Zwölfter Jahrgang. >M^> ^ « ^ » ^ Sonntags-Betblatt zur Augsdurger Postzeitung. S5. Juli SV. 185S. __ Dieses Blatt erscheint regelmäßig alle Tonntage. Der halbjährige Abonnementsprei« TV kr., wofür e« durch alle königl. bayer. Postämter und alle Buchhandlungen bezogen werdeu kaun Die FronleichnamSproeession in Rom. Rom, lt. Juni. Zu dem gestrigen Fronleichnamsfeste und insbesondere zu der an diesem Tage hergebrachten großen Procession waren auch in diesem Jahre bereits mehrere Wochen hindurch die großartigsten Anstalten getroffen. DaS Innere der riesigen PeterSkirche war ganz mit Draperien von rother Seide und Gold ausgestattet, die Säulenhallen zu beiden Seiten deS PetersplatzeS waren mit den kostbarsten Teppichen und anv'ern Zierrathen geschmückt, und eine große zeltartige und mit Kränzen gezierte Fortsetzung derselben bedeckte den Weg, den der feierliche Zug außerdem zu machen hatte, und diente zum Schutz gegen die brennenden Sonnenstrahlen. Schon früh fand sich eine ungeheure Menschenmenge auf dem Petersplatze und unter den Hallen ein; alle religiösen Orden RomS und die Pfarrer und Capitel, denen die Theilnahme zustand, versammelten sich in den ihnen zukommenden Trachten am Eingange deS Vatikans, und unaufhörlich rollten die Wägen der Cardinäle, Bischöfe und Prälaren, um diese zur sirtinischen Capelle zu bringen. Hier begann der heilige Vater um 8 Uhr unter Assistenz zweier Bischöfe und in der Umgebung deS ganzen heiligen Kollegiums die heilige Messe zu lesen, und der Zug fing an, sich in Bewegung zu setzen. Leider fiel aber während dessen ein so starker Regen und trieb der heftige Wind denselben so arg umher, daß die Procession die Säulenhalle und daS Zelt nicht passiren konnte und daher auf den Weg von der Sirtina durch den Vatikan und die Vorhalle von St. Peter beschränkt werden mußte. Wir hatten somit in diesem Jahre nur Gelegenheit, dem feierlichen Einzüge in St. Peter beizuwohnen. Ohne uns auf eine ins Einzelne gehende Beschreibung einzulassen, die bei einer so großartige» Feierlichkeit, in der daS, was anderswo imponirt. fast verschwindet, zu weit führen würde, bemerken wir nur, daß der Zug unter Vortritt der Alumnen verschiedener Kollegien durch den Regular-KleruS und zwar durch die Orden der FranciScaner, der beschuhten Augustiner, der Kapuciner, Hieronymiten, Minimen, Tertiarier vom heil. FranciScuS, Minoriten-Conventualen, Minoriten-Observanten, Augustinianer. Servilen, Carmelitaner und Dominicaner eröffnet wurde. Alle gingen in ihren Habiten und ließen sich ihre Standarten oder Kreuze mit zwei Leuchtern vortragen. An sie schlössen sich die Mönchsorden, die Olivetaner, Cistercienser, Camaldolenser, Cas- sineser und die lateranensischen Regulär-Kanoniker deS allerheiligsten Erlösers. Die Reihen deS Welt-KleruS begannen mit den Alumnen deS päpstlichen römischen Seminars, denen die Pfarrer der vierundsünfzig Pfarreien von Rom in der Stola, die Kanoniker und Beneficiaten von neun Collegiatstiften und endlich die Kanoniker der kleinern Basiliken von Regina Cöli, St. Maria in CoSmedin, St. Maria in Traötevere und St. Lorenzo in Damaso folgten. Dann erschienen die Capitel der stttkklkls'^^ drei Patriarchalkirchen St. Maria Maggiore, St. Peter und St. Johannes im Lateran in ihren Jnsignien, der Vicegerente von Rom, und nun begann die söge- nannte Cappella Poniificia mit ihren zahlreichen und in so verschiedenen Abstufungen ausgezeichneten Mitgliedern. Dem CardinalS' Kollegium vorher gingen die infulirten Aebte, die dem päpstlichen Throne nicht assistirenden Bischöfe und Erzbischöfe, der griechische und der armenische Bischof in der Tracht ihres RituS, und die assistirenden Bischöfe und Erzbischöfe — alle in Pluvialen auS Silberstoff und eine weiße Mitra l in der Hand tragend. Die Cardinäle waren nach ihrem Range, die Diaconen in der Tunicella, die Priester in Caseln und die Bischöfe in Pluvialen gekleidet und ließen, während alle andern an der Procession Theilnehmenden selbst brennende Wachs, lichter trugcn, diese durch ihre Dienerschaft tragen. Ihnen schlössen sich noch die drei Conservatoren des römischen Volkes, der Senator und Governatore von Rom und andere Würdenträger an, worauf Se. Heiligkeit der Papst, getragen auf dem hohen Sessel und das Sanctissimum vor sich habend, folgte, während der römische Magistrat hoch darüber den kostbaren Baldachin ausbreitete. — Man hat PiuS IX. in seinen verschiedenen kirchlichen Funktionen in verschiedener Hinsicht bewundert; die Einen heben die Majestät hervor, mit der er die Benediction von der Loggia von St. Peter spendet; die Andern fühlen sich noch mehr angezogen durch die außerordentliche Würde und die sichtbare Andacht, mit der er daS heilige Opfer auf dem Grabe deS Apostelfürsten darbringt; Andern wieder prägt sich die Einfachheit, Demuth und Erniedrigung tiefer ein, mit der er alljährlich dreizehn Priestern die Füße wäscht und küßt; — aber gewiß nie zeigt sich alles dieses schöner verbunden und vereinigt, als wenn er, der höchste Würdenträger auf Erden und als solcher hoch und in herrlicher Umgebung einhergetragen, sich oben auf dem Thronsessel vor dem Allerheilig- sten erniedrigt und mit entblößtem und tiefgebeugtem Haupte daS hochwürdigste Gut, das er hoch in den Händen hält, anbetet. Hier ist der Statthalter Jesu Christi, und siehe! — er ist versunken in tiefster Anbetung seines Herrn, den er auf seinen Händen trägt! Wirklich, man muß PiuS IX. da sehen, um fühlen zu können, waS in dieser Erscheinung liegt. — Beim Eintritt in St. Peter wurde von den Sängern daS Te Dmm angestimmt, und zum Schlüsse gab der heilige Vater dem überaus zahlreichen KleruS und der ungeheuren Volksmasse, welche heute fast Gedränge in den Räumen dieser Basilika verursachte, mit dem Sanctissimum die dreifache Benediction. (Münst. S.-Bl.) _ Die »au»«« S5»erv Oovur. (Von Friedrich Hurter.) , AIS in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts eine von Gott abgewen- dete Philosophie dem Wahn sich hingab, die Kirche vertilgen und den Glauben auS den Menschenherzen ausrotten zu können, suchte sie vor Allem deS Unterrichts und der Erziehung sich zu bemächtigen. Ihre vereinten Streiche waren daher zu allererst gegen j ne erlauchte Gesellschaft gerichtet, die durch zweihundert Jahre in allen katholischen Ländern dem Unterricht und der Erziehung mit solchen Erfolgen sich beflissen, ^ welche nur die Feindschaft gegen alles Höhere und die Unwissenheit mißkennen oder läugnen können. Der Schlag aber, welcher die Gesellschaft vernichtete, erschütterte zugleich die Grundlagen, auf welchen Unterricht und Erziehung bisher überall geruht hatten; beide, ob nun in ihrer Beziehung zu der männlichen, ob in ihrer Beziehung zu der weiblichen Jugend, verfielen immer mehr dem Weltgeist und seiner zerstörenden Einwirkung. AIS dann in fortschreitender Entwicklung jener Bestrebungen in so manchen Ländern alle kirchlichen Korporationen, auch diejenigen, welche Unterricht und Erziehung sich wesentlich als Lebensaufgabe gestellt, vernichtet wurden, blieb zwar daS Bedürfniß nach beiden wie zuvor. WaS aber bisher im Aufblick zu Gott und in liebreicher Hingebung an seine Menschenkinder dargeboten und gewährt worden war, sank jetzt zu einem Gewerbe und zur Geldspeculation herab, welche, den Impulsen von oben fremd, denjenigen von unten zur Verfügung sich stellen mußte. Die S35 , Kinder wurden nicht in dem allseitig veredelnden Sinne des Christenthums, sondern in dem äußerlich abschleifenden Sinne der von Gott abgekehrten Welt unterrichtet und erzogen. Zu eben der Zeit, da in Frankreich, in dessen Hauptstadt vornämlich, christlicher Glaube und Sittlichkeit und was mit beiden in unzertrennlicher Verbindung, Ordnung und Gerechtigkeit für immer darnieder getreten schienen, keimte jene Verbindung christlicher Frauen, die sich den Namen vames 6u 8aer6 Loeur 6s 5esu beilegten, und welche vor Jahren schon ein hocherleuchteter Mann „den Sieg der Barmherzigkeit GotteS über dessen Gerechtigkeit" genannt hat. Die jetzt noch zu Paris als Oberin der etlich und sechzig Häuser der Gesellschaft, die seitdem in drei Erdtheilen entstanden sind, lebende Sophie Barot war im Jahre 1800 eine Jungfrau von fünfzehn Jahren. Zu der außeryrdentlichen Mission, zu welcher die göttliche Vorsehung sie auSersehen hatte, war sie durch den seltenen Verein der vorzüglichsten Geistes- und HerzenSgaben ausgestattet. Zu Wissen und Frömmigkeit, Heldenkraft und Demuth, gesellte sich jene Liebenswürdigkeit, die ein besonderes Erbgut des französischen Charakters ist, und, durch Tugend verherrlicht, vielleicht nicht eineS der geringsten Mittel war, dessen sich die Güte GotteS bediente, um ihr so viele Herzen zu gewinnen. Durch heißes Gebet und durch eifriges Studium aller jener Gegenstände, die heut zu Tage zu einer feinen Erziehung gezählt werden, bereitete sie sich zu ihrer großen Aufgabe vor. Ihr tiefer Geist beschränkte sich nicht auf die gewöhnlichen Gebiete deS Wissens; sie machte sich selbst die alten Sprachen zu eigen, um deren Schriftstellen in dem Urtert lesen und mit Leichtigkeit auslegen zu können. Setzte sie hierdurch bei den vielfachen Prüfungen, die sie, um ihren Lehrplan in Ausführung zu bringen, zu bestehen hatte, die Männer in Staunen, so entzückte sie daS weibliche Geschlecht durch die vollendete Zierlichkeit ihrer Handarbeiten. Jenes Wissen aber, worin Madame Barot einer RoSwira von Gan- derSheim, einer Christine von Schweden kann verglichen werden, sollte ihr nur als Mittel dienen, um die Herzen für Tieferes und Edleres empfänglich zu machen, den beinahe verschwundenen Glauben wieder anzufachen und zu neuen Blüchcn zu erkräftigen. Sie fand bald einige würdige Mitarbeiterinnen in edlen Frauen, welche, wunderbar dem Blutgerüste entronnen, von dem reinsten Eifer lurchglüht waren, Gott und in Ihm dem Nächsten zu dienen, somit beizutragen, die schwere Schuld zu sühnen, die auf ihrem furchtbar durchwühlten Vaterlande lag. Sie Alle hatten sich in Gott und durch Gott gefunden, empfahlen Ihm im einsamen Gebet ihr Vorhaben und gründeten darauf in AmienS ihr erstes Haus, welches die Wiege der seitdem durch so viele Länder verbreiteten Gesellschaft ist. Der heilige Vater Leo XII. erkannte dieselbe als Orden, der seitdem der besondern Vorliebe seiner Nachfolger sich erfreut, dessen die drei Häuser, die er zu Rom besitzt, daS vollgiltigste Zeugniß sind. Unscheinbar und wie alles Bessere, unter Kampf mit mancherlei Schwierigkeiten, anfangs selbst mit Noth und Mangel und Anfechtung von außen begann dieses We»k. ES schien, als sollte daS mit Dornen gekrönte, mit dem Kreuz durchstochene, von Flammen umgebene Herz deS Erlösers an seinen erwählten Bräuten geistig sich darstellen. Nachdem sie Jahre und Jahre treu und muthig unter Armuth und Mißkennung ausgeharrt, brach endlich die Sonne durch die Wolken hindurch; Könige und Fürsten durchschauten die hohe Bedeutung dieses Instituts und kamen ihm mit Huld entgegen, wie aus den Jahresberichten deS Ordens sich nachweisen läßt, der schon im vorigen Jahr über 2000 Mitglieder zählte, die in 64 Häusern das Wort deS Herrn: „Lasset die Kleinen zu mir kommen, denn ihrer ist das Himmelreich," in der zartesten und erfolgreichsten Weise zu verwirklichen sich bestreben. Durch persönliche Beziehungen zu den Bischöfen von Parma und von Straßburg ist eS dem Schreiber dieses möglich geworden, die Häuser deS Ordens in ersterer Stadt, sodann dasjenige zu KinSheim im Elsaß etwas einläßlicher kennen zu lernen, als eS sonst einem Reisenden möglich ist; genaue Berichterstattung ist ihm später zu Theil geworden von einigen Vätern, die ihre Töchter den vsmes sor4 Ooeur sind erzogen worden, solchen Dienstboten den Vorzug geben. Andere verheirathen sich mit rechtschaffenen Handwerkern, da diese sicher sind, in ihnen wahre, weil ihrer Bestimmung nach jeglicher Beziehung entsprechende Lebensgefährtinnen zu finden. Wieder andere vereinigen sich zu Nähgesellschaften, nnd empfehlen sich gleichfalls durch Ein« gezogenheit und Gewissenhaftigkeit. Alle verbreiten über eine oft wüste Umgebung den Segen eines frommen HerzenS, eineS festen Glaubens, wahrer Tugend, und sind hiedurch nicht selten zu Werkzeugen der erfreulichsten Bekehrungen geworden. DaS dritte Mittel sind die ketraitvg (geistliche Uebungen) für diejenigen, welche in der Welt beschäftigt, nicht im Stande sind, ihrer Heilsangelegenheit täglich eine längere Zeit zu widmen und dennoch daS Bedürfniß fühlen, bisweilen einen ernsten Blick in ihr Inneres zu thun. Solche Seelen voll guten Willens können in einem Hause des Ordens nm Aufnahme für acht, nenn Tage anhalten, um während dieser Zeit in dem Hause des Herrn Gott und sich zu erfreuen. An Leib und Seele je nach Stand und Erziehung besorgt, stehen sie dann unter der liebevollsten Aufsicht und Leitung der erfahrensten Freundinnen deS Herzens Jesn. Solche Tage der Ruhe haben schon vielen hundert Seelen neue Kraft und neuen Muth verliehen, die Bürde der Familiensorge und der täglichen Lebenslasten im Geiste deS Christenthums wieder auf sich zu nehmen, und in freudigem Gottvertrauen ferner zu tragen. Wie manches matte Herz, wie manche gebeugte Seele hat nicht in einer solchen Anstalt ihren Frieden, ihr Heil wieder gefunden, ist nicht mit innigem Dank, mit zärtlicher Liebe aus dem Hause des Herzens Jesu geschieden! Und von dieser Wohlthat wird Niemand ausgeschlossen, der unbefleckten Rufes, anständigen Betragens ist. Diesem Zwecke ist »37 gewöhnlich ein eigener Flügel des Gebäudes gewidmet, indeß der andere für daS Pensionat eingerichtet ist, der mittlere Theil aber vaS Kloster bildet, welches für Fremde unzugänglich bleibt. — DaS vierte, vielleicht unscheinbarste, dennoch nicht weniger wirksame Mittel besteht darin, die schuldigen Familien- oder durch den Beruf gebotenen Rücksichten nicht aufzuheben. Hierin erkennen die Frauen ein Mittel, unendlich viel Gutes durch Wort und Beispiel zu wirken. In sämmtlichen Häusern werden nebst der französischen die deutsche, englische und italienische Sprache gelehrt, und zwar immer von Frauen aus den betreffenden Ländern. Ueberall wird die Nachmittagsschule in der Landessprache gehalten, indeß für den Vormittag beständig die französische Sprache angenommen ist. Zur Erhaltung der Gesundheit und Angewöhnung gefälliger Leibesbewegung wird die Kallysthenie und täglich Gymnastik, im Sommer selbst im Freien, angewendet. Zu diesen Uebungen, so wie für das Zeichnen und die Musik, werden immer die ersten Meister der Stadt ersehen, die aber unter Leitung und ununterbrochener Aufsicht der Damen ihren Unterricht ertheilen. Die Frauen selbst verlassen ihre Klausen niemals, außer auf Reisen von einer Anstalt zur andern, wenn sie ihnen in Kraft des heiligen Gehorsams auferlegt werden. Auch sehen sie nie Jemand außer in dem allgemeinen Sprechzimmer. Den Geist der Zeit und seine Meinung berücksichtigend, auch anerkennend, daß, wer den Zweck wolle, die Mittel nicht verschmähen dürfe, haben sie weder Gitter noch etwaS Eisernes in ihren Häusern, welche, inmitten weiter Gärten gelegen, das Aussehen reizender Landwohnungen haben. Eben so wenig Auffallendes hat ihre Kleidung; man könnte sie derjenigen ehrbarer Wittwen im verwichenen Jahrhundert vergleichen — ein schwarzes einfaches Wollenkleid mit einem dünnen Schleier ans Wollengewebe, der jedoch niemals über daS Antlitz herabfällt. Die Armenschule befindet sich stets in einem von dem Pensionate getrennten Gebäude, eben so die Waisenhäuser, welche in einigen Städten auf besonderes Verlangen der hochwürdigsten Herren Bischöfe von den Frauen übernommen wurden. Diese Trennung ist schon durch den ausgedehnten Raum bedingt, den solche Anstalten erheischen. Die Pensionate zählen gewöhnlich über 100 Mädchen, die Zahl der Erlernen beläuft sich in mancher Stadt auf 300 bis 400. Bei solchen Zahlen ist eS unerläßlich, daß auch die Spielplätze getrennt seyen. Eine andere Seite dieser Anstalt, die vorzüglich den Bürger- und GewerbSstand berührt, dürfte gleichfalls in Betracht kommen — die pecuniäre. Manche Lehrer finden durch sie ein gesichertes Auskommen; die verschiedenen Bedürfnisse bringen Leben in Verkehr und Erwerb. ES ist buchstäblich wahr, daß seit Errichtung eines solchen HauseS mehr als Eine Gemeinde in ihren VermögenSumständen sichtbar emporgekommen ist, auch die umliegenden Ortschaften ihren Vortheil dabei gefunden haben. Vermöge der Aufgabe, welche die vsmes clu 8scr6 t!oeur sich gestellt haben, ist eS begreiflich, daß sie ihren Zuwachs vornämlich auS den höhern Ständen erhalten, obwohl eine solche Herkunft durchaus nicht Bedingung, nicht einmal Empfehlung zur Aufnahme ist. Ein frommes reines Gemüth, ein gesundes Urtheil, ein hell ausgebildeter Verstand, eine sorgfältige Erziehung, vor Allem jene Schmiegsamkeit deS Charakters, die ihr Glück in dem heiligen Gehorsam findet, daher mit Freudigkeit jeden Augenblick HauS und Heimat und Stelle zu verlassen bereit ist, das sind die wesentlichsten Eigenschaften, auf welche bei Anmeldenden Rücksicht genommen wird. Bei aller Bildung, bei aller feinen Erziehung verrichten diese Damen alle häuslichen Geschäfte selbst; und nichts dürfte auf die ihrer Obhut anvertrauten Zöglinge so erfolgreich einwirken, als dieses Vorbild beständiger und freudiger Selbstaufopferung und reinen DahingebenS in Alles, waS die Liebe GotteS im Dienste des Nächsten verlangt; so wie in dieser weisen und glücklichen Mischung der geistigen und der Händearbeit daS Geheimniß jenes HochsinnS liegen dürfte, welche das bezeichnende Merkmal dieser Damen ist, ihre Häuser zu Wohnstätten des wahren Glückes weiht, und Niemand dieselben betreten läßt, ohne daß er in wohlthuender Stimmung sie wieder verließe. 238 Ein Freund deS Schreibers dieser Zeilen, der schon vor ein paar Jahren seine einzige reichbegabte Tochter zur Erziehung in ein HauS der vames äu 8ser6 dosur brachte, hat ihm seitdem mehrmals bezeugt, wie innig er dieses Entschlusses sich zu freuen Ursache habe. Sein dankbares Vaterherz hat dem Bestreben und Walten dieser Damen unausgesetzt das beredteste Zeugniß gegeben, welches eS nur deßhalb nicht in weitern Kreisen wollte laut werden lassen, weil dieselben nicht nach Lob vor der Welt trachten. Er zollt der Weise, wie sie ihre Zöglinge in gründliche Bildung einzuführen wissen, ohne sie der ächt weiblichen Sphäre zu entrücken, die vollste Anerkennung, worin er mit Schriftstellern hochberühmten Namens, namentlich mit Goume in seinen Iroi'5 komes (an mehrern Stellen) vollkommen übereinstimmt. (Schluß folgt.) Die Jesuitenmiffionen in der bayerischen Pfalz. Seit Jahresfrist sind vier Volksmissionen (zu Speyer, Landstuhl, Grünstadt und Rheinzabern) von den Jesuiten in unserer Pfalz abgehalten worden; sie haben so Manches aufgerüttelt im innern und im äußern Leben, und eS drängt sich jetzt die Frage auf: welches ist ihre Wirkung gewesen? Bei unserm katholischen Volke, für welches sie allein bestimmt waren, erfüllten sie ihren Zweck. Erregung, Belebung und Befestigung des religiösen Bewußtseyns, Unterdrückung und Beschränkung böser Leidenschaften, Werke der Demuth, der Liebe, des Gehorsams, neue Begründung eines christlichen Familienlebens: daS sind etwa die herrlichen Früchte, welche dieses GeisteSwerk gebracht hat. Im innern Seelenleben erzeugten sie Ruhe und Frieden, nicht jenen äußerlichen politischen Frieden, wie ihn die Welt bringt, sondern jenen innern HerzenSsrieden, wie ihn nur Gott geben kann und der die alleinige Quelle eines ruhigen, geordneten StaalSlebenS ist. Somit waren eS die „geduldeten" Missionen, welche als Begründer deS innern Friedens jene Sendung, die im Jahre 1849 die braven Preußen als äußere Friedensstifter begonnen, zum höchsten Wohle deS Staates bei unS ruhmvoll beschlossen haben. Obwohl nur für die katholische Bevölkerung bestimmt, mußten indessen diese außerordentlichen kirchlichen Heilmittel auch ihre Rückwirkung auf andere GlaubenS- und Parteigenossen ausüben. Die Protestanten blieben davon nicht ganz unberührt. Die rationalistischen, welche noch Gemüth und freie Urtheilskraft besaßen, denen aber der Begriff von Gott, von Unsterblichkeit, von jenseitiger Belohnung und Bestrafung im Strudel trivialer ZeitungS- und Romanenlectüre unbewußt abhanden gekommen war, — sie wurden durch diese klaren Vorträge nachdenkend und bestürzt: „eS könnte doch etwas Wahres an den alten Mährchen des dummen Volkes seyn." . Doch diesen Zweifel zur Gewißheit zu erheben, dazu fehlte meist der sittliche Muth. Allein selbst der bloße Zweifel hat hier sein GuteS; mancher frühere Maulheld und Spötter nämlich lernte jetzt jene vervehmten Jesuiten, welche mit seltener Klarheit und in einfacher volkSthümiicher Sprache die chriftl. Grundwahrheiten vortrugen, achten und schätzen, wennauch nicht lieben; er konnte in ihnen unmöglich jene moralischen Ungeheuer, jene VolkSverdummer, jene confefsionellen Unruhestifter, jene Störer deS Familienfriedens erkennen, wie sie tagtäglich der ganze radikale Journaltroß uns vor Augen führt. Wenn alle Jesuiten, so hieß eS, solche Männer sind und ihr Orden solche Priester erzieht, dann kann man sie unmöglich befeinden, und nur die teuflische Bosheit des Unglaubens vermag eS, jenen lödtlichcn Haß zu erzeugen wegen der siegreichen Verkündigung der göttlichen Wahrheit! — Ganz anders war die Rückwirkung auf die gläubigen Protestanten, besonders ihre Geistlichen gewesen, und - Wer sollte eS glauben? — sie sahen den häufigen Besuch jener Verträge durch ihre Pfarrkindcr äußerst ungern; ob aus Eifersucht, ob aus Furcht? ich kann eS nicht sagen. Sie belauschten sie mit ängstlicher Aufmerksamkeit und benutzten sie dann in ihrer Weise zur geeigneten Widerlegung. »39 Wenn so die Erscheinung der Jesuiten auf viele rationalistische Protestanten eine gute, auf die gläubigen dagegen eine ungünstige Wirkung hervorbrachte, die flch heute schon zum feindlichen Auftreten vorzubereiten scheint, so hat sie auf unsere Demokraten — und wir besitzen deren noch eine nicht kleine festsrganisirte Partei — als nährendes Oel gewirkt für das immer brennende Feuer ihres höllischen HasseS gegen den katholischen Glauben. Frivoler Spott, frecher Hohn und höllische Verleumdung find hier wie überall ihre gewohnte Angriffswaffe. Und wie sollte eS auch anders seyn? Wer daS Daseyn eines Gottes, wer die Unsterblichkeit lehrt, wer von einem jenseitigen Gerichte spricht, wer die thierischen Leidenschaften bekämpft, wer Demuth, Liebe, Gehorsam, Achtung jeder Autorität verkündet; wer die „aufgeklärte" Weisheit der Zeit und deren Hochmuth geißelt und nach jenes griechischen Philosophen Vorgang im „Lerne Dich selbst kennen," — in der christlichen Selbsterkenntniß eine Hauptaufgabe deS Lebens erblick-, der muß absolut einen tövtlichen Widersacher dort finden, wo der Atheismus auf dem Fleische thront, wo Seele und Geist der Sclave des Körpers, das eigene Ich der selbstgeschaffene Gott, die Unsterblichkeit der Seele nur ein dummeS Ammenmährchen ist, und wo die zügellosesten Leidenschaften als höchste Tugenden gelten. Die atheistische Demokratie — und nur diese hauSt in der Pfalz — ist der Todfeind deS Christenthumes, der Katholicismus erscheint ihr als dessen Hauptrepräsentant, die Jesuiten aber sind seine geist- und siegreichen Verkünder, darum jener tödtliche Haß. Möchten doch alle Staatsmänner nur die einfache Rückwirkung, welche die Missionen auf die Demokratie haben, unparteiisch und sachgemäß würdigen. Gegen die Jesuitenmissionen müßten dann überall die Schlagbäume fallen I (Mainz. Journ.) _ Die Mission in Neumarkt. Neumarkt, 4. J.uli. Die Tage des Heiles — die schönen Tage der Mission sind vorüber, doch nur der Zeit nach, im Andenken Tausender dauern sie noch lange, wo nicht ihr Leben hindurch. Soll ich von dieser Mission im Allgemeinen reden, so wird eS genügen, an daS erinnert zu haben, waS unlängst von jener in Jngolstadt erzählt wurde. Unser Gotteshaus war Tag für Tag mit Menschen gefüllt, daß man Mühe hatte, am Schlüsse der Predigt aus der Kirche zu kommen, die Beichtstühle von Morgens 4 Uhr bis Abends 7 Uhr belagert und um bei den PP. Missionären zuzukommen, sah man viele, die nicht einmal, sondern mehr Tage nach einander acht und mehr Stunden ausharrten. Mußte ja dieses liebevolle Auftreten, diese Leutseligkeit und dieser unermüdete Eifer uns gewinnen und unsere Begeisterung für die Religion aufflammen machen, die, im Glänze ihrer Schönheit gezeigt, im Munde dieser Prediger ihre anmuthsvolle Erbarmung selbst dann nicht verlor, wenn sie ernste Worte an uns richtete und wir, wie bei der Abbitte vor dem Allerheiligsten, zerknirscht und erschüttert an unser Herz geschlagen haben. Als aber am Ende Pater Rohmann die Freuden des Himmels schilderte, da schien wirklich der Himmel unS ein Vorgefühl seiner Freuden kosten zu lassen, als nach dem feierlichen Einzug deS hochwürdigsten Herrn Bischofes P. Schmude das Lob der Königin der Himmel verkündete und durch lautlose Stille der Gesang unschuldiger Kinder wie mit Engels» stimmen durch die Kirche tönte: „Jungfrau, Mutter, himmlisch Schöne", da faßte Entzücken jedwede Seele und die folgende Procession, bei der Se. bischöfl. Gnaden zur Freude und Erbauung seines Volkes das Allerheiligste trug, war ein Triumphzug der Gnade, an dem sicher die Engel deS Himmels sich erfreuten, in deren Chöre der SchlußhymnuS deS Te DeumS sich mischte. DaS war aber bloß die eine Perle in der Krone des Festes. Am folgenden Tage die heilige Firmung. Bischof Georg bestieg die Kanzel; seine Ansprache war nur der Erguß eines freudeerfüllten Herzens, seine Worte erstickten unter seinen und seiner Zuhörer Thränen. Zum letzten Male erschien P. Schmude, seine Rede galt den armen Schulschwestern, die in ihr neueS Kloster eingeführt werden sollten. Und mit Recht sprach gerade Er; denn Er war 240 a « cn >"»0'i »»»>u1^2 ^ ^ „u,»^^»-Ä »tt!iLL ' der Liebling der Kinder geworden. Unter dem Segen des Bischofes begann der Zug dahin, den Herr Provisor Hörmann, der vorzüglichste und unermüdete Beförderer deS Werkes, mit einer Rede empfangen wollte, der aber in der Freude, nach langen Mühen daS Ziel erreicht zu habin, einem der Schulmädchen eS überließ, die Schwestern im Namen der Kinder zu begrüßen. So schloß dieses eilftägige Fest, ein Fest der Religion, deS SegenSZund des Friedens. Möge dieser Segen lange unS erhalten, auf unsere späten Nachkommen noch überliefert werden. Möge es wahr werden, was die Bürgerschaft am Schlüsse deS dem Hochwürdigsten Bischöfe überreichten Gedichtes sagte: Daß der Mission geweckte Früchte Fortwachsend froh uns führen zum Gerichte!! Großbritannien. Nach dem katholischen Almanach von Schottland für 1852 zählt man daselbst 5 Bischöfe, 13V Priester, 100 Kirchen oder Kapellen, ferner über 40 Stationen, die entweder regelmäßig oder gelegenheillich besetzt werden. Zur Bildung des Priesterstandes besteht ein kathol. Kollegium im Lande in Aberdeen, mehrere außer Landes, wie jenes zu Rom, in Paris, zu Valladolid und zu RegenSburg. Es bestehen auch vier Klöster. Die Zahl der Katholiken schätzt man auf 150,000. die Mehrheit bilden jedoch Jrländer oder Abkömmlinge von Jrläudern. In England schätzt man die Zahl der Katholiken auf 1'/2 Mill. Diese besitzen 710 Kirchen ober Capellen, 17 religiöse Häuser, 62 Klöster und 1039 OrdenSpriester. Die Zahl der Priester vermehrte sich im abgelaufenen Jahre allein um 67. China. Einem Briefe deS katholischen Missionärs in Tong King, des Abb6S Taillander, an einen Geistlichen in Frankreich entnehmen wir Folgendes: Auch hier haben wir Revolutionen und das arme annamitische Königreich hat viele Drangsale zu erdulden. Kaum war der Krieg mit den KombadschiS beendigt, als daS Königreich von der Cholera verheert wurde. Die Piraten verübten fürchterliche Plünderungen, sie verschonten weder die königlichen Barken, noch die der Kaufleute. Durch häufige Orkane, besonders in diesem Jahre, sind auf der See viele Unglückliche mit all ihrem Hab und Gut zu Grunde gegangen und auf dem Lande richteten sie große Verwüstungen an. Im nördlichen Theile deö Königreichs Hausen gegenwärtig chinesische und annamitische Räuberbanden, die täglich zunehmen und Schrecken und Verheerungen in den Provinzen verbreiten. Die königliche Armee vermag nichts gegen sie. Da die Verfolgungen hier immer noch bestehen, so kann die Religion, obgleich in einem ziemlich gedeihlichen Zustande, sich nicht so entwickeln, wie sie eS bei vollkommener Freiheit gethan haben würde. Es scheint, daß der König und die meisten Mandarine nicht so wie ehemals die Christen hassen. Selbst in vielen Orten, wie in dem Districte, in welchem ich mich befinde, sind unS die Mandarine günstig. Sie suchen Bekanntschaft mit mir und den eingeborenen Priestern zu machen, aber da wir eS für rathsam halten, uns nicht zu sehr auSzusprechen, so sind wir sehr behutsam, arbeiten im Stillen und vermeiden, ausgenommen bei außerordentlichen Umständen, jedes Aufsehen. Doch konnte ich dieses Jahr, unterstützt von sechs bis sieben eingeborenen Priestern, geistliche Uebungen abhalten, die einen guten Erfolg hatten. Der Zudrang war ganz außerordentlich. Die Mandarine wußten, waS wir thaten, und viele alte Sünder sind bei dieser Gelegenheit zu Gott wieder zurückgekehrt.___ Verautwortlicher Redacteur: L. Schöuche». Verlage-Inhaber: F. E. Kremer.