Zwölfter Jahrgang. Sonntags-Beiblatt rwmm sttsii,?, ni.,MimA mi Ki 5-5^ 5M«L zur Angsburger Psjheitnng. 31. Oktober /U^ 1852. PNlUH Nm HL.? »<7k»»-«!>e»»^j^. . II^^I^V»! HII^I ^>>^u«tju^ !» . Dieses Blatt erscheint regelmäßig alle Sonntage» Der halbjährige Abonuementsprei« 4V lr., wofür es durch alle königl. bayer. Postämter und alle Bnchhaudluugeu bezogen werden kaun. > Abschiedsschreiben des bisherigen Pastors der evangelisch-lutherischen Gemeinden in und um Bnnzlau, Görlitz, Warmbrunn, Löwenberg, Greiffenberg u. s. w. an seine Pfarrkinder bei Gelegenheit seines Rücktrittes zur katholischen Kirche. Meine theure, herzlich geliebte Gemeinde! Möchtet ihr in Liebe noch ein Abschiedsschreiben von mir nehmen, da ich mein Amt bereits niedergelegt habe. Empfanget zuerst meinen innigsten Dank für das große Vertrauen, welches ihr mir bisher geschenkt, mit welchem ihr mein Wort fünf Jahre lang aufgenommen; mir thut cS herzlich leid, dass ich nicht, wie ich hätte sollen, überall mit sichtbar herzlicher Freundlichkeit euch erwiedert habe und Jedem entgegen gekommen bin. Insbesondere danke ich denen unter euch, die besondere Liebe und Güte in mancherlei Erweisungen freundlich mir entgegen brachten; ich bitte Gott, er wolle auch deS Becher Wassers nicht vergessen, und Alleö reichlich lohnen, was einem seiner Geringsten erwiesen worden ist. Mit Wehmut!) nehme ich Abschied, mit Thränen im Auge und Herzen, wenn ich besonders auch der Versäumnisse gedenke, die ich in'einem so hohen Amte mir zu Schulden kommen lassen. Wie oft hatte ich mir vorgenommen, mich ganz in seinem Dienste aufzuopfern; aber wie oft habe ich leibliche Schwachheit und Beschwerden mich abhalten lassen, euch daS zu seyn, was mein Herz immer wünschte und mein Wille wa»! Ich bitte Gott um Vergebung aller dieser Versäumnisse: Er wolle gnädig erlassen, was ich ihm schuldig blieb I Ich bitte euch Alle insgesammt und Jeden Einzelnen: Vergebet mir, und durchstreichet, was ich euch schuldig blieb! Ich meines Theils habe gegen Keinen Etwas im Herzen, es darf Keiner sich ein Bedenken machen: O möchten wir Alle rein und frei gegen ein« ander — vor GotteS Angesicht einst treten! Waö ich jetzt euch sagen muß, ist EtwaS, das eure Herzen aufs Tiefste verletzen muß; das den Glauben, dem ihr -die größten Opfer gebracht, antastet; das die Kirche unserer Väter, für die wir Schmach und Spott willig bisher litten, daö den Grund unter den Füßen euch rütteln wird. Wie gerne wollte ich eS nicht seyn — daS weiß Goit — der solchen Schmerz, solches Herzeleid seiner geliebten Gemeinde macht; aber ach, ich kann ja nicht anders! Gott hat mir den Schmerz, daö Herzeleid gemacht, Gott hat meiner nicht verschont; er hat mich au,fS Tiefste betrübt, um mich aufS Höchste zu erfreuen. «Mein Abschied ist nicht allein von eurer lutherischen Gemeinde, sondern von der ganzen lutherischen Kirche. In BreSIau, wohin ich zur Generalsynode gereist war, habe ich wiederholt in vielen Unterredungen mich ausgesprochen, nachdem dieß schon im vorigen Jahre und in diesem geschehen, und ich bin immer nur bestärkt und zur völligsten Klarheit entschieden worden. So habe ich .jisis»? 34k nun gestern unter vielen Thränen in herzlicher Liebe, aber in seliger Gewißheit von ihrem Angesichts Abschied genommen, um in die katholische Kirche einzutreten. Länger als zwei Jahre stand ich im schwersten Kampfe, in welchen durch meinen seligen Schwager, den Superintendent und Kirchenrath Wedemann, mich Gott geführt, welcher auch zu diesem Schritt entschlossen war. Ich bitte euch nun, geliebte Brüder: sehet mich nicht an als vom Teufel verblendet, oder in schwere Sünden verfallen! DaS weiß ich, das glaubt ihr wohl von mir, daß kein irdisches Interesse mich verlockt habe. Ich bringe Gott mein sicheres Brod zum Opfer dar, ich bringe Gott ein Amt zum Opfer, in welchem ich völlig eingeübt, mit Lust arbeitete, und das ich so nie wieder haben kann. Saget mir: glaubet ihr, daß ich aufrichtig suche selig zu werden? Glaubet ihr, daß ich mit gutem Gewissen meinem Gotte dienen will? Ich glaube von den Meisten unter euch, die ich kenne, daß sie aufrichtig nach dem Reiche GotteS trachten und suchen ^ und eS ist gerade auf dem Standpuncte, den ich jetzt erstiegen, eine Macht und Kraft mir gegeben, euch Alle in herzlichster Liebe zu umfassen, Keinen zu verwerfen, Keinen zu richten. ES ist mein Wunsch an euch: Richtet mich nicht! Richtet nicht, bevor der Herr kommt, der den Rath der Herzen offenbaren wird, während ein Mensch siehet, was vor Augen ist. ES ist meine Bitte an euch: Bleibet in der Liebe! Die Liebe glaubt Alles, sie hoffet Alles, sie duldet Alles. Wünschen mögt ihr und begehren, daß euer alter Freund und Seelsorger noch wäre wie ihr seyd. DaS ist richtig, das ist brüderlich; denn eS kann Keiner anders, als ihm gegeben ist, eS soll auch Jeder, je nachdem ihm gegeben ist. Aber wenn ihr weiter geht, und richtet den, dem anders gegeben ist, dann sündigt ihr, dann werdet ihr wieder gerichtet werden, dann thut ihr den größten Schaden euch selbst. Davon ganz abgesehen, daß ihr dann nicht einmal wisset, was ihr wollt, daß ihr unseres religiösen Vereines Grund, sähen unverständig selbst widersprechet, nach welchen jeder Christ auS sich selbst sich bestimmen darf und soll, und nur so lange bei uns zu stehen hat, als er selbst unsere Auslegung und Glaubensansicht mit der Schrift übereinstimmend findet. Ich wünsche auch und begehre von Herzen, daß meine alten Freunde und Beichtkinder allesammt wären wie ich bin; aber ich fordere eS nicht, und ich richte nicht. Wenn auch keinS meiner lieben Schafe seinem Hirten folgen wollte, so hoffe ich dort alle Redlichen wieder zu finden in der Einen Kirche, die Christus gestiftet hat. ES kann ja auch KeinS ohne Weiteres wollen, denn eS weiß nicht und kennt nicht. Und. ich gönne zwar den Kampspreis einem Jeden, aber nicht den schmerzlichen Kampf, in welchem mir das, was als Menschensatzung, als dummer Aberglaube, Lüge und Finsterniß, als leere Ceremonie und todter Werkedienst jedem Lutheraner als Lutheraner erscheinen muß, mir Gott, als Gottes Ordnung, als seligmachenden Glauben, Wahrheit und Licht, als Geist und Leben hat erscheinen und aufgehen lassen. Die Juden sagen von uns Christen: wir ließen von einem falschen Propheten ihrer Nation am Narrenseil uns führen; während wir wissen, daß vor ihren Augen die Decke MosiS hängt: so nun sehen wir Protestanten die katholische Kirche an; wir können und vermögen nicht anders. Wir wundern unS, wir Lutheraner, über so viele gelehrte und fromme Männer in der Landeskirche, daß ihre Augen nicht sehen, daß sie schuldig seyen, das Erbe ihrer Väter treu zu bewahren, und zur lutherischen Kirche zurückzutreten; aber geliebte Brüder, die ihr bisher mit mir das Erbe unserer Väter treu zu bewahren suchtet, — o möchte euch Allen als Lohn eurer Treue Gott mehr geben, möcht' er euch das volle Erbe geben! DaS wahre volle Erbe wird durch GotteS Fürsorge von Geschlecht zu Geschlecht unfehlbar übergeben; die Pforten der Hölle haben nie, Finsterniß und Irrthum haben nie Seine Kirche überwältigt; eS hat sie in aller Wahrheit der heilige Geist erhalten. Die aber', welche daS nicht glauben wollten, und als Menschen selbst zu erhalten sich Herausnahmen was Gott geschaffen hatte, und selbst ihr Heil versorgen wollten, diese sind in Irrthum und Finsterniß gerathen; sie haben die Schrift als Constitution ausgerufen. Da soll nun in Christi Reiche jeder Unterthan auf der Schrift stehn, und nicht mehr auf den Gesandten Christi, » 347 nicht mehr auf Gottes Obrigkeit, aus lebendigen Personen. Aber die Schrift redet doch nicht selbst, sie selbst gibt keine Antwort, sie ist kein lebendiger Lehrer, kein Richter, der einen AuSspruch thäte; sondern ein Jeder nimmt selbst sich an der Schrift die Antwort und den Spruch, Luther nach seiner Art, jede Secte nach ihrer Art; jede meint und denkt, sie hätte daS reine lautere Wort Gottes, und damit wären sie Gottes Gesandte; aber daS Gesandt seyn fehlt. Rom. 10, 15. Joh. 30, 21—22. Jer. 23. 21—32. Hes. 13, 6—23. Solch' einer war auch euer Pastor. Ich habe es unwissend gethan; nun aber weiß ich es. Doch ich hoffe bald ein Schriftchen euch zu schicken. Wie gerne möchte ich, so wie ich vor daS Angesicht meiner AmtSbrüder mit voller Freudigkeit getreten bin, auch vor euer Angesicht treten, und von der Kanzel euch sagen, waS ich der ganzen Welt inS Angesicht rufen will; aber ich habe kein Recht mehr an die Kanzel. O wie gerne möchte ich, wie ich von meinen lieben Amtsbrüdern mit Thränen und herzlichem Kuß Abschied genommen, auch Jedem von euch um dem Hals fallen; aber ich kann jetzt Nichts mehr thun als euch sagen: Ich bin von ganzem Herzen bereit, einem Jeden, der das Vertrauen und die Liebe mir noch schenken und zu mir kommen will, aufs freundlichste Rechenschaft und Erklärung zu geben! Petr. 2, 15. Eins bitte ich euch noch? Probieret wenigstens! ES heißt doch sonst bei unS immer: Prüfet AlleSl Warum wollen wir denn nun gerade mit der katholischen Kirche auf ewig fertig seyn? Dort müssen wir doch in die allein seligmachende, wenn wir nicht ewig verdammt seyn wollen; warum denn nicht gleich hier? — Thut mir und eurer armen Seele einmal den Gefallen, überwindet euren Ekel und besuchet eine Messe! Stehet aber da nichl im Unglauben und in stolzer Verachtung gaffend, wie ich sonst that; sondern in Sehnen und Verlangen wie jenes Weib, daS Christi Kleides Saum anrührte, und eine Kraft ging von ihm auS und heilte sie. Marc. 5. Erwartet mit Seufzen und Flehen, welche Eindrücke in euch einstießen, welche Erfahrungen ihr machen werdet, die ihr Geist und Natur unterscheiden wollet! Mit freundlichstem Gruß und Segenswunsch drücke ich Jedem von euch die Hand, und höre nie auf, in herzlichster Liebe und Fürbitte zu seyn euer ergebenster Bunzlau, 12. Oct. 1352. R. Hasert. Ueber die alten christlichen Handwerker-Innungen. (Schluß.) Eine andere auf das Christenthum, auf die christliche Liebe, auf die katholische Glaubenslehre von der Gemeinschaft der Heiligen begründete Einrichtung ist die bei den meisten Innungen gebräuchliche Gedächtnißseier für die verstorbenen In nungS Mitglieder. In den meisten alten JnnungSbüchern wird vorgeschrieben, daß alle Jahre an einem bestimmten Tage für die Seelen der verstorbenen JnnungS- Mitglieder Jahrmessen gehalten werden sollen. Diese Einrichtung beweist deutlich , daß die alten Handwerker-Innungen durchaus nicht aus rein weltlichen Gründen gestiftet wurden, sondern vielmehr eines höhern christlichen Zweckes willen. Diese Gedächtnißfeier bezeugt deutlich den festen Glauben an den ReinigungSort und an die Möglichkeit und Wirksamkeit unseres Gebetes für die Verstorbenen. Zugleich ist diese Gedächtnißfeier ein schönes Zeugniß von jener wahrhaft christlichen Liebe, die selbst der verstorbenen Mitgenossen noch freundlich gedenkt, und ihnen mit Gebet und Opfer zu Hilfe kommen will. Wieder eine andere ganz auf das Christenthum gegründete Einrichtung ist ferner auch die, daß jede Handwerker-Innung ihren Handwerks- oder Herbergsvater hat. Der HandwerkSvater entspricht in vieler Beziehung dem Klosterabte. WaS der Abt für die Klostergemeinde, das sollte der HandwerkSvater für die Innung seyn. 348 Der Klosterabt, d. h. Klostervatcr hatte zu sorgen für das leibliche und geistliche Wohl der Seinigen, und zwar so viel wie möglich mit Liebe, mit verständiger Vaterliebe. Ihm lag eS ob, die Werke der Mildthätigkeit im Namen der Kloster- gcmeinde zu üben, Kranke zu pflegen, Nothleidende zu unterstützen und Fremde zu beherbergen. Diesem Beispiele zufolge sollte auch der HandwerkSvater die christlichen LiebeSwerke gegen die Genossenschaft selbst, so wie auch gegen Fremde zu erfüllen haben. Er sollte Sorge tragen für das Beste der Handwerker-Innung überhaupt und für die einzelnen Mitglieder derselben insbesondere. Der HandwerkSvater war verpflichtet, im Namen der Innung die Werke der Nächstenliebe auszuüben, für Wittwen und Waisen, besonders verstorbener Mitglieder zu sorgen, fremde Meister und Gesellen aufzunehmen, zu beschenken, und zu beherbergen; darum heißt er auch Herbergsvater. Der HandwerkSvater nimmt darum in der Innung eine sehr ehrenvolle Stellung ein. Er hat mit den Meistern deS Handwerkes den Vortritt bei feierlichen Gelegenheiten, bei Processionen. Er hat das Recht, von jedem Zunftgenossen den Gruß zu fordern. In seinem Hause finden die Zusammenkünfte und Berathungen der Innung, die Aufnahme der Lehrjungen, die Freisprechung der Gesellen statt. Er bewahrt die Jnnungslade mit dem Siegel, mit den Schriften und Dokumenten der Innung. Der HandwerkSvater ist der Vertrauensmann der Innung. Er steht mit der Innung in dem Verhältnisse eines Vaters zu seinen Kindern, in jenem Verhältnisse also, daS nur durch das Christenthum in seiner wahren Schönheit begründet wurde. AIS eine besonders schöne, wahrhaft christliche Einrichtung muß auch der sogenannte HandwerkSgruß bezeichnet werden. Jede Handwerker-Innung hat ihren eigenen HandwerkSgruß. Dieser drückt einerseits den Glauben und die höchste Verehrung gegen Gott auS, denn der Handwerksgruß beginnt ja mit jenem wunderschönen Gruße, der von jedes Christen Mund gern und ehrfurchtsvoll gesprochen werden soll, mit: Gelobt sey JesuS Christus. Andererseits drückt der HandwerkSgruß die Brüderlichkeit aus, die unter allen Menschen herrschen soll. Wenn ein fremder Geselle, der demselben Handwerke angehört, zu einem fremden Meister kommt, so entrichtet er von Meistern und Gesellen seiner Heimat den HandwerkSgruß, er bittet damit um brüderliche Aufnahme zur Arbeit und Pflege; und der Meister ist verpflichtet, ihm seinen Gruß zu erwiedern, zu danken, und ihn als Zunftgenossen und als christlichen Mitbruder zu behandeln. So wie nun die bisher angeführten Einrichtungen auf rein kirchlicher, christlicher Grundlage beruhen, so find auch jene Vorschriften, die über das sittliche Verhalten der JnnungSmitglieder gegeben worden, ganz dem Evangelium entnommen, und ganz mit dem Geiste desselben übereinstimmend. In den alten Jnnungsbüchern werden die dem Christen schon durch das Evangelium gebotenen Tugenden neuerdings eingeschärft, unter diesen besonders der Gehorsam gegen die Vorgesetzten, Ehrlichkeit und Redlichkeit und ein guter, unbescholtener, reiner Lebenswandel, nach dem Sprichworte: „Die Zünfte müssen so rein seyn, als wenn sie von Tauben gelesen wären." Diesen religiösen Einrichtungen verdankten aber auch die Handwerker-Innungen ihren langen dauerhaften Bestand durch so viele Jahrhunderte. Diesen auf christlichem, kirchlichem Grunde stehenden Einrichtungen ist eS zuzuschreiben, daß manche Handwerker-Innungen so viel Großes und Herrliches geleistet, und eine so große Achtung genossen haben, waS besonders von dem deutschen Handwerkerstande gilt, der selbst in fremden Ländern hochgeschätzt und geachtet wurde. — Wären die uralten christlichen Einrichtungen deS JnnungSwesens nie vernachlässigt worden, oder zur leeren Förmlichkeit herabgesunken, gewiß der Handwerkerstand würde noch heut zu Tage auf einer weit höhern Stufe deS Glaubens und der Sittlichkeit stehen, als er leider kann gefunden werden. Hier gibt es viel zu thun, viel Unkraut auszurotten, viel guten Samen zu säen. Gott wird helfen! .6,,. 34S Sende uns deinen Geist und sie werden erschaffen werden, und du wirst erneuem die Gestalt der Erde. zis -Äjll,ö^,Mn nuMo« Mnöt^-TMSV^ »a« FbitKi! »t nk? chf^ !?t Glaub-nstöne aus der Mark. (Fortsetzung.) So nenne ich kirchlich revolutionär, oder entschieden afterreformatousch, daß man im löten Jahrhundert — die Unterwelt freilich keineswegs, — aber wenigstens die Lehre von derselben mir Stumpf und Stiel bei seiner Partei schnöder Weise ausrottete, um dafür unter dem Rufe: FreiheitI Freiheit! seinem gläubigen Volke, wahrhastig, mit der absoluten Hölle auf den Nacken zu rücken! — Ein vortrefflicher Tausch in der That, welchen die sich selbst Täuschenden und durch sie Getäuschten gemacht haben! — Die Unterwelt hat aufgehört zu seyn,---weil es ungnädigen Herrn des löten Jahrhunderts der Christenheit beliebt, also zu decretiren." „Sehen wir also unbefangen, dann kann uns nicht entgehen, daß der Sturm des löten Jahrhunderts eigentlich, wie gegen eine Bastille, gegen den Kerker GotteS, gegen daS Gefängniß, darein man geworfen wird, bis daß man den letzten Heller bezahle, mit Einem Worte, gegen das Fegfeuer, diesen Ort der Qual in der Unterwelt, gerichtet ist. Denn erst mit dem Aufhören dieses eigenthümlichen Theils der Kirche Gottes kann ein Dualismus in der Kirche durchdringen, wie ihn die reformirte Kirchengesellschaft in sich consequenter als daS Lutherthum durchgebildet hat; erst damit können nun auch die heilsamen Gnadenmittel Christi in Seiner Heilsanstalt, der Kirche, welche sich bis auf diesen Theil derselben erstrecken, namentlich das Meßopfer, mit besserem Erfolge bestritten werden. Nur so kann damit eine weitere, beliebige Verstümmelung der Gnadenmittel der Kirche Jesu Christi überhaupt erfolgen. Also um so zu zerstören, siedelt man die Seinigen, wahrlich allzu- hastig, sofort in den Himmel über I Dort sollen sie seyn, weil man eS in Opposition gegen die katholische Kirche so will! — Aber ist diese Illusion wohl zuträglich? Heißt daS Fortentwickelung nach der Ordnung Gottes? — Oder man wirft Andere, z. B. die Katholiken als Götzendiener und Anttchristen, und damit doch, recht gesehen, seine frommen deutschen Vorfahren, Väter und Mütter selbst, unbarmherziger Weise — so wahr eS Gott und der Heiland anders meint — in die ewige Hölle und Verdammniß." — Wie der Verfasser in seiner Ansicht von der Kirche ganz auf katholischem Standpuncte steht, so spricht er sich ganz im katholischen Sinne über die wichtigsten Wahrheiten unseres Glaubens aus, wie z. B. über daS heilige Meßopfer, TranSsubstan- tiation, Beichtanstalt u. s. w. und belegt überall den Glauben der Kirche, der auch sein Glaube ist, durch die schlagendsten Argumente. Wo der Glaube an die Kirche da ist, da folgern sich die einzelnen Wahrheiten dieser Kirche, wie die Folgesätze aus dem Hauptsatz. Wie aber der Verfasser dem Glauben der katholischen Kirche nicht bloß Gerechtigkeit widerfahren läßt, sondern ihn selbst vertheidigt und bewahrheitet, so auch die Disciplin der Kirche. Hören wir, was er unter Anderm in einer längern Anmerkung in seiner Schrift vom Cölibate sagt: „Man eifert bei uns gegen das Cölibat der Geistlichen: 1) weil die Natur bei dem Manne ihr Recht fordere, 2) weil eS unmöglich sey, daß ein Stand von so viel tausend Männern ohne Ehe rein in Betreff des sechsten Gebotes leben könne. Die Behauptung sä l hängt mit der protestantischen Lehre von der absoluten Sündhaftigkeii zusammen, wogegen sich die Lehre von dem freien Willen geltend machen läßt. Auch beweist ja die Erfahrung, daß sogar von dem schwächern Geschlechte so viele tausend? von Jungfrauen unter unS, welche keinen Mann finden, dennoch rein zu leben vermögen. Bilde man sich mehr als weibisch nur nicht ein, eS kann nicht gehen, sondern erhebe man sich zu dem männlichen, moralischen Entschluß: es soll und muß gehen! und beobachte dabei eine christlich weise Disciplin, so geht es. Geht eS doch auch bei evangelischen Predigt- 35« amtskandidaten, welche ihr vierzigstes Jahr jetzt erreichen, bevor sie einen Pfarrdienst bekommen, auf welchem sie dann heirathen können. ^,6 2. Daß die Ehe daS Mittel sey, sich rein zu halten von der Sünde contra sextum und eS nicht vielmehr die Gottesfurcht mit der moralischen Willenskraft eines Joseph bleibe, läugne ich unbe. dingt. Denn warum lehrte doch sonst die Erfahrung, daß Tausende, ja leider auch unter uns Deutschen jetzt Hunderttausende, die Ehe nicht vor Unkeuschheit schützt, auch nicht einmal protestantische Geistliche" u. s. w. AuS dem oben Angeführten ist zum Theil schon ersichtlich, welche Ansicht der Verfasser vom Fegfeuer habe: eS sey uns vergönnt, auf diese Anschauung genauer einzugehen, um die Katholicität deS Verfassers auch hierin kennen zu lernen. Können wir nicht so genau in seine Entwickelung eingehen als wir eS wünschen, so mögen die engen Räume dieses Blattes zur Entschuldigung dienen; Alles, waS der Verfasser sagt, ist Hörens- und wissenswerth. Wie die Katholiken bekennen auch die Protestanten im apostolischen Symbolum: vesosnclit sä inkerc>8. Was wird nun unter intsri verstanden. Inkeri ist die Unterwelt, und diese kann nach einem dreifachen Sinne genommen werden: s) als Aufenthaltsort der vor Christus abgeschiedenen Seelen der Gerechten, als Paradies in der Unterwelt, zu welchem die abgeschiedene Seele Christi niedergegangen ist, und zwar in der Absicht, diesen Gerechten in limbc» patrum, in Abrahams Schooße, die vollbrachte Erlösung anzukündigen und sie auS dem Zustande der Gefangenschaft (deS Harrens) in den frohen Besitz der übernatürlichen Seligkeit einzuführen, deren sie bis dahin noch entbehrt hatten; b) Interi ist weiter der Aufenthalt der noch nicht geläuterten Seelen der Gerechten, also die Hel, oder Hölle, auch im altnordischen und germanischen Sinne: o) weil die Substanz der Flamme, in welcher die dort zur Läuterung Befindlichen Pein leiden, auS dem Tartarus stammt, auS der absoluten Hölle, in welche Christus nimmermehr niedergegangen ist, nennt die Kirche nicht falsch diesen Ort der Qual in der Unterwelt auch wohl Hölle, wie schon die Alten so Tartarus und EreboS anwenden." Die Unterwelt besteht also, ganz conform der katholischen Lehre (vergl. Lato- vkigrn. komsn.) i) aus dem limbus pstrurn, 2) dem Fegfeuer-----HadeSScheol, 3) der absoluten Hölle — Tartarus — ErebuS — Gehenna. Den limbus pstr. und daS Pvrgatorium faßt der Verfasser in dem HadeS zusammen, sagt, der HadeS habe zwei Abtheilungen a) limb. pstr. als Vorhalle des Himmels, Paradies; b) den Ort der Qual als Vorhalle der Hölle, und stellt folgende Sätze auf: 1) ES gibt einen HadeS, den Ort eines Mittelzustandes von dem Tode bis zur Auferstehung. Er ist von dem Grabe zunächst, dann aber auch von Himmel und Hölle verschieden. - 2) Dieser HadeS besteht aus zwei Abtheilungen, auS dem Paradiese, welches die Vorhalle deS Himmels ist, und aus dem Gefängnisse, welches eine Vorhalle der Hölle ist. 3) WaS lehrt die Schrift über den Zustand der Seelen in beiden Abtheilungen? 4) ES gibt für unS eine Gemeinschaft mit den Heiligen deS Himmels und deS Paradieses, und welche? 5) ES gibt für uns eine Verpflichtung in Betreff derjenigen, welche in dem Gefängnisse deS HadeS sind. (Schluß folgt.) Nordamerika. Die auf dem ersten Nationalconcil der vereinigten Staaten zu Baltimore versammelten Prälaten, sechs Erzbischöfe und sechsundzwanzig Bischöfe, haben unter dem 20. Mai ein Schreiben an die Präsidenten und Direktoren der Gesellschaft zur Verbreitung des Glaubens zu Lyon und Paris erlassen. Sie berichten, daß sie 351 durch Acclamation beschlossen hätten, daß der Verein zur Verbreitung des Glaubens in allen Diöcesen eingerichtet werden sollte, in Anerkennung dessen, was die katho, lische Kirche der vereinigten Staaten diesem Vereine verdanke. Sie sagen weiter: Die Väter deS Concils erinnern sich noch der Zeit, als sechs Bischöfe die Kirche in den Vereinigten Staaten regierten, und jetzt zählen sie eben so viele erzbischöfliche Kirchen. Die Hierarchie besteht jetzt auö dreiunddreißig Prälaten, und bald werden zwölf neue Mitarbeiter dieser Zahl zugefügt werden. Welche glorreiche Zukunft wartet unser, ich wage zu sagen, oder wir wagen zu sagen, gehört schon unS! DaS Werk unserer Schöpfung entwickelt sich wie in der Vergangenheit, wetteifert an Schnelligkeit mit der Entwicklung des Landes, und erstreckt sich bis zum stillen Ocean. Wir dürfen daher hoffen und glauben, daß in fünfundzwanzig Jahren oder etwaS später der amerikanische Theil der katholischen Kirche eben so viele bischöfliche Stühle zählen wird als die ältesten europäischen Königreiche. Ist dieses rasche Wachsthum der wahren Kirche in diesem Theile der neuen Welt, wo die Vorurtheile des Irrthums so tief wurzelten, wo Reichthum und Einfluß sich feindlich bewiesen, wo die größte Armuth unser geringstes Hinderniß war, nicht ein Wunder der Vorsehung?— Aber Gott wußte, daß ein bedeutender Theil der Bevölkerung von Europa nach Nordamerika auswandern würde, darum erneuert er die Wunder des ApostolatS und der Missionen, — deßhalb flößte er den Gedanken eurer Gesellschaft ein, und umgab sie mit der Fülle seines Segens, und so bietet sich die in der Kirchengeschichte einzeln stehende Thatsache dar, daß eine kleine Zahl von Laien, welche von der christlichen Lüde zuerst die Mission empfingen, unter dem Schutze deS heiligen Stuhles die Nähreltern aller Missionen der katholischen Kirche wurden. Zum Schlüsse empfehlen die Prälaten die vielfachen Bedürfnisse der amerikanischen Kirche, besonders der im Oregon, und erinnern daran, daß sie für die geistliche, oft auch für die körperliche Existenz von wenigstens 200,000 Katholiken zu sorgen haben, welche jährlich von Europa ankommen. ^ ' 5-u«M MvilinckttK mz-l Auch ei» Märtyrer. DaS „PittSburgh Journal" erzählt folgende wahre Begebenheit aus den dreißiger Jahren. Ein Gutsbesitzer in Kentuckv hatte einen frommen Neger, den er im Ganzen mild und menschlich behandelte; abgleich er selbst nicht zu den Tugendspiegeln im Lande gehörte, pflegte er die Christlichkeit seines Negers als ein Mirakel herauszustreichen. Eines Sonntags hatte er Besuch; eS wurde hoch gespielt und stark getrunken. DaS Gespräch kam, wie gewöhnlich, auf daS schwarze Gesinde, und der Hausherr prahlte mit seinem Neger, der „die Religion gekriegt," und sie fest halte. Sein Gast lachte und rief: „Dummes Zeug! Ich will jedem Schwarzen in einer halben Stunde seinen Gott aus dem Leibe peitschen." Der Hausherr wider- ' sprach, und eS kam zu einer Wette! Man rief den armen Neger, und die beiden jovialen Ehrenmänner sagten ihm eine schauerliche und gotteslästerliche AbschwörungS- formel vor, mit dem Bedeuten, er habe kein Recht, den Christen zu spielen, wie seine weißen Herren; er müsse augenblicklich den Glauben an den Heiland ablegen, oder sich darauf gefaßt machen, zu Tode gepeitscht zu werden Der unglückliche alte Mann erstarrte vor Schrecken, er kannte den grausamen Ernst von Pflanzer-Späßen, faßte sich aber bald, und rief: „Nein, Massa! Bitte, Massa, kann nicht! Christus, er für mich gestorben seyn! Bitte, Massa!" Seine Bitten blieben fruchtlos und ! die Probe begann. Bald fiel der Neger unter den Streichen der Treiber in Ohnmacht. AIS er zu sich kam wurde die erste Aufforderung wiederholt. Blutend, stöhnend und mit flehenden Blicken rief der Schwarze: „Herr sey gepriesen, Massa! Kann nicht, Massa! Christus, er sterben für mich, ich sterben für Christus!" Da der Gast auf der Ausführung deS Experiments bestand und betheuerte, er könne die Wette nicht aufgeben, wurde die Operation fortgesetzt, bis der Gast — verloren hatte. Der Neger starb unter der Peitsche. Man glaubt eine Geschichte aus den 35S Zeiten der römischen Christenhetzen zu lesen; aber die Römer unter den ersten Zmpe, ratoren waren Heiden und nicht selber Christen wie ihre Opfer. T r e v i f o. Der hochwürdigste Herr Bischof von Treviso, Giov. Antonio Baron Farina, richtete bei der Visitation seines Kirchensprengels ein Hirtenschreiben an den Klerus, in dem er den Vorwurf „aufstachelnden, übertriebenen Eifers" zurückweiset, den man ihm gemacht, weil er die Zeitschriften „Civilta Cattolica und Bilancia" empfahl als Muster periodischer Journale, welche den Muth haben, die Fahne der Ordnung, der Treue mit Kraft zu entfalten. WuS er bei dieser Gelegenheit über Klugheit und Entschlossenheit sagt, wird mit Nutzen auch in weiteren Kreisen als die seiner Diöcese gehört und beherzigt werden. „Wir wissen, wie das Wort Klugheit sehr oft mißbraucht wird, um verwerfliche Furcht zu verhüllen. ES dient als MaSke der Feigheit, als Schminke deS EgoiSmuS. In unserm Falle wäre Schweigen daS Eine wie das Andere. Sollen wir etwa, um die häusliche Ruhe nicht zu stören, um nicht zu ermüden, dem Fortkommen nicht zu schaden, die Pflichten deS Standes und Gewissens vernachläßigen, die großen Interessen der Kirche und der Religion preisgeben? Schlafend sitzen, während jene Geister, welche die Lichter der Welt seyn sollen, verkehrten Meinungen folgen und so die Irrthümer noch ausbreiten? Sollen wir eS einsehen, daß eS gut wäre, die Wahrheit an den Tag zu bringen und dennoch den Mund verschließen? Nein! wir schämen uns der Freiheit deö Evangeliums nicht. In der Ueberzeugung, daß die Wahrheit Einige enttäuschen werde, oder wenigstens als Zeugniß dienen, daß wir jedes Einverständnisz mit demagogischen Rathschlägen zurückweisen, zeigen wir offen unsern Abscheu vor allen Jenen, die daö freie Wort mißbrauchen, daö Vaterland an den Rand deS Abgrundes bringen, während sie Liebe dafür im Munde führen. Die Verantwortung, welche wir vor dem Richterstuhle GotteS, nicht der Liberalen haben, liegt uns auf der Seele. Lob ist ein Magnet, der unS nicht zieht; Schimpf ein Stachel, der unS nicht verwundet; elend wäre eS, Drohungen zu beachten. ES wird geschehen, was Gott gefällt. Um jeden Preis wollen wir das Gute thun, und da man unS sagte, daß diese Erklärung nützen könne, leisteten wir sie bereitwillig zur Ehre Gottes. Wäre eö Muth beim Soldaten, wenn er voraus die Wunden bedächte, denen cr sich für die gerechte Sache aussetzt! Wir sind aber Soldaten. Antwortet den Tadlern durch Thaten. Solchen Beweisen kann man keine Sylben abstehlen. So war es bis nun unser höchster Triumph, daß ihr Alle für die „Civilta Cattolica" einstandet. Böhmen. Am Feste deS heiligen Rosenkranzes hat in der frühern Dominicanerkirche zu Gabel in einem herrlichen Baue die Mission begonnen. Die Missionäre haben mehrere Kräfte an sich gezogen, um dem größern Andränge genügen zu können. Sehr zweckmäßig halten sie dort auch um eilf Uhr eine Previgt, welche durch ein tieferes Eingehen in ControverSpuncte wegen deS häufigen Verkehres mit dem protestantischen Nachbarland von Katholiken und Protestanten mit großem Interesse vernommen werden. In jenem Winkel Böhmens, wo fast alle Seelen zusammengedrängt sind, und' in der letzten Zeit sich auch Mohamedaner zusammengesellen wollten, flammt der alte Haß hie und da auf. So ist zu Sl.. . unlängst erst Blut geflossen. Ein Fleischhauer eegoß sich in die schändlichsten Schmähungen und Verwünschungen der heiligen katholischen Kirche; ein junger Mensch, der dieses anhören mußte, gab ihm darüber einen Verweis, worüber der Fleischer in eine solche Wuth geriet!), daß er dem armen Menschen das Messer in den Leib stieß. Am zehnten Tage war er noch in Lebens- gefahr. (Kath. Bl. a. T.) __ Verantwortlicher Redacteur: L. Scheuchen, VerlagS-Zuhaber: F, C> Kremer.