Zwölfter Jahrgang. 7?Sonntags-Beiblatt »n»T .»??l.i»l.a» ! ^.'»io n>j!liL ^«!tij!/ .,a7UM tt,tlb,l5l^b Ii^s.iu nr^) ^Mls »nP n»Ä mu »-^>-) > .dst nnuiH «dva LZ snu tll»tfts.ii!v ünb^iivS ^^»WR ^u,»»nomsa? ?»1 m» ^, 15. August M SS. 185S. ___ Dieses Blatt erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der halbjährige Abonnementspreis TV kr., wofür es durch alle königl. bayer. Postämter und alle Buchhandlungen bezogen werden kann. ' ^ Das Fest des heiligen Petrus und Paulus. Rom, 12. Juli. Die heiligen Apostelfürsten Petruö und Paulus find nicht allein die Beschützer und Beschirmer der ganzen katholischen Welt, sondern vorzüglich auch die Patrone des Mittelpunktes derselben, der ewigen Stadt. Diese besitzt ihre Gräber und ihre irdischen Uebcrreste; sie zeigt die Stätten, an welchen sie ihre Wirksamkeil mit dem glorreichen Martyrium krönten; ihr Bocen ist besprengt mit dem Blute derselben und in vielen Oertlichkeiten bewahrt sie das lebendigste Andenken an ihr Leben und Wirken. Deßhalb war von jeher das Fest dieser beider Apostelfürsteil daS eigentliche Fest Roms, und wenn auch mit einigem Unterschied, so wurde eS doch immer mit dem höchsten Glänze und der größten Feierlichkeit begangen. DaS Centrum der Feier ist die Basilika des heiligen PetruS im Vatikan, erbaut über dem Grabe dcS heiligen Petrus, wegen ihrer riesigen Größe und Einrichtung ein Symbol der Kirche der ganzen Well, die da ruht auf dem Ecksteine Petrus. Mehrere Wochen lang hatte man an ihrer würdigen Ausschmückung zu dem bevorstehenden Festtage gearbeitet, und die letzten neun Tage vorher wurde eine besondere Vorbereilungsandacht gehalten, bei welcher jedesmal der lieilige Vater erschien. Zu der Vigilie aber war der vor dem Hauptaltare ^) befindliche Eingang zur Grabcapelle des heiligen PetruS (die sogenannte Confessio) in einer wirklich überaus geschmackvollen Weise mit frischem Grün, Blumen und zahlreichen Lichtern geziert; die 89 Lampen, welche hier bei Tage und bei Nacht in vergoldeten Schaalen fortwährend brennen, waren mit dem reinsten Wachse gefüllt und kostbare Leuchter ringS an den Seiten der Marmortreppen aufgestellt. Die an der rechten Seite deS Hauptschiffes befindliche Biltsäule deS heiligen PetruS, vom heiligen Leo dem Großen aus dem Metall der Statue deS Jupiter CapitolinuS gegossen, und vom Volke immer außerordentlich verehrt, war vollständig mit den Pontificalien bekleidet und trug die dreifache Krone auf dem Haupte. Die ganze untere Peterskirche, die Ruhestätte so vieler Heiligen und von allein 130 Päp- --'jMM chks uz instliUiSZZ'iK n:»t!!Hn» p«uitmMuH n5?'i.k:T, ^ ') Denjenigen unserer Leser, welche mit der Einrichtung der Peterskirche nicht bekannt sind, bemerken wir, daß dieselbe in der Form eines großen Kreuzes erbaut ist. Ueber dem Mittelpuncte des Kreuzes, dort, wo die Balken sich schneiden, erhebt sich die 413 Fuß hohe Kuppel, unter der sich freistehend und nur von einem aus vergoldeter Bronze gearbeiteten Baldachin bedeckt der Hauptaltar befindet. Auf diesem feiert nur der Papst und zwar gegen das Volk hin' gekehrt das allerheiligste Meßopfer; und vor demselben (vom Haupteingangc der Kirche aus gerechnet) steigt man auf Marmortreppen zum Grabe des heiligen Petrus und zur untern Kirche hinab (Confessio). Dort, wo bei uns der Hauptaltar steht, am obern Ende des Hauptschiffes, befindet sich hier der Stuhl des heiligen Petrus und davor der Thron des Papstes und von da aus zu beiden Seiten bis zum Altare hin stehen die Bänke für die Cardinäle und Prälaten. Der Papst besteigt den Altar von der Seite seines Thrones her und steht so mit dem Gesichte gegen das Hauptthor der Kirche hin. >i^i(!ivÄ> sten, stand, von fast unzähligen Wachslichtern erleuchtet, allen Männern zum Besuche offen, und acht Tage hindurch hatten schon alle Glocken von St. Peter täglich eine Stunde lang die Gläubigen zur Theilnahme an der großen Feier eingeladen. Diese begann mit der ersten VeSper am Abende des 23. Juni, die — das einzige Mal im Jahre — vom Papste selbst mir allen Cardinälen feierlich abgehalten wurde. Eine ungeheure Menschenmenge hatte sich dazu in den weiten Hallen von St. Peter eingefunden; die Cardinäle und Prälaten aber versammelten sich im Vatikan, um den heiligen Vater zur Kirche zu begleiten. Während des feierlichen ZugeS in dieselbe hatten sich die Mitglieder der Camera Apostolica, der Cardinal Camerlengo an der Spitze, am Ende der sogenannten KönigStreppe des Vatikans aufgestellt und da nach altem Herkommen an diesem Tage die dem Stuhle des heiligen PetruS gebührenden CensuS entrichlet seyn mußten, so lange daS aber nicht geschieht, ein feierlicher Protest an demselben Tuge hergebracht ist, so verlas der FiScal-Procurator in einer Anrede an den heiligen Vater eine Protestation gegen den seit vielen Jahren durch weltliche Macht dem heiligen Stuhle entzogenen Besitz der Herzogthümer Parma und Piacenza und alle aus der Nichtzahlung des dem apostolischen Stuhle davon gebührenden Tributs gezogenen Folgerungen. Nachdem der Papst diese Protestation durch eine kurze Antwort bekräftigt hatte, bewegte sich der Zug unter dem Geläute aller Glocken und dem Spielen zahlreicher, in der Vorhalle von St. Peter aufgestellter Mustkchöre bis zum Hauptthore dieser Kirche. In dem Momente, als der Statthalter Christi, hoch auf dem Tragsessel getragen, in demselben erschien, stimmte die päpstliche Capelle die Antiphon ani^u es Petrus, et super ksne petram seäiLesdo Lcelesism mesm (du bist PetruS und auf diesen Felsen will ich meine Kirche bauen), und unter dem Vortritte von vielen Prälaten, zehn assistirenden Bischöfen und dreißig Cardinälen — alle mit der weißen Milra geschmückt — trug man den heiligen Vater bis zur Capelle des allerheiligsten Sacramentes, wo die gewöhnliche kurze Anbetung stattfand. Am Hauptaltare dann stimmte Seine Heiligkeil selbst daS veus in schutorium der VeSper und die erste Antiphon an. Die zweite Antiphon intonirte der erste assistirende Cardinaltiacon, die dritte der assistirende Cardinalbischof, die vierte der erste Cardinalpriester und endlich die fünfte der zweite assistirende Cardinaldiacon. Während deS Magnificat incensirte der heilige Vater, von den dem päpstlichen Throne assistirenden Patriarchen, Erzbischöfen und Bischöfen gefolgt, den Altar, sang dann die Oration und feierliche Benediction und nahm die Segnung der erzbischöflichen Pallien vor, die ein Udilor der Rota vom Grabe des Apostelfürsten vor seinen Thron brachte. Die Gebete, welche die Kirche für die letztere Segnung vorgeschrieben hat, sind ganz ungemein ergreifend und schön, und Piuö IX., der immer mit außerordentlicher Andacht die heiligen Functionen vollzieht, wurde beim AuSsprechen derselben sichtbar gerührt und bewegt; Näherstehende wollen die Thränen in seinen Augen gesehen haben. Nachdem der heilige Vater in den Vatikan zurückgekehrt war, begann mit dem Anbrechen der Dunkelheit die Beleuchtung der PeterSkuppel mit 4400 Lampen, die einen unbeschreiblich majestätischen Anblick gewährt. Mit dem Glockenschlage 9'/^ Uhr wechselte dieselbe, indem daS Ganze in dem Lichte von 800 Fackeln erschien. Zweihunderlfünfzig Personen sind dazu angestellt, um diesen Wechsel im Zeitraum von einer Secunde zu bmmken. Wir haben oft an der PeterSkirche bewundert, daß, wenn auch in allen zu derselben führenden Straßen stundenlang ungeheure Volksmassen zu ihr sich hingedrängt haben, man doch eigentlich nie sagen kann, daß die Peterskirche angefüllt ist, und in ihren weiten Räumen selbst die größten Menschenmasscn sich verlieren. AIS wir aber am frühen Morgen des Festtages St. Peter und Paul diesen riesigen Dom betraten, fanden wir alle Schiffe schon von Menschen gefüllt: gewiß der bei weitem größere Theil der Einwohner RomS hatte die Frühe gewählt, um dem Apofielfürsten den Tribur seiner Verehrung darzubringen und seine Grabesstätte zu besuchen. Welch' eine Veränderung, welch' ein Wechsel doch, — dieser Gedanke mußte uns unwillkürlich ergreisen, — wenn wir eben diese Stätte vor kaum zweitausend Jahren .859 besucht hätten! — Hier, wo wir stehen, war damals der CircuS dcS Nero, jenes grausamen Beherrschers des heidnischen RomS; der Ort diente zu Pferd- und Wagenrennen und zu den schrecklichen Gladiatorenkämpfen, in denen sich die Heiden an dem Ringen, an dem Blute und den letzten Zuckungen der Fechter in wahrhaft thierischem Genusse erfreuten. Hier ward vor nicht achtzehnhundert Jahren auch ein einfacher Fischer auS Galiläa, der eine neue Lehre nach Rom gebracht und dafür wenige verachtete Menschen zu Anhängern erworben hatte, auf Befehl dcS Kaisers gekreuzigt, — und jetzt? jetzt sagt nur mehr die Geschichte, daß einstenS Nero an dieser Stelle seine Macht entfaltete und seine thierische Lust an blutigen Gefechten befriedigte, — aber über den Gebeinen dieses einfachen Fischers und zu dessen Ehre und dessen Verherrlichung hat sich hier der großartigste Dom der Welt erhoben und alle Völker der Erde strömen zu demselben, und fallen nieder an dem Eingange seiner Grabstätte, um bei seinen irdischen Ueberresten zu beten und Gnade vom Herrn zu erflehen! (Schluß folgt.) U»!I >Aj>«M NRZYMM 2.'? i k!Zgnma?55 I»L »MSS msniZl Suv «»NioMA. !M X av Die Erzherzogin Maria von Steiermark, Mutter Kaiser Ferdinand des Zweiten. Rede d«S Herrn Hofraths und ReichShisioriographcn vr. Friedrich Hurter, gehalten in der P lenarversammlung des Central,Sevcri- nuSvereineS in Wien am 13. Juli 1852. MuvIg^W «5-r nl,MM wlwsW« Kvws«A M:j vtHncknv (Schluß.) Zur Zeit, da Maria nach Steiermark kam, fand sie die dortigen Zustände bedenklicher, als sie eS während ihrer frühern Jugend in Bayern gewesen waren. Die Ursachen, die hiezu beigetragen haben, kann ich hier nicht entwickeln, blos als Summarium andeuten, daß der von der Kirche abgefallene Theil deS Adels, im Sinne jeder nach Alleingeltung strebenden Partei, eben so wohl die Rechte seiner katholischen StandeSgenossen als die Befugnisse des Landesherr» immer mehr einzuengen sich bestrebte; dieß unter dem stets in Bereitschaft gehaltenen Schlagwort der Gewissensfreiheit. Die alljährlich wiederkehrenden Besorgnisse vor einem Einfall der Türken erforderten außerordentliche Anstrengungen zu dessen Abwehr; an die Gewährung derselben wurden von Jahr zu Jahr Bedingungen geknüpft, deren Zugeständnis) daS Walten der katholischen Kirche immer mehr beschränkte und gefährdete. Während die unkatho^ tischen Landleute Prädikantcn und Schulmeister auS Württemberg, Sachsen und allen Gegenden Deutschlands in freiem Belieben haufenweise nach Jnnerösterreich beriefen, verlangten sie von dem Erzherzog wiederholt, er solle die kurz zuvor zum Unterricht der katholischen Jugend eingeführten Jesuiten verweisen, weil sie Fremdlinge wären. Endlich am 9. Februar 1578 wußten sie auf einem Landtage zu Brück an der Mur ihm die Bewilligung abznnöthigen, daß in den vier Städten Grätz, Klagenfur», Judenburg und Laibach unkatholischer Gottesdienst ohne irgend eine Beschränkung dürfe geübt werden. Der Erzherzog gewährte dieselbe mit schwerem Herzen in Gegenwart seiner geheimen Räthe mündlich; diejenigen aber, welchen die Bewilligung zu Gute kommen sollte, sormulirtcn sie sodann nach eigenem Gutfinden schriftlich, und fälschten die Worte hinein: der Erzherzog verpflichte sich hiezu für seine Erben und Nachkommen. Obglelch er diese Worte alSbald in ihrer Gegenwart mit eigener Hand auSstrich, behaupteten sie nach seinem Tod die Giltigkcit derselben mit der zähesten Hartnäckigkeit, wie oft auch die Erzherzogin die Vorweisung dcS Originals mit den durchgestrichenen Worten anbot. Was dieselbe unter solchen unablässigen Bemühungen der Unkatholischen möge gelitten haben, erkennen wir am Besten auS einem Vorgang, der nur wenige Jahre nach dieser Zeit konnte stattgefunden haben, und welcher in ihr Inneres in dieser 260 Beziehung den tiefsten Blick eröffnet. Einige, der unkatholischen Lehre beipflichtende Hofherren hatten ihren Gemahl mit Ueberreichung eines zierlich eingebundenen Gesangbuches zu bereden gewußt, den Gottesdienst ihrer Partei zu besuchen. DaS erfuhr die Erzherzogin und hielt sich für verpflichtet, dieses Borhaben, wenn immer möglich, zu verhindern. Als daher der Erzherzog aus seinem Gemach herausschritt, begegnete sie ihm, ihren kleinen Ferdinand an der Hand führend, und ein anderes ihrer Kinder auf dem Arme tragend. „Wo wollen Ew. Liebden hin mit den Kindern?" fragte der Erzherzog. „Nach Bayern, in meine Heimat," versetzte die Gemahlin, „denn hier sind sie in diesem Augenblicke in der höchsten Angelegenheit ihres Heils gefähr- det." Der Erzherzog verstand den zarten Sinn und sagte: „Bleiben wir lieber Beide zu Hause;" worauf auch er wieder umkehrte. Kein Jahr war seit dem Vertrage von Brück abgelaufen, als der Erzherzog seinem Bruder Ferdinand in Tirol klagen konnte: „eS sey nicht allein auf AuSlilgung der katholischen Religion, sondern eben so sehr auf Beseitigung des schuldigen Gehorsams in weltlichen Sachen abgesehen. Die unkatholischen Landleute legten eS darauf an, alle Katholiken auS seinem Lande zu verdrängen; sie mutheten ihm zu, den Befehlshaber in seinem eigenen Schlosse zu Grätz, als einen unerschütterlichen Bekenner des Glaubens, zu entlassen und über Städte und Schlösser nur solche Männer zu setzen, die von ihnen vorgeschlagen würden. Sie wollten sogar behaupten: auch daS gehöre zu ihren Freiheiten, durch fürstliche Befehle nicht gebunden zu seyn, sondern darüber hinwegsehen zu dürfen." — Einerseits wurde jene Beiseitsetzung der Katholiken sammt der Beeinträchtigung des fürstlichen Ansehens immer weiter getrieben, anderseits schallte eS jeden Sonntag von allen Kanzeln herab von Aberglauben, Götzendienst, Teufelswerk, Pfaffentrug und ähnlichen grobkörnigen Ausdrücken. Der grätzerische Prävikant JeremiaS Homburger entblödete sich nicht, am Sonntage nach dem Fronleichnamsfeste, woran der Erzherzog mit seiner Gemahlin und dem Hofe Theil genommen, zu verkünden: das sey purlautere Abgölterei, deS Festes Stifter, Förderer und Theilnehmer wären insgesammt verflucht; selbst die Kühe könnten den Gräuel der Procession nicht leiden, indem sie vor zwei Jahren dieselbe zertrennt hätten. Beschwerte sich der Landesherr über solche Frechheit, so erklärten die Prädikanten: zu ihrem Eifer würden sie von der Macht des heiligen Geistes angetrieben, und gegen wohlverdiente Rügen fanden sie Schutz bei den Mitgliedern der Stände. Die Landtage wurden von Jahr zu Jahr unfreundlicher. Selbst der Stadtralh von Grätz maßte sich an, ein Verbot gegen den Besuch katholischer Predigten zu erlassen; die Handwerker verbanden sich, keinen katholischen Arbeiter länger als vierzehn Tage zu dulden. Dieß alles konnte der Erzherzogin so wenig gleichgiltig seyn als ihrem Gemahl, welcher immer mehr einsah, daß er mit seiner angestammten österreichischen Milde nicht länger werde durchkommen können. Schon im Jahre 1581 schrieb Herzog Wilhelm von Bayern seiner Schwester: er freue sich, daß ihr Gemahl die ReligionS- sache sich so wohl angelegen seyn lasse und daß auch sie dazu rathe und mitwirke. Im folgenden Jahr bot die Taufe der Erzherzogin Eleonore deren Oheim Veranlassung, selbst nach Grätz zu kommen, um dem Schwager, vornämlich aber der Schwester, seinen Rath zu ertheilen. Wie willkommen dieser ihr müsse gewesen seyn, läßt sich jenem Wort derselben entnehmen: „Lieber wollte ich'alle meine Kinder in einer Butte auf den Rücken nehmen und zu Fuß nach Bayern zurückwandern, als daß ich zugäbe, daß etwatz ihrer Religion Nachteiliges unternommen würde. Sollte dann selbst mein Herr Bruder sie nicht ausnehmen wollen, so würde ich eben mit andern armen Leuten in einem Spital wohnen, um daselbst mein Leben katholisch zuzubringen." In einer solchen Rede liegt die über jeden Zweifel erhabene Bestätigung deö PsalmworteS: daß über Macht, Ehre und Reichthum daS Herz ungleich höhere Güter erkenne. Wilhelm sprach Muth ein, rieth, wenn Einige ihre Stellen aufgeben wollten, ihnen den Mantel deßhalb nicht zu zerreißen, das unkatholische Hosgesinde zu entlassen. S61 Maria freute sich des Gemahl zunehmender Entschlossenheit und bezeugte bald darauf, eS hätten so viele Katholiken zum Dienst sich angeboten, daß sie nicht geglaubt hätte, deren so viele in Grätz noch zu finden. Der Bruder ermunterte sie: ihr Gemahl solle nur Herr bleiben, es handle sich bloß um den ersten Schritt, daS Weitere werde sich dann leicht fügen. Bei der Erzherzogin begegnen wir jetzt schon jener Entschiedenheit, mit welcher sie später den Sohn unablässig ermähnte: bei einer Angelegenheit, worin die Ordnung im Lande, die Erhaltung der fürstlichen Rechte und die Wahrnehmung der geheiligtesten Verpflichtungen gleichmäßig sich verbänden, weder schläfrig noch verzagt zu Werke zu gehen. Die noch bei Lebzeiten des Gemahls immer weiter zielenden Folgerungen, welche aus dem Bruckervertrag wollten gezogen werden, die um sich greifende Vergewaltigung katholischer Kirchen und ihrer Priester, daS waS manchen Orts gegen glaubenötreue Laien vollführt wurde, rechtfertigen jene ausgesprochene Ueberzeugung aufs vollkommenste. Maria mochte selbst des geliebten Gemahls frühzeitigen Tod, die Verwaisung ihrer zahlreichen Kinderschaar jener traurigen Spaltung beimessen, welche die Einwohner des Landes nicht bloß auseinander gerissen, sondern in schlecht verhülltem Groll sich gegenüber gestellt hatte. Denn während der Erzherzog zur Kräftigung seiner angegriffenen Gesundheit im MannerS- dorferbade bei Larenburg sich befand, brach, durch die Unkatholischen veranlaßt, in Grätz ein arger Tumult aus. Der Fürst wollte zur Untersuchung selbst nach seiner Residenzstadt sich begeben, erkrankte unterwegs, und starb am fünften Tage nach seiner Rückkehr in einem Alter von fünfzig Jahren, eilf Kinder hinterlassend, zu denen in wenigen Wochen das zwölfte hinzukommen sollte. So tief gewurzelt, unerschütterlich und hell aber lehte in dieser gesegneten Mutter die Ueberzeugung: die Kirche sey die von Gott gesetzte Anstalt zur Leitung und Begleitung der Menschen hienieden, zu deren Beseligung für die Zukunft, daß sie die pflichtgetreuen Diener derselben, ohne irgend welche Rücksicht auf weltlichen Rang, aller Ehren werth hielt, mit dem freundlichsten Wohlwollen ihnen entgegentrat. AIS daher eine Edelfrau über die Neigung ihres SohneS, in den geistlichen Stand treten zu wollen, bei ihr sich beschwerte, erwiderte sie: „und wollte einer meiner Söhne Jesuite oder Capuciner werden, ich würde es nicht nur nicht hindern, eS vielmehr fördern, so gut ich eS vermöchte." Wie alle Lebensbeziehungen dieses erhabenen FürstenpaareS durch die lebendigste christliche Ueberzeugung geweiht und geadelt wurden, so vornehmlich die bedeutungsvollste derselben: ihre eheliche Verbindung. Beinahe bei allen Reisen des Erzherzogs begleitete ihn die Gemahlin; sie nahm Theil an seiner Jagdlust; sie richtete sich in der Bekleidung ihrer Leute nach seinem Geschmack; sie nahm Bedacht auf Alleö, waS ihn erfreuen konnte; sie hörte auf seinen Rath selbst in Sachen, die bloß ihre eigene Person betrafen. Im Jahre 1582 ging der Erzherzog nach Wien; Maria mußte zurückbleiben, weil sie nicht lange zuvor einer Tochter genesen war. Er traf am 7. November hier ein und schon am 9. schrieb er ihr: mache ihm vieles Nachdenken, daß er noch keinen Brief von ihr erhalten habe. T)rei Tage später sagte er: er könne nicht Worte finden, um eS auszudrücken, wie lang ihm die Weile nach ihr sey. Dann wieder schreibt er ihr: „mein Schatz! es ist Dir wohl die Weile so lang nach mir, als mir nach Dir." ES war zu jener Zeit und zumal am Ende des No, vemberS ehedem eine schöne Tagreise von Wien nach Schottwien. Im Augenblick, da der Erzherzog Wien verließ, erhielt er einen Brief von der Gemahlin, und sein Erstes bei der Ankunft in Schottwien war die Erwiderung desselben. Zwei Jahre später kam er nach Leoben; kaum abgestiegen, schrieb er der Gemahlin: „Wie ich in daS HauS eingetreten bin, bist Du mir halt abgegangen, daS HauS ist mir zu weit, denn der Weil ist mir schon lang "nach Dir." ES war daher der Ausdruck allgemein anerkannter Wahrheit, wenn in einer Leichenpredigt auf den Erzherzog gesagt wurde: ein Sinn, ein Rathschluß, ein Wille, ein Geist, eine Lebensweise habe Beide geeinigt. In seinem Testamente bezeugte der Erzherzog, „daß die freundliche, herzliebe Gemahlin während der ganzen Zeit ihrer Ehe eine offenkundige, beständige, herzliche «62 Liebe und treue Freundschaft gegen ihn stets erwiesen habe, wofür er zur Dankbarkeit gegen sie sich verpflichtet fühle." Ueberzeuyt, daß der angewiesene Wittwensitz zu Görz ihr nicht bequem sey, trage er seinen Erben ernstlich auf, ihr des Freiherr» von Teufenbach HauS zu Jugenburg anzukaufen und es standesmäßig einrichten und ausstatten zu lassen. Da sie bei diesen theuren Jahren mit den durch den Heiraths- brief bestimmten ItZMO fl. nickt wohl ausreichen könne, und damit Ihre Liebden seine wohlmeinende Neigung und Freundschaft im Werk spüren möchte, verdopple er diese Summe, deren Ablieferung jeder anderen Ausgabe jederzeit vorangehen solle. AIS getreue Mutter ordne er sie den Vormündern seines SohneS als Mitvormünderin in Allem zu. Aber auch Maria bewährte ihre Anhänglichkeit an den Gemahl. Während der achtzehn Jahre, die von seinem Tod bis zu ihrem eigenen Lebensende verliefen, verging kein einziger Tag, an welchem sie einer für ihn gestifteten heiligen Messe nicht beigewohnt hätte; und befand sie sich zu Meer, wo deren Abhaltung unmöglich war, so mußte dieselbe wenigstens vorgelesen werden. Das sind nur wenige Momente auS dem Wesen einer Fürstin, welche ihrer unvergeßlichen Enkelin, unserer hochgefeierten Maria Theresia, in jeder Beziehung mit dem Vollesten Recht an die Seite darf gestellt werden. Noch ungleich Ansprechenderes läßt sich in Menge hervorheben. Findet sich die verehrte Versammlung durch daS jetzt Mitgetheilte angesprochen, wünscht sie, daß ihr das vollständige Bild einer Fürstin vor Augen gestellt werde, aus welche jeder Oesterreicher Mit Recht stolz seyn, und deren Persönlichkeit die warme Liebe zu dem theuren Fürstenhause erhöhen muß, so werde ich mit freudiger Bereitwilligkeit in späteren Vorträgen dieses Bild in der retchen Fülle aller seiner anmuthigen Züge hervortreten lassen. » Hr. Präses Dr. Kaltenbäck fügte die Bemerkung hinzu, daß sich Hr. Dr. Hurter ein hohes Verdienst um Oesterreich erworben habe, indem er die Geschichtsfälschung aufdeckte, welche einen der größten und besten Fürsten auS dem Habsburger Stamme mit den ungerechtesten Schmähungen überhäuft hatte. Ja man könne mit Wahrheit sagen, daß Kaiser Ferdinand II. der bestverleumdete Fürst war, nnd eS sey gewiß sehr traurig, daß selbst Katholiken und Oesterreicher sich täuschen und hinreißen ließen, den zweiten Ferdinand, der eben so standhaft im Unglücke, als großmüthig im Glücke war, als grausamen Verfolger und Tyrannen zu verunglimpfen; den Erzfeind Oesterreichs und Deutschlands, Gustav Adolph, hingegen alö ritterlichen Vertheidiger der Religionsfreiheit, als Muster der Milde und Gerechtigkeit hinzustellen. Zum Beweise, wie irrig eine solche Auffassung sey, mögen folgende actenmäßig bewiesene Thatsachen dienen: Ferdinand der Zweite verwieß zwar die Protestanten, welche offene Rebellen waren, auS dem Lande, erlaubte ihnen jedoch ihr Vermögen mitzunehmen, und gestattete denjenigen, welche liegende Güter hatten, alljährlich einmal nach Oesterreich zu kommen und ihre Einkünfte in Empfang zu nehmen. Gustav Adolph zwang die Katholiken, die friedliche Unterthanen waren, auS Schweden auszuwandern, confiScirte ihr Vermögen und befahl, jene, welche je zurückkehren, auf dem nächsten Baume aufzuhängen. Auf welcher Seite ist nun die grausame Tyrannei, und auf welcher hingegen die Großmuth? .MVtthklk mx .?^!m.^ch9 chkn, mig? na!-!>?. 'Wte»ikimnJ»jlkj)!Io Am 7. war daS Ruder wieder an seiner Stelle. Durch das seichte Flußbett, auf dessen Oberfläche Gras, Schlamm und Steinspitzen sich zeigten, ging die Fahrt ungemein langsam, dazu noch heftiger Nordwind mit ungewöhnlicher Kälte. Doch überwanden wir noch am gleichen Tage den Schellall Kirbekan; am andern den von S6Z Mit, am folgenden erreichten wir Wodeine mit seinem Schellall, einem der längsten und reißendsten der dritten Katarakten. Am 1V. Februar waren zwei Strömungen zurückgelegt, über eine dritte die Stricke gespannt, als plötzlich daS Seil den Händen der Zicher entfuhr, ob in tückischer Absicht, muß dahingestellt bleiben. Drei Stunden gingen hierüber verloren. AIs AlleS wieder vorbereitet war, ging der wackere Schmied an daS Ufer, um die Zieher zu überwachen, wobei er vieren, die wieder das Seil fahren ließen, 5en verdienten Lohn aus ihre schwarzen Rücken hämmerte. Nun ging Alles gut von Statten, um sechs Uhr landeten wir bei Waddi Gamer, einem freundlichen Orte, wo wieder schöne Vegetation sich zeigt. Der 11. Februar bot nichts Besonderes dar, aber am 12. mußten wir bei brausendem Winde aufbrechen. Die Matrosen hofften mit zwölf Ruderern deS Wassers Meister zu werden, sahen aber bald, daß eS ohne Zieher nicht gehen werde. Die, welche mit dem Seil an daS Ufer schwimmen sollten, ließen eS aber im Kampfe mit zwei Krokodillen entwischen, so daß es noch am zweiten Tage nicht gefunden war, daS Schiff aber mittlerweile an einen Felsen stieß, so daß daS Ruder beinahe abermals gebrochen wäre. Die Saumseligkeit der Zieher machte die Fahrt der folgenden Tage höchst langwierig. Am 17. Februar erreichten wir die Insel Mograt. Hier schien AlleS gegen unsere Weiterfahrt sich verschworen zu haben. Obgleich drei Boten vorangegangen waren, zeigte sich keine Spur von Ziehern, und ohne schriftlichen Befehl seines Obern wollte der dortige Schech solche nicht hergeben; denn der großherrliche Ferman galt ihm so viel als nichts. Vier Stunden weit bis in die tiefe Nacht eilte ich ihm in seine Wohnung nach. Vor dem Thor derselben schoß ich meine Doppelbüchse ab, um den Matrosen ein Zeichen zu geben und dem Schech Furcht einzujagen. Erschrocken fuhr er auf und fragte, was eS gebe? Der Große vom Schiff ist da, hieß eS; da sprang er auf ein bereit gehaltenes Pferd und gerade dem Wasser zu, um mir zu entfliehen. Inzwischen besann er sich, kehrte um, warf sich vor mich hin und verhieß, Alles erfüllen zu wollen; noch in der Nacht erging der Ruf und in wenigen Augenblicken war eine Karavane von sechzig Personen, Eseln und Pferden in Bewegung. Da eS aber finster, ich selbst müde war, ließ ich Halt machen und rasten. Am frühen Morgen erreichte ich daS Schiff, und sofort wurde gezogen, mit schwachen Kräften, weil in der Nacht doch wieder Viele entflohen waren. Von unserm Landungsplätze am 20. Februar bis nach Abu-Hamed sind eS zwei Stunden, und erst nach den acht sorgenvollsten Tagen unserer ganzen Reise konnten wir dahin gelangen. Sie begannen damit, daß in der Frühe deS 21. die Matrosen, den zaghaft gewordenen ReieS an der Spitze, mit der Erklärung herankamen: keinen Schritt weiter zu fahren, denn das Flußbeet sey ausgetrocknet. Da half alles Zureden nichts. Mit tausend Menschen, schrieen sie, wäre cö nicht zu wagen. Waö war mit den muthloö gewordenen Leuten anzufangen? Das kleine Schiff wurde nun mit den Ge« räthschaften des Herrn Missionärs Trabant und deS Schmieds befrachtet, damit diese nach Abu-Hamed steuern und von dort auf Kameelen nach Chartum sich begeben könnten, indeß ich in dem Schiff bleiben sollte, um weitere Befehle zu erwarten. Die Fassung und der Ernst, womit ich diese Anstalten traf, blieb nicht ohne Eindruck auf die Matrosen. Sie machten sich verstohlenerweise auf, um daS Wasser nochmals zu untersuchen. Jetzt erklärte der ReieS, mit 120 Ziehern wollten sie die Fahrt doch zu Stande bringen. Diese hatten sich aber verlaufen, so daß erst am 23. wieder konnte abgefahren werden. Wir kamen ohne Schwierigkeit über die gesürchtetsten Stellen. Oberhalb derselben ist ein kleiner Canal zu passiren; da bekam das Schiff einen Leck und das kleine Seil, welches die Matrosen statt deS großen nahmen, riß entzwei, das Schiff schlug mir aller Gewalt auf einen spitzen Felsen, eS drohte zu sinken, weil das Wasser in die untern Räume eindrang. Dieses mußte eilendS herausgeschöpft, der Bruch nothdürftig ausgebessert werden. An einen Felsen angebunden, hatten wir die Nacht in der Mitte deS Stromes zuzubringen, wüthenden Sturmwindes wegen den folgenden Tag ebenfalls, und die ganze Nacht, mußte z»w»'jK> . Ä . ^ : iz?r^ii^>sg»j .siKaachs !Zpl"70ÄI«ü7?!i- 264 Wache gehalten werden, weil jeder Augenblick uns loszureißen drohte. Endlich konnten wir weiter und gelangten um zehn Uhr vor den letzten Katarakt Musur. Da zu wenig Zieher vorhanden waren, ging ein Malrose auS, um Leute aufzubieten, damit des folgenden Morgens die Fahrt könnte gewagt werden. Als ich mich da nach dem Stand der Mannschaft erkundigte, hieß eS: „Alle sind entflohen, kein Einziger will ziehen, ein Schech hat den ausgesendeten Matrosen todten wollen." Da tobte eS in mir; von einem Einzigen begleitet, machte ich mich auf, um über den Kopf des Schechs eine Fluth von Drohungen auszugießen. Der lange Weg, den ich auf dem Gerippe eines Esels zurückzulegen hatte, kühlte mich etwas ab, auch bedachte ich, daß ich nicht geläufig genug arabisch spreche. Zum Glück traf ich den Hauptschech Hagfare, mit einem Untergeordneten im Diwan versammelt. Ich erklärte, das Schiff auf seine Unkosten anbinden und fortgehen zu wollen, und verlangte die Auslieferung Desjenigen, der meinem Matrosen den Tod angedroht habe. AlleS ward sogleich bewilligt. Ob aber versprochen worden, die Zieher müßten noch vor Einbruch der Nacht sich einfinden, fehlten in der Frühe noch bei zwanzig. Da der Hauptschech sich davon gemacht hatte, war es schwierig, Vorsorge zu treffen. Da brachte einer der Schechs, der immer am günstigsten gegen uns sich erwiesen, im besten Augenblick Hilfe, so daß wir noch am 27. Februar ohne viel Anstrengung den Schellal Musur, bis zum Abend des folgenden Tages die letzten Schwierigkeiten überwanden. Wir steuerten nun auf dem felSlosen, gefahrfreien Strome mit schwellenden Segeln in südwestlicher Richtung, während wir eine Viertelstunde früher zwischen Felsen, Steinen, Schlamm und Untiefen nur langsam uns hatten bewegen können. Nach halbstündiger Fahrt erreichten wir Abu-Hamed mit vollen Segeln. Halte doch die Dahabie eines der ersten Würdenträger bei vollem Wasserstand nur in dreißig Tagen leisten können, waS wir bei niedrigem in zwölf Tagen geleistet hatten. (Fortsetzung folgt.) -zau »j;l chiü! Hsj lirwi ^">- .«-k^.? ,-Kij «iibt^ »5W-lws W i e n. Wien, 20. Juli. Vom Ministerium des Innern ist der Bescheid erfolgt, daß die Jsraeliten auch in Orten, wo sie die Mehrzahl der Bevölkerung'bilden, die äußere Feier der christlichen Sonn- und Feiertage einzuhalten haben, dagegen, wenn dort die Markttage auf einen israelitischen Feiertag treffen, dieselben auf den nächstfolgenden Tag zu verlegen sind. (Schw. M.) Beralltwortlicher Redacteur: L. Schönche». VerlagS-Juhaber: F. E. Kremer.