Zwölfter Jahrgang. Sonntags-Beiblatt zur Augsburger PostMtung. 19. December ZI t85S. Dieses Blatt erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der halbjährige Abomiementsprei« TV kr., wofür e« durch all? königl. bayer. Postämter und alle Buchhandlungen bezöge» werden kano. Die Heilige» und Heiligenbilder der katholischen Kirche. (Fortsetzung.) Nach den Bemerkungen über die Bilder, welche aus das Leiden Christi Bezug haben, bleibt uns übrig, etwas über die Bilder, welche die Auferstehung und Himmel- fahrt des Herrn, die Sendung des heiligen Geistes und das letzte Gericht vorstellen, zu sagen. Christus stand, nach Uebereinstimmung aller heiligen Bäter, aus einem verschlossenen Grabe auf, gleichwie er durch eine verschlossene Thüre zu seinen Jüngern ging. Daher haben jene Maler unrecht, welche Christus erst nach Entfernung des Grabsteines auserstehen, lassen. Auch unterliegt es keinem Zweifel, daß die Wächter nicht geschlafen haben, sondern munter waren, denn sonst hätten sie nicht vor^en Pharisäern das Zeugniß von der Auferstehung ablegen können. Es waren römische Soldaten, deren Disciplin nichts daran denken läßt> daß sie nach Dorfnachtwächter-Arl sich's auf ein Stündchen sollten bequem gemacht haben. Das Grab war nicht in den Boden abwärts vertieft, sondern wagrecht in den emporstehenden Felsen eingehauen, mit einem niederen Eingang (Thür) in dasselbe, welche durch den davor oder hinein- gewälzten Stein verschlossen war. So war auch das Grab deS Lazarus, daher der Heiland bei seiner Auferweckung ihm zurufen konnte: LazaruS, komme heraus. So waren, überhaupt die Gräber, nnd wurden dann durch davor gestellte schön angestrichene Grabplatten geschlossen; daher Christus die Pharisäer mit „übertünchten Gräbern" vergleicht. Einer der Evangelisten zählt unter jenen Frauen, die Christum salben wollten, nicht seine Mutter auf. „Sie wußte," schreibt der heilige Bernhard, „daß er auferstehen und daß folglich die Salbung vergeblich seyn würde, und deshalb kam sie nicht mit den andern (Frauen) zum Grabe." Viele sind der Meinung, Christus, sey nach seiner Auferstehung zuerst seiner Mutter erschienen. Aber aus Markus 16 geht hervor, daß er zuerst der Maria Magdalena, aus welcher er sieben Teufel auSgetrieben hatte, erschien. Doch treten jener Meinung die heiligen Ambro- siuö, Anseimus, Gregor von Nyssa und Jguaz von Loyola bei, und ist dieselbe allgemein verbreit^. Auf alten. Bildern, welche die Himmelfahrt Christi vorstellen, sieht man eine Leiter, auf welcher der Herr von der Erde in den Himmel steigt. Doch ist diese rohe Darstellungsweise längst verschwunden. Mit Recht werden aber viele Engel bei der Himmelfahrt Christi abgebildet , und zwar mit Bezug auf Pf. 67, wo David im Geiste dieselbe besingt und es u. a. (V. 18) heißt: „Der Wagen GotteS ist viel tausendmal tausend, der Herr ist unter ihnen auf Sinai; Du bist in die Höhe gefahren und hast daS Gefängniß gefangen genommen." David nennt die Engel oft „Wagen", denn Gott bediente sich der Engel zum Streite und zum Triumphe, wie 4VL sich die Könige der Wagen im Kriege und bei Triumphzügen bedienten. Auch liest man 4. Kon, 6: „Siehe, der Berg war voll von feurigen Pferden und Wagen um den Elisäus herum;" unter diesen Wagen sind gleichfalls Engel zu verstehen. Als Christus in den Himmel fuhr, segnete er seine Jünger mit ausgehobenen Händen, indem er wahrscheinlich nach jüdischer Weise seine Hände über sie ausstreckte. Daß aber der Herr seine Fußstapfen am Orte seiner Himmelfahrt zurückgelassen habe, bezeugen PaulinuS von Nola und Beda. Aus der Richtung dieser Fußstapfen kann man schließen, daß Christus mit dem Rücken nach Jerusalem und das Gesicht nach Westen gekehrt, aufgefahren sey. Die Herabkunft des heiligen Geistes wird durch feurige Zungen (Ap. 2) angedeutet. Außer den Aposteln waren noch andere Jünger Jesu, sowie seine Mutter beim Gebete versammelt, und Die, welche wollen, über die Apostel allein sey der heilige Geist herabgekommen, erinnern sich nicht der Stelle bei Joel Kap. 2, welche auch der Apostelfürst anführt: „In jenen Tagen will ich über meine Knechte und Mägde mein«n Geist ausgießen." Auch räumen die Maler der Mutter deS Herrn einen ehrenvollen Platz unter den Aposteln und übrigen Jüngern ein. Christus wird bei seiner Ankunft zum jüngsten Gerichte ebenso gemalt, wie er in den Himmel stieg. „Er wird ebenso wiederkommen, wie ihr ihn habt in den Himmel fahren sehen," sagten die Engel (Act. 1). „Und dann wird das Zeichen deS Menschen- sohneS erscheinen," sagt Christus (Matth. 24). „DaS Zeichen deS MenschensohneS," schreibt der heilige ChrysostomuS, „ist das Kreuz, welches glänzender als die Sonne erscheinen wird." Mit Recht wird daher bei der Vorstellung des letzten Gerichts ein Kreuz gemalt. Der Regenbogen, auf welchem der Herr sitzt, ist bei Ezechiel t angedeutet. Zu dieser Stelle macht der heilige Gregor die Bemerkung: „der Herr stellte den Regenbogen zwischen sich und die Menschen zum Zeichen auf, daß er die Welt nicht mehr durch eine Sündfluth heimsuchen wolle, indem er sprach: Ich werde meinen Bogen in die Wolken setzen, und er wird ein Zeichen des Bundes zwischen mir und der Erde seyn, und wenn ich den Himmel umwölke, wird mein Bogen in den Wolken erscheinen, und ich werde mich meines Bundes mit euch erinnern. Daher zeigt sich an demselben Bogen zugleich die Wasser- und Feuerfarbe, weil er theils bläulich, theils röthlich ist, damit er Zeuge sey der beiden Gerichte, nämlich eines, welches noch zu halten, unv eines, welches schon gehalten ist." Die Hölle wird gewöhnlich so abgebildet, wie sie in der heiligen Schrift beschrieben wird. Job (Kap. 1V) sagt, sie sey ein „dunkles, mit der Finsterniß des Todes beveckies Land, wo der Schatten des Todes , keine Ordnung, sondern ewiger Schrecken wohnt." Ezechiel (Kap. 33) nennt sie einen See, Jsaias (Kap. 5) vergleicht sie mit einem ungeheuern Rachen, und die Kirche hat der letzteren Beschreibung den Vorzug gegeben. Die Hölle wird nämlich als ein weilaufstehender Rachen eines ungeheuern Thieres dargestellt, auS welchem von allen Seiten dunkles Feuer und so dunkle Flammen hervorbrechen, daß man eher Finsterniß und Schatten, als Licht zu sehen glaubt. Zum Schlüsse der Abhandlung über die Christusbilder noch etwas über das Antlitz des Erlösers.' Die Christusbilder, welche seit Konstantin dem Großen innerhalb der katholischen Kirche entstehen, zeigen sast durchgängig einen übereinstimmenden Charakter und lassen einen gemeinsamen Typus erkennen, der sich nicht unwahrscheinlich an eine alte Tradition anlehnt. Zunächst freilich scheint dieser Typus aus apokryphischen Schriften (z. B. aus dem Berichte des Lentulus an den römischen Senat) gezogen zu seyn; aber auch diese mögen leicht aus allerlei Nachrichten und mündlichen Ueberlieferungen herzuleiten seyn, die unter den Gläubigen gangbar waren. Der heilige Johannes ChrysostomuS schreibt: „Christus solle von Angesicht sehr anmuthig gewesen seyn," und der heilige HieronymuS sagt: „Selbst der Glanz und die Majestät seiner verborgenen Gottheit strahlte auf seinem menschlichen Antlitze wieder." Weit schöner ist es im Himmel, da die Engel es zu schauen verlangen, und ebenso war eS nach seiner Auf- 403 erstehung. Wenn schon die Gerechten im Reiche des Vaters wie die Sonne glänzen, um wie viel größer muß der Glanz des Gerechtesten der Gerechten, deS Heiligsten der Heiligen seyn? Aber beim Leiden war er ohne alle Schönheit (JsaiaS 53), weshalb die s. g. Eccehomobilder den Heiland ganz entstellt, mit Blut bespritzt, mit blauen Flecken:c. vorstellen. Daß in Rom daS Schweißtuch der heiligen Veronica, auf welchem daS Antlitz deS Herrn abgedrückt ist, ausbewahrt wird, ist bekannt. Die GesichtSzüge der Jungfrau Maria sind zunächst und ursprünglich aus älteren Christusbildern abgezogen. Denn einer Tradition zufolge war Christus „in Allem seiner Mutter ähnlich." Der heilige Lucas soll ein Bild der Mutter Gottes gemalt haben. Diese Bemerkungen bilden den Uebergang zu der Besprechung der Marienbilder. Daß die heilige Maria die Jungfrauschast gelobt habe, läßt sich aus jenen Worten (Luc. 1) folgern: „Wie kann denn dies geschehen, da ich keinen Mann erkenne?" Als dreijähriges Kind soll Maria von ihren Eltern in den Tempel gebracht, die fünfzehn Stufen, deren jede eine halbe Elle hoch gewesen, ohne Straucheln hinaufgegangen seyn. Vielleicht ist in dieser bildlichen Darstellung die alte jüdische Sitte angedeutet worden, nach welcher beim Heraufsteigen aus dem Vorhofe der Frauen in den Tempel fünfzehn Psalmen abgesungen wurden. Unter dem weiten Mantel, mit welchem man oft Maria angethan sieht, ist der Gnadenmantel, der Mantel der Liebe, zu verstehen, unter den sie als größte Fürbitterin die Gläubigen nimmt. — Ost wird Maria auf dem Monde stehend dargestellt, wohl in Rücksicht auf Apokal. 12. Oft hat sie auch einen Stern über dem Haupte (den Stern der Weisen), und dann sind beide Bilder (Mond und Stern) verbunden. Ueberhaupt scheint die Zusammenstellung: Maria mit dem Kinde, von einer strahlenden Sonne umgeben, auf dem Haupte eine Krone von 12 Sternen, ein goldneS Scepter in der Hand, zu ihren Füßen der Mond, der hinwiederum auf der Erdkugel steht, um welche die Schlange gewunden ist, die gewöhnlich einen Apfel im Maule hat, aus dem zwölften Kapitel der Apokalypse geflossen zu seyn. Jedoch liegen allerlei Spuren vor', daß dieses mystische Marienbild auf die Kirche gedeutet wurde. Die Kirche (die Braut — mit Krone), in ewiger Wahrheit (Sonne) erhaben über allem Wandelbaren (Mond), beherrscht (Scepter) die Welt (Kugel), sie, die Kirche, ist die Trägerin des menschgewordenen Wortes (sie trägt Christus im Arm), der die alte Schlange, welche die Welt gefangen hielt, mit der Sünde zertrat. „Ich will Feindschaft setzen zwischen dir und dem Weibe, zwischen deinem und ihrem Saamen: sie wird dir den Kopf zertreten," sagte der Herr zu der Schlange, und unter diesem Weibe ist Maria zu verstehen, unter der Schlange der Satan. Der Saame der Schlange ist, wie der heilige Peter CanisiuS schreibt, die gesammte Ketzerei. DaS Concilium von Chalcedon bestimmte schon, daß in der Kirche gesungen werde: „Freue dich, Jungfrau Maria, denn du allein haft alle Ketzereien vernichtet" OliveriuS MailarduS spricht sich in einer Predigt tadelnd über ein Bild aus, worauf sich Joachim und Anna gegenseitig küssen, und worunter geschrieben steht: „So wurde die heilige Maria empfangen." Daher der dumme Glaube, Maria sey durch einen Kuß empfangen worden. Doch steht auch Aehnliches in einem apokryphischen Evangelium des heiligen Jakob. Bekanntlich wird der VerS (aus Cant): „Du bist ganz schön, meine Freundin, und kein Makel ist an dir; du bist auserwählt, wie die Sonne, schön wie der Mond, ein Stern des Meeres, eine Pforte deS Himmels, wie eine Lilie unter den Dornen," auf die unbefleckte Empfängniß Mariä gedeutet. Ob alle Apostel, außer dem heiligen Thomas, bei dem Tode Mariä zugegen waren, wie man dies häufig auf Bildern sieht, ist nicht gewiß. Nach dem heiligen Gregor ist Maria ohne Schmerz verschieden. „Daher," schreibt Johann Eck, „darf Maria nicht mit einem Sterbekleide und mit dem Gesichte einer Kranken abgebildet werden." JodocuS Clichtoväus sagt, Maria habe auf den Knieen, mit nach dem Himmel erhobenen Händen und unter Gebet den Geist aufgegeben. Engel sollen bei der Himmelfahrt Mariens zugegen gewesen seyn, ja der heilige Anselm sagt, alle Bewohner des himmlischen Vaterlandes seyen da gewesen, und BrunuS billigt die Dar- 404 stellung Mariä, wenn sie bei ihrer Himmelfahrt von der heiligen Dreifaltigkeit als Kömgin des Himmels gekrönt wird. Wir wollen nach der Beschreibung der Marienbilder etwas Näheres über die der Eltern der heiligen Jungfrau, des heiligen Joachim und der heiligen Anna mittheilen. Der heilige Joachim trägt die Jungfrau Maria als Kind und hat einen Korb mit Trauben (Opfer) zur Seite. Die heilige Anna wird mit dem Kinde Maria, die sie lesen lehrt, dargestellt. Die heilige Anna soll mehrere Töchter gehabt haben (die drei Marien): aber diese Meinung widerlegen gewichtige Schriftsteller, welche darthun, daß sie nur eine einzige gehabt hab?. Ebenso unerweislich ist es, daß sie dreimal verheirathet gewesen sey. Der heilige Joseph hat einen Lilienstengel. Maria sollte nur mit dem Freier verlobt werden, zu dessen Gunsten ein Wunder geschehe, und Josephs Stab trieb eine Lilienblüthe, und eine Taube setzte sich auf die Spitze des Stabes. So ward Maria dem Joseph verlobt. Auch trägt dieser einen Stab und hat Zimmermannswerkzeuge, alS: Hobel, Art, Säge u. s. w, bei sich. Die Maler stellten, vielleicht durch eine Stelle im apokryphen Evangelium der Kindheit Jesu verleitet, den heiligen Joseph ost als einen Mann dar, der nicht drei zählen kann, weshalb der Name Joseph sprüchwörtlich wurde, um einen geistlosen Menschen anzudeuten. Einige malten ihn bei der Geburt Christi als einen hochbejahrten Greis, der sich wegen seines Alters aus einen Stab stützte. Dem letzteren besonders widerspricht Gerson, indem er sich auf jene Stelle Jsaias 62 beruft: „Ein Jüngling wird mit einer Jungfrau zusammenwohnen und der Bräutigam wird sich über seine Braut freuen." Einige behaupten sogar, der heilige Joseph sey, als er sich mit Maria vermählte, achtzig Jahre alt gewesen. Wie konnte er aber als schwacher GrekS Maria beschützen, und mit ihr und dem Jesuskinde nach Egypten fliehen und von da wieder zurückreisen? Wahrscheinlicher ist, daß Joseph ein kräftiger und starker junger Mann war, der eine Jungfrau in seinen Schutz nehmen, sie und den Knaben durch seine Arbeit ernähren und mit ihnen die beschwerliche Reise nach Egypten und zurück machen konnte. Tresslich ist die Darstellung, wie Joseph den kleinen JesuS an der Hand führt. Dadurch wird bezeichnet, baß Christus seinem Vater Unterthan war. Der große Vorläufer Christi, der heilige Johannes der Täufer, wird dargestellt, wie er sich in der Wüste in Felle gekleidet auf ein Beil lehnt, daö in die Wurzel eines BaumeS eingeschlagen ist. Diese allegorische Darstellung ist zunächst auS dem Evangelium geflossen. Der heilige Marcus Cap. 1 schreibt jedoch, daß der heilige Johannes „mit Kameelhaaren bekleidet gewesen sey," und der heil. Matthäus Cap. 2 sagt, daß er „ein Kleid," und zwar wie der „ano rzi^äv --«/t^ov — von Kameelhaaren" gehabt habe. Johannes war demnach nicht mit bloßen Thierfellen, fondern mit einem aus Kameelhaaren gefertigten Kleide angethan, welches zugleich ein Aeichen der Buße, die er predigte, war. Auch einen Gürtel trug der Heilige: „Er hatte einen ledernen Gürtel um seine Lenden." Marc. 1. — Johannes trägt ein Lamm im Arm oder auf einem Buche (als Anspielung auf die erfüllte Prophezeiung des alten Testaments) und ein Kreuzesrohr. Nicht selten hat er auch eine Lilie zur Seite. Das Lamm hat meist, zum Unterschiede von gewöhnlichen Lämmern, eine goldene Krone auf dem Kopfe und die Kreuzesfahne auf dem Rücken. Auf Gemälden der griechischen Kirche vermißt man dieses Lamm, dagegen sieht man in den Händen des Täufers ein Papier, auf welchem die Worte stehen: „Ich bin die Stimme des Rufenden in der Wüste: bereitet den Weg des Herrn, ebnet seine Pfade." In Brügge und Gent sah man früher Gemälde, auf welchen der heilige Johannes mit einem Finger auf das Lamm Gottes zeigt und mit den Füßen auf Herodes, den er durch seinen Tod besiegte, tritt. Von den Apoftelbildern Folgendes: Der Chor der Apostel war durch jene zwölf Ochsen des Salomon vorgedeutet (3. Kön. 7; 2. Petr. 4). Beda schreibt: Wenn es erlaubt war, zwölf Ochsen zu 405 machen, welche ein über sie gestelltes Meer trugen, und zu je drei nach den vier Himmelsgegenden schauten; was steht denn im Wege, die Apostel so zu sagen durch ein lebendiges Gemälde vor den Augen Aller darzustellen?" Gregor II. ließ die Apostel auf den Wänden des Petrusaltars abbilden und Konstantin der Große stellte ihre Statuen in der Kirche des Laterans auf. Dem Kaiser Konstantin erschienen einst die Apostel Petrus und Paulus; er ließ sich vom Papste Sylvester die Gemälde derselben überschicken und fand, daß diese eine auffallende Aehnlichkeit mit den beiden Aposteln hatten, wie sie ihm erschienen waren. Der heilige HieronymuS, und schon vor ihm der heilige Clemens, schreibt: daß der heilige Petrus einen Kahlkopf gehabt habe. Der Petruskopf ist überhaupt von konstantem eigenthümlichem Typus. Auf den allerältesten Bildern steht man PetruS mit einem Schlüssel in der Hand, den er meistens an die Brust drückt. Später wurden zwei Schlüssel, üblich, Schlüssel deS Himmels und der Erde, in der Farbe durch Gold und Silber unterschieden. Auch findet sich je zuweilen noch ein dritter, Schlüssel der Hölle; Alles Anspielungen aus die Schlüsselgewall deS Heiligen (Matth. 16). Auch trägt derselbe manchmal eine Krone auf dem Haupte, und zwar, wie Beda bemerkt, zur Erinnerung an das Leiden deS Herrn. Gewiß ist, daß Petrus nicht mit Stricken an das Kreuz gebunden, sondern mir vier Nägeln an dasselbe geheftet worden ist. Hegesippus schreibt auch, daß Petrus auf seine Bitte kopfunter gekreuzigt wurde, da er sich nicht für würdig hielt, wie der Erlöser gekreuzigt zu werden. Daher sieht man ihn auch auf einem umgekehrten Kreuze kopfunter angehestet. Neben dem heiligen Paulus sieht man eine Quelle, welche auf sein Gebet entstanden seyn soll. Gewöhnlich sieht man ihn mit einem oder zwei Schwertern, oft mit einem Buche abgebilder. DaS Eine Schwert ist ein historisches Zeichen, denn Paulus ist mit dem Schwerte hingerichtet worden. Die zwei (jungem) Schwerter sind symbolische Zeichen und zwar als Parallele zu St. Petri Symbol (was Anfangs auch nur Ein Schlüssel war). DaS Paulus-Symbol (das Schwert) bezieht sich wohl auf Lucas 22, 38. Auch mag in den zwei Schwertern des heiligen PauluS eine Anspielung auf die geistliche und weltliche Macht liegen. UebrigenS ist die Kopfform deS Heiligen auS alter Zeit als tradioneller TypuS fortgeerbt: Ein leichter Kopf mit einem langen Barte. Bei Zusammenstellung mit dem Apostel Petrus ist die Position so, daß Petrus links steht. Woher dies? War Paulus größer als PetruS? Es war ein altrömischer Gebrauch) dem Vornehmern die linke Seite zu überlassen. Benjamin bezeichnet den Sohn der Rechten; Paulus war aber nicht nur aus dem Stamme Benjamin; sondern der Sohn Jacobs, Benjamin, war auch ein Vorbild des heiligen PauluS. PetruS war besonders der Apostel der Beschneidung, PauluS der der Heiden, welche mit Hintansetzung der Synagoge zur Rechten Gottes zu stellen sind. PetruS, zur Linken des PauluS, soll den Päpsten ein Muster der Demuth seyn. PetruS Damianus führt noch vier andere Gründe an, die wir aber übergehen wollen, um nicht zu weitläufig zu werden. Auf solchen Bildern aber, auf welchen PetruS zur Linken des Paulus steht, führt dieser oft auch eine Lanze. Der heilige Andreas hat ein schräges Kreuz (Andreas- oder Burgunderkreuz) unterm Arm oder zur Seite. Aber das Kreuz deS Heiligen bei St. Victor in Marseille hat dieselbe Gestalt, wie das, worauf Christus starb. Der heilige BarnabaS hat als historisches Symbol Steine bei sich, weil er gesteinigt wurde. Der heilige Bartholomäus (Nathauael) hält ein Messer, mit dem er geschunden wurde, und trägt seine Haut auf dem Arme. Der Statthalter von AlbanopoliS hatte ihn zum Kreuzestod verurtheilt, wobei ihm zugleich die Haut zerschnitten und abge- gezogen wurde. Auf einem Gemälde des Michael Angelo in der Sirlinischen Kapelle, welches das letzte Gericht vorstellt, steht man gleichfalls den heiligen Bartholomäus mit seiner Haut auf dem Arme. Doch soll er nicht am ganzen Leibe geschunden worden seyn, und Viele tadeln auch die vorerwähnte Darstellung, wie er seine Haut 406 auf dem Arme oder gar auf einem Stocke trägt und einem Unthiere ähnlich steht. Nicht minder verwerflich ist jene Weise, diesen Heiligen als einen vornehmen Mann abzubilden, die den Worten des Teufels im Pseudo-Abdias ihren Ursprung verdankt. Der heilige Jacob der Größere sitzt auf einem weißen Pferde, weil er in den Kriegen der Sarazenen mit den Spaniern (die ihn ihren Apostel nennen) diesen auf einem weißen Rosse zu Hilfe kam. OefterS wird er als Pilger mit dem langen Pilger, ftabe und einem Schwerte abgebildet. Er verlor unter allen Aposteln zuerst das Leben; er wurde im Jahre ä3 in Jerusalem auf Agrippa'S Befehl enthauptet. Einige Maler malen den heiligen Jacob Christus sehr ähnlich, was jedoch gar keinen Grund hat. Auch der heilige Jacob der Jüngere wird mit gleichem Unrecht von vielen Malern Christus ähnlich gemalt. . Er wurde von den Zinnen des Tempels herabgestürzt, und da er noch lebte, gesteinigt, bis ihn endlich ein Tuchwalker mit seiner Stange todt schlug. Deshalb wird er mit einer Walkerstange in der Hand dargestellt. Der heilige Judas Thaddäus wird mit einem umgekehrten Kreuze, häufiger mit einer Keule abgebildet. Die Nachrichten von seinem Tode sind sehr verschieden; Einige sagen, er sey mit Pfeilen erschossen worden, Andere, er sey gekreuzigt worden. Der heilige Matthäus hat ein Beil, eine Lanze oder eine Hellebarde als Zeichen seines Martertodes. Er wurde von dem Könige Hirtak von Aethiopien ermordet. Oft hat er auch als Attribute ein Winkelmaß oder (als ehemaliger Zöllner) einen Geldbeutel in der Hand. Als Evangelist hat der heilige Matthäus als Symbol einen Engel bei sich. Die Erklärung dieses Symbols führt uns zu allgemeinen Bemerkungen über die Sinnbilder der Evangelisten. Die Bilder der vier Evangelisten sind aus der bekannten Vision des Ezechiel (1, 10) hergenommen, in der die Herrlichkeit Gottes und der mystische Wagen beschrieben werden. Die vier geheimnißvollen Gestalten (Adler, Löwe, Stier, Mensch), welche den Thron des Allerhöchsten tragen, sind in der jüdischen Geheimlehre von Alters her auf die Erzengel Gabriel, Michael, Raphael und Uriel bezogen worden. Die christliche Mystik faßte den Sinn dieser Symbole anders auf und deutete dieselben so: der Adler bezieht sich auf die Inspiration des heiligen Geistes, er ist auch das Symbol der Gottheit, und ihn hat Johannes bei sich, weil er die Gottheit Jesu Christi besonders hervorhebt; der Löwe ist das Sinnbild der Einsamkeit, und ihn führt Marcus, weil sein Evangelium mit der Stimme eines Predigers in der Wüste beginnt (V. 3); Lucas hat einen Stier, um JcsuS Christus als Hohenpriester zu bezeichnen und weil sein Evangelium mit dem Opfer des ZachariaS im Tempel anfängt: und Matthäus den Menschen, weil er sein Evangelium mit dem Geschlechtsregister deS David'schen HauseS und der Menschwerdung Jesu Christi beginnt. Der heilige Matthias hat ein Beil oder eine Lanze und ein Buch. Nachdem er gesteinigt worden war, wurde ihm der Kopf abgeschlagen. Letzteres scheint durch sein Beil angedeutet, während die Lanze schlechtweg, wie Schwert, mit dem es ohnehin oft wechselt, sür Martertod steht. Der heilige Philippus hält ein einfaches Kreuz, AntoniuSkreuz, wie 1'gestaltet; oder einen langen runden Stab, der sich aber in einem Kreuze endigt; oder einen Pilgerstab, ans dem oben ein kleines, nicht selten goldenes Kreuz befestigt ist. Der heilige Simon, der Eiferer, hat etne Säge, als Zeichen seines Martyrthums. Der heilige Thomas hat eine Lanze, zuweilen auch ein Winkelmaß. Der Nerräther Judas hält einen Beutel in der Hand, weil ihm, unter den Jüngern, das Almosenamt anvertraut war. Nachträglich hätten wir noch etwas über die Darstellung des Evangelisten Johannes zu bemerken. Der heilige Johannes wird ohne Bart gemalt, theils weil er zur Zeit des letzten Abendmahls noch jung war, theils um den Jünglingen ein Beispiel an die Hand zu geben, wie sie (gleich dem Heiligen) die Blüthe ihrer Jugend dem Herrn weihen unv sich seinem Dienste widmen sollen. Er hat auch einen Kelch in der Hand, entweder in Bezug auf die Worte Christi (Matth. 2V): „Ihr werdet meinen Kelch trinken," oder vielmehr, weil, wie der heilige Jsidor schreibt, das Gift sich in Gestalt einer Schlange ausschied, als er den Giftbecher austrinken mußte. DaS 407 Letztere ist das Wahrscheinlichere, weil gewöhnlich aus dem Kelche eine Schlange hervorkriecht. Der heilige Johannes war bekanntlich Patron der Tempelherren, in deren Wappen deshalb der Kelch aufgenommen war. Wir gehen nun zu den Bildern der übrigen Heiligen über. Die heilige Genofeva (von Paris) hat eine brennende Kerze in der Hand und einen gefesselten Teufel unter ihren Füßen, der einen kleinen Blasebalg hält, weil sie die Lichter, welche dieser während der Vigilien auSgeblasen hatte, ohne Feuer anzündete und einige Besessene durch Gebet und daS Kreuzzeichen vom Teufel befreite. ES gibt noch eine andere heilige Genofeva (von Brabant), welche eine Hirschkuh zur Seite hat und sich gewöhnlich in einer Höhle befindet, in der sie mit ihrem Kindlein lebte und von einer Hirschkuh ernährt wurde. Der heilige Paulus der Eremit ist in Holzschindeln oder Blätter gekleidet und hat einen Raben zur Seite. Er war der erste Einsiedler. Ein Palmbaum vor seiner Höhle gab ihm Nahrung und Kleidung, weßhalb er mit Schindeln bedeckt oder in Blätter gekleidet ist, und ein Rabe brachte ihm täglich ein halbes Brod, und als ihn einst der heilige Antonius besuchte, brachte der Rabe ein ganzes Brod. Der heilige Antonius, der Vater der Einsiedler, hat ein Feuer neben sich, weil er die Macht hat, vor dem ewigen Feuer zu bewahren und von dem Feuer der Pest befreit: denn in der Collecte vieler Kirchen heißt es: „Loncsäe obtsnäu k. ^ntonii Lvllkessoris wi morbiäum izasm extinZui." Er steht auch über den Thüren vieler Häuser, damit die Pest nicht in sie eindringe. Er hat auch ein Schwein neben sich, wcil ihm der Teufel in der Gestalt von Schweinen erschienen, und weil er der Patron der Schweine ist. (Vor der Antonikirche in Rom werden alljährlich die Hausthiere gesegnet.) Er hält ein Buch in der Hand, weil er ohne alle wissenschaftliche Bildung durch Aufmerksamkeit beim Lesen Anderer die heilige Schrift auswendig lernte, ja sie auch auszulegen verstand. Man sieht auch neben ihm ein I, welches das Kreuz bedeutet, wodurch er dem Teufel widerstand (Antoniuskreuz). Was die Glocke bedeutet, die er in seiner Hand hält, ist schon oben bei der Erplication der allgemeinen Symbole der Heiligenbilder gesagt worden. Der heilige Sebastian war Hauptmann in der prätorianischen Leibwache nnd wurde unter Domitkan an einem Baume erschossen. Man sieht ihn gewöhnlich entkleidet an einen Baum gebunden (manchmal auch an eine Säule), mit Pfeilen durchschossen, dann auch in freier Stellung bekleidet, mit kriegerischem Costüm und einigen Pfeilen in der Hand, oft mit einem kleinen Barte auf der Oberlippe. Der heilige Fabian hat ein Schwert und neben sich eine Taube. EusebiuS erzählt, bei der Papstwahl 236 habe sich diesem Heiligen eine Taube auf's Haupt niedergelassen, woraus er zum Papste erwählt worden sey. Er starb den Martyrtod unter DeciuS 253. Die heilige AgneS wird mit langen, den Leib umhüllenden Haaren dargestellt, weil sie nach ausgestandenen Martern in ein schlechtes HauS gebracht und da entkleidet wurde, worauf sie ihren Leib mit ihrem langen Haupthaar bedeckte. Sie hat ein Lamm zur Seite, weil sie mit einem goldenen Gewände angethan und ein schneeweißes Lamm tragend in Gesellschaft vieler heiligen Jungfrauen ihren an ihrem Grabe wachenden Eltern erschien. Man sieht die Heilige auch auf einem Scheiterhaufen sitzen. Der heilige Jgnatius hat Löwen zur Seite und einige Knochen vor sich. Er wurde unter Trajan nach Rom gebracht und hier im Amphitheater zweien Löwen vorgeworfen (107). In dem Karmeliterkloster zu Mecheln war früher ein Bild, auf welchem der heilige JgnatiuS den Namen Jesu im Herzen tragend dargestellt war. (Er nannte sich selbst TheophoroS, Gotteöträger, als er vor dem Kaiser Trajan im Verhöre stand.) Der heilige Thomas von Aquin, ein Dominicaner, hat einen Kelch in der Hand, weil er das so schöne Officium des FrohnleichnamS des Herrn geschrieben hat. Unter manchen Bildern desselben stehen die Worte: „Du hast gut geschrieben, Thomas," weil er einst, als er in Neapel vor einem Crucifixe sehr eifrig betete, diese Stimme 408 vernahm: „Du haft gut von mir geschrieben, Thomas; welchen Lohn willst du nun erhalten?" Der Heilige antwortete: „Keinen andern, Herr, als dich selbst," Der heilige Geist schwebt in Gestalt einer Taube über ihm, weil er eine unermeßliche Gelehrsamkeit in den heiligen Wissenschaften besaß. (Schluß folgt,) Christliche Lefefrüchte und Betrachtungen eineH Laien. (Fortsetzung.), 17. Schön ist'S, wenn der Soldat, wissend, daß eö sein letzter Gang seyn könne, muthig und ohne Zögern in die Schlacht eilt; schöner aber dünkt es mir, wenn die christliche Seele, wissend, daß sie einem übergroßen Leid entgegen gehe, ohne Zage», ohne Bedenken in demüthiger Ergebung ihren schweren Gang antritt, zumal, wenn ihr Leiv einen ruhmlosen und spurlosen Untergang droht; so stirbt ein Held in Jesu Christo, ganz sich dem Willen Gottes hingebend, ganz und ohne allen Trost und Vorbehalt sterbend! t8. Manche bedrängte Seele gelobt Gott, daß sie, wenn ein auf ihr lastendes überschweres Leid von ihr genommen seyn werde, dieß und jenes Gute thue, in dieser und jener Ueberwindung sich üben, dieß und jenes Opfer bringen wolle; o Schwachheit und Sündhaftigkeit der menschlichen Seele! Warum unterhandelst du gleichsam mit dem allwissenden Gott, warum willst du, daß Er mit seiner Erbarmung vorausgehe und daß du Ihm dann erst vergeltungsweise mit guten Vorsätzen und Tugenden entgegenkommst? Warum beginnst du nicht sogleich, während noch das schwere Kreuz der Leiden aus dir ruht, mit diesen Vorsätzen, Ueberwindungen und Opfern, da sie doch ein Mittel zu deiner Heiligung sind? Warum willst du diesen Schritt zur Heiligung, der mit dem Kreuz viel verdienstlicher ist, erst thun, wenn das Kreuz dir abgenommen ist? Und weißt du denn-überhaupt, ob dir noch Zeit gegeben ist zu so späten Schritten zum Heil und ob du nicht hinweggenommen wirst mitten im Leid? Winke für katholisirende Protestanten. Der evangelische Pfarrer zu Selch ow bei Storkov in der Mark Brandenburg, E. P, W. Lütkemüller, welcher wegen seiner Schrift: „Unser Zustand von dem Tode bis zur Auferstehung" suspendirt wurde, und auch bei der Generalversammlung deS kath. Vereins Deutschlands in Münster gegenwärtig war, bemerkt sehr richtig uns praktisch in seinem Werke: „Wir Protestanten haben durch Erziehung daS Vorurteil eingesogen von kath. Dummheit, von Aberglauben und Götzendienst. Zum richtigen Urtheil über die kath. Kirche bedarf man 1) der genauen wissenschaftlichen Kenntniß des katholisch-kirchlichen Princips; 2) der jetzt auf Gymnasien zc. in Deutschland angewandten kirchlich appro birten Lehrbücher; 3) auch einer gründlichen Einsicht und Pergleichung der Bildung der kathol, Geistlichen; 4) auch einer lebendigen Selbstkenntniß des kathol. Cultus, des römischen Breviers, des Missale liomimum; 3) einer persönlichen Einsicht in die Anwendung d eS kirchlichen Princips für deren Leben in allen ilrenOrganisationen bis zu den Heidenmissionen, und L) einer verständigen Unterscheidung für die allgemeine Beurtheilung." In letzterer Beziehung, sagt er, sey eS z. B. eine große Thorheit, wenn die evang. Kirchenzeitung etwa dem Katholicismus vorwerfe, daß es den Croaten an innerer kirchlicher Cultur gebreche. Hr. Pfarrer Lütkemüller hat hier die richtigen, praktischen Gesichtspunkte erfaßt und wir sind überzeugt, daß mancher Protestant und namentlich auch mancher Protest. Prediger andere Ueberzeugungen gewinnen werde, wenn er auch nur ein gewöhnliches Religionshandbuch , wie von Martin oder Deharbe n. zur Hand nähme und dadurch mit aufrichtigem Herzen das richtige Verständniß der kathol. Wahrheit sich zu vermitteln suchte. Berantwortlicher Redacteur: L. Schönchen, V«rlag«-3uhaber: F. T, Krem er.