Zwölfter Jahrgang. Sonntags-Beiblatt «ma« iHNUMvH. pfllZchs ^u,m /diuG »WAviN 7?i nkm .cs-E Augsburger Postzettung. Z/V sichvnl chL ?t2lz > l ,> > , . Unsrer lieben Frauen Mantel. Eine Erzählung in lieben Lectionen über das Salve Negina. iiiu lchrn chij -z»Z> nMnn, ^ , ^/^^^ . . , Ihr sollt euch erwählen -^,^^',j.„ ^ . .'"./j^ Sprecht Ave M-r.a So Herz und ,0 Mund, Singt Salve Regina All' Tag und all' Stund Dem Herrn JacqueS mochte dieß Erwachen auS seinem Traume nicht sehr erfreulich gewesen seyn; daher eS auch von einem vernehmlichen Verdruß-Seufzer .gnnh,s!k>L90nNlymK begleitet ward. Joseph« ward den Lauscher gewahr und machte Miene sich zu entfernen. Da ließ Herr JacqueS auf die Gesangparlhie ein DeclamationSstück folgen und ließ stch in folgenden herzbrechenden Worten vernehmen: „O Joscpha. mein süßes Leben, o Pepi, mein einziger Trost, o Gute, meine schönste Hoffnung! warum fliehest du vor mir? Warum vermeiden Sie mich so ängstlich, ich will nicht sagen, so fremd und kaltherzig? Beinahe wäre ich erschrocken, erwiderte Joseph«,, jetzt aber muß ich recht von Herzen lachen! Was für närrische Worte reden Sie da zusammen? Wissen Sie nicht, daß man diese Worte spricht, wenn man zur Mutter Gottes betet? Ich möchte mich wahrhaftig schämen, so ungeschickte unv lästerliche Reden zu führen! Mein Leben, mein Trost, meine Hoffnung! wen spricht man wohl so an?— Gute Pepi, versetzte der Andere jenseits der Bretterwand, Sie reden ja wie ihr alter Papa? Nun ist aber das, was ich gesagt habe, die lauterste Wahrheit, und ich bin davon so durch und durch überzeugt, als nur immer Ihr Papa von seinen Meinungen überzeugt seyn kann. Darum nur ein freundliches Wort, nur einen freundlichen Blick, sonst bin ich ja ein Verlorner, desperater Mensch und thue mir möglicher Weise noch ein LeiveS an. Und werden Sie alsdann, Hochmuthsvolle, das zu verantworten im Stande seyn? ES wird so arg nicht werden, sagte Josepha, bemühen Sie sich nicht mit unnöthigen Sorgen. Gehen Sie lieber in die Kirche, zu dem Gnadenbilde unserer lieben Frau, und bitten Sie, daß sie Ihnen durch die Fürbitte einige gescheibtere Gedanken auswirken möge. — Josepha, das ist Spott! hämischer Spott! — Nein, Herr Jacques, gewiß nicht, sondern ich meine eS im ganzen Ernst. — Sie betrachten mich also für einen Narren, Josepha? Mich, der ich so weit herum gewesen bin, in Golha, Braunschweig, Straßburg, Lyon.--Das Rechte haben Sie doch nirgends gelernt, Herr JacqueS. Wie könnte Ihnen sonst einfallen, mich einfältige Person Ihr Leben zu nennen? Unser Leben ist von Gott, der unS erlöset hat. Sie wissen ja das noch? Er ist vom Himmel herabgekommen und hat der Welt das Leben gegeben; JesuS, unser Leben, JesuS, unsere Liebe. Nicht wahr? Darum freut's mich lininer von Herzen, wenn ich seine liebe Mutter auch so grüßen kann: Unser Leben, denn sie hat baS Leben geboren, sie ist die Mutter des Lebens. Unser Trost, unsere Hoffnung ist auch nur von Gotl; das ist ein schlechter Trost und eine elende Hoffnung, die nicht von Gott ist. Aber unsere himmlische Mutter, diese freilich ist uns von Gott vor Allem zur Süßigkeit und Hoffnung unseres Lebens geschenkt; sie ist eine liebreicheste Mutter unserer Seelen, und wer sie nur ein Bischen lieb hat, dem hilft sie zu aller Zeit. Sie wandte sich wieder zu ihrer Bleiche und sang daS begonnene Lied weiter, wie folget: Dir, herrlichste Blüthe In himmlischer Au', Wie bist du voll Güte, Du hohe JungftalU Sprecht Ave Maria So Herz und so Mund; Singt Salve Regina Zu jeglicher Stund! Schön, schön! sagte BenitiuS, mit dem Lebkuchenbäcker aus dem engen Gange zwischen dem Gesträuch hervortretend; da wird ja gar ein Duett gesungen? — So ist'S endlich recht, Herr JacqueS, setzte Pankraz hinzu, in daS Lob mit einstimmen ist so viel, als selber lobsingen. — DaS ich nicht wüßte, sagte der junge Falzmann etwas ernsthaft; ich habe lediglich nur secundirt; man thut dergleichen unwillkürlich, wo immer eine Melodie gesungen wird, die gut in'S Gehör geht. — Ganz recht, sagte Pankraz, mich freut'S insonderheit, wenn Ihnen eine solche Singweise gut in'S Gehör geht. Ja, ich sage noch mehr: nachdem Sie schon mitten an der Wand stehen, die unS von Ihnen trennet, so schwingen Sie sich ganz fein artiglich hinauf und »91 springen herüber, jedoch ohne sich dero werthen Fuß zu verstauchen; ein anderes Mal aber, wenn meine Tochter und der Vater derselben hier zugegen sind, kommen Sie lieber von vorn herein, durch die gewöhnliche Hof- und Gartenthür. — Herr Jacques machte einen zierlichen Sprung über die Wand herüber, und BenitiuS nahm, nachdem sie auf eine GraSbank sich gesetzt hatten, daS Wort und sprach: Wir haben, lieber Herr Falzmann, einen guten Theil des Gesprächs angehört, daS Sie eben mit Josepha führten. Als einer von den Dienern Mariä, die den Ordensbrauch haben, jede heilige Messe mit dem Salve Regina zu beschließen, ist eS ganz natürlich, daß ich auf dieses wunderschöne Gebet ungemein viel halte, besonders lieb aber sind mir jene Worte, über welche Jungfer Josepha Ihnen eine kleine Lection halten wollte. Sie müssen, Bester, als ein gebildeter junger Mann, allezeit voraussetzen, daß die öffentlichen Gebete, die unsere Kirche eingeführt hat, voll hohen und lebendigen Sinnes sind, wie denn insbesondere dieß Salve Regina bereits seit vielen Jahrhunderten mehr Seelen, auch von Kaisern, Königen, Fürsten, Feldherren und andern Hochgewaltigen erquickt und ermuthigt hat, als Sie vielleicht ahnen mögen. Wir nennen darin Maria unser Leben; und zwar steht daS schon in heiliger Schrift von ihr: Wer mich findet, findet daS Leben. ES ist aber das Leben der Seele damit gemeint, welches in der göttlichen Gnade besteht. Siehe, da lesen wir nun, wie der Engel der Jungfrau erscheint, und sie grüßet: Du Gnadenvollc, und wie er ferner zu ihr spricht: Fürchte nicht, Maria, denn du hast Gnade gesunden. Sollte diejenige für sich erst Gnade gefunden haben, die schon die Gnadenvolle ist? Nein, sondern für ihre Brüder und Schwestern, für die sündigen Menschen, deren Mittlerin sie geworden. Wie schön bezeichnet dieß der große Bernardus, da er spricht: Lasset unS Gnade suchen, lasset unS durch Maria sie suchen, welche die Finderin der Gnade oder des Lebens ist. Darum sagt auch RiccarduS: Wünschen wir Gnade zu finden, so lasset die Finderin der Gnade uns suchen! Wahrlich, Niemand wird zur Erkenntniß und zum Verharren in der seligen Wahrheit gelangen, den Mariens Huld nicht leitet, denn dazu ist sie von Gott auöerwählt, auf daß wir durch ihre Vermittlung seiner Erbarmung fähig und theilhaftig werden. Mein bester Falzmann, dieß könnte ich Ihnen mit unzähligen Geschichten beweisen, eS ist aber besser, sie erleben den Beweis an Ihrem eigenen Gemüthe! Wir nennen Maria unsere Süßigkeit, weil sie die herbeste Bitterkeit, so daS irdische Leben trifft, hinwegnimmt, weil sie den Tod versüßet. Daher wir so anhaltend sie bitten, daß sie unS beistehe in jener Stunde der unaussprechlichen Angst, da der Menschenseele die Welt untersinkt sammt allen ihren Täuschungen, und sie ihrer Armseligkeit plötzlich sich bewußt wird! Der Sterne Glanz, der Sonne glühend Roth, Der Sinnen Freuden unter find gegangen, Es stirbt die Welt, und was fie trüg'risch bot, In dunkle Nacht versinkt ihr eitles Prangen; Die Sund' allein, fie bleibet, steht und droht, Und füllt den Geist mit wüstem Schreckensbangen. Zerronnen ist der Traum, entsloh'n die Stunde», Der Haß entlarvt nun in der Seele grinst, Mit dunklen Banden fühlt fie sich gebunden, Sieht fie so arg ihr göttlich Pfund verzinst; Verzweifeln müßte fie, ohn' Christi Wunden, Und ohn' der Jungfrau seliges Verdienst. Selig, wem eine liebende Mutter auf dem Krankenlager beisteht, unendlich seliger, wen die Mutter der schönen Liebe auS dem Tode ins Leben einführt. Der große Gelehrte Suarez, ihr eifriger Diener, starb mit solcher Fröhlichkeit, daß er wenige Augenblicke vor seinem Tode noch ausrief: Nicht glaubte ich, daß der Tod so ttoL mck" -lli .mkttB l»v. x MsM-H SZttUs L9Z süß sey! Wie herrlich ist nicht der Tod einer Clara, einer Thereia, eines Petrus von Alcantara? Glauben Sie mir, mein Sohn, ich bin bei vielen Sterbenden gewesen, und ich war oft so glücklich, den Tod in seiner Süßigkeit zu sehen, unendlich lieblicher, als in jener heidnischen Vorstellung vom Genius mit der ausgelöschten Fackel, ja vielmehr flammt hier erst die Fackel der Liebe im entscheidenden Augenblicke recht hell empor. Doch nur bei Solchen fand ich diese überschwengliche Friedlichkeit und Süße des TodeS, welche zur Mutter der Gnaden ein herzlich und ehrfürchtig Vertrauen geübt hatten. Wir nennen Maria unsere Hoffnung, weil sie unsere Mittlerin ist, deren große Würdigkeit (wie der heilige AnselmuS sagt) unsere Armseligkeit ersetzen möge. Wer etwaS dagegen einzuwenden hat, und zwar dieses: daß auf Gott allein, und nicht auf seine Geschöpfe unsere Hoffnung zu setzen sey, dem erwidert Thomas von Aquin: Der König deS HimmeS, da er die unendliche Güte ist, verlangt aufs höchste, unS mit seinen Gnaden zu bereichern, aber weil hierzu von unserer Seite ein herzliches Vertrauen erfordert wird, so hat er, um dieß Vertrauen in uns wachsen zu machen, zur Mutter und Fürsprecherin seine Mutter unS gegeben. Darum ist sie auch die Hoffnung der Sünder, und wie die königliche Brigitta sie nennt, daS Gestirn, so vor der Sonne hergeht. Denn eS ist gewiß, daß, so wie in einer Seele die Andacht zur göttlichen Mutter erwacht, dieselbe Seele gar bald auch von göttlicher Gnade bereichert seyn wird. Darum ist sie auch der Leitstern auf dem wüsten Meere der Welt, welcher, wie Sanct Bonaventura spricht, zum Hafen deö Heiles die Bahn zeigt. Darum ruft auch der preiswürdige BlosiuS mit solcher Zuversicht: Unmöglich ist eS, daß der zu Grunde gehe, der in treuer und demüthiger Verehrung Mariens beharret; und in kindlicher Ehrfurcht flehte Augustinus zu ihr: Du, der Sünder einzige Hoffnung. Vieles hätte der ehrwürdige BenitiuS noch zu sagen gehabt, und vieles Herr Jacques nicht sowohl einzuwenden, als vielmehr von sich abzuwenden, als draußen ein Wagen vorfuhr und eine der fürstlichen Kammerfrauen ausstieg, um den Prior und zugleich auch Josepha zur Fürstin abzuholen. Wie? sprach Herr JacqueS verwundert zum Meister Pankraz: ist Ihre Tochter bei der Fürstin so beliebt? Ja wohl, sagte dieser, und rieb mit väterlicher Freude die Hände, ja wohl allerdings, mein bester Herr JacqueS. — Und auch der Prior? — Ja wohl freilich auch der Prior, mein guter Herr JacqueS, ja wohl! — Herr JacqueS machte sich daraus kein geringes Bedenken, denn standen seine beiden Lectoren ihm jetzt im hohen Lichte, so konnte eS nicht fehlen, daß dieß auch ihren Lectionen einigen Glanz verschaffte, nur hatte er leider weder auf Josepha'S noch auf des Priors Worte so viel von seinem Ohr verwendet als von den beiden andern Sinnen: Aug' und Nase; ersteres nämlich für Josepha'S Unterricht zum Gaffen, letztere bei deS PriorS Lection zum Rümpfen. n-fMM Sli, , Ü^IIU mimiK- N nzvi, 'chMMWkMtmnK -mMM .,zkz,gm>. Urtheil eines Protestanten über die religiösen Zustände der Nordamerikanischen Freistaaten. Geheimrath Hesse sagt in seinen amerikanischen Reiseblättern: Wenn ich mich am Ziel meiner nordamerikanischen Pilgerfahrt nach dem Gesammturtheil über die nordamerikanischen Zustände frage, so komme ich in Gefahr, die Ungunst der zahlreichen begeisterten Lobredner herauszufordern. Ich bin zunächst nicht der Meinung, daß von einem specifischen nordamerikanischcn Volke die Rede seyn kann. Ich finde nur ein Gemisch von Nalionalitäten aller Art, ein Aggregat verschiedener Agentien, welche ihre Wahlverwandtschaft erst erproben sollen, deren Product erst das nordamerikanische Volk seyn wird. Nach dem Zeugniß der Geschichte darf ich an keine gedeihliche Volksentwicklung glauben, die nicht durch eine religiöse Basis getragen wird. Nun halte ich aber daS nordamerikanische Volk, abweichend von vielen seiner Schmeichler, mehr für kirchlich als für religiös. Ich glaube, daß daS Princip der Sectenfrciheit und die ungeheure Willkür in Begründung religiöser Gemeinschaften absolut nachtheilig wirkt, und den JndifferentismuS befördert. Diese gewaltige Zersplitterung in tausend Sectcn wird nach meiner vielleicht sehr parador klingenden Ansicht keinen neuen Messias hervorrufen, sondern die Nordamerikaner gelegentlich dem Katholicismus überliefern, der mit seiner unerschütterlichen Organisation durch die Feinheit und Thätigkeit seiner Führer immer mehr Terrain gewinnt. Aufrichtig gestanden, halte ich daS für die künftige Geschichte dieses Landes für kein Unglück, sondern für eine Wendung, welche dem proclamirtcn Unglauben, wie er dort dem Katholicismus thatsächlich entgegensteht, unendlich vorzuziehen ist. Ohne eine solche Wendung ist die Mission der Vereinigten Staaten in Bezug auf die Cultivirung von Meriko, Westindien und Südamerika nickt zu erreichen. Äiind Zidm lWvW'.'HüM v>ma .s«?>? > ^dvn 9v8 mkivä' ^Smr .nüM ,m,x 7knoUMKrM .Äit M iMtK» — .zcwvt «,^1 n»6>W HttttilZtziM »»-^ MMon »n Miltenberg. Vom 25. Juli bis 8. August ist in Miltenberg in Unterfranken eine Mission von den Jesuitenvätern gehalten worden, über welche der VolkSbol' folgenden Bericht bringt: Vor Allem muß bemerkt werden, daß ein Häuslein demokratischer Schwindler, die sich in den Tollheitsjahren als Nationalconvent der europäischen Republik Miltenberg zu betrachten gewohnt waren, schön bei dem Gerücht von einer nahenden Mission von einem panischen Schrecken befallen wurden und in ihrer Angst von einer Stelle zur andern rannten, um, gleichviel ob auf gesetzlichem oder ungesetzlichem Wege, daS Ungewitter abzuwenden, daS ihnen religiöse und politische Brandmarkung drohte: denn daS Gericht, so wie daS städtische Archiv bewahren unzählige Beweise, welche Nachtheile die demokratische Schellenjacke über eine friedliche Gemeinde herbeizubringen vermag. Da dieses armselige Häuflein sich jedoch mit seiner Abwendungspolitik auch abgewiesen sah, beschloß eS, mit ächt preußischem „Todesmuth" auf heilige (!) Verpflichtung, keiner Missionöpredigt beizuwohnen, damit nicht die längst verbrauchten Register ihrer politischen Drehorgel allen aufgesammelten Wind der Vorjahre ganz L95 verlieren möchten. — WaS nun die Predigten der Missionäre selbst betrifft, so haben sie bei dem Theil der Bewohner Miltenbergs, denen der gesunde Verstand noch nicht völlig davon gegangen, ihre Wirkung nicht verfehlt; nur da, wo mit dem Glauben jede Sittlichkeit verschwunden war, mag'S anders ausschauen. Selbst die großen Anstrengungen demokratischer Auösendlinge, die Bauersleute vom Besuch der Mission abzuhalten, verfehlten total ihren Zweck, und die Kirche, welche nahe an 6000 Zuhörer saßt, war, wenn nicht überfüllt, doch regelmäßig stark besetzt, während bei besondern Anlässen mindestens über 8000 Menschen zusammengeströmt waren. Bei den Predigten im Freien umgaben sicher 10,000 Zuhörer den Prediger in aufmerksamer und lautloser Stille. Hierbei ist jedoch überdies; noch zu erwägen, daß die Erntezeit vom 25. Juli bis 8. August ganz natürlich die Bewohner der Umgegend sehr zurückhielt. Bei so großen Volksversammlungen ist'S allerdings begreiflich, daß, wie im Nürnberger Kurier spöttisch vorgebracht wird, auch die Wirthe bei der großen Hitze reichlichen Zuspruch hatten; aber von jenem unsittlichen Betragen und unziemenven Lärm, wie die Demokratie mit sich führte, hat man dabei auch nicht das Geringste verspürt, gewiß also, daß keine „theatralischen Vorstellungen" nach Art der Bursche in der Turnjacke den gesunden Verstand erhitzten oder gar aus dem Häusel brachten, sondern daß nur begeisterte Vorträge die Finsterniß des Unglaubens mit dem Lichte der Wahrheit verscheuchten, mit ihrer belebenden Kraft sich lange entfremdete Herzen ergriffen und zur bleibenden Freundschaft versöhnten, und cntfrem- veteS Gut dem Besitzer zurückführten. Wohl haben die radicalen Feinde der Ordnung und aller Religion jeden Tag neue Aufhetzereien gegen die Jesuiten und ihre Vorträge in Schwung zu bringen gesucht; allein das mit jeder weitern Predigt steigende Interesse schob all' die ausgesäeten künstlichen Besorgnisse bei Seite und zog den schlichten Bürger wie den Gebildeten zu dem Predigtstuhle der Jesuiten hin, wo sie dann gänzlich über die ausgestreuten Verleumdungen enttäuscht wurden. Eine Ausnahme hiervon haben freilich auch die Frauen der hiesigen gespreizten Demokraten machen müssen, da sie sammt ihren Dienstboten durch ein absolutes Verbot am Besuch der Predigten verhindert wurden. So machen'S aber diese demokratischen Helden! während sie über jedes Gesetz als Tyrannei, Gewissenszwang u. s. w. losschlagen, verbieten sie sogar ihren Frauen und Untergebenen, ihren religiösen Bedürfnissen nachzugehen! Wahrscheinlich haben selbige Demokraten „vom reinsten Wasser" befürchtet, bei den Missionen würde den Frauen und den Dienstboten der jämmerliche Zustand des religiösen und sittlichen Bankerotts ihrer Männer und Dienstherren völlig klar werden, — eine Furcht, die allerdings nicht ohne Grund gewesen seyn mag." Die Franciscaner in Bamberg. Bamberg, 1. Sept. Die ersten Franciscaner sind ungefähr im Jahre 1223 ans 24 in Bamberg erschienen und sollen an der Stelle des Siechhauses oder in demselben, was an der Straße nach Hallstadt bis 1803 war, gewohnt haben. 1311 wurden sie in den Besitz deS Gebäudes und der Kirche der Tempelherren, die 1311 erloschen sind, eingesetzt und blieben bis 1804, wo die Aufhebung stattfand. Am 29. September 180k mußten sie schnell für Militär zwecke daS Kloster räumen, in die Kirche kam das Heumagazin, die dann 1812 ganz niedergerissen wurde. In den Jahren 1827, 1838, 1845 und 1846 wurden bereits Schritte zur Reorganisation deS Klosters gethan, jedoch fruchtlos. Erst, nachdem durch Wohlthäter die nöthigen Localitäten durch Ankauf eines alten CanonicathauseS (Wohnung deS Cano- nicus Stöhr) zur Verfügung standen, wurde endlich am 2. April 1852 von Seiner Majestät dem König Mar II. die Urkunde unterzeichnet, am 4. Mai daS Kloster durch den Pater Provincial Franciscus (Fritsch) eröffnet und nach fast fünfzig Jahren stand wieder ein Franciscaner, der Quardian Pater Aemilian (Paulus) auf der Kanzel der St. JakovSkirche, um dem zahlreich versammelten Auditorium in begeisterter Rede «96 das Evangelium zu verkünden. Seitdem führen die drei PatreS und drei FratreS in klösterlicher Zurückgezogenheit ein oft sehr anspruchloses und frugales Leben. Sie sind jedoch meist von den Einwohnern hiesiger Stadt freundlich aufgenommen worden. Denn daß einige Bürger den wehrlosen Mönchen sehr unzart begegneten, da doch Niemand ihnen auch nur einen Pfennig zu geben gezwungen ist, kommt hier nicht in Betracht, eben so wenig, daß man durch Zerstörung des hölzernen KreuzeS an der Glocke, nächtliches Anläuten zc. sie zu insultiren sucht. Daß aber einzelne Bürger so weit sich vergessen, ihnen verleumderischer und boshafter Weise die schmählichsten Dinge nachzureden, um so ihre Wirksamkeit zu hemmen, und daß der fränkische Kurier sich abermäl nicht schämt, solche Lügen breit nachzudrucken, fordert öffentliche Rüge, und eS freute uns, daß man sie von anderer Seite her durch Ueberreichung sehr schöner Kirchenparamente für solch' bittere Kränkungen zu entschädigen suchte. Jedoch wird sich dem Vernehmen nach durch das Resultat der eingeleiteten Untersuchung der Triumph des Kuriers in ein sehr bitteres Martvrthum verwandeln. (Bamb. Volksbl.) Mainz. Der Vorort der katholischen Vereine Deutschlands hat folgende Einladung an die sämmtlichen Einzelvereine erlassen: „Wir haben die Freude, unsern verehrlichen Brüdervereinen hiermit das Nähere über die in diesem Jahre stattfindende sechste Generalversammlung des katholischen Vereins Deutschlands mittheilen zu können. Dieselbe wird, übereinstimmend mit dem auf der fünften Generalversammlung dahier gefaßten Beschlusse, und nach vorausgegangener Verhandlung mit dem katholischen Verein zu Münster in Westfalen, in letzterer Stadt und zwar am 21., 22. und 23. September gehalten werden. Dabei wird gewünscht, daß möglichst viele Abgeordnete und Theil- nehmer bereits am 20. in der Vorversammlung anwesend seyen. Der unterzeichnete Vorstand des Vorortes erlaubt sich nun, sowohl die gesammten Einzelvereine, als auch überhaupt die Mitglieder deS katholi>chen Vereins zur Beschickung, beziehungsweise zum Besuche dieser sechsten Generalversammlung auf das Angelegentlichste und Herzlichste einzuladen. Gewiß verdient das treffliche Münsterland, das dem katholischen Deutschland so vielfach das Beispiel entschiedener religiöser Gesinnung und der kathol. Sache so manchen muthigen Vorkämpfer gegeben hat, daß die deutschen Katholiken diese Gelegenheit, ihre wohlverdiente Anerkennung ihm kund zu geben, nicht unbenützt vorüber gehen lassen. Insbesondere aber möge der unverkennbare Ernst der Zeitverhältnisse, in wie sern dieselben sich auf die Lösung der großen kirchlichen Frage beziehen, die Erwägung, daß unter diesen Verhältnissen die Aufgabe des katholischen Vereins eine wichtigere und dringendere als je geworden ist, und endlich der Umstand, daß eine Anzahl von Gegenständen und Fragen zur Verhandlung vorliegt, welche nicht leicht irgendwo besser als in Münster ihre Erledigung finden können, Allen, die es angeht, ein mächtiger Antrieb zur Theilnahme an dieser sechsten Generalversammlung seyn! Mit diesem Wunsche und mit dieser Bitte zeichnet: Der Vorsitzende Lennig. Der Schriftführer: Moufang." _ Böhmen. Die Prüfungen in dem Knabenseminarium zu Pollitz sind sehr gut ausgefallen, Man ist jetzt auf die Erweiterung des Instituts bedacht, und da sich diese in dem Schlosse zu Pollitz nicht ermitteln läßt, sieht man sich nach einem andern Locale um. Bei der Wahl wird nun auch der Umstand berücksichtiget werden, daß die PP, Jesuiten Gelegenheit finden, sich zum Frommen Böhmens zu entwickeln. Budweis macht auch Heuer noch den Anfang mit einem Knabenseminar. Bei den Exercitien waren 135 Priester beisammen. — In Prag waren auch über 90 Priester bei den Erercitien, die auch in Königgrätz sehr viel Theilnahme fanden, und in Leitmeritz den 14. Sept. beginnen werden. (K. Bl. a. T.) Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen, Verlags-Jnhaber: F. E- Kremer.