Zwölfter Jahrgang. Sonntags-Beiblatt zur Augsburger Pojlzeitung. 21. November 185S. Dieses Blatt erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der halbjährige Abonnementspre!« kr., wofür es durch alle köuigl. bayer. Postämter und alle Buchhaudlnugeu bezogen werden kann. Die Heiligen und Heiligenbilder der katholischen Kirche. *) Die Wittembergische Confession sagt: „ES unterliegt keinem Zweifel, daß daS Andenken jener Heiligen, welche, als sie noch im Fleische wandelten, der Kirche nützten, im Herzen aller Frommen heilig gehalten werden müsse." Die AugSburgische Confession hält eS sür nützlich, wahre Geschichten frommer Personen zu erzählen, weil gute Beispiele nicht ohne Vortheil seyen, und die helvetische Confession sagt sogar, die Heiligen müßten, behufs der Nachahmung, geehrt werden. Die katholische Kirche bestimmte nieEtwaS über den Namen der Ehre, welche sie den Heiligen erweist. Indessen unterscheidet sie einen zweifachen ReligionSact, einen unmittelbaren und mittelbaren, wovon keiner auf Goll allein bezogen wird. Ueber letzteren äußert sich AmasiuS folgendermaaßen: „Die Geschöpfe muß man auS Achtung gegen Gott verehren und nicht aus Achtung gegen sie selbst, und die Religion befiehlt nach der Lehre der Scholastiker eine solche Verehrung." Selbst Luther schreibt: „Die Obrigkeiten, der Kaiser, König, Fürst, Consul, Doctor, Prediger, Lehrer, Schüler, Vater, Mutter, die Kinder, der Herr, der Knecht u. s. w. sind Personen, welche wir nach dem Willen Gottes für seine Geschöpfe erkennen, fromm verehren und die auch auf dieser Welt seyn müssen. Aber er will nicht, daß wir sie zu Göttern machen." Weil wir nun die Verehrung GotteS von jener der Heiligen unterscheiden, und letzteren wegen ihrer übernatürlichen Herrlichkeit und Gnade eine größere Ehre, als den Sterblichen erweisen, welche auf Erden wandeln, so ist kein Grund vorhanden, die Heiligenverehrung zu verwerfen. Die Anrufung der Heiligen ist nicht zum Heile nothwendig, sondern nur erlaubt und nützlich: Loths Gebet rettete die Stadt vom Untergänge; Jakob sagte, indem er seinen Enkeln den Segen ertheilte: „der Engel, welcher mich vor allem Uebel bewahrte, sogar diese Knaben u. s. w." Endlich schreibt der heil. Johannes: „Gnade euch und Friede von Dem, der war und seyn wird, und von den sieben Geistern, die vor seinem Throne stehen." Durch diese Worte fleht Johannes nicht nur bei Gott, sondern auch bei den sieben Geistern, die vor seinem Throne stehen, um Gnade und Frieden. Die Protestanten geben auch zu, daß die Engel nicht stumm seyen, sondern' daß der eine zum andern durch die Richtung seines Willens reden könne. Wenn also ein Engel durch die Richtung seines Willens den Gedanken eines andern kennen lernt, oder demselben seine Gesinnung mittheilt, so können sie gewiß auch unsere Bitten, welche wir durch unsern Willen an sie richten, erfahren. Muß man aber den Engeln diese Kenntniß zugestehen, wie kann man sie den Heiligen absprechen, ») Mainzer S.-Bl. 370 welche im Himmel herrschen? Sagt doch selbst Christus von ihnen: „Sie können nicht mehr sterben, weil sie den Engeln gleich und als Kinder der Auferstehung Kinder Gottes sind." Aber die Protestanten reden gewöhnlich von den Heiligen wie von den Todten, obgleich die Heiligen sich eines weit höhern Lebens erfreuen als wir, und Theil nehmen am unerschaffenen Lichte und der ewigen Herrlichkeit. „Unvollkommen," schreibt der Apostel,, ist unsere Erkenntniß, und unvollkommen unser begeisterter Vortrag; wann aber das Vollkommene erscheint, dann wird das Unvollkommene aufhören." Reichlicher begabt Gott die Heiligen, welche mit ihm in den seligen Gefilden herrschen, als die Pilgrime in diesem Erdenjammerthal. Wenn der Prophet ElisäuS im Geiste sah, wie Naaman, der Syrer, seinem Diener Giezi Geschenke machte; sollten denn die Heiligen, wenn gleich von unS abwesend, nicht auch die Bitten wahrnehmen, die wir an sie richten? Wenn ElisäuS nicht der Augen bedürfte, um seinen Knecht zu sehen, warum sollen die Heiligen der Sinne bedürfen, um unsere Bitten wahrzunehmen? Wenn Jener von oben die Gnade erhielt, um abwesend zu sehen: um wie viel mehr werden sich die Heiligen dieser Gnade zu erfreuen haben, da ihnen Gott Alles in Allem geworden ist? Daniel wußte die mystische Auslegung jenes Traumes, den Nabuchodonosor hatte; Samuel sah die geheimsten Falten des Herzens Sauls; Abdias kannte die Verstellung von JerobeamS Weib; EliaS, aufgenommen ins Paradies, tadelte den König Joram in einem Briefe; und Gott sollte den Heiligen, welche schon im Besitze des Vollkommenen sind, indem bei ihnen das Unvollkommene aufgehört hat, geringere Gnaden zufließen lassen? Gewiß würbe sich Jakob nicht an die Engel gewendet haben, damit sie seinen Enkeln den Segen ertheilten, wenn er nicht überzeugt gewesen wäre, daß die Engel die Bitten, welche er an sie richtete, kennten. Eben so glaubte der heilige Johannes, daß die sieben Geister sein Gebet wüßten, und wenn David singt: „Im Angesicht der Engel will ich dir lobsingen," so glaubte er gewiß, daß ihn dieselben nicht nur sähen, sondern auch hörte». Auch aus deu Worten Christi: „Im Himmel wird Freude über einen Sünder seyn, der sich bekehrt," geht hervor, daß sich die Engel nicht nur über die Bekehrung der Sünder im Allgemeinen, sondern auch über die Bekehrung eines einzelnen Sünders freuen. Woher aber diese Freude, wenn sie von der Bekehrung des Sünders nichts wissen? „WaS gab es Geringeres als den Schatten deö heiligen PetruS." Und doch verehrte ihn das Volk und Gott wirkte durch denselben Wunder. Gott wirkte Wunder durch die Tücher und den Gürtel des heiligen Paulus; man dürfte sie nur auf Kranke legen, um Krankheiten und böse Geister von ihnen zu vertreiben. Jene Frau, welche am Blutflusse litt, und das Kleid Christi berührte, erhielt ihre Gesundheit wieder. ElisäuS theilte durch Berührung mit dem Mantel deS Elias die Gewässer; ein Todter erhielt durch Berührung der Gebeine des ElisäuS daS Leben wieder, und als Moses aus Egypten wanderte, nahm er die Gebeine des Joseph mit. Hierzu bemerkt Chemnitz: „Gewiß haben die Jsraeliten die Gebeine Josephs ehrfurchtsvoll aufbewahrt." Die JSraeliten führten gewiß ehrfurchtsvoll Josephs Gebeine aus Egypten ins gelobte Land. Wer kann nun nach dem so eben Angeführten in Abrede stellen, daß man die Reliquien der Heiligen in Ehren halten müsse und verebren könne? Die Katholiken beten weder die Heiligen an, noch halten sie sie für Götter, sondern glauben, die Ehre, welche sie den Heiligen beweisen, gehe auf Gott, deu Urheber ihrer Heiligkeit, der allein anzubeten ist. Eben so wenig beten sie die Bilder der Heiligen an oder verehren dieselben um ihrer selbst willen, sondern wissen, die Ehre, welche sie den Bildern derselben erweisen, beziehe sich auf die Heiligen selbst. Wenn man einem König einen Schimpf anthut, indem man sein Bildniß beschimpft: Warum sollen wir jene Bilder nicht verehren; welche uns an Gott wohlgefällige Personen, an seine besondere Freunde erinnern? Wenn es den Protestanten erlaubt ist, sich vor einer Wand niederzuknieen, um zu Gott zu beten: warum soll eS den Katholiken nicht gestattet seyn, sich vor einem Krucifix niederzuwerfen, welches ihnen 371 die empfangenen Wohlthaten besonders ins Gedächtniß zurückruft? Die Juden beteten Gott bei der Bundeslade an, welche sie in großen Ehren hielten, und doch war diese nur ein Bild Gottes, wie denn auch die Cherubim, welche sich über ihr befanden und gleich ihr verehrt wurde», ebenfalls nur Figuren waren. Die eherne Schlange, ein Vorbild Christi, hatte die Macht, Alle, welche von den feurigen Schlangen gebissen worden waren und sich ihr nahten, zu heilen. Nach der Lehre der Refor- mirtcn wird im Abendmahl nur vaS Zeichen, daS Bild des Leibes Christi genossen, und doch will Calvin, daß seine Anhänger es mit Ehrfurcht empfangen. Die Protestanten geben zu, daß die Worte Zeichen der Dinge seyen. Nichtsdestoweniger findet man wohl Solche unter ihnen, welche beim Namen eines irdischen Fürsten das Haupt entblößen, aber dem allerhciligsten Namen Jesu keine Ehre erweisen, obgleich der Apostel schreibt: „Im Namen Jesu sollen sich beugen alle Kniee Derer, die im Himmel, auf Erden und unter der Erde sind." Am besten kann Johannes Huß die Protestanten über die Verehrung der Heiligenbilder belehren, indem er schreibt: „Obgleich die Menschen vor einem Bildnisse Christi oder irgend eines Heiligen die Kniee beugen, beten, opfern und Kerzen anzünden, so thun sie dieß nicht im Namen dcS Bildes, sondern im Namen Dessen, welchen dasselbe vorstellt, so wie denn auch nicht daö Bild seiner selbst wegen, sondern wegen Desjenigen, der aus ihm abgebildet ist, vor den Menschen ausgestellt wird." (Fortsetzung folgt.) Christliche Lefefruchte und Betrachtungen eines Laien. 1. So wie Gott einst wegen eines einzigen Gerechten einer ganzen Stadt verschonte, so kann Seine Barmherzigkeit auch das ganze Leben eines reuigen Sünders auch nur wegen eines einzigen demuthövollen und gläubigen Gebetes, auch nur wegen einer einzigen demuthvollen Unterwerfung unter Ihn in Gnaden aufnehmen. 2. Die heiligen Evangelisten erzählen fast von keinem Wunder Christi, wo sie nicht bemerken, daß Christus beigefügt habe, der Glaube habe dem Geretteten oder Begnadigten geholfen. Eben so bemerken sie fast bei jedem von ihnen erzählten derartigen Wunder des Herrn,-daß er den Begnadigten befahl, es Niemanden zu sage«. Allein fast Alle, bemerken sie, verbreiteten es dann nur desto mehr. 3. Wenn die heiligen Evangelisten von der Erscheinung eines Engels, z. B. bei den Hirten, beim Zacharias, beim heiligen Grab ic. erzählen, so fügen sie fast immer bei, daß man sich vor dem Engel fürchtete, und daß der Engel sagte: „fürchtet euch nicht!" 4. Wenn dein Geist oft zum Herrn schöne, glühende Worte hinaufsendet, dein kühles Herz aber seine Leere fühlt und sich sehnet, von der Liebe zu Ihm entzündet zu werden, dann ergib dich still und demüthig in deine innere und äußere Lebenslage; daS ist dann daS beste Gebet. 5. Wenn dir die Andacht nicht recht gelingen will oder du dich nicht von der Gnade gehoben fühlst, so sey zufrieden mit dem Wenigen, was dir Gott gibt; nimm eS immer hin voll Dank als Gabe GotteS; denk', daß du ja nicht einmal dieses Wenige verdient hast. 6. Wenn sich der Christ mit dem Zeichen des heiligen Kreuzes bezeichnet, so mag er erwägen oder denken: 1) (Stirne.) Der Vater ist der schaffende Geist; gehciliget seyen auch die Gedanken des erschaffenen Geistes! (Mund.) Der Sohn ist das ewige Wort; geheiliget sey auch bei mir der Gebrauch des Wortes! (Herz.) Der heilige Geist erleuchte und heilige mein Herz! 372 2) (Stirne.) Christ! benutze deine Gedanken! (Mund.) Christ! benutze deine Zunge! (Herz.) Christ! kreuzige dein Herz und seine Begierden! 3) (Stirne.) Betrachte im Geiste stets das Leiden und Kreuz deines Heilandes! (Mund.) Lobpreise dein ganzes Leben hindurch deinen Erlöser, der für dich am Kreuz gestorben ist! (Herz.) Trachte, Ihn zu lieben aus allen Kräften deines Gemüthes I 7. Wie kann denn der sündige Mensch Gott für Seine Erbarmuugen und Wohlthaten irgend würdig danken? ich wüßte keinen bessern Weg dazu, als daß er mit Geduld und Ergebung leidet, was Gott über ihn verhängt. B a m b e r g. Im Kölner Domblatt finden wir von E. W. (Ernst Weyden) folgende interessante „Reisenotiz." Jedem wahren Dombaufreunde ist eS ein wohlthuendes, erhebendes Gefühl, auch fern von Köln Männer zu finden, welche für das herrliche Werk und seinen gedeihlichen Fortgang wahrhaft, begeistert sind. Viele solcher Dombaufreunde fanden wir im südlichen Deutschlande, wo überhaupt der Sinn für deutsche Kunst ein leben« diger, ein werkthätiger ist, wie dieß die Wiederherstellung einzelner Kirchen, viele öffentliche Neubauten und die Pflege deutscher Kunst in den Gewerbe- und polytechnischen Schulen am schönsten bekunden. In Bayern fand dieses Streben die erste Anregung, Aufmunterung und Unterstützung in dem edlen, hochsinnigen Wiederbeleber deutscher Kunst nach so langen Jahren der Schmach und Mißachtung, in König Ludwig I. Durch sein Wollen und Wirken ist die deutsche Kunst zu einer Höhe der Entwicklung gelangt, die vor ihm die Geschichte nicht gekannt, und welche um so großartiger belebend wirkte, da dem königlichen Kunst-Mäcen, dem gleich Deutschlands Annalen keinen Zweiten aufzuweisen haben, alle Einseitigkeit fremd, sein reiner Kunstsinn alle Richtungen wahren KunsistrebenS mit gleicher Liebe, gleicher Fürsorge umfaßte. Mit welcher begeisterten Liebe König Ludwig den großen Gedanken der Vollendung unseres DomeS ergriff, ist bekannt und hat allseitig den wärmsten Dank der Anerkennung gefunden. Daß seine Begeisterung für daS herrliche Gotteshaus eine lebendige, werkthätige, dieß bekundet das königliche Geschenk der prachtvollen Fenster, mit dem er den Tempel schon verherrlichte, dieß beweisen die bedeutenden Beiträge, welche Bayern bis dahin zum Foribaue unseres Domes gespendet hat und noch sürder spenden wird, da Ludwigs Nachfolger, König Marll., nach den trüben Jahren politischer Wirren den^ bayerischen Dombauverein zu erneuerter Thätigkeit aufgefordert hat und die Sammlungen bereits wieder begonnen haben sollen. In allen Ständen zählt Bayern viele der wärmsten Dombaufrcunde, unter denen aber vor allen Martin Joseph von Neider in Bamberg genannt zu werden verdient. Der enthusiastische Kunstfreund, ein rüstiger SechSziger, ist ein durch und durch gebildeter Architekt, bei welchem die Theorie selbst frisch grünt, der mit einer, man darf sagen jungfräulichen, heiligen Begeisterung für altdeutsche Kunst lebt und strebt, und namentlich das innere, noch so wenig gekannte Wesen altdeutscher Baukunst lebendig erfaßt hat. Den größten Theil seines in jeder Rücksicht anspruchslos, aber um so fruchtbringender wirkenden Lebens — er ist Lehrer deö technischen Zeichnens an der Bamberger Landwirthschafts- und Gewerbeschule — hat er dem Studium der altdeutschen Kunst und vorzüglich ihrer Bauweise gewidmet, und mit Opfern aller Art, vielleicht selbst mit Entbehrungen, eine Sammlung von Werken über diesen Kunstzweig, von Plänen, Grund« und Aufrissen altdeutscher Bauwerke zu Stande gebracht, die als einzig in. ihrer Art bezeichnet werden kann und der mehr 373 als aufopfernden Liebe des Edlen für dieses, erst seit dem Beginne unsers Jahrhun« derts wieder gewürdigte, in seinen unerreichten Werken so großartige Kunststreben daS rühmlichste Zeugniß gibt. Die Ergebnisse seines unermüdlichen Bienenfleißes hat der eben so bescheidene als verdienstvolle Mann, eine wahre, aber seltene deutsche Künstlernatur, in zwei Schulprogrammen der Anstalt, an welcher er wirkt, unter dem Titel: „Die Bemühungen in Erforschung der Denkmäler altdeutscher Baukunst, vorzüglich ihrer Bauregeln" (Bamberg, gedruckt in der Humann'schen Officin. 4. 1841 und 1847), niedergelegt. In diesen Abhandlungen findet der Freund altdeutscher Kunst ein möglich vollständiges Verzeichnis) aller Werke, die besonders in Deutschland, dann in Frankreich und England über das Wesen der altdeutschen Baukunst, ihre Ornamentik u. s. w. bis zum Zeitpunct ihres Erscheinens herausgegeben wurden, mit höchst schätzenSwerthen Andeutungen. Gar Mancher mag sich sonst bei dem eben so leutseligen als dienstfertigen Manne schon Rath geholt und Aufschlüsse gefunden haben, die er anderwärts vergebens suchte; gar Mancher mag sich schon mit v. ReiderS Verdiensten geschmückt haben, während dieser selbst sein höchstes Glück einzig darin findet, für die Wiederbelebung ächt deutschen KunststrebenS, für die wahre Würdigung, daS Verständniß altdeutscher Bauwerke anregend und fördernd wirken zu können, v. Neider war es, dessen umsichtigen Rath der leider zu früh Heimgegangene Erbauer der Aukirche in München, Ohlmüller, bei diesem einfach schönen Baue freudig und dankbar benutzte; v. Neider lieferte sehr schätzbare Beiträge zu dem anerkannt tüchtigen Werke des auch schon verstorbenen Friedrich Hoffstadt: „Gothisches ABC-Buch, daS ist: Grundregeln deS gothischen Styls für Künstler und Werkleute", und durch v. ReiderS umsichtigen Rath unterstützt, vollendete der Modelleur Schropp aus Erfurt auch in Bamberg das große Dom-Modell, das, als einzig in seiner Art, jetzt in Köln bewundert wird. Möchte sich Herr v. Neider nur veranlaßt sehen, zum wahren Nutzen und Frommen altdeutscher Kunst, zur Förderung deS wahren Verständnisses ihrer Bauweise und dtten Verbreitung seine eben so gründlichen als seltenen Kenntnisse, seine mit einem so unsäglichen Fleiße gesammelten Schätze und Erfahrungen in einem umfassenden Werke bekannt zu machen, damit ein so überreicher Schatz nicht mit ihm verloren gehe, damit dem Vaterlande Gelegenheit geboten werde, sein Verdienst um altdeutsche Kunst kennen zu lernen und zu würdigen. Jeder Kunstfreund, der auf seinen Wanderungen daS so malerisch gelegene Bamberg besucht, findet in Herrn v. Neider den leutseligsten und kenntnißvollsten Cicerone. Er kennt Bamberg und seine Geschichte auswendig, ist bis zu den kleinsten Details mit dem massenprächtigen und doch bauzierlichcn Dome, dem vollendetsten Meisterwerke byzantinisch-romanischer Bauweise in Deutschland, vertraut, hat sich selbst um dessen Wiederherstellungsbau in mancher Weise verdient gemacht. Sein höchster Genuß ist eS, Jemanden die Kunstgenüsse BambergS zugänglich machen zu können, unter denen als einzig und wirklich vollständig die Sammlung von Kupferstichen und Holzschnitten Dürers und CranachS hervorzuheben ist, welche sein Freund Heller unter seinem Beistande anlegte, und die jetzt neben vielen merkwürdigen Manuskripten, Jncuuabeln und bibliographischen Seltenheiten auf der Stadtbibliothek aufbewahrt wird. Wir sind dem Ehrenmanne für seine rührende Leutseligkeit zu ganz besonderm Danke verpflichtet, der ihm hier öffentlich dargebracht sey. Daß ein so begeisterter Freund altdeutscher Kunst, wie Herr v. Neider, auch für unsern Dom mit der ganzen Gluth einer frommen Künstlerseele schwärmt, wer sollte daran zweifeln. In seiner Sammlung findet man alles, waS nur in entferntester Beziehung zu unserm Dome steht, und außerdem viele Kunstschätze auö der Blüthezeit Kölns, die selbst in der Vaterstadt selten. Er zog, ein frommer Pilger, mit heiliger Sehnsucht nach dem erhabensten Heiligthume deutscher Kunst, unserm Dome, als der königliche Protektor deö heiligen Baues am Sonntag den 4. September 1842 den Grundstein zu seinem Fortbaue 374 legte, auf dem, trotz aller Sturmwirrcn der Zeit, Gottes Segen sichtbarlich ruht. Der gottbeseelte Kunstfreund findet darin eine glückliche Vorbedeutung für den Welterbau, daß sich durch Versetzung der Zahlen 1842 merkwürdiger Weise das Jahr der ersten Grundsteinlegung 1248 wieder findet, diese Zahlen sich in geometrischer Ordnung folgen und dabei gerade die wichtigsten sind, deren sich die altdeutschen Baumeister bei ihren Entwürfen bedienten, nämlich das 4 und 3 Ort; addirt man die Zahle» 1 und 2, so erhält man 3, so wie diese zu 4 addirt die Zahl 7 gibt. Jefuitenmission in Bamberg. Bamberg, 13. Nov. Wir theilen den weitern Verlauf und Schluß der hiesigen überaus großen und glänzenden Mission mit. Am Freitag der zweiten Mis- stonSwoche handelte die erste Predigt von dem Meßopfer l?P. Ottiger), die zweite von der äußern GotteSvcrehruug (H. Anderledy), die dritte von den Tugeudbünd- nisscn (P. Roder), die vierte von dem Leiden Christi (P. Fruzzini); am Samstag die erste von der Sonntagsseier (P. Anderledy), die zweite von der Vernachlässigung der Rückkehr zu Gott (P. Ottiger), die dritte vom Ablaß (P. Roder), die vierte von der Erneuerung des Taufgclübdes (P. Rover). Die letzte endigte mit einer entflammenden Ermahnung an die weibliche Schuljugend, welche in großer Anzahl mit weißen Kleidern angethan und mit brennenden Kerzen in den Händen den Hochaltar umgab. Am Sonntage als dem 15. und Schlußtage der Mission handelte die erste Rede von der Dankbarkeit deS zu Gott Bekehrten, welche sich in der wahren christlichen LebenSordnung auSsprechen soll (P. Fruzzini), die zweite von der Beharrlichkeit im Guten (P. Anderledy); die dritte als die Schlußrede von der Schönheit der Kirche (P. Roder). Am Tage des Schlusses hielten Se. Excellenz der hvchwür- digste Herr Erzbischof daS Hochamt. Nach der Schlußrede fand die Weihe des in der St. MartinSkirche auf dem Kreuzaltar aufgestellten MissionSkreuzcS durch Herrn P. Roder statt. Während dieses heiligen Actes sangen die Alumnen deS Klerikalseminars den erhabenen HymnuS: „0 crux, avv speg um'oa!" Darnach intonirte Se. erzbischöfliche Ercellenz, umgeben von dem hochw. Domkapitel, das ?o veum. Das andächtige Volk sang in wahrer Begeisterung drei Strophen des Ambrosianischen Lobgcsanges, worauf der Segen mit dem Allerheiligsten gegeben wurde. Nun sprach unser hochwürdigstcr Obcrhirt mit Worten der tiefsten Gemüthsbewegung, der Kraft nnd der Liebe, welche die Umgebung zu Thränen rührte, den ehrwürdigen Vätern für ihr wahrhaft apostolisches, begeistertes Wirken in der bisherigen Mission seinen Dank auS. So wie die Stadt und das BiSthum Bamberg der Missionäre stets gedenken werden, so möchten auch sie für die Stadt und das BiSthum Bamberg immerdar beten, damit der von ihnen ausgestreute Same deS Guten bleibende Früchte trage. Endlich ertheilte der hochwürdigste Herr Erzbischof den vor ihm kniecnden Vätern den obcrhirtlichen Segen. Alles war tief ergriffen und Freudenthränen strahlten in den Augen Aller. Mehrere der Pfarrgeistlichkeit hiesiger Stadt geleiteten in der Kirchenkleidnng die Väter zu ihrer Wohnung in das Klerikalseminar. Eine Menge Volkes schloß sich ihnen an, den Vätern ihren Dank ausdrückend. Der Schlußfeier wohnte eine solche Menschenmenge bei. daß in den untern Räumen der St. MartinSkirche nicht nur Mann an Mann stand, sondern auch alle Emporen, Tribunen und Fensternischen von Andächtigen angefüllt waren, und Tausende die Kirche von Außen umgaben, um wenigstens in der Nähe des Hauses Gottes während der großartigsten Feier zu seyn. Eine Schaar weißgekleideter Mädchen umgab die Stufen des HauptaltarS, Blumensträuße und Kränze in den Händen tragend, welche sie am Schlüsse den geliebten Vätern überreichten. Abends sechs Uhr brachte eine Deputation von Bürgern denselben ihren Dank dar. Herr MagistratSrath Kauschinger sprach das Wort in schöner ergreifender Rede und überreichte dem Supcrior P. Roder zum Andenken ein prächtiges Diplom. 37S Auf einer mit vielen Unterschriften bedeckten Pergamentrolle stehen in herrlicher Schrift folgende Worte des DankeS: „Ehrwürdige Väter! Wenn es dankbaren Kindern ein Augenblick der seligsten Freude ist, ihren guten Eltern den Beweis ihrer Liebe darbringen zu können, so ist es uns unterzeichneten Bürgern der Stadt Bamberg ein wohlthuendes Gefühl, Euch, hvchwürdige Väter! die Gefühle unserer innigsten Dankbarkeit und Liebe zu offenbaren, und unser einziger Wunsch ist, daß Ihr, gute Väter! solche Darlegung unserer Gefühle gerne genehmigen möget. Ja ewig sind wir Euch in Dankbarkeit verpflichtet für die Umwandlung so vieler sündiger Herzen, sür die Tröstung und Stärkung so vieler bekümmerter Seelen, die durch Euer Wirken bei uns, durch Eure Mühe und Aufopferung für uns mit der Gnade unseres GotteS hl wirkt worden ist; und zu einiger Genugthuung dient unS nur daS, was wir als Kinder unserer gemeinsamen Mutter, der katholischen Kirche, mit Euch litten und leiden. Die ruhmwürdige Stelle, welche diese MissionSzeit in den Annalen unserer Stadt fortan behaupten wird, sey Euch und unS zur Ehre vor Gott und seiner heiligen Kirche! In vollkommenster Hochachtung und tiefgefühltester Verehrung untcrzeich» nen die dankbaren Bürger." Diese den Bürgern der Stadt zur großen Ehre gereichende Dankadresse ist mit schönen Randverzierungen in Farben und Gold versehen. Oben in der Mitte befindet sich daS heilige Kaiserpaar St. Heinrich und Kunegund, den Bamberger Dom aus den Händen tragend; unmittelbar unter dieser Darstellung die Patrone der vier Missionäre, nämlich der hl. Georg, Leopold, Jgnaz und AntoniuS. An den Seiten ist die Kirche zu St. Martin und zu N. L. Frau, in welchen beiden die Missionäre predigten, und am untern Rande die bürgerliche SodalitätSkirche zu St. Jakob abgebildet. Dieses schöne Denkmal der religiösen Gesinnung der Bürger Bambergs wird im nengegründeten Noviziate der Gesellschaft Jesu zu Sigmaringen aufbewahrt werden, um die jungen Zöglinge des Ordens zu ihrem erhabenen Berufe zu ermuthigen. Am darauffolgenden Montage verließen die Väter unsere Stadt. Vor dem Seminargebäude und am Bahnhöfe hatten sich Hunderte von Menschen versammelt, um den Scheidenden ein herzliches Lebewohl zuzurufen. P. Auderledy begab sich in sein Kollegium zu Münster, P. Roder in daö Noviziatenhaus zu Sigmaringen, die beiden Uebrigen in das Missionshaus zu Freiburg in Baden. Mehrere Geistliche gaben ihnen daS Geleit bis Schweinfurt und Vorchheim. Am 9. d. M. begab sich eine Deputation von Bürgern zn Sr. Erzbischöflichen Ercellenz, um ihren Dank für die Berufung der Missionäre auSzusprechcn. Wir behalten unS vor, unserm Berichte über die Mission nächstens noch einige Bemerkungen anzufügen. (K. Bl. a.Fr.) Aus der Diöeese Etchftädt. *) Freystadt. Am 9. und 10. v. MtS. bot unsere Stadt einen ungewöhnlichen, außerorvcntlich lebhaften Anblick. ES wurde nämlich am 9. gegen Abend der hoch- ' würdigste Herr Bischof Georg von Eichstädt hier erwartet, der hier im Pfarrhofe übernachtete und am 10. in oer Wallfahrtskirche das heilige Sacrament der Firmung spendete. Die Stadt war zu dieser Festlichkeit prächtig geschmückt, und theils vor, theils in derselben waren sechs Triumphbogen mit passenden Inschriften errichtet worden. Die Geistlichkeit an der Spitze einer großen Proccssion war dem Kirchenfürsten entgegengegangen, der mit Böllerschüssen und Glockengeläute empfangen und feierlich nach der Pfarrkirche geleitet ward. Ein Knabe und zwei Mävchen hatten Gedichte vorgetragen. Der Herr Stadtpfarrer hielt vor der Pfarrkirche eine kurze Ansprache an die große Versammlung über die Kraft des Segens und des Fluches, worauf der hochwürdigste Herr Bischof nach den üblichen Ceremonien in der Kirche sich in den Pfarrhof begab. Am nächsten Tage zogen die Tugendbündnisse christlicher Jünglinge und Jungfrauen von AllerSberg, Berngau, Freystadt, Monkenhausen, Morning, MörSborf, ReichertShofen und Sondersfeld an dem Pfarrhofe mit ihren Fahnen und unter Musikbegleitung vorüber, hierauf Seine hochbischöfliche Gnaden selber in Mitte 37k eines zahlreichen festlichen ZugeS nach der Wallfahrtskirche, welche in festlichem Schmucke prangte. Der hochwürdigste Herr Bischof las dort die heil. Messe, bestieg darauf die Kanzel und hielt eine eben so herzliche als erhebende Rede an das in der großen Kirche dichtgedrängte Volk, in welcher er zunächst seine Freude über die Tugendbündnisse christlicher Jünglinge und Jungfrauen auSsprach und die hohe Bedeutung deS heiligen SacramentS der Firmung nachdrucksamst ans Herz legte. Nach hierauf erfolgter AuSspeudung deS heiligen SacramentS der Firmung bewegte sich der Zug wieder feierlich in die Stadt zurück. Mit Ertheilung des bischöflichen SegenS an die versammelten, über kövl) Köpfe zählenden Gläubigen, endete diese erhebende Feier, welche in den Herzen Aller ein nie erlöschendes Andenken zurückgelassen hat. Die gebührende Verehrung gegen den Hochwürdigsten, so wie der Sinn und die Bedeutung deS Festes und überhaupt der Kirche und deS christlichen Glaubens, drückt sich in einem Festgedichte auS, daS wir in der nächsten Nummer mittheilen. Rom. Rom. An den Thürsäulen der Patriarchalkirchen und an allen öffentlichen Palästen der Stadt, bei welchen daS Anheften von Anschlägen hergebracht ist, las man vor einiger Zeit eine Bekanntmachung der h. Congregatio Rituum, nach welcher in dem Processe der Seligsprechung deS Stifters deS Passionistenordens, Paulus a Cruce, ein neues Wunder die kirchliche Anerkennung und Bestätigung gefunden hat. Bekanntlich ist eS nach den Gesetzen der Kirche eine nothwendige Bedingung, nach deren Erfüllung erst die Seligsprechung eines Dieners GotteS erfolgen kann, daß in dem bei der hl. Kongregation geführten Processe wenigstens zwei der zur Anzeige gebrachten wunderbaren Erscheinungen ganz evident und unumstößlich als wahre und eigentliche Wunder, und zwar als ersichtlich gerade durch die Jiuercession deS Seligzusprechenden bewirkte Wunder bewiesen werden. Mit welcher Vorsicht und Rücksicht auch auf die kleinsten und unscheinbarsten Umstände bei der Führung dieses Beweises zu Werke gegangen und welch' hoher Grad von Gewißheit dafür gefordert wird, das wird jeder, der den Geschäftsgang und das Verfahren in den hiesigen Congregationen kennen lernt, anerkennen müssen. In dem Processe für den Stifter des Passionisten- ordenS wurde am 26. April 1851 das erste Wunder vom h. Vater Papst Pins IX. bestätigt; darauf hielt die Kongregation der RituS, zu der viele Kardinäle gehören, am 10. August 1851 und am 23. Mai deS lausenden Jahres vorbereitende Sitzungen zur Prüfung des weitem Ganges der Untersuchungen, die von dem Präfecten der Con- gregation, Sr. Eminenz dem Cardinal Lambruschini geleitet wurden, und am 12. Juli endlich eine weitere Sitzung vor Sr. Heiligkeit dem Papste, in welcher die Frage: ec>u8tet cle inirseulo in essu et scl ekeowin cis «zuc» agiwr? zur Schlußerörterung kam. Der h. Vater, dem, nachdem er die Meinung aller Cardinäle und Prälaten gehört hat, der Urtheilsspruch ausschließlich zusteht, entließ diese Versammlung mit der dringenden Aufforderung an alle Mitglieder, die Sache noch weiter auf daS Inständigste Gott im Gebet zu empfehlen. Nachdem der Papst aber auch selbst noch eine Reihe von Tagen für die wichtige Entscheidung die göttliche Hilfe angerufen hatte, besuchte er am 2. August, als am Tage der Kirchweihc, Sr. Maria Angelorum (Portiunkula), die Kirche St. Franciöko a Ripa und gab dort nach feierlich dargebrachtem h. Meßopfer und nochmaliger Erflehung deS Beistandes deS Herrn die feierliche Erklärung: Lonstsre civ mirseulo a l). (1. U, pstrato, intereessors säoibito Venersliili Viro ?auIo a Lruce, nimirum instsntiwege perleetgeciu« sgngtiorn8 Nsriae äs Rollo s sexrino Isevse maxillas jsm in c-mcrum oeeultum versc». — Somit steht wohl der Seligsprechung deS ehrwürdigen Stifters deS Ordens der Passionisten, deren hiesige Mitglieder wegen ihres strengen ascctischen Lebens und ihrer gänzlichen Zurückgezogenheit von allem weltlichen Treiben vom HI. Vater dem Vernehmen nach besonders geliebt werden sollen, kein weiteres Hinderniß entgegen. (M. Sbl.) Verantwortlicher Redacteur: L. Schöucheo, VerlagS-Juhaber: F. C, Krem er.