Zwölfter Jahrgang. Sonntags-Beiblatt MllHnL l'^ »N'^tt ;öd>!ü!^ S^vS »>Ä M ^iM Hin >.!chyA Sly'i »M^up» zur Augsburger PostMtung. N'^.i^.l.^:! !!! ^ , -l !^- nzsl(Il llj N7p(tt zjch'tlHM UM ckvll «^nn'I'wDV- ^i^isW' >.W»Ä s. Juni Sit 185S. Kon iZinwi sjchnmPlij15ött« i'si >a»glli?D» MM«W ,mnH -^ Dieses Blatt erscheint regelmäßig alle Tonntage. Der halbjährige Aboimementsprels TV kr., wofür e« durch alle köm'gl. bayer. Postämter und alle Bllchhaudluugen bezogen werden kaun, Die englische Bibelgesellschaft, nebst zeitgemäßen Betrachtungen, UZllbPtMl>I)!-0ier n?^ ,>M1«'?K ll>fiZIl,Äk>ZK« ii^?^5>> l^i^. vliij Z-L,?jvi ,n>0'?tt ^uiZlZ, ÄIS Die englische Bibelgesellschaft feierte am 5. Mai in Ereter-Hall ihren 48sten Jahrestag. Graf ShafteSbury berichtet über den Stand der Gesellschaft, welcher hoffnungSerweckender sey als je; denn habe man auch mehr offene Feinde als zuvor, so habe man auch sehr viele geheime Freunde. Er zweifle nicht, daß eS die Absicht gewisser continentaler Regierungen sey, den Namen deS Protestantismus selber, und wo möglich jedes Eremplar des Wortes Gottes zu vernichten. Diese Gesellschaft sey ein mächtiges Gegengewicht gegen solche Tendenzen; sie sey der Ruhm und die Krast Großbritanniens. Die Einnahmen der Gesellschaft waren im vergangenen Jahre 108,449 Pfund Sterling, 1,154.642 Eremplare der Bibel seyen in diesem Jahre ausgetheilt worden. Die Totalsumme der von der Gesellschaft bisher ausgegebenen Bibeln betrage 25,402,309 Eremplare. Die Gesellschaft hat in Europa, Asien, Afrika und Amerika mehr als 8000 Filialvereine. Ritter Bunsen wünschte den Freunden deS Christenthums Glück für den Erfolg, welcher die Anstrebungen der Gesellschaft begleitet habe. Er bedauerte, dasz in vielen Theilen deS ConIinenteS eine Neigung sichtbar werde, die Verbreitung der Bibel zu hindern. Es scheine auf dem Kontinent die Ansicht vorzuherrschen, daß die Bibel den Regierungen gefährlich sey. Was Preußen angehe, so stehe der König selbst Niemanden in dem Wunsche nach, die Bibel über das ganze Königreich zu verbreiten. Wir würden eS kaum für nöthig halten, unsere Leser auf das Verleumderische, Gleisnerische und dabei in hohem Grade Lächerliche vorstehender Worte aufmerksam zu machen; denn wir trauen ihnen zu viel gesunden Menschenverstand zu, als daß sie je im Ernst sich beikommen lassen könnten, das Wort Gottes werde in der That dadurch ausgebreitet, wenn man fabrikmäßig in enormen Quantitäten materielle Bibeln in die Welt hinauSstreut, oder daß sie sich einreden ließen, irgend ein vernünftiger Christenmensch könnte je die Absicht hegen, wo möglich jedes Eremplar der Bibel zu vernichten. Aber die Sache hat auch ihre ernste Seite, und diese ist eö, auf die wir hier gelegentlich einmal hinweisen wollen. Die obenstehenden Zahlen liefern den Beweis, wie viel größer die Anstrengungen sind, welche der Irrthum macht, um den todten Buchstaben zu vervielfältigen, als jene, die von den wahren Gläubigen geschehen, um das lebendige Wort GolteS auszubreiten und in die Seelen und Herzen zu streuen. Die Einnahmen der Londoner Bibelgesellschaft allein übersteigen bei weitem die materiellen Hilfsmittel, welche den verschiedenen Vereinen der Verbreitung deS wahren Glaubens in ganz Europa zu Gebot stehen. Wenn eS nun trotzdem sich herausstellt, daß der bibelgläubige Protestantismus gegenwärtig gar keine Fortschritte, sondern offenbare Rückschritte macht, so ist dieß ein sehr einleuchtender und handgreiflicher Beweis, auf welcher Seite der .jMlmln^ nMvMÄ. Segen Gottes ruhe und ein um so größerer Triumph für den Katholicismus, wenn er mit geringen Hilfsmitteln dennoch Größeres bewirkt. Es ist aber auch ein Vorwurf und eine Beschämung für uns Katholiken, wenn die Kinder dieser Welt eifriger erfunden werden für ihre Sache, als wir für die Sache GotteS; wenn der Irrthum größere Anstrengungen macht, seine dunklen Schwingen über die Erde auszubreiten, als die Wahrheit, der doch die Verheißung unfehlbaren Sieges zur Seile steht, ihr Licht in der Welt strahlen zu lassen. Wohl gibt es Viele unter uns, und meistens sind es die Armen und Wenigbegüterten, welche ihre Pflicht redlich erfüllen und thun, was in ihren Kräften steht, ja waS selbst zuweilen ihre Kräfte zu übersteigen scheint. Aber die Gaben könnten noch weit reichlicher seyn, wenn Mehrere zu ihnen beitragen würden und vor Allem Mehrere der Wohlhabenden. Die Zahl der Personen, welche an dem MissionSwerk sich betheiligen, ist verhältnißmäßig immer noch klein, sehr klein. Mögen sich vaher Alle die frommen Geber nicht damit begnügen, für ihre eigene Person nach Kräften beigetragen zu haben, sondern vor Allem dahin wirken, Andere für daS heilige Werk zu gewinnen, die ihm noch nicht angehören. Schließlich wollen wir denjenigen Lesern, die etwa zufällig mit aufgeklärten Andersdenkenden über die Bibelverbreitung zu reden kommen, und nicht wissen, wie sie ihre Angriffe am besten zurückweisen können, einige kurze und bündige Gründe an die Hand geben, welche das Verfahren der katholischen Kirche, den Bibelgesellschaften gegenüber, rechtfertigen. Die katholische Kirche mißbilligt die Bestrebungen der Bibelgesellschaften, und die Päpste haben sie feierlich verworfen: 1) weil der Buchstabe nicht nützt, sondern der Geist lebendig macht; 2) weil Christus der Herr den Aposteln nicht gesagt hat: Geht und schreibet und drücket und theilt Bibeln aus und lehrt die Leute lesen, sondern „Gehet und lehret; wer glaubt und getauft ist, der wird selig werden" (auch wenn er nicht lesen kann); 3) weil Christus gesagt hat: „Werfet die Perlen nicht vor die Säue und gebt vaS Heilige nicht den Hunden." Wenn die heilige Schrift in so vielen Millionen Exemplaren in die Welt hinausgestreut wird, dann sieht jedes Kind ein, daß vielfacher Mißbrauch damit getrieben werden und man z. B. die heiligen Worte des Evangeliums zum Einwickeln von Käse, zum Einpacken von Waaren und Thee gebrauchen wird (wie das z. B. in China wirklich geschieht); 4) weil die von den Bibelgesellschaften vertheilten Bibeln verfälschte Bibeln sind, in welche der Irrthum sein Gift unmerklich hineingestreut hat. Wenn Luther selbst, wie Niemand mehr zu läugnen wagt, die Bibel an einigen Stellen verfälscht hat, wo sie mit seiner Irrlehre in Widerspruch stand, warum sollten das nicht auch seine Schüler und Anhänger sich erlauben? 5) weil die meisten Mensche») die solche Bibeln erhalten, Nichtwissen, waS sie damit anfangen sollen. Für die bei weitem größte Anzahl von Menschen ist die Sprache der heiligen Schrift an sehr vielen Stellen dunkel und unverständlich; 6) weil nicht Alles, was in der heiligen Schrift steht, für jeden Christen ohne Unterschied geschrieben ist und manches sogar gefährlich werden kann, wenn es von Unberufenen, namentlich jüngern Personen gelesen wird. Selbst jeder vernünftige Protestant muß wünschen, daß seine Kinder nicht AlleS lesen, waS z. B. im Mosaischen Gesetz geschrieben steht, bis sie erst die gehörige Reife deS Geistes erlangt haben; 7) weil die Erfahrung zeigt, daß wenn Jedem das Lesen der Bibel ohne Unterschied gestattet wird, auch Jeder einen andern Sinn darin finden wird. Da aber nur einer der wahre seyn kann, so ist eS klar, daß daraus nur Verwirrung, Streit, hochmüthiges Gezänk u. s. w. hervorgehen kann; oder, wenn das nicht, weil man zu bequem ist, für die Erkenntniß der Wahrheit sich einige Mühe zu geben, religiöse Gleichgiltigkeit und Verachtung der Wahrheit und des Wortes GotteS; 8) weil eS endlich grausam wäre, den kleinen Kindern, wenn sie Hunger haben, ein ganzes Brod zu reichen, ohne eS ihnen zu brechen. Die meisten (ja vielleicht alle) Menschen auf GotteS Erdboden befinden sich aber in Bezug auf die göttlichen Wahrheiten ihr ganzes Leben hindurch im Zustande der geistigen Kindheit und würden die Bibel nicht verstehen, daS Brod des Wortes Gottes nicht genießen können, wenn eS ihnen nicht 179 erllärt würde. Sie müßten alle auf die Frage: ob sie verstehen, was sie lesen, mit dem Kämmerer der Königin Candace (in der Apostelgeschichte) antworten: „Wie kann ich, wenn Niemand eS mir erklärt?" Der Irrthum begeht diese Grausamkeit, indem er gedruckte Bibeln (ohne alle Anmerkungen) unter die armen unwissenden Menschen vertheilt und ihnen so das Wort Gottes gleichsam liebloö vorwirst, während die katholische Kirche in wahrhaft mütterlicher Liebe dafür besorgt ist, den Kleinen das Brod des Evangeliums zu brechen, alles Schädliche von ihnen fern zu halten, sie vor dein Mißbrauch der heiligsten Sache gerade am sorgfältigsten zu bewahren. Wenn übrigens Jemand dieser unwissenden und vorurtheilsvollen Andersdenkenden die Behauptung aussprechen sollte, die katholische Kirche billige deßhalb nicht daS Lesen der Bibel von Jedem ohne Unterschied, weil sie die Leute in Unwissenheit erhalten wolle, weil der Inhalt der heiligen Schrift ihren Lehren widerspreche, so kann man getrost antworten, daß dieß elende Lüge und Verleumdung sey, und vom Gegner fordern, daß er seine Behauptung beweise. Diesen Beweis wird er wohl schuldig bleiben. " - Bericht des apostolischen Viears für Centralasrika. (Fortsetzung.) Von Akbe auS wurden die zu Wadi-Halfa zurückgelassenen Gefährten und Ge- räthschaften einberufen. Sie langten am 4. December auf 15 Kameelen an. Die Geräthschaften wurden in einer halb zerfallenen Lehmhütte, ^ Stunden von dem Schiff, bewacht. Sämmtliche Reisende befanden sich in einer Art Gefangenschaft, sie konnten weder rückwärts, noch vorwärts. Doch lagen sie in einer nicht unfreundlichen Gegend, die wenigstens Gänse und Hasen für den Tisch lieferte. Der höchste Wasser- stand betrug gegen den damaligen vier Klafter mehr. Am 5. ritt Herr Kociancic nach Wadi-Halfa, weil ihm gesagt worden war, ohne einen tüchtigen Reieftr von Dongola, der das Wasser vollkommen kenne, dürfe er die Fahrt nach Baten-el-Hagiar nicht wagen; und weil er zugleich einer Zuschrift des Mudirs von Dongola an seine untergebenen Scheikhs bedürfte, um für die vielen Katarakten mit Ziehern versehen zu werden. Der türkische Ferman hätte hier nichts genutzt, da die Einwohner nur denjenigen als Oberherrn anerkennen, der ihnen Prügel zutheilen läßt, und nur demjenigen gehorchen, der die Nilpferds-Peitsche über sie handhabt. Halil-Effendi fertigte das Schreiben an den Mudir aus; Herr Kociancic ließ eS deS folgenden TageS dnrch einen Expressen abgehen, mit dem Befehl an diesen, binnen 15 Tagen zurückgekehrt zu seyn. Voll Ungeduld, endlich vorwärts zu kommen, schrieb der thatkräftige Missionär schon am 9. December an Halil: bereits sey daS Wasser hinreichend gefallen, er solle die Zieher zusammenrufen; habe er ja versichert, auf seine erste Zuschrift kommen zu wollen. Tag um Tag verging indeß, Niemand erschien. Ehe der vierte vollendet war, ritt Herr Kociancic wieder nach Wadi-Halfa, um ernstlicher anzutreiben. Halil war abwesend; umsonst harrte er seiner Rückkehr. Da drang der Missionär auch in seiner Abwesenheit darauf, daß die Scheikhs ausgesendet würden, um die Zieher zusammenzutreiben. Auf dieses stellten einige sich ein, aber klappernd vor Kälte, denn bei sturmartigem Nordwind war daS Quecksilber auf 8° gefallen, da es sonst bis auf 40 steigt. Die Leute wollten weder von dem Feuer weg, noch an die Taue hin. DeS folgenden Tages fand Herr Kociancic bei Akbe eine Anzahl Zieher unter hefti- gem Wortwechsel, ihrer statt 150 nur 96, und dieses theils junge, theils gebrechliche Leute; doch sollte mit ihnen die Fahrt versucht werden. AnsangS, wie eS schien, mit Glück; denn schon nach eilf Uhr war die erste gefährliche Stelle der Strömung zurückgelegt. Aus dieser kam daS Schiff in eine engere Pforte, die vier Tage früher noch fahrbar gewesen wäre. Jetzt plagte sich Alles vergeblich drei volle Stunden hindurch. Endlich mußte das Schiff zurückgelassen werden, in der Strömung ungleich schwieriger als das Vorankommen. Der dreifache Strick, der um den Mastbaum 180 befestigt war, zerriß gleich einem Bindfaden; hätte nicht zum Glück der schwächere Probe gehalten, so wäre wahrscheinlich daS Schiff auf irgend einen verborgenen Felsen in der Mitte oder an daS jenseitige Granitgestein geworfen worden. So ließ sich an diesem Tage eine Strecke von kaum hundert Schritten zurücklegen. Des Abends war wieder Alles entmuthigt wie vor vierzehn Tagen. Noch weitere sechs Tage, hieß eS, wären abzuwarten. Der Missionär bestand darauf: contractmäßig müßten 150 Mann zusammengebracht werden. Da gab es allerlei Ränke, um eine geringere Anzahl zu stellenz Herr Kociancic blieb standhaft. Endlich am 19. traf hinreichende Mannschaft ein. Kurz vor Mittag hatten sie daS Schiff über eine der gefährlichsten Stellen gebracht. Bald stand eS, bei furchtbar daher sich wälzendem und wühlendem Wasser, über einen der schwierigsten Wirbel hinaus, vor Sigrin-Bab, der gesürchtetsten Stelle. Da ziehen an jeder Seite mit herkulischer Anstrengung fünfzig Mann, und dennoch rückt man nicht um einen Zoll vorwärts. Alles schreit, AlleS lamentirt. Jetzt ein Windzug, aus vollen Kräften ruft der Missionär: Segel! Segel! DaS Segel wird aufgespannt, von nenem strengen die Zieher sich an, daS Schiff schwankt rechts, schwankt links; endlich faßt das Segel den vollen Wind — und vorwärts; ein Hanpttheil des Kataraktes von Wadi-Halfa war überwunden, Oesterreichs Fahne flaggte über den weiten Strom, Kanonenschüsse, allen Jubel der Menschen überdonnernd, verkündeten den errungenen Sieg. Für den folgenden Tag waren die gefährlichen Krümmungen von Tigudra aufgespart. Ehe sie erreicht wurden, brachen bei einer Wendung zwei Seitenbankeisen, gleich morschem Holz, jedoch ohne weitern Nachtheil, Abends vier Uhr stand das Schiff am Thor von Tigudra, wo daS Gefalle auf eine Klafter vier Fuß beträgt; dazu kann in den vielen Krümmungen ein langes Schiff, wie die Ltella mstutins, nur schwer manövriren. Nach großer Anstrengung kam sie auch durch dieses Thor, was zehn Tage später nicht mehr möglich gewesen wäre. Nun lag der gesammte Katarakt hinter den kühnen Reisenden. Einundzwanzig Tage waren verflossen und alle Segel konnten wieder aufgespannt werden, durch deS Windes Kraft das Schiff dahinfliegen. Daß eines um diese Zeit, bei diesem Wasserstand die gefahrvolle Fahrt gewagt hätte, ist bis jetzt niemals vorgekommen. Noch steht als Wahrzeichen die eine Hälfte einer unlängst gescheiterten Barke an einen Granitselsen angebunden, indeß ihre andere Hälfte bereits im Nilsande modert. Nun ging daö Auszahlen, mit diesem das Jammern, Fordern, Betteln an. Um des zudringlichen Volkes endlich loS zu werden, ließ Herr Kociancic noch am Sonntage Nachmittags abfahren. Zwölf Meilen wurden in wenigen Stunden zurückgelegt, an der Ostseite der Insel Mogufel die Nacht zugebracht. Unter der Fahrt des MonlagS mußten aus den zerstreuten Uferbewvhnern die Leute zum Ziehen über den Fall von Kagingera zusammengesucht und in daS Schiff aufgenommen werden. Der Wind half über die Stromschnellen bis zum Eingang in den eigentlichen Katarakt. Er hat viel Ähnlichkeit mit demjenigen von Assuan. Eine Woche später wäre auch diese Fahrt unmöglich gewesen, denn jetzt schon rutschte daö Schiff mehr als daß eS schwebte. Nach vier Stunden, während deren mußte gezogen werden, kam wieder fahrbares Wasser, ans welchem bis gegen vier Uhr daS Schiff Semne sich nähertet Daö Brausen des Stromes ließ größere Schwierigkeit befürchten, als in der Wirklichkeit sich zeigten. Die 20t) Fuß lange Wasserstraße durch einen wie mit Kunst in dcn Felsen gehauenen Canal war leicht durchfahren, vor sechs Uhr AbendS wurde oberhalb Semne angelegt; ruhiger als unterhalb verliefen sich die abgelöhnlen Leute. ES waren neue aufzunehmen für den folgenden Katarakt von Ambutol. Wohl bei dreißig kamen auf das Schiff und boten sich an; allein der vorsichtige Missionär, die arabische Treulosigkeit kennend, wollte in nichts sich einlassen, bevor er dcn Katarakt gesehen, die Größe der Schwierigkeit bemessen hätte. Während dessen gerieth das Schiff unversehens in eine Strömung, der Wind rastete, eS schnellte znrück. DaS wollten die Angekommenen benutzen, um größern Lohn herauSzupressen. Dafür machten sich die Matrosen selbst an das Ziehen, die am Schiffe Gebliebenen 181 halfen bestens nach; die Hälfte der Strömung war überwunden, als plötzlich der mitwirkende Wind inne hielt, das Schiff unter höhnischem Gelächter jenes Volkes zum Weichen brachte. Dazu riß sich noch der Sandal los, so daß die Matrosen ihm nachschwimmen mußten. Grelleres Gelächter schlugen nun die Barebra auf. Dennoch wurde ihre Schadenfreude vereitelt, denn der dritten Anstrengung gelang eS, daS Schiff mit Hilfe des Windes hinaufzubringen, um ein Uhr stand cö unterhalb Ambutol, — Da der Bote aus Dongola bis dahin noch nicht zurückgekehrt war, ersuchte Herr Kociancic von jener Stelle aus den Mudir nochmals schriftlich um Zieher. Kaum war der Brief abgegangen, hieß eS, der früher abgefertigte Bote sammt dem verlangten ReieS stehe am jenseitigen Ufer. Dieser sollte die Leute aufnehmen, befehligen, den Lohn bestimmen. DaS war am Vorabend des WcihnachtS- festes, welches, durch die Kanonen verkündet, von dem hochwürdigen Herrn Trabant in der SchisfScapelle um Mitternacht gefeiert wurde. Des folgenden Morgens kamen sämmtliche zu Assuan gedungene Matrosen in ihrer besten Kleidung, uns ihre Glück, wünsche darzubringen, welche Aufmerksamkeit ihnen durch einen schönen Hammel vergolten wurde. (Schluß folgt.) .706 KttiD?»k-»n6nl, ,m, mu .wn tzunH vlii zZbM '?,?»i>''x m»5 nHur>gl?»4' n»H >nnn5M '/>i <.n ,H?-spch^vÄ?I 1>,v2? .wt.c?u?i6 u»' -sinvik ZlMspiliZ^in Die Enthaltsamkeitsbruderschaft in Geldern. Unter diesem Titel bringt die Zugabc zur Deutschen Volkshalle in einem Schreiben aus Geldern vom 22. Mai schauderhafte Mittheilungen über die Folgen der Branntweiupest. „Unser Proletariat, daS heißt einen verkommenen Stand von Armen, wie sonst nur größere Städte ihn haben, verdanken wir dem Fusel; die unehelichen Geburten, die Räuber mit ungeladenen Pistolen, welche unsere Bauerschaften heimsuchen und brandschatzen, und colonueuwcise auch die benachbarten Dorfschafren auösaugen, verdanken wir dem Fusel; die schlampampigen Weiber und zerlumpten Kinder an den Thüren und auf den Stadt-Promenaden, vorzüglich aber die viel beanspruchten und schlecht besuchten Freischulen verdanken wir dem Fusel. Man sollte, Recht nach Recht, den Fuselbrennern und Schentern eine eigene Commnnalsteuer, wenigstens eine Hospitalsteuer auflegen, denn sie helfen für unsere Barmherzigen-Schwestern - Anstalt ein bedeutendes Conlingcnt stellen. Was die Zukunft bringen wird, weiß ich nicht, aber augenblicklich grassirt das clelirium trsmsns in der furchtbarsten Weise. Innerhalb sechs Monaten starben eine Säuferin im vierten Delirium, ein Säufer nach zweimaligem Wahnsinn am Schlagflnß, ein anderer als Selbstmörder im Wasser. Die letztverflossene Nacht war eine Nacht deS Grauens und Schreckens für die armen barmherzigen Schwestern und für die armen Kranken unseres St. Clemeus- Hospitals. Der Kranke, der diesen Schrecken verbreitete, war ein vor wenigen Tagen aufgenommener Säufer, der gestern in den Nachmittagsstunden noch bei vollem Bewußtseyn war. Wohl fluchte er über Pfaffen und Pfaffeuthum (natürlich: der SchnappStcufel war sogar so gescheidt gewesen, ihn mit Beweisen dafür auszurüsten, daß er selbst, der Teufel nämlich, und die Hölle gar nicht cristire, o?er falls sie eristire, treffe er dort Konsorten'), verwünschte Gott, die heiligen Sacramcntc, sich selbst, fluchte und lästerte auf fürchterliche Weise; indessen daran war man gewöhnt, auch zur Zeit, wo er noch zum Scandal in den Straßen herumbaumclte. In der Nacht aber brach der Wahnsinn loS, und zwar war das ein über alle Beschreibung hinausgehendes 6elirium. Er lag im Erdgeschosse, und in den obersten Räumen deS HauscS meinte man einen Verdammten heule« zu hören. Nach der wörtlichen Aussage der im ersten Stocke verpflegten weiblichen Kranken heulte er „nicht wie ein wildes Thier, sondern wie etwa Einer schreien dürfte, der von den Krallen des SatanS sich gepackt fühlt." Spät erst gelang eS den Schwestern mit Hilfe eines Reconvalescenten, ihn in etwas zu besänftigen, leise zu binden uud dann in die Zwangsjacke zu schnüren. Sein Nebenmann im Krankenzimmer war ebenfalls ein Sl-Z YMIZU^ N?NdlllM>A:75!fZl?H5 llvy ^llUUoyiZtllU lZNIl 7?? Y)77ZitL «ZÄ 182 arger und allgemein bekannter Säufer. Dem aber gingen die Dinge, welche er hier erlebte, durch Mark und Bein. Herr Caplan Heythausen, welcher am frühen Morgen zu dem Deliranten gerufen wurde, traf denselben in den letzten Zügen; ein paar Secunden noch, und er stand vor seinem Richter. Der Andere ließ in Folge dessen auf der Stelle den Herrn Caplan Kleuter zu sich bitten, und empfing auf sein e ge- neS inständiges Bitten die heiligen Sterbsacramente, weil, wie er laut zu seinen Leidensgefährten sprach, wenn es mit ihm ein Ende im Delirium nehmen sollte, er wenigstens mit Neue über sein vergangenes Leben vor Gottes Richterstuhl hiiurcten wolle; er wolle nicht den Hundetod sterben, wie jener sein unglückseliger Freund; wenn er auch ein Hundeleben gelebt habe, so wolle er doch den Herrn Caplan Heythausen noch um Verzeihung bitten, daß er die Enthaltsamkeits-Bruderschaft so oft lächerlich gemacht und verhöhnt habe. Die Kranken, die im Zimmer lagen, staunten natürlich über einen solchen Erguß, und ein ehemaliger großer Säufer, aber seit acht Monaten treuer Enthaltsamkeitsbruder, beglückwünschte ihn von seinem LeidenS- lager auS. — Herr Caplan Kleuter hatte sein heiliges Amt geübt; aber noch brannten die beiden geweihten Kerzen auf dem Altartischchen neben dem Crucifire, als Herr Heythausen zum zweiten Male inö HauS trat, um eine andere gefährlich dar, niederliegende Kranke zu besuchen. Der Saal des Erdgeschosses, wo die Männer lagen, stand noch halb offen. Der Caplan geht hinein und tritt auf den Wink deS so eben mit den heiligen Sacramenten versehenen Menschen an dessen Bett, als dieser ganz laut etwa so beginnt: „Herr Caplan, nehmen Sie mich auf in die Bruderschaft, ich bitte Sie, um Jesu Christi willen; ich habe Sie vielfach beleidigt (dazwischen weinte der Arme fast laut auf), habe schlecht gesprochen vom Mäßigkeitsverein; ja, ihr Alle möget es nur hören, ich bin ein großer Sünder gewesen, aber ich fluche und vermciledeie den Schnaps; will der Herr mich holen, so kann ich ihm doch sagen, daß ich Reue gehabt habe und im Mäßigkeitsvereine bin; jeden Abend will ich, um nicht mit der bösen Gesellschaft wieder zusammenzukommen, gleich nach der Arbeit beten und um acht Uhr zu Bette gehen." — Die Kranken hatten sich während dem aufrecht gesetzt in ihren Betten, ein paar Schwestern blieben staunend stehen und sahen auf den Unglücklichen hin, der jetzt leise zu beten begann. — Wie ich höre, ist der Caplan nach Verlauf von etwa einer halben Stunde zurückgekehrt, und hat den bemitleidenSwerthen Menschen für eine Viertelstunde — vielleicht sür ein langes Leben noch! — unendlich glücklich dadurch gemacht, daß er ihm den Gelöbniß- und Aufnahmcschein in die EnthaltsamkeitS-Bruderschast einhändigte, mit der Anzeige und Bitte, er sey nun der 39ste notorische Säufer, der in Geldern eingetreten, und möge für seine 33 Vorgänger, so wie für sich selbst um die Gnade der Beharrlichkeit zu Gott flehen. Dieser versprach es unter Thränen. Einige Zeit nachher begann er heftig zu zittern, sprang aus dem Bette heraus und eilte aufs Gerathewohl durchs Zimmer. Einer der Kranken schellt; die Schwester eilt herbei; das äelirium trsmens ist ausgebrochcn. Gott sey ihm gnädig! — Außerdem liegt augenblicklich noch eine Säuferin im Wahnsinn, die das ganze höllische Heer an sich vorbeiziehen sieht; und bei acht bis zwölfen steht dieses Elend tagtäglich zu erwarten. Auf der Bruderschaft ruht GotteS Segen sichtlich; mit Einschluß deS für die Kinder und sür die sich selbst nicht trauenden Erwachsenen bestimmten Vereins zählt sie jetzt 932 Mitglieder; und seit dem 2. d. M., dem Monatssonntage, als an welchem Tage regelmäßig die feierliche Aufnahme in der Kirche stattfindet, hat sie sich mit neun früher allgemein bekannten Säufern bereichert, deren einer seine alte Schuld damit sühnen zu wollen bekennt, daß er sich verhöhnen lassen und Andere anwerben will. O, möchte doch der Staat endlich gegen die verheerende Pest deS Branntweins einschreiten!" K>6 n?l!k7H''n,5 Iihit z»6 ^'i'!-»? >u!uil>?—777159 5,'k'N -ti-tt nttZklü« 5ZN!1 ; >!>!, Frankreich. ZlÄ III ! >n ^ ^lll! I'^u. ' ^iLNl? /I! ll^l!. . NZjF'>j?'?!>!l,Z^!9')'>jö Der Bischof von PoilierS hat neuerdings einen Hirtenbrief erlassen in Betreff de^ö Werkes der Gründung und Unterhaltung von Priester-Seminarien (welches die I8Z katholische Liebe in Frankreich zu einem oeuvre clo eksritö gemacht hat, an dem sich durch namhafte Beiträge sehr viele Laien, namentlich fromme Damen, betheiligen). Wir entnehmen demselben folgende Stelle: n „Um Priester zu bilden, braucht man Zöglinge, und wir beschwören euch, theuerste Brüder in Christo, wer ihr auch seyd und welchem Stande ihr auch angehört, eure Söhne Gott nicht streitig zu machen und sie unS schon im zarten Alter anzuvertrauen, wenn ihr in ihnen Neigung zum Dienst der heiligen Alläre bemerket. Einer der wesentlichsten Vortheile, den das ehemalige Frankreich vor dem heutigen genoß, war der, daß damals alle Stände ihren Beitrag zu dem heiligen Dienste lieferten. ES war dieß nicht bloß eine Schuld der Religion und der Gerechtigkeit, welche in jenen Zeiten des Glaubens alle Classen des Volkes dem Heiligthum entrichten zu müssen glaubten, indem sie ihm die Steuer ihres BluteS zahlten; eS war nicht bloß eine Ehre, welche jede Familie zu erwerben glaubte, wenn sie eines ihrer Glieder jener göttlichen Hierarchie einverleibte, welche die Propheten und Apostel sich nicht scheuten, eine Gesellschaft von Königen, ein königliches Pnesterthum zu nennen; die ganze Gesellschaft erntete einen unschätzbaren Vortheil aus diesem herrlichen Zusammentreffen aller ihrer Glieder in demselben Stande, den die Versassung des Landes über alle andern gestellt hatte. Keine Classe, keine Familie konnte sich damals in dauernde und systematische Opposition mit der Religion und der Kirche setzen, weil alle Classen und alle Familien an dieselbe selbst durch die Bande der Natur sich gebunden fanden. Und diese Verbindung aller Stände mit der Kirche verband sie wiederum unter sich oder verminderte wenigstens den großen Abstand, der sie sonst getrennt haben würde. Wir haben hier nicht zu untersuchen, bis auf welchen Grad die unreine Mischung menschlicher Absichten dabei die heilige Ordnung der göttlichen Rathschlüsse störte; Alleö, waS ein irdisches Element in sich schließt, wird stets dem Mißbrauch und der Ausartung unterworfen seyn. Was wir aber hervorheben wollen, ist, daß trotz der polilischen Revolutionen, welche alle Stände gleich machen wollten, die gesellschaftlichen Unterschiede schärfer als je hervortraten, seitdem die Kirche m t ihrer Hingebung und ihren Opfern nicht mehr der gemeinschaftliche Sammelplatz aller Classen der Gesellschaft ist. ^ ^ ^ » ! ' ^ ^ v . Freilich, die Kirche ist heut zu Tage nicht reich. Man drängte sich um sie her, als sie glänzende Würden, reiche Einkünfte austheilte. Seit sie arm geworden, hat man sie verlassen. Man muß die Kirche deßhalb beklagen? Wir wissen eS nicht. Aber gewiß ist es edler und großer Seelen unwürdig, in solcher Weise die erhabenste und heiligste Sache in den Tagen deS Unglückes zu verlassen. Gewiß werden viele Familien, die früher eben so durch geistliche Würden ihrer Mitglieder als durch StaatSämter ausgezeichnet waren, von der Nachkommenschaft der Undankbarkeit angeklagt werden, wenn sie ihre Namen gar nicht mehr in den Katalogen deS HeiligthumS finden wird, seitdem daS Heiligthum seiner Schätze beraubt ist. Man lobe sie immerhin um ihrer ehrenwerthen und ausdauernden Treue willen gegen gefallene Dynastien; man wird sich um so mehr wuudern, ihre Söhne unter den Dienern jener Majestät nicht zu finden, der sie stets nach Muße zu dienen Gelegenheit hatten, und man wird bedauern, daß die oft unfruchtbaren Thränen ihrer gefährlichen Unthätigkeit nicht ersetzt wurden durch den Muth der Keuschheit und die Liebe des Opfers, die, indem eS sie unter die Fahnen des Königs der Könige gerufen hatte, sie zu gleicher Zeit der Religion und dem Vaterlande nützlich gemacht. Dasselbe müssen wir sagen von jenen neuern Familien, welchen ihre Talente, ihr Vermögen, die Zeitverhältnisse einen ausgezeichneten Platz in der Gesellschaft gesichert haben. Auch bei ihnen besitzt die Kirche unzweifelbare Rechte und Ansprüche, die sie wohl gelten machen könnte. Ohne von der Vergangenheit zu sprechen, ist eS nicht die Religion allein, der eS vorbehalten ist, endlich dieses Zeitalter der Revolutionen zu schließen, das gegenwärtig das neuerworbene Eigenthum eben so sehr bedroht, als eS früher dem angestammten Besitz verderblich gewesen? Möge das Bürgerthum darüber nachdenken; eS hat Vieles von der Kirche empfangen; eS ist' W ckit w^j ns) »jui! I'ttv'Dv ^ittvii? q.l> si/üso müliiz 11» Äi''7?noiL^il '-ch'sily^toi verpflichtet, ihr wenigstens Einiges zu geben, und in jedem Falle könnte eS keinen wichtigern Act der Versöhnung und der Gerechtigkeit ausüben, als ihr seine Söhne anzubieten. WaS uns betrifft, so rufen wir sie sehnlichst zu unS, und sie können auf unsere zärtliche Liebe rechnen. Und saget uns nicht, theuerste Brüder, es sey nicht eure Schuld, wenn der Hauch von Oben daS heilige Feuer in den Herzen eurer Kinder nicht anzündet. Außerdem, daß ihr selbst cS häufig ausgelöscht habt, sey eS durch directe Bekämpfung ihres Berufes, sey eS, indem ihr ihn übertriebenen Proben unterwarft, die ihn tövten mußten und in der That ihn getödtet haben, wir werfen euch auch vor, nichts gethan zu haben, um ihn hervorzurufen. Ist es nicht gewiß, daß, wenn an ihre Ohren so oft das Geräusch einer ganz weltlichen Weisheit tönt, wenn ihre Herzen daran gewöhnt werden, nichts zu schätzen, als was handgreiflich ist, auf nichts Werth zu legen, als was berechnet werden kann, wenn ihre junge Einbildungskraft mit glänzenden Hoffnungen der Welt genährt wird, ihr selbst eS ihnen wehrt, ihre Seelen jenen Gedanken des Glaubens, der Selbstverläugnung, der Liebe GotteS und der Menschen zu öffnen, die sie dem heiligen Dienste geneigt machen und sie auf den Weg zu den Altären leiten könnten? Ach! meine Brüver, gebt dem Priesterthum in eurem Bewußtseyn und in euren Reden jenen Platz wieder zurück, der ihm angehört; saget euren Kindern, daß daS erste und größte Gebor ist, Gott zu lieben und ihm zu dienen, daß eS eben darum die höchste Würde und daS edelste Amt, das auf Erden gedacht werden kann, sey, durch seinen Srand der Ehre Gottes und dem Heile der Seelen geweiht zu seyn; laßt sie erkennen, daß in den Augen eurer Vernunft und eures Glaubens die wichtigsten zeitlichen Interessen nichts sind gegen die ewigen, und daß deßhalb das heilige Geschäft deS Priesters unendlich erhaben ist über Alles, was euer Vermögen betrifft und euch hier unten größere Genüsse bereitet; sprechet diese Sprache zur rechten Zeit zu euren Söhnen, und ihr werdet bald erkennen, daß unter ihnen sich zum Heiliglhum Berufene finden. Und durch sie wird dann großer Segen, dessen ihr schon lange Zeit entbehrtet, aufs neue über eure Häuser sich ergießen." mu chij ^!ll-7l nvM .Kki tHju »Ak.S, Hl, zch?-Ä Rom. Zwei junge Franzosen, Söhne des modernen Unglaubens, hatten allen Ceremonien der heil. Woche zu Rom beigewohnt, ohne gerührt zu werden, ja mit der ausdrücklichen Absicht, darüber zu lachen und sich lustig zu machen. Am heil. Oftertage befanden sie sich um Mittag unter den Colonaden deS PeterSplatzeS unter der übrigen zahllosen Volks- menge, um die päpstl. Benediction zu sehen und über sie — zu lachen. Der Platz war bedeckt mit hunderttausend Gläubigen aus allen Theilen der Welt. Auf dem Balkon der PeterSkirche erschienen nach und nach die Prälaten und Cardinäle. Der Papst sollte jeden Augenblick erscheinen. Unsere beiden Franzosen lachten, unv verglichen die Menschenmasse, die hier versammelt war, mit der von Paris bei großen Nationalfesten. Unterdessen zeigte sich daS vorangetragene päpstl. Kreuz, und sofort auch der hl. Vater selbst mit der Tiara und dem Pluvial geschmückt auf dem riesigen Balkon in der ganzen Majestät, welche den Stellvertreter Jesu Christi umgibt. Die Trommeln wirbeln, die Soldaten fallen auf die Kniee. Die hunderttausendKöpfe entblößen sich, alle Kniee beugen sich, eine feierliche Stille tritt ein. Unsere beiden Pariser lachen nicht mehr. Der Stellvertreter Jesu Christi breitet seine Hände gegen den Himmel auS, und sie'wieder senkend und auf der Brust faltend, drückt er gleichsam den ganzen Erdkreis an/eitt '^erz. und läßt über die Stadt und über die Welt (ui-ki ot orbi) durch daS Zeichen des h^. Kreuzes seinen apostol. Segen herniedersteigen. Jemand, der hinter den beiden Freunden stand, und alle ihre Reden gehört hatte, hörte da den Einen zum Andern sagen: „Alles Uebrige ist nichts, ja daS ist schön!" „Es ist wahr", erwiderte der Andere. Er lachte nicht mehr; denn helle Thränen stürzten auS seinen Augen. Berantwortllcher Redacteur: L. Schönchen. Verlags-Jnhaber: F. C. Kremer.