Zwõlfter Jahrgang. Sonntags⸗Beiblatt zur Augsburger Poſtzeitung. 16. Mai Nr. 20. 1852. Dieſes Blatt erſcheint regelmaͤßig alle Sonntage. Der halbjährige Abonnementspreis 40 kr., wofür es durch alle königl. bayer. Poſtämter und alle Buchhandlungen bezogen werden kann Leichenrede zu Ehren des hochwürdigſten Herrn Aloiſius Maria Blancis, Biſchofs von Syra, apoſtoliſchen Delegaten von Griechenland, gehalten von Nikolaus a Marinelli, Profeſſor der Theologie und apoſtoliſcher Miſſionär. Ein trauriger Anblick! Ach mein liebes Vaterland, welch großer und ſchrecklicher Unfall hat ſich innerhalb deiner Mauern ereignet! Heilige, theuerſte Metropole, warum haſt du dein feſtliches Kleid ausgezogen, warum geheſt du nun in Trauerkleidern einher? Heiliger Biſchof, warum iſt dein edles, menſchenfreundliches Antlitz wider Gewohnheit entſtellt? Drohet vielleicht Gefahr oder Unglück? Geliebte Mitbrüder, hochwürdige Prieſter, warum ſeufzet ihr alle? Liebe Mitbürger, warum weinet ihr alle? Edle und ehrſame Zuhörer, aus welcher Urſache ſtehet ihr da, ſtumm von Schmerz, mit Thränen in den Augen? Was iſt geſchehen? Wahrlich ein unerwartetes Ereigniß! Der unerbittliche Tod hat uns plötzlich unſern ehrwürdigen, frommen, theuren Vater geraubt, unſern Biſchof, der fünfundzwanzig volle Jahre hindurch dieſer Diöceſe vorſtand! Ein trauriges Ereigniß, das jedem Herzen die tiefſten Seufzer, jedem Auge Thränen entlockt. Ein Ereigniß, das auch beſonders mich Unwürdigen aus tauſend Gründen zur Theilnahme an jener allgemeinen Trauer zwingt; das mich in die Nothwendigkeit verſetzt, ſtatt eine Leichenrede zu halten, ſtatt unſern ehrwürdigen und tugendhaften dahingeſchiedenen Vater zu preiſen, um Nachſicht zu bitten, und von der mit ſchwarzen Tüchern behängten Kanzel herabzuſteigen, und ſtatt mit Worten, nur mit tiefen Seufzern und heißen Thraͤnen des Dahinſcheidens unſeres theuern Vaters zu gedenken. — Doch das iſt etwas Unmögliches! Sowohl meine kindliche Dankbarkelt gegen Ihn, ds auch eure gerechte Erwartung und ſein heiliges Recht, welches Er auf umfere Liebe, unſere Trauer und unſer Lob hat, nöthigen mich, daß ich für den Augenblick mein Herz opfere, meine Trauer und meinen Schmerz zurückhalte, kurz mir ſelbſt Gewalt anthue, und euch unſern verſtorbenen, ehrwürdigen Seelenhirten (in wie fern es die Kürze der Zeit und unſere ſchwachen Kräfte erlauben) vorſtelle als großen Wohlthater der Menſchheit, als mermüdet eifrigen Biſchof, als frommſten Diener Gottes ſeinem öffentlichen, prieſterlichen und Privatleben, damit ihr dadurch angefeuert werdet, um Ihn zu trauern, Ihn zu lieben, ſeine chriſtichen Tugenden nachzuahmen und für die Ruhe ſeiner dahingeſchiedenen Seele zu beten. 154 Als ein neuer Wohlthäter der leidenden Menſchheit ward unſer Aloiſtus nahe bei Turin, der Hauptſtadt Piemonts, am 26. December 1770 von tugendhaften, katholiſchen Eltern geboren. Den Vater verlor er ſchon in ſeiner allerfrüheſten Kindheit, die Mutter im ſechsten Jahre ſeines Alters. Deſſenungeachtet erhielt er eine aͤusgezeichnete, chriſtliche Erziehung, moraliſche und wiſſenſchaftliche Bildung in den verſchiedenen Schulen und Gymnaſien der Hauptſtadt durch die Sorgfalt ſeines eifrigen Erziehers. Als Er das geſetzliche Alter erreicht hatte, entſchloß Er ſich Prieſter zu werden und in den ehrwürdigen Orden des heiligen Franciscus strengster Observanz zu treten, um das Eine Nothwendige nicht zu verlieren (porro unum est necessarium, Lucas 10, 42) und in den Stand geſetzt zu werden, ſeinem Nächſten zu nützen. Und es ſcheint fürwahr, daß die Natur ſelbſt unſerm Aloiſtus den Drang eingepflanzt habe, ſeinem Nebenmenſchen zu nützen, welchem Volke, welcher Religion er auch immer aͤngehören möge. Der Erfolg zeigt am beſten, daß die göttliche Vorſehung Ihm den erhabenen Beruf eines Wohlthäters der leidenden Menſchheit im Allgemeinen angewieſen habe. Und in der That, nicht zufrieden die verſchiedenen Seelenleiden ſeiner Mitmenſchen in dem Vaterlande zu ſtillen, verlangte unſer Aloiſius als apoſtliſcher Miſſionär in die Levante geſchickt zu werden(vom Himmel dazu berufen, wie es ſcheint) und es gelang Ihm endlich nach vielen Kämpfen, dieſes ſein Verlangen durchzuſetzen. Im Anfang des jetzigen Jahrhunderts kam Er in das Vaterland des heiligen Polykarp. Es iſt unbeſchreiblich, mit welcher Hingabe, mit welchem Eifer Er ſich nun gänzlich ſeinem edlen Berufe widmete, auf jede mögliche Art und Weiſe der leidenden Menfchheit zu nützen. Es ſcheint mir ich ſehe Ihn, Allen Alles geworden, um alle Chriſto zu gewinnen, wie ein zweiter heiliger Paulus. Darum ſehet Ihn jetzt in Smyrna als Lehrer von Kindern der verſchiedenſten Nationen mit verſchiedenen Sprachen, der Griechen, Italiener, Türken, Armenier und Araber. Da lernte Er noch die ilitiſche Sprache, um die religiöſen Bedürfniſſe der Ilirier zu befriedigen, welche damals keinen Prieſter hatten, der ihre Sprache verſtand; dort ſuchte Er die geiſtigen und körperlichen Gebrechen der Menſchen im Allgemeinen zu heilen. Das zeiſtige Bedurfniß der Katholiken rief ihn von der Hauptſtadt in das Dorf Burnabat. Von da kehrte er zum Drittenmale nach Smyrna zurück, um die Leitung ſeiner lieben Schule zu übernehmen und von der Schule weggerufen bekam er die Aufſicht uͤber das dortige Kloſter ſeines Ordens. Dieſem Berufe ſtand er mit größtem Eifer, einer ſeltenen Umſicht und unermüdeter Thätigkeit vor. Hier iſt es, wo ſich die ſchwierige Laufbahn unſers Aloiſtus eröffnet. Pfarrer, Guardian, Director eines Krankenhauſes, o mit welchem Eifer, mit welch unausſprechlicher Anſtrengung lindert und heilt er die vielen Gebrechen und Uebel der Leidenden! Damit aber begnügte Er ſich noch bei weitem nicht! Seinem unausgeſetzten Streben gelang es, ein geräumiges Krankenhaus zu erbauen, das beſonders für Peſikranke beſtimmt war. Unterſtüßt von der göttlichen Vorſehung, auf die Er ſich allein verließ, brachte Er dieſes Gebäude in ſehr kurzer Zeit zu Stande. Er ſelbſt leiſtete perſönlich nicht nur den gewöhnlichen Kranken, ſondern ſogar den Peſtkranken alle möglichen geiſtigen und körperlichen Dienſte; vertrauend auf Jeſus Chriſtus, ward er ſo ein Diener, Beſchützer, Geſellſchafter und Vater der Kranken, deren unzaͤhlige Leiden und Schmerzen er linderte und heilte, wurde aber dadurch ſelbſt von der Peſt angeſteckt. Doch zurück, unheilvolle Seuche, zurück verwegene, wage es nicht ein ſo theures, gellebtes und nothwendiges Leben anzutaſten! — Die öffentlichen Gebete der Bewohner Smyrna's ſtiegen empor zu dem Throne des Allerhöchſten, und die unheilvolle Seuche verſchonte dieſes koſtbare Leben! Mit welcher Begeiſterung, mit weicher Hingabe Er ſich von nun an einzig und allein mit allen Kräften dem Dienſte der Peſttranken weihte, iſt nicht auszuſprechen,— ſo daß ſein Heldenmuth ſelbſt die Bewunderung der Weltweiſen und das Lob der Schriftſteller ſich erwarb. So ſchrieb 155 der gelehrte Madrole (Le prêtre devant le siecle pg. 346)„Cependant l'Abbé Luig fondait à Smyrne un hospice de Pestiférés qu'il soignait lui-même impunément à la fagon de Belsuna, au point de ravir le Philosophe Morellet dans son voyage en Sicile.“ Darum wird das Vaterland des heiligen Polykarp das Andenken dieſes tugendhaften und ehrwürdigen Wohlthäters der Menſchheit ewig bewahren. Doch nicht Smyrna allein ſollte ſich eines ſo großen Mannes rühmen. Ihn erwartet mit offenen Armen die ſchöne Stadt Conſtantins, die Hauptſtadt des türkiſchen Reiches, damit er da wirke als Provincial ſeines Ordens zum Beſten der dortigen Katholiken. Ja eine unzählige Schaar unſerer getrennten Brüder der morgenlaͤndiſchen Kirche, Männer, Frauen, Jünglinge und Greiſe, Reiche und Arme harren ſeiner in dem ehrwürdigen Byzanz, damit Er ſte, als ein wahrer Bote des Friedens, von der fanatiſchen Wuth des ottomaniſchen Barbaren errette, der damals wegen des griechiſchen Befreiungskrieges vorzüglich gegen die Chriſten raste. Doch wo iſt die Zeit uns gegönnt, wo nehmen wir die Kräfte her, Alles das genau zu ſchildern, was dieſer edle Menſchenfreund zum Beſten ſeiner Mitbrüder gethan hat. Ueberlaſſen wir dieſes der Geſchichte, welche als unparteiiſche Richterin ſich beeilen wird, die herrlichen Thaten dieſes edlen Wohlthäters des menſchlichen Geſchlechtes der Nachwelt aufzuzeichnen und gehen wir jetzt weiter, betrachten wir unſern Aloiſius als unermüdet eifrigen Biſchof. Aloiſtus wurde im Jahre 1825 vom allgemeinen Vater der Chriſtenheit Leo XII. ſeligen Angedenkens zum Biſchofe dieſer Diöceſe gemacht, und es iſt unausſprechlich, mit welchem Eifer, mit welch gänzlicher Hingabe Er für das Wohl der Ihm anvertrauten Heerde wachte. Ihr wiſſet es, Bewohner von Syra, es iſt euch wohl bekannt, was der Dahingeſchiedene in eurer Mitte gewirkt hat, ſo daß es nicht nöthig iſt Alles beſonders aufzuzählen. Gedenket nur, ich bitte euch, welche ſchwierige Stellung Er und euer damaliger katholiſcher Gouverneur hatten. Gedenket, von welchen Gefahren Er euch befreit, wie Er fuͤr euch ſtets ſorgfältig wachte zur Zeit des Befreiungskrieges. Erinnert euch, wie angelegen Er es ſich immer ſeyn ließ, euch geiſtig zu bilden, mit welchem Eifer Er euch das Wort Gottes predigte, mit welcher Freimüthigkeit und ächt chriſtlicher Liebe Er ſich aller annahm, wie ſehr Ihm das Heil von euch allen am Herzen lag. Durch ſein Bemühen wurde mit eurer Beihilfe eure erhabene Domkirche zu Ehren unſeres Patrons des heiligen Georgius erbaut, wo wir uns heute verſammelt haben, deren Gründer zu beweinen. Seinem und eurem vereinten Bemühen gelang es die Sebaſtlanskirche zu vergrößern. Erbaut wurde in ſeinen Tagen die ſchöne Kirche zu Ehren der ſeligſten Jungfrau vom Berge Karmel; ferners die Kirche zu Ehren Mariä Verkündigung in Hermupolis auf Koſten eines Landsmannes aus eurer Mitte, und ſo viele andere kleinere Kirchen auf dem Lande durch ſeine und eure Hilfe, o Bewohner von Syra. Ferners wurde durch ſeinen Eifer und durch die Unterftützung des menſchenfreundlichen Frankreichs eine Schule für eure Kinder lange vor dem Zuſtandekommen der jetzigen erbaut. Eben ſo errichtete Er ein Seminar zur Heranbildung derjenigen, welche ſich dem geiſtlichen Stande widmen, und eine Mädchenſchule. Ein ſo brennender Eifer konnte ſich unmöglich auf den ihm angewieſenen Kreis von Syra beſchränken; darum ernannte Ihn der heilige Vater Gregor XVI. im Jahre 18838 zum apoſtoliſchen Delegaten von ganz Griechenland und Er wurde auch durch die Vermittlung des franzöſifchen und öſterreichiſchen Geſandten, Herrn de laGrainé und Proketſch v. Oſten von der griechiſchen Regierung als ſolcher anerkannt. Mit welchem Eiſer Er ſich nun der Leitung der kirchlichen Angelegenheiten in ganz Griechenland annahm, läßt ſich nicht mit Worten ausdrücken. Er beſuchte nun als apoſtoliſcher Delegat die Hauptſtadt, und unternahm im Jahre 1840 ſeine Viſitationsreiſe in die Pfarreien von Athen, Hiraklion(einer bayeriſchen Colonie), Nauplia, Patras und Navarin, Er ſetzte überall Pfarrer ein und hinterließ allenthalben die ſchönſten Beiſpiele ſeines wahrhaft apoſtoliſchen Lebens. Auch baute Er in allen dieſen Städten mit Hilfe der Chriſten (in Hiraklion beſonders durch die Unterſtützung 156 der Katholiken Bayerns) ſchöne katholiſche Kirchen. Endlich kaufte Er mit großer Aufopferung ein ſchönes Grundſtück zur Erbauung einer katholiſchen Domkirche in Athen, und hinterließ ſeinem Nachfolger die Ausführung dieſes herrlichen Unternehmens. Von Sr. Heiligkeit Papſt Gregor XYVI. wurde Er dann im Jahre 1840 als apoſtoliſcher Adminiſtrator des Erzbisthums von Naxos berufen, wohin Er ſich ſogleich von der Hauptſtadt aus begab. Iſt es zu wundern, wenn ein Mann, der ſich ſo ganz dem Wohle der Menſchheit widmet, die Achtung und Liebe Roms, Griechen— lands, ja des katholiſchen Europa's ſich erwirbt? Ja es befremdet mich nicht, wenn ich höre, daß Papſt Gregor XVI. zu einem unſerer Geiſtlichen*) ſagte:„Er(Aloiſius) ſey einer der ehrwürdigſten Biſchöfe der Kirche“ und Ihn zum„Praelatus domesticus Papae et Solio Pontificio assistens“ macht. Es befremdet mich nicht, wenn Päpſte, Katſer und Könige Ihn lieben und auszeichnen. Frankreich, Oeſterreich und Piemont unterſtützten mit Geldmitteln ſeine herrlichen Unternehmungen zum Nutzen der Menſchheit, zum Heile der Kirche. Seine Majeſtät unſer allergnädigſter König Otto beehrte Ihn mit dem goldenen und ſilbernen Kreuze des Erxlöſerordens, und der erhabene Herrſcher von Bayern Max J. mit dem Großkreuz des St. Michgelsordens, und die ganze Welt nennt Ihn einſtimmig den Wohlthäter der Menſchheit, den eifrigen Biſchof, wie wir bereits geſehen haben, und den eifrigen Diener Gottes wie wir noch kurz ſehen werden. Die Frömmigkeit des dahingeſchiedenen Biſchofs war ungausſprechlich groß. Alles gebrauchte Er zur größern Ehre Gottes, zum Heile der Seelen und zum Dienſte der Kirche. Darüber Einiges mitzutheilen, beſtimmt mich vorzüglich der Umſtand, daß ich mit Ihm zwanzig Jahre lang umgegangen bin und Ihn immer aufs Genaueſt beobachtet habe. Nie habe ich einen ſanftmüthigern Menſchen gekannt, nie einen demüthigern geſehen! Wie lebhaft war ſein Glaube, wie unerſchuüͤtterlich ſeine Hoffnung, wie brennend ſeine Liebe zu Gott und den Nächſten! Mit welch kindlicher Andacht verehrte Er das Jeſukindlein(von welchem Er nie ohne Thränen der innigſten Rührung predigte), die ohne Makel der Erbſünde empfangene Gottesgebärerin, den ſeraphiſchen Vater Franciscus und unſern heiligen Schutzpatron Georgl Wie ſtrenge war ſeine Enthaltſamkeit, ſo daß man Ihn oft ernſtlich darauf aufmerkſam machen mußte, daß ſein Alter und die vielen Gebrechen, an denen Er litt, Ihn hinlänglich vom kirchlichen Faſten diſpenſirten, welches Er bis ans Ende ſeines Lebens hielt. Bis zum vorletzten Tage ſeines Lebens unterließ Er das Breviergebet nie, ſo zart war ſein Gewiſſen! Als der Tod, den Er ſchon längſt erwartet, ſich Ihm nahte, ſah Er ihn mit feſtem Blicke an. Er ertrug mit chriſtlicher Standhaftigkeit die Leiden ſeiner kurzen Krankheit, und gab, geſtärkt durch die heiligen Sterbſacramente, geſtern Abends, d. i. den 30. October 1851 ruhig und getroſt ſeinen Geiſt in die Hände des Schöpfers zurück, unter den Gebeten und Thränen ſeines Nachfolgers und der anweſenden Prieſter, im 81ſten Jahre ſeines Alters, nachdem Er ſechsundzwanzig Jahre Biſchof, achtzehn Jahre apoſtoliſcher Delegat und einundfünfzig Jahre apoſtoliſcher Miſſionär in der Levante geweſen war. Und nun überlaſſe ich es Dir, Geſchichte, unparteiiſche Richterin, die glänzenden Thaten dieſes großen Mannes der Nachwelt zu erzählen, die Thaten dieſes ausgezeichneten Wohlthäters der Menſchheit, dieſes eifrigen Seelenhirten und frommen Dieners des Herrn. — Leſet darüber, Zuhörer, ich bitte euch! den berühmten Pater Alexius Narbon societatis Jesu aus Sicilien in ſeiner Geſchichte der Wiſſenſchaften tom. 8. 8. 333. Palermo 1833. Nun laſſet uns beweinen den geliebteſten Biſchof, Vater und Hirten. Ewig ſey ſein Andenken unter euch, ewig eure Liebe, eure Ehrfurcht und Dankbarkeit gegen Ihn. Ahmet beſtändig ſeine chriſtlichen Tugenden nach und bittet Gott inſtändigſt, daß nun ſeine Seele in Frieden ruhen möge. Bei dem Tode dieſes berühmten Mannes erkennet ihr Alle die Eitelkeit des Irdiſchen, darüber beherzigt wohl jene ernſte Lehre des heiligen Geiſtes: Vanitas vanitatum et omnia vanitas. Ecl. 1, 2. ) Georg Brindeſi, Director des Seminars in Syra, Collega des Redners. —* 157 Bericht des apoſtoliſchen Vicars für Centralafrika. (A. d. D. Volkshalle.) Wien, 3. Mai. Am erſten Tage des Marienmonats iſt der Marienverein in Wien durch den ſehnlichſt erwarteten Bericht des apoſtoliſchen Provicars für Cen— tralafrika, gleichwie durch einen andern über die Fahrt der Stella matutina, erfreut worden. Beide ſind nicht allein ſehr einläßlich, ſondern auch höchſt intereſſant. Der erſte wird auf geeignetem Wege vollſtändig, der andere wenigſtens in einem Auszuge veröffentlicht werden. Einige Notizen aus jenem dürften auch unſern Leſern, in ſo fern ſie für Erweiterung des Reiches der Kirche Intereſſe haben, willkommen ſeyn. Der Abfahrt der Stella matutina von Cairo iſt ſchon früher Erwähnung geſche— hen. Nach zwei Tagen legte ſie vor Minieh an, deſſen Gouverneur zum Beſuch am Bord ſich einfand. Der guünſtige Wind feſtigte in dem Entſchluß, noch am gleichen Abend die Anker zu lichten. Unter glänzendem Sternenhimmel erfolgte die Abfahrt. Bald jedoch thütmten am nördlichen Horizont Wolken ſich auf; Finſterniß brach her— ein, Wind erhob ſich, der bald in Sturm überging und das Schiff in Gefahr brachte, aus der es nur durch die Beſonnenheit des Provicars und die äußerſte Anſtrengung der Mannſchaft gerettet wurde. Erſt gegen Tagesanbruch legte ſich der Sturm; aber auch der günſtige Wind hatte aufgehört, und nur mühſam konnten die wackern Schiffsleute das Fahrzeug ſtromaufwärls ziehen. Am 22. October erreichten die Reiſenden Piut, nach Cairo die anſehnlichſte Stadt von ganz Mittel- und Ober— Egypten, der Stapelplatz für die aus Dar-Fur kommenden Carawanen. Dort bezeugt eine Kirche der Franciscaner in ſchöner Ausſtattung den frommen Sinn von Oeſter— reichs erhabenem Herrſcherpaare, Kaiſer Ferdinand und ſeiner Gemahlin Maria Anna— Weiter hinauf behaupten die Söhne des heiligen Franciscus noch manche Station unter hartem Kampf mit den ſchismatiſchen und entſittlichten Kopten und den moha— medaniſchen Oberherren! Unter kurzdauernden Sturmwirbeln, zweimaligen Gewittern und ſelten zwiſchen⸗ eintretendem günſtigen Winde näherte ſich am 31. October das Schiff der Stätte, an der einſt das altberühmte Theben geſtanden. Zwiſchen den ſtaunenswerthen Ueberreſten von Karnak und Luxor hat nun ſchmutziges Arabervolk ſeine Wohnſtätten aus Schlamm und Koth zuſammengetragen, und wo einſt die üppigſten Gartenanlagen mit tropiſcher Vegetation lockten, ſucht ſich jetzt zwiſchen Dorngeſtrüppe das genüg— ſame Kameel ſein karges Futter. Angeſichts des ehemaligen Tempels des Sonnen—⸗ gottes zu Edfu wurde in der Schiffscapelle das Feſt Allerheiligen gefeiert, unter den zuſammengeworfenen Trümmern heidniſcher Götzenbilder, am folgenden Tage das unblutige Opfer für die armen Seelen dargebracht. Darauf mahnte günſtiger Wind zum Aufbruch, worguf des folgenden Tages die Katarakte von Syene, die natürliche Scheidewand Egyptens und Nubiens, zu Geſicht kamen, und Kanonenſchüſſe von den Anhöhen, die Aſſuan beherrſchen, die Ankommenden begrüßten. Dort harrten ihrer die Gefährten, welche Cairo früher verlaſſen hatten; alle Dächer waren mit Neugie— rigen beſäet. Mem Gruß, welchen der Provicar durch ſeinen Dragoman dem Gou— verneur anbieten ließ, folgte der freundliche Mann unmittelbar an das Schiff und verhieß alle mögliche Hilfeleiſtung zur Fortſetzung der Reiſe, namentlich um das Schiff über die erſten Nilkatarakte hinaufzubringen. Eben ſo freundlich verſprach der Hafencapitän Hagi-Kaptan, hiefür zu ſorgen und das Schiff nicht eher zu verlaſſen, als bis es jenſeits derſelben im nubiſchen Gebiete ſtände. Aber es mußte vorher erleichtert, das Hauptgepäck auf Kameelen weiter gebracht werden. Der Provicar ſammt einem Theil ſeiner Begleiter blieb auf dem Schiffe. Am frühen Morgen des 6. Novembers, kurz vor der ÄAbfahrt, ſchickte der Hafencapitän ſeinen eigenen Paudal (ein kleines, für die Katarakte eingerichtetes Schiff), um der Stella matutins als Wegweiſer zu dienen; er ſelbſt kam mit zwei Lootſfen an Bord, indeß 200 Mann am Eingange eines eingeengten Canales zur Hilfe des Fahrzeuges harren mußten. An der ſüdlichen Spitze der Inſel Elephantine dildet die öſtliche Ecke des ehemaligen — 9 e * 158 Kneph-Tempels von der Landſeite eine ſenkrecht herabſtürzende Granitwand, an welcher ſeit Jahrtauſenden ſchon der Waſſerſtand des Stromes iſt gemeſſen worden, beſagtes Thor, die Gränze, bis zu welcher die unterjochenden Waffen der alten Rö— mer vordrangen. Von Granitbergen umſchlofſen, glich der Nil einem See, auf wel—⸗ chem dunkle, metallglänzende Klippen in Gruppen und vereinzelt aufſtarren. Klippen und Wirbeln in behender Wendung, jetzt nach rechts, jetzt nach lints ausweichend erreichte das Schiff glücklich den durch hohe Felſenwände eingeengten Ausgang, hinter welchem ein noch ausgedehnteres Waſſerbecken ſich öffnete. Noch half der Wind an Felſengruppen und Sandbänken vorüber und durch kreiſende Wirbel; als aber die ſchwierigſte Stelle zu paſſiren war, ließ er nach, doch nicht ſo vollſtändig, um von dem reißenden Strome an einen Felſen geſchleudert oder auf eine Sandbank gewor— fen zu werden. Nur der äußerſten Anſtrengung gelang es, daſſelbe an zwei Felſen vorüberzubringen und für die kommende Nacht am Ufer zu befeſtigen. Unter gleicher Mühſal wurde des folgenden Tages bis 10 Uhr die eigentliche Stromenge erreicht, ein ſeichter Canal, vier Klafter breit, von Granitfelſen eingeſchloſſen und mit unzäh— ⸗ ligen Steinblöcken beſäet. Hunderte von Menſchenarmen ſind erforderlich, um ein Schiff über dieſe Stellen wegzubringen, denn die Steine müſſen zuſammengewälzt, Wehren gebildet werden, damit das Fahrzeug ſich ſchwimmend erhalten kann. Men— ſchen aus allen Richtungen des Kataraktengebietes waren in hinreichender Zahl her—⸗ zugekommen. Der Hafencapitän von Afſſuan theilte ſie in verſchiedene Rotten. Ihrer über hundert an jeder Uferſeite hatten die armsdicken Taue, die um die Wurzel des Maſtbaumes befeſtigt waren, anzuziehen; andere, bis zu den Lenden im Waſſer ſtehend, mußten die alten Wehren abtragen, hinter dem Schiffe neue errichten; die rüſtigſten Männer folgten dem Schiffe ſeitwärts, um mittelſt ihrer Muskelkraft ihm über ſeichte Stellen und verborgene Steine hinüberzuhelfen; auf dem Verdeck ſtand mit eiſenbewehrten Stangen die Mannſchaft, um das Anſtoßen an Felſenvorſprünge zu verhüten. Unter lautem Geſchrei, welches alles Getöſe des Waſſers überlärmte, ward das Becken der erſten Wehre glücklich überſchritten. Das zweite bot größere Schwierigkeit, größer durch den gänzlichen Mangel an Zuſammenwirken; denn zogen die Zieher, ſo blieben diejenigen ruhig, welche das Schiff heben ſollten; ſtrengten dieſe ſich an, ſo ſtanden jene müßig an den Tauen. Umſonſt gab Hagi⸗Kaptan— Zeichen, Befehle; jene wurden nicht beachtet, dieſe unter dem Geläcme nicht verſtan— den; bei zwei Stunden blieb das Schiff unbeweglich. Zuletzt jagte der Capitän die überflüſſigen Leute davon, ſammelte die rüſtigern in einen Kreis und ſchärfte ihnen pünktliche Befolgung aller Befehle ein, da ſie ſonſt des Arbeitslohnes verluſtig gehen würden. Dieſes letzte Wort wirkte. Jeder begab ſich wieder an ſeinen Poſten, und kräftig und übereinſtimmend wurde die Arbeit von Neuem begonnen, endlich unter allgemeinem Jubelgeſchrei die ſüdliche Mündung der Stromenge bis 4 Uhr Nachmit- tags, bald hierauf das Lager erreicht, welches die zu Land vorangegangenen Ge— fährten Angeſichts der Inſel Philage aufgeſchlagen hatten, wo die Ruinen des Tem— ——— pels, der einſt längere Zeit dem Dienſte des wahren Gottes geweiht war, die Blicke auf ſich zogen. Des folgenden Tages kamen von Aſſuan der Gouverneur, der Kadi und meh— rere angeſehene Mahomedaner zur Beglückwünſchung über die glücklich zurückgelegte Fahrt herausgeritten; mit ihnen auch zwei junge franzöſiſche Kaufleute, die einen Mongt früher Waaren zum Verkauf dahin gebracht hatten. Sie baten den Provicar um Etlaubniß, zu der Reiſe durch die Wüſte ihm ſich anſchließen zu dürfen. Da er ſie als brav und wohlgeſittet erkannte, gewaäͤhrte er ihren Wunſch, dafern es ihnen gelingen werde, ihn in Korosko einzuholen. Freudig eilten ſie zurück, ordneten ihre Sachen und mietheten ein Schiff, um ihm nachzufolgen.— Des Morgens am 10. November wurden die Schiffe wieder beladen. Am 11. feierten die Miſſionäre unter dem Meßzjelt das Feſt des heiligen Biſchofs von Tours. Für die Fahrt über die Katarakten von Wadi Halfa nahm Knoblecher vier kundige Männer an Bord, lichtete am 12. November die Anker, paſſtrte am 18. oberhalb des Tempels von ——— ——— 159 Kalabſcha den Wendekreis und erreichte am 15. mit Sonnenuntergang Korosko, das Thor der Haupt-Carawanenſtraße durch die nubiſche Wüſte. „Bis hieher,“ ſagt er in ſeinem Bericht,„galt uns Allen die Reiſe zu Schiffe als eine ſehr angenehme Luſtfahrt, die durch nichts Erhebliches geſtört worden war. Auf der„Stella matutina“ waren wir ganz heimiſch eingerichtet. Man konnte leſen, ſchreiben, ſtudiren, ſo viel man wollte, in den heißen Tagesſtunden in der Cajüte huͤbſch im Schatten ſitzen, in den Morgen- und Abendſtunden am Verdecke oder auf der Altane friſche Luft ſchöpfen und in der Nacht den prachtvollen Sternenhimmel betrachten, ohne daß die Fahrt dadurch im mindeſten geſtört worden wäre. Eine ſtricte Tagesordnung, die an Bord pünctlich befolgt werden mußte, verkürzte uns die Zeit dermaßen, daß wir uns am Abende nicht genug wundern konnten, wie in Egypten die Tage ſo ſchnell vergehen. Zur Frühandacht und zum Abendgebet rief uns das Glöckchen in die Capellez zum Mittagsmahl und zum Abendbrod, zum An— merken der Sonnenhöhen, der Barometer- und Thermometerſtände im Reiſejournal, zum Log-⸗Auswerfen u. ſ. w. wurde in den verſchiedenen Tageszeiten ebenfalls damit das Zeichen gegeben. Um wegen Sorgloſigkeit keine unangenehme Folgen bereuen zu muͤſſen, und um meine willensvollen Gefährten nach und nach äbzuhärten und ſie zu Führung von ferneren Expeditionen tauglich zu machen, mußte Jeder von uns in der Nacht eine Stunde am Verdecke Wache ſtehen. Jeder Wache wurden abwechſelnd zwei Wachtpoſten aus der Schiffsmannſchaft zugetheilt, wovon der eine am Vorder— iheil des Verdeckes, der andere über der Cajüte neben dem Steuerruder ſeinen Platz hatte. Von Zeit zu Zeit ſchrien ſich die Wachen nach Numern gegenſeitig zu, daß man die langgezogenen Töne weit herum hörte. So geſchah es, daß ſich nie Jemand mit boͤſen Abſichten in die Nähe des Schiffes wagte und daß nie in finſterer Nacht ein fremdes Schiff, auf dem ſich die leichtſinnigen Egypter dem ſüßen Schlafe in die Arme werfen, die Strömung herauffahrend an das unſrige ſtieß. Danninger, unermüdlich, fleißig und ſtets gut aufgelegt, fand während des Tages freie Momente, um auf der Physharmonica erhebende Arien zu ſpielen; des Abends mußten die Stücke von lautem Geſange in vaterländiſcher Sprache begleitet werden.— Die Mannſchaft ſelbſt war an genaue Ordnung gebunden, durch die ſte bald umgewan— delt wurde, ſa daß ſich die Barabra nicht genug darüber verwundern konnten, wie denn ihre Bruder in der Schule der Franken ſo ganz anders geworden ſeyen. Ord— nung, Heiterkeit, brüderliche Eintracht herrſchte unter uns, ſo lange wir am Nile waren, und dieß trug nicht wenig dazu bei, daß wir weder den Einfluß des ſüdli— chen Klimas, der ſonſt auf andere Expeditionen verheerend wirkte, fühlten, noch am Heimweh litten.“ —(Fortſetzung folgt.) J NRom. Rom, 11. April. So eben kehre ich vom Petersplatze zurück und habe gewiß das großartigſte und erhabenſte Schauſpiel geſehen, das es auf Erden gibte die Benediction, die der heilige Vater, der Stellvertreter Chriſti, der Stadt und der Welt(UOrbi et Orbi) ertheilt. Aber wenn ich Ihnen dieſen hehren und heiligen Act beſchreiben ſoll, ſo muß ich geſtehen, daß ich noch nie in meinem Leben, ſelbſt nicht in Rom bei allen vorhergegangenen Feierlichkeiten, ſo tief gefühlt habe, wie ſchwach menſchliche Worte und wie matt und fahl die Schilderungen ſind, die man mit den— ſelben entwerfen ſoll. Denken Sie die ungeheure Menſchenmaſſe, die dem Hochamte, das der heilige Vater unter Aſſiſtenz aller Cardinäle und einer großen Zahl von Biſchöfen über den Gräbern der Apoſtelfürſten und unter der rieſigen Kuppel von St. Peter hielt, beigewohnt hatte, ſich aus den Thoren der größten Kirche der Welt drängen,— ſie findet den großen, von Colonnaden eingeſchloſſenen Petersplatz ſchon ganz gefüllt, und man ſtaunt, wenn man von den Treppen der Kirche die ungeheu⸗ —9 J —9 9 d 160 ren Schaaren von Menſchen bis in weiter Ferne überblickt. Mitten darunter ſieht man die päpſtlichen und franzöſiſchen Truppen mit ihren in der Sonne blitzenden Waffen; aus St. Peters weiten Hallen drängt immer noch die Maſſe ſich nach, und rings auf den Colonaden und Gebäuden ſind bis in höchſter Höhe alle Plätze, auf denen ein Menſch ſtehen kann, benutzt. Alle Zungen und alle Natianen ſind hier vertreten und während die klangvollen Glocken von St. Peter ertönen, harret Alles der Ankunft des Stellvertreters Chriſti, der von der Kirche in feierlichem Zuge auf die über der Vorhalle liegende Loggia getragen wird, entgegen. Große Ruhe und immer ſich ſteigernde Erwartung charakteriſirte die Haltung der Maſſen, und es war, wie es nach menſchlichen Vorſtellungen am jüngſten der Tage ſeyn muß, wo auch alle Zungen und Völker auf die Ankunft Eines harren werden, des Einen, den der jetzt Erwartete in ſichtbarer Weiſe auf Erden vertritt,— nur daß nicht Furcht und Schrecken ob des kommenden Gerichtes herrſchte, ſondern die Freude und Selig⸗ keit des Auferſtehungstages und der kommenden Segenſpendung des heiligen Vaters. Immer mehrere Biſchöfe und Cardinäle in ihren weißen Mitren zeigten ſich auf der Höhe und in der Umgebung der Loggia, endlich verſtummten die Glocken, man ſah den Baldachin, der hoch über dem heiligen Vater gehalten ward, in einem Nu ent— ſtand lautloſe Stille. Alle ohne Ausnahme entblößten die Häupter, und nun erſchien über der Brüſtung der Loggia auf ſeinem Thronſeſſel, auf dem er hoch über Alle getragen wurde, der Stellvertreter Chriſti, das Oberhaupt unſerer heiligen katholi⸗ ſchen Kirche, mit der dreifachen Krone auf dem Haupte. Sitzend noch auf dem Seſſel rief er in den bekannten Worten die Hilfe des Herrn, der allerſeligſten Jung— frau, der Apoſtelfürſten und aller Heiligen mit der kräftigen und wohltönenden Stimme, die Pius IX. auszeichnet und die bis in weiter Ferne hörbar iſt, an; dann erhob ſich der heilige Vater, ſtreckte die Hände hoch zu Himmel aus, und in dem Momente, da er die Segensworte ausſprach, fielen die ungeheuren Maſſen nieder, alles Militär ſenkte die blitzenden Waffen und ſank in die Kniee, von der Engels⸗ burg ertönte der Donner der Kanonen und alle Glocken von St. Peter und der heiligen Stadt verkündeten weithin den Augenblick der Segnung. Noch verlaſen zwel Cardinäle die Decrete des Ablaſſes, den der heilige Vater ertheilte, und der feierliche Zug verließ dann wieder die Loggia. Es dauerte mehrere Stunden, ehe in den nach St. Peter führenden Straßen das Gedränge der Wagen und zurückkehrenden Fuß— gäuger ein Ende nahm— Der klarſte Himmel begünſtigte die Feier, in der wirklich mehr als in jeder andern das Ueberirdiſche der Wuͤrde des heiligen Vaters und das Göttliche ſeiner Miſſion auf dem Erdboden zu Tage tritt. Breslan. Breslau, im April. Die nachſtehende Thatſache iſt uns zur Veröffentlichung im Kirchenblatt berichtet worden, und obgleich wir uns ſehr ſchwer dazu entſchließen konnten, ihr Glauben zu ſchenken und daher Anſtand genommen hatten, ſie zu berichten, können wir doch leider an ihrer Wahrheit keinen Zweifel mehr hegen und halten es demnach für Pflicht, im Intereſſe der guten Sache, welches wir allein im Auge haben, dieſelbe nicht zu verſchweigen. Eimnem hieſigen proteſtantiſchen Volksſchullehrer ſtarb vor Kurzem ſein einziges Kind. Um nun, wie er ſich ausdrückte, ſeiner betruͤbten Frau einen Erſatz zu geben, Ztaufte“ derſelbe(man ſagt in der Trunkenheit) ſeinen Hund und legte ihm den Namen ſeines verſtorbenen Vaters bei. Als Taufzeugen wurden das Dienſtmädchen und das gerade anweſende Milchmädchen zugezogen. Reun Tage darauf ereille den Hundetäufer ein plötzlicher unvorgeſehener Tod.(Schl..-.) ——— Verantwortlicher Redacteur: L. Schonchenu. Verlags-Jnhaber: F. C. Kremer.