Zwölfter Jahrgang. Sonntags-Beiblatt zur Augsburger PoMtung. 5. September SV. 185S. __,- Dieses Blatt erscheint regelmäßig alle Tonntage. Der halbjährige Abouuementsvrel« Tl> kr., wofür es durch alle köuigl. bayer. Postämter und alle Buchhandluugeu bezöge» werdeu kauu. Unsrer lieben Frauen Mantel. Eine Erzählung in sieben Lectionen über das Salve Negina. Erste Lection: „Sey gegrüßt, o Königin, Mutter der Barmherzigkeit!" Mein Sohn, mein Sohn, sprach betrübten Sinneö der eisgraue Buchbinder Falzmann, wie befremden mich deine Reden! Es ist wahr, du hast in Golha, Braunschweig, Paris und Lyon viel Neues in unserer ehrbaren Kunst profitirt, aber lieber wär'S mir beinahe, ich hätte dich zu einem alten, ehrlichen Meister in Mariazell, All- Oetling oder Einsiedeln geschickt, obwohl du wenig Lust bezeigt hast, an so lustbarliche Orte dich zu begeben, wo die Buchbinder auch ihren schönen Antheil haben an der Beförderung des Seelenheils, und beim Falzen und Heften lauter herzliche Gebete und fromme Lieder vor Augen sehen, auch die hochlheurcn Namen Jesu und Mariä bei jeder Deckelverzierung.— Der Sohn erwiderte und sprach mit guter Manier: Vieles, Vater, ist übertrieben; vieles ist und bleibt übertrieben. Ja freilich, mein Sohn, fuhr der Alte fort, sehr vieles ist übertrieben; besonders in den Büchern, die du gelesen haben magst, anstatt sie lediglich nur einzubinden, oder lieber, statt sie weder zu lesen noch einzubinden. Glaube mir, eS ist immer eine Art von Verantwortung bei solchen Büchern, denen der Autor einst zurufen wird: ach, hätte ich euch nicht geschrieben! der Buchdrucker: ach, hätte ich euch nicht gedruckt! der Leser: ach, hätte ich euch nicht gelesen! Und wie wird dann zumal der Buchbinder rufen? Denn blieben alle bösen Bücher ungebunden, so würden sie wenig Schaden stiften; nun aber kommen Eleganz und Lurus noch hinzu und geben dem Buche ein schmuckes, reizendes Kleid, damit nur ja gewiß jeder das übertünchte Grab öffne und vom TodeS- qualm sich betäuben lasse. Ist daS nicht übertrieben, mein Vater? — Nein, mein Sohn, im Mindesten nicht. Von dir vielmehr ist'S übertrieben, daß du darüber dich ereiferst, wenn ich diese Marianischen Gebet- und WallfahrtSbücher fein und nett eingebunden haben will. Ich habe eS immer so gehalten und du wirst mich keines Bessern belehren. Nützliche Bücher bindeich fest, Romane binde ich gar nicht, auf Schulbüchlein verwende ich Holz, auf christkatholische Erbauungsbücher aber geziemt sich Gold, und auf Marianische Bücher daS U mit der goldenen Krone darüber, auf daß der christkalholische Mensch, wie er daS Büchlein zur Hand nimmt, sogleich gedenken möge: „Salve Negina, sey gegrüßet, o Königin." Aber, bester Vater, wie ist'S dann möglich, daß Sie bei der splendiden Arbeit für so schlechte Preise bestehen können? — Mein Sohn, wollest dich deßhalb nicht in Sorgen setzen! Denn diese große Königin, der ich zu dienen mich bestrebe, ist mächtig und reich genug, um meine Armuth zu segnen, wenn du anders eS verstehst, wie solch eine gesegnete Armuth unendlich besser sey, als Reichthum ohne Segen. Sie ist ") Mit einigen Aenderungen den „Oelzweigen" von 5320 entnommen. .ynvh-^!lI82 ssy,^ auch eine Königin und Mutter der Barmherzigkeit, die aufs dankbarste sich erweiset, wo man ihren geliebten Kindern etwas zn Liebe thut. Deßhalb sendet Sie mir Arbeit vollauf, aus allen Ortschaften und Kanzleien in der ganzen Gegend; ja selbst unsere durchlauchtigste Frau, die verwittwetc Fürstin, bringt jedes Jahr, wenn sie ihr hiesiges Schloß bezieht (und sie wird wohl heute wieder hier ankommen), ihre rohen Bücher mit hierher, um selbe mir gemeinen Landbuchbinder anzuvertrauen. DaS ist allerdings viel Gnade, sagte der junge Falzmann; und da wird wohl keine Frage seyn, welcher von beiden Sie mit größerm Eifer dienen werden, der Königin ober der Fürstin? — Lächelst du, lächelst du? rief der Alte, mit edlem, väterlichem Zorn hart vor ihn hintretenb; treibst du solchen Scherz? Entweder spricht der Unglaube aus dir, oder jene elende Gleichgiltigkeit, die hoch über Alles zu schweben meint, während sie mit ihren bleiernen Flügeln immer tiefer hinabsinkt. Ja, ich rühme mir die edle, gütige Fürstin, aber auch sie demüthigt sich vor der großen Fürstin, der Königin des Himmels und der Erde, auS welcher der Gottmensch wollte geboren werden. — Aber warum so zürnen, mein Bater? — Mein Sohn, weil du keine größere Schmach mir anthun kannst, als wenn du zu den Fahnen jener Leute dich gesellst, welche der göttlichen Liebe den Rücken wenden und das Reich Gottes als widerspenstige Narren bekämpfen, und nicht aushören, mit hochtrabenden Worten sich laut zu machen, bis daS Wort deS LebenS in ihnen verstummt, oder mancherlei Bücher zu schreiben, bis ihr Name auS dem Buche deS LebenS für immer ausgelöscht wird, oder mit besonderer bösartiger Vorliebe so lange gewisse Bücher prächtig einzubinden, bis sie von dem himmlischen Einbande der Gemeinschaft der Heiligen ausgeschlossen werden. Ach, mein Sohn, haft du die Worte unseres Heilandes nie gehört: Glaubet ihr an Gott, so glaubet auch an Mich! Daran reihet sich noch ein anderer Satz: Glaubet ihr an Jesum Christum, so glaubet auch an die allerseligste Jungfrau Maria. Wer Jesum nicht glaubet, obschon er von Ihm weiß, von dem erkühne ich mich zu . zweifeln, ob er an Gott glaube, oder ob jener Gott, den er bekennet, Gott sey, und nicht ein bloßer Abgott, oder ein schaler und kahler Begriff. Und wer an Maria, die göttliche, jungfräuliche Mutter, nicht glaubt und sie nicht verehrt, von dem getraue ich mich zu behaupten, daß er auch an Jesum Christum nicht glaube. Was erfrechst du dich also zu scherzen? Ist Christus der König der Könige und der Herr der Herrschenden, so wird seine glorreichste Mutter doch wohl eine Königin seyn? und ist in Christo die volle und herrliche Erweisung der göttlichen Barmherzigkeit, wer dann wird Maria wohl seyn, als die Mutter der Barmherzigkeit. Gewiß, mein Batcr, antwortete der junge Falzmann, ich wüßte nichts dagegen einzuwenden. Ich bewundere vielmehr Ihre geistliche Beredsamkeit, und überzeuge mich, daß Sie nicht ohne Frucht so viele Gebetbücher eingebunden haben; sind Sie doch selber schon ein lebendiges ErbauungSbuchz so recht nach alter kernhaster Form mit > festem Beschläg und gewichtigen Deckeln. Aber die Moden ändern sich ja, so auch die Titel, die Redensarten, die Andachten. Ich habe draußen zwischen der Elbe und der Ober ein Buch eingebunden, da hieß Maria ein Ideal hoher Weiblichkeit; sollte daS dem neuern Geschmack nicht angemessener seyn, als der Ausdruck: Königin? Aber, Herr JacqueS, wie reden Sie da? rief der ehrsame Lebkuchenbäcker Pankraz, der eben nachbarlich hereingctreten war; sind Sie auch einer von Denjenigen? Sieh' doch diesen jungen Herrn JacqueS! Auch meiner Pepi hat er schon solches Zeug vorgeschwätzr; allein waS soll daS heißen? DaS Muttergottesbild in meiner Stube ist ihm zu schwarz und die Krone darüber will ihm gar nicht gefallen. Ei Sie ärgerlicher Herr JacqueS, ich will'S Ihnen nur rund heraussagen; nehmen Sie sich an Ihrem Vater ein Muster! Sagen Sie'S ihm, älter Herr, sagen Sie'S ihm, oder warten Sie, ich will'S ihm selber sagen, und wenn er mein Sohn wäre, müßte ich ihn nebenbei noch prügeln, Gott verzeih mir'S. Herr Pankraz nahm Platz und redete des Weitern also: Eine Königin ist die glorwürdigste Jungfrau, ja allerdings eine Königin und Alles muß ihr dienen. WaS ich aber jetzt sagen werde, steht zu Hause in meinen alten Büchern. Sie ist die AuS- erwählte deS ganzen Menschengeschlechtes, eine Königstochter auö dem Hause David, S8Z die geliebte Tochter des Allerhöchsten, die königliche Mutter des großen Königs, zur Mutter allen Menschen gesetzt durch die letzten Worte deS Erlösers; sie ist die Mutter der schönen Liebe, wie die beilige Schrift sie nennt; sie ist die jungfräuliche Mutter Jesu, braucht eS der Worte noch mehr? Sie ist auch eine Königin der Engel; denn eS ist billig, daß diejenige über alle himmlischen Heerschaaren erhoben sey, welche daS ewige Wort, der Herr der Heerschaaren, zur Mutter und Mittlerin erkoren. Sie ist auch eine Königin ver Patriarchen, sintemal in ihr allein alle göttlichen Verheißungen erfüllet wurden, auf welche die Patriarchen gehofft haben. Sie ist auch eine Königin der Propheten, denn sie und ihres Leibes gebenedeite Frucht haben alle Propheten verkündet, so wie sie selber die wundersamste unter den Sehern war, da sie weissagte und sprach: Selig werden mich preisen alle Geschlechter der Menschen. So ist sie auch eine Königin der Apostel, denn sie war ja die Arche deS Bundes, zu welchem deS Evangeliums Freudenbotschaft alle Menschen berufen hat. Sie ist ferner eine Königin der Märtyrer, denn sie war eS vor Allen und mehr als Alle, die Zeugniß gab von Jesu dem Gekreuzigten, stehend bei ihrem Sohne am Kreuzesstamme, vom Schwert daS Herz durchbohrt, gleichwohl stehend in unerschütterter Glaubenskraft. Sie ist eine Königin der Beichtiger, denn sie war eö, die allen Bekennern Jesu voranging, da sie sprach: AlleS, was Er euch sagen wird, daS thut. Sie ist eine Königin der Jungfrauen, denn ihr, der Jungfrau, ward vor Allen die Gnade, ein Tempel deS heil. Geistes, eine Wohnstätte der ewigen Weisheit zu seyn. Sie ist zugleich eine Königin aller Heiligen, denn nur Einer ist heilig und die erschaffenen Geister durch Ihn, und dieser ist ihr göttlicher Sohn, dem sey die Ehre in Ewigkeit. — Wahrhaftig, sprach Herr Jacques Falzmann, jammerschade ist'S, daß Sie, ein Mann von so lebhaftem Geiste und gutem Gedächtnisse, Ihr Leben bei der teigigen Hand« thierung verkneten mußten. ES geht Ihnen darin wie mir; auch ich bin zu etwas Bessern, als Kleister und Pappe geboren. — Purer Hochmuth, Herr JacqueS, entgegnete der Leb- kuchenbäckcr, pure Eitelkeit; unser Gewerb ist ein ehrsameS Gewerb, und eS kommt nicht darauf an, wer man ist, sondern wie man ist. Aber, mein leichtfertiger Hr. JacqueS, warum springen Sie mir von der Hauptsache ab? Umsonst bin ich nicht da hereingekommen, der Teig, den ich jetzt kneten will, ist eben kein Honigteig, sondern eS ist die sogenannte bittere Wahrheit dabei, lautend also: Wenn Sie, mein vortrefflicher Herr JacqueS, als meines ehrlichen und geliebten Nachbars Sohn, mit meiner Pepi in geziemendem Umgang bleiben wollen und dieses gute Kind Ihnen wohlaefällt, wie sollte ich etwas dagegen baben? Aber ich habe viel dagegen, maßen ein junger Mensch nach der heutigen Welt, der die allerscligste Jungfrau nicht würdiglich zu verehren sich befleißiget, in Anbetracht einer solchen Bekanntschaft ärger denn ein reißender Wolf zu fürchten seyn thut. Von dannenhero mir, als einem BürgerSmann aus der alten Schule, nichts erübriget, als Ihnen die freie Wahl an die Hand zu geben, entweder von jetzt an die glorwürdigste Zungfrau von Herzen zu verehren und in dieser Verehrung mit Wort und That zu verharren, oder mein HauS und jedes Wörtlein mit meinem Kinde für immer zu meiden. Diri, und der Herr Nachbar sind damit einverstanden. — Schätzbarster Hr. Pankraz. erwiderte JacqueS; ich verwundere mich über Ihre edle Simplicität. Denn könnte ich mich, wenn'S mir darum zu thun wäre, nicht so gebärden und anstellen, als wäre mir'S ganz ernst mit der gewissen Andacht, die Sie meinen, ohne doch etwas Anderes zu seyn, als ein niederträchtiger Heuchler? — Bester Hr. JacqueS, entgegnete Jener, daS ist so leicht nicht, als Sie glauben; habe ich nicht gesagt: mit Wort und That? Etwa wie Sie in Gegenwart einer mächtigen, gütigen und weisen, gleichwohl irdischen Königin sich betragen möchten: bescheiden, anständig, sittsam, ergeben, aufmerksam, so und bei weitem noch inniger muß ein Diener der Himmelskönigin seinen Wandel führen.— Schön, sagte JacqueS; ich bin's also zufrieden und will mich verhalten, wie eS Ihnen gefällig ist. — Brav, mein Liebster! daS war ein herzhafter Entschluß. Nun wohlan denn, wir wollen vorläufig mit Worten den Anfang machen und der Königin unsere Verehrung darbringen, sprechend: Hochgelobt und gebenedeit sey die allerscligste Jungfrau Maria. Sagen Sie eS nach, Hr. JacqueS, sagen Sie eS nur frisch heraus! Nun, will'S nicht werden? He, Hr. Jacques, wo fehlt'S denn? DaS RedhauS ist ja sonsten recht gut bestellt? — Sprachorgan sagt man, erwiderte JacqueS, und nicht RedhauS. — Meinet, wegen, rief Hr. Pankraz, aber warum den Gruß nicht nachsprechen, wie? — Hm, versetzte 284 JacqueS, bin ich denn ein Kind, um nachzubeten oder nachzulallen? — Selig sind die Kleinen, Hr. JacqueS, selig sind die Kindlein in der Kindschaft GotteS. Nun wohlan, nur frisch: Gelobt und gebenedeit--Ich weiß nicht was Sie wollen! sprach der junge Mann entrüstet; soll ich mich etwa wie ein Schulknabe behandeln lassen? Sind daS nicht alter Weiber Possen, die Sie mit mir treiben? — O mein Hr. Jacques, entgegnete der Lebkuchcn- bäcker und hob bedenklich den rechten Zeigefinger in die Höhe) o wie traurig ist mir die Ueberzeugung, daß ich keinen ungegründeten Verdacht im Herzen hege; weiß ich denn nicht, daß es Leute gibt, welche die süßen Worte „allerseligste Jungfrau Maria" ohne eine Art von innerlichem Verdruß, ohne eine Art von hämischer, aberwitziger Vornehmthuerei nicht aussprechen können? Begreifen kann ich'S nicht, wie daS zugeht, aber wahr ist's leider! ES bleibt dabei, Hr. JacqueS, Sie unterstehen sich beileibe nimmer, meine Pepi anzusprechen ; Sie kommen mir ja nimmer inS HauS, bevor ich von Ihrem Vater nicht ein Besseres erfahre! — Recht, Hr. Nachbar! sagte der alte Falzmann und schüttelte ihm die Hand, so ist'S Recht! Der junge Falzmann aber ging, um seinem Verdruss« Luft zu machen, an die Presse hin, schrob sie aus'S gewaltigste zusammen und murrte dabei: So weit gehen Vorurtheile! Erfahrungen eines katholischen Geistlichen in Wien. Geschildert in harmlosen Briefen. (Oesterr. Bolksfreund.) 1. Die Hochzeiten. Theuerster Freund! Wenn ich Dir in diesen Zeilen mittheile, waS ich seit meiner priesterlichen Wirksamkeit in der großen Stadt Wien BeachtenSwertheS unter den Leuten gesehen, gehört und erlebt habe; so glaube ich nicht bloß Deinen Wunsch zu erfüllen, sondern ich folge auch dem Dränge meines eigenen Herzens. Um Dir aber meine Erfahrungen nach einer natürlichen Reihenfolge zu schildern, und Dir ein klares Bild von dem sittlichen Zustande der Bewohner Wiens zu liefern, will ich Dir zuvörderst die Geschichte der meisten Wiener von ihrer Geburt erzählen; denn Du weißt, daß unsere Geschichte früher anfängt als unser Leben. Mit einem Worte: Ich werde Dir zuerst meine Beobachtungen über den Eintritt in den so wichtigen Ehestand mittheilen. Von den Tausenden, die nicht verehelicht, und dennoch Väter oder Mütter sind, will ich gar keine Erwähnung machen. Leider kann ich Dir aber auch von denen, die durch daS Band der christlichen Ehe mit einander vereinigt werden, nicht viel GuteS schreiben, ich muß vielmehr gestehen, daß ich bei dem Anblicke eines Brautpaares in Wien meistens von Mitleid bewegt, und von Besorgniß erfüllt werde. Die meisten unserer Brautleute nämlich wissen oder bedenken gar nicht die hohe Bedeutung dcS Schrittes, den sie unternehmen. Du würdest, lieber Freund, gewiß sehr bedenklich den Kopf schütteln, wenn Du einem Brauteramen beiwohnen möchtest, denn Du würdest sehen, daß die Meisten entweder gar Nichts von der heiligen Religion gelernt, oder daö in der Jugend Gelernte bereits wieder ganz vergessen haben. Manche können nicht einmal die zehn Gebote GotteS Herabsagen, geschweige erst, daß sie den Inhalt oder Geist derselben verständen. Ferner ist die Absicht, aus der die Leute in den Ehestand treten, gewöhnlich nicht rein. Auf Tugend und Frömmigkeit wird bei der Wahl eines Lebensgefährten nicht gesehen, sondern nur auf die anmuthige Gestalt, auf die blendende Larve, oder WaS noch unwürdiger ist, aufS Geld und auf daS Emporkommen in der Welt. Die Persönlichkeit wird häufig nur als Nebensache, und daS einträgliche Geschäft, daS große Zinshaus oder die mächtige Empfehlung als Hauptsache betrachtet. Wenn aber schon die Absicht, aus der man in den Ehestand tritt, nicht gebilligt werden kann, so läßt eS sich leicht denken, daß beim Eintritte selbst auch nicht Alles beobachtet wird, waS die heilige Religion den Brautleuten empfiehlt. Jene EhcstandSkandidaten z. B., die vor ihrer Trauung so wie Tobias und Sara im alten Bunde längere Zeit hindurch » 885 Gott inständig um Schutz und Segen anflehen, dürften in Wien sehr selten seyn Zum Gebete nimmt man sich bei solch' einem Vorhaben keine Zeit, sondern nur zum Nähen, Sticken und Stricken, damit man nur recht kostbar oder zierlich aufgeputzt zum Altare binschreiten und schon auf der Straße einer zahlreichen gaffenden Schaar eine Augenweide verschaffen kann. Zwar verrichten die meisten Brautleute vor der Trauung die heilige Beicht und Communion; allein ob der Empfang dieser heiligen Sacramente würdig sey, daS wird dem Allwissenden bekannt seyn. Mancher Bräutigam aber und selbst manche Braut erspart sich die heilige Beicht und Commu- nion ganz; denn der Veichtzettel, den man vor der Trauung beibringen muß, ist in Wien auf mancherlei Art und Weise zu haben. Eben so pflegt man in der Residenz nicht so, wie auf dem Lande, am Tage der Trauung einem feierlichen Hochamte, ja nicht einmal einer stillen heiligen Messe beizuwohnen; eS herrscht vielmehr der sonderbare Gebrauch, die Trauungen Nachmittags vorzunehmen. Blos die armen Leute, die ganz unbemerkt getraut werden wollen, erscheinen Morgens vor dem Altare; die Vermöglichen hingegen, die mit Pomp daherfahren, wählen sich eine Abendstunde. Leider vermißt man bei den Brautleuten aus den niedern Volksklassen nur zu häufig den Kranz der jungfräulichen Reinigkeit auf dem Haupte; die Höhern und Reichern hingegen sind meistens mit einem zierlichen Kranze versehen, weil ihnen die Welt eben nichts UebleS nachweisen kann. Ist endlich die Trauung vorüber, so verfügt man sich gewöhnlich in irgend ein renowirteS GasthauS, wo in einem dazu eigenS vorbehaltenen Locale ein theures HochzeitSmahl eingenommen wird. Natürlich läßt Niemand bei solch' einer Gelegenheit auch nur die geringste Traurigkeit merken; oder wenn dieses bei Jemanden der Fall ist, so ist eS etwa bei der Braut oder beim Bräutigam, da diesen vor der Zukunft denn doch ein wenig bange ist. Die Gäste hingegen sind reckt lustig, und voll Witz, auch sprecken sie den Speisen und Getränken tüchtig zu. Du kannst eS Dir jedoch leicht denken, daß Jesus und Maria, wenn sie jetzt noch auf Erden wandelten, selten einer Hochzeir in Wien beiwohnen möchten; denn die heutigen Hochzeitsfreuden sind nicht von der Art, daß der heiligste Gott« mensch und seine jungfräuliche Mutter, so wie einst zu Cana in Galiläa daran Theil nehmen könnten. Eben deßhalb aber folgt auf die HochzeitSsreude oft sehr bald ein arger EhestandSjammer, die Noth nämlich bricht herein, weil man, von der Haushaltung wenig versteht, und sich nickt einschränken will. Zu der Noth gesellt sich die wechselseitige Unzufriedenheit, und daraus entspringt mit der Zeit eine völlige Abneigung gegen einander. Du kannst es mir glauben, daß in Wien weit mehr unzufriedene und unglückliche Eheleute leben, als zufriedene, glückliche. UebrigenS weiß sich daS Volk, wenn eS ihm nicht recht zusammen geht, gleich zu helfen. An die Unauf- lösbarkeit deS katholischen Ehebundes nämlich, und an das große Sacrament, welches man empfangen hat, wird nicht gedacht; sondern so leichtsinnig, wie sich die Leute mit einander verbunden haben, so leichtsinnig laufen sie auch von einander fort, ohne erst dem Pfarrer oder einem weltlichen Vorgesetzten etwas davon zu sagen. Nach allem dem wirst Du mir eS wohl zugeben, daß von solchen Leuten gerade kein hoff« nungSvoller Nachwuchs zu erwarten ist. Ueber diesen Nachwuchs aber werde ich Dir, wenn es Dir recht ist, im folgenden Briefe meine Beobachtungen mittheilen. Lebe wohl, und gedenke in Deinem Gebete bisweilen der Kaiserstadt. Um dieses bittet Dich Dein aufrichtiger Freund. Einige Bemerkungen über die Sonntagsfeier. ! NZil?"« !U Y'^n^iHsMAi Es unterliegt keinem Zweifel, daß die Sonn- und Feiertage von der concreten und positiven Religion nicht abgelöst werden können. Die Nothwendigkeit, unter je sieben Tagen einen zu finden, der dem Umgange mit Gott, der Sammlung der geistigen Kräfte, der vorzugsweisen Pflege deS Seelenheils gehört, ist so einleuchtend, daß nur Müßiggänger oder erpichte Mammonsknechte sie verkennen mögen. Die frommen SonntagSgedanken sollen der geistige Vorrath seyn, der dem 28« arbeitbeladenen Menschen durch die ganze Woche zu Hilfe kommt, mahnend an Schöpfer und Ewigkeit, belebend und aufrichtend. Sie sollen der frische Brunnen seyn, a»S welchem Kühlung in der Last und Hitze deS WerktagölebenS geschöpft wird. Man sagt: „Wer arbeitet, um seinen Brüdern zu dienen, der thut nichts Schlechteres als der müßige Beter. Ueberdieß ist ja Arbeit, im rechten Geiste vollbracht, auch Gottesdienst." So können Menschen sprechen, die von keiner Arbeit wissen, bei der nicht Hände und Füße die Hauptrolle spielen, da doch daS rechte Gebet die erhabenste, und keineswegs die leichteste Arbeit ist. Wer aber seinen Acker und sein Landgut, und sein Weib und seine fünf Joch Ochsen so lieb hat, daß er'S nicht über sich bringt, sie nur je den siebenten Tag wegen der Anbetung seines GotteS bei Seite zu stellen: der entheiligt GotteS Dienst durch Sabbathschändung, und fällt in verfeinerte Jdololatrie: er verlange nur nicht, daß wir glauben, seine Arbeit, die mit Gottvergessenheit anfängt, werde fortgeführt unv vollendet im Geiste GotteS. Aber warum gerade der Sonntag? Warum soll cS mir nicht srei stehen, mir selbst die hiefür geeigneten Tage zu bestimmen? Antwort: Gott hat AlleS geordnet nach Maaß und Zahl und Gewicht; Er ließ einen Ruhesabbath auf sein Herasmeron folgen. Er hat durch den Lauf der Gestirne die Zeiten getheilt. An Sommer und Winter, an Tag und Nacht, an Wochen und Monde hat Er das Leben der Erde und ihrer Bewohner gebunden. So soll auch in dem Reiche deS Geistigen eine Ordnung der Zeit seyn. Für den alten Bund war der Sabbath der religiöse Ruhetag, ihm schlössen aber jene Zeiten sich an, in welchen daS auScrwählte Volk der, zu seiner Befreiung und Heiligung gewirkten Thaten GotteS mit höherer Festfreude gedenken sollte. DaS Gebot: „Gedenke, daß du den Sabbath heiligest," hat im neuen Bunde, trotz der Verlegung ans einen andern Tag seine Geltung nicht verlören, denn eS galt GotteS Majestät und Herrschaft über die Kreatur, daS Andenken Seiner Allmacht und Güte zu feiern. Die Firirung auf den Sonnabend war untergeordnet, oder vielmehr, eS lag in GotteS Plan, daß im Reiche der Erlösung eine andere Aera als im Reiche der Schöpfung seyn sollte. Natürlich war cS dann Christus, der Central- und Wendepunct der Geschichte, der Eckstein deS alten und neuen Bundes, an den sich diese Aenderung anschloß. Wollte nun der Einzelne von dem Gebote der Sabbathheiligung überhaupt, oder von der allgemeinen öffentlichen sich lossagen, so wäre die nächste Folge der Unsegen GotteS, die Belastung des Gewissens mit einer schweren Sünde (II. Mos. 35, Z. 3. III. Mos. 26, 34. 35. II. ESdr. 13, 15. 22.). — Die Entfremdung von der Kirche, dem Reiche deS Heiles und der Gnade, könnte nicht ausbleiben, wo ferne sie nicht etwa bei grundsätzlicher Mißachtung schon vorhergegangen. Verloren gingen die Früchte der gemeinsamen Andacht und Erbauung, der Fürbitte, deS Opfers. Ueber der Arbeit, die zur verbotenen Zeit verrichtet, als ein Zeugniß deS Kleinmuths, der Habgier oder deS Eigenwillens den Sclaven der Scholle verriethe, könnte nicht Gottes Hand ruhen. AuS der Abneigung gegen daS Kirchengebot erwächst Verachtung der Kirche, damit Christi, zuletzt eine völlige Abkehr deS HerzenS vom Göttlichen. DaS Gemüth, daS sich nicht selbst mehr erhebt, hat nur Aerger, scheeles Zusehen und Spöttelei bei der Erhebung der Andern; den, der GotteS Andenken verachtet, wird Gott verächtlich machen. Der öffentliche Cult ist ein Bekenntniß des Glaubens: so die Versäumniß darin eine faktische Verläugnung. Endlich verliert daS Herz jede höhere Weihe, den Aufschwung deS christlichen Gedankens und die Belebung der Liebe. Die Segnungen deS heiligsten OpfcrS und reS göttlichen Wortes sind ihm abgeschnitten; eine heilsame Veranlassung, einen prüfenden Blick in sein Inneres zu werfen, fällt hinweg. DaS Leben, daS keine gewissen Halt- und Ruhepuncte mehr hat, artet in einen Fluß gedankenloser Zerstreuung auS. Gott wird vergessen, die fromme Ehrfurcht vor dem Heiligen, daS Entsetzen vor dem Laster nützt sich ohne Wiederersay in dem ununterbrochenen Getriebe werktägigen Lebens ab. So ist der letzte Denkstein der Mahnung» der vor dem Lasterwege stand, beseitigt, der höhern Zuspräche des Geistes einer der gewöhnlichsten Wege versperrt, — und der Mensch geht hin nach den Gelüsten seines 287 Herzens. Hier berühren wir die Quelle eines dämonischen Zuges, der sich wie ein Nessuöhemd um unsere Zeit her zu legen begonnen. Der Gottlose sieht, sich zum steten Vorwurfe, die frommen Uebungen der treu Gebliebenen, seine Entschuldigungen wollen ihn nicht mehr beruhigen, er wird feindlich und bitter gesinnt seyn gegen die Gewissenhafteren, und so ist der erste Schritt zum bodenlosen Abgrunde jenes mit Wissen und Willen Gott feindlichen TobenS geschehen, daS seit Jahrzehnten epidemisch werden will. So führt der Materialismus zur Verachtung des Sonntags, diese zum DämoniSmus. Wir sagen also nicht zu viel mit der Behauptung, daß die EntHeiligung der Sonn- und Feiertage aus eine völlige Zerstörung des religiösen Sinnes hinausläuft. Die Bedeutung der Feiertage dürfte nur Weniges gegen die der Sonntage zurückstehen. Dieß ergibt schon die Erwägung, wie geeignet diese Tage sind, die Haupt» Puncte im Leben und der Lehre Jesu vor daS Gemüth eines eifrigen TheilnehmerS in lebendigen kräftigen Zügen hinzustellen. Und wie viel z. V. können nicht bei einem rechten Eingehen in ihre Bedeutung für milde, schamhafte, gottesfürchtige Sitte schon die Marientage thun? Wenn die Gottheit nicht mehr öffentlich verherrlicht wird, so wird sie ganz gewiß, oder ist vielmehr schon vergessen und verachtet. Die Feindseligkeit und Empörung der gefallenen Geister, die zunehmende Lästerung und Bosheit der Christusfeinde, sollte an alle noch Gläubigen ein dringender Ruf seyn, um so mehr öffentlich und feierlich ihrem Herrn und Schöpfer die Ehre zu geben. Wer sich aber von der Cultfeier der Kirche ausscheidet, der hat sich damit bis auf einen dünnen, äußerlichen Zusammenhalt von der Gnabenanstalt GotteS auf Erden geschieden. Keine Sonn^ lagSfeier— keine Kirche; keine Kirche—kein Christenthum; kein Christenthum—keine Bildung; keine Sitte — kein Heil. WaS würde nun auS einem Staate werden, wo man die Sonntagsfeier nur noch wie vom Hörensagen kennte? Die Wichtigkeit deS EideS für den Staat, deS religiösen Lebens für den Staat, des religiösen Lebens für den Eid sey nur genannt, nicht erörtert. Uebrigens würde ein solcher Staat Menschen haben ohne Gottesfurcht; also ohne Ehrfurcht vor der Obrigkeit; ohne Gewissen, — also ohne Treue; ohne Demutd also wird der Gehorsam keines Fingers breit über die Motive der Selbstsucht hinauSreichen. Ein Staat, der etwa durch Bureaustunden, öffentliche Arbeiten u. dgl., sich selbst der SonntagSfchändung schuldig machte, würde auch den materiellen Unsegen auf sich herabziehen. Wenn ferner die Ausschweifungen, die sündhaften Vergnügungen geduldet werden, die gewiß nicht die kleinste Enlheiligung deS Gott geweihten TageS sind, so wird man kein Recht haben, sich über die einreißeude Verwilderung und Unbotmäßigkeit des Volkes zu wundern. Wenn der Staat mit dem Beispiele, das dritte Gebot zu verachten, voranginge, also der kirchlichen Autorität, so viel an ihm gelegen, derogirte, so würde diese an Kraft zur Sittigung der Massen verhältnißmäßig verlieren. Wer jetzt noch nicht weiß, wohin eS Staaten, denen der Zusammenhalt mit der Kirche fehlt, bringen müssen — der wird es niemals einsehen. Offenbar ist in jenen Landschaften, wo die SonntagSfeier (und die Kirche überhaupt) am meisten herabgewürdiget war, auch die Revolution, wo nicht in den heftigsten, doch in den niederträchtigsten Auftritten erschienen. Man hat oft das Anschwellen deS Proletariates, die Verarmung der Massen mit der SonntagSentheiligung zusammengestellt. Nicht mit Unrecht. Der Arbeiter, der am Sonntage nicht feiert, hat damit die menschliche Natur, welche einer Erholung und Abwechslung von Zeit zu Zeit bedarf, nicht ausgezogen. Feiert er am Sonntag nicht,, so feiert er am Montag. Nun aber keine religiöse Feier, sondern ein Fest der Sinnenlust und Zügellosigkeit, eine ausgiebige Quelle der Verarmung durch Trunk und illesitims prole8. Der Arbeiter, bei dem nur roher Sinnengenuß (zu dem feinern genügen seine Mittel nicht) mit dem Joch abwechselt, muß abgestumpft werden, verthieren, verwildern in Lüderlichkeit und Armuth. Die Folgen für daS Gemeinwohl sind dem Staatshaushalte fühlbar genug, und möchten sie doch auf diesen beschränkt seynl S88 Der Mensch muß eine geistige Bethätigung haben. Dafür bietet daS Leben folgende concrete Centralpuncte: Kirche, Theater, CaffehauS, Schenken, Leihbibliotheken. Caffehauö und Schenke ziehen zwar zahllose unberufene Politiker, Malcontenten, RaisonneurS und Banquerolteurs, aber sehr wenige, vielmehr gar keine guten Bürger. Wollte man sofort unsern Selbstmördern Schritt für Schritt rückwärts bis zum ersten Anstoß ihres Unterganges nachgehen, so käme man in den meisten Fällen entweder in daS Comptoir einer Romanbibliothek oder auf die Bretter, die die Welt bedeuten. Wer nicht das Volk der Schenken und Theater will, der muß daS Volk der Kirche wollen, welches den Sonntag heiligt, und auch allein für daS Familienleben befähigt ist. Es steht außer Zweifel, daß der Versall der Familie den der bürgerlichen Ordnung zur Folge hat. Die Gutachten zweier so gründlichen Kenner des Alterthums wie Gaume und v. Lasaulr, überheben unS der Pflicht, darüber etwas Weiteres zu sagen. Indessen bemerken wir, wie der Verfall der antiken Familie mit der Verachtung der, wenn auch nur erträumten, Götter und mit dem öffentlich über ihre Feste auSgegofsenen Spotte zusammenhängt. Gewiß ist es, daß die Sonnlagsfeier einen der wichtigsten Haltpuncte für die christliche Familie bildet. Die Woche hinaus trennt der frühe Morgen die Angehörigen, die ihrer Arbeit nachgehen; ermüdet, schlaftrunken, wenig mehr empfänglich für Belehrung unv Theilnahme führt der späte Abend sie wieder zusammen. Diesen schwer vermeidlichen Uebelstand unterbricht heilsam der in der christlichen Familie christlich gefeierte Sonntag. Da ist Vereinigung im Gebete, dann Erholung in schuldloser Freude, Ueberblick über die Werke der verwichenen, und über die Aufgabe der kommenden Woche. Da ist, oder sollte seyn, eine allgemeine Correction der Fehltritte, eine geweihte Versammlung um das Familienhaupt. Man gedenkt der Gefahren und der göttlichen Hilfe; der Fehltritte Und der göttlichen Erbarmung, der Mühseligkeit und der Kraft von Oben, die das Ausharren und Ueberwinden verlieh. Man denkt der empfangenen Wohlthaten, und holt den Dank nach, den man vielleicht vergessen, oder lau und säumig dargebracht. Schon in den feierlichen Morgenstunden, vom klingenden Glockenrufe lieblich geladen, ist man um daS Heiligste und in dem Heiligsten versammelt. DaS Opfer der Versöhnung, daS priesterliche Wort des Heiles, fällt in Herzen, welche die FesttagSstimmung zubereitet. Leider, dieses Bild will immer seltener sich als ein Spiegel der Wirklichkeit erkennen lassen. Mit der Furcht GolteS geht die Sonntagsfeier, hinwieder mit dieser jene mehr und mehr verloren. Jedes Familienglied geht gesondertem Vergnügen nach. AuS der Häuslichkeit entweicht die Freude, unv auS der Freude die Häuslichkeit. Erheiterung, sollte man meinen, wohnt nur noch auf den Tanzböven, in den Bicrschenken, in voller unbändiger Sinnenlust. Eine traurige Art, die Weihetage des Christenthums zu begehen! Wo eö aber Kauf und Verkauf, wo eS Taglohn und Erwerb ist, waS die heilige Festfreude verdrängt, da entgeht der Familie mit der Gnade und Furcht Gottes daS Band der Liebe, der kindlichen Pietät. WaS hilftS, im Namen GotteS zu befehlen: „Ehre Vater und Mutter," wenn man den Namen Gottes selbst verachtet. Wenn dem Hausvater der Gelderwerb lieber ist als die Religionspflichten; waS will er dem Sohne sagen, der seinen Kindes- Pflichten daS Vergnügen vorzieht? Keine Leidenschaft hat mehr Recht als die andere, kein Gebot gilt, wo Gottes Gebot nicht gilt. Nichts ist ehrwürdig, wo eS Gott nicht ist. Die Strenge, womit die Juden und sogar ihre größten Gelb- unv Geschäftsmänner ihren Sabbath begehen, ohne durch eine Staatsgewalt gezwungen zu seyn, sollte manchen Christen beschämen. Vielleicht verarmen deßwegen so viele christliche Familien, mit ihrer Noth und Dürftigkeit immer mehr die Juden bereichernd. Schließen wir mit der Erinnerung, daß daS vierte Gebot und alle folgenden in der Luft hangen, wenn sie nichr auf einen tiefen und unantastbaren Respect vor den drei ersten gebaut sind. ,üi N5gl(»k -Hwnnltz -jnu -i'.^>.!!,'.-ii-!t ,«t n-koMmi.„ .NZIzjij!,',» ,Nz6?'lA I^lllUtj Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen- Verlags-Juhaber: F. C, Kremer.