsprediger mit unermüdlichem Eifer das Licht des Glaubens zu neuer Glut anfachen, halten die aus Westfalen zu unS herübergewanderten Väter vom Orden des heiligen FranciscuS hier auf dem Annaberge Bußpredigten eigenthümlicher Art, die von Hohen und Niedrigen beherzigt werden. Zwar sind sie meist von polnischredenden Anwohnern umgeben; das gewöhnliche Mittel gegenseitiger Verständigung, die Gemeinschaft der Sprache, fehlt — und dennoch werden sie verstanden und begriffen. Der armselige Habit, die unbekleideten Füße, das harte Lager, die dürftige, erbettelte Nahrung verschließen den Mund deS armen Polen, wenn ein Klagelaut sich hervordrängt. Die Freude und die Freudigkeit, welche er in den Mienen des armen FranciscanerS erblickt, weisen ihn hin auf die Verheißung deS Herrn, daß die Armen selig und ihrer das Himmelreich seyn werde. Der Reiche fühlt sich beim Anblicke deS um deS höchsten Besitzes willen alles irdischen Besitzes entblößten PaterS beschämt und belehret. „Was nützt dir alleö," denkt er bei sich, „wenn du nach den flüchtigen Tagen deS Wohllebens deine Seele verlierest? WaS hast du bis jetzt für dein ewiges Heil gewirket? Wie wird deine Rechnung stehen, wenn du so hinübergehst und hintrittst vor den Richter der Ewigkeit?" Von ähnlichen Gefühlen und Gedanken mochten die Protestanten überrascht und bewältigt seyn, welche mit den PatreS zusammentrafen. In Minden, Hannover, Braunschweig, Berlin. Frankfurt waren diejenigen selten, welche ein Wort des Spottes oder ein Hohnlächeln sich erlaubten: die Mehrzahl der Protestanten behandelte die Patres mit Hochachtung und gewährte ihnen gern das Brod oder das Obdach, um welches sie baten. In der freiwilligen Entsagung liegt eine Kraft, der daS Herz deS denkenden Menschen sich nicht verschließen kann. Kälte und Hitze, Hunger uud Durst, Geringheit und Verachtung aus höheren Gründen gern übernehmen, das ist ein Thun, welches im Christenthum seine Wurzel, im Leben deS Heilandes und der Apostel seine Richtschnur und sein Vorbild findet. Der Heldenmuts) dieser Männer, so wie die Hochachtung, die man ihnen spendet, sind Zeugnisse von den Elementen, die noch im Volke leben. Verzweifeln wir darum nicht in unserer Zeit! Das Samenkorn, daS die Söhne deö hl. FranciScuS ausstreuen, sprießet schon jetzt auf; cS wird rascher und freudiger aufblühen, so bald sie durch Aufnahme neuer, schon angemeldeter Mitglieder im Stande seyn werben, durch ihr Wort das zu deuten, was ihr Wandel ahnen läßt. Gesegnet das Land, wo solche Apostel austreten, die alles für AuS- kehricht hallen um der Liebe Christi willen und selbst als Verworfene gelten mögen, um Andere zu retten! (Münst. Sbl.)__ Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. BerlagS-Jnhaber: F> C. Kremer.