Zwölfter Jahrgang. SonntBgB-Wejblatt Augsburger Psstzeitung. 7. November /U^ I85S. Dieses Blatt erscheint regelmäßig alle Sonvtaae. Der halbjährige Abonncmentsprei« TA kr., wofür es durch alle köuigl. daher. Postämter »ad alle Buchhaudluugeu bezöge» werden kann. Am Allerseelen-Tage. I Im Friedhof weht ein junger Lebenshauch Von FrühlingSduft und zarten Rosensprossen. Zu ehren so die einstigen Genossen Verlangt der schöne Allerseelen-Brauch. Ich selber Pflanzt' in Liebe einen Strauch; Doch ach! in meinem Auge thränumflossen Ist noch ein andrer, tiefer Schmerz verschlossen, Denn verer, welche leben, denk ich auch. Viel tausend Leiber wallen durch das Seyn, Und drinnen schläft der Geist, wie ohne Leben, Gleicht einer Kerze, die der Flamme harrt. In solche Gräber, Menschen, blickt hinein, Und weckt den Geist zu Leben und zu Streben; Das wär ein Seelenfest nach hoher Art! — II. Ist Einer aus dem Leben nun geschieden Und liegt er in der Erde eingegraben, So meint man, doppelt ihn geliebt zu haben. Und lobt und preist, was er gethan hienieden; Und ist mit Allem, was er that, zufrieden, Und weint um ihn, und weiht ihm Blumengaben, Seufzt bang und tief, als könn' ihn dieses laben, Und wünschet fromm: „Geh' ein zu Gottes Frieden!' O späte Lieb'! o, wärst du früher kommen! O, kämst du jetzt für Manchen hier auf Erden, Der heiß sich sehnt »ach Einem Tropsen Lieb! Wie würd' ihm das im Erdenleben frommen! Es wär' für ihn ein neues, süßes Werden; Drum Herz, zur rechten Zeit dein Lieben gib! — III. „Gott geb' ihm ew'ge Ruhe!" hör' ich sagen. Das ist der beste Wunsch, er werde Allen, Die man nach dieses Erdenlebens Wallen Zum stillen Friedhoss - Bette hat getragen. 354 --»M?,^ Doch hör' ich ihu, so fasset mich ein Zagen, Und vorwurfsvoll des Todten Klagen schallen, Daß Keinem es voll Liebe eingefallen Ihm Ruh' zu gönnen in des Lebens Tagen, So lang der Mensch betritt die Erdengleise Hebt Keiner einen Stein von seinem Wege, Damit er ruhe von der Mühsal aus. Viel leichter übt sich die gewohnte Weise, Mit Worten fromm zu sprechen solchen Segen Dann, wenn er schläft im engen Sarges-Haus. Jsabella Braun. Ein Jesuit. Der folgende gedrängte Auszug aus der Lebensbeschreibung des P. Albrecht Ehanowsky von Langendorf aus der Gesellschaft Jesu, welche der Jesuit Tanner böhmisch und lateinisch herausgegeben hat, ist einem katholischen Blatte, der „Wahrheit", entnommen, daö bis zum Ende des JahreS 1850 in Prag erschien. Wir geben diesen AuSzug hier wieder, um zu zeigen, durch welche Männer die Gesellschaft Jesu ihre staunenswerthen Erfolge bewirkte, und um so lieber geben wir ihn wieder, weil der selige P. Albrecht in Böhmen wirkte, wo der Jesuitenorden am meisten verdächtigt wird, als habe er nur durch die weltliche Gewalt daö Band der katholischen Kirche erhalten. Nicht Gewalt, sondern die Waffen deS Geistes, der lebendige Glaube, auS dem die thätige Liebe hervorgeht, sind es, die große und nachhaltige Erfolge erzielen. Und gerade der Jesuitenorden zählte sehr viele Glieder, die wie P. Albrecht durch einen klindlichen Glauben und opferwillige Liebe sich auszeichneten. P. Albrecht Ehanowsky wurde 1531 in dem Dorfe Swiradic im ehemaligen prachi- ner Kreise Böhmens geboren; er war unter fünfzehn Kindern daö achte Kind deS Ritterö Johann Ehanowsky von Langendorf, Herrn auf Dozic, Hradischt und Teynisst. Vor der Prager Akademie bezog er die niedern Schulen im Jesuitencollegium zu Krumau. Seine Eltern wollten ihn zum Ritter erziehen; er fühlte aber von Kindheit auf in sich den Beruf zum geistlichen Stande. Schon als Knabe verschmähte er die Kinderspiele, baute kleine Eapellen, Altäre; seine Eltern bat er, ihm ein kleines Meßgewand machen zu lassen , er feierte als Knabe die Messe, hielt Predigten voll Eiser und Herzlichkeit, sang Psalmen, verrichtete eifrige Gebete, segnete Wasser, Brod und Fleisch. DaS Noviziat hielt er bei den Jesuiten in Brunn und verwendete sich unterdessen bittlich bei seinen Eltern um die Erlaubniß, bei der Gesellschaft Jesu bleiben zu dürfen. Nach einigen Jahren kam er mit einem Ordensbruder nach Hause, wo seine Mutter krank lag und ihren Unwillen noch nicht verhalten konnte, daß er in den geistlichen Stand trat. Sie wurde von Albrecht, ihrem Sohne, zum frommen Tode vorbereitet. Zum Priester wurde er in Grätz geweiht, war dann Regens in Prag, erklärte in der dortigen Akademie die hl. Schrift und die hebräische Sprache. In Olmütz lehrte er die Mathematik. Gott rief ihn aber zur Liebe deS Kreuzes, zu apostol. Arbeiten, schmückte ihn mit apostol. Tugenden, und führte ihn dahin durch mannigfaltige widerwärtige Begebenheiten. Nach der Schlacht am weißen Berge wurde von dem Jesuitenprovincial, P. Gregor Rumer, Böhmen zwischen den PP. Krawarsky und Albrecht Ehanowsky getheilt, damit sie beide apostolisch herumreisen, die im katholischen Glauben Schwachen befestigen, die Unwissenden unterrichten, die von demselben bereits Abgefallenen wieder in den Schooß der Kirche zurückzuführen streben möchten. P. Krawarsky bereiste die Kreise Böhmens an der Gränze Mährens, Schlesiens und der Laufitz; P. Albrecht verrichtete seine apostolischen Arbeiten in den Kreisen, welche mit Oesterreich und Bayern gränzten. Seit der Zeit hörte er nicht auf, in den Städten, Marktflecken, Schlössern, Dörfern, Häusern und Einöden Tag und Nacht mehr als zwanzig Jahre zu lehren, daS Volk im kath. Glauben und in der Frömmigkeit zu unterrichten. Er pflegte sich kein Ziel zu setzen, wie weit er deS TageS kommen sollte; manchmal besuchte Mr ein Dorf, zuweilen mehrere, fingend trat er in die Dörfer ein. So wie ihn die Kinder 355 erblickten, liefen sie ihm entgegen, küßten sein Kleid und schrien: „Unser Vater kommt, Pater Albrecht kommt." Mit den Kindern trat er sodann in Procession, die Knaben sowohl als die Mädchen abgesondert, in die Kirche, lehrte sie den Katechismus, wozu sich allmälig die Eltern und Erwachsenen einfanden, und theilte dann Bilder, Rosenkränze aus. Ueberall bewirkte er eine wunderbare Bekehrung des Lebens. In ven Marktflecken und Dörfern besuchte er jedes einzelne HauS; von wem er nicht viel beachtet wurde, bei dem blieb er länger, lag mit dem Knaben, welcher ihm Rosenkränze, Bilder, Aepfel für Kinder trug, bei der Nacht auf Stroh, hatte ein ärmliches Gewand an sich, zerrissene Strümpfe, die er selbst flickte, Hemden von grober Leinwand. Keine Stürme, kein Regen, Schnee, keine Gefahr von Seiten der Räuber, noch der wilden Thiere, schreckte ihn. Ein Stück Brod, reineS Quellwasser war seine Nahrung, sein Getränk. Wenn er bei Adeligen zu Tische war, sprach er so lange von himmlischen Wahrheiten, bis der ihn begleitende Knabe seinen Teller mit der Speise unter den Tisch herabzog und wieder leer hinaufschob, wozu der fromme Diener Gottes lächelte. Er aß den ganzen Tag nicht und trank nicht bis des AbendS, und wenn sich Abends ein Kranker vorfand, nahm er auch da keine Nahrung, sondern wachte die ganze Nacht bei ihm und bereitete ihn entweder zum Tode oder betete mit ihm; des Morgens wandelte er nach dem heiligen Meßopfer abermals zu Fuß weiter. Obwohl öfter selbst von der Kolik, von Steinschmerzen, mit geschwollenen Füßen geplagt, im hohen Alter vor Schmerzen zitternd und wie ein Wurm sich windend, ließ er sich dennoch von seinen Ordensbrüdern nicht bewegen, seine apostol. Arbeiten aufzugeben, hörte auf seinen Herbergen auf den Zimmcrbänken unermüdet die Beicht, so daß ihm einmal in Schüttenhosen vom vielen Reden und vom Durste die Zunge aufgesprungen war. Früh, wenn er die hl. Messe feiern sollte, war ihm gewöhnlich immer leichter, nach der hl. Messe quälte ihn daS Chiragra wieder mehr. Er ermähnte dazu, daß aus jedem Hause wenigstens Einer in die hl. Messe gehen möchte, indem Gott die Arbeit desto mehr segnen würde, nahm jedes einzelne Meßkleidungsstück in die Hand, erklärte, was eS bedeute, und feierte dann einem Seraph' ähnlich das heiligste Meßopfer. Er kam nie in ein Bett, schlief nur wenig, daher fand man ihn oft mitten in einem Walde ruhend und schlummernd. Beim Gebete strahlte oft sein Leib, als wenn er brennen möchte, seine Augen waren stets zum Himmel erhoben; in der Capelle bei Nepomuk zu Ehren des heil. Adalbert verweilte er manchmal einige Tage in gcistl. Uebungen. Die geistl. Tagzeiten betete er stundenlang in einem Walde oder Garten, bis der Knabe, sein Begleiter, einschlummerte. Unterwegs betete er größtentheils und trug an den Händen den Rosenkranz, wallfahrtet« jährlich mehrmal zum hl. Blute nach Bayern und auf den hl. Berg*) in Böhmen, wo die Wallfahrten damals erst im Beginne waren. In seiner Kammer im Colleg. zu Klattau hatte er keine Lehne zum Gebete, er betete am bloßen Boden knieend; wenn er die hl. Messe feierte, sah man über seinem Haupte eine himmlische Flamme und feurige Kugeln ; die hl. Messe hielt er nie länger als eine halbe Stunde. Am Charfreitage stellte er mit den Knaben im HI. Theater das Leiden deS Herrn vor, baute das hl. Grab, die Krippe, den Stall von Beth, lehem. Zu diesem Zwecke kaufte er einmal eine Kinderwiege und schämte sich nicht, selbe durch die Prager Gassen zu tragen. Bei den Kirchen vorübergehend verweilte er stets einige Augenblicke im Gebete. Es war nicht eine Kirche, welcher er nicht etwas Gutes erwiesen hätte, indem er die Mauern, den Fußboden, die Bänke, Fenster, daS Dach ausbessern ließ ; er pflückte ans den Feldern und Wiesen Blumen für die Kirchenaltäre, verfertigte mit eigenen Händen die für Kirchen erforderlichen Sachen, als Stolen, Manipel, Ornate; beredete angesehene Damen, seine Anverwandten, mit lieblichen Worten, waS in den Kirchen schmutzig war, zu reinigen, das Zerrissene auszubessern. Am liebsten wohnte er in der Nähe der Kirchen und kniete ganze Nächte vor dem HI. Altarssakramente und stiftete daS ewige Licht vor dem hochw. Gute. Er leitete viele Jungfrauen zum vollkommenen christl. Leben, vorzüglich die Tochter seines Bruders, Katharina, welche lebenslänglich die Jungfräulichkeit bewahrte, in allen Tugenden sich übte und dem P. Albrecht als Werkzeug zum ') Der heilige Berg ist ein stark besuchter Wallfahrtsort der seligsten Jungsau Maria, na' bei der Bergstadt Pribram. 35« Heile vieler Seelen diente, Bußgürtel und Geißeln verfertigte und heimlich austheilte, Knaben und Mädchen in der Religion unterrichtete. Er führte viele vornehme Damen zum strengsten Leben, so daß sie auf hartem Lager schliefen, Bußkleider trugen, ihren Leib geißelten; seine Nichte Catharina erwählte dann das Klosterleben. Er liebte seinen Orden, prieS die Heiligen seines Ordens und war seinen Obern so pünktlich gehorsam, daß er einmal zum Feste des HI. JgnatiuS, weil es der Rector wünschte, obwohl Jeder daran zweifelte, im größten Gußregen in daS Colleg. nach Klattau kam. Zumeist wegen seiner Verdienste und Liebe zu den Menschen kam die Gesellschaft Jesu ungeachtet der frühern Abneigung gegen dieselbe in Aufnahme und wurde beliebt. Kaiser Ferdinand II. ertheilte zwar die Erlaubniß zur Errichtung des Kollegiums in Klattau. Da aber wegen der damaligen schweren Kriegözciten eS den Ordensindividuen an NahrungSauellen gebrach, sammelte P. Chanowsky im ganzen Kreise milde Gaben, trug sie nach Klattau für seine Brüder, schaffte die HauSgeräike an durch die Unterstützung von Seite frommer, reicher Frauen, vornehmlich solcher, die er von der Ketzerei erst unlängst zum kath. Glauben bekehrt hatte. Und va er die sichere Hoffnung hatte, daß daS Colleg. zu Klattau bald gegründet werde, kündete er es von Freude entzückt in einer Predigt an. Im Jahre 1635 erhielt er ein dem FiScuS verfallenes Haus zum Baue des Kollegiums zu Klattau; der oberste Kanzler Böhmens, Adam von Martinitz, schenkte dazu 10,000 fl., und seine Tochter, Ottilia Gräfin von Kolowrat, schenkte 30.000 fl. Im Jahre 1636 wurden die Jesuiten in Klattau»eingeführt, die herrliche große Kirche aber, die mit den großartigen Galerien 10,000 Menschen fassen kann, wurde erst i. 1.1675 vollendet. P. Albrecht Chanowsky wurde von Schütten- hofen krank nach Klattau gebracht und starb 1643 den 16. Mai um die dritte Morgenstunde, währsnd man ob seiner Wohnkammer ein Licht erblickte, und wurde, da die Kirche noch nicht bestand, in der Jesuitencapelle begraben. Er war 62 Jahre alt, 42 Jahre im Orden, sein Gesicht war sanft, seine Augen stets zum Himmel gerichtet, die Gestalt hoch, daS Gesicht blaß und immer lächelnd, die Haare kurz und schneeweiß. Sein Biograph sagt von ihm, daß er die Gabe vieler Heiligen gemein hatte, zu gleicher Zeit an mehrern Orten gesehen worden zu seyn, im Collegium und um dieselbe Stunde einige Meilen weit bei einem Kranken. Auch soll er, obwohl alt und kränklich, schneller als der Wagen, der ihn einholen sollte, an Ort und Stelle eingetroffen seyn. Die Menschen sprachen von ihm nie anders als von einem Heiligen. Glaubenstöne aus der Mark. (Schluß.) Um den Leser mit der Beweisführung und der Eregese des Verfassers einigermaßen bekannt zu machen, wählen wir jene Stellen auS dem N. T., über deren Erklärung sich eine Legion von Eigenmeinungen nur unter den älteren Theologen der lutherischen Kirche gebildet hat, und welche Luther selbst für „einen finstern Spruch" erklärt, und „daß er nicht wisse, was Sct. Peter meine." DaS heißt also, nach seinem kirchlich politischen Interesse hält er keineswegs für gut, für diesen, wie wir sehen werden, ihm kritischen Punct die beilige Kirche zur Pathe zu nehmen; vielmehr thut er ganz, als hebe diese mit ihm erst an." 1) ES ist die Stelle 1. Petr. 3, 19. 20: „In demselben (Geiste) kam er (Christus) auch zu den Geistern, die im Gefängnisse waren, und predigte denen, welche einst ungläubig waren, als sie in den Tagen Noah'S sich auf Gottes Langmuth verließen, da die Arche gebaut ward u. f. w." Also 1. „in demselben Geiste." Dieses verstehen wir nun schon; 2. „kam er auch" das x«/ „auch" zeigt eine Ergänzung in dem folgenden Zusätze an, ein Werk Christi, welches ebenfalls bei seinenv Niedergange in die Unterwell stattgefunden hat. So wird unser Abendroth der Sonne Andern ein Morgenroth. Die Sonne rastet nicht. Und wenn jenen daS Scheiden der Sonne kommt, dann wird dieses uns wieder ein Morgenglanz. — Daß Christus bei seinem Niedergange in die Unterwelt erstlich in das Paradies gegangen ist, tehrt deutlich und klar sein dem Schächer am Kreuze gegebenes Wort. Dieses Para- 357 dies war, wie dem Schächer, so Allen im Volke Israel, aus der Lehre klar und verständlich. ES braucht also der heilige PetruS hierüber in unserer Stelle kein Wort zu verlieren, sondern diese That Christi in dem xa/ „auch" nur anzudeuten. Zuerst ist er also in das Paradies als Erlöser gegangen. ES ist mit dem Sündenfalle entrückt. ES ist so das vorläufige Behältniß für die Seelen der Gerechten bis auf Christus. Nun erscheint dieser, der Erlöser, in seinem ErlösungSwerke selbst auch sür die, welche „unter der Erde" sind, und wird Jacobs Sehnsucht bei seincui Sterben: „Herr, ich warte auf dein Heil!" (1. Mos. 49, 18) in letzter Instanz befrie» digen. Geschieht dieses, so wird auch daS Paradies selbst eine Aenderung, die Erl ösung, erfahren. Hier müssen wir zu dem xc>i zunächst weiter 3) das x»^<7<7etv: „er kam zu den Geistern und predigte," verstehen lernen. /ü^ovetv. predigen, hebräisch ist dasselbe, was Kap. 2,6, erläutert ist durch e^a^eA^v. Es wird in profanem Sprachgebrauche von Herolden gebraucht, von den Boten deS Königs, welche als Stellvertreter desselben etwaS verkünden, waS daS Publicum betrifft, und mit ihrer empfangenen Botschaft vor demselben hergehen. Uebcrtragen wird eS von der Predigt des Evangelii gebraucht: daß Gott also die Welt geliebt hat, daß er seinen eingebornen Sohn gegeben hat! auf daß alle, die an ih» glauben, nicht verloren gehen, sondern das ewige Leben haben. So predigt also Christus auch den Geistern im Gefängnisse dasjenige, waS für sie darauf Bezug hat, und zwar einer gewissen Masse derselben. Merken wir nochmals auf daS Wort xai, „auch" predigte er. Also zunächst hat er denen, die im Paradiese sind, für ihr besonderes Bedürfniß das in Ihm zur Erlösung zum ewigen Leben und zur Seligkeit für sie enthaltene Heil verkündet. Hier geschieht in beiden Fällen, für die im Paradiese und sür die an dem Orte der Qual, dasselbe: er erfüllt die Weissagung des Propheten Jesaja in äußerster, letzter Instanz: „er predigt den Gefangenen ihre Erledigung." Vcrgl. auch Luc. 4, 18. WaS der Sohn verkündet, daS bestätigt der Vater den Harrenden im Paradiese sofort durch die That: „Die Gräber thaten sich auf und standen auf viele Leiber der Heiligen, die da schliefen, und gingen aus ihren Gräbern nach seiner Auferstehung, und kamen in die heilige Stadt und erschienen Vielen." Matth. 27, 52. 53. So wurde die Predigt Christi denen im Paradiese, den Patriarchen und den Gerechten in Abrahams Schooße, in limbo pstrum, gebracht zu ihrem Troste in der Erfüllung ihrer Hoffnung, so wurde dieselbe mit der Auferstehung Christi, des Erstlings von den Todten, auch durch die mit ihm Auferstandenen, den Heiligen auf Erden, zu ihrer seligen Hoffnung bekundet. Nun verstehen wir den heiligen EpiphaniuS, wenn er mit den andern Kirchenvätern erklärt (Häres. 69): „Die Gottheit Christi vermochte Alles zu bewerkstelligen, waS Bezug auf das Geheimniß seiner Leiden hatte, und mit der Seele hinabzusteigen in die Unterwelt, um denjenigen heiligen Patriarchen, die vor ihm dorthin gegangen, daS Heil zuzuwenden." Nun ist der von der katholischen Kirche geglaubte und bekannte limbus pstrum sonnenklare Wahrheit und wahrlich keine Fabel, eS sey dcnn, daß jemand aus Leidenschaft oder verstockt und wissentlich die Augen der Wahrheit verschließen wollte. Die Bibel enthält diese Lehre so deutlich wie andere Lehre». Aber wir verstehen auch die Bibel nicht mehr, wenn wir die Tradition der heiligc» Kirche verwerfen. WaS wird nun aus dem Paradiese? „ES hört auf, ein Gefängniß zu seyn. AuS seiner mit dem Sündutsalle eingetretenen widernatürlichen Stellung zunächst zum Himmel tritt eS in die reine Bestimmung der Vorhalle des Himmels zurück: Die Verbindung ist offen, wie Adam mit dem Herrn im unmittelbaren Umgange stand, die Thüre ist nicht mehr verschlossen. Es waltet fortan freier Eingang und AuSgang, und dadurch geht eS in den Himmel auf. Hiermit stimmt nun auch vollkommen, und beweist also für die Lehre der katholischen Kirche, der heilige Paulus. AIS Apostel wird er, laut 2. Kor. 12, 2, „entzückt bis in den dritten Himmel," und zugleich erklärt er V. 4, er sey entzückt worden bis in das Paradies. Dadurch ist klar, daß der dritte 358 Himmel und das Paradies, nach der Himmelfahrt unseres Heilandes, als verbunden, als ein Gemeinsames erscheinen, so zu sagen, als identisch der That nach und als unterschieden nur noch dem Namen nach. So heißt eS denn auch, Ossenb. 14, 13: „Selig sind die Todten, die in dem Herrn sterben von nun an. Ja, der Geist spricht, sie ruhen von ihrer Arbeit, und ihre Werke folgen ihnen nach." Aber, kann nun eingewendet werden, das Paradies steht ja doch nun leer? „Keineswegs." DaS zeigt schon Paulus dadurch, daß er dort unaussprechliche Worte hört. In die Stelle derer, welche dasselbe verlassen, ziehen ja, kraft derselben Predigt Christi, welche den Himmel für die Seelen im Schooße Abrahams bewirkte, nun ins Paradies zunächst schon diejenigen Geister ein, welche von der Pein in den Flammen und aus dem Orte der Qual in der Unterwelt ihre Erledigung finden. Aber hierin müssen wir unsern Tert ansehen. „In demselben (Geiste) kam er" u. s. w. Auch vor Abraham war schon die Kirche vorhanden. Noah war ihr Prediger, Priester und Patriarch. Die Geister, welche hier als im Gefängnisse befindlich von dem heiligen Petruö angegeben sind, werden Kap. 4, 6 „Todte" genannt. Sie sind offenbar im Gegensatze zu denen so genannt, welche nach Christi Aussage im Paradiese „Gott leben." Doch ist dieser Tod nicht zu verwechseln mit „dem andern Tode," mit dem Zustande der ewigen Verdammniß in der Hölle, welchen wir Ossenb. 20, 14 kennen lernen. Die Geister sind zu diesem Orte der Qual grkommen, an welchem auch der reiche Mann Pein leidet in den Flammen. WeShalb? Weil sie einst ungläubig waren; aber später, als daS von Gott durch Noah verkündete Strafgericht Gottes hereinbrach, kamen sie noch zur Buße und Umkehr. 5) Ein ernster Beleg zu der Mahnung: Spare deine Buße nicht auf, bis du krank werdest, sondern bessere dich, weil du noch sündigen kannst. Verziehe nicht fromm zu werden, und harre nicht mit Besserung deines Lebens bis in den Tod! — Eine Masse aus den Todten und zwar Gleichverschuldete und zu gleicher Zeit Gestorbene werden hervorgehoben. Kraft desselben Opfertodes Christi gelangen sie aus dem Orte der Qual und aus ihrem Gefängnisse, kraft dessen das Paradies vom Herrn auch dem Schächer zuertheilt wurde, weil er bußfertig sich noch in seinem Leiden zu Christo bekehrte. Dieses lehrt unS, daß die Gnabö Christi für jeden dieser beiden Fälle vorhanden blieb, daß aber keineswegs alle Sünden von Christo (gänzlich, ewig ausgenommen bleibt die Sünde wider den heiligen Geist) in diesem Leben vergeben werden, sondern erst in jenem Leben, ^) nachdem der letzte Heller bezahlt, und die erforderliche Reinigung der Seele erfolgt ist, ich kann sagen, nachdem die Seele von den sündhaften Schlacken gereinigt, und ihr Metall so ausgeschmolzen worden ist. Dann folgt die Verbindung mit dem Bräutigam der Seele, die Durchdringung mit der Gnade in göttlicher Entwicklung. Wir sehen weiter, daß die Opferkraft Christi eine Milderung, einen Erlaß in der Gefängnißzeit herbeiführen kann. Wenn aber ChristnS durch seine Predigt zuerst in die Unterwelt die Erledigung bringen und dadurch in unserm letztern Falle denen im Gefängnisse dasjenige gewähren konnte, was zur Abkürzung ihrer Gefangenschaft diente, so sehen wir damit: 1) daß das Reich, die Kirche Christi, auf der Ober- und Unterwelt insofern den engsten Zusammenhang hat, daß dieselben Gnadenmittel nach der HeilSordunng für beide Theile gelten, so weit nämlich noch Seelen der Erlösung in der Unterwelt bedürftig sind; 2) daß also anch die von Christo der Kirche übertragene Macht der Gnade znr Vergebung der Sünden, zu lösen und den Himmel aufzuthun, daS Amt der Schlüssel, sich auf die Unterwelt erstreckt." — „Wir können also zur ergänzenden Bestimmung der zweiten Abtheilung des HadcS zurückkehren. AuS ihrer Benennung „Kerker" oder „Gefängniß", wie Matth. 5, 25, ! >: !, ^ !,. ,1-tt ,hkvKhüK'Ä»il' »MgUM^ÄjÄ^MttH tMvck.sV .nsHoickij ') Vcrgl. hiemit die 20. Bemerkung in der Alioli'schen Bibelübersetzung zu gedachter Stelle 1. Petr. 3, 20. A d. E> —) Besser formulirt wird dieser Passus lauten: daß auch in dem andern Leben Sünden gesühnt . und erlassen werden können. - A. d. E. 359 und daraus, daß von denen, welche darin sind, gesagt wird (i. Petr. 4, 6), daß sie gestraft werden, sehen wir, l) daß dieser Kerker eine Strafe der Entbehrung mit sich bringt, 2) aber auch eine positive Züchtigung. Dasselbe sehen wir von dem reichen Manne. AIS er, gefangen gehalten, seine Augen aufhebt und LazaruS steht in Abrahams Schooße, leidet er die Strafe deS Verlustes, und als er rufen muß: ich leide Pein in dieser Flamme! leidet er die Strafe der Empfindung, d. i. andere positive Züchtigungen. Nehmen wir nun zusammen, daß der Kerker und der Ort der Qual in dem Hades liegt, daß er Seelen der Art. wie wir vorhin sahen, zum Besten, also zur Läuterung dient, und daß sie dabei ebengezeigter Weise büßen, biö sie durch Christus krast seines Opfertodes in das Paradies hinüber gelangen: was haben wir in dem bösen Orte deS HadeS überhaupt? — Wir wollen eS unS durch die Kirchenväter z. B. durch den heiligen HermaS, durch JrenäuS, durch TertullianuS, durch Cyrillus von Jerusalem, CyprianuS, Clemens von Alerandrien, OrigeneS, ChrysostomuS, LactantiuS, HieronymuS, AugustinuS, AmbrosiuS, PrudentiuS u. A. sagen lassen, durch die ältesten kirchlichen liturgischen Formulare, durch die alte griechische wie lateimsche Kirche, ja durch die Beibehaltung von beiden getrennten altorientalisch christlichen Parteien: — wir haben daS kurgatorium, daS Fegefeuer!" Wir haben aus der vortrefflichen Schrift deS Pf. Lütkemüller mit Absicht seine Ansicht über die Kirche, den Cölibat und daS Fegfeuer hervorgehoben, weil diese Trias in der Regel die Angriffspunkte der Feinde der katholischen Kirche bilden, und wir wiederholen die Versicherung unseres Bedauerns, nicht noch mehr z. B. über den Primat, daS heilige Meßopfer, Gemeinschaft der Heiligen u. s. w. hervorheben zu können. Von der Wahrheit, der unumstößlichen Wahrheit seiner aufgestellten und durchgeführten Glaubenssätze ist der Verfasser so sehr überzeugt und so tief durchdrungen, daß er alle redlichen und wackern Sucher und Kämpfer der Wahrheit auf Seite des Protestantismus nicht als Feind, sondern als Freund im höchsten Sinne, und als langjährigen, erprobten Waffengenossen zu einem brüderlichen Wettstreite zur größern Ehre Gottes herausfordert. Wie sehr er die Zeit ersehnt, daß noch Eine Heerde und Ein Hirt werde, weil doch Christi Werk Niemand hindern kann, möge er uns mit seinen eigenen Worten sagen: „O komm, du ersehnte Zeit, über mein deutsches Vaterland, bringe ihm den Frieden und heile seine Wunden, seine Zwietracht! Kehre wieder, du germanisches Zeitalter der christlichen Kirche! Nicht in dem Abfalle der Völker von der Kirche, wovon unsere deutsche Geschichte namentlich zu sprechen weiß, kommt der Friede, nicht in dem Widerstande von Kaisern, den sie der Kirche persönlich entgegensetzten, nicht in dem Abfalle von Fürsten ruht der Friede, nicht in dem Unternehmen von Theologen und Philosophen, die Kirche mit der Schärfe ihres Verstandes zu ertheilen. Diese Krankheit war unter unS Deutschen schon vor der Reformation eingerissen, und die Reformation deS löten Jahrhunderts machte diesen Krebsschaden unter unS nicht gut, sondern führte ihn gar zum AuSbruche. Unsere, von Jedermann unter uns empfundene, beklagte Zerrissenheit bis auf dem politischen Gebiete, ja bis in die Ehen, sie hat den Einen Grund der Entfernung von uns selbst, von Gott und von seiner heiligmachenden Gnade im tiefsten Innern. — Darum: Was uns Deutschen hoch noth thut? ES ist die Rückkehr zu der heiligen Kirche." Wie der Verfasser seine Schrift mit der Widmung „der heiligen allgemeinen d. i. katholischen Kirche" begonnen hat, so beschließt er sie mit dem Decrete deS tridentinischen Concils, 8ess. XXIV. über daS Purgatorium. DaS letzte bildliche Zeichen krönt den Schluß, eS ist das Siegeszeichen des Christenthums: I. U. 8. mit Kreuz und Nägeln, und das fast letzte Wort ist — Iesuite n-M issionen! (K. BI. a. Fr.) Jesuitenmiffio» in Bamberg. Bamberg, 30. Oct. Unsere Erwartungen sind in die schönste Wirklichkeit getreten. Schon am frühen Morgen des Sonntages füllten sich die weiten Räume 360 der ehemaligen prächtigen Jesuitenkirche zu St. Martin mit einer überaus großen Schaar der Andächtigen. Um 8'/, Uhr des Morgens wurden die bereits eingetroffenen Väter der Gesellschaft Jesu, nämlich die Herren Patres Roder, Anderledy und Fruzzini vom Klerikalseminar auS, woselbst sie ihre Wohnung nahmen, von einer Deputation des hochwürdigsten Domcapitels in die gedachte Kirche geführt, woselbst der hochwürdige Herr Generalvicar Deinlein die bezeichneten Väter der Versammlung der Gläubigen vorstellte, und sie im Namen deS hochwürdigsten Herrn ErzbischofcS von Bamberg sür die Dauer der Mission mit der geistlichen JuriSdiction bekleidete. Hierauf trat der ganze anwesende Klerus zum Altar; eS wurde der Hymnus Vsni 8gnete 8piriw8 intonirt, und nach Beendigung deS vom Volke gesungenen Predigtliedes hielt Herr Pater Roder die Eröffnungsrede. Er verbreitete sich darin über den Zweck einer Mission. Se. Ercellenz unser hochwürdigster Herr Erzbischof celebrirte hierauf daö Hochamt bei ausgesetztem Allerheiligsten. Nachmittags 2 Uhr entwickelte Herr Pater Anderledy in einer einstündigen Rede den Begriff der Religion, worauf die Ablaßandacht abgehalten wurde. Abends 6 Uhr handelte die Predigt, welche Herr Pater Fruzzini hielt, von der Bestimmung deS Menschen. Mit derselben wurde ganz nach Angabe des Programmes die Misercre-Andacht in Verbindung gesetzt. Am Ende dieser Andacht ertönte zum ersten Male und so fort bisher die große Glocke, welche die Bestimmung hat, täglich zu dieser Abendzeit die andächtigen Bewohner der Stadt zum Gebete um Bekehrung der Sünder aufzufordern. Dieses Gebet findet in der Kirche von Seite der höchst zahlreichen Versammlung in lautloser Stille statt. Vom darausfolgenden Montage an ruft täglich Morgens 5 Uhr das feierliche Glockengeläute das Volk zur Kirche. Zur gedachten Stunde wird das Allerheiligste ausgesetzt, und eS beginnen die heiligen Messen Die erste Predigt Morgens 6 Uhr am gedachten Tage hielt P. Fruzzini über die Bestimmung deö Menschen; nach derselben fand, wie bisher täglich, die gesungene Pfarrmesse statt. Um 8'/z Uhr entwickelte P. Roder den Begriff von Gut und Bös, worauf ein Hochamt folgte, welches während der Mission täglich abwechselnd von Mitgliedern deS hochw. DomcapirelS, von den Stabtpfarrern und von einzelnen Professoren celebrirt wird. Um 11 Uhr wird die letzte heil. Messe gelesen. Nachmittags 2 Uhr sprach P. Roder von der Generalbeicht, Abends 6 Uhr P. Anderledy von der Sünde. Dienstags handelte die erste Rede von der Reue (P. Ottiger, welcher inzwischen als vierter Missionär eingetreten ist) die zweite von den Folgen der Sünde, (P. Fruzzini), die dritte von den Pflichten der Jünglinge und Jungfrauen (P. Roder), die vierte von der Unsterblichkeit (P. Anderledy); am Mittwoch die erste von der Hölle (P. Anderledy), die zweite von der Sünde des Aergernisses (P. Ottiger), die dritte von der Sünde der Unkeuschheit (P. Fruzzini), die vierte (welche alö eine außerordentl. Nachmittags 4 Uhr in der Kirche zu U. L. Fr. stattfand) von den Pflichten der Kinder, die fünfte von der Göttlichkeit der Beichtanstalt (P. Roder); am Donnerstag die erste von der Heilsvergessenheit (P. Anderledy), die zweite von der Gewissenserforschung (P. Fruzzini), die dritte von den Pflichten der Jünglinge und Jungfrauen (P. Roder), die vierte vom Tode (P- Ottiger); am Freitage die erste vom Gericht (P. Fruzzini), die zweite vom Lesen schlechter Bücher (P. Anderledy), die dritte von den Pflichten deS Ehestandes (P. Roder); die vierte setzte daS Thema von der Unkeuschheit fort (P. Roder). In der bezeichneten Weise wird die Mission fortgesetzt werden. UeberauS groß ist die Theilnahme des Volkes. Nicht bloß die ganze Stadt Bamberg nimmt den erfreulichsten Antheil, sondern auch auf 16 Stunden hin und darüber erscheinen die Bewohner deS Landes und der benachbarten Städte; auch große Schaaren aus dem benachbarten BiSthume Würzburg. Auö einigen benachbarten Pfarrorten kamen Processionen, von ihren Seelsorgern geführt, und noch andere dergl. werden erwartet. Seit dem Nachmittage deS letzten Mitwoch wird in allen Kirchen der Stadt von zahlreichen Priestern daS heil. Bußsacrament gespendet. Herzbewegend ist der Zudrang zum Bußgerichte. Am morgigen Sonntage wird Nachmittags 2 Uhr eine feierliche Procesfion auS der MissiouSkirche zur Pfarrkirche zu U. L. Fr. stattfinden. (K. Bl. a. Fr.) _ Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. VerlagS-Znhaber: F. E. Kremer.