Zwölfter Jahrgang. - Sonntags-Beiblatt zur Augsburger Poffzeitung. -u;y»«owz mtzüG'»i«l niä. r»!!-,s . ,1,«« Z(do7Ä>k nzt^eM ckme vut'frrD ^ 12. December Z«. 185L. >>> > . Dieses Blatt erscheint regelmäßig alle Tonntage. Der halbjährige Abonnementspreis TA kr., wofür e» durch alle köm'gl. bayer. Postämter und alle Buchhandlungen bezogen werden kann. Die Heiligen und Heiligenbilder der katholischen Kirche. (Fortsetzung.) Nach diesen Vorbemerkungen über die Heiligenbilder gehen wir zur Beschreibung derselben im Einzelnen über und beginnen mit den Bildern deS Herrn der Heiligen. Auf Bildern, welche die Geburt Christi darstellen, sieht man neben der Krippe einen Ochsen und einen Esel. Dazu bemerkt ErasmuS: „Von alten Zeiten her ist uns ein Gemälde zugekommen, welches zur Krippe einen Ochsen und Esel hinzufügt." Doch steht hiervon nichts deutlich in der heiligen Schrift; die Veranlassung hierzu mag entweder jene Stelle auS Jsaias 1, 3: „Der Ochs kennt seinen Herrn und der Esel die Krippe deS Herrn"' oder aus Habaknk 3: Inmitten zweier Thiere wirst du erkannt werden," gegeben haben. Ueber die ans daö Fest der Erscheinung deS Herrn bezüglichen Bilder bemerken wir Folgendes: Nach Petrus (cls. ust. I. 2. Lat. 8 ) soll der eine der drei Weisen, Balthasar, vierzig, der andere, Kaspar, sechzig, und der dritte, Melchior, zwanzig Jahre alt gewesen seyn, und gewöhnlich werden sie auch als Manner von diesem Aller abgebildet. Auf älteren Bildern steht man alle drei mit weißen Gesichtern, und so waren sie auch in der kölnischen Kirche dargestellt. Der Gebrauch, einen der Weisen als Mohren zu malen, ist erst in neuerer Zeit erschienen. Mit Recht aber werden sie als Könige abgebildet, denn als solche bezeichnen sie die ältesten Schriftsteller. Der heil Chry- sostomuS nennt sie persische Könige, und ebenso sagen die heiligen AthanasiuS und HieronymuS-, wie nicht minder Tcrtullian, daß sie Könige gewesen seyen, und jene Schriftsteller stützen sich nicht sowohl aus die Geschichte, als auf die heilige Schrift, und namentlich auf jene Stellen Ps. 71: „Die Könige von TharseS und die Inseln werden Geschenke bringen; die Könige der Araber unv von Saba werden Geschenke herbeiführen," und Jsaias 6V: „Im Glänze deiner Geburt werden Könige einher-- gehen," und diese Stellen sang die christliche Kirche schon in ältester Zeit am Feste der Epiphanie. Tertullian sagt überdies,, daß fast der ganze Orient die Weisen für Könige halte. Nicht minder scheinen die Worte: „Und sie öffneten ihre Schätze" anzudeuten, daß sie Könige waren. In einem alten Epigramm, welches man Claudian zuschreibt, werden sie chaldäische Könige genannt, und diese Meinung hatte schon in früheren Zeilen im Volke Wurzel gefaßt. Adam SaSbout schreibt in der Homilie am Feste der drei Könige: „Sie waren aber nicht nur Weise, sondern auch Mächtige, ja sogar Könige; so sagt die mündliche Ueberlieferung, welche der Umstand wahrscheinlich macht, daß bei den Persern Niemand König seyn konnte, der nicht vorher die Wissenschaft der Magier erlernt hatte." Den schönsten und gründlichsten Beweis dafür, daß die ' drei Weisen Könige gewesen seyen, führt Cornelius Jansen; doch da derselbe ziemlich lang ist, so übergehen wir ihn; die bereits angeführten mögen genügen. In Jem- SS4 blour wurde ein Meßgewand aufbewahrt, welches aus den Zeiten des heiligen Bernhard stammte und sehr schön gestickt war. Auf demselben waren die drei Weisen als Könige mit Kronen und weißen Gesichtern. Gegen die Meinung Luthers, daß es mehr als drei Weisen gewesen seyen, welche zur Anbetung Christi kamen, streitet, daß in Köln drei heilige Leiber der Weisen aufbewahrt werden, und daß Leo der Große und andere Schriftsteller drei aufzählen, Auf den Bildern der drei Weisen sieht man auch oft einen Mann bei dem Stalle, der die Hände emporhebt: der Prophet MichäaS (5, 1). — Als Christus nach Egypten gebracht wurde, sollen hier die Götzen zusammengestürzt seyn (Jsai. 19), weshalb man aus Bildern, die die Flucht nach Egypten vorstellen, ein umfallendes Götzenbild fleht. Der Teufel, welcher sich gern in einen Engel des LichtS verwandelt, kam wahrscheinlich in der Gestalt eines ehrbaren und heiligen Mannes zu Christus, um ihn zu versuchen. Heinrich Agrippa schreibt, er habe auf einem Bilde, welches die Versuchung Christi darstellte, den Teusel nach Art der Mönche und Eremiten mit einer Capuce abgebildet gesehen, weshalb er mit einem schlechten Witze auSrust, er habe aus einem Bilde gefunden, was er in der heiligen Schrift vergeblich gesucht habe, daß nämlich der Teufel der Erfinder der Capucen sey. Manche Maler verabsäumen es, bei Darstellung des letzten Abendmahles ungesäuertes Brod zu malen. Gewöhnlich sieht man dreizehn Stücke Brod abgebildet, um anzudeuten, daß Christus nicht nur seinen zwölf Aposteln, sondern auch sich selbst das heilige Sakrament gespendet habe. Der Gebrauch, das Abendmahlbrod rund darzustellen, ist sehr alt; schon der heilige EpiphaniuS erwähnt desselben. Jetzt einige Bemerkungen über die Bilder, welche das Leidendes Herrn darstellen. Der Heresiarch Beza tadelte die katholischen Maler, weil sie, gestützt auf jene Worte: „Dieser Kelch gehe an mir vorüber," den Kelch Christi im Oelgarten nach der Gestalt der in der Messe gebräuchlichen malten. Er sagt, daö griechische ?ror^to^ dürfe nicht durch Kelch, sondern durch Becher übersetzt werden, und bezeichne den Zorn Gottes, die Strafe für unsere Sünden, weshalb jener Becher das „verfluchte Opfer beS Antichrists" nichts angehe. — Gewiß ist keiner unserer Maler so dumm, daß er glaube, Christus habe von dem Meßkelche geredet. Weil aber der Heiland im figürlichen Sinne bat, der Kelch oder der Becher seines Leidens möge an ihm vorübergehen, so malen unsere Künstler gewöhnlich einen Kelch; sie behielten die Form des Kelches oder Bechers bei, welcher einzig beim heiligen Meßopfer gebraucht wird, weil Christus nicht einen gewöhnlichen, sondern einen allerheiligsten Becher (oder Kelch) trank, denn allerheiligst war sein Leiden, in welchem er sich seinem Vater sür uns als Opser darbrachte. Daher zog wohl auch der Uebersetzer den Ausdruck „Kelch" vor, weil dieses Wort nach dem Gebrauche der Christen etwas Höheres nnd Heiligeres bezeichnet, als das Wort Becher. Von Alters her malte man aber den Kelch in der Hand des Engels, wodurch bezeichnet wird, daß, als Christus bat, der Kelch möge an ihm vorübergehen, ein Engel erschien, der ihn stärkte. Manches ist über die Kreuzigung Christi zu sagen. Man hat die Frage erörtert, ob Christus vor oder nach der Aufrichtung des Kreuzes an dasselbe gehestet worden sey. Der hl. Gregor von Nazianz und Andere schreiben, er sey nach der Aufrichtung des Kreuzes gekreuzigt worden. Die allgemeine Annahme ist wohl für das Gegentheil. Der Heiland wurde aber so an's Kreuz gehestet, oder hing an demselben so, daß er mit dem Rücken gegen Jerusalem, also gegen Osten, mit dem Gesichte nach Westen sah, mit seiner rechten Hand nach Norden, mit seiner linken nach Süden zeigte. Ebenso stieg er gen Himmel auf; Er wendete sein Gesicht nach Westen, nach der römischen Kirche hin, für die er PetruS und Paulus auserkoren hatte. — Vor dem vierten Jahrhunderte scheint man keine Crucifixe gehabt zu haben, was wohl durch die Rücksicht aus die Heiden und auf die kaum aus dem Heidenthum bekehrten Christen verhindert wurde; in den ältesten Zeiten diente das bloße Kreuz zur Erinnerung an den Versöhnungstod des Heilandes. Zuweilen auch findet sich ein Lamm zu den Füßen des Kreuzes stehend, oder mitten in 395 demselben Daß Christus nackt, wenigstens nur mit Bekleidung der Lenden gekreuzigt wurde, muß aus dem Umstände, daß die Kreuziger sich in seine (Ober- und Unter-) Kleider theilten, gefolgert werden. Auf älteren Gemälden, und in den griechischen Kirchen erscheint er bekleidet am Kreuze. Auch der heilige Gregor von TourS schreibt, daß in der Nähe der Stadt Narbonne eine Kirche sey, in welcher der gekreuzigte Christus in eine Art Leinentuch eingehüllt sey. Die Form der ehedem zur Kreuzigung verwendeten Kreuze war dreifach: das sogenannte Andreaskreuz (X), das Kreuz, welches durch die Befestigung eines Querbalkens über dem aufrechten Balken gebildet war (I') und endlich das Kreuz, wie wir eS bei der Abbildung des gekreuzigten Erlösers zu sehen gewöhnt sind. Daß die letztere Form bei Christus wirklich angewendet worden, geht auS Stellen der heiligen JrenäuS, Augustin, Gregor von Nyssa u. a. hervor, in welchen sie ausdrücklich von dieser Kreuzform reden. Eine so allgemeine Uebereinstimmung, wie sie in der Abbildung deS Kreuzes Christi besteht, setzt auch nothwendig eine thatsächliche Ueberlieferung voraus, die obenein in dem von der heiligen Helena wieder aufgefundenen Kreuze eine neue Begründung und Stütze finden mußte. Auf sehr alten Bildern sieht man Christus mit vier Nägeln an das Kreuz geheftet, und diese Kreuzigungsweise haben bis auf den heutigen Tag die französischen Bildhauer und Maler beibehalten; wohl nicht mit Unrecht, denn sie ist durch das Alter geheiligt. Zudem schreibt Gregor von TourS, und schon der heilige Cyprian, daß zwei Nägel die Hände und zwei die Füße des Heilandes angeheftet hätten. Auf vielen Kreuzen sieht man ein Stück Holz, als Stütze für die Füße des Gekreuzigten, angebracht. Hicvon weiß man vor dem sechsten Jahrhunderte nichts. Es war nicht Sitte, die Füße der Gekreuzigten zu stützen, wohl aber ein Holz, auf welches der Gekreuzigte rittlings zu fitzen kam, in das Kreuz einzuschlagen, um das AuSreißen der Hände zu verhindern. Christus am Kreuze hat eine Dornenkrone, um anzudeuten, daß er der kurz vorher mit Dornen gekrönte König der Juden sey. Gregor, mit dem Beinamen der Theolog, schreibt, daß Christus wirklich eine Dornenkrone auf dem Haupte gehabt habe, und in einem Gebete, das Gregor dem Großen zugeschrieben wird, heißt es: „Ö Herr Jesus Christus, ich bete dich an, der du am Kreuze hängst und eine Dornenkrone auf dem Haupte trägst." Auch Tertullian sagt, daß Christus eine Dornenkrone am Kreuze getragen habe. Auf älteren Bildern vermißt man die Krone, auf andern hat der Erlöser eine Königskrone. Einige Kirchenschriftsteller tadeln jene Maler, welche die Dornen bis in den Schädel und das Hirn Christi eindringen lassen, weil eS in der Schrift heißt: „Ihr sollt ihm kein Bein zerbrechen." Der Sinn dieser prophetischen Worte kann übrigens unmöglich so weit ausgedehnt werden. Tertullian schreibt, daß die Schläfe des Herrn durch die Dornen der Krone beschmutzt und aufgerissen worden seyen.- Früher erschien Christus am Kreuze lebend, mit offenen Augen, die Füße nebeneinander angenagelt, und erst vom zehnten oder eilsten Jahrhunderte an verscheidend oder todt und zwar mit 'niedergesenktem Haupte, gegen das sechszehnte Jahrhundert beide Füße mit Einem Nagel durchbohrt. Vielleicht erst seit Michael Angelo wird das Haupt nach hinten gesunken, mit offenem Munde dargestellt. Ju den Offenbarungen der heiligen Brigitta heißt es, daß die Mutter Gottes ohnmächtig neben dem Kreuze niedergefallen sey. Auf den meisten Bildern sieht man sie schmerzenvoll, ja in Thränen zerfließend, wie eS denn auch in jenem unvergleichlichen HymnuS auf die schmerzhafte Mutter heißt: „Stakst m?tvr tc" Christi Mutter stand in Schmerzen Bei dem Kreuz, und weint von Herzen, Als ihr lieber Sohn da hing. Durch die Seele voller Trauer, Seufzend unter Todesschauer, Jetzt>5'a, Schwert de« Leiden« gticg? 396 Sehr Viele tadeln eine solche Darstellung Maria', wie ste in den erwähnten Offenbarungen und auf manchen Bildern 'gemacht wird. Denn vor Allem schreibt der heilige Johannes (19.)- „Bei dem Kreuze Jesu stand seine Mutter." „Ja," sagt ein Kirchenschriftsteller, „sie, deren Glauben nicht wie der der Apostel wankte, stand da, ohne ein Zeichen eines schwachen Geistes von sich zu geben; ste sank nicht auf die Erde, sie zerriß nicht ihre Haare, sie zerschlug nicht ihre Brust." „Sie stand da, sagt der heilige AmbrosiuS, „selbst bereit, für das Heil deS menschlichen Geschlechtes zu sterben." Matthäus GalenuS schreibt: „Wer kann, ich möchte fast sagen die Gottlosigkeit jen er Maler ertragen, welche die Mutter so vorstellen, als habe sie ihre Haare zerraufet, ihr Haupt besudelt, ihre Brust zerschlagen, als sey sie von Krämpfen befallen worden und niedergesunken u. s. w.?" Fast ebenso äußert sich der heilige An- selm, und Bernardin von Bustis bemerkt, daß der Fall Maria unter dem Kreuze aus einer ungegründeten Meinung süße. Auch sagt derselbe, daß Maria links vom Kreuze vorgestellt werden müsse, denn ste stand nach Norden hin und betete für die Sünder; daß sie nicht zur rechten Seite des Kreuzes gestanden habe, folgert Alexander von HaleS aus Pf. 14t, wo es heißt: „Ich sah rechts und schaute mich um, und Niemand war da, der mich kannte." — Der heilige Thomas von Aquin schreibt in seinem Werke über das heilige Sakrament deS AltarS, daß man zuweilen auf der rechten Seite deS Kreuzes ein Mädchen mit fröhlichem Gesichte, von sehr schönem Aenßern und mit einer Krone auf dem Haupte dargestellt finde, welches das Blut des Herrn in einem Kelche auffängt und die Kirche bedeutet. „Eine gläubige Seele," bemerkt der Heilige hierzu, „trinkt geistiger Weise das Blut des Herrn und empfängt dagegen Licht, Freude deS Herzens und die Krone der ewigen Herrlichkeit." „Links vom Kreuze," fährt derselbe fort, „wird die Synagoge vorgestellt, und zwar mit verbundenen Augen, trauriger Miene, gebeugtem Haupte und einer herabfallenden Krone; sie schüttet daS Blut aus und behandelt es mit Verachtung. Hierdurch wird bildlich angedeutet, daß sowohl die Synagoge, wie Jeder, der eine Todsünde begeht, drei Güter verliert: das Licht, die Freude deS Herzens und die Krone der Herrlichkeit. In dem apokryphischen Evangelium deS Nicodemus und durch die allgemeine Ueberlieferung wird der Schächer, welcher zur rechten Seite Christi hing, DiSmaS genannt. Die heiligen Augustin und Leo sagen: Christus zwischen den zwei Räubern am Kreuze hängend sey ein Vorbild deS letzten Gerichtes gewesen, in welchem er die Guten zu seiner Rechten, die Bösen zu seiner Linken stellen wird. In derselben Weise sprechen sich aus der Papst Cölestin, der heilige HieronymuS, der heilige HrabranuS, der heilige Hilarius und Andere. Auch sieht der heilige Augustin in dem rechten Schächer Die, welche wegen der Gerechtigkeit leiden, und im linken die falschen Märtyrer, die ohne Liebe leiden. Daß beide Räuber mit Nägeln an das Kreuz angeheftet worden seyen, schreiben die heiligen Augustin, Chrysostomus, GregoriuS und Andere; die Meisten kommen anch dahin überein, daß die Kreuze derselben dem unseres Heilandes ganz ähnlich gewesen seyen. Seit längerer Zeit sieht man die Schächer mit Stricken an das Kreuz gebunden, wahrscheinlich, damit ste nicht so leicht mit Christus verwechselt werden. Unter dem Kreuze ist oft ein Todtenkopf abgebildet, und dies ist, wie Albert der Große bemerkt, der Schädel AdamS, der unter dem Kreuze begraben gewesen sey. Doch erscheint Adam hier wohl mehr als sinnbildlicher Stellvertreter des gesammten durch die Sünde dem Tode verfallenen Menschengeschlechtes. An sich ist der Schädel unter dem Kreuze eher eine Anspielung auf den Ort, wo Christus gekreuzigt wurde, und der Schädelstätte hieß. Man sieht auch oft Adam unter dem Kreuze liegen, durch welches er erlöst wuroe, und die heiligen Väter schreiben, er sey der erste gewesen, den Christus aus der Vorhölle befreite. Daß Christus ohne alle Wunde, ohne Flecken vom Kreuze herabgenommen worden sey, ist unbegründet. Unerweislich, aber ein schönes Moment für künstlerische Darstellung ist, daß er nach semer Abnahme vom Kreuze in den Schooß seiner Mutter gelegt worden. (Fortsetzung folgt.) 397 « u » Ungarn.*) In der jüngsten General-Versammlung des Gustav-Adolph-VereineS, in welcher so viele Redner Feuer und Flammen gegen die Kirche spieen, trat auch der bekannte resormirte Prediger Hr. Ferencsik aus Ungarn mit vielen und schweren Klagen in Hinsicht der höchst betrübten Lage und Umstände der ungarischen Protestanten auf. Die Redaktion der „Kirchenzeitung" sprach deßhalb den Wunsch auS, daß Jemand aus Ungarn seine Klagen gehörig würdigen oder beleuchten möge. Da nun dieser Wunsch bisher unberücksichtigt blieb, so will ich zur Feder greifen und der besagten Aufforderung, so gut ich eS vermag, nachkommen sine ira et stuäio. — 1. Hr. Ferencsik schlägt die Zahl der Protestanten in Ungarn vor Allem viel zu hoch an, und wenn er auch Ungarn im vormärzlichen Sinne nimmt und dazu auch die Socinianer in Siebenbürgen rechnet. Der bekannte ungarische Statistiker F6nyes ist auch selbst eifriger Protestant und hat noch nie so viele Protestanten herausgebracht, als Hr. Ferencsik. — 2. Müssen wir auch Protestiren gegen die vorgeschützte große Armuth der Protestanten in Ungarn in Hinsicht ihrer Kirchen und Schulen. Ihre Stiftungen zu Debrezin, Ssros-Patak, Oedenburg, Kecskemet, Leutschau, Käsmark, Papa, Komorn, Pesth zc. ic. sind groß; und wenn sie erst gewissenhaft wären verwaltet worden! Es ließen sich aber Bücher schreiben, wie man damit z. B. in Debrezin, Säros-Patak wirthschaftete, Tausende ohne Hypothek auS lauter Rücksichten geborgt, wie man die Zinsen nie eingetrieben, wie man mit einem Worte „more pstric," gehauset hat. WaS hätte eine katholische religiöse Genossenschaft nicht alles geleistet mit dem, was bei protestantischen Stiftungen nicht ausreichte? — 3. Hatten die Protestanten im Vormärz in Ungarn gewiß die größte Freiheit in Hinsicht der Kirche und Schule. Die Beschlüsse der Preßburger National-Synode sind heute noch nicht genehmigt, und eS kostete dem sel. Primas Rudnay unendlich viel, die Erlaubniß dazu zu erhalten, uud die Bischöfe fanden sogar Hindernisse in der Einführung der Katechismen in den sogenannten Normalschulen, während die Protestanten Convente über Convente hielten, ihre Schulen frank und frei nach Belieben organisirten und machen konnten, was sie wollten, ohne nur irgendwo anzufragen. Während die katholischen Schulbücher, voll Josephinischen Geistes, stereotyp waren, und überall ohne Ausnahme streng gehandhabt wurden, konnten die Protestanten lehren und lernen, was und wie sie wollten, und kein Hahn krähte darüber. Und welche Stirn gehört dazu, um öffentlich vor ver Welt zu behaupten, daß die Lesung protestantischer Bücher in Ungarn höchst verpönt war. Gerade in Ungarn herrschte ja in dieser Hinsicht die zügelloseste Freiheit. Der „Kanonische Wächter" unseligen Angedenkens und die Schriften aller Katholikenfresser waren ja gerade in Ungarn am meisten verbreitet. Während z. B. in Wien die Polizei die Buchhandlungen überwachte, war „im freien Ungarn" in dieser Hinsicht gar keine Aufficht, — und wer hätte sie auch gehandhabt? Vielleicht die Stuhlrichter oder die Stadthauptleute? Die hielten eS ja unter ihrer Würde, sich mit Büchern abzugeben. Nur ein Beispiel. Diejenigen, die die „Worte eines Gläubigen" hätten confisciren sollen, verbreiteten dieselben am eifrigsten. Und wie war die Presse in Ungarn in den letzten Jahren bei aller Censur so ganz ohne Beschränkung? Es wurden in Ungarn selbst die revolutionärsten Werke gedruckt, man konnte eS mit der Hand greifen, wo, und sie wurden dennoch überall verbreitet. Herr A. T. Wimmer, Prediger von Oberschützen, verglich in der ungarischen protestantischen Kirchenzeitung die Prälaten der ungarischen Kirche, mit den „ großköpfigen, ägyptischen Zwiebeln, nach denen die Juden so lüstern waren ic. zc." ohne Scheu; in GünS erschienen Bilderbücher, in welchen die kathol. Kirche mit Wort und Bild auf das ärgste verhöhnt wurde, und das betreffende Ordinariat bekümmerte sich darum nicht im Mindesten, obwohl mehrere Seelsorger darüber ex oklö klagten. Lutherische Bibeln wurden in ungarischer und deutscher Sprache den Katholiken um wahre Spottpreise aufgedrungen, und man ließ eS ungehindert ') Au« der Wiener K. Z. 398 geschehen. In den Komitatsversamml»mgen wütheten katholische Redner am eifrigsten gegen ihre Mutter die katholische Kirche und tausend und abermal tausend „kHsn" waren der Lohn ihres „FreiheitsinneS und Heldenmuthes". Katholische Prälaten eiferten für protestantische-Vicegespäne , bei den in der letzten Zeit so fluchwürdigen BeamtMwahlen, wo so viele- Todtschläge und andere furchtbare Erzesse sich ereigneten, ohne daß Jemand darnach gefragt hätte. Freilich änderte sich nun Vieles im Jahre 1849. Das ! Ministerium'für Unterricht organisirte die höheren Lehranstalten ohne Unterschied für Protestanten--und Katholiken. Die letzteren fügten sich auch mit den größten Opfern ohne Widerrede, nicht so die ersteren, sie blieben — Protestanten auch in dieser Hinsicht, und das Ministerium entzog allen sich nicht fügenden Lehranstalten die Oeffentlichkert, befahl aber mit keinem Worte, wie Herr FerencSik es glauben machen will, daß protestantische Jünglinge sich an katholischen Lehranstalten müssen prüfen lassen. Die Verordnungen in Hinsicht der Maturitätsprüfungen gehen Katholiken wie Protestanten gleich an und-'sind allbekannt; man kann daher nur staunen, wie denn Herr FttencSik eö wagen kann, so frech in die Welt hinauszulügem — Auch in Hinficht des k. k. Militärdienstes ist kein Unterschied zwischen Katholiken und Protestanten, folglich-hat FerencSik-auch da gelogen. — Nun für heute nur noch ei» Wort über „Schützen", für das die Thaler des Gustav'Adolph-Vereines schon so oft' in Anspruch genommen wurden. Oberschützen ist ein deutsches Dorf im Eisenburger Comitat, nicht fern von der österreichischen und steierischen Grenze,' mit 52 kätholischen und 1396 protestantischen sAugSb. Conf.) Einwohner. Herr A. Wimmer, besonders als deutscher geograph. Schliftsteller bekannt, wirkte hier mit besonderem Eifer durch viele Jahre- „Mächtig--in Wort und in der Feder", trotzte er seinem Snperintendenten, dem Konvente ic.'Zcl'und regierte seine Heerde nach Beliebelt, wurde abÄ"von einennTheile derselben vertrieben und ging nach Modern. Von der sieghaften -Partei bald wieder zurückberufen, entwickelte er neuen Eifer, als'man in Un- ga?N'!aDW^mitnallen -Verhältnissen und Einrichtungen des Landes auf einmal unzu- srkdenuzu werden. Er schloß sich vor Allem der englischen Bibelgesellschaft an, und überschwemmte auch Ungarn bald mit Büchern der Gesellschaft, erschien in der Versammlung deS Gustav - Adolph - Vereines und klagte noch jämmerlicher als FerencSik, Mr-vbed auch glücklicher und erbante , nachdem er Oberschützen dahin bewogen, sich sich0um--8g,000 -fl. C. M. von, grundherrschaftlichen Verbände loszukaufen, eine große Schuld'allta und berief Lehrer aus'Berlin und übergab einem davon nicht"nur'die Leitung'der Anstalt, sondern auch eine seiner Töchter als Frau. Die Anstalt wurde bald NM't und breit bekannt und mußte erweitert werden. AIS daS vcrhängnißvolle Jähr'1848 hereinbrach und der BanuS mit seinen Schaaren nach Ungarn kam, organisirte Hr -Wimmer den Landsturm/ drohte sogar edlen Frauen mit dem GalMn und entwickelte einim Eifer, der einer besseren Sache würdig gewesen wäre. Als aber Fürst Windischgmy -nach Ungarn kan^ flüchtete sich Hr. Wimmer glücklich nach 'Berlin, und-tzerirte sich dort als Agenten Kossuths. Er ging-später nach Amerika, protestirtc dort mit einigen Flüchtlingen im Namen Ungarns (ohne von Jemanden dazu autorisirt zu-sehn) gegen alle Anordnungen der Regierung, kam aber bald wieder nach Bremen und machte auch da wonach "reden. Sein nicht kompromittkrter Schwiegersohn leitete auch"in WimmerS Abwesenheit die Anstalt, erweiterte sie zu einem kleinen Gymnasium und einer dreiklassigen Realschule, und war so glücklich, weil er den hohen Verordnungen in Hinficht der Organisirung sich fügte, für das Gymnasium und die Realschule die« Qeffentlichkeitsrechte zu erhalten..— Das ist also das oftgenannte Schützen. Keim-Katholik wird es den Protestanten verargen, daß sie sich bestreben, Schulen zu errichten und für dieselben Hülfe "on ibrcn Glaubensgenossen ;u erhalten; nur muß noch in Hinsicht Schützens bemerkt werden, daß viele katholische Jünglinge dort ihre Studien machen? jcmsogar sich im dortigen Convicte befinden. Nun ist die katholische Pfarrkirche (Pinkafeld) von- Schützen- 1'/? Stunden entfernt und in Schützen nur einmal im Jahre katholischer Gottesdienst. Ja, eS ist nicht einmal ein katholischer Religionslehrer für Schützen vorhanden, wie sollen nun die sich dort befindlichen kathol. 398 Jünglinge katholisch erzogen werden? Wollte Gott, der hochwürdigste Bischof von Brünn fände auch bei uns Nachahmer, es würde darum der Religionösriede nicht gestört und die Toleranz nicht verletzt werden, ,>än'ck tt4 sutk -)Än6iiZi!i< '^""-ilp IN-»^' ^swmzj Ittl^>6 Iilim Hiu ,ui'üt?» ch^i Chrifiliche Lesefrüchte und Betrachtungen eines Laien. (Fortsetzung,) ^ilch..^ '.U ^ - ^ t4. „Wie Gott will! Wer in Leid und Kummer es einmal-so weit gebracht hat, dieses Stoßgebet zu beten, der ist auf dem Wege zum Heil seiner Seele, Doch gibt es auch hier, wie in Allem, Grade und Unterschiede. Es gibt Leidende, welche bei diesem Stoßgebet noch eine gewisse Stärke des Geistes, einen gewissen Seelentrost, einen gewissen freudigen Muth fühlen; sie tragen ihr Leid leichter; schwerer und verdienstvoller aber wohl Jene, denen Gott in ihrem Leid oft allen fühlbaren Trost, alles Bewußtseyn der Gnade, alle empfindliche Süßigkeit der Andacht, alle AuS- ficht und Hoffnung benimmt und sich ganz vor ihnen verbirgt, sie rundum mit völliger Finsterniß des Leids umgebend; wenn nun solche gekreuzigte Seelen — (und eö gibt deren) — gleichwohl in Demuth und in unbedingter Hingebung an Gott kein anderes Wort mehr haben, alS: „wie Gott will!" und keine andere Sorge als die, ja dem Willen Gottes sich recht demüthig zu ergeben und Ihn nicht durch Kleinmuth oder Eigenwillen zu beleidigen, so stehen sie freilich in ihrem Kreuzleben recht arm und verlassen da; aber glaubt mir, die Engel im Himmel jubeln über eine solche gekreuzigte Seele und Gott selbst muß, menschlicherweise zu sprechen, sich sehnen, eine so schwergeprüfte und so demüthig treue Seele seiner Zeit mit Seiner ewigen Liebe zu belohnen, ,qKi«»umck<»St,< Communicire im Geist bei der heiligen Messe mit, und denke, eS sey deln Communion tag; und da du dich an deinen Communiontagen mehr als sonst vor deinen Gewohnheits- und sonstigen Sünden hütest, so thue dieß auch an jenen Tagen, wo du im Geiste communicirt hast; — und da du an wirklichen Communiontagen, wie du auS Erfahrung weißt, oft ohne dein Zuthun einen eigenen innerlichen Frieden fühlst, so suche ihn dir an Tagen, wo du im Geiste mitcommunicirst, zu erwerben und zu verdienen durch größere Geduld und Friedfertigkeit, durch treuere Uebung deiner Berufspflicht, durch vermehrte gute Werke zc. So wird dir allmählig die heilige Messe eine Quelle besonderer Heiligung werden. P a s s a u. Passau, 2. Dezember.' Drei Jahrhunderte sind vorüber, seitdem am einsamen Gestade der Insel Sancian ein Mann von der Welt geschieden, dessen Andenken wie in der Kirche wohl auch in jener gefeiert werden dürfte. Wer, der nur einigermaßen — ich will von Anderem schweigen — die Geschichte der Menschheit in Verstand und zu Herzen gebracht hat, kennt nicht den Namen Xaver, den Apostel von Indien und Japan? Wahrhaft ein Apostel dem Geiste, ein Apostel der Thätigkeit und dem Wirken nach. Gleich dem großen Völkerlehrer war er dem Herrn zu Liebe der Welt ein Thor geworden, umfassend das Kreuz und seine Lehre. Der aber thöricht und schwach schien, war weise und stark in der Krast seines Gottes, so daß Königen und Fürsten er den Sieg abgerungen, die Elemente selbst ihm gedient und sogar die Todesgewalten dem im Namen Christi einfach gesprochenen Worte des Dieners Gottes gehorcht haben. Wie viele Triumphe er über Steinherzen gefeiert, wie viele Tausende er für Zeit und Ewigkeit beglückt hat, ist Dem allein bekannt, mit dessen Gnade er Solches vollbrachte. Und doch war Xaver nur ein einfacher, demüthiger Missionär aus der Gesellschaft Jesu, jener Gesellschaft, die vom Anfang ihres Bestehens an bis heute dem modernen Heidenthume die ausgemachteste Thorheit 400 und das größte Aergerniß gewesen und ist. Auch jetzt wie einst lebt der Geist noch in Lavers Mitbrüdern, die ihm der Herr in unsern Tagen erweckte, allenthalben GotteS Ehre suchend und bestrebt das Heil und Wohl der Menschen zu fördern. Auch jetzt ertönt, und mehr denn jemals, auS ihrem Munde der einladende Ruf der Kirche, mit Gott sich zu versöhnen und einschlagend die verlassene Bahn des Heiles ihr Glück für alle Zeit zu gründen. Sendboten, nicht blos für die fernen Länder des asiatischen Ostens, durchziehen sie die Gauen des deutschen Landes, hier wieder aufbauen zu helfen, was vielfach durch den zerstörenden Geist falscher Weisheit und menschlichen Hochmuthes zerfallen. Verfolgung durch Schmach und Hohn und Lüge und noch andere „edle" Mittel ist vielfach ihrer Mühen Lohn; kein Wunder, denn schon Xaver und Alle dieses Geistes haben dasselbe erfahren. Am Ende aber siegt doch immer die Wahrheit — und Baal macht dem Jehovah Platz und daS Kreuz hat seine uner> schütterliche Kraft bewährt. Bereits zeigt es sich, wie der Menschen Herzen, obwohl oft lang vom Lügengeist und ihrem SinneSgelüst betrogen, endlich sich nach dem sehnen und zurückwenden, was wahrhaft Ruhe schafft. Und wer ihnen zu diesem höchsten Gute wiederverhilft, den lieben sie. Darum nur fortgestritten, nur fortgelitten mit der Geduld des großen JndianerapostelS, ihr mannigfach gehaßten, doch auch vielfach geliebten Schüler deS heiligen Jgnatius! Tausende danken Euch schon, was Niemand in der Welt geben kann, den Seelenfrieden: ihr Leben beweist am besten Eure Lehre. Wahr, wie der hl. Xaver, könnt auch Ihr sprechen: „Herr! auf Dich habe ich mein Vertrauen gesetzt, ich werde niemals zu Schanden werden." F u I d a. (5 Fulda, 20 November. Gestern feierte der hiesige Vincentius- und Elisabethenverein sein Patronatsfest in der Kirche zum heil. Michael. Der hochwürdigste Bischof hielt, von einem zahlreichen Klerus assistirt, das feierliche Hochamt, nach demselben richtete er mit dem bischöflichen Ornate bekleidet von dem Altare aus eine Anrede an das zahlreich versammelte Publikum, worin er auf das Leben der heiligen Landgräfin von Thüringen und Hessen St. Elisabeth hinwies und dann ausführte, was die christliche Liebe sey und was sie geleistet habe, was sie ganz besonders aber heutzutage in Frankreich leiste, wobei der hochwürvige Redner eine kurze Schilderung der religiösen Frauencongregationcn Frankreichs gab und dann die Mitglieder der hiesigen WohllhätigkeitSvereine aufforderte, in ihrem schönen Streben zu verharren und dasselbe immer mehr zu bethätigen. Beide Vereine wirken hier in der That sehr viel Gutes, obschon die zu ihrer Disposition stehenden Mittel durch monatliche freiwillige Beiträge aufgebracht werden und so bedeutend an sich nicht sind. Wir haben uns bei dieser Gelegenheit recht deutlich überzeugt, daß keine noch so sorgfältig bureaukratisch organisirte und controlirtej Armenpflege daö zu leisten vermag, was ein aus der christlichen Liebe hervorgegangener Verein leistet. Möchten dieselben doch überall im katholischen Deutschland entstehen und recht freudig gedeihen, sie werden die beste Schutzwehr seyn gegen den immer mehr um sich greifenden Pauperismus, dem papierne Verordnungen so wenig wie die Verbreitung gemeinnütziger Schriften abhilft. N o m. Rom, im November. Im vorigen Monate fand in den stillen Mauern eines NonuenklosterS ein? interessante religiöse Feierlichkeit statt. Es wurde nämlich in der Kirche des Klosters der Dominikanerinnen, zur hl. Katharina von Sie na, ein junges Mohrenmädchen getaust. Der Cardinal Patrizi, Generalvicar Sr. Heiligkeit für die Stadt Rom, wollte selbst das Sacrament ertheilen, eine Dame von hohem Stande und ein Prälat waren Gevatter. Berautwortlicher Redacteur! L. Schöuchen. Lerlag«-Zuhaber: F. S. Kremer.