Zwölfter Jahrgang. Sonntags-Beiblatt ,„ » ' ^» Augsburger Postzeitung. >U»IkklS »i« l!- ti,v.,iN'»,i?,- s»u 28. November M 185S. Dieses Blatt erscheint regelmäßig alle Tonntage. Der halbjährige Abonuementsprei« 4V kr., wofür es durch alle königl. bayer, Postämter und alle Buchhandlungen bezogen werden kaun. Auf die hohe Anwesenheit - ' ' ««pi- «>i>ii«!^4,Sa «i KZr in,m»mtt Hochw. Herrn Herrn Georg, Bischofs von Eichstädt, in Freistadt, den 10. October 1852. Es lenkte heut zu uns die hehrcn Schritte Der Fürst der Kirche, Wächter auf Sion: Da rauscht des Segens Strom durch uns're Mitte, Ein Born, der niedcrquillt von Gottes Thron. Dreifacher Jubel tönet durch die Sphären, Und Freude senket sich in's Herz herab, Es beugen sich die Kniee an Fcstaltürcu, Wenn hehr er waltet mit dem Hirtenstab. Dem Hirten Heil, der, seines Amtes Bürde So freundlich tragend, Himmelsgaben reicht: Wo ist der Weise, der durch hehre Würde, Und wo ein Freund, der ihm an Liebe gleicht? — ES trübt sein Herz kein Zürnen, keine Rache, Sein holder Blick, sein sreundliches Gesicht, Der Rede Fluß, die Anmuth seiner Sprache, Sie zeichnen einen Kreis von Freud' und Licht. Und groß und prächtig wie des Stromes Wogen Fortfluthen nach dem fernen Ottan, So majestätisch hin zu Gott gezogen, So wallt des Fürsten Glaube himmelan. Ja, in des hcil'gen Glaubens klarem Spiegel Da flammt des Hohenpriesters Name hell, Und auf der Hoffnung steilem Sonnenhügel Umfließet ihn der Liebe heil'ger Quell. Man kennt der Dichtung Schwung und Zaubereien, Und kennet Färb' und Leben der Natur: Entwerft sein Bildm'ß nicht in Schmeicheleien, Verfolget rmr der That, des Wirkens Spur! 378 Wer gleicht ihm, der mit eines Engels Milde So zwischen Gott und seinem Volke steht, And allerquickend nnter deinem Schilde, Religion, den hohen Lichtpfad geht? Und nun, ihr Völker, laßt euch heute ratheu, Und seyd der Kirche, ihren Herrschern hold, Die Furcht des Herrn, — sie ist der Grund der Staaten, Und Frömmigkeit ist mehr als Gut und Gold. «« sinket Lüg' und Abfall im Gerichte, Allein die Macht des heil'gen Glaubens steigt: — Ist nicht enthüllt der Schleier der Geschichte, — War Abfall Völkerglück? — Sie schweigt. Der heil'ge Glaube war der Völker Retter, Der Glaube hielt mit seinem Segensstab Den Fall der Welt, des dräu'nden Unglücks Wetter Zum Wohl und Heil des Vaterlande» ab. — Die Furcht des Herrn und die Gewalt, — sie müsse» Umarmen sich in aller Christen Land, Nur wo sie liebend sich einander küssen, Umschlingt sich Land und Herr mit festem Band. De« heil'gen Glaubens reinein Licht und Lehren Entblüht die Wissenschaft, entblüht die Kunst, Und nur in seinen heil'gen Kreisen mehren Sich Gottes Gnaden, Gottes Huld und Gunst. Der Glaube löst die schwersten der Probleme, Er, deiner Väter Erbe, sey dein Theil. Sein Schwung geht höher als der Welt Systeme, Er ist der Völker, ist der Seelen Heil. , Die Furcht des Herrn, — sie breite durch die Lande Der ganzen Welt durch frommen Geist sich au«, Es schließen sich des heil'gen Glaubens Bande An'S Bayerland, an unser Herrscherhaus! — Und einem Hirten so erhab'ncr Würde Sey schuld'ger Ehrfurcht Gabe dargereicht, Der Schäflein Frömmigkeit, — sie macht die Bürde, Die Bürde selbst des Hohenpriesters leicht. Und ihr, o Bitten, dringend durch die Wolke, Von Gott erhöret, kehrt zu uns zurück! Erhalte, Herr, ihn deinem Christenvolke, Erhalte ihn zu unserm Heil und Glück! Und laß dir, Herr des Himmels, Wohlgefallen, Daß freudig aller Christen Herz dir schlägt, Denn sieh', in unsrer Kirche heil'gen Hallen Hat Er geopfert, der die Mitra trägt. 379 Rede bei Gelegenheit einer feierlichen Einkleidung und Profeß-Ablegung in dem englischen Fräulein-Institute zu Nvmphenburg am 4. Oktober 1852, gehalten von Sr. Hochwürden Herrn Dr. KrauS, Prediger an der St, Michaelis, Hofkirche zu München. „Vater, Herr des Himmels und der Erde, ich preise dich, daß du dieses vor Weisen und Klugen verborgen, Kleinen aber geoffenbart hast," so sprach Jesus nach der Erzählung deS heutigen Evangeliums, und er sprach dieses Dank- und Preisgebet, als die zwei und siebenzig Jünger, welche die Gemüther auf seine Ankunft vorbereiten sollten, von ihrer Sendung zurückkamen und mit heiliger Freude ihm erzählten, wie gesegnet ihre Wirksamkeit gewesen. „Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, daß du dieses vor Weisen und Klugen verborgen, Kleinen aber geosfenbaret hast," so muß auch ich aus freudigem Herzen rufen, wenn ich diese vierzehn Jungfrauen überblicke, welche heute als geistliche Bräute vor dem Altare ihres göttlichen Bräutigams knieen. Gar manchen Christen, die in der Welt leben, wollte der Herr in reichcrem Maße seine Gnaden mittheilen, er wollte sie lieben wie seine AuSerwähl- ten, er hätte ihnen, wie der Prophet, einen Platz angewiesen in seinem Hause, er hätte sie geführt in die Einsamkeit und dort zu ihrem Herze» gesprochen. Aber sie wollen der Welt gefallen, sie schmücken sich auf wie Götzen, um ihre Blicke auf sich zu ziehen, sie rennen allen Gesellschaften der Welt nach, sie gewöhnen die Sprache der Welt sich an, und wenn so das Verderben alle Eingänge ihres Herzens in Besitz genommen, so zieht sich der Herr von ihnen zurück, die Tiefen des geistlichen Lebens bleiben ihnen verborgen und die Wichtigkeit ihres Seelenheils ist ihnen verhüllt. Diese vierzehn Jungfrauen dagegen haben den Ruf des Herrn nicht verachtet, sie find überzeugt, daß der Heir zu ihrem Herzen gesprochen; schon seit längerer Zeir kannten sie keinen höheren Wunsch, als in dieses HauS der Ordnung, der Abtödtung, der Jugend, bildung einzutreten, und der Herr hat ihr Bitten erhört und schmückt heute neun aus ihnen mit dem geistlichen Kleide, weil sie fest entschlossen sind, sich künftig dem Allerhöchsten als ein Brandopser hinzugeben. Fünf andere aber stehen heute auf dem Punkte, die Gelübde auszusprechen, welche sie fest und unzertrennlich an ihren göttlichen Bräutigam fesseln sollen. Wir verlassen, so erklären vor dem sacramentalen Heiligthume und vor ihrer ehrwürdigen Oberin und vor unS Allen, wir verlassen und vergessen dich, o Welt, und wollen von dir verlassen und vergessen werden; wir verlassen und vergessen euch, ihr frommen Aeltern, ihr theuern Ver« wandten, ihr treuen Freunde und Wohlthäter unsers bisherigen LebenS; wir verlassen und vergessen euch, nicht zwar in unseren Gebeten, wohl aber in Bezug auf euere zeitlichen Angelegenheiten; ja wir verlassen und vergessen uns selbst; wir verzichten auf unsere Besitzthümer, auf unsere Freiheit, auf unsere irdischen Aussichten, auf unsere Bequemlichkeit; wir geben Alles hin, weil wir nicht anders mehr glücklich seyn wollen, als in Gott und mit Gott, weil wir kein anderes Bedürfniß mehr haben, als Gott! Und ich — was soll ich sagen zu diesen Gefühlen Eueres Herzens? Soll ich die Freude Euch schildern, mit der ich Hieher gekommen in diese traute Kapelle, um Zeuge zu seyn Euerer Verlobung, Euerer Vermählung mit JesuS, dem beßten Bräutigame edler Seelen? Ach, eS ist nicht nöthig, erst zu sagen, der Schritt, den Ihr heute thuet, ist ein Triumph für die Kirche, ein Triumph für die heiligen Engel, ein Triumph für JesuS selber. Oder soll ich Euch Neueingekleideten auseinandersetzen, auf welche Kennzeichen Ihr während des Noviziates zu achten habet, um die Wahrheit deS klösterlichen Berufes daraus zu erkennen? Soll ich Euch, die Ihr heute Euere Gelübde ableget, Euere Verpflichtungen vor Augen halten? Auch nicht; denn 380 das Alles ist Euch schon an's Herz gelegt worden und wird Euch noch oft wiederholt und zwar nachdrücklicher und salbungsvoller, als ich eS könnte. So lasset mich denn von dem Allem schweigen; lasset mich Euch nnr erinnern an ein Wort, ein Wort des Trostes und der Ermunterung, das der göttliche Heiland im heutigen Evangelium ausgesprochen! „Nehmet mein Joch aus euch, sagt er, und lernet von mir, so werdet ihr Ruhe finden für euere Seelen!" Verehrte Schwestern in Christus! Ihr nehmet Jesu Joch auf Ench, daö Joch, der Armuth, deö Gehorsams, der Reinheit, der Jugendbildung, und dieseö Joch hält die Welt für ein schweres, drückendes Joch; sie träumt von Seufzern, womit die unglücklichen Schlachtopfer in Klöstern ihre Sclaverei beklagen; sie tränmt von Klagen, womit sie ihre Einsamkeit erfüllen; sie träumt von Thränen, womit sie den Verlust ihrer Selbstständigkeit beweinen; aber nein, Ihr werdet eS erfahren, nicht die Welt hat Recht, JesuS hat Recht, wer von ihm lmiet, dem Armen, dem Gehorsamen, dem Reinen, dem Freunde der Kinder, der wird Ruhe finden für seine Seele. Ja, Ruhe werdet Ihr finden für Euere Seelen. Denn Ihr wollet entsagen den zeitlichen Gütern, Ihr wollet Nichts mehr als Eigenthum besitzen und zufrieden seyn mit dem, was fremder Wille Euch anweiset zur Wohnnng, Nahrung und Kleidung. So verzehren Euch denn nicht mehr die nagenden Brodsorgen, eS verwirren Euch nicht mehr die Familienangelegenheiten, eS ziehen Ench nickt mehr die Bestrebungen um Geld und Gut zur Erde nieder; denn eine Mauer, eine Scheidewand trennt Euch von dem Mammon der Erde. O süßcr, seliger Friede, der auS solcher LoSschälung von zeitlichen Dingen sich entwickelt! FranciScus, dessen Fest die Kirche heute feiert, hat ihn empfunden diesen seligen Frieden! Dort in Italien, in der Kirche von Assisi befindet sich ein sinniges Gemälde, und dieses Gemälde stellt Jesum dar im Verklärungsglanze, wie er dem heiligen FranciScus die Hand einer Jungfrau darbietet und wie FranciScus ihr den Verlobnngsring an die Finger steckt. Die Braut ist lichtnmflossen und mit Rosen bekränzt, ihre Augen find voll sanfter Klarheit, um ihren Mund schwebt ein anmuthiges Lächeln; aber ihr Gewand ist grob und zerrissen, ihre Füße sind wund und bluiig. Sie wandelt auf ranhcn, beschwerlichen Wegen über Dornen und Felsenstück? dahin, und die Wcltkinder mißhandeln sie, werfen sie mit Steinen und überschütten sie mit Verwünschungen und Schlägen. Diese Jungfrau, werdet Ihr fragen, wer ist sie? Es ist die heilige Armuth. Mit ihr hat FranziScus sich verbunden; sie hat er zur Lebensgefährtin sich erkoren, und so hat er jenen süßen Frieden gefunden, den er selbst als eine Frucht der Armuth mit den Worten begrüßte: „DaS ist'S, was ich suchte, das ist's, was ich von Herzen wünschte!" Und als sein Vater ihn enterbte und als er selbst seiner weltlichen Kleider sich entäußerte, da erkannte er, welch' eine Tiefe göttlichen Friedens in dieser Selbstberaubung liege, da brach er in die denkwürdigen Worte auS: Bis zur Stunde habe ich meinen leiblichen Vater wohl Vater genannt; aber von mm an kann ich mit ganzem, vollem Rechte den lieben Gott meinen Vater nennen. Ahnet Ihr, geliebte Schwestern, was in diesen Worten liegt? Wer arm ist aus Liebe zu JesuS, dem in Armuth Gebornen, dem in Armuth am Kreuze Gestorbenen, dem in Armuth in ein sremdcs Grab Gelegten, der wird Jesu ähnlich, er kann ihn mit besonderem Rechte seinen Bruder und Gott seinen Vater nennen; er kann freier, leichter, ungehinderter sich zu Gott erheben, und in dieser Hingabe an Gott findet er den Frieden, den die Welt nicht kennt, den Frieden, der allen Begriff übersteigt. Ruhe werdet Ihr finden für Euere Seelen. Denn Ihr wollet, Ihr müsset fortan in unbedingtem Gehorsam leben. Es ist das ein Gehorsam der That; denn waS immer die Oberen befehlen, Ihr müsset es erfüllen; es ist das ein Gehorsam deS WillenS; denn würdet ihr bloß äußerlich die Befehle vollziehen, so wäre eS ungenügend; auch den eigenen Willen müsset Ihr verläugnen, dem eigenen Willen müsset Ihr absterben und in dieser Verläugnung, in dieser Erstorbenheit des eigenen Willens müsset Ihr auch in beschwerlichen Dingen Euch unterwerfen; eS ist daS endlich ein Gehorsam des Urtheiles; denn auch die Urtheile Eueres Verstandes müsset 381 Ihr zurückdrängen. Eueren eigenen Ansichten müsset Ihr entsagen, Euer eigenes Urtheil müsset Ihr unterordnen dem Urtheile Euerer Oberen. Und diese Unterwerfung, dieser rückhaltslose Gehorsam ist cS dann, der den gefährlichsten Feind in Euch, die Selbstsucht, ertövtet und zur nothwendigsten Tugend, zur Selbstverläugnung, Euch führt. Was eS heiße, sich selbst verläugnen, das könnet Ihr am besten einsehen, wenn Ihr bedenket, was es heiße, einen Anderen verläugnen. Jemanden verläugnen heißt so thun, als kenne man ihn gar nicht, um ihn keine Sorge tragen, sich um ihn nicht bekümmern. Wer sich selbst verläugnet, der verfährt gerade so mit sich selbst, mit seinen Ansichten, mit seinem Willen, mit seinen Neigungen. Und das ist eben die Frucht des Gehorsams! St. Franciscus, dessen Fest wir heute feiern, war überaus erfinderisch in Werken äußerer Abtödtung; er trug ein rauhes Gewand; er schlief gewöhnlich auf bloßer Erde; seine spärliche Nahrung vermischte er nicht selten mit Äsche. Groß und erhaben sind diese äußeren Werke der Buße; aber größer noch und erhabener, als sie alle miteinander, ist ein einziger Act der inneren Selbstverläugnung. „Ist unser Streben, sagt ein großer Gcisteslehrer, daraus gerichtet, unsere unordentlichen Neigungen abzulödten und unseren Willen auch in den kleinsten Dingen zn brechen und zu vernichten, dann thun wir ein größeres und Gott wohlgefälligeres Werk, als wenn wir durch Fasten und Enthaltsamkeit selbst die Einsiedler der Vorzeit übertreffen und viele tausend Ungläubige und Sünder bekehren würden. Sehet Ihr da, meine Schwestern, waS der Gehorsam Euch bringt! Der Gehorsam, den Euer Stand von Euch verlangt, ertödtet in Euch die Selbstsucht, er ertödtet die Eigenliebe, und je mehr die Fesseln der Selbstsucht, der Eigenliebe fallen, desto ruhiger wird das Herz, desto tiefer wird der Seelenfriedc, desto freier wird der Geist, desto ungehinderter kann er sich zu Gott erschwingen. Der Gehorsam, den Euer Stand von Euch verlangt, verehrt in Euer» Obern die Stellvertreter Gottes, und wenn Ihr in ihrem Willen den göttlichen Willen erkennet, so verklärt er Alles, er veredelt Alles, er Heiligel Alles, und so traget Ihr in Euch das erhebende Bewußtseyn, Gottes Willen zu erfüllen. Ruhe werdet Ihr finden für Euere Seelen. Denn Ihr wollet als reine Bräute dem Herrn dienen, und darum seyd Ihr Hieher gekommen in dieses Haus der Einsamkeit. Wenn Ihr hinausblicket in die Welt, ach, wie muß Euch werden? Wie muß Euch werden, wenn Ihr die Gefahren in der Welt überschauet? Gefahren in den Gesellschaften, wo man gefallen und unterhalten will; Gefahren in den bösen Beispielen, die im Bunde mit verkehrten Neigungen den Menschen fortreißen; Gefahren beim Reichthums, wo man sich ebenso gegen die Verschwendungssucht der Eitelkeit, als gegen die Härte des Geizes zu verwahren hat; Gefahren auf öffentlichen Spaziergängen, beim Spiele, bei üppigen Tänzen; Gefahren innerhalb und außerhalb des Menschen, und zwar Gefahren, welche ihn mit dem Verluste seiner Unschuld, seiner Tugend, seiner Seele, seiner ewigen Glückseligkeit, seines Gottes bedrohen. Und all' diesen Gefahren seyd Ihr entzogen! Sagt mir, muß dieser Gedanke Euch nicht mit heiliger Freude, ich möchte fast sagen, mit edlem Stolze erfüllen! Getrennt von den Lockungen der Welt könnet Ihr rein und unbefleckt im Schatten des Heiligthumes Euch mit Euerer Seele, mit Euerem Heile, mit der Ewigkeit beschäftigen! Reine Seelen aber haben jenes Zeichen der Auserwählung, welches sie mit den Engeln bei Gott seyn läßt, sie frei nnd leicht mit Gott vereiniget; und wie die Engel von Gott geliebt und ausgezeichnet werden, so hat die unsichtbare Schönheit einer reinen Seele der ewige Gott selbst geliebt und hervorgehoben. Denn wer war seine Mutter, wer sein Nährvater, wer seine Lieblingsjüngcr? Waren es nicht jungfräuliche Seelen. Habt- Ihr noch Nichts gehört von der Vereinigung heiliger Jungfrauen im Himmel mit dem göttlichen Lamme, das auf dem Throne sitzt? Heißt es nicht von ihnen, daß sie ein Lied singen, das sonst Niemand singen kann; denn sie sind Jungfrauen, sie sind die Erstlinge für Gott und das Lamm, unter den Menschen losgekauft? Man sollte doch meinen, die Engel dürften dieses Lied mitsingen! Aber nein; die Engel haben zwar die Jungfräulichkeit, aber den Kampf haben sie nicht; die Reinigkeit der Menschen dagegen ist die Frucht ihrer Treue, ihres beständigen Kampfes. Sehet da, ge- 38S liebte Schwestern, Euere Würde, Eueren Adelsbrief, ausgefertigt von Euerem himmlischen Bräutigam! Ruhe werdet Ihr finden für Euere Seelen, DcnnJhr beschäftigt Euch mit dem Unterrichte und der Erziehung der Jugend, und auch diejenigen von Euch, welche nicht unmittelbar diesem Zwecke dienen, dienen ihm doch mittelbar, Soll ich Euch erinnern an die stille» Freude», die mit der Jugendbildung verbunden sind? Aber es kann nicht beschrieben, eS muß erfahren werden, welch' ein Hochgefühl in dem Gedanken liegt. Diese jugendliche Seele, ich habe sie gebildet, ich habe den Keim der Tugend in sie gepflanzt! Over soll ich Euch erinnern an die heißen Dankgebete, die auö vielen Herzen für Euch zum Himmel emporsteigen ? Es ist zwar wahr, daß Ihr oft nur Undank erntet und Vcrkennung; aber es ist auch wahr, Hunderte verlassen dieses Hans und sie tragen ein tiefes Gefühl der Dankbarkeit mit sich herum und flehen für Diejenigen, denen sie Erziehung und Bildung verdanken. Und wenn Ihr selbst dann einstens sterbet, wenn Ihr dalieget in Euerem letzten Kampfe, wenn dir Pforte der Ewigkeit sich Euch öffnet, dann erst werdet Ihr cS erfahren, welch' ein Verdienst die Juge»dbildu»g erwirbt Es mag sey», daß Ihr strauchelt, ja eS könnte sogar geschehen, daß Ihr die Gnade uud Freundschaft Eueres Gottes verlieret; denn Ihr wisset ja, obwohl Ihr getrennt seyd von der Welt und ihren Lockungen, jener gefährlichste Feind des Heiles, den wir i» unserem eigenen Herzen «ragen, er ruht selbst in der Einsamkeit nicht, und auch dem Geiste der Finsterniß sind die klösterlichen Mauer» nicht verschlossen. Aber zu Euerer Beruhigung rufe ich Euch zu mit dem heil. Augustin: Sehet, welchen Schatz Ihr in der Person der Euch anvertrauten Zöglinge besitzet! Wenn Ihr sie im Namen Jesu unterrichtet und bildet, so werden sie für Euch das Unterpfand Euerer ewigen Glückseligkeit! WaS Ihr den Zöglingen thut, das thut Ihr Jesu selber; JesuS wird es so ansehen und so belohnen, als hättet Ihr eS ihm selbst gethan, denn wer eines von diesen Kleinen aufnimmt, sagt er selber, der nimmt mich auf!" Doch, ich ende. Ich habe Euch gezeigt, weil Ihr den zeitlichen Gütern entsaget um Jesu willeu, weil Ihr gehorsam seyn wollet um Jesu willen, weil Ihr die Reinheit bewahren wollet um Jesu willen, weil Ihr dem Zwecke der Jugcndbildung dienen wollet um Jesu willen: darum wird er mit seinem Frieden Euch beglücken, mit seinen Tröstungen Euch heimsuchen. Auf darum, dem göttlichen Bräutigam entgegen! Seine Arme sind auSgespauut, Euch zu umarmen; sein Haupt ist geneigt, Euch den Kuß der göttliche« Liebe auszudrücken; sein Herz ist geöffnet, Euch im Sitze der göttlichen Liebe selbst Wohnung zu bereiten! Nehmet hin das heilige Kleid, und übet Euch fortan in Armuth, Gehorsam, Reinheit, um Euereu Beruf zu erprcbcn! Leget nieder Enere Gelübde in das Herz Eueres göttlichen Bräutigams! Erhebender Gedanke, eine reine Braut deS GotreS der Heiligkeit zu seyn, mit seinen Engeln an seinem Tabernakel zu wachen, ihn durch Armuth, Gehorsam, Reinheit zu ehren und jugendliche Seelen ihm zuzuführen! Weihet Euch dem unbefleckten Lamme; dieses Lamm wird Euch führen durch die Zeit in die Ewigkeit. Amen. ^nte prnlessinnom votoi-um: Sehet an das Lamm GotteS, welches hinwegnimmt die Sünden der Welt! Sehet eS an in seiner sacramentalen Umhüllung. ES ruft einer Jeden von Euch gleichsam zu: Mit ewiger Liebe habe ich dich geliebt! Dein bisheriges Leben habe ich so geleitet, daß dn erkennen konntest: ich will dein Herz! „Meine Tochter, schenk mir dein Herz!" Dein Herz ist zu groß und zu weit und zu erhaben, als daß die ganze Welt mit all' ihren Schein- gütcrn es ausfüllen und befriedigen könnte; darum reiß es los vou dieser trügerischen Welt, schenk mir dein Herz. Ich habe dein Herz geschaffen; ich habe es mir erkaust um den theueren Preis meines eigenen Blutes; ich will es besitzen durch meine Gnade; darum, meine Tochter, schenk' mir dein Herz! So ruft Jesus in diesem Augenblicke einer Jeden von Euch zu, lautlos zwar, aber doch vernehmbar dem gläubigen Herzen! Höret sie also, diese freundliche Stimme! Gebet Euch Jesu hin und verzichtet ihm zu Liebe auf Euer Eigenthum; gebet Euch Eueren Oberen hin und entsaget Euerer Selbst- 383 sucht; gebet Euch dem Himmel hin und ersterbet den sinnlichen Lüsten; gebet Euch dem Jnstitutszwecke hin und opfert Enere Bequemlichkeit. So gebet denn AlleS hin, aber großherzig und edelmüthig! Sprechet aus Euere Gelübde vor den Engeln, die unsichtbar diesen heiligen Ort umschweben; sprechet sie aus vor Euerer ehrwürdigen Oberin, die fortan Euch geistige Mutter seyn will; sprechet sie aus vor Eueren Mitschwestern, die für Euch in diesen Augenblicken zum Himmel flehen; sprechet sie aus vor uns Anwesenden Allen, die wir mit gerührtem Harzen Zeugen sind Euerer heiligen Handlung, sptechet sie auS Euere Gelübde! ?ost prole88ionem votorum: So ist sie denn geschlossen, Euere Verlobung, Euere Vermählung mit Jesus. Engel haben Euere Worte gehört und sie hingetragen zum Throne des LammeS. Das Lamm aber will den Bund, den Ihr jetzt mit ihm geschlossen, besiegeln mit seinem eigenen Blute I Ihr sollet seine Wohnung, sein Tabernakel werden! ES will sich mit Euch vereinigen so innig, so gnadenvoll, wie die Mutter mit dem Kinde, der Freund mit dem Freunde nicht vereiniget ist! Demüthigt Euch tief in der Betrachtung dieser. unerfaß liehen Gnade, und weil die hochheilige Communion um so segensreicher wirkt und um so schöner Euern Liebesbund mit Jesus bekräftiget, je tiefer Euere Demuth ist, so sprechet mit mir in Andacht: „Herr, ich bin nicht würdig ic." Christliche Lefefrüchte und Betrachtungen eines Laien. (Fortsetzung.) l^ch-NiuS Ä ^uN^/i!^^ Zwei Kelche werden dem Menschen im Leben vorgesetzt, der Kelch der Leiden und der Kelch des weltlichen Trostes, des FreiseynS von Leiden; nach dem letzteren greift der Mensch begierig, den ersteren trinkt er nur mit Widerstreben; und hat er ihn auch zuweilen mit Ergebung getrunken, so greift er doch, kaum daß das Leiden gewichen, wieder nach dem anderen Kelche. Den Menschen hindert eben seine Sündhaftigkeit, aus Leiden den rechten Nutzen für seine Seele zu ziehen; er ist ein König Pharao, kaum ist eine Plage vorüber, so ist er wieder der Alte. r?z-^--M^'?^^?^ A ^' Du warst oft vor einem Heiligenbild?, vor einer Krippe, in einer Kirche so andächtig, so fromm gesinnt, so aufrichtig demüthig und später — bleibst du ebendaselbst kalt, andachtslos, kannst dich jener schönen frühern Stimmung oft nur mehr dumpf, oft gar nicht mehr erinnern. Gott selbst stellt dir eben manchmal solche liebliche Bilder, solche fromme Gefühle vor die Seele zur Beschauung, zur Stärkung. Läßt Er dir auch später hievon keine Erinnerung mehr, was thut'S? Er weiß, wozu es dir damals gut war, und es kommt nicht darauf an, daß du jene süßen Augenblicke in der Erinnerung wieder genießest. Danke Ihm vielmehr innigst, daß Er dich auch nur einmal damit beglückte! 10. Deine Barmherzigkeit, o Herr! gegen uns, Deine Gnadenspendungen, Hilfen und Errettungen sind so groß, daß wir darüber eigentlich zeitlebens nur betrübt seyn können; denn nicht nur, daß wir Dir (ausgenommen etwa durch recht geduldiges Leiden und durch Selbstkreuzigung) nicht die mindeste Dankbarkeit bezeigen können, so betrüben und beleidigen wir Dich sogar fortwährend und tagtäglich durch unsere Sünden und haben also vollen und ausreichenden Grund, uns im Angesichte Deiner Erbarmungen zu beweinen. 11. Man muß unterscheiden zwischen göttlicher Gnade und göttlichem Trost; letzteren entzieht Er bisweilen den Menschen, die Gnade aber, wenigstens die nothwendige, hat der Mensch jederzeit; ja, er muß sie haben vermöge der Gerechtig- 384 keit GottcS wegen seiner Sündhaftigkeit; denn da der Mensch sich der Sündhaf, tigkeit ohne die Gnade nicht erwehren könnte, jedoch zu Grunde gehen müßte, wenn er sich ihrer nicht erwehrte, so verleiht dem Menschen, welcher freien Willen hat und weil er ihn hat, die Gerechtigkeit Gottes die nothwendige Gnade, sich der Sündhaftigkeit zu erwehren; benützt er diese ihm gegebene nothwendige und hinreichende Gnade nicht, so verfällt er dem Gerichte, und Gott ist dann nicht ungerecht, wenn Er ihn verurtheilt. 12. Von Job soll man lernen, daß wir im Elend nicht das Elend vor Augen haben sollen, sondern daß es von Gottes allerhöchster Hand komme, daß wir daher das Glück mit Dank und Mäßigung, das Unglück aber mit Dank nnd Ergebung aus Gottes Hand annehmen sollen, MünnL' "lA^Mw?'^ Und wenn uns auch noch so viel Unglück träfe, und wenn wir uns auch für noch so rein hielten, — wer ist rein vor Gott? Und kann Gott je dem Menschen etwas Böses zufügen? Alles, was Gott über uns verhängt, ist gut und Barmherzigkeit, selbst die schweren Strafen für unsere Sünden, da wir gewiß noch weit schwerere verdient hätten. Der Dom zu Speyer. Ueber die Freskomalereien in genanntem Dome sagt ein Bericht in der N. M. Z.: „Die Gemälde sind in dem Stiftschore, in der Kuppel, in den Seitenchören und in dem Mittelschiffe angebracht; in den beiden Seitenschiffen ist der Ornamentik Raum gegeben. Der Gegenstand der FreScogemälde des Mittelschiffes ist das Leben M a« rias, welcher der altehrwürdige Kaiserdom als erster Patronin geweiht ist. Dieser Gegenstand setzt sich im Stiftschore fort und vollendet sich in den Gemälden seines Gewölbes. Der nördliche Seitenchor ist dagegen zur Aufnahme von Darstellungen aus dem Leben deö heiligen Bernhard, der südliche solchen aus dem Leben des heiligen Stephan verwendet; diese beiden werden als Schutzheilige des Domes verehrt. Die Kuppel endlich, welche sich über dem Hochaltare wölbt, enthält in ihren Gewölbefeldern die Vorbilder des Opfers, nämlich im Felde gegen Norden ist daS Opfer AbelS abgebildet; Abel in kräftiger Jugendschöne opfert ein Lamm. Im Felde gegen Westen erblicken wir das Opfer Abrahams; im Felde gegen Osten daS Opfer MelchisedechS, und das Feld gegen Süden endlich zeigt daS vierte Vorbild: das Manna in der Wüste. In der Mitte des Kuppelgewölbes erscheint dann von einer Glorie und den vier apokalyptischen Gestalten umgeben, das mystische Lamm, ruhend über dem Siebensiegelbuche aus dem Throne." Asien. Im Reiche der Birmanen, welches man auch daö Königreich Ava, Arrakan und Pegu nennt, befindet sich in der Stadt Rangun eine römisch-katholische Kirche, auf deren Thurm von Holz mitten unter den Pagoden des Buddhismus sich das Kreuz erhebt. Der Pfarrer Domingo stammt aus der Stadt Trient in Tyrol, ist etwas über 50 Jahre alt, und befindet sich seit 1830 im Reiche der Birmanen. Er spricht viele Sprachen und hat sich auch durch seine anderweitigen Kenntnisse in Ansehen gesetzt. Er versteht etwas von der Arzneikunst und bereitet die Arzneien selbst, spricht und schreibt die birmanische Volkssprache ganz richtig. Auch besitzt er eine kleine Druckerei, und hat die birmanischen Buchstaben selbst gegossen, und einen Katechismus in der Landessprache gedruckt. Wegen seiner ausgezeichneten Eigenschaften steht er bei den Armeniern, Mohammedanern und Birmanen in großem Ansehen. ° ^ " ____^_^. Verantwortlicher Redacteur: L> Schönchen. VerlagS-Jnhaber: F. E. Kvemer. >,