Zwölfter Jahrgang. Sonntags-Beiblatt zur Äugslmrger PostMung. St. Oktober M 1852. Dieses Blatt erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der halbjährige Abonuementspreis HU kr., wofür e« durch alle kvmgl. bayer. Postämter uud alle Buchhaudlungeu bezogen werde» kann GlaubenStöue aus der Mark. ES ist eine nicht zu verkennende Thatsache, daß sich im nördlichen Deutschland ein der katholischen GlaubenSanffassung geneigter mächtiger Geist regt, und eS sind in der letzten Zeit Erscheinungen zu Tage getreten, die deS Kaiholiken Herz mit Freude erfüllen, cS haben Ereignisse statt gefunden, die, wenn sie auch im ersten Augenblick die veolssia prvssu beweinen lassen, doch den erfreulichsten Auögang nehmen werden und müssen, wir sagen: müssen, denn die Wahrheit muß durchdringen, muß siegen. Sind die Erscheinungen auf dem kirchliche» Gebiete im nördlichen Theile unseres Vaterlandes erfreulicher Natur, so sind sie eS besonders auch deßwegen, weil sie ein Beweis nicht bloß deS Suchens, sonderndes SchncnS nach dem positiven Glauben sind, und ihren äußern Grund in der Zerfahrenheit deS Protestantismus, in seiner kirchlichen Unselbstständigkeit, in dem dogmatische^ Indifferentismus der Union finden. Zeuge dessen ist ein Schriftchen, welches die Ausschrift führt: „Unser Zustand von dem Tode bis zur Auferstehung", und dessen. Verfasser L- P. W. Lülkemüller nicht bloß dem Protestantismus angehört, sondern selbst evangelischer Pfarrer in der Mark Brandenburg ist. In diesem Werkchen ist nicht nur die Lehre vom Fegefeuer auf biblischem und traditionellem Grunde evident bewiesen, sondern sind fast alle Fnndamentalwahrheiten deS christkatholischen Glaubens mit einer Schärfe und Wahrheit dargelegt, daß der Verfasser in seinem Glauben mit dem Glauben der heiligen Kirche vollkommen übereinstimmend betrachtet werden muß. Wir sind beim Lesen dieser Schrift so freudig überrascht worden, daß wir glauben, den Lesern dieser Blätter einen angenehmen Dienst zu erweisen, wenn wir sie einige frische GlaubenStöue auS der sonst so sandigen Mark vernehmen lassen. Der Verfasser widmet seine Schrift „der heiligen allgemeinen, d. i. katholischen Kirche." Und was ist unserm Verfasser die Kirche? Nachdem er das monarchische Princip in der Kirche, daö Papalsystem, als das allein wahre, von Christus iusti- tuirte anerkannt und bewiesen hat, fährt er S. 32 fort: „Ich bekenne offen, daß ich seitdem die katholische Kirche in einem ganz andern Lichte betrachte, ich verehre, wo ich früher— ich meinte in einem ehrenhaften, ritterlichen Kampfe — das Schwert zog. Ich kann die heilige Kirche nicht mehr alö ein Unhistorisches, als eine unsichtbare, oder wenn sichtbar als ein todt AbstracteS, formulirt in einer subjektiven Auffassung von einer „Versammlung aller Gläubigen, bei welchen das Evangelium rein gepredigt, und die heiligen Sacramente laut deS Evangelii gereicht werden" annehmen. Dieses ist eben so uubestimmt, wie der Paragraph einer modernen Con- stitution." — „Ich sehe schon aus der Organisation der heiligen Kirche, welche der Herr EhristuS selbst bestimmte, und aus der geschichtlichen Erscheinung der heiligen Kirche seit dem ersten Pfingstfeste (vergl. Apostelg. 2), mithin aus dem neuen Testa- 338 mente, daß die Kirche hier auf Erden kein bloßcS Hirngespinnst ohne Fleisch und Blut, sondern eine wirkliche historische ist, oder ich müßte sie deßhalb für unsichtbar halte», weil sie mir, etwa wegen meines Ichs, und so aus Blindheil gegen das Wort Gottes, noch unsichtbar wäre. Ich glaube an die einige, heilige, apostolische und katholische Kirche." — „Wie ich in Christo selbst, dem Haupte, annehme, als er vom Himmel auf Erden in die Erniedrigung gekommen war, daß Gott geoffenbaret ist im Fleische, daß JesuS Christus ist ins Fleisch gekommen, also die Gemeinschaft zwischen der Gottheit und der Körperwelt, ihre Verbindung annehme: so kann ich auch nun den Leib Jesu Christi in ssiner Einen, heiligen Kirche nicht mehr schwärmerisch verabscheuen, in der sichtbaren Kirche und damit andererseits die Kirche selbstwörtlich überschätzen, d. h. sie mir in ein falsch spiritualistischeS Phantom auflösen, in ein unsichtbar abstracteS Ding ohne Wirklichkeit, in eine bloße Idee, wie einst Juno die Himmelskönigin sich, nach der Mythe, dem, der sie sinnlich erkennen will, entzieht, indem sie sich in eine Wolke auflöst. Einen Dunst statt der Kirche umfaßt Jeder, der sie nun auch in irgend einen todten Buchstaben ohne Geist, Leben unb Wirklichkeit formulirt, heiße es: „Die Bibel allein!" und wo möglich noch ohne Apokryphen, oder: „die symbolische Schrift! oder Schriften", oder: „die Bibel so weil sie Bibel ist!" Ohne die heilige apostolische und katholische Kirche selbst bleibt alles ein strohernes Wesen, Holz, Heu, Stoppeln, ein todtes Schema, eine fremdartige, unhistorisch?, revolutionäre Konstitution, da man meint, den ganzen Staat mit aller Weisheit in der Westentasche forttragen zu können. — DaS ist freilich leichter als die katholische Kirche! Eben so thöricht ist das Geschrei: Christ! Christ! gegen den Geist der heiligen Kirche. — Dagegen schaue ich die unaussprechlich herrliche, die heroisch Erhabene, die Vergötterte, das Weib mit der Sonne bekleidet. Ich schaue die Braut des himmlischen Salomon, die Eine, die AuSerwählte, die Taube. Wie der Herr aus verschiedenen Heerden von Schaafen (in den Kirchen des Heidenthums) gewollt hat, daß sie Eine werde, und dazu in den Einen Schaaf- stall geführt werde, damit Eine Heerde und Ein Hin sey, so auch hier: Eine ist die AuSerwählte, die Taube, nicht Zwei. Ich schane sie die Himmelsbraut, dieses verkörperte, höchste EpoS der Lieder, deren äußeres Wundervolles die Hülle deö Innern, des Jncorporirten selbst ist, in welchem der Geist zur Realität geworden ist. Ich schaue dieses höchste Kunstwerk Gottes. Fleisch von dem Fleische deS zweiten Adam, auS Christi Rippe, da er in den TodeSschlaf gesunken ist, geschaffen, die geistliche Eoa, die Mutter aller Lebendigen, die Herrin und Inhaberin deS Paradieses. Sie ist, abstract betrachtet, die heilige Mutter GotteS, die Maria, welche das Jesuskind unter ihrem Herzen hat, bis zur seligen Geburt! Seit die heiligmachende Gnade daS Bild GotteS, den ^os, wieder in mir hervortreten ließ, sehe ich auch nicht mehr in der heiligen Kirche einen bloßen Schattenriß, eine leere Form, ein blasses Bild — das Bildliche ist unter dem Alten Testamente — nein, hier ist daS lebendige Wesen, von welchem wir im Alten Testament daS Bild sehen! Gewinnt Christus erst in uns selbst die Gestalt,' dann vermögen wir ihn auch wieder in der Gestalt seiner heiligen Kirche zu schauen, dann begreifen wir deren Institutionen, deren Zweckmäßigkeit, deren Contemplativität, deren Entsagung, deren Zucht, wie auch ihre monarchische Gestaltung, ihre Hierarchie!" „Diese heilige Kirche muß u»S, als Unwürdige, an das Gängelband ihres GlaubenSansehcnS nehmen, oder wir vermögen nicht zu gehen"; sie ist Auktorität, Richterin, „durch ein Primat in dem Papstthume ist die heilige Kirche in sich selbst erhalten worden, durch Christi göttliche Institution des Petrus in daS Primat mit der Uebertragung der Schlüssel deö Himmelreiches ist sie der Sauerteig geworden, um alle Völkermasscn zu durchsäuern." Die katholische Kirche hat auch mit ihrem Geiste die Völker durchsäuert, in den Völkern die wirkliche Reformation vollbracht, und um diese zu vollbringen, hat sie den bei den einzelnen Völkern sich vorfindenden reinen, natürlichen Namen der Religion, die Fragmente der Uroffenbarung, nicht verworfen, sondern gerade auf diesen Stamm, diese OffenbarungSsragmente das neue Pfropfreis des S39 Christenthums eingepflanzt, wie der heilige Paulus in Athen gethan, da er den Athenern nur den unbekannten Gott, dessen Altar er vorfand, zum Bewußtseyn bringt, und Propst so auf den Namen der Gottesfurcht der Athener daS Reis dcS Christen. lhnmS. Aber diesen „natürlichen, volksthümlichen Stamm der Religion beachteten die sogenannten kirchlichen resormaton'schcn Männer des Volkes im löten Jahrhunderte ganz und gar nicht; im Gegentheile, unfähig zu unterscheiden, verlästerten sie, judai- sirend, ihn und damit die nachgewiesene apostolische Weisheit der katholischen Kirche alS^ „heidnisches Rom", als Heidenthum, Abgötterei, als den Antichrist u. s. w. Darum muß ich entschieden bestreiken, daß sie als Männer des Volkes, im höheren Sinne, handelten; vielmehr begann damit ihre rationalisirende, nur auslösende, nur zersetzende Subjektivität und die Begründung von Scctenthum statt der Kirche. Einerseits entsteht bei dem Verlust der wahren Kirche nun ein subjcctiver Idealismus, ein loSgeschältcr todter AbstrahiSmuS, ein Phantom, ein Idol, ein Gespenst von Kirchenthum, daS man für den lebendigen Christus und sseinc wahre Kirche, für den Geist hielt, andererseits zugleich die Auflösung in den rein fleischlichen Materialismus, daS Ende deS Rationalismus, welches nothwendig auS seinem Principe folgt; — während die andern sich todt jagen in dem: „Hier ist Christus! und da ist er!" „Nein, dort ist der Geist!" Und überall doch «ur dasselbe Gespenst. — DaS Abgestorbene kann nicht erzeugen, nur zerstören. So hat die Reformation deS löten Jahrhunderts auch keinen kirchlichen Baustyl erzeugt, nur ausgeräumt hat sie, nur, «o sie etwas Kirchlicheres zeigt, das Alte für sich in Beschlag gehalten oder dasselbe mit mehr oder minderm Geschicke etwas nachgeahmt in äußerlicher Mosaik arbeit. Betrachten wir dieses moderne Wesen geschichtlich, so macht die Revolution derartig tabula rsss, um sich mit ihrer usurpatorischen Willkür an die Stelle deS naturwüchsig Christlichen, Legitime», Historischen zu setze». Sie pflanzt den wurzellosen, todten Frciheitsbaum statt dcö natürlichen, wurzelnde», immer grünen, veredelten LcbcnsbaumcS auf; sie wirkt, statt der Cultur, Verwilderung. (Fortsetzung folgt.) Ueber die alten christlichen Handwerker-Innungen. (Oestcrr, Bolksfrcund.) Kirchlich gesinnte Männer richten seit einiger Zeit ein vorzügliches Augenmerk auf den Handwerkerstand, und bemühen sich, die Mitglieder dieses Standes in religiöser Beziehung zu heben, und eine wahrhaft christliche und kirchliche Gesinnung in demselben zu verbreiten. Dem Bemühen dieser edlen Männer verdanken die Gcsellenvereine ihren Ursprung, von denen man mit Recht nicht bloß für den Handwerkerstand, sondern überhaupt für die ganze menschliche Gesellschaft, für Kirche und Staat heilsame Früchte erwarten kann. Um nun den christlichen, den kirchlichen Geist bei den Mitgliedern des Handwerkerstandes zu wecken, möchte ein Rückblick auf die Geschichte dcS christlichen Hand« werkerstandeS, besonders aufsein uraltes, auf kirchlichem Grunde beruhendes JnnungS- wesen nicht ohne Nutzen seyn. Die Handwerker-Innungen, d. i. die Handwerker-Vereinigungen, auch Aemter, Gilden, Gaffeln oder Eidgenossenschaften genannt, sind sowohl ihrem Ursprünge als ihren Einrichtungen nach kirchliche, christliche Vereine, religiöse Bruderschaften. Wenn sie gleich bürgerliche Zwecke hatten, so war doch ihre Einrichtung religiös, nach dem Vorbilde anderer religiöser Vereine und Bruderschafte». Man kann darum mit Recht auch die alten Handwerker-Innungen eine Pflanzung der christlichen Kirche nennen, da sie alle ihre Einrichtungen, alle ihre Gesetze und Vorschriften, ja selbst ihre Gebräuche und Gewohnheiten auS der christlichen Kirche, besonders auS dem kirchlichen Bruderschafts- und Klosterleben entnommen haben. 34« Die EntstehuiigSzcit des christlichen JnnuiigSwesenS fällt, wenigstens in Bezug auf unser deutsches Vaterland, in daS zehnte und eilfte Jahrhundert. Aus den Klöstern nahm dasselbe seinen Ursprung und seine Einrichtungen. — So lehrt eS die Geschichte, die unS, wenn sie nicht von schlechten, glaubenslosen und kirchenfeindlichen Menschen verfälscht wird, unbestreitbar nachweiset, daß zu jener Zeit und schon durch mehrere Jahrhunderte früher stets die Klöster die einzigen Stätten waren, wo Kunst und Wissenschaft und auch das Handwerk seine Pflege fand. AIS die ersten GlaubcnSpredigcr Deutschland durchzogen, da war selbes noch voll Wüsten, Waldungen, Sümpfen und Einöden. Die Einwohner führten ein wildes Kriegs- und Jägcrleben. Ihre Bedürfnisse waren gering, ihre Wohnungen elend. Städte waren nur wenige, und selbst diese waren nur ehemalige Niederlassungen der Römer, die unsern heutigen Begriffen von einer Stadt nur wenig entsprechend seyn mochten. Unter solchen Umständen konnte von Kunst und Handwerk keine Rede sevn. Da kamen die Söhne dcö heiligen Benedicts und gründeten ihre Klöster. Sie suchten sich zu ihren Niederlassungen die verwildertsten und einsamsten Gegenden auf. Balv lichtete sich durch ihrer Hände Arbeit der dichte Wald, die Sümpfe wurden ausgetrocknet und in fruchtbares Ackerland umgewandelt. An der Stelle, wo sonst nur wilde Thiere hauSten, erhoben sich die Zellen der Mönche und daS Gotteshaus, daS Kloster. Zur Herstellung eines Klosters war nun daS Handwerk in allen seinen Zweigen unumgänglich nothwendig. Denn daS Kloster sollte eine dauerhafte Stätte werden nicht'bloß für jene frommen Männer, die eS gründeten, sondern auch für Jene, die nach ihnen sich demselben heiligen Berufe weihen würden. Die Zellen der Mönche sollten nicht seyn wie die Zelte der Hirten oder der Krieger, wandelbar, sondern beständig, fortdauernd nicht bloß für den ersten Bewohner, sondern auch für seine Nachfolger. DaS Kloster sollte eine feste Burg werden, aus welcher nicht bloß für heute, sondern auch für kommende Zeiten das Christenthum, christliche Bildung und Gesittung über Nah und Fern sich verbreiten sollte. Die Klöster waren ohne Widerrede die ersten festen fortdauernden Anstedlnngen. Wer baute denn nun die Klöster? Wer übte die bei einem solchen auf eine längere Dauer bestimmten Baue nothwendigen Handwerksarbeiten? Die Mönche selbst. Wer sich die Mühe gibt, nur einigermaßen die Geschichte der Ausbreitung des Christenthumes in Deutschland zu erforschen, der wird das Gesagte tausendfach bestätigt finden. Alle damals noth- wenvigen und üblichen Handwerke wurden von den Klosterbrüdern ausgeübt. Darum enthält jede alte Klosterregel eigene Vorschriften über die Handwerke. AIS man aber im zehnten Jahrhundert unter König Heinrich dem Finkler anfing Städte zu bauen, so genügten die Klosterbrüder als Handwerker nicht mehr. Der Bau einer Stadt erfordert viele Handwerker. Zudem war den Klosterbrüdern verboten, bei rein weltlichen Bauten sich zu bctheiligen. So wurde denn nun mit der Gründung der Städte ein weltlicher Handwerkerstand nothwendig, der auch in dieser Zeit wirklich entstanden ist. Indessen übten dcmohngcachtet die Mönche wie vorher ihre Handwerke aus. Der Bau der Kirchen blieb noch Jahrhunderte hindurch beinahe ausschließend in ihren Händen. Zudem waren eben die Mönche die Lehrer für die weltlichen Handwerker. Von wem hätten sie sonst auch die Handwerke erlernen können? So waren denn die Klöster die Mütter auch des weltlichen Handwerkerstandes. Der neu entstandene weltliche Handwerkerstand verläugnete aber auch seine Mutter nicht. So wie ein gutes Kind aus dem Elternhause die meisten Sitten, Gebräuche und Gewohnheiten mitnimmt, und im neuen Hause getreulich fortübt, ja selbst der Nachkommenschaft dieselben gewissenhaft überliefert: eben so nahm auch der weltliche Handwerkerstand aus seinem Mntterhause, dem Kloster, gar manche Einrichtungen mit in die Welt hinaus. Davon überzeugt uuS der Zeitgenosse Berthold von Konstanz. Nach seinem Berichte bildete sich daS Jnnungswesen kurz vor den Kreuzzügen, und er bemerkt um daS Jahr 1091, daß in jenen Zeiten daS gemeinschaftliche Leben nicht bloß unter Mönchen und Geistlichen, sondern auch in der 341 Laicnwclt in Schwung gekommen sey. Die Laien, vorzüglich die Handwerker, ahmten das Klostcrlebcn nach, und nahmen die religiösen Einrichtungen desselben, so viel eS nur immer mit dem Wcltlebcn vereinbar war, auf. Gleich den geistlichen Bruderschaften bildeten die Mitglieder desselben Handwerkes eine durch einen Eid verpflichtete Eidgenossenschaft. Sie ahmten selbst die mönch'sche Abgeschlossenheit nach, indem in gar vielen Städten die Mitglieder desselben Handwerkes dieselben Straßen oder Stadtviertel bewohnten. Diese Einrichtungen nun, welche die Handwerker auS dem Klosterleben genommen hatten, machten das eigentliche Wesen, den Kern der Handwerker-Innungen aus. Alle diese Einrichtungen der Handwerker Innungen sind streng religiös, kirchlich, und haben das Christenthum, seine Glaubens- und Sittenlehre zur Grundlage. Wir wollen nur einige dieser Einrichtungen in Kürze vorführen. Eine der vornehmsten, wahrhast christlichen Einrichtungen der alten Handwerker- Innungen sind die Zahltage. Jede Handwerker-Innung hat ihren Jahrtag. Der Jahrtag ist das VercinS- und Bruderschaftsfest des Handwerkes und seiner Mitglieder. Er entspricht dem Ordcnsfeste der Klosterbrüder. Der Mittelpunct der Feicr dieses BruderschastSfesteS besteht in der Darbiingung des heiligen Meßopfers. Dadurch zeigt sich die Innung als ein streng katholischer Verein. Denn nur der Katholik betrachtet die heilige Messe als Mittelpunct aller GotteSvcrehrung, als das einzig wahre Bitt- und Dankopfer. An diesem JnnungSfeste sollen, wie die alten JnnungSbücher strenge vorschreiben, außer „Gottsgcwalt," d. h. außer dem Falle einer schweren Krankheit, alle Mitglieder der Innung Theil nehmen. Nachdem sich dieselben beim HandwerkSvater versammelt haben, wandeln alle JnnungSbrüder, Meister und Gesellen im feierlichen Znge in die Kirche zu dem Brudcrschaftöaltare, wo nach altem Brauche die heilige Messe gefeiert wird. Dadurch zeigen die Mitglieder ihren Glauben an das Geheimniß des heiligen Meßopfers an, sie drücken damit ihren Dank auS gegen Gott für die von ihm der Innung und den einzelnen Mitgliedern erwiesenen Wohlthaten, und zugleich die Bitte um fernern Schutz für die gesammte Innung. Und somit ist der JnnungS-Jahrtag eine rein kirchliche, katholische Einrichtung. Eine andere ganz christliche Einrichtung, die wir in den alten Handwerker-Innungen antreffen, ist die Verehrung eines Schutzheiligen, eines Patrons, der Handwerkspatron genannt. Jedes einzelne Handwerk verehrt einen Heiligen als seinen Patron, als seinen Fürbitter bei Gott. Man wählte zum Patron eines Handwerkes gewöhnlich einen solchen Heiligen, der entweder selbst, als er auf Erden lebie, das Handwerk bclrieben hatte, oder doch auf irgend eine Weise zum Handwerke in einer nähern Beziehung stand. So hat sich das ehrsame Handwerk der Zimmerleute den Nährvater Christi, den heiligen Joseph zum Patron erwählt, weil nach dem Zeugnisse des Evangeliums der heilige Joseph das Zimmerhandwerk betrieben hatte. Die Maler verehrten den heiligen LukaS als ihren Patron, weil er nach der Legende selbst die Malclkunst soll betrieben haben. Der heilige EligiuS ward, da er selbst ein Schmied irar, als Patron der Schmiede verehrt. Der heilige Nikolaus ward zum Patron der Schiffer, Fischer, Brauer und Müller, der heilige Johannes der Täufer zum P.iiron der Schneider, der heilige SrveruS von Ravenna zum Patron der Weber, lur heilige Jakobus Allemanus zum Patron der Glaser, der heilige Goar zum Patron der Töpfer, der heilige GualfarduS zum Patron der Sattler, die heiligen Crispin und Cri« spinian zu Patronen der Schuster, die heiligen CoSmaS und Damian zu Patronen der Aerzte erwählt. Ihre Verehrung gegen den Patron deS Handwerkes haben nun von jeher die Innungen auf verschiedene Weise ausgedrückt. Der Festtag des Patrons war Feiertag für die Mitglieder der Innung. In jenen Orten, wo die Innung ihren eigenen Altar, JnnungSaltar, hatte, da stellte das Altarbild den Handwerkspatron vor. Auch die Zunft- und JnnungSfahnen wurden und werden noch jetzt mit seinem Bild- 34s nisft geschmückt. Auch daS Jnnungssiegel zeigt sei» Bildniß, und in der JnnungS- stube war sonst stets seine Abbildung zu finde». Ans solche Weise wollte» die cilten Innungen ihrem Handwerke eine religiöse Weihe geben, sie wollten dadurch zeigen, daß die Jnnnng ein Verein katholischer Christen sey. Sie wollten damit ihren Glauben zu erkennen geben an die Gemeinschaft der Heiligen, und an die Wirklichkeit nnd Nützlichkeit ihrer Fürbitte bei Gott. Zugleich sollte der Handwerkopalron den JnnungS- Mitgliedern zum Beispiele der Tugend dienen, und ihnen den Beweis liefern, daß man auch im Handwerkerstande sein ewiges Ziel erreichen könne. (Schluß folgt.) Die Grundsteinlegung zur neuen Pfarrkirche in Haidhause»». München, 17. Oct. Ein feierliches, ein Herz und Gemüth erhebendes Fest wnrde heute in unserer braven Nachbargemcindc Haichausen begangen: das Fest oer Grundsteinlegnng zu der neuen Pfarrkirche, deren Bedürfniß längst so dringend gefühlt wnrde, und deren Bau nun die Genehmigung Sr. Majestät deS Königs erhalten hat. DaS Wetter zeigte sich der ganzen Feierlichkeit ausnehmend günstig. Die ganze Banstätte war eben so sinnig als schön geschmückt. Von drei hohen Mastbäumen, die da, wo das künftige EingangSportale und die beiden Scitenaufgänge sich befinden werden, in der Mitte von grünem Buschwerk aufgepflanzt waren, wehten eben so viele mächtige Flaggen in den freundlichen Nationalfarben; drei andere befanden sich da, wo künftig Chor und Hochaltar zu stehen kommen werden. Für daS heute abzuhaltende Hochamt war ein provisorischer Hochaltar errichtet unter einer Reihe das künftige Chor darstellender Bögen in gothischer Form, zu denen ein auö dem Gebälke gebildetes durchbrochenes Giebelfeld mit hohem Kreuze darüber führte. Alles dabei verwendete Gebälke war mit frischem Grün umwunden. Im künftigen Mittelgangc deS Kirchenschiffs in einiger Entfernung vom Haupteingange war der Grundstein aufgestellt, darauf lagen grüne Kränze mit blauweißcn Bändern und Schleifen verziert. Auf einem andern Postamente dabei lagen die sämmtlichen bayerischen GeschichtSthaler, Münzen und die goldene Uhr, welche mit in den Grundstein eingemauert werden sollten. Endlich war dort auch die Steinplatte aufgestellt, auf welcher der Grundriß deS vom Herrn Civilarchitecten Berger entworfenen und nun von ihm auszuführenden Neubaues zu sehen war. ES mochte etwa 9'/4 Uhr seyn, als daö Glockengeläute von der alten Pfarrkirche her den Ausgang der feierlichen Proccssion von dort nach der Baustätte verkündete. Die Schuljugend eröffnete dieselbe, ihr folgten die Zöglinge verschiedener Wohlthätigkcitsinstitnte, die Bruderschaften und Gcwerke mit ihren Fahnen, und dann die bei dem feierlichen Acte selbst betheiligten Werkleute mit ihren Instrumenten, sämmtlich in der Kleidung ihreö GewerkcS mit Hut und Schurzfell und in Hemdärmeln; dann folgte die zahlreiche hohe Geistlichkeil, in deren Reihen wir auch den für das Zustandekommen des nenen Kirchcubaucs, im Zusammenwirken mit der Gemeinde- unv Kirchcnverwaltung so unermüdlich thäligen und darum so hochverdienten, würdigen Pfarrer der Gemeinde Haidhause», Herrn Walser bemerkten. Als Se. Erc. der hochwürdigste Herr Erzbischof Graf v. Reisach, assistirt vo» den Herren Domprobst v. Deutinger, Dompfarrcr und Domcapitular Schmid und noch einigen andern Herren Capitularcn, und gefolgt von den Mitgliedern der Gemeinvc- und Kirchenvcrwaltung, so wie deS BauauSschusseS, herankamen, ertönte Musik und Trommelschall von Seite der um die Kirchenfuudamente her aufgestellten Landwehr- vataillonc; segnend hielt der hohe Kirchenprälat im erzbischöflichen Ornate mit Juful und Stab seinen Einzug. An der Schwelle deS Neubaues angelangt empfing ihn der von Sr. Majestät dem Könige allergnädigst mit Vornahme deS CivilacteS beauftragte Herr Regierungspräsident Graf v. Neigersberg, an der Spitze der sämmtlichen Beamten, mit einer kurzen Anrede nnd der daran geknüpften Einladung, sofort zur Vornahme der kirchlichen Einweihnng zu schreiten. Diese erfolgte denn auch sogleich 343 ganz in der von dem Programm vorgezeichneten Weise, und unter tiefster religiöser Stille der Tausende, die Zeugen des imposanten Actes waren. Der Herr Erzbischof nahm, nachdem die in den Grundstein bestimmten Gegenstände eingelegt waren, die feierliche Einweihung desselben vor, während die Geistlichkeit so wie alle Anwesenden auf die Kniee gesunken waren und die Landwehr zum Gebete commandirt war. Nun wurde der Grundstein von acht Werkleuten unter VorauStritt der hohen Geistlichkeit und der Choralisten an die für ihu bestimmte Stelle'getragen, dort von dem Herrn Erzbischofe mit Weihwasser besprengt, und sofort die Ceremonie des HammerschlagS und Mörtelwurfs begonnen, welche der Reihe nach auch der Herr Regierungspräsident, so wie die übrigen hiezu Eingeladenen vollzogen. In dem Augenblick, wo diese Ceremonie begann, ertönte von Neuem das Glockengeläute und Kanonendonner von Seite einer Abtheilung der Landwehrartillerie der Hauptstadt. Nachdem dann die hohe Geistlichkeit auch die Einweihung der Grundmauern nach dem ganzen Umfange deS KirchenbaucS vorgenommen hatte, stimmte der Herr Erzbischof, vor dem Faldistorium in der Nähe deS Grundsteins wieder angekommen, das Vom erestor Spiritus an, wobei alle Anwesenden auf die Kniee fielen und die Landwehr zum Gebet commandirt wurde. Nach ertheiltem erzbischöflichcn Segen nahm hierauf der hohe Kirchenprälat auf der Erhöhung am Eingange des PreSbyteriumS Platz, und richtete zum Volke gewendet unter der lautlosesten Stille eine eben so warme als salbungsvolle, mit Kraft und Nachdruck gesprochene Anrede an dasselbe, deren Hauptthema die Nothwendigkeit deS treuen FesthaltenS am Glauben an Jesus Christus und die Ermahnung dazu war. Den Schluß bildete eine Aufforderung an alle Anwesenden zur werkthätigen Beförderung deS beginnenden Kirchenbaues durch Spendung von milden Beiträgen dazu, damit das so schön begonnene und so Großes versprechende Werk zur Vollendung geführt werden könne. Zuvor schon war allen Denen, welche bisher schon dazu thätig und helfend mitgewirkt, der wärmste Dank ausgesprochen worden. Die von Herzen kommenden Worte des sichtlich ergriffenen hohen Prälaten drangen auch zu den Herzen; davon gaben die in vielen Augen perlenden Thränen der tiefsten Rührung das sprechendste Zeugniß, und wir hoffen und wünschen, daß sie auch für das herrlich sich erhebende neue Gotteshaus reiche Früchte tragen mögen. Nach ertheiltem Segen celebrirte nun der Herr Erzbischof in der feierlichsten Weise das Pontificalamt, worauf der ganze Zug in derselben Ordnung, wie er gekommen war, nach der alten Pfarrkirche zurückkehrte. Schreiben eines 7Sjährigen Bischofs. Als im Jahre 1819 dem Erzbischof von Bamberg, Grafen von Stubenberg (früher Fürstbischof von Eichstätt), zugemuthet wurde, er solle den für die Kirche verderblichen Constitutionseiv schwöre«!, schrieb er unter andern an den Fürsten Wrede zu München: „Vielfältig und schwer waren die Opfer, welche ich seit der Säkularisation bringen mußte. Tiefkränkend war oft die Behandlung, welche sich einige StciatSdiener gegen einen legitimen Reichsfürsten erlaubten. Und bei alle dem fügte ich mich gelassen, ruhig und Gott ergeben in diese neue, unverschuldete Lage, und beschloß in stiller Zurückgezogeuheit mich ganz für das geistige Wohl meiner anvertrauten Heerde zu verwenden. Allein für mich scheint der Friede entflohen zu seyn, und waS meine Seele noch tiefer verwundet, ist das wiederholte Verlangen, in Alles geradezu, ohne den mindesten Vorbehalt zu willigen, AlleS zu thun und in Allem unbedingt zu gehorchen, waö der Staat von mir fordern wird." . . . Daß er dem Regenten Unterwürfigkeit und Gehorsam in allen Gesetzen des Staates schuldig sey, lehre die Religion, aber sie lehrt auch, daß er Gott mehr gehorchen müsse als den Menschen" .... „Wie könnte ich bei solchen Verhältnissen gegen meine innerste Ueberzeugung und gegen die laute Stimme meines warnenden Gewissens einen unbedingten Eid schwören, wie könnte ich der Braut unsere» göttlichen Erlösers, der I 344 Kirche, die mich schon beinahe 54 Jahre lang liebevoll in ihrem mütterlichen Schooße genährt hat, wie könnte ich dem allgemeinen Vater der Christenheit und dem apostolischen Stuhle, dem Centrum der kirchlichen Einigkeit, jetzt treulos, und meineidig werden? Wie könnte ich, nachdem ich als ein entehrter, von Gewissensbissen gefolterter Greis als ein Object des Aergernisses und MitleidenS bei meinem theuren Klerus, als der Spott meiner Feinde, als ein Fluch der Menschheit in mein nahes Grab dahin sänke — wie könnte«!« vor dem Richlerstuhle eines allwissenden, gerechten GotteS bestehen! Man fordere von mir zum Besten des Vaterlandes Alles, was man will; aber meine Ehre und mein Gewissen aufopfern, dazu kann und werde ich mich nicht verstehen. Ich habe beschworen, Alles, waS der König und der Staat berechtigt ist, zu fordern. Mehr kann ich nicht, und mehr will auch der König nicht. Oder was wäre der unbedingte Eid aus dem Munde eines Priesters anders als eine bloße Formalität, ein leeres Ceremonie! ohne innern Gehalt und.Verbindlichkeit, und waS läßt sich von einem Menschen, der dem allwissenden Gott trcnlos zu werden unverschämt genug war, anders gewärtigen, als daß er seinen Eir>- schwnr eben so rasch und unbedenklich breche, als schnell und leichtfertig er ihn geleistet hat." ___ Wien. Wien im September. Die Wiener Tagblätter berichteten vor Kurzem die Taufe eines Mohren in Wien. Kaum war dieß bekannt, so erschien eines TageS ein uubekannrer aber überaus höflicher Herr bei dem neuen Katholiken, bezeugte ihm seine Freude darüber, daß er getauft sey, und drängte ihm zwei schön gebundene Bücher auf mit den Worten: „Nehmen Sie diese Bücher und lesen Sie fleißig darin, damit Sie doch auch wisse«, warum Sie Christ geworven sind!" Und diese wichtigen Bücher waren? „Das neue Testament von vr. Martin Luther?, das andere, „die Geschichte von dem bekehrten Räuberhauptmann Afrikaner. Herausgegeben von der evangelischen MissionSgesellschaft zu Basel Nr. 3," eine läppische Erzählung voll Lug und pietistischer Scheinheiligkeit. Und wer war der gute Herr mit der großmüthigen Prämie? Nach näherer Erkundigung Niemand als ein frommer Anglikaner auS irgend einem HandelSbureau, und allem Anscheine nach ein eifriger Agent, den die vor einigen Monaten auS Pcsth-Ofen ausgewiesenen anglikanischen Missionäre in Wien zu einer spätern Mission zurückgelassen haben. ES ist schade, daß die Bescheidenheit dieses frommen Bureaumissionärs eö unsern Seelsorgern unmöglich macht, ihm für seinen Eifer, ihr Werk zu vervollständigen, den verdiente» Dank zu bringen. Ein Hausirverbot gegen lutherische Bibeln ist für das fromme Krämervolk, welches im eigenen Vaterlande Fabriken für Götzenbilder hält, nur ein nutzloses Schreckmittel. (W. Kchztg.) _ Pommern. AuS Pommern wird geschrieben: Die neuesten Praktiken gegen die katholische Religion scheinen trotz Allein doch nickt gut anzuschlagen. In Neustadt-EberSwalde find im letzten halben Jahre zwanzig Personen bereits katholisch geworden. Obendrein ist dieß noch eine Gegend, in welcher der katholische Glaube erst jetzt wieder aufkommt. In der dortigen katholischen Schule werden liebst den Kindern katholischer Eltern zehn ans ganz protestantischen Ehen katholisch erzogen, weil die Leute jetzt nur noch im katholischen Glauben eine Zukunft sehen. Verantwortlicher Redacteji^: L, Schöucheu, VerlagS-Inhaber: E, Kremer.