Zwölfter Jahrgang. ^>»> ^ ^ >. ^ -L. ^ ^ T ^. >. ^sonntags-Betblatt usmi?i »ua '^aiwsi SÄ .,i,SniN^n-,,,Ä»>!lo« «ni> »o!«^ ?l! Hivl? ^><^ ,»^i.ttiUMnkjsj.jVN!>uj,<-' N^'/ ^uis ^>> l , -.'.>>»> >M Änu .ii^-?5,Ä> s^ I^n -u ^i^is li-iii iM init-'»u,6 i^Zl .iiilM sni»- SS. August M S^. 185S. ___ ^ > ^» Dieses Blatt erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der halbjährige Abonucmentspreis 40 kr., wofür es durch alle königl. bayer. Postämter und alle Buchhandlungen bezogen werden kann. Generalversammlung der katholischen Bereine Deutschlands zu Münster. Es war eine der denkwürdigsten Zeiten in der Geschichte Deutschlands, als die katholischen Vereine ins Leben traten. Die Revolution brauste, wie ein wilder Strom, über die Länder dahin und riß Alles in ihrem Strudel fort; die von Gott gesetzte Gewalt wurde verachtet und die Willkür regierte; alle Leidenschaften gährten, die Begriffe waren verwirrt; die berathenden und gesetzgebenden Versammlungen bauten, wie zu Babel, ohne Fundament, und eine grenzenlose Sprachenverwirrung hatte sich des ganzen Deutschlands bemächtigt. Von einem höheren Bewußtseyn, einem göttlichen Gedanken, einer ewigen Idee blickte kaum eine Spur durch, ja sie wurde öffentlich in einer Versammlung verworfen, die das Heil der deutschen Nation berathen und begründen sollte. In dieser Zeit, wo das Gute und Wahre nur mühsam durchdringen konnte, etwa wie ein Funke durch einen dichten Aschenhaufen, wie eine einzelne Aehre durch wucherndes Unkraut, wo die Stimme der Wahrheit verhallte in dein Sturmwind und dem unaufhörlichen Wogenschlag eines ganzen MeereS von Leidenschaften, in dieser Zeit erstanden die katholischen Vereine. Gegenüber der Unzahl von Vereinen, die damals, wie Pilze nach einem Gewitterregen, aus der Erde aufschössen, nahmen sie eine Stellung ein, die sich sofort und in der bestimmtesten Weise durch ihre Grundlage, durch ihre innere Beschaffenheit, durch ihr Ziel von sämmtlichen damals bestehenden Vereinen und Versammlungen wesentlich unterschied. Die katholischen Vereine wurden getragen von einer ewigen, göttlichen Idee. Während allgemein in den Vereinen und Versammlungen die irdische Seite und diese dazu leider oft genug in der unreinsten Gestalt hervortrat, stellte der katholische Verein eine andere, eine höhere Seile dar und vermittelte, indem er sich auf dieser Grundlage constituirte, der Zeit Gesichtspunkte, welche sie aus dem Auge verloren hatte, und verbreitete ein höheres Bewußtseyn durch Deutschland, zu Nutz und Frommen nach Oben und nach Unten hin. In dem Wirrwar von Versammlungen aller Art trat jugendlich frisch ein Verein ins Leben, der keinen Anstand nahm, in öffentlicher Versammlung seine Mitglieder mit dem Gruße „Gelobt sey JesuS ChristuS" zu begrüßen. Das war lange nicht geschehen, weder von der Bureaukratie in ihren Sitzungen, noch von der Demokratie in ihren Clubbs. Es versammelten sich die edelsten Männer verdeutschen Nation in den kath. Vereinen: sie wurden sich ihrer Einheit und Gemeinschaft bewußt. Es vereinten sich die Kräfte und wurden stark durch ihre Verbindung. Die Schranken der Länder fielen, die Gränzen waren aufgehoben, die Nationalitäten verschwanden, die Geister verbanden sich. ES war ein freier Zug der Gedanken durch Deutschland. LS6 Während die Versammlungen der damaligen Zeit durchweg daS Bild einer chaotischen Verwirrung und Zerfahrenheit darboten und Einem überall der wilde Galerielärm in die Ohren tönte, entfaltete stch in den kath. Vereinen auf eine wohlthuende Weise das Bild einer vollendeten Einheit. Es staunte die auS den Fugen gerissene Zeit, eine Versammlung zu sehen, wo Einheit war; — man hatte die große Wahrheit kennen gelernt, daß nur auf Grundlage ewiger, göttlicher Principien eine Einheit zu erreichen sey. — Es versammelten sich Männer aus allen Theilen Deutschlands, und es bewies sich auf den Generalversammlungen, daß auch in Deutschland eine Einheit der deutschen Nation zu erreichen sey, welche Gränzen, Länder und Nationalitäten nicht zu stören vermögen. AIS man in Frankfurt die Einheit Deutschlands berieth, sah man aus den Generalversammlungen der kath. Vereine eine Einheit hergestellt in dem Einen Glauben und der Einen Liebe. Preußen, Bayern, Westfalen, Tyroler, Oesterreicher, alle Stämme der deutschen Nation reichten sich in ihren Vertretern die Hand und standen stch persönlich gegenüber, standen persönlich zusammen, alle von demselben Glauben, denselben Ueberzeugungen durchdrungen, durch dieselbe Liebe verbunden! Die Versammlung der deutschen Bischöfe zu Würzburg war die vollendete Einheit, dargestellt in den obersten geistlichen Würdenträgern; die Versammlung der kath. Vereine bot uns den wohlthuenden und erhebenden Anblick einer Verbindung dar, die selten geworden war, — die Verbindung zwischen Geistlichen und Laien zu Einem Zweck, zu Einem heiligen Wirken für Wahrheit und Recht, für daS Wohl deS Staates und der Kirche. Uno hätten wir daö Bisherige nicht gesagt und würden wir alles Andere verschweigen, schon unter diesem Gesichtspunkte erscheinen die kath. Vereine als eine Zeiterscheinung, oer man ihre Bedeutung nicht absprechen kann. War man doch längst gewohnt, das Wirken für Gotteö Ehre, in ächt burcaukrati- scher Auffassung, einem gewissen Ressort, nämlich dem geistlichen Stande in engster Beziehung, zu überweisen und sich nicht mehr als Glieder des Einen heiligen LeibeS der Kirche zu betrachten, deren jedeS seine Bestimmung und Aufgabe, nicht etwa blos auf Erden und im Staate, sondern auch für den Himmel unv die Kirche, daS Himmelreich auf Erden, hat. Daß man nicht blos Geistliche auf der Kanzel, sondern auch Laien auf der Tribüne über religiöse Fragen und göttliche Dinge reden hörte, ist ein Moment, daS man nicht zu gering anschlagen sollte; denn eS ist eine Thatsache, daß man vor dem Jahre 1848 kaum eine Gesellschaft, auch der Bestgesinnten fand, wo höhere und religiöse Fragen zur Sprache gebracht wurden. Laien, welche an den katholischen Bereinen sich betheiligten, trugen daS Samenkorn deS Guten auch weiter in ihre und die höheren Kreise, und namentlich diese Kreise wurden zum ersten Male wieder von einem Luftzug berührt, gegen den man bisher hermetisch stch abgesperrt halte. Laien fühlten sich geweckt durch Geistliche, Geistliche durch Laien; eS fand eine Wechselwirkung statt, welche von den wohlthätigsten Folgen begleitet war. ES bedürfte aber außerdem in damaliger Zeit außergewöhnlicher Kräfte; und indem Geistliche und Laien sich die Hand reichten, hatten sich die Kräfte gemehrt und die einzelnen Laien wurden die überleitenden Mittel, wodurch überhaupt die vielfach so sehr gestörte, zum Theil abgebrochene Verbindung mit den unmittelbaren von Gott gesetzten Organen der Kirche wieder angebahnt und hergestellt wurde. So wurden die katholischen Vereine ein Mittel in Gottes Hand, wodurch zuerst und im Allgemeinen eine Einheit und Vereinigung der Katholiken Deutschlands angebahnt, wodurch ein christliches, göttliches Bewußtseyn allseitig geweckt, wodurch auf die ewigen, höheren Principien hingewiesen wurde; eS wurde durch dieselben der Begriff von Kirche und Staat und die Stellung des Katholiken zu beiden Gewalten aufgehellt; eS wurde die Lehre über die von Gott gesetzte Obrigkeit mit Kraft gelehrt und in dieser Beziehung der Revolution mit Entschiedenheit entgegengetreten; es wurde mit Vorficht und Umsicht auch die Stellung deS Katholiken zum Episkopat hervorgehoben und in allen diesen Beziehungen dahin gestrebt, die richtigen Ansichten zu vermitteln, die verwirrten Begriffe 267 aufzuhellen. Wenn gleich die Zeit und Geschichte durch Thatsachen NieleS lehrte, wurden dennoch die katholischen Vereine die Organe, welche überall ihr Scherflein zu dem großen Werke beitrugen. — Es wurde aber nicht nur ein christliches, sondern mit Bestimmtheit und Klarheit ein katholisches Bewußtseyn geweckt; und mit der Erwachung dieses Bewußtseyns belebte, stärkte sich der Wille; erwachte die That: denn alles wahrhaft Katholische ist Leben und That, niemals bloßer Gedanke und leere Abstraktion. Und da eS sich im engern Sinne um daS Wohl Deutschlands handelte, so konnte der Verein an jener Frage nicht vorübergehen, worauf einzig und allein die Einheit und daS Heil Deutschlands könne gegründet seyn, und er sprach eS mit Ueberzeugung aus, daß die Einheit Deutschlands einzig in dem Einen Glauben könne gegründet werden und daß die socialen Uebel nur durch die katholische Liebe zu heilen seyen. Hier betrat der Verein das Gebiet seiner praktischen Wirksamkeit. Der BonifaciuSverein ist als Schöpfung des katholischen Vereins zn betrachten, und die großartige Ausbreitung der Vincenzvereine wesentlich seiner Thätigkeit zuzuschreiben. Von dem bischöflichen Sitze zu Mainz ging einstens die Einheit Deutschlands auS; in Mainz war die erste Generalversammlung. Der heilige BonifaciuS hatte durch den Einen Glauben die Einheit Deutschlands geschaffen; darum hieß der neu gegründete Verein Bonifaciusvercin. Die Zeit hatte sich die Aufgabe gestellt, den Unterschied der Stände gewaltsam im Wege cer Revolution aufzuheben; der katholische Verein betrat den Weg der Kirche: sie läßt die Stände, die Völker, die Nationalitäten bestehen und verbindet sie durch die katholische Liebe. Eine große Aufgabe bleibt noch zu lösen übrig; eS wird darauf ankommen, weitere praktische Resultate, wie die letztgenannten, zu erzielen. Möchte die Generalversammlung zu Münster dazu die Veranlassung bieten! Man wolle daher entschuldigen, wenn Schreiber dieses, ein Mitglied deS katholischen Vereins, auf einige Puncte aufmerksam macht, die der Generalversammlung Gegenstand einer ernstlichrn Berathung werden könnten, mit der bestimmten Tendenz zugleich, denselben, so viel möglich, eine praktische Folge zu geben. Wir setzen auf die erste Stelle: die katholische Universität, ohne darüber ein Wort hinzuzusetzen. Auf die zweite Stelle: ein katholisches Missionshaus zur Erziehung von Priestern, welche in protestantischen Gegenden wirken, um dem Bonifaciusvereine eine nachhaltige, dauernde und segensreiche Wirksamkeit zu vermitteln. Dann: die Knabenseminare, um allseitig darüber die richtigen Ansichten zu vermitteln, ihre Nothwendigkeit für die Zeit zur Heranbildung eines tüchtigen WeltkleruS, worauf im letzten Grunde daS religiöse Wohl Deutschlands, wie überhaupt aller Länder wird gegründet seyn, zu entwickeln und darzuthun, und zur kräftigen Unterstützung dieser Institute aufzufordern. Auf die vierte Stelle: die Marianischen Sodali täten und die Gesellenvereine in ihrem Verhältnisse zu einander. Ferner: die katholische Presse und der katholische Preßverein. Endlich: die christliche Kunst und die Kunstvereine. Wenn ich den letzten Punct hervorhebe, so brauche ich kaum anzudeuten, 868 weßhalb gerade die Generalversammlung zu Münster eine treffende Gelegenheit zur Besprechung dieses Gegenstandes bieten würde. Und waS wird Münster thun, dem die Ehre einer Generalversammlung der katholischen Vereine Deutschlands zu Theile wird? — WaS in seinen Kräften steht! — DaS ist unsere Hoffnung. Münster, den L7. Juli 18S2. _ (M. S.-Bl.) Das Fest des heiligen Petrus und Paulus. (Schluß.) Die eigentliche Feier deS TageS begann aber erst gegen zehn Uhr und bestand in dem heiligen Meßopfer, das der 259ste Nachfolger des heiligen Petrus, unser heiliger Vater Plus IX. mit allen Cardinälen auf dem Hauptaltare und also über den Gebeinen deS ersten aller Päpste darbrachte. Niemand wird es von uns verlangen, daß wir diese Feier beschreiben; denn demjenigen, der nie daran Theil nahm, vermag keine Beschreibung eine adäquate Vorstellung zu geben, und demjenigen, der dabei gegenwärtig war, wird der damals empfangene Eindruck immer lebendig bleiben. Wir beschränken uns deßhalb auf die Bemerkung, daß nach dem feierlichen Einzüge jn St. Peter der heilige Vater die Functionen bis zum Offertorium auf dem Throne vornahm und sich dann an den Altar begab, und diesen nach dem AgnuS Dei wieder verließ. Am ergreifendsten sind die Momente der Elevation und der Communion. Bei ersterer nämlich zeigt der heilige Vater, nachdem er selbst die heilige Hostie und später den heiligen Kelch knieend angebetet hat, dieselben nach allen Weltgegenden, — und wenn dann lautlose Stille die zu Boden gesunkene ungeheure Volksmenge ergreift und alles Militär in die Kniee fällt und theils das Gewehr präsentirt, theils die blitzenden Schwerter zu Boden senkt und eine sanfte Musik in der Höhe der Kirche vom fernen Eingange' her ertönt, da muß es selbst den kältesten Katholiken durchzucken und zieht es nicht selten den Protestanten auf den Boden nieder. Die heilige Communion aber nimmt der Papst nicht am Altare, sondern auf seinem Throne. Die heilige Hostie wird deßhalb von dem ministrirenden Cardinaldiacon, der dieses Mal der Cardinal-StaatSsecretär Antonelli war, nach einer nochmaligen Elevation nach allen Weltgegenden und unter Wiederholung der allgemeinen Kniebeugung zum päpstlichen Throne gebracht, wo der heilige Vater sie knieend anbetet. Nachdem auch der Kelch in gleicher Weise dorthin gebracht ist, solgt die Communion, bei welcher der heilige Vater unter den ministrirenden Diacon und Sub- diacon die Hälfte der heiligen Hostie theilt. DaS heilige Blut nimmt er nach dem alten RituS vermittelst einer kleinen Röhre. — Ferner hat das Pontificalamt deS PapsteS noch das Eigenthümliche, daß die Epistel und das Evangelium in der griechischen Sprache und griechischem Gesänge nach der Recitation des Lateinischen wiederholt werden. — Auf dem feierlichen Rückweg zum Thore der Kirche, bei welchem der Papst, mit der Tiara bekleidet, getragen wurde, hielt man ungefähr in der Mitte des WegeS inne, und der Generalprokurator deS Fiscus trat wieder vor Se. Heiligkeit und verlas laut eine Protestation gegen die Nichtzahlung deS Zinses von Seiten Sr. Majestät des Königs von Neapel. AIS König beider Sicilien hat dieser nämlich seit dem Jahre 1737 den dem heiligen römischen Stuhle gebührenden Tribut von 7VW Ducaten Gold, die alljährlich in einem silbernen Gefäße am Vorabende des TageS von St. Peter und Paul überreicht werden müssen, zu zahlen unterlassen, und seitdem findet alljährlich dieser feierliche Protest statt, den der heilige Vater durch eine lateinische Erwiderung bekräftigte. Mit einer feierlichen Vesper in St. Peter, welcher daS heilige Kollegium beiwohnt, und einem großartigen Feuerwerke auf dem Monte Pincio schloß die Feier deS ersten TageS. An dem folgenven, dem Tage der Commemoration des heiligen Paulus, fuhr der heilige Vater mit allen Cardinälen zu der auf dem Wege nach Ostia, eine Miglie von Rom, über dem Grabe dieses großen Apostels erbauten S69 Basilika und wohnte dort dem Hochamte bei, das immer ein dem päpstlichen Throne assistirender Bischof hält und dieses Mal von dem hier anwesenden hochwürdigsten Erzbischofe von München-Freysing gefeiert wurde. Nach Beschluß der Feier besichtigte Se. Heiligkeit die Fortschritte deS Baues dieses bekanntlich vor mehreren Jahren leider niedergebrannten Tempels und die Geschenke, welche der Kaiser von Rußland und Mehemed Ali in zwei Malachit-Altären und großen Säulen von Alabaster dazu gemacht haben. Die Feier der übrigen Tage der Octav deS Festes besteht darin, daß die Bruderschaften Roms verschiedene Kirchen besuchen, an deren Oertlichkeit sich besonders das Andenken beider oder eines von beiden Aposteln knüpft, und in welchen bei diesem Besuche ein feierliches Pontificalamt abgehalten zu werden pflegt. So begeben sich die Bruderschaften am dritten Tage nach der Kirche St. Pudentiana, dem früheren Hause des Senators Pudens, bei welchem der heilige PetruS während seines Aufenthaltes in Rom wohnte, und der Pontificalmesse assistiren die Protonotarii Apo- stolici. Am vierten Tage wird Santa Maria in Via Lata (eine kleine Kirche am Corso, worin der jetzt regierende Papst früher Canonicus war) besucht, in deren unter der Erde befindlichen Gewölben der heilige Paulus gefangen gehalten wurde, und die Uditoren der heiligen Rota leisten Assistenz. Am fünften Tage kommt die Reihe an St. Pietro in Bincoli, wo die Ketten, in welche der heilige PetruS geschlossen wurde, aufbewahrt und verehrt werden und sich die Kleriker der Camera einfinden müssen. Weiter am sechsten Tage begeben sich die Bruderschaften zu St. Pietro in Carcere, dem alten mamertinischen Kerker, worin PetruS und PauluS gefangen saßen. Der siebente Tag wird durch einen Besuch der in der Nähe von St. Peter gelegenen Kirche St. Pietro in Montorio gefeiert, die gerade an der Stelle, wo der heilige Petrus gekreuzigt wurde, erbaut seyn soll. Endlich am achten Tage verehren sie mit dem Senate deS römischen Volkes die beiden Häupter der Apostel, die in der Basilika des Laterans bewahrt werden. — Von allen diesen heiligen Oertern hat unser Interesse am meisten der alte mamertinische Kerker erregt, der sich am Fuße des CapitolS in dem tarpeischen Felsen befindet. Den heidnischen Römern diente derselbe zum Gefängnisse für schwere Staatsverbrecher, wie wir ja unter Ander», wissen, daß Jugurtha darin den Hungertod erlitt und die Mitverschwornen Catilina'S darin erdrosselt wurden. Nach der Tradition mußte auch der heilige PetruS in diesem Gefängnisse leiden uud rief auf sein Gebet aus dem harten Felsen eine Quelle hervor, mit deren» Wasser er die beiden Kerkermeister Processuö und Martinianus taufte. Diese beiden starben bald nachher den Martyrertod für Christus, und die Kirche feiert ihr Andenken am 2. Juli. — Jetzt ist über dem Kerker eine Kirche gebaut, aus der man mittelst einer schmalen Treppe in denselben hinabsteigt. Der Kerker selbst enthält zwei übereinanderliegende und in außergewöhnlich harten Felsen eingehauene Räume; man sieht noch die mitten in die Fußböden eingehauenen runden Löcher, durch welche die Gefangenen von oben in daS am tiefsten liegende Gefängniß gesenkt wurden; in letzterem fließt bis auf den heutigen Tag die merkwürdige Quelle und gibt sehr klares und wohlschmeckendes Wasser. Die Quelle selbst ist der Stein deS Anstoßes für alle Kritiker, die jene heilige Tradition nun einmal nicht annehmen wollen; denn wie läßt es sich denken, daß die Römer in dem tiefen Kerker für die schwersten Verbrecher eine Quelle gruben und denen, die sie am schärfsten züchtigen wollten, diese Wohlthat eines frisch hervorsprudelnden Wassers angedeihen ließen? oder eine wie ausfallende Erscheinung wenigstens ist diese Quelle inmitten des festesten Gesteins, daß man in einem Felsen nur finden kann! — Das römische Volk überläßt den Kritikern übrigens gern ihre Ansichten und deren Schwierigkeiten und die ganze Octav hindurch ziehen ganze Schaaren zu dem mamertinischen Kerker hin, nehmen an den öffentlichen Gebeten Theil, steigen in die Tiefe deS untersten Gefängnisses hinab und trinken aus der Quelle, die das Gebet Petri schuf und die zur Taufe von Märtyrern diente. „Selig, die nicht sehen und doch glauben!" (M. S.-BI.) »70 Aus dem Bericht des Missionärs Johann Koeianelc über die Fahrt ver »Stell« mstutins" von Dongola bis Chartum. ii^iu.L NZ7„!IZM Zo« ^!!-k'i!r))6 kssWÄHöö! ^,:>^!j,^'/ ^i? -i^!^ ^ 7 ' ^li-.-'o'i'M !!.!! Wien, im Juli. Am Montag war vom Segeln keine Rede; die Zieher hatten über die seichten Stellen zu helfen. Jeden Augenblick mußte dem Schiffe eine andere Richtung gegeben, eS oft zurückgeschoben werden, um zwischen den Felsen durchzukommen. Es war eine harte Arbeit; in fünfstündiger Anstrengung legten wir bloß hundert Schritte zurück, zuletzt standen wir zwischen zwei Felsen in dem Sand, wie eingekeilt. Die folgende Nacht war nicht angenehm, doch nicht gefahrvoll; obwohl heftiger Nordwind sauSte, bewegte sich daS Schiff nicht. In der Frühe trat Kälte ein, bei welcher Niemand in das Wasser sich wagte, auch keine Zieher sich zeigte». Der Sturm wüthete fort, so daß Jeder Zuflucht hinter einem Felsen suchte. Um eilf Uhr kgte sich der Wind elwaS und die Zieher fanden sich ein. Die eine Hälfte griff zu den Seilen, die andere Hälfte sprang in daS Waffer und hob mit Hebern; in einer Viertelstunde war daS Schiff frei. Nun ging es von Felsen zu Felsen. Einmal drohte daS Schiff, sich zu wenden, wogegen die Matrosen durch die Ruderstangc» eS bewahrten, indeß die andern daS große Seil an einem Felsen befestigten, um zu ziehen. So gelangten wir unter gewaltigen Anstrengungen und vielfachen Stößen am Abend auf ein freieres Wasser oberhalb der Insel Dobake. Auch am i0. März hatten wir gutes Wasser, aber entgegengesetzten Wind, der unS zum Landen nöthigte, wo wir nicht wollten. Für den N. stand der Schellal Bager bevor, vor diesem aber eine 3600 Schritte lange seichte Stelle. Wasser nnd Gelände wurden erst in Augenschein genommen. Um zehn Uhr begann die Fahrt. Die Schwierigkeiten bei jeder Wendung des langen Schiffes waren größer, als wir eS vermuthet hatten; doch bis Abends sechs Uhr war die „Stella mswtins« über alle gefährlichen Puncte hinaus und in den Strömungen von Schellal Bager angelangt. Trotz des SturmeS untersuchte daS kleine Schiff den AuSweg, den das große Nachmittags mit vollen Segeln zurücklegte. Um vier Uhr flatterten unsere Fahnen oberhalb deS vorletzten Katarakten. Der letzte ist derjenige von Homar. Für diesen waren Zieher auszunehmen. Sie fanden sich etwaö spät ein. Aber die öde Gegend zwischen den beiden genannten Katarakte» konnte bei eingeengtem Strom mit vollen Segeln zurückgelegt werden. Abends vier Uhr war auch der Katarakt von Homar mit seinen vier großen Strömungen gewonnen; bei großem Wasserstande ist er einer der gefährlichsten. AIS hierauf ohne alle Bedenklichkeit die Segel konnten aufgezogen werden, jauchzten die Matrosen: „Jetzt sind wir in Chartum." Von nun an ist das Wasser unergründlich, breit, mit schön bewachsenen Inseln und Ufern geschmückt. Gleich einem Sieger flog auf ihm das Schiff daher. Um jedoch mit einem wohlgeordneten, gereinigten Schiff vor Berbers Hauptstadt El Mucheiref zu erscheinen, ließ ich am 15. März an der fruchtbaren Insel Tamur landcn, Alles ausladen, das Schiff auSwaschen und Ketten und Stricke in Ordnung bringen. Ein mäßiger Gewitterregen vollendete unsere Arbeit. Doch ging am 16. bei Windstille die Fahrt langsam, erst am Abend erreichten wir EI Mucheiref. Kanin waren die üblichen Salven gewechselt, so kamen viele Vornehme, uns zu beglückwünschen. Unter diesen war Latif Pascha der Erste, der daS Schiff betrat. Er bezeugte, eö nie für möglich gehalten zu haben, daß wir in dieser Zeit so weit würden vordringen können. Er erwieS sich sehr zuvorkommend und ich mußte ihn täglich besuchen. Ohne alle Schwierigkeit stellte er mir zur Weiterreise die erforderlichen Schriften aus. Anhaltende Südwiude verzögerten unsere Abreise bis zum 20. März. An diesen, Morgen trat ein frischer Nordwind ein, und gleichsam in dem Bewußtseyn, alle Hindernisse besiegt zu haben, flog die „8tkIIs mütutinz" den breiten Strom hinauf. Der Schellal Omeltegur verdient im Vergleich zu den vielen frühern Katarakten kaum »71 diesen Namen. An dem Landungsplatz oberhalb desselben harrte unser eine Dehabie der Regierung von Chartum in der Absicht, eine Wettfahrt mit der unsrigen anzustellen. Anfangs Überflügelle sie uns, waS die Matrosen so in Wuth versetzte, daß ich sie kaum besänftigen konnte. Sie wollten nicht, daß ihr Schiff besiegt werde, vergrößerten daher in der Nacht die Segel, arbeiteten und reparirten, und bewirkten eS am folgenden Tage, daß sie den Gegner trotz angewendeter List, uns den Wind abzuschneiden, übersegelten. Am folgenden Tage war Windstille bei brennender Hitze; sie dauerte zwei Tage und machte wieder das Ziehen nothwendig. Dafür wütheten am 26. und 27. Windhosen, die in dieser Zeit wegen deS Windwechsels besonders stark und häufig sind. Sie drohten oft, die Segelstangen entzwei zu knicken, waS immer durch die Gewandtheit der Matrosen verhütet wurde. Am Nachmittage deS 27. begrüßten wir zum ersten Male wieder eine österreichische Flagge. Sie wehte von einem kleinen Schiffe, welches unS zwei Missionäre aus Chartum entgegenbrachte. Welcher Jubel! Er läßt sich in Worten nicht ausdrücken. Wir nahmen sie auf unser Schiff und landeten Abends in Halfaye, eine Meile unter Chartum. Wie am folgenden Tage der Provicar mit seinen Gefährten den-Ankommenden entgegenfuhr, haben die Leser aus seinem Bericht vernommen. Vier Monate und neunundzwanzig Tage waren verflossen, seit die Einen von den Andern sich getrennt hatten; vereint erreichten sie Chartum um eilf Uhr deS 29. März. Wohlthun trägt Zinsen. An einem der letzten Octobertage deS verflossenen Jahres kehrte der ehrwürdige Pfarrer von Derval, einem kleinen Städtchen der Bretagne in Frankreich, sehr ermüdet »ach seiner Wohnung zurück. Er hatte eiue arme Familie seines Kirch- sprengels besucht, welche krank und von allen Mitteln entblößt darnieder lag, und derselben das wenige baare Geld geschenkt, welches er sich durch strenge Selbstver- läiignung an seinem bescheidenen Einkommen erspart hatte. Auf seinen Stab gestützt wanderte er seiner Wohnung zu und dachte unterwegs mit Betrübniß darüber nach, wie gering seine Mittel seyen, um Gutes thun und das Elend und Unglück unterstützen und erleichtern zu können. Er hatte noch nicht die Hälfte deS WegeS zurückgelegt, alö er sich beim Namen rufen hörte und den Maire von Chateaubriand auf sich zukommen sah, dem ein Mann mit einer kleinen Kiste auf dem Kopfe folgte. Nach beiderseitiger freundlicher Begrüßung theilte sodann der Maire dem Pfarrer mit, daß sein Besuch ihm gelte und daß er ihm einen Brief von einem gewissen frühern Sergeant-Major, Carl F. einzuhändigen habe. Der gute alte Pfarrer erinnerte sich dieses Namens anfänglich nicht mehr, endlich aber fiel ihm bei, daß er einst einem Unglücklichen eine Wohlthat erwiesen habe, und daß dieß Wohl jener Sergeant-Major gewesen seyn müsse. Der Maire erkundigte sich nach dem Dienste, den der Pfarrer jenem Unterofficier erzeigt habe, da derselbe auö dem Auftrage, den er an ihn habe, zu schließen, groß gewesen seyn müsse, worauf ihm der Pfarrer nach einigem Widerstreben Folgendes erzählte: „Ende Augusts deS Jahres 1848 kehrte ich wie gewöhnlich Abends vom Besuche einiger kranken und armen Pfarrkinder nach Hause zurück; da erblickte ich nicht weit von unserm Städtchen entfernt einen jungen Soldaten, der mit verstörten Blicken und wilden Geberden dem tiefen und reißenden Fluß zueilte, der dort mit rasender Schnelligkeit durch jene Bergschluchten ins Thal niederstürzt. Ich hielt ihn an und sprach freundlich mit ihm. Anfangs gab mir der junge Mann gar keine Antwort, sondern suchte sich durch eine abwehrende Bewegung deS lästigen Fragers zu entledigen; da ich aber gegründete Ursache hatte, einen Selbstmord zu befürchten, fo hielt ich ihn fest, und nach vieler Mühe gelang eS mir auch, ihn zu bewegen, mit mir nach Hause zu kommen. Nachdem er sich in meiner Wohnung niedergelassen und ich ihn auf die freundlichste Weise um die Ursache seines Kummers befragt hatte, 87S gestand er mir endlich, daß er eine ihm in seiner Stellung als Sergeant-Major anvertraute Summe im Spiele verloren habe, und daß ilmi, um der Schande zu entgehen, nichts Anderes übrig bleibe, als seinem Leben ein Ende zu machen. Nachdem er mir dieses Geständniß abgelegt, brach er in Thränen und lauteö Schluchzen aus und wiederholte öfters: „Ach, meine arme Mutter! meine arme Mutter, wenn die es wüßte..." „Ich wartete, bis der junge Soldat ruhiger geworden war, und redete ihn dann mit Worten des Vorwurfes, aber auch zugleich der Ermahnung und des Rathes an, so wie nur ein Vater mit einem irrenden Sohne sprechen kann. Um aber nicht bloS ein leidiger Tröster für ihn zu seyn, gab ich ihm ein Paket mit 130 Franken, den Betrag der von ihm so leichtsinnigerweise verschleuderten Summe. „Es ist dieß beinahe mein ganzes Besitzthum, sagte ich zu ihm, aber mit Gotteö Gnade werdet Ihr von nun an ein anderer Mensch werden, fleißig arbeiten und mir einst, wenn Ihr es im Stande seyd, diese Summe wieder zurückgeben, die eigentlich mehr den Armen als mir gehört." ES wäre schwer, des jungen Soldaten Freude und Erstaunen zu beschreiben. Krampfhaft drückte er mir die Hand und sagte nach einer Pause: „Mein Herr, in drei Monaten läuft meine militärische Dienstzeit ab. Ich verspreche Ihnen hiemit feierlich, daß ich unter GotteS Beistand von dieser Zeit an fleißig arbeiten und ein ordentlicher Mensch bleiben werde." Mit diesen Worten nahm er das Geld, verließ mich, und ich ertheilte ihm noch meinen Segen. Zum großen Aerger meiner Schwester, die mir oft vorwarf, daß ich mein Geld an einen unwürdigen Menschen verschwendet habe, welchen wir nie mehr zu sehen bekommen würden, mußte ich nun freilich den folgenden Winter hindurch in leichtem, fadenscheinigem Rocke und dergleichen Hosen zubringen, auch bestand unsere Speise meistens nur aus Brod und Suppe, aber der Herr hat unS seine Kraft verliehen, und wir Haben's auch überstanden. Seither habe ich nichts mehr von ihm gehört." Unter der Zeit hatten die drei Männer die Wohnung des Pfarrers erreicht und waren in die kleine niedere Stube eingetreten. „Von diesem Carl F.", begann hier der Maire, indem er sich setzte, „ist vor zwei Tagen der Mairie von Chateaubriand ein Packet nebst einem Briefe mit der Bemerkung zugekommen, Beides sicher in Ihre Händ? gelangen zu lassen. Da eS mich nun daS Sicherste däuchte, wenn ich diesen Auftrag selbst übernähme, so habe ich mich heute auf die Füße gemacht, um mich desselben bei Ihnen zu entledigen." Der Mann, der die kleine Kiste getragen hatte, stellte dieselbe auf den Tisch. Sie war außerordentlich schwer. Der Pfarrer erbrach den Brief, der von San Fran-- cisco in Californien datirr war, und las: „Hochwürdiger Herr Pfarrer, edelster der Menschen! Hierbei überschicke ich Ihnen einen kleinen Beweis meiner ewigen Dankbarkeit zur Erinnerung an den 28. August 1848. Es sind die Erstlinge meines Fleißes im fremden Lande. Carl F . . ., ehemals Sergeant-Major im . . sten Regiment, jetzt Goldgräber in Californien." Das Kästchen wurde geöffnet; eS enthielt mehrere massive Goldklumpen, im Werthe von 12- bis 15,000 Franken. „Nannette," sagte der Pfarrer bei diesem Anblicke mit Freudcnthränen in den Augen zu seiner Schwester, „beurtheile mir nimmer auf so harte Weise einen reuigen Sünder. Unser unglücklicher Gast hat sein Wort hundertfältig gelöst. Nun, Gottlob! nächsten Winter soll eS meiner armen Gemeinde weder an Nahrung noch an Medicin mehr fehlen, und du, meine Schwester Nannette, wirft ein großes Quantum warmer Stoffe kaufen, worin sich die armen Männer und Frauen meines Kirchsprengels kleiden sollen. O, eö gibt wahrhaftig kein größeres Vergnügen als Wohlthun!" <ü i",zSni»,< uz ««nttMN -nn!».vdvM Äsoiims'k chi vck ? jj',n' i.' ,st?«,K?ux n'Ü ,vuk 'iim v«»j>p,5(iiM n!sw -!»»>,