Zwölfter Jahrgang. Sonntags-Beiblatt zur Augsburger Pojheitung. 27. Juni 2V. 1852. Dieses Blatt erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der halbjährige Abouuementsvrei« 4V kr., wofür e« durch alle königl. bayer. Postämter und alle Buchhandlungen bezogen werden kann- Das erste Rational-Concil in den Bereinigten Staaten. II. (Taklet.) Baltimore, t7. Mai. I» dieser Woche sind noch zwei Prälaten angekommen, so daß jetzt 6 Erzbi- schöfe und 27 Bischöfe hier sind, wohl die größte Zahl, welche sich seit dem Trienter Concil versammelt haben. Außer ihnen nehmen 12 Superioren der Orden und 42 Theologen an den Sitzungen Theil. Die Theologen sind in Commissionen vertheilt, welche den Tag über sich versammeln; AbendS von 4—6 Ubr kommen alle mit den Bischöfen in der Kirche zusammen. Die Bischöfe halten deS Morgen» allein eine Sitzung, um über die Fragen zu entscheiden, welche vorher den Commissionen vorgelegen haben. Jeden Abend predigt einer der Bischöfe oder Theologen. Am Donnerstag wurde ein feierliches Seelenamt für die seit dem letzten Concil verstorbenen Bischöfe gehalten; der Bischof von LouiSville hielt nach dem Evangelium die Trauerrede auf den Erzbischof Eccleston von Baltimore und die Bischöfe Tyler und Fiaget. Am 1k. Mai wurde in der Calhedrale die dritte öffentliche Sitzung geHallen. Die Bischöfe begaben sich dorthin in derselben feierlichen Weise, wie bei der Eröffnung deS Concils. Die versammelte Menschenmenge war eben so groß. Der Bischof von PittSburg predigte über den Primat. Am Tage Christi Himmelfahrt wird daS Concil in einer öffentlichen Sitzung geschlossen. Baltimore, 2t. Mai. Gestern hat das National-Concil seine Sitzungen beschlossen. Die Bischöfe begaben sich in feierlicher Procession zu der Cathedrale, wo der Erzbischof von New- Orleans daS Hochamt, der Bischof von Boston die Predigt hielt. Nach Absingung deS Voni Oöator wurden die gefaßten Beschlüsse vorgelesen und von den Bischöfen auf dem Hochaltar unterzeichnet. Der Bischof Vandevelde von Chicago wurde beauftragt, dieselben dem heiligen Vater zur Bestätigung zu überbringen. Darauf folgten die üblichen „Acclamationcn". das 1'e veum und der Segen. Zum Schlüsse sprach der Erzbischof HugheS von New-Uork dem Erzbischof von Baltimore, als Präsidenten deS Concils, den Dank der versammelten Prälaten auS und schilderte dabei mit hinreißender Beredsamkeit die Eintracht, welche bei den Berathungen geherrscht. ES sey kein Wort vorgefallen, welches nicht in der Gegenwart deS allerheiligsten Sacra- mentS hätte gesprochen werden dürfen. Der Erzbischof von Baltimore wollte antworten, aber Thränen erstickten seine Stimme. — Der Hirtenbrief deS Concils, welcher zu lang ist, um hier mitgetheilt werden zu können, empfiehlt Anhänglichkeit und Gehorsam gegen den heiligen Stuhl, Festhalten am Glauben und Beobachtung der Gebote der Kirche, Unterstützung der .yavg7(Il 2^ ,^ Bemühungen der Bischöfe für die kirchlichen Bedürfnisse der Gläubigen und die Begründung von katholischen NnterrichtSanstalten mit Hmweisung auf die Bestrebungen der irischen Bischöfe zur Gründung einer katholischen Universität, Theilnahme an dem Lyoner MissionSverein und Gehorsam gegen die wellliche Obrigkeit. Die Beschlüsse deS Concils werden erst veröffentlicht, nachdem sie vom heiligen Stuhle bestätigt sind. Es heißt, daS Concil habe die Errichtung von eilf neuen BiSlhümern beantragt: Newark und Brooklyn sollen als eigene BiSthümer von der jetzigen Erzdiöcese New Uork abgetrennt, und ferner zu Burlington im Staate Vermont, zu Portland in Maine, zu Erie in Pennsxlvanien, zu Wilmington in Nord- Carolina und zu Quincy in Illinois neue BiSthümer errichtet werden; auch Kalifornien und Neu-Merico oder TeraS sollen neue BiSthümer erhalten und zwei apostolische Vicare für Florida und das indianische Territorium ernannt werben. "ivll" ->> >'>>'>I^l^ ^»»t..». "» »» . 15.i .^>„... ^ 5>ii',i>>>i» H^zi'T Der Freimaurer-Orden in seiner wahren Bedeutung. (Fortsetzung.) ,U5tvvtT «5tHjui55»W N56 nji.ltZnoN-!l,ttoit«»5T sHr» ö»O Ich habe aus EckertS Schrift einige Bruchstücke zur Charakteristik der religiösen Tendenz der Freimaurerei auSgehoben und glaube durch die Selbstbekenntnisse der Maurer genugsam erwiesen zu haben, daß ihre Tendenz dem positiven. Christenthum durchaus feindlich und im Grunde auf nichts anderes hinauslaufe, als einen schalen Deismus und eine daS sogenannte Menschenthum bezweckende Moral zu verallgemeinern. Diese Tendenz wurde als daseyend bestätigt durch die Zulassung des Reform- JudenthumS in den Orden, so wie durch die Thatsache, daß alle bekannten Maurer zu den lauen Brüdern in der Kirche gehören. Wenn ich aber diese religiöse Verflachung als Ordenszweck dargethan, so kann doch auch nicht geläugnel werden, daß der Orden zu verschiedenen Zeiten Menschen zur Folie gedient hat, welche als die erklärtesten Feinde nicht bloß der Kirche, sondern des Christenthums überhaupt, auf seinen Ruin hinarbeiteten. In der durch einen Bruder ausgearbeiteten Constit litt on der Großloge deS JohanniS-Ordens zu London vom Jahre 1722 wird schon festgesetzt: „Die Maurerei ist ein MenschheitSbund zur Veredlung der Menschheit, um durch Ablegung schädlicher und thörichter Vorurtheile, durch Verbreitung toleranter Gesinnungen und humaner Grundsätze eine stufenweise sittliche Vervollkommnung Vermenschlichen Gesellschaft zu bewirken, an welchem Ordens st reden der Jude und Türke eben so viel Antheil nehmen kann, als bisher ausschließlich nur den evangelischen Christen vergönnt gewesen" (ck. Eckert, psZ. 63 und 64). Wenn auch eine Zeit lang die mehr aristokratisch gesinnten Logen gegen dieses Statut ankämpften, so wurde eS dennoch aufrecht erhalten und eS kann keinem entgehen, daß Juden und Türken zu den erklärten Feinden der christlichen Religion gehören. Diese Richtung verbreitete sich denn auch mit rapider Schnelligkeit nicht bloß in den englischen, sondern auch in den französischen Logen. Es genügt, wenn ich erwähne, daß die frechsten Verschwörer gegen das Christenthum, die Rottenführer der Encyklopävistenbande, als da waren Alembert, Condorcet, Diderot, Harpe, mit ihrem Anhang sich auf den Rath Voltaire'S im Jahre 1763 in den Freimaurer-Orden aufnehmen ließen; sie vereinigten sich mit der Loge vom Großorient und an die Spitze im Orden traten, außer dem als Chef erwählten, in der Revolution so entsetzlich gebrandmarkten Herzog Philipp von Orleans, Condorcet, Mirabeau, Brissot, SieyeS u. s. w. Diese Namen reichen hin, um darzuthun, wie in Frankreich in dem berüchtigten 13ten Jahrhundert die Logen der Sammelplatz für die frechsten Rebellen gegen Kirche und Christenthum waren, von wo aus der Krieg gegen die christliche Ordnung in ganz Europa organism wurde. Denn diese franzö- ') Schles. Kkchenbl. 203 fischen Maurer hatten in allen Landen ihre Bundesgenossen; am französischen Hofe wirkten in ihrem Geist und mit ihnen eng verbunden Graf Argenson, die Dirne Pompadour, der Herzog von Choiseul, welcher namentlich die Zerstörung deS Jesuiten- Ordens bewirkte; in Spanien hatten sie den Minister Pombal als Mitverschworenen, in Preußen arbeitete in ihrem Interesse Friedrich II., in Oesterreich Joseph II., in Rußland Catharina II. Kurz, es gab kein Land, wo sie nicht entweder die Fürsten oder ihre Räthe in ihren Sold nahmen. Natürlich ahnten die Fürsten nicht, daß sie daS Messer sich selbst an den Hals setzten; sie wollten den Preis der Aufklärung und wurden die Helfershelfer nicht bloß der kirchlichen, sondern auch der bürgerlichen Rebellion. Sehr passend scheint hier, was ein Maurer-Haupt Louis Blanc in seiner „Geschickte der französischen Revolution" hierauf bezüglich schreibt, indem er bemerkt: „Obgleich die Freimaurer den am meisten mißtrauischen Regierungen einen nicht geringen Schrecken einflößten, Clemens XII. in Rom sie in Bann that, die Sorbonne in Paris erklärte, „sie verdienten die ewigen Strafen", so fanden sie doch, Dank dem geschickten Organismus ihres Ordens, in den Fürsten und Adeligen weit eher Beschützer als Feinde. Regierende Häupter, z. B. Friedrich der Große, fauden kein Bedenken, die Maurerkelle in die Hand zu nehmen und daS Schurzfell umzubinden. Natürlich, da ihnen die Existenz der böhern Grade sorgfältig verschwiegen ward, so wußten sie von der Freimaurerei gerade so viel, als man ihnen ohne Gefahr zeigen konnte. . . . . Und so geschah eS, daß die hochmüthigen Volksver- räther (so nennt der Maurer Blanc die Fürsten) durch eine gerechte und merkwürdige Fügung des Zufalls verleitet wurden, die geheimen Pläne, die gegen sie selbst gerichtet waren, in ihren Schutz zu nehmen und blindlings durch ihren Einfluß zu fördern" (ck. Eckert, pgF. 74 u. 75). Leider nur zu wahr; die Fürsten halfen die Religion untergraben, damit die Revolution ohne Hemmung die Könige würge! Ich bemerkte oben, daß dieser in den französischen Logen e nheimisch gewordene antichristliche Geist sich auch in andern Ländern Eingang zu verschaffen wußte. Man richt-: sein Augenmerk auf Deutschland, wo Professor Weishaupt zu Jngolstadt den von ihm gegründeten berüchtigten.INu- minaten-Orden dem Freimaurerorden einverleibte (Eckert 87). Welche Art Leute durch diese Einverleibung die Freimaurerei in sich aufnahm, möge deS Kurzen erörtert werden. Weis Haupt, der daS Christenthum läutern und die ächte Humanität in die Welt einbürgern wollte und daher vorschrieb: „in seinen Bund passe nur, wer außer unzähligen schönen Eigenschaften, begierig sey, sich über alles niedrige Interesse hin. wegzusetzen, wer, wo eS um Wahrheit und Tugend zu thun se», sich über den Beifall des großen Haufens hinwegsetze," dieser Weishaupt war, wie gewöhnlich die erbitterten Feinde deS positiven Christenthums, ein erbärmliches Subject. In einem seiner später von der bayerischen Regierung in Beschlag genommenen Briefe bekennt er in Gefahr zu stehen, Ehre und Reputation zu verlieren, indem er in unlaulern Verhältnissen mit seiner Schwägerin gelebt und ist für seine Person nicht gegen die verbrecherischsten Mittel, um seine Reputation zu retten (Eckert 83). Seit dieser Verbindung der Jlluminaten mit den Freimaurern ist in den Orden auch in Deutschland jener unchristliche Geist vollends eingedrungen, von dem ich schon in Artikel I Proben geliefert. Und wenn dieser Geist offenbar ein verwerflicher ist, wie kann in dem Orden ein Mensch verharren, welcher an der Göttlichkeit deS Christenthums festhält? Und wie darf ein Geheimbund geduldet werden, unter dessen Schatten sich erbitterte Verschwörer gegen jene heilige Religion seit lange verborgen, welche doch die Grundlage des gesellschaftlichen Wohlergehens ist? WaS nützt eS den einzelnen OrdenSobern, wenn sie auch gegen diese Elemente Protestiren und sie als Mißbräuche schildern wollen, da sie den Mißbrauch nicht hindern und abstellen können? Daß eine große Zahl der Mitglieder in diesem Geheimbunde nicht weiß, was sie thut und nur einer unschädlichen Brüderschaft anzugehören glaubt, ist wahrscheinlich; allein daß diese „unschädliche Brüderschaft" in ihrem jetzigen Zustande vom christlichen Standpunct aus 204 durchaus verwerflich, weil das positive Christenthum untergrabend ist, wer kann das läugnen? Denn nicht bl