Zwölfter Jahrgang. Sonntags-Beiblatt zur Augsburger Pojtzeitung. 14. November ^ !85>s. Dieses Blatt erscheiut regelmäßig alle Tonntage. Der halbjährige Abonnementsprei« TV kr., wofür e« durch alle köm'gl. bayer. Postämter und alle Bochhaudluugen bczogeu werde» kauo. Schreiben des hochwürdigsten Erzbischofs von Tuam in Irland an Se. Ercell. den StaatSminister Herrn Grafen von Derby, über die kirchlichen Verhältnisse Irlands. Jalaths, Tuam, am Feste der sieben Schmerzen der allerseligsten Jungfrau, l9. September t3SL. Excellenz! Die Anhänger der protestantischen Hochkirche haben in Irland viel Aufsehen und großen Lärm erregt. Sie entblödeten sich nicht, die schamlosesten Lügen von ihrer Ausbreitung in Umlauf zu setzen und nach allen Richtungen hin zu verbreiten. Dieß Alles ist erfolglos geblieben, und sie sehen jetzt ihr eigenes Daseyn ernstlich in Frage gestellt. Vergebens werden sie durch solche Maaßregeln ihre nahe bevorstehende gänzliche Auflösung zu hindern suchen. Bisher konnten sie das englische Volk bethören, weil sie die unerhörtesten Verleumdungen rücksichtslos und unbesorgt ausstreuen durften. Sie mögen sich auch jetzt noch immer im unbestrittenen Besitze deS Rechtes zu betrügen wähnen, ohne zu ahnen, daß Jemand an eine Enthüllung denken werde — aber sie scheinen doch wenigstens auch zu merken, daß sie sich in ihren Berechnungen geirrt haben. DaS Ergebniß der letzten Wahlen in Irland hat sie mit einer Angst erfüllt, welche sie gerne verheimlichen wollten; aber ihre überlaute freche Prahlerei zu einer Zeit, wo die Welt den Sturz des hochkirchlichen Parlamentes mit eigenen Augen sieht, und der thatkräftige Widerstand eines Volkes, welches seine Freunde für zertreten hielt, sind zu offenkundige Beweise und Gründe ihrer schrecklichen Befürchtungen. Wir können wohl diese bebenden Sachwalter in dem süßen Tranme von ihren Fortschritten belassen, während wir vor dem unparteiischen Richterstuhle die unläug- bare Behauptung aussprechen, daß die letzte Stunde der protestantischen Hochkirche geschlagen har. Die Times, dieses getreue Organ der Hochkirche — wenn eine verworrene und launenhafte Einrichtung diesen Namen verdient — mögen wüthen und schnauben und blitzen und wieder und wieder den schrecklichen AuSbrüchen ihrer Fieberhitze über den unverbesserlichen Starrsinn, womit der celtische Stamm an seinen alten Gebräuchen klebt, Luft machen, und das andere weniger geräuschvolle, und gleichsam harmlose literarische Gewehrseuer möge demselben Zuge sich anschließen. Sie müssen Alle unserm Zwecke dienen, und wider ihren Willen den Sturz der protestantischen Hochkirche gleichsam laut bezeugen, da sie ja selbst weit und breit die Verzweiflung bekannt machen, welche sich ihrer Träger bemächtigt hat. Sie mögen in ihren feilen Spalten die lächerlichen Lügenberichte ihrer irisch-protestantischen Korrespondenten über den Fortschritt der sogenannten Reformation in Irland und über die neue Begeisterung deS Volkes für die Reinheit und 3S2 Vortrefflichkeit der Sitten, wodurch dieselbe sich in England auszeichnet, ruhig aufnehmen. Ew. Ercellenz werden, denke ich, mit den Times gerne glauben, daß das Celten-Volk am Hergebrachten festhält, und vor allem an seinem hergebrachten Glauben und seiner reinen Sittlichkeit. Deßwegen sollte auch daS englische Volk nicht so leichthin glauben, daß das irische Volk wegen seines langen Zusammenlebens mit dem Sachsenstamme nun auch dieses sein brutales System zur Entsittlichung der Gesellschaft liebgewonnen habe. Gleich einem Krebsschaden frißt diese Lehre um sich und hat alle bürgerlichen und sittlichen Tugenden in England untergraben, wie in der Neuzeit die vielen Untersuchungen über Kindermorde, durch unverheirathete Frauenzimmer verübt, leider zu klar beweisen. Und doch find dieß lauter Handlungen, welche, dürfen wir den Lobrednern dieses sittlichen Volkes Glauben schenken, der unmittelbare Ausfluß jener protestantischen Lehre sind, für deren Verbreitung in Irland man, Gott sey Dank umsonst, so viel arbeitet. Ercellenz, durchdrungen von der Ueberzeugung, die jeder wahre Christ theilen muß, von dem unheilvollen Einfluß einer solchen schauderhaften Sittenlosigkeit auf das ewige und nicht minder auf daS zeitliche Wohl des Menschen, könnten daS Volk und die Priesterschafl Irlands unter keiner Voraussetzung ruhig die Hände in den Schooß legen, indem sie die Versuche zur Ausbreitung dieser so verderblichen Grundsätze vor Augen haben. Man wirft uns vor — und dieser Vorwurf gereicht uns gerade zum größten Lobe — daß Irlands Volk eine so große Verehrung für das Alte hegt und mit einer Anhänglichkeit zu seinen Geistlichen hält wie keine Nation auf Erden. Diese Anhänglichkeit an seinen Klerus hat eS genügend in seinen letzten glänzenden Siegen über den furchtbaren Bund bewährt, den Pietismus und Macht geschlossen hatten. Man hatte beabsichtigt, die Wahlfreiheit zu einer VersolgungS- waffe gegen seinen Glauben zu gebrauchen, und nun ist sie durch sein Bemühen zu einem Schutz und Schild desselben geworden. Können diesemnach Ew. Ercellenz, ja sollte der leichtgläubigste Pietist, der auf Mährchen lauscht, dem Gedanken Raum geben, die Jrländer würden jemals zur protestantischen Religion übergehen? Religion darf man eigentlich auch nicht sagen, sondern Legion ist der Name, denn sie sind zahlreich. Wie werden Ew. Ercellenz diese LoStrennung des Volkes von den katholischen Geistlichen und dieses gänzliche Aufhören ihres Einflusses mit der furchtbaren Wuth in Einklang bringen, zu welcher sich alle englischen Journalisten — Whig, Tory, Radikalen — haben hinreißen lassen? Dürfte nicht die Wahl von eilf katholischen Parlamentsmitgliedern in der Provinz Connaught, welche doch nur die geringe Zahl von dreizehn zu wählen und mit der hitzigsten Opposition zu kämpfen hatte, ein hinreichender Beweis seyn, daß daS sächsische Religionswesen unter den celtischen Bewohnern dieses westlichen Striches außerordentlich wenig Anklang findet? Ew. Ercellenz besitzen doch zu viel Ehrenhaftigkeit, um dieses in Abrede stellen zu wollen, und werden vielleicht recht bald eine ähnliche Ueberzeugung durch die Abstimmungen und daS Auftreten der Parlamentsmitglieder gewinnen. Wir werden dann wieder Gelegenheit haben, die Kundgebungen der Theilnahme der Sachsen gegen unsere auch zu sehr übertriebenen Fehler und Schwächen, nicht weniger aber die gewohnten AuSbrüche von Wuth und Rache über die wachsende Stärke und Herrlichkeit der katholischen Kirche in Irland anzuhören. Ja gerade diese feste Ueberzeugung von der tief eingewurzelten Anhänglichkeit der katholischen Bevölkerung von Irland an ihte Religion, und thr unabänderlicher Entschluß, dieselbe nicht bloß zu erhalten, sondern auch einen kühnen, gesetzmäßigen und konstitutionellen Kampf gegen den Moloch der StaatSkirche aufzunehmen, hat diese veranlaßt, neuerdings eine beträchtliche Schaar Prediger und Kirchendiener in diese Gegend zu beordern, und dafür schwere Frachtladungen von Lügen und Dichtungen über errungene Siege im Westen Irlands einzutauschen. Auch diese Umtriebe wird man nicht länger fortsetzen, da doch das Schicksal jedes neuen vergeblichen Versuches den klaren Beweis liefert, daß die Tage der Hochkirche gezählt find. Wenn aber diese geschlossene Reihe irischer Parlamentsmitglieder, welche eine noch stärkere 363 Regierung als die jetzige stürzen könnte, das Land einmal von dem Alp, welcher alle seine Anstrengungen hemmt, befreit hat, so werden sie schon von selbst den AuSgang der neunten oder zehnten Reformation im Süden oder Westen von Irland nicht abwarten. Nein, sie werden nicht zuwarten, noch auf jene süßen Versprechungen hören, deren sich die Tory- und Whigminister gleich listig zu bedienen wissen. Denn dieses ächte Celtenvolk, das in England als protestantisirt gilt, hat seinen Vertretern die Weisung ertheilt, nicht nachzugeben, noch ein Amt anzunehmen, noch irgend welche Gunst vom Ministerium, bis dieses Land von dem Drucke dieser StaatSkirche, von welcher nur schamlose Verleumdung behauptet hat, daß sie ihm zusage, befreit worden ist. Weit besser und vernünftiger wäre es daher, wenn diejenigen, welche diese Lügen von dem Fortgange der Reformation in Irland aussinnen, sich um ihr eigenes HauS bekümmerten, und sich in das allgemeine Schicksal aller menschlichen Dinge, dem auch dieses Menschenwerk nothwendig anheimfallen muß, zu fügen suchten, als daß sie unausgesetzt das Volk des einen Landes verleumden und das Volk deS andern Landes betrügen, indem sie staunenswerthe Nachrichten von erdichteten Wundern aus dem Westen Irlands mittheilen, mit denen die verbürgten Wunderberichte, welche von ihnen lächerlich gemacht werden, gar keine Aehnlichkeit haben. Die Engländer werden gerechtigkeitSIiebend genannt; wir dürfen aber nicht vergessen, daß sie selbst sich dieses Lob in Schrift und Rede beilegen. Ich glaube nicht, daß ihre Gerechtigkeitsliebe reiner und hochherziger ist als ihre vielgepriesene Freiheitsliebe, welche den besten und größten Theil für sich beansprucht und Andern nur einen geringen Antheil verstattet. Ihre Liebe zur Liederlichkeit steht, so weit Irland in Betracht kommt, durchgängig hinter dem gespendeten Lobe zurück. Aus diesem triftigen Grunde ist eS auch keine vergebliche Arbeit, wenn ich die Widerlegung der Verleumdungen von Uebertritten in Irland, welche keinem andern als dem englischen Volke glaubwürdig erscheinen, begonnen und ausgeführt habe. Diese Verleumder kann man heute und morgen widerlegen, mit derselben Unverschämtheit im Verleumden treten sie doch vor den Hintergangenen Engländern wieder damit auf. Von der Gerechtigkeit der englischen Nation haben wir daher wenig zu erwarten. Sie wird diesen Uebelstand — diese reiche Quelle von Jammer und Zwietracht — nicht heben, aber die Begeisterung deS irischen Volkes für seinen Glauben, sein fester Entschluß, das englische Volk durch die Haltung der irländischen Mitglieder im Parlamente zu überzeugen, müssen endlich siegen. Ihre Summen — der klare AuS- spruch deS Glaubens und der Gefühle der celtischen Bevölkerung — werden deutlicher als Alles, waS man sagen oder schreiben könnte, zeigen, daß sie keine Zuneigung zum Protestantismus haben. Ist so im Parlamente der Ueberzeugung Bahn gemacht, so werden auch die gedungenen Vorleser — wenn man sie Leser nennen soll, obgleich sie kaum buchstabiren können — und Prediger, welche hinter diesen Vor« läufern von Lug und Trug auf reichen Gewinn ausgehen, bald gewahr werden, daß sie, anstatt die gehofft« .Ausdehnung der Hochkirche zu sehen, sich eine bedeutende Minderung deS Gebietes nach den Forderungen der Gerechtigkeit und einer vernüns- ttgen Politik gefallen lassen müssen. Die Bewerber um dergleichen Stellen bilden sich ein, sie fänden Glauben für ihre übertriebenen Berichte und doch rufen sie nur Spott und Verwünschungen hervor. DaS englische Volk ist in der That niemals so großartig hintergangen worden, als durch die Berichte von der neuen Reformation, denen eS zur Selbsttäuschung so gerne zuhört. Der Klerus von Irland ist nicht gewohnt, mit Schatten zu kämpfen. Spricht man daher von Uebertritten im westlichen Irland und gibt die ungefähren Zahlen derjenigen an, von denen man sagt, daß sie zu den Versammlungen deS Irrthums gekommen sind, so sollte man bei der Angabe die genauen Bestimmungen von Namen und Ort und Zeit — das sind die wohlbekannten Prüfsteine der Wahrheit und Glaubwürdigkeit — doch nicht vergessen. Warum bleiben diese gerade durchgängig bei den wunderlichen Darstellungen von dem Fortgang der Reformation, wo- 3S4 mit man das englische Volk zu ergötzen sucht, ganz außer Acht? Doch wohl nur, weil eS weit leichter ist, falsche Nachrichten unter dem Deckmantel der Allgemeinheit zu verbreiten. Wenn nun auch diese Betrüger sich schon lange ungestört mit dem Betrüge abgaben und ausstreuten, daß in dieser Diöcese Massen Eingeborner — Tausende, wenn man ihnen glaubt — überträten, so fordere ich doch jetzt dieselben hierdurch auf, nicht nach Tausenden oder Hunderten zu zählen, sondern die Plätze anzugeben, wo ihrer fünfzig oder zwanzig, oder zehn sich aufhalten. Auf diese Weise wird eS ermöglicht, zu beweisen, ob und wie viel Glauben sie verdienen. — Die furchtbare Geißel der HungerSnoth hat überall tiefe Wunden geschlagen, welche noch nicht ganz vernarbt sind, und weit schlimmer war die Geißel der Verfolgung von Seiten deS Pietismus; deßungeachtet haben in beinahe fünfzig Pfarren dieser Diöcese die Betrüger in keiner Hinsicht festen Fuß fassen können. In den wenigen Psarren, in denen sie sich festzusetzen suchten, benutzten sie den Jammer der Eltern, welche ihre Kinder hinschmachten sahen und den Fanatismus der königlichen Aufseher bei den Arbeitshäusern. Diese vertrieben die Leute zuerst von HauS und Hof, jagten sie dann gleich nach der Aufnahme wieder aus dem Arbeitshause, oder verweigerten ihnen die zukömmliche Unterstützung, und ließen ihnen auf diese Weise bloß die Wahl zwischen jenem Verführergifte und dem Tode. Manche legten in solcher Noth ein Scheinbekenntniß auf den Irrthum ab, hielten jedoch kaum so lange aus, als das Schicksal auf ihnen lastete. Sie mögen diese in der HungerSnoth erhetzten Opfer einmal nachzählen, und eS wird sich ergeben, daß dieselben glücklich in den Schooß jener Kirche zurückgekehrt sind, die sie nur im Dränge der äußersten Noth verlassen hatten. Wenn sie sich dieser augenblicklichen AuSnahmSübertritte rühmen wollen, so sollten sie doch auch nicht vergessen, daß dieselben Zeugnisse wider ihre eigene Unmenschlichkeit und Grausamkeit ablegen — oder sollten die Aufmerksamkeit lieber nicht auf eine Vergangenheit hinlenken, welche doch nur ihren Schimpf und ihre Schande deckt. Ich will mich keineswegs in Vermuthungen erheben, noch aus den traurigen Erfahrungen, die ich hier gemacht habe, auf die auch anderwärts durch das schauderhafte Wühlen der hochkirchlichen Sendboten vorgekommenen Vertreibungen von HauS und Hof und Verfolgungen um der Religion willen schließen und anspielen. Nein, ich will berichten, was ich selbst gesehen, und anführen, waS Jedem handgreiflich scheint und wovon sich Jeder selbst überzeugen kann. Ist eS Ew. Ercellenz bekannt, daß in Connemara, dem eigentlichsn Herde dieser Wühlereien für daS Evangelium, ein achtbarer Gutsbesitzer feinen Pächtern mit Kündigung gedroht hat, wenn sie in ihren Wohnungen die Vornahme irgend einer Reli- gtonShandlung ihreö Glaubens gestatteten? Was wird daS Volk — daS gebildete Volk — Englands, dieser Lobredner ihrer Liebe zur Duldung, Gerechtigkeit und Menschenfreundlichkeit von der zarten Frömmigkeit dieser Eiferer sagen, wenn diese Häscher am 9. September einer Mutter, welche ihre beiden Kinder, die in der HungerSnoth mit Hunderten solcher Opfer zur Anhörung der schlechten Lehren gezwungen worden waren, in den Schutz der Kirche flüchten wollte, auf dem Wegenach Clifven förmlich auflauerten und ihnen die elenden Lumpen, wofür sie am Schulunterrichte Theil nehmen sollen, geradezu vom Leibe rissen, so daß die arme Mutter die Gefühle des AnstandeS unterdrücken mußte, um ihre Lieben dem Tempel GotteS zuzuführen und vor dem Unterrichte und Schicksale der Frauen zu Dorsetshire zu bewahren. Und doch versichert man uns, diese Uebertritte geschähen ohne jegliche Bestechung; während eben die Bestechung in den einzelnen Fällen einziger Grund ist, wenn Einer für Augenblicke abtrünnig schien. Man kannte wohl die eigenthümliche Liebe, welche in Connemara die nackten Waisenkinder kleidete. Aber es ist unmöglich, die tiefe Entrüstung gehörig zu beschreiben, von welcher daS gesammte Volk beim Anblick dieser halbnackten Kinder ergriffen wurde, dieser entwichenen Raudopfer, welchen die Wölfe wenigstens die Proselvtenkleidung noch ausgezogen hatten. Dieser Auftritt gab ihnen einen harten Stoß, und öffnete auch denjenigen wieder die Augen, welche durch die arge Heuchelei am meisten eingenommen waren. Der Hunger hat Viele aus dem 365 Volke hinweggerafft, aber die Kirchen in Connemara waren doch immer gedrängt voll, und namentlich bildete die Jugend einen beträchtlichen Theil.. ES zeigte fich auch keine Spur von dem sogenannten JumperiSmuS. Die Zahlverminderung in Folge deS Hungers und der Ausweisung wurde durch den erhöhten Eifer der Bevölkerung ersetzt, die sich ernstlich bemühte, dem nachtheiligen Einfluß derjenigen, welche sich gleichgiltig gegen die heilige Religion benahmen, entgegenzuwirken. Weiter schließt man auch auf den Fortschritt der Reformation von der Zahl der Bibelleser, welche auf der Küste zerstreut wohnen! Welch schlagender Beweis für c>ie Uebertritte der Eingebornen! — Diese sehen mit Verachtung und Hohn aus die Betrüger. Wo das Aas ist, da sammeln sich die Adler, und eS hat gewiß niemals ein Wasserrabe mit einem sichereren Instinkt seine Wohnung gefunden, als diese reisenden Kirchendiener und unberufenen Prediger die Stellen treffen, wo englische Gutherzigkeit für die irländischen Recruten reichlich fließt. Nun, sie bauen doch Kirchen! Die Steine müßten sprechen, und könnten, wenn sie in den kalten Mauern der Versamm- lungSplätze in der Einsamkeit zu Menschen würden, zum Zeugnisse über die Zahl der Versammlungen aufgefordert werden.^ Man sollte meinen, eS wären bei der Zählung von 1641 (glaub' ich) so viele protestantische Pfarreien mit sehr ausgedehnten Kirchenländern und Kirchen mit ragenden Thürmen in Irland ohne einen einzigen Protestanten vorhanden gewesen, daß man auf immer die Wiederholung der höhnenden Bemerkung, der Prote- stantiöm folge den protestantischen Kirchen nach, verhütet hätte. Ew. Excellenz werden meine Behauptung besser verstehen, wenn ich mich auf die Pfründe des Pfarrers Marly zu Annadown berufe. Dieser mußte mehrere Jahre lang — er erreichte ein schönes hohes Alter — geduldig die Rückkehr seines katholischen Küsters aus der heiligen Messe abwarten, damit ihm derselbe bei seinem einsamen Gottesdienste das Amen antwortete, denn er hatte sonst Niemand bei sich. Obgleich diese Abhaltung seines SonntagsgotteödiensteS traurig genug war, so konnte er sich doch nach einer längern Abwesenheit von Wochen, Monaten, ja von einer ganzen Reihe von Jahren rühmen, daß kein einziges Schäflein seiner Heerde ohne seine Gegenwart gestorben sey. Solche Vorfälle, mögen sie nun spaßhaft oder traurig seyn, müssen selbst in der ernsthaftesten Stimmung ein Lächeln hervorrufen. Aber selbst der roheste und verworfenste Mensch hat doch ein Gefühl für Recht und Gerechtigkeit, welches fich gegen die Fortsetzung eines solchen Unwesens sträubt. So gut wie Connaught könnte jede Provinz in Irland und vorzüglich Munster noch manchen solchen Marly aufweisen, abgesehen davon, daß die protestantischen Polizei- und Zollbeamten kürzlich in der Nähe einer solchen Kirche eines Pfarrers ohne Pfarrkinder angestellt und so manche künstliche Gemeinden gebildet werden. Und zur Verewigung solchen Possen- spielS, welches der katholischen Bevölkerung so lästig und für die Regierung so unangenehm ist, will man die Errichtung von kleinen Kammern — den Namen Kirche verdienen sie nicht — noch weiter treiben? Solche unsinnige und unnütze Pläne sollten doch endlich einmal aufgegeben werden. Diese so lange mißbrauchten kirchlichen Fonds sollten nach Abzug der Leibrenten ihrer jetzigen Inhaber ihrer ursprünglichen Bestimmung gemäß für fromme Zwecke der Nächstenliebe und Erziehung für Katholiken verwandt werden. Zu lange sind diese Einkünfte verschleudert worden, ohne andern Erfolg als die Fortpflanzung von Mißstimmung und die Aufrechthaltung eines unseligen Einflusses. Es würde ersprießlich seyn, wenn diese Gelder zur Erbauung und Fundirung katholischer Schulen und zur Erbauung katholischer Kirchen, und so weit die Ueberschüsse reichen, zum Ankauf katholischer Ländereien verwendet würden, alle frei und unabhängig von einer mißtrauischen Einmischung von Seite der weltlichen Macht, wie eS zuerst war, ehe diese Fonds ihren frommen Zwecken entzogen wurden. Nur unter diesen Bedingungen werden sie zurückgefordert, und unter keinen andern werden sie angenommen. Unter diesen Umständen würde eS ein großer Fehlgriff seyn, sie vorenthalten zu wollen. Es ist dieß nur eine gerechte 3S« und zwar späte Rückgabe von Eigenthum, welches lange seiner rechtmäßigen Bestimmung entfremdet war. Und was unsere Zukunft — daS tägliche Brod des katholischen KlcruS — angeht, so wird der sich ausschließlich auf jene reiche Quelle, die bisher niemals versiegte, auf die freiwilligen Beisteuern eines dankbaren Volkes verlassen. Und dieses wird mit zunehmender Begeisterung seinen religiösen Pflichten geniigen, wenn es erst durch schützende Maaßregeln die Früchte seines Fleißes genießen kann. Was die protestantische Kirche angeht, so dente man doch nicht länger mehr an deren Aufrechthaltung in Irland. Man behandelte sie vielmehr wie die Freihandelsfrage und stelle der unvermeidlich nothwendigen Fortentwickelung anheim, was ein Staatsmann nicht hemmen kann. DaS katholische Volk dieser Gegend wird nicht eher ruhen, bis eS ihre gesetzliche Aufhebung erlangt hat. — Die Art liegt bereits an der Wurzel deö BaumeS, und da die Zeit daS fluchwürdige Verderben seiner Früchte nur zu gut dargethan hat, so wird man vergebens seinen unvermeidlichen Fall aufzuhalten suchen. Ich habe die Ehre zu verharren Ew. Excellenz gehorsamer Diener -j- John, Erzbischof von Tuam. (Schi. K. Bl.) Jesuitenmiffion in Bamberg. Bamberg, 6. Nov. Um in der Darstellung der dermalen dahier stattfindenden überaus großartigen Mission fortzufahren, so handelte am letzten Samstag die erste Predigt vom Geize (P. Fruzzini), die zweite vom Mißbrauch der Rede (P. Ottiger), die dritte abermals von den Pflichten deS Ehestandes (P. Roder), die vierte vom Glauben (P. Anderledy); am Sonntag als dem Anfange der zweiten MissionSwoche die erste von Christus als unserm Beispiel (P. Ottiger), die zweite von der Bekehrung deS Sünders (P. Fruzzini), die dritte von der Verehrung Maria, außerordentlicher Weise in der Pfarrkirche zu U. L. Fr. gehalten (P. Roder), die vierte von der Gottheit Christi (P. Anderledy); am Montag die erste von der Genugthuung (P. Fruzzini), die zweite von der Verehrung der Heiligen (P. Roder), die dritte von der Gleichgiltigkeit in Betreff des Glaubens (P. Anderledy), die vierte von den Merkmalen der wahren Kirche (P. Roder); am Dienstag die erste vom Gebet (P. Ottiger), die zweite vom Gebet für die Verstorbenen (P. Fruzzini), die dritte von dem Lehr-, Priester- und Regierungsamte in der Kirche (P. Anderledy), die vierte von der Habsucht (P. Roder); am Mittwoch die erste von der Menschenfurcht (P. Ottiger), die zweite vom Oberhaupte der Kirche (P. Anderledy), die dritte von den Pflichten der Dienstboten (P. Roder), die vierte von der Versöhnung der Feinde (P. Roder); am Donnerstag die erste von der rechten Beicht und Communion (P. Fruzzini), die zweite von der unwürdigen Beicht und Communion (P. Ottiger), die dritte von der Gegenwart Christi im heiligen Altarssakrament (P. Anderledy), die vierte von den aus dieser Gegenwart sich ergebenden Pflichten (P. Roder). Am Schlüsse der letzten fand die feierliche Abbitte vor dem Allerheiligsten in Anwesenheit Sr. erzbischöflichen Ercellenz und eines zahlreichen Klerus statt. Am letzten Sonntage so wie am Feste aller Heiligen und dem Gedächtnißtage aller Seelen war daS Zuströmen von auswärtigen Andächtigen ein außerordentliches und bot ein dahier vielleicht noch nie gesehenes Schauspiel. In der großen MifsionSkirche fand man während der Predigten kaum mehr ein freies Plätzchen von den Stufen des Hauptallars bis zur großen Pforte, welche offen stand, um auch den außerhalb Stehenden nach Möglichkeit Gelegenheit zum Hören deS göttlichen - Wortes zu geben. Wer einmal in der Kirche einen Raum zum Stehen erlangt hatte, mußte unbeweglich stehen bleiben. Außerdem waren die übrigen Pfarrkirchen so wie die Kirche zu St. Jakob gedrängt voll von Beichtenden. Das Volk auS allen Ständen und mitunter von weiter Ferne wogte in der Art durch die Straßen zu den Kirchen, daß die ganze Stadt das Bild einer großartigen, wohl geordneten, bedeu- 367 tmigSvollen, erbaulichen Bewegung darbot. Man hörte von Leuten sprechen, daß sie halbe und ganze Tage in den Kirchen standen, um zur Beichte zu gelangen. ES gab Leute, welche die Kirchendiener baten, ihnen zu gestatten, ihre Andacht durch die ganze Nacht in dem Hause Gottes fortsetzen zu dürfen. Aus einigen benachbarten Pfarren, so von Hallstadt und Döringstadt, wie vorher von Trunstadt:c. kamen große Wallfahrten Hieher. Doch die großartigste Erscheinung war die Procession, welche sich am letzten Sonntag zur Verehrung Maria aus der St. Martinskirche in die obere Pfarrkirche zu unserer lieben Frau bewegte. Sie wurde eröffnet von der Jugend; hierauf folgten zwölf Jünglinge, welche daS silberne Standbild der heiligen Jungfrau Maria, umgeben von etwa 15V weißgekleideten, theils Lilien, theils brennende Kerzen in den Händen habenden Mädchen, trugen; darnach der zahlreiche KleruS der Stadt mit dem hochwürdigsten Domcapitel, in dessen Mitte sich unser hochwürdigster Herr Erzbischof zur allgemeinen Freude des Volkes befand; endlich eine unübersehbare Masse des Volkes. Wie ein Meer rauschte der Gesang „Mutter Christi hocherhoben" und „Sey gegrüßt, o Jungfrau rein" auS dem Munde von Tausenden und Tausenden. Zwischen den beiden genannten Kirchen stand nach der ganzen Breite der Straße Mann an Mann. Es war ein Triumphzug ohne Gleichen. Wer, der noch Sinn hat für das Ewige und Geistige, bewunderte nicht die Macht des Glaubens in der Stadt und dem Hochstiste des heiligen Heinrich! Am nächsten Sonntag Nachmittags 2 Uhr findet die Schlußfeier der Mission statt Kirche und Presse in Bayern. Wie soll (wenn von Kirchenfreiheit anders nur noch von Ferne her geredet werden kann) die katholische, zunächst die publicistische Presse gegenüber der Kirchenbehörde und gegenüber der Staatsbehörde stehen? Von der Beantwortung dieser Frage hängt für das Heil der Kirche vieles ab. DaS fühlen die Männer der Kirche, daS fühlen aber auch die' Feinde und Gegner der Kirche von allen Farben sehr gut. Wir wollen versuchen, darauf zu antworten. Daß die katholische Presse nicht beansprucht, im Staatsregiment mitarbeiten zu wollen, versteht sich von selbst; daß sie aber aus kirchlichem Gebiete immer innerhalb deS kirchlichen Gesetzes freie Bewegung verlangt, versteht sich auch von selbst. Jeder Bischof hat offenbar das Recht, einen Priester oder auch einen katholischen Laien, welcher Irrlehren verbreiten oder gegen die Kanones der Kirche schreiben wollte, vor sich zu citiren und mit ihm kanonisch zu verfahren; ja jeder Bischof hat sogar die Pflicht dazu. Zu diesen wie zu andern Bchufen sind ja auch die kirchlichen Gerichte in den Diöcesen anbefohlen, und sie werden sicherlich auch ins Leben treten, wenn die provisorischen Zustände einmal zu Ende gehen werden. Jeder katholische Publicist soll also schreiben, daß er sich vor dem Gerichte seines Bischofs über das Geschriebene jederzeit verantworten kann. Wie traurig wäre es selbst mit den Ueberresten freier kirchlicher Bewegung bestellt, wenn eine Kirchenbehörde deßhalb, weil ihr geschriebene Wahrheiten mißliebig sind, sich an die weltliche Behörde wenden wollte mit dem Ansuchen, eS soll eine Schrift oder eine Zeitung eines Geistlichen von Seite der weltlichen Behörde unterdrückt werden? Läge nicht schon im Betreten eines solchen heimlichen Nebenweges daS tiefinnerliche Gefühl, daß man eine unrechte That vorhabe, für welche man vor der Oeffentlichkeit nicht wagt die Verantwortung auf sich zu nehmen? Das wäre also offenbares Unrecht einer kirchlichen Behörde, ja eS wäre dann sogar eine große Pflichtverletzung, wenn eine solche Schrift für daS Recht der Kirche kämpfend einsteht; denn in einem solchen Falle ist es ja sogar Pflicht der Kirchenbehörde, dem Worte der Wahrheit Geltung und Eingang zu verschaffen und sür dasselbe einzustehen. Emen solchen Fall haben wir so eben in Bayern. Die vortreffliche Schrift: „DaS Recht der Kirche und die Staatsgewalt in Bayern" wurde für Bayern mit Beschlag belegt. Die Schrift enthält in Mäßigung, aber auch in Entschiedenheit die Forderung, daß daS Concordat solle aufrecht erhalten werden, und zeigt durch die trockene Er- 368 zählung von schlagenden Thatsachen, wie diese Ausrechthaltung bisher nicht geschehen ist, wie im Gegentheil die wesentlichsten Puncte durch Mißbrauch bis auf diese Stunde zum größten Nachtheil der Kirche umgestoßen wurden. Wie wir nun vernehmen, hat der hochwürdigste Herr Erzbischof von München-Freising bereits sich geäußert, daß er seinerseits mit dem Verbot einer Schrift nicht einverstanden seyn könne, welche den Boden der Wahrheit und des kirchlichen Rechts nicht verlasse, und die nur diejenigen gerechten Forderungen wiederholt und mit Thatsachen unterstützt, welche die Bischöfe in ihrer Denkschrift ausgesprochen haben. Was sollen aber auch die Bischöfe Bayerns von der Gewährung der in ihrer Denkschrift aufgestellten Puncte für eine Erwartung hegen, wenn eine Schrift, die dasselbe auS- spricht, was in der Denkschrift steht, und gegen welche vom kirchlichen Standpunct nur RühmenSwertheS gesagt werden kann — von Seite der Staatsbehörde den Katholiken Bayerns nicht einmal zu lesen erlaubt wird? Die Tragweite und die Folgen eines solchen Verbotes liegen auf offener Hand. Wie ehrenwerth ist der katholische KleruS während der Z?it des Aufruhrs, in ganz Bayern, besonders aber in der gefährlichen Revolution in der Pfalz dagestanden — so daß selbst König Ludwig seine offene Anerkennung darüber schriftlich und mündlich mehrmal ausgesprochen; — diesem katholischen KleruS nun dürfte doch von Seite des Ministeriums eine andere Behandlung gebühren als jene, welche demselben jetzt widerfährt. Aber die Weisheit predigt draußen, wie es im Buch der Sprichwörter im ersten Capitel heißt, und eS dürfte allen jenen, welche sich die Ohren vor der Wahrheit zuhalten, nicht schaden — wenn sie dieses Capitel vom Anfang bis zum Ende aufmerksam durchlesen wollten! (W. Kirchenz.) Nordamerika. Im vorigen Jahre entstand zu Rom eine amerikanische GcsandtschastScapelle. Die amerikanischen Gesandten zu Paris, Wien, St. Petersburg, Constantinopel und in andern Hauptstädten haben nie besondere Gesandtschaftscapellen noch Gesandtschafts- capläne gehabt. So ist eS auch in der Ordnung, denn die vereinigten Staaten Nordamerikas haben ja keine StaatSreligion, sondern sie haben die Trennung des Staates von der Kirche aufs vollständigste durchgeführt. Man kommt daher auf die Vermuthung, daß bei der Eröffnung dieser americanischen Gesandtschaftscapelle andere Zwecke verfolgt werden. Ein Geständnis; hierüber finden wir in einem protestantischen Blatte, welches unter dem Titel: „Ms cnristisn IntelliAkneer^ zu New-Aork erscheint. Dieses enthält in der Nr. vom 3. Mai 1851 einen Brief aus Rom, in welchem eS heißt: „Ich habe Ihnen gemeldet, daß hier eine amerikanische preSbyterianische Capelle besteht, deren Pfarrer der Geistliche HastingS ist. Er ist dem Scheine nach Caplaii der Gesandtschaft der vereinigten Staaten, wird aber in der That von der Gesellschaft der amerikanischen Missionen zur Unterdrückung der katholischen Kirche verwendet. Die englische Kirche wird zu Rom nicht geduldet, und diese protestantische Kirche ist nur erlaubt, weil sie sich unter dem Namen der Gesandtschaft der vereinigten Staaten verbirgt." (M. Sbl.) _ Peru. Während die Kirche in Neu-Gran ada verfolgt wird, indem man die geistlichen Orden verbannt, die Güter der Geistlichkeit einzieht, die Bischöfe vertreibt, oder doch in der Ausübung ihres heil. Amtes hindert, schlägt die Regierung in Lima den ganz entgegengesetzten Weg ein. Sie sucht mit dem Mittelpuncte cer kathol. Einheit, dem heiligen Stuhle, in immer engere Verbindung zu treten. Der Präsident, General Etchenique, schickt den Vorsteher seines CabinetS, Herrera, einen jungen Priester, welcher sich schon durch sein Talent rmv seine Ergebenheil sür Gott und sein Vaterland berühmt gemacht hat, als Gesandten nach Rom. Als Mitglied deS Parlaments von Peru verfocht er immer die Rechte der Kirche und die Unabhängkeit der geistlichen Macht. (M. Sbl.) Bera-twortlicher Redacteur: L. Schönchen. VerlagS-Jnhaber: F. C. Kremer.