Dreizehnter Jahrgang. Sonntags⸗Beiblatt zur Augsburger Poſtzeitung. 2. Januar Nʳ· 1. 1853. Dieſes Blatt erſcheint regelmäßig alle Sonntage. Der halbjährige Abonnementspreis 40 fr., wofür es durch alle königl. bayer. Poſtämter uund alle Buchhandlungen bezogen werden kann. Leonhard Mayhr. Wenn überhaupt der Menſch gerne bei den Denkmälern der Vorzeit, die ihm die Großthaten edler Männer verkünden, ſich aufhält, und wehmüthig die dahingegangene Kraft und Größe bewundert, ſo muß es ihm auch willkommen ſeyn, einen ſeiner Vorfahren in Erinnerung gebracht zu ſehen, der ſich ſo eifrig beſtrebte, Heil und Segen auf ſeine Mitmenſchen zu verbreiten, nicht achtend die Erkenntlichkeit derſelben, und gerne im Geiſte des Chriſtenthums durch Tugend und Verdienſte ſo vieles Gute ſtiftete. Ein ſolcher Mann verdient näher gekannt und ſein Name in die Gedächtnißtafeln des Landes, dem er angehörte, verzeichnet zu werden. Leonhard Mayr, Dekan der Kapitei Neuburg und Burgheim, Stadipfarrer zu St. Peter in Neuburg a. d. D., iſt ſolcher Auszeichnung würdig. Ich bin zwar nicht im Stande, eine vollſtändige Lebensbeſchreibung dieſes ausgezeichneten Seelſorgers, aus Mangel an Daten hierüber, liefern zu können, aber doch geben folgende Beiträge uns ein deutliches Bild ſeiner Charakteriſtik und ſeines eifrigen Wirkens Leonhard Mayr war der Sohn rechtſchaffener katholiſcher Landleute, die zu Treidelheim, einer Filiale der Pfarrei Mauren im Kapitel Burgheim anſäßig waren. Bei Einführung des Proteſtantismus in der Neuburger Pfalz 1543 begaben ſich ſeine Eltern, um nicht zu dieſer Religion übertreten zu müſſen, nach Augsburg, woſelbſt Leonhard Mayr geboren worden ſeyn ſoll.*) Daſelbſt ſowohl als in Dilingen vollendete er ſeine Studien und erhielt im letztern Orte eine Anſtellung. In dem erſten Jahre der Wiedereinführung der katholiſchen Religion im Herzogthume Pfalz-Neuburg im Jahre 1617 befand ſich der Herzog Wolfgang Wilhelm nebſt ſeiner frommen Gemahlin Magdalena bei der Einweihung der kademiſchen Kirche in Dilingen.**) Hier lernte er unſern Leonhard Mayr, der ihm bereits empfohlen war, kennen und gab ſich ſogleich alle Mühe, dieſen würdigen Mann für ſeine neu errichtete katholifche Stadtpfarrei zu Unſer Lieben Frau zu gewinnen. Gerne willigte Mayr in dieſes Geſuch ein und begab ſich nach Neuburg. Als aber daſelbſt der Thurm der genannten Kirche unverſehens eingeſtürzt war, ſo wurden die pfarrlichen Gottesdienſte in die heil, Geiſtkirche verlegt, woſelbſt ſie blieben und daher dieſe Kirche zu einer Pfarrkirche erhoben wurde, deren erſter Pfarrer hiemit Leonhard Mayr war. Jedoch ihm ward ein noch größerer Wirkungskreis beſchieden. Der ebenfalls von Dilingen her berufene Stadtpfarrer zu St. Peter, Dr. Michael Haidlberger, kehrte zu ſeiner Profeſſur nach Dilingen zurück und ſo verſah Mayr beide Pfarreien der Stadt ohne einen Caplan ein ganzes Jahr lang, bis zum Jahr 1619, wo Caspar Eberlein, ein *) Nach Andern zu Hochaltingen im Ries. **) Siehe die Biographie „Magdalena, Herzogin von Bayern.“ Augsburg, B. Schmid'ſche Buchhandlung(F. C. Kremer). 1851. 2 geborner Neuburger, deſſen Primiz in ſeiner Vaterſtadt ſeit 70 Jahren wieder die erſte war, als Stadtpfarrer zum heil. Geiſt ernannt wurde Leonhard Mayr wurde nun Stadtpfarrer zu St. Peter und verwaltete dieſes Amt, ſo wie die Stelle eines Dekans der Kapitel Neuburg und Burgheim, volle 47 Jahre mit apoſtoliſchem Eifer. Er war in jenen Zeitläuften, die über dieſe Kapitel hereinbrachen, die Stütze der keimenden Pflanze der katholiſchen Kirche in dieſer Gegend und ſorgte mit väterlicher Liebe für ihr Gedeihen. Nicht gering waren die Schwierigkeiten, die er zu bekämpfen hatte. Die eben damals noch herrſchende Lehre Luthers, der Streit mit den Prädikanten, die unermüdet auf die katholiſche Religion und deren Diener ſchmähten, die ſchrecklichen Scenen des dreißigjährigen Krieges, der auch hier ſeinen Schauplatz hatte, Hunger und Seuchen, waren eben ſo viele Dornen ſeiner mühevollen Laufbahn, als ſie ihm Gelegenheit gaben, ſeinen Eifer und ſeine Standhaftigkeit im vollſten Maaße zu zeigen. Aber ſtark im Geiſte und ſtandhaften Muthes wandelte nicht nur ſelbſt auf dieſer Bahn, indem er ſich mit Feuereifer allen Zweigen der Seelſorge im Beichtſtuhle, am Krankenbette und auf der Kanzel, wo er durch ſeine prunkloſe, aber die Herzen mächtig anſprechende Beredſamkeit ſich auszeichnete, widmete, ſondern auch noch ſeine Amtsbrüder ſtärkte. Es war nämlich im Frühlings-Kapitel des Jahres 1623, am 15. April, als die Mehrzahl ſeiner Amtsgenoſſen auf dem Lande ſich erklärten, wegen Zwiſtigkeiten und Zwietracht mit ihren Gemeinden, wegen zu geringen Einkünſten und Aenderung der Münze, ihre Stellung verlaſſen zu wollen und fortzuziehen. Dekan Mayr hielt eine Rede von der Geduld, bat ſie mit Thränen von dieſem Entſchluſſe abzuſtehen, ermunterte ſie zur Ausdauer und verſprach ihnen, ihre Klagen dem Herzoge in einer Vorſtellung zu überreichen. Gerührt durch vieſe Lebe und apoſtoliſchen Eifer, gelobten ſämmtliche Geiſtliche ſtandhaft auszuharren, und ſo war er der Hirt ſeiner Gemeinde, auch hier das Beiſpiel der übrigen Hirten und beſaß die Liebe und das Vertrauen feiner Kapitularen bis zu ſeinem Tode im vollſten Maaße. Neben der gewiſſenhafteſten Erfüllung ſeiner Berufspflichten beſtrebte er ſich auch vorzüglich, die waährend der Reformations⸗ und Kriegszeiten in Verfall gerathenen Kirchen wieder empor zu bringen und zu verhertlichen, wozu er alles verwendele, wäs er von ſeinem pfarrlichen Einkommen, das damals noch ſehr unbedeutend war, erübrigte. So ſtellte er die ihres Daches beraubte und dem völligen Untergange nahende St. Andreaskapelle wieder her, der eingefallene Thurm ſeiner Pfarrkirche wurde größtentheils auf ſeine Koſten, ſo wie wir ihn gegenwärtig ſehen, aufgeführt, und bei dem Baue der St. Martinskapelle in Neuburg arbeitete er ſelbſt eigenhändig mit. Als 1632 das Kirchlein des heil. Veit in Treidelheim von den Schweden gaͤnzlich verwüſtet, das Zimmerholz herausgeſchlagen und verbrannt wurde, ja ſogar zur Zeit des Proteſtantismus ſchon zu einem Wohnhauſe mit zwei Wohnungen umgewandelt worden war, ſo nahm ſich auch hier Leonhard Mahyr dieſer Kirche an; ſobald es die Zeit geſtattete, entſchloß er ſich zur Erbauung derſelben, nachdem bereits der Dekan Georg Wagner zu Renardshofen dieſelbe ſammt dem Platze, Garten und Zugehör um 32 fl gekauft hatte; aber an der Ausführung des guten Werkes der Auferbauung durch ſeinen Tod am Montag nach Quinquageſtma 1639 verhindert wurde Zur Beſtreitung der erforderlichen Baukoſten hiezu verkaufte Mayr am 2. Dezember 1689 den hiezu gehörigen Garten an Peter Utz um 30 fl., verwendete den halben Theil zum Baue, gab den andern halben Theil dem Meßner, ber zehn Jahre unentgeldlich gedient hatte, und gab überdieß noch 120 fl. zur Erbauung des Kirchleins her, wie dieß eine von Dekan Mayr ſelbſt geſchriebene Erzählung nebſt Kaufbrief darthut. Eben ſo ließ er im Jahre 1688 Golt und ſeinem hochgeehrten Patron zu Ehren den Chor des Kirchleins zu Leisacker, einer Filiale der Pfarrei Bittenbrunn, um die Summe von 100 fl. von Neuem erbauen.*) Er hielt ſich ein eigenes Tagebuch, das noch Siehe Dekanatsbuch des Capitels Burgheim 1798 gütigſt mitgetheilt von Herrn Dekan Anton Paula. 3 vorhanden ist und worin er nicht nur eine genaue Aufzählung der merkwürdigen Ereignisse der Stadt, sondern auch seiner Pfarrei, alle derselben gemachten Vermächt« nisse, gestifteten Jahrtäge ,c. verzeichnete. Einen glänzenden Beweis seines hellen Verstandes und seiner Nächstenliebe gab er dadurch, daß er eS wagte, laut gegen die unmenschlichen gräuelhaften Herenpro- cesse, wie sie damals Sitte waren, seine Stimme zu erheben, um diese Unglücklichen zu retten, und schon dadurch allein steht er als Heller Glanzpunct in der Nacht da und verdient der Nachkommen Hochachtung. Er bot, um diesen Unmenschlichkeiten ein Ende zu machen, Alles auf und verfaßte zwei Schriften hierüber, welche den Titel führen: „Bedenken welche Leonhard Mayr Pfarrer zu St. Peter wegen Görg Müllers extrs juäioilll revoostione.? gethan und darin fürS Andere, als er sonstcn sogar diese Sach durch viele Kalumnien an Ihre fürstl. Durchl. gebracht, seyn diese zwei Bedenken verfaßt worden." Am Schlüsse einer VisitationS-Relation vom Jahre 1630 beklagt er dieß mit folgenden Worten: „?roFi-7, SIIV ZZN'-ld > «ZUM MÄ .YKN ,Hi. t>> Ob? Mu > szp^ep >NNNNI>N?<.'U»II Paris. Paris, im November. Die Kirche der Deutsche» bot dem christlichen Herzen vom 13. bis 15. d. M. ein wahrhast rührendes Schauspiel dar. Zum ersten Mal ward ihr die Gunst, an der ewigen Anbetung, die in Paris eingeführt ist, Theil zu nehmen. Die Deutschen wußten diese Gnade zu würdigen; von fünf Uhr früh bis neun Uhr Abends umknicken sie in großen Schaaren den reichgeschmückten Altar, und beteten laut den Rosenkranz, oder sangen Lieder zu Ehren deS allerheilig- sten SacramemeS. Bei ihrem heiligen Eifer im Empfang der heiligen Sacramente glaubte man sich in eine jener Pfarreien deS katholischen Deutschlands versetzt, wo noch der Glaube seine ganze Macht ausübt. Die Franzosen waren tief bewegt bei diesem Anblick. Einer der Herren Gencralvicare hielt das Hochamt; die ehrwürdigen Dominicaner haben täglich Nachmittags um drei Uhr franzosisch gepredigt; um acht Uhr Abends war die deutsche Predigt. — Diese Andacht wurde von dem hochwürdigsten Erzbischof von Paris, Sibour, mit einem feierlichen Segen geschlossen. Seine erzbischöfliche Gnaden ließen sich durch die späte Abendstunde, das stürmische Wetter und die weite Entfernung nicht ablialten, der ärmsten Kirche und der ärmsten Bevölkerung seiner Diöcese einen Beweis seiner Liebe zu geben. Eine Deputation erwartete den Prälaten mit brennenden Kerzen und geleitete ihn zur Kirche, die buchstäblich mit Gläubigen angefüllt war, uud von der Tausende aus Mangel an Platz ausgeschlossen blieben. Der Erzbischof richtete an diese so außergewöhnliche und aller Be' achtung würdige Versammlung Worte, wie sie nur auS dem Vaterherzen kommen können. Er sprach etwa Folgendes: „Meine vielgeliebten Brüder! Ich bin gekommen, um mit euch den im heiligsten Sacramente verborgenen Gott anzubeten, und nm die Lehren zu vernehmen, die er uns ertheilt. Ich bin gekommen, um seine Liebe, seine Demuth, seinen Gehorsam, seine Geduld zu bewundern. Nicht zufrieden, das Opfer für uns am Kreuze gewesen zu seyn, wollte er uns noch sein Fleisch und Blut zur Speise und zum Trank geben, nnd darum mußte er nicht nur seine Gottheit, sondern selbst die Glorie seiner Auferstehung unter den Gestalten von Brod und Wein verbergen .... Meine geliebten Brüder! Welch' Beispiel der Demuth, deS Gehorsams für unS; — wie lehrt er unS, die Güter dieser Welt zu verachten, — aber vor Allem, welche Geduld zeigt er auf unsern Altären. Denn wie viele Sakrilegien werden nicht begangen, welche Lästerungen stößt man nicht gegen ihn aus, und Er, der Flammen auS seinem Tabernackel hervorbrechen lassen könnte, erträgt AlleS mit Geduld, um unS zu lehren, daß wir hienieden sind, um zu leiden, und nicht um unS zu rächen! — Meine vielgeliebten Brüder! ES ist mir ein großer Trost, mich in eurer Mitte zu befinden. Schon längst kannte ich den Glauben deS deutschen Volkes; ich wußte, daß die christliche Frömmigkeit die Herzen der Katholiken eures Landes belebt; ich bin jüngst selbst Zeuge davon gewesen. Ich habe die vorzüglichsten Städte Deutschlands besucht, und bitt überall von dem Glauben und der Frömmigkeit ihrer katholischen Bewohner tief gerührt worden. Sittlichkeit und Civilisation stehen bei ihnen auf hoher Stufe, und ich schreibe dieß dem Einflüsse der heiligen Eucharistie zu. Sie ist ja die Sonne unserer Seelen, nehmet die Sonne auS der Natur und ihr habet nur Finsterniß, eisige Kälte und Tod .... nehmet die heilige Eucharistie hinweg, und unsere Seele verliert Licht, Kraft und Lebe». „Ich bin der Weg, die Wahrheit und daS Leben." Bleibet auch ihr dem Glauben treu, den ihr aus eurem Vaterlande hierher gebracht; lebet nach eurem Glauben und seyd auf eurer Hut vor den Schlingen, die euch ringS umgeben. Ich werde jetzt, während des heiligen Segens, für euch beten, meine geliebten Brüder; aber nicht nur für euch, — auch für das ganze Deutschland, — es ist dieß eine Pflicht der Dankbarkeit, für die Gastfreundlichkeit, mit welcher eS mich aufgenommen. Damit ist aber meine Schuld noch nicht abgetragen. Ich werde auch für eure Brüder beten, die noch außerhalb der Kirche; ich werde, den Herrn beschwören, daß endlich die Schranken sallen, die zwischen unS aufgerichtet sind, auf daß werde Ein Hirt und Eine Heerde." Die Anrede des hochwürdigsten ErzbischofeS wurde mit der gespanntesten Auf- »miksamkeit gehört; und obgleich die Mehrzahl der Anwesenden der französischen Sprache noch nicht kundig, drang doch der väterliche Ton, die sichtbare Ergriffenheit des hohen Redners zu den Herzen. Das deutsche Segenlied und „Großer Gott, wir loben dich," wurde sodann tausendstimmig gesungen. — Der Herr Erzbischof wurde hierauf mit brennenden Kerzen zum Wagen geleitet und bei seiner Abfahrt mit einem dreifachen donnernden „Lebehoch" begrüßt. Die Menschen zerstreuten sich, ganz beglückt von diesem Feste, und nur traurig darüber, daß die Kirche so klein für die Zcchl derer, die sie suchen. (Schles. Kirchenbl.) Redemptoristenmiffion im Wiener Arbeitshause. Wien, 18. Dec. Vorigen Mittwoch war der Schluß der Mission in dem hiesigen ArbeitShause auf der Leimgrube, durch die PatreS Redemptoristen gehalten. Dieselbe ist dem hellen Blick unseres MilitärgouverneurS, veS Herrn FML. von Kempen, und der christlichen Thatkräftigkeit unseres StadthauptmannS, Herrn von Weiß, zu verdanken. Sie haben die Nothwendigkeit, die Ersprießlichkeit einer besondern geistlichen Einwirkung auf so viele Verblendete, Verirrte, Verkommene durchschaut, dafür sich verwendet, und willfährig haben, wie überall, die ehrwürdigen Väter dieser Mühe sich unterzogen, mit jener zweckmäßigen Anordnung, jenem unermüdlichen Eifer, wofür ihnen der Haß aller Zerfahrenen und Verflachten den RuhmeSkranz um das Haupt windet. Von andern Theilnehmern konnte der enge Raum bloß eine kleine Anzahl fassen; ihre Zahl war aber jederzeit so groß, als dieser nur immer zuließ. Wem eS vergönnt war, in den Saal einzutreten, hat denselben erbaut und gestärkt verlassen. Am Ansang erwicö nur eine kleine Zahl der Eingesperrten von den Predigten sich bewegt, bald aber wurden die unfreiwilligen Bewohner des HauseS immer mehr ergriffen, alle, bis auf sehr wenige, fanden zum Beichtstuhl und zu der heiligen Communion sich ein und bewährten durch ihr ganzes Benehmen, daß sie die christliche Liebe dieser Männer, die bloß um Gottes nullen ihrer, als Verlassener und von der Welt Verachteter, sich annahmen, in dieser Absicht sie aufsuchten und alle Stunden des TageS, alle ihre Kräfte ihnen widmeten, zu würdigen wußten. Am Schlußabend war die improvisirte, lieblich geschmückte Capelle des SaaleS, in welchem die Mission stattfand, aufs Glänzendste erleuchtet; der hochwürdige Herr Domdechant, welcher mit dem allerheiligsten Sacrament den Segen geben sollte, zog unter Begleitung der anwesenden Honoratioren processionaliter in dieselbe ein ^worauf der Superior der Mission, der hochwürdige Herr P. Wolmann, die Schlußpredigt hielt. Sie war einfach, passend, allverstänblich, ergreifend. Er ermähnte seine Zuhörerschaft, die gewonnenen Eindrücke zu festige.» durch tägliches Gebet, öfter» Empfang der heiligen Sacramente, ernstes Vermeiden jeder neuen Gelegenheit zum Rückfall. Rührend war eö, wie er am Schlüsse diese zeitweilig Pflegbesohlenen um 8 Verzeihung bat, wenn seine MissionSgefährten je den einen oder andern von ihnen sollten gekränkt haben, wäre doch nie gegen die Personen, nur gegen die Sünde ihr Ernst gerichtet. Für die Wenigen, welche daS Wort des Lebens von sich gewiesen, gleichwie für die Missionäre und deren Wirken im Dienste GotteS und der Menschen, forderte er sie auf, zu beten. Nachdem er noch die Bewohner des HauseS der Hirtenpflege und der Hirtentreue ihres Seelsorgers warm empfohlen, segnete er ihrer Aller Wollen und Thun für die Gegenwart und für die Zukunft mit dem Bilde deS Gekreuzigten, auf welches sie zu Trost und Stärkung fortan ihre Blicke richten sollten. Darauf wurde der ambrosianische Lobgesang angestimmt, aus vollen Kehlen gesungen, sodann der Segen gegeben. Den Dankesworten des Herrn Seelsorgers des HauseS folgte die Dankesrede, welche ein zeitweiliger Bewohner deS StrafhauseS vortrug. Möchte doch der blasirte Weltling, welcher die Achsel zuckt, so bald von Missionen und Missionären die Rede ist, die Frage sich stellen: welchen Lohn, welchen Gewinn an Ansehen, Reichthum, Bequemlichkeit, Gellung vor der Welt haben diese Männer dafür, daß sie durch acht volle Tage mit Sträflingen gleichsam sich einsperren lassen, vom frühen Morgen bis in den späten Abend, alle ihre Zeit und alle ihre Geisteskräfte ihnen widmen, jetzt in Predigten, dann in der ungleich mühevollern und anstrengendern Arbeit deS BeichthorenS und vermuthlich solcher Beichten, die ungleich schwerer zu behandeln sind, als diejenigen eineS Christen, der vielleicht alle Monate in dem Beichtstuhl erscheint? Kann hier ein anderer Beweggrund obwalten, als daS warme Verlangen, in deS guten Hirten Fußstapfen zu treten? Die böse Welt spricht sogar davon, daß die guten Väter die Erlaubniß, ihren-uneigennützigen Eifer in dem StrafhauS anwenden zu dürfen, hätten bezahlen müssen, indem jedem derselben eine JuriSdictionstare von dreißig Kreuzern sey auferlegt worden. Dieses alberne Mährchen ist ein neuer Beweis, wie in unsern Tagen der üble Wille darauf ausgeht, selbst dem Reinsten und Edelsten, sobald eS an die Kirche sich anknüpft, etwas anzuhängen. Denn wo in der Welt käme es vor, daß gute Werke, bei denen der Mensch gleichsam sich selbst zum Opfer darbringt, mit einer Tare belegt würden? Demgemäß hätte auch unser Herr, als er aus Erbarmen, wie der Evangelist sagt, die 50dl) Menschen wunderbar speiste, für dieselben die VerzehrungS- steuer, hätte eine solche damals bestanden, entrichten müssen. (D. Volköh,) Der Berein der heiligen Kindheit. In Aachen, Mainz, München und Wien bestehen Centralräthe deS Vereines der heiligen Kindheit, und des letztern Präsident ist der hochwürdigste Fürst-Primas von Ungarn. AIS Zeichen besondern Wohlwollens hat deS Kaisers Franz Joseph jüngster Bruder, Erzherzog Ludwig, daS Ehrenpräsidium angenommen. Nach dem letzlen Rechnungsausweis deS Vereines betrugen die Einnahmen vom 1. Mai 1851 bis 1. Mai 1852 e. 400,000 Fr., obwohl von allen Seiten die angekündigten Beiträge noch nicht eingegangen waren. Fast ganz Europa und Amerika, Klein-Asten, Persten, Ostindien, Aegypten und Algier, die Insel St. Moriz und die SandwichS« Inseln haben zu dieser Summe beigesteuert. Die Ausgaben betragen über 378,000 Fr., wovon 300,000 Fr. den Missw!^u von China, Cochinchina, Tongking, Siam und Mayssur angewiesen wurden. Nach Angabe deS Pariser CentralratheS sind im Jahre 1850 20,000 Heidenkinder in Todesgefahr getauft worden (darunter 10,000 allein in dem apostolischen Vicariat von Sutschuen); die meisten sind bald nach der Taufe in die ewige Herrlichkeit eingegangen, um am Throne deS Allerhöchsten ihren Wohl« thätern und dem Vereine der heil. Kindheit Glück und Segen zu erflehen. (Sion.) Veraulw örtlicher Redacteur: L. Schönchen, VerlagS-Jnhaber: F. E. Kremer. Dreizehnter Jahrgang. Sonntags-Beiblatt .„Zlwl Ui NZglilS 7U? ,11'^ »t »7!>1lii!k NZ7?Ü 1!0 .^u^Hut m,4 ^gnk?:^' IlittKll n INAll, lim Klil?fll'/»'' -n-ZinS ms7,Ii siZ .i,ttu)E '^»^)! 21 ? 7vai '^!N7?i »^"l'Nf. ' ^ - ! ,Z»»ui ZKln ni'Z cht .^^^P ^i'i dir- .7Z'I)iI ckmi m^li ifi i3 PogMung. Dieses Blatt erscheint regelmäßig alle Sonutaae. Der halbjährige Abonuementsprei« 4V kr., wofür es durch alle konigl. bayer. Postämter und alle Buchhandlungen bezogen werden kaun. ,^-.!-----------^--- -----------^-!------------------------------------^---^, „1 Zltzüsj7Z noch^ 7?(i70ll »gnkS .!«nnU nschKM^usKlpZ MZNIZ u.^ !»>'« ,lUV7M Die Erzherzogin Maria von Steiermark, u?^!chZ»-^ Mutter Kaiser Ferdinand des Zweiten. Rede des Hofrn t h s und Reichs hi st oriographen Dr. v. H »rter-Ammann, gehalten in der P l e n a rv e rsa in m l u n g des Wiener Central^ScverinuS- vereiueö am 9. Dec. 1852. ^»7?Il gMIMMiiisLt n^.is,nü? 7'^^inMzG !,7(I, . ^' ' I,„(l LlloaviZ 'ZNvIlvW ^Uli. N>UZMZ HA'^r"^ «- Daö letzte Mal habe ich Ihnen die Stamm-Mutler unseres geliebten Fürstenhauses dargestellt von ihrer liescrusten und in Gemäßheit dieser Richtnng auf ihre Kinder mit allarliger Fürsorglichkeil einwirkenden Seite. Ich habe Ihnen zugesagt, daß Sie dieselbe auch von der heitern Seite sollen kennen lernen. Wie aber, wenn ich vorausschicke, daß bei Reisen unter dem mitgenommenen Gerüche der Erzherzogin ein Kästchen sich befunden habe, welchem sie bei dem Abpacken jederzeit besondere Aufmerksamkeit zugewendet, dem sie bei dem Eintreffen zu dem Nachtlager immer vor allein Andern zuerst nachgefragt, so daß allgemein die Meinung obwaltete, es wären darin ihre kostbarsten Kleinodien verwahrt, indeß eö nichts anderes enthielt, als ein Bildchen mit dem OrdenSkleive der Klarisserinen und einem Zettel: dafern sie auf einer Reise mit Tod abgehen sollte, sev ihr fester Wille, in diesem Gewände begraben zu werden; wenn ich dieses vorangehen lasse, werden Sie dann nicht sagen: wie läßt sich bei solcher Gesinnung, welche unsere Zeit sogar düster, trübselig und — wer weiß wie — nennen würde, von einer heitern und fröhlichen Richtnng sprechen? Wie, wenn die Erzherzogin die niancherlei Festlichkeiten, welche zn Mailand ihrer Tochter, der künftigen Königin von Spanien, bereitet waren, „Leichtfertigkeit und Gankelwerk" nannte und ihre Margarethe von der Theilnahme daran zurückhielt, so sehr sie nur vermochte, weiiu sie der „buhlerischen Komödien" wegen, die zur Advent- zeit gehalten würden, von den Strafgerichten Gottes sprach, ob deren Hereinbrecheil bei solcher Frevelhasligkeit sich nicht zu verwundern sep, werden Sie dann nicht meine Versicherung des heitern Sinnes der Erzherzogin mit einigem Mißtraue» aufnehmen. Was ich so eben erwähnt habe, ist alles buchstäblich wahr und stößt dennoch dasjenige, waö ich jüngst in Aussicht stellte, nicht um. Mir scheint, der Erzherzogin habe in hohem Grade die äußerst seltene Gabe innegewohnt, zu ermessen, waö für jegliche Zeit sich schicke, was nicht. Die erwähnten Aeußerungen über die Festlich, keiteu in Mailand knüpfen sich theils an die Ueberschreitung der Schranken des Zulässigen, theils an die Adventzeit, welche immer zu besonnenerem Ernste mahnen sollte; daS Bild aber war nur eine sichtbare Erinnerung an das Wort, welches wir unS zu ') Siehe Nr. I und II Seite L4S, 253, L97, 307 des Jahrganges 1852. .YNNst'tllliTlAWlKiMU unserm Heile insgesammt öfter in Erinnerung zu bringen hätten: Gedenke, Mensch, daß du sterben mußt! Ich aber soll jetzt meines Wortes eingedenk seyn, Ihnen die Erzherzogin von ihrer heitern Seite vor Augen zu stellen. Diese zeigt sich schon darin, daß jede Freude, die ihren Kindern zu Theil ward, den reinsten Wiederhall in Mariens mütterlichem Herzen fand. ES drängt sie, dem Bruder mitzutheilen, welchen Jubel übersendete Apostel bei ihrer Anna geweckt hätten. Den fünfjährigen Ferdinand hatte der Oheim auf Neujahr ebenfalls mit einem Geschenke bedacht. DeS Knaben Freude war die Freude der Mutter, die ihrem Bruder schreibt: „Der Topf ist ihm noch lieber, als die Pferde. Ich bin nicht im Stande, Dir Alles zu schreiben, was er mir an Dich aufgetragen hat. Er spricht unablässig von seinem frommen, lieben Herrn Vetter. Stets wiederholt er, wie lieb Du ihm seyest; wie gern er nach München wolle, denn Du habest so schöne Sachen." So lange ihre Kinder noch minderjährig waren, galt besonders der Tag des heiligen Nikolaus der Erzherzogin, alter woblbegründeter Sitte gemäß, alö derjenige, der jenen alljährlich zum Freudentage werden sollte. JedeS Jahr sann die Mutter darauf, wie sie ihn zu einem solchen machen könne. Lange vorher schon ergötzte sie sich an der Ungeduld, mit welcher die Kinder seines Erscheinens harrten. Trafen alsdann die Bestellungen, die sie öfters durch den Bruder besorgen ließ, nicht zur rechten Zeit ein, dann war sie in großen Sorgen, in Furcht, dieselben möchten zu spät anlangen, in Zweifel, was zu thun wäre, um den Tag ja nicht ohne sein Ein- gebinde verlaufen zu lassen. Dieß sollte auch dann nicht geschehen, als die Kinder in den Jahren bereits vorgerückt, zum Theil schon erwachsen waren. Mit zartem Sinne wußle vie Erzherzogin ihre Geschenke der künftigen Bestimmung ihrer Söhne anzupassen. So schickt sie von der Reise nach Spanien auS Mailand Leopold, dem künftigen Bischof, ein Altartuch, Maximilian Ernst, wahrscheinlich jetzt schon zum deutschen Ritter bestimmt, einen Degen. So oft sie dann die Gaben des heiligen Nikolaus bereitete, eben so oft entschuldigte sie sich, daß dieselben nicht besser ausgefallen seyen. „Der Heilige/' bemerkte sie von Mailand aus, „ist eben betagt; ich fürchte, wenn er auf seiner Wanderung hier einspricht, werde er nicht mit Vielem sich beladen können." — Während ihres dortigen Aufenthaltes ergötzte sie sich manchmal an den launenhaften Ereignissen eines GlückötopfeS. „Hab viel Geld vernarrt im Hafen," schreibt sie dem Sohne; „ist gar lustig gewesen." Sie machte ihre Einsätze meistentheilS zum Besten der Kinder, auch anderer Personen des heimathlichen HofeS, wobei die Wechselfälle deS Spieles, im Hinblicke auf die Bedachten, ob sie von denselben in Gunst oder in Mißgeschick berührt wurden, manche Erheiterung gewährten. Mit Lust vergegenwärtigte sie sich die Verlegenheit deS Jesuiten P. Balthasar über den Gewinn eines Ringes, den der Glücksfall dem schlichten OrdenSmanne zugedacht hatte. Mit zartem Sinne wußte sie anneben der Gunst des Zufalles durch eigene Fürsorge nachzuhelfen, die Empfangenden aber dennoch ihren Dank jener zollen zu lassen. Auch abwesend gedachte Maria der frohen Tage der Ihrigen und vernahm gerne Berichte darüber. Zu einem solchen Tage der Erheiterung scheint am Gratzer Hofe der st. Thomastag bestimmt und eS dort Sitte gewesen zu seyn, an demselben irgendwo sich zu erlustigen. Das unterließ Ferdinand, wahrscheinlich der ungünstigen Witterung wegen während des Winters, in welchem Maria zu Mailand sich befand. Sie billigte es nicht. „Hätte ich mich unter Euch befunden," schrieb sie dem Sohne, „die Witterung wäre mir nicht zu schlimm gewesen; ihr hättet mir sicher nicht zu Hause bleiben dürfen. Aber so geht eS, wenn Niemand da ist, der antreibt." — Die Erzherzogin Eleonore war aus Kränklichkeit zum Trübsinn geneigt; deßwegen hörte sie mit Vergnügen, daß sie einen Spielmann auf ihr Zimmer kommen lasse. „Sollte dieß selbst am Charfreitag geschehen seyn," bemerkte sie, „so wäre eS keine Sünde, bloß eine „Kurzweil" gewesen, wodurch andere Sachen, besonders die Trüb- finnigkeit, wären verhindert worden." „Daß Du zu deinen Schwestern Masken gegangen bist," schrieb sie dem Sohne u um die gleiche Zeit, „dafür verdienst du keinen Vorwurs, zumal eS in der Kammer geschab. Der Bericht über eure Musik hat mich lachen gemacht. Der Elconora aber kannst Du einen „guten Filz" dafür geben, daß sie mir so gar nichts davon schreibt. Sie thut gar zu heilig; wäre Sie eS wirklich, dann sollte eS mich freuen." Bald darauf sagt sie: „Ich habe mit Vergnügen von eurem fröhlichen Leben im Fasching gehört. Du hast recht gethan, daß Du auf Herrn MarenS (ihres Obersthofmeisters Maximilian von Schrattenbach) und deines Hofmeisters Rath eine Maskerade veranstaltet hast. Bei unS hat man nichts davon gemerkt, daß es Fasching sey." Dieser brachte jährlich allerlei Erheiterndes für den Gratzer Hof. Schlittenfahrten, Schauspiele, Tänze wechselten. Dock standen diese mit dem Laufe der Gestirne und der weislich angeordneten Bestimmung der Tageszeiten noch nickt im Widerspruch. Die Schauspieler waren meistentheils Engländer unter der Leitung eines ManneS, der als Katholik dem Blutdurste der sogenannten jungfräulichen Königin sich hatte entziehen müssen; sein Name war Spencer. — Noch in lhrem letzten Lebensjahre nahm Maria an den Ergötzlichkeiten der Faschingszeit freudigen Antheil, und eS wird unS berichtet, daß dazumal sowohl für den Tag als für den Abend allerlei Munteres und Festliches erdacht wurde, wozu die anwesenden Herren und Ritter vnrch sinnreiche Veranstaltungen nicht wenig beigetragen hatten. Ein solches FaschingSstücklein wird meine verehrtesten Zuhörer gewiß jetzt noch erheitern. Die Herren versteckten eines TageS hundert lebendige Hasen in verschiedene Theile der Stadt. Bald darauf bliesen die Hörner zur Jagd, zogen jene mit ihren Hunden daher, wurden die Hasen losgelassen. DaS war ein Halloh durch alle Straßen. Die Einen unter den Einwohnern fürchteten bei dem Gelärme, cö sey ein Feind eingebrochen und verschanzten sich hinter ihren Hausthüren; Andere glaubten, eS sey Feuerlärm, und ließen Wasser herbeitragen; der Rector der Jesuiten Deinte, man müsse sich gegen herantobendes Volk in wehrhafte Fassung setzen und vertheilte unter die Zöglinge, die eben bei ihrem Mittagstische saßen, Spieße, Prügel, Steine und stellte sie zur Wache an Thüren und an Fenster. Der Bischof von Lavant, gerade als Gast in dem Kollegium, sprach Muth ein. Wie er aber draußen schallendes Gelächter hörte, öffnete er ein wenig daS HauSthor, um zu sehen, was denn vorgehe; da wischten augenblicklich fünfzehn der verfolgten Hasen hinein, indeß der UniversitätSkanzler, der nur das Getümmel hörte, mit lauter Stimme rief: «Der Feind ist da! Brüder, auf zum Kampf!" Der Rector aber, bereits besser informirt, winkte, daß jeder die Wehre ablege, worauf die Kampfeslust gegen die zitternden Thierchen sich wendete, die als willkommener Braten in Empfang genommen wurden. Der heitere Sinn der Erzherzogin spricht sich besonders aus in dem Tone ihrer Briefe. Sie lieble eS, dieselben mit launigen Einfällen, mit humoristischen Ausdrücken zu würzen. So spricht sie von dem „gnädigen Stallmeister," den sie ein anderes Mal einen „stetigen" nennt, von dem „gemalten Kaiser" zu Prag. Einmal läßt sie ihren Kindern die Drohung zugehen, „sie werde so spanisch werden, daß man sie nicht mehr kennen solle." Dem Freiherrn von Rumpf schrieb sie: „von Herzen gönne sie dem Erzherzog Albrecht sein BiSthum (Toledo in Spanien); sie müsse bekennen, vaß weder in Kärnthen, noch in Steiermark dergleichen Pfarreien zu finden wären." Der Auftrag, einem Kammerdiener zu sagen: „Wenn er sich betrübe, werde man ihn auf die Galeeren schicken, damit es ihm vergehe;" einem andern: „DaS Meer sey doch noch größer als der Starnbergersee seines Vaterlandes," beurkundet eine heitere Leutseligkeit, die auch Untergebene der Erzherzogin gewinnen mußte. Schreibt sie dem Sohne: „Ich höre gern, daß dem Tanhauser der Bart wächst, der wird rauschen wie der des AdamS; komme ich nach HauS, so will ich sehen, wer dessen mehr hat, Du oder er;"> gibt sie ihm den Wink: „wenn er vor ihr zu Mariazell eintreffen sollte, so wolle er doch nicht Alles aufzehren, damit auch für sie noch etwas übrig bleibe;" so begegnen wir hierin, im Vergleich mit der Weise, wie sie aewichtige Angelegenheiten zu besprechen pflegte, jener glücklichen Stimmung, welche je in dem schicklichen Augenblick so Ernst als Munterkeit sich eigen zu machen versteht. IS Bei der treucstcn Obsorg« für vic Kinder, bci niemals zweifelhafter Bereitwilligkeit denselben Freude zu bereiten »der zu gönne», hielt Maria eben so fest an ihrer mütterliche» Autorität, als diese von jenen Allen bereitwillig mit einer in unser» Tagen selten mehr vorkommenden Ehrerbietung anerkannt wurde. Da begegnen wir einem Verhältnisse, von welchem schwer zu urtheilen ist, ob dadurch die Stellung der Mutter zu den Kindern, oder diejenige der Kinder zu der Mutter iu ein helleres Licht gesetzt werbe? In dem hellsten muß eS begreiflicher Weise an Ferdinand hervortreten, da er in seilier Eigenschaft, als Aeltestcr und als Landesherr, sich leicht zn Andcrm hätte berechtigt glauben mögen. Böte auch seine Reise nach Fcrrara, Loreto und Rom nicht mancherlei, was jetzt noch unserer Aufmerksamkeit würdig ist, so dürften wir schon deßhalb seiner eigenen verläßlichen Nachrichten über dieselbe uuS freuen, weil uns damit einer der schönsten Züge in Ferdinands Charakter zur an» schaulichen Kenntniß gekommen ist, wie nämlich die freie Stellung des regierenden Fürsten vor der Ehrerbietung deS SohneS gegen die Mutter in den Hintergrund trat. Der Erzherzog unternahm seine Reise nicht ohne die Zustimmung der Mutter, der er zugleich als Tag der Rückkehr den Johannistag bezeichnete. Tag für Tag erstattete er ihr entweder selbst oder durch seinen Gcheimschreiber Bericht über den Verlauf seiner Reise. Auf dem Heimwege wurde er von dem Großhcrzoge von Florenz, seinem nahen Anverwandten, auf daS Zuvorkommendste empfangen. Bei der freundlichen Behandlung und bei dem vielen Sehenswerthen, was sowohl die Kirchen als die Paläste jener Stadt in sich faßten, überzeugte sich Ferdinand bald, daß er weniger als drei Tage dort nicht verweilen dürfe, und deßhalb erst später, als er zugesagt, in Gratz werde eintreffen können. Wäre nun der Fürst-hier Niemand verantwortlich gewesen, so lebte doch in dem Sohne die Ueberzeugung, die Mutter habe daS unbestreitbare Befugniß, Rechenschaft über seine Handlungen zu verlangen, sobald er sich Etwas erlaube, wozu ihre Zustimmung fehle; deßwegen bat er sie ausdrücklich und dringlich um Verzeihung, daß er seinem Versprechen in Betreff der Rückkehr nicht statt thun könne. Zugleich fügte er zu seiner Rechtfertigung bei: „ihrem Scharfblicke könne cS nicht entgehen, welcher Werth auf die Freundschaft ausländischer Fürsten zu legen sey. Da der Großherzog so vertraulich gegen ihn sich erweise, würde er unfehlbar durch allzufrühcn Aufbruch denselben mißstimmen. In dieser Berücksichtigung zähle er auf ihre Nachsicht.""'"«!^ Dieß war aber nicht, wie man etwa meinen möchte, der AnSdruck der Schüchternheit eines zwei und zwanzigjährigen JünglingS, sondern cS war tief begründeter Charakterzug, der durch den Lauf von zehn Jahren und unter allen Regentenhandlungen, die in denselben sich verflochten haben, nicht abgeschwächt werden konnte, indem in seiner Beziehung zu der Mutter der zwei und dreißigjährige Mann genau so sich darstellt, wie der eben selbstständig gewordene Jüngling, und die zarteste kindliche Liebe als unveränderliche Unterlage dieses CharakterzugcS sich bewährt. ES ist rührend zu lesen, wie Ferdinand im Jahre 1608 vor dem Reichstage zu RegenSburg, wo er deS Kaisers Stelle vertrat, die Mutter, die über Unwohlseyn klagte, „um Gotteswillen" beschwor, „ihm und allen ihren Kindern zum Trost ihre Gesundheit sorgfältig in Acht zu nehmen," doch ja mit Schreiben nicht sich anzustrengen; wie sehr er, in ihrer Nähe zu seyn und sie erleichtern zu können sich sehnt; wie gerne er daS Kopfweh, daS sie befallen hat, und jeden Schmerz, der sie treffen könnte, auf sich nehmen würde. „Wollte Gott," schreibt er ihr, „ich könnte für E. F. D. leiden, cS sollte von Grund meines Herzens geschehen." Denn er ist fest überzeugt, „daß, so lange sie, die Kinder, die Mutter am Leben wüßten, sie nichts andern als deS gewissen Segens GotteS sich zu getrösten hätten." DaS sind, man fühlt eS den Briefen an, nicht Redensarten, sondern die ungefälschtesten, die goldreinsten Herzensergüsse. ES war damals, als er mit großer Unlust, aber in treuer Anhänglichkeit an daS Oberhaupt deS Reiches und deS HauseS zu RegenSburg weilen mußte, für Fer, dinand eine schwere Zeit. Hier der Reichstag, auf welchem die unkatholischen Stände 13 so spießig sich erzeigte», daß derselbe nach viermonatlichem Verlaufe ohne alle Frucht auseinander ging; dort Erzherzog Mathias, dessen Rüstungen leicht seinen Ländern gelten konnten, weil jenen die Irene Vollziehung kaiserlicher Befehle gegen den Vetter aufgebracht hatte. Da bestand zwischen Sohn und Mutter der vertraulichste Briefwechsel; über jeden seiner Schritte sctzt er sie in Kenntniß und nimmt rücksichtlich jedes desselben Zuflucht zu ihrem „hocherlcuchteten Verstand." „In nichts," schreibt er ihr, „werde er ohne ihren Rath sich einlassen. Sollte er in irgend einer wichiigcn Staatsangelegenheit nicht den richtige» Weg eingeschlagen haben, so wollr er ihrer mütterlichen- Zurechtweisung gerne sich unterziehen.» Da Mathias eine Zuschrift an ihn hatte abgehen lasse», welche Ferdinand mit Recht als ein „hitziges Hautbricfcrl" bezeichnen konnte, sandte er dasselbe sammt dem Entwürfe einer Antwort d^r Mutter zu, und wollte diese nicht abgehen lasse», bevor sie nicht mit einigen nr vertrautesten Räthe entschieden hätte, daß die Erwiderung in dieser Form dem Vuier möge zugesendet werden. Ihrem Ermessen stellte er anheim, welche Vorkehrung^» bezüglich der Sichcrstelluttg des Landes zu treffen wären, dessen aber vorzüglich nahm Maria, bloß ein paar Wochen vor ihrem Hinscheiden, mit einer Geisteskraft und mit jener Entschiedenheit sich an, welche zu aller Zeit ein besonders hervortretender Theil ihres Wesens war. Die Gesinnung gegen ihre Kinder spricht sich am schönsten auS in einem Briefe, den sie einst aus Veranlassung einer für sie höchst wichtigen Frage dem Freiherrn von Rumpf schrieb: „Dessen," sagt sie ihm, „mögt Ihr Euch zu mir versehen, daß ich gegen meine Kinder eine solche Mutter bin, und so Gott will, bleiben werde, um so lange sie sich wohl gegen mich verhalten, nichts Anderes zu suchen, als deren Nutzen. Was ich verlange, geht weder auS Vorwitz noch auS Eigensucht, sondern aus wahrer Fürsorge um dieselbe» hervor. Ich habe mir diese Jahre her genug gelitten, so daß ich jetzt dessc» satt bin; wüßte ich aber, daß eS meinen Kindern zum Nutzen dienen könnte, so wollte ich cS noch gerne länger über mich nehmen und weder Mühe noch Arbeit scheuen." Als sie ihre Tochter Maria Christina in gefahrvoller Zeit und bei herrschender Unsicherheit durch die Türken nach Siebenbürgen begleiten sollte, schrieb sie eben Demselben: „Gerne wollte ich für sie sterben, wenn ihr damit geholfen wäre." Dergleichen Aeußerungen weisen aufs entschiedenste jeden Verdacht zurück, als wäre ihr strenges Aufmerken, daß während ihrer Abwesenheit, ohne ihr Vorwissen und ohne ihre Zustimmung in dem Hause Nichts von Bedeutung vorgenommen werde, auS einer andern Regung, als auS der treuesten mütterlichen Fürsorge, hervorgegangen. Allerdings sollte während ihrer Reise nach Spanien Ferdinand in Bezug auf seine Geschwister die Stelle des Hausvaters vertrete», aber bloß innerhalb der Gränzen der Aufsicht und deS ErmahnenS. Alles Uebrige behielt die Erzherzogin sich selbst vor, und nichts sollte ohne ihr Gutheißen geschehen. So vernahm sic unterwegs, ihre jüngern Söhne wollen sie zu Ferrara mit einem Besuche überraschen. „Das," schrieb sie Ferdinand, „glaube sie nicht, weil sie sichS nicht denke» könne, daß er ohne ihr Vorwissen ihnen' fo etwas erlauben würde." Während der Abwesenheit der Mutter ließ Ferdinand seinen jüngern Schwestern die hl. Firmung ertheilen. „Damit," bemerkte sie ihm. „hätte er wohl bis zu ihrer Rückkehr zuwarten können; würde sie die Sache für gut erachtet haben, sie wäre von ihr selbst angeordnet worden. In ihrer Abwesenheit hätte er sich keiner Neuerung unterstehen soiUn." Noch entschiedener drückte sie ihre Verwunderung darüber auS, daß Ferdinand seine Schwester Eleonora reiten lasse; „hätte sie das gewollt, so würde dieselbe längst schon Unterricht im Reiten erhalten haben." In der ScheivungSsache der Erzherzogin Maria Christina von dem Fürsten von Siebenbürgen wollte daher Ferdinand ohne Weisung der Mutter nicht daS Mindeste thun; sie aber gab ihm Vollmacht dazu, doch nur in Beziehung auf das, waS nicht bis zu ihrer Heimkunft sich ausschieben lasse. Eben so glaubte sie, die Einsetzung Leopolds in das BiSthum Passau könne bis dorthin auf sich beruhen, damit sie ihn erst ausstatten und mit ihm reden könne 14 Unterwegs wurde ihr gesagt, ihre Tochter Maria Christina gedenke nach München zu reisen. Da bemerkte sie dem Sohne abermals: „DaS könne sie nicht glauben, da sie niemals um Erlaubniß hierzu sey gefragt worden," und fügte bei: „Du und Maria kennen die Welt noch nicht, wie ich sie kennen gelernt habe; wohl Dem, der bei der dcntschen Einfalt bleibt." Entschieden mißbilligte sie, daß Ferdinand seine Schwestern mit sich ans die Jagd nehme. „Er sey," war ihre Einwendung, „nicht verheirathet; die Schwestern seyen cS auch nicht; die Mutter sey nicht dabei; waS die Welt dazu sagen würde?" Eben so wenig sollten in ihrer Abwesenheit seine Schwestern öfter mit Männern sprechen. „Du bist jung," schreibt sie ihm, „wolltest Du Alles thun, waS Deine Schwestern von Dir begehren, Du würdest viel Unrechtes thun. Maria hat bisher ein gutes Lob gehabt, ich möchte nicht, daß sie dasselbe verlöre." „Sie wisse," sagte sie dem Sohne ein anders Mal, „wie scharfe Blicke auf ihre Kinder geworfen würden und wie sehr das schnell fertige Urtheil der Welt zu befürchten sey." Ferdinand selbst aber wollte es sich nicht, kraft eigener Vollmacht, herausnehmen, die Mutter auf der Heimreise in München zu treffen, sondern bat sie erst: „sie möchte ihm erlauben, hinauf kommen zu dürfen." Hinwieder aber, als Maria wegen der Begleitung ihrer Tochter bis nach Spanien den Sohn um Geld angehen mußte, fügte sie bei: „Solltest Du finden, daß ich unnütze Ausgaben gemacht habe, so will ich mich zurechtweisen lassen." Der Reise wolle sie besonders deßwegen sich freuen, weil er damit zufrieden sey. So umschlang Mutter und Kinder ein anmuthigeS Band, gewoben aus der treucsten Fürsorge, der freudigsten Ehrerbietung und aus der lautersten gegenseitigen Liebe. „Wäre F. D. doch wieder bei uns," schreibt Ferdinand schon im dritten Monat nach Mariens Abreise, und sie erwidert: „Mir ist die Weil so lange, als Euch." „Wäre ich doch wieder zu Hause unter meinen Kindern!" ist der Herzenswunsch, den sie in jedem ihrer Briefe ausdrückt. Es dünkte sie schon ein Jahr zu sevn, seil sie dieselben gesehen. Im Begriffe, zu Genua sich einzuschiffen, schrieb sie dem nachmaligen Kaiser: „Ich nehme auf eine weite Reise von Dir Urlaub; Gott der Herr helfe uuS bald wieder zusammen. Du sollst Tag und Stunde wissen, wenn wir abfahren werden. Sterbe ich unterwegs, so bete für meine Seele." Bei Ferdinand aber beschränkte sich die kindliche Ehrerbietung gegen die Mutter nicht auf das Wort; sie prägte sich, für Jedermann wahrnehmbar, allem persönlichen Verkehre mit derselben auf. Niemals erschien der Sohn vor ihr, ohne daß er daS Knie gebeugt hätte; niemals erlaubte er sich, sie anders anzureden, alS: „Allergnä- digste Frau Mutter!" So oft sie zu Wagen stieg, bot er ihr den Arm; begleitete er diesen zu Pferd, so sprang er an der Burg schnell herab, um denselben zu öffnen, um die Mutter die Treppe hinaufzuführen. Alle ihre Wünsche galten ihm als Befehle; noch im Tode wollte er neben ihr ruhen. Dort zu Gratz finden sich Beider Särge, aber in welchem Zustande? ES gereicht der Nachwelt zu schwerem Vorwurf, daß sie die'hohen Tugencen solcher fürstlichen Personen in ihren Ueberresten nicht würdiger zu ehren weiß. So darf ich mir wohl Glück wünschen, wenn eS mir gegönnt ist, daS Dnnkel, welches die Mutter, dann die giftigen Nebel, welche daS Bild.dcö Sohnes bisher umhüllt haben, einigermaaßcn zu zerstreuen und darauf aufmerksam zu machen, welche leuchtende Gestalte» zur Freude, zum Troste und zu der innigsten Hochschätzung einem jeden wahren und würdigen Oesterreicher in ihnen entgegenleuchten. Mein Stoff ist noch nicht erschöpft; ich kann, wenn Sie cS wünschen, noch manches Schöne, was ans die Mutter sich bezieht, mittheilen, und von der Fürstin habe ich im Grnnde noch gar nicht gesprochen. iltpy 6niiln5i^?s ^ '.. , . -i''s»7U?MM»iN>sN!l v ,vi?vi>. Die Jefuitenmifsion in St. Polten. In den verflossenen Tagen wurde ich lebhaft an die Stunden gespannter Erwartung erinnert, welche das christliche Volk zu Antiochien zu Ende des vierten 15 Jahrhunderts erlebte, als es nach geschehener Empörung mit glühendem Bußeifer zur Kirche eilte, und dort stundenlange an dem Munde deS beredten Priesters Johannes ChrvsostomuS hing. Wir hatten nämlich hier eine heilige Volksmission, gehalten von Priestern aus der Gesellschaft Jesu. Nach den blutigen Tagen der Empörung traten diese ehrwürdigen Väter zum ersten Male vor dem österreichischen Volke auf, und kündeten ihm mit heiliger Begeisterung und aufopfernder Liebe durch eilf Tage hindurch die ewigen Wahrheiten des Evangeliums. Und das Volk eilte, wie einst daS zu Antiochien, in die Kirche, und scheute nicht Frost und nicht Unbequemlichkeit, sondern hing in lautloser Stille und mit würdevoller Andacht an dem Munde der vom heiligen Eifer durchglühten Priester. So konnte es nicht anders seyn, als daß diese Tage wahre Tage der Freude waren, sowohl für das christliche Volk, als für die hochwürdigen Herren Missionäre. ES waren die PP. Joseph und Mar von Klinkowström, Schmude und Rohmann, die durch die Predigt des Wortes Gottes und die Spendung des heiligen Bußsacramentes während der Mission mit bewundernSwerther Opferwilligkeil thätig waren. Im Ganzen wurden 42 Predigten gehalten, und die Kirche war stets gedrängt voll von Gläubigen aus allen Ständen; selbst Protestanten und Juden nahmen fleißig daran Theil. Drei Predigten wurden im Freien auf dem Dompla»e gehalten, weil der Zudrang deS. Volkes zu groß war. Der Himmel war der heiligen Mission besonders günstig, da während derselben die schönste Witterung herrschte, mitunter wahre Frühlingstage; und doch fand die Mission im December (12.-22. inel.) statt. Kein Unfall, kein Unglück, kein Erceß trübte das heilige Ereigniß; im Gegentheile wetteiferten die Gebildeten und daS Landvolk, daS in Massen zuströmte, Geistliche, Beamte, Soldaten, Bürger u. s. w. in der Kundgebung ihrer gläubig erneuten Gesinnung. DaS Theater mußte auö Mangel an Besuchern während der heiligen Mission geschlossen bleiben. Kurz, eS waren außerordentliche Tage, die wir durchlebten, wahre Tage deS HeileS, die gewiß Allen unvergeßlich bleiben werden, die daran Antheil nahmen. Die etwaigen Borurtheile, welche gegen die Jesuiten und die Missionen bestanden, schmolzen schon bei der ersten Ansprache des hochwürdigen P. SuperiorS, Joseph von Klinkowström, wie Eis beim Sonnenlichte, und man kann annehmen, daß die eifrigen Theilnehmer an der Mission von aller romanenhaften Gespensterfurcht gründlich geheilt sind. Man kann wahrlich nur wünschen, daß die Gesellschaft Jesu auch anderwärts Gelegenheit finde öffentlich aufzutreten, weil Niemand besser als sie selbst durch ihr bloßes Erscheinen sich rechtfertigen kann; und eS klingt wirklich bis zur Erbärmlichkeit lächerlich, wenn man die hiesige Stadt bedauerte, daß sie den Muth hatte, den hochwürdigsten Herrn Bischof um eine Jesuitenmission anzugehen. — Der Gang der Mission war, wie überall, der gleiche. Es wurde die ewige Wahrheit, fern von aller Controverse und Politik, ergreifend und erschütternd dargestellt, und darauf in daS verwundete Sünverherz der Balsam der göttlichen Liebe gegossen. Es ist somit gar nichts Neues, waS man in den Missionen hört; sondern nur daS psychologische Ineinandergreifen der durch innerlich fertige und von keiner Menschenfurcht gehemmte Priester Schlag auf Schlag vorgetragenen Predigten bewirkt mit der Gnade GotteS diese außerordentlichen Erfolge. Mit heiligem Dankgefühle preist man am Schlüsse der Mission den dreieinigen Gott und fühlt sich doppell glücklich, ein Kind der katholischen Kirche zu seyn, der so große Mittel sür daS Seelenheil der Gläubigen zu Gebote stehen. Rührend war die Abbitte vor dem Allerheili'gsten und der weihevolle Gesang unschuldiger Kinder nach der Marienpredigt; wahrhaft erschütternd die feierliche Erneuerung deS Taufgelübdes. Außer den gewöhnlichen Standeslehren fanden auch zwei Predigten für die Soldaten statt; zu allen Predigten, ohne Unterschied, stand Allen der Zutritt offen. (Oesterr. VolkSfr.) 10 Christliche Lesefrüchte und Betrachtungen eines Laien. - ..niinLP' tzm ^n»M ms?KiWe^A,,.^-,,,,s, ^«u . -^7iN. iu, ^iicifiimttl^K ,sji»zfl zni» 7>ist ni),l LL^tvkl ?iW .l»niiiriaiii>i(N'!N Ssnnv^L Die Zurückgezogcnheit und Unsichtbarkeit Gottes vor unserm geistigen Auge und Erkennen ist für uns eine reiche Quelle der Heiligung und der Tugenden, die nicht ohne Kampf erlangt werden können («denn daö Himmelreich leidet Gewalt"); eS ist nicht schwer, sein Leid zu tragen, wenn man die leitende Hand GotleS gleichsam über sich erblickt, aber eS ist schwer und verdienstlich, wenn man, beraubt dieses hoffnungsreichen und stärkenden Trostes, den Dornenweg durch Finsternisse in Geduld und Demuth wandelt; — so ist eS auch nicht schwer, von Stufe zu Stufe der Vollkommenheit zu gelangen, wenn man daS Antlitz GotteS über sich leuchten sieht und sich von dem Wehen Seines heiligen Geistes umrauschl fühlt; da hat man Riesenkräfte, da hat man eine himmlische Heiterkeit und Stärke und fliegt gleichsam dem Ziele entgegen; schwerer und verdienstlicher aber ist eS, wenn man ven Weg zur Vollkommenheit im Zustand der Einsamkeil der Seele, beraubt der Süßigkeit des göttlichen GiiadcntrosteS, in Geduld und Ausdauer wandelt und oft keinen andern Gefährte» mehr auf diesem rauhen Wege hat, als das Wissen, daß Gott eS so will und als die demüthige Ergebung in diesen heiligen Willen. 6iN7B!l 7)1 7KM iMuuiH. 7i(Z? .70« g07p. 6nu ^wklöljMlkjlnD 57H0M 7Zjniilim ,5>chf77d?l giiunitiÄ Ztsn6cht >i1 n^t^7»cl Ein Mensch, in dem daö innere Leben der Gnade gegründet ist uuv der weiß, „wie süß der Herr ist", kömntt mir den Weltkindern gegenüber vor, wie ein Slum- mer; er hat ihnen gegenüber keine Sprache, um auszudrücken, waS in ihm lebt; ja er kann es ihnen nicht einmal durch Zeiche» verständlich machen, denn sie sind blind dafür. So muß er seiue Seligkeit allein in sich tragen, wie sehr eS ihn auch drängt, sie aller Welt zu verkündigen und begreiflich zu machen. ".NMgva "wiimü »071.tZ .u^Zck, i»OnlO. chi«ß»H7,n,'i» N-.U» Hi«>k >n Warum betrachten wir Sonne, Mond und Sterne so stumpf und mit so wenig heiliger Ehrfurcht? Und sie gehören doch mit zu den allerältesten Urkunden deS Werkes der Schöpfung! Oder glaubt Ihr, die Sonne, der Mond, die Sterne, welche Ihr jetzt am Himmel seht, seyen andere, als jene, so dort z» schauen waren gleich nach Erschaffung der Welt? Adam und Eoa und nach ihnen alle Menschen, Heilige und Sünder, haben sie geschaut herab bis auf unsere Tage; betrachtet sie also mit großer Ehrfurcht und Erbauung! n»s M«W I»s bst ßvÄ ,!7,U V'7Z? t'7vlT » kiisiö sicl nvm tMZ« >chi!i,Mk tttl 7,^ vnvO 7Z?? — .lv-!'^uu> iiciWmii'^ui'ft^ ^ni!> mu i^lk-»iS- U77'»K N,tisii57ü«ft'itl Die Katholiken in Holland. Wie sehr die Katholiken in Holland bei öffentlichen Aemtern gegen die Protestanten zurückgesetzt werde», beweisen folgende statistische Notizen. Die Zahl der Katholiken in den Niederlanden verhält sich zur Gesammtbevölkernng wie 2 zn 5. Im Staatörath und bei der Volksvertretung zählen die Katholiken aber 27 auf 176 Mitglieder, also im Verhältniß wie 2 zu 11. In den verschiedenen Ministerien kommen auf 173 Beamte bloß 41 Katholiken, am höchsten Gerichtshof und in ander» StaatS- collegien auf 93 Mitglieder 8 Katholiken, bei gelehrten Korporationen auf 161 Ti> tulare 8 Katholiken, in der Armee auf 605 Officiere 28 Katholiken u. s. w.; überhaupt auf 1818 königl. Beamte vlvß 132 Katholiken, also ein Verhältniß von 2 zu 25, anstatt 10 zu 25. Ein ähnliches Verhältniß findet in den Provinzen statt. Aerger aber noch als im Mutterlande ist es in ven holländischen Kolonien. Bei einem so unverhältnißmäßigen Uebergewicht protestantischer Beamten, und bei dem Bestände mehrerer protestantischer Gesellschaften, deren Bestrebungen insgesammt gegen die kathol. Kirche gerichtet sind, ist eS wohl leicht erklärbar, daß den Katholiken ihre wohlbegründeten Rechte immer vorenthalten bleiben. Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen, Verlaqs-Juhaber: F. E. Aremer. Vrey-Hnter Jahrgang. Sonntags-Betblatt zur Augsburger Pojheitung. 15. Januar M^- S 1853. Dieses Blatt erscheint regelmäßig alle Touutage. Der halbjährige Abonnementsprel« »tt kr., wofür e« durch alle köm'gl. bayer. Postämter und alle Buchhaudlimgeu bezogen werde» kauu. GechS Jahre. Im Jahre lag die Kirche in Deutschland in einem völligen Schlummer. Die betäubenden Mohnkörner des FebronianiSmuS waren allenthalben ausgestreut, und die Zöglinge der Generalseminare standen in dem versumpften Boden hochaufgeschossen da wie das Rohr (durch und durch hohl) — und sich beugend vor jedem Lufihanch und beschienen von der Gunst- und Gnadensonne der Weltgewalten, in allen, beliebigen Farben schillernd wie die Schilfrispen, welche die gebeugten Wogen der Rohrgruppen bald silbern, bald röthlich färben, je nachdem der Wind eben sein Spiel treibt und die Sonne ihr Farbenmeer darüber auSgießt. In Frankreich suchte das GroS der Revolution »ach Gestaltung zu ringen. Der erste Anfall von Blutdurst war gestillt, und die Zeit des Martyriums für das standhaft bekennende Prie- sterthum war abgelaufen. Der von unten rasch aufgestiegene Machthaber hatte dem heiligen PiuS VII. ein Concordat abgerungen, welches der Vater der Christenheit nach seinen eigenen Worten den „außerordentliche» Zeitumständen" sich fügend angenommen. (Bulle vom 9. Sept. 18t)1.) Aber auch um eine dem Volk offen kundbar werdende Demüthigung war eS dem Manne der Gewalt zu thun, bald darauf fand dieß Vorhaben seine Ausführung und der Papst muß im Dome von Notre Dame eine Stunde lang auf den neuen Imperator warten, bis dieser zur Salbung erscheint — und im trotzenden Hochgefühl eigener Macht und Stärke sich selber die Krone aufs Haupt setzt. - Derweil docirten in Deutschland die Lehrer des kanonischen Rechte« von den Anmaßungen RomS, wie es ihnen eingeschult und von StaatSwegen geboten war, und sie konnten ihren Schülern nicht Furcht und Angst genug beibringen vor Roms Tiraunei und Herrschsucht, vor welcher die Fürsten sich verwahren müssen — mit jeder Maaßregel, um jeden Preis. ES kommt das Jahr 1813. Mit eiserner Faust drückte der emporgekommen? Mann auS Corsika die deutschen Fürsten nieder, die Bischöfe mußten ihm hörig seyn, er wollte die Kirche als Polizeigewalt mißbrauchen, sie sollte das Volk in Gehorsam halten, vor ihm aber sich beugen, und zur Hebung der Industrie die Schleppe deS mit goldiner, Bienen, als dem Symbole des Fleißes, durchwirkten Kaisermantels tragen. Den GallikaniSmuS, daS Unglück der Kirche und der Bour- bonen, webte er, verblendet durch seine Gewalt, hartnäckig in sein eigenes Verhängnis PiuS VII. fitzt (seit Mitte 1812) als Gefangener in Fontainebleau, und im Jänner 1313 will ihm Napoleon einen neuen Vertrag abtrotzen, er verlangt Bestätigung der von ihm ernannten Bischöfe. An der sittlichen Willenskraft des heiligen Oberhirten der Christenheit aber scheitert die gewaltige Faust der Willkür. Ein Jahr darnach ist die Herrschast deS Bezwingers zu Ende; und PiuS VII. hält seinen Einzug in Rom. Und immer docirten die KirchenrechtSlehrer in Deutschland das einge- MlMltl»^ MtikskynG klappte Drehorgelstück von der Herrschaft u>^ Anmaßung Roms — jedoch über das eiserne Richtscheit der fränkischen Gewalt schwiegen sie kläglich und klüglich, sprachen davon nur leiSlich, oder schwiegen ganz darüber weislich — so lange diese im Flore stand. ES kam das Jahr 1823. In Deutschland ist daS Leben der Kirche völlig lahm — nirgends regen sich die Glieder, der Torpor hat seinen Höhenpunct erreicht. Die Herren der Maschinenverwaltung sehen vergnüglich auf ihr Werk, die hierarchischen Mächte sind zerbrochen, das Episkopat, Universitäten und Seminare regen sich nur nach Decreten — die Aufklärung steht im Zenith ihres Triumphes. In Preußen wird die letzte Feile an das EpoS ver Kirchenverknechtung gelegt — die zwingenden Erlässe betreffs der gemischten Ehen beginnen auSzufliegen. In Frankreich ist das gallikanische Wesen wieder so fest hergestellt, als ob eS ein nothwendiges Attribut der Legitimität wäre, und diese ohne jenes daselbst gar nicht von Bestand seyn könnte. Und es kommt das Jahr 1833. Der Erzbischof von Köln, Graf Spiegel zum Desenberg, wird für die Maßnahmen der Regierung auf Kosten seines Gewissens und seiner Eide gewonnen. DaS Kabinet und seine Weisheit triumphiren, die kluge Politik hat gesiegt und die unangenehmen Störungen sind, weltlicher Ansicht nach, auf ewige Zeilen in Ordnung gebracht. Während dem hat in Frankreich sich der Bürgerkönig auf den Thron geschwungen, und hält dafür, der GallikaniSmuS sey die beste Garantie seines HerrscherthumS. Und es kommt daS Jahr 18T3. Wer hätte eö vor zehn Jahren geahnt, was für schreckliche Thatsachen die Kluft dieses Dezenniums ausfüllen werden? Die Hierarchie hat sich geregt, Deutschland war in Aufruhr, ein Staatsstreich ik eklatant mißlungen. ES mußten Concessionen gemacht werden, an die vor zehn Jahren keine Seele gedacht. Wie ist eS zu gewinnen, was ein unberechueter Augenblick verloren? Ein Löwe hat in Köln seine Mähnen geschüttelt und ist ausgestanden und hat gebrüllt — und wurde er auch sogleich in einen Käfig in Verschluß gebracht — seine Stimme — stürzte zu Berlin Actentische, Schreiber und Schreibhäuscr nieder — in wirrem Chaoö zeigte sich die Niederlage. Die Triumphbögen, welche sich Menschenwitz gebaut, krachten zusammen; und die Kirche wurde anerkannt als eine räthselhaste, geheimnißvolle Macht — ihr Wort aber so viel als möglich verhöhnt und aus ihre Forverungen, so viel als thunlich, kein Gewicht gelegt. In diesem Jahre hatten gewaltige Geister den Ausriß der Kirche in klarem Wort wieder vorgezeichnet, und der alie GörreS sagte damals zur (auch 1843) erschienenen Schrift über Staat und Kirche von Clemens August unter Anderm: „Eine Kirche über alle Welt verbreitet, so in ihrem Fortbaue auf alle Zeiten gewährt, kann dem Gutdünken einer vorübergehenden welllichen Macht nicht unterworfen seyn, »och auch daS Himmelreich auf Erden den Reichen Dieser Erde dienen; die Imperatoren Hütten sich sonst ihrer mit Recht erwehrt, vie Apostel und ihre Nachfolger aber ihnen als Rebellen gegenüber gestanden. — Darum kann der Episkopat nimmer eine Staatsbehörde seyn, denn die Vertreter welllich vergänglicher Interessen können nicht als die Zeugen Christi und die Bürgen ewiger Wahrheit gelten. (Hift. pol. Bl. 1843. S. 707.) Und es ist erschienen das J ahr 18S3. WaS für ein Reichthum von ungeahnten Erlebnissen auf dem Gebiete der Kirche seit zehln Jahren! Mag die Blödigkeit, die nicht weiter schaut als ihr beschränkter Gesichtskreis, immerhin meinen, es lasse mit einigen äußern Veränderungen herabgekommener Zustände in der Kirche sich AlleS im alten Geleise erhalten — die Geschichte geht doch ihren Weg! Jeder Verrath am heiligen Leben der Kirche wird jetzt mehr verachtet als je, jede Armseligkeit, welche sie feige verkaust, trägt jetzt ein tieferes Brandmal auf der Stirne als je — jedes kräftige Wort, jede opfermuthige That, jeder, der jetzt für die Kirche einsteht, wird von tausend und tausend Herzensstimmen begrüßt, und es herrscht in gewaltigen Geistern und sittlichen Charakteren mehr Freude an dem Aus blühen der Kirche als je — und darum verkünden wir (trotz allen Hindernissen) der 19 Kirche, wenn auch nach schweren Kämpfen, emc siegreiche Auferstehung - und ein glorreiches Dezennium! (W. Kirchenz.) Aus dem Brief einer oberfchlefkschen Barmherzigen Schwester aus Rio Janeiro. (Schles, K, Bl.) .... „Es war am 28. Juli, als wir noch zum letzten Male die Kirche der Lazaristc» in Paris besuchten, in welcher die Gebeine des heiligen Vincenz v. Paul ruhen, und hier zur Stärkung auf die Reise die heilige Communion empfingen. Gegen acht Uhr nahmen wir Abschied von unserm lieben Mutterhause und fuhren nach dem Buhnhofe, 40 an der Zahl, nämlich 33 Schwestern, 5 MissionSpriester »nd 2 MissionSbrüder, begleitet vom hochwürdigcn General-Vater, von der hochwürdigen General-Mutter, wie auch von mehrern andern Schwestern. Von da fuhren wir auf der Eisenbahn bis Havre, einer kleinen Stadt am Ufer deS-MeereS und kamen ddrt um zwei Uhr Nachmittags an, verblieben jedoch bei den dortigen Schwestern unseres Ordens durch zwei Tage. Am Tage vor der Abreise stiegen wir bereits zu Schiffe und ward auf demselben vom hochwürdigen General-Vater eine heilige Messe dargebracht, nach welcher derselbe eine Anrede an unS hielt, wobei er sich jener Worte bediente, welche einst der Heiland zu seinen Jüngern gesprochen: „Gehet auS in alle Welt und lehret die Völker." Erhaben und herzergreifend war dieser Augenblick; uumvglich war eS, sich der Thränen zu enthalten. Am folgenden Tage, Sonnabends den 1. August, nachdem wir schon eine Nacht auf dem Schiffe zugebracht, ward »och einmal vom hochwürdigen General-Vater daS heil. Meßopfer dargebracht und nochmals nach demselben zu uns gewendet, hielt er eine Ansprache, in welcher cr unS Vertrauen einflößte und unsern Muth stärkte; unterdessen aber löste sich auch schon immer mehr und mehr daS Schiff vom Ufer.--Wir näherten unS langsam dem Eingange inS Meer, und nun mußten sich alle jene, welche uns noch immer begleiteten, endlich trennen. Schmerzlich war da der Abschied, doch mit voller Ergebung in den göttlichen Willen. Nun trat daS Schiff inS Meer und wir stimmten den Lobgesang Mariens, daS „Magnificat" an. Hierauf gaben wir den am User Stehenden mit unsern Tüchern noch daS letzte Lebewohl zu verstehen, denn schon fingen sie an unsern Augen zu entschwinden und bald sahen wir nur Himmel und Wasser. DaS Wetter war heiter und günstig, blieb auch so drei Tage lang, dann aber erhob sich Wind, der immer stärker wurde und das Schiff stets heftiger schaukeln machte. Nljn ergriff unS auch bald Unwohlseyn und wurden wir bis auf zwei Schwestern von der Seekrankheit überwältigt, an. der wir durch einige Tage darniederlagen und dann nuS wieder einigermaaßen erholten. Doch der Sturm ließ nicht nach, vielmehr erhob er sich fort und fort, tobte von Tag zu Tag mehr, bis er endlich versagte, daS heilige Meßopfer, welches sonst täglich dargebracht wurde, zu verrichten und uns die heilige Commnnion, unsern größten Trost auf der Reise zu reichen. So dauerte daS stürmische Wetter durch vierzehn Tage und während dieser Zeit drohten öfterS furchtbare Wellen, die sich wie Berge aufthürmten und über unS zusammenschlugen, daS Schiff mit unS zu verschlingen. Nach dieser glücklich überstandenen Prüfung hatten wir noch lange Zeit hindurch Gegenwind, aber meist still und ruhig, so daß daS heilige Meßopfer wieder verrichtet und uns auch täglich die heilige Communion gereicht werden konnte. Welche Gnade! werdet Ihr ausrufen, täglich unsern Heiland empfangen zu können. — Ja wahrlich, groß ist dieses Glück! Ich werde wie betäubt, wenn ich bei mir all' die Gnaden und Wohlthaten, welche mir Gott zukommen ließ und läßt, erwäge. Während unserer Reise beschäftigten wir uns mit Nähen und Stricken, machten aber auch schon auf dem Schiffe den Ansang mit Ausübung von Werken «o christlicher Barmherzigkeit. Wir beschenkten nämlich zwei Schiffsknaben, von denen der eine mit Fütterung der Hühner, der andere in der Küche beschäftigt war, mit einem Anzüge, da dieselben sehr armselig bekleidet waren. Viel Vergnügen machten unS öfters die Fische, die wir bei stillem, heiterm Wetter zu Gesichte bekamen, und besonders der reiche Fischfang am Tage deS heiligen Bernhard. Sonst sahen wir nichts als Wasser und den Himmel mit seinen Leuchten oder Wolken, und an manchem Tage auch eine ähnliche Arche, wie die unsrige, auf dem Meere in der Ferne hinsegeln. An den Sonntagen wurde nach der zweiten heiligen Messe, während welcher gesungen wurde, an die Schiffsleute eine Rede gehalten, die bei den Meisten nicht fruchtlos blieb. Denn der größte Theil derselben ging in den letzten Tagen, als sich die Fahrt ihrem Ende nahte, zur heiligen Beicht und am letzten Sonntage zur heil. Eommunion. Auch der Sohn deS SchiffSkapitänS war unter ihnen. DaS Ziel unserer Reise sollte nun bald erreicht werden und wir harrten mit der größten Sehnsucht dem Augenblicke entgegen, wo wir wieder zum ersten Male Land erblicken sollten; doch verzögerte sich dieser Augenblick länger als wir glaubten, da wir bei der gegen Ende eingetretenen allzugroßen Windstille nur sehr langsam vorwärts kamen. Es war als sollte sich unsere Sehnsucht bis zum höchsten Grade steigern. Auf einmal hörte man rufen: Land! Land! und Ihr könnt Euch denken, welche Freude unter unS entstand. ES war am 25. September und merkwürdiger Weise, wir wir an einem der seligsten Jungfrau gewidmeten Tage, Sonnabends, von der östlichen Erde Abschied genommen hatten, so begrüßten wir auch an einem solchen Tage aus der Ferne die westliche Erde. Wir stimmten sofort das „Te Deum" an, um Gott dem Gütigen für die nun bald glücklich zurückgelegte Reise und seinen besondern Schutz auf derselben zu danken. Denn fürwahr, sichtlich hat unS der liebe Gott beschützt, da Niemand von uns Allen, die wir auf dem Schiffe waren, vom Tode hingerafft worden ist, sonst aber nach der Aussage deS SchiffSkapitänS gewöhnlich Mehrere am gelben Fieber sterben unv so in den Wellen des McereS ihr Grab finden. Sogar die Kinder einer auf dem Schiffe mitbefindltchen Familie, eins vier, das andere sechs Jahre alt, blieben verschont und gesund. Wir näherten unS nun immer mehr dem Lande; an die Küste selbst aber gelangten wir erst Sonntags Nachmittag um drei Uhr. In einiger Entfernung von derselben wurden durch ein Sprachrohr die Worte an unS gerichtet: „Wie viel seyd ihr?" und unser Kapitän gab die nöthige Antwort ebenfalls durch ein solches Rohr. Hierauf ward noch gefragt: Wie viel sind gestorben? worauf jedoch keine Antwort erfolgte. An der Küste angelangt mußten wir die Obrigkeit und den Arzt erwarten, damit nachgesehen würde, ob auch Alle gesund seyen. Als dieß vorüber war, stiegen wir endlich auS unserer Arche hinaus, in welcher wir beinahe zwei Monate unsere Wohnung hatten, und begaben unS in kleine Kähne, die von Negern gelenkt wurden und auf welchen wir noch ziemlich weit fahren mußten, ehe wir das Land oder eigentlich die Küstenstadt und Hauptstadt des brasilianischen Reiches, Rio de Janeiro, als das Ziel unserer Reise betreten konnten. Unmöglich kann ich Euch die Gefühle beschreiben, die ich empfand, als ich mich nun an jenem Orte erblickte, in welchem ich zu wirken berufen war. Unser erster Gang war in die Kirche, welche nicht weit entfernt lag. Die Straße dahin, denkt Euch, war mit Grünem bestreut und die Glocken hießen unS willkommen, gaben den Einwohnern das Zeichen unserer Ankunft zu verstehen. Bald war Alles voll von Menschen, die sich mit unS in die Kirche drängten, wo das „Te Deum" abgehalten und der Segen mit dem Hochwürdigsten ertheilt wurde. Von da gingen wir in das vorläufig für unS bereit gehaltene HauS, welches sich an die Kirche anschließt und sür Waisenkinder bestimmt ist. Mit der größten Freude erwarteten unS hier die Kinder und Lehrerinnen derselben. DaS Hospital, welches uns überwiesen werden sollte, schließt sich ebenfalls von »t der andern Seite an die Kirche an. Unter den dortigen Aranken befanden sich sehr viele Neger, deren cS am Orte überhaupt eine große Menge gibt. Der Glaube fast aller Einwohner ist der katholische; doch sollen sie sehr lau seyn, was Gott recht bald ändern wolle. ES gibt mehrere Kirchen daselbst, die aber nicht sehr besucht zu seyn scheinen. Auch die Neger find katholischen Glaubens, aber leider sehr verwahr, loSt. Jedoch die Freundlichkeit und Zuvorkommenheit derselben ist groß und find sie ganz glücklich, wenn sie Jemanden einen Dienst erweisen können. AIS wir landeten, mußten wir ihnen die Hand reichen zur Begrüßung. Ich habe diese Unglücklichen sehr lieb gewonnen. Betet nur auch für sie, auf daß wir hier recht viele Seelen für den Himmel gewinnen. Nicht weniger sind Eurem Gebete zu empfehlen die so vielen und sehr leidenden Kranken und Verlassenen. Wahrlich, eS gibt hier große» Elend, da in daS neue Gebäude, welches außer dem Hospitale, in dem wir uns befinden, noch eingerichtet wird und wohin ebenfalls Barmherzige Schwestern zur Pflege der Kranken verlangt werden, wegen Mangel an Raum nicht Alle aufgenommen werden können." Katholische Nächstenliebe. In Frankreich lebte ein Mann, dem die Wohlthätigkeit zur andern Natur geworden war. Er suchte die Unglücklichen mit eben dem Eifer auf, mit dem man Glücklichen entgegeneilt; und das Wenige, waS er besaß, war zugleich das Eigenthum deö Dürftigen. Ost reisete er bloß in der edeln Abficht, Menschen zu suchen, die seiner Hilfe bedürften. In Marseille fand er einst einen jungen Mann von 26 Jahren, der sich durch seine sanfte, rührende GestchtSbildung von den übrigen Galeerensklaven, deren Gesellschaft er vermehrte, gar sehr unterschied. „Mein Freund, Du weinst!" redete er ihn mit dem Tone deS innigsten Mitleides an; „ich kann Dir leider nur wenig Hilfe anbieten, aber dieß Wenige ist völlig Dein." „Ach, mein Herr, ich bedarf fein Geld, um mein jammervolles Leben durchzubringen; eS ist auch nicht mein Unterhalt, der mir am Herzen liegt!" Dabei strömten die Thränen des Unglücklichen reicher. Auf die Frage, ob denn Nichts zu seiner Erleichterung beizutragen sey, erwiderte der Arme: „O, mein Herr! Sie lindern mein Elend durch Ihr Mitleid, Sie find der Erste, der dieses bei meinem Jammer zeigt; Gott lohne Sie dasür!" Als der Unglückliche um die Ursache seines besondern Kummers weiter gefragt wurde, erzählte er, daß er der Sohn eines Pächters, eines braven ManneS sey, und sich vor längerer Zeit verleiten ließ, in einem fremden Gebiete zu jagen, wobei er daS Unglück gehabt habe, einen Menschen, der diese Jagd nicht gestatten wollte, beinahe zu tödten; man habe ihn, den Thäter, inS Gefängniß gebracht und bald darauf sey er zu sechsjähriger Galeerenarbeit verurtheilt worden. Seinen Vater habe der Schmerz bei dieser Nachricht getödtet; sein kleines Vermögen sey bei den Versuchen, ihn von der schmählichen Strafe zu befreien, zu Grunde gegangen und so auch sein Weib mit den Kindern in daS tiefste Elend gestürzt, und vor Mangel und Kummer dem Tode nähergebracht worden. In zwei Jahren erst sey die Strafzeit zu Ende; was sollte bis dahin mit den Seinen geschehen?! „Ach," schloß der Arme mit bittern Thränen, „wie wollte ich arbeiten, wenn ich bei Ihnen wäre!" „Du hast gefehlt," sagte der Mann bewegt, aber Du bist wahrlich unglücklich. Jetzt ist aber nicht der Augenblick, von dem Fehler zu reden, von dem ich glaube, daß Du ihn bereut hast; waS ist in Deiner jetzigen Lage wohl zu thun? Wenn sich Jemand anböte, Deine Ketten zu übernehmen, würde man Dir die Freiheit schenken?" »Gewiß, mein Herr," erwiderte der Gefangene; „aber wo auf der ganzen Erde fände sich ein Mensch, der sich freiwillig' solchem Elende unterziehen würde, alle Schätze der Welt —" s» Der Reisende ließ den Unglücklichen nicht ausreden, eilte zu dem Officier, dem die Aufsicht über die Galeerensklaven anvertraut war, verlangte, daß dem jungen Manne die Ketten abgenommen und ihm angelegt würden, um die »och übrigen zwei Jahre der Straft abzutragen. Der Officier erstaunte unv machte dem Manne Vorstellungen; dieser aber Ucß seine Gründe nicht gelten, denn „die Ehre der Menschen sey ihm gering gegen seines eigenen Herzens Urtheil vor Gott; der junge Mann müsse für sein Weib unv seine drei Kinder sorgen." Der Galeerensklave konnte sein Glück nicht fassen, er wollte diese unaussprechliche Wohlthat nicht annehmen. Der edle Mann ließ ihm aber die Ketten ablöse», ohne sein Weigern anzuhören; ja er versicherte ihn, daß diese ihm leicht erscheinen werden; er solle nur eile», seine Familie noch zu rechter Zeit zu retten. Dieser merkwürdige Mann blieb wirklich mit der größten Geduld auf den Galeeren, suchte sich zu verbergen, um von denen, die ihn sehen und kennen wollten, nicht gefunden zu werden; dabei brachte er den Tag mit der Erfüllung seiner müh' seligen Verrichtungen zu. Er war der Lehrer des Mitleivs, der Selbstverläugnung, der Wohlthätigkeit; der Trost, die Stütze, der Vater der Galeerensklaven, und brachte deren viele zur Reue und Tugend zurück. Und wer war dieses Muster so großer, christlicher Nächstenliebe? Ein Geistlicher, ohne Ahnen, ohne GlückSgüter, der keine Ehrenstelle bekleidete, und dem die Welt, und Frankreich insbesondere, so viele nützliche und bewunderungswürdige Anstalten verdankt. — Er stiftete das große Finvelhaus in Paris, die Gesellschaft der barmherzigen Schwestern, das Hospital (Mätel «je visu), worin Kranke aller Nationen aufgenommen werden. Diesem großen Manne haben Arme und Kranke ohne Unterschied der Religion die wesentlichste Unterstützung, die je die Menschenliebe erfand, bis auf den heutigen Tag zu verdanken. Er war der Erhalter von fast zehntausend Seelen jährlich. Wie hieß aber der edle, von wahrer Nächstenliebe beseelte Mann, der zwei Jahre die Galccrenkctte trug, um einen Gatten seiner Gattin, einen Vater seinen Kindern wieder zu geben? ES war der große Vinccnz dc Paul! Als man bei dem Papste Benedict XIV. um die Heiligsprechung dieses ManncS anhielt, fragte er, ob selber Wunder gethan hätte? Man antwortete auf seine Frage mit der Geschichte von dem Galeerensklaven, da rief der heilige Vater aus: „krißgn- lur ilii sltaria!" — „Man bane ihm Altäre!" (Oesterr. Volköfr.) « > - / >-> > ' ' ^ . „zttt tSvq,Y,M>« wmmuk M-HqH «u MiidütHnU n/'M ^ Die Mission in Seligenftadt. Vom 19. December 1852 bis zum 2. Januar 1853 wurde iu Seligenstadt durch die Väter der Gesellschaft Jesu, die Herren PP. Roh, Daun und Allct eine Mission abgehalten, welche an Großartigkeit der Betheiligung wohl mir noch von GerlachSheim, wo 24,000 Menschen versammelt waren, übertreffen, also eine der größten in ganz Deutschland seyn wird. Darum erlaube man eine kurze Besprechung dieses wichtigen Ereignisses. Seligenstadt, ehemals geschmückt mit einer berühmten Benedictinerabtei und darum noch voll von katholischen Traditionen, ist so ganz der Boden, wo eine Mission, ohne erst große Hindernisse und Borurtheile überwinden zu müssen, in aller Gemüthlichkeit ihren göttlichen Samen ausstreuen konnte. Fremde Elemente habe» bei der fast ganz katholischen Bevölkerung, — wenn eS auch hie und da Jemanden !.^i. gefallen seyn sollte, daS Licht der eigenen Ausklärung leuchten zu lassen, — nie Anklang gefunden und stets wird dieß ein eitles Beginnen bleiben. Wenn aber daS katholische Bewußtseyn in Etwas erschüttert gewesen seyn sollte, — wahrlich in der Mission ist es allseitig wiederum gekräftigt worden. Die MissionSvorträge ließen nichts zu wünschen übrig. P. Roh, allbekannt LZ durch die Gründlichkeit, womit er die Hauptfragen unserer heiligen Religion zu besprechen weiß, hat sich auch hier als Meister ausgezeichnet. P. Dann hat besonders in seinen Standeslehren die Gabe des SpecialisirenS bewahrt, und durch seine anziehenden, der lebendigen Wirklichkeit entnommenen Gleichnisse tiefen Eindruck auf die Zuhörer gemacht; namentlich wußte er die Jugend zu heiliger Entschiedenheit zu begeistern. Klar unv eindringlich hat endlich der jüngste der Missionäre, P. All et, seine Vorträge abgehandelt; dieß nicht minder als der ergreifende Eindruck seiner frommen Persönlichkeit hat ihn zum Liebling veS Volkes gemacht. Auch unser hochwürdigster Herr Bischof konnte eS nicht»unterlassen, seine in Mainz so nothwendige Anwesenheit aufzugeben, und zu Anfang der zweiten Woche auf ein paar Tage hier« her zu kommen; wir wissen eS, daß ihn dieses ein großes Opfer gekostet hat, weil er dem hundertjährigen Stiftungsfeste des englischen Fräulein-'Institutes in Mainz nicht beiwohnen konnte; Seligenstadt hat also den Sieg über sein Herz davongetragen. Wir werden eS zu schätzen wissen und den begeisterten MissionSvortrag, den er über daö Reich Christi uns gehalten hat, nie vergessen. Bei dem Eifer der Missionäre und der Empfänglichkeit unseres Volkes in Stadt und Umgegend ist eö darum auch gar nicht zu verwundern, wenn bei der Predigt die große, herrliche Kirche jedesmal gefüllt war, und man sich so massenweise zum Empfang der heiligen Sacramente drängte, daß zwanzig Beichtväter nicht hingereicht hätten, Alle zu befriedigen; in der letzten Woche war dieß rein unmöglich, weil der Andrang mit jedem Tage wuchs. Gelegentlich nur einen Zug schöner Opferwilligkeit. Ei? verlangten Leute, die des Nachts aus entfernter Heimath zur Mission aufgebrochen waren, als sie endlich Abends um sechs Uhr ihre Beichte abgelegt hatten, die heilige Communion, natürlich noch nüchtern. An den Sonn- und Feiertagen, deren glücklicher Weise fünf in die MissionSzeit hineinfielen, war der Zuzug der auswärtigen Processionen so stark, daß schon am zweiten WeihnachtStage die Predigt im Freien gehalten werden mußte. Dicht an der Kirche ist ein herrlicher Platz, geschmückt mit einem mächtigen Crucifir und dem Auge die Aussicht auf den nahen Main und die Berge des jenseitigen Freigerichtes darbietend. Dieser an 300 Quadratklafter große Flächenraum war damals schon mehr als zur Hälfte mit einer enggeschlossenen Menschenmenge gefüllt. Bei der gestrigen Schlußpredlgt aber war kein freies Plätzchen mehr darauf zu finden, und in der Menge selbst große Gefahr erdrückt zn werden. Man kann also wohl über fünfzehntausend Menschen annehmen, denen übrigens insgesammt der Prediger sich vernehmlich zu machen wußte. Es wird wohl selten vorfallen, daß am L.Januar eine derartige Versammlung im Freien gehalten werden konnte. Begeistert erhob darum P. Roh die Stimme zum Abschiedsworte. Viele von seinen Zuhörern waren wohl heute zum erste» Male gekommen; ihnen also wollte er möglichst nützlich seyn. Er gab vorerst einen kurzen Ueberblick über die Missionspredigten, wobei er nicht umhin konnte, den Versammelten seine Anerkennung für ihre eifrige Theilnahme auSzusprechen. „Ihr habet unS herzlich müde gemacht, sprach er, und wir danken euch dafür. Für unS ist jetzt die Mission zu Ende, aber für euch hat sie erst angefangen." Dann wandte er sich zu den anwesenden Kindern und schärfte ihnen ein Liebe und Achtung gegen die Eltern; die Jünglinge und Jungfrauen forderte er auf zur Herzensreinigkeit, die Eltern zum käuSlichen Frieden und gegenseitiger Achtung so wie zur Vermeidung des schmählichen Fluchens. Ganz besonders blieb aber die Jugend der Gegenstand seiner Fürsorge. Er konnte nicht umhin, sie noch einmal vor dem Laster der Unlauterkeit zu warnen und zu zeigen, wie im Gefolge desselben der Mangel an Brod und die Untauglich- keit zur Kindererziehung ein erbärmliches Geschlecht großgezogen haben. „Man hat, sprach er, die Klöster aufgehoben und die Idee der Jungfräulichkeit fallen lassen; und nun hat man Bettler genug, um mit ihnen Amerika unv Australien zu überschütten. Wird man bald einmal einsehen, wie unendlich menschenfreundlich die alte katholische Lehre ist?" — „ES ist in keinem Andern Heil als im Namen Jesu." Auf das Wiedersehen vor seinem göttlichen Throne hinweisend, nahm er von der tiefgerührten 24 Versammlung Abschied mit dem allkatholischen Gruße: „Gelobt sey JesuS Christus!" der auS Aller Mund entgegnet würde mit einem herzlichen: „In alle Ewigkett." Aber nun hätte ich alle lauen Katholiken, besonders alle Jene, die sich mit Missionen und Jesuiten noch immer nicht recht befreunden können, herbeigewünscht, damit wieder einmal Wärme in ihr Herz käme nnd feurige Liebe zu ihrem Glauben. Denn wahrlich, eS bot sich jetzt ein Schauspiel dar, wobei kein Auge ohne Thränen bleiben konnte. AuS dem Munde der vielen Tausende erhob sich der schöne Lobgesang: „Großer Gott, wir loben Dich!" Er stieg auf zum Himmel, um noch einmal den Bund mit Gott zu bestätigen; er wälzte sich hin in die gegenüberliegenden Berge, um den Heimgebliebenen den Gruß anzukündigen, das Lebewohl, daS der Missionär den Anwesenden für sie aufgetragen hatte. Gerade von dorther auS dem bayerischen Freigericht war ja täglich so großer Zuzug gekommen, und zum letzte» Male halte man sich heute In vereinigter Procession eingefunden, begleitet mit Musik uud geführt von dem seeleneifrigen, hochgeschätzten Caplan von Kahl, der die ganze Mission über uns redlich auSgeholfen und unsere Mühen mit den bayerischen Katholiken ehrlich hat tragen helfen. Und nicht bloß daS Land hatte sein Contingent täglich zur Mission gestellt, auch auS dem nahen Aschaffenburg waren zahlreiche Zuhörer besonders auS den höhern Ständen und der Geistlichkeil gekommen, und hatten sich wochenlang, um nur die Mission mitmachen zu können, aufgehalten. Ihre Sehnsucht nach einer eigenen Mission soll bald gestillt werden, denn wie wir hören, stehen auf den nächsten Monat Missionen der Jesuiten in Würz bürg und Aschaffenburg bevor. Es wird dann mit nur kurzen Unterbrechungen am ganzen Mainstrome von Bamberg bis hinunter nach Mainz der alte katholische Glaube sich erneuern und erstarken. Besseres können wir auch unsern Mitbrüdern nicht wünschen, als eine Mission, Schöneres den Bätern der Gesellschaft Jesu nicht nachrufen als ein herzliches: ^.ä mulw8 armos! Roch viele Jahre erhalte sie der liebe Gott und stärke sie in ihrem heiligen, eben so tröst- als mühevollen Berufe. (M. I.) Zum konfessionellen Frieden. Ein westfälisches Blatt sagt beim Schlüsse des Jahreö 1852 unter Andern,: „Betrübte Gedanken erfüllen die Seele, wenn man an Alles zurückdenkt, waS bisher die katholische Kirche von ihren Gegnern hat erleiden müssen. Die Verfügungen unserer Regierung in Betreff der katholischen Missionen und der Jesuiten, die Herzens- ergießungen der Protestanten auf den Versammlungen zu Wiesbaden und zu Bremen, die Gewaltthätigkeiten gegen die Katholiken in Mecklenburg, und das zärtliche Mitleiden gegen Mann und Frau Madiai iu Florenz sind lauter Dinge, die wie Wind aussehen, und eine SturmeSernte befürchten lassen. ES liegt unS Katholiken bei der Erinnerung an all' diese Vorkommnisse sehr nahe, zu glauben, daß wir auf Gerechtigkeit und Billigkeit für unsere Kirche ^bei den Protestanten wenig zu rechnen haben, daß sogar eine wirkliche Verfolgung der Kirche nicht zu den Unmöglichkeiten gehöre. Aber eS kann auch noch ganz-umgekehrt kommen. Diese heftige Erbitterung gegen alles Katholische, welche wir seither wahrgenommen, kann möglicher Weise noch ganz inS Gegentheil umschlagen, wenn wir Katholiken eS verstehen, die gegenwärtigen Prüfungen zu unserer eigenen Läuterung zu benutzen. Bis jetzt haben wir unS gehütet, Zorn mit Zorn, Beleidigung mit Beleidigung, BöseS mit Bösem zu vergelten, und wir können schon sehen, daß wir unS dabei nicht schlecht stehen. Ein Feuerbrand, mag er noch so hell flammen, löscht doch zuletzt auS, wenn man ihn allein bei Seite liegen läßt, legt man dagegen noch einen andern Feuerbrand hinzu, dann verzehren sich beide in gemeinsamer Flamme. Wir wollen den protestantischen Feuerbrand brennen lassen, und u»ö höchstens wehren, daß er nicht unser eigenes Dach ergreift, dann wird mit GolteS Hilfe schon Friede werden." Veraatwortlicher Redacteur: L. Schöncheu, VerlagS-Jnhaber: F. E. Krem er. Dreizehnter - Jahrgang. Sonntags-Beiblatt v üjl^lli IllpIIN-) !UI !l>j ')-j!sj'I>l7^!ilI>> ^lssltt/t. ZIZ .^II^s->>. 1>I IIiM ^liüi^nial ...^ ,u»i ,.»i.z ,q -^j... i«r Augsburger Postzeitnng. - W'MioM. .üutt möi.jn^ ^^!^^»^!!.^ -.gim, chou ^«U ,»tm^ »i,^ 23. Januar M"-- ^t. 1853. II»kl?) .:' ->i . '/'üs.li ?n-, l.'jNs^I Nj'.' lliu zchji.t. Ut I. ^ .'-ülllltt --^- Dieses Blatt erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der halbjährige Abonuements>ncis 4tt kr., wofür e« durch alle köm'gl. bayer. Postämter und alle Buchhandlung« bezogen werden kaun. Einige Züge katholischen HauSvraucheS, wie sie sich vorzugsweise noch aus dem Lande vorfinden. Aus einer im Wiener Central-Severinusvcrcin von Cooperator Hrn. Chr. Schüller gehaltene» (und im Oest. V.-Fr. abgedruckten) Rede. Gott ist unser Urbild, wir sind seine Ebenbilder. Wir finden darum Gott zunächst in der Einrichtung unseres Geistes; kund wird er u»S aber auch aus seinen sichtbaren Werken. Die Welt ist sein Spiegelbild; in ihr schauen wir seine uner- schaffene Macht, Weisheit und Güte. Gott ist aber in Jesu/ Christus in seiner Erbarmung Mensch geworden, und hat uns in der mit sich vereinigten Menschen- Natur leibhaftig gezeigt, was Ebenbildlichkeil Gottes sey. Als Mensch ist unS JesuS Christus ein unübertreffliches Musterbild geworden zur Nachbildung deS Ebenbildes GotteS. Eine zweite Schöpfung setzle Er auf den Grund der ersten, und diese Schöpfung ist die Erlösung. DaS Werk der Erlösung wird fortgesetzt in der Kirche; in ihr finden wir Christus. Wie aber die sichtbare Schöpfung Spiegelbild Gottes ist, und wir in ihr GotteS Macht, Weisheit und Güte schauen, so ist die Kirche, diese Schöpfung Christi, in ihrer äußern. Erscheinung Spiegelung Christi, sie ist für unS Musterbild, dem wir unS nachbilden sollen. Die Kirche mit all ihrem Leben ist auch, ohne daß matt viel darüber nachdachte, Bildnerin deS gesammten Lebens geworden. Stillwirkend hat sie das ganze häusliche, bürgerliche und öffentliche Leben ergriffen und umgeschaffen in ihrem Geiste. DaS äußere Leben ist früher in all seinen Erscheinungen als ein kirchliches aufgetreten. Ein Beispiel hievon haben die v. V. G. an den Handwerke» und Zünften gehabt; auch der alte germanische Kaiserstaat war in seinen Einrichtungen und Grundgesetzen eine Schöpfung deS lebendigen, bildenden kirchlichen Geistes. Doch nicht den berührten Puncten wollen wir unsere Aufmerksamkeit zuwenden, sondern einem andern. ES ist gewiß, daß der größte Theil des Lebens im Kreise deS HauseS, der Familie sich abwickelt. WaS mußte darum das Hauö für einen Typus an sich tragen, wenn eS als ein christliches erscheinen sollte? Den der Kirche; diese ist Musterbild, jenes ist Nachbild. So war eS auch, als der christliche Geist die Völker und in ihnen die Familie ergriffen hatte; nicht als ob die Kirche selbst bis ins kleinste Detail überall werkthätig ordnend eingeschritten wäre, nein, dieß machte sich wie von selbst, man konnte nicht anders. Ich führe Sie darum ein in daS Wohnzimmer einer christlichen Familie; darin wollen wir den TypuS der Kirche schauen, wie er sich wie von selbst durchgebildet hat. Ich will eine ländliche katholische Wohnung nehmen; nicht als ob eS in der Stadt keine gäbe, die den kirchlichen Typus an sich trüge; sondern deßwegen, weil uns dort Alles mehr gemüthlich entgegenkommt; weil man dort das Ursprüngliche .st»Mh-r(l»»T.2?,w(!5k.s'»M länger erhalten hat, um eS zu ehren, und weil ich, selbst in einer solchen aufgewachsen, darin mehr daheim bin. Wenn ich Ihnen heute einige Züge katholischen HauSbrauchcS vor Augen führe, will ich für dieses Genre die LandschaftSmalerei wählen, weil die Natur, wie Eie wissen, unübertrefflich ist; und bringen wir in sie entsprechende Nachbilder Christi als handelnde Personen, so wird sie dann zum wahren Lebensbilde. In einer katholischen Landwohnung finden Sie ein ächtes Nachbild der Kirche. Der Hauplplatz ist dem HauSaltare eingeräumt. Der Gekreuzigte, seine hochgebene- deite Mutter und noch einige Heiligenbilder machen denselben aus. Der Altartisch ist der Hauölisch, auf dem gegessen wird im Angesichte Gottes, der ganz gewiß wehmüthiger herunterschaucu würde an dem Tage, an welchem nicht gebetet und gedankt würde. Ueber dem Tische und vor dem Hanptbilde hängt eine Lampe, die zu Ehren der lieben Frau, der Vorsteherin und Schützerin deS HauseS, wenigstens am Samstage angezündet wird, und zu deren Verherrlichung an diesem Tage zu den sonst üblichen Abendgebeten noch die lanretanische Litanei, der Inbegriff alles LobeS auf Maria, hinzutritt. Können wir uns eine freundlichere Nachbildung der Kirche denken? Ich übergehe einige andere Züge dieser Nachbildung der Kirche im Hause, namentlich das Apostolat der Mutter; dieses ist Ihnen schon geschildert worden, wie sie dem kleinen Sprößling, vor diesem HauSaltare, den HimmelSvater, die liebe Frau und Jesum Christum mit heilig erhobener Rechten weiset und selbe ihn kennen lehrt. Ich will vor der Hand nicht sagen, was das für ein Buch ist, das alte, schwarze, welches besonders am Sonntage auf dem Tische liegt; wir werden es schon noch kennen lernen, weil wir heute noch ein Capitel daraus vorlese» werden. — Eine Menge Lebensbilder sind darin ausgezeichnet; wenn auch aus der alten Schule, dennoch lieb und anziehend, weil die Pietät sie zeichnete. Nur zur Thüre will ich Sie führen. Da ist der Gnadenbrunnen deS Hauses, der Weihbrunnen, und auch dessen Quelle, Jesus der Gekreuzigte. Wir leben ja nur durch die Gnade unseres Herrn; von Ihm kommt daS Wollen und Vollbringen, ohne Ihn gedeiht Nichts. Der Katholik konnte nicht anders, er mußte auch hier seine Kirche nachbilden. Hat das Haus keine Sacra- mente, so hat es doch seine SacramenlaUen. — Diese SegenSquelle des Hauses spielt eine große Rolle. Ich will nicht anführen, daß jedes Werk und jeder Tag mit einem demüthigen und vcrtrauungSvollen: „In Gotteö Namen!" von da seinen Lauf beginnt und daß es, weil mit Gott angefangen, mit wunderbarer Kraft und Zähigkeit fortgesetzt, wenn auch nicht immer gleich zu Ende geführt wird. Ich will nicht erwähnen, wie nach dem gemeinschaftlichen Abendgebete hier zuerst die Diener deS HauseS, dann die Kinder, dann der Vater und endlich die Mutter — denn diese kann nicht früher zur Rühe gehen, bis sie nicht das ganze HauS in Ordnung weiß — sich für die Nacht und vorbildlich für den Tod einsegnen, daö Kreuz küssen, und mit einem „Gelobt sey JesuS Christus!" sich entfernen. Ich meine nur, daß eS uns da mild anwehe, auch wenn eS Winter wäre. Auch dessen will ich nicht gedenken, wie hier der Vater und der Pathe, obwohl mit rauher Hand, doch mit zartem Her- zen dem neuen Sprößlinge eine Art Begierdtaufe ertheilten, bevor sie ihn zur Kirche trugen, mitten im Winter, und wie derselbe den katholischen Glaubenssatz von der Erdsünde, wenn auch nicht mit dem Verstände, so doch dnrch die Empfindung inne werden mußte, weil die Natur ob dem Fluche feindselig uns gegenüber tritt. Von allem Dem will ich nichts erzählen. Aber eine andere Gruppe will ich Ihnen vorführen vor diesem häuslichen Gnadenquell. — Das Kostüm ist festtäglich, wie eS nur immer seyn kann, und wie der Tag eS fordert. Im Vordergrunde sehen Sie eine, nebst ihrem sonstigen Schmucke, in Sittsamkeit und Ernst gekleidete Jungfrau; sie ist die Tochter deS HauseS. Ein Kranz hat bedeutsam die zierliche Haarflechte noch schöner gemacht; Rosenkranz und Gebetbuch heilige,, die Hände, und Rosmarin ist daS Feldzeichen. Dieser Meeresthau — er dx,,,^ auf einen ernsten, gnadenbedürftigen Gang. Aller Antlitze, diese Dolmetscher d„ Seele Mgen von Z7 gefühlSschwangern Herzen. ES sind der Gefühle manche, sie ringe» nach Ordnung; und ich weiß nicht, welches derselben ich zum Chorführer der übrige» machen soll. Sie sehen einen Brautzug vor dem häuslichen Scgensauell, und da wird eS einleuchtend, wie die Gefühle »ach Gestaltung ringen, und daß ich die Bewegung auS ganz natürlichen Gründen in meinem Gemälde nicht firiren kann. Auch sind Sie gewiß nachsichtig, wenn ich auf die Staffage einige Farben zu verschwende» scheine. Ist eS ja der schönste Tag im LebenSfrühliiigc, wenigstens der feierlichste und inhaltsschwerste. ES vergißt ja auch die Natur im Frühlinge nicht, ihr letztes Blümlein inS Licht zu stelle», um ganz schö» z» seyn für ihren Bräutigam; und selbst der jungfräuliche Jünger Johannes sah das himmlische Jerusalem von, Himmel herabsteigen, geschmückt wie eine Braut, die für ihren Bräutigam geziert ist, und hier handelt eS sich um jene geheimnißvolle Verbinvung zur Auferbauung der Gemeinde der Heiligen, auS denen das himmlische Jerusalem bestehen wird. Meinen Sie nicht, meine LebenSblumen ständen nicht im verklärenden Lichte und mein LandsckastSbild entbehre der Weihe. Wie i» der Ehe sich ZarteS mit dem Ernsten paart, so feierte auch da, wie eS Auge und Miene sagt, lichte Freude und weicher Ernst auf Aller Antlitz ihre Vermählung. Still wird eS, »ur mehr der Gedanke schifft hin und her, und stellt seinen Mast hinauf zu Gott. DaS Haus feiert einen hauSpriesterlichen Act, dem auch die Kirche mit ihrem geweihten Priesterthiim, das Anrecht nickt streitig machen will. Die Jungfrau bricht inS Knie, und ihre stumme Bitte geht um den elterlichen Segen. Unter diesen nur will die reifgewordcue Jugend die Filiale stellen und daS Mutterhaus sie pflanzen. Da bleibt gewöhnlich kein Auge thränenleer, am wenigsten daS der Braut. — Auch die FnchlingSkinder sind nicht ohne Thaupcrlen, in denen sich die Sonne spiegelt. Diese Perlen aber sind ächte Waare, die auS des christlichen Gemüthes Tiefe der heilige Geist selbst zum Brautschmucke sendet. Ich glaube, wenn Hand und Herz zum Segen sich erhebt, daß da auch die Engel des Himmels vergnügt darein schauen, und, den Finger über den Mund erhoben, sich an diesem Schauspiele freuen; daß sie das süße Opfer deS Herzens auffangen, um eS dem Herrn darzubringen. Ich glaube, daß der Bater im Himmcl Ja und Amen sagt, wenn der Blick eines andern Engels frägt, ob er die Schaalc deS SegcnS vollends auSgießen soll, so wie auch Christus, der sich daS Institut der Ehe geheiligt hat znr Erbauung der Gemeinde der Heiligen, und der heilige Geist, der geheimnißvoll im Herzen wirkt. Wie die Maut in Demuth sich neigte, so steht sie auch in Demuth aus; sie merkt nicht einmal, daß die in. Höhern vergessene Hand den Blumenschmuck zerknitterte, und küßt die Hand, die sie segnete, und den Mund, der sie segnete. Hier das Sakramentale deS Hauses bei seinem SegenSbrunnen, hier daS Nachbild nach der Kirche Musterbild, hier ein Stück katholischen HausbraucheS! — Ich meine, darin möge seine Erklärung finden daS Sprichwort: „Ehen werden im Himmel geschlossen!" und daS andere: „Eine weinende Braut, ein lachendes Weib!" Gefällt Ihnen wohl diese Scenerie? Ich glaube, daß sie jedenfalls schöner sey, als eine Theatervorstellung; sie hat wenigstens den Vorzug der Natürlichkeit, Wirklichkeil, Weihe und Nachhaltigkeit. Was von Christus kommt, was sein heiliger Geist verklärt, daS ist immer schön; und dieß alles wirkt niemand Anderer, als derselbe heilige Geist, der auch die Hände der Patriarchen beim Segen führte, und der auch in die alte Schrift zeichnete da6 Wort: „Des VaterS Segen erbaut das HauS der Kinder." Hat näm- lich daS Stammhaus die Wahrheit anerkannt: Die Familie ist ein Heiligthum GotteS! und hat eS dieß im Segen verbildlicht, so kann daS nicht ohne Wirkung bleiben. ES geht vielmehr TypuS und Geist der Stammfamilie über auf die Filiale, und auch diese entwickelt sich" dann zu einer kleinen Gemeinde der Heiligen, und dieß heiße ich dann: „Des VaterS Segen erbaut daS HauS der Kinder." In die Zeichnung irgend eines Gegenstückes will ich mich nicht einlassen; ich habe auch keine Lust dazu. Dieses Stück katholischen HausbraucheS aber habe ich vor Ihre Augen geführt, weil eS noch eine Zierde vieler Familien ist, besonders aus dem Lande, weil dort S8 christliche Eltern diese schöne Silte dcS SegnenS sich nicht nehmen lassen; sie segnen die Kinder, wenn sie in die Fremde ziehen, sie segnen den Sohn, wenn er in die Studien geht, sie segnen ihn auch noch, wenn er das erste Mal das heiligste Opfer mit geweihten Händen dem Allerhöchsten darbringt, obgleich sie von ihm den Segen zu empfangen haben. Sie scheinen dadurch am besten anzudeuten, wie daS Priester- lhum sich deS GebeteS der Gläubigen ununterbrochen erfreuen sollte, damit der Segen desselben um so reichlicher wieder auf sie zurückströmen möchte. AIS wir für Se. Eminenz den vielverehrten Cardinal Freihcrrn v. Diepenbrock zu einem Bittgottesdienste in der St. PeterSkirche unS vereinigten, gab eS unter den Anwesenden auch solche, die nicht der heilige Geist hineingeführt hatte. Ich hörte nämlich Einen sagen: „Lauter Ceremonie! lauter Ceremonie!" Mir fiel ein daS Wort deS Herrn: I'lcm omnes egpiunt kov verbum, «ölZ czuibus clstum est. „Nicht Alle fassen oieß Wort, sondern nur diejenigen, denen eS gegeben ist." Diese Leute würden auch zu unserm Stück katholischen HauSbraucheö sagen: Lauter Ceremonie! Und wenn sie es auch in ihren Wohnungen aufführen, kann auch unter den Geladenen Einer seyn, der sich denkt: Lanter Ceremonie! Wir aber behaupten, Geist und Leben sey nicht bloß im Bilde dargestellt, sondern auch in der Wirklichkeit noch vorhanden, wie ich ja auch der Wirklichkeit mein Bild entnommen habe. Ich will darum nur noch sagen, wie eS den Personen in unserm Bilde gegeben ist, dem todten Körper der Ceremonie den belebenden Geist einzuhanchen. Wir lassen indeß unsern Brautzug in die Kirche gehen, dorthin wollen wir ihn nicht begleiten, weil wir ja nur vom häuslichen Leben sprechen, DaS nur will ich vom Kirchengange sagen, daß dieß heilige Sacrament am besten unter dem Segen der heiligen Messe, in welcher alle sacramentale Gnade wurzelt, auSgespendet wird; daS ist Kirchenbranch, der zum HauSbrauche wird in der katholischen Familie, jedenfalls schöner und entsprechender, als der in der Stadt eingcrissenc Gebrauch der Abend- Trauungen, die, weil sie gar so wenig SegenS-Ceremonie für sich haben, bei vielen nur mehr den Anstrich deS Erscheinens in einer Kanzlei haben, welches man am Ende bei Gelegenheit auch durch Andere in einer wirklichen Kanzlei abthun könnte. Doch, ich habe ja versprochen, sie mit der Scenerie einer Theaterhochzeit zu verschonen. Im lebendigen Geiste der Kirche, der auch auS der Ceremonie weht, ist die Familie herangewachsen; derselbe hat alles gesegnet, geweiht und geheiligt, Kindheil und Jugend, Herren, Gatten und Eltern. Die Kindheit, die geweihte, hat man gelehrt an der Kindheit Jesu. Jenes alte Buch nämlich auf dem Tisch ist daS Lebe» Jesu und der Heiligen. Sie glaube» aber gar nicht, wie zart da Alles geschrieben ist, wenn daS Buch auS alter Zeit herrührt. DaS Gemüch ist tief und weich auch bei rauhen Menschen, wenn er nur Religion hat. Der sanftmüthige Jesuö weiß Alles sanft zu machen. Nehmen Sie den Menschen nur da beim Gemüthe, und Sie haben ihn schon gewonnen. Ich weiß mich noch recht gut zu erinnern, wie gemüthlich und heilig erfreut wir den Christabend feierten, wenn unS auch kein Christbaum mit reichen Geschenken cntgegcnprangte und flimmerte. Mit einigen Trauben, Aepfeln und Nüssen waren wir zufrieden; aber wir lasen hernach vor auS dem alten theuern Hausbuche, von der gnadenreichen Geburt Jesu Christi; vom zarten Knäblein auf Stroh gebettet; wie es wunderbar geboren ward, dieß Wunder der Welt; wie eS seine jungfräuliche Mutter zuerst angebetet; wie der Himmel Ihm ein gar schönes Wiegenlied gesungen; wie die Natur über dieß Wunder sich verwundert; wie sie, fühlend die gekommene Erlösung, das Ende bald zum Anfange gemacht, und zum Paradies geworden wäre; wie nämlich dieselbe Nacht, obwohl im Winter, so lieblich wurde wie der Frühling, daß die Bäume um Bethlehem blühten und Früchte brachten; wie Trauben im Thalc Engadi reiften in dieser einen Nacht; wie ein Oelbrun- nen in der Erde entstand, und ich weiß nicht wohin floß; wie die Vöglein so schön und lieblich sangen, die Heerden fröhlich durcheinander liefen, wie ein Götzenbild zu Rom auf die Erde fiel, und der böse Geist daraus heulte, daß nun seine Mackt gebrochen sey u. s. w. « S9 Das war doch mehr als ein Christbaum; das waren Aepfel aus dem Paradiese, und Christus der Baum deS LebenS, den Gott in daS neue Paradies, in die seligste Jungfrau gepflanzt, und dem wir sie abpflückten. — So, glaube ich, lernen Kinder vom göttlichen Kinde Kinder seyn, und so wird die Kindheit geheiligt, so hat zarter Sinn und innige Liebe, die nimmer ganz schwindet, im Hause seine Nahrung gesunden. Wenn uns aber jetzt so Jemand von den Nüchternen gehört hätte! Der würde uns schelten, daß wir Märchen daS Wort reden; und auftreten könnte cr »och dazu gründlich gegen unS; denn von allem Dem steht kein einziges Wort in der heiligt Schrift. Aber mein Freund, wenn dieß wirklich nicht geschehen ist, hätte eS denn nicht geschehen können? Ist eS nicht dem Ereignisse, der Jvee der Erlösung, und in Folge dessen dem menschlichen Gefühle ganz angemessen? Sind diese Umstände nicht die zartesten poetischen Blüthen der kindlichsten Pietät, gestreut um die Krippe Jesu? Wer sollte jener und der heiligen Freude eS wehren, solche Blüthen aufschießen zu lassen, poetisch zart zu werden, da ja Gott Mensch geworden, um unS Menschenkinder heimzusuchen in den Stricken AdamS, in den Banden der Liebe? Da ist eS schon am Platze, gcfühlig zu werden, wie Kinder, ohne sich zn schämen; denn leider ist die Welt in der Affectation falscher Gefühle und Empfindcleien so weit gekommen, daß sie nicht mehr recht weiß, was Gefühl ist, und daß, um mit Mathias Claudius zu reden, ein ehrlicher Kerl fast sich schämen muß, gerührt zu seyn. Bald wäre eS so weit gekommen, daß die Fluth der fabriksmäßig betriebenen und ans Leidenschaften speculireuden Roman- und Theater-Literatur daS Herz fast ganz verwaschen hätte, wäre eS nicht so unergründlich tief, und hätte nicht Derjenige, welcher dem Slnrmc und dem Meere gebietet, und Der im ruhigen Spiegel deS Herzens sein Abbilv schauen will, sich nicht die Macht bewahrt, den Teufel, der aus Sturm spcculirl, um im Trüben zu fischen, auSzutreiben, und daS Gefühl wieder zu wecken für die anbetungswürdigen Geheimnisse der Erlösung, und für daS Leben deS WeltcrlöserS, in welchem alles Lebe» der Menschheit, im Großen wie im Kleinen, vorgespiegelt ist. Sie wissen ja, woher die Wunden der Gesellschaft sind. Sie sind ja zum Theile aufgebrochene Eiterbeulen von genossenen schlechten Speisen. — Sie wissen, wo die BilduugSschule der modernen Menschheit ist; Sie wissen, daß wir kein christliches Theater haben, und noch weniger ein solches, wo ein katholischer Geist durch die Charaktere weht; Sie wissen, wie die besten Stücke nicht viel nutz sind, wollen wir, wie wir sollen, ihren sittlichen Gehalt in Betracht ziehen. Sie wissen, wie viele Affenlarven, nach dort sich modellirend, durchg Leben gehen, wie bei jeder Kleinigkeit der Blick unnatürlich und lügenhaft in Thränen schwimmt, nimmer aber daS Herz weich wird, wenn der Engel des Himmels den Abgrund der Frendc meldet, wie Derjenige, welcher Erd' und Himmel schuf, aus Liebe zu uns ward ein kleines süßeS Kind. (Schluß folgt.) Die heilige»» Orte. Mit Strömen Blutes und später auch mit Geld hat die katholische Welt die heiligen Orte als ihr Eigenthum erworben; eine eigene Wehmuth, weil gemischt mit der tiefsten Entrüstung, ergreift das Herz eincS jeden wahren Katholiken, wenn er sieht, wie Fremde, die kein Recht auf diese heiligen Orte haben, nun kommen, um daS Wohlerworbene der katholischen Welt streitig zu machen, Stück für Stück davon sich aneignen und nicht undeutlich die Absicht durchblicken lassen, sie am Ende gänz> lich aus dem Besitz zu verdrängen. AIS daS christliche Reich in Palästina sich seinem Untergange zuneigte, wurden vom heiligen FranciScuS von Assissi, der eine Pilgerfahrt nach dem heiligen Lande unternommen hatte, Glieder seines Ordens als Wächter der heiligen Orte bestellt. 30 Bei der Eroberung von Jerusalem durch die Sarazenen, so wie bei derjenigen von PtolomäuS, wurden alle OrdenSglieder von diesen ermordet. Allein neue strömten auS Europa herbei, um die Märtyrerkrone sich zu verdienen; die Türken, welche sie als eine Art Derwische ansahen, und Zeugen ihrer Frömmigkeit, Sanftmuth und Armuth waren, ließen sie allmälig gewähren, überließen ihnen sogar eine Wohnung auf dem Berge Sion und einen Play beim heiligen Grabe. König Robert von Sicilien und seine Frau Sancha kauften, um die heiligen Orte gegen die Muselmänner zu schützen, diese dem Sultan von Egypten um eine große Summe ab; ihre Bewachung wurde durch Bulle vom 2l. November 1342 vom Papst Clemens V. den FranciScanern übertragen. Die Königin Sancha ließ auf dem Berge Sion ein Kloster bauen, welches daS Cönaculum einschloß und setzte für zwölf Religiösen und drei Laienbrüder eine Dotation auS. Allein der türkische Fanatismus gestattete ihnen keincn ruhigen Besitz; im Jahre 139 l wurden alle Ordensglieder von den Türken massakrirt; auch später wiederholten sich solche Gräuelscenen an einzelnen oder mehreren der Wächter der heiligen Orte. Im Jahre 1561 wurden sie gänzlich vom Berge Sion vertrieben; doch jagte man sie nicht auS der Stadt; eS gelang ihnen sogar, daS Kloster und die Kirche deS heiligen Erlösers mit schwerem Gelde von den Türken zu kaufen. Die GlaubenSfpaltuug in Europa brachte die heiligen Orte in einem großen Theile des Abendlandes beinahe in Vergessenheit; die treuen Wächter aber, verlassen von aller Welt, verließen darum daS ihnen anvertraute Heiligthum nicht; sie sammelten die zerstreuten Gläubigen im Lande, errichteten Klöster, Spitäler und Schulen, und übten Gastfreundschaft gegen die vielen meistens armen Pilger, welche daS heilige Land besuchten. Die Türken ließen sie nach und nach in Ruhe; nun kamen aber andere Feinde, die bald gefährlicher als alle anderen zu werden drohten, die verschiedenen christlichen Secten, welche ihnen ihren rechtmäßigen Besitz streitig machten und bei der bestechlichen türkischen Regierung durch Gold leicht ihr Unrecht in sogenanntes Recht zu verwandeln vermochten. «Die guten Mönche wehrten sich, so gut sie konnten, allein verlassen von Europa blieb ihnen nichts als die Berufung auf ihr gutes Recht, die aber gewöhnlich vor dem Klang des GoldeS den Kürzern zog. So ist cS gekommen, daß nicht mehr die Hälfte der Heiligthümer im Besitze der Katholiken ist und daß sie Gefahr laufen, alle sammt und sonders zu verlieren, wenn nicht die katholischen Mächte Europas dazwischen treten. Gegenwärtig sinv die FranciScaner in Jerusalem nur noch im Besitz der Capelle der Geiselung, einiger Heiligthümer in der Kirche des heiligen Grabes und der kleinen Kirche zum heiligen Erlöser. Die übrigen gehören theils ausschließlich den Griechen und Armeniern, theils sind sie diesen und den Katholiken gemeinsam. Kein Mittel, auch nicht daS schlechteste, wird von den Griechen unversucht gelassen, um die Katholiken zu verdrängen. Wir wollen hier zwei Thatsachen auS den Mittheilungen unseres Reisenden erwähnen. Der Ort, wo daS heilige Kreuz aufgerichtet wurde, gehört den Griechen; allein die Katholiken haben daS Recht zu religiösen Functionen daselbst. EineS TageS bei einer feierlichen Procession war von den Griechen der ganze Boden daselbst und auch der Ort, wo daS heil. Kreuz stand, mit einem rothen Teppiche bedeckt worden. Die FranciScaner, wohl wissend, daß, wenn man dieses ohne Einspruch geschehen lasse, daraus in kurzer Zeit ein Recht des ausschließlichen Besitzes werde gefolgert werden, verlangten vom anwesenden griechischen Popen Entfernung deS Teppichs und, als dieser sich weigerte, schickten sie sich an, selbst den Teppich wegzunehmen. Jetzt aber fielen die Griechen mit Dolchen über die Proceffion her, und eS entspann sich ein blutiger Kampf in den geheiligten Räumen. Mehmet-Pascha, damals Pascha von Jerusalem, der dieses unserm Reisenden auf seiner Rückkehr selbst erzählte, stellte sich nachher selbst in die Nähe des Altars und hob mit dem Säbel den Teppich weg. Ei» anderes Factum ist Folgendes: Seit einiger Zeit suchte» die Griechen sowohl an dem heiligen Grabe, als an der darüber gewölbten Kuppel einige Veränderungen anzubringen. Die FranciScaner, wohl wissend, daß dieses nur in der Ab- 3l ficht geschehe, um dadurch für die Zukunft einen neuen RcchtStitel zum alleinigen Besitz zu begründen, widersetzten sich diesem Vorhaben. Um sie nun zum Nachgeben zu zwingen, beschädigten die Griechen die Bedachung der Kuppel; der Erzähler war selbst Augenzeuge, wie von ihnen Bleiplatten von der Bedachung abgerissen wurden. ES gereicht Frankreich, welches seit Jahrhunderten eine Art Protectorat der heiligen Orte ausgeübt hat, zur Ehre, daß eS sich seiner Pflichten in der neuesten Zeit wieder erinnerte, obwohl leider, wie eS scheint, keine Hoffnung vorhanden ist, daß die Katholiken zu ihrem vollen Rechte kommen werden. Es wäre Pflicht der katholischen Mächte, vereint und »lit Ernst Schritte zur Erlangung des guten Rechtes bei der nur zu sehr vom russischen Einflüsse bestimmten Pforte zu thun. Ist ja in der neuesten Zeit noch ein neuer Feind hinzugekommen, welcher allerdings keinen An« spruch auf die Heiligthümer macht, sondern seinen Tempel auf den Fundamenten der Burg deö HerodeS, des Schlächters der unschuldigen Kinder, aufgeführt hat, der aber auf eine andere, wohl noch schlimmere Art, durch Ausstreuung von Verdächtigungen gegen die katholische Kirche und durch Entstellung ihrer Lehren, die katholische Mission am heiligen Grabe und in Palästina angreift. Wir meinen das von England und Preußen neu gegründete protestantische BiSthum. Mgr, MiSlin widmete der Würdigung der MissionSthätigkeit des gegenwärtigen protestantischen Bischofs, Herrn Gobat, ein ganzes Capitel, und führt »ach Verdienst hiebet eine scharfe Feder. Die Aussichten auf Erfolg sind allerdings für den Protestantismus, der 300 Jahre lang vergessen hatte, daß eS ein heiliges Land und heilige Orte gibt, und nun erst, wo er in seiner vollen Auflösung begriffen ist, aus der HerodeSburg in Jerusalem sich breit zu machen sucht, nicht glänzend; allein eS ist immerhin ein neuer Feind und die Kräfte der verlassenen guten FranciScaner sind ohnehin so schwach. Dieser Erzählung der äußern Bedrängnisse der katholischen Mission im heiligen Lande wollen wir noch eine solche über ihren innern Zustand anfügen. Die Mission des heiligen Landes umfaßt Palästina, Syrien, Cypern und Egvpten; sie zählt 23 Klöster und Hospitien mit 102 Priestern und 67 Laienbrüdern, mit 16 Pfarreien, 10 Schulen, 694 Schülern und mit 12,122 Katholiken. — DaS Kloster zum heiligen Erlöser in Jerusalem zählt allein 28 Priester und 32 Laienbrüder, wobei die 10 bis 12 Priester nicht gerechnet sind, welche abwechselnd Jahr auS Jahr ein zur Bewachung des heiligen Grabes in der Kirche desselben eingeschlossen sind. An der Spitze der Mission steht gegenwärtig ein Patriarch, welcher vom heiligen Stuhle im Jahre 1847 zur Unterstützung der so sehr angefeindeten und so macht- und schutzlosen Mönche nach Jerusalem geschickt wurde. ES ist über alle Maaßen demüthigend für die so große katholische Welt, auS dem Werke unseres PilgerS zu vernehmen, daß dieser zum Schutze der Rechte des heiligen Grabes abgesandte Kirchenfürst, Mgr. Valerga, so zu sagen in Armuth, nur von einer geringen Unterstützung der Propaganda lebt, daß er keine Wohnung, keinen Klerus, keine eigene Kirche, kein Seminarium hat, während die Griechen und Armenier herrliche Kirchen, die Muselmänner prachtvolle Moscheen, die Juden mehrere Synagogen, selbst der melchi- tische Patriarch nnd der protestantische Bischof eigene Kirchen besitzen. DaS Land selbst vermag nichio zur Bestreitung der großen Auslagen der Mission für Unterhalt der Priester, der Pilger, der Schulkinder — denn mit der geistigen müssen die Mönche den Kindern auch leibliche Nahrung reichen, um sie dadurch eher zum Schulbesuche anzulocken — beizutrage»; die Katholiken sind größtentheilS im ganzen Umfange der Mission sehr arm und eher unterstützungsbedürftig als unter« stützungsfähig. Zu diesen jährlichen Auslagen kommen dann noch von Zeit zu Zeit willkürliche von Seiten der türkischen Regierung auserlegte Contributionen. Ehemals mußte das Kloster von Jerusalem alkin dem dortige» Pascha eine jährliche Kontribution von circa 31,000 Franken bezahlen. In letzterer Zeit haben die Paschas diese Kontribution herabgesetzt, dafür aber treten nun die reichen Griechen mit Forderungen für Rechte auf, die sie nie gehabt, sondern nur usurpirt hatten. twN Die christliche Welt setzte einstmals für die heiligen Orte Gut und Blut ein: s k !?»«tty«L »gor«vk ' 2 '.«?AU^P-in?!»!?!- Änij Nn5M)siinF mZ».'g w»!»ltb!?!»4 cknn Christliche Lesefrüchte und Betrachtungen eines Laien. .iw?'tt'i.jn,ik!i 7« <5nu 'üWoMchWz.)>,. ,ui '»s.'.M KZ iM« »» uuu^.'-' bk(T — .nMik'li> tz-i 5>MK ;gu<):A. m»?, ijk'Z , «s»q^,n?z? Wir wissen daß für unS der Winter nur durch eine veränderte Stellung der Erde zur Sonne, nur durch eine Aenderung an ihrer Laufbahn entsteht; eS ist dieselbe Erde, fähig, die schönsten Blumen und Blüthen, die herrlichsten Früchte hervorzubringen; eS ist dieselbe Sonne, der Quell von Licht und Wärme, sähig, überall Leben, Fröhlichkeit und Gedeihen hervorzurufen: allein eine kleine Veränderung der Laufbahn, der Stellung zur Sonne, welche Umwandlung bringt sie hervor, — wie ist nun Alles öde, kahl, erstarrt, düster, unfruchtbar! Sieh, o Mensch! darin «in Bild deines Verhältnisses zu Gott! Er ist immer derselbe, in Dir ruhen alle Anlagen, ein Engel zu werden, oder ein verworfener Geist; auf dem rechten Weg zu Gott, Äuf der richtigen Laufbahn nach Seinem Willen wird deine Seele reich werden an guten Früchten für die Ewigkeit, geschmückt mit himmlischer Schönheit; wie du aber allmälig abweichest von dieser Bahn, so eilst du unaufhaltsam dem Reich der Sünde, deS geistigen Todes zu; deine Seele wird verfinstert, kalt, unfruchtbar werden — unfähig, Früchte für die Ewigkeit hervorzubringen; sie wird erstarrt und todt seyn, Während Alles, waö auf der rechten Bahn geblieben ist, blüht, gedeiht und lieblich ist vor Gott und den Menschen! Verantwortlicher Redacteur: L> Schönchen, Verlag«-Zuhaber: F. E> Kremer. Dreizehnter Jahrgang. Sonntags-Beiblatt zur Augsburger PojtMung. ' !>iU°.s> tkü ^«»r'iT SAi )t'i>I' ur/ U?I'^^ 30. Januar 1853. Diese« Blatt erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der halbjährige Abouuementspre!« 4V kr., wofür e« durch alle köm'gl. bayer. Postämter nud alle Bochhaudlouge» bezogen werden kann. Eine Blume der Erinnerung auf daS Grab Sr. Eminenz des Fürstbischofs und CardinalS Melchior von Diepenbrock. Wo ist das.sterblich Auge, das tieferhellt Die Wege schaute, welche sich Gott erwählt? „Wie weit der Himmel von der Erde Sind die Gedanke» des Herrn uns ferne." Zum Staub geneiget, betet das gläub'ge Herz Heut auch den hehren Rathschluß des Ew'gen an, Indeß mit stiller Thränen Wehmuth Es Dich, Geschiedenen! heiß beweinet. Dich, Fürst der Kirche, der, wie in gold'nem Schein Weithin ein Panncr über das Kampffeld weht, Geleuchtet durch die deutschen Marken Bis an die Hügel der ew'gc» Roma! Dort schon als Deutschland, brechend des Franken Joch, Der tapfern Söhne edelsten Heerbann rief; Da zogst auch Du, der Besten Vorbild, . Kühn in den Streit noch ein zarter Jüngling. Als dann dem Manne, Dir mit dem Hirtenstab Des Glaubens Schild vertrauend die Kirche gab; Da standst — ein Gottesheld im Streite — Mächtig Du, selbst von dem Feind bewundert! Und führtest rastlos, ritterlich treuer Hort! Für Ehristi Braut des stammenden Wortes Schwert, Zumal wenn je der Lügen Rotte Fernher das Haupt zu erheben wagte. Doch zu der Stärke eintest auch Liebe Du, Lieb', wie aus Jesu Herz sie Johannes trank, Ja, was aus Glaub' und Lieb' erblühet, Liebend Du sammeltest uns zum Strauße. ktkiftftls!l!^ ^^!ttk^?^k^?Ä Du, Sailers Jünger! wie durch der Zeiten Strom Den Namen Sailers dankbar die Nachwelt wahrt: Des großen Schülers Name glänzet Mit in dem Ruhme des großen Meisters, Wir aber klagen, — sieh mit uns Kindern klagt Er selbst der hohe Vater der Christenheit —, Der in dem Purpur den geliebten Sohn an die Seite des Throns sich stellte. Nun ruhst vom Streite; den amarant'nen Kranz Des Sieges reichet treue Dein Heiland Dir O trock'ne Deiner Waisen Kirche Thränen durch dein Gebet — Verklärter! Regensburg, 24. Jan. 1853. I. B. TafrathShofer. Pater Antontewiez. (Schles. K. Bl.) Der ausgezeichnete Man», dessen Verlust nicht bloß der Orden der Gesellschaft Jesu tief zu beklagen hat, der schmerzlich empfunden wird von Allen, die jemals Gelegenheit halten, nie interessante und erquickende Bekanntschaft dieses nickt gewöhnliche» PrieKerS zu machen, würde verdienen in unserm Blatte ein Denkmal der Liebe zu erhalten, auch wenn er nicht in dem letzten Jahre seines LebenS durch seine apostolische Thätigkeit in den polnischen Missionen Oberschlesiens in besondere, heilige Beziehung zu unserm Lande getreten wäre und in den Herzen von Tausenden ein segensreiches Andenken hinterlassen hätte. Nm so mehr ist es unsere Pflicht, diesen Kranz der Erinnerung, den auf unsere Bitte eine liebende, hochachtbare Hand gewunden hat, auf dem Grabe d'es selig Eulschlafenen niederzulegen, dessen die Welt nicht werth war, und den deßhalb der Herr, welcher der irdischen Wirksamkeit auch der Besten nicht bedarf, so frühzeitig zu sich genommen. Pater Carl BorromäuS Antoniewicz wurde 1807 zu Skwarzew in Galizien geboren, und stammte aus einer reichen, adelichen armenischen Familie, in welcher die liefste Religiosität herrschte. Nachdem er frühzeitig seinen Vater verloren, wendete die Mutter ihre ganze Sorgfalt auf seine Erziehung. Er sprach nie ohne die größte Rührung von seiner Mutter. „Ich liebte sie mehr als daS Leben," sagte er, denn ich verdankte ihr mehr als daS sterbliche Leben; sie lehrte mich jenes Leben deS Glaubens, der Hoffnung und der Liebe kennen, ohne welches unser Erdcndasevn nur eine Kette von Widersprüchen, ein Kampf ohne Sieg, ein Leiden ohne Verdienst wäre." Unter Ueberwachung eines solchen MutterherzenS vollendete er seine Studien auf dem Gymnasium zu Leopol und trat darauf mit 23 Jahren in den Militärdienst ein. Der unglückliche AuSgang des polnischen Krieges 1331 führte ihn inS Privatleben zurück. 1823 heiralhete er seine Cousine Sophie Nilkarowicz, gleich ausgezeichnet durch Schönheit wie durch Frömmigkeit. Es war dieß eine wahrhaft christliche Ehe! Die heilige Liebe dieses edlen Paares kannte keine Gränzen; im Besitz eines großen Reichthums, verwendete es denselben gänzlich im Dienste des Nächsten. Richt allein ihr Geld, auch ihre Zeit und ihre Sorge brachten sie der Armuth und dem Elend zum Opfer; ihr Schloß wurde zum Hospital, in welchem sie dem Herrn in seinen dürftigsten Brüdern dienten. Zu der Freude, die ihnen zu Th'eil ward, gesellte sich aber auch daS Leid. Fünf Kinder wurden, in kurzen Zwischenräumeu, zu Grabe getragen. Am Tode des letzten KindeS glaubten sie zu erkennen, daß der Wille GotteS sie zu einem noch vollkommnere» Leben berufe und sie beschlossen, sich zu trennen und den Rest deS Lebens dem Dienste GotteS zu weihe». Die 24jährige 35 Gemahlin bat um Ausnahme bei den Schwestern dcö heiligen Vincenz von Paul. Sie erkrankte vor ihrer Aufnahme, legte auf ihrem Sterbebette die Gelübde ab und ward im Ordenskleide begraben. Nachdem seine Mutter in das Kloster der Benedic« tinerinnen zu Leopol sich zurückgezogen, wo sie heiligmäßig ihr Leben schloß, ordnete Antoniewicz seine Angelegenheiten, vertheilte seine Güter, entzog sich der Trauer und den Thränen seiner zahlreichen Dienerschaft nnd trat in die Gesellschaft Jesu, in welcher er aus Demuth nnr Laienbruder seyn wollte. Seine Obern erkannten aber die Talente dieser so edlen und demüthigen Seele und trafen andere Bestimmung. Man verkürzte sogar die Zeit seines Noviziats', um seiner alten Mutter noch die Freude zu bereiten, den priefterlichen Segen ihres SohueS zu empfange». Der Herr hatte eS anders beschlossen; sie starb kurz vor seiner Weihe. Im Jahre 1844 begann Pater Carl seine apostolische Laufbahn. AIS im Jahre 1846 Galizien der Schauplatz schrecklicher Verwüstung wurde und das Blut in Strömen floß, und cntsesseltc, rachgierige Mörderbanden überall Opfer suchten, erhob sich in dem Gräucl eine Stimme, die Einheit gebot. Gliever der Gesellschaft Jesu, an ihrer Spitze Pater Antoniewicz, traten unter die Mörder, sprachen zu ihnen von dem ewigen Richter, von ihren Verbrechen und von der Bnße. Anfangs ist die Stimmung nicht günstig; man bedroht, man insultirt die Friedensboten; niemand will ihnen einen Zufluchtsort, ein Stück Brod geben. Sie ziehen sich in die Wälder zurück, und Pater Antoniewicz wirft sich in einer verödeten Capclle zum Gebet nieder. Bald sammeln sich die Kinder der nächsten Dörfer um ihn; er unterrichtet sie. Nach und nach sammeln sich immer größere Massen; man hört mit Stillschweigen sein Wort, das zugleich so mild und so erschütternd, und allgemach erwacht das Gewissen, nnd dieß irregeführte und gemißbrauchte Volk stürzt mit Reucthränen zu den Füßen des Priesters nieder und flehet zu ihm um Versöhnung mit Gott. — Ein volles Jahr durchwandert er Stätte und Dörfer und sein Wort bändigt die Leidenschaften, und die Rede führt die Ruhe und den Frieden in die Seelen zurück. Vom Morgen bis in die Nacht sind die Beichtstühle belagert. — AIS 1848 die Jesuiten vertrieben wurden, folgt Pater Antoniewicz seinen Brüdern in die Verbannung. Er herbcrgt zuerst in Krakau, predigt, hört Beichte, tröstet und hilft wo und wie er kann und daS Volk bängt mit inniger Liebe an ihm. Die Regierung, beunruhigt durch seinen Einfluß, verweist ihn deS Landes. Auf den Wunsch des Fürstbischofs von Breslau hält er 1851 mit seinen Brüdern Missionen in Oberschlcsien, ruft ihn der Crzbischof von Posen zu gleichem Zweck mit seinen unermüdlichen Brüdern nach dem Großhcrzogthum. Sie wollen eben am vierten Orte die Mission beginnen, als die Cholera hindernd entgegen tritt. Beim Anblick dieser schrecklichen Seuche nimmt vie Liebe dieser apostolischen Männer einen neuen Aufschwung. Tag und Nacht weilen sie an den Lagerstätten der Sterbenden und gönnen sich nicht Rast noch Ruhe; sie sind überall, wo die Epidemie am heftigsten wüthet und die Liebe GotteS und des Nächsten verdoppelt ihre Kräfte. Innerhalb zehn Tagen hatte Pater Antoniewicz, von einem Laienbruder unterstützt, mehr denn 200 Cholcrakrankc zum Tode vorbereite!. — Endlich scheint die Krankheit nachzulassen und Pater Antoniewicz begibt sich zur Ordnung einiger An- gelegenheiten nach Krakau, wird aber, kaum angelangt, auS der Stadr gewicscu. Tief ergriffen durch diese neue Ungerechtigkeit, aber seinen Verfolgern von Herzen verzeihend, und Gott dankend für das neue Kreuz, kehrt er nach dem Großherzog, thum zurück, um daS Kloster Obra in Besitz zu nehmen, daS der Erzbischos dem Orden zugewiesen. Am 5. November kam er an, beschäftigte sich mit Anordnungen, machte am 6. den OrtSbehörden seinen Besuch, predigte am 7. und hörte Beichte. Am 8. November bemerken seine Brüder, daß er selbst sehr leidend und bewegen ihn, daS Bett zu ') Bevor Pater Antoniewicz nach Obra ging, weilte er nach mehreren früheren Anwesenheiten da« letzte Mal einige Tage in Brcslan, Auf öfteres Andringen, doch noch einige Zeit hier z» bleiben , erwiderte er: Nein, nein; man hat mir geschrieben, daß die Cholera wieder stärker auftrete; ich muß bald hin. 3« hüten; am Abend desselben TagcS zeigen sich die Symptome der Krankheit. Pater Antoniewicz hatte oft von seinem nahen Tode gesprochen, cr sehnte sich nach der Auflösung; als er gewahrte, daß die Cholera ihn ergriffen, zweifelte er nicht mehr, daß seine letzte Stunde gekommen. Er redete seine um ihn versammelten Brüder an: „Meine lieben Brüder, ich werde sterben. Seit den vier Jahren der Verbannung haben wir mit einander gearbeitet, sind durch so viele und so verschiedene Orte gewandert. Ich flehte immer zu Gott um die Gnade, in einem Hause des OrdenS, in Mitte meiner Brüder zu sterben. Und sehet! kaum habe ich die Schwelle dieses Hauses überschritten, kaum wir uns hier durch Gottes unendliche Barmherzigkeit versammelt, da ruft mich der Herr, der Tod nahet. Uebergebct mich in meinem OrdenSkleive der Erde." Darauf verlangt er, mit seinem Beichtvater allein zu bleiben. Nach der Beichte versammelten sich seine Brüder wieder um ihn, und er sprach längere Zeit zu ihnen, gab ihnen Belehrung und Rath. Alsdann nahm er seinen treuen Begleiter, fein einziges Kleinod — sein MissionSkreuz in seine Hände, bedeckte eS mit Küssen undsprach: „Ich müßte den Tod fürchten, aber, o mein JesuS, du bist so gut, daß mich die Furcht nicht anwandeln will." Nach einer Pause sprach er von Neuem: „Mein Gott! du gibst mir armen, elenden Sünder einen so sanften Tod in einem Kloster; ich erkranke, und sieh! so viele Brüder bei mir, und daS arme Volk muß so ganz verlassen sterben," und Thränen des Dankes für sich und Thränen deS Mitleids für daS Volk, daö er so sehr liebte, rollten über seine Wangen. — Dieß war daS letzte Mal, daß er vor seinem Tode sprach, da er die Thränen seiner Brüder gewahrte und ihren tiefen Schmerz nicht vermehren wollte. Unter den heftigsten Schmerzen vernahm man keine Klage aus seinem Munde; ruhig, sanft und von engelgleicher Heiterkeit, suchte cr die Freude in alle Herzen zurückzuführen. Am dritten Tage seiner Krankheit erklärte der Arzt, daß ihm kein Mittel mehr zu Gebote stehe, und er fügte bei: „daS Leben, welches wir noch wahrnehmen, liegt nicht mehr in den Kräfte» des Körpers, eS ist nur Seclcnthätigkeit; noch nie ist mir eine solche Geisteskraft vorgekommen." Nach und nach versenkte sich diese große Seele in ihren Gott. Er bewahrte seine Geistesgegenwart bis zum letzten Augenblicke und wiederholte am öftesten die Worte der Schrift: „Jesu! du Sohn Davids, erbarme dich meiner." Am 14. November, einem Sonntage, an welchem daS Fest deS heiligen StaniSlauS KoSkä gefeiert wird, empfing er früh Morgens die heilige Communion; die letzte Oelung war ihm bereits früher ertheilt worden. An diesem Tage konnte er nicht mehr sprechen; seine letzten Worte waren: „Jesu! Sohn Davids, erbarme dich meiner." Gegen 5'/z Uhr Nachmittags, als seine um daS Bett knicenden Brüder laut beteten: „JesuS, Maria, Joseph, in eure Hände empfehle ich meine Seele," machte er eine letzte Anstrengung, diese heiligen Namen auSzusprechen, und seine Seele kehrte zu ihrem Schöpfer zurück. Sein entseelter Körper bewahrte den Ausdruck der Ruhe und Milde, der ihm stetS eigen gewesen; mit dem OrdcnSkleidc angethan ward er in einem Saale deS Klosters ausgestellt und am 17. November in der Gruft der Kirche beigesetzt. Nur wenige Personen konnten bei dem Begräbnis; gegenwärtig seyn, da damals die Krankheit überaus heftig wüthete. — Lujus me- moris in tioneclietione ori't! Herr! gib ihm die ewige Ruhe und daS ewige Licht leuchte ihm! 5) Bekehrung eines protestantischen Bischofs. New-York. Bevor dieser Brief zu Ihnen gelangt, wird daS katholische Europa ohne Zweifel schon erfahren haben, daß der protestantische Bischof von Nord- Carolina in den Vereinigten Staaten Dr. JvcS, der augenblicklich sich schon in Rom befinden muß, seinen Irrthum in die Hände unsers heil. Vaters abgeschworen ') Die von dein Verstorbenen im Jahre t85t abgehaltenen Missionen sind unter dein Titel: „Missionserinnerungcn", aus dem Polnischen von A. Schwarzmann übersetzt, bei G, P, Aderholz in Bre«lau erschienen. 37 hat. Dr. JveS ist schon seit dem Oktober katholisch, der Erzbischof von New- York hat ihn in den Schooß der katholischen Kirche aufgenommen; aber der ehrwürdige Bekehrte wollte seine Wiedervereinigung mit der Kirche geheim gehalten wissen, um dem heiligen Vater die Tröstung zu bereiten, ihn öffentlich in die Zahl seiner Kinder aufzunehmen. Bevor 0r. Jves sich »ach Europa einschiffte, setzte er seine Abschwörung und sein neues Glaubensbekenntnis? schriftlich auf und ließ dieses Schriftstück dem Erz« bischof von New-York zurück, damit letzterer dasselbe veröffentliche, wett» dem Reisenden während seiner Ueberfahrt etwa ein Uuglück zustoßen sollte. Die schriftliche Erklärung sollte zum Beweise diene», daß der ehemalige protestantische Bischof sich in seinem Vaterlande seiner vollen geistigen Freiheit erfreut habe, indem er sich zu dem wichtigen Schritte deS GlaubenSwechselS entschloß, um seinem Gewissen de» Frieden zu geben. Die protestantische Welt wird nicht verfehle», um te» Einfluß eines für sie so harten Schlages zu vermeiden, die Behauptungen ausznsteUen, Dr. JveS sey krank, zu Rom von den Verführungen des päpstlichen Hofes umgarnt und von dem Glänze deS katholischen Kultus geblendet. Aber ei» Blick auf die Zeit, welche seiner Bekehrung voranging, macht diese treulosen Verdächtigungen zn nichte, und außerdem ist die Verzichtleistung auf eine sehr einträgliche Pfründe der schlagendste Beweis von der reine» Aufrichtigkeit u»d Unabhängigkeil deS neuen Katholiken. ES ist sonderbar, daß »r. JveS zur Stunde noch als der rechtmäßige protestantische Bischof von Nord-Carolina gelten muß. Seit der vorgeblichen Reformation im löten Jahrhundert ist Dr. JveS der einzige und erste prolestantiscke Bischos, der während seiner Amtsverwallung zur alten Wahrheit zurückkehrte. Die protestantischen Bischöse Amerikas haben noch keine Maaßregel» gelroffe», um die Stelle dessen wieder zu besetzen, der ihre Gemeinschaft verlassen. Sie hoffen immer noch, daß das Gerücht von seiner Bekehrung sich als unbegründet erweisen werde, denn schon mehrere Male war es, aber zu früh, in,den Vereinigten Staaten verbreitet gewesen. Dr. JveS ist fünfzig Jahre alt und genoß in seiner Gemeinschasl einer sehr großen Achtung, die ihm sowohl durch seine tiefen theologischen Kenntnisse, als auch durch seinen musterhaften sittlichen Wandel verschafft wurde. Er war das Haupt der puscyistische» Partei i» Nordamerika, und als solches seit zehn Jahren unablässig bemüht, die Gläubigen der anglikanische» Kirche den Lehren und Gebräuchen der katholischen Kirche näher zu bringen. Er hatte eine Art von Kloster gegründet, welches er „Thal deö Kreuzes" nannte unv bereitete dort junge Männer für den geistlichen Stand; er empfahl diesen insbesondere die Beicht und den «Zölibat. Dieses Seminar wurde eine wahre Pflanzschule katholischer Priester; mehrere Jünglinge deS I)r. JveS sind bereits zur Kirche zurückgekehrt, andere bereite» sich schon zum Empfang der heiligen Weihe». Daraus kau» man ermessen, welchen Einfluß auf vie Bewohner jenes Klosters ver Entschluß seines hochherzigen Gründers hervorbringen wird. Als vr. JveS noch Protestant und Bischof war, beichtete «r regelmäßig jeden Monat und sein Beichtvater war Dr. ForbeS, der seitdem auch schon katholischer Priester geworden ist. Vo» ihm habe ich Jhne» geschrieben im Juni, bei Gelegenheit der Einweihung der St. Annenkirche zu New-York, dieses ehemaligen protestantischen Tempels, den die Katholiken gekauft haben, und dessen Geistlichkeit ausschließlich aus bekehrten anglikanischen Geistlichen besteht. So vielfache Neuerungen mußten nothwendig die preSbyterianische Partei der Anglikaner in Aufregung bringen. Im Mai 1851 wurde eine Versammlung gehalten, um JveS abzusetzen. Allein eine Erklärung, die er abgab, besänftigte seine Gegner wiever, und so blieb er auf seinem Posten. Er suhr indeß fort, den strengen Protestanten zum Aergerniß zu seyn, durch die mehr und mehr romanistischen Tendenzen, welche sich in seinen beredten Erlassen und in seine» oberhirtlichen Erlasse» voll Salbung und Liebe kund gaben. Der Einfluß deS alte» Bischofs auf seine ReligionSgenossen war groß und man kann daraus kühn schließen, daß durch seine Bekehrung in der anglikanischen 38 Kirche seiner Diöcese eine große Bewegung zu Gunsten des katholischen Glaubens entstehen wird. Dr. JveS ist verheirathet; seine Frau aber will ihm in die katholische Kirche noch nicht folgen. Sie hat ihn indeß nach Rom begleitet und wir hoffen, daß die Gebete ver Gläubigen ihr Herz der Wahrheit öffnen werden. Zwei andere protestantische Damen haben ebenfalls die Reise mitgemacht, diese aber eilen zu dem Mittelpuncte der katholischen Einheit, um in Gemeinschaft mit ihrem ehemaligen Bischöfe ihre Irrthümer abzuschwören. Solche Thatsachen bezeugen, daß die rückläufige Bewegung der anglikanischen Kirche zur katholischen in Amerika zum mindesten eben so weit vorangeschritten ist wie in England. Wir für unsere Person sind der Ansicht, daß daS Werk der Wiedervereinigung in Amerika noch günstiger steht wie in England. Unter den 32 protestantischen Bischösen in den Vereinigten Staaten bekennen sich 9 offen zu den pusevistischen Lehren, und in England ist es der einzige Bischof von Ereter, der sich bemüht, seinen Klerus in katholischem Sinne zu reformiren. In Amerika hat die Corporalion der Bischöfe bei der Ernennung neuer Würdenträger die Hälfte der Stimmen, und ist so im Stande, die rationalistischen und preSbyterianischen Tendenzen der Laien zu bekämpfen, während in England die politische sich bei Ernennung der Bischöfe gar nicht um ihre Orthodoxie kümmert. Wir hoffen also, daß das Beispiel deS Dr. JveS zahlreiche Nachahmer finden wird, wenn auch nicht unter seinen ihm gleichstehenden Kollegen, welche allzureiche Interessen auf den Wegen des Irrthums festhalten, doch aber unter den zahlreichen Geistlichen, welche stets ihrem Bischöfe folgten und auö der Menge der Gläubigen, welche er durch seinen Eifer erbaute und durch seine Belehrungen leitete. (Wests. Kbl.) Einige Züge katholischen HauSvraucheS, wie sie sich vorzugsweise noch ans dem Lande vorfinden. Aus einer im Wiener Central-Severinusverein von Coopcrator Hrn. Chr. Schüller gehaltenen (und im Oest. V.-Fr. abgedruckten) Rede. (Schluß.) Da hat sich am Leben Christi und der Heiligen ein anderes Geschlecht gespiegelt; da ist man feierlich, wenn der heilige Friede herniederweht, und der weht, wenn man ein im Geiste Christi geschriebenes Buch lieSt; da ist man gerührt, wenn die heilige Freude sich daran entzündet, und Kindheit und Jugend, und Mann und Weib, und Vater und Mutter haben darin Muster und körnige Nahrung gefunden. Nicht am Baume der Dichtung sind diese Früchte des katholischen Lebens gereift, sondern am Baume deS LcbcnS, zu dem sich das Reis auS der Wurzel Jessc ausgewachsen Hai in seinen Nachbildern, den Heiligen. Von da auS wehte der Geist, und seine Lebenslust hat man eingeathmet, und cS blühte Kindersinn, zarte Frömmigkeit, Schamhaftigkeit, ungeheuchelte Demuth und Ernst. — Im Leben der Heiligen herrschte von jeher der beste HauSbrauch. Mögen Sie mir noch gestatten, auf ein besonderes Beispiel hinzuweisen, an welchem sich der Gegensatz veranschaulicht. Ich weiß mich zu erinnern, in einem solchen alten Legendenbuche, in welchen die Frömmigkeit nicht ohne zarte Poesie ist, ein Muster weiblicher Tugendschönheit gefunden zu haben, welches „die fromme Gri- seldiS" überschrieben war. Daraus nun hat auch der Theaterdichter seinen Stoff genommen. Aber wo in aller Welt wäre eS ihm möglich gewesen, die Tugend in GriseldiS schließlich zum Triumphe zu führen, wie sie in der Legende triumphirt, wo der Gatte beschämt dasteht, und die Gemahlin großmüthig um deS Herrn willen ihm verzeiht?! Der Dichter mußte mit der gemeinsten, armseligsten Hoffart kokettiren; er mußte die Leidenschaft, die unchristliche, abfüttern, oder sie erregen, wo sie nicht 39 vorhanden ist, und hat eS nicht merken wolle», wie der unverdorbene Geschmack mit Aerger erfüllt wird, wenn er ein Kunstgebilde vor sich entstehen sieht, herrlich und schmelzend in seinen Formen von unten auf, dem aber zuletzt die Stirne zu kurz wird, dem Hörnchen daraus hervorkeimen, dessen Ohren sich zuspitzen, und dessen Haar, wie daS der Eumeniden, sich unheimlich schlangelt. Oder wollen Sie dieses Mephistogesicht lieber dem Dichter lassen, so nennen wir das Stück eine Meernymphe, die in einen häßlichen Schwanz sich endet. Sie sehen, wie aus zwei verschiedenen Quellen verschiedenes Wasser fließt und eine verschiedene Luft weht. Sie sehen auch, wie der moderne Ton sich abhebt von katholischer Sitte; gerade wie ein Mephisto von einem verklärte» Heiligengestchte, wie falsche Theater- Charaktere vom körnigen Leben, wie ein moderner Städter in einer kerngesunde» christlichen Familie von deren Gliedern sich abhebt, zur Zeit, wo selbe sich zum Gebete anschickt mit andächtigem Kreuze, währenv jener, wie Kolping sagt, halb verlege», halb vornehm, ein großes Fragezeichen vor sich in die Luft zeichnet. Wollte Gott, daß, wie unS daS Land sonst gemüthlich anspricht, und wir zur Erheiterung und zur Befestigung der Gesundheit auf dasselbe gehen, uns auch die einzelnen Züge katholischen LebenS und Brauches von dort recht ansprechen, und wir unS derselben erfreuen möchten, als einer körnigen und gesunden Kost, mehr als deS witzig und heiter seyn sollenden Genres der Frivolität und deS wie eine Gassendirne herumschlendernden ChristianiSmuS vaguS (deS modernen Christenthums)! Wenn dieser Lumpaci VagabunduS an Ihre Wohnungen klopft, und zwar per- sonifizirt, und etwa gar einer Ihrer Töchter Visit- und Verlobungsanträge machen möchte, dann mnstern sie ihn nur von den Füßen bis zum Kopfe, und sagen Sie ihm, waS ich ein festes Landmädchcn zu solch einem Galcinlhomme aus der Stadt sagen hörte: „Sie, mit ihrem Ströhernen (Strohhut)! da — brennen Sie ab, und mir scheint, Sie sind nicht assekurirt." Wenn nur der moderne Ton überall abbrennen möchte; Assekuranz hat er ja keine. Lassen Sie ihn nur abbrennen; vielleicht verzweifelt er an sich, und bessert sich. Den katholischen HauSbrauch aber in Gebet und Segnungen insbesonderS müssen wir dadurch assekurire», daß wir in unsern Häusern daS Leben Jesu und der Heiligen als lebendige HauSpostillc aus den HauS- altar legen, überhaupt für eine christliche Lertüre sorgen, und cS am Commentare deS Lebens nicht fehlen lassen. Es wäre auch gar nicht übel, wenn die Eltern ganz bedeutungsvoll als christliches Heirathsgut der sich bildenden Filiale eine kleine katholische Bibliothek mitgeben möchten, deren FunduS auS dem Leben Jesn und der Heiligen, aus einem gute» Hausbuche, auch Katechismus u. dgl. bestehen würde. Sie sehen, wie eS möglich ist, daß die angeführten Züge katholischen LebenS nicht lauter Ceremonie seyen, sondern daß wirklich der heilige Geist, der Leiter und Bildner alles geistigen LebenS, auch in der christlichen Familie und ihrem Brauche zum Durchbruche und zur Gestaltung komme. Sie wissen auö Erfahrung und auS der Natur der Sache, daß daS Weib vorzugsweise zur Pflege häuslicher Sitte berufen ist. Auch die Zeit der Aufklärung schien die sociale Stellung deS weiblichen Geschlechtes und dessen Einfluß auf daS Wohl der Gesellschaft zu erkennen. Man kam der gedeihlichen Entwicklung desselben auf dem Felde der Literatur helfend entgegen. Man schrieb Bücher für Jungfrauen im Brautstände, für Mütter, für Frauen und für daS Weib dem Manne gegenüber. Wir kenne» die Eremplare nicht, die sich nach ^dieser Weisheit gebildet; wir sind aber doch der Ueberzeugung, daß alle zusammengenommen nicht Ein eremplarischeS Muster auch nur in Einer dieser vier Eigenschaften werden ausweisen könne», wenn ihnen keine andere als diese Hilfe kam. Wo aber der katholische HauSbrauch herrscht, wo der Odem Christi und der Heiligen weht, wo daS HauS Nachbild nach der Kirche Musterbild ist, da lebt in Einer Person Geliebte, Mutter, Frau und Weib. Möge daS Weib vorzüglich seine Auf- gäbe, christliche Sitte zu wahren und zu pflegen, nie vergessen! Der Herr selber hat ihr diese schöne Aufgabe übertragen in den Worten: „DaS Himmelreich ist einem Sauerteige gleich, den ein Weib nimmt, und ihn unter drei Theile Mehles mischt, 4V bis eS ganz durchsäuert ist." Diese drei Theile sind füglich der Mann, die Kinder und das Gesinde, und in jecem Einzelnen: der Wille, die Vernunft und daS Gemüth. Möge auch Niemand sagen, daß wir der blvßen Form das Wort geredet haben, und nicht sich berufen auf die Ausrede: An Formen hängt nickt immer das Wesen. DiS Letztere kann ohne die Erscheinung auch nicht seyn. Die Seele hat ihren Leib, und der katholische Geist hat den katholischen HauSbrauch zu seinem Körper; an diesem haftet er, wie die Gnade an der Materie des SacramenteS. Darum, eS lebe der katholische HauSbrauch! - - Gelobt sey JesuS Christus! Christliche Lesefrüchte und Betrachtungen eines Laien. (Fortsetzung.) 27. Die Vergänglichkeit und wahrhaftig spurlos vorübergehende Nichtigkeit der weltlichen Gaben und Freuden (so daß unS oft nicht einmal für die Erin neru n g daran noch Kraft und Sinn verbleibt) wird von zweierlei Menschen am tiefsten und schmerzlichsten empfunden, von den geistigen und von den rein weltlichen; die Geistigen gelangen dahin, geführt vom Geist GotteS und auf ihrem Dornenpfad zum Ziel der Heiligung; Gott will sie durch die Empfindung dieses Gegensatzes so recht lüstern, so recht sehnsüchtig machen nach Seinem Reich; — die rein Weltlichen aber empfinden diesen Gegensatz ohne jenen göttlichen Zug und Trost; auf ihrem Rosen Pfad zeigt ihnen die betrügerische Welt daS hohle, grinsende Bild ihrer völligen Nichtigkeit; sie fühlen sie und verachten sie, und doch haben die Armen dafür keinen Ersatz in Aussicht; sie sehen Gott weder in sich noch außer sich; und so führt sie der Ekel am Weltliche» nicht zum Trost, nicht zum Göttliche», souderu zu», Weltschmerz, zur Trostlosigkeit ohne Aussicht auf Erlösung hinaus; der Weltschmerz führt in eine Wüste, der Gotteöschmerz der innigen, geprüften Seelen führt in ein ParadieS; von beiderlei Art der Trostlosen kann man mit Thomas von Kempiö (B. III., Kap. 51, I) sagen: „So lange du deinen sterblichen Leib herumträgst, „fühlest du Uebcrdruß und Beklemmung deS HcrzenS." Aber welcher Unterschied des WegeS und Zieles bei Beiden! 38. ''-:?l.7n7^jj!-m^,^I<.j!^E, ',Wl' Wenn ich Dich, o Herr! anflehe, Dich meiner zu erbarmen, der ich doch keine Erbarmung verdiene, so willst Du, indem Du mir willfahrest, doch nur Deine eigene Verherrlichung. Du bedarfst aber keines Zuwachses der Glorie und Verherrlichung, und indem Du Dich gleichwohl In mir, eine^m elenden und unwürdigen Geschöpfe, verherrlichest, thust Du eS, damit meine arme Seele erbaut und errettet werde, oder daß sich die Seelen Anderer an mir oder durch mich erbauen und heiligen. M ---»MM S^z j^nUiiA ,'.Ivi,H'»i5 iM, -HNmiMsM ?^ i-sZ -iZ chllZH- H! M Wenn Derjenige der Unglücklichste ist, der den größten Verlust erlitt, so ist gewiß Maria, die ihren allerheiligsten, allerliebsten Sohn verlor, die Unglücklichste gewesen. Und wenn Derjenige der Edelste ist, der für Jenen, welcher ihm sein Theuerstes entriß, noch eifrig und unablässig fürbittet, so ist gewiß Maria, die unablässig für u»S fürbittet, die Edelste aller Erschaffenen, daS Abbild der unbegreifliche« Liebe des VaterS, der uns, Seinen schwersten Beleidigern, den eingebornen Sohn hingab, deS Sohnes, der für unS litt und starb und ungeachtet unserer fortwährenden und schweren Versündigungen in unbegreiflicher Barmherzigkeit stetShi» für unS Sich dem Vater aufopfert und für unS elende Sünder fürbittet. mun» iji chinkwwi'K' tzvW n-? ni n,c.innsöS. »örkluK 5nSM -ÄZi i ,-!, Berautwortli'cher Redacteur: L. Schöncheu, Verlags-Juhaber: F. Krem er. Dreizehnter Jahrgang. Sonntags-Beiblatt zur Augsburger Pojheitung. 6. Februar v. 1853. Dieses ivlatt erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der halbjährige Abonuementsprei« TV kr., wofür e« durch alle köm'gl. bayer. Postämter und alle Buchhandlungen bezogen werden kann. Fräulein Aloifta Ptfani aus dem Institute der englischen Fräulein in Burghausen in Bayern, an Herrn Hofcaplan Müller, Geschäftsführer des Missionsvereins. Calcutta, am L3. Nov. lS52. Hochwürdiger, Hochverehrtester Herr Hofcaplan! Da sind wir nun endlich glücklich angekommen im fernen Indien, nach langer, langer Pilgerfahrt. Tausend Dank sey dem Herrn, der unS so sicher geleitet, so treulich beschützt und eine so glückliche Reise verliehen hat. Mein erstes und liebstes Geschäft nach unserer Ankunft ist nun, an Sie, Hochverehrtester Herr Hofcaplan, zu schreiben, und Ihnen von unserer Reise und ihren Merkwürdigkeiten getreuen Bericht zu erstatten, wie ich cS Ihnen in München versprochen habe. Ich thue eS um so lieber, da ich weiß, daß vielleicht Niemand an unserm Schicksal so herzlichen Antheil nimmt, als Euer Hochwürden, dessen väterliche Güte und Sorgfalt ich bereits zur Genüge kennen gelernt habe. 'Ich habe zwar die ganze ausführliche Beschreibung unserer Reise von den verschiedenen Stationen auS schon früher nach Bnrghausen geschickt. Da Sie aber einen vollständigen Bericht eigens wünschen, so will ich daS Ganze noch einmal zusammenfassen und unsre Wanderschaft vom Anfange bis zum Ende erzählen. Daß der Abschied vom Institute zu Burg Hausen, von den lieben Schwestern dort, in deren Kreis wir so viele glückliche Jahre verlebt hatten, unS viele bittere Thränen gekostet habe, brauche ich nicht zu versichern. Nachdem wir sie zum Letztenmale umarmt, rollte der Wagen zum Thore hinaus. Unsre liebe Frau Oberin und eine unserer Mitschwestern begleiteten unS. ES war am 13. August, da wir Burghausen verließen. In Allötting halten wir noch den Trost, die wunderbare Gnadenmutter grüßen und ihren Schutz und Segen unS erbitten zu können. Des andern TageS kamen wir nach Nymphen bürg; hier verließ unS unsere verehrte Frau Oberin, und wir setzten allein unsern Weg nach Köln fort, wo wir den hochwürdigsten Bischof von Dacca treffen sollten. Ich sage nichts von der schönen Rheingegend, die wir durchschifften, sie ist zu bekannt; doch kann ich nicht umhin, etwas von Köln zu erwähnen, wo wir unS fünf Tage aufhielten. Nach unserer Ankunft gegen acht Uhr Abends suhreu wir sogleich nach der erhaltenen Anweisung inS Klerikalseminar. Wir trafen dort wirklich unsern hochwürdigsten Bischof, der unS sehr freundlich und väterlich empfing und um uns Aufnahme und Nachtherberge zu verschaffen, selbst spät AbendS noch zu den Ursulinerinnen ging, um selbe für unS zu 42 erbitten. Da sie ihm aber verweigert wurde, fuhr er mit unS in einen Gasthof, sorgte da für Alles, und führte uns am andern Tage inS Kloster zur heiligen Maria, wo man unS mit wahrer Schwesterliebe aufnahm. Unser erster Gang war in den herrlichen Dom. Was soll ich sagen von diesem Wunderbau, diesen Gewölben, diesen Säulen, von der Farbenpracht der herrlichen Kirchenfenster? — Wahrlich, ist je ein Tempel, ein Bau von Menschenhand, der Gottheit würdig, so ist eS dieser Dom. Ich fürchte zu weitläufig zu werden, wenn ich von den Heiligthümern und Kostbarkeiten spräche, die man uns gezeigt; ich erwähne daher auch nichts mehr von der Kirche der heiligen Ursula, sondern sage bloS, daß unser hochwürdigster Bischof unö hier wieder verließ, um nach London zu gehen, und unS nach Paris bestimmte. Wir schieden also von dem freundlichen Köln, und fuhren mit der Eisenbahn »ach Paris. Hier nahmen uns die Schwestern vom heiligen Karl, die daselbst erst ein neues HauS gegründet hatten, auf, und beherbergten uns drei Wochen lang mit so edelmüthiger und aufopfernder Liebe, daß sie unS, selbst arm, ihre eigenen Betten abtraten, und dafür auf Strohsäcken schliefen. Dank diesen guten Schwestern, ihr Andenken wird unS immer unvergeßlich bleiben. Nach langem Warten kam endlich unser hockwürdigster Bischof. In seiner Begleitung ging eS nun bald auf der Eisenbahn, bald im Eilwagen zwei Tage und zwei Nächte das südliche Frankreich durch, über Dijon, Lyon, Vienne zc. ?c. nach Marseille. Schon eine Stunde außerhalb sieht man in einer Bucht daS Meer. Ich weiß nicht, welches Gefühl sich meiner bemächtigte, als ich zum Ersten» male dieß Bild der Unendlichkeit vor mir sah, Ein unwillkürliches — Ah! wird laut, wenn die Straße sich wendet, und auf einmal daS Meer in seiner stillen Majestät vor einem liegt. Am andern Tage, den 23. September, schifften wir uns auf dem Dampfer „OfiriS" ein. Es war ein herrlicher Morgen, als wir Marseilles schönen Hafen verließen, das bald hinter unS wie ein liebliches Panorama lag und endlich in der Ferne verschwand. Poch bald machte das Meer seine Rechte geltend. Eine nach der Andern fühlte sich unwohl, und legte sich nieder. Schwester Josephine und ich konnten wohl noch vom Glücke sagen, denn nach ein paar Stunden war die Ueblich- keit gewichen, und deS andern TageS waren wir wieder ganz gesund und wohlauf. Schwester Augustine aber verließ daS Uebel nicht mehr; so lange sie auf dem Meere war, war sie beständig krank und leidend. Die erste Nacht war ziemlich unruhig. Die See ging hoch und schaukelte das Schiff wie eine Wiege auf und nieder. Unsere Kajüte, in der unser nenn waren, war eine wirkliche Krankenstube geworden. Die armen Damen jammerten nnv schrieen, wenn bald ein Glas, bald ein Stuhl zu Boden fiel, und eine Schüssel wie ein Schlittschuh hin und her rutschte. Der nächste Morgen war schön, doch noch etwas windig. Ich eilte früh aufs Verdeck, als eben die Sonne aufging und die felsigen Ufer von Sardinien und Korsika beleuchtete, zwischen denen wir vorbei segelten. Ihr Anblick ist nicht besonders anziehend, da eS nur kahle, schwarze Felsen sind, die sich an der ganzen Küste hinziehen. Am dritten Tage sahen wir die Insel Sicilien vor unS, anderen schönen Ufern wir die Stadt Marsalla und noch ein Paar andere liegen sahen. DaS Wetter war unS immer günstig, nicht uur hier, sondern die ganze, lange Reise durch. Nirgends aber spiegelt sich der blaue Himmel so schön, als im mittelländischen Meere, daö nur mit dem schönsten Azur, mit dem reinsten Ultramarin verglichen werden kann. Auf keinem andern Meere habe ich diese Farbe wieder gefunden. Unsere Gebete konnten «ir ungestört auf dem Schiffe verrichten, wie zu Hause. Zweimal deS TageS versammelte uns unser hochwürdigster Bischof um sich, und betete mit unS die Meßgebete, und Abends den Rosenkranz. Gewiß! es war rührend, ihn täglich in der Mitte dieser kleinen Gruppe zu sehen, die zurückgezogen in einen kleinen Winkel deS Verdeckes, unter dem sternbesäten Himmel, wo ver Vollmond freundlich leuchtete, Maria, jenen Stern des Meeres grüßte. Am Sonntag den 26. erreichten wir endlich den Hafen von Malta. Unser 43 hochwürdigster Bischof führte uns sogleich in das Kloster der Schwestern des heiligen Joseph, die uns eilf Tage lang beherbergten. Täglich kam er wie ein liebreicher Vater, um nachzusehen, wie eS uns ginge, und ob wir nichts bedürften, und da er immer besorgt war, uns überall die Merkwürdigkeiten zu zeigen und sehen zu lassen, so ließ er auch hier uns sogleich die ersten Tage in die Kathedrale zum heil. Paulus fahren, die etwa zwei Stunden von der Stadt entfernt liegt. Sie ist an jenem denkwürdigen Platze erbaut, wo der große Völkerapostel während seines Ausenthaltes in Malta gelebt und gewohnt hat. Die Kirche selbst ist groß und schön, reich an Marmor und Vergoldung; sie ist die eigentliche Kathedrale der Stadt, da sie aber zu weit davon entfernt ist, befindet sich noch eine andere, zum heil. Johannes genannt, in der Stadt selbst. Bei der Kirche deS heiligen Paulus befindet sich daS Seminar und vier Herrenklöster, sonst liegt sie ziemlich isolirt auf einem kleinen Hügel iu der Nähe deS Meeres. Nachdem wir die Kirche betrachtet, führte man uns außerhalb derselben eine Strecke Weges, öffnete dann eine Thüre, zündete Lichter an, und führte uns die Stiege hinab in eine kleine, dunkle Grotte. Hier war die Stelle, wo der heilige Paulus gewohnt, daneben noch eine kleinere Höhle, wo er gebetet hat. Die Grotte ist noch ganz in ihrem Naturzustande, wie sie ehemals war. Nur die Statue des heiligen Paulus steht in Lebensgröße in der Mitte derselben aus weißem Marmor gehauen. Mit einem Gefühle von heiligem Schauer knieten wir uns hier nieder, den großen Apostel, der auch diese Meere durchsegelt, um seinen Schutz und seine Fürbitte anflehend. Man führte unS nun auf eine entferntere Seite des BergeS; hier wurden wieder Lichter angezündet, wir stiegen eine Treppe hinab, und kamen in die Katakomben. ES sind das jene unterirdischen Gänge, in denen die ersten Christen zu Zeiten der Verfolgung gewohnt, gelebt und gebetet haben; lange dunkle Jrrgänge, Höhlen und Gewölbe, wo man noch viele in Stein auSgehauene Grabstätten, Lagerstellen und Taufsteine steht, doch ohne daß Leiber von Heiligen oder sonst Verstorbener darin ruhen, wie eS in den römischen Katakomben der Fall ist. Dennoch ist der Anblick dieser geheiligten Stätte interessant und ergreifend, bei dem Gedanken an jene Jahrhunderte, wo das Christenthum und unser heiliger Glaube wie ein kleines Samen- körnlein unter der Erde ruhte, von dem Blute der Märtyrer getränkt, von der Lehre ver Apostel und der Heiligen befruchtet, schon Früchte der Heiligkeit und deS Hclden- muthes brachte. Wir kehrten nun zur Kirche wieder zurück, traten in eine Seitencapelle, stiegen wieder abwärts und kamen in eine andere Gruft. Hier waren drei Altäre in einer Art von Nischen; der eine mit der Statue des heiligen PauluS, zu seiner linken Hand das Marmorbild deS heiligen LucaS, und seitwärts der Altar eines heiligen Bischofs, der einer der ersten Jünger deS Apostels war. Hier, sagt man, soll der Apostelfürst daS hl. Opfer gefeiert, hier mit der ersten Christengemeinde den Gottesdienst gehalten haben. Die Altäre sind ungemein alt und scheinen wohl auS den ersten Jahrhunderten zu seyn. Doch fand ich sie für die Heiligkeit dieses Ortes sehr vernackläßigt und ärmlich. Ueberhaupt hat Malta schöne Kirchen und eine Menge Klöster. Ich erwähne hier nur der schönen Dominicanerkirche, die am Rosenkranzfeste von oben bis unten mit rothem Damaste behängt, und selbst außen an der Kuppel mit Hunderten von Lichtern Abends beleuchtet war, was einen nngemein schönen Anblick gewährte. Ich sage nichts von der feierlichen Procession, die an diesem Feste statt fand, und von dem sonderbaren Costüm der dabei Betheiligten, denn ich habe noch so viele andere Dinge zu erzählen, daß ich fürchte, zu weitläufig zu werden. UebrigenS hat mir Malta wenig gefallen, eS ist wie eine versteinerte Insel, Boden, Häuser, Straßen, alles von der nämlichen gelben Sandfarbe, beinahe ganz ohne Vegetation. Am 7. October verließen wir den Hafen mit dem Dampfschiffe „Nil", daS uns in fünf Tagen nach Alerandrien brachte. Da wir spät Abends ankamen, konnte das Schiff nicht mehr in den Hafen einlaufen, weil die Felsen und Klippen 44 den Eingang bei Nacht gefährlich machen. ES wurde also der Anker geworfen, und die Nacht noch an Bord zugebracht. Am andern Morgen weckte uns schon in aller Frühe der Lärm der geschäftigen Matrosen, und daS Geschrei der Neger, die nun zu Hunderten in kleinen Nachen daS Schiff umzingelten, und sich stritten, zankten und schlugen, um Passagiere für ihr Fahrzeug zu erhalten. ES war ein wahrer Türkenkrieg, niemals habe ich so etwas gesehen. Uud dazu die sonderbaren schwarzen Gestalten, halb nackt oder mit einem weißen faltigen Gewände und einem Turbane bekleidet, mit ihren Grimassen, ihrem Geschrei — das alles sagte unS zur Genüge, daß wir auf fremder Erde, auf afrikanischem Boden standen. Alerandnen selbst bietet bei seiner Annäherung einen schönen Anblick, besonders i» der Morgenbeleuchtung, in der eS vor unö stand. Schon von Ferne sieht man den Leuchtthurm, dessen freundliches Licht die ganze Nacht durch herüber leuchtete, links die Residenz des Pascha, ein großes, schönes Gebäude, in der Stadt selbst eine Menge Minarets, Kuppeln und hohe Mauern. Auch wir stiegen endlich in eines der Boote und fuhren ans Land. Hier war ein Gewühl von Menschen aus allen Nationen; Kameele streckten unS ihre langen Hälse entgegen, zierliche Eselein, gezäumt und gesattelt, standen in Reihen da, jedem zu Diensten. Endlich kam ein Wagen, und führte unS in daS Kloster der barmherzigen Schwestern. Mit liebreicher Gastfreundschaft empfingen uns die guten Schwestern und ihre liebenswürdige Oberin, in deren Gemeinde wir vier angenehme, uns unvergeßliche Tage verlebten. Schon am andern Tage fuhr unser hochwürdigster Bischof mit unS zu der berühmten Pompejus- und Kleopatra-Säule, eine Viertelstunde außerhalb Alerandrien. Eö sind vaS hohe Säulen nach Art der Obelisken, aus einem einzigen Stücke Granit gehauen, von oben bis unten mit Hieroglyphen beschrieben, mit deren Erklärung sich die Gelehrten noch immer den Kopf zerbrechen. Die Eine von diesen Säulen ist beinahe schon ganz mit Schutt und Erde bedeckt, da die Araber nicht so vielen Respect für diese Stein- colosse haben, als die gelehrten Herren Europäer. Mehr Interesse als diese Steine hatte für unS der Begräbnißplatz der Muha- medaner, der sich gleich in der Nähe derselben befindet. ES ist ein großer, weiter Platz, der sich an einen Hügel hinaufzieht, öder, dürrer Sand, ohne einen Grashalm und Baum, frei und offen ohne Mauer. Ein großer viereckiger Stein, in dessen Mitte ein dürrer KactuS aus einem Loche wächst, zuweilen auch eine niedere, halbzerbrochene Säule bezeichnen den Ort des Begräbnisses. Nichts öder und trostloser als der Anblick solch eines Todtenfeldes, wo nur Eidechsen und Schlangen auf dem ausgebrannten Boden sich herumtreiben. ES ist wie ein Abbild deS TodeS und Fluches, der über diesen armen Kindern des KoranS liegt. Während unsers Aufenthaltes sahen, oder vielmehr hörten wir mehrere Leichenzüge vorbeischreien, denn man hat keine Idee, mit welchem Gelärm und Getöse sie ihre Todten zu Grabe tragen. Alles ruft und schreit da zusammen während der ganzen Länge deS WegeS: Allah ist groß und Muhamed ist sein Prophei; Allah, Allah ist groß ic. ic. Weiber sind eigens bezahlt, die dazu heulen und schreien — da kann man sich den Lärm denken. Alle Donnerstage bei Nacht ziehen sie dann hinaus, um auf den Gräbern der Verstorbenen zu beten und Mahlzeit zu hallen. Dasselbe Geschrei, mit einer Art von Trommel und Pfeifen begleitet, und der grelle Fackelschein machen eS zu einer wahren TeufelS- procefsion. Noch ein Wort über die Frauen und ihr sonderbares Costüm. Niemals sieht man eine auf der Straße, ohne von oben bis unten eingewickelt zu seyn, nur die Augen sind frei; von der Stirne geht ein schmaler Streif über die Nase bis zum Munde, den ein anderes Tuch über die Quere einhüllt, so daß eS beinahe wie ein Pferdegeschirr aussteht. Nur ganz gemeine Weiber gehen mit unbedecktem Gesichte; da erfordert eS aber afrikanischer Anstand, daß sie sich, so bald sie Jemand begegnen, den Mund mit der Hand oder dem Aermel bedecken. Andere haben ein langes Stück Zeug wie einen Rüssel vom Munde bis zu den Knieen hängend, ich weiß nicht ist es zur Zierde, oder um durch dasselbe Athem zu schöpfen. Die vornehmen Damen 45 aber gehen niemals auS, sondern nachdem fie ihre tägliche Lebensaufgabe vollbracht und Toilette gemacht haben, sitzen fie den ganzen Tag aus ihrem Divan. wie die Tulpe auf ihrem Stengel vegetircnd, in vollkommenem Müssiggang. In jeder Hinsicht ist das Weib aber hier ein bedauernSwertheS Geschöpf, sie mag reich oder arm » seyn, trostlos in diesem, hoffnungslos für das anvere Leben, da ihnen «nach ihrem Glauben nicht einmal der Himmel offen steht, sondern sie vor der Thüre ihren Platz haben, wo ihre Männer ihnen dann Visite machen. Ich habe vom Kloster selbst noch nichts erwähnt, von den Schulen, von den kleinen, schwarzen Negerzöglingen, von 1, 2 —3 Jahren, meistens Findet- oder Waisenkinder armer Neger, an denen die guten Schwestern Mutterstelle vertreten, von der Menge der Kranken, die täglich an zwei- bis dreihundert kommen, um Arznei, Rath und Trost von diesen Engeln der Barmherzigkeit zu holen. Doch ich käme an kein Ende, wenn ich es umständlicher beschreiben wollte. (Schluß folgt.) Melchior von Diepenvrock. (Schles. K. Bl.) BreSlau. In schwerer Zeit in unsere Diöcese berufen, da gerade hier der Antichrist sein Hoflager aufgeschlagen und der Rougescandal sein Unwesen trieb, trat Melchior von Dicpenbrock als Friedenssürst in unsere Mitte, um Achtung gcbie- tend die Lauen zu wecken und ruhig den Waizen von der Spreu zu sondern. Seine himmlische, nie zu erschöpfende Gevulo und Sanftmuth sollte aber bald auf das Härteste geprüft werden, da eine Rotte Buben, unwürdige Söhne unserer Hochschule und aus vornehmen Familien entsprossen, sich verbanden, den hohen Kirchenfürsten auf offener Straße am Fuße eines Kreuzes zu verhöhnen; seit dieser Zeit sah man' ihn nie mehr auf einsamen Spaziergängen außerhalb seines Palastes. Dennoch vermochte so viel teuflische Bosheit seine Menschenliebe nicht zu verkürzen; er war und blieb ein unerschöpflicher Born von Güte, Langmuth, Milde und weisem Rathe und beantwortete den Hohn der Welt mit einer Kette von LiebeSwerken, die sein ganzes Leben bis zu seinem letzten Hauche umschlingt. Unzählbare Summen überreichte er zur Unterstützung der Ortsarmen; so wie Tausende von Bittstellern mit Freuden- und DankeSthränen seine Schwelle verließen. Wohlthun war ja seine seligste Freude; am liebsten that er eS in aller Stille, und dabei kannte er oft so wenig Maaß, daß seine Spenden oft seine reichen Einnahmen noch überstiegen. So klagte ihm einmal ein junger, talentvoller Priester seine Noth; liebevoll klopfte der edle Bischof demselben auf die Schulter und sprach in heiterer Weise: „Meine Baarschaft besteht gerade noch aus hundert Thalern; ich biete ihnen die eine Hälfte, die andere , müssen Sie mit schon lassen.» Dergleichen rührende Scenen sind in großer Zahl bekannt, und werden dem edlen Melchior in spätesten Zeiten noch einen rühmlichen Denkstein setzen. Mit Aufwendung von vielen Tausenden begründete er ein Knabenseminar, die tunclstio pisus, erweiterte er das Convictorium für Theologen, besserte . er in der Melchiorstiftung die Lage der Capläne unv Schullehrer im österreichischen Antheil- seiner Diöcese. Voll innigsten Mitleids stellte er sich an die Spitze deS HilfScomite'S zur Zeit, als der Hungertyphus in Oberschlesien so viele Opfer forderte, und milderte durch bedeutende Geldsendungen die Noth der Unglücklichen. AIS Protektor aller wohlthätigen Vereine, des Vincenz», des BonifaciuS-, des GesellenvereinS u. s. w. ging er überall mit bedeutenden jährlichen Beiträgen als Vorbild voran, um Alle zu reiner Bruder- und Christusliebe zu entflammen. So groß er als Mensch da stand, so wunderbar leuchtete er als Priester allen Denen voran, die sein Strahl erreichte. Während daS liebeglühende Gebet ihn oft Studenlang knieend an die Stufen seines HauSaltares fesselte, erschien er öffentlich überall in seinen geistlichen Verrichtungen mit einer Würde und Majestät, die den 46 frechen Spötter niederschmetterte, dem gaffenden Akatholiken Respect gebot und den Gläubigen mit heiliger Freude erfüllte, der Kirche GotteS anzugehören, deren kräftige Säule er vor sich erblickte. Würdiger läßt sich sein ganzes Wesen nicht schildern, als mit seinen eigenen Worten, mit denen er daS Bild SailerS zeichnet: „Wahrhaft erhebend w»r eS, ihn anzublicken in seinen geistlichen Functionen, am Altar, bei der heiligen Messe u. s. w. Die höhere Weihe, die sein ganzes Wesen durchdrang, trat dann noch sichtbarer hervor, seine stets edlen Züge verjüngten, verschönerten sich; auS seinen Augen strahlte ein mildes Feuer; ein höheres Schweben klang durch die ganze gehobene, verklärte Persönlichkeit, und daS Alles auch wieder ohne allen Zwang und Drang, wie unbewußt, so wie der Vogel sich von der Erde erhebt, und aus seinen ausgebreiteten Schwingen ruht. — Ihn beten sehen, reizte zum/Gebete, wie seine ganze Erscheinung geeignet war, die Religion, die Frömmigkeit ehrwürdig und liebewerth zu machen in Jedermanns Auge." Hat er also in der That durch Wort und Beispiel in den Herzen der Seinen dem Herrn lebendige Tempel erbaut, so ist er auch redlich bemüht gewesen, die Zierde der Gotteshäuser und deren würdigen Schmuck zu befördern, so wie Er es bewirkt hat, daß der fromme Pilger wieder auf dem Scheitel des Zobtenberges die Gottesmutter um ihre gnadenreiche Fürbitte anflehen kann, so daß er in Wahrheit mit dem heiligen Sänger beten durfte: „vvmirie, clilexi cleeorem äomus tuse!" War er sonach groß und edel als Mensch, erhaben als Priester, so erschien er als Bischof wahrhaft bewunderungswürdig in der Sorge für daS Seelenheil der ihm anvertrauten Heerde. Zur Hebung und Erbauung seiner Priester förderte er die geistlichen Ererciticn, zur GlaubenScrweckung in seiner Heerde beschützte er die heiligen Missionen in seiner ganzen Diöcese und schuf ein glaubenskräftiges Leben, wie eS der kühnste Wunsch kaum zu hoffen gewagt. Mit umsichtiger Weisheit fand er immer die geeignete Person für die erledigten Stellen heraus, und so wie er selbst frei von jeglichem Vorwurf, sittenrein und bis zur Aengstlichkeit pünctlich und pflichtgetreu war, so durfte er auch von Andern möglichste Pflichttreue fordern und dem Säumigen mit seinem ganzen Ernst begegnen. Wo eS aber galt, die Rechte seiner Kirche zu schirmen und unwürdige Angriffe der Bosheit und Unwissenheit abzuweisen, da trat er mit heiliger Entrüstung in die Schranken, wovon daS ans seinem Sterbebette verfaßte Rundschreiben an seinen Klerus ein ewig denkwürdiges Zeugniß ablegen wird. Wie tief er aber seine Aufgabe durchschaut, zeigt die Sorgfalt, mit der er unausgesetzt die Schule, in engster Verbindung mit der Kirche, von der Volksschule an, bis zu den höchsten BildungSanstalten im Auge hielt, und wenn darin noch nicht AlleS geschehen, was nach seinem Wunsche hätte geschehen sollen, so trägt daran seine schwere Krankheit die Schuld, und dürfte sein Dahinscheiden vielleicht gar Vieles wiederum in Frage stelleis. Wie gern er noch so manchen lange gehegten Wunsch erfüllt gesehen hätte, bezeugt die erstauuenswerthe Sorgfalt, mit der er noch auf seinem SchmerzenSlager mit zitternder Hand Alles selbst besorgte und ausfertigte. Jener Zug seines edlen Herzens wird ihn aber stets ehren und selbst seinem ' erbittertsten Gegner Achtung gebieten: die ungetrübte Liebe zu seinem Könige, die sich besonders damals recht deutlich bekundete, als die Fackel des Aufruhrs in Schlesiens Gauen geworfen wurde, und elende Volksverführer die Einfalt der Bauern zu benutzen suchten, um das ganze Land in Feuer unv Flamme zu setzen. Sein Donnerwort entlarvte die Verführer und rettete dem Könige den Thron und bewahrte dem Lande Ruhe und Frieden. Dafür ward ihm aber auch die ungeheuchelte Liebe und Hochachtung seines Königs gesichert, die sich namentlich in der schweren Krankheit auf rührende Weise kund gegeben und eben diese befrenndete Stellung zum Herrscherhaus? gab der katholischen Kirche eine gewisse Garantie für die Zukunft, so wie seine wichtige Mission, als apostolischer Delegat für die preußischen Armeen für Regelung einer geordneten Militärseelsorge zum großen Segen der katholischen Soldaten eben dadurch erleichtert wurde. Möge der Himmel verhüten, daß durch gegenseitige Verkennung des rechten Stanvpuncteö noch Zeiten kommen, in denen bei der großen Gereiztheit 47 beider Parteien Kämpfe auSbrechen, die die Sanstmuth und vermittelnde Liebe deS dahingeschiedenen Kirchenfürsten bis jetzt so erfolgreich zu beschwören wußte. Sein Schaffen als christlicher Schriftsteller und gottbegeisterter Sänger liegt der Welt in seinen gedruckten Werken vor, und wird dieser reiche Schatz von Weisheit, Lebenserfahrung und gläubigem Christenthum für alle Zeiten das unschätzbarste Kleinod, ein kostbares Testament bleiben. So ruhe denn, heißgeliebter treuer Seelenhirt, in deiner stillen Gruft, die deine treuen Kinder mit dem Thränenthau der Liebe und des DaukeS benetzen, und bete wieder am Throne deS LammeS für deine Heerde, die in dir ihr heilig Vorbild immerdar erblicken wird. Ja, o Vater.», sey uns Rather, Da der Tag so trüb' sich senkt, Bleibe bei uns, ach und sey uns Stern, der durch die Nacht uns lenkt! Nahe Zukunft. Allenthalben sondern sich die Geister. Die jüngste Geschichte Europas hat die Menschen in zwei Hauptheere abgetheilt: Hier die Freunde der Ordnung um jede« Preis, und dort deren nicht minder geschworene Feinde. Aber unter 5en ersteren ist nicht die Einigkeit, welche unter den zweiten herrscht; während diese um die Mittel. zum Ziel zu gelangen so wenig als um daS Ziel selbst verlegen sind, wollen bei jenen einige die Ordnung nur wegen der Ruhe und Sicherheit deS Materiellen, während die andern damit zuoberst für die Ruhe der Gewissen, die Ordnung der Kreaturen und die Sicherheit deS künftigen Lebens zu wirken suchen. WaS nun dieser „idealistischen" Echaar bloß ein, wenn gleich wenig, entbehrliches Mittel zum Zwecke ist, das streben die andern als Selbstzweck an, und wollen eS um keinen Preis gestört wissen, ja daS lieben sie so, daß sie nur den „Schein" derselben, eine Scheinruhe und Scheinordnung über Alles setzen. Weil jedoch — nicht die Ordnung der Staaten, wohl aber — die Ordnung des bürgerlichen Lebens nachgerade eine so verkehrte geworden, daß mit ihr jene höhere Ordnung nicht mehr vereinbarlich ist, so müssen sich die Diener dieser letzteren von jenen trennen, und eS darauf ankommen lassen, in Zukunft nicht nur mit den Socialisten, sondern auch mit den egoistischen Conservativen zu kämpfen. Der Streit wird heftig, aber er ist unvermeidlich. Daß eS jedem lieber wäre, ihn nicht mitansehen zu müssen, begreift sich ebenfalls, namentlich bei solchen, die sich keine Schuld an diesem ChaoS vorzuwerfen haben. Allein man möge sich darum nicht hinreißen lassen, die Katholiken anzuklagen, daß sie den Kampf heraufbeschworen haben! Bedenke man nur, wie vor dem Jahre 1848 alles äußerlich gar still und friedlich schien, daß es damals bei unS noch keine Katholiken-- vereine und keine religiöse Polemik, weil überhaupt kein religiöses Bewußtseyn gege- ben, daß aber dennoch das Jahr 1848 gekommen ist! Und daS, wodurch dieses Jahr hervorgebracht wurde, das ist eS, was heute noch fortwuchert, und dermalen nur mühsam niedergehalten wird! Von j-iem üppig aufgeschossenen Samen zu befreien, kann nur der katholischen Entschiedenheit gelingen. Wenn eS keine schmerzlose Operation wird, so ist die Kirche so wenig Schuld daran, als der Arzt, welcher daS Gift endlich ausbrennt, für die Schmerzen deS durch seine Laster niedergeworfenen Kranken kann. In diesem Augenblicke erübrigt nichts, als daß die Gesellschaft in Massen an die heilende Kirche sich wende, oder daß sie, indem sie dieses nicht glaubt und ihr vielmehr in Spendung der rettenden Arzeneien Zwang anlegt, oder sie gar geknebelt ins Verließ wirft, von socialistisckm Quacksalbern nach tausend und tausend hirnwüthigen Regenerations-Experimenten in ihr Grab, in daS unentwirrbare EhaoS gestoßen wird. Die Wahl steht nun frei! (W. Kirchenz.) ' ') Die darum überall und gewiß auch sehr bald bei uns durch außerordentliche Boten die Herzen zu sich ruft. 48 Christliche Vergeltung. Es war im Winter des verhängnißvoltcn Jahres 1848, welches so viele Familien ins Elend stürzte, als die seit dem (im October 185V) verstorbene fromme Königin von Bei,-' deren mildthätiger Sinn allbekannt ist, eines AbendS bei ihren AuSgängen, um nn Äend aufzusuchen und demselben zu steuern, in Begleitung einer ihrer Ehrcndamen jick in eines jener Stadtviertel von Brüssel begab, welche man so recht als die Wohnung des Leidens, der Noth und Entbehrung betrachten konnte. Hier ging sie von Haus zu Haus, in jedem Trost und Unterstützung spendend, von jedem Dank und Segen mitnehmend. In einem der Häuser nun traf sie einen jungen kräftigen Mann mit einem vor der Zeit gealterten Weibe, beide in düsterer Stimmung. Im Ofen brannte kein Feuer, im Schranke fand sich keine Brodkrume. Die Königin, gerührt von so großer Dürftigkeil, fragte nach der Ursache derselben; der Mann antwortete aber nur durch ein paar nicht zurückhaltende Thränen und einen schrecklichen Fluch. Die Königin jedoch ließ sich nicht abschrecken; sie fragte, ja sie bat um nähere Mittheilung, und dieß mit solcher Theilnahme, daß der Unglückliche endlich gestand, er sey ein französischer Rebelle und habe sich, um einer sichern Verurthcilung zu entgehen, nach Belgien geflüchtet; seine Mittel seyen zu Ende und er habe weder Verdienst noch Unterstützung. „Aber", sagte die Königin, „welches Gute hofften Sie denn von der Revolution? Welches Uebel wollten Sie iu Frankreich ausrotten?" Bei diesen Worten brach der junge Mann in eine Fluth von Flüchen und Verwünschungen auS, nur Eine Gnade verlangte er, nämlich die, mit eigener Hand den Tyrannen, daS Ungeheuer von der Erde zu vertilgen — Ludwig Philipp. Man kann sich denken, welch' schmerzlichen Eindruck diese Worte auf die gute Königin, Louise von Orleans, Tochter deS vertriebenen Königs, machen mußten. Indeß, eingedenk der Worte Jesu, daß man selbst seinen Feinden Guteö erweisen müsse, behielt sie ihre Fassung und ließ sich in*nichtS anmerken, wer sie war; nur richtete sie an den Flüchtling die weitern Worte: „Ludwig Philipp muß Ihnen viel BöseS zugefügt haben,, daß Sie solchen Haß gegen ihn hegen; wohlan denn, ich will Ihnen dafür so viel Gutes erweisen als der König Ihnen BöseS gethan haben kann." Und die edle Frau übergab dem Menschen, der keinen höhern Wunsch kannte, als der Mörder ihres Vaters zu werden, 50 Franken nebst dem Versprechen, daß künftighin für seine Bedürfnisse gesorgt werden solle. Man kann sich leicht die Verwunderung deS Rebellen denken; dieselbe steigerte sich aber später zur höchsten Beschämung, als er durch einen Zufall erfuhr, wer seine Wohlthäterin war. In eiliger Hast stürzte er zu ihr und bat um Verzeihung für die schwere Beleidigung; dieselbe ward ihm auch vollständig zu Theil, denn das edle Herz der Königin kannte kein Gefühl der Rache, wohl aber hatte sie die Rettung eines Verirrten bezweckt, und in diesem Gefühle fand sie sich hinreichend belohnt. Todtenschau vom Jahre 18S2. Im Jahre 1852 hat das Cardinalscollegium drei seiner Mitglieder durch den Tod verloren: die Cardinäle Orioli, Castracane und Bernetti. Der kath. Episkopat verlor im genannten Jahre u. A. folgende Mitglieder: Greg. Thom. Ziegler, Bischof von Linz; Nicol. KovacS v. TuSnad, kath. Bischof von Siebenbürgen; Gritti-Morlachi, Bischof von Bergamo; Cornel. van Bommel, Bischof von Lüttich; Devey, Bischof von Belley in Frankreich; Andr. CarrutherS, Bischof von CaramisuS in psrt., apost. Vicar von Ost-Scholtland; Daniel Murray, Erzbischof von Dublin und French, Bischof von Kilmacduagh in Irland; Orley y Labastida, Bischof von Taragona in Spanien; Vilar- dell, auS dem Orden des hl. FranciScuS, Erzbischof von Philippi i. p., apostol. Vicar zu Aleppo und apöst. Delegat vom Berge Libanon; Domin. Castelli, Erzbischof von NaroS und ParoS und Metropolit der Inseln des ägeischen Meeres; Joh. Jos. Chanche, erster Bischof von Natchez in den Vereinigten Staaten; Richard Peter Smith, Erzbischof von Port of Spain auf der Insel Trinidad in Westindien. Verantwortlicher Redacteur: L> Schönchen. Verlags-Jnhaber: F. E. Äremer. Dreizehnter Jahrgang. Sonntags-Beiblatt zur Augsburger PostMung. l»Ä ÄllÄ jiZllA^Ä l^Nt» Z^NUtÄ^^?^ DVtl^ chls Hl)^ ljtiu ,ili^l ln^j lZ. Februar 7. !85?. Diese« Blatt erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der haldjähriqe Ab»nnement«prel» TV kr., wofür e» durch alle könlgl. ba>,er. Pvstämter und alle Buchhandlungen bezogen werden kaun. Fräulein Aloisia Pisani auS dem Institute der englischen Fräulein in Burghanscn in Bayern, an Herrn Hofcaplan Mnller, Geschäftsführer des MissionsvercinS, (Schluß.) Am 16. Oktober verließen wir Alerandrien auf einem kleinen Dampfschiffe, daS unS den Nilcanal hinunter führte. Derselbe ist ziemlich breit und so lang, daß wir auch mit einem Dampfboot von früh acht Uhr bis Abends fünf Uhr zu fahren hatten. Seine Ufer sind Anfangs schön, da die herrliche Dattelpalme sie üppig ziert, später aber werden sie öle und einförmig. WaS besonders die Aufmerksamkeit auf sich zieht, sind die Wohnungen dieser Wilde», die man beinahe mit großen Maul- wurfShügeln vergleichen könnte, auS Koth und Lehm gebildet, vorn mit einem Loch, um hineinzukriechen, ohne Fenster oder andere Ocffnuug. Die Leute selbst sind äußerst schmutzig, von dunkelbrauner Farbe, entweder halb oder ganz unbekleidet, und gewöhnlich sehr lange, hagere Gestalten. Gegen fünf Uhr kamen wir auf deu Nil, ein schöner, majestätischer Strom, breiter als unser deutscher Rhein, doch mit trübe»!, schmutzigem Gewässer. Hier nahm uns ein anderes, größeres Dampfschiff auf. Wir träfe» da auch einige Türkinnen in ihrer sonderbaren Tracht, mit weiten, falligen Beinkleidern, einer reichen Tunika, einem zierlichen Tnrba» oder Diadem, und reich an Perlen und Geschmeiden. Sie saßen den ganzen Tag in einem Zimmer abgeschlossen auf ihrem Divan, nach ihrer gewöhnlichen Weise. Mit einer ander» Fran genieinen Standes machte man aber »icht so viele Complimenle, sondern um sie in Verwahr zu halten, öffnete man auf dem Verdeck ein Loch und ließ die Arme hinunter. Hier mußte sie den ganzen Tag im Finstern bleiben, Mittags und Abends gab man ihr das Esse» hinunter, und schloß wieder deu Deckel ober ihr. O heilige Religion, o Glaube, o Christenthum! wie roh und grausam ist der Mann! wie arm und unglücklich das Weib ohne dich! Die Gegend bietet hier wenig Interessantes, nur hie und da sieht man Felder von Zuckerrohr und einige Getreidarten. Endlich bei der Annäherung von Cairo sieht man in der Ferne die Weltwunder — die berühmten Pyramiden. Es sind drei, nicht ferne von einander, die letzte etwas niederer als die übrigen. Da ich sie aber nicht in der Nähe gesehen habe, kann ich davon nichts weiter erzählen. Cairo hat eben nicht viel Anziehendes, wenigstens in den Stadttheilen, die wir durchfahren haben. ES hat.sehr enge, schmutzige Gassen, schlechte Häuser und noch erbärmlichere Kaufläden. Der europäische Theil sieht wohl etwas besser aus, doch von schönen Gebäu- den habe ich nichts gesehen. Wir fuhren sogleich in daö Kloster der guten Hirtinnen, die unS sehr gastfreundlich aufnahmen. Sie haben hier die Schulen zu versehen, und sind etwa zehn Schwestern, darunter auch eine Deutsche. Auch einen deutschen Priester, einen FranclScaner, haben wir hier getroffen, dem wir unsere Beicht ablegten, waS für Schwester Augusta ein großer Trost war, da sie sich mit der englischen Sprache noch wenig befreundet hat. Am andern Tage fuhr unser hochwürdigster Bischof mit unS in daS hl. HauS, wo, der Tradition nach, die heilige/Familie während ihres Aufenthaltes in Egypten gewohnt hat, und das sich etwa Kne Stunde außerhalb Cairo befindet. ES sind da mehrere alte, fremdartige Gebäude, wir mußten mehrere Höfe und Winkel durchwandern, kamen auch in eine koptische Kirche, die ein zu sonderbares Aussehen hatte, als daß ich sie genau beschreiben könnte, und endlich in die heilige Stätte. Ueber derselben ist durch die fromme Kaiserin Helena eine Kirche erbaut, von der ich aber auch keine treffende Beschreibung geben kann, denn niemals habe ich eine ähnliche gesehen. In der Mitte derselben zieht sich ein hohes Gitter quer durch, innerhalb welchem aus der Seite eine Treppe hinabführt. Durch dasselbe gelangten wir in die eigentliche heil. Wohnung, e6 ist ein kleines enges Gewölbe, nach Art einer Capelle, an beiden Seiten mit niedern Säulen versehen, oben in der Mitte ein großer Altarstein. Hier bat die heilige Jungfrau mit ihrem göttlichen Kinde gewohnt, hier in dieser engen Grotte hat der menschgewordene Gott seine ersten Jahre verlebt, seine ersten Schritte gethan, seine ersten Werke zu unserm Heile verrichtet. Welche Gefühle von Andacht und Ehrfurcht flößt dieser Gedanke einem gläubigen Herzen ein! Von heiligem Schauer durchdrungen knieten wir unS da nieder, und beteten die Litanei zu jener erhabenen Jungfrau und Mutter, die hier so lange Zeit Gottes und ihren Sohn genährt und gepflegt. Leider ist diese Kirche in schismatischen Händen, und den Katholiken nur erlaubt, dort Messe zu lese«. Von da auS fuhren wir auf die Zitadelle, von wo auö man eine schone Aussicht über Cairo und die Umgebung hat. Hier wurde eben eine neue Moschee gebaut. Da sie noch unvollendet ist, durften auch unsere unheiligen Füße sie noch betreten. Schade, daß es kein christlicher Tempel ist, er würde für jede Hauptstadt eine Zierde seyn, so viel Gold und Marmor ist daran verschwendet. Nach 3tägigem Aufenthalte brachen wir endlich wieder auf, um unsere Reise durch die Wüste anzutreten. Abends sieben Uhr stiegen wir beim Fackelscheine in eine Art von Eilwagen, worin sechs Personen gut sitzen können. Da sie aber nur auf zwei große Räder gebaut sind, so ist das Fuhrwerk wirklich Lungen- und Lebererschütternd, und man muß sich wohl hüten, irgendwo anzulehnen, wenn man nicht Beulen davon trugen will. In diesen Reisekästen durchzogen wir also eine Nacht und einen halben Tag die Wüste. Die Reise ging ziemlich schnell, da wir vier Pferde hatten, die alle zwei Stunden gewechselt wurden. Es befinden sich da von Zeit zu Zeit kleine Gasthäuser am Wege, wo man zu Mittag und Abend speist, und besser bedient ist, als eS sich für solche Orte erwarten ließe. Von dieser Wüste kann ich keine andere Beschreibung geben, als daß eS eben eine Wüste ist, ohne Baum, ohne einen Grashalm, nichts als feiner, dürrer Sand, den der Wind einem in die Augen weht, wenn man nur ein wenig die Fenster des Wagens öffnet. Hie und da sahen wir die Ueberreste des CadaverS eines gefallenen KameelS, das hier seinen Tod fand, doch sonst kein lebendes Wesen. Endlich nach langem, ermüdendem Wege kamen wir gegen zwei Uhr in Suez an. Niemals habe ich einen ödern und wüstern Ort gesehen. Keine Pflanze, keinen Baum, kein grünes Gräschen, nur ausgebrannter dürrer Sand überall, und einige Häuser; dazu kein Tropfen genießbaren Wassers, sehr ungesunde Luft und eine sengende Hitze, das alles war wohl nicht geeignet, unsern Aufenthalt hier angenehm zu machen. ES befindet sich da auch keine Kirche und kein Priester, da nur wenige Katholiken sich aufhalten, die vielleicht ein- oder zweimal im Jahre eine heilige Messe von irgend einem durchreisenden Missionär haben. Wir mußten drei Tage hier ver- 51 weilen, auf die Ankunft deS Calcutta-StcamcrS wartend. AbendS gingen wir gewöhn« lich am Ufer deS Meeres spazieren, mit unserm hochwürdigsten Bischof den Rosenkranz beiend. Am letzten Tage zogen wir nach seinem und unserm Wunsche unsere Ordens- kleidung wieder an, da wir bisher in weltlicher Kleidung reisten. Dock da man auf Schiffen gewohnt ist, Klosterfrauen in ihrer Ordenstracht reisen zu sehen, und ihnen viele Achtung beweist, hatten wir unS nicht mehr zu fürchten. Sonntags den 34. am Feste deS hl. Raphael, deS himmlischen ReiscbeschützerS, schifften wir uns gegen Mittag auf einem kleinen Dampfboot ein, das uns zu dem, etwa eine Stunde entfernten, großen, prächtigen Dampfer Prccursor führte. Welck ein majestätischer Anblick, so ein Schiff mit seinen Segeln und Masten, mit den gewaltigen Rädern, die cS wie zwei mächtige Flügel durch den Ocean tragen! — ES wurde eine lange Stiege vom Verdecke herabgelassen, und wir stiegen ein. Unser hochwürdigstcr Bischof führte unS sogleich in unsere Kajüte, ein nettcS Zimmerchen mit vier Betten. Ueberall auf dem Schiffe bemerkten wir die äußerste Reinlichkeit und größte Ordnung. Passagiere waren eS etwa 60 — 70, sowohl Herren als Damen, meistens Protestanten; sie bezeigten unS jedoch viele Achtung und Rücksicht, ja, der Capilän hatte so viele Güte für uns, in die erste Classe n»S aufzunehmen, obwohl wir nur für die zweite bezahlt hatten. Gegen fünf Uhr wurden endlich die Anker gelichtet, und das Schiff setzte sich in Bewegung. Die ersten Tage war die Hitze ziemlich erträglich; den 3. und 4. aber war eS beinahe zum verschmachten. Die Hitze hatte 9t Grade Fahrcnheit erreicht, der Schweiß rann in Strömen, und den ganzen Tag waren wir wie gebadet. Nachts war eS noch ärger. Die Meisten zogen auS ihrer Kajüte, und legten sich im Salon auf Boden, Tisch und Bank unter den herabhängenden Windfang, nur um Luft zu haben; andere schliefen auf dem Verdecke. Und doch war cS jetzt Winter und die kühle Jahreszeit. Diese große Hitze erzeugt aber hier die Enge deS Meeres, daS von beiden Seiten von Wüsten begränzt ist, deren glühender Sand die Hitze verdoppelt. Am siebenten Tage passirten wir die Meerenge Babel Mandet, da eS aber Nacht war, konnten wir das Land nicht sehen. Am folgenden Sonntage, am Vorabende aller Heiligen, kamen wir nach Aden, eine Stadt an der arabischen Küstc. Da hier einige Stunden gehalten wurde, um frische Kohlen aufzuladen, so fuhren wir mit unserm hochwürdigsten Bischöfe ans Land. Beim AuSsteigcn war der nämliche Ncgcrkrieg wie in Alerandrie». Einer wollte vor dem Andern sich mit seinem Kahne herbeidrängen; man mußte sie mit den Füßen zurückstoßen. In jedem Kahne sind vier bis sechs dieser Wilden, wenn sie einen dann ans Ufer fahren, so geht das Rudern nach dem Tacte, und Alle singen oder schreien zusammen eine gewisse Formel, die sie stets wiederholen nach Art einer Litanei. Aden ist ein zweites Suez, nur gebirgiger. Hohe, schwarze Felsen umgränzen daS Meer, und der dürre, ausgebrannte Boden zeigt keine Vegetation. Am Ufer sind einige Köhlerhütten und ein Gasthaus; weiter zwei Stunden davon die eigentliche Stadt Aden. Da eben Sonntag war, wollte der hochwürdigste Bischof die heilige Messe daselbst lesen. Nachdem er um die nöthigen Meßgcräthe in die Stadt geschickt hatte, brachte dieselben ei» Missionär, mit dessen Hilfe in einem kleinen Zimmcrchen deS Gasthauses auf eiucm Tische ein Alter errichtet wurde, dessen ganze Zierde daS Crucifix war. Hier hatten wir das Glück Zeuge zu seyn von der unendlichen Liebe und Verdemüthigung unsers GotteS, der da unsertwegen herabstieg in diese Wohnung deS Götzendienstes. Mit welchen Gefühlen ich dieser heiligen Messe beiwohnte, kann ich nicht sagen. Ich hätte von Herzen weinen können, so ergreifend und rührend kam mir dieser Anblick vor. Hier kamen mir die Worte jenes frommen Liedes recht zu Sinne: „Herr der Armuth, Herr der Demuth! sieh mich an in meiner Wehmuth, an der Hoffart böser Klippe laß mich nicht zu Grunde gehen." Am ll. Morgens früh sahen wir in der Ferne Ceylon vor unS liegen. Schon einige Stunden weit davon wehte unS die frische Morgenluft die köstlichen Wohlgerüche von Zimmet und Gewürz entgegen, an denen diese Insel so reich ist. Je näher man ihr kommt, desto schöner wird ihr Anblick. Von einer langen Reihe 5» von blauen Bergen durchzogen, an den Ufern mit Palm- und Orangen-Wäldern begränzt, die sich an den Hügeln hinaufziehen, bietet sie den Anblick eines blühenden, immergrüne» GartcnS. Niemals habe ich etwas malerischeres gesehen, als diesen Hafen, an dessen Spitze der Leuchtlhurm auf hohen Felsen steht, von scharfen- Klippen umgeben, an denen sich die Brandung bricht, die Wogen hoch zu ihm hinaus schleudernd, und in Schaum zerfließend, wie in ohnmächtiger Wuth zürnend über seine Festigkeit. Gibt eS wohl ein schöneres Bild der Kirche und ihrer Feinde! An diesem Hafen liegt Gall, ein hübsches Dörfchen, dessen Häuser zwischen den Palmen und Cypressen freundlich herausschauen. Auf einem Hügel außerhalb des OrteS steht von Bäumen beschattet daS katholische Kirchlein, da der Ort doch ein paar hundert Katholiken zählt. Als cS dunkel zu weiden anfing, schimmerte allmälig ein Lichtchen nach dem andern aus dem dichten WaldcSgürtel, und umgab uns wie ein Kranz von flimmernden Stcrnlein. Dazu der heiterste Himmel, und so frische, duftige Abendluft, in die daS Brausen der brandenden Wogen von Ferne herübertönte, daß eS mir schien, cS müsse die Sage wahr seyn, daß hier daS irdische Paradies einst gestanden habe. Leider stiege» wir hier nicht anS Land, da unser hochwürdigster Bischof und Bater krank und leidend war in Folge eines Unfalls, der unS in große Bestürzung versetzte. Freitags den 5. November fiel er nämlich die Stiege hinabgehend in ein unten geöffnetes Loch, das in ein Gewölbe hinabführt, wo daS Gepäck aufbewahrt wird. Unglücklicher Weise stieß er dabei gegen die Brust und brach sich eine Rippe. Er wurde sogleich zu Bette gebracht, und litt große Schmerzen. Der SchiffSarzt, der ihn behandelte, gab unS die trübe Aussicht, daß er vor zehn bis vierzehn Tagen das Bett nicht werde verlassen könne». Wir wiche» nicht mehr von seinem Lager, Eine die Andere abwechselnd, ihm frische Luft zuwehend, da die Hitze in der engen Kajüte beinahe erstickend war, und all die kleinen Dienste ihm erweisend, die in unsern Kräften standen. Hier hatten wir täglich Gelegenheit, seine uuerschütterliche Geduld und gründliche Frömmigkeit kennen zu lerne«. Kaum hatte der Arzt den Schaden verbunden, so war sein Erstes, daß er sein Brevier betete, obwohl er sich kaum rühren, noch athmen konnte, ohne den heftigsten Schmerz. Niemals hörten wir eine Klage, niemals auch nur einen ungeduldigen Wunsch. Wenn wir unser Mitleid auSsprache», wies er gewöhnlich auf daS Crucifir und sagte: WaS ist das im Vergleiche mit uuserm Herrn? Dieß ist noch lange kein Fegfeuer, — lieber hier als dort! — Er war immer gleich heiter lind ruhig; täglich betete er mit unS die gewöhnlichen Gebete und den Rosenkranz, wie sonst. Auf seine» Wunsch hielten wir eine dreitägige Andacht zum heil. LavcriuS, und siehe da! zu unserer großen Freude und zur Verwunderung Aller konnte er schon am siebenten Tage außer dem Bette seyn. Seitdem besserte eS sich schnell, so daß er jetzt wenig mehr von diesem Uebel spürt. Da wir nicht a»S Land gingen, so kamen mehrere Neger zu uns an Bord, die den Bischof, oder wie sie sagten, den Priester und die Priesterinnc» sehen wollten. Sie brachten Früchte, Mccrmuschcln nnd sehr künstlich gearbeitete Schnitzwaren, Schatullen lc. die sie sich aber theuer genug bezahlen ließe». Wir gaben ihnen einige Rosenkränze, Bilder und Kreuzlein, mit denen sie große Freude hatten. Am 15. November erreichten wir Madras, die erste indische Stadt. Schon von Ferne sieht man eine lange Reihe niederer Gebirge, und die weißen, felsigen Ufer. Näher kommend breitet sich die große, schöne Stadt, mit etwa 200,000 Einwohnern vor den Blicken auS. Da sie aber keinen eigentlichen Hafen hat, und die Brandung an der Küste sehr heftig ist, so ist daS Lande» hier wirklich ein Wagestück und man braucht Muth sich dazu zu entschließen. Sobald das Schiff Halt gemacht hatte, kamen eine Menge Boote vom Ufer, von Indianern geleitet, um die Passagiere ans Land zu bringen. Doch die Gewalt der Strömung ist so heftig und daS Meer so unruhig, daß eS etwas sehr Schwieriges ist, vom Schiffe in dieselben zu gelangen. Man muß da gerade den rechten Augenblick erhäschen, einen Moment später, und der Kahn prallt wieder zurück, und der Hineinspringende liegt im Wasser. Das Anlanden selbst ist noch unangenehmer. Man wird da von der Gewalt der Wogen '^.-.'^ IllWWllllllllM 53 gleichsam anS Land geworfen, und oft über und über mit Wasser begossen. Deßhalb wollte »nser hochwürdigster Bischof auch nicht, daß «ir die Stadt besuchten. Noch ehe wir den Landungsplatz erreichten. sahen wir eine Menge Indianer zum Fischfange ausziehen. Nichts sonderbarer als vieser Anblick. Von Ferne glaubt man lauter schwarze Negerköpfe aus dem Wasser schwimmen ,u sehen, denn gewöhnlich sieht man davon nichts als den Kopf, da die Wellen sie beständig auf und nieder tauchen. Sie stehen nur auf einer Art Balken, ten sie mit einem kleinen Ruder lenken, und eS ist zu verwundern, wie sie sich bei der so heftigen Bewegung im Gleichgewichte erhalten können, ohne von den über sie hinweg rollenden Fluchen hinweggcspült zu werden. Gewöhnlich sind sie ganz ohne Kleidung; nur auf dem Kopfe haben sie eine spitzige Strohkappe, in denen sie auch die Briefe, Zeitungen zc. tragen, die sie an Bord bringen wollen. Am Ufer sieht man große, schöne Gebäude und mehrere Kirchen; weiter entfernt auf eine», Hügel die Kirche deS heiligen Apostels ThomaS, die über seinem Grabe erbaut ist. Leider ist aber auch diese in schismatischen Händen. Hier hat auch der große heilige XaveriuS eine Nacht durch gebetet und vom Teufel Verfolgung gelitten. ES macht mir immer Freude, wenn ich daran denke, daß über diese Meere ein heiliger Franz Xaver auch einst gesegelt, daß gerade von da auS seine Gebete zum Himmel gestiegen sind. Nachdem mit der Kanone vom Schiffe auS das Zeichen zur Abfahrt gegeben wurde, wurden die Anker gelichtet, und unserer letzten Station, Calcutta, entgegengesteuert. Freitags den 19. gegen vier Uhr Morgens lief das Schiff in die Mündung des Ganges ein. Schon ein paar Stunden vorher kam der Pilot an Bord deS SckiffeS, daS ist ein eigens dazu bestimmter und wohlerfahrener Steuermann, der das Schiff auf seiner Fahrt auf dem Ganges zu leiten hat. Da der Grund dieses Stromes nur leichter Sand ist, so ist die Fahrt auf demselben für große Schiffe gefährlich, weil die Gewalt deS Wassers den Sand bald da bald dorthin führt, Sandbänke und Untiefen bildet, und beständig die Lage derselben verändert. Deßhalb waren immer ein oder zwei Männer beschäftigt, an beiden Seiten fortwährend daS Senkblei zu werfen, um die Tiefe zu messen. Wir waren schon ziemlich voran gekommen, als ich gegen acht Uhr aufs Verdeck kam, um die Ufer zu betrachteu. Doch da lag noch immer Himmel und Wasser vor mir; vom Ufer konnte daS Auge keine Spur erreichen. Hätte nicht die Farbe deS Wassers mich überzeugt, daß ich wirklich auf einem Strome sey, ich hätte ihn sür ein zweites Meer gehalten. Erst später gegen Abend verengte er sich mehr, und ließ uns die schönen, grünen Ufer, auf denen die Heerden weideten, und hie und da eine Hütte unter den Palmen unter- scheive». Endlich gegen sieben Uhr wurde der Anker vor Calcutta geworfen. Mit freudigem, dankbarem Herzen stimmten wir mit unserm hochwürdigstcu Bischof ein Te Deum an. Glücklich über alle Erwartung hat uns der Herr über Meere und Wüsten geleitet. Kein Sturm hat den ruhigen Spiegel deS MeereS getrübt, keine Gewitterwolke den blauen Himmel umzogen, kein Unglück unS getroffen auf der ganzen, langen Reise. Und über all daS hat er unS, als die Schooßkinder seiner Vorsehung unter die Obhut eines Bischofs gestellt, der für unS Sorge trug, wie kaum ein Vater sie getragen hätte. ES ist mir unmöglich, all die Güte, Aufmerksamkeit und Sorgfalt zu beschreiben, die unser bischöflicher Vater auf dieser Reise bei jeder Gelegenheit u»S bewicS; er vergaß sich selbst in der Sorge für u»S. Hier in Calcutta, wo er unS in dem Hause eines seiner Freunde unterbrachte, da man in dem Kloster der Unsrigcn keinen Platz für uns fand, erwies er unS die große Gnade, täglich in unserm Zimmer die heilige Messe zu lesen. Ich käme an kein Ende, wenn ich die Beispiele seiner Güte und Väterlichkeit aufzählen wollte. Gott weiß, wie viel wir seiner Huld und Gnade schulden, Er allein kann ihm genügend lohnen. Ich empfehle ihn indessen dem Gebete der Mission. Er hat wohl eine schwere Last, eine große Bürde auf seinen Schultern, denn eine Diöcese in Indien ist etwas anders, als eine in Europa. Von der Lage deS Katholicismus, von den Hinder- und Beschwernissen, von den Gewohnheiten des Landes und all dem übrigen Merkwürdigen 54 und ErzählenSMrthen will ich Ihnen in meinem nächsten Briefe mittheilen. Für dießmal muß ich schließen. Morgen werden wir unsere Reise nach Chittagong antrete», wo vor der Hand unser Aufenthalt seyn wird. ES ist dort auch ein HauS der Schwester» von Loretto (uuter diesem Namen ist unser Institut in Indien, Amerika und England bekannt), doch sind dort nur drei Schwestern, die daher nothwendig Hilfe bedürfen. Chittagong wird Ihnen vielleicht unbekannt seyn, doch werden Sie eS unter dem Namen Islamabad auf jeder Karte finden. Jch>s>age Ihnen nun nochmals ein herzliches Lebewohl, auch im Namen meiner lieben Schwestern. Ich weiß, daß Sie nun unsertwegen beruhigt sind, da Sie uns glücklich angekommen und in guten Händen wissen. Möge der liebe Gott Ihnen all die Sorgfalt und Güte, die Euer.Hochwürdcn unS so väterlich bewiese«, tausendfach belohnen. Niemals werden wir sie vergessen, niemals unterlassen für Euer Hochwürden zu beten um den reichsten Segen des Himmels. Und wie sollte er Ihnen nicht werden, da Sie vom Aufgauge bis zum Niedergange Kinder haben, die für ihren guten MissionSvatcr zum Himmel flehen. Ich sende hier auch unsere Grüße nach Burghauseu und Allöiting. Möge» die lieben Schwester» für uuS beten, wie auch wir eS für sie thu». Zum Schlüsse empfehle ich mich und meine Gefährtincn auch Ihre», fromme» Andenken, hochwürdigcr Herr Hofcaplan! Erflehen Sie u»S Kraft, Gesundheit und den Segen des Himmels, daß wir zur Ehre GotteS und zum Heile der Seelen recht Vieles wirken mögen. Mit ausgezeichneter Hochachtung und Verehrung :c. Fr. Maria Aloisia Pisani, I. St. M. Musikalische Träume. ES gibt Dinge auf der Welt, die etwas Ueberirdisches an sich zu haben unb eben sowohl eine Erinnerung an das verlorene Paradies, als eine Mahnung an den Himmel zu seyn scheinen. Solch' ein Ding ist anch die Musik. Wie rein ist nicht ein mlisikaiischcr Genuß, verglichen mit andern irdische» Genüsse»? Und wer weiß nicht, daß die Musik eine Sprache zum menschliche» Herzen ist, die unter allen Zonen gleich verstanden wird? So gewiß die Musik eine der ältesten Künste ist, so gewiß ist sie auch religiöse» Ursprungs, und sie kann diesen Ursprung nicht vcrläugncn. Gleich der Rcli- sgjM zieht die Musik dc» Menschen von dem Gemeinen ab, verfeinert seine Sitten, veredelt sein Gemüth und erschließt dem sehnsüchtigen Herzen eine höhere harmonische Wcltordnnng; beide üben eine unwiderstehliche Kraft auf deu Menschen. So erzählt man z. B. von dem allbekannten afrikanischen Negcrapostcl, 1)r. Knoblcchcr, daß er einst, auf dem Nilflussc abwärts schiffend, in großer Gefahr war, von den Wilden gefangen und getödtcl zu werde». Er ließ daS Schiff landen »nd spielte den Wilden Einiges a»f einer Ziehharmonika vor, und siehe — er und sie waren gerettet; auf demselben Flecke steht nun eine christliche Capelle. Und waS von Heide» gilt, gilt in mancher Hinsicht auch von Christen. Wer weiß nicht, daß viele Protestanten in der.Sirtinischcn Capelle zu Rom, wo die religiöse Musik in ihrer reinsten Blüthe sich cntfaltet, katholisch geworden sind? Darum darf eS Niemand wundern, wenn die Musik schon in den erste» Zeite» deS ^Christenthums beim Gottesdienste angetroffen und stets mehr und mehr der heiligen Kirche dienstbar gesunden wird. Der fromme Ausdruck der Gefühle wurde zum Gesänge, u»v der Zusammenklang der gläubigen Gemüthsstimmung in der Gemuude wurde zur heiligen Harmoniemusik. Am schönsten zeigt sich dieß im kirchlichen Cho- rale und in den majestätischen Orgelklängen. Aber auch im gewöhnlichen Heben änßert die Musik eine wohlthuende Wirksamkeit. Wie Vielen ist sie eine Erholung, Erheiterung und Erhebung über die Kleinlichkeiten deS AltagSlebenö; wie Vielen bringt sie neue Kraft, ja neue Gedanken; 55 wie Vielen verschafft sie Trost in den mancherlei trüben Stunden dieses Lebens! Man will wissen, daß bei Menschen, denen der Sinn für Musik abgeht, eine gewisse kalte Einseitigkeit im GemüthSlebcn angetroffen werde. Wir wollen diese Ansicht nicht bestreiken; aber das ist sicher, daß sie eines unersetzbaren Mittels entbehren, sich mit den unausweichlichen und unvermeidlichen Disharmonien ans dieser Welt in Einklang und Versöhnung zu bringen. In allen Dingen gibt eS Ausartungen und Extreme, also auch m der Musik. ES gibt eine geistliche und weltliche Musik, so wie eS ein geistliches und weltliche» Leben gibt. Ihr gegenseitiges Verhältniß ist hinlänglich in diesen Worten gezeichnet: Geistliche Musik schickt sich nicht fürs Theater, und weltliche Musik gehört nicht in die Kirche. Sentimentale Musik ist für kirchliche Zwecke eben so unbrauchbar und sade, als lärmende und polternde unausstehlich ist. WaS soll eine Solopurthie auS „Fra Diavolo" als Unterlage sür daS ,M in osrnatus est«? DaS Geistlose kann nie schön seyn. Wo die Musik in der Kirche von Stümpern gemaßregelt wird, da unterbleibt sie besser. Ein einfacher NolkSgesang ist Gott gewiß angenehmer und für die Gemeinde erbauender, als ein mißlungenes und mißhandeltes Figural-Hochamt. Man kann sich aus der Kirche nicht so wie auS dem Theater entfernen, wenn man ob der Musik Langweile und Leere empfindet. Weil im Himmel alle Disharmonien aufhören, so muß dort ganz eigentlich auch daS Vaterland der Musik seyn. Und so steht eS auch in der heiligen Schrift. Von den Engeln ist eS bekannt, daß sie dem dreieinigen Gotte ein unaufhörliches «heilig, heilig, heilig" zujubeln, und von den unschuldigen Seelen versichert uns der heilige Johannes, daß sie einst ein Lied singen werden, daS die andern nicht singen können. Und wo der Himmel in nähere Verbindung mit der Erde tritt, da erklingen die heiligen Musiktöne. So in der Nacht, wo Christus geboren ward, indem die Engel in den Lüften daS „Lloris in exoslsis" sangen; so spricht der heilige Bernard von den sieben Worten des Erlösers am Kreuze als von sieben wohlklingenden Saiten auf der Cither deS KreuzholzeS. Daraus erklärt eS sich auch, wie heilige Seelen gleichsam in der Vorahnung des HimmelöglückeS diese himmlischen Harmonien noch in dem DießseitS vernehmen können. Natürlich! So wie das Abbild dem Urbilde näher kommt, müssen die Dissonanzen dieses Lebens sich in Concordanz verwandeln, und je freier die Seele von irdischen Schlacken wird, desto geeigneter ist sie, in Jubel und Lust miteinzustimmen, in den Jubel deS Himmels. DaS ist der Heiligen Schwanengesang! Auch die Natur hat ihre Musik. In unbekannten Weisen klingen z. B. die Töne der AeolSharfe. Es ist dieß daS Seufzen und Sehnen der Natur nach Erlösung, wie eS der heil. Paulus nennt (Römerbrief 8, 22). Je heiliger und erlöster (wenn man so sagen dars) der Mensch ist, desto mehr versteht er diese Musik, und desto mehr participirt gleichsam die Natur an seiner Erlösung. Nur Ein Beispiel. Zur hl. Rosa von Lima kam mit Untergang der Sonne ein kleines Vögelchen mit wunderlieblicher Stimme an ihr Zimmer hingeflogen, und setzte sich auf einen nahen Baum, dort gleichsam daS Zeichen zur AnHebung deS Gesanges erwartend. Rosa rüstete sich, das Lob GotteS zu beginnen und forderte das Vögelchen im eigenen Liede, das sie dafür gedichtet, zum Wetlgesang heraus: „Heb' an, o liebe Nachtigall, Singe süße Liedesweise! Schmettre hohen Sang aus voller Kehle, Damit wir den Herrn loben allzumal. , """"" - ' ' *) Mit weiser Klugheit dringt daher Vater Kolping aus die Pflege des Gesanges in den von ihm gegründeten Gesellenvereinen, 56 Du sollst deinen Schöpfer preisen, Ich den Heiland voll Erbarmen, Unsern Gott wir beide insgesammt. Thu' auf die Kehle sangeSvoll, Damit im muntern Wechselliede Unsere Töne lieblich sich begegnen." Und sogleich begann daS Nögelchen mit linder, leiser Stimme seinen Schlag, schwang sich dann höher und immer höher, wirbelte darauf eine Zeit lang schwebend auf der Höhe der Töne, und ließ dann, selbst schweigend, die Jungfrau an die Reihe kommen. So wechselten sie in der heil. Fastenzeit stets bis sechs Uhr Abends. Zum Contraste eine andere Geschichte, die sich erst vor einigen Monaten zugetragen hat. Die gefeierte Sängerin Sontag (Gräfin Rossi) produzirtc sich auf ihrer Kunstreise in Amerika unter Anderm auch in der Stadt Boston in einem Privatconzerte vor etwa 40l) puritanische» Geistlichen und Pastoren aller Secten. Alle waren voll Entzücken und einig in ihrem Lobe; ja einer der Pastoren that den AuSspruch: „Wahrlich, die Musik ist daö einzige und letzte Mittel, die verschiedenen ReligionSsecten zu einigen," und ertheilte der Sängerin seinen väterlichen Segen. — Sonderbar, aber dock nicht ganz ohne Wahrheit! Genug, wenn die vielen Secten einmal die Sehnsucht nach einer Einigung und Harmonie fühlen und die Möglichkeit derselben erkennen. DaS Uebiige wird der Herr machen, daß Alle in Liebe und Eintracht den Pastoraltönen des Einen Hirten lauschen, km!,, iiat! (Oest. VolkSsr.) Kaiser Ferdinands Nachtgebet. Darnieder liegt der güt'ge Ferdinand; Die Krankheit hält Ihn an das Bett gebannt; Ein stechend Schmerz hält Tag und Nacht Ihn wach Und macht den frommen Dulder matt und schwach. Der Priester an des Kranken Seite steht, Sie beten jetzt vereint das Nachtgebet. Im Krankenzimmer kniet die Kaiserin Und blicket kummervoll zum Kaiser hin. Sie fleht Ihn ganz erschöpft und schwach und matt, Und gibt dem Priester liebevoll den Rath: Doch abzubrechen mit dem Nachtgebet, Da schon so sehr die Schwäche Ihn umweht. Der Kaiser jetzt noch ein Gebet begehrt, Sein tägliches, das Ihm gar lieb und werth: „Zch will, daß noch mir vorgebetct wird Zur unsern Herrn," ruft Er, „der jetzt regiert!" Und nun im heißen, innigen Gebet Der kranke Oheim für den Neffen fleht. Er kennt die Last, die auf dem Theuren ruht! Darum des frommen Dulders AndachtSgluth. Nicht blos für Ihn hebt Er zu Gott den Blick; Er flehet auch für Seiner Völker Glück- O, ahm Ihn nach, du theures Vaterland! Bet' für den Kaiser, bet' für Ferdinand! Christl. Feierabend. Verautwoitlichi'l Redacteur: L, Schönchen Üerlags-Juhaber: F E, Kremer. 8S Dreizehnter Jahrgang. Sonntags-Beiblatt Iisttu uz .louvlg n«/> uz li^Ittlriij^ l'.a M!,^ Ntk ni»u»i.G II^U Augsburger PostMung. ,iail»U»ip „m, lu MMti^ZiMMM^M??' Slt<fti«» «» »«>»?><-< «NUv Sst. Februar M 8. l853. iii-i. ^ ____ Diese» Blatt erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der halbjährige Abonuementspre!« kr., wofür e« durch alle kovigl. bayer. Postämter vud all« Buchhandlungen bezogen werden kann. Brief des Grafen Joseph de Maistre an eine protestantische Dame über den Grundsatz, daß ein redlicher Mann niemals seine Religion wechselt. '5".?' '.'.''^ - St. PetnS»uxg, d»a S,^ec. 180». Gnädige Frau! Sie verlangen meine Meinung über den so gangbaren Grundsatz, daß ein redlicher Mann nie seine Religion wechselt. Stets werden Sie, gnädige Frau, zu einer unbegränzten Willfährigkeit gegen Sie mich bereit finden, und ich beeile mich um so mehr, im vorliegenden Falle Ihnen Folge zu leisten, als, wenn ich mich nicht täusche, es allein das Trugbild der Ehre ist, welches Sie von der Wahrheit trennt. Deßhalb ist eS um so nöthiger, dessen baldige Nerscheuchung zu bewirken. Ich würde mich mit Ihnen freilich lieber mündlich unterhalten; aber die Vorsehung gestattet eS nicht. Da wir für sehr lange Zeit, vielleicht für immer, getrennt sind, schreibe ich Ihnen, und ich habe die gewisse Hoffnung, daß auf einen so gebildeten Geist, wie der Ihrige, dieser Brief ganz die Einwirkung haben wird, welche ich davon erwarte. ES kann keine wichtigere Frage geben; denn wenn kein Mensch seine Religion wechseln soll, so ist überhaupt von Religion nicht mehr die Rede. ES ist unnütz und sogar lächerlich, zu erforschen, auf welcher Seite sich die Wahrheil befindet. Jeder hat Recht oder Jeder hat Unrecht, ganz nach Belieben: eS handelt sich dann um eine bloße Polizeimaaßregel, deren Betrachtung wahrlich nicht der Mühe werth ist. Aber, ich bitte Sie, erwägen Sie folgende Alternative: wenn jeder Mensch verbunden wäre, in seiner Religion zu verharren, von welcher Beschaffenheit sie auch sey, so folgt nothwendig daraus, daß entweder alle Religionen wahr, oder daß alle Religionen falsch sind. Nun, von diesen beiden Voraussetzungen kann die eine nur aus dem Munde eines Wahnsinnigen hervorgehen, und die andere auS dem eines FrevIerS. Ich bin deßhalb entbunden, mit einer Person, wie Sie, die Frage sowohl in Hinsicht auf die eine oder die andere der beiden Boraussetzungen zu prüfen, und ich kann mich auf eine dritte beschränken, nämlich auf diejenige, welche eine wahre Religion zuläßt und alle übrigen als falsche verwirst. Ich fühle mich hierzu um so mehr verpflichtet, da von dieser Voraussetzung gerade die Behauptung ausgeht, daß Jeder in seiner Religion verbleiben müsse. Man sagt in der That: der Katholik behauptet, daß er Recht habe, der Grieche behauptet, daß er Recht habe, der Protestant behauptet, daß er Recht habe: wer soll unter ihnen der Richter seyn? Meine Antwort wäre sehr einfach, wenn das der Gegenstand der Frage wäre. Ich würde sagen: Gott wird prüfen, ob der Mensch 68 .y»»s,p7(!v^ nw^kinE nicht selbst getäuscht ist; ob er die Frage mit aller Aufmerksamkeit, deren er fähig ist, erwogen hat und ob er hauptsächlich sich durch den Stolz nicht hat verblenden lassen; denn für den Stolz gibt eS keine Gnade. Aber hierum handelt eS sich in der That nicht; man verrückt den Standpunct der Frage, um sie zu verwirren. Es handelt sich keineswegs darum, waS ein Mensch, der im guten Glauben auf dem Wege der Wahrheit zu seyn glaubt, zu erwarten hat, wenn er sich in Wirklichkeit auf dem deö Irrthums befindet; noch einmal, Gott wird ihn richten, und eS ist höchst sonderbar, daß wir so große Furcht haben, Gott wisse nicht aller Welt gerecht zu werden. ES handelt sich darum, und nur einzig allein darum, zu wissen, was dem Menschen obliege, der zu irgend einer Religion sich bekennt, und die Wahrheit an einem andern Orte erblickt. Dieß ist die Frage, und es ist weder vernünftig noch ehrlich, sie umzuwandeln, um eine ganz gleichgiltige zu prüfen, da wir alle darüber einig sind, daß ein Mensch, der seine Religion ohne Ueberzeugung ändert, ein Feigling, ja selbst ein Schurke ist. Dieß angenommen, wer würde so vermessen seyn, zu behaupten , daß der Mensch, dem sich die Wahrheit offenbart, dieselbe hartnäckig von sich weisen soll? ES gibt nichts ' so furchtbares als die Herrschaft eines falschen Grundsatzes, welche auf einem unS liebgewordenen Vorurtheil sich befestigt hat; mittelst der mündlichen Verbreitung wird er eine Art Orakel, welches sich die besten Geister unterwirft. Zu dieser Zahl gehört derjenige, welchen ich in diesem Augenblick prüfe: er ist daS Kissen, welches der Irrthum erfunden hat zur Ruhe des KopfeS und zum bequemen Schlaf. Die Wahrheit ist, was man auch immer sagen mag, nicht so schwer erkennbar. Jeder ist ohne Zweifel vermögend „Nein" zu sagen, aber daS Gewissen ist unfehlbar und sein Stachel läßt sich wever entfernen, noch abstumpfen. WaS thut man also, um sich bequem einzurichten, und um zugleich der Trägheit zu genügen, die nicht prüfen will, und dem Stolze, der nicht widerrufen will? Man erfindet den Grundsatz, daß kein Ehrenmann seine Religion ändern dürfe, und hiermit beruhigt man sich, ohne bemerken zu wollen, waS doch so einleuchtend als möglich ist, daß diese schöne Redensart zugleich widersinnig und gotteslästerlich ist. Eine Abgeschmacktheit! denn kann man sich wohl etwas Ungereimteres, der Natur eines vernünftigen Wesens Widersprechenderes denken, als das bestimmte und im Voraus abgelegte Glaubensbekenntniß, die Wahrheit zurückzuweisen, wenn sie fich darbietet? Man würde denjenigen ins Irrenhaus schicken, welcher eine solche Verpflichtung in Bezug auf menschliches Wissen einginge; aber mit welchem Namen soll man denjenigen bezeichnen, der sie in Rücksicht auf die göttlichen Wahrheiten eingeht? Welch eine Gotteslästerung! denn eS ist buchstäblich ganz dasselbe, als wenn man ausdrücklich zu Gott sagte: „Ich lache über daS, was du sagst; offenbare so viel, als du willst: ich bin als Jude, Mohamedaner, Götzendiener u. f. w. geboren, ich will es bleiben. Meine Richtschnur in diesem Puncte ist der Breiten- und Längengrad. Magst du auch immer daS Gegentheil befohlen haben, mich kümmert eS wenig." i.'i nvitzilz^ Sie lachen, gnädige Frau! es ist hierbei weder Uebertreibung noch rhetorische Figur, es ist die reine Wahrheit; urtheilen Sie darüber mit ruhiger Ueberlegung. In Wahrheit, eS handelt sich hier um ein nichtiges Ehrgefühl und eine Verblendung des Stolzes in einer Angelegenheit, welche daS Gewissen und daS Seelenheil betrifft. Ich bleibe aber hierbei nicht stehen, ich mache mich anheischig zu beweisen, daß selbst die Ehre, wie wir sie in der Welt auffassen, sich keineswegs einem Religionswechsel entgegenstellt. Zu diesem Zweck müssen wir auf den Ursprung zurückgehen. ES sind jetzt achtzehnhundert Jahre, seit eS in der Welt eine katholische Kirche gibt, die immer geglaubt hat, was sie jetzt glaubt. Ihre Gelehrten werden Ihnen gesagt haben, daß wir Neuerungen eingeführt; achten Sie aber darauf, daß, wenn wir wirklich Neuerungen eingeführt hätten, es jedenfalls befremden muß, wie vieler ch1»,M 151 ^klZ(lilItvst . Iinii-^ll zti»I °NN?1 Hl >?lI^k1lliX> ^^««^^ !ivt>Iitt?kls/j lchui - dicker Bücher, die übrigens vollständig Seitens unserer Schriftsteller widerlegt sind, eS zur Beweisführung bedürfte. O mein Gott! Um zu beweisen, daß Sie Protestanten, die Sie erst seit gestern cristircn, wetterwendisch find, bedarf er nicht solcher Anstrengungen. Eines der besten Bücher eines unserer größten Männer enthält die Geschichte Ihrer Unbeständigkeit. Die Glaubensbekenntnisse folgten aufeinander, wie die Blätter auf den Bäumen einander folgen, und heute würde man in Deutschland gesteinigt werden, wenn man behaupten wollte, daß die AugSburger Konfession, die doch daS Evangelium des ikten Jahrhunderts war, die Gewissen verpflichte. Doch lassen Sie unS allen Schwierigkeiten entgegengehen, und mit der allen Schismen, die heute die Welt theilen, vorhergehenden Epoche beginnen. Im Anfange deS Men Jahrhunderts gab eS in Europa nur Einen Glauben. Betrachten Sie diesen Glauben als eine Vereinigung der positiven Dogmen. Die Einheit Gottes, die Menschwerdung, die Dreieinigkeit, die wirkliche Gegenwart; und um die Sache noch klarer zu machen, wollen wir annehmen, daß es fünfzig solcher positiven Dogmen gebe. Alle Christen glaubten also zu jener Zeit fünfzig Dogmen. AIS die griechische Kirche die Ausströmung deS heiligen Geistes vom Sohne und die Suprematie des Papstes läugnete, hatte sie nur noch acht und vierzig Glaubenspuncte, und Sie sehen daraus, daß wir immer das glauben, was sie glaubt, wenn gleich sie zwei Dinge läugnet, die wir glauben. Ihre Secten deS ißten Jahrhunderts gingen weiter und läugneten noch mehrere andere Dogmen; aber diejenigen, welche sie beibehielten, haben wir mit ihnen gemein. Mit einem Worte, die katholische Religion glaubt alles, waS die Secten glauben; dieser Punct ist unbestreitbar. Diese Secten, wie sie auch immer beschaffen seyn mögen, sind also keine Religionen; sie sind Negationen, d. h. nichts durch sich selbst; denn sobald sie bejahen, find sie katholisch. ES folgt hieraus bis zur größten Evidenz, daß der Katholik, der zu einer Secte übertritt, in Wahrheit apostasirt, weil er seinen Glauben wechselt, und das heute läugnet, waS er gestern noch glaubte, wahrend der Sectirer, der in die Kirche zurückkehrt, im Gegentheile keinem Dogma entsagt, uud nichts läugnet von dem, waS er glaubte. Er glaubt im Gegentheil daS, waS er läugnete, und dieß ist ein großer Unterschied. In allen Wissenschaften ist es ehrenvoll Entdeckungen zu machen, und Wahrheiten kennen zu lernen, die unbekannt waren. Sollte sonderbarer Weise die Wissenschaft her Religion, die dem Menschen allein zu wissen nöthig, hievon eine Ausnahme machen? Der Mohamedaner, der Christ wird, geht von einer positiven Religion zur andern über. ES kann also seinem Stolze Ueberwindung kosten, positiven Dogmen zu entsagen, und zu bekennen, daß derselbe Mahomet, den er als einen von Gott gesendeten Propheten betrachtete, doch nur ein Betrüger sey. Ganz anders verhält eS sich mit dem, der von einer christlichen Secte zur Mutterkirche zurückkehrt. Man verlangt von ihm nicht, einem Dogma zu entsagen, sondern bloß einzugestehen, daß eS außer den Dogmen, die er glaubt und die wir glauben, noch andere gibt, die ihm unbekannt waren, nichtsdestoweniger aber doch wahr sind. Jeder verständige Mensch muß den ungeheuren Unterschied zwischen diesen beiden Voraussetzungen wahrnehmen. Nun bitte ich Sie, Ihren Geist folgender Betrachtung zuzuwenden, die wohl der Aufmerksamkeit werth ist. Warum ist der Grundsatz, daß man nie seine Religion wechseln darf, bei uns wie eine furchtbare Gotteslästerung verdammt? Und warum ist dieser Grundsatz wie ein EhrenauSspruch bei allen getrennten Brüdern geheiligt? Ich überlasse Ihnen die Sorge hierauf zu antworten. Dieß ist eS, waS ich Ihnen über diese gewichtige Frage zu sagen hatte. Ich bediene mich, wie Sie sehen, weder deS Lateinischen noch deS Griechischen; ich appellire nur an den gesunden Menschenverstand, welcher so laut spricht, daß ihm zu widerstehen unmöglich ist. Wenn Sie hierüber nur wenig nachdenken, so können Sie «o nicht zweifelhaft seyn, daß der Katholik, der zu einer Sccte übertritt, nothwendig ein verächtlicher Mensch ist, aber daß derjenige Christ, welcher von einer Secte zur Kirche zurückkehrt (wenn er nämlich, waS sich von selbst versteht, auS Ueberzeugung Handell), ein redlicher Mensch ist, der eine geheiligte Pflicht erfüllt. Gestatten Sie mir, daß ich die Theorie durch die Erfahrung ergänze. Wir haben in unserer Religion Verzeichnisse durch ihre Würdigkeit, ihren Rang, ihre Verstandesschärfe und ihre Talente hervorragender Leute (so zahlreich, daß wir davon Bücher machen könnten), die ungeachtet aller Vorurtheile ihrer Secte und Erziehung doch der Wahrheit die Ehre erwiesen haben, indem sie zur Kirche zurückgekehrt sind. Versuchen Sie, ich bitte Sie darum, ein ähnliches Verzeichniß von allen den Menschen, welche den Katholicismus abgeschworen haben und zu einer andern Secte übergetreten sind, zusammenzustellen. Sie werden im Allgemeinen nur Wüstlinge, verdorbene Genieö und verworfene Menschen finden. Ich appellire an Sie selbst, gnädige Frau! Sie haben Ihre Kinder dem entlaufencn Mönch, der vor einiger Zeit hier ankam, nicht anvertrauen wollen. Und doch handelte es sich nur darum, ihnen Geographie und Arithmetik zu lehren, Gegenstände, die mit dem Glauben nichts gemein haben. Sie mußten also von einer tiefen Verachtung gegen ihn erfüllt seyn; aber eS wäre Ihnen unmöglich, z. B. den Grafen Stolberg oder die Fürstin Gallitzin zu verachten. Leute, die nicht Ihre Offenheit haben, können Sie tadeln, weil man, ich sage nochmals, Niemand hindern kann „Ja oder Nein" zu sagen; aber ich appellire allen Ernstes an Ihr Gewissen. So wie der Weg geebnet ist. handelt eS sich nur darum, ihn zu betreten. Sie werden mich fragen, waS ist zu thun? Ich will Sie nickt drängen, gnädige Frau. Sie wissen, wie sehr ich die unnütze und gefährliche Oeffentlichkeit fürchte. Sie haben einen Gemahl, Kinder und zeitliche Güter. Ein Aufsehen erregender Schritt von Ihrer Seite würde unnütze Verlegenheiten zur Folge haben. Ich beabsichtige auch gar nicht, Sie zu diesem Schrille mit theologischer Strenge zu drängen; aber eS gibt sanfte Mittel, welche, ohne aufzuregen, nachhaltig wirke». Wenn sie fürs Erste die Wahrheit nicht offen bekennen dürfen, so sind Sie wenigstens verbunden, ihr niemals zu widersprechen. Gewohnheit, menschliche Rücksicht oder Klugheit und insbesondere Nationalstolz sollen Ihnen nie ein Wort gegen dieselbe zu entlocken vermögen. Ferner seyen Sie stets eingedenk, daß eine Dame Ihres Charakters stets die Beherrscherin ihres geselligen Kreises ist. Ihre Kinder, ihre Freunde, ihre Diener sind mehr oder weniger ihre Unterthanen, seyen Sie thätig in dem Umfange dieses Reiches. Tragen Sie zum Falle jener unglücklichen Irrthümer bei, die so viel Unheil in der Welt angerichtet haben; Ihre Verpflichtungen gehen über den Bereich Ihrer Gewalt nicht hinaus. Sowohl im Guten wie im Bösen ist Ihrem Geschlechte ein großer Einfluß gegeben, und um hartnäckigen Stolz ans die rechte Bahn zurückzuführen gibt eS kein wirksameres Beweismittel, aiS dasjenige einer achtungswerthen Gattin, deren Tugenden auf dem Glauben beruhen. Begünstigen Sie die Verbreitung guter Bücher, die Sie selbst auf den Punct gebracht, auf dem Sie sich jetzt befinden. Voltaire sagt, die Bücher haben Alles gemacht. Er hat nur zu recht; halten Sie sich an seine Regel, und wenden Sie dieselbe gegen den Irrthum. Endlich, gnädige Frau! betrachten Sie als die Hauptsache: Uebereinstimmung mit Ihrem Gewissen, v. h. mit Gott; die gewissenhaste Ueberzeugung geht niemals unter. Unterwerfen Sie sich gänzlich der Wahrheit; halten Sie für wahr, was wahr ist, für falsch, was falsch ist. Bitten Sie von ganzem Herzen, daß das Reich der Wahrheit sich von Tag zu Tage mehr ausbreite, und lassen Sie diejenigen reden, welche sich anmaßen, Sie durchschauen zu wollen. Wenn Sie sich in solcher Versassung befinden, sage ich Ihnen mit Lusignan: Gehe, und der Himmel wird das Uebrige thun. Ich habe die Ehre zu seyn lc. (Schief. Kbl.) «1 Protestation des hochw. Bischofs von Ehnr au die Behörden Graubündens gegen die Jnventartsatton der Klöster. „Mit schmerzlichem Bedauern und tief ergriffen vernahmen wir, daß die ehrwürdigen Klöster in Bünden auf Beschluß des dießjährigen Großen Rathes ohne irgendwelche Veranlassung oder einen rechtlichen Grund inventarisirt werden sollen. Wenn wir nun gleich den Wortlaut des resp. GroßrathSbeschlusseS selbst noch nicht zu Gesicht bekommen haben, so können wir dennoch nicht länger anstehen, gegen eine solche Anordnung, wie sie immer lautet, unsere Stimme zu erheben. „Beim Antritt unseres OberhirtenamteS haben wir uns verpflichtet und durch einen feierlichen Eid zu Gott verbindlich gemacht, die Rechtsame der katholischen Kirche und ihr Eigenthum nach Kräften zu schütze» und zu wahren. Wenn wir also gegen Jnventarisirung der Klöster von Seite des Staates, als gegen einen directcn Eingriff in das freie VerwaltungS, und Verfügungsrecht der geistlichen Korporationen über ihre Güter in uuserm BiSthum, Einsprache thun, so erfüllen wir hievurch nur eine heilige Pflicht dcS bischöflichen Amtes. „Wir wollen hier gegen gedachte Eingriffe in die Rechte der geistlichen Konvente und Gotteshäuser von Seite des Staates nicht die kanonischen Satzungen oder die Kirchengesetze anrufen. Aber das klare Naturrecht, so jedem Menschen den ruhigen Genuß seines Eigenthums zusichert, daS hohe Alterthum von mehr als tausend Jahren, welches unsere Klöster so ehrwürdig macht, und ihr vielhundertjähriger Besitzstand seit Anno 614, 695, 301 :c. bis auf die gegenwärtige Zeit werden für die hohen Behörden wohl maßgebend seyn, dieselben im ungestörten Genusse ihres Eigenthums zu belasseu und sie Hierinfalls zu schützen. „Die Klosterbewohner sind LandeSkinder mit allen bezüglichen Rechten; sie leben in anerkannt rechtlichen Verhältnissen; ihre Corporationen bilden unter sich ruhige, selbstständige Familien im Lande und haben als solche ganz natürlich Anspruch auf das sociale Grundrechtsprincip: Ouicjus suum, wie auf alle sowohl bürgerlichen als ökonomischen Rechtswohlthaten gleich andern Familien dcS Landes. Ihr Eigenthum ist heilig und unantastbar wie jedes andere, und darf daher keineswegs allein und ausnahmsweise einem Staatsinventarium unterworfen werden. Keine rechtliche Familie würde eine solche Maaßregel gegen sich geduldig hinnehmen und kein socialer RechtS- begriff könnte sie billigen. „Ferner: mit der Garantie der katholischen Religion durch die KantonSverfassung sind nothwendigcrweise auch ihre Institutionen vom Staate anerkannt und garantirt worden. Nun eine wichtige Institution der katholischen Kirche sind unbestreitbar ihre geistlichen Corporationen, stehen somit unter Schutz und Gewähr des Staates, und ihr Eigenthum ist von den Landesgesetzen, gleich dem übrigen Besitzthume, gewährleistet, so daß exceptionelle Verfügungen darüber gesetzwidrig und ungerecht erscheinen müssen. „Zlldem leben wir in einer Zeit, die anerkannt geeignet ist, nicht nur manches Schöne zu erfinden und zu schaffen, sondern auch die großen Schöpfungen zu bewun» dern und hochzuschätzen. Und Bünden sollte dieses edle Gefühl verläugnen und wohl gar die vielen Verdienste und die großen Leistungen der Klöster in der Civilisation des wilden RhätienS, in Urbarmachung des Landes, in Ausbreitung des christlichen Glaubens, in milden Sliftungen, Armenwesen, Erziehung, Schulen u. s. w. nicht beachten oder in Vergessenheit setzen? Die unparteiische Geschichte vieler Jahrhunderte spricht mit Bewunderung von den wichtigen Schöpfungen der Klöster für Volk und Vaterland. Wohl dürste man also verlangen können, daß der Staat in dankbarer Hinsicht auf die geleisteten Wohlthaten unsere geistlichen Corporationen nicht nur in ungestörtem Genuß ihres Eigenthums belassen, sondern auch dieselben in ihrem edlen Streben bestmöglich unterstützen und ihnen besondern Schutz gewähren möchte. „ES ist unläugbar, daß unsere Klöster auch derzeit sich nach Kräften für die Jugendbildung verwenden, daß sie Alles aufbieten zur Unterstützung der Armen und zchlo? aqi , nv»«! nn^"'?» — >ii'nisi)ii?cs »z . «s «zÄ^o^sK ?»tl»'-«mötKi>iV ,»,ni', 'HK«S»»HvaH«'v Die Mabiais und die englischen Katholiken. Die Madiai'sche Angelegenheit wird in England vielleicht eifriger als in irgend einem Lande ausgebeutet. DaS große Londoner Meeting ist zwar ziemlich wirkungslos geblieben, da die Herren, welche dort das Aufhetzen betrieben, ganz ordinäre Fanatiker waren, vor denen nur ein kleiner Kreis Respect hat. Größeres Auffehen erregt ein im „Leedö Mercury" veröffentlichtes Schreiben deS Grafen von CarliSle, eines Mitglieds deS letzten Whig-CabinetS, welcher bisher für ziemlich liberal galt. CarliSle spricht seine Entrüstung darüber auS, daß in einem katholischen Lande Leute wegen Bibellesens eingekerkert würden, und meint, die englischen Katholiken müßten sich insgesammt dagegen erheben und ven Papst aufs dringendste angehen, diesem Unfug zu steuern, wenn die aufrichtigsten Freunde der Katholiken in England auch ferner noch die Sache der Katholiken-Emancipation verfechten sollten. mchii»'Dazu konnten die Katholiken nicht schweigen. Zunächst übersandte C. Langdale, einer -der geachtetsten und einflußreichsten katholischen Laien in England, dem „Mercnr" cinc Entgegnung. Er bemerkt zunächst, eS handle sich gar nicht um Einkerkerung wegen BibellcsenS. Dann sagt er ganz richtig : „Der Papst hat mit der Sache gar nichts zu schaffen, und eS wäre höchst sonderbar, wollte man ihn mit den „dringenden, ungestümen und unablässigen Remon- strationen," die der edle Graf vorschlägt, behelligen, weil ein Mann nach toScani- schem Gesetz eingekerkert ist . . . Aber wenn daS protestantische England sich so eisrig in die Angelegenheiten eines katholischen Staats einmischt und seine Regierung und seine Königin auffordert, gegen die Ausführung eines, wie man glaubt, despotischen Gesetzes zu Protestiren, — gibt eS denn keine protestantischen Staaten, wo solche 63 Gesetze gelten, und wäre eS nicht consequenter, wenn die Eiferer für Toleranz zunächst ihre Augen auf diese Staaten, z. B. auf Schweden, richteten? Und wie lange ist eS denn her, seit daS protestantische England die ganze christliche Welt dadurch in Erstaunen setzte, daß eine angeblich liberale Regierung dem Parlamente neue Strafgesetze gegen Millionen ihrer Landsleute vorschlug? ... Ein Mitglied deS CabinetS, welches im 19ten Jahrhundert ein neues religiöses ProscriptionSgcsetz durchbrachte, hätte sich bedenken solle», ehe eS in solchen AuSvrücken zu denen sprach, die noch unter dem Unrecht leiden, welches ihnen von dem Cabinet, in welchem der edle Graf saß. zugefügt ist. — Ich spreche gern meinen Abscheu gegen ReligionSver- solgung aus, und jeder Katholik wird mir beistimmen; aber wenn der edle Graf glaubt, die Katholiken sollten die noch vor einigen Monaten wiederholten Insulten vergessen und auf sein Kommando den Roden, ShafteSburvS und andern Fanatikern Nachtreten, dann hat er den Charakter seiner katholischen Landsleute verkannt." Ein irischer Geistlicher, Dr. Cahill, hat die Aufforderung CarliSle'S in einem langen offenen Sendschreiben beantwortet. Er erzählt darin, wie daö Umsichgreifen des Jlluminatismuö, des Atheismus und der revolutionären Grundsätze die toscanische Regierung im Jahre 1786 veranlaßte, das Gesetz „gegen die Privat-Conventikel" zu erlassen, worin alle Versammlungen in Privathäusern, selbst zu angeblich religiösen Zwecken, ohne Erlaubniß der Behörden untersagt werden. Er fährt dann fort: „Die Geschichte von Europa belichtet in Flammenschrist die Revolutionsscenen der sechs letzten Jahre in der Schweiz, in Ungarn, Frankreich, Neapel und Nord- Italien. Sie kennen ohne Zweifel diese Thatsachen und natürlich auch die Namen Palmerston, Russell, Minto, Cowlev, Sir Stratfort Canning, Abercrombie, Howard und Sir Robert Peel ^junior). Ohne Zweifel haben Sie auch die Namen Mazzini'S, Garibaldi'S, Ciceruachio'S, der Berner Freischaaren und der Rothen in wenigstens fünf europäischen Königreichen gehört, und Sie haben gewiß gesehen, wie alle diese Revolutionäre die Ehre hatten, mit Ihrer Majestät Gesandten zu correspondiren, mit ihnen persönlich bekannt zu seyn, von Einigen derselben beschenkt und von diesen hohen englischen Beamten protegirt zu werden, zu derselben Zeir, als sie bestrebt waren, in ihrem Baterlande den Bürgerkrieg zu entzünden, ihre rechtmäßigen Fürsten zu vertreiben und Alles zu verwirren. DaS sind Thatsachen, Mvlord, die in der Geschichte jeder Stadt, von Konstantinopel bis Turin und von Berlin bis Neapel zu lesen sind. Unter diesen Umständen, als sich die toscanische Regierung von allen Seiten bedroht sah, am meisten von den bezahlten Spionen der englischen Regierung, setzte sie, zum ersten Mal seit fünfzig Jahren, den Artikel 60 des Gesetzes vom 30. November 1786 am 4. März 1849 wieder in Kraft, und verschärfte die Artikel 1, 4, 9 und 14 und erweiterte die der Polizei in den Art. 34 und 35 des Polizeireglements ertheilte Vollmacht .... Der König von Frankreich wurde vertrieben, der Papst floh aus dem Vatican, der Kaiser von Oesterreich, die Könige von Sardinien und Neapel waren hart bedroht. In dieser Krisis kam eine wohlbekannte Bande von fünfzig englischen „Bekehrern" nach Florenz; sie theilten sich in fünf Sektionen und eröffneten mehrere Conventikel, ohne eine Erlaubniß dazu erhalten oder nachgesucht zu haben. Die Protestanten haben zu Florenz ein BethauS, eS wohnen dort im Winter höchstens zwanzig protestantische Familien, wozu also die Conventikel? Rosa Madiai wohnte sechzehn Jahre in England, kam nach Florenz zurück, wurde Protestantin und blieb eS fünf Jahre vor dem Proceß; sie las die Bibel fünf Jahre und besuchte ihre Kirche fünf Jahre ohne Hinderniß. Bibellesen war also nicht das Verbrechen, wofür sie bestraft wurde. Ich will Ihnen sagen, wofür die Madiais bestraft sind. Sie hielten trotz der zehnmal wiederholten Warnung der Polizei geheime Conventikel; sie vertheilten wenigstens 11,000 Exemplare ihrer Bibel, welche, wie ich beweisen kann, über 1600 Abweichungen vom Urtext enthält; sie beredeten und bestachen italienische Kinder, in diese Conventikel zu kommen und an dem antikatholischen Unterricht Theil zu nehmen; sie waren mit mehreren Colporteuren associirt, welche jene Bibeln im Lande verbreiteten; sie hatten unanständige Abbildungen der heiligen Jungfrau, welche KS «4 von zwei dazu gedungenen Orgeldrehern vertheilt wurden, Papierstreifen, worauf in großer Schrift das Wort „Oblaten-Götter" gedruckt war, und Abbildungen vom Fegfeuer, worauf die armen Seelen durch das Gitter sahen und Priester in Soutanen mit ihnen darum handelten, sie für zwei Scudi zu erlösen; sie äußerten die unanständigsten Dinge über den Beichtstuhl und nannten den Papst den Antichrist. Wenn rer Großherzog von ToScana Jemand wegen seiner religiösen Ansichten bestrafte, wäre ich der Erste, daS ,u tadeln; aber er hat nur die Gesetze gegen verkappte Revolutionäre, öffentliche Verleumder und gedungene Ruhestörer angewendet." Schließlich weist Cahill noch nach, daß auch nach jetzigem englischen Recht Geldstrafe und Gefängniß darauf steht, wenn Jemand „einen Andern vom Besuche des protestantischen Gottesdienstes abzuhalten sucht und zu diesem Zweck Conventikel hält." (BolkSh.) Christliche Lesefrüchte und Betrachtungen eines Laien. (Fortsetzung.) ,I5',Zik>!'>7 KiI»,Y' d»i (M^i-niö „z, ,n>,ch<5 tziMv, IrM n<»w AlS Job im Elende war und über GotteS Strenge und seine eigene Gerechtigkeit lange Reden hieli, da half Golt nicht; aber als er mit nur wenige» Worte» bekannte > daß er Unrecht habe, da wandte sich Golt wieder z» ihm; als Job erstens Bnße that und zweitens sür seine bei Gott mißfälligen Freunde Fürbitte einlegte, da vergalt ihm Gott doppelt wieder, was Er ihm entzogen Halle. n,1,n'fi'n/SN» ,i»n<)ilz-I snüi iil mn iisilmli »5> ?zn»?o!F 5,vn ^n,»,6»,»K^ n»W! .n»6vcl !i? tchu1»vchriii 7?^i ii»tlkiil6iibIiD »iiiü »mi«, ,l5iiit!v.'ilvt) nnkism' Ostindien. -.".'.„.zozg.« »i«T Unter den engl. Truppen in Ostindien befinden sich 16,000 kath. Soldaten; manche Regimenter bestehen zum größeren Theile auS kalhol. Jrländern? In der Präsioentschaft Bengalen erhallen die kath. Geistlichen von der Regierung monatlich 182 Pf., die anglikanischen 5000 Pf. Kein kath. Caplan in ganz Ostindien erhält über 15 Pf. monatlich, von 13 Caplänen in Bengalen erhalten 7 nur 5 Pf. monatl.; der geringste Gehalt eines anglikanischen CaplanS dagegen ist 50 Pf. monatlich. Die kalh. Geistlichen erhalten keine Pension, die anglikan., wenn sie 7 Jahre in Indien gewesen, 173 Pf., wenn 18 Jahre, 365 Pf. jährlich. Der PreSbylerianer in der indischen Armee sind 3000, sie haben 3 Capläne und erhalten 2000 Pf. jährlich, der Katholiken sind 16.000, und für sie zahlt die Regierung höchstens 5000 Pf. -- Berautwortlicher Redacteur: Schöuche» VerlagS-Jnhaber- F, «u Am« chs' .»^l,A Vl^>'i»I,bit> m;: für das gesammte HauS der Bedenklichkeit, „ein liebcS und gehorsames Kind" in daS Gewirre dieses Landes ziehen zu lassen, die Wage halten, wiewohl in die Persönlichkeit dcS Fürsten wenig Vertrauen zu setzen war. Was dann eben zu dieser Zeit Maria an den Freiherrn von Rumpf schrieb, zeigt, welche Ansicht bei ihr vorgewaltet habe. Man könne nicht wissen, sagte sie ihm, wie eS unverhcirathcten Töchtern nach der Mutter Tod ergehe; daher würde cS ihr zu großem Trost gereichen, „dieselben versichert zu sehen." Hiefür ging sie besonders ihren Schwager, Erzherzog Ferdinand von Tirol, an, der sie nicht lange vor seinem Tod ans die Herzoge von Parma und von Urbino aufmerksam machte. Auch hat sich ein Brief ihreS SohneS Ferdinand an Kaiser Rudolph erhalten, worin ihm jener eröffnet, wie der König von Spanien seine Schwester Eleonora gerne mit dem Herzog von Mantua, Maria aber mit dem Großherzog von Florenz vermählt sähe, auch an Modena denke, wozu die Mutter jedoch keine Neigung habe. Wüßte indeß der Kaiser bessere Gelegenheiten, so möchte er dieselben eröffnen. Der unverkennbarste Beweis, mit welcher mütterlichen Liebe zu ihren Töchtern Maria sey erfüllt gewesen, liegt darin, daß sie keine von sich ziehen ließ, ohne sie an den Ort ihrer Bestimmung zu begleiten. Hievon konnte keine Entfernung, keine Ungunst der Jahreszeit, keine Gefahr zu Land oder zu Meer sie zurückhalten. Die älteste, Anna kam, wie bereits erwähnt, nach Polen. Eine Reise von Grätz nach Krakau war zu jener Zeit, zumal für eine Frau, gewiß kein müheloses Unternehmen; Maria ließ sich von Begleitung der Tochter nicht zurückhalten. An Beschwerden und Unbequcmlichlichkeiten konnte derjenigen nach Polen eine Reise nach Siebenbürgen nicht nachstehen, daS Hcrumschwärmen der Türken machte dieselbe zugleich höchst gefährlich. Ob auch Rumpf der Erzherzogin schrieb: „der Erbfeind hat lange Arme, seine Rosse haben flinke Beine," die Erzherzogin ließ sich nicht abschrecken, auch diese Tochter nach dem fernen Stuhl-Weissenburg zu begleiten, ungeachtet sie mehr als einmal daS Nachtlager in einer Entfernung von bloß sechs Meilen von den Türken nehmen mußte. Nur bei mannigfaltigen Unannehmlichkeiten, welche der Hochmuth der Spanier ihr bereitete, und unter bedrohlichen Seestürmen konnte sie ihre Marga- rctha dem König von Spanien zuführen; die Liebe zu der Tochter gab ihr Kraft, jenen Trotz zu bieten, unter diesen unverzagt zu bleiben. Constantia'S, des Königs von Polen zweiter Gemahlin, Begleit fiel in die herbstliche, Mariens Heimkehr in die winterliche Zeit; aber keine Ungunst der Witterung kam in Betracht; diese Tochter sollte an die Obsorge der Mutter kein minderes Anrecht haben als die andern Schwestern. Dieses hätte sie auch der jüngsten, die sich vermählte, der Erzherzogin Mag- dalena, zugestanden, wie dann wegen der Reise nach Florenz, der letzten, die Maria zu machen gedachte, Alles schon verabredet war, als einige Monate vorher der Tod sie hinraffte. Die Erzherzogin kann in ihrem Verhältniß als Mutter nicht anschaulicher geschildert werden, als durch ein Schreiben derselben vom 23. Oct. 1541 an den Freiherrn von Rumpf, dessen Mittheilung die vcrehrlichc Versammlung zuverlässig ansprechen wird. Die Frage über die Vermählung der Erzherzogin Anna hatte sich durch mehrere Jahre, selbst mit dem Anschein gänzlichen ZerfcklagenS. durchgezogen. Plötzlich gab Kaiser Rudolph seine Zustimmung dazu, zugleich der Erzherzogin die Weisung, dieselbe in sehr kurzer Zeit vor sich gehen zu lassen. Nun schreibt sie dem Freiherrn: „Euch, als einen verständigen Mann, lasse ich urtheilen, wie daS möglich sey; wie ich, so daß es nicht unserm Haus zu Spott und Schande gereiche, mit der Ausstattung zurecht kommen solle? Ihr dürst mir glauben, nicht ein Hemd, geschweige denn ein Rock ist für meine liebe Tochter in Bereitschaft, denn hätte ich etwas vorgekehrt und die Heirat!) wäre nicht bewilligt worden, welchen Spott würde ich dadurch auf mich geladen haben? Wäre des Kaisers Entscheidung alsbald gekommen, dann sollte gewiß alles fertig seyn und würde ich mir Ehren bestehen. Denkt nur selbst: wir haben bloß noch neun Wochen bis Neujahr, drei Wochen vorher sollte man aufbrechen, und in sechs Wochen alleS fertig seyn! Dazu ist hier ein Ort, an «8 dem man nichts findet. Ich muß um Alles nach Wien schreiben, und Gott weiß, ob man eS dort findet? Hätte ich Zeit gehabt, so hätte ich eS von Mailand und anderwärts her kommen lassen. Jetzt aber ist die Zeit so kurj und ich weiß nicht, wo ich anfangen soll. Mir ist nur um den Wagen zu thun, denn ein Wagen, wie er für eine solche Braut sich schickt, ist nicht die Sache von sechs Wochen, dazu bedarfS eben so viel Monate. Bei den Polen, die ohnedem ein hochtrabendes Volk find und Alles in Acht nehmen, möchte ich doch nicht Spott aufheben. Dazu wird man Alles umS Doppelte kaufen müssen; denn wissen die Kaufleute, daß man etwas haben muß, so verlangen sie gleich das Doppelte und wird man nehmen müssen, was man findet, eS sey gut oder schlecht. Meine Tochter erbarmt mich von Herzen, daß sie eS nicht genießen soll, wie ich ihr eS von Herzen gönne und wie es auch seyn sollte. Ihr mögt mir aus mein Wort glauben, die Sache bearbeitet mich dergestalt, daß ich weder schlafen noch essen kann, nicht weiß, wo anfangen; denn sobald ich etwas bestellen will, heißt eS- die Zeit ist zu kurz. Will der König nicht warten, dann freilich muß eS seyn; wie man aber in der ganzen Welt davon reden wird, daS dürfte wenig Freude bringen. Die Polen werden eS nicht glauben, daß man eine so kurze Zeit gehabt habe, denn sie wissen eS nicht. Auch für die Leute zum Dienst der Tochter ist nicht gesorgt; ehe man um dieselben sich umgesehen hat, sollte man schon fortziehen. So mangelt noch eine Hofmeisterin, eine Kammerfrau; ich werde nehmen müssen, wen ich finde, ob tauglich, ob nicht. Ihr könnt denken, wie eS meiner Tochter seyn wird, wenn sie Leute bekommt, die nicht für sie find. Sie muß wenigstens drei Kutscher, einige Lakaien, einen Capellan, eine Leibwäscherin, einen Tafeldiener für ihre Frauen haben, was gewiß nicht zu viel ist. Den Brautwagen muß ich zu Wien machen lassen, nur von Goldstoff, denn in der Eile ist'S nicht möglich ihn zu sticken. Ich wollte, Euer Weib wäre hier, ich weiß, fie würde mir treulich helfen, denn eS wäre nöthig, daß Alles mir beistände. Ich fürchte nur, wir heben einen großen Spott auf; ich kann aber nicht anders, ich bin vor Jedermann entschuldigt. Grüßt mir, ich bitte Euch, die Frau tausendmal; sagt ihr. weil sie mir nicht helfen könne, solle sie Gott für mich bitten, daß ich nur ein wenig mit Ehre bestehe. Lasset mich den sichern Hochzeitstag wissen, sobald ihr denselben erfahret." (Schluß folgt.) Careassone. Während seines Aufenthaltes zu Rom hat der hochwürdigste Herr Bischof von Carcassone an den Klerus und die Gläubigen seiner Diöcese ein Schreiben gerichtet, dem wir folgende Stellen entnehmen: „Die geheiligre Pflicht, welche unS momentan von Euch entfernt hat, ist Allen bekannt. Nach fünfjähriger Arbeit auf demjenigen Theile deS Feldes der Kirche, welchen der himmlische Vater uns anvertraut hat, sind wir zu dem, der denselben hienieden vertritt, gekommen, um Rechenschaft von unserer Verwaltung abzulegen; wir sind gekommen, um dem großen Princip der Einheit und der Autorität, welche die Grundfesten der katholischen Kirche sind, in seiner Person zu huldigen; wir sind gekommen, um gleichzeitig am Grabe des Apostels unsern Glauben zu befestigen, welchem JesuS Christus das Recht und die Pflicht ertheilt hat, seine Brüder darin zu bestärken und der noch immer in seinen Nachfolgern fortlebt; wir sind endlich gekommen, um zu Füßen des Stuhles der Wahrheit, von welchem herab Petrus durch den Mund PiuS IX. noch immer spricht, neue Erleuchtung zu suchen. In diesen schwierigen Zeiten, in diesen Zeiten der Kämpfe und Wirrnisse, wo der Geist deS Zwiespalts und der Finsterniß seine Anstrengungen vervielfältigt, um daö Reich GotteS zu stören, ist eS für die Hirten der Seelen tröstlich, demjenigen ihre Zweifel und Befürchtungen auseinandersetzen zu können, der die Sendung und die Macht erhalten hat, fie zu lösen und zu zerstreuen! Wie stärkend ist es für Euch und für SS uns. uns innerlich mit diesem unerschütterlichen Felsen vereinigt zu fühlen, an dem sich alle Mächte der Hölle brechen werden I . . . „Gott hat uns von einem gewissen Untergang errettet, er hat unser Leben, unsere Güter bewahrt; er hat dem heimatlichen Herde die Sicherheit, unsern Fluren die Ruhe, der Gesellschaft die Ordnung, der Industrie die Thätigkeit, dem Handel den Flor wieder gegeben, und um Euch alle diese Güter zu gewährleisten, hat er unter uns eine erhabene ehrwürdige Autorität aufgerichtet. Um dieses Werk der Barmherzigkeit durchzuführen, hat seine Vorsehung einen Prinzen erweckt, ausgestaltet mit seiner Kraft, durchdrungen von seiner Weisheit. Gut, edelmüthig. fest und entschlossen hat Napoleon die Sendung, Frankreich zu retten, in sich gefühlt; um dieß zu vollenden, hat er sein Vertrauen auf den Allerhöchsten gesetzt. Bei jeder Gelegenheit bringt er seine Huldigung der höchsten Macht desjenigen dar, der die Richter selber richten wird; und seitdem er die Gewalt in Händen hat, sieht die freiere Kirche täglich seine Thaten fruchtbarer. Betet also für diesen Monarchen, dem Eure Dankbarkeit die kaiserliche Krone zugedacht hat, betet, daß derjenige, der ihn uns gegeben, ihn uns auch erhalte, betet endlich, daß der Geist der Gerechtigkeit und Klugheit, der so nöthig ist, um Völker würdig zu regieren, ihn nie verlasse. Unter diesem Scepter, der sich als Scepter des Friedens ankündigt, bildet ferner — Franzosen und Brüder in Jesu Christo vereinigt! — nur mehr eine Familie und Jeder aus Euch, durch alle unsere Mißgeschicke belehrt, möge erkennen, daß wenn die sociale Auflösung, von der wir bedroht waren, ihren Ursprung nur in dem Vergessen GotteS und seiner Vorschriften gehabt habe, die Hoffnung auf eine bessere Zukunft nur auf der aufrichtigen und einmüthigen Rückkehr zur heiligen göttlichen Religion unserer Väter gegründet seyn könne." A g r a m. Der hochwürdigste Herr Erzbischof von Agram hat einen (lateinischen) Hirtenbrief an den Klerus seiner Diöcese erlassen, in welchem er zuerst auf die immer wachsende Sicherung der durch die vereinte Bemühung der katholischen Mächte herbei« geführteu Ordnung und Ruhe im Kirchenstaate hinweist, sodann hervorhebt, wie in Frankreich, nach unzähligen Wirren, ebenfalls ein gesunder und religiöser Sinn sich kundgebe und hierauf sagt: „Auch in unserer Monarchie werden von unserm durchlauchtigsten apostolischen Kaiser und König Franz Joseph I. unzählige Beweise inniger Frömmigkeit und angestammter warmer Gläubigkeit gegeben; auch von Seiten Jener, welche an der Spitze der Regierungsgeschäfte steben, werden so viele Belege der Verehrung und des Wohlwollens für die Kirche geliefert, daß nur ein undankbares Gemüth sie ignoriren oder mißdeuten und in Zweifel ziehen könnte. Die Ruhe, welche durch die Helden« müthige Tapferkeit unserer Armee gewonnen, die Ordnung, welche durch das unermüdliche Streben Jener, die am Ruder der Regierung fitzen, herbeigeführt wurde, befestigt sich täglich mehr und wenn noch nicht Alles zur gewünschten Klärung gelangt ist, so kann dieß keinesfalls dem Mangel an gutem Willen oder an Thätigkeit, sondern nur der unsäglichen Wucht der Arbeit zugeschrieben werden, die in einem so ausgedehnten Reiche unmöglich in wenigen Monaten oder Jahren erledigt werden kann. Trotz des Fortschritts der guten Sache würde man doch bedeutend irre gehen, wollte man sich der Ansicht hingeben, eS seyen alle Gefahren für die Zukunft besiegt und beseitigt. Wohl ist die Hyder der Revolution mit ihren scheußlichen Ausgeburten zu Boden gedrückt, keinesfalls aber völlig vernichtet. Noch lebt sie, Rache athmend und voll giftigen Geifers in ihren Höhlen, eine Gelegenheit zum abermaligen Hervorbrechen erspähend; werden ihr die Waffen nicht entrissen, wird sie ihres Giftes nicht beraubt, so wird sie ohne Zweifel mit wieder gewonnenen Kräften und gesteigerter Wuth neuerdings hervortreten. Wer die Ereignisse der frühern Zeiten aufmerksam erwogen und mit den gegen« 70 »artigen Verhältnissen sorgsam zusammengestellt hat, der wird gewiß, wenn er mit gutem Willen und ohne Borurtheil prüft, zu dem Schlüsse kommen, den alle Weisen und Einsichtsvollen ziehen, cS müsse der Grund jener furchtbaren Konvulsionen nicht in RegierungSformen, in den politischen Gesetzen oder sonstigen äußern Ursachen, sondern in den falschen und irreligiösen Begriffen gesucht werden, welche die große Mehrzahl von Gott, von der Bestimmung deS Menschen, seinem künftigen Leben, ja von der Tugenv selbst hegt..... Durch sie wurde nach und nach die Macht der heilsamen Lehren des christlichen Glaubens und der Kirche untergraben; mit ihr nahm auch das Ansehen der öffentlichen, staatlichen Leitung ab. Durch das falsche Dogma von der absoluten Unabhängigkeit deS menschlichen Geistes, durch ruchlose, philosophische Systeme und durch die unselige Verbreitung verderblicher Bücher unter allen Klassen der Gesellschaft, so wie durch vaS Einführen rein theoretischer Ariome in das tägliche Leben mußten nothwendig alle gesetzlichen Schranken gesprengt, göttliche und menschliche Autorität mit Füßen getreten und der menschliche Geist zum Selbstgötzen werden. Hieraus allein läßt sich jenes in den letztverflossenen Jahren zu Tage getretene Streben, jede Macht umzustürzen, jenes Drangen, der sogenannten geistigen Emancipation theilhaftig zu werden, jenes zügellose Begehren, gar keine Gränzen mehr anzuerkennen, genügend erklären. Nachdem man in solcher Weise die Verehrung jeglicher Autorität beseitigt und sich des Glaubens an die göttliche Offenbarung entledigt hatte, die allein den menschlichen Geist vor verderblichen Irrthümern zn schützen, allein unserm Geiste eine wohlthätige Leuchte aufzustecken vermag, ergab sich von selbst jene enorme Berderbniß der Sitten, die, wie wir mit eigenen Augen gesehen haben, ganze Völker überfluthete. Hat sich nämlich der Mensch einmal von den höhern Freuden abgewendet, die nur der feste Glaube an Gott und die Hoffnung auf ewige Glückseligkeit gewähren können, so sucht er sein Glück in fleischlicher Wollust, in der Befriedigung der Gelüste seiner Augen, denen er sich gleich dem Thiere ergibt, nachdem er jeden edlern Sinn abgestreift hat. ES ist dieß der natürliche Gang im Leben des Menschen, wenn er sich von Gott abwendet, dem Schöpfer seiner vernünftigen Natur. ES kann uns daher nicht befremden, wenn ganze Völker in solche Verkehrtheit verfallen, daß sie ohne Gewissensbisse, ohne daö mindeste Schamgefühl, sich der brutalen Lust, der Lüge, entsetzlichen Ruchlosigkeiten, ja sogar unerhörten Grausamkeiten und Maßlosigkeiten aller Art hingeben. ES kann uns ferner nicht befremden, wenn die Ehe, die alle Weisen von jeher als die Grundlage aller menschlichen Weisheit betrachteten, als ungerechte Beschränkung deS GeschlechtSsinneS, wenn die auf redlichstem Wege erworbenen Rechte von Personen und Gemeinschaften als Usurpation, wenn das Eigenthum öffentlich mittelst deö mündlichen, so wie mittelst deS geschriebenen Wortes als Diebstahl erklärt wird, ja wenn bei Vielen der Wahnsinn so weit geht, daß sie dergleichen in die Gesetzbücher aufgenommen wissen wollen. Die Hoffart, die Wollust und die ungeregeltste Gier nach den irdischen Gütern hat sich deS menschlichen Geistes in solchem Grade bemächtigt, daß Niemand mehr mit seinem Schicksale zufrieden ist. Der Friede ist anS der Menschen Herren gewichen, weil sie den Fürsten alles Friedens, den Heiland Christus, aus denselben zu weichen zwangen, weil sie ihren Erlöser verloren haben und weil die nicht in Gott bestehenven Institutionen den Mangel dieser alleinigen Wahrheit, dieser einzig stabilen Grundlage menschlicher Glückseligkeit nicht zu ersetzen vermögen. tiM^Dieß ist die riesig große, im höchsten Grade gefährliche Krankheit, welche in diesen letzten Jahren die Völker der civilisirten Welt im hohen Grade ergriffen hat, welche noch fortdauert, wenn auch ihre äußerlichen Symptome unterdrückt zu scyn scheinen. Die Krankheit ist allgemein und in der Natur unserer Zeit begründet, so wie in den verderbten Ariomen deS menschlichen Geistes und in dem Leben der Völscr, welche das Licht der göttlichen Offenbarung verschmähen. ES fragt sich nun, in welcher Weise so großem Uebel wirksam und nachhaltig begegnet werden könne. Die neue Zeit hat unzählige Heilmittel vorgeschlagen: so 71 suchen Einige das Heil in neuen VersassungSnormen und in der Verbesserung der politischen Gesetze, Ändere in der Förderung der Industrie, die sie auf den höchsten Grad in solcher Weise gebracht wissen wollen, daß., ginge eS nach ihrem Willen, die ganze Welt eine colossale Fabrik würde; wieder Andere lehren gleiche Vertheilung der Güter und Arbeit, wenn auch diese der menschlichen Natur jederzeit im höchsten Grade widerstrebte. Noch andere Mittel werden vorgeschlagen, wobei man außer Acht läßt, daß ein inneres Leiden nicht durch äußerliche Mittel zur Heilung gebracht werden könne, daß die Krankheit unserer Zeit aus verkehrten Principien und einer verderbten Richtung der Geister hervorgehe, und daß diese erst gebessert werden müsse, ehe an Heilung des Uebels überhaupt gedacht werden könne. Von jener Besserung wird eS abhängen, ob der Glaube oder der Unglaube, ob Wahrheit oder Lüge, ob christliche Denkweise ober heidnische Gottlosigkeit die Völker regieren solle; die Entscheidung dieser Frage wird bestimmen, ob Friede und Ruhe oder Rohheil und Barbarei die Oberhand behalten könne.... Eine solche Regeneration dcS Menschengeschlechts kann aber nur durch geistliche Macht erzielt werden, die schon unzählige von moralischer Fäulniß ergriffene Völker einem neuen Leben wiedergegeben und so viele barbarische, wilde Nationen den gebildeten Völkern angereiht hat. Der geistlichen Gewalt, d. h. der heiligen Kirche ist von Gott diese Fähigkeit verliehen worden, die Fähigkett, daS in verderblichen Irrthümern befangene Menschengeschlecht wieder mit Gott zu versöhnen, die profanirten Herzen zu heiligen, das in ihnen erloschene Licht des hn'ligen Geistes wieder zu entflammen, und alle Classen der bürgerlichen Gesellschaft mit der Kraft des positiven christlichen Glaubens zu stärken, die Wiedergeburt endlich der Menschen und Völker in Folge der Gnade und Macht der Erlösung durch daS Wort zu vermitteln." luz.Si (Es wird nun auseinandergesetzt, wie hier unter Kirche vorzugsweise die Diener derselben, die Priester, verstanden werden, wie demnach sie vor Allen berufen seyen, Demuth, Keuschheit und Vermeidung strafbaren StrebenS nach irdischen Gütern durch Wort und That, durch Predigt und Beispiel zu lehren, woraus eS zum Schlüsse heißt:) „In solcher Weise wird mitMöttlicher Hilfe das Licht des Evangeliums die Welt wieder mit größerer Helle durchstrahlen und der Glaube an Christus, in welchem allein das Menschengeschlecht der Glückseligkeit im wahren Sinne deS WoneS theilhaftig werden kann, neuerdings erhöht werden und aufblühen, daß der gesunde Sinn den Menschen wieder gegeben, daS monströse Laster gemieden und die christliche Tugend wieder heiter aller Orten gedeihe. Nur so kann eS geschehen, daß die Folgen jener furchtbaren Konvulsionen, deren Augenzeugen wir noch vor Kurzem waren, gänzlich schwinden und die Gefabren der etwa wiederauflebenden Seuche verhütet werden können. Diese Sache aber hängt, wie jedes andere Gut, vom Vater des Lichtes und von jener Gnade ab, ohne weiche wir weder zu wollen, noch zu handeln vermögen. Diese heilige und wirksame Gnade wird jedoch nur durch den beständigen frommen, vertrauensvollen Umgang mit Gott, d. h. durch den nie nachlassenden Geist deS Gebets erwirkt. „Die Kraft deS Gebetes," sagt der heilige Augustin, „ist groß; gleich ejnem getreuen Boten richtet eS seinen Auftrag auS und dringt dorthin, wo das Fleisch nicht hin zu gelangen vermag." So sagt auch der heilige Bernhard: „Ist daö Gebet gläubig und inbrünstig gewesen, so wird eS ohne Zweifel in den Himmel dringen und gewiß nicht unverrichteter Sache zurückkehren." Darum ermähne ich euch, ehrwürdige Brüder und geliebte Söhne, darum bitte ich euch im Namen unseres barmherzigen Gottes, daß ihr beim Eintritt dieser heiligen Fastenzeit eifrig und wachsam seyd im Gnadenact deS Gebetes, daß ihr in Gott wohl erwäget, wie groß einerseits die Verderbniß deS Menschengeschlechtes und wie erhaben andererseits euer Beruf sey, der allein, wenn er unverdrossen und gewissenhaft geübt wird, das Unglück der Welt beseitigen, daö Reich GotteS wieder herstellen Ä »zchilöHS !< :,«nlir,i,M ,zchitti',<><» .n»tj"!.ouuement«prel« »v kr., wofür e« durch alle köuigl. bayer. Postämter und alle Buchhaudlungeu bezogen werde» kaun. Die Erzherzogin Maria von Steiermark, Mutter Kaiser Ferdinand des Zweiten. RededeöHofrathSundReichshistoriographenvr. v. Hurte r-Am mann, gehalten in der Plenarversammlung des Wiener Central-SeverinuS- vereineS am 30. Januar 1852. IV. (Schluß.) Wenden wir uns von der Mutter zu der Fürstin, der wir bisher entweder nicht, oder nur im Borbeigehen unsere Aufmerksamkeit geschenkt haben! Eben so wie Maria ihren Kindern gegenüber in allen Beziehungen bis hinab auf die Bekümmerniß, ob die Ausstattung einer Tochter auch standesgemäß ausfallen werde, als die treueste Mutter sich erwies, eben so wußte sie, wo die Obliegenheit eS erheischte, als Fürstin in vollem Sinne des Wortes aufzutreten. Bemühen sich die antimonarchischen Sophisten und Schulweisen unserer Tage, den Fürsten ihre Rechte, zugleich mit diesen ihre höchsten Pflichten abzutheoretisiren, abzuconstitutiöneln und abzulärmen, so beflissen sich zu jener Zeit die begüterten und hochgestellten Untersassen beide in ähnlicher Weise abzuschwächen und einzugränzen, nur daß diese auf ihr Panier die Inschrift hefteten: „Gewissensfreiheit," wie jene auf daS ihrige: »Volksrechte" geschrieben haben. Von Erzherzog Carls Regierungsantritt in Steier« mark bis zum Sturz der königlichen Statthalter aus den Fenstern des PragerschlosseS sind vier Jahre über ein halbes Jahrhundert verflossen; was am Schluß dieses Zeitraumes geschah, lag an dessen Anfang schon im Keime verhüllt. Ich habe bei dem Beginn meiner Vorträge dessen Erwähnung gethan, wie Erzherzog Carl durch einen Tumult, welcher zu Grätz ähnlicher Wurzel entsprang, wie die Gräuelthat auf dem Pragerschloß, nach seiner Residenz zurückgerufen wurde, zu Mariazell erkrankte, wenige Tage nach seiner Ankunft in SteiermarkS Hauptstadt starb. Erzherzog Ernst sollte während Ferdinands Minderjährigkeit die Regentschaft führen, bis zur Ankunft deS Erstem jedoch die Erzherzogin. Dessen hatten die unkatholischen Landöleute gar kein Gefallen, denn sie kannten ihre Festigkeit, wo eS katholische Fragen galt. Zwei und dreißig derselben fanden sich kurz nach dem Hinscheid ihres Landesherrn zu Grätz ein und stellten sich, ohne einen ihrer katholischen StandeS- genossen auch nur einzuladen, als steirischen Landtag auf. ES herrschte damals zu Grätz Brodtheuerung, was die Verordneten zu einer Klage bei der Regierung gegen Verkäufer und Bäcker veranlaßte; allein die letzte Schuld deS Mangels wurde, der angenommenen Praris gemäß, ohne weiterS auf die Jesuiten geworfen. .ynny?(!n^4»tNsksinU Am 14. August ernannte dieser angebliche Landtag zwei Abgeordnete nach Prag, unter dem Norwand, Kaiser Rudolph die tt^urige Lage der Gränze und des Landes Unvermögen zu deren ferneren Beschirmung vorzustellen, eigentlich aber Klagen gegen die Erzherzogin und gegen die Jesuiten einzugeben. Die Fürstin war am 7. August ihres jüngsten SohneS, des Erzherzogs Carl, entbunden worden. Die edlen Herren und Ritter hatten nicht so viel Zartsinn, eine ohnedieß tief betrübte Wittwe, eine Mutter in diesem Zustande mit Mißliebigem zu verschonen; hingegen besaßen sie Schlauheit genug, um der Fürstin auS ihrer Schrift an den Kaiser nur dasjenige mitzutheilen, waS sie für gut fanden; dabei lag selbst in der Form ihrer Zuschrift an die Erzherzogin ein Merkmal der Geringachtung, indem sie an deren Schluß die üblichen Curialien vermieden. Maria empfand so daS eine wie daS andere, und die Klage bei dem Kaiser: „sie haben mir die Schrift unverschont meiner so großen Betrübniß gar in das Kindbett überantworten lassen," sind gewiß der Ausdruck einer natürlichen und tief empfundenen Kränkung. Allein trotz ihres DarniederliegenS erließ Maria dennoch an die Landleute eine kurze Abfertigung, an den Kaiser aber ein Schreiben, dessen Färbung die Ueberzeugung rechtfertigt, daß eS unter ihrem persönlichen Mitwirken sey verfaßt worden. Hätte die Erzherzogin vollends gewußt, waS Jene dem Kaiser vorgegeben hatten! Nämlich: seit des GemalS Tod habe sie schon mehrere Verordnungen erlassen, welche den Landesfreiheiten entgegen wären, ein Beweis, daß sie durch Andere sich regieren lasse. Unter diesen Andern waren aber einzig die Jesuiten verstanden, denen Vertreibung wahrer VaterlandSsreunde, Auferlegung von Geld- und Kerkerstrafen, Verscheuchung aller Einigkeit zur Last gelegt, denen Schuld gegeben wurde, daß Niemand mehr Geld auSleihen wolle, daß die Landessteuern schlecht eingingen, daß die Ersorderniß auf die Gränze täglich drückender werde; gerade so, wie ich im Jahre 1348 mit eigenen Ohren die Redemptoristen der Vertheuerung der LebenSmittel in der Stadt Wien anklagen hörte. Die Erzherzogin bemerkte dem Kaiser: „damit, daß die Räthe geblieben seyen, hätten sie nur seinem eigenen bestimmt ausgesprochenen Willen sich unterzogen, übrigens wohl gewußt, daß man eö selbst bei dem besten Wohlmeinen in diesen kitzlichten Zeiten Niemand zu Dank machen könne. Sie selbst habe auf steteS Zumuthen der Herren Vormünder, dem gemeinen Wesen zum Besten und damit die Rechtspflege ihren Fortgang habe, der Sache sich angenommen. Die wider sie erhobenen Klagen wären eben so ungerecht als grundlos. Daher erwarte sie, daß die ihr zugefügte Unbill und die bescheinte Insolenz ernstlich würve in Betrachtung gezogen, den Landleuten ein kräftiger Verweis gegeben werden." Den Freiherrn von Rumpf bat sie, bei dem Kaiser wegen Erzherzog ErnstS baldigem Hereinkommen ernstlich sich zu verwenden. Hätten die Steirer schon ihres seligen GemalS wenig geachtet, wie viel weniger würden sie einen Solchen achten, der ihres gleichen wäre? So viel Rücksicht, hoffe sie, werde der Kaiser doch auf ihre zwölf verwaisten Kinder nehmen. Dann wieder klagte sie Rumpf: „in der Religion gehe e6 so zu, daß Gott sich erbarmen möchte; auch wolle ein Jeder Herr und Landesfürst selbst seyn." Sie sandte demselben zugleich das Original deö Vertrages von Brück, in welchem der Erzherzog bei der ertheilten ReligicnS-Bewilligung die Worte: „Erben und Nachkommen" mit eigener Hand auögestrichen hatte, indeß die Landleute jetzt (wie auch später wieder) deren volle Geltung in Anspruch nahmen. Daher nennt die Erzherzogin jenes Dokument „ihr bestes Kleinod, dessen sie um keinen Preis möchte verlustig gehen." Die Abordnung der Steirer wurde am Hofe zu Prag nach Verdienen aufgenommen. Der Kaiser ließ denselben wissen: für Beschirmung der Gränze werde er bestens sorgen, erwarte aber, daß die Landschaft ihre Pflicht thue, wie bisher. Daß-die Jesuiten, als ein von päpstlicher Heiligkeit und den ReichSconstitutionen anerkannter Orden, von ihnen, der katholischen Religion zum Spott, dergestalt „turbirt" würden, falle ihm höchst beschwerlich; er hoffe, „dergleichen hitzige Anzüge" werden hinfüro unterbleiben. Eben so hätte er sich versehen, die Stände möchten für 75 vaS, was die fürstliche Wittwe in Folge seiner Ermächtigung zu Handhabung der Gerechtigkeit biß anhin vorgekehrt, eher ihren Dank ausgesprochen, als darüber sich beschwert, anbei derselben in ihrer Betrübniß und in ihrem Wochenbette besser geschont haben. Sie hätten fernerer Zusammenkünfte sich zu enthalten, in Geduld die Verfügungen betreffs der LandeSverwallung abzuwarten. Bald nach diesem traf Erzherzog Ernst in Steiermark ein. Bevor die Landleute die Huldigung leisten wollten, versuchten sie, die Erzherzogin sammt ihrem .Bruder, Herzog Wilhelm von Bayern, von der Vormundschaft auszuschließen unter dem Vorwand: Beide gehörtem dem Lande nicht an. Sodann bemühten sie sich, des verstorbenen Landesherrn getreuesten Geschäftsmann, der gleich hohen Vertrauens bei der Fürstin sich erfreuen mochte, den Kanzler Wolfgang Schranz, von seinem Amt zu verdrängen. Er wich freiwillig; allein in Würdigung seines Werthes wollte ihn die Erzherzogin nicht aus dein Geheimen Rath entlassen. Doch nicht einzig dieses, vieles andere wurde weit umher im Lande vollführt oder versucht, waS die Erzherzogin als katholische Fürstin aufs tiefste schmerzen mußte. Kaum war nach langem Sträuben und weitläufigen Erörterungen die Huldigung gegen Erzherzog Ernst als Landpfleger geleistet, als Maria dem Kaiser zu klagen hatte: „schon an verschiedenen Orten hätten Prädicanten sich eingeschlichen, wo doch während ihres GemalS Leben niemals solche sich befunden hätten, sie schickten sich an, noch andere Städtchen in Besitz zu nehmen. Daneben werde zu Kränkung der Ehre ihres verstorbenen GemalS unablässig Mancherlei auf die Bahn gebracht, was er alles versprochen, aber nicht gehalten habe." Erzherzog Ernst stimmte in ihre Klagen ein. „Es reißen, sagte er dem Kaiser, fremde Schwärmereien ein: wolle er Einhalt thun, so heiße eS alsbald: Der Kaiser habe die Religion frei gegeben." Zeiten einer Vormundschaft waren für jedes Land beinahe immer unerquickliche Zeiten, dann um so gewisser, wenn dasselbe durch irgend welche Parteiung zerrissen war. Unter solchen Verhältnissen finden gewöhnlich die Rührigern und Anspruchsvollern die beste Rechnung. DaS waren in Steiermark, wie damals überall, die kirchlichen Neuerer, sie unterscheiden sich von den politischen der Gegenwart einzig durch das Schlagwort. Auf Erzherzog Ernst folgte Erzherzog Maximilian als Landpfleger. Auch dieser konnte bald Zeuge seyn, wie die Gegner des katholischen Glaubens das errungene Zugeständniß, deS ihrigen leben zu dürfen in die wildeste Anfechtung deS seinigen, in die rohesten Ausbrüche wider dessen Bekenner verkehrten. Maria konnte gleichsam unter ihren eigenen Ohren allwöchentlich singen hören: Erhalt uns Herr bei deinem Wort Und sieur' des Papsts und Türken Mord! Nach der Eroberung von Sissek durch die kaiserlichen Waffen (1593) ließ sie Dankgebete und Processionen veranstalten, denen sie mit ihren Kindern und ihren Räthen selbst beiwohnte. Die Prädicanten in Grätz nannten dieses von offener Kanzel „einen Gräuel vor Gott, lautere Abgötterei, wodurch der Türke in daS Land gelockt, größeres Unglück bereiten werde." Die Erzherzogin klagte dem Kaiser: „Bei dergleichen Aufreizung seye zu besorgen, daß am Ende sie und ihre Kinder auf offener Straße vor Schimpf- und Spottreden deS erhitzten Pöbels nicht mehr sicher wären. Sie müsse um Abstellung der Lästerung, um AuSschaffung der Lärmblaser bitten." Wenige Tage später beschwerte sich Erzherzog Maximilian: „besonders daS ledige HandwerkSgesinde werde häufig gegen Ordnung und Gehorsam aufgestiftet." (Gibt eS etwas Neues unter der Sonne?) Der ungezähmteste dieser Lästerer war der Prädicant Fischer, Sohn eines Schusters zu Grätz, besondern Schutzes der Verordneten sich erfreuend. Ein kaiserlicher Befehl an diese, denselben im Zaume zu halten, bewirkte, daß er gegen die Erzher, zog"', gegen ihre Kinder und gegen daS -Mündige Gebet abermals loszog; worauf die Verordneten bei neuer Klage des Erzherzogs entgegneten: daS seyen Anschuldigungen der Jesuiten, die eS auch nicht anders machten. Nachher untersagten sie auf Rüge des Kaisers Fischern zwar das Predigen, scheinen aber das Verbot bald wieder 76 zurückgenommen zu haben, da er am Tage der unschuldigen Kinder nicht allein die frühern Schmähungen wiederholte, sondern jetzt nicht einmal die Person des obersten Vormunds und ReichSoberhaupteS schonte. ES ging auf den unkatholischen Kanzeln, folglich um so mehr unterhalb derselben, in solcher Weise zu, daß Maria sich genöthigt sah, ihren Geheimschreiber Peter Casal mitten im Winter zu Erzherzog Maximilian nach dem fernen Mergentheim in Franken zu schicken, um Abhilfe von ihm zu bitten. Nach einer Zuschrift von dem Kaiser mit der Bemerkung: „Leute von Fischers Art könnten in Residenzen nicht geduldet werden," stellten die Verordneten das Grellste in Abrede, des Uebrigen halber beriefen sie sich auf die zugestandene Religionsfreiheit. Unter so vielfachen betrübenden Erfahrungen konnte Maria nichts weiter thun, als für deS SohneS Heimkehr und einstiges Regieren alles so vorzubereiten, daß ihm genaue Kenntniß des Standes der Dinge nicht fehle; dadurch, glaubte sie, möge er eine richtige Einsicht in die Verhältnisse und Fingerzeige für sein Handeln gewinnen; denn dessen war sie fest überzeugt, daß es so, wie seit deS GemalS Tode, in die Länge nicht fortgehen könne. In solcher Fürsorge befahl sie ihrem getreuen Kanzler Wolf^ang Schranz, „drei Schreiben der Prävicanten sorgfältig bei den Religionsacten aufzubewahren, damit Ferdinand einst Kenntniß erhalte, waS Alles der Pacifikation zuwider sey versucht worden, desto besser hiernach sich richten möge. Gewiß werde eS nie Ruhe gehen, sagt sie in ihrer Zuschrift, wenn man daS Nest nicht auSnehme. Wolle Gott, fügt sie bei, daß es bald geschehe." In diesen Tagen deS durch alle Mittel geförderten AbfalleS von der Kirche ging über die Erzherzogin die Rede: „wie zur Zeit deS Leidens Christi einzig in Maria der Glaube nicht gewankt habe, so in dieser trübm Zeit bei der Erzherzogin." Aber gerade deßwegen richteten diejenigen, welche von dem Glauben der Väter gewichen waren, immerwährend ein scharfes Augenmerk auf sie. Sie maßen daS nachherige Auftreten deS SohneS dem Einfluß der Mutter bei, und säumten nicht, Berichte nach Prag abgehen zu lassen, die ein nachtheiligeö Licht auf dieselbe werfen mußten, und dort nicht immer ohne Einfluß blieben. Ferdinand hatte einen Tobias Fischer, einen ruhigen und verschwiegenen Mann, als Agenten an den kaiserlichen Hof abgehen lassen. Dieser berichtete am Ende des Jahres 1.597: die Erzherzogin werde einer kostspieligen Hofhaltung beschuldigt, und wie sie die prächtigsten und theuersten Waaren von Venedig kommen lasse. Ferner werde vorgegeben: ohne Vorwissen der Jesuiten dürften die geheimen Räthe nichts beschließen, die Schreiber nichts ausfertigen. Niemand könne zu einer Anstellung gelangen, außer durch die Jesuiten; ob der Anzustellende ein Dieb oder ein Schelm sey, darnach werde nicht gefragt, einzig, ob er den Jesuiten gefalle. Die Zahl derselben sey auf hundert gestiegen, meistens aus Frankreich Vertriebene; man habe deren Einkünfte um einige tausend Gulden vermehrt; sie besäßen sogar einen Hauptschlüssel zu den Gemächern der Erzherzogin, um zu jeder beliebigen Zeit freien Zutritt zu ihr zu haben. Diese Anschuldigungen waren eben so grell und ehrenrührig, als grundlos. Sie veranlaßten eine Zuschrift der Erzherzogin an besagten Fischer, welche ihren Charakter in solcher Frische abspiegelt, daß ich nicht zweifle, die hochansehnliche Ve» sammlung werde gerne die Hauptstellen derselben vernehmen. „Daß Alles," sagt sie, „waS innerhalb und außerhalb deS HofeS geschieht, von hier auS dem Kaiser und seinen Räthen berichtet wird, deß trage ich gar keine Scheu. Nicht bloß der Kaiser und die geheimen Räthe dürfen wissen, waS man hier thut, jedermänniglich darf es wissen, man wird nichts finden, waö zu mißbilligen Wäre. Daß aber unwahrhaftcn Schreiben zu Prag so viel Glauben geschenkt werde, deß hätte ich mich niemals versehen. Ich muß eS Gott anbefehlen und sammt meinem Sohn der Unschuld mich getrösten. Wollte ich meinerseits schreiben, waS von Prag Hieher geschrieben wird und wie eS dort zugehe, wahrlich eS gäbe seltsame Händel. Freilich dort kann man nicht sündigen, nichts Unrechtes thun! Indeß diese Sachen gehen mich nichts an, deßwegen lasse ich sie. Aber daS möchte ich wissen, wer über mich und die Meinigen solche Lügen hinausschreibt und sich unterstehen darf, 77 uns gegen dritte Personen so herabzuwürdigen? Hierüber haltet fleißig Nachfrage, und wenn Ihr diese Personen erfahrt, so theilet eS mir alsbald mit. Man schreibt von kostspieliger Hofhaltung. Meine Söhne und Töchter können nicht mehr so beisammen seyn, wie zur Zeit, da sie noch kleine Kinder waren; doch ist alles so eingerichtet, daß, ich nicht wüßte, wie eS haushälterischer könnte angestellt werden. UebrigenS sollen Solche, die eS nichts angeht, um daS, waS wir thun, nicht sich bekümmern. Daß ich um viele tausend Gulven prächtige Waaren von Venedig hätte kommen lassen, davon weiß ich nichts. Zur eigenen Kleidung bedarf ich weder Gold- noch Silberstoffes; wenn aber mein Sohn für sich, für seine Brüder und Schwestern oder für seine Diener etwas kommen läßt, so ist daS bei weitem nicht so kostbar, wie man vorgibt, bloß wie eS die unvermeidliche Nothdurft erheischt. UebrigenS ist mein Sohn hiefür Niemand Rechnung schuldig, und möchten die Leute licber um die eigenen Sachen sich bekümmern und die Zeit besser anwenden, als in dergleichen sich einzumischen. WaS die Jesuiten betrifft, und daß ohne ihr Gutachten nichts dürfe berathen oder ausgefertigt werden, so soll der, der solches vorgibt, zuerst bessern Bericht einziehen; am besten, er frage die Räthe und Schreiber selbst. Daß man sagt, jene hätten einen Hauptschlüssel und könnten nach Belieben in alle meine Zimmer treten. daS berührt die Ehre; wer so etwas schreiben oder reden kann, beweist damit, daß er ein verlogener Mensch sey. Gottlob, ich bin so ehrbar, daß ich solche» Niemand gestatten würde, und bin mit dem Hauptschlüssel so „heikel," daß bis zur Stunde nicht einmal mein Sohn einen solchen hat. ES greife nur jeder in den eigenen Busen, er wird vielleicht mehr darin finden, als waS man über hier Unwahres auSgiebt. Eben so weiß ich von keinem einzigen Pater, der auS Frankreich vertrieben wäre; und die Einkünfte, welche mein seliger Gemahl ihnen angewiesen hat, find durch meinen Sohn nicht um einen einzigen Heller erhöht worden. Daß Schelme und Diebe durch sie zu den besten Diensten am Hofe gelangen, ist eben so wenig wahr, wie alles Uebrige. Hält man denn mich und meinen Sohn für solche Thoren, um dergleichen zu thun? Wollten wir eS aber thun, so haben wir durch GotteS Gnade solche ehrbare, aufrichtige und sürnehme Leute in unsern Diensten, welche gewißlich mit Dieben und Schelmen weder dienen noch bleiben würden. Alles ist „pur lautere" Lüge, wodurch man mich und meinen Sohn bei Ihrer Majestät, den geheimen Räthen und bei Jedermann verhaßt machen möchte. Dessen aber hätte ich mich nicht versehen, daß Se. Majestät, seine Räthe und andere Gutgesinnte dergleichen Leute angehören würden, da sie selbst so wenig als ich und die Meinigen vor ihnen sicher sind. Darum hätten sie ihnen nicht alsbald Glauben schenken, sondern den Sachen besser nachspüren und sich gründlich erkundigen sollen, ob eS sich denn auch also verhalte. Aber alles Gott anheimgestellt! Er wolle eS denjenigen verzeihen, die so wider die Wahrheit reden und schreiben, wobei ich Niemand anders in Verdacht habe, als die Ketzer, denen weder mein Sohn noch ich zu keiner Zeit thun können und wollen, waS ihnen lieb wäre; und werden eS Hinsort noch weniger thun, sollten sie auch noch mehr Lügen hinauSschreiben. Forschet nur diesen Angebern fleißig nach; erfahret Ihr etwas Gewisses, so meldet eS ungesäumt; sicherlich soll eS Euch nicht unvergolten bleiben. Man ersieht aus diesem Schreiben, daß der mehrmals wiederholte Rath der Erzherzogin an ihre Tochter Margaretha bei Anmaßungen des spanischen Hofgesindes: „weise ihnen flugS die Zähne!" keine bloße Redensart war. Wo eS noch that, hat sie es anzuwenden verstanden. Sie war ihrer Stellung, ihrer Rechte vollkommen bewußt, kräftig genug, Beide unter allen Umständen zu behaupten. Und doch einigte sich in ihr das Starke mit dem Zarten in einer Weise, wie solches nur selten vorkommt. DaS letztere wird in der lieblichsten und einnehmendsten Weise hervortreten, wenn wir einmal einen Blick auf die Lebensweise und die Gewohnheiten der Erzherzogin werfen, welchen durchweg der Stempel katholischer Ueberzeugung in dem anmuthigsten Gepräge aufgedrückt ist. 78 Da» Märtyrerthum des katholischen Missionars Bonnard in China. Der hochwürdigste Bischof von Acanthe, Monfignor Reford, schildert im Nachfolgenden an die „^rmsles cle Is propgßstion cle Is koi" gerichteten Schreiben daS von dem ehrwürdigen katholischen Missionär Herrn Bonnard in Tong-King am 10, April v. IS. erlittene Märtyrerthum: Um zehn Uhr Vormittags, als der Obermandarin noch schlief, langte die Bestätigung deS Todesurtheils auS der Hauptstadt an. Ein christlicher Beamter hatte im Geheimen Kenntniß davon genommen und beeilte sich, einigen seiner Freunde die Nachricht mitzutheilen. DaS Gerücht verbreitete sich sofort mit Blitzesschnelle, daß unser ehrwürdiger Mitbruder am selben Abend hingerichtet werden sollte, und von allen Seiten strömten die Neophyten in die Stadt herbei, um dieser Trauerscene beizuwohnen. Von Mittag an waren die Straßen gedrängt voll von Menschen und besonders groß war der Andrang vor dem Thore, von welchem, wie man glaubte, der Trauerzug ausgehen sollte. Die Hinrichtung wurde aber, wahrscheinlich um dem Andrang auszuweichen, auf den folgenden Tag ausgeschoben. Aber auch an diesem Tage war die Volksmenge nicht minder beträchtlich. Vom Morgen an eilte sie dem gewöhnlichen HinrichtungSplatze zu, wo die Mandarine Alles vorbereiten ließen. Aber plötzlich bemerkte man, daß der Missionär nach einem entgegengesetzten Puncte geführt wurde. Die Menge stürzte sofort dahin; sie hatte einen weiten Umweg zu machen, um zur rechten Zeit anzukommen. Es waren daher nur einige hundert Christen zugegen, die dem Martyrertod unseres viel- geliebten MitbruderS beiwohnen konnten. Der Richtplatz war beiläufig anderthalb Meilen von der Stadt entfernt, in der Nähe eines FlusseS. Der fromme Held Christi machte den ganzen Weg zu Fuß, belastet mit dem Schandpfahl und der Kette, die er aufgehoben in der Hand trug; er schritt mit der Miene übermenschlicher Zufriedenheit vorwärts. - Auf dem Richtplatze angekommen, band man ihm die Hände auf den Rücken und so fest, daß Blut herabfloß. Zudem hatten die Mandarine die nöthigen Werkzeuge mitzunehmen vergessen, um den Schandpfahl und die Kette abzulösen. Es bedürfte wenigstens einer Stunde, um die Werkzeuge herbeizuholen und unser geliebter Märtyrer lag während dieser ganzen Zeit auf den Knieen, fest und standhaft, wie eine Säule. Er hatte wenige Augenblicke, bevor er daS Gefängniß verließ, daS heilige Abendmahl empfangen, wie hätte er also weichen oder zittern können! Er betete mit Inbrunst, die Augen zum Himmel gehoben. Als man ihm den Schandpfahl und die Kette abgenommen hatte, stieg der Mandarin, der die Oberaufssicht bei der Hinrichtung hatte, von seinem Kameele herab, um seine Haare zu ordnen und flüsterte ihm einige Worte zu, die man nicht hörte. Unser Märtyrer sagte ihm auch einige Worte, die man eben so wenig hören konnte. Als der Mandarin sein Kameel wieder bestiegen hatte, ertönten drei Schläge auf der Cymbel und das Haupt unseres Freundes fiel unter dem Streiche deS Schwertes. Der Henker hatte ihm mit einem Streiche den Kopf abgeschlagen. Unsere Christen konnten nur wenig von seinem Blute ausfangen, weil die Officiere Jeden, der sich zu nahen wagte, mit Stockschlägen zurücktrieben. Die Soldaten bemächtigten sich des neuen Gewandes, daS Herr Bonnard getragen hatte, so wie auch seiner mit Blut befleckten Unterkleider, die sie unter sich vertheilten, um den Christen einzelne Theile davon zu verkaufen. Die Mandarine hatten zu dieser Hinrichtung viele Soldaten versammelt, so wie auch viele Kameele und Pferde. Wir glaubten, daß er, wie der selige Schäffer auf dem Richtplatz begraben und daß nur sein Kopf inS Wasser geworfen werden würde. Wir hatten bereits alle Maaßregeln ergrissen, um unö der sterblichen Ueberreste zu bemächtigen, woran wir . 79 aber verhindert wurden. Der Leichnam und der Kopf wurden in einer von Soldaten besetzten großen Barke niedergelegt. In einer zweiten Barke befand sich der Obermandarin mit mehreren bewaffneten Leuten; mit LebenSmitteln für drei Tage versehen, ruderten sie ab. Aber ein Boot, in welchem mein Diaconus und zwei unserer Katecheten sich befanden, schiffte in einiger Entfernung zur Beobachtung ihnen voran; gegen Abend wurden auch mehrere Fischerboote von unS nach dem Meere abgesandt. Um acht oder neun Uhr verfinsterte sich der Himmel und es fing an zu regnen. Die Mandarine waren mit ihrer Barke unterhalb von Tam Toa angelangt, wo sie anhielten und nachdem sie einige Operationen, die man nicht sehen, aber wohl errathen konnte, vorgenommen hatten, kehrten sie flußaufwärts zurück. Die Stelle wurde von den Christen in dem Boote in Erinnerung gehalten, die Fischerbarken kamen auch bald herbei. Ein junger Mensch tauchte 25 Fuß tief hinab und stieß gerade aus den Leichnam unseres Märtyrers, dessen Füße und Hände er berührte. Er tauchte hierauf triumphirend mit den Worten auf: „Ich habe ihn gesunden." Die Mandarine hatten einen großen Stein an den Leichnam befestigt und den Kopf in einen kleinen Sack unter seinen Arm gesteckt. Nun wurden die kostbaren Ueberreste sofort aus dem Abgrunde hervorgezogen. Es war ein Uhr nach Mitternacht, als unsere Fischer mit der theuren Last anlangten. Der Leichnam wurde sogleich mit dem priesterlichen Ornate bekleidet, in einen von einer christlichen Familie geschenkten sehr schönen Sarg gelegt und in der Mitte unserer Kirche, mit Kerzen umgeben, bis zum Abend des folgenden TageS ausgesetzt. Wir begruben ihn hierauf mit allen kirchlichen Ceremonien. Ich selbst verrichtete im Beiseyn deS Herrn Legrand, zweier Priester, eineS Diaconen und aller unserer Zöglinge den Gottesdienst. Sein Leichnam ruht also jetzt in unserer Mitte. O! wie schön sah er aus in seinem Sarge, angethan mit dem priesterlichen Gewände: man hätte sagen können, eS sey eine Bildsäule vom schönsten Elfenbein. Sein auf dem Hals sehr gut befestigter Kopf schien in einen ruhigen Schlummer versunken und eine himmlische Vision zu haben, die ihn lächeln machte! Mission in Ghr-nbreitstein. Ehrenbreitstein, im Febr. 1853. Die seit dem 16. Januar d. I. durch die Jesuiten Herren PatreS Haßlacher, Pottgeißer und Baron von Mehlem hier begonnene Mission wurde am 3t). Januar mit einer Procession, der Errichtung deS heiligen MissionSkreuzeö und einem feierlichen Gottesdienste beschlossen. Unserm hochwürdigsten Herrn Bischöfe zu Trier und unserm würdigen Herrn Pfarrer Geschwind, der nun schon über fünfundzwanzig Jahre mit regem Eifer als Seelsorger hier wirkt, haben wir nächst der göttlichen Gnade und Barmherzigkeit diese Mission zu danken. In der That, dieselbe ist ein leuchtendes Zeichen der Gnade und Barmherzigkeit Gottes, welches als solches inniger gewürdigt werden kann, wenn man zurückblickt in jene traurige Vergangenheit, welche über die Geschlechter der Menschen dahingezogen ist, seit auch in den katholischen Theilen von Deutschland die Jesuiten vertrieben wurden. Fast achtzig Jahre find seitdem verflossen, also doppelt so viel Zeit, als nöthig war, um die Jsraeliten in der Wüste zu reinigen und zu bekehren! Unsere Wanderungen in der Wüste scheinen nun auch enden zu sollen, und wir betrachten eS als ein erfreuliches Zeichen, daß die erste Mission, welche die Jesuiten seit ihrer Vertreibung auS der Trier'schen Diöcese in derselben wieder gehalten haben, hier in Ehrenbreitstein, dem alten Sitze vieler Trierischen Kurfürsten und Bischöfe, stattgefunden hat, und bei derselben zwei Eingeborene der alten Diöcese Trier, nämlich die hochwürdigen PatreS Haßlacher und Pottgeißer verwendet worden sind. Die heilige Mission wurde von dem Pater Haßlacher eröffnet und in dem fol« 80 genden CycluS der Predigten, deren täglich viek während voller vierzehn Tage nacheinander gehalten wurden, die Zuhörer zu heilsamen, anregenden Betrachtungen ermuntert und geleitet, die wichtigen und wichtigsten Heilswahrheiten abgehandelt, auch alle Fragen, welche für den sittlichen, nicht verkommenen Menschen die höchste Bedeutung haben, erörtert. In allen Vorträgen, welche die drei hochwürdigen Missionäre hier hielten, offenbarten sie einen innigen, rührenden GlaubenSeifer, eine wahre, begeisternde Christusliebe, eine tiefe Wissenschaftlichkeit, daher , eine wahre, christliche Meisterschaft. Zwei Tage vor dem Schlüsse der Mission geschah nach geeigneter Predigt über den unwürdigen Empfang des hl. AltarSsacramenteS die öffentliche, laute Abbitte—: ein ergreifender, rührender Moment! Die Wirkungen der hiesigen Mission waren und find höchst erfreulich. AuS Ehrenbreitstein, Koblenz und aus der ganzen Umgegend strömten den Predigten täglich so viele Tausende zu, daß die Räume der hiesigen Kirchen dieselben alle gar nicht fassen konnten. Viele, sehr Viele empfingen die heiligen Sacramente, und obwohl wir in den hiesigen Breitegraden — Gott sey Dank — ganz abgestorbene Katholiken nur äußerst wenige, laue Gläubige nicht viele haben, so zündete doch auch bei beiden Classen das Licht der heiligen Mission und hat sie neu belebt der harrenden Mutter, der Kirche, wieder zugeführt. Ein schönes anregendes Beispiel gaben die gebildeten Classen von Coblenz und Ehrenbreitstein, indem sie stets sehr zahlreich bei den Predigten sich einsanden. So thaten auch mehrere Lehrer des Koblenzer Gymnasiums, und unterließen eS nicht, ihre Schüler in die Predigten über die betreffenden Standespflichten zu führen. Auch mehrere Protestanten, den höhern, gebildeten Ständen angehörend, besuchten oft die Vorträge der Missionäre, welche nie ein verletzendes Wort enthielten, sondern nur den Geist der christlichen Liebe athmeten. — Aber dennoch hat die kirchenfeindliche Presse, besonders daS „Frankfurter Journal", auch über die hiesige Mission bereits die schamlosesten Lügen und Verleumdungen verbreitet. Man steht daran, wie tief das arme Menschenherz durch so alte Gewohnheitssünden verhärtet und verdorben wird!— Den Schluß der heiligen Mission machte die Kreuzprocession. Voran zogen die Schulen, dann die Jungfrauen und Frauen, dann ein Sänger< und MustkcorpS, darauf der KleruS, unmittelbar darnach daSgroße Missionskreuz, getragen von Männern auS allen Ständen, indem wir vor dem Heilande ja alle ohne Standeswürde nur arm dastehen. DaS große MissionSkreuz, der KleruS und die sechsunddreißig Kreuzträger, welche je zu zwölf im Tragen des KreuzeS abwechselten, waren von der hiesigen alten SebastianuS - Schützengesellschaft umgeben, und die Tausende von Männern, welche der Procession beiwohnten, bildeten den Schluß derselben. Nach der Aufrichtung des MissionökreuzeS fand die Einsegnung durch den hochwürdigen Pater Haßlacher statt. Seine Schlußpredigt handelte von dem Kreuze, also von der Vollendung — consummstum vst — und so in geistigem Sinne von dem Siege des Christen, den er stets über die Sünde, über seine Leidenschaften, turch sein Kreuz, nämlich die Entsagung, gewinnen soll. Demnächst ertheilte Pater Haßlacher den päpstlichen Segen über die große, große Menge der anwesenden Gläubigen. Die hochwürdigen Missionäre werden fortleben in unserer dankbarsten Erinnerung; sie haben eine wahre Erneuerung deS christlichen Bewußtseyns und Lebens ider ganzen Gemeinde und Umgegend bewirkt, daher daS kostbarste Gut, den Frieden der Seele, uns Allen mehr gesichert I (D. VolkSH.) >is schlM ,nci n >ii izrn . iibchi^ S>chi!»»?ji» yi:» b!v Hz n»jH«itt«t ^»»ÄvH'.'MÜli'iiK l ni "HyLjL! ».»ch'i'nnT Suo gmi'öizrliM 7Nt!i im ,^6chlM Änit mtmijruH n^-i -.---r? -IM« 5ylV n,iw an? ,N!-ini-s/iii>?!lP m „i-j -m5>i »snSi(L lM!» ^uviclZkuW 'iMz^MlHna ivl .n-W i„i n',,f.'.! ^ui-i u^!>r>,'- .mMY»k'Nr-k! S.vu ,3. März H"- KL. !8.^3. Dieses Blatt erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der halbjährig? Abonnementsvret« 4V sr., wvfür es durch alle fönigl. bayer, Postämter und all« Auchhaudlungev bezog«» werden kann- Bericht über die von t?. L. Wenninger 8. ^. im Jahre 1852 abgehaltenen Missionen in den Vereinigten Staaten Nordamerikas. ytilltVÄ?» ÄNll N.vtvs' '/^MiM>W 75? Mi .>>»^i^«?^,»» «. >u^»>»» ^ Ich begann in diesem Jahre meine MissionS.arbeiten mit der Erneuerung der Mission, die ich im verflossenen Jahre in der heiligen Marienkirche zu St. LouiS abgehalten. Wenn eine Mission Gutes bewirkt, so gilt daS sehr oft noch mehr von der Erneuerung der Mission. Missionär und Volk keynen sich schon; eS ist der Besuch deS ArzteS, der sich um seinen ReconvaleScente» erkundiget, was gleich ermunternd für die Standhaften, und heilsam für die Schwachen wirkt. Der Gegenstand meiner Betrachtungen und Unterweisungen war die Betrachtung von den „zwei Fahnen", nämlich von der Fahne Christi und der deö Luziser. Diese Betrachtung bietet den geeignetsten Stoff durch acht Tage für eine GeisteSerneucrung, und um darauf hinzu» weisen, wo eS gefehlt, wenn man auch nach der Mission nicht gültig gekämpft als Kind der streitenden Kirche GotleS. Besonders in jenem Stadttheil von St. LouiS, der von leichtsinnigen Christen und Religivnöspötteru arg heimgesucht ist, taugte mir daS Thema. DaS Volk nahm wie bei der Mission den lebhaftesten Antheil daran. Der hochwürdige Herr Generalvicar Melker wacht als eifriger Seclenhirt über diese Gemeinde. Die guten Tiroler-Sänger auS der Familie Hauser, die hier etablirt find, erhöhten durch ihren harmonischen Gesang die Feier der Abendstunden. Als ich während der Mission in mein Zimmer eintrat, fiel ein Schuß, und drang dnrch daS Fenster in daS Zimmer. Wie daS gemeint war weiß ich nicht, allein eS stimmte so ziemlich mit dem Thema ein, das ich so eben behandelte: „Loelesis militsns!" „die zwei Kriegesfahnen." Als ich diese Renovation beschlossen ließ mir der hochwürdige Psarrer der Drei- faltigkeitSkirche zu Neubremen, der Schwesterstadt von St. LouiS, keine Ruhe, auch dort die Erneuerung der im verflossenen Jahre daselbst abgehaltenen Mission vorzunehmen. Ich erklärte zwar, daß eS unmöglich sey, bei so vielen MissionSgelegcnheiten da wo noch keine Mission war, sich mit Erneuerung derselben zu befassen, waS nur ausnahmsweise in St. Louis geschah; er hielt solange an, bis ich einwilligen mußte. Mein Thema war die Parabel von dem Verlornen Sohne. — Neubremen ist der Hauptsitz der sogenannten „freien Männer" in St. LouiS. ES ist dieß ein wahrer SatanSbund, der darauf ausgeht, dem Volke nicht nur allen Glauben, sondern jedes religiöse- Gefühl aus dem Herzen zu reißen. Der Stifter dieselben ist ein gewisser Börnstein, Redacteur einer radikalen Zeitung, genannt „der Anzeiger deS Westens." ES freut mich, kürzlich gelesen zn haben, daß zwei Dränen in St. LouiS demselben auf der Straße aufgepaßt, und mit Ochsensehnen den Rücken tüchtig durchgeklopft. — Börnstein warnte seine Neubremerfreunde bei dem Beginn der Mission, sich nicht von .tzttlm'illnE. nwskxn'tE den Jesuiten bethören zu lassen, sondern sich fest an das Losungswort zu halten: „AlleS zur größeren Ehre der reinen Vernunft." Er schickte auch einen seiner Emissäre hin, zu hören, wovon ich predigte. Der Mann kam gerade zur Betrachtung von der Hölle, und fühlte sich natürlich nicht ganz behaglich darin. Eben diese Besorgtheit der sogenannt freien Männersecte machte, daß die Katholiken noch entschiedener auftraten, und waS bei Erneuerungen der Mission sonst nicht geschieht, am Schlüsse Kanonen abfeuerten, und unter festlicher Musik ihre Vorsätze unter dem Kreuze erneuerten. — Einige Protestanten, welche selbst bei der Mission im vorigen Jahre noch hart geblieben, ergaben sich jetzt und legten ihr Glaubensbekenntniß ab. Ich überschiffte hierauf den Mississippi und gab die Mission in der St. Libor^i Gemeinde, der Diöcese Chicago angehörig, im Staate JlinoiS, welcher St. LouiS und dem Staate Missouri gegenüber liegt. — Ich fand daselbst die beste Gemeinde von Deutschen in ganz Amerika. — Der gute Pfarrer sagte mir bei meiner Ankunft: „Sie finden hier ein Volk, wo Jeder will "was Einer will, sie sind ein Herz und eine Seele." So fanv ich eS auch in der That. Ich richtete daselbst ein Missionskreuz auf einem hohen Piedestal auf, waS bei einem Kreuz von etwelchen dreißig Fuß Höhe einen majestätischen Anblick gewährt. Bevor ich eS aufrichtete that ich der Gemeinde einen Vorschlag, waS ich sonst nicht zu thun pflege; allein der gute einmüthige Zustand derselben bewog mich dazu, besonders da der Pfarrer eS sehr wünschte. Diese Gemeinde besitzt die größte Landkirche im Staate Jlinois. Es lasteten aber noch Schulden auf derselben. Da bemerkte ich der Gemeinde, wie schön und erbaulich es wäre, wenn sie, bevor ich daS Kreuz als Andenken an eine so huldreiche Gnadenzeit errichte, die Kirche von allen Schulden befreiten; damit sie das HauS deS Herrn sey, der sie so eben in seiner unermeßlichen Erbarmniß von ihren Schulden vor seinen Augen befreit hat. Ich that den Vorschlag, um alle Störung zu meiden, vaß jeder für sich auf einen Zettel dem Pfarrer seine Gabe aufzeichne oder sonst privatim übergebe. — Mit Freuden folgte das Volk der Einladung und nicht nur wurden sogleich die Schulden gedeckt, sondern der Rest deS Geldes wurde bestimmt, um eine Glocke herbeizuschaffen, die als Andenken an die heilige Mission täglich zum englischen Gruß geläutet werden sollte. — Während dieser Mission ereignete sich auch noch der Fall, daß ein Eheweib ihren lutherischen Mann bat, ihr die Legende der Heiligen zu kaufen. Ich pflege Sorge zu tragen, daß daS Volk sich die Legende des?. Vogel, die ich für Amerika neu bearbeitete, anschaffen könne. Der Mann kauft die Legende, und lieSt darin im Heimfahren auf seinem Wagen. Er las hierauf die ganze Nacht fort im Hause, und am Morgen erklärte er, er wolle auch ein Kind jener Kirche seyn, wo diese Heiligen gelebt. Welch ein Trost für sein gutes Eheweib, und für mich und die ganze Gemeinde zugleich. Nach dieser Mission gab ich die Renovation zu Belleville. — ES ist diese Stadt besonders von sogenannten Lichtfreunden 5 !a Hecker bewohnt, der in der Nähe dieser Stadt lebt. DaS Beispiel von St. Louis regte den Pfarrer von Belleville so auf, daß ich nicht umhin konnte, auch in seiner Gemeinde diese Missionserneuerung vorzunehmen; — es darf mich auch in der That nicht reuen, es gethan zu haben. Hierauf begab ich mich in daS große deutsche Settlement von Germantown oder Schollkreek. — Diese Gemeinde bewohnt um ein Stävtlein herum eine der Prairien JlinoiS'. ES sind dieß große Ebenen ohne Waldung. Dieselben bieten im Frühjahr, wenn alles mit Grün und Blumen bedeckt ist, einen herrlichen Anblick. — Wie eifrig sich die Gemeinde an der Mission betheiligte mag ein doppelter Fall beweisen. Ein Mann, der trotz dem besten Beispiel der ganzen Gemeinde, die alle zeitlichen Geschäfte beseitigte, dennoch vorgab, mit seinem Gefährt zu irgend einer Arbeit forlzu- müssen, trieb seinen Wagen durch die Prairie, während die übrigen Leute insgesammt in die Kirche eilten. Da blieb er nun im Kothe stecken, der an manchen Stellen dieser Prairien furchtbar tief ist. Da nun kein Mensch in den Häusern war, der ihm heraushelfen konnte, da Alles zur Kirche ging, mußte der Mann zur Heilsomen Buße, daß er nicht dahin gegangen, den ganzen Tag im Kothe stecken. Alles sagte lachend: 83 DaS geschah ihm recht! — Einen noch auffallenderen Beleg dieses Eifers gab mir eine Aeußerung des hochwürdigen Herrn Pfarrers selbst. — Er wurde zu einem Kranken gerufen, und sagte bei seiner Heimkehr, wie sonderbar eS ihm gewesen, daß er auf der ganzen Prairie, wo man sonst bei diesem weiten Ausblick über alle Häuser und Felder immer so viel Menschen sieht, auch nicht einen einzigen gesehen; so daß sein Pferd selbst durch diese ungewohnte Einsamkeit erschreckt scheu um sich blickte, und ganz froh aufwieherte, als eS, zur Kirche kommend, dort die Leute versammelt erblickte. Dieser Pfarrer ist der in Bayern bekannte Graf Moragna, der seither zu den Bene- dictinern in Pensylvanien eingetreten. — DaS MissionSkreuz erhebt sich gerade im Mittelpunct deS StädtleinS, und kann in weite Fernen gesehen werden, da eS wie gesagt von diesen weiten Ebenen umgeben ist. Von hier auS fuhr ich den Mississippi aufwärts nach Alton. — Diese Stadt hat eine sehr verkommene kleine deutsche Gemeinde. Vergebens hatten sich schon einigemale Missionäre dahin begeben, um den Eiser derselben zu beleben. Es gelang mir mit Gottes Beistand , dieselbe durch die Mission in der Weise zu beleben, daß der Seelsorger bei meiner Abreise mir sagen konnte: „Wenn bei andern Missionen nur der fünfte Theil von dem geschieht, was hier geschah, so kann man Gott nicht genug für den Segen derselben danken." Ich kehrte von dort nach St. LouiS zurück, um in der dasigen St. Vincenz- kircke noch unvergleichlich mehr Trost zu erleben, und die Gnade deS Herrn anzustaunen. — Ich hatte zwar in St. LouiS schon drei Missionen und drei Renovationen gegeben; indeß blieb eS doch sehr wünschenSwerth und nothwendig, auch im südlichsten Theil der Stadt eigens eine Mission abzuhalten. Man kann nämlich in den Städten Amerikas auS Rücksicht auf die Ort- und Arbeitverhältnisse die Mission nicht anders als am frühen Morgen und am späten Abend abhalten. Da allerdings versammelt sich die ganze Gemeinde, aber die entfernteren Gemeinden können nicht in Masse Antheil nehmen, besonders nicht in St. Louis, welche Stadt bei fünf englische Meilen lang ist. Während des Tages sind nur Standesunterweisungen für das Frauen- geschlecht und die Kinder möglich, und die Beichtgelegenheit nach den verschiedenen Ständen. Ich entschloß mich demnach, der Einladung der Väter Lazaristen zu folgen, und mit dem Beginn der heiligen Fastenzeit eine große Mission in ihrer großen, ja wohl größten Kirche von St, Louis zu eröffnen. Diese letzte Mission von St. LouiS war ohne Zweifel auch die besuchteste und denkwürdigste. — Ja wo sind denn die Leute, hieß eS in den leer stehenden Gasthäusern. Alles ist in der Kirche, war die Antwort. Da gingen auch solche auS Neugierde, die sonst wohl nie gekommen wären. Selbst der oben genannte Börnstein mit ungefähr sechzig der sogenannten freien Männer fand sich am Schlüsse ein, und mehrere derselben bekehrten sich währen» der Mission selbst. Die Kirche wurde so gedrängt voll, daß das Volk in der Nacht vor den drei eröffneten Kirchthüren noch auf der Straße stand. — Das Missionskreuz stand am Schlußabend auf einer Platform im PreSbyterium, mit strahlenden Pyramiden umgeben, und eiu LöWstimmigeS deutsches „Großer Gott wir loben dich" erhob sich durch die mit zahllosen Lichtern beleuchteten Räume des großen Gotteshauses dankerfüllt zum Himmel. Einige Protestanten legten noch TagS darauf ihr GlaubenS- bekenntniß unter dem MissionSkreuz ab. Von St. LouiS eilte ich nach EvanSville, im Staate Jndiana am Ohio gelegen. Ich gab dort die Mission in der großen neuerbauten deutschen Kirche. — Merkwürdig war mir bei dieser Mission die Aeußerung einer zur heiligen Kirche bekehrten Protestantin. Sie sagte nämlich, daß der Hauptbeweggrund ihrer Bekehrung der gewesen, daß sie bei aufmerksamer Lesung der heiligen Schrift aufgefunden, daß gerade die Katholiken das besäßen und in Uebung hätten, wovon die heilige Schrift spricht, und was man bei den Protestanten vergebens sucht, die doch gerade auf daS Zeugniß der heiligen Schrift sich zu berufen pflegen: als da sind: ein Priesterthum, ein Opfer, daS Fasten, die heilige Oelung, die Ehe als Sacrament und dergl. - Gewiß ein offenbarer Beweis, wie nicht nur diese Person, sondern jeder aufrichtig die Wahrheit suchende Protestant durch daS Zeugniß der heiligen Schrift selbst zur Erkenntniß der Wahrheit der heiligen Kirche gelangen könnte, und wie man mit Recht den Protestanten gerade die Worte entgegenhalten kann, die Christus zur Beglaubigung seiner Senkung den Juden sagte: Ihr meinet, daß in den heiligen Schriften daS Leben sey; forschet in denselben, sie selbst sind eS, die von mir Zeugniß geben. — DaS gilt auch von der heiligen Kirche GotteS. Von EvanSville hatte ich einen weiten Weg zur nächsten MissionSstation zurückzulegen. Doch da besonders in Amerika alles mit Dampf betrieben wird schwinden die Entfernungen. Ich eilte nämlich nach New-OrleanS, um daselbst noch in der heiligen Charwvche die Missionen zu eröffnen. Das Dampfschiff, welches mich dahin brachte, ist das größte, daS je die westlichen Gewässer befahren. Der Name selbst sollte eS anzeigen: eS heißt Eklipse. Ein in der That prachtvolles Boot; daS schönste und reichste, daS ich je gesehen. Es mißt 365 Fuß in die Länge und 18 in die Breite, und hat 17 Boilers oder Dampfkessel. Ein Maler hätte am Bord des Schiffes die schönste Gelegenheit gehabt, die verschiedenen Ausdrücke der Verwunderung an den schwarzen und weißen Gesichtern auszuzeichnen, welche, wenn daS Schiff an einem Ort anlegte, herbeieilten, um dasselbe in Augenschein zu nehmen.— Merkwürdig und sehr angenehm ist auch der Eindruck einer so schnellen Fahrt vom Norden nach dem Süden ob deö wechselnden Eindrucks des Landes und des Klimas. Ich verließ EvanSville im Staate Jndiana noch mit Schnee bedeckt, und stehe nach ein paar Tagen war ich mitten im Frühling, und noch ein Tag und ich fühlte die Sonnenhitze, so daß ich mich schnell um eine andere Gattung von Kleidern umsehen mußte. New-Orleans gilt als die sittenloseste Stadt der Welt. Wie der Boden so ist daS Erdreich der Herzen. Der Boden ist reine Alluvion vom Schlamm deS Mississippi, der bei der Stadt höher als dieselbe liegt, vorbeiflicßt. Jährlich ist AlleS in größter Gefabr der Ueberschwemmung, und das Versinken der Stadt ward ihr oft vorausgesagt. Da bleibt nun auch nur das von der Einwanderung der Deutschen hangen, waS nicht mehr weiterkann, und hat man sich etwas erworben, dann halten manche geknüpfte Verhältnisse die Ankömmlinge fest. — Großer Gott! wie sah eS da auSÜ — Ich begann die erste Mission zu Carolton,-einer Schwesterstadt von New- OrleanS, und mit ihr durch eine Eisenbahn verbunden. Ich dachte mir, als ich die Kanzel betrat, unwillkürlich, waS die Machabäer zum Herrn gerufen: Herr, wenn du nicht hilfst, dann ist hier AlleS verloren. Osgtio — ex nikilo. Doch daS eben war mein Vertrauen und täuschte mich nicht. Ich halte den Trost wie in Ncw-OrleanS noch nirgend erlebt. Ich staunte nur, wie und warum die Menschen jetzt herankamen, die Jahre und Jahre lang die Kirche nicht betreten. Frauen, die 10 und 16 Jahre keine Messe gehört, und nichts zur Entschuldigung zu sagen hatten alS: Andere haben eS auch nicht gethan; oder, ich wußte nicht, daß eine deutsche Kirche hier sey. — Laßt euch doch uicht zum Narren haben, eS gibt ja gar keinen Gott! so schrie ein Mensch noch während der Mission — und anch dieser Mensch kam!! kx uns nosoe omnes. — Der Piarrer sagte, er habe nicht den zehnten Theil seiner Pfarrkindcr, die sich jetzt zur Mission versammelten, früher gesehen. — Auch die Crevlen und mehrere Neger, die französisch und englisch sprechen, nahmen Antheil daran und beichteten. Dieser Umstand eröffnete mir die Gelegenheit zn einem Sclaventriduum, das ich später gab. DaS MissionSkreuz richteten wir in der Kirche am heiligen Charsreitag gegen drei Uhr Nachmittag auf: ein herrliches großes Kreuzbild mit einem Christus in Lebensgröße; ein Geschenk des hochwürdigsten BisckofS von Mobile. Eingeweiht wurde eS am Osterdienstag als dem Schlußtag der Mission. Hierauf eröffnete ich am weißen Sonntag in der Osteroct.we die Mission in der Stadt New Him,G R hatten, und am Schlüsse war die Stimmung in dieser früher so zerrissenen Gemeinde so einhellig, daß man sagen konnte, man wußte nicht Einen, der nicht derselben guten Gesinnung und Stimmung geworden wäre, wie der Guß einer einzigen Glocke. Man schritt sogleich zum Wiederaufbau der Kirche, und der Bau schreitet nunmehr, so viel mir bekannt, rasch seiner Vollendung entgegen. Bevor ich New-OrleanS verließ wartete meiner noch eine andere peinliche, aber zugleich doch überaus trostreiche Arbeit. Man bat mich, ein JubiläumStriduum für die Sclaven auf einer Plantage jenseits deS Mississippi zu halten. Ich sagte scherzweise: wenn ich fünfzig Neger zur heiligen Kirche aufnehmen kann, komme ich. Man nahm den Vorschlag lächelnd an, und er erfüllte sich buchstäblich. Eine sehr eifrige betagte Person, eine Französin, oder wie man hier sie nennt, eine Creole, d. h. eine in Amerika gebonie Französin, bereitete mir daS Feld. Ich gab daS Triduum und hatte die Freude, bei fünfzig dieser Sclaven, die theils ungetaust, theils Methodisten oder Presbyterianer waren, in die heilige Kirche aufzunehmen. Allein eS war auch ein hartes Stück Arbeit, und ich dachte öfter an den seligen ?. Claver, der den Kelch in vollen Zügen durch vierzig Jahre schlürfte, aus dem ich nur drei Tage einige Tropfen trank. — Ich predigte nämlich unter TageS den freien Creolen französisch; Abends den Sclaven französisch und englisch. Im April ist eS in New-OrleanS schon sehr heiß, eS liegt im Breitegrad von Cairo. Um dem ungeheuren Andrang der MosquitoS abzuwehren mußte man die Fenster und Thüren der vollgepfropften kleinen Kirche schließen. Waren die Predigten vorüber, dann drangen die MoSquitoS doch in solcher Menge ein, so wie man die Thüren öffnete, daß die Wände ganz schwarz belegt schienen. Nun hieß eS bis zwei Uhr Nachts und darüber Beichtsitzen, und dann gegen Morgen mit Rauch und Dampf diese andächtigen Thierlein wieder aus dem Kirchlein vertreiben. Doch wie verschwindet diese kleine Last gegen den Trost, den man hat, so vielen verlassenen und doch für das Reich Gottes so ganz bereiteten Seelen beizustehen. AuS Mangel an Seelsorge gehen in Louisiana unzählige Seelen besonders unter den Sclaven verloren. Ich fand einen ziemlich bejahrten Neger auf dem Felde im Vorbeigehen, und hörte, dasz er noch nicht getauft sey. Ich redete ihn an, sprach von der Erlösung durch Jesum Christum, und von der Nothwendigkeit der heiligen Taufe, und verwies ihn an einen nicht weit davon wohnenden Priester zum ferneren Unterricht, Bald darauf wurde er mit noch einer Negerin getauft, indem er sich dabei äußerte, „eS sey ihm nur leid, daß ihm Niemand früher etwas davon gesagt habe!! — AIs ich mein Triduum bereits endigte, kam noch eine Negerin in die Sakristei, warf sich auf ihre Kniee und rief: ich habe gehört, Sie seyen gekommen im Namen des Herrn! Vater, retten Sie mich. Ich nahm sie noch in die h. Kirche, auf. So füllte sich in wenigen Tagen die Zahl von fünfzig, die mir auf dem Weg meiner Mission wie verwahrloste reife Früchte zu hängen schienen, und die zu pflücken sich Niemand kümmert. Wie viele Seelen find in und bei New- OrleanS und überhaupt in Louisiana, Alabama, und in den Sclavenstaaten in derselben Lage. Ick folge meinem Berufe, unter den Deutschen hier zu wirken, deren geistliche Nöthen nicht geringer sind, aber eS blutet mein Herz vor Schmerz, wenn ich mit Augen sehe, wie viel hierorts für die Neger gethan werden könnte, und wie Niemand ist, der sich um dieselben kümmert. Schon hatte ich wieder das Schiff bestiegen, um nach Jndiana zur Abhaltung von Missionen zurückzueilen, da erhielt ich ein drittes Schreiben von Mobile, wo mein alter Freund Jenni verweilt, der endlich eist sich entschließen konnte, auS Gehorsam Priester zu werden, vor welcher Würde seine Demuth sich so lange sträubte. Er bat mich so inständig, Ihm den Trost nicht zu versagen, und seine Primizpredigt daselbst zu halten, daß ich mich entschloß, seinem Wunsche zu willfahren, da man in einer Nacht von New-Orleans über die Seen des GolseS von Merico dahin führt. Er lud mich ein im Namen aller Väter des Kollegiums, mit der Bitte, den vielen Zöglingen daselbst zugleich zu predigen. Ich eilte dahin, und bereue eS nicht daselbst gewesen zu seyn. Ich tröstete mich nicht nur, meinen guten vortrefflichen . , 86 Freund am Altare begrüßen zu können, sondern eS erfreute mich auch sehr, dieses blühende Institut der Gesellschaft Jesu in Augenschein zu nehmen. Gegen 3l)0 Zöglinge der besten Familien des Südens werden daselbst erzogen. Der Moniteur catho- lique von Ncw-Orleans sagt in einer der letzten seiner Nummern, der Succeß dieser Erziehungsanstalt sey beispiellos. — Ueberhaupt haben die Vereinigten Staaten außer den Iesuitencollegien kaum zwei oder drei katholische Erziehungsanstalten für höheren Unterricht, was zur Steuer der Wahrheit hier beigefügt werden muß, um sich zu erklären, warum die Gesellschaft Jesu hierorts ein so besonderes Augenmerk auf die Collegien richtet. Die Hoffnung der Kirche in Amerika beruht ganz besonders auf der heranwachsenden Jugend, und die ist viel zu wenig bedacht. Wären diese vielen Iesuitencollegien nicht, die höhere Bildung der Jugend läge beinahe gänzlich in den Händen der Protestanten. Springhill liegt auf einem Hügel nächst der Stadt Mobile und gewährt einen prachtvollen Ausblick auf die Bai und Umgegend. Ich versprach den Deutschen, die so eben zum Bau einer eigenen Kirche sich vereinigen, dahin zu kommen, so bald dieselbe vollendet ist, um die Mission abzuhalten. Dieß dürfte dann geschehen, wenn ich in einiger Zeit, dem Rufe deS Bischofs von Galveston folgend, mich zu den Deutschen in TeraS begebe. (Schluß folgt.) glll,??«« IUUl»y»yiM °w,1 »II u .»!ws llvv ^yli>> I!^>»! iliiiqcmqiljllciS 1>«z'k> ^«>lMp5»M - - S0Z!iist^(jM .1 .i.j,! ^ Entweder — oder! Dem Deutschen Volksblatt wird aus dem Schwarzwald geschrieben: Wie ich vernehme, soll der geistliche Rath und Professor Schleyer aus dem Kataloge der Vorlesungen an der Universität Freib.urg für das Sommersemester gestrichen worden seyn. Sehen wir darin auch nicht mehr, als daß gewisse Leute ihr Müthchen gekühlt, so dürfte eS doch an der Zeit seyn, ernstlich zu erforschen, waS diese Menschen und waS wir eigentlich wollen. An ihren Früchten werden wir sie erkennen! Sie haben dem Unterthanen den Glauben an Gott genommen, indem sie ihm die sogenannte Aufklärung, d. h. Versinnlichtheit predigten. Der schlichte, nüchterne Geist ist deshalb von unserer Bevölkerung mit der alten deutschen Treue und Biederkeit gewichen; mit der modernen Kleidung hat diese die Verdorbenheit, Untreue, Verschlagenheit angezogen. Sie haben die Klöster, daS lebendige Bild der religiösen Sittlichkeit, daS Obdach der Unglücklichen, die Nährstätte so vieler Armen, den Beschäftigungsort so vieler Arbeitslosen abgeschafft; daS Kirchengut, daS seinen reichen Segen so vielen jetzt unglücklichen Gegenden — wie die um St. Blasien — brachte, verschlungen; die Zehnten mußte der Bauer, dem es früher nickt schwer wurde, einige Garben von den ihm durch GotteS Gnade Geschenkten seiner Kirche zu bringen, ablösen. So fiel er in die Hände der Wucherer. Die Hofgüter wurden zerstückelt, die Erblehen aufgehoben. Während früher die Familie durch die heilige Religion zur Liebe, Demuth und Duldung angefeuert, friedlich beisammen auf dem gemeinsamen Gute lebte, unsere Bevölkerung die Armuth nicht kannte, haben es diese „Volksbeglücker" nun durch Abschaffung alles Althergebrachten so weit gebracht, daß jetzt ganze Dörfer vergantet werden. Die moderne Erziehung hat diesen Unglücklichen auch ihren letzten Trost — die Religion — genommen. Und von einer so systematisch cntmoralisirten Bevölkerung erwartet man noch Unterthaneiitreue? Wenden wir uns zu den sogenannten Gebildeten: Gervinus hat eS nur zu sehr verrathen, daß Alle, die nicht streng religiös - conservativ sind, eS mit den KossuthS und Mazzinis halten I Und gerade den noch übrigen Theil der Bevölkerung, die Männer, welche nicht — wie die Gothaer — zur Zeit der Gefahr Verrath spielten oder feig davonliefen; den Theil, auf welchem allein die Zukunft der Monarchen ruht, sucht man bei unS auf alle mögliche Weise von ihrer treuen Gesinnung abwendig zu machen. Man verfolgt Büß, Schleyer und Andere, läßt aber die Atheisten und Demokraten — daS sind jetzt nach Gervinuö' Geständnis) auch die Gothaer — ihre verderblichen Fäden spinnen. 87 Die Menschen, welche jetzt Raub und Mord in Europa entzünden — sie haben es auf den Schulen, auf den Universitäten gehört; oder — was sollte einen Pan- theisten oder Atheisten von dem Schändlichsten abhalten? Sollten diese nicht AlleS wagen, um das zu verwirklichen, was ihnen als Höchstes in einer Zeit eingeimpft wurde, in welcher der Geist am empfänglichsten ist? WaS auf den Schulen versäumt wurde, das holten die atheistisch-anarchischen Schriften nach. Und — doch wird Dr. Büß zur Verantwortung gezogen, weil — er Reorganisation der Erziehungsanstalten im religiöS-conservativen Sinne will!! — GervinuS, der immer RongeaniS- mus und „Revolution" gepredigt, wird — wie bemerkt — von Männern in Schutz genommen, deren Pflicht eS wäre, das gefährliche Unwesen offen und entschieden zu bekämpfen, und damit ja kein gutgesinnt-energischer Beamter sich mehr an seiner ron- gisch-revolutionären Hexenküche vergreife, muß jetzt zuvor gefragt werden, ob eS erlaubt und genehm sey, den bösen Feind zu beschwören. Erinnert nicht GervinuS' Proceß an jenen gegen Struve? Dieselbe Zeit, dieselben Freunde, dieselben Lügen. Die neuesten Ereignisse haben gezeigt, daß Europa ein revolutionärer Vulcan ist; dieser Erscheinung gegenüber sollten unS endlich die Augen aufgehen! Es gibt jetzt nur ein: Entweder — Oder. Entweder die Fürsten lassen es gehen wie eS ging, entfremden sich noch die letzten treuen Kämpfer; und wir gehen unwiderruflich einer noch nie gesehenen Barbarei, Anarchie und Gottlosigkeit entgegen. Oder sie schaaren alle religiöS-conservativen Elemente zusammen, und kämpfen den Unglauben, GothaiS« muS und alleS Unsittliche von Grund auS darnieder. Dieß kann aber nur geschehen, wenn eine neue Generation in den wahren Grundsätzen der Religion und Unterthanentreue erzogen wird. Letzteres ist eine bloße Folge deS Ersteren. Deßhalb war, ist und wird daS Felbgeschrei der Anarchisten immer seyn: „nieder mit den Pfaffen, nieder mit den Jesuiten." Ja, die Religion allein ist die Stütze des Staats. Möge man ihr frekS Walten gestatten, möge man der Kirche — indem man sie freigibt, reichen Segen, den Völkerfrieden und das Glück ihrer Fürsten wieder bringen lassen; möge man ihr durch Administrirung ihrer Güter, Anstellung der Geistlichen die Lebensader nicht ferner unterbinden. Die Kirche kann nicht wirken, so lange sie Diener hat, die nicht ganz von ihr abhängen; anerkenne man ihre natürlichen und geschichtlichen Rechte und sie wird das Unkraut ausrotten, und zeitlich und ewig glückliche Menschen wieder schaffen — ehe eS „zu spät" ist! DaS Coneordat zwischen Oesterreich und dem römischen Gtuhle. (Nach dem Unlvcrs.) Die deutschen und italienischen TageSblätter haben verschiedene Male von den Unterhandlungen gesprochen, welche zwischen Oesterreich und dem heiligen Stuhle zum Zwecke eineS ConcorbateS eröffnet worden seyen; sogar die Namen Derjenigen, zwischen welchen diese Unterhandlungen gepflogen worden., sind von diesen Blättern veröffentlicht worden. Von Seite deS Papstes ist eS der päpstliche Nuntius in Wien, Viale Prela, von Seite der österreichischen Regierung die Herren: Graf Buol-Schauenstein, Ministerpräsident, Graf Thun, CultuSministcr und der Fürstbischof von Seckau. Diese erfreuliche Nachricht findet ihre volle Bestätigung in dem Hirtenbriefe des ErzbischofS von Mailant, auS welchem wir einige Stellen unsern Lesern mittheilen wollen. Der Erzbischof erklärt, diese Nachricht auS dem Munde des Kaisers selbst vernommen zu haben, und fordert deßhalb die Geistlichkeit seiner Diöcese zu eifrigen Gebeten für einen glücklichen AuSgang dieses wichtigen Unternehmens auf. Mit heiliger Begeisterung spricht er sich für den jugendlichen Kaiser, seinen Herrscher, auS; von ihm sagt er unter Ändern: „Gepriesen sey der edelmüthige Monarch, der, getreu den alten und glücklichsten Ueberlieferungen deS frommen HauseS von Habsburg und Lothringen, vor dem Angefichte aller Völker seine aufrichtige Anhänglichkeit an den Mittclpunct der kalhol. Einheit und seine Dankbarkeit gegen Gott hat bekennen wollen, der auf wunderbaren Wegen daS glorreiche Erbtheil seiner Ahnen aus den fürchterlichsten Stürmen gerettet 8« und auf seine jugendliche Stirne die Kaiserkrone, glänzender als je, gesetzt hat. Gepriesen sey der weise Herrscher, der ganz beschäftigt mit der Erneuerung der von Gott ihm anvertrauten socialen Familie, die er wachsam und kräftig mit der Schärfe seines Schwertes zu schützen weiß, mit Eifer daran arbeitet, ihr als eine andere Stütze die nicht weniger nothwendige Kraft der sittlichen Institutionen und besonders der heiligen Religion zu geben, deren Kind zu seyn er sich rühmet. Die kathol. Kirche, deren thätige Liebe die Erziehung der Völker vollendet, die durch ihren Schutz immer Frieden, Ordnung und Alles, was wahrhaft das Wohlergehen der Gesellschaft befördert, gewahrt hat, soll nach seinem Willen frei in ihrer Wirksamkeit und der Art geschützt seyn, daß nichts sie hindere und abhalte, GuteS und zwar alles Gute zu wirken, daS sie wirken möchte." Nachdem der hohe Prälat darauf seine Geistlichkeit zum eifrigen Gebet für einen glücklichen AuSgang der über daS Concordat schwebenden Unterhandlungen aufgefordert und sie gemahnt hat, dem großen Vertrauen, daS der Kaiser ihr zu zeigen sich anschicke, durch treue, redliche Mitwirkung mit seinen wohlmeinenden Absichten zu entsprechen, spricht er sein auf Erfahrung gegründetes Urtheil über das verschiedenartige Benehmen der sogenannten Liberalen gegen die Kirche auS, bevor sie die Macht in Händen haben und nachdem sie an daS Ruder gelangt sind; seine treffenden, auch für unsere deutschen Verhältnisse beherzigungSwerthen Worte sind: „Die sogenannten liberalen Regierungen versprachen eines TageS der Kirche ihren Schutz, ihre Gunst und dieFreiheit, und durch diese Versprechungen gelang eS ihnen, für einen Augenblick eine große Anzahl sonst gutgesinnter Personen zu täuschen. Aber bald, als sie glaubten, die MaSke nicht mehr nothwendig zu habe», warfen sie dieselbe ab. WaS haben in der That diese sogenannten Liberalen für die Kirche gethan, die sie sich auf jegliche Weise, bevor sie zur Gewalt gelangt waren, geneigt zu machen suchten, alS sie nun wirklich die Gewalt in die Hände bekommen hatten? Sie haben sie mit Beleidigungen uud Ketten überhäuft. Sie. die mit so großem Lärm über die Knechtschaft der Kirche klagten und jammerten, haben, als sie selbst die Herren geworden waren, ihr ei» Joch aufgeladen, daS zwanzigmal schwerer ist, als das war, von welchem sie dieselbe be. freien zu wollen vorgaben. Dem gläubigen Volke aber gaben sie die Antwort RoboamS (3. B. der Könige Xll, 10 u. ll): „„Mein kleiner Finger ist dicker als der Rücken meines VaterS; hal>mcin Vater Euch ein schweres Joch aufgeladen, so will ich noch hinzuthun zu Euerm Joche."" Und nun fragen wir: Bei wem hat die Kirche einige Nachgiebigkeit gegen ihre gerechten Forderungen, oder Erleichterung in ihren Leiden gefunden? Sicherlich nicht bei den nach neuerer Weise eingerichteten Regierungen, auch nicht in den nach sogen, liberalen Verfassungen regierten Staaten, sondern bei den Fürsten, welche auS eigenem, freiem Willen ihr die Ehre haben geben wollen. Keine List, keine Verführungskünste habe jeue unbenutzt gelassen, die Menge zn täuschen. Man hat die Ereignisse verfälscht dargestellt, allgemein anerkannte Grundsätze in Frage gestellt, überall daS Gift deS Skepticismus verbreitet, die dem Volke theuern Vorurtheile und Irrthümer geliebkoSt, seine schlechten Leidenschaften aufgestachelt, auf die boshafteste Weise gewisse edle Richtungen, gewisse große Ideen mißbraucht, ein verfängliches Kauderwelsch von religiösem Idealismus eingeführt, um die Religion, wenn eS möglich gewesen, zur Mitschuldigen an den zum Umsturz der Staaten angezettelten Fäden zu machen. Die falschen Grundsätze haben sich in alle Zweige der Wissenschaft und Literatur eingeschlichen, die Schulen an sich gerissen und die Erziehung beherrscht; und noch sind eS diese falschen Grundsätze, welche, bekämpft aber noch nicht ausgeroltet, der Sache des Umsturzes die kräftigsten Dienste leisten. Diese falschen Principien, deren Scimen man mit so großer Ausdauer während einer langen Reihe von Jahren in alle Classen der Gesellschaft geworfen hat, auszurotten, aufzudecken die Schleichwege, auf welchen die Andersgläubigen Proselyten zu gewinnen suchen, an die Stelle der rationalistischen Träume die einzig wahren Begriffe der kathol. Wahrheit zusetzen—, daS ist die Reform, welche unserer Zeit noth thut, daö aber auch, meine Brüder, die Aufgabe, welche vorzugsweise der Klerus, und nicht der Politiker zu lösen hat; denn immer gehört die sittliche Unterweisung dem Priesterthum." Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. Verlags-Inhaber,: F. C. Kremer. Arey-Hnttr Jahrgang. Sonntags-Beiblatt zur IlM MNQ. lll» ö,aim mc> jU/^! zW!^ Augsburger Postzeitung. 7Ztt»ck Szie iii SV - „ ^. - SU. März M"-- 12. 1853. «I» V'N Dieses Blatt erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der halbjährige Aboouement«prel« TV kr., wofür e« durch alle köuigl. bayer. Postämter uud alle Buchhandlungen bezogen werden kann. Bericht über die von ?. X. Wenninger 8. ^. im Jahre 1852 abgehaltenen Missionen in den Vereinigten Staaten Nordamerikas. (Schluß.) Ich kehrte nun so schnell als möglich nach New-OrleanS zurück, um womöglich noch ein Dampfschiff z-.: erreichen, welches mich zur festgesetzten Zeit nach Jndiana zurückbrachte, uw die versprochene Mission in der Umgegend von EvanSville abzuhalten Es ist nie gut, wenn eine schon angesagte Mission nicht zur bestimmten Zeit beginnen kann. Die göttliche Vorsehung fügte eS ganz unvermuthet, daß ich gegen alle Hoffnung dennoch zur rechten Zeit noch eintreffen konnte, wenngleich nicht ohne Gefahr. Ich kam nämlich auf ein Dampfschiff, welches ohne mein Wissen auf einer Wettfahrt begriffen war, und zwar mit eben dem großen Dampfboot, welches mich nach New-OrleanS brachte. DaS Schiff, auf dem ich mich jetzt befand, hieß Rennthier und wollte es an Schnelligkeit dem andern zuvorthun. Eine Menge von Dampfschiffen fliegen auf solche Weise jährlich, ja man möchte sagen alle vierzehn Tage, in die Lnft, oder rennen an Baumstämme an und versinken. Es wäre Tollkühnheit gewesen, ein solches Boot vorsätzlich zn besteigen; allein da ich das Wettfahren erst am Bord deS Schiffes auf der Reise selbst erfuhr, wollte ich eS auch nicht mehr verlassen, sondern machte die schnellste Fahrt von New-OrleanS bis EvanSville, die je bis dahin gemacht wurde. Ich war doch froh als ich das Boot verlies — und noch froher, da ich gerade noch znr rechten Zeit eintraf. Vier Gemeinden vereinigten sich zur Mission in einer großen Landkirche. Ich hatte den Trost, bei fünf und zwanzig Personen auch hier auS verschiedenen Secten in die heil. Kirche aufzunehmen. Ich besuchte dann auch jede der Nebenstationen, welche sich zur Hauptmission vereinigten, um ihnen bei ihren Kirchen daS MissionSkreuz, das sie sich wohl verdienten, aufzupflanzen. Es war gerade die Bittwvche und somit für mich und das Volk besonders erbauend, an jedem dieser Bitttage ein neues MissionSkreuz zu erheben, da eS vier Gemeinden waren, die nicht weit von einander entfernt lagen. DaS vierte richtete ich am Himmelfahrtstage deS Herrn selbst auf. Wie freudig und trosterfiillt blickte daS Volk mit mir unter dem Kreuze versammelt dem Herrn in den Himmel nach, und mit welch dankerfülltem Herzen konnte ich gerade an diesem Tage von dem tiefgerührten Volke Abschied nehmen, in der Hoffnung, dieselben als treue Jünger dcs Kreuzes in dem Himmel wiederzusehen. — Merkwürdig ist eS übrigens, wie sehr sich ein protestantischer Pastor ereiferte, um den Eindruck zu hindern, welchen die Mission auch auf die in jener Gegend wohnenden Protestanten machte. Der einfältige Mann glaubte wohl, ich müßte immer in Jndiana bleiben. Hätte er sich besser erkundiget, so hätte er sicher erfahren, daß mein Aufenthalt in den ganzen Vereinigten Staaten ist, wo mich gerade die größere Ehre und das Heil der Seelen hinruft. ^gnny,(!»»T. Mn^k^M Ich ging nicht nach Missouri, sondern zurück nach Cincinnati, wo ich die letzte Woche im Monat Mai zu seyn versprach, um den mir so lieben Monat Mai unter den Gläubigen jener Stadt zu Ehren Maria zu beschließen; waS ich auch wirklich that, indem ich täglich in der hl. Philumenenkirche zu Ehren der seligsten Gottesmutter daselbst predigte. Ich begab mich hierauf nach Wisconsin, um die daselbst im vorigen Jahre abgehaltenen Missionen fortzusetzen, was ich denn auch mit Gottes Beistand wirklich that. Ich fing zu Kanossa an, einer Stadt am Ufer des Sees Michigan gelegen. Es war gerade das Frohnleichnamsfest, und ich hatte den Trost, zum erstenmal, seit die deutsche katholische Kirche dort steht, das allerhciligste Sacrament in Prozession durch die Straßen der Stadt zu tragen. Es ist dieß immer ein Tnumph des hl. Glaubens, besonders an Orten wie hier, wo erst seit kurzer Zeit eine deutsche katholische Kirche steht. Die Herzen der Gläubigen wurden dadurch um so besser für die Benützung der hl. Mission gestimmt. Wir zogen auch in Prozession durch die Stadt auf den katholischen Friedhof, laut für die Ruhe der Verstorbenen zu beten. Am Schluße pflanzte ich unter Kanonendonner und großem Freudenjubel in der Stadt neben der Kirche das schön verzierte MissionSkreuz auf. - Ich feierte darauf das Fest des heiligsten HcrzenS Jesu in der Marienkirche zu Milwaukie, und ve- nützte diese schöne Gelegenheit, um die zahlreiche katholische Gemeinde jener Stadt zum erstenmal wieder seit der Mission des verflossenen Jahres anzureden. Noch an demselben Tage begab ich mich in die St. Bonifazkirche, außer Milwaukie neun englische Meilen gelegen, um von dort auS alle Gemeinden bis an den See Winebago mit Missionen zu bereisen; ich besuchte ununterbrochen vierzehn Gemeinden und pflanzte an eben so vielen Kirchen als Andenken daran das hl. Missionskreuz auf. DaS an der St. NüolauSgemeinde steht aus einem Hügel und erhebt sich mit Weißblech belegt 53 Fuß über die Erde; ein herrlicher Anblick. Selbst die protestantischen Amerikaner bewundern es, und blicken es gerne und mit Ehrfurcht an. Ich begann wie gesagt mit den Gemeinden der St. Bonifazkirche, wo der in Bayern bekannte vr. Paulh ueber verweilt. Sein Eifer bewirkte nun den Ausbau einer sehr großen und schönen Landkirche zu Ehren des hl. Bonifazius. Die Gemeinde- gliedcr daselbst sind beinahe alle aus Bayern. Die angränzenden Stationen leitet ein anderer Priester auS Bayern, nämlich Herr Veit er. Es war gerade an der Zeit, daß ich die Missionen in jener Gegend begann; denn Wisconsin ist nun vorzüglich der Sammelplatz der einwandernden Deutscheu, da das Clima denselben hier sehr gut taugt. Diese Fluch von Einwanderung bringt aber auch nur gar zu viele Religionsfeinoe aus Deutschland Hieher, die hier aus alle Weise durchzuführen trachten, was ihnen in Deutschland mißlang. Sie gehen geradezu darauf aus, nicht nur den Glauben, sondern allen Sinn für Religion ans den Herzen der Menschen zu reißen. Solche Schandblätter wie Milwaukie hat keine Stadt der Union. Damit begnügt sich ihr Gottes- und Christushaß nicht. Sie schicken noch Emissäre durchs Land auS, das Volk zu verführen. Einer dieser, der berüchtigste, Namens Schröder, kam gerade um die Zeit der Mission in jene Gegend; und auch anderwärts traf ich ihn Der beste Commcntar zur Betrachtung von den zwei Fahnen, wenn ich von einer Seite die Fahne Christi aufrichte, und das Volk ausfordere, Gott zu dienen, und diese Emissäre die Fahne des Lucifers schwingen und das Volk zum Abfall auffordern. Eine Mission ist der beste Damm gegen diese Gefahr, daher ihre große Erbitterung dagegen; indeß das Volk kennt die Stimme des Herrn und folgt ihr. Auf dem Lande machen diese Religionsfeinde bei der Wachsamkeit der Priester Gott Lob und Dank noch wenig Gewinn. Wenn dieser Mann nichts anders kann als über Priester schimpfen, sagte ein gemeiner und nicht gerade eifriger Katholik von eben diesem Schröder, dann sollte er mir lieber meine Hosen flicken. Bei jeder Mission bekehren sich auch gewökmlich einige oder auch mehrere Protestanten, und helfen besonders gerne bei Aufrichtung der MissionSkreuze, waS kein übles Anzeichen ist. Namentlich war mir hier und zwar in der St. Laurentiuskirche die Bekehrung einer alten protestantischen Frau ein merkwürdiger Beleg für daö Geheimniß der Gnadenwahl. Es strömten zu dieser Mission 9l Leute von dreißig Meilen im Umkreise zusammen. Man sagte mir jedoch, eS sey ein Mann, von dem cS vorzüglich zu bedauern wäre, daß er verstockt bliebe, und sich an das gute Beispiel der Uebn'gen nicht kehre. Ich empfahl demnach bei der feierlichen Abbitte vor Jesu im allerhciligsten Sacramente besonders diese Seele dem Herrn. Ich nannte natürlich Niemanden ausdrücklich, sondern flehte blos die Erbarmung für eine noch verstockte Seele laut an. Diese Protestantin, eine schon 76 Jahre alte Frau, hört daS Bittgebet, und meinte, sie sey wohl diese noch unbekehrte Seele, für die man bete. Die Gnade deS Herrn rührt« sie so heftig, daß sie ganz zerknirscht mich aufsuchte, und um die Ausnahme in die heil. Kirche anhielt, wenngleich ihr dieser Schritt viel Verfolgung von Seite ihrer Verwandten kostete. Sie achtete alles dieß nicht, und lief mir noch zu Fuß zur nächsten MissionSstation nach, um dieselbe noch einmal mitzumachen. Jener Verstockte, für den ich eigentlich betete, blieb unbekehrt. Gott nahm daS Gebet für diese Seele an, an die Niemand dachte. Eben so merkwürdig war mir die Bekehrung von einigen Familien in der JohanniSgemeinde bei Kalumet. Eine noch bei dem Beginn der Mission und länger her geistesverwirrte Person, eine Mutter jener Familie, bekam während der Mission ihren gesunden Ver- stand wieder und bekehrte die übrigen. An der St. Nicolauskirche, wo das oberwähnte hohe MisstonSkreuz steht, wohnt nun auch eine kleine Colonie der Schulschwestern von Milwaukie. Es trug sich da bei der Mission folgender Fall zu. Ein Eheweib und ein Jüngling behaupteten bei der Generalcommunion.der Ehemänner und eben so bei jener der Eheweiber das Jesukind sichtbar in der Hand deS Priesters gesehen zu haben, welches, als ich auf meinen Knieen das Volk anredete, und zur Vergebung aller Beleidigungen vor der hl. Communion aufforderte, das Haupt freudig gegen die Gemeinde neigte, als diese mit lauter Stimme den Act der Versöhnung aussprach. Als man mir davon sagte, erwiederte ich: allerdings geschehe dieß nicht nur hier, sondern überall auf unsichtbare Weise, wo immer Menschen aufrichtig vor Christus die Besserung des Lebens und ihre herzliche Versöhnung versprechen. Die letzten Stationen in dieser Gegend für die Misstonen dieses JahreS waren Fond du lac und Oslosch. Oskosch gränzt an die Station der bekehrten Indianer auS dem Stamme der MenominiS, welche der hochw. Bondewell leitet. Fond du lac wird großentheilS von Franzosen bewohnt. Diese lieben überhaupt wie ich bemerkte die Seeufer. Es trug sich hier zu, daß gerade die Methodistenprediger ihre Conferenz abhielten, und sich dabei in großer Zahl einsanden. Diese Herren waren nicht wenig überrascht, als sie das über 30 Fuß lange MisstonSkreuz von den Franzosen, unter Kanonenschüssen auf den Schultern durch die Straßen in Procession einhcr- tragen sahen. Wenngleich diese Secte sonst den katholischen Ceremonien spinnenfeind ist, flößte ihnen diese Feierlichkeit Ehrfurcht ein. Mehrere zogen ihre Hüte, und einer derselben sagte zu einem beistehenden Katholiken, als daS Kreuz auf einem zehn Fuß hohen Piedestal aufgepflanzt war: Ich weiß nicht, eS ist mir, als ob ich das wahre Kreuz erblickte, und unsern Herrn selbst daran sähe, wenn ich dieses Kreuz anblicke. ES ist mit Goldstrahlen verziert, und trägt in Goldbuchstaben die Worte am Querbalken: „Wer ausharrt bis ans Ende wird selig."*) Von Fond du lac ging ich an den See Michigan, um dort die französischen und deutschen Gemeinden zu besuchen, die ?. Bruner auS der Gesellschaft Jesu leitet. Er baut in jener Gegend fünf Kirchen und Kirchleins, wo früher nicht eine einzige stand. Ein großes Glück für jene verlassene Gegend. Ich gab in zwei dieser Kirchen den Deutschen und Franzosen die Mission, und besuchte hierauf noch vier andere deutsche Gemeinden in Wisconsin. ES ereignete sich dabei bei der Aufpflanzung deS MissionS, »mt l M , M HMg M ztnn5i cki , . -KL" ZW'i z-ttMkE: nnni nä ') Ich predigte zugleich englisch unter dem Kreuze und hatte unter anderen auch die genannte» 50 Prädicantcn zu meinen Zuhörern. Sie standen kopfhängi'g da, wie einst die Pharisäer unter dem Kreuze, und nur zu sehr daran gewohnt, dem hl. Geiste ihr Herz zu verschließen. Manchem mag e» vielleicht doch genützt haben. 92 kreuzes zu Jefferson folgender merkwürdiger Fall. Ein protestantischer Jüngling mengte sich unter die Katholiken, und ladete einen Pöller mit Koth, was sehr gefährlich ist. Als man denselben loSbrannte, zersprang er in viele Stücke, doch kein Katholik wurde verwundet, auch jener nicht, welcher den Pöller losbrannte, sondern ein Stück flog über die Leute gerade auf den mulhwilligen Protestanten, der den Pöller so boshaft geladen und verwundete ihn an der Schulter. Wir pflegten ihn dessenohngcachtet liebevoll im Pfarrhause, und es mag ihm und semer Mutter für die Seele genübt haben, da Gott ihn äirßerlich auf solche wohlverdiente Weise züchtigte. Ich brachte, bevor ich mich zu dieser Mission verfügte, das Rosenkranzfest in der Marienkirche zu Milwaukie zu, und predigte am Fest deS hl. Franziskus im Klöfter- lein des dritten Ordens und bei den Schulschwestern der Novizinnen, und richtete noch ein Missionskreuz in einer bayerischen Gemeinde bei Milwaukie auf, so daß ich im Ganzen in diesem Jahre 22 Misstonskreuze blos in der Diöcese Milwaukie aufpflanzte. Da ich eben so viele im verflossenen Jahre errichtete, so stehen bereits in dieser Diöcese 44 Missionskreuze, die ich als eben so viele Erinnerungen an die daselbst gegebenen Missionen hinterlassen. Ich feierte das Fest der Allerheiligen zu Chicago. ES lag mir daran, dieses Fest und Allerseelen daselbst zu feiern, denn eS war die Jahreszeit der daselbst abgehaltenen letzten Misston. Das Volk strömte eifrigst zusammen und war zu eifrig, denn eS brach in der St. Josephskirche eine überfüllte Tribüne zusammen, wobei eS Hunderte von Todten hätte abgeben können; Gott ließ eS indeß nicht zu; eS wurde Niemand ernstlich beschädigt; die Tribüne stürzte nur von einer Seite los; wäre die andere auch gesunken, dann wäre es allerdings böse gewesen.'Das Volk, nicht abgeschreckt, kam Nachmittags noch zahlreicher in die neu erbaute St. Michaelskirche. Von da gingen wir nach altdeutscher Sitte am Allerheiligentag Nachmittags auf den Gottesacker und ich erneuerte daselbst über den Gräbern die im verflossenen Jahre gefaßten Vorsätze der heiligen Mission. Von Chicago rief mich ein dringendes Schreiben nach Madison Jndiana. ES war ein anderer Priester aus Bayern, der nach dem Beistand der Mission rief, Herr Schafsroth, ein junger eifriger Mann Gottes. Er schrieb mir, die Besten seiner Gemeinde wären die Lauen und Indifferenten, der übrige Theil seyen ReligionS- spötter. Acht Priester seyen schon davon gelaufen, er werde ihrem Beispiele folgen, wenn ich nicht sogleich käme. Da mußte ich wohl Alles aufbieten, um bald zu kommen, und Gott fügte es, daß ich gerade durch Cincinnati reiste, als unsere Väter daselbst das Triduum der Seligsprechung deS seligen?. Claver feierten. Da die Collegien- kirche nicht zugleich die Deutschen mit den Englischen fassen konnte, versammelte ich die ersteren in der Philumenenkirche, und gab dort unter großen Zusammenlauf deS Volkes den Deutschen das Festtriduum. Es wohnen in Cincinnati beiläufig 40,000 katholische Deutsche.*) Nach dem feierlichen Schluß dieser Ablaßtage eilte ich nach Madison, und fand die Gemeinde wie der Pfarrer sie mir geschildert. Ich erinnere mich nicht, anßer Ncw-OrleanS eine solche Gleichgültigkeit in Dingen der Religion angetroffen zu haben. Es schien, als gäbe es in Madison kein Kirchengebot, am Sonntag die hl. Messe zu hören. Der Pfarrer sagte mir, von dem Feste miteingerechnet bis DreisaltigkeitSsonntag habe er nicht so viele Communicanten gehabt, daß der hl. Communiontisch mehr als viermal Alle zusammengenommen voll geworden wäre. Welch ein Trost für mich und ihn zu sehen, wie das Volk zu den Generalcommunionen der einzelnen Stände zusammenströmte. Ich sagte dein Pfarrer, wie sehr es mich sreue, ihn so heiter und wohlgemuth zu sehen. Wie sollte ich nicht froh und fröhlich seyn, wenn ich sehe, wie zahlreich das Volk mit Thränen der Andacht zur hl. Communion herbeiströmt, das ich vor wenigen Tagen noch so lau und kalt gesehen. Am Schluß bei seiner Dankrede sagte er: Ich wollte, ich könnte es durch die ganze Stadt hin« *) Ich «erfaßte auf dem Schiff bei metner New-Orleansreise ein AndachtSbüchletn zu Ehren diese« Selig m Vorautficht dieser Feierlichkeit, da» mir nun gut zu statten kam. > .mArch tg»»^ (dz? ZKizIlzi« n ausrufen, wie glücklich ich mich fühle, meine Gemeinde so ganz verwandelt und so guter Stimmung zu sehen, dem Herrn nun mit Eifer zu dienen. Ich kehrte getröstet nach Cincinnati zurück, um daselbst meine Erercirien nach Ordensvorschrift für mich selbst zu halten. Es war mir dazu diese Zeit um so gelegener, weil ich diese Erercitien am Vorabend deS Festes deS hl. XaveriuS beschließen konnte, der an demselben Tage einst vor 300 Jahren seinen Lauf als Vorbild aller Missionäre so selig und verdienstreich vollendete. TaveriuS starb am 2. December t552, mithin gerade vor 300 Jahren. Konnte mir eine Ausmuuterung gelegener kommen als gerade diese. Als mein Ordensbruder und Namensheiliger ist mir sein Tugendvorbild um so wichtiger, aber freilich auch um so beschämender. Ich reiste noch an demselben Tag dem Fest deS hl. XaveriuS nach Eleveland, um allva in der neueingeweihten Kathedrale der Deutschen die Mission zu geben. Diese Mission gewährte mir als die letzte in diesem Jahre vorzüglichen Trost. Die Beichtväter mußten sammt mir bis Mitternacht und darüber die Beichtstühle besetzt halten, um der Menge zu genügen. ES wurde die hl. Communion selbst um 4 Uhr Nachmittags ausgetheilt, welches in Amerika höchst ungewöhnlich ist. Selbst protestantische Frauen brachten ihre Männer bis zur Kirchthüre, damit dieselben gewiß ihre Beichten verrichteten. DaS Kreuz, das ich hier aufrichtete, war das sechsunddreißigste, das ich in diesem Jahr aufgepflanzt, und zwar in den entferntesten Puncten von New-OrleanS bis Lac Winnebago und von St. Louis bis Cleveland, wobei ich oft inmitten der vielen Reisegefahren der göttlichen Vorsehung doch inbrünstig dankte, die durch Eisenbahnen und Dampfschiffe die Schritte ver Missionäre beflügelt. Es hat dabei jedoch ein Missionär allhier auf ungebahnten Waldwegen oft genug Reminiscenzen der alten und gleichsam antediluvianischen Zeit. Die WeihnachtSfeicrtage brachte ich in Eincinnati zu. ES gereicht Amerika ,ur größten Ehre, und es ist einer der schönsten Vorzüge der Kirche in Amerika vor Deutschland und Frankreich, wenn man die Menge der beichtenden Männer und Jünglinge betrachtet. Ich hatte während dieser Feiertage wieder Gelegenheit, dieß zu meinem großen Troste zu bemerken. Ich predigte noch am Schluß deS JahreS in der St. Philumenenkirche, und jeder, der aufmerksam und theilnehmend diesen Bericht gelesen, wird leicht entnehmen, mit welchen Gefühlen deS DankeS und deS Lobes ich das „großer Gott wir loben dich" ?e veum Isuäsmus angestimmt. Gott gebe mir doch noch viele solche Jahre zu seiner größeren Ehre und zum Heile unzähliger Seelen. Ich hoffe, viele, viele heilige Schutzengel haben daö »großer Gott wir loben dich" mit uns vor dem Throne Gottes dankend und jubelnd gesungen, Cincinnati, 3. Januar 1853. F. X. Weninger, 8.1. Die GonntagSfeier. AuS dem dießjährigen Fastenhirtenbrief deS hochwürdigen Herrn Bischofs von Würzburg. Jeder Tag und jede Stunde unseres Erdenlebens ist - ein Geschenk des Herrn, eine kostbare Gabe Dessen, der auS freier Liebe uns erschaffen, die Zeit hienieden als Zeit der Vorbereitung unS zugewiesen, und unS zu jenem wunderbaren Lichte, zum Lichte ewiger Herrlichkeit berufen hat. Jeder Tag und jede Stunde soll dem großen Ziele unS näher führen, jeder Uhrschlag ruft die Erinnerung an unsere ewige Bestimmung unS von Neuem in die Seele; und wohl Dem, der seine Tage hienieden dem Herrn zu heiligen sich bestrebt, um einst dort oben an jenem großen Festtage Antheil zu erhalten. Gehört also an sich schon jeder Tag dem Herrn, und soll eben deßhalb jede Stunde deS Erdenlebens ihm geweiht und geheiligt werden, so hat eS dem Allerhöchsten gefallen, zu Ehren seines heiligen Namens und zum Heile unserer Seelen doch noch in der Woche einen Tag auszuzeichnen, der durch besondere Feier ihm gewidmet und geweiht seyn soll, und gleichwie er für gut befunden hat, dqS Werk der Welt« g« schöpsung in sechs Tagen zu vollbringen, und am siebenten zu ruhen, so hat er schon im alten Bunde, um den Abdruck dieser göttlichen That im menschlichen Erdenleben wieder zu geben, die Ordnung und Besorgung der gewöhnlichen Anliegen und Geschäfte deS Lebens den sechs ersten Tagen der Woche zugewiesen, für den siebenten aber eine besondere Feier, die Sabbatsfeier angeordnet. „Gedenke, daß du den Sabbat heiligest," spricht Gott der Herr. „Sechs Ta^e sollst du arbeiten und alle deine Geschäfte verrichten. Am siebenten Tage aber ist der Sabbat des Herrn, deines Gortes; an diesem sollst du kein Werk verrichten. . . . Denn in sechs Tagen hat der Herr Himmel und Erde erschaffen, und das Meer und Alles, was darin ist, und am siebenten Tage hat er geruhet. Darum hat der Herr den Tag deS Sabbats gesegnet und ihn geheiliget" (Lxocl. 2V, 3 — tt.) Während also der Mensch zwar keinen Tag und keine Stunde der Ehre seines Herrn und dem Heile seiner Seele entziehen und durch Sünden und Laster entweihen und entheiligen darf, vielmehr alle seine Lebenslage durch Uebung der Tugend und Gerechtigkeit für Gott zu gewinnen sich bestreben soll; während aber im Lichte dieser göttlichen Anordnung auch die sechs Werktage der Woche als Nach- klang und Widerschein des großen Werkes der sechs SchöpfungStage ihre Weihe und Bedeutung empfangen, und für den Menschen, der berufen ist, im Schweiße deS Angesichts sein Brod zu essen, selbst jede irdische Arbeit, nach GotteS Willen und zu Gottes Ehre verrichtet, ihren Werth und ihr Verdienst sür die Ewigkeit erhält; während der Mensch dann aber doch wieder an sechs Tagen der Woche mehr äußeren Geschäften und zeitlichen Sorgen zugewendet ist; so soll er am siebenten Tage ruhen, soll den Sabbat heiligen, soll Einkehr in sein Inneres nehmen, und im unmittelbaren Umgange mit Gott und in der Erwägung seiner ewigen Bestimmung die großen Anliegen deS Heiles seiner Seele ordnen. „Gedenke, daß du den Sabbat heiligest." Diesen Tag hat der Herr gesegnet; er ist das Abbild der ewigen SabbatSruhe-, in welcher der Allerhöchste, unendlich selig, sich selbst befitzt und genießt; er ist das Wahrzeichen der großen Hoffnung für uns Alle, jenen ewigen Sabbat einst mitzufeiern, wenn eS mit GotteS Gnade uns gelingt, die Erdenwallfahrt glücklich zu vollenden. Nachdem aber mit der Auferstehung deS Herrn und mit der Sendung deö heiligen Geistes für die Kirche deS neuen Bundes die Entfaltung einer neuen Festcrdnung begonnen, und durch göttliche Anordnung das Gebot der Sabbatsfeier vom Samstage auf den Sonntag übergegangen; nachdem ferner die heilige katholische Kirche kraft von Gott ihr verliehener Vollmacht zur Fei?r der Geheimnisse deö Lebens, Leidens und Sterbens Jesu Christi, und zur Verehrung seiner Heiligen, besonders seiner glorreichen Mutter, der allerseligsten Jungfrau Maria, noch verschiedene andere Festtage eingesetzt, daS Gebot der SabbatSruhe, der Enthaltung von knechtlicher Arbeit, auch auf diese übertragen, und für alle Sonn- und Festtage deS JahreS die Gläubigen noch insbesondere zur Anhörung der heiligen Messe unter schwerer Sünde verpflichtet hat, so gilt die Vorschrift deS dritten Gebotes: „Gedenke, daß du den Sabbat heiligest," in der Kirche deS neuen Bundes sür alle Sonn- und Festtage, und findet eben dieses Gebot der neutestamentlichen SabbatSfeier seinen weiteren und vollen Ausdruck im ersten und zweiten Kirchengebote: „Da sollst die eingesetzten Feiertage halten." Und: „Du sollst alle Sonn- und Feiertage die heilige Messe mit Andacht hören." Und wie heilsam, geliebteste Diöcesanen! ja wie nothwendig ist dieses Gebot sür unS! WaS müßte aus unserer Seele werden, wenn nie im Leben eine Festfeier daS Getriebe und Gewirre irdischer Geschäfte unterbräche! Welch ein Segen aber müßte sich auch über uns und über die Welt ergießen, wenn alle Menschen, wie sie sollten, die heilige Kirche GotteS erkannten, und nach ihrer Vorschrift und in ihrem Geiste die Sonn- und Festtage heilig hielten! Der Mensch nämlich ist nicht ein rein geistiges, ein rein vernünftiges Wesen, die vernünftige Seele desselben ist in den sinnlichen Leib gehüllt; und während die Schwere seines natürlichen Gewichtes erdwärtZ zieht, sind seine Sinne den Eindrücken dieser Welt geöffnet, und werden, sich selbst überlassen, bald eben so viele Fesseln bilden, die ihn an die Erde ketten. Dazu kommt das Uebergewicht der Sinnlichkeit, 95 die Folge deS Sündenfalles, — die Augenlust, die nach irdischen Gütern geizt, — die Fleischeslust, die nach sinnlichen Gelüsten jagt, — die Hoffahrt des Lebens, die, statt die wahre Größe, die Größe in Gott zu suchen, an eitler Menschenehre ihr Gefallen hat. Gäbe eS da keine von Gott gesetzte Kirche, kein Priesterthum, kein Opfer und keinen Altar, keine Lehrstätte christlicher Weisheit und keine Predigt vom Tage der Ewigkeit; würde nie die Glocke läuten, um zum Tempel deS Höchsten zu rufen; fände nie der Mensch sich aufgefordert, das AlltagS-Kleid deS irdischen GeschäftSIcbenö ab- und daS Festgewand anzulegen, um dem Herrn und seinen Heiligen den Tag zu weihen; käme ihm nie eine Mahnung zu, den Blick nach Oben zu erheben, und wäre er also wirklich so unglücklich, nur die eine Sorge zu kennen, wie er sich kleiden und womit er sich nähren solle; — dann wehe dem Menschen, der am Ende doch vom Brode allein zu leben nicht vermag, sondern vor Allem jenes Wortes bedarf, das aus dem Munde Gottes kommt! Bald würde die Ewigkeit seinen Blicken ganz entschwinden, die Zeit und ihre Vergänglichkeit, die Erde und ihre Armuth dessen sich ganz bemächtigen, der unsterblich und für Gott erschaffen ist, Finsterniß und Nacht die Seele umfangen, der Sturm der Leidenschaft sich entfesseln, die Uebermacht ungezähmter Begier- lichkeit die Geißel schwingen, und eine Fluih von Sünden dem Unglückseligen den Abgrund ewigen Verderbens bereiten. Nun ist der Herr in die Welt gekommen, zu suchen und selig zu machen, waS verloren war; der gute Hirt ist durch die Wüste gegangen, um Verlorne Lämmer aufzusuchen, und um also vor so großem Seelenverderben seine Heerde zu verwahren, hat er in götilicher Hirtenliebe, wie im alten Bunde durch den Mund seines DienerS MoseS die Sabbatfeier, so im neuen Testamente durch den Mund seiner heiligen Kirche die Feier der Sonn- und Festtage angeordnet. „Gedenke, daß du den Sabbat heiligest." „Du sollst die eingesetzten Feiertage halten." „Du sollst an allen Sonn- und Festtagen die heilige Messe mit Andacht hören." An diesen gottgeweihten Tagen soll also vor Allem der Lärm irdischer Geschäfte ruhen, soll der Mensch nicht, wie Martha, sich um Vieles kümmern, sondern vielmehr nur darauf denken, mit Maria den besten Theil zu wählen, und also für das Eine, das Noth thut, vor Allem zu sorgen. In feierlicher Stille heiliger FesttagSruhe, wo die Erde schweigt, und daS Reich der Ewigkeit um so lauter zum Herzen spricht, soll der Mensch den Blick nach Oben wenden, soll klarer, als an andern Tagen es ihm möglich wird, die Wahrheit sich vor die Seele führen, daß für ihn hier keine bleibende Stätte, daß er hier Fremdling und Wanderer, daß seine Heimat der Himmel ist, und daß also zuletzt das Heil in Einem liegt, die Wanderschaft dorthin mit Christus zu machen. So wird die heilige Sabvaisruhe für sich schon zur lautesten und eindringlichsten Predigt, zeigt die Bedeutung des Lebens hienieven im hellsten und schönsten Lichte, und gießt Segen und Weihe über die Erde aus. Neben dem Gebote der Enthaltung von knechtlicher Arbeit, wie der gewöhnliche Ausdruck diese bezeichnet, verpflichtet die Sonn- und Festtagsseier zur andächtigen Anhörung der heiligen Messe, und eS hat uns die katholische Kirche diese Verpflichtnng unter schwerer Sünde auferlegt, so ferne nicht Krankheit oder sonst ausreichend entschuldigende Verhinderungen uns von der Verpflichtung befreien. Es ist aber die heilige Messe daS Opfer unseres Herrn am Kreuze, dort in blutiger Weise von ihm dargebracht , um die Welt dem Vater zn versöhnen, und hier auf dem Altare von ihm in unblutiger Weise durch den Dienst und die Vermittlung deS von ihm geordneten Priester- thumö unter den Gestalten von Brod und Wein erneuert. Die heilige Messe ist also jenes große Opfer, in dem die Welt ihre Erlösung finret, die Grundfeste der HeilS- ordnung deS neuen Bundes, der wesentliche Gottesdienst der neutestamentlichen Kirche, der Mittelpunkt christlicher Andacht und christlichen Lebens, der Quell, aus dem die Heiligen Gerechtigkeit und Leben trinken, der Ursprung und die Vollendung unserer Seligkeit. In diesem Opser erfüllen sich die Hoffnungen des alten Bundes, aus ihm entspringen alle Gnaden, die im Schooße der heiligen Kirche sich ergießen, aus ihm strömt Erlösung in den ReinigungSort zum Troste der dort leidenden Seelen hinüber, 96 und die Herrlichkeiten deS ewigen Lebens weisen auf dieses Geheimniß als auf ihren Ursprung und ihre Vollendung hin. Die unermeßlichen Reichthümer wohl kennend, die in diesem geheimnißvollen Opfer verborgen liegen, sendet nun die Kirche zwar mit jedem Tage ihre Priester zum Altare, um zu beten und zu opfern für die Sünden des Volkes, und die Segnungen deS Himmels auf die Erde herabzuziehen. Au jedem Tage sind die Pforten ihres HeiligthumeS der Welt geöffnet, sie kennt keine seligere Freude, als ihre Kinder in seinem Innern zu versammeln, und wer seinen Gott in Wahrheit sucht, wird, auch wenn kein Gesetz gebietet, wo möglich mit jedem Tage aus eigenem HerzenSdrange und voll der Sehnsucht hin zum Tempel eilen, weil dort auf dem Altare das Opfer seiner Erlösung, sein Leben und seine Liebe liegt; aber auch nie wird er von bannen gehen, ohne neuen Segen und neuen Frieden mit nach Hause zu nehmen. Wie aber die Kirche in ihren Anordnungen mild, und in ihren Forderungen voll der Nachsicht ist, Dem ähnlich, der gesagt hat: „Mein Joch ist süß und meine Bürde ist leicht;" wie sie, wenn auch nur ein Verlangen im Herzen tragend, der Welt das Heil zu geben, doch wieder, vom Geiste göttlicher Weisheit geleitet, nie vergißt, der Schwäche unseres Geschlechtes und den Anforderungen der irdischen Lebensverhältnisse die gebührende Rücksicht zuzuwenden; so hat sie das Anhören deS heiligen Meßopfers nur für die Sonn- und Festtage förmlich vorgeschrieben, nnd hat aber auch zugleich, um nach anderer Seite hin der Lauigkeit und dem Gottvergessen einen Damm zu setzen, zur Haltung dieses Gebotes unter schwerer Sünde verpflichtet. (Schluß folgt.) Rom. Schon seit Ende Dec. hält sich hier der vr Levi JveS aus, der erste anglikanische Bischof, der dem Lichre der Wahrheit folgend in den Schooß der wahren Kirche Christi zurückgekehrt ist. Herr Jveö war Bischof der anglic. Kirche in den Vereinigten Staaten und stand seit einiger Zeit an der Spitze der Puseyiteu in Amerika. Da er sich nicht begnügte, die Grundsätze und Meinungen, welche er vertrat, in seinem eigenen Leben in Ausübung zu bringen, sondern dieselben in der Verwaltung seines AmteS befolgte, und deßhalb nicht bloß manche Gebräuche der kathol. Kirche für den öffentlichen Gottesdienst in seinem Sprengel vorschrieb, sondern auch ein Kloster gründete, und sogar das ehelose Leben seiner Geistlichkeit dringend empfahl: gerieth diese in immer größere Bewegung, Manche Mitglieder derselben untersuchten die Gründe, die ihrem Bischof zu solchem Verfahren bewogen, mir aufrichtigem Verlangen, sich zu belehren, und kamen zur Erkenntniß der Wahrhei; viele von ihnen sind bereits zur katholischen Religion übergetreten. Aber die größere Anzahl zeigte sich in hohem Grade unzufrieden mit den „Neuerungen" ihres Bischofs, und nach manchen geheimen Antrieben, die unwirksam bleiben, forderten sie ihn gegen Ende deS JahreS 1851 vor eine Synode, die theils aus Laien, theils auS Geistlichen bestand. ES war zwar dem Herrn JveS nicht schwer, sich zu vertheidigen, und seine Freisprechung von seinen eigenen Gegnern zu erwirken; aber dieser Vorfall trug nicht wenig dazn bei, ihn über das Haltlose, sowohl der Grundsätze und Lehren, als auch deS Ansehens und der Verwaltung der anglicanischett Kirche vollends aufzuklären ES hatte im Laufe deS JahrcS 1852 wehrere Unterredungen mit dem katholischen Erzbisch of voit Ncw'Dork, und dem vr. ForberS, Pfarrer in derselben Stadt, der einst selbst Puseyst und vr. JveS Beichtvater gewesen war. JveS entsagte den Irrthümern der Kirche, welcher er angehört hatte, und legte vor dem Erzbischof von New-Uork im Monat Oktober das katholische Glaubeusbekenntniß ab; hielt jedoch einstweilen seine Bekehrung geheim. Bald darauf trat er die Reise nach Rom an, um dort vor dem hl. Vater selbst sein Beke'nntniß öffentlich zu erneuern. Am 26. December fand dieser rührende Act in der Kapelle seiner Heiligkeit statt, und nach der Ablegung des Glaubensbekenntnisses erhielt Hw INS von der Hand des Papstes daö Sacrament der Firmung. (M.S.-Bl.) SKrdnÜ«vrMch«r RedacteSr: L. Schönchen. Verlags - Jichaber: F. C. Kre m er. Dreizehnter Jahrgang. Sonntags-Beiblatt <^ S,1 zooL ,tck,y7^.'! ? zur ' - ,-i'.s,„wF 7,:? Augsburger Postzeitung. ,"'l!tt 7'j«i,tt1 t!'»,IINs.1-^'-IIZa OIIU Mm N)-^ MI! /l!^ UI ?«!itü ,.«->: Sm,L ichNlsi "^7oW..öZU«G 7^1 , tli i!'<Ä , .li'iöz'l! Ils 7^'s'i^ q«» ckn.-i M)in'i7!!i)MZ(1 anzH s?»m chiuMuK «->i'i« !( ! ,8 .^oL^.smI'nD 27. Marz M^- KA. 1853. i^ tz?NvG zch7U?. '.i'l in7^1,l'.>ssi,D ^ui tt',z»si?!?7P ni ^n-^I 7,chl7<,< ^lii^l zttnst Diese« Blatt erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der halbjährige Abouuement«prei« TV kr-, wofür e« durch alle köuigl. daher. Postämter uod alle Buchhaudluogeu bezogen werden kaun- Die Sonntagsfeier. AuS dem dieß jährigen Fastenhirtenbrief deS hochwürdigen Herrn Bischofs von Würzburg. (Schluß.) Kraft dieses heiligen Gebotes also muß der Christ an allen Sonn- und Feiertagen im Heiligthume deS Herrn erscheinen, und dort, wo das Lamm Gottes als Schlachtopfer für unsere Sünden auf dem Altare liegt, und sein unschuldiges und heiliges Blut um Erlösung für unS zum Himmel ruft, dort soll er niederkuieen — der Erdenpilger, soll des Berufes zur Ewigkeit gedenken, soll Herz und Hände zu Gott erheben, soll Andacht und Gebet mit dem Opfer deS Lammes vereinen und so Heil empfangen aus dieser Quelle des Heils, — der Sünder die Gnade wahrer Bekehrung, der Blinde Licht in seiner Finsterniß, der Betrübte Trost für sein banges, krankes Herz, der Schwache Stärke in seiner Gebrechlichkeit, der Zaghafte neuen Muth für Gott zu streiten, und der Gerechte das große und unschätzbare Gut christlicher Beharrlichkeit. So feiert die Kirche Gottes die Tage deS Herrn und seiner Heiligen, und lehrt ihre Kinder, sie mit ihr feiern; sie vollbringt das Geheimniß der Welterlösung und sorgt in mütterlicher Liebe, daß es auch in den Seelen der ihr Anvertrauten durch Theilnahme an demselben vollzogen werde; die Seelen des FegfeuerS suchen Hände ringend ihre Hilfe auf eben dem Altare der streitenden Kirche; und dasselbe Lamm GotteS, das wir hier unter der Hülle der Brodsgestalt im Glauben erkennen, betet mit unS die triuinphirende Kirche als ihren Heiland und Seligmacher an. Wird durch solche Feier diese Erde in besonderer Weise zum Reiche Gottes eingeweiht, so betrachtet der gute Christ die Sonn- und Festtage auch in anderer Hinsicht als Tage besonderen Heiles. Abkömmling des gefallenen AvamS und hiedurch dem Loose der Sündhaftigkeit anheimgegeben, weiß er, daß selbst der Gerechte siebenmal fällt, daß aber die Fesseln sich lösen müssen, soll der Knecht der Sünde ein Kind der Freiheit, ein Erbe des ewigen Lebens werden. Wanderer zur Ewigkeit, und doch von Schwäche und Ohnmacht umgeben, sieht er, wie seine Kräfte sinken, unv auf der weiten Reise erliegen müssen, wenn nicht Brod vom Himmel in die Wüste des Lebens fällt. Nachdem nun die Kirche die heilige Gewalt zu binden und zu lösen vom Herrn empfangen, und an ihrem Mutterherzen der reumüthige Sünder zu jeder Stunde Aufnahme und Gnade findet; nachdem der Tisch deS Herrn an jedem Tage bereitet steht, Mühselige und Beladene zu erquicken; so sind eS doch vorzugsweise die Sonn- und Festtage, die der Christ benützt, um von Zeit zu Zeit den heiligen Sakramenten, den Geheimnissen deS Glaubens sich zu nahen. Hier schließt er Rechnung mit seinem Gotte, hier bekennt er reumüthig seine Sünden, auf daß priesterliche Hände die Bande, die ihn gefangen halten, die Ketten der Sünde lösen. Hier kniet er am Altare nieder, um das Geheimniß des Leibes deS Herrn zu feiern, und in ihm neue Gnade und neues .YNKYIst gg Leben, neuen Muth und neue Kraft zur Fortsetzung der Wanderschaft, die Hoffnung und daS Unterpfand ewiger Seligkeit zu empfangen. So werden diese heiligen Tage, zuvörderst der Ehre Gottes und dem Lobe seiner Heiligen geweiht, Tage deS HeileS für den Feiernden. Neuversöhnt und neugestärkt, und im Innersten der Seele kostend, wie süß eS ist, dem Herrn zu dienen, glüht er vom heiligen Verlangen, Ihn, den seine Seele liebt, mehr und besser zu erkennen, um den mehr und besser Erkannten immer mehr und besser zu lieben. „Wer aus Gott ist, der hört Gottes Wort," spricht JesuS Christus (Joh. 8, 47); und diesen Ausspruch seines Herrn bewahrheitend, dürstet er nach dem Worte des ewigen Lebens, und eilt, den Durst zu löschen, zu jener heiligen Lehrstätte hin, von welcher herab in Predigten und Christenlehren die Kirche GotteS dem Volke die christliche Wahrheit verkündet. Hier sieht er nicht den Menschen, der zu ihm redet; in der Gestalt des Dieners GotteS erblickt er nur den Herrn, der Worte des Lebens zu ihm spricht. Die Worte sind Licht, ihn zu erleuchten, sind Feuerflammen, die Seele zu entzünden; das Licht wächst, die Liebe erglüht stärker, der Christ fühlt sich an jenem Borne, aus dem Wasser quillt rinS ewige Leben hinüber, er ist an die heilige Stätte wie gefesselt, und sein Glück preisend, mit Maria zu den Füßen Jesu zu weilen, wird er aus Erfahrung inne, daß er in Wahrheit den besten Theil erwählt. „Wie lieblich sind deine Wohnungen, o Herr!" Diesen Ausruf des gottbegeisterten SängerS (Pf. 83, 1.) als Nachklang seiner Andacht aus dem Hause des Herrn mit in seine Wohnung nehmend, wird er, wie jener fromme Jsraelite, den Zug zum Tempel beständig im Herzen tragen, und gerne zu jeder Stunde, am Nachmittage wie am Abende, dorthin zurückkehren, um hier von Neuem, sey eS bei feierlich versammelter Gemeinde, sey es in eigner stiller Sammlung, der Betrachtung und dem Gebete obzuliegen. Wohl wissend, was der Apostel sagt (Kol. 1, 10): „Wachset in der Erkenntniß GotteS" — und das Wort des Weisen wohl beherzigend (Sprichw. 16, 16): „Bewirb dich um Weisheit, denn sie ist besser als Gold," versteht eS der fromme Christ, das Pfund der Zeit auf Wucher auszulegen, und also auch noch außerdem die stille Stunde zu finden, um in der Einsamkeit des KämmerleinS irgenv ein geistliches Buch zu seiner Belehrung und Erbauung zu lesen, oder, wenn er Vater oder Mutter oder wie sonst immer, Haupt und Vorstand einer Familie ist, auch die Angehörigen des Hauses zu dieser Lesung zu versammeln, um sie hiebei, wie einst Tobias seinen Sohn, daS Gesetz und die Furcht des Herrn zu lehren. So wird der Tag geheiligt, und selbst die Wohnung deS Menschen dem Herrn geweiht. Wo aber Gottesfurcht und Andacht wohnt, da weilt auch der Herr mit seinem heiligen Segen. Nun kann die wahre Andacht auch nach anderer Seite hin nicht unthätig bleiben, sie drängt zu Werken der Liebe; und nachdem der Heiland uns gelehrt, in den Mindesten unserer Brüder ihn selbsten zu erkennen, so benützt der wahre Christ die Festtagsruhe, um, wenn er den Pflichten der Andacht Genüge gethan, auch den Werken der Nächstenliebe nachzugehen. Hier erscheint er in der Hütte der Armuth, der stillen und verschämten Noth, um mit der Rechten zu geben, ohne daß die Linke eS wissen dürfe. Dort sucht er die Wohnung des Kummers auf, um der Tröster der Betrübten zu werden. Hier eilt er zum Krankenbette, um, so weit es an ihm liegt, Schmerzen zu erleichtern, und in dem kranken Mitbruder den leidenden Heiland zu verehren und zu pflegen. Dort geht er hinaus auf die Grabeshügel, um über den Denkmälern der Verwesung, in jener Liebe, welche nie erstirbt, der Dahingeschiedenen zu gedenken, für die Seelen-Ruhe dieser Theueren Gebete auSzugießen, und dabei um so lebhafter der Wahrheit sich zu erinnern, daß auch er Wanderer sey, und auf die Ewigkeit sich bereiten müsse. So werden die Sonn- und Festtage, zunächst zur Anbetung deS Herrn und zur Ehre seiner Heiligen in der Kirche GotteS angeordnet, zugleich Tage der thätigsten Nächstenliebe. Da werden Hungrige gespeist, Durstige getränkt, Nackte gekleidet, Fremde aufgenommen, Kranke besucht und selbst der Verstorbenen in Liebe gedacht. Da werden Betrübte getröstet, Unwissende belehrt, Zwei- felnde recht berathen, Irrende von ihren Wegen zurückgerufen und Sünder zu Gott bekehrt. In geistlicher und leiblicher Beziehung theilt christliche Barmherzigkeit ihre Spenden aus, und so trägt die Sonn- und FesttagSfeier mächtig bei, die große Frage thatsächlich zu lösen, welche menschliche Weisheit nimmer losen wird, die Frage, wie dem zeitlich gedrückten und sittlich versunkenen Zustande der Volker die verlangte Hilfe werden solle ^ . ! ?,.u. -n'V.nl . Warum aber, geliebteste Diözesanen! warum erkennt die Welt die heilige Kirche Gottes nicht? Warum erkennt sie nicht, waS zum Heile dient? Warum wählt sie gerade die Sonn- und Festtage, um die Unzahl ihrer Sünden zu mehren? Warum stachelt sie besonders an diesen geheiligten Tagen die Leidenschaften der gefallenen Menschennatur zur Vollbringung der Werke der Finsterniß? — die Prunk- und Putzsucht, um ihre Eitelkeit zur Schau zu tragen? — die Vergnügungs- und Genußsucht, um dem Leibe die Herrschaft über den Geist zu geben? — die eckle Fleischeslust, um leiblich und geistig den Menschen zu verderben? Warum soll die heilige Kirche durch die Verkehrtheit der Welt den Untergang so vieler Seelen gerade da beweinen, wo sie zu deren Rettung die Anstrengungen ihrer Liebe verdoppelt? Doch es ist, Geliebteste! nicht Unsere Absicht, euch ein Bild vorzuführen, dessen Wirklichkeit ihr nur zu oft vor Augen habt, dessen Anblick aber mit Schmerz und Wehmuth erfüllt, und dessen der gute Christ nie gedenkt, ohne zu trauern und zu weinen über daS verblendete Jerusalem. Das Wort väterlicher Ermahnung haben Wir vielmehr an euch richten wollen, daß ihr gedenken sollet, den Sabbat zu heiligen, die Tage des Herrn und seiner Heiligen im Sinne nnd im Geiste unserer Mutter, der heiligen Kirche zu feiern. Der Segeu des Herrn wird euch begleiten, und jener Friede mit euch seyn, welchen die Welt nicht kennt, den sie nicht geben und nicht nehmen kann. Zuerst das Reich Gottes suchend und seine Gerechtigkeit, werdet ihr allzeit finden, daß das Uebrige beigegeben wird. Ja, selbst eure zeitlichen Sorgen und Mühen wird die fromme Fcstesfcier mit dem Thau ihrer Seguungen befruchten, vor Allem aber euch den großen Sabbat vorbereiten, den ihr mit Gott und seinen Auserwählten im Reiche der Ewigkeit einst feiern sollt. Dieses Wort der Ermahnung haben Wir jetzt an euch richten wollen, wo so ernste Tage vor uns stehen, und die heilige Fastenzeit die dringende Forderung an uns ergehen läßt, in der Beherrschung unordentlicher Begierlichkeit, in Fasten und Gebet, in Betrachtung des Leidens und Sterbens Jesu Christi, iu der Wirkung wahrer Buße und Bekehrung und in der Uebung aller Gerechtigkeit zum Tische deS Herrn, zur Feier des heiligen Osterfestes uns würdig zu bereiten. Gedenket, so heilige Tage auch heilig zu vollbringen, eure Freude sey es, gehorsame Kinder der heiligen katholischen Kirche zu seyn; uud in euren Herzen dürfe Raum nur das eine Verlangen finden, in diesem Gehorsam bis zum Ende zu verharren. Die Zei ist kurz, wie im Fluge eilen die Tage vorüber, uud die Stunde ist nicht ferne, wo auch der letzte derselben sich zum Abend neigt. Dann aber geht die Sonne diesseits unter, um jenseits ni neuem Lichte zu leuchten, und einen Tag uns anzuzünden, der keinen Abend hat — den Tag der Auferstehung zum ewigen Leben. Und daß der Herr in seiner Gnade euch dahin geleiten wolle, um dieß flehend, reHeben wir die Hände, und xrtheilen euch den bischöflichen Segen im Namen deS Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. Amen! ,znil»M-«iUH n> 5,x»>s t'kitt ', N'.M« DaS Christenthum und die Frauen. ziliiitiÄ, n,>it»6 izznni ni N',i>v7st I»sn?l «5 I'! HkWam Wenn zu demselben Ziele in derselben Richtung mehrere Pfade führen, so gehören sie alle zu dem nämlichen Wege, und es kommt theils auf die Kräfte, theils auf die Neigung der Wanderer an, welchen sie einschlagen wollen, sosern es nur keiner ist, der iu die Irre führt nnd auch kein Holzweg, auf dem man nicht mehr weiter kann, sondern umkehren muß. So gibt es auch für den Christen, M nur Einen Weg, nämlich Christus selbst, aber mehrere Pfade, welche neben einander hinlaufend sämmtlich zu demselben Ziele führen, WaS hiebei nicht auf die Wahl dcS einzelnen ankommt, das ist jene Verschiedenheit, welche von der Zweiheit der Geschlechter bedingt wird; denn obgleich der Weg des ManneS, welcher Christum nachfolgt, auch keine Heerstraße, sondern ein schmaler Fußsteig ist, weil zum Himmel keine breiten und bequemen Wege führen, so ist doch ein großer Unterschied zwischen den Pfaden dcS Mannes und denen des WeibeS. Denn mehr dem Lichte des TageS und der Muth der Sonne, so wie auch dem Lärme und Staube, der von der Landstraße himiberdringt, ausgesetzt find jene, und führen über sonnige Wiesen oder Felder, während diese, obgleich nicht weniger mühevoll und oft noch dornenreicher sich verborgen im Schatten der Wälder in bescheidener Stille hinziehen. Und daß sich die Frauen in solchem Dunkel nicht verirren, ist ihnen jener Stern zum Führer gegeben, der von der Kircbe der Morgenstern genannt wird, die stell» Iucer>5, die heiligste Jungfrau. Der Weg Christus ist auch der Weg Mariens, und der Weg Mariens ist der Weg aller christlichen Fraueu. Zwar einzig in seiner Art ist der Pfad, den die AuS- crwählte gewandelt, zugleich Jungfrau und Mutter. Allein dicht an ihm ziehen sich die Pfade Jener hin, die entweder im jungfräulichen Stande in oder außer dem Kloster der Jungfrau oder im christlichen Ehestände der Mutter Maria nachfolgen Und da nur die verhältnißmäßig geringere Zahl zu dem ersteren Stande berufen ist, so ist der zweite allerdings die normale Bestimmung des Weibes. Er ist die normale Bestimmung nach der ursprünglichen Schöpfung, in welcher daS Weib geschaffen wurde, die Gehilfin des ManneS zu seyn; er ist diese normale Bestimmung ferner nach den Worten, die der Herr zur Schlange sprach: „Feindschaft will ich stiften zwischen dir und dem Weibe, zwischen deinem Samen und ihrem Samen; sie wird dir den Kopf zertreten, und du wirst ihrer Ferse nachstellen." — Denn obgleich der Erlöser auf jungfräulichem Boden in die Menschenwelt eingetreten, so ist doch seine Mutter Maria die Tochter der Patriarchen. ' Und nur dadurch, daß alle Menschen von dem ersten Ehebunde im Paradiese herstammen, gehören sie alle zu einem Gattungsverbande, dem die Frncht der Erlösung zu Gute kommen konnte und fortgesetzt zu Gute kommt bis zum Ende der Welt. — Als ein vom Schöpfer im Paradiese eingesetztes und nach dem Falle zum Mittel der Erlösung bestimmtes Sakrament, also soll die christliche Gattin den Ehestand betrachten, und folglich dabei vorzüglich auf die Uebereinstimmung im Glauben und in der Liebe zum Erlöser sehen, welche allein eine dauerhafte Freundschaft knüpft nnd in gemeinschaftlicher Kinder-Erziehung die Ehe zu einer Pflanzichule deS christlichen Lebens macht, keineswegs aber auf jenes fälschlich mit dem heiligen Namen der Liebe belegte Wohlgefalle» der Sinne, das keinen Bestand haben kann, noch auf die Sucht nach Reichthum und Glanz. Die echte deutsche Frau, die heilige Elisabeth, diese liebenswürdige Jüngerin Mariens, sollen sich alle Gattinen, besonders die deutschen, zum Vorbilde nehmen, von ihr lernend die menschlichen Gefühle mit den göttlichen in Harmonie zu bringen, von ihr lernend dem Gatten nach GotteS Befehle zn gehorchen, nicht zwar wie eine Sklavin, aber in liebender vertraulicher Demuth, als nachgiebige Freundin und emsige Haushälterin. Denn obgleich die Unterwürfigkeit nicht in der ursprünglichen Schöpfung bestimmt war, so ist sie doch Pflicht der christlichen Gattin, nm im Geiste der Buße dem nach dem Falle ausgesprochenen Befehle deS Herrn zu genügen, da die durch das Christenthum bewirkte Gleichstellung des WeibeS eine rein geistige ist. Um dieser geistigen Gleichstellung willen aber wird sie die persönliche Würde nicht vergessen, in der sie zwar zum Manne, ober keineswegs für ihn, sondnn für Gott erschaffen ist, und daher ihren Geist immer mehr wahrhaft zu bilden suchen. So werden die Frauen in keines der beiden Extreme Verfallen, welche die nicht christliche Weisheit der neueren Zeit der Wahrheit in der Auffassung deS Verhältnisses vom Weibe zum Manne gegenüber gestellt hat. Eine heißt Emancipation und will gänzliche Lvsreißung von Sitte und Gesetz in ungebundener Individualität. Das Andere verhüllt die materielle Tendenz unter idillischer Naturseligkeit. DaS Land, in dem die Gesellschaft die feinste Ausbildung erreicht hat, 10t und von dem daher die meisten sozialen Neuerungen ausgegangen sind (wie von England die meisten politischen, von Deutschland die meisten ideellen und von Italien die meisten künstlerischen), Frankreiich hat diese falschen Ideale unter der Aegide zweier glänzender Namen ins Leben engeführt, unter dem Namen Voltaire'S für die Emancipation, und dem Rousseau'S für die ivillische Naturtreue. Der Letztere hat seine Tendtn; hierüber weit schärfer und umständlicher ausgesprochen, als der Erstere, der nur in frivolen Andeutungen eine Vorschule der Emancipation errichtete. Aber Voltaire hat mehr Eingang auch in der Ansicht über das Verhältniß des Weibes gefunden, als Rousseau, weil jener seine Behauptungen auf die wirklich vorhandene Vcrderbniß gründete, die er als Kultur anbetete, während dieser seine Meinungen aus die eingebildete Trefflichkeit der (nach ihm) unverdorbenen Natur baute. Daß es mit dieser angebornen Unschuld allein doch keinen rechten Bestand habe, zeigt er selbst, ohne eS zu wollen, in seinen weiblichen Idealen: Sophie und Heloise, die er Beide Opfer der Verführung werden läßt. Mit Rousseau's Ansicht kommen die Frauen am Ende dahin, wo sie sich mit der Voltaire's schon im Ansänge befinden. Vollaire'S Gesinnung vergiftet die Gesellschaft unmittelbar mit dem Pesthauche der Frivolität; Rousseau'S Anschauungsweise knechtet die Frauen, nimmt ihnen mit der Erkenntniß den Glauben und die davon abhängende Liebe zu Gott, und gibt ihnen dafür den Glauben an den Mann, und die Liebe zu ihm, „Die Frau soll die Religion ihreö Mannes haben," sagt er (nicht etwa meinend, daß sie nur den heirathen solle, der in der heiligsten Ueberzeugung mit ihr übereinstimmend wäre, sondern wollend, daß sie neutral zwischen den religiösen Parteien bleibe, bis sie von dem Manne, der ihr Gatte geworden, zu einer religiösen Ansicht bestimmt würde). Damit bringt er nicht nur das Weib um alle Würde, sondern auch die Ehe um alle Heiligkeit, die Treue um alle Gewähr. Denn nur auf der Treue gegen Gott kann ja die gegen die Menschen beruhen. Wo die Ehe nicht als auf göttlicher Einsetzung beruhend erkannt wird, da hört die Treue mit der Leidenschaft zugleich auf. Umsonst versichert Rousseau, daß er den Frauen den Glauben, den er Aberglauben nennt, nicht nehmen wolle, da eS für sie unmöglich sey, zugleich fromm und weise zu sein, und nur eine fromme Frau tugendhast und treu seyn könne. Er findet also den Autoritätsglauben für sie nothwendig, und gibt ihnen den an die Autorität deS Mannes. Freilich geräth er dabei mit sich selbst in Widerspruch, denn da, nach seiner Absicht, ein vernüoftigcr Mann keinen Glauben haben kann, als den rationalistischen, muß die Frau ihn auch annehmen; sie wird also, was er weise nennt, und muß folglich aufhören fromm, tugendhaft und treu zu seyn. DaS thun denn seine Heldinnen auch; der Gegenstand ihrer Leidenschaft ist jedes Mal ihr Prophet und Gesetzgeber. — Die Vertheidiger der Emancipation gehen gerader aufs Ziel loS; bei ihnen gibt eS keine Treue, also auch keinen Bruch derselben. Der Unterschied ist, daß nach der Lehre Rousseau's die Frauen Sklavinen des Einzelnen, nach der Voltaire'S Sklavinnnen des ganzen männlichen Geschlechtes sind; frei sind sie nur im Christenthume durch den Gehorsam für das göttliche Gesetz. (W.K.-Z.) Vl. Provinzial ermähnte mich väterlich, fleißig zu studiren und fromm zu leben, mit dem Beisätze, daß ich dann einst die Gewährung meiner Bitte hoffen dürfte. Jetzt war ich Jesuiten-Candidat. Im folgenden Schuljahre, da ich in der fünften Classe, die Humanität oder Poesie genannt, studirte, wiederholte ich meine Bitte bei dem neuen Provinzial, ?. Jgnaz Rhomberg, nachmaligen Assistenten der deutschen Provinz zu Rom bis zur Aufhebung deS Ordens. Dieser gab mir die nämliche Ermahnung und Vertröstung. In der Vacanz erzählte ich meiner Mutter und Schwester, daß ich bei dem Jesuiten um die Aufnahme in den Orden angesucht habe, machte ihnen aber dadurch wenig Freude. Ich sollte, sagten sie, ein Weltpriester werden; da könnte ich eine Pfarrftelle, und sie von mir Unterstützung hoffen. Um dieselben zu beruhigen, stellte ich ihnen vor, daß daS Ansuchen mich noch nicht zum Jesuiten machte, und daß ich noch immer Weltpriester werden könnte. Denn sollte ich wirklich die Aufuahme erhalten, so würde ich zwar in den Orden treten, doch nur auf einige Zeit, um die Lebensweise der Jesuiten besser kennen zu lernen, dann aber könnte ich den Orden immer wieder verlassen, und mich nach ihrem Wunsche dem Stande der Weltpriestcr widmen. Würde mir hingegen die Ausnahme versagt, so brächte mir das Ansuchen doch keinen Schaden, weil man auf die Kandidaten immer einige Rücksicht nähme. Dieß war damals meine wahre Gesinnung, aber auch nur damals, denn bald ging in derselben eine große Veränderung vor. Diese rühren von einem Manne her, der eine Zierde seines Standes war, nämlich von dem hochw. Franz Anton Neuhauser, Dr. der Theologie und Pfarrer zu Ortelfing im Capitel Burgheim. Geboren zu Siegenburg in der Oberpfalz den 25. Dec. 1744 starb er den 24. Oct. 1834. Da dessen ausführlicher Nekrolog im Jahre 1SZ4 in der Zeitschrift Skon erschien, so dürften diese Aufzeichnungen als Commentar hier eine Stelle finden. Boehaimb. 108 Im Jahre 1763/64 studirte ich die Rhetorik, welche die oberste Classe des Gym- nasnuns war, und zwar mit so glücklichem Erfolge, daß ich den ersten Platz unter meinen zahlreichen Mitschülern behauptete. Der Winter dieses Jahres ist mir unvergeßlich, da hielt der Missionär ?. Jacob Bauer den Studenten der kleinen Congre- gation, wovon ich ebenfalls Mitglied war, drei Tage nacheinander eine sogenannte Recollection des Geistes, welche in heilsamen Betrachtungen und frommen Uebungen bestand. Stoff der Betrachtungen waren das Ziel und Ende des Menschen, Abweichung davon durch d'^e Sünde, Rückkehr dahin durch die Buße, die mächtigen Beweggründe zur Besserung, nämlich Tod, Gericht, ewige Glückseligkeit oder Unglücklichkeit nach diesem Erdenleben. Ich fand mich durch diese Betrachtungen tief gerührt und zum Vorsatz erweckt und gestärkt, fromm zu leben um einst selig zu sterben, und mein letztes Ziel und Ende, den Himmel zu erlangen. Aber vorzüglich stark ward ich durch die Betrachtung über die Wichtigkeit der Slandeswahl angegriffen. Da war eS mir so hell wie der Mitlag, daß der Orden der Gesellschaft Jesu für mich der sicherste Weg zum Himmel sey, und ich machte ven festen Entschluß, alles anzuwenden, um in diesen aufgenommen zu werdcu. Ich trug meinen Wunsch Gott im Gebete vor, und bat um Erfüllung desselben. Dieß that ich mit besonderem Eifer nach der heiligen Communion, zu der ich alle Sonn- und Festtage hinging. Ich glaubte auch manchmal in meinem Innersten zu vernehmen, daß mein Wunsch noch in demselben Jahre Erhörung finden werde, welches mich mit der süßesten Hoffnung und Freude erfüllte. Der ?. Provinzial kam, wie gewöhnlich, zur Visitation nach Augsburg. Da bat ich denselben inständigst, mich am Ende des Schuljahres in den Orden aufzunehmen. Eben so eifrig trug ich die nämliche Bitte dem sogenannten Socius des ProvinzialS ?. Andreas Oberhub er vor. Dieser fragte mich sehr freundlich, ob ich noch Kandidat bleiben wollte, wenn mir für jetzt die Aufnahme in den Orden verweigert würde. Denn da ich schon zwanzig Jahre alt wäre, so würde eS für mich vortheilhafter seyn, wenn ich erst nach dem zweijährigen CurS der Philosophie in den Orden käme. Dieß wollte mir nicht einleuchten, und ich sagte im zuversichtlichen Tone, daß ich noch selbes Jahr gewiß in den Orden werde aufgenommen werden. ?. Oberhuber lächelte, und fragte, woher ich diese Gewißheit hätte; allein ohne einen Gnind anzugeben wiederHolle ich nur meine Behauptung, daß meine Aufnahme gewiß erfolgen werde, welches den Mann aufmerksam zu machen schien, insonderheit, weil ich noch hinzusetzte, daß ich, wenn die Ausnahme am Ende des Schuljahres nicht erfolgen sollte, dem?. Provinzial überallhin nachreisen und nicht ablassen würde, denselben zu bitten, bis mein Wunsch erhört wäre. Gegen die Mitte deS Augusts fingen die schriftlichen Prüfungen oder Ausarbeitungen um die Preise an. Die erste Ausgabe war eine lateinische Rede: der Stoff davon fällt mir nicht bei. Ich arbeitete die Rede mir aller Anstrengung aus, und überlas den Aufsatz vor der Reinschrift öfter mit der größten Aufmerksamkeit, bis ich nichts mehr zu verbessern fand. Denn ich hatte den ehrgeizigen Wunsch, der erste auf das Theater, wo die Preise ausgetheilt wurden, gerufen zu werden, welches mir auch gelang. Die zweite Ausgabe war ein lateinisches Gedicht in Herametern über den Tod des Klitus durch die Hand des Königs Alexander bei der Tafel. Der Stoff gefiel mir, und ich schrieb, während das Factum aus dem CurtiuS dictirt wurde, mehrere Verse nieder. Ich glaubte, den Preis auS der Dichtkunst schon zu haben, weil ich mir eine große Fertigkeit, Verse zu machen, erworben hatte. Aber mein Stolz ward empfindlich gestraft. Denn als ich an die Arbeit ging, schien die poetische Ader ganz verstopft, und mein Kopf mit Stroh gefüllt zu seyn: ich wußte nicht, wie ich anfangen sollte, und brachte den ganzen Vormittag nicht einen einzigen VerS zu Stande. Mein Gewissen sagte mir laut, daß dieß eine Züchtigung meines Stolzes sey. Ich verhüllte das Angesicht mit dem Mantel, weinte und bat Gott demüthig um Verzeihung. Dem Professor, welcher die Aussicht hatte, und in dem Schulzimmer umherging, fiel mein Betragen auf: er ging zu mir hin, und fragte mich, was mir fehle. 109 Als ich ihm mein Unvermögen, die Aufgabe auszuarbeiten, entdeckt hatte, tröstete er mich und ricth mir ein wenig zu schlafen. Ich that es, in meinem Mantel gehüllt. Darauf versuchte ich cS wieder, daS Gedicht, nach Anrufung des hl. Geistes anzufangen. Allein es wollte mir noch nicht gelingen. Beim Mittagessen ließ mir der nämliche Professor ein GlaS Wein bringen, um den Kopf aufzuheitern, und die poetische Ader flüssig zu machen. Ich aß und trank wenig; ging wieder an meinen Platz, und arbeitete nach einem kurzen Gebete an der Aufgabe. Jetzt ging es besser und ich brachte das Gedicht mit 70 Herametern zu Stande. Allein meine Arbeit gefiel mir selbst so wenig, daß ich eS mir nicht verbergen konnte, dieselbe verdiene den Preis nicht, welchen auch ein anderer davon trug; doch wurde mir der erste Platz nach demselben zuerkannt. . Die dritte Aufgabe war der griechischen Sprache gewidmet; denn das Studium der Muttersprache ward damals in den Schulen ziemlich vernachlässiget unter dem Vorwande, daß eS eben kein besonderer Vorzug wäre, besser deutsch zu reden und zu schreiben, als ehemals die Schuster und Schneider; da man eS doch für eine große Ehre hielt, besser lateinisch zu reden und schreiben, als ehemals die Schuster und Schneider zu Rom. Auch der Unterricht in der griechischcn Sprache erhob sich damals nicht zu der Höhe wie jetzt. Für die griechische Sprache hatte ich schon damals eine Vorliebe, und war drei Jahre nacheinander so glücklich, den Preis aus derselben zu erhalten. Auf die schriftlichen Prüfungen folgten die mündlichen auS der Geschichte und dem Katechismus, welchen ich aber nicht mehr beiwohnte. Die Veranlassung war folgender Vorfall. Als ich eines Tags nach dem Mittagessen mit andern wie gewöhnlich in den Garten des SeminariumS gegangen war, kam ganz unvermnthct der Rectvr des Kollegiums, ?. Schaum bürg, mit dem Inspektor dahin, und redete sehr freundlich mit uns. Ging dann auf die Thür zu, welche in den anstoßenden Garten des Kollegiums führte; öffnete dieselbe mit dem Schlüssel; wandte sich nochmals um, und sagte zu mir: „Neuhauser, er ist aufgenommen!" WaS ich bei diesen Worten empfunden habe, bin ich nicht im Stande auszudrücken; eS war mir nicht anders, als hätte ich eine Stimme vom Himmel gehört. Ich sprang vor Freuden hoch auf. Dann bat ich um Erlaubniß, nach Hause reisen zu dürfen, um von meinen Verwandten und guten Freunden Abschied zu nehmen, Der ?. Inspektor riech mir, die mündlichen Prüfungen abzuwarten, weil mir ein Preis daraus zu Theil werden könnte. Allein da ich die Erfüllung meines Herzenswunsches erreicht hatte, waren mir die Preise ganz gleichgültig. Ich wiederHolle meine Bitte, und erhielt die Erlaubniß, nach Hause zu gehen, mit dem Auftrage , vor der Preisevertheilung nach Augsburg zurück zu kommen. Ich versprachs mit Freuden. Am folgenden Morgen trat ich die Reise an und ging nach Weilach, einem Dorfe unweit Schrobenhausen, wo meine Schwester mit einem sogenannten Gäumetzger verheiratet war. Da traf ich ganz unerwartet meine Mutter an, welche gekommen war, um meiner Schwester bei ihrer nahen Entbindung beizustehen. Mit Freuden erzählte ich ihnen mein Glück, fand aber wenig Theilnahme. Vielmehr waren beide darüber betrübt, weil sie nun keine Hilfe mehr von mir zu hoffen hatten. Ich sagte ihnen, daß ich dem Gnadcnrufe Gottes folgen müsse; ermähnte sie zum Vertrauen aus die väterliche Fürsehung Gottes, und schloß mit den Trostworten, daß Gott besser für sie sorgen könne und werde, als ich eS, wenn ich Weltpriester geworden wäre, würde haben thun können. Von Weilach ging ich nach einem wehmüthigen Abschiede in meinen Geburtsort, den Marktflecken Siegenburg, nicht weit von AbenSberg; verweilte da einige Tage, und reiste weiter nach Gcmpfing, unweit Rain, einer Hosmarkt des Klosters St. Walburg in Eichstätt, wo mein Herr Vetter Ulrich Richter war. Von da lehrte ich nach Augsburg zurück, wo ich am Vorabeude der Preisevertheilung eintraf. Mein Wunsch ging in Erfüllung: ich ward der erste aufs Theater gerufen, erhielt den Preis auS der Redekunst und dazu noch, wie schon vorher drei Jahre nacheinander, den Preis aus der griechischen Sprache. 110 Die ersten Tage nach der Preisevertheilung ging ich, wie andere arme Studenten, in die Klöster, und in die ansehnlichen Hänser der Stadt, zeigte meine Preise vor, und, ward überall beschenkt. Ich war so glücklich, ungefähr 3l) fl. zusammenzubringen, zahlte davon Schuster, Schneider u. s. w, und schickte den Rest meiner armen Mutter. Nur 1 fl. 30 kr. behielt ich für mich aus die Reise nach Landsberg zurück. Am Vorabend von Kreuzerhöhung mußten die aufgenommenen Candidaten im Collegium zu Landsberg, welches das Noviziathaus war, erscheinen. Hr. Kausmann Gaßer von Augsburg, dessen Sohn, mein Mitschüler, ebenfalls in den Orden aufgenommen war, erwies mir die Güte, mir einen Platz in seinem Wagen zu gönnen. Als ich Landsberg und das schöne Collegium, das am höchsten Platz der Stadt sich zeigte, von Ferne sah, hüpfte mir das Herz vor Freuden im Leibe. Dieß ist, dachte ich, meine Ruhestätte, da will ich bleiben! Außer der Stadt standen auf den Straßen, die nach Landsberg führten, Leute, welche die Candidaten bewillkommten, denselben Glück wünschten, und dafür ein Geschenk erwarteten. Ich theilte mit Freuden auS. Als der Wagen im Hofe deS Kollegiums ankam, hatte ich noch ZV kr, welche mich wie eine schwere Last drückten. Denn ich hatte den Stolz , ohne Heller und Psennig Jesuit zu werden. Sorgsam blickte ich nach allen Seiten hin, um Jemand zu entdecken, dem ich meine Last aufbürden könnte. Da sah ich einen Handlanger, winkte demselben, drückte ihm meine letzten Krenzer in die Hand und fühlte mich glücklicher, als der Empfänger sich fühlen konnte. Beim Eintritt in daS Collegium glaubte ich in den Himmel zu gehen, und hatte nichts mehr zu wünschen. Drei Tage lang wurden die Candidaten als Gäste behandelt. Jedem wurde sein besonderes Wohn- und Schlafzimmer angewiesen; jeder hatte einen Novizen vom vorhergehenden Jahre zur Bedienung, der ihn zur bestimmten Stunde aus dem Schlafe wecken, ihm Licht und Speise bringen mußte; denn Jeder aß auf seinem Zimmer, und unterhielt sich mit seinem Aufwärler. Am vierten Tage fingen die sogenannten achttägigen GeisteSübungen deS heil. Ordenstifters JgnaziuS an, welche mit Beten, Lesen, Betrachten zugebracht wurden. In diesen Tagen mußte sich jeder Candidat zur Beicht von seinem bisherigen Leben, und dadurch zur hl. Communion vorbereiten. Am Vorabende der hl. Communion brachte ein Laienbruder jedem Candidaten den schwarzen langen OrdenSrock sammt den Unterkleidern , weil alle in dem Ordenskleide bei der hl. Communion erscheinen mußten. Denn bei den Jesuiten war keine seierliche Einkleidung üblich; jeder zog seinen OrdenSrock selbst an; und wer bisher langes Haar getragen hatte, mußte sich dasselbe von einem Laienbruder, der Barbier war, abschneiden lassen. — Hier kann ich nicht umhin, zwei lustige Anekdoten zu erzählen, welche von der Menschenkenntniß und der guten Art zeigen, womit die Obern der Jesuiten ihre Untergebenen behandelten. Ein Candidat wollte sich seinen schönen Haarzopf nicht abschneiden lassen, und ein anderer wollte seine rothsamm nen Beinkleider beibehalten. Die Sache wurde dem Obern gemeldet, und dieser sagte, man solle jedem seinen Willen lassen. — Am Tag darauf gingen die Candidaten im Ordenskleide öffentlich in der Kirche zur hl. Communion. Da gab es ein Lächeln, Zischen und Murmeln. Der Candidat im Ordenskleide und dem Haarzopse darüber machte Aufsehen, nicht nur bei den andern Candidaten, sondern bei allen Leuten, welche ans der Stadt in die Kirche gekommen waren, um die neuen Candidaten daS erstemal im Ordenskleide zu sehen. Kaum war die Communion vorüber, eilte der Candidat, welcher empfand, daß er der Gegenstand des allgemeinen Aufsehens gewesen sey, zum Obern, und bat um die Erlaubniß, seinen Haarzopf ablegen zu dürfen. Der andere Candidat wurde an einem Werktage mit den übrigen in den Garten geschickt, um dort Obst zu pflücken, zu schütteln und aufzusammeln. Der Brnder Gärtner hatte vom Obern den Befehl, den Candidaten mit den rothen Beinkleidern die Leiter besteigen zu lassen. Die Untenstehenden sahen zum Baum hinauf, erblickten unter dem schwarzen Ordensrocke die rothsammtenen Beinkleider, und konnten sich nicht enthalten, laut zu lachen. DaS wirkte. Am Ende der Arbeitsstunde ging der Candivat !11 beschämt zum Obern, und bat denselben, seine rothsammtnen Beinkleider mit den kalbledernen des Ordens vertauschen zu dürfen. Hätte der Obere die Ablegung deS Haar- zopfeS und der rothen Beinkleider strenge gefordert, so würden vermuthlich beide Can- divaten zurückgetreten seyn, welche durch kluge Nachgiebigkeit dem Orden erhalten worden sind! Bühne und Kirche. Ueber dieses Thema schreibt (in der A. Z.) Baron Eckstein auS Paris: „Wie in gewissen Zonen der Gesellschaft alles sich in ein Börsengeschäft verkehrt, und welt- crschütternde Begebenheiten wie die höchsten oder tiefsten Erfindungen der Wissenschaft in unternehmenden Köpfen den Anstoß zu einem Actienplan geben, so wird hier in andern Kreisen jede Frage der Staatskunst und der schönen Künste, der Geschichte und des Sprachstudiums, kurz aller Thätigkeiten des menschlichen Geistes vor den Richter- stuhl der Theologie und auf das Gebiet des kirchlichen Lebens gezogen. Nach diesem Grundsatz und dieser Gewohnheit wurden anch die ethisch-ästhetischen Probleme, die aus Anlaß der jüngsten dramatischen PieiSvertheilung vor das Forum der öffentlichen Meinung kamen, im „Univers" von einem gewissen Leon Aubineau, einem der geistvollsten Adjutanten des genialen Veuillot, mit halb pedantischer, halb sarkastischer Krilik vorgenommen und über daS ganze Bühnenwesen, selbst über die trefflichsten Werke, die durch ihren Grundgedanken sowohl, als durch die Entwicklung desselben die Läuterung und den Aufschwung der Seele bezwecken, absprechend und schonungslos der Stab gebrochen. Ein großer, ja der größere Theil des französischen KleruS verdammt das Theater ohne Einschränkung, ohne die Vortheile, die es namentlich der Jugend bietet (? ?) , ohne den heilsamen Abbruch, den es durch seine Zugkraft und die von ihm veranlaßten Ausgaben schädlicheren und schändlicheren Vergnügungen thut, in Anschlag, ohne die nicht immer mißglückten Versuche, die Bühne von Unrath und Lüsternheit zu reinigen, in Rechnung zn bringen, als eine der gefährlichsten Fallen, die der Satan den schwachen Menschen gestellt, uud als einen sichern Weg zur Hölle. Die Jesuiten, die nie in dieses Anathem miteingestimmt, werden daher von vielen strengeren Geistlichen schief angesehen, und in mehreren, sogar bedeutenden Provinzstädten leidet (?) das Theater unter dem Verruf, mit dem die Seelsorger es belegen. Der Vormann und Leitstern dieser „Meinung" in der Kirche ist der große Bossuet, und ich bin weit entfernt zu verkenneil, mit welch hohem und unbestreitbarem Recht ter „Avler von Meanr" eine fast souveräne Herrschast über das gebildete katholische Frankreich übt; sein scharfer und tiefer Blick, die Eigenthümlichkeit und Energie seiner Sprache, die Entschiedenheit seines Charakters, die majestätische Würde seines Betragens, kurz sein Genius uud seine Persönlichkeit gesellen ihn den großartigsten, merkwürdigsten Gestalten der Geschichte zu — er ist Frankreichs Michel Angelo und Dante — und von den Gläubigen wie Ungläubigen wird er als Geist und Künstler in gleichem Maß bewundert; aber für Niemand ist er die höchste Stelle, und wo die Kirche sich nicht ausgesprochen, da ist sein Wort kein Glaubenssatz. Wenn ich nun sehe, daß über einen Punct wie die Vereinbarkeit der dramatischen Poesie uud des Theaterbe, suches mit den Lehren uud Pflichten des Christenthums bis jetzt von der wahrhaft höchsten Stelle kein unwiderruflich kauonifcher Entscheid ausgegangen ist, wenn ich im Gegentheil sehe, daß hochverehrte Kirchenlehrer der mildern Ansicht beipflichten, sehe, daß in dem Centrum der katholischen Welt, unter den Äugen des Papstes Schauspiel, Oper und Ballet, geduldet, ja beschützt sind, und der bedeutendste Orden der Kirche der härteren Meinung und Zucht in diesem Stücke beizutreten beharrlich verweigert, wenn ich dann das glühend katholische Spanien besuche und seinen heißen Glauben unter den blumigen Galanterien seiner Komödie nicht erstickt, im Gegentheil gerade zur Blüthezeit seiner Degen- und Mantelstücke am lebendigsten finde, und endlich mich daran erinnere, daß die französischen Bischöfe in den jüngsten Tagen den Künstlern und Künstlerinnen der Bühne eine versöhnliche Hand geboten, so fühl' ich mich einem » Bossuet gegenüber minder beengt, und trage ihm zu widersprechen keine Scheu mehr. Es mag das Alter ihn mürrisch gemacht haben, denn er war, als er seinen Bannfluchbrief gegen das Theater schrieb, dem Ende seiner Lausbahn ziemlich nahe. ES ist möglich, daß er, in seiner Jngend wie in seinem Mannesalter, verstohlen zärtlicher, zwar erfolgreich bekämpfter, aber darum nicht minder vorhandener Anwandlungen beschuldigt, die ihm verbotene Frucht, weil ihr Genuß ihm versagt war, als eine Giftpflanze verfluchte und verschrie. Auch mögen die Ausschweifungen, die schon damals auf der Pariser Bühne grassirten, ihn mißtrauisch gemacht, und ihm selbst für daS Gute, waS sie brachte, den richtigen Maßstab genommen haben. Bei alledem aber bleibt eS mir ausfallend, daß ein so großer Kirchenlehrer die Darstellung der menschlichen Schwäche, Verkehrtheit und Verderbnis) so ungestüm und ohne Rückhalt verdammte. Ich kann mir schwer erklären, wie es einem so ungemein scharfsinnigen Geist entgehen konnte, daß die Kirche im Allgemeinen und als Dogma nur daS von jeher lehrte, was die Bühne, wenn sie anders ihrem Beruf treu bleibt, im Kleinen und Einzelnen darstellt, die gefallene Menschheit. Wollte Bossuet folgerichtig seyn, so durfte er eS nicht dabei bewenden lassen, dagegen zu eifern, daß man die Nachtseite des Lebens in zerstreuten Bildern zeige, er mußte die Unterdrückung aller Rede von dem Daseyn deS Uebels verlangen, und die Quelle, auS der Komiker und Tragiker, Shakspeare und Moliöre, Kotzebue und Scribe schöpften, den Sündenfall unserer Ureltern, abzusperren anrathen. Die Mission in Aschaffenburg. AuS Aschaffenburg, 27. März, wird dem Volksboten hieiüber berichtet: „Heute sind'S gerad' fünfzig Jahre, seit die Jesuiten hier auS ihrem Kollegium entfernt und unter den Thränen der Bevölkerung in andere Klöster gebracht wurden. Und gerad' hent', nach einem halben Jahrhundert, haben die nämlichen Jesuiten hier einen Triumph gefeiert, wie kaum an einem andern Orte. Es war der Schluß der hl. Mission, die vor vierzehn Tagen begonnen, vvn Tag zu Tag größere Theilnahme fand und heute endete. Wer hätte auch der christlichen Liebe und der UeberzeugungSgabe dieser Männer, die vom Beichtstühle wie von der Kanzel unermüdlich für das, Heil der Seelen arbeiteten, wiederstehen können! Dieser letzte Tag zeigte insbesondere, wie nicht nur alle Vornrtheile geschwunden waren, sondern wie lieb Alle die Missionäre gewonnen hatten. Wohl an 19,l)l1l) Menschen mochten vor dem freien Platze vor der Stiftskirche versammelt seyn, als heute Haßlacher von der in Eile errichteten Kanzel die Rede hielt. Alles war zu Thränen gerührt, als er seinen Dank und sein Lebewohl aussprach. Gewiß, diese heil, Mission wird für unsere Stadt und tie ganze Umgehend von den heilsamsten Folgen seyn: denn mit ihr war offenbar der Segen deS Himmels. Das fühlen die Bewohner AschaffenburgS ohne Unterschied des Standes, und ich möchte sagen, ohne Unterschied der Konfession: denn auch nicht Ein Wort hat in allen Vorträgen je den vernünftigen Nichtkatholiken verletzend berühren können. Die Wahrheit, die reine katholische W«hrheit war daS ausschließliche Thema unserer Missionäre, und die Wahrheit dringt überall dnrch, wo die Herzen sich nicht gewaltsam verschließen. Um den ehrwürdigen Vätern den wohlverdienten Dank auszusprechen, begab sich deshalb heute eine Deputation der Bürger zu ihnen und überreichte ihnen im Namen der Bewohner der Stadt einen silbernen Kelch sammt Meß- kännchen, und jedem iin kleines Andenken für sein Kollegium. Mögen die frommen Priester darin und in andern Kundgebungen einen kleinen Beweis unseres Dankeö erkennen, ihr Andenken aber wird bei uns stets im Segen bleiben! Verantwortlicher Redacteur: L, Schönchen, Verlags - Inhaber: F. C. Krem er. Vrey-Hnter Jahrgang. Sonntags-Beiblatt zur Augsburger PostMtung. 10. April. ^ KS 1853. Diese« Blatt erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der halbjährige Abouuementsprel« 4V kr., wofür e« durch alle königl. bayer- Postämter uud alle Buchhaudluuge» bezogen werden kaun. Rom. Allocution Sr. Heil, des Papstes Pins IX., gehalten im geheimen Konsistorium am 7. März. (Schluß.) Wir hegen nicht den mindesten Zweifel, daß ihr mit gleicher Erhebung und Freudigkeit anhören werdet, was Wir in Unserer apostolischen Fürsorge gethan haben, damit die katholische Kirche und ihre heilsame Lehre in der südamerikanischen Republik Costarica fortwährend an Wachsthum zunehme. Es ist keinem von euch unbekannt, wie große Fürsorge Wir für die in Südamerika bestehenden Kirchen tragen, mit welch unermüdlicher Sorgsalt und mit welchem Eifer Wir deren Bedürfnissen entgegenzukommen suchen und wie sehnlich Wir Alles aufzufinden wünschen, wodurch Wir jene Kirchen zn unterstützen und zu fördern vermögen. Mit freudiger Gemüthsbewegung haben Wir daher das Ansuchen Unseres geliebten Sohnes, deö berühmten und geehrten Mannes, Johann Raphacl Mora, gegenwärtigen Präsidenten der genannten Republik, entgegen genommen, in welchem er Uns nachdrücklichst angeht, die kirchlichen Angelegenheiten jenes Staates zn ordnen Da dieser Wunsch Unserem Begehren vollkommen zusagt, so haben Wir sogleich Hand ans Werk gelegt und Sr. Eminenz Unserem geliebten Sohne Giacomo Cardinal Antonelli den Auftrag ertheilt, daß er mit Unserm geliebten Sohne, dem hierzu bestimmten Marquis Fernando de Lorenzana, Gesandten jener Republik bei uns und diesem h. Stnhle, bezüglich der dortigen Angelegenheiten der Religion und Kirche, die Uns vor Allem ain Herzen liegt, verhandle. Demgemäß wurde nach vorgehenden Verhandlungen eine Convention abgeschlossen und von beiden Theilen unterschrieben, nachdem auf Unsern Befehl von einer besondern Cardinalcon- gregation die einzelnen Puncte oder Artikel dieser Convention reiflich erwogen und von uns ratificirt worden waren. Von allen den abgeschlossenen Puncten, ehrwürdige Brüder, werdet ihr genauere Kenntniß erhalten, da ein apostolisches Schreiben über diese Angelegenheit veröffentlicht werden wird. Einstweilen bedeuten Wir euch mit nicht geringer Freudigkeit, wie vor Allem Verwahrung eingelegt wurde, daß dort die katholische Religion alle Rechte frei und ungestört genießen solle, die sie nach ihrer göttlichen Institution und der Sanction der h. kanonischen Gesetze besitzt, so daß in allen Schulen jenes Staates die Unterrichtsweise mit der katholischen Doctrin vollkommen übereinstimmen mnß. Weiteres wurde festgesetzt, daß der ehrwürdige Bruder Bischof zu St. Jose und die andern Bischöfe, die fortan daselbst seyn können werden, falls nene Diöcesen errichtet werden, in den Obliegenheiten ihres HirtenamteS und in der Ausübung der eigenen Jurisdiction volle Freiheit haben, die Schulen überwachen und die theologischen Schulen, so wie alle andern, die heiligen Gegenstände berührenden Institutionen mit jeglicher Freiheit leiten und regieren sollen. Auch wurde bestimmt, .»My-tflv^. ntn?kk.ttM daß der Kirche und ihren geheiligten Dienern angemessene, anständige, völlig freie und sicher gestellte Einkünfte angewiesen werden und daß alle Gläubigen jenes Staates init diesem apostolischen Stuhle, dem Centrum katholischer Wahrheit und Einheit frei verkehren, auch daß fromme Körperschaften wieder daselbst nach ihren eigenen Normen und Institutionen verweilen können sollen; es wnrde auch der Kirche das ihr zustehende Recht sanctionirt und vindicirt, was immer für nutzbringende liegende Güter erwerben und besitzen zu können. Wir verwahrten UnS auch, daß mit allem Eifer die nöthigen Mittel herbeigeschafft würden, daß die Ungläubigen^ die in dem Gebiete jenes Staates leben und noch elender Weise in den Finsternissen und Schatten des Todes verharren, mittelst der Strahlen des evangelischen Lichtes erleuchtet und der Heerde Christi einverleibt würden. Sorglichst trachteten Wir, die kirchliche Disciplin dort mehr zu beleben, damit sie aufs genaueste auch in allen jenen Dingen beobachtet werde, von denen in der Convention keine Erwähnung gemacht wurde. Nach gehöriger Erwägung des Guten, das auö solcher Convention der katholischen Sache erwachsen muß und der Einkünfte, welche der Kirche und ihren geheiligten Dienern angewiesen wurden, haben Wir für angemessen erachtet, dem Präsidenten jenes Staates und dessen Nachfolgern im Amte das Ehrcnrccht zu verleihen, die Ernennungen zu den vacanten Bischofssitzen uud geistlichen Benefizien vorzunehmen. Alles dieses, welches Uns zur großen Tröstung bei den vielfachen, höchst beschwerlichen Sorgen Unseres Papstthums gereichte, mußte euch, ehrwürdige Brüder, mitgetheilt werden. Wir sind fest überzeugt, daß ihr mit gleicher Freudigkeit Alles vernommen habt, was von Uns zur größcrn Verherrlichung des göttlichen Wesens, zur Förderung und zum Gedeihen seiner heiligen Kirche und zum Heile der Seelen sowohl in dem blühenden Königreiche Holland und Brabant, als in der Republik Costarica vollführt und verübt wurde. Während UnS aber dieser Trost zu Theil wird, finden Wir keine Worte, um den herben Schmerz auszudrücken, der Uns Tag und Nacht quält, ob des grausamen und nie genug zu verabscheuenden Krieges, der in vielen andern großen Staaten die katholische Kirche quält und zerfleischt. In jenen Gegenden werden der unbefleckten Braut Christi täglich herbe Wunden geschlagen, wird der katholische Glaube und die katholische Doctrin bekämpft, mit Füßen getreten und die heiligen und kirchlichen Angelegenheiten mit allen erdenklichen Drangsalen und Beleidigungen bedrückt; Sittenverderbniß, verkehrte Ansichlen aller Art und Irrthümer herrschen daselbst. Darum, ehrwürdige Brüder, wollen Wir nie ermüden, mi- beständigen und inbrünstigen Gebeten Gott anzuflehen, und zu ihm zu beten, daß er iu seiner Huld UnS die nöthigen Kräfte verleihe und Unsere Sorgen, Bestrebungen und Rathschläge segnen wolle, damit Wir solche Anhäufung der Uebel abzuwenden im Staude seyn mögen. Unsere Aufmerksamkeit euerem berühmten Kollegium zuwendend, beschlossen Wir am heutigen Tage, Männer, die durch Geist, Frömmigkeit, Gelehrsamkeit und den Ruhm ihrer Thaten ausgezeichnet sind, euerem Kollegium einzuverleiben. Bevor Wir jevoch dies vornebmen, werden Wir zwei Cardinäle, die Wir in dem von Uns am 15. März v. Js. abgehaltenen Cousistvrium creirtcn und bis jetzt in petto reservirten, proclamiren. Der erste derselben ist der ehrwürdige Bruder Michael Male Prelü, Erzbischos von Karthago, der angescheu durch Reinheit des Lebenswandels, durch Würde und Milde, begabt mit ausgezeichneter Geisteskraft und Gelehrsamkeit, zuerst daS Amt eines apostolischen Nuntius am kgl. bayerischen Hofe in höchst anerkennens- werther Weise bekleidete und den gleichen Posten sodann am kcüserl. apostolischen Wiener Hofe seit mehreren Jahren in den bewegtesten Zeiten und unter den schwierigsten Verhältnissen mit Scharfsinn, Klugheit, Thätigkeit und Eiser für die katholische Kirche versah, so daß er sich um diesen apostolischen Stuhl besondere Verdienste nnv die allgemeine Hochschätzung mi! bestem Rechte erworben hat. Der zweite Cardinal, den Wir gleichzeitig proclamiren, ist der ehrwürdige Bruder Johannes Brunclli, Erzbischos von Thessalonich. Auch dieser ist dnrch Frömmigkeit und Sittenreinheit angesehen und ausgezeichnet durch Gelehrsamkeit in heiligen Doc- tn'nen; er hat in rühmlichster Weise und zum großen Nutzen seiner Zuhörer in Rom kanonische Rechtswissenschaft gelehrt >md ferner sehr viele mühsame Arbeiten sür den apostolischen Stuhl verrichtet, als er die Aemter eines SccretärS der Cvngregation für außerordentliche kirchliche Angelegenheiten und Verbreitung des christlichen GlanbcnS, ferner das Amt Unseres Nnntinö bei der katholischen Königin von Spanien bekleidete; er hat dabei so unermüdliche und eifrige Thätigkeit für den apostolischen Stuhl beur- kuudet, daß Wir der Ansicht waren, ihn mit Verleihung der Cardinalswürde belohnen zu sollen. Außer der Proclamirung der geuanntcn Cardinäle creiren Wir im heutigen Consistorium »och sechs andere Cardinäle. Einer derselben ist der ehrwürdige Brnder Johann ScitowSki, Erzbischof von Gran ; ausgezeichnet durch hervorragende Frömmig» keir und andere vorzügliche Eigenschaften des Geistes wurde er vom Fünfkirchner BiS- thume bis zum Graner ErzbiSlhume erhoben und hat sich durch die dem Bischöfe vorzugsweise zustehenden Tugenden stets so hervorgethan, daß ihn Unser geliebtester Sohn in Christo, Franz Joseph, Kaiser von Oesterreich, UnS besonders empfahl und von UnS verlangte, daß Wir ihn zum Cardinal ernennen sollen. Demgemäß einverleiben Wir den durch seine Verdienste hochberühmten und vor UnS mit einer solchen Empfehlung von so bedeutendem Gewichte gezierten Mann bereitwilligst eurem Kollegium. Wir erfreuen uns auch mit der Ehre des Cardinalats noch einen andern ehrwürdigen Bruder zieren zu können. Es ist dies der ehrwürdige Bruder Franz NicolaS Morlot, Erzbischof von TourS, der angesehen durch ausgezeichnete Religiosität, Ehrerbietung und Treue gegen diesen apostolischen Stuhl, vom BiSthum zu Orleans zur Regierung der erzbischöflichen Kirche von TourS berufen wnrde und mit so viel Sorge, Fleiß, Emsigkeit alle Amtspflichten zu erfüllen und sich um die katholische Kirche verdient zu machen bemüht war, daß Wir ihn sür überaus würdig erachten, euerem Kollegium einzuverleiben. Indem Wir dies thun, sind Wir überzeugt, eine Unserm geliebtesten Sohne in Christo, Napoleon, Kaiser der Franzosen, sehr angenehme Handlung zu verrichten, da er dies dringlichst von Uns verlangt hat. Zu diesen fügen Wir den ehrwürdigen Bruder Giusto Recanati, Bischof von Tripoli in psrt. insicl. in Kleinasien hinzu; schon in früher Jugendzeit trat er in den Orden der Capuziner ein, zeichnete sich durch Eifer in der Ordensregel, durch Bescheidenheit und alle Tugenden, welche das Mitglied eines geistlichen Ordens zieren, so wie durch groß: Gelehrsamkeit im philosophischen und theologischen Wissen besonders aus, stand dem Kollegium jenes Ordens sür sremde Missionen eifrigst vor, admini- strirte die Diöcese von Sinigaglia in kluger, umsichtiger Weise uud hat sich UnS und dem apostolischen Stuhle in den schwierigsten Geschäften so eifrig und thätig erwiesen, daß Wir der Ansicht sind, ihn znr Cardinalswürde zu erheben. Dieselbe Würde verleihen Wir Unserm geliebten Sohne Domenico Savelli, der im Amte eines apostolischen Delegaten mehreren Provinzen Unseres Staates vorstand, dann unter die Kleriker der apostolischen Kammer aufgenommen wurde und als Gouverneur dieser Unserer lieben Stadt und als sodann resignirter Vicekämmerer in allen diesen Aemtern seine Rechtschaffenheit, Klugheit, Einsicht und Geschicklkchkeit dermaßen beurkundete, daß Wir ihn ebenfalls zu eurem Collegen machen wollen. Sehr angenehm wird es euch seyn, zu vernehmen, daß Wir in euren berühmten Orden auch den geliebten Sohn ProSpero Caterini aufnehmen, dessen Reinheit des Lebenswandels, Religiosität, Frömmigkeit, Geistesreichthum und Gelehrsamkeit euch bekannt ist, da er die schwierigen Aemter eines SecretärS der Studiencommission, eirieS DecanS der apostolischen Pronotare, eines Beisitzers des JnquisitionS-Tribunals:c. in dieser Stadt rühmlichst bekleidete. Wir glauben, daß ihr auch die Ausnahme noch eines andern angesehenen Mannes in euer Kollegium beifälligst begrüßen werdet. Es ist dies der geliebte Sohn Vincenz Santucci, der, wie ihr wißt, mit ausgezeichneten Eigenschaften des Geistes und Gemüthes geziert, rühmlichst wegen seiner Religiosität und Frömmigkeit bekannt, 116 in den heiligen Doctrinen besonders gelehrt ist, in den schwierigsten Zeiten in der Verwaltung der ernstesten, wichtigsten öffentlichen Angelegenheiten als Stellvertreter deS Cardinal-StaatsseeretärS emsige und nützliche Dienste leistete und mit so viel Klugheit, Umsicht und Scharfsinn das mühsame Amt eines Secretärs der Kongregation für außerordentliche kirchliche Angelegenheiten bekleidete, daß Wir der Ansicht sind, ihn mit dem geheiligten Purpur zu ehren. Diese sind die ausgezeichneten Männer, welche Wir in eueren berühmten Orden aufzunehmen der Ansicht sind. Was ist eure Meinung hierüber? Kraft der Autorität des allmächtigen Gottes, der Autorität der heiligen Apostel Petrus und Paulus uud Kraft Unserer Autorität erklären Wir als Cardinalpricster: Michael Viale Prelü, Erzbischof von Karthago; Johannes Brunelli, Erz- bischof von Thessalonich. Als Cardinalprkester creiren Wir überdies: Johann ScitowSki, Elzbischof von Gran; Franz Nicolas Morlot, Erzbischof von TourS; Giusto Recauati, Erzbischof von Tripolis. AIS Cardinaldiakone- Domenico Savelli, Prospero Caterini, Vincenzo Santncci, unter den nöthigen und angemessenen DiSpensationen, Beschränkungen und Klauseln. Im Namen des Vaters -j- des Sohnes f und des heil. Geistes, f Amen." S»!«M'z»,<,H »«littV.sü'iSli««?^ N' j ts» KV ,.n,nM ux ulmis ?,aül^ u'^ili»?/ Ostindien. Schreiben der Fräulein Aloisia Pisani aus dem Institute der englischen Fräulein. Chi ttagong Kloster Bethlehem, am Feste des hl, Stcphanus 18SL. Geliebteste, theuerste Mutter! Nun ist überstanden die 123tägige Schifffahrt mit allem, was sie im Gefolge hatte. Gottl großer Gott wir loben Dich, wir danken Dir mit tiefbewegter Seele, daß Du Deine hl. Engel uns zu Hilfe und zum Schutze gegeben hast, und uns wohlbehalten, gesund und frohen Muthes an unsern neuen Bestimmungsort geführt hast. Ja, liebe Mutter I danken Sie mit uns, Ihre Kinder haben glücklich Chittagong erreicht. Ehe ich Ihnen aber unsere Ankunft ausführlicher beschreibe, will ich Ihnen den ordentlichen Gang unserer Geschichte erzählen, und von unserer Abreise in Kalkutta beginnen. Am 6, Der. verließen wir nach einem 15tägigen Aufenthalt daselbst Calcutta, nachdem wir von Hrn. Spenze, der uns während der Zeit viele Gastfreundschaft bewies uud uns auch noch, wie dergleichen mehrere Damen nachahmten, mit allerlei Mundvorrath auf die Reise und sonstigen Effecten versah, Abschied genommen. Unser hochw. Hr. Bischof begleitete uns. Nun nahmen uns zwei Boote aus. Der hochw. Hr. Bischof, wie immer sich selbst vergessend, überließ uns dreien das größere und bequemere und wählte für sich und seine zwei Priester vas kleinere, und nun ging eS, wie gewöhnlich auf unserer Reise, Chittagong zu. Ich will Ihnen nun auch unsere Küche beschreiben. Der hochw. Hr. Bischos nahm nun von Calcutta einen Koch und einen Bedienten mit, nebst allem nöthigen Küchen- und Tafelgeräthe, Nun aber, als wir das Erstemal zu Tische saßen, bemerkten wir, daß die Gabeln vergessen wurden. Da hatte die ganze Reisegesellschaft denn nur eine, nämlich die große Transchiergabel , die vom hochw. Hrn. Bischof angefangen immer von Hand zu Hand ging. Unser Frühstück bestand in einem gebratenen Huhu, Reis und einer Tasse schwarzen CaftS mit Butter und Bisquit. Abends 4 Uhr das Diner mit einem Huhn und Reis, und um 7 Uhr Thee mit Butter. Am sechsten Tage unserer Reise befiel mich ein Fieber, das mich an das Bett sesselte. Der hochw. Hr. Bischof bewies mir wieder alle Liebe und ging in seiner Sorgfalt so weit, daß, als wir am dritten Tag unserer Reise in Barrisal landeten, er einen Arzt zu Rathe zog. Wir stiegen ans Land und M gingen zum Pfarrhaus. Aber welch ein Pfarrhos! von Stroh, ganz ärmlich, aber doch nett und geräumig. ES befindet sich eine kleine HanSkapelle darin, in welcher der hochw. Hr. Bischof die hl. Messe las. Den Priester dieses OrtS lrafcn wir ganz elend und fieberkrank an. Eben hatte er das Fieber und es schüttelte und rüttelte ihn gewaltig. Der hochw, Hr. Bischof, welcher Sorgfalt für alle seine Schafe trägt, nahm ihn zur Erholung mit sich, und ließ einen von den ihn begleitenden Priestern an dessen Stelle zurück. Des andern TageS um 12 Uhr setzten wir unsere Reise wieder fort, und erreichten Sonntag den 19. Dec. Morgens 6 Uhr glücklich nnsein Bestimmungsort Chittagong nach beinahe 1-ttägigcr Fahrt. Ich darf nicht vergessen, daß am Schlüsse unserer langen, aber glücklich gesegneten Reise der hochw. Hr. Bischof ein feierliches?e veum anstimmte, das mir fröhlicher Heller Stimme vom Chor abgesungen wurde. Ich lag auf meinem Bette und stimmte mit vollem Herzen in diesen Jubelgesang ein. Kaum 100 Schritte vom Fluße ewsernt ist daS glückliche Asyl, das uns aufnehmen sollte. Wir gingen raschen Schrittes auf selbes zu, und ich wußte nun nichrs mehr von Unwohlseyir, da wir nun wieder auf festem Boden waren. Wenige Minuten und wir standen an der Klosterpforte, die sich alsbald öffnete und an dessen Schwelle uns schon Frau Oberin und die ganze Gemeinde (freilich sind eö nur drei Personen) mit herzlicher Umarmung empfing. Um den Eintritt in eine neue Lebensperiode ist es immer etwas Eigenes, ein Moment, der uncrklärbare Gefühle erregt. So War es auch mir. Mit klopfendem Herzen uud doch beseelt vou einem Seligkeitsgefühl, betrat ich daö Klösterlein, Bethlehem genannt. Hier ist der Ort meiner Ruhe, hier will ich wohnen ewiglich, sagte ich mit dem königlichen Propheten. Der Eindruck, den daS kleine Klösterlein und seine Bewohnerinen ans mich machten, war ein günstiger. Ich will Ihnen nun Alles näher beschreiben. Die Bauart deS Klosters sieht einem europäischen Landhause gleich, hat ein Stockwerk und drei Thore. Im ganzen Hause sind sieben Zimmer, vier zu ebener Erde und drei im ersten Stock. Unten in der Mitte des Hauses die ganze Breite hindurch befindet sich das Sprechzimmer, auf der einen Seite zwei Schulzimmer, auf der andern daö Refectorium. Nun besehen Sie unsere Zellen. Es ist eine zwölf Schuh lang und acht Schuh breit (nach meinem Schuh gemessen). Hier ist an der Wand eine alte silbergranc Bettstatt mit einer Matratze, Polster und einer wollenen Decke. Neben dem Ruhelager steht ein kleiner alter Strohsessel. Auf der audern Seite befindet sich ein kleines Tischlein, welches mir das Christkindlcin brachte, auf dem das Waschbecken steht. An dem Vorgang hängt mein Reisesack, welcher die Stelle eines Commods vertritt, daneben das kleine Täfelchen, des Prager Kindleins, das ich mitgenommen habe mit einem zerbrochenen Glas. Nun haben Sie Alles gesehen. Gehen Sie hinter den zweiten Vorhang, da finden Sie Schw. Josephine und hinter dem dritten Schw. Aloisia (so nennt man sich hier). Alle Zellen sind gleich eingerichtet, überall dieselbe Armuth, — dieselbe Einfachheit. Darf ich Sie fragen, wie Ihnen unsere Zellen gefallen? Ohne Zweifel recht gut. Aber auch ihre Bewohnerinen fühlen sich ganz glücklich und zu- friedeu, in ihrer Armuth sich freuend, dem Kindlein in Bethlehem etwas ähnlich zu seyn. Ja wir sind arm, recht arm. DaS Kloster hat keinen Kreuzer Foud noch Einnahme. Zöglinge haben wir nur vier, wovon der Betrag monatlich ein paar Gulden ausmacht. Dieß und das Almosen, welches gutherzige Damen von hier und Calcutta uus spenden, ist das Einkommen, wovon wir leben. Daß der hochw. Herr Bischof mit seinen Klosterfrauen die Last trägt, versteht sich von selbst. Er thut aber auch waö er kann. Er kaufte die Matratzen in Ealcntta und allerlei Sachen, welche die Gemeinde nöthig hatte. Allein die göttliche Vorsehung ist eine reiche Vorrathskammer ; hat sie ihre drei Bräute bisher versorgt, wird sie auch sechs nicht verhungern . lassen. Das ist wirklich meine geringste Sorge. Unsere Frau Oberm ist eine aeborne Indianerin, 24 Jahre alt und die gesündeste von den dreien, denn die zwei Schwestern sind immer leidend und kränklich. O die guten Schwestern, sie beginnen zu erliegen unter der Last der Beschwerden! Doch es soll ihnen erleichtert werden, und sie nun manche Ruhestunde genießen können, weil europäische Schwestern sie nach Kräf- 118 ten unterstützen wollen. Ja, an Arbeiten wird es nicht fehlen, und auch ich, obgleich untauglich zu allem, werde vollauf beschäftigt werden. Bei 34 arme Waisenkinder sind im Kloster, die erzogen und unterrichtet werden. Der hochw. Generalvicar, p. Storch mit Namen, ein Benedictiner-Mönch und aus Oesterreich gebürtig, ist unser Beichtvater. Er ist seit zwanzig Jahren hier, und der einzige Priester der Stadt Chittagong, die doch 2000 Katholiken zählt. Daß eS da viel zu thun gibt, ist leicht zu denken. Nun komme ich auf 1>ie Kirche zu sprechen. Diese ist 50 bis b0 Fuß vom Kloster entfernt, zu welcher ein gedeckter Gang führt; sie ist groß, hat aber nur einen Altar, und die ganze Zierde desselben verräth große Armuth. Jetzt einige Worte über daS hohe WeihnachtSsest. Vom 19, Dec., dem Tage unserer Ankunft, bis zum hl. Christabend ward vom hochw. Hrn. Bischof eine feierliche Novene abgehalten. DeS Morgens war täglich ein Amt mit Predigt, Abends Litanei, abermals mit Predigt. Jedesmal predigte der hochw. Hr. Bischof selbst, mit einem Feuereifer, der mich entzückte, mir schade, daß ich nichts davon verstand. Nun kam der hl. Abend. Um Mitternacht wurden drei Kanonen gelöst und verkündeten die hl. Stunde. Die Kirche war ganz hell beleuchtet. Es trat die seierliche Processiou zum Altare, und der hochw. Bischof mit Jnful uud Stab. Es folgte ein feierliches Poutifical-Amt.. Es ertönten zwar keine Trompeten- und Orgelklänge, eS rauschte keine lärmende Musik, aber alles, waS man hört und sieht, spricht in seiner Einfachheit tief zu Gemüth. Hier war eS, wo nun vermuthlich zum erstenmal ein deutsches Lied ertönte, es war nämlich nach der hl. Wandlung, wo Schwester Aloisia und Josephine mit lauter, kräftiger Stimme das schöne Lied „Laßt uns das Christkindlein preisen" sangen. O wie hat daö ?. Storch erfreut. Er will auf das neue Jahr wieder eines hören. Am Weih- nachtSmorgen selbst hatten wir wieder Amt und Predigt und verweilten in der Kirche bis 11 Uhr. WaS scll ich Jhucu dann noch'erzählen? Nnn eS fällt mir so eben ein, daß wir gegenwärtig Ferien haben, sie dauern aber nur vierzehn Tage. Für daS nächste Schuljahr hoffen wir mehrere Zöglinge; denn es ist überall bekannt geworden, daß europäische Klosterfrauen angekommen sind. Es ist möglich, daß ich zu den Waisenkindern komme, der hochw. Hr. Bischof sagte es einigemal im Spaß. Dieß wäre eine tüchtige aber süße Arbeit, in diesen armen Waislein, die schwarz und arm aussehen, dem Jcsnkindlein zu dienen. Da diese Kinder ganz vom Kloster verpflegt werden, hier essen nnd schlafen, so kann man sich denken, waS dieß für eine Aufgabe für drei arme Klosterfrauen ist. Der guten Frau Oberin machte die Sorge um ihre armen Kinder gewiß schon oft recht warm. Am Christabende ließ der hochw, Hr. Bischof der Frau Oberin sagen, sie soll ja sorgen, daß am Christfeste die armen Kinder auch etwas GuteS, Kuchen, oder dgl. zu Tische bekommen, wenn sie auch nichts hat, sie dürfe die Rechnung ihm schicken, er wird Alles bezahlen. Er schickte auch unS während seines Aufenthaltes immer etwas von seinem Tische, einmal Brod, Fleisch, Wein :c. Nuu haben wir aber nicht mehr lange die Frende, ihn bei unS zu haben. Am 7. Jannar reist er ab. Ein Abschied, der uns heiße Thränen kosten wird. Wir haben ihn auf der langen Reise täglich mehr achten und hochschätzen gelernt, er war mehr als väterlich für unS besorgt. Sollen wir nicht diesem unsern väterlichen Oberhirten Freude zn machen suchen! O ja, daS wollen wir, nnd jede von uns hat vor dem Eintritt in das neue Kloster deu Vorsatz gefaßt, mit der Gnade GottcS, in der neue» Welt, in der neuen Gemeinde, und in einem neuen Kleide ein ganz neues Leben zu führen, fest vertrauend, daß unS der liebe Gott beiftehcn wird. Und nun, liebe Mutter! habe ich Ihnen viel Erfreuliches mitgetheilt, eS bleibt nur der Wunsch, daß Sie und unsere lieben Mitschwestern unS dem lieben Gott danken helfen, daß Er an den Gefäßen seiner Barmherzigkeit die Reichthümer geoffenbart hat. Nicht wahr, liebe Mntter! Sie lassen ein Dankamt am Herz Maria Altare halten, und hicmit wäre der Bittliranei der Anfang gemacht. Denken Sie sich in Bethlehem, und nicht einmal eine Krippe, kein Christkindlein im ganzen Hanse, kein Christus, kein Bild, nichts, gar nichts. — Es sey dieß, liebe Mutter, aber keine Klage, sondern nur erzählen wollte ich Ihnen, wie es aussieht bei 119 unS, und was wir brauchen könnten, wenn vielleicht auch mitleidige Seelen sich erkundigen und etwas Gutes thun wollten, wozu es freilich in Europa Gelegenheit genug gäbe. Man gibt es ja überall'dem Herrn auf Zinsen. An alle lieben Mitschwestern tausend herzliche Grüße, ich will für selbe noch einige Zeilen schreiben, wenn eS noch seyn kann, Sie sollen beten für uns, wir bedürfen es sehr. Der Beruf zur Mission fordert ein abgetödteteS, ganz hingeopferteö Leben. Die Eigenliebe hat auch unter dem indischen Himmel so gut ein zäheS Leben, wie unter dem europäischen. Wir sind ganz glücklich und zufrieden in unserm Bethlehem, keine hat es bereut, diesen Schritt gemacht zu haben, und ganz natürlich, was man Gott opfert, darf Einen nicht reuen Und nun seyen Sie uns, unvergeßliche Mutter! noch tausend und tausendmal gegrüßt. Dank, tausend Dank für Ihre Liebe, Sorgfalt nnd Treue. Ihre indischen Kinder erheben im brünstigen Gebete ihre Hände und Herzen zum Himmel, Heil und Segen für Zeit und Ewigkeit Ihnen und dem theuren Mutterhause zu erflehen, und lassen eS ihre Sorge seyn, durch ein wahrhaft Gott geweihtes Leben Gottes Ehre zu befördern, der Kirche zu nützen, und Ihnen Freude zu machen. Dazu erbitten wir uns Ihren mütterlichen Segen, Ihr und der Ihrigen fortgesetztes, eifriges Gebet zu den süßen Herzen Jesu und Maria. Schwester Aloisia und Josephine küssen Ihnen dankbar die Hand. Wir Alle grüßen und umarmen im Geiste die liebe Schwestergemeinde, ihr dankend für Alles. Wir bleiben im Herzen Jesu liebend vereint, bis wir uns im Himmel wieder finden. Ihre dankbare geistliche Tochter Maria Augustina, 2. St. M. Cardinal Fürfi-Erzbischof von Olmütz. Olmütz, 2. April. Maximilian Joseph, Erzbischof von Olmütz, Cardinal der heiligen römischen Kirche, Herzog, Fürst, römischer- und der königlich böhmischen Capelle Graf, auö dem Hause der Freiherren v. Sc.nerau-Beekh, Doctor der Theologie, Großkreuz des königlich ungarische» St. Stephans- und des kaiserlich österreichischen Levpoldordens, Ritter des kaiserlich russischen weißen und des königlich preußischen rothen Avlerordens erster Classe, Inhaber des goldenen Militär-EhrenkreuzeS pro piis m«riti8, Sr> k. k. apostolischen Majestät wirklicher geheimer Rath, wirkliches Mitglied des theologischen DoctorencolleginmS der k. k. Universität zu Prag, der k. k. Landwirthschaftsgesellschast und der Gartenbaugesellschaft zu Wie», Mitgn'inver deS dortigen Vereins zur Beförderung und Verbreitung echter Kirchenmusik, wie auch deö Vereins der Kunstfreunde für Kirchenmusik in Böhmen, Ehrenmitglied der k. k. mäh- risch-schlesischen Gesellschaft zur Beförderung des Ackerbaues, der Natur- und Landeskunde, der kais. russ, Laudwirthschaftsgesellschast zu Moskau, der kais. österr, Akademie der vereinigten bildenden Künste und des Museums b>gnci5vo-Lk>roImum für Oesterreich ob der Enns und Salzburg, dann Protektor des Olmützer MusikvereinS, wie auch der Olmützer Kleinkmderbewahranstalt, dann deS mährisch-schlesischen Schutzver- einS für aus Straf- und NerwahrungSorlen entlassene Personen Mitglied, war einer jener seltenen Männer, welche das Schwert und den Hirtenstab vereint zum Wohle des Vaterlandes und zum Heile der Kirche mit gleicher Würde getragen. Geboren zu Wien am 2t. Dec. 1769, betrat er in seinem Jugendalter die militärische Laufbahn und bekleidete die OfficierScharge. In seinem vierundzwanzigsten Lebensjahre verließ er jedoch diesen von ihm mit Ehren versehenen Stand und trat als Zögling in das Wiener fürsterzbischöfliche Seminar, als welcher er am 10. Sept. 1797 zum Priester ordinirt wurde. AlS neugeweihter Priester wurde er auf der landesfürstlichen Pfarrei znm hl. Martin in Pillichsdors angestellt, kam sodann in die Wiener Vorstadtpsarrei zum hl, Florian in Matzleinödorf und endlich zu den heiligen Schutzengeln auf der Mieden. Im Jahre 1808 wuroe er Feldprediger und zeichnete sich in dieser Eigenschaft im vorzüglichen Maaße aus, Wege» welcher Verdienste er auch das goldene Militur-Ehrenkreuz pro piis meritis erhielt. Im folgenden Jahre wurde Freiherr v. Somerau auf die Wiener Vorstadtpsarrei zu St. Leopold in der Leopoldstadt befördert. Ä 120 Im Jahre 1812 wurde er zum Dom- und Capi'tiilarherrii deS ehrwürdigen getreuen Metrvpolitancapitels in Olmütz ernannt nnd als solcher installirt. In dieser Eigenschaft wirkte er bei verschiedenen Fnnctioncn in unserer Stadt mit solcher Auszeichnung, daß er sich die Liebe und das Vertrauen Aller erwarb; namentlich wirkte er als Probst zu Sanct Mauriz zur Zeit der Cholera in ausgezeichneter Weise. Er selbst eilte in die Wohnungen der Kranken und spendete Trost und Hilfe, wo er nur konnte, ohne die Gefahr zu scheuen. Alle diese trefflichen Eigenschaften bewirkten, daß er bei der Erledigung des Olmützer Erzbisthums durch deu Tod des Metropoliten Grafen Chotek am 2t. Nov. 1836 durch kanonische Wahl auf den erzbischöflichen Stuhl der Olmützer Erzdiöcese berufen wurde. In dieser bohen Stellung war er würdiger hoher Priester uud eifriger Patriot, und als Se. Majestät der Kaiser von Oesterreich in jenen bedenklichen Zeiten in unserer Stadt Allerhöchster Hoflager aufschlugen , zeichnete er sich durch seine Liebe und Anhänglichkeit an das allerhöchste Kaiserhaus in hohem Maße ans, und die vielen Zeichen allerhöchster Huld, welche die Brust deS hohen Verstorbenen zierten, beweisen dieß zur Genüge. Die höchste Dignität erlangte der würdevolle Metropolit, als er am 30 Sept. 1850 zum Cardinal der hl. römischen Kirche ernannt wurde. Ein länger anhaltendes Unwohlsein, welches Se. Em, bereis zu Anfang deS heurigen Jahres an den höhern kirchlichen Funktionen hinderte, hatte in der verflossenen Charwoche einen ernstlichen und bedenklichen Charakter angenommen, bis am 31. März um 6^ Uhr Nachmittags der Tod Sr. Em. dnrch Lnngenlähmung erfolgte. Noch in der letztwilligen Anordnung hat Se. Em. seine Liebe uud seinen WohlthätigkeilSsinn bewährt; er hat für mehrere seiner Beamten und Diener sehr anschliche Vermächtnisse ausgesetzt, und die Armen-Institute von Olmütz und Kremsier mit Legaten von je 36,000 fl. bedacht, welches erstere der hohe Verstorbene auch selbst begründete. Der Leichnam Sr. Ein. wird in einer von ihm eigens erbauten Gruft in der Manrizkirche begraben werden, dagegen sein Herz in der hiesigen Metropolitankirche beigesetzt. (W. Ll.) Ein christlicher Philosoph. Einige schöne Züge von Almosengebern erzählt Beda Weber in „das Thal Passeicr und seine Bewohner." Innsbruck 1822, S. 218: „Ein armer Krachsenträger halte sich durch lebenslange Arbeit einige hundert Gulden erspart, und lag sterbend auf einem fast verfaulten Bette. Man machte ihn aufmerksam, daß er sich mit seinem Gelde wohl ein besseres anschaffen konnte. „Ja, das könnt' ich, wenn ich ein Narr wäre", sagte er lächelnd, „meine blutarmen Verwandten sollen sich eines anschaffen, für mich ist es zu spät, ich bin nichts als Stroh gewohnt." Man muthete ihm an, Fleischsuppe kaufen zu lasse». Er weigerte sich dessen, weil eS ihm doch nichts helfe gegen den Tod und das letzte Gericht, er habe mit der Mchlsnppe gelebt, nnd wolle mit ihr anch sterben. Auf die Anregung eines schriftlichen Vermächtnisses erwiederte er lebhast: „Sie verschreiben beim Landgerichte ohnehin Papier genng. Ich verlasse mich auf den Kaiser, der läßt es gewiß in keinen falschen Sack fallen." Sein zurückgelassenes Vermögen von 500 fl. machte eine arme Familie im Gebirge ganz glücklich." - Bassenhein». Vassenheim, 11. März. Von der opferwilligen Begeisterung der frommen Vorzeit angeregt und sich so dem rheinischen Adel würdig anschließend, hat der Hr. Graf v. Waldbott-Bassenheim nngeachtet dessen, daß er erst kürzlich der hiesigen Gemeinde einen Pachtnachlaß von 900 Thlrn. gewährte, außer dem benöthigten Bauholze auch noch 500 Thlr. in Gold zur Instandsetzung der Waldcapelle auf dem Karmelenberge angewiesen, damit dieses im schönsten ilalienischen Baustyle erbaute Gotteshaus, welches trotz seiner stillen und erhabenen Einsamkeit einst das Ziel und der Andachtsborn unübersehbarer Pil- gcrschaaren war und auö dessen geweihten Mauern noch jetzt eine heilige Ruhe sich über den ganzen Berg verbreitet, in seiner ursprünglichen Pracht wieder hergestellt uud dem Gottesdienst geöffnet werden soll. Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. Verlags - Inhaber: F. C. Krem er. Dreizehnter Jahrgang. Sonntags-Beiblatt zur Augsburger Pojtzeitung. 17. April. ^ K« l853. Dieses Blatt erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der halbjährige Abonnementspreis TV kr., wofür e« durch alle köuigl. bayer. Postämter und alle Buchhandlungen bezogen werde» kauo. 5 Btneeuz Eduard Milde, weiland Fürst-Erzbischof von Wien. Am 14. März um die siebente Morgenstunde rief die Niesenglocke vom St. Stephansdome eine große Trauerpost hinaus in den weiten Umkreis der Erzdicöese Wien. Vincenz Eduard, ihr greiser Oberhirt, hatte an diesem Morgen daö Zeitliche gesegnet, und war eingegangen sanft und in Gottes Nathschluß ergeben — „in das HauS seiner Ewigkeit." Ein Lungcnübel, an welchem der hohe Verblichene Jahre lang gelitten und welches schon mehrmals in früherer Zeit sein Leben gefährlich bedrohte , hatte demselben dieseSmal ein unerwartet schnelles Ende gemacht. In ihm Wurde eine außergewöhnliche und beachtenSwerthe Persönlichkeit zu Grabe getragen. Vincenz Eduard Milde, Fürst-Erzbischof von Wien, I)r. der Theologie, Großkreuz und Prälat des k. k. österreichischen Leopoldordens, Präses der Leopoldinen-Stif- tung für die nordamerikanischen Missionen, Protektor des Priester-Defizienteninstitnteö in Wien zc. :c,, wurde am 11. Mai 1777 zu Brunn von bürgerlichen Eltern geboren. Nach zurückgelegten Gymnasial-Studien zu Brünn hörte er die Philosophie theils in Wien theils in Olmütz. An letzterem Orte verlegte er sich vorzüglich auf Mathematik und Physik und zwar mit so ausgezeichnetem Erfolge, daß der in Mähren comman- dirende Feldmarschall Marqnis Botta auf ihn aufmerksam wurde und ihm sehr annehmbare Versprechungen machte, wenn er in die Wiener Ingenieur-Akademie eintreten wollte. Aber weder diese Versprechungen, noch der Unwille seines Stiefvaters, der seinen Entschluß, in den geistlichen Stand zu treten, mißbilligte, konnten ihn hierin irre machen, da er schon von Jugend aus Neigung zum Priesterstande gefaßt hatte. Er wählte die Wiener Erzdiöcese; und krank, unbekannt, ohne Unterstützung und Empfehlung, blos mit seinen Schulzeugnissen versehen, bat er um Ausnahme in das Wiener Klerikal-Seminar und erhielt sie. Ohne die übrigen Zweige deS theologischen Studiums zu vernachlässigen, wio- mete er sich doch ganz besonders der biblischen Literatur und den orientalischen Sprachen, weil er den Wunsch und die Hoffnung nährte, einst Professor deö neuen Bundes zu werden. Sein ohnehin schwächlicher Körper konnte sich während dieser Zeit nicht consolidiren, da er in diesen Jahreu sich zu sehr anstrengte, und hierin mag wohl auch ein Grund seiner bleibenden körperlichen Schwäche liegen, die ihn in den spätern Jahren so oft überfiel uuv in seiner sonst so regen Thätigkeit hinderte. Nach empfangener Priesterweihe 1800 wurde M. zum Cooperator bei den neun Chören der Engel am Hof, und 1802 zum Katecheten an der Normal-Hauptschule bei St. Anna und im k. k. Civil-Mädchenpensionate bestimmt. 1804 erhielt er den Auftrag, das an der Real-Akadem ieneu errichtete Lehramt eines Religionslehrers zn übernehmen. — Treue und Eifer in Erfüllung seiner Pflichten führte ihn zu immer wichtigern Aemtern , und so erhielt M. nebst dem ehrenvollen Range eines Hofcaplanö die neu er- 122 richtete Professur der Erziehungskunde an der Wiener Universität und lehrte zugleich die Katechetik und Methodik für Theologen — von 1805 bis 1810. Seine zerrüttete Gesundheit bewog ihn in diesem Jahre die Lehrkanzel zu verlassen und um die Pfarrei Wolfpassiiig zu competiren, die er auch erhielt. Nur zu weite Entfernung von ärztlicher Hilfe, deren er oft bedürfte, bestimmten ihn 1814 zu dem Entschlüsse um eine Versetzung anzusuchen, worauf er die Stadtpfarrci zu Krems erhielt. — In dem nämlichen Jahre ernannte ihn der höchstselige Kaiser Franz, dem seine bewährten Verdienste, seine Tugend und Religiosität nicht unbekannt blieben, zum Ehren- Domherrn der Metropolitankirche von St. Stephan in Wien. Zugleich wurde er Consistori'alrath zu St. Polten, Lokaldirector der philosophischen Studien in KremS, Dechant und Schulvistn'ctS-Aufseher des Kremser DecanateS. Am 21. Januar 1823 wurde er zum Bischof von Leitmeritz und den 27. December 1831 zum Erzbischofe von Wien ernannt. So trat M. nach 18jähriger Entfernung als Vater und Oberhirt in die geliebte Erzdiöcesc zurück, in welche er vor 38 Jahren als geistliches Kind war aufgenommen worden. Mit welcher Gesinnung, mit welchen Hoffnungen und Wünschen er hier sein neueö Amt übernahm, das spricht er klar und herzlich in jenem salbungsvollen Schreiben a»S, in welchem er — am Feste der Himmelfahrt des Herrn 1832 — allen seinen Unterhirten, den» gesammten Welt- und OrdensklcruS, seinen ersten oberhirtlichen Gruß und Segen sandte. — „Mit großer Hoffnung", so sagt er unter anderem in diesem Hirtenschreiben, „und mit-aller Liebe komme ich zu euch; nicht allein durch daS Band des hl. Amtes, sondern durch das der Liebe (von solum sacri okkeii, seä smoris vineulo) wünsche ich mit euch verbunden zu seyn. Ich werde nicht aufhören zu beten und zn bitten, „„daß ihr erfüllt werdet mit der Erkenntniß deö göttlichen Willens, daß ihr würdig wandelt, Gott in Allem wohlgefällig, daß ihr fruchtbar seyd in jedem guten Werke, wachsend in der Wissenschaft Gottes und gestählt in der Tugendkraft."" „Nicht mir, sondern euch werde ich leben; alle Kräfte und Stunden, die mir Gott geben wird, werde ich den geliebten Gläubigen und euch weihen, nichts suchend als nur das Reich Gottes, das Heil der Seeleu, das Wohl des Klerus. Von dieser Stunde an soll euer Glück oder Unglück das meinige seyn; ihr sollet nicht leicht Einen finden, der um cuere Ehre und euer Wohl mehr besorgt, zu euerem Lobe und euerer Vertretung williger bereit wäre, als ich; aber ich bitte und beschwöre euch, seyd so beschaffen, daß ich euch mit gutem Gewissen meine geliebten Söhne nennen und des Schmerzes überhoben seyn könne, die Liebe der heiligen Pflicht unterwerfen zu müssen (ut clolore superseljere possim, gmorem 8»ero okkeio subjiesre)." Und wahrlich, was M. hier beim Antritte versprechen, er hat es während der zwei Dezennien seiner Verwaltung des Oberhirtenamtes in dieser Erzdiöcese getreulich erfüllt; so getreulich, wie nur immer ein Mensch, von dessen Willen die Gunst oder Ungunst der Umstände nicht abhängig ist, sein gegebenes Wort erfüllen kann. — N. E. Milde war bis ans Ende seines Lebens im strengsten Sinne rastlos thätig in seinem hohen Berufe. „Leben heißt wirken" — war sein Wahlspruch und er lebte darnach. Selbst die erlaubte und bei seiner ohnehin geschwächten Leibeskraft für ihn doppelt nothwendige Rücksicht auf die Erhaltung seiner Gesundheit, ja selbst die in der letzteren Zeit eingetretene ausgesprochme Gefahr völliger Erblindung, — konnte ihn nicht hindern, dem, was er als seine bischöfliche Pflicht erkannte, mit aller Anstrengung und Ausdauer obzuliegen. Die Hirtensorge drängte in seinem unermüdlichen Geiste alle anderen Sorgen in den Hintergrund. Die hochw. Herren Pfarrer, deren Sprengel der Selige als Visitator besuchte, könnten uns hiezu eben so sprechende als zahlreiche Belege liefern. Und so wie M. fortan selbst als ein Muster des regen und beharrlichen Hirteneifcrs sich darstellte, so war eS immer auck sein angelegentlichstes Bemühen, die seiner oberhirtlichen Leitung untergestellten Geistlichen zu einem ähnlichen eifrigen Streben in ihrem Bernfskreise aufzumuntern. Belobung uud väterlich-ernste Zurechtweisung, Beförderung und nicht selten auch vecuuiäre Unterstützung wußte er als Millel zu diesem schönen, vom 123 Seelenelfer ihm vorgesetzten Zwecke zu gebrauchen. Mit besonderer Liebe und Fürsorge, wie billig, umfaßte der selige Overhirt seiu Alumnat. „Nichts liegt mir mchr am Herzen", so sagt er selbst in der Einleitung zu den herrlichen Statuten, die er dieser geistlichen Pflanzschule gegeben, „als die Bilduug des juugcu Klerus." Und er hat eS thatsächlich bewiesen, daß dieses Wort in seinem Munde keine leere Phrase war. Die ganze Einrichtung des Hauses, für die scientifische, wie asce- tische Ausbildung der Zöglinge gleichmäßig weise berechnet, die mit bedeutendem Kostcn- anfwand erzielte Herstellung und Ausstattung der neuen Hauskapelle, die Anschaffung eines nicht geringen Vorraths werthvoller, theils wissenschaftlicher, theils erbaulicher Bücher und so manche andere Wohlthat wird noch lange hin dafür Zeugniß geben, was Erzbischof Milde seinem Alumnate, und was dieses ihm — um der Seelen willen — gewesen ist. Wo von der Hirtentreue und geistlichen Wirksamkeit deS Seligen die Rede ist, da verdient ohne Zweifel auch rühmende Erwähnung sein würdevoller frommer Anstand, seine hohe Erbaulichkeit bei seinen gottesdienstlichen Fnnctioncn, die, wie uns oftmals zu Ohren gekommen ist, in dem Gemüthe aller, die denselben beiwohnten, den besten und heilsamsten Eindruck zurückließen. Endlich auch seine besondere Gabe uud leutselige Weise, mit Kindern und dem weniger gebildeten Volke umzugchen, nnd sich ihnen verständlich zn machen. Milde's Hirtenbriefe sind in dieser Beziehung wahre Muster von Popularität. Sein letztes, aus Anlaß der wunderbaren Rettung unseres vielgeliebten Monarchen ausgegebenes Hirtenschreiben wurde dieses Vorzuges wegen sogar in mehrere andere Sprachen übersetzt, damit sein Inhalt auch dem Volke nichtdcutscher Zungen zugänglich werde. Ein anderer nicht minder glänzender Zug im Leben des hohen Hingeschiedenen ist seine ungemein menschenfreuudliche und fromme Freigebigkeit. Wohl ist uns nur der geringste Theil seiner wohlthätigen Werke bekannt. Denn er liebte es, im Stillen Gutes zu thun, auch auf die Gefahr hin, daß man ihn verleumde, er thue nichts. Aber auch das Wenige, was wir wissen, reicht hin, jedes unbefangene Gemüth von der Wahrheit der vorangestellten Behauptung zu überzeugen. Der Selige hielt, wie auch aus seinem musterhaften Testamente erhellet, eine eigene Casse mit der Aufschrist: „den Armen gewidmet." Auö dieser Casse flössen alljährlich an 12,000 fl. als Hausalmosen in die Hände der Armen. Andere, zumal kranke Arme, sowohl geistlichen als weltlichen Standes, wurden zeitweilig mit nahmhaften Geldbeträgen unterstützt. Wieder andere hatten von ihm eine jährliche Pension zu beziehen. Bei Gelegenheit seiner Iubelseier — am 9. März 1850 — verwendete V. E. Milde wie damals in den Zeitungen zu lesen stand, viele Tausende zu wohlthätigen Zwecken. Und vor nicht gar langer Zeit ließ er durch verläßliche Hände, unter dem Auftrage der Verschwiegenheit, in einem Falle 20,000, in einem andern 10,000 fl. an gewisse geistliche Genossenschaften , von welchen die eine mit der Krankenpflege, die andere mit der christlichen Erziehung und Seelsorge sich befaßt, gelangen. Die großmüthige Unterstützung so mancher gering dotirtcn Kirche, Pfarreien und Schulen, die schon erwähnte kostspielige Herstellung der Alumnatskapelle und die erst jüngst und mit einem noch größeren Kostenaufwand vollendete Erbauung der neuen Kapelle im Priester-Defizientenhause u. s. w. — was sind eS anders, als eben so viele in die Augen fallende Beweise seines seltenen inneren Dranges zu Werken frommer Wohlthätigkeit? Jedoch den schönsten und schlagendsten Beweis hievon — ein ewiges, strahlendes Monument seiner frommen Liebe — hat der hohe Verstorbene in seinem Testamente niedergelegt, welches nach Abzug einiger, auch großentheils frommer Legate, „die armen, ohne ihre Schuld in Noth sich befindenden (in der Seelsorge dienenden) Weltpriester, und die armen (religiösen, fleißigen, noch dienenden) Schullehrer der Wiener Erzdiöcese" — zum Universalerben seiner beträchtlichen Verlasscnschaft erklärt. M. moli- virt diese seine Bestimmung mit dem eines katholischen Bischofes vollkommen würdigen und beherzigenSwerthen Satze: „Das Vermögen, welches ich hinterlassen, ist Kirchengut. Ich habe mich nie als den freien Eigenthümer, sondern allzeit nur als den Nutz, 124 m'eßer und Verwalter angesehen. WaS die Pflicht, was der Anstand forderten, habe ich verwendet. Den Neberrest zu kirchlichen Zwecken zu venvenden war und bin ich verpflichtet. Und so könnten wir noch manche ausgezeichnete Züge in dem Lebensbilde des Verewigten ausführlicher besprechen, wir begnügen uns jedoch blos hinzuweisen auf seinen klaren, durchdringenden Verstand, seine unbeugsame Charakterfestigkeit, seine unparteiische Gerechtigkeitsliebe, seine schonungsvolle Milde gegen renige Fehlende, seine großherzige, dankbare Anerkennung der ihm geleisteten treuen Dienste, endlich auf seine innig treue, iu guten wie in schlimmen Tagen bewährte Anhänglichkeit an das aller- höchste Regentenhaus. So lebte und wirkte Vincenz Eduard als Oberhirt der Wiener Erzdiöcese, bis der Tod am 14. März 1853 um 4V2 Uhr Morgens sein thatenvolleö und ziemlich leidenreiches Leben schloß. — „Ich wünsche aufgelöst zu werden und mit Christus zu seyn" — so hatte der Selige noch wenige Wochen vor seinem Tode bei einer ernster stimmenden Gelegenheit, in frommer Ergebung und wohl schon im Vorgefühle seines nahen Scheidens aus dieser Welt, mit dem Apostel gesprochen; und: „Ich bitte Gott, daß er mich bald zu sich nehme, damit eine jüngere, kräftigere Hand den Hirtenstab ergreife, dessen Handhabung meinen altersschwachen Händen schon allzu schwer wird." Wunsch und Bitte des Seligen ist nun erfüllt. Gott hat die schwere Last deS apostolischen Hirtenamtes seinen gebeugten Schultern abgenommen und ihn abgerufen aus dreißigjähriger rastloser Arbeit — zur ewigen Ruhe — V. E. Milde wurde während seines Erdenlebens, namentlich im Verlaufe seiner letzten Lebensjahre, vielfach gekränkt und verunglimpft. Man hat von so mancheu Seiten her, auch von solchen, von welchen es am wenigsten hätte geschehen sollen, seine Gesinnung uud Wirksamkeit verdächtigt, mißdeutet und geschwächt. Warum? Uns scheint ein Grund dieser zu seyn: Der Greis am Rande des Grabes, der Mann gereiften Geistes uud reicher Erfahrung hielt nicht AlleS was glänzt, für lauteres Gold, ergriff nicht Alles unverweilt und ohne Bedenken als gut, was als solches sich kund macht in der Welt uud Aufsehen erregt. Er wollte das wahrhaft und dauerhafte Gute, und war daher etwas mißtrauisch gegen das Neue, auch wenn es im Gewände des Guten vor sein Angesicht trat, weil und und so lang es seinem klaren, nüchternen Blicke auf einem minder tiefen und haltbaren Grunde zu ruhen schien. Er hat sich vielleicht hierin, wie er selbst auch bei der oben erwähnten Gelegenheit demüthig cingestand, hie und da geirrt; aber Irren ist menschlich. Uebrigens war die Seele dieses Menschen groß und edel genug, waS über ihn hereinbrach, zu dulden, — ohne sich je zu beklagen, ohne sich, wo er auch konnte, zu rächen. — Wie immer also die Mit- und Nachwelt über den Hingeschiedenen Oberhirten urtheilen mag, wir scheuen uns — im Anblicke des vielen, theilweise weit über sein Leben hinausreichenden Guten, das er gewirkt und gewollt — auch nur den kleinsten Stein der Rüge und Verurtheilung auf sein frisches Grab zu werfen. Wir überlassen Urtheil und Gericht dem, welchem allein eS zusteht, Gott, der auf und in das Herz schaut, — und eben darum streng gerecht, aber oft auch gnädiger richtet, als die Menschen. — Möge der Dahingeschiedene in Frieden ruhen unter der Erde -- von welcher er ohne Bitterkeit im Herrn geschieden ist. Wir können es uns und den gewiß zahlreichen Freunden und Verehrern unseres hingegangeuen Oberhirten nicht versagen, noch ein paar besonders schöne und mer- kenswerthe Stellen aus seinem vom 29. November 1852 datirten und mit: ^,6 msjorem clei gloriam et dominum 8»Iutom (Alles zur größeren Ehre Gottes und zum Men- scheuheil) — überschriebenen letzten Willen hier anzufügen. So sagt der Selige gleich Anfangs nach kurzer Einleitung: „Zuerst danke ich Gott für seinen Schutz und Segen. Ich habe in meinem Leben die Hand Gottes oft deutlich gesehen, die mein Schicksal leitete und auch in den Tagen der Leiden erkannte ich Gottes Güte. Ich sage mit gerührtem Herzen: Gott war gütiger, als ich verdiente. Ich bin nur ein unwürdiges Werkzeug in der Hand Gottes gewesen. Möge Gott mir auch in der Stunde meines Todes gnädig und t25 barmherzig seyn! Sterben war seit vielen Jahren, auch in den Tagen meines scheinbaren Glückes mein Wunsch gewesen. Ich habe das Eitle des ErdenglückeS stets erkannt. Weder Ehre noch Wohlstand haben mich geblendet. Meine glänzende Würde, die ich gegen meinen Willen erhielt, war mir allezeit eine Bürde, und der Gedanke an die Verantwortung, die ich einst geben muß, hat dem äußeren Glänze allen Reiz genommen. — Ich habe zwar das Seelenheil des Menschen, die Beförderung deS Reiches Jesu gewünscht; aber ich erkenne, daß ich mehr hätte wirken können und wirken sollen, als ich gewirkt habe. Ich kann nur von Gottes Barmherzigkeit meine Seligkeit hoffen. — Meine Liebe zu den beiden Diöcesen Wien und Leitmeritz wird länger dauern als mein Leben. Ich werde Gott in jener Welt bitten, daß er beide Diöcesen segne und ihnen Hirten gebe, die mehr und besser wirken, als ich gewirkt habe." Dann gegen den Schluß: „Allen meinen Freunden danke ich herzlich für ihre mir bewiesene Liebe. Auf Wiedersehen! Diese Hoffnung erleichtert mir die Trennung. Die Menschen, die mir weh thaten, halte ich nicht für böse, sondern ich überrede mich gerne, daß ich bei meiner Reizbarkeit manches tiefer empfunden habe als eS böse gemeint war. In den letzten Jahren mußte ich viele arge Mißdeutungen und schändliche Verleumdungen ertragen. Ich schwieg zu allen; nicht aus Unempfindlichkeit, sondern theils um die Bosheit nicht noch mehr zu reizen, theils um meinen Erlöser nachzuahmen. Die meisten meiner Beleidiger schmähten aus Rachsucht, der ich durch mein Amt und meine Pflicht ausgesetzt war. Ich habe Allen herzlich verziehen. Mögen Andere, die ich vielleicht beleidiget habe, eben so gegen mich gesinnt seyn! Feindselig war ich gegen keinen Menschen. Mein Herz hat oft viel gelitten, wenn meine Pflicht mich zwang, Jemanden weh zu thun. Manche in Wien und Leitmeritz wissen, wie gern ich schonte und den Gefallenen aufrichtete, wenn mein Gewissen und die Ehre des Standes eS erlaubte." „Gott segne Alle, die ich auf dieser Erde zurücklasse! Denket au mich! Betet für mich! Die Liebe und das Gebet verbinden die Bewohner dieser und jener Welt." Die entseelte Hülle Vincenz Eduards r»ht in dem oberen Theile des rechten Seitenschiffes der Metrovolitankirche: darüber ein Granitstcin mit folgender, von ihm selbst bestimmter Inschrift- Vinoentius Läusrdus MI6e ristus krunae in Norsvis 11. Ugji 1777 Presbyter Viennse 9. Usrtii 1800 Lurstu5 sä novem vnoros kmgelorum 1800 — 1802 Otecnets scnolse norm. real, et nerulsrum 1802 — 1805 d. k. Lgpellanus sulieug et Dniversilstis proks5sor 1805 — 1810 ?srovrms in >VoIspgs5Mß 1810 — 1814 Lsnonious Vienn. Lonsist. donsil. 1'b.eol. voctor ?mlo50pnise Oireotor, vecsnus Lremsii 1814 — 1823 Lpisoopus Litomerieii in konemis 1823 — 1832 ?rincep5 ^roniemseopus Vivnnens>5 L, k. ormnis I^vovolm mgFnge ei-ueis sczues et nrselstus 6, k. Us^tstis a eoneiliis intimikl 1832 — omit äie.....»noi..... Orste pro mo. (W. Z ) s 1S6 Die Unverweslichkeit. Rom, den 25, Febr. 1853. Eine der merkwürdigsten und auffallendsten Erscheinungen ist offenbar der Vorzug der Unverweslichkeit, .der die Leiber vieler Heiligen auszeichnet und wodurch sie von dem allgemeinen Loose der Zersetzung der körperlichen Stoffe nach dem Tode ausgenommen, fortwährend laut verkünden, waS der Lohn der großen Herrschast ist, die ihr Geist über den Körper und die sinnliche Natur zu erringen und zu behaupten gewußt hat. Gott bedient sich nicht selten dieser wunderbaren Erscheinungen, um seine Diener vor den Menschen zu verherrlichen und uns »och kräftiger, als eS durch Worte zu geschehen pflegt, die Wahrheit vor Augen zu halten, daß in Christo der Tod überwunden und im lebendigen Glauben an seine Verheißungen und der damit verbundenen Bekämpfung der Sinnlichkeit uns das Unterpfand der Unsterblichkeit gegeben ist. Um diese wunderbare Erscheinung mit unseren eigenen Augen zu sehen wanderten wir einer Gegend RomS zu, die in der vorchristlichen Zeit durch ungeheure Schandthaten berüchtigt war, jetzt aber das am zahlreichsten bewohnte Kloster der h. Stadt, das der Capnziner umgibt. Nachdem wir in ihrer zu Ehren der unbefleckten Empfäng- niß Mariens geweihten Kirche vor dem Allerheilkgsten unsere Anbetung verrichtet und die jungfräuliche Gottesmutter in ihrem herrlichen Bilde begrüßt hatten, führte unS einer der ehrwürdigen Brüder in eine Seitenkapelle, zündete die Lichter an und schob die vordere Seitenwand des AllartischeS, vor welcher die Worte geschrieben standen: Uio ^seet carpus kosti Oigpini, hinweg. Vor unsern Augen lag jetzt, auf ein hartes Lager hingestreckt, das Haupt mit seinen von den Jahren gebleichten Haaren bedeckt, das Kinn mit seinem weißen Barte geschmückt, die Augen halb geöffnet, mit rothen Wangen, mit einem Lächeln auf den noch fleischfarbenen Lippen, in seiner Kutte und in den weißen, kaum etwas welk gewordenen Händen Crucifix und Rosenkranz haltend — ein armer Capnziner, der vor hundert und einem Jahre gestorben war. Es ist der ehrwürdige und von der Kirche selig gesprochene Bruder CrispinuS von Viterbo. Am 16. Nov. 1668 von frommen Eltern in Viterbo geboren und in der Taufe mit dem Namen des h. Petrus beschenkt, knieete er als junger Mann von englischer Reinheit vor der Thür des Klosters der Capuziner seiner Vaterstadt und bat mit . Thränen um die Ehre, mit dem demüthigen und armen Gewände deS h. FranciSkus bekleidet zu werden. Die erbetene Gunst ward ihm zu Theil, und vom Tage seines ProfesseS an sahen die Hütten und Schlösser der römischen Staaten vierzig Jahre lang den Bruder Crispino gewordenen Pietro von Viterbo um Almosen für das Kloster bitten Die Gaben, welche er empfing, wurden immer mit Gebeten und oft mit Wundern bezahlt. Noch in seinem achtzigsten Jahre ging der ehrwürdige Bruder mit dem Bettelsacke auf den Schultern über das Land dahin und durch die Städte und die Dörfer; aber sein Name war schon in Aller Munde und der Ruf seiner Tugenden, seines heiligen Wandels und seiner hohen Erleuchtung führte selbst Fürsten und Cardinäle zu ihm. Er starb in Rom und wurde gleich seinen Brüdern ohne jegliche Auszeichnung und ganz in gewöhnlicher Weise auf dem gemeinschaftlichen Gottesacker der Capnziner begraben; aber die Stimme des Volkes verkündigte seine Seligkeit im Himmel und der Himmel bestätigte daS Zeugniß der Erde. Auf daS Gerücht von neuen Wundern öffnete man sein Grab wieder und fand ihn unversehrt, wie wir ihn heute sehen und wie jeder ihn sehen kann, während gewöhnlich auf diesem Kirchhofe, auf dem man den Leichen nach vier bis fünf Jahren einen andern Platz zu geben gezwungen ist, in dieser Zeit die Verwesung bis auf die harten Knochen deS Gerippes vor sich geht. Auf deu evidenten Beweis der durch ihn erwirkten Wunder und seiner in heroischem Grade geübten Tugenden erfolgte seine Seligsprechung, zur Aufnahme deS HciligsprcchungSprocesses fehlt indeß zur Zeit noch der Beweis von einem neuen die Probe deS Processes bestehenden Wunder. — Lange konnten wir unS von dem Anblicke deS Seligen nicht trennen, der einen überaus freudigen und erhebenden Eindruck auf das Gemüth macht; nur in sanftem Schlafe scheint CrispinuS zu ruhen, seine Züge sind so wohlerhalten und ausdrucksvoll, und der Tod hat so durchaus nicht t27 seinen entstellenden Einfluß auf sie ausgeübt, 'daß man unwillkürlich erwartet, der Ruhende würde sich erheben und in vollem Leben unter unS stehen — und doch ruht er schon über ein Jahrhundert. Von dem Kloster der Capnziner führen wir Ihre Leser zn dem mitten in den Ruinen deS stolzen KaiserpalasteS aus dem Palatin erbauten bescheidenen Hause eines anderen Zweiges der Söhne deS hl. FranciSkus, der Alkantariner. Unter dem Hochaltar ihres ärmlichen KirchleinS erwartet uns eine ähnliche wunderbare Erscheinung, denn hier schläft den Schlaf des Gerechten der gottselige LeonarduS von Porto Mauritio, der unermüdliche Missionär deö Gebietes von Bologna und der Berge Italiens, der eifrige Prediger Roms während deS Jubiläums 1750. Im Jahre 1751 starb er in einem Alter von 95 Jahren. Sein Seeleneifer, seine außerordentlichen Abtödtungen und Bußübuugen hatten seine Haare erbleichen, sein Haupt kahl werden und seine Kräfte ermatten lassen; aber Gott ließ nicht zu, daß, waö in seinem Dienste geschehen war, von der Macht des TodeS fortgesetzt würde, — der Leib des Seligen blieb wie er war und kein verwesender Einfluß zeigte sich an ihm. Ein schöner Greis, wie im Begriffe aufzuwachen, ruht er nun hundert und zwei Jahre da, und neben ihm erblickt man wie das siegreiche Schwert an der Seite des christlichen Kriegers die noch mit seinem Blute gefärbte harte Disciplin, die gewissermaßen die Unverweslichkeit deS h. Leibes erklärt und uns beredt zu sagen scheint: Sehet, wer sein Leben in dieser Welt um Jesu Christi willen kreuziget, der wird es glorreich im anderen wiederfinden! — Auch LeonarduS wurde bereits vor einer Reihe von Jahren durch den Statthalter Christi selig gesprochen und seine Heiligsprechung schien vor Kurzem nahe bevorzustehen. Gregor XVI. wollte ihn nämlich zugleich mit sünf andern Seligen, die er im Jahre 1839 feierlich kanonistrte, in die Reihe der von der Kirche anerkannten Heiligen aufnehmen, da die Resultate des darüber geführten Processes einen glänzenden Ausgang desselben erwarten ließen. In der PeterSkirche hatte man schon für sechs Heiligzusprechende die Anstalten gemacht, auch sein Bild war dorthin getragen, die Medaillen zum Andenken an die Bereicherung der Kirche durch sechs neue Heilige waren geprägt, kurz Alles war bereitet; nur mußte in dem Processe noch ein zweites, seit der Seligsprechung durch seine Jntercession bewirktes Wunder die Probe bestehen, woran, weil so viele und ganz evidente Wunder nach allgemeiner Behauptung vorlagen, Niemand auch nur im Entferntesten Zweifel hegte. Da traf eS sich, daß der Defensor, der in diesem Theile des Processes zum erstenmale sein neues Amt versah, auö den vorliegenden Thatsachen keine glückliche Auswahl vornahm und eine Krankenheilung zur Grundlage des Beweises nahm, die zwar in allen Beziehungen das eklatanteste Zeugniß gab und die Einsprüche des PromotorS Fidei niderschlagen mußte, aber bei der zum unumstößlichen Grundsatze erhobenen Forderung der Congregation, daß die plötzlich geheilte Person die frühere Krankheit nie wieder bekommen habe und nicht daran gestorben sey, nicht schlagend bewiesen werden konnte. Sachverständige Kanonisten verkündigten deshalb schon vor der Sitzung, die Verhandlungen würden nicht das allgemein erwartete Ende nehmen. Daß sie Recht hatten, zeigte sich bald, und als man nun besonders von Seiten der Römer, die mit außerordentlicher Verehrung und Licl e dem Seligen anhingen, den Papst bestürmte, für diesesmal und im Angeflehte so vieler wunderbarer Thatsachen und des übrigens so glänzend geführten Processes von der Strenge deö Gesetzes eine Dispens eintreten zn lassen, schlug Gregor XVI. das, wie die Römer noch heute erzählen, „wie ein harter Deutscher" rund ab; der Schmuck der Peterskirche wurde in Eile verändert, das Bild wieder sortgetragen, die Medaillen wurden umgeprägt, und so nimmt LeonarduS bis auf den heutigen Tag in der Kirche nur deu Rang eines Seligen ein. Um jedoch auf die Unversehrtheit der Leiber mancher Diener Gottes zurückzukommen, so sieht die Kirche darin allerdings etwas Wunderbares, gerade wie daH Volk, das die Verwesung sonst in drei bis vier Jahren eintreten zu sehen gewohnt ist, darin einen höheren Schutz erblickt. Zum Fundamente eines Beweises im Kanoni- sationSprocesse läßt die Kirche dieselbe aber nur dann zn, wenn zur Genüge und auch 128 durch ärztliche Zeugnisse bewiesen ist, daß sie nicht durch natürliche Mittel und Einflüsse erfolgte, und wenn andere Wunder und die übrigen Erfordernisse hinzukommen. So galt in den Verhandlungen über die Seligsprechung des h. Jsidor, des h. Franz Taver, der h. Theresia, der h. Katharina von Bologna, der h. Magdalena von PazziS u. A. die Unverwesenheit ihrer Leiber als ein Zeichen ihrer jenseitigen Verklärung; und die Äcten über die Beatification des h. Antonius von Padua und des h. Johannes von Nepoiiiuk zeigen, daß auch die Unversehrtheit ihrer Zungen, von denen wir die des ersteren vor einiger Zeit in Padua sahen und die des zweiten in Prag verehrt wird, als wunderbare Erscheinung von der Kirche betrachtet und behandelt wird, (M. S.-Bl.) Die letzte TaleS. Am 14. Aug. 1852 starb in Vichy die Frau Marquisin Pauline FranziSka Jo- sepha von Roussy, Tochter deS Marquis Moriz Benedikt von SaleS, deS letzten männlichen Sprößlings der Familie von Saleö, welcher der heilige Bischos von Genf, Fran- ziSkuS SalesiuS, durch die Geburt angehörte. Die Verblichene hatte ihre Jugend an dem H^fe der im Rufe der Heiligkeit verstorbenen Königin von Sardinien, Marie Clo- tilde, verlebt, dann den Marquis de Roussy geehlicht und seit dem Jahre 1830, zurückgezogen von aller Welt, lediglich der Erziehung ihrer fünf Söhne sich gewidmet, von denen noch vier am Leben sind. Im Jahre 1851 zog sie nach Nizza, von da nach Lyon und später nach Vichy, wo sie der Tod ereilte Sie verschied, nach würdigem Empfange der heiligen Sterbesacramente, mit der Ermahnung an die Ihn, en: „Liebet Gott steiö und dienet ihm treu; das ist der einzige Trost, der uns bleibt, wenn wir aus dieser Welt scheiden." — Ihre schöne Seele 'picgelt sich in ihrem Testamente, das nach der gewöhnlichen EingangSformel: „im Namen der allerheiligsten Dreifaltigkeit" wörtlich die folgenden Sätze enthält: „Meine erste Pflicht und das erste Gefühl meines Herzens ist eS, in diesem Augenblicke der erbarmungövollen Vorsicht GotteS dafür zu danken, daß Er mich in der heiligen katholischen, apostolisch-römischen Kirche geboren werden ließ, die ich als meine Mutter betrachte, deren Lehren ich glaube, verehre und liebe. Eben so danke ich der göttlichen Vorsicht, daß sie mich von christlichen und tugendhaften Eltern abstammen ließ, und daß ich den Namen eines Heiligen erhalten habe, der mir durch seine Tugenden so herrlich vorleuchtete. Dabei bedauere ich zugleich, daß ich sein heiliges Beispiel so wenig nachgeahmt habe, da es mir doch zu einer Regel für mein ganzes Leben hätte dienen sollen. ... Ich habe nicht nöthig, in meinein Sohne Eugen das Interesse zu erwecken, welches unsere Familie an den Besitz von ThorenS knüpft. . . . Der Gedanke, daß der heil. Franz von Sales in der dortigen Kapelle geboren ist, daß er jenes Schloß bewohnt und beide durch seine Gegenwart geweiht hat, daß wir dieses Gut von ihm ererbt haben; das Alles bestimmt mich zu dem Wunsche, daß das Schloß, der Wald von Sales u. s. w, niemals veräußert werden sollen. Wenn Gott meinem Eugen Nachkommen geben wird, so wird ihm dieser kostbare und geheiligte Nachlaß noch kostbarer seyn; seine Kinder werden von dem Beispiele meines Gatten und unserer beiderseitigen Voreltern lernen, daß der Glaube und die Ehre deS heil. Franz von Sales zur Lebensrichtschnur diente und dienen soll. Ich bringe Gott das Leben zum Opser, daS Er mir gegeben hat; ich lege euere und meine Zukunft in Seine väterlichen Hände. Liebet Ihn, dienet Ihm; leset die so schönen Briefe meines Vaters und glaubet, daß in dieser Welt hienieden der Friede und das Glück nur in tugendhaften und christlichen Herzen wohni. Erinnert ench meiner, und betet für mich, damit ich zu Gott im Himmel gelangen möge, bei dem ich den reichlichsten Segen für euch erflehen will. (Amico caitolico.) Verantwortlicher Redacteur: L, Schönchen. Verlags - Inhaber: F. C. Krem er. Dreizehnter Jahrgang. ' Sonntags-Beiblatt zw Augsburger PostMung. --- 24. April. 17. 1853. Diese« Blatt erscheint regelmäßig alle Souutage. Der halbjährige Abouuementsprei« kr., wofür e« durch alle königl. bayer. Postämter und alle Buchhandlungen bezogen werdeit kaun' ...... »,....... > > . ^ > .--^. ,......... Rom» Rundschreiben des Papstes Pins IX. an die Cardinäle, Crzbischöse und Bischöfe Frankreichs. ?ius ??. IX. Geliebte Söhne und ehrwürdige Brüder, Gruß und apostolischen Segen. Inmitten der vielfachen Bedrängnisse, die von allen Seiten her ans Uns lasten, in der Fürsorge für alle Kirchen, mit welcher Uns trotz Unserer Unwürdigkeit der un- erforschliche Rathschlnß der Vorsehung in diesen s^> harten Zeilen betraut hat, in welchen die Zahl derjenigen so grosi ist, von denen der Apostel sagt: „8snsm cioctrinsm non zustinent, secl scl 8us ciesiäeria oogeervsntes sidi msgistros a veritste auciitum svertunt et seciuetor?« proLeiunt in pe^us, errorem mittentes," werden Wir von der grüßten Freudigkeit durchdrungen, wenn Wir Unsere Augen und Unsern Geist auf die berühmte, durch so viele Namen verbcrrlichre, um Uns wohlverdiente französische Nation richten. Es gereicht Unserm Paterherzen zum größten Troste, wenn wir gewahren , wie in jener Nation mit göttlicher Hiife die katholische Religion und ihre heilsame Lehre täglich mehr erblüht, auflebt uud d^minirt und mit welcher Sorgfalt und welchem Eifer ihr, Unsere geliebten Söhne und ehrwürdigen Brüder, die ihr zur Theilnahme an Unserer Fürsorge berufen seyd, euch bemüht, euer Amt zu erfüllen und über die Unversehrtheit und das Wohl der geliebten, cuerer Obsorge anbefohlenen Heerden zu wachen. Dieser Unser Trost wird um so mehr gesteigert, als Wir auö den ehrfurchtsvollsten Schreiben, die ihr an Uns richtet, immer mehr und mehr ersehen, mit welcher kindlichen Frömmigkeit, Liebe und Ergebenheit ihr stolz darauf seyd, UnS nachzufolgen, und diesem Sitze Petri, dem Cenlrnm der katholischen Wahrheit und Einheit, dem Hanpte, der Mutter und Lehrerin aller Kirchen, welcher Lehrerin aller Gehorsam uud alle Ehren gebühren, mit der, wegen ihrer vornehmsten Vorzüglichkeit, sich alle Airchen einigen müssen, das heißt, alle, die aller Orten gläubig sind. Von nicht geringerer Freudigkeit werden Wir durchdrungen, wenn Wir sehen, daß'ihr, ohne Unterlaß eingedenk eueres ernsten bischöflichen Amtes und eurer Aufgabe, alle Sorgfalt geistlicher Hirten und alle eure Wachsamkeil thätigst zur größeren Verherrlichung Gottes und im Kampf für die Sache seiner heiligen Kirche aufbietet, auf daß die Priester eurer Tiöcesen ihres Berufes von Tag zu Tag würdiger werdend, dem christlichen Volke mit dem Beispiele aller Tugenden vorangehen, sich ihren Amtspflichten eifrigst unterziehen, damit die eurer Obhut anvertrauten Gläubigen täglich mehr genährt durch Worte des Glaubens und gestärkt durch die Gaben der Gnade, zunehmen in der Erkenntniß Gottes und auf dem Pfade beharren, der da führet zum Leben und damit die armen Verirrten auf den Weg des Heils zurückkehren. Mit gleicher Seelenfreude haben Wir zur Kenntniß genommen, mit welcher Raschheit ihr Unsern Wünschen und Crmahnungen nachgekommen seyd und euch be- müht habt, die Provinzialconcl'll'en abzuhalten, damit in euren Diöcesen der Glaube unverletzt und ganz erhalten, eine gesunde Doctrin gelehrt, die Ehre deS Gottesdienstes vermehrt, die Institution und Disciplin -,cS Klerus gekräftigt und Sittenreinheit, Tugend, Religion und Frömmigkeit aller Orten in glücklichem Fortschritte angeregt und befestigt werde. Wir sind über alle Maßen erfreut, inne zu werden, daß in sehr vielen Diöcesen, in denen sich bis jetzt besondere Verhältnisse nicht entgegenstellten, die Liiurgie der römischen Kirche durch euren besondern Eiser Unserm Wunsche entsprechend wieder eingesetzt wurde. Diese Sache mußte Uns um so angenehmer seyn, als Wir wußten, wie in vielen französischen Diöcesen in Folge der wechselnden Zeitverhältnisse keineswegs jene Anordnungen beobachtet wurden, welche Unser heiliger Vor- gänger PiuS V. sürsichtig und weise in seinem apostolischen Schreiben vom 8. Juli I5v8 festgesetzt hatte, welches mit den Worten beginnt: „i)uo6 » Aobis Postulat." Wenn Wir aber nun auch alles dieses nicht ohne große Seelenlust und zu eurem besonderem Lobe freudig erwähnen, so können Wir doch andererseits nicht Unsere schwere Trauer und Betrübniß verhehlen, die gegenwärtig an Uns nagt, nachdem Wir in Erfahrung gebracht haben, welche Zwistigkeiten der alte Feind unter euch anzuregen sucht, um die Eintracht euerer Gemüther zu schwächen und zu untergraben. Kraft der Pflicht Unseres apostolischen Amtes und in der großen Liebe, mit der Wir euch und jene gläubigen Völker umfassen, schreiben Wir ench daher diese Epistel, in welcher Wir aus der innersten Tiefe Unseres Herzens zu euch, geliebte Söhne und ehrwürdige Brüder sprechen und euch gleichzeitig ermähnen, auffordern und bitten, daß ihr das Band der euch umschlingenden Liebe täglich enger knüpfet und befestiget und eimnüthig gegenseitig alle Zwistigkeiten, welche der alte Feind anzuregen strebt, eurer ausgezeichneten Tugend gemäß zu entfernen und ganz zu beseitigen bemüht seyn und Sorge tragen sollet, in aller Demuth und Sanftmuth in Allen die Einheit des Geistes im Bunde des Friedens zu erhalten. Durch solche Weisheit werdet ihr darthun, daß Jeder von euch sehr gut wisse, in welchem Grade die priesterliche und gläubige Einheit der Gemüther, deS Willens und Urtheils zum Gedeihen der Kirche und zur immerwährenden Förderung des menschlichen Heils nothwendig und ersprießlich sey. Wenn ihr diese Eintracht des Gemüthes und Willens stets unterhalten mußtet, so sollt ihr dies gegenwärtig mehr als je mit allem Eifer thun, da durch den trefflichen Willen Unseres geliebtesten SohneS in Christo, Napoleon, Kaisers der Franzosen und durch die Thätigkeit seiner Regierung die katholische Kirche sich bei euch jetzt des Friedens, der Ruhe und der Begünstigung erfreut. Diese glücklichen Umstände in diesem Reiche müssen euch antreiben, daß ihr in Allem einträchtig dahin strebt, daß die göttliche Religion Christi und ihre Lehre und Sittlichkeit und Frömmigkeit überall in Frankreich tiefe Wurzeln schlagen, daß mehr und mehr für einen guten und lautern Unterricht der Jugend gesorgt wird und so leichter die feindlichen Angriffe abgewehrt und unterdrückt werden, die sich in den Bestrebungen derjenigen kund geben, welche die beharrlichen Feinde der Kirche und Christi Jesu waren und sind. Darum, geliebte Söhne und ehrw. Brüder, fordern wir euch auf'S dringendste auf, daß ihr bei der Vertheidigung der Sache der Kirche und ihrer heilbringenden Lehre und Freiheit vor Allem euch bestrebt, mit der größten Einmüthig- keit Alle in derselben Weise zu reden und zu denken, und daß ihr mit allem Vertrauen euch an UnS und diesen apostolischen Stuhl wendet, um alle Fragen und Controversen jeder Art ganz zu beseitigen. Zunächst, da ihr wißt,, wie wichtig für das Heil der Kirche und des Staats eine gute Erziehung namentlich' des Klerus ist, laßt nicht ab, mit einträchtigem Geiste eine so wichtige Angelegenheit zu besorgen. Fahret fort, wie ihr thut, Alles aufzubieten, daß die jungen Leute in euren Seminarien zu aller Tugend, Frömmigkeit und kirchlicher Gesinnung srüh herangebildet werden, daß sie in der Demuth wachsen, ohne die wir nie Gott gefallen können, und daß sie zugleich in den schönen Wissenschaften und in den ernstern, namentlich den kirchlichen Wissenschaften, vor aller Gefahr jeglichen Irrthums geschützt, so sorgfältig unterwiesen werden, daß fit nicht allein eine wahrhast elegante und beredte Sprache auS den besten Werken 181 der h, Väter und aus den von aller Makel gereinigten berühmtesten heidnischen Schriftstellern sich aneignen, sondern auch namentlich eine vollkommene und gründliche Bildung in den theologischen Wissenschaften, der Kirchengeschichte und dem Kirchenrechte aus den von diesem apostolischen Stuhle approbirten Auctoren sich erwerben. So wird der französische KleruS, welcher so viele durch Geist, Frömmigkeit, Gelehrsamkeit, kirchliche Gesinnung und besondern Gehorsam gegen diesen apostolischen Stuhl ausgezeichnete Männer aufzuweisen hat, immer reicher werden an kundigen und eifrigen Arbeitern, die, mit Tugenden geziert und mit heilsamer Wissenschaft ausgerüstet, euch bei der Pflege des Weinbergs deö Herrn unterstützen, die Gegner bekämpfen und nicht allein die Gläubigen in Gallien in unserer h. Religion bestärken, sondern auch dieselben bei den fernen und ungläubigen Völkern ausbreiten können, wie das euer Klerus zu seiner eigenen Ehre, zum Wohle der Religion und zum Heile der Seelen bi'Sheran zu thun bemüht gewesen ist. Und weil ihr euch mit Uns sehr betrübt über so viele schlechte Bücher, Broschüren, Zeitungen und Flugblätter, welche der giftige Feind GotteS und der Menschen überall und unaufhörlich ausstreut zum Verderben der Sitten, zur Erschütterung der Grundfesten deö Glaubens und zur Bekämpfung aller Lehren unserer h Religion, darum, geliebte Söhne und ehrw. Brüder, lasset in eurer bischöflichen Obsorge und Wachsamkeit nie ab, einmüthig die eurer Sorge anvertraute Heerde von diesen giftigen Weiden mit allem Eifer fernzuhalten und sie gegen die Fluch so vieler Irrthümer durch heilsame und geeignete Ermahnungen und Schriften zu unterweisen, zu schützen und zu stärken. Wir können hier nicht umhin, euch an die Ermahnungen und Rathschläge zu erinnern, womit Wir vor vier Jahren die Bischöfe der ganzen katholischen Welt dringend aufgefordert haben, ohne Unterlaß durch Geist und gesunde Wissenschaft ausgezeichnete Männer zu ermähnen, geeignete Schriften herauszugeben, um das Volk zu belehren und die Finsterniß der sich cinschleichendeu Irrthümer zu zerstreuen. Darum bitten wir euch, indem ihr die todtbringende Pest schlechter Bücher und Zeitungen von den eurer Sorge anvertrauten Gläubigen fernzuhalten sucht, zugleich die Männer wohlwollend zu behandeln und zu begünstigen, welche, von katholischer Gesinnung beseelt und in den Wissenschaften der Literatur bewandert, dort Bücher und Zeitungen schreiben und drucken lassen, um die katholische Lehre zu vertheidigen und zu verbreiten, um die ehrwürdigen Rechte und die Verfügungen dieses h Stuhls zu vertreten, um die demselben Stuhle und seiner Aucto- rität feindlichen Meinungen und Ansichten zu widerlegen, um die Finsterniß der Irrthümer zu zerstreuen und die Geister der Menschen durch das liebliche Licht der Wahrheit zu erleuchten. In eurer bischöflichen Hirtensorge und Liebe werdet ihr diese gutgesinnten katholischen Schriftsteller ausmuntern, mit noch größerem Eifer fortzufahren, die Sache der katholischen Wahrheit mit Eifer und Geschick zu vertheidigen; ihr werdet sie mit väterlichen Worten weise ermähnen, wenn sie bei ihnr schriftstellerischen Thätigkeit einmal fehlgreifen. — Ihr seyd serner weise genug, um wohl zu wissen, daß die bittersten Feinde der katholischen Religion alle stets am heftigsten, wenngleich fruchtlos, gegen diesen Stuhl des heil. Apostelfmsten gekämpst haben, wohl wissend, daß die Religion selbst nicht fallen und wanken könne, so lange dieser Stuhl stehe, der auf den Felsen gestützt ist, welchen die stolzen Pforten der Hölle nicht überwältigen (Auß. in ?sslm.) und durch welchen die christliche Religion ganz und vollkommen gesichert ist (Mt. sxn. ^vsnn. Ltp. sä üormisci. ?.). Darum, geliebte Söhne und ehrw. Brüder, fordern Wir euch dringend auf, daß ihr gemäß eurer ausgezeichneten Treue gegen die Kirche und eurer besondern Pietät gegen den Stuhl Petri nie ablasset, einmüthig und einträchtig alle eure Sorgfalt und Thätigkeit darauf hinzurichten, daß die Gläubigen in Frankreich die Hinterlisten, Irrthümer und Fallstricke feindseliger Menschen sorgfältig meiden und mehr und mehr in kindlicher Liebe und Hingebung sich an diesen apostolischen Stuhl fest und enge anschließen und es sich zum Ruhme anrechnen, demselben mit der größten Bereitwilligkeit gebührend zu gehorchen. Mit allem Eifer eurer bischöflichen Wachsamkeit wirket darum in Wort und That dahin, daß die Gläubigen diesen heil. Stuhl mehr und mehr von Herzen lieben und achten und mit M vollem Gehorsam aufnehmen, und erfüllen, was derselbe lehrt, bestimmt und anordnet. Wir kounen hier aber nicht umhin, euch den tiefen Schmerz auszudrücken, den Wir empfanden, da neulich unter andern schlechten Schriften ein in französischer Sprache geschriebenes und zu Paris gedrucktes Buch an Uns gelangte mit dem Titel: 8ur la Situation präsente 6e I'Lglise ZsIIiogne relstivement gu clroit coutumier, — dessen Verfasser dem, waS Wir so sehr empfehlen und einschärfen, geradezu widerspricht. Wir haben dieses Buch Unserer Congregation des Inder zur Verdammimg übergeben. — Ebe Wir aber unsern Brief schließen, geliebte Söhne und ehrw. Brüder, erklären Wir euch nochmals, daß Wir aufs sehnlichste wünschen, daß ihr alle Streitsragen beseitigt, welche, wie ihr wißt, den Frieden stören, die Liebe verletzen und den Feind.en der Kirche Waffen in die Hand geben, sie anzufeinden und zu bekämpfen. Darum muß eS euch sehr am Herzen liegen, unter euch und mit Allen den Frieden zu erhalten, wohl beherzigend, daß ihr dessen Diener seyd, der nicht ein Gott der Zwietracht, sondern ein Gott des Friedens ist und der nie unterlassen hat, seinen Jüngern dey Frieden so dringend anzuempfehlen, einzuschärfen und vorzuschreiben. Christus hat ja, wie ihr alle wißt, „alle Gaben und Belohnungen, die er verheißen, nur bei Bewahrung deS Friedens versprochen. Wenn wir Erben Christi sind, müssen wir im Frieden Christi bleiben, wenn wir Kinder Gottes sind, friedfertig seyn. . . . Friedfertig müssen die Kinder Gottes seyn, sanft von Herzen, einfach in Worten, einträchtig in der Liebe, treu durch die Bande der Eintracht mit einander verbunden" ((^pr. un. eccl.). Von eurer Tugendhaftigkeit, Religiosität und Pietät hegen Wir die zuversichtliche und zweifellose Erwartung, geliebte Söhne und ehrw. Brüder, daß ihr diesen Unsern väterlichen Ermahnungen, Wünschen und Anordnungen freudig gehorchen und alle Keime der Uneinigkeit ganz vertilgen und so Uns re Freude vollkommen machen, daß ihr, mit aller Geduld einander ertragend, in Liebe und eininüchig sür den Glauben des Evangeliums wirkend, fortfahren werdet, mit immer größerm Eiser über die eurer Sorge anvertraute Heerde zu wachen und alle Pflichten eures wichtigen Amtes zu erfüllen zur Vollendung der Heiligung zur Erbauung des Leibes Christi. Seyd fest überzeugt, daß Uns nichts angenehmer und erwünschter seyn wird, als Alles zu >hun, wovon wir erkennen werden, daß es zu eurem und eurer Gläubigen größerm Nutzen gereichen könne. Unterdessen bitten nnd flehen Wir in der Demuth Unseres Herzens zu Gott, daß er die Fülle aller himmlischen Gnaden steiS über euch ausgießen und eure oberhirtlichen Sorgen und Arbeiten segnen möge, auf daß die eurer Hut anvertrauten Gläubigen mehr und mehr würdig wandeln, Golt in Allem woh gefällig und in allen gnlen Werken fruchtbar. Als Unterpfand dieses göttlichen Schutzes und als Zeugniß der innigsten Liebe, womit Wir euch im Herrn umfangen, ertheilen Wir von Herzen euch, geliebte Söhne und ehrw. Brüder, und allen geistlichen und gläubigen Laien eurer Diöcesen den apostolischen Segen. Gegeben zu Rom bei St. Peter, am 21. März 1853, im 7. Jahre Unseres Pontificats. kius??. IX. Die Marien-Mai-Andacht. DaS Ziel aller Anbetung in der katholischen Kircke ist Gott allein, der drekeinkge Gott; daher heißt die gesammte kirchliche Fei r, sie mag eine besondere Veranlassung haben, welche sie will, — Gottesdienst. Alles Beten, Singen, Feiern und Weihen in der Kirche hat keinen anderen höchsten und letzten AuSgangöpunct als den ewigen Gott. Gleich den Strahlen der Sonne, die, mögen sie auch nach allen Seiten und Enden auölaufen, leuchten und wärmen, doch immer im Mittelpuncte des S>nnen- balleö vereinigt bleiben, reichet die kirchliche Feier mit ihrem Glänze und Erhebung bis zur Verehrung cineS jeden Heiligen hin und bleibet doch geeint in der alleinigen Anbetung deS dreipersönlichen GotteS. Ebenso wenig als das Licht, so von der Sonne sich auf Himmel und Erde und auf den kleinsten Gegenstand dieser Erde ergießt, der Sonne selbst Eintrag thut, — und ebenso wenig als man die von der Sonne erleuch. 133 teten Körper trotz ihres Glanzes für die Sonne selbst halten wird, ebenso wenig schwächt die Verehrung Maria'S und aller Heiligen die Anbetung Gottes, und Niemand wird bei ruhiger Betrachtung und Erwägung so einfältig seyn, die Verehrung der Heiligen für Anbetung zu halten. Die Kirche hat nie befürchtet, daß aus der Verehrung Marias und der Heiligen irgend ein Nachtheil oder Mißbrauch entstehen könnte, und hat daher jene Ver, ehrung für heilsam und gut erklärt. In dieser Verehrung nimmt die Marien-Andacht während des Mai-Monates einen vorzüglichen Platz ein. Diese Andachtsweise hat die Kirche durch Ertheilung reichlicher Ablässe genehmigt und alle Verehrer Marias M eifrigen Theilnahme aufgefordert. Im päpstlichen Erlasse des heil. Va!crS PiuS VII. heißt eS: „Allen Gläubigen, welche in der Kirche oder im Verhinderungsfälle zu Hause im Kreise der Ihrigen während des Monats Mai die hl. Jungfrau durch Huldigung, Gebete und andere Tugendübungen ehren werden, sey für jeden Tag dieses Monats ein Ablaß von 30(1 Tagen, und einmal im Monate, an jenem Tage nämlich, an welchem sie das hl. Sacrament der Buße und des Altars empfangen und für die Angelegenheiten der Kirche nach der frommen Meinung Sr. Heiligkeit beten würden, ein vollkommener Ablaß verliehen, welche Ablässe auch den Seelen im Reinigungsorte zugewandt werden können." So sollen sich nach der Erklärung deS Oberhauptes der Kirche besonderer Gnadengaben erfreuen: der Pfarrer, welcher seine Kirche zur Abhaltung der Marien- Mai-Andacht öffnet, die Gemeinde, welche daran Antheil nimmt, besonders alle jene Personen, welche durch Gesang, durch Bestreitung der Kosten, durch eine Unterstützung in irgend einer Weise zur Verherrlichung dieser Andacht nach Kräften beitragen. Verargen wirv diese Marienverehrung Niemand, der ruhig die Worte der hl. Schrift erwägt: „Von nun an werden mich selig preisen alle Geschlechter." Gott will, daß alle Menschen selig werden. In seiner unendlichen Güte schuf Er die Menschen nach seinem Ebenbilde, invcm Er ihnen die Freiheit gab, sich selbst für die Seligkeit deS Himmels zu entscheiden. Rührend ist das Bemühen Gottes, selbst noch die durch die Sünde gefallenen Menschenkinder zu retten und auf ihre gemißbrauchte und verdertne Willensfreiheit so einzuwirken, daß diese mit Hilfe der Gnade durch die Erlösung Jesu Christi das Heil der unsterblichen Seele wirken kann. Unter den Mitteln, diesen Gnadeneinfluß zur Rettung deS g/fallenen Menschen auszuüben, steht die hl. Jungfrau oben an. Sie hat der Herr auSerwählt, um unS durch sie das Höchste und Theuerste zur Rettung von dem ewigen Tode zu geben, was Er ^esaß, seinen eingeborenen Sohn, unseren Erlöser von Tod und Sünde. Zugleich aber sollte in Maria uns auch ein Vorbild gegeben werden, dem die gefallenen Menschenkinder nachstreben und nachfolgen könnten. Auf diesen beiden Puncten beruht die Marienverehrung der Katholiken, die sich dabei auf die beständige Ueberlieferung und die Lehre der Kirche, wie auf das Wort deS hl. Geistes in der Schrift berufen: „Von nun an werden mich selig preisen alle Geschlechter." Denn diese Seligpreisung, von welcher die heil. Jungfrau, erfüllt vom hl. Geiste, redet, ist eben die Verehrung, die wir ihr zollen. Wir preisen Maria selig, weil der Herr Großes an ihr gethan hat. Wir bewundern so gern die Werke GorleS, wie sie in ihrer Erhabenheit und Majestät unS überall umgeben. Und diese Bewunderung erzeugt eine gewisse Verehrung. Wie sollten wir nun nicht Maria bewundern und verehren als das kostbare Werk, das seine Allmacht und Liebe geschaffen hat? Ist sie, die Mutter unseres Erlösers, nicht ein unendlich lieblicherer Hossnnngöftern, zu dem wir irrenden Erdenpilger hinaufblicken können, als die Sterne am Firmament alle zusammengenommen? Und wenn wir nun zu diesem Gotte preisend mit Andacht und Verehrung emporblicken dürfen, warum sollten wir nicht zu jenem Sterne emporschauen, der als lieblichster Morgenstern uns den frohen Morgen der Auferstehung in Christo Jesu verkündet, der als schönster Abendstern unS den Quell aller Ruhe, den Herrn brachte, der da sagte: „Folget mir nach, und ihr werdet Ruhe finden für Eure Seelen." Warum sollten wir nicht voll Ver- 134 ehrung zu diesem Friedenssterne emporblicken, der sich nicht selbst gemacht, den uns der Herr an unsern Lebenshimmel gesetzt hat, um unS an den ewigen Frieden zu erinnern, den uns die Erlösung gebracht? Es ist die Dankbarkeit gegen Gott, die unS in Maria das Werk seiner Allmacht und Gnade bewundern und verehren läßt. Daß diese Verehrung keine Änbetung ist und auch keine seyn kann, liegt klar zu Tage, ebenso wie unsere Verehrung aller anderen Werke Gottes keine Anbetung derselben ist. Nur der Thor und der Barbar könnte über dem Werke Gottes den Herrn und Schöpfer selbst vergessen, nicht aber der Christ, der mit Herz und Mund bekennt: „Es gibt nur einen Gott, den wir anbeten." Und nicht blos, weil Gott Maria zu einer so hohen Würde erhoben, zur Mutter des WelterlöserS gemacht hat, verehren wir Maria, sondern auch weil wir in ihr selbst ein erhebendes und stärkendes Vorbild erblicken, dem wir freudig und mit Vertrauen nachfolgen können. Der Mensch bedars auf seinem Lebenswege eines Leitsternes, der ihm voranleuchtet auf dem oft recht dunklen Pfade der irdischen Verbannung; er sieht sich gern nach einem Beispiele um, an dem er sich erbaut, an dem er sich in den Stunden der Prüfung emporrichtet und hält. Wer die Bedürftigkeit eines solchen Vorbildes läugnet, kennt entweder gar nicht die Bedürfnisse des menschlichen Herzens, oder er würdigt sie nicht nach ihrer Stärke. Daß Christus hier das leuchtendste, aber zugleich auch das unerreichbarste Vorbild ist, wissen wir recht wohl; ebenso wie in seiner Nachfolge Ruhe und Friede für die Seele liegt. Aber gerade diese Nachfolge des Herrn in der rechten Weise ist schwer, und bedürfen wir bei derselben ganz besonderer Aneiferung und Erfrischung. Wir müssen ein Wesen aus unserer Mitte haben, an dem wir lernen können, wie süß es sey, dem Herrn nachzufolgen. Wer könnte dieses Wesen besser seyn als gerade Maria, welche bis an ihr Lebensende treu und ergeben dem Herrn nachfolgte — von Bethlehem nach Nazareth und von Nazareth nach Jerusalem, von der Krippe zum Kreuze? Niemand konnte besser dem Herrn unserem Gotte dienen als Diejenige, welche die Magd des Herrn hieß und von Gott selbst ausgewählt wurde, den Erlöser an ihrem Herzen zu bergen und ihn auf den -Armen zu wiegen. Und sollten wir nun Diejenige, welche uns so helden- müthig vorangegangen ist aus dem Wege nach dem Ziele unseres Lebens, nicht mit aller Demuth und Inbrunst verehren? Noch mehr! Die Liebe stirbt nicht, sondern dauert über das Grab und lebt. Wer Gott so treu und innig im Leben liebte wie Maria, dessen Liebe zu den Mitmenschen muß eine übergroße seyn. Wie innig muß uns daher Maria, die Mutter der schönen Liebe, lieben I Und wir sollten nun Diejenige nicht ehren, welche uns so innig liebt? Oder ist es ein Abbruch der Liebe zu Gott, wenn wir Maria lieben? Schadet unsere Liebe zu den Eltern und Freunden der Liebe zu Gott? Ist diese nicht vielmehr die Quelle gerade von jener? Ach, das menschliche Herz darf und muß lieben; wo keine Liebe — da ist Tod. Liebt Maria uns: warum sollten wir sie, die von Gott so sehr geliebte, nicht wieder lieben? Und diese Liebe erzeugt Verehrung. Die Liebe Marias aber wird ebenso wenig wie jede andere treue Liebe unthätig seyn, sondern sie muß wirken, und Gott ist es, der ihr den Wirkungskreis zuweist. ES ist dies die Fürbitte für uns, die immer aus der Liebe entspringt. Die Mutter, die ihre Kmder liebt, ist eine beständige Fürbiiterin für diese Kinder. Ist dieses nun der Fall: warum sollte unsere Verehrung Marias nicht auch noch so weit gehen, daß wir ihre Fürbitte in Anspruch nehmen und zu der süßen Jungfrau emporrusen. Das ist kein Mangel an gläubigem Vertrauen auf Gott, denn gerade dieses flößt uns jenes Hingeben an Maria ein. Eben weil wir wissen, daß Gott uns so unendlich viel durch die heil. Jungfrau Maria gegeben hat, wenden wir unS mit solchem Vertrauen zu ihr. Und in diesem vertrauungsvollcn Hinwenden liegt der Haupttheil unserer Marienverehrung. Diese ist also nichts weiter als die alleinige Anbetung unseres GotteS, der uns in Maria die Mutter unseres Erlösers, das Vorbild der Nachfolge Christi und eine Fürbitterin am Throne der Gnade gegeben hat. Deshalb preisen wir Maria selig, welche der Engel die Gnadenvolle, Elisabeth die Hochgebenedeite des Herrn, 13S unser Erlöser Mutter nannte u, s. w. vom Kreuze herab auch uns zur Mutter gab. Diese Verehrung ist von Geschlecht zu Geschlecht, von Volk zu Volk gegangen durch volle 18 Jahrhunderte hindurch. Wo immer das Kreuz der Erlösung ausgepflanzt wurde, da erhob sich auch das Bild der süßen und keuschen Jungfrau, — nnd wo dem Gotte der Christen Weihrauchdüfte wallten, da erschollen auch die Hymnen Marias. Von Land zu Land, von Stadt zu Stadt, von Ort zu Ort zog die Verehrung Marias und erquickte jedes Herz, das sich vertrauend zu ihr wandte. Die Frauen, welche durch sie wieder zu ihrer Würde erhoben worden waren, dienten ihr mit der zartesten Innigkeit deö Herzens. Die Männer huldigten ihr als ihrer Königin. Die Mädchen erkoren sie sich zur liebreichen Schützen» ihrer Unschuld, und die Jünglinge weihten ihr ihre Studien und all ihr jugendliches Streben. Ihre Kapelle und Dome erhoben sich allenthalben, sowohl in dem feurigen Süden, als in dem ernsten Norden. Ihr Name prangte allenthalben. Und wie cS war, so ist es noch. — Millionen Frauen und Männer sind noch treue Verehrer der Jungfrau Mutter. — Sie grüßt demütbig und freudig jedes Kiud; zu ihr blicken bekümmerte Eltern am Krankenbette ihrer Lieben, ihr empfiehlt sich der Alpenhirt, wenn er zur Höhe steigt, und der Alpenjäger, der zum Abgrunde klimmt; — ihr huldigen die barmherzigen Schwestern in den Spitälern nnd die Armen in ihrem Siegesläufe; — ihr widmen noch Fürsten, wie ehedem, kostbare Weihgeschenke, — und das arme Volk unterhält noch daS Lämpchen vor ihrem süßen Bilde. Ach, meine Geliebten! selbst noch in den Städten, wo der katholische Glaube verschwunden, verkünden von den ehemals katholischen Kirchthürmen herab dreimal des Tages die Glocken daS „Ave Maria" und preisen mit eherner Zunge so lange jene hl. Jungfrau selig, bis wieder Söhne und Töchter Marias entsprossen und den „Engel des Herrn" beten. DaS Geetenwefen i« Pommern. Die N. P. Z> berichtet darüber aus Köslin, Der Schlawer und besonders der Rummelsburger Kreis unseres Regierungsbezirks sind seit langem als Herd einer tiesen religiösen Bewegung bekannt, welche ihre Theilnehmer vorzugsweise in den niedern Ständen sucht. Es läßt sich nicht leugnen, daß mit ihr, auch wenn ihr zuweilen in einzelnen Stücken die Lauterkeit der Lehre (der Katholicismus) sehlt, sast durchgängig ein christliches und reines Leben verbunden ist, das zugleich in sich die einförmige Rauigkeit und den stummen Ernst jener Sand- und Moorgegenden abspiegelt. Es ging schon seit einigen Tagen in der Gegend das Gerücht, daß der Bauer Carl Ziemcke zu Klein-Schwirsen (Rummelsburger Kreises) in seinem Hause religiöse Versammlungen hielte. Man sprach von acht bis zehn Personen, welche bei ihm zusammenkämen. Die Behörde hielt eS endlich für ihre Pflicht, über diese Zusammenkünfte sich zu unterrichten. Die Mutter der Frau des Ziemcke, welche der Sache fern stand, regte diese Untersuchung zum Theil selbst an. Ziemcke gab offen über sein religiöses Leben Auskunft. Er hat früher zu der Secte der Taufgesinnten (Baptisten) gehört und hat endlich die Bekanntschaft eines Schneiders QuardocuS aus Bublitz gemacht, der früher auS einer Wiedertäufergcmeinde jener Gegend ausgestoßen war, weil er ein von einem Glaubensbruder ihm gegebenes Darlehen nicht zurückgezahlt hatte. QuardocuS scheint mit seiner Frau von Ort zu Ort gewandert zu seyn, um Gläubige sür eine „neue Lehre" zu gewinnen, deren Apostel er sich nannte. Er ist dann auf einem solchen Zuge zum Bauer Ziemcke gekommen und hat denselben für seine Religion gewonnen. Das „Gebet" ist die ausschließliche Beschäftigung dieser eigenthümlichen Secte gewesen, und sie soll zum Beweise sür die Schristgemäßheit dieses Cultus das Wort angeführt haben: „Betet ohne Unterlaß!" QuardocuS hatte die Ehrfurcht des Ziemcke in noch höherem Grade zu erwecken gewußt, als er ihn durch Händeauflegen von einer schweren Krankheit befreite. Diese Krankheit, welche keinen bestimmten äußern Charakter trug, hat wohl die Richtung des Ziemke entschieden. Er hat in ihr „Gesichter gesehen und Offenbarungen gehabt, M ^ , V » ,n ',?> > welche ihn dann auch später nicht verließen." Auch hat er „gefühlt, daß der Teufel in ihm tvsete und redete" — ergibt sogar in räthselhaften, dunkein Tönen die Sprache' desselben wieder —, aber er will den Kampf mit ihm bestanden haben. — Es bildete sich bald eine aus zwölf Personen, die bereits früher sämmtlich aus der eräug. Landeskirche ausgetreten waren, bestehende Gemeinde, von der Ziemcke rühmt, daß sie voll des Geistes gewesen sey und in fremden Zungen geredet und gebetet habe. Ziemcke hat aus diesen Sprachen manche Worte wiederholt, die ganz unverständlich klingen. Die Gemeinde hat sich in vier Missionen getheilt, welche in nächster Zeir nach den vier Weltgegenden hin die Lehre verbreiten sollten. Von Wichtigkeit für die Kenntniß des inneren Lebens.dieser Secte ist die Weise, in welcher Ziemcke seine Frau „bekehrt" hat. Die Frau hat sich ihm öfters genähert, er aber habe stets in ihr den Teufel erkannt und nach diesem geschlagen und geworfen. Da sey sie von ihm gelaufen, bald aber freundlich zurückgekehrt, der Teufel hätte sie verlassen gehabt und sie sey plötzlich bekehrt qewesen. Späterhin, als die Gemeinde gebildet war, trat unier ihr ein Schneider auf, der nach ihrer Meinung das geistige Amt der Teufeis- Austreibung , verbunden mit einer überwältigenden Kraft, besessen hat. Die „Betge- nossen<", wie sie genannt, lebten, obwohl auS verschiedenen Dörfern, in dem Hause des Ziemcke, das gewöhnlich verschlossen und dessen Fenster verhängt waren, und man fand sie späterhin in einem stark erwärmten Stäbchen betend am Ofen sitzen. Äm 20. v. M. in der Nacht verließ ein Wagen das Gehöft des Ziemcke, auf welchem sich schwerkrank der Maurer Quardocns aus Bublitz, der Bruder d'eS „Apostels", befand. Er wurde »ach einem Abbau bei Treblin im Rummelsburger Kreise gebracht und liegt noch jetzr darnieder. Sein Körper zeigt schwere Verletzungen, und die Bct- genossen geben zu, ihn „gezüchtigt zu haben, weil der Teufel in ihm mächtig gewesen sey." Die Behörde ist nun eingeschritten und hat in dem Hause des Ziemcke auch noch eine Leiche gesunden. Sie lag in dem Stäbchen, in welchem sich die Gemeinde befand, auf dem Bette und war stark angeschwollen und mit braunen Flecken bedeckt, übrigens längst erkaltet. Es ist der Bauer Koschuick aus Latzig. Die Mitglieder der Secte haben sogleich offen gestanden, daß jener 'wm Teufel besessen gewesen und deshalb von Gott gezüchtigt sey. Gott würde ihn aber auch wieder erwecken. Die Semrer sind arretirt, die Gerichte sind in Thätigkeit. Mit irgend einer anderen kirchlichen Gemeinschaft haben diese Leute in aar keiner Verbindung gestanden, — ein Umstand, welcher nach den entstellenden Nachrichten provinzieller Blätter noch ausdrücklich hervorgehoben werden muß. Die „Belgenvssenschaft" war sirenge von allen' andern Leuten abgeschlossen und bestand nur auS 12—15 Personen. HlkÄ mui'!^ m (szH^-?,gW V-ll't»zA, uz. )wllsL-ö.,!i»I Augsburg. Augsburg, 14. April. Um dem Vereine der heiliaen Kindheit, welcher schon seit einigen Jahren in unserer Diöcese Wurzel faßte, eine sichere Grundlage zu geben, trat hier ein provisorisches Comite zusammen. Dasselbe hielt es sür dringendste Pflicht, vor Allem diestm Vereine die vberhirtliche Anerkennung zu erwirken, und wandte sich deßhalb an unsern hochwürdigsten Herrn Bischof. Seine bischöflichen Gnaden geruhten unterm 13. April, diesen Regeln die vberhirtliche Bestätigung huldvollst zu ertheilen, und zwar in folgenden Worlen: „Mit freudiger Theilnahme ertheile ich den voranstehenden im edelsten Geiste gefaßten Regeln für den Verein der heiligen Kindheit die vberhirtliche Bestätigung für daö Biöthum Augsburg, und bitte den göttlichen Kinderfreund, daß er alle Mitglieder dieses Vereines auf seinen Pfaden erhalten wolle, damit sie seiner Verheißungen theilhastig werden." AugSdnrg, 13. April 1853. Peter Richarz, Bischos von Augsburg. (A. St.u. L.-B.) —.—>-^—>—>->---— B«r«mtwortl!cher Redacteur: L. Scheuche». Verlag« - Jrchaber: F. C. Kremer. Dreizehnter Jahrgang. Zonntags Beiblatt zur Augsburger PsstMtung. 1. Mai. 18. 1853. Dieses Blatt erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der halbjährige Abonuementspreis kr., wofür e« durch alle köulgl. bayer. Postämter und alle Buchhaudluugeu bezogen werdeu kaou. Etwas über kirchliche Heraldik. Zwar finden wir in keinem heraldischen Werke eine Einteilung der Wappenkunst in kirchliche und weltliche; dennoch geben wir unserer Abhandlung obigeu Titel, weil der Zweck derselben ist, die Wappen der Kirche zu erklären, d. h. Andeutungen über die Wappen des hohen und niedern Klcruö, der religiösen Gemeinden u, s. w. zu geben und zu zeigen, welchen Einfluß die Religion, die Kirche ans die Heraldik hatte. Der religiösen Begeisterung der Vorzeit verdankcn tie heutigen Wappen überhaupt ihren Ursprung Daß diese besonders zur Zeit der Kreuzzüge aufkamen, geht vornehmlich aus dem Umstände hervor, daß ihr Gebrauch fast bei allen christlichen Nationen zugleich aufing. Zur Zeit der Kreuzzüge wurden bekanntlich alle Gemeinen mit einem Kreuze bezeichnet, die Anführer erhielten als besonderes Abzeichen ein besonderes Kreuz, welches sie später zur beständigen Erinnerung an ihren Zug in ihrem Wappen führten. Die verschiedenen Nationen, welche sich an den Kreuzzügen belhei- ligten, unterschieden sich durch die Farben ihrer Kreuze. Andreas SylviuS Äarcia» nensis (gcl a. 1188) schreibt: ,M rex k>->nvme oum suis ruliess cruces, rex ^ngliae eum sui5 »Ilias, Lomes ?Ign«lri!N5>s cum 8vis viri«le8 sugcipiunt." („Und der König von Frankreich mit den Seinigen erhält rothe, der König von England mit diN Seinigen weiße, der Graf von Flandern mit den Seinigen grüne Kreuze",) Daher führen so viele europäische Fürsten Kreuze in ihren Wappen, daher kommt es auch, daß wir so mannichsaltige Arten von Kreuzen in den Wappen sehen. Die hauptsächlichsten Formen und Benennungen, unter welchen das Kreuz auf Wappen vorkommt, sind ungefähr folgende: 1) Das gemeine Kreuz, auch ausrechtes, gleiches, plattes Kreuz. Die Familie Alfst führte im goldenen Felde ein rothes gemeines Kreuz. 2) Das schwebende oder abgekürzte Kreuz, Die Pctschach in Oesterreich führen ein goldenes schwebendes Kreuz im blauen Felde. 3) Das Anker kreuz. Es ist au den vier Enden etwas breiter, als in der Mitte, ankcrförmig und gerundet, doch hat jeder der die Ruudung bildenden halben Cirkel wiederum in der Mit e einen kleinen Einschnitt. Die Markgrafen von Brandenburg führten wegen des Fürstenthums Camin ein silbernes Ankerkreuz im rochen Felde. 4) Das ausgerundete, Mantuanische oder Tatzenkreuz ist ein gemeines, an den vier Ecken ausgebogeneS Kreuz, Die Herzoge von Mantua führten im silbernen Felde ein rothes ausgerundetes, von vier gegen einander gekehrten Adlern begleitetes Kreuz. 5) DaS Gabel kreuz gleicht an den Enden einer Gabel. Die Truchseß von Kühlenthal führten im Felde ein schwarzes Gabelkreuz. 6) Das Kleeblattkreuz, Dreiblattkreuz, St. LazaruSkreuz ist an den Enden wie ein Kleeblatt geformt. 138 7) Das Krückeukreuz hat an den Enden kleine Querbalken. DaS Königreich Jerusalem hat im silbernen Felde ein goldenes Krückenkreuz mit vier kleinen Krückenkreuzen von demselben Metall. Das Wappen von Calabrien ist im silbernen Felde ein schwarzes Krückenkreuz. 8) Das St. Antoniuskreuz, bei welchem der Querbalken über dem Psahl steht, also ähnlich dem griechischen I. 9) Das hohe Kreuz, PassionSkrenz, ist stets schwebend und entweder ein schmales Kreuz oder ein Krcuzsadeu. DaS Wappen der Landschaft Wlodimirien ist im rothen Felde ein goldener gekrönter Löwe, welcher mit den beiden vordem Pranken ein silbernes hohes Kreuz hält. 11) Das St. Jacobskreuz ist ein hohes Kreuz, dessen drei obere Enden lilieusörmig ausgehen, dessen unterer Theil hingegen ausgeschweift ist und sich als Kugelstabkreuz in eine Kugel endigt. Solche Kreuze trage» die Ritter deS heiligen Jacob in Spanien. 12) DaS Malteserkreuz ist achteckig, scharf zugespitzt und hat zwischen je zwei Ecken einen starke» Einschnitt. Die Malteseiritter tragen ein solches Kreuz von Gold weiß emaillirt. " 13) Das Tolosanische oder Schlüsselring-Kreuz ist ausgebrochen und endigt sich in Gestalt eines dreieckigen Schlüsselrings. Die Grafen von Toulouse führten im rothen Felce ein goldenes, an jeder Ecke mit einer goldenen Kugel geziertes TolosanischeS Kreuz. 14) Das St. Katharinenkreuz ist eine Art Krückenkreuz und kommt sehr selten vor. 15) DaS Andreaskreuz, auch Burgundisches Kreuz genannt (weil die Könige von Burgund zu Ehren des heilige» Andreas ein solches im Wappen führten), hat die Balken überzwerg gekreuzt. Vom Patriarchenkreuz bei einer andern Gelegenheit. DaS Wappen der Kurfürsten von Mainz, welches ein vom ersten Kurfürsten Willigis < 1011—21) herrührendes Rad seyn sv!>, war wahrscheinlich ein Kreuz, welches mit einem Kreist umzogen wurde. Kur-Trier und Köln führten gleichfalls Kreuze. DaS Rad im Mainzer Wappen kommt auf Münze» zwischen 1230—49, und ans Siegeln erst 1294 vor. Der Kurfü'.st von Trier si-hrte wegen der Abtei Prüm im rothen Felde ein silbernes zunickschcndes Oster lamm, welches einen goldenen Kreis um den Kopf hat, mit dem rechten Fuß eine silberne mit einem rothen Kreuz gezeichnete Fahne trägt» uud auf einem Linien Hügel steht Auch der Bischof von Vriren hat im rothen Felde ein auf einem grüne» Hügel stehendes, vorwärts sehendes Osterlamm, welches mit dem linken Vorderfnße eine mit einem Kreuze gezeichnete Fahne trägt und um den Kops einen goldenen Cirlel hat. Die Familie Lemblein führt im Klanen Feloe ein rückwärts sehendes silbernes Osterlamm, welches mit dem linke» Voiderfiißc eine mit einem Kreuz gezeichnete silberne Fahne trägt. Auch Kirchenfahnen sieht man zuweilen auf Wappen, Sie sind mit dru Ringen uud ebenso vielen Korden an die Siangcn angehängt, niemals aber seitwärts au dieselben angenagelt. So z, B. führen die Fürsten von Fürstmberg Wege» der Grafschaft Werdenberg im rothen Felde eine silberne Kirchenfahne, und die Grafen von Montfort haben im silbernen Feld eine rothe Kirchensahne mit drei Ringen. > Nächst dem Kreuze ist der Löwe die gewöhnlichste Wappenfigur, woher auch das französische Sprichwort: „8i tu n'gs pss el'grmes, prencis I« Iicu>." Zur Zeit der Kreuzzüge entstanden die vielen Löwen, weil, wie man sagt, die Kreuzfahrer begierig waren, die Sarazenen wie Löwen anzufallen. Eben durch die Kreuzzüge kamen Viele orientalische Figuren in europäische Wappen. Das päpstliche Wappen ist eine dreifache Krone, worunter die zwei Schlüssel in Form eines Andreaskreuzes gelegt sind. Der rechte Schlüssel ist golden, der linke silbern. Die Schlüssel findet man auf päpstlichen Siegeln seit dem Anfange des vier- 139 zehnten Jahrhunderts. Früher wurden die Schlüssel auf den Schild gelegt, wie man dies auf päpstlichen Münzen und Denkmälern in Avignou und Rom sieht. Die dreifache Krone des Papstes bedeutet die dreifache Gewalt desselben über die streitende, leidende und triumphirende Kirche. Der Papst Bouisaz Vlll, hat zuerst ein Wappen gefiihrt. Die Familie Bapst von Bolsenheim führt in einem goldenen Schilde ein eingelegtes schwarzes Schild, in welch' letzterm das Brustbild eines (links sehenden) Papstes mit rothem Mantel, silbernem Kragen und einer silbernen Tiara auf dem Hanpte. Die Patriarchen führen doppelte Kreuze (Patriarchenkrenze, in Wappenbriefen Spanische Kreuze), bei denen der obere Querbalken kürzer als der untere ist, DaS Patriarchenkreuz ist aus Wappen immer schwebend; der obere Querbalken desselben mag von dem Zettel, auf dem die Buchstaben 5. k. ^ standen, seinen Ursprung herleiten. Der Knrfürst von Hessen führt u. a. im silbernen Felde ein rothes Patriarchenkreuz wegen der Abtei Hersfeld. DaS ungarische Wappen hat im rothen Felde ein silbernes Patriarchenkreuz. Der König von Polen führte wegen deS Großherzogthums Litchauen im rothen Felde einen geharnischten silbernen Reiter, der in der Rechteil ein bloses Schwert und in der linken einen blauen Schild mit einem goldenen Patriarchenkreuz hält und auf einem rennenden, gleichfalls silbernen Pferde mit blauem Zeug unv goldenem Hufeisen sitzt. Die Cardinäle setzen weder Kronen, noch andere Zierrathen auf ihre Wappen, sondern allein den Cardinalshut, an welchem etagenweise Qnasten herabhängen, und hinter dem sich Hirtenstäbe befinden. Jnnocenz IV. hat aus der 1245 in Lyon gehaltenen Kirchenversammlung den Cardinälcn rothe Hüte zugedacht , damit sie immer bereit seyen, ihr Blut für die christliche Kirche zu vergießen. Die Schnüre und Quasten hat Paul II. hinzugefügt; cS waren früher nur wenige, aber mit der Zeit mehrten sie sich. Gewöhnlich haben die Cardinäle fünfzehn Quasten. Seit dem Ende des fünfzehnten Jahrhunderts fügen die Cardinäle, und besonders die von niedriger Herkunft, daS Wappen des Papstes, der sie ernannt hat, dem ihrigen bei. Die Erzbischöfe haben grüne Hüte mit zehn, etagenförmig herahängenden Quasten und hinter den Hüten, wie die Cardinäle, Hirtenstäbe. Erst seit dem siebenzehnten Jahrhundert decken die Erzbischöfe und Bischöse ihre Wappen mit grünen Hüten, um die Cardinäle nachzuahmen. Die deutschen Erzbischöfe und Bischöfe waren die ersten, welche ihren bischöflichen und Stiftswappen ihr Geschlechtswappm beifügten; erst im zwölften Jahrhundert finden sich Siegel mit dem bischöflichen und Stiftswap- pen, und erst im dreizehnten Jahrhundert fingen die Erzbischöfe und Bischöfe an, ihr Geschlechtswappen beizufügen. Die Bischöfe haben grüne Hüte und sechs Quasten; auch führen sie einen Jn- sul. DaS Schwert, welches man bei bischöflichen Wappen oft sieht, ist das Zeichen der weltlichen Gerichtsbarkeit oder der Landeshoheit. Der Bischofsstab ist bei solchen Wappen links, das Schwert rechts unterlegt. Zur Zeit des Concils von Constanz fand man die Setzung des Schwertes und Bischofsstabes noch nicht Zwischen Schwert und Stab befindet sich die Bischofsmütze. Diejenigen Bischöfe nnd Prälaten, welche nicht zugleich Landesfürsten sind, führen nur den Stab allein. Zuweilen stehen zwei Stäbe schräg gegen einander, zuweilen beide aufrecht. Einige Bischöfe außerhalb Deutschland setzten, ob sie gleich keine Landesfürsten waren, dennoch daS Schwert, freilich mit über sich gekehrter Spitze, zur Linken des Schildes. Einige Heraldikcr wollen, daß die Stäbe der Erzbischöfe einwärts, d. h. mehr gegen den Schild, und die der Bischöfe mehr auswärts, d. h. von demselben entfernt werden sollen. In Deutschland führen auch jene Geistlichen, welche ansehnliche Stiftsämter bekleiden, als: Pröbste u. f. w, die Bischofsmütze. Das Stift Niedermünster führte im rothen Felde einen Bischofsstab mit dem auf dessen Mitte gesetzten silbernen lateinischen l>. Der im Speyerschen Wappen durch ein Castell gesteckte silberne Prälatenstab bedeutet die Abtei Weißenburg. 140 Die Aebte haben schwarze Hüle und drei Quasten. Nicht alle Aebte führen die Jnful, sondern nur diejenigen, welche eine Jurisdiktion haben, oder sonst vom Papste dazu berechtigt sind; in Frankreich nannte man früher solche Aebt: „^IMs miti-65" Die Aebte, weiche weltliche Jurisdiciion hatten, führten auch das Schwert. Gleich den Erzbischöfen und Bischöfen führten die Aebte früher daS Stiftswappen allein; im dreizehnten Jahrhundert vereinigten sic ihr FMnilienwappen damit. Nach d.n sieben Gaben des heiligen Geistes sollten sieben Kurfürsten seyn, drei geistliche, nämlich Mainz (Primas von Germanien und Reichskanzler), Köln und Trier, und vier weliliche, als Pfalz, Böhmen, Sachsen, Brandenburg (im fiebenzehn- ten Jahrhundert noch Bayern und Hannover, und in neuester Zeit Hessen-Kassel). Auf den Hüten der Kurfürsten sieht man einen oder zwei Bogen Perlen gestickt; zuweilen findet man selbst vier Bogen und der Kurfürst Friedrich Wilhelm von Brandenburg war der erste, der vier Pcrlenbogcn auf dem Kurhute gestickt hatte. Die deutsche Kaiserkrone, welche von der römischen verschieden ist, ist einer Bischofsmütze ähnlich, damit sie desto heiliger und ehrwürdiger erscheine. Der Reichsapfel war zuerst ein Majestätszeichen der römischen Kaiserwürde und gehört cigknilich nicht unter die Kleinodien des deutschen Reichs. Er wurde imm-> HoH »'i -- -- >'-' Vertreibung der Bater der Gesellschaft Jesu auS der Republik Ecuador. Die I suiten, durch ein Decret v, I, 1850 aus Neu-Granada vertrieben, hatten sich nach der Republik Ecuador begeben, wo sie mit Begeisterung aufgenommen worden waren und seitdem sich durch ihren Eiser die allgemeine Achtung und Zuneigung er- 143 warben; aber durch einen der unerwarteten Gegenstöße, wie sie in diesen schlecht gegründeten Freistaaten so häufig sind, wurde ihnen die gesetzgebende und vollziehende Gewalt seindselig. Das Zeichen zum Angriff wurde dadurch gegeben, daß gewisse Männer zur Gewalt gelangten. Den Sturm eröffnete die Presse, sodann wurden, nachdem die Geister genugsam erhitzt waren, folgende zwei Fragen der zu Guayaquil zusammengekommenen Nationalversammlung vorgelegt: 1) Ist die Gesellschaft Jesu der Republik Ecuador angemessen oder nicht, 2) soll man die Väter der Gesellschaft aus- treiben? Die erste Frage ward fast einstimmig bejaht, die zweite bejaht mit einer Majorität von 21 gegen 14 Stimmen. Folgeweise erkannte die Versammlung die Pragmatik Carls III. als noch immer giltig an und beauftragte die Erecntivgewalt zu den nöthigen Maaßregeln. Das Volk, welches in den Jesuiten die Lehrer seiner Kinder, die Leiter seines Gewissens, die Apostel seiner Religion liebt, welches es als ein Glück ansieht, wenn sie für seine geistige Besserung im Beichtstuhle und auf der Kanzel arbeiten, war in Masse zu der Versammlung geströmt, man befürchtete eine Demonstration zn Gunsten derjenigen, welche man entschlossen war zu verurtheilen, und trotz der Constitution, welche zu einem legalen Beschlusse Oeffentlichkeit der Sitzungen nnv eine dreimalige Probe verlangt, hat man bei verschlossenen Thüren in einer einzigen Sitzung berathen und abgestimmt, ohne, die geringste Rücksicht zu nehmen auf dreißig Bittschriften, welche mit mehreren Tausenden von Unterschriften bedeckt waren. Zu Guayaquil äußerte sich der Schmerz der Gläubigen durch ihren Zusammenfluß zum Hanse und zur Kirche der Gesellschaft, zu Guito und Jbarra war die Haltung des Volkes minder ruhig. Kaum war die Nachricht von dem Decret angelangt, als eine tobende Volksmenge das Haus der Gesellschaft umgab, erklärend, daß sie um jeven Preis sich ihrer Verbannung widersetzen würde. Es gelang nur dadurch den Aufruhr zu bändigen, daß man bekannt machte, die Exekutivgewalt habe noch keine Entscheivung gefaßt. Während die Jesuiten ihren ganzen Einfluß auwandten, das zu ihren Gunsten ausgestandene Volk zu beruhigen, hat die irreligiöse Presse es nicht versäumt, die populäre Bewegung, in welcher man bei geringer Aufrichtigkeit den Ausdruck der allgemeinen Gesinnung hätte erkennen müssen, den.Vätern zur Last zu legen. ES ist merkwürdig, wie dl>se Republikaner den willkürlichsten Act Carls III. verkündigen nnd zum Panier den despotischen Lappen nehmen, den die Decrete JsabellenS II. soeben zerrissen haben. Der spanische Consul hat die Jesuiten in ihrer Eigenschaft als Spanier unter seinen Schntz genommen; er hat sich berufen auf die Staatsverfassung von Ecuador und auf die Verträge dieser Republik mit Spanien, und so bewirkt, daß die Entschließung der Erecntivgewalt ausgesetzt wurde. Nach den neuesten Nachrichten hat die Regierung den Jesuiten vorgeschlagen, freiwillig abzureisen, und sich erboten, die Kosten der Reise bis zu deren beliebigem Ziele zu bestreiken und ihnen passende Pension ;u bezahlen bis zum September 1853, wo der Congrcß von Neuem sich versammeln soll, um definitiv über diese Angelegenheit zu entscheiden. Nun schreibt der „Pauamar Star" vom 8. Jannar: ;,Verflossenen Dienstag kam von Guayaquil zu Panama das ccuadorische Kriegsschiff Hermosa Carmen mit einer Ladung von 32 Jesuiten, welche von der Regierung von Ecuador aus der Republik ausgetriebeu waren, an. Wir vernehmen, daß sie dem Gvnvernenr von Panama zugewiesen waren mit dem Befehl, sie über die Landesgränze zu bringen und sie aus dem Lande zu verbannen mit aller wünschenswerthen Raschheit und Sorge. Man sagt, daß den Jesuiten bei ihrer Ankunft amtlich bekannt gemacht wurde, daß sie auS- steigen dürften, daß sie aber unter Aufsicht der Polizei während ihres Aufenthalts zu Panama seyn würden und daß dieser nur 24 Stunden Dauer haben dürfe. — Sie antworteten, daß sie dem Gesetz keinen Widerstand zu leisten hätten, aber daß, wenn der Gouverneur sie als Gefangene behandle, er sie unter Ketten und gute Bewachung zu stellen habe. Man befolgte dieses, und die Jesuiten stiegen vom Schiffe am Nord- ihor, eSkortirt von Soldaten und Polizeimännern, und wurden also auf daö Rath- 144 Haus geführt, wo ihr Erscheinen einige Sensation erregte. Um 2 Uhr Nachmittags wurden sie zum Collegium geführt, wo sie von Seiten der Behörde alle Aufmerksamkeit erhiciten, die man ihnen mir Rücksicht auf die Umstände erweisen konnte. Gestern Morgen ging die f,anzc Gesellschaft nach Cruces ab unter der Aufsicht eines Beamten der Regierung, wir bemerkten aber keine militärische Begleitung " Die Jesuiten haben in der Republik Guatemale, wohin sie 1850 durch ein feierliches Votum der Legislatur berufen worden, mehrere Niederlassungen, die sich in sehr blühenden Umständen befinden. Ebenso haben sie neuerdings eine Residenz zu Balize, einer englischen Kolonie am Ocean, von England erworben aus den Trümmer» des Staates Honduras, gegründet. Dorthin werden sich wohl die Vertriebenen begeben. Da der französische Consul von Montholon in Guyaquil neuerdings beleidigt wurde, wäre eS nicht unmöglich, daß Frankreichs Strafmaaßrcgeln den Sturz der demokratischen Negierung herbeiführten und so derselben die gerechte Strafe auch für ihr Benehmen der Kirche gegenüber widerführe. Spanien. Der Bischof von Cadir, Algesiras Jakob AppolinariS Morcna, mit dem Ordensnamen ?. Dominicus de SiloS, aus dem Benedictinerorden starb in einem Alter von 82 Jahren. Im Jahre 1824 erfuhr er eher seine Ernennung zum Bischof von Cadir, als ihm die Erledigung dieses BislhumS bekannt war. Seine Hingebung und sein Gehorsam überwanden seine Bescheidenheit; am 3. August 1825 biclt er seinen Einzug in seine Diöcese. Bei der Einnahme von Cadir durch die Franzosen wurde er zum Ritter der Ehrenlegion ernannt, und die spanische Regierung verlieh ihm das Großkreuz deö Ordens Jsabella'S der Katholischen und Carl UI. Aber trotz Ebren- stellcn und Auszeichnungen starb der Bischof von Cadir als ein armer Mönch, denn alle seine Einnahmen verwendete er für die Kirche und die Armen. Neben der reichen Tomkirche, welche der verstorbene Bischof bauen ließ, erblickt man ein altes HauS, welches zur Halste Ruine ist. Im Innern sieht man keine Kostbarkeiten. Das einzige Meubcl, welches man bemerkt, ist ein Lehnstuhl, ein Geschenk der Stadtbehörden von Eadir. Der liebreiche Prälat vertheilte nicht allein sein Geld unter die Armen, er gab sogar seine nothwendigsten Kleidungsstücke an die Armen hin. AIS ein Kaufmann von Cadir bemerkte, daß er ganz abgetragene Kleider trug, ging er nach Hause, holte neue Kleidungsstücke und brachte sie dem ehrw. Bischöfe und sagte ihm: „Ich schenke Ihnen diese Kleider nicht, sondern gebe sie Ihnen bloß zur Nutznießung." Der Kaufmann wollte ihn so hindern, die Kleider den Armen zu schenken. — Cadir verdankt seine schöne Domkirche seinem Bischvse. Es war dieses kein kleines Unternehmen in einer Zeit, wo man das Geld mehr zu industriellen Unternehmungen verwendet, als zu Werken, welche sich auf Gott beziehen. Der Bischof war Direktor, Verwalter, Auiseher über Alles, seine Einkünfte und die Almosen der Gläubigen errichterm die Mauern des h. Tempels. Alle becherten sich, den Wunsch ihres Bischofes zu unterstützen, die Einen schenkten Steine, die Andern Holz, wieder Andere Eisen, auch die Aennsten legten ihr Scherflein in die Baucasse. Eines Tages kam Dc Leto, ein VerwandNr des Bischofes, zu ihm und sagte: „Wir haben kein Geld mehr, die Arbeiten müssen aushörcn." Der Bischof antwortete: „Keineswegs, wir müssen im Gegentheil fortfahren, Gott wird schon sorgen." Am folgenden Tage empfing der Bischof von einer Dame, welche unbekannt bleiben wollte, ein Geschenk von 20,000 Realen. Man trug ihm das Erzbisthum Seoilla an, aber er wollte sein Bisthum nicht verlassen; er verschmähte Ehrenbezeugungen, Reichthum, Lobsprüche, und besiegelte sein musterhaftes Leben mit einem Testament, welches in Gold verdiente abgedruckt zu werden. Einen solchen Bischof verlor die Diöcese Cadir, er wird von Allen als ein Vater beweint. . Verantwortlicher Redacteur: L. .Schönchen. Verlags - Inhaber: F. C. Krem er. Dreizehnter Jahrgang. Sonntags Beiblatt zur Augsburger Pojheitung. 8. Mai. ^V>- IS. 1853. . ___ Dieses Blatt erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der halbjährige Abonuemeutsprets 50 kr., wofür e« durch alle köulgl. bayer. Postämter und all« Buchhaudluugeu bezogen werde« kaun Religiöse Zustände in Ungarn. Ein Korrespondent des „Salzburger Kircheublatleö" entwirft ein erfreuliches Bild von der Entwickelung deö religiösen Lebens in Ungarn, dem wir die folgenden Miilh-ilungen enniommen habe». Je größer das Juteresse ist, welches die neueste Geschichte diesem Lauve zugewandt, je irriger die Vorurtheile sind, welche man sich vielfach über dieses Land gebildet hat, desto willkommener werden hoffentlich diese Nachrichten seyn; sie eröffnen unö einen Blick in die innern Verhältnisse dieses Landes. Daß Ungarn vor der Revolution in religiöser Beziehung sehr tief versuukeu war und darin auch zugleich ein Grund mit für jene revolmionären Vcrirrungen und die Hingabe an einen Menschen, wie Kossnlh, zu suchen ist, kann Niemand in Abrede stellen, welcher mit den Zuständen jenes LanvcS bekannt ist. Auch kann sich erst allmälig, nachdem die äußere Ordnung wieder hergestelli ist, ein festes politisches und religiöses Fundament bilden, um daraus die Zukunft dieses von Gott so reich gesegneten und so traurig versunkenen Landes zu bauen, und für den Anbau eines solchen Fundamentes sind erfreuliche Hoffnungen vorbanden. „In Ungarn," so schieibi der Korrespondent, „ist in Wahrheit ein Besserwerden zu bemerken. Gar traurig sah es in dieser Hinsi>tt vor dem Jahr 18-48 aus. — Die Protestanten, obwohl in der Minorität, traten überall kräfiig auf, hatten nntcr ihren Kämpfern viele Laien, — die Kaiholiken waren entweder stumm, oder halfen überall ihre Religion und Kirche, am meisten aber die Diener der Kirche schmähen und herabwürdigen. DüS zeigte sich an, meisten in der Ocffcntlichkeit, da hätte Montalcmbert, der Kämpfer deö Rcpräsentaliv-Systems, auch scheu köunen, wie der ParlameniiömuS das ki chliche Leben tövtet. — Bei unsern Landtagen hatten wir unter eiu paar Hundert Abgeordneten kaum zwei (?), die sich bei den Verhandlungen der Rechle der Kirche angenommen haben. Was konnte da der KleruS — was die Bischöfe lhun? ihre Stimme war mit sehr wenig Ausnahmen vox clinnantis in cieserto, und nicht einmal immer das, denn den Rufeuden in der Wüste läßt man wenigstens sprechen, — aber kaum stand da Einer auf für die Kirche, cder wollte dem Conser- vatisvuö die Lanze brechen, so donnerte ihm das schmähliche dahulc (hören wir) meist von der famosen Galerie so lange entgegen, bis er, dic Unmöglichkeit durchzndringen einsehend, mir Wu h seinen Sitz einnahm, so und nur unter solchen Umständen konnten mauche famose Gesetze durchgesetzt werden, die jetzt durch die Gerechtigkeit der Regierung theils cassirt, theils aber nach Möglichkeit modificirt werde», um der Religion und Moralität weniger verderblich zu seyn. — Man hat in der neueren Geschichte der ungarischcu Landtage kein einziges Beispiel, kein einziges Gesetz, welches mich nur a>ö kleinster Beleg für den GerechtigklitSsinu der zweihundert Gesetzgeber gegen die Millionen Katholiken dienen könnte. — Wie eö in der Ocfsentlichkeit war, so war eS größtcntheils im gesellschaftlichen Leben, eS gehörte größtcntheilS zum don wn, die Kirche und ihre Diener lächerlich zu machen, und dies gar oft auch in Gegenwart der Diener der Kirche, — die hoffnungsvolle, aus den Schulen herauSgekommene Jugend brüstete sich mit ihrem Unglauben, selten wagte es einer, in Gesellschaft ein Wort für den Glauben — ein Wort der Vertheidigung zu führen. Jetzt fängt es an anders zu werden — man schämt sich nicht mehr, Katholik zu seyn unter den Millionen von Katholiken; man spricht mit Schonung und Verehrung von der Religion; die Angelegenheiten, die Rechte der Kirche, ihre Lebensäußerungen fangen an auch die Laien zu intcressiren. — Früher hätte sich wohl schwerlich ein Laie von Ansehen gefunden, wie jetzt Graf S-efan Ksrolyi, der sich an die Spitze deS Vereins zur Verbreitung guter Bücher — jetzt Verein deS h. StefanuS — gestellt hat. — Oben- genannter Verein zählt schon unter seinen Mitgliedern viele Laien. Die bereits eingeführten Volk^missionen, die Jesuiten, wären früher ein Schreckbild gewesen, und jetzt werden selbe auch von den Weltlichen — freilich nicht von Allen — als nothwendige Mittel angesehen, dem Unglauben, der Unsiitlichkeit zu steuern. Zur Weckuug der Religiosität hat mit beigetragen, daß die Behörden dem öffentlichen Gottesdienst bei- spiclvoll beiwohnen. — Trefflich war die Bemeikuug, welche neulich ein schlich-er Bürger vor mir machte: „Jetzt sagte er, da auch die Herren die Kirche besuchen, hat der Kaiser gezeigt, daß die Religion nicht blos sür die Bauern ist." Hat der Geistliche jetzt eine Klage zu führen, so wird ihm auch Recht gesprochen, wo früher, wenn eine Klage zu den Comitats-Versammlungen kam, der Geistliche gewöhnlich abgewiesen wurde, und diese sciiuselige Stimmung herrschte nicht nur in jenen Comitaten, wo die Bevölkerung gemischter Religion ist, sondern auch in den rein katholischen. Selbst in dem Graner Comitat, dem Sitze des Erzbischofes, der zugleich erblicher Odergespan dieses ComilalS war, selbst in diesem Comitat, wo dem Klerus der größte Einfluß zu Gebote st.md, wo selber zahlreich nprüsentirt war — selbst da mußten sich in den Versammlungen die Geistlichen gar oft die größten Beleidigungen sagen lassen, mußten mit Schmerzen sehen, wie die feindlichen Aeußerungen unter Triumphgefchrei der bestellten Menge aufgenommen wurden. Was in Ungarn am meisten der Entfaltung deS kirchlichen Lebens hinderlich war, das war die Abwesenheit aller Bischöfe und meist der ausgczeichnelen Domherren von ihren Tiöcesen, welche manchmal durch's ganze Jahr das traurige Geschäft hatten, bei den Landtagen den Elucubrationcn gegen die Kirche und Staat beizuwohnen, ohne dem Uebel abhelfen zu können .... Die Diöcese mußte die Gegenwart der Oberhirten entbehren. Daß bei solchen Umständen anch der trefflichste Oberhirt seiner Diöcese nicht die nöthige Sorgfalt schenken konnte, ist leicht zn errathen. — Wenn kein Landtag war, so waren Comitats-Versammlungen; wurden selbe dort, wo der Bischof seinen Sitz hatte, abgehalten, so war der Bischof gar oft genöthigt, die patres I>striav, die beim grünen Tisch recht fleißig gegen Kirche und Geistlichkeit donnerten, nach der Sitzung in gliunclgritm zu bewirthen, that er's nicht, so wurde er als geizig ausgeschrieeu. Jetzt ist eS anders, die Bischöfe, immer in ihren Diöcescn anwesend, werden in alle, auch die kleinsten Bedürfnisse ihrer Diö- cesauen eingeweiht, mit dem Klerus vollkommen bekannt und mit dem Volke vertraut; und wenn auch von Zeit zu Zeit ein oder der andere Bischof durch den Monarchen nach Wien berufen wird, so weiß man und ist dessen sicher, daß das zum Wohl der Kirche und zn ihrer Verherrlichung geschieht, — wie dies so eben jetzt bei dem Fürst- Primas, dem Erzbischos von Kolocsa u. A. der Fall ist." „An der Spitze des ungarischen Klerus steht der Fürst-Primas. — Unter traurigen Uinständcn"l)at selber die Leitung der katholischen Kirche in Ungarn übernommen. WaS er seil einigen Jahren für das Wohl der Kirche geleistet hat, ist allgemein bekannt. Man weiß wirklich nicht, was man bei diesem Kirchenfürsten mehr bewundern soll — ob seine rastlose, Staunen erregende Thätigkeit, oder seinen heiligen Eifer in Belebung des Glaubens und kirchlichen Lebens, ob seine bcispielvolle Herablassung und Frömmigkeit, ob seine Mildthätigkeit oder seine unbegrenzte Liebe znr Schuljugend, ob seine Pünktlichkeit in der hohen Leitung der kirchlichen Angelegenheiten, oder seine liebevolle Behandlung derjenigen, die zwar geirrt haben, die aber den Fehler einsehend, 147 zu ihm Zuflucht nehmen. — Ich führe hier von seinen vielen Verdiensten nur das große katholische Gymnasium zu Tyrnau an, welches durch ihn in'S Leben gerufn wurde. Dieses gehört, obwohl kaum entstanden, bereits zu den besuchtesten Gymnasien des Landes, eS zählt 115 Convictoren, d. h. solche, die im Institute mit Kost und Quartier versehen sind, und bei 200 andere Schüler, welche in der Stadt wohnen und im Institut- die Vorlesungen besuchen. Eine gewisse Partei hat jwar nicht unterlassen, die in Tyrnau bereits eingeführten Jesuiten, die allenfalls bei dem Unterricht in Gymnasien einen Einfluß haben konnten, als Schreckbild vorzuschrieben, um so die Eltern vielleicht abzuhalten, ihre Kinder in daS Gymnasium zu schicken, aber dieses Mittel, früher von drastischer Wirkung, blieb erfolglos, und macht jetzt keinen Effekt mehr. — Auch die andern Oberhirten sind von der Wichtigkeit ihres Amtes durchdrungen, die mit Freuden begrüßte Zeitschrift „Religio" bringt in jeder Nummer Belege des herrlichsten apostolischen Wirkens unserer Bischöfe. — Dem Beispiele der Oberhirten folgt gerne der KleruS, überall ist jetzt mehr innige Anhänglichkeit an den Oberhirten zu bemerken. Die trostlosen Nachrichten, es kabe dieser oder jener aposta« sirt, werden nicht mek)r gehört und erfüllen uns nicht mehr mit Wehmuth. — Für die Volksschulen sind bereits die meisten Schulbücher herausgegeben, und zwar die für die katholischen Volksschulen bestimmten in ächt katholischem Geist. Jedes Lehrbuch ist, bevor selbes als Schulbuch eingeführt wurde, den hochw. Herrn Bischöfen zur Durchsicht unterbreitet worden, was gewiß ein hinreichender Beleg ist, wie die Regierung von der heiligen Ueberzeugung durchdrungen, Religion sey die festeste Stütze deS Thrones, nur in dieser allein die Bürgschaft einer bessern.Zukunft sieht. AuS diesem, von mir im allgemeinen entworfenen Bild, kann man ersehen, daß Jeder, dem die Kirche und ihr Leben am Herzen liegt, von freudigem Gefühl durchdrungen sagen muß: Gott sey Dank, eS ist für die Kirche besser, wie eS früher war. — Ich will damit nicht sagen, daß wir schon ganz zufrieden seyn können. — O nein, eS fehlt noch gar Manches; doch so Gott uns seinen heiligen Frieden schenkt, wird sich das Wirken der Kirche mehr und mehr offenbaren. — Aber auch Sorgen haben wir, und eine der ersten ist der Mangel an Priestern, besonders in der Graner Diöcese. Die Revolution hat die Zahl der Alumnen sehr gelichtet. — In der Diöcese sterben jährlich zwischen 20 — 30 Priester, und eS werden nur 1? bis 15 geweiht. Wenn die Ordens-Brüder des h. Franziscuö nicht zur Aushülfe in der Scelsorge da wären, so wäre der Mangel an Priestern bereits sehr drückend, denn auch so sind bei 20 Kapla- nenn in der Diöcese unbesetzt. Auch ist bei der Kloster - Geistlichkeit in Zukunft ein Mangel zu befürchten. — Wegen deS strengen Studien-Planeö und der großen Theuerung sind die ärmeren Eltern kaum mehr im Stande, ihre Kinder in die höhern Schulen zu schicken. Die Plansten und Benediktiner haben zwar mehrere Schulen verloren, doch ist selben hinsichtlich deS Unterrichts noch immer ein schöner Wirkungskreis gegeben, — mir wäre eS gut, wenn die Professoren dieser Orden wo möglich besser gestellt wären. Wir sehen der Regulirung der Klöster, mit welcher der Fürst-PrimaS von Sr. Heiligkeit betraut wurde, mit Sehnsucht entgegen. Wir wünschen Alle, daß der Allmächtige den Primas bei dieser großen Sendung, welche für die Kirche die ersprießlichsten Folgen haben wird, stärken möge. Indem wir überzeugt sind, daß die Betreffenden dem apostolischen Visitator überall mit Liebe und großem Vertrauen entgegen kommen werden, können wir an einem glücklichen Resultat durchaus nicht zweifeln." Mission in der Oberpfalz. Hirsch au in der Oberpsalz, 12. April. ES wird vielleicht den verehrlichen, Lesern Ihres vielverbreiteten Blattes nicht unangenehm seyn, auS einem amtlichen Berichte über die hier durch drei Priester der bayer'schen KapuzincrordenS - Provinz abgehaltene geistliche Mission nachstehende Mittheilungen zu vernehmen. Dieselbe begann am 2. l. MtS. mit kurzer Anrede an die Hochwürdigen Missionäre ?. Franz BorgiaS, ?. PatriziuS und ?. Ephrem, worin selbe dem in der Kirche ver- 143 sammelten Pfarr-Volke vorgestellt, dieses zum Vertrauen und zur liebevollen Hingebung an jene ermahnt und denselben sowohl die vbcrhiitliche, als auch psarrliche Vollmacht feierlich übergeben wurde; ferner mit feierlicher Anrufung des heil. Geistes und endlich mit von einem der Misstonäre gehaltener Einleituugsrede, welche durch ihre Herzlichkeit die Zuneigung aller Anwesenden den MissionSpriestern gewann. Am 3. und 4. d. Mts. wurden täglich vier, unv vom 5. bis zum 1V. täglich drei Predigten, die sechs Standeölchren eingerechnet, gehalten. In allen Vortragen war der Magistrat in einem eignen Stuhle repräsentirt; öfter wohnte derselbe in ganzer Anzahl seiner Glieder bei. Jedesmal war die sehr geräumige Pfarrkirche fast znm Erdrücken mit Andächtigen gefüllt; dreimal zwang die Menge dieser den Pr.digtstuhl im Freien aufzuschlagen. Abgesehen von den Paro- chiancn, wooon die größere Mehrzahl allen Voiträgcn täglich beiwohnte, strömten auö weiter Umgegend täglich 3—400U, und einigemal noch mehrere herbei, um Hörer dcö heil. Wortes zu seyn, daS von jidcm der drei Missionäre ohne Unterschied, mit aller Würde. Kraft und Gewandtheit auS den reinsten Quellen, nämlich der heil. Schrift, den AuSsprüchen der Kirche und der heil. Väier, auö der Geschichte, aus der eigenen und fremden Erfahrung und Vernunft schlagend begründet wurde. Die begeisterte« Redner hielten sich durchgchendS an den durch den heil. JgnatiuS von Lojola bezeichneten Gang. Wie konnte eö da wohl anders kommen, als daß sie Jedermänniglich (die oft in bedeutender Anzahl zuhörenden Weltpriester eingerechnet) nicht bloß zufrieden stellten, sondern auch tiefest erschütterte», zerknirschten, belehrten, erbauten und zn den heilsamsten Entschließungen begeisterten? A>S Beleg für diese Bebauptung mag folgendes dienen: Vom 3. Tage der Mission an, da die sakramentalischen Beichten begannen, waren die Beichtstühle der Missionare vom frühesten Morgen bis zum spätesten Äbende förmlich belagert, und nicht blrß die der Missionäre, sondern auch die der Wellpriester, welche treulich mithalfen, die Menge der Reuigen zu befriedige». Sehr oft begegnete «S, daß ein Beichtvater 5 — 6 Lebcnsbeichten in ununterbrochener Folge aufzunehmen hatte. Als am 10. Abends die Missions-Octave mit feierlicher Prozession durch die Stadt sich schloß, waren noch so viele, selbst der zur Pfarrei gehörigen Pöwtenten übrig, daß der ganze nachfolgende Tag und der heutige Mvrgen den nach Aussöhnung mit Gott sich Sehnenden gewidmet werden mußte, was die ehrwürdigen Missionäre auch mit größter Freude und zur allgemeinen Erbauung thaten; daher sie denn auch erst vor etlichen Stunden vom Schauplatze ihres 10 Tuge anwählenden Wirkens scheiden konnten. Aber welch ein Scheiden war dieses? Schon gestern stattete der gesammte Ma- gistrat mit Beizichnng der GcmeindcbevoUmächtigten im festlichen Anzüge uuv im Namen der Gemeinde den Scheidenden den gernhrtesten Dank ab, und hernach und heute, bis zum Einsteigen in den Rcisewagen war wohl kein Kind dahier, welches nicht kam, um unter heißen Thränen den ehrwürdigen Priestern die Hand zu küssen uud durch jeue, mitunter auch durch herzliche Worte die Gefühle dcö Dankes und des HerzenS- weheS wegen der e-llzufrühen Trennung von den Liebgewonnenen zu äußern. Kein Auge der Kinder blieb trocken; auch greise Männer weinten, wenn sie zum persin- lichcn Abschiednehmen von inniger Liebe herbeigedrängt wnrden. Daß unter den Vorträgen selbst zahllose Thränen flössen, wird sich wohl von selbst verstehen; während mehrerer entstand ein so allgemeines Schluchzen, daß daS gepredigte Wort unvcr- nehmbar wurde. Obgleich die Mehrzahl der Gemeindeglieder wenig mit zeitlicher Habe gesegnet ist, so kamen doch Viele, welche kleine Geldgeschenke den Missionären anboten; uud als diese standhaft zurückgewiesen wnrden, so wurden Leinwand, Taschentücher n. d. gl. aufgedrungen oder heimlich in die Wohnzimmer der Verehrten hinterlegt. Einer der Abschiednehmer, ein sehr vermöglicher Bürger, beihencrte, er wolle allsogleich L00 fl. hinterlegen, wenn man verbürgen könne, daß damit nach fünf Jahren die Wohlthat einer ähnlichen Erneuerung abermals seinem Vaterorte werde möglich gemacht werden. 149 Obgleich bei den Vorträgen die Protestanten weder im Namen, noch im Dogma berühmt wurden, so scheinen dieselben dennoch nicht theilnahmlos geblieben zu seyn. Heute Morgens lief das briefliche Ansuchen eines protestantischen Zeitun^S-RcdakteurS e?n, ihm eine Schilvernng der nun beendigten Missivnsfeier zu fertigen und zuzusenden. Ein prolcstantischer Jüngling hat schon sowohl vor dem Unterzeichneten, als mich wiederholt vor einem der Missionäre seinen Willen erklärt, sich in die katholische Kirche aufnehmen zu lassen. Die übrigen Protestanten dahier, zehn an der Zahl, haben, wo nicht allen, doch den meisten der kirchlichen Borträge beigewohnt, und auch ihnen sind in der Kirche und noch nachher zu Hause und beim zufälligen Befragen häufige Thränen entqnollen. Langjährige Feinde söhnen sich auS; selbst ein Jude mit einem seiner Widersacher; Kinder baten ihre Eltern uud Ehclcuie einander um Verzeihung; fremdes Gut wurde bereits manches zurückgestellt; unreine Verhältnisse werben aufgegeben, die -rnstesten Entschüsse gefaßt, Gelöbnisse ausgesprochen; daö scicrlich eingeweihte MissionSkreuz, welches im Herzen der Stadt sich befindet, wird zahlreichst besucht, auch Opferwilligkeit für kirchliche Bedürfnisse hat sich schon in bedeutend hohem Maaße bethätigt. Aber werden die Vorsätze, Versprechungen, Gelöbnisse zc. gehalten und ausgeführt werden? DaS gebe Gott! Wir aber wollen hoffen, daß die hoffnungsvollst bestellte Saat gedeihe und die erfreulichsten Früchte bringe. . , Die Missionäre sprachen sich über die große Empfänglichkeit der Oberpfalzer für herzliche Vorstellungen und gründliche Belehrungen oftmal aus. Obgleich man dem Obcrpfälzer die Versunkenheit in sein kleines irdisches Gethu gerne zum Vorwürfe macht, so haben doch alle Einwohner von hier und der weiten Umgegend heiligen und großen Sabbath gefeiert, ihre Dienstboten ihn mitfeiern lassen und der hiesige Stein- gulsabrikbesitzer Jos. Dörfner hat seinem Personale sogar verboten, von den öffentlichen Andachten ferne zu bleiben. Sey es auch, daß es den finstern Mächten gelingen wird, nach und nach wieder Wege in die Gemeinde zu finden, so wird doch so viel als gewiß ausgesprochen werden können, daß die hier abgehaltene Mission im unverwüstlichen Andenken werde erhalten und daß dieselbe als ein großartiges Lokalereigniß auch noch von den Enkeln werde begrüßt werden. Ueberdieß ist und bleibt eö ein großes Ereigniß in der bayer'- schen KapucinerordenS-Provinz. Nun ist die Bahn gebrochen, auf welcher die sähigern Mitglieder dieses volks- thümlichen Institutes (wir verdanken dessen Wiederherstellung dem erhabenen Könige Ludwig) die segenreichste Wirksamkeit von nun an haben werden. Sicherlich wird der erste Ruf, den der Unterfertigte mit großer Schüchternheit, jedoch aus Drang schuldiger Dankbarkeit zu machen sich erlaubte, nicht auch der letzte seyn. An einem armen Sohne des armen seraphischen Franziskus predigt ja nicht bloß die Zunge, sondern auch das ganze Aeußere. Nebst dem ist der Kostenpunkt gar sehr erleichtert. Wohlthuend war die schon in der Einleitungspredigt gemachte Erinnerung, daß vor zweihundert Jahren ein unter den Seligen verehrtes Mitglied dcS Kapuciner- ordens, nämlich „Leonardo von Brindisi" vor 200 Jahren bußepredigend die Oberpfalz durchwanderte. Bei der Schlußpredigt wurden durch die Erinnerung an die segensreiche Wirksamkeit, welche jener Orden seit der Rückführung der Oberpfalz in den Schooß der heil. Kirche an vielen Stationen bis zur Säkularisation 1802 hatte, die wehemüthig- sten Gefühle und sehnsüchtigsten Wünsche rege gemacht. Erschütternd war auch der als Nachfeier für die aus der Pfarrei Verstorbenen, aber noch nicht völlig gereinigten Seelen veranstaltete feierliche Gottesdienst mit Predigt und Requiem. So weit geht die Liebe nur der katholischen Kirche. Noch ist beizusetzen, daß das pfarrliche Ansehen, welches nach vorgefaßten Meinungen Einiger durch Abhaltung von Missionen geschwächt wird, nicht im Geringsten hier Schaden gelitten habe. Nicht mir von den Vätern und Vertretern der Stadt, sondern schon tausendmal auch von andern Leuten aller Stände, wurde dem Unter- 150 fertigten der feurigste Dank gezollt für Berufung und Veranstaltung. Es wird aber der Berufende in dem, was er gethan, wohl sein ganzes Leben hindurch und selbst auf seinem Sterbebette den süßesten Trost finden. Möge der Allwissende ihm seine That in Abrechnung für Vieles anrechnen, waS er zu bereuen hat. Schließlich spricht der Unterfertigte in seinem und seiner Gemeinde Namen nicht nur den obenbczeichneten ehrwürdigen Missionären, sondern auch der gesummten Ordens-Provinz und deren- Hochwürdigcn Vorständen den maaßreichsten Dank aus, bittet angelegentlichst um eisrigcS Beten für Erlangung der gnadenreichen Fortdauer des unverkennbar tiefsten Eindruckes, welchen die heil. Mission durch Gottcö Hülse gemacht hat, und besteht mit gebührender Hochachtung und Verehrung Einer Hochwürdigen Kapuziner-Ordens-Provinz dankschuldiges Pfarramt. Kotz, Stadtpfarrer. Eine barmherzige Schwester. Schwester Placida, geboren im I. 1762 zu Toul in Lothringen, trat mit ihrem 19. Jahre in den Orden der barmherzigen Schwestern des heil. Carl Borro- mäus ein, und nachdem sie ihre Novizen-Jahre im Hospitale zu St. Diey zurückgelegt, legte sie im I. 1'<84 im Mutterhause zu Nanzig (Nancy) ihr Gelübde ab, um zur Freude der Schwestern nach dem ersteren Orte zurückzukehren. „Placida (wir werden uns abwechselnd der eigenen Worte der kurzen Biographie bedienen, die vor uns liegt) war eine seltene Natur, die unter dem Einflüsse der Gnade sich herrlich entfaltete. Kraft und Anmuth war ihr Kleid, klein von Wuchs, erschien sie doch groß und im- vonirenv durch die festen kräftigen Züge ihres sonst milden Angesichtes und durch das klare beherrschende Auge unter der ewig heitern, offenen Stirn. Sie war besonnen wie eine Zögernde; entschlossen wie eine Verwegene; sie'war milder wie ein Kind, und stark gleich eincm Helden, und gegen das arme, arme Volk trug sie Erbarmen wie gegen eine Hirten- und weidelose Heerde." Inzwischen kamen die Stürme der Revolution, die Blut- und Gräueljahre heran. Selbst vor das stille Thor des Hospitals von St. Diey, sonst nur von Schaaren hülfesuchender Armen belagert, drang der Aufruhr. Eines TageS verlangt eine bewaffnete revolutionäre Bande die Auslieferung der Obcrin. Placida, die jüngste der Schwestern, öffnet das Thor, tritt hervor und ruft kräftig: „Nicht herein!" DaS Gesindcl weicht betroffen zurück, aber nur einen Augenblick; bald schämt es sich seiner Scheu vor einer wehrlosen Jungfrau, dräugt in die Thür, sucht nach dem Ziel seiner rohen Wuth, nach der Oberin. „Placiva folgt, sie hat kein Schwert, sie hat nur Liebe und Muth und Angst für die Mutter!" Diese erscheint, der Haufen umringt sie, da wirst sich Pladica dazwischen und fängt einen Säbelhieb, der auf jene gezielt war, mit ihrem Leibe aus. Er trifft und zerschmettert ihre Zähne, das Blut fließt von ihrem Angeflehte, — die Bande weicht zurück. Von da an wurden die Schwestern mit Achtung behandelt und nicht weiter verfolgt, auch ward ihnen die weitere Behandlung ihrer Kranken im Hospitale verstattet, nur heraus durften sie nicht kommen. Wachen wurden an die Thüren gesetzt, drei Monate lang wurden sie so wie Gefangene gehalten. Gott der Allmächtige hat dem Meere Riegel und Thür gesetzt und gesprochen: bis hierher sollst du kommen und nicht weiter, hier sollen sich legen deine stolzen Wellen. Aber der gläubigen Liebe hat er keine Schranken gesetzt. Und Menschen wollen ihr Thür und Riegel setzen? Sie wird dennoch ihren Weg finden. Das Hospital hatte einen unterirdischen AuSgang, Placida betrat ihn, wenn eS dunkelte, unerkannt, in den Kleidern einer gewöhnlichen Magd ging sie durch die Gassen der Sradt, von Hauö zu Haus, Kranke, wo sie deren wußte, zu pflegen, den Elenden Trost zu bringen, auf nächtlichen Pfaden Werke des Lichtes zu wirken. Mehrmals drohte ihr auf denselben Gefahr und Anfall, aber unter dem Schirm deö Höchsten, 151 der über sie wacht, entging sie stets den Händen der Ruchlosen. Selbst als der unter« irdische Gang verrathen und sein Ausgang besetzt war — im Augenblick, wo sie heraus« tritt, sie mit dem Geschrei: vive la röpuliliczuel überfallen wird, antwortete sie mit dem Rufe: vivs vieu! und entkommt glücklich. — Nun wird ein Preis auf ihren Kopf gesetzt, am FreiheitSbaumc soll sie aufgeknüpft werden, sobald man ihrer habhast wird, — sie läßt sich nicht schrecken. „Wie eine dem Tod geweihte Braut ging sie jede Nacht in das Heerlager des Todes, um ihm bald eine arme Mutter, bald ein einziges Kind zu entwinden." Jene „Freiheit," die mit gewaffneter Hand arme Ordensschwestern von den Krankenbetten abschließen mußte, jene Tyrannei der atheistischen Bestialität fand denn auch ihr Ende. Die Schwestern durften ihr mildes Amt wieder fortsetzen. Aber mit der Straßen-Revolution horte die Revolution in den Gesetzen noch nicht aus: beinahe alle Güter der milden Stiftung waren eingezogen, kaum für einen Tag noch reichte der Borrath. Wieder war cS Schwester Placida, die Hülfe schaffen mußte. Mit einem Sack um den Hals, den Stock in der Hand, wandert sie von Dorf zu Dorf, von Thüre zu Thüre bettelnd für die Armen Jesu Christi. Und reich kchr e sie jedesmal zu ihnen zurück; schon in wenigen Tagen hatte sie ihnen ein Einkommen von 6 00 Franks gesichert. Im Jahre 1807 starb die Oberin zu St. Diey. Placida ward ihre Nachfolgerin. Sie hieß fortan nur „die Mutter der Armen." Die ganze Umgegend kannte sie alö „die weise Schwester," von ihrer Geschicklichkcit in Anwendung und Bereitung der Heilmittel, die mit frommem Glauben acnommen, aus ihrer Hand um so sicherer wirkten. — Mehrmals während ihrer Borsteherschaft fand sie noch Gelegenheit, die Energie ihrer Jugend wieder aufzurufen. St. Diey liegt hart am Fuße der Vogescn, w» die Mosel aus rcrschiedenen GebirgSbächen zusammenrinnt. Eine plötzliche Wassersnot!), die die Straßen der Stadt überschwemmte, ergriff auch das Hospital, schon bestürmt die steigende Fluih auch die Kranken auf ihren Lagerstätten, droht die Betten hinwegzunißen. WaS ist zu thun? Placida ist auf dem Platze, die Pflicht der Liebe gibt ihrer Schwäche Kraft, sie nimmt den Siechen aus dem nächsten Bette auf ihre Schultern und tr.'gt ihn in Sicherheit. Alle Schwestern folgten ihrem Beispiele; so wenden die Bedrohten geborgen. — Eine andere noch stärkere Prüfung brachte daS Jahr 1813, jenes Ruhmesjahr für uns, für Frankreich ein Jahr schwerer Heimsuchung. Auch über den Rhein hinüber drangen die verheerenden Lazarethfiebcr, von denen unsere Eltern zu erzählen wissen, das Hospital zu St. Diey mußte in seine engen Räume mehr als 400 Kranke aufnehmen, von den Schwestern selbst warf der TyphuS eine nach der andern darnieder; endlich standen nur noch zwei unter der allgemeinen Niederlage aufrecht, und die eine von ihnen war — Placida. Es war — wie ihr Biograph bemerkt — als ob der Tod, dem sie schon in den verschiedensten Gestalten mit der g'eichen Unerschrockenheir begegnet war, sie zu respectiren gelernt hätte. „So steht sie nun mit einer Milschwester da inmitten so unermeßlicher Arbeit. Ihr Mu>h wird nicht gebeugt, sie legt sich mit ihren Schwestern vmrauuugsvoll an das Herz GolteS und entfaltet dann eine Thätigkeit, wozu nur eine so hohe Seele durch eine so entsetzliche Lage begeistert werden konnte. Die kranken Schwestern sind fast trostlos, daß sie ihrer Overin nicht beistehen können. Diese aber ist hier und dort, als ob sie sich vervielfältige, sie ist bei den Schwestern mit ihrem Troste, bei den kranken Frauen und Kindern und Männern mit ihrer Hülfe, bei Gott mit ihrem Bitten um Erbarmen mit so vielen Schmerzen: sie ist überall. Die Liebe ist ihre Speise des Tages und ihre Ruhe des Nachts." Wir kommen zum Schluß des reichen Lebens, aus dem wir hier nur ein paar flüchtige Bilder mit heilen konnten. Drei Jahre nach der zuletzt erzählten Prüfung, im Jahre 1316 wurde Schwester Placida in das Mutterhaus nach Nanzig berufen. Die Demüthige sollte uoch auf hohen Leuchter gesetzt werden, auf daß ihr Licht weithin leuchte. Eilf Jahre zuerst verwaltete sie des Amt der Ockonomie, 1827 ward sie Assistentin, 1828 General-Oberin deS Ordens. „Für sie war jede Bürde noch zu 152 leicht. DaS wußten Alle, nur nicht sie. Noch dreimal wurde sie einstimmig zur höchsten Würde ihrer Kongregation erhoben; und starb mit derselben bekleidet, im Jahre 1841, reich an Jahren (79) und noch reicher an guten Werken, beweint von ihren Töchtern und von ihren Armen." „Das Leben der Mutter Placida ist nur in einigen Punkten, die ans lausenden ausgewählt sind, an unserm betrachtenden Auge vorübergezogen. Nnn sülle man die Zwischenräumc mit jenen zahllosen gnten Werken auS, die das Leben einer barmherzigen Schwester zusammensetzen; so steht ein Bild, das eben so sehr erbauet als erquicket, vor unserer Seele. Wenn aber das schon der Schattenriß vermag, wie muß erst die Wirklichkeit gewirkt haben. Man kann wohl einen Garten mit seinen Baumreihen und Blumenbeeten zeichnen oder beschreiben; aber kein Wort und kein Zeichen wurde eine Ahnung erwecken vor dem lieblichen Duste, der diese durchwallet: ihn muß man ei »athmen. Das Leben der Placida, und manch anderer barmherzigen Schwester gleicht einem blühenden verschlosseneu Garten. Der Hauch des heil. Geistes und der Sturm der Verfolgung durchwehen ihn, und eS werden fließen seine Gewürze: denn iu seinem Boden wurzelt der echte fruchtbringende Keim, die Liebe GotteS."^) Wnrzvurg. Am 10. April wurde der hiesige Vincentiuö- und Elisabethen-Verein durch kirchliche Feier eröffnet, nachdem in einigen vorausgehenden Versammlungen der Verein beiderseits schon constiiuirt war und seine Vorstände gewählt hatte. Dr. Hetiinger, SulrcgenS deS bischöfl. KlerikalsmiinarS, hielt in der Neumünstcrkikche eine sehr gediegene und umfassende Rede, nach welcher Herr Domprobst Thinncs die heil. Messe la?. Eine sehr zahlreiche Menge Halle sich zur Theilnahme dieser Feier cingefuudcn, nach welcher sogleich eine Versammlung des Vinccnliuö-Vereincs statifaud, in der der Vorstand, Herr RegieruugSralh Leiniclder, die erfreuliche Mittheilung machte, daß bereits mehrere hochgestellte Personen, darunter Herr Re^ierungSprästdentj von Zn-Rhein, als Mitglieder beigetreren seyen. Am Abende desselben Tages fand dann eine Versammlung des Elisabethen-Vereins statt. Und so wäre der Wunsch des Pater Roder beim Schlüsse der Mission in der That schon in Erfüllung gegangen, solche Vereine als Fortsetzung der Mission zu begründen. Möge der Herr diese Blüthe der kcuholischen Kirche in unserer Stadt reichlich segnen! Großbritannien. Unlängst sind mehrere Rücktritte angesehener Personen znr katholischen Kirche vorgekommen. Lord Charles Tynne, Domherr von Canterbury und Pfarrer von Longbridge, Schwiegersohn des Protest. Bischofs von Bath und Wells, Bruder der Herzogin von Buccleugh und Onkel des Marquis von Bath, eines jungen Pair von England, wurde katholisch, und verzichtete auf ein jährliches Einkommen von 10,000 Thlr., welche seine geistlichen Stellen eintrugen. — Francis Wegg Prosser, ein ausgezeichnetes Mitglied der Universität Orford, und 1847 Mitglied deS Parlaments für die Grafschaft Hereford, Enkel eineö verstorbenen Würdenträgers der englischen Staatskirche, that denselben Schritt. Er ist mit einer Schwester des PairS von England, Grafen SomcrS, verheirathet, diese ist aber noch protestantisch. — Frau Daymau, die Frau eines anglikanischen Geistlichen, trat vor einigen Wochen in den Schooß der kaihol. Kirche zurück. ') So berichtet das protestantische Volksblatt für Stadt und Land. Nur sagt's nicht, wo eigentlich Schwester Plaeiva ihren Heldenmut!) geholt. Der Katholik kennt die Quelle, das aller- heitigste Sakrament. Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. Verlags-Inhaber: F. C. Kreine». Dreizehnter Jahrgang. Sonntags-Beiblatt zur Augslmrger Polhcitung. 15. Mai. ^ 2«. 1853. Dieses ivlatt erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der halbjährige Aboauement«prei« 40 kr., wofür e« durch alle köuigl. bayer. Postämter und alle Buchhandlung» bezogen werden kann Der Dorfcaplan in den Tyroler Alpen. (Charakterbild von Beda Weber.) Freundliche, Leser! ich lade euch ein zu einer Bergfahrt in'S südliche Tyrol, wo auf den tieferen Abhängen an Porphyrselsen die Traube glüht und im höheren Gebirge der Weizen, das Mark der Männer, reift, an jene Doppelgränzc, wo Nord und Süd sich in kräftigmilder Luft wechselseitig vermitteln und das deutsche Wort schärfer auSklingt gegen die Stimme des wälschen Nachbars. Dort saß ich die Sommermonate oft still im Schloß edler Freunde am Labsale der reichen Eisackland- schast, die wurzelhast ineinander geknotet, die nordischen Wasser kaum fortschlüpfe» ließ durch die Schluchten deS KunterwegeS. Nur selten wurde die Thurmeinsamkeit durch Besuche unterbrochen. Die einsame Nachtigall, welche in einem Granatenbusche nistete, die geschwätzige Amsel im Brombeerstrauch am FelS und zwei Kibitze in einer Mauernische belebten meinen stillen Tag und die Heiterkeit der lauen Sommernächte, die mit geisterhafter Klarheit aus den Bergen brüteten. Und klopfte eS bisweile» an meine Zimmerthür, so war'S Niemand anders, als der Dorfcaplan, welcher jede Woche einmal in unserem gastlichen Schloß einsprach. Er hauSte über unS einsiedlerisch im Gebirge als Seelsorger einer zerstreuten Dorfgemeinde, und war als Menschenfreund bei Groß und Klein in der ganzen Gegend beliebt. Er hatte als Jüngling seine Studien zu Innsbruck gemacht, einer jener unzähligen Turoler- studenten, die alljährlich von ihren jähen Bergen in die Städte heruntersteigen mit dem schönen Empfehlungsbriefe, den ihnen Armuth, Geist und frische Wangen ausfertigen. Unsere Städter, unsere Beamten, unsere Evelherren nehmen sich mit Freuden deS jungen Blutes an und theilen mit ihm den Tisch. Läßt sich der Schüler gut an, so wird er Hauslehrer in wohlhabenden Familien, und eS ist merkwürdig genug, wie der kräftige Bauernstudent das adelige Stadtknäblein mit den blaffen Wange» meistert und abrichtet für'S thätige Menschenleben. Diese innigste Berührung des BauernthumS und der Adelschaft seit uralten Zeiten ist zum Theil in der Landesverfassung begründet, die freie Bauern bildet und schützt selbst als Landstände neben den ersten tvrolischen Rittern und Grafen, und mitunter Ursache des traulichen Ge- bahrenS zwischen Edlen und schlichten Landleuten. Der Dorfcaplan war in einem Grasenhause zu Innsbruck ein solcher „Hofmeister" gewesen, und hatte aus seinem Erziehungsgeschäfte jene feine Lebenöbildung mitgebracht, die seine Landbauern an ihm dergestalt zu schätze» wußten, daß sie ihn schlechtweg den „klugen Herrn" nannten. Er zählte jetzt ungefähr sechzig Jahre, und sein frisches Aussehen ließ nicht ahnen, daß seine Gesundheit untergraben sey. Er fing an einem Magenleiden zu kränkeln an, ohne daß seine Umgebung besondere Gefahr witterte. Wir hatten ihn alle so lieb, daß kein ernstlicher Zweifel an seine Unversehrtheit aufkam, während wir sein Unwohlseun als vorübergehendes chronisches Leiden wenig anschlugen. Aber eS reifte zu unserem Leidwesen schnell und unerwartet zum Tod. l54 Ich saß eines Abends am Thurmfenster und starrte nachdenklich hinaus in die Mondnacht. Während die Lichtseite des engen Thales in heiterster Klarheit mit tausend hellen Augen von weißen HäuSlein über Wald- und Stromesrauschen glitzerte, lag die Schattenseite mit dunkelin Nadelholz mächtig gegenüber und warf wunderliche Schattenriffe in'S Lichtbild am jenseitigen Ufer. Selbst das Schloß stand als Schatten- castell jenseits der Wasser in den reinsten Konturen, und seine Windfahne flatterte sichtbar auf der Geisterburg, die mit jeder Minute kleiner wurde. Ein Heer von Leuchtkäfern schwamm durch die milde Luft und füllte mit wandernden Funken die weite Thalung auS. ES schlug N Uhr am Thurm, und daS Lallen der letzten Vogellaute im Walde verstummte. Da schellte es plötzlich an der Glocke deS Burgthors. Eine Magd, schläfrig und verwirrt, wollte öffnen; aber auf halbem Wege überwältigte sie dergestalt der Schrecken der Mitternacht, daß sie laut schreiend in die Küche zurückstürzte. Der Lärm weckte alle Leute im Schloß. Ich eilte herab, die Thür zu öffnen. Ein Bauer stand vor mir, kaum halb bekleidet, mit Schweiß ganz überrennen. „Unser Caplan stirbt, o kommen Sie zu seinem Beistande," sagte er mit stotternder Hast. Wir stiegen ohne Verzug den dunkeln Waldhügel hinauf. Auf einzelnen Zweigen lispelte noch die Cicade, Berghühner flatterten vor unseren Füßen auf mit dem Schrei deS Entsetzens, der schneidend durch den Wald pfiff. Auö versteckten Thalgründen krächzte einförmig der gestörte Uhu, und ihm antwortete die Stimme besorgter Liebe. Ick konnte nicht reden, mich hatte der Gedanke an den sterbenden Freund zu tief ergriffen. Mein Begleiter plauderte beständig neben mir her im krausen Durcheinander eines bäuerisch bewegten Gemüthes. „Wenn der Caplan stirbt," sagte er, „so bleibt kein Auge in der Gemeinde trocken. Er hat unS Jüngere in der Schule so lieb gehabt, daß man eS nimmer vergessen kann. Reich kann er nicht seyn, ungeachtet vierhundert Gulden Botznerwährung jährlich ein schönes Geld sind. Er verwendete Alles auf Bücher, Bilder und Schulkinder. Arme Leute haben wir nicht, Jeder hat zu essen, der arbeiten will, und wer nicht arbeiten kann, ißt auch mit unS, und eS haben doch Alle genug. Nur fremde Bettler „strolchen" oft an unS vorbei auö Furcht vor dem Bettelrichter in Kastelrutt. Wir können Alle lesen und schreiben, der Caplan hätt' eS nicht anders geduldet. Er redete unS auf Wegen und Stegen darum an. AIS einst ein dummer Knabe sagte: „Was braucht man daS Lesen? man kommt ohne dasselbe auch in den Himmel!" da wurde sein Gesicht roth wie Feuer. Der Knabe erschrack über diese Flammen im Gesichte dergestalt, daß er laut zu weinen anfing und von diesem Augenblicke sich besserte. Er nennt unS Alle bei unseren Taufnamen, und seine Stimme klingt so süß, daß man ihre,» Ton Tage lang im Herzen nachklingen hört. Und um diesen bekannten lieben Schall ginge man ihm durch'S Feuer, und gäbe ihm das Herz aus dem Leibe. Er tbut gar nicht vornehm, aber sein Rock ist allzeit ganz und rein, wie bei vornehmen Stadtherren. AIS er mich einst mit einem Loch am Ellbogen erblickte, so sagte er: „O HanS! wenn du wissen willst, wie schön ein Flick auf dem Loche steht, lerne eS von der Spitzmaus, sie hat einen so schönen glänzenden Balg, und kein Härlein fehlt daran." DaS habe ich meiner Lebtage nie vergessen, und mag seitdem die Löcher in den Kleidern nicht leiden. Er liest oft ganze Tage, und wenn nur die Hälfte hangen bleibt, so muß er gelehrt seyn, wie der beste Doctor." Ich merkte nur theilweise auf diesen Fluß der bäuerlichen Rede, und so erstarb sie allmählich, je näher wir unserem Ziele kamen. Die einsame Berggemeinde hauSte auf einem AbHange deö Mittelgebirges in weit auseinander gesäeten Hütten am Fuße waldiger Hügel, die mit ihrer Fichtennacht wcllenhaft aufsteigen in die schroffen, spitzen Formen der Dolomitfelsen, deren weiße Farbe im Mondschein schaurig niederstrahlte auf den dunkeln Grund der Menschen. Wohnungen. RingS um die letzteren dehnten sich reinlich gepflegte Felder mit reifen «ehren im Rahmen deS' hellsten AlpengrünS. Fast in der Mitte derselben strömte ein Brunnen reinsten WasserS, wie ein Allvater verehrt und geliebt, mit Bänken, auf denen sich jeder WanderSmann laben konnte, «o selten flüsterndes Volk fehlte mit tSS Geschäcker, Märchen und Spottliedlein und der ganzen harmlosen Chronik der „Dörfler," so frisch und duftig wie die Blümlein, die am abrieselndcn Wasser langzeilig den Fahrweg umblümten. Am südlichen Ende deS DorfgebieteS schwoll eine grüne Hügelwelle länglich und fast wagrecht hinaus zur eirunden Fläche über der Schlucht deS lautrauchenden Grödner-Wildbaches, der aus verwilderten Fclsenbergen hervorbrach. Seine Wellen sangen aus der Tiefe wie Gruß und Gegengruß zu fröhlichen Menschen hüben und drüben, stimmten aber auch oft zum trauernden Herzen wie Verlornes Grabgeläute. Von Jenseits blickten Landkirchlein, Thürme und Sennhütten von den höchsten Bergen, die zur NachtSzeit, wo der Zwischenraum seine Fernen nicht geltend machen kann, hervorschwimmen wie lebende Wesen und zu fließen scheinen im Strom ewiger Bergluft, von welcher ein Sprüchwort sagt: «Die Berge ohne Wind, und die Mütter ohne Kind, und die Herzen ohne Freud', die wohnen von uns meilenweit I" Auf dieser abgesonderten Fläche stand im Walde von jungen Obst- und Zierbäumen die Wohnung deS DorfcaplanS neben der kleinen Kirche. Ich trat durch die offene Thür und daS Vorzimmer vor das Bett deS Kranken halb ein Uhr Nacht«. RingS um ihn standen Männer und Frauen des Dorfes mit ihren Kindern, und wurden von Zeit zu Zeit abgelöst, da die kleine Stube nicht alle zugleich ausnehmen konnte. Die halbgekleideten Gestalten, auS mitternächtlichem Schlafe gefahren, mit Zügen der Angst und Neugierde, mit hervorquellenden Thränen und verhaltenen Seufzern hatten ein ergreifendes Aussehen. „Der Schlaf will uns nicht mehr reckt gerathen, seitdem unser Caplan krank ist," sagte ein stämmiger Mann mit bloßen Füßen, und wischte sich mit einer alten Pelzmütze die Augen auS. Eine ältliche Frau, mit tiefen Zügen von Trübsal und Schmerz im verbrannten Gesichte, warf sich leidenschaftlich erregt auS dem Trauerkreise an mich heran, faltete krampfhaft ihre Hände und rief schluchzend: „Machen Sie mir doch den kranken Caplan wieder gesund! Ich kann ohne ihn nicht leben auf dieser kummervollen Erde! Ach, er hat mit mir redlich gelitten, viele, viele Jahre, und mir stets Trost in die Seele geträufelt, der gute freundliche Mann, und wenn ich mich in meinem Leid gar nicht halten konnte, traten ihm stets zwei unvergeßliche Thränen tn'S Gesicht. Sie stehen mir noch immer vor der Seele in ihrem milden Glanz, aus denen mich süßeS Gottvertrauen anstrahlte. Einmal am Charfreitag nahm er mich hastig bei der Hand, führte mich zu seinem Crucifir, daS mit frischem Epheu umrankt war, und betete, sein Auge fest an's Kreuz geheftet: «Süßer Heiland Jesu» Christ, Gertraud hat dein Leiv versüßt, Hat mit dir den Tod gelitten Und den SicgeSkranz erstritten, Laß sie für ihr SchmerzeSglüh'n Ewig dir am Herzen blüh'n!" ES drang mir tief in die Seele, ich konnte die Verse nicht mehr vergessen. Ich hatte dabei stets daS Gefühl, als wenn alle Engel und Heiligen an meiner Seite knieten, und mit mir dieselben beteten. Da schliefen alle meine Schmerzen ein." , Während dieser aufgeregten Schilderung fiel mir ein kleines Mädchen im eigentlichen Sinne laut weinend an die Füße und streckte mit der rechten Hand ein Bildchen zu mir empor, „den JesuSknabcn« an einem Waldbrünnlein, welchem Johannes der Täufer frische Kresse und Erdbeeren überreichte zum Danke für den lieben Besuch in der Wüste. „Lege ihm doch dieses schöne Bild auf die Brust," schluchze daS Kind, „ich habe eS von ihm in der Christenlehre zum Geschenk erhalten, eS wird ihm gewiß helfen." Ich nahm dem guten Kinde daS Bild ab und legte eS dem Kranken über der Bettdecke auf die Brust. Nur mit Mühe kennte ich daS Mädchen von meinen Füßen auf einen nahen Stuhl bringen, wo eS beständig lallte und flüsterte: „Ja, ja! eS hilft ibm gewiß!" ES war ein eigener Anblick, dieses Bild der Unschuld und kindlichen Freude auf der Brust deS kranken DorfcaplanS unruhig bin- und herschwanken zu sehen unter den heftigen Pulsschlägen deS Fiebers, welches an den Grundfesten des Lebens arbeitete. Ueber dem Bett hing an der Wand der bekannte Kupferstich, 156 die Grablegung des Heilandes vorstellend, auS der Galerie Borghese zu Rom, nach einem Gemälde von Raphacl, ringS mit lichten Goldstrcifen und Sternen, und seit Weihnachten her von Tannenzweigcn umflattert, an jeder Seite mit einer brennenden Kerze auf broncenen Leuchtern, die in daS Wandgetäfel eingeschraubt waren , mit dem wohlthuendstcn Eindrucke von der seligen Hoffnung, welche stärker ist als der Tod. Der Kranke schien sich einen Augenblick bester zu fühlen, und mein ungewöhnliches Erscheinen wirkte auf ihn mit überwältigender Kraft. Wie gelöst auS schweren Banden raffte er sich auf, mir entgegen, und drückte meine Hand mit inniger Zärtlichkeit. Doch bald sank er wieder zurück i» seinen seltsamen Zustand, der als unwillkürliche Fortdauer seines gesunden Lebens gelten konnte, ungeachtet das heftige Fieber die klare Besonnenheil über zunächst liegende Gegenstände fast gänzlich zerstört hatte. Sein krankhaftes Traumleben war die süße, sreundliche Gewohnheit seines früheren Lebens und WirkenS: festes Vertrauen auf Christus, reinstes Bewußtseyn redlichen StrcbcnS, herrliche, allumfassende Liebe. Er war von jeher ein besonderer Freund von Blumen gewesen. Sein Hauö war umstellt mit Gewächsen aller Art. Er begoß sie selbst mit der Zärtlichkeit eines treuen Freundes, und redete mit ihnen wie mit lebendigen Seelen. WaS im Lebe» leise geglüht, loderte jetzt als mächtiger Funke empor, weil nicht gehütet durch menschliche Rücksichte». Die ersten Strahlen des Morgens schlugen zückend an sein Fenster, und lautes Hahncngcschrci grüßte daS werdende Licht. „Nun wachen meine Blumen auf", flüsterte er leise zu den Umstehenden, „und reiben sich die Aeuglein vom Thau deS Himmels trocken. O, wie heilig und keusch strahlt ihr Blick zu Gott empor, dem Vater ewiger Liebe!" Nun sah er seinen eigenen Leichenzug, der nach der wohl eine Stunde entlegenen Pfarrkirche zum Begräbniß zog über ein hohes Waldgebirge, daS die Gegend weitum überschaute. Als er die höchste Windschneide erreicht hatte, stellten die Träger die Leiche in'S blühende Waldgebüsche, und alle Begleiter fielen auf die Kniee und beteten zu Gott für den todten Caplan, während der heiterste Himmel über der betenden Gruppe schimmerte und lauer Südwind die fliegenden Blätter der Maiblüthc auf das schwarze Leichentuch schüttelte. Jenseits vom Hügel der Pfarrkirche klangen die Kirchen» glocken zum freundlichen Willkomm, und die Geistlichen kamen singend entgegen zum Empfange „der Saat, die Gott gesäet bis an den Tag der Garben zu reifen." AuS dieser, der Oertlichkeit und dem Dorsbrauche genau angepaßten Leichenschau schlug die Phantasie deS Kranken über in daS Bild seiner eigenen Tauffahrt. Drei Leute im Sonntagsstaate mit strahlenden Augen über ein neues Leben trugen ein Kindlcin, drei Stunden alt, über das nämliche Gebirge. ES war eingehüllt in blendendweißes Linnen und mit frischduftigcn Rosen ringS umflochten,- und als die Taufgehülfen an die Stelle der Tvdtenrast auf den höchsten Gipfel kamen, legten sie daS neugebornc Kindlein in die WaldeSfrische, wo so viele tausend Leichen der Gemeinde ausgeruht, und beteten mit lauter Stimme, daß eS grüne und gedeihe, und nach frommem Leben heilig sterbe. Der Kranke faltete mitbctcnv die Hände und sagte: „Gib ihm, o Gott, den Kuß deS Friedens, daß eS denselben sein Leben lang empfindet und unbefleckt bleibe an Leib und Seele!" Hierauf kam er wieder ganz zu sich, betrachtete uns Alle aufmerksam und konnte Gott nicht genug danken für die Gesundheit, die er ihm gegeben und treulich gesegnet habe. „Mir ist ganz wohl," versicherte er, „meine Brust so leicht, olle Glieder so geschmeidig, und alle meine Sünden hat mir der Herr gnädig verziehen." AIS er in . den Eaplandienst eingetreten, hatte er die kleine OrtSkirchc ganz vcrnachläßigt gefunden. Er widmete ihr die liebevollste Sorgfalt und konnte er sie nicht kostbar ausbessern, machte er sie doch zierlich rein, da er von Jugend auf allerlei Zierrath zu fertigen verstand. Jetzt dachte er mit Innigkeit an seine liebe Kirche und rief: „O, wie schön ist ein so heiliges Gotteshaus! ES gehört uns Allen, Alle sind wir darin zu Hause wie Eltern und Geschwister, die rührende Einigung heiliger Seelen in Christus. Und die Reinheit deS Hauses mahnt Jeden an die Reinigung deS Leibes und der Seele, daß kein Haß mehr sey und kein Groll unter den Miterben Jesu 157 Christi." Bei diesen Worten brach eine große volle Thräne aus seinem Unken Auge und rollte als zwei Perlen über die Wangen. „Ja, Miterben Jesu Christi, fuhr er fort, „deßhalb ist der Tod so leicht und unser Hinscheiden so süß!" So lag er eine Viertelstunde in unaussprechlicher Ruhe, die Lippe» zitterten leise, daS linke Auge war halb offen und die rechte Hand ruhte auf der Brust. AIS er wieder erwachte, ergriff er hastig meine Hand und sagte: „O, wie süß habe ich jetzt geruht! Christus trat an mich heran, einen Blumenstrauß in der Hand, und flüsterte mir in'S Ohr: Ich bleibe bei dir, dein Arzt, dein einziges Heil. Traue auf mich als einen Felsen, der selbst im Tode nicht wankt!" Den einst öden Hügel, worauf Pfarrhaus und Kirche stehen, hatte er mit Akazien, wilden Kastanien und Kirschbäumen bepflanzt, deren üppiges Grün die kahle Halde ziersam überkleidetc. Er nannte sie seine „liebe Baumjugend," und beförderte ihr Wachsthum mit besonderer Sorgfalt. In der Krankheit traten sie ihm näher wie mitfühlende Wesen, und er erzählte von ihnen die anziehendsten Geschichten. „Denken Sie nur," sagte er, „heute kamen alle Bäume zu mir, die ich gepflanzt habe, grün wie die Hoffnung, mit hellen Tropfen ThaueS auf allen Blättern und sprachen: „Gott hat unS geschickt, dich heimzusuchen. Alle Abend tanzen und singen die Kinder um uns, und wir rauschen mit unseren Zweigen in'S Kinderlied und rufen: Der Dorf- caplan soll leben, der nnS gepflanzt hat! Dann sage ich ihnen schönen Dank für ihren Besuch und rufe: Gehet heim, schöne Bäume, meine Lust ! Grünet und blühet lange, lange Jahre! Wehet Kühlung den Matten, gebet Schatten den Erhitzten, und mit jedem Schwung cuerer Zweige im WindeShauch lobsinget meinem Gott, dem besten Freunde aller Menschen! Dann hnschcn sie lustig davon, daß cS Blätter und Blüthen regnet!" (Schluß folgt.) Die Gage vom Wunderbilde auf dem heil. Berge. Ehe wir diese kleine Erzählung beginnen, die uns darthun soll, wie sehr die heilige Jungfrau uns liebt, wenn wir »nS unter ihren Schutz begeben, und uns eS auch dann nie an demselben fehlen läßt, ziemt cS sich wohl, daß wir mit den Worten deS Abb6 Lcguillon Ihre Güte also preisen: „Wenn- ich auch mein Herz zum Schweigen bringen wollte und all der Wohlthaten nicht mehr gedenken, die mir diese gute Mutter zukommen ließ, die Stimme aller Jahrhunderle würde mich erdrücken, in dem Echo, welches durch die Unendlichkeit tönt: „Wie bist Du voll Güte, o Maria! «Die Güte GottcS selbst wohnt in ihrem Herzen, der ihr aufgetragen, die Schätze seiner Barmherzigkeit über die Erde zu ergießen. Sünder, Kranke, Leidende und Trauernde aller Art sagt selbst: nicht wahr, „Wie gut Sie ist, Maria? „Ihre sanfte Hand trocknet die Thränen des Schmerzes, die Strahlen ihrer Mildherzigkeit erleuchten die Verirrten... Ihr mächtiger Schutz hebt den Muth niedergeschlagener Seelen... Ihr zärtlich liebendes Herz ladet alle Ruhelosen ein, den Frieden bei ihr zu suchen. O ihr, die ihr Sie noch nicht kennt, wüßtet ihr: „Wie gut Sie ist, Maria! „Ein Wort!... ein Blick!... ein Seufzer!... und Sie versteht euch; Sie unterstützt euch; Sie zerstreut eure Furcht, eure Aengsten; Sie stützt eure Kräfte; Sie erleichtert die Bürde der Prüfung. — Habt Vertrauen... kommt... betet... und bald werdet ihr mit der ganzen Kirche wiederholen müssen: Wer hat jemals zu Ihr gefleht, ohne ausgerufen zu haben: „Wie gut Sie ist, Maria! „O gute! o süße! o sehr reine Jungfrau Maria! ja laß eS mich Dir tausendmal t58 und immer von neuem wiederholen, daß ich Dich liebe, ja daß ich Dich liebe... und Dich immer lieben und Dir immer dienen will! —" Solche Güte erfuhr nun auch ein Mägdelein, die in der Nähe deS heiligen BergeS wohnte und die Gesundheit ihrer sehr kranken Mutter erflehen wollte. Von ihr sagt die Sage, das Kind sey noch jung und schwächlich gewesen, habe sich aber doch auf den Weg begeben. Glühend heiß brannte die Maiensonne, und obgleich ganz ermattet von der mühevollen Strecke des WegeS, strebte sie dennoch, bis an den Gipfel des BergeS zu steigen, wo oben ihr der Rettungsstern, das Gnadenbild Marias Erhörung zuwinkte. Mag eS auch viel Mühe kosten, sie muß erstiegen werden, die LebenShöhe! je höher wir klimmen, um so näher kommen wir dem Ziele, nach dem wir Alle ringen sollten. Maria will uns immer ihre mütterliche Hand reichen, — o ergreifen wir doch dieselbe und lassen wir uns empor ziehen, mit jenem Kinde. Kommen wir auch erschöpft an, oben ist dann Ruhe, ewige, selige Ruhe, wo wir in Erfahrung bringen werden die beglückenden Worte des Herrn: „Wahrlich kein Auge hat eS gesehen, noch ein Ohr gehört, noch ein Menschenherz eS empfunden, was Gott denen bereitet hat, die ihn lieben." Ganz entkräftet, von Hitze und Durst geschwächt, kam daS Kind oben an. ES trat ein in den kühlen, herrlichen Tempel und gleich fielen dessen Augen auf das in goldenen Grund köstlich gemalte Bild der heiligen Jungfrau, die eingehüllt in einen blauen Schleier, schwebend in den Wolken des Himmels stand, ihre gnadenvollen Hände und milden jungfräulichen Augen liebend der Erde zugewandt! Ein mystisches Licht umgab den Altar, und in tausend Farben spielten die Strahlen der Sonne durch die bunten Scheiben in. daS Heiligthum des Herrn. Ergriffen von dem hehren Anblick, warf sich daS Mädchen an den Stufen deS MarienaltareS auf die Kniee; in kindlicher Weise betend, trug sie ihr Anliegen vor die Himmelskönigin, bis endlich auch ihr Geist, erschöpft, in süße Träume überging und schlafend daS blonde Köpfchen zur Erde niedersank. Es führten aber die Engelein gar liebliche Bilder von ParadieseSlust und ParadieseSauen vor die schlummernde Seele und hielten sie fest im Schlafe, damit die Hilfe Maria'S neuerdings kund würde dem Menschengeschlechte. Bereits war die Sonne untergegangen, und nächtliches Dunkel erfüllte das nun still und leer gewordene Gotteshaus. Die Stunde kam, in welcher eS verschlossen werden sollte, und eS trat der Küster mit dem lauten Ruf an Alle ein, die sich vielleicht verspätet hatten, den Tempel zu verlassen, da nach altem Brauch zur Bewachung deS kostbaren Bildes sieben mächtige Rüden von ihren Ketten loS, die nun eingelassen werden müßten. Wild, ja unbändig in ihrer Freiheit, rannten sie in den Gängen der Kirche auf und nieder, indessen die gewaltige Thüre in ihren Angeln knarrend in daS riesige Schloß fiel. Allein, der tollen Wuth der Hunde preisgegeben, lag daS Kind da, ihr sichtliches Opfer. Eine aber hatte die schützenden Arme ausgebreitet, Eine daS wachende Auge offen behalten, — und wunderbar fein gearbeitet, mit silbernen Sternchen besäet, senkte die Jungfrau von ihrem Bilve herab ein künstlich gewebtes Netz, das schlafende Kind zu bedecken, daS zugleich eine wehrende Mauer dem stürmischen Andrängen der Hunde, die von der Jungfrau Hand gezähmt, wie Lämmer sich lagerten zu Füßen deS KindeS. Dieses aber, von mütterlicher Liebe gewiegt und von spielenden Engeln umgeben, schlief deS sanften SchlafeS, bis golden die Morgensonne ihr strahlendes Licht auf das Bild und den Altar warf und auch daS Kind in seinen Strahlenschleier einhüllte. Jetzt war der Augenblick gekommen, der daS Wunderbare den verwunderten Pilgern offenbaren sollte. Denn siehe! — als sie mit dem Küster eintraten, lag das Kind, von dem Gerassel geweckt, unschuldig da und rieb sich die Augen, glaubte selbst noch zu träumen und wußte nicht, wie ihm geschehen war. Die Eingetretenen erkannten aber den offenbaren Schutz, so Maria diesem Mägdlein hatte angedeihen lassen, und haben diese Sage in alle Welt getragen, und mit neuem, innigerem Vertrauen wurde sie von dieser Zeit im Gnadenbilde auf dem heiligen Berge angerufen. Also die fromme Sage vom heiligen Berge. Möge sie auch in unseren Herzen 1S9 Liebe und Vertrauen zur heiligsten Jungfrau erwecken, und solches sich kund geben durch neuen Eifer in ihrem Dienste, zumal in diesem Ihr geweihten Monate. O, sie wird es euch nicht unbelohnt lasse» und tausendmal werdet ihr dankerfüllt ausrufen, ihr treuen Kinder: „Wie bist Du so voll Güte, o Maria!" Ueber die Missionen der Jesuiten in Oberösterreich wird uns auö vertrauter Hand noch nachträglich berichtet: Die Mission in St. Polten war mit den glänzendsten Früchten gesegnet. Es war unter allen Ständen ein heiliger Wetteifer, die Misstonäre zu hören. Bei der Ausrichtung des MissionSkreuzeS halsen sogar die Herren Officiere der Garnison mit den Jünglingen dasselbe aufzustellen. Die Bürger der Stadt aber hatten unter sich einen Verein gebildet, und unter Anderm sich gegenseitig daS Gelöbniß gemacht, sie wollten in ihrer Gesellschaft keinen Flucher und keinen Religionsspötter dulden, sondern ihn, so nichts Anders hälfe, mit Gewalt entfernen. Da wagte eS dennoch ein sogenannter Gebildeter in einer Abendgesellschaft über religiöse Dinge zu spotten. Weil eS indessen der erste Fall war, so verfuhren die Herren Bürger noch ganz glimpflich mit ihm; sie gaben ihm eben noch so viel Zeit, daß er seinen Hut suchen und sich durch eine Hinterthüre entfernen konnte. Auch die Mission in Baumg arten berg brachte die trostreichsten Früchte. An manchen Tagen fanden sich dabei Leute aus 24 Pfarreien ein. Ein Domherr auö Linz, der eigens für den Schluß der Mission dahin gereist war, äußerte sich darüber in den voriheilhaftesten Ausdrücken: „WaS ich heute gesehen, sprach er, gehört und empfunden habe, das kann ich nicht ausdrücken." DaS ganze Domkapitel in Linz ist entzückt über die freudenreichen Wirkungen dieser Mission. Aber wenn möglich noch trostvoller war die Mission im Zuchthause von Steuer- Garsten, welche vom Herrn Statthalter OberösterreichS, einem Bruder deS Ministers von Bach, selbst begehrt war. Unter 519 Sträflingen und Verbrechern der schauerlichsten Art fand sich kein einziger, welcher von den heiligen Sakramenten zurückblieb. Alle ohne Ausnahme haben freiwillig und mit einer Zerknirschung gebeichtet, welche den Beichtvätern die süßesten Freudenthränen entlockte. AIS die Missionäre sie später in ihren Schlafarresten besuchten, da war ein Schluchzen, ein Händeküffen, daß auch die Beamten weinten. „Kommen Sie bald wieder; wir können nur für Sie beten, aber daS wollen wir auch alle Tage. Eine solche Freude haben wir noch nie gehabt. Wenn wir frei werden, dann wollen wir Sie heimsuchen. Wir wollen gewiß von jetzt an recht brav werden", so lauteten die Worte dieser bekehrten Büßer. AIS das MissionSkreuz, beleuchtet mit hundert Lampen, welche die Beamten auf eigene Kosten angeschafft hatten, aufgerichtet stand, baten die Armen noch späl Abends, gemeinschaftlich beten zu dürfen, und blieben im Schnee noch eine halbe Stunde mir ihren rasselnden Ketten knieend und für die Missionäre betend. Ein jüdischer Sträfling wurde von Pater Joseph Klinkowström getauft. — So hat auch hier Großes gethan, der mächtig ist und heilig sein Name. Rom. Rom, 14. April. In den nächsten Wochen und Monaten stehen hier mehrere Generalkapitel verschiedener Orden bevor, zu welchen die Betheiligten auS allen Gegenden nach Rom reisen. So hat der Carmeliterorden schon in dieser Woche mit der Abhaltung des Generalkapitels begonnen, ihm werden darin der Serviten- und der Capucinerorden folgen, und zum Juli steht eine außerordentliche Generalversammlung aller Provinciale und zweier Deputirten auS jeder Provinz der Gesellschaft Jesu bevor. Letztere schrieb der jetzt krank und ohne Hoffnung aus Wiederherstellung darnieder- liegende General P. Rothaan schon vor Beginn seiner Krankheit mit Genehmigung t60 des heiligen Vaters aus, seine Umgebung glaubt aber nicht, daß er sie noch erleben werde. Der von Sr. Heiligkeit eingesetzte General des DominicanerordenS reiset jetzt in Sicilien zur Visitation der dortigen Klöster dieses Ordens, die die Zahl von sechzig erreichen, umher; dem Vernehmen nach kommt man seinen Bemühungen um die Wiederherstellung der alten Strenge der Disciplin von allen Seiten entgegen und gereicht die Visitation ihm zur großen Befriedigung. Nach Vollendung derselben wird er mit der neapolitanischen Provinz beginnen. — Nicht allein über eine Reise deS heiligen Vaters nach Deutschland und Frankreich, sondern sogar über deren Route scheinen in Deutschland Nachrichten von großer Bestimmtheit verbreitet zu seyn. Wenigstens gehen von dorther, insbesondere von Klöstern, schon Einladungen und Bitren um Einkehr an den heiligen Vater ein, die die Reise selbst und ihren Plan als eine ausgemachte und feststehende Thatsache voraussetzen. Auch hier fehlt eS an Gerüchten über diesen Punct durchaus nicht, an dem einen Tage heißt eS, der heilige Vater reise nach Frankreich, am anderen Tage verkündet man die Reise nach Deutschland, und am dritten Tage werden beide Reisen verbunden und im Vatikan der Reisealtar und alle Vorbereitungen zur Reise schon gemach«. WaS letztere betrifft, so kann ich Ihnen versichern, daß sie gänzlich aus der Luft gegriffen sind, waS aber die Reise selbst angeht, so ist darüber Männern, die sonst sehr gut unterrichtet sind, noch nichts bekannt, und am wahrscheinlichsten auch noch gar nichts darüber ausgemacht. Sie wollen deßhalb alle derartigen Nachrichten mit großer DiScretion aufnehmen. DaS Einzige, waS man hier von sonst gut Unterrichteten behaupten hört, ist, daß von Wien auS eine Deputation gesandt werden solle, um den heiligen Vater um die Bornahme der Krönung deS Kaisers Franz Joseph zu bitten, wie denn überhaupt eine Reise deS heiligen ValerS zu diesem Zwecke nach Deutschland wohl nicht in einem so hohen Grade eine UnWahrscheinlichkeit und Unmöglichkeit seyn möchte, als Manche glaube». (Münsterer StgSbl.) Kirche und Sclaverei. ,ch!,«L .,,i>5!zS,K'WkMüwL,i«is ,im anu vMamÄ nzM.';«s»kl5M--io5«. ^>!>k Oberst Hamilton, ein protestantischer Engländer, sagt: „Katholiken und Protestanten bekennen sich zu dem Satze, daß alle Menschen vor Gott gleich sind; aber nur die Erstem handeln darnach. In einer kaiholischen Kirche kniee» der Fürst und der Bauer, der Sclave und sein Herr vor demselben Altare, und für den Augenblick sind alle Rangunterschiede aufgehoben. DaS Zeichen der Erniedrigung wird von der Stirn der Sclaven weggenommen, wenn er sich in dieselbe religiöse Genossenschaft mit den Höchsten und Vornehmsten im Lande zugelassen sieht. In protestantischen Kirchen herrscht eine andere Regel; die Farbigen sind entweder ganz auSge- schlössen, oder eS ist ihnen ein entfernter, mit Schranken umgebener Winkel ange. wiesen. So können sie auch nicht für einen Augenblick ihre verachtete Stellung vergessen. Kein (?) weißer Protestant würde mit einem schwarzen an demselben Altar knieen. ES ist darum nicht zu verwundern, daß die Sclaven in Louisiana alle katholisch sind, daß man in den protestantischen Kirchen nur einige Damen in wohlgepolsterten Kirchenstühlen sieht, während die Kathedrale von Andächtigen aller Farben ganz gefüllt ist. Die katholischen Priester vergessen nie, daß in dem häßlichsten Körper eine Seele wohnt, die in Gottes Augen eben so kostbar ist, wie die deS Papstes: die Arme der katholischen Kirche sind dem Verachtetsten geöffnet. Ich bin kein Katholik, aber Vorurtheile sollen mich nicht abhalten, christlichen Geistlichen Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, die eS sich zur Lebensaufgabe machen, den verachtetsten und geringsten unter den Menschen die Segnungen der Religion zu spenden." Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. Verlags - Inhaber: F. C. Krem er. Dreizehntes .Jahrgang. Sonntags-Beiblatt II> iriüii-'/nu 3MI ij^ Iiil-j? 1IIII ii-ssllW , nuiinliN /I'NÄÄ ,tn?chilii?^ iNSj^um ,KM li)ik?i!(>Ziil„Ii^j' Augsburger Postzeittmg. >IlIilM mjlAi »i ,b« -.NV',s ^lil-i^lr.? Iiis,^ f(ItkZ ni-?(l>lr»üjL ilchchn^ttiSiw d^chl-vi . ?l5,9 !)tjchM zgili^I in^ iiniiSci'i üli^I u.^/^ii^ 7!>!>i> »?I .^i^ii^i n'>'! vbl n»,n,ld?ia,L .-na?! ,.mmi n;?i^l-'n-i. .^i? 7->j.^ «vlisvi^i! Vieles, und, wie ich hoffe, nicht Unerhebliches, wenigstens bisher minder Bekanntes, waS die Erzherzogin Maria, unseres Kaiser Ferdinands des Zweiten Mutter, berührt, habe ich Ihnen bisher vorgetragen. Ich habe diese merkwürdige Frau geschildert von dem Standpuncte der Tochter zu den Eltern, der Schwester zu den Geschwistern, der Gemahlin zu dem Gemahl und der in jeglicher Weise besorgten Mutter zu den Kindern. Auch von ihrem Charakter, wie in diesem Ernst mit Heiterkeit. Strenge und Milde sich paarte, die fürstliche Würde mit gemüthlicher Laune sich einigte, habe ich mancherlei gesprochen; zuletzt davon, wie sie daS Bewußtseyn, eine Fürstin nicht bloß zu heißen, sondern zu seyn, mit dem Vollgepräge seines Wesens denjenigen gegenüber zu stellen verstand, die sich'S Herausnahmen, dasselbe unberücksichtigt zu lassen. Von ihrem Walten als Fürstin könnte ich Ihnen noch Manches erzählen: wie sie auf ihrer langen Reise nach Spanien fortwährend über alle Landesangelegenheiten, selbst über den Gesundheitsstand ihrer Residenz wollte unterrichtet werden; wie sie ihren Aufenthall an dem fernen, aber nahe verwandten Hof dazu benutzte, um bei der fortwährend wieder auftauchenden Spannung deS SohneS mit der unnachbarlichen Republik Venedig jenem in dem auf Oberitalien mächtig einwirkenden Schwager einen sichernden Rückhalt zu gewinnen, vornämlich aber, wie sie während des Sohnes Weilen am Reichstage zu RegenSburg, während der letzten Wochen ihres Lebens, unter bedrohlichen Anzeichen in häufiger Berathung ihrer vornehmsten Geschäftsmänner, in Anordnung zur LandeSvertheilung. in Vorschlägen zu hilfereichen Verbindungen mit auswärtigen Fürsten der Obliegenheiten einer Regentin mit eben so großer Umficht als rastloser Thätigkeit wahrnahm. Allein dieses alleS schlägt mehr in die politische Geschichte deS Landes ein, indeß ich mir die Aufgabe gestellt habe, Ihnen ein mit gewissenhafter Sorgfalt gezeichnetes und alle Züge einer so seltenen Persönlichkeit zusammenfassendes Charakterbild der Erzherzogin Maria vor Augen zu stellen. Dieö gedenke ich nun nach seiner reichen Vielseitigkeit zu vollenden und diesem durch den treuen Bericht über ihre letzten Stunden ebenso das Siegel aufzudrücken, wie der Hinscheid ihrem ganzen Leben ein solches aufgedrückt hat. YNVg7ö»>UkStN^'k.NlH Wollen wir dessen Grundzug, dessen bewegende Kraft bezeichnen, so können wir nur sagen, die Erzherzogin Maria ist daS in hoher Vollkommenheit ausgeprägte Bild einer Persönlichkeit, deren Erkennen, Wollen und Thun fest und unverrückt in der katholischen Kirche wurzelt; deren Lebenskraft nach dem ganzen Maaß ihres Vorhandenseynö und nach jeglicher Weise ihrer Bethätigung ein Ausfluß von dieser ist; die deßhalb ein lebendiges Glied derselben nach der Vollesten Bedeutung dieses Wortes genannt werden muß. In der katholischen Kirche leben, hieß daher für sie: durch die katholische Kirche leben, und „gut katholisch seyn," war in ihrem Munde daS höchste Lob, welches sie auSzusprechen vermochte; Rückkehr in die katholische Kirche für Solche, die außerhalb derselben gestanden hatten, demnach der Inbegriff alles Wohlergehens, dessen sie theilhastig werden könnten. Von lebendig katholischen Eltern geboren, und durch dieselben zu allen jenen äußern Begehungen der innern Hinwendung an Gott angeleitet, welche für diese alltäglich daS Zeugniß ablegen, dürfte der Erzherzogin zeitliches Daseyn vor Allem und mit der vollesten Wahrheit ein fortlaufender Gottesdienst genannt werden. Jeden Tag erhob sie sich frühzeitig, sobald derselbe sich verkürzte, schon beim Kerzenlicht, häufig bereits um drei Uhr deS Morgens, später als fünf Uhr niemals, von ihrer Ruhestätte. Ihr Erstes war, den wach gewordenen Geist bei Gebet und Betrachtung in Gott zu versenken. Damit sie Niemand von ihrer Dienerschaft wecken müsse, geschah dieses, alsbald nachdem sie daS Bette verlassen, in ihrem Schlafgemach. Dann nur durchflog sie Unwille, wenn längeres Verweilen dabei durch Geschäfte oder, waS bei ihrem Stand nicht immer sich vermeiden ließ, durch zwischeneintretendes Anfragen unterbrochen wurde. In tiefer Andacht hörte sie sodann drei heilige Messen, bisweilen sogar vier, auf Reisen immer zwei. Zwischenein las sie geistliche Bücher, Predigten, die während deS AnhörenS bei dem Vorlesen sie besonders angesprochen, geweckt, emporgehoben hatten. Wie sie mit Gebet jeden Tag zu beginnen pflegte, so schloß sie denselben; sie betete an dessen Ablauf die Litanei, las daS Evangelium und die Lesestücke für den folgenden Tag und machte mit der GewissenSersorschung den Schluß. Im Bette war ihr Angesicht gegen ein KreuzeSbild gewendet, vor welchem ein Licht brannte, zu ihrer Linken standen zwei kleine Altäre. War sie durch Krankheit an dasselbe gebannt, so ließ sie sich ein Tischchen mit zwei brennenden Wachskerzen bringen und nahm ihre Gebetbücher zur Hand. DaS geschah später gewöhnlich zu der Zeit, da sie in ihrem Kloster zur Mette läuten hörte. So oft sie dort sich aufhielt, stand sie nachtS eilf Uhr mit den Schwestern auf und ging mit ihnen in den Chor. Wöchentlich pflegte sie wenigstens einmal zu beichten, jeden Sonntag mit ihrem Hofstaat, in den spätern Jahren mit ihren Kindern, die heilige Communion zu empfangen, beides außerdem noch, so oft sie zu jenem im Gewissen, zu diesem durch ein eintretendes Fest gemahnt wurde. An jedem Festtage wohnte sie dem öffentlichen Gottesdienste bei und sah darauf, daß dieses nicht allein von ihren Kindern, sondern ebensowohl von allem ihrem Hofgesinde beobachtet werde. Es lag ihr sehr viel daran, daß durch Anwendung der Heilmittel und Theilnahme an der Verehrung deS Dreieinige» daS religiöse Leben bei Jedermann geweckt und gestärkt werde, daß sie bisweilen in den Zeiten, welche dem Christen besonders heilig seyn sollen, bei den Geistlichen anfragen ließ, ob die Zahl der Beichtenden und Communicirenden groß gewesen seye? etwa in der Kirche nachzusehen befahl, ob viel Volk sich eingefunden habe? Eben so oft war sie bei Predigten anwesend. Fand sie durch eine besonders sich angesprochen, so mußte sie ihr hernach schriftlich zugestellt werden. Der Beichtvater ihres Klosters bezeugte eS öffentlich, er habe in der Kirche desselben niemals gepredigt ohne Beyseyn I. D. und deS ganzen fürstlichen HofeS. Kein Andachtöbüchlein erschien, was sie nicht zu erwerben suchte. Manche ließ sie wieder auflegen und verbreiten. Besondern Werth hatten für sie die LebenSgeschichten der Heiligen, vorzüglich solcher, die durch größere Strenge sich ausgezeichnet hatten; dergleichen mußten manchmal während der Tafel vorgelesen werden und überallhin, selbst auf die Jagd, 161 sie begleiten. Noch bis jetzt hat sich auS ihrem Nachlaß ein Bund handschristlicher Gebete, geistlicher Lieder, liturgischer Vorschriften oder Erklärungen erhalten, jedes Blatt oder Heftchen mit einer Aufschrift von ihrer Hand versehen, als fortlausendes Zeugniß für die Wahrheit dessen, waS die Zeitgenossen von ihr berichtet haben. War ein öffentliches Gebet angeordnet, so mußten nicht allein ihre Töchter, Kammerfrauen und Mägde der Reihe nach wechselsweise dazu sich einfinden, sondern sie ging ihnen insgesammt mit dem eigenen Beispiel voran, ja übertraf sie Alle, indem sie gewöhnlich nicht darauf sich beschränkte, nur während der zugewiesenen Stunde vor dem AltarSsakrament zu knien. Eine ansehnliche Reihe von Zetteln, auf welche die Namen ihrer Kammerfrauen und deS weiblichen Dienstpersonals verzeichnet find und die Stunde angegeben wird, zu welcher bei solchen Veranlassungen eine jegliche in der Capelle stch einzusinken habe, wird jetzt noch in dem kaiserlichen HauSarchiv aufbewahrt. — Zur Darbringung deS unblutigen OpferS und zu dem Gebet war sie von wankellosem Vertrauen durchdrungen. AIS eine ihrer Töchter im Kloster Hall sie in einer Angelegenheit um Trost und Rath bat, antwortete ihr die Mutter- „Meine Kinderl habt ihr ein Anliegen, so nehmet im Gebet zu Gott eure Zuflucht. Betet auch fleißig für die armen Seelen und lasset Messen für sie lesen, sicher werdet ihr dann Hilfe empfangen." Damit rieth sie zu dem, waS sie immer selbst befolgte; denn manche Jahre durch ließ sie auf St. Andreä Friedhof zu Grätz viele Messen hinter einander für die Abgestorbenen, für jedes Glied ihrer Dienerschaft deren immer dreißig lesen. Sie begleitete fast jeder Zeit die Processionen, wie sie derjenige deS MarkuS- tageS noch fünf Tage vor ihrem Ende beigewohnt hat. Ihr gefiel zu Mailand besonders, daß Erzherzog Albrecht sammt andern Vornehmen bei einer solchen den Himmel tragen half, indem sie darin eine größere Demüthigung zu Gottes Ehre erkannte. Wer sie an derjenigen deS Fronleichnamsfestes sah, mußte durch ihren Anblick bewegt oder emporgehoben werden. Jeden Samstag besuchte fie die Wallfahrtskirche zu Straßgang, zu Maria Elend genannt, und ließ, um die Gläubigen zu größerer Andacht zu erwecken, längS deS Pfades i4 Kreuzwegstationen aufrichten. Im Sommer ging sie gewöhnlich zu Fuß dahin, nahm ein paar ihrer Kinder mit, denen sie unterwegs etwaS von den Leiden Christi erzählte, nachdem sie an jeder Station einige Augenblicke kniend im Gebete verweilt hatte. Anvere WallfahrtSörter besuchte sie ebenfalls; zu Mariazell ist sie öfters, in Altötting wenigstens bisweilen gewesen, Straßengel, Ferniz bliebe» ebensowenig vergessen. Auf der Rückkehr auS Spanien zog eS sie nach Loretto. In ihrem Land ließ sie sich ollen Bruderschaften einverleiben, auch in andere außerhalb desselben. Denn der hohe Werth der Bruderschaften für Belebung christlicher Sinnesart und HanvelSweise wurde damals noch von allen Ständen anerkannt und gewürdigt. Zu Laibach gab sie ein unverkennbares Zeugniß ihrer katholischen Gesinnung damit, vaß sie bei der Huldigung, welche Ferdinand in Krain einnahm, öffentlich sammt allen Erzherzoginn, derjenigen deS heiligen AltarSsakramenteS bcitrat und zu einer Procession sich einsand. So oft sie sich aus Reisen begab, empfahl fie sich der Fürbitte ver Marianischen Bruderschaft in Grätz. Diejenige vom heil. Geist wurde unter die dortigen Studirenben vornehmlich auf ihr Betreiben eingeführt, wirksam dadurch empfohlen, daß ihre sämmtlichen Kinder derselben beitraten. Eine große Anzal von Jndulgenzen für Rosenkränze, von Päpsten geweiht, für AgnuS Dei, für Medaillen, mit päpstlichen Vergünstigungen ausgestattet, beweisen, daß ihr frommer Glaube gerne Alles um stch vereinigte, waS nach der Lehre der Kirche dem innern Leben als Hilfsmittel dienen kann. Deßwegen hatte für sie nichts einen so hohen Werth wie Ueberreste der Heiligen, ob nun von deren Leibern oder Gewändern. Von allen Orten her suchte sie dergleichen sich zu verschaffen; noch im letzten Jahre ihres Lebens mußte Ferdinand seinen Ausenthalt in RegenSburg dazu benutzen, um auS St. EmeranS Abtei ein Theilchen von dem Leib deS heil. Bischofs Wolfgang für sie zu erbitten; und der Ausdruck der Dankbarkeit gegen denselben für den Erfolg seiner 164 Verwendung ist zugleich derjenige der Freude, ihren Wunsch erfüllt zu sehen. Wie werth ihr die durch Clemens VIII. erhaltene Vergünstigung müsse gewesen seyn, dergleichen heil. Ueberreste in allen Klöstern und Kirchen Italiens verlangen zu dürfen, läßt sich dem reichen Verzeichnis) solcher entnehmen, die ihr einzig in Mailand überlassen wurden. Ihre Ehrerbietung gegen dieselben bewährte sich dann durch die Fassung, mit denen sie sie ausstatten ließ. Hiezu gab sie mit freudigem Sinn Perlen, Evel- gesteine, Arm- und HaiSzierden und die kostbarsten Kleinodien her. So vereinigte sie in ihrer Capelle, die seit der ersten Zeit ihres 'Aufenthaltes in Grätz mit Recht ihr Augapfel konnte genannt werden, welcher sie die eifrigste Sorgfalt und Liebe stets angedeihen ließ, zweierlei Schätze: diejenigen, welche nur der Glaube würdigt, und solche, die vor der Welt ihre Geltung nie verlieren werden. Die Mehrung von beiden ließ sie ihr ganzes Leben durch sich angelegen seyn. Die Hinneigung zu geistlichen Dingen zog sie auch zu denen, welche kraft ihres Berufes dieselben den Gläubigen vermitteln sollen. Sie erwies den Geistlichen be« sondere Achtung, doch dann nur, wenn der Stand und dessen Träger sich gegen» seilig durchdrangen. „Alle Geistlichen, sagte sie öfters, habe ich von Herzen lieb, dafern sie sich wohl halten; ist aber das nicht der Fall, dann mag ich ihnen nicht viel gute Worte geben; das wollte ich Jedem rund heraussagen." An Beispielen, daß sie solcher Rede Folge zu geben wußte, fehlt eS nicht. Hörte sie von dem Mißtritt eines Geistlichen, so war sie sehr besorgt, daß ihn weder die Bessern entgelten möchten, noch daS Volk dadurch geärgert würde. Gemeiniglich rief sie, wenn Derartiges ihr zu Ohren kam, auS: „Wie verkehrt ist doch die Welt, wie ein arger, listiger Feind und Bösewicht ist nicht der leidige Satan!" Arme Geistliche lud sie öfters zu Tisch. Erklärte sie: wollte einer ihrer Söhne Capuciner werden, mit Freuden würde sie ihm ihren Segen geben, so ging diese Rede gewiß aus ihrer tiefsten Ueberzeugung hervor. So oft sie mit einem Priester oder einer geistlichen Person zu verkehren hatte, vergaß sie nie, in deren Gebet sich zu empfehlen. In besonderer Gunst standen bei ihr die Ordenspersonen beiderlei Geschlechts, denn katholisch seyn wollen und jenen ihres Standes wegen abgeneigt seyn ist ein greller Widerspruch. Weil bet des Adels Abfall von der Kirche die Glieder des FraucnklosterS Göß, die jenem angehören mußten, sehr herabgeschmolzen waren, wendete Maria große Kosten darauf, ihnen Zuwachs auS Bayern und auS Welschland zu verschaffen. Maria besaß ein besonderes Geschick, Irrgläubige auf den Weg der Wahrheit zurückzuführen. Die Liebe, welche zu solchen Bemühungen allein der Beweggrund seyn darf und zugleich das erfolgreichste Mittel seyn wird, machte sie hiezu ausnehmend tüchtig. Durch Freundlichkeit suchte sie sich bei ihnen Gehör zu verschaffen, zog dieselben hiedurch an sich, legte ihnen in solcher Weise die Glaubenslehren vor. Dann ließ sie sich angelegen seyn, dieselben mit glaubenswarmen Männern in Berührung zu bringen. Auch zum Gebet, zu Messen nahm sie ihre Zuflucht. Nahten sich dergleichen Leute ihrem LebenSenve, so verdoppelte sie ihren Eifer. DaS Verdienst, Jemand in den Hafen deS Heils geleitet zu haben, ging ihrer Ueberzeugung nach jedem andern voran, deßwegen begab sie sich bisweilen in adelige Häuser, mit einem kleinen Bilde der heiligen Jungfrau versehen, und stellte mit beweglichen Worten dar, wie man doch den alten Glauben verlassen und Diese unter die gemeinen Weiber . herabwürdigen könne? Nicht immer war ihre Bemühung fruchtlos; Einige wurden hiedurch zur Rückkehr in die Kirche bewogen. So der alte Herr von Thanhausen, mit dem sie oft über Glaubenssachen in Erörterung sich einließ, auch mehrmals einen Pater auS der Gesellschaft Jesu mitnahm, der ihm Alles auseinandersetzen mußte. Wie sie dann dessen tödliche Erkrankung vernahm, veranstaltete sie ein vierzigstündigeS Gebet, ließ für seine Bekehrung Messen lesen, beten, Almosen austheilen und hatte endlich die Freude, ihn vor dem Tod mit der Kirche ausgesöhnt zu sehen. Gleiches geschah mit einer Frau von Lichtenstein, die dergestalt unter steter Huth ihrer unkatholischen Umgebung stand, daß eS nur der Erzherzogin möglich war, einem Priester, der dem Verlangen der Edelfrau willfahren konnte, Zutritt zu derselben zu verschaffen. 165 Hoffte sie, Jemand von der katholischen Wahrheit überzeugen zu können, so gab sie bereitwillig ihre Bücher her, kaufte neue, wendete Geld zu Almosen aus und nahm an den öffentlichen Gebeten dafür zu allererst Theil. Bei allem diesem Eiser war sie von Bitterkeit und Härte gegen diejenigen frei, die sich nicht überzeugen ließen. So gestattete sie den Hammermeistern, welche die Auswanderung dem katholischen Glaubensbekenntniß vorzogen und doch ihre Gewerke nicht verkaufen konnten, einen allmonatlichen Besuch derselben, um anordnen zu können, waS zu deren Betrieb erforderlich. (Fortsetzung folgt.) «muN »ichöm z-ttH. ->r.-z . l-,S»x »>Z/si»H ni, , alzqsiS. sim-MdM ni» ir>«> »im 'tdiiiÄ 6mi >7^liZ^> iü) >l iii-iu?^ !> n^nc-M iiüs!>j!t ".»au»K 10a . ^ , Der Dvrfeaplan in den Tyroler Alpen. (Charakterbild von Beda Weber.) ? -^(?0tts«tz»«g.)>!>I^t»5IlÄ ?»» Il.-)-!l'l1'''«. Wie kann euch einfallen, ein strenges Urtheil über eueren Nachbar zu fällen! Er schläft ja den nämlichen Schlaf mit euch und träumt den nämlichen Traum. Haltet euch fromm und ruhig als gute Schlafgesellen und streitet euch nicht um die eine Decke, die Alle wärmt und erquickt. Schlagt in keine blühende Staude! Wer eine FrühlingSblüthe wissentlich tödtet, vor dem ist kein Leben, kein Herz und kein Gott sicher. Und wer ein junges Bäumchen muthwillig zerknickt, mit dem schlafe ich nicht unter einem Dache." So spann sich in den lebhaftesten Bildern die ganze Sittenlehre an seinem Krankenbett ab. Er achtete dabei wenig auf die Umstehenden, die er in solchen Augenblicken auch nicht recht erkannte. Seme innigste Ueberzeugung machte sich Luft und die That seines LebenS gellend. Er verstand, wie kein Anderer, mit unnachahmlicher Kunst, Kindergeschichten zu erzählen, Mährchen, Fabeln und Lehrstücke aller Art auf so einschmeichelnde Weise, daß ihm die Knaben und Mädchen auf der Gasse in die Schöße seines RockeS fielen, und ihn nur um das Lösegeld einer lustigen oder traurigen Geschichte frei ließen. In den Phantasien seiner Krankheit spielten diese wunderlieblichen, oft mährchenhaften Bilder und Bruchstücke wie auS Tausend und Eine Nacht im buntesten Gemische durch seine Seele, durchtönt vom Beifall aushorchender Kinder, den er selbst mit allen Muskeln seines gereizren Organismus kundgab. „Eine Geschichte, eine Geschichte!" riefen die Kinder. Er lag mit dem kinderseligsten Lächeln auf seinen Kissen und sagte mit weicher Stimme: „O, Geschichten weiß ich viel tausend, und die allerschönsten, die noch kein Mund erzählt und kein Ohr gehört hat; aber heute bin ich müde, laßt mich eine Weile ausrasten!" Bei diesen Worten machte er eine Bewegung, als wollte er sich den Händen der Kinder entwinden, eS gab ein Scherzen und ein Gekicher, daS dem kranken Mann einen eigenthümlichen, für die Zuschauer oft schmerzlichen Ausdruck gab. Er wand sich hierhin und dorthin, eS half alles nichts, die Kinder ließen ihn nicht loS. »Nun, so will ich denn erzählen," sagte er wie ermüdet vom langen Widerstreben. — Nach der Erzählung sank er ermattet in'S Kissen und lag eine halbe Stunde unbeweglich, nur leise athmend. (Schluß folgt.) »dttz'i<'7 ^«>Zj>NshHj5M »t> vm»» ai ni?nu ltthnuyg ni ,vtw M!l . n'-wfi^ii^mnilN'j um Zizilöl, Schornsteine gegen Jesuiten. Die Gegner der Jesuiten scheinen nicht verschmerzen zu können, daß die ihnen vom ?. Roh bedingungsweise versprochenen 1000 Gulden ihnen doch entgangen sind. Bekanntlich endete der von Lübeck aus angefangene Krieg mit einem schmählichen Rückzüge der Gegner. Nachträglich ist ein neuer Streiter, ein neuer Bewerber um die 1000 Gulden ausgetreten, eS ist der vr. Sander, nicht der auS Elberfeld, sondern der aus HildeSheim, der erst seit neuester Zeit berühmt zu werden anfängt. In dem jüngst erschienenen 2ten Hefte seiner Zeitschrift: „Luther oder Papst?" zieht er gewaltig gegen Diejenigen zu Felde, welche den Jesuiten vorgeworfen, sie haben offen eS gelehrt, daß der Zweck die Mittel heilige. „ES hat", sogt vr, Sander, „(in früherer Zeit) wahrscheinlich kein Mensch gewähnt oder gar behauptet, die Jesuiten hätten mit dürren Worten in irgend einer gedruckten Schrift ausgesprochen, daß der Grundsatz: „„Der Zweck heiliget die Mittel"" — wirklich ihr Grundsatz sey; für so einfältig hätte nur ein höchst einfältiger Mensch die Jesuiten halten können." Also auch den Historiker Ranke in seiner ersten Auflage der römischen Päpste und so viele Hunderte vor und nach ihm, die behaupteten, die Jesuiten lehren mit dürren Worten, daß der Zweck die Mittel heilige, nennt Herr 168 Dr. Sander „höchst einfältige Menschen". Derlei Prävikate verdienen Dankadressen und Ehrenbecher. — Inzwischen ist Herr Dr. Sander selbst hinter daS Geheimniß gekommen, und die 1WO Gulden mögen denn endlich flüssig werden. Er sagte: „Merkwürdig indeß bleibt eine Thatsache: Nachdem AbendS am 16. August 1773 dem General der Jesuiten und seinen Assistenten, wie auch den übrigen Jesuiten in Rom das päpstliche AufhebungSdecret bekannt gemacht worden war, sah man AbendS am 13. August auö den Schornsteinen des deutschen und deS ungarischen Jesuiten- CollegiumS einen dicken Rauch aufsteigen und die angestellte Untersuchung ergab, daß eine Menge von Schriften und Büchern verbrannt war." Damit wäre die Sache bewiesen und die 1vl)t) Gulden wären an Herrn Dr. Sander zu senden, til m,4 ,01 .,,IÜÜ, jkMnHtm Z(!»i.'I(Z yMil!!in5 )> ii> ,'tS »ikl Iii > »i!» Siill .7^'^ili^l srni^ :Hs,f6ii»>tH l 'iii> lim ttitlüjlii» 0s '.l>'1 I! II 51 «5 Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen, Verlag« - Inhaber: F. C, Krem er. Dreizehnter Jahrgang. Sonntags-Beiblatt .,Ä!dT !^-Ig?m „MW tt^ nwcz nM. nv ,n,:.^ I.^s. uz ,n.chf.»jE N.M. ^, ..M»ii,km-^«v mtt!Zz,!w>5 7s,iS m-z zmMW «,»^,»,-,»5 ai^UMv »ii Sn« Augsburger Postzeitung. Uk^ ?^ lvcn H»N!«L >f^7-7s >n ^^,!,.lt, xailmi 7/s-u hl.j «N'Z hlü'mvl rdub z^7uliliiv?ßim ichill 7>^ri m»?nz^,tt ittwlu^ljUt gni'ti'-K Diese« Vlatt erscheint regelmäßig alle Tonntage. Der halbjährige Aboimementspreis kr., wofür e« durch alle kömgl. bayer. Postämter uud alle Buchhaudluogeu bezogen werden kaou -^---------------^^ Die Erzherzogin Maria von Steiermark, Mutter Kaiser Ferdinand des Zweiten. RededeSHofrathSundReichShistoriographenvi-. v. Hurter-Ammann, gehalten in der Plenarv er sammlungveS Wiener Central.SeverinuS- vereins am 28. April 1853., >Z5lW z'izj? .iuitsln^IiW »><»« tHinG . ,»Z^> ut.7?i?MMv». -tyi t.T ..n»»iii?S a»n>W (Schluß.) Jede äußere Bethätigung war aber bei Maria nur der wahrnehmbare Ausdruck der im Innern wohnenden Gesinnung, ein ununterbrochen angewenveteS Mittel zu deren Erhaltung und Kräftigung. Diese ist der spruvelnde Quell, der bei allen Begegnissen, so freudigen als schmerzlichen, in seinen reinsten Ergüssen hervortritt; sie ist'S, die der Weltanschauung Mariens Bahn und Ziel weist. Kamen tröstliche Berichte auS dem Feldlager, so hatten nicht Menschen das Erfreuliche vollführt, sondern „augenscheinlich" allein Gott es geleitet; drohte Gefahr, so hoffte sie auf GotteS Erbarmen, daß er die Seinigen nicht verlassen werde. Er macht Alles wie er will, pflegte sie zu sagen, daher muß man auf ihn vertrauen, nicht immer Rücksicht auf die Leute nehmen. Auf den Reichstag setzte sie in deS Landes Bedrängniß durch die Türken alle ihre Hoffnung, weit mehr aber „aus Gott; denn der Ewige weiß wohl, waS gut, waS am besten ist." AIS sie im Jahre 1595 unter steter Gefahr vor den durch Ungarn nach allen Richtungen streifenden Türken mit ihrer Tochter nach Siebenbürgen ziehen sollte, befahl sie sich in wohlbcgründeler Furcht Gott, der mit seinen heiligen Engeln ihr Begleiter und Schützer, woneben aber menschliche Begleitung immer nicht überflüssig seyn werde. Solchen Aeußerungen, die wie die milden Strahlen eines hellen Lichtes auS den Tiefen ihres Gemüthes bei jeoer Veranlassung ausströmen, begegnen wir in manchen ihrer Briefe. Sie machte während ihres Lebens verschiedene gotteSdienstliche Stiftungen, um so bereitwilliger, wenn sie Zwecke der Wohlthätigkeit damit verbinden konnte. Schon im Jahre 1578, am ersten Sonntag nach dem Dreifaltigkeitsfeste, stiftete sie eine Messe, die alle Samstage in der Pfarrkirche zu Grätz vor unserer Lieben Frauen Altar, daneben an dem Vorabend jedes Marienfestes eine Vigilie sollte gehalten werden, weil sie als Unwürdige der Gebenedeieten Namen trage. Dieses befahl sie den Jesuiten an und überwies ihnen dafür 15V Pfund ewigen ZinS. Aber nur zehn Pfund sollten zur Zier der Litanei und Processton gelten, 20 Pfund an arme Schüler vertheilt, für 120 zwei solche stetö unterhalten werden. Mäßigung erlaubter Genüsse, eine gewisse Strenge deS Lebens hat als unzertrennbares Wahrzeichen einer ernsten Gesinnung, eineS zu höher» Dingen gewendeten Gemüthes von jeher und unter allen ReligionSgesellschaften gegolten, die nicht eine .ynny7(!l 170 ?ksi,iT solche auf GlaubenSlostgkeit gründen zu können wähnten. Ueber daS Maaß derselben haben die Begriffe gewechselt; die Kirche selbst hat dieses nie weiter ausgedehnt, als wie eS allen Menschen, zu allen Zeiten, an allen Orten zu erfüllen möglich; Schwereres sich aufzulegen hat sie dem Willen, dem Eifer deS Einzelnen anheimgestellt. Wer gerne an Zeltbegriffe und Zeilrichtung Berufung einlegt, der muß fichS gefallen lassen, daß dieser hohe Gerichtshof je zu Fristen anders bestellt gewesen ist, als gerade in demjenigen Augenblick, in welchem er denselben zum Spruch aufruft, in Zuversicht, daß dieser nunmehr nach seinem Wunsch sich erklären werde. JeneS war der Fall in dem Zeitraum, in welchen Mariens Leben fällt. ES wurde auch damals den Gütern der Welt und den Freuden des Lebens und dem Gepränge der Großen ihre Geltung zugestanden, liebendem aber nicht mißkannt, daß dem zwischendurch sich ziehenden freiwilligen Missen derselben aller Werth nicht dürfe abgesprochen werden. Umgab jenes Alles, an die Stellung geknüpft, die Erzherzogin von außen, so waltete dieses in ihrem Innern. Von Natur in leiblichen Genüssen mäßig, fügte sie der Entsagung, welche die Kirche ihren Kindern, um sie in Gehorsam und Demuth zu üben, auferlegt. Einiges noch freiwillig hinzu. Jeder Dienstag, ihres Gemahls TodeStag, war für sie durch lange Jahre ein Fasttag. Auch äußerer Strenge unterwarf sie bisweilen den Körper, besonders in der Zeit, in welcher die Kirche des Leidens ihres Herrn ernster und inniger gedenkt, so daß nicht selten der Beichtvater ihrem Eifer eine Schranke setzen mußte. Häufig trug sie unter dem fürstlichen Gewand d>n groben Bußgürtel von der Bruderschaft deS heil. Franz, oder Armbänder von härenen Stricken. Da ihre Kammerfrau, die Gräfin von Wildenstein, diese Abtöd- tungSmittel einst entdeckte und sich gegen ihre Herrin die Bemerkung erlaubte: „Euer Durchlaucht leben allzu streng," versetzte die Erzherzogin nicht ohne einige Heftigkeit: „„Wie sollte ich daS nicht, da ich eine große Sünderin bin!"" Anbei verbot sie ihr, gegen irgend Jemand von dem Wahrgenommenen etwas verlauten zu lassen. Daß aber diese Strenge der ächten Wurzel entwuchs, zeigte sich darin, daß sie dieselbe bloß gegen sich selbst anwendete, Andern nur ihre Milde zu erkennen gab. DaS Alles konnte nicht ohne Einfluß bleiben auf jenen tiefen Ernst, dessen Frucht fleckenlose sittliche Würde ist, die ihr als Grundbedingung alles Gedeihlichen galt. „War," schrieb sie an Rumpf nach dem unglücklichen AuSgang eineS Treffens bei Neuhäusel, „wie die Sage geht, in unserem Lager ein solches gotteslästerliches Leben, daß alle Laster darin im Schwange gingen und ihnen kein Einhalt gethan wurde: dann war eS natürlich, daß am Ende Gott die Schuldigen mit den Unschuldigen strafen mußte." Bei einer solchcn LebenSrichtung galt ihr daS Gegenwärtige als vorübergehend, als bleibend einzig daS Künftige. Im Hinblick auf dieses hörte man sie bisweilen sagen: „Gott! wie wird eS dort so wunderbar zugehen! Wie wird so mancher Mensch anders sich zeigen, als er hier schien! Wie viel Heller sieht nicht Gott als wir, die wir uns Alle in so manchen Dingen versündigen; die wir so vieles an unserer eigenen Person nicht erkennen, waS Gott aber wohl weiß und dessen Kenntniß hat." — Derlei Gesinnung mußte zu dem sorgsamsten Aufmerken auf sich selbst auffordern. Maria ward zu demselben um so dringlicher ermuntert, da sie in ihren letzten Jahren oft zu. sagen pflegte: „ich weiß, daß ich nicht mehr lang leben, sondern bald sterben werde!" Deßwegen, bei dem Verein so mancher, zu allem Höhern sie emporhebender Tugenden, war sie auch eine starkmüthige Frau, unverzagt in Gefahren, selbst Anderer Muth zu heben geeignet. Wie die Rebellion der Ungarn im Jahr 1605 auch des SohneS Landschaften bedrohlich zu werden schien, fuhr sie täglich in ihr Kloster und öfters als sonst zu Kranken, bloß damit daS Volk, wenn sie so unverzagt ihm sich darstelle, Muth fasse. Dem Adel aber sagte sie: „sollte er Meinen, nur Pracht, Wohlleben und Faulheit nachgehen zu dürfen, so werde sie als Weib in den Krieg ziehen. Nicht ihrer Person, wohl aber ihnen, welche Rittersleute seyn wollten, könnte eS zur Unehre gereichen, wenn statt ihrer ein Weib streiten müßte." ,7t Gleich ihrer Schwägerin, der verwittweten Kaiserin, und deren Töchtern, Marien« Muhmen, Elisabeth, König Carls IX. von Frankreich Wittwe, und Marga- retha, deren die erste, wie so viele fürstliche Frauen, in den dritten Orden des heiligen Franz getreten war, die andere zu Wien daS Königskloster gestiftet und in dasselbe stch zurückgezogen hatte, die dritte in voller Jugendblüthe den Nonnenschleier den Kronen von Spanien und beider Indien vorzog, gedachte auch Maria, wenn einst in ihrem Sohne ^dem Lande ein Regent, seinen minderjährigen Geschwistern ein Vater würde herangereift seyn, in ein Kloster stch zurückzuziehen. Schon am Ende deS Jahres 1597, als Ferdinand seinen Beichtvater nach Rom schickte, um für die Dispense zur Ehelichung seiner Base zu danken, mußte derselbe dem heiligen Vater den Wunsch der Erzherzogin ausdrücken: dannzumal, wenn deS Sohnes Sachen gefestigt, mithin dringlichere Verpflichtungen von ihr genommen wären, unter Klosterfrauen leben zu dürfen. Anfangs hatte sie ihr Auge auf Hall in Tirol geworfen, wohin die Erinnerung an die Schwägerinnen sie ziehen mochte. Bald jedoch neigte stch ihre Vorliebe zu dem Orden der heiligen Clara, also daß sie schon im Jahr 1594 das Gewand desselben sich verfertigen ließ und eS in einer wohlverschlossenen Lade auf allen Reisen stetS mit sich führte. Niemand wußte darum als ihre geheime Kammerfrau ; da aber die Erzherzogin jederzeit bei vem Verpacken mit einer gewissen Aengstlichkeit nachfragte, meinte das übrige Gefolge, dieselbe müßte ihre werthvollsten Kostbarkeiten enthalten. In Beziehung auf die Erzherzogin selbst hatte eS wohl recht. Dennoch lag neben dem OrvenSgewand und einem kleinen, in dasselbe gekleideten Bilde in dem verschlossenen Behältniß nicht» anders als die schriftliche Erklärung: wo immer und wie unvorgesehen der Tod sie ereilen möchte, so wolle sie in diesem Gewände beerdigt werden. Wie sie durch deS SobneS Festigkeit die kirchliche Herstellung in dessen Ländern durchgeführt sah, und wie nach Verbannung der Prädikanten und Lehrer das bisherige unkatholische Schulgebäuve und daS daran stoßende BethauS zu Grätz, einst als Spital und Eapelle, in alier Heiligen Ehre geweiht, zwecklos standen, warf sie zu beabsichtigter Stiftung eines Klosters ihr Augenmerk auf diese Baulichkeiten. Es schien ihr verdienstlich, die Stätte, von der einst unter so großem Erfolg die Anfechtung der Kirche ausgegangen war, in eine solche zu verwandeln, von welcher täglich daS Lob GolteS erschalle. Deßwegen machte sie den Landständen, deren unentrisseneS Eigenthum die Gebäude fortan geblieben waren, den Antrag, dieselben käuflich an sie abzutreten. Diese aber überließen ihr dieselben als Geschenk. Sofort wurden die erforderlichen Einrichtungen getroffen, des Papstes Bestätigung für die neue Stiftung verlangt, daS Innere, vornehmlich aber die Kirche, mit solcher Sorgfalt ausgestattet, daß der Bau deS NamcnS eines KönigSklosterS für würdig erachtet ward. Schon am 10. November 1602 konnten fünf geistliche Jungfrauen und ebenso viele Novizinnen aus St. Jakob am Anger zu München dort eintreffen. Die Erzherzogin war bei ilirer Ankunft so hoch erfreut, daß sie selbst für die Kommenden den Tisch zu decken und die Betten richten half und mit ihnen daS Mahl nahm. Am l. Juli des folgenden JahreS fertigte sie gemeinschaftlich mit dem Sohn den StiftungSbrief auS, kraft dessen den Schwestern jährlich und in vierteljährigen Würfen, „auf ewig zu verstehen," 3000 Gulden aus dem Hall- und Salzantt Auflee (dem Pfand für der Erzherzogin Eingebrachtes) sollte bezahlt werden, welchem Ferdinand noch andere 2000 Gulden von ebendaher beifügte. Dann übergab ihnen Maria noch daS Dorf St. Margaretha bei Marburg sammt zwei erkauften Weingärten. Sie setzte die Zahl der Jungfrauen auf 36 unter einer Aebtisfin. Dabei getröstete sie sich ihres .,herzliehen Sohnes, seiner Erben und Nachkommen," daß sie ihr GottcShauS „durchaus nicht betrüben, sondern es vielmehr vor aller unbilligen Zumuthung jederzeit ernstlich schützen würden." „Wofern sie darwider etwas fürnehmen, oder solches Andern wissentlich zugeben wollten, möchten sie ermessen, wie heftig sie hirdurch den Allerhöchsten erzürnen , alle seine lieben AuSerwählten bewegen und UnS selbst gar in jener Welt betrüben würden." — Den Klosterfrauen war auferlegt, für alle Fürsten der Häuser Oesterreich und Bayern, Lebendige und Abgestorbene, und für „Beschützung 172 dieser Länder vor des grausamen Türken Macht täglich zu beten, daneben alle Qua- tember ein VIgil und Requiem zu halten, an diesen unter alle Arme jederzeit eine Spende von 50 Gulden zu vertheilen." Durch Ferdinands Veranstaltung wurde bald darauf das Kloster durch alle Stockwerke und in seinen vornebmsten Räumlichkeiten mit-Wasser versehen, mittelst einer Maschine aus der Mur dahin geleitet. Die Sorge um ihre unerzogenen Töchter legie aber der Erzherzogin Verpflichtungen auf, welchen sie daS Uebergewicht vor persönlicher Neigung einräumen mußte. Hätte sie vic letzte derselben, die Erzherzogin Magdalcna, nach Florenz begleiten können, dann würde sie wahrscheinlich nach der Rückkehr ihren Vorsatz, in diese geistliche Gemeinschaft einzutreten, ausgeführt haben. Inzwischen brachte sie doch, und häufig gemeinschaftlich mit ihren Töchtern, manchen Tag in derselben zu. Obgleich sie sich in dem Kloster zwei Gemächer mit ausgezeichnetem Gerüche hatte Herrichten lassen, in denen sie gewöhnlich dann, wenn sie die Erzherzoginen mitnahm, deS TagS über sich aufhielt, wählte sie doch für die Nacht eine gewöhnliche Novizenzelle in dem gemeinsamen Schlafhauö. an deren Thüre von außen'daS gewohnte Täfelchen hing mit der Aufschrift: „1603. Schwester Maria, Erzherzogin." Dann stand sie um elf Uhr auf, ging mit den Andern in den Chor, und trug, wenn die Kammerdienerin nicht sogleich zur Hand war, ihre Laterne selbst, duldete auch nicht, daß eine Klosterfrau ihr leuchte; „denn im Kloster bin ich eine Schwester, wie jede andere." AIS solche erwieS sie sich auch in allem Uebrigen. Sie arbeitete mit den Andern, schürzte sich wie eine Magd , reichte den Schwestern daS Wasser zum Händewaschen, trug die Speisen aus den Tisch, unterzog sich selbst den gemeinsten Küchendiensten und ließ sich gefallen, waS irgend deS Klosters Ordnung erheischte; denn nicht sowohl Mutter unter Töchtern, als Schwester unter Schwestern wollte sie seyn. Aber mit allem Pomp einer Fürstin umgab sie sich, so oft sie unter Zulauf der ganzen Stadt verlobte Jungfrauen dahin führen konnte. »Geht, sagte sie dann, ihr Himmelsbräute, genießt eures GlückeS, wenn zwar ohne mich, doch durch mich; einst als alte Frau werde auch ich in eure Fußtapsen treten und mich nicht schämen Schülerin zn werden, wo ick Meisterin hätte seyn sollen." Die Freude, ihres Bruders Ferdinand Tochter, Maria Beata, Gräfin vom Wartenberg, als achtjähriges Mädchen diesem Kloster übergeben, nach sechs Jahren eingekleidet zu sehen (worauf sie nach weitern neunzehn Jahren die zweite Aebtissin wurde) hat Maria nicht mehr erlebt. In ihrer Zuneigung zu dem Orden der heil. Clara beschränkte sie sich nicht allein auf die Stiftung deS Klosters zu Grätz, sondern auf ihren Antrieb und unter ihrem Mitwirken geschah eS, daß die Schwestern desselben zu Mailand auS einem engen Hause in ein räumliches versetzt wurden, und deßwegen an Zahl zunehmen konnten. Ebenso verschaffte sie denjenigen in Ungarn, welche der steten Kriege wegen oft von Ort zu Ort sich flüchten mußten, einen gesicherten und bleibenden Wohnsitz in PreSburg. DaS sind Bethätigungen der Gottesfurcht und der Gottesinnigkeit sowohl in der Richtung nach Oben, als in ihrer Beziehung auf Festigung der eigenen Anschauung, Ueberzeugung und Lebenswärme. Aber Kiese Bethätigungen, soll ihnen ein wahrer, ein zweifelloser Werth zugesprochen werden, müssen auch nach Außen offenbar werden, gemäß jenem AuSspruch deS ewigen Wortes der Wahrheit: „ein guter Baum bringt gute Früchte, und: an ihren Früchten sollt ihr sie erkennen." Deßhalb würdigen wir an denjenigen, die nicht von der Welt sich zurückgezogen'haben, nicht bloß die Stufe der Beschaulichkeit, die von ihnen erstiegen worden, sondern eben so sehr und mit gleichem Recht fragen wir nach den sichtbaren Wirkungen derselben auf dem wciten Gebiete der christlichen Liebe. Wie in solchen dießartigen Erweisen die Erzherzogin Maria nicht minder thätig sich gezeigt, nicht minder reich sich bewährt habe, als in allen Manifestationen eines tiefen Gemüthslebens, daS gedenke ich den verehrtesten VereinSgenossen zu anderer Zeit zur Kenntniß zu bringen. -'''! üi-Ätz H'?!'."? 5n>! '-ü. -! ./,^! ^ .n>NB' . k»lNÜjss§ ryAKM iü> > tg,Z»'»juü ^ .".-,>Zi«vl ,,;HzfM ^I^-jH .N750uE chjznZtnZ 7»wöH ,73 Der Dorfeaplan tn den Tyroler Mpen. (Charakterbild von B-da Weber.) s»,t»7 nno«,z.4>tü ,!j!>...ss'-'iII (Schluß:) '.'.!',' ?:M siüig .wm.?^',i!'.!>k.n,H Die Tonkunst war ihm schon in frühester Jugend lieb geworden, besonders der Gesang. Mit allen Musikltebhabern, Organisten und Sängern der Nachbarschaft stand er auf vertrautem Fuß und half ihnen treulich bei jeder Aufführung kirchlicher Musikstücke. Auch in seiner Gemeinde befiederte er das Singen lehrreicher und lustiger Lieder, vorzüglich unter den Kindern, die er in der Kirche zum Gottesdienste brauchen konnte. So kam es, daß er auch während seiner Krankheit von unaufhörlichen Musikfesten umrauscht war. „O. heute war eS so lieblich in ver Kirche," wiederholte er öfters, „die Kinder sangen ein neues schönes Lied vom Mai, wie er kommt und die Reben weinen macht und tausend Keime in'S Sonnenlicht emporweckt. Und die ganze Gemeinde stimmte ein, und eS ging ein mächtiges Klingen von einem Berg zum andern, und alU Wälder zitterten vor Lust, und «elbst auf den höchsten Alpen spürte man die Kraft der Töne, welche durch die blühenden Thäler schollen. Ich fühle mich durch dieses Lied wahrhaft erleichtert, meine Seele emporgerichtet zu Gott, von dem alle Lieder ausgehen und zu dem sie wieder jubelnd zurückkehren. Er legte sich mit verklärten Zügen zurück auf'S Kissen und ruhete lächelnd wie ein Kind im Traume. Die Lippen zuckten leise, die Stirn verlor al!e Runzeln, ein flüchtiges Roth zog wie Abendsonnenschein über sein Angesicht. Und als er wieder erwachte, schlug eS zwölf Uhr Mittags; er fühlte sich gestärkter, betete mit erhobenen Augen und lispelte: „Frieve und Freude und Segen im heil. Geist!" Alles, was auf seinen Ge/vissenSzustand Bezug hatte, nahm er mit Freuden auf, und sein- Reue wurde zur herrschenden Seelenstimmung, die sich unablässig mit JesuS, dem Quell der Versöhnung, beschäftigte. Dom Tode war keine leise Ahnung möglich bei diesew regen Gemüthsleben, kein Schmerz fühlbar, er konnte seinen glücklichen Zustand nicht genug preisen. Immer enger zogen sich die Kreise seiner Wahrnehmung, selbst die Rede, sonst so überfließend, strömte sparsamer. Nur bisweilen brach er mit ver alten Kraft vurch das lose.Gespinnst flüchtig vorüberwallender Gedanken. Wie lange der Tag und die Nacht ist fühlt ein Dorfeaplan mehr, als man im ruhelosen Wirbel der Städte glauben mag. Um sich auf angemessene Weise zu beschäftigen, besonders in den langen Winterabenden, begab er sich auf das eifrige Lesen. Die Zeitläufte und Wellbegebenheiten fanden an ihm den aufmerksamsten Beobachter, unv er bemerkte oft scherzend, daß man ein Dorfeaplan werden müsse, um die Zeitungen mit gehöriger Umschau zu lesen, da sie die Stelle der Conversation ersetzen müßten. Und was ihn darin am meisten anzog, war das Schicksal der katholischen Kirche, daS er mit emsiger Gewandheit nach allen Seiten hin verfolgte. AIS Deutscher seufzte er oft schmerzlich über den Versall deS Glaubens unv der Andacht in deutschen Landen, und schon nahe dem Grabe konnte er deßhalb eine ängstliche Sorge nicht bergen. AuS der Fieberhitze hob er gegen Abend sein Haupt und sagte treuherzig zu mir- „Also draußen geht eS herzlich schlecht! In Deutschland meine ich. Mit der Bibel springen sie um, wie mit einem alten löcherlichen Pergamente; deßwegen heißen sie auch richtig Nichtbibelchristen. Sie suchen den Meister in ihrer Mitte aus sündigem Fleisch und Blut. Und ihre unverschämten Reden in Zeitblättern! Es fehlt an der Nation, die solche Schmach duldet. Und Alles geräth so geistreich, daß man vor lauter Pfeffer Kopfweh bekömmt. So liegt daS Land wie die Wiese deS Schneiders Franz voll Maulwurfshügel statt der Blüthen. Und ihr Kleid hat so viel Löcher, daß die Katze die MauS, und die MauS die Katze nicht findet. Und darüber hesten sie einen Klaftenlangen Aufsatz mil dem Titel, die deutsche Einheit, ^soll heißen: Abneigung gegen alle Kräfte der Einigung." Eine andere Unterhaltung, die er „LuruS" zu nennen pflegte, war seine rege Wanderlust, selten in weite Fernen, sondern ringsumher in die Nachbarschaft zu t7» AmtSgenossen, Freunden und Bekannten, denen er für ihre gut« Aufnahme ein kindlich dankbares Herz im Busen trug. Auf diesen Wanderungen durch Feld und Wald, durch Berg und Thal wurde er mit den Landleuten und ihren Verhältnissen auf'» Genaueste bekannt, ging mit Liebe in ihre innersten Bedürfnisse ein, und gewann durch freundliche Herablassung ihr Herz zur aufrichtigsten Mittheilung ihrer Gedanken und Wünsche. Er war dadurch die lebendige Chronik der ganzen Umgegend und der Vertraute aller Herzen. Mit jedem Begegnenden hielt er ein Ständchen, in jedes Fenster am Wege warf er einen fröhlichen Gruß, an jedem Brunnen setzte er sich nieder zu rasten unv koSte traulich mit den Wasserjchöpsenden. Allen wußte er eine gute Lehre, einen nützlichen Rath, eine eindringliche Ermahnung zu geben. ES kam so weit, daß er auf dem Wege die wichtigsten GewissenSangelegenheiten der Bergbewohner fertig brachte. Er legte ihnen je nach dem Bedürfniß ihr regelloses Leben. ihrböseS Beispiel, ihre anstößigen Reden so nachdrücklich an'S Herz, daß sie unter häufigen Thränen seine Hand drückten und Besserung versprachen. Niemand blieb davon ver- schont. Aerzte, Doctoren der Rechte, Landgerichtsbeamten, OrtSvorstände ließen sich seine Ermahnungen zur Buße gefallen. Er suchte sie öfter auf, um ihren Fortschritt zu prüfen, ihre Schwäche zu ermuthigen und den Eifer des BefserwerdenS zu loben. So war er ein wanderndes Gewissen geworden, eine Art Beichispiegel wie durch allgemeines Einverständniß. Selten wurde ihm diese Andringlichkeit zum Guten übel genommen, und wo es der Fall war, ging er so lange, so aufmerksam und liebevoll um den Gekränkten, daß er ihn zahm schmeichelte. „Man kann sich vor diesem Dorf« caplan nicht erwehren," sagte mir einst ein OrtSvorstand; „mag ich lächeln oder grollen, durch Regen oder Sonnenschein dringt sein verständiges Gesicht so grundehrlich durch, daß man sich ergeben muß." In seinen letzten Phantasien hatte er noch viel mit solchen „Patienten" zu thun. Er zog im Geiste durch die Gegend, leise flüsternd um'S einsame Gemüth veS Sünders. „Manches Herz ist so zart," sagte er, „man darf eS bloß am Aermel der rechten Hand zupfen, da geht eS in sich. Für andere Herzen braucht man den starken Dust der Alpenkräuter, um sie Allmählich aufleben zu machen zur Gottesfurcht; selten wird ein Sack mit Steinen nothwendig. Aber da muß man vorsichtig werfen, einen nach dem andern, nie auf den Mann, sondern nur auf seinen Schatten. Und zwischen Wurf und Wurf bete ich jedesmal zwei Bater unser, daS hilft gewiß." Besonders zog eine Seele seine sterbende Vorstellungskraft an, er nannte dieses unbekannte Wesen „daS Docterle," und lisperte ihm beständig leise Worte in'S Ohr, wozu er sich etwaS emporhob, wie angeschmiegt zum vertrauten Gespräche. „LiebeS Docterle, gutes Herz! mache dein „Mäulchen" nicht weiter, als eS ist, unv die Zunge nicht spitzer, als sie Gott erschaffen hat. Einmal steht Alles still, das Rad. und die Mühle, daö Wort und die That. Da liegt der Mensch lang ausgedehnt auf Hobelspänen, da steht eS gar ernstlich aus!" DaS war seine letzte zusammenhängende Rede. Die Kraft hatte sich allmählich ganz erschöpft. Er lag die folgende Nacht still und ruhig bis 12 Uhr. Mit der Nachtwende war er etwas reger, öfters leise Seufzer zu Christus und Maria ließen sich vernehmen. Die ganze Thätigkeit hatte sich in herzinnige Andacht zusammengezogen, die nur bisweilen durch Erinnerungen aus vem vorigen Leben durchblitzt wurde. Gegen drei Uhr Morgens sagte er: »Nun wird mir leicht, ganz leicht, eS wird gesund, waS krank war an Leib und Seele." Viele Glieder seiner Kirchengemeinde knieeten weinend um sein Bett. AIS seine Schwester hereintrat, heftete er auf sie einen bedeutsamen Blick und sagte: „Gib ihnen zu trinken das Wasser, welches in daS ewige Leben springt." Hierauf that eS einen Knall, als wäre eine große Sailc gesprungen, seine Glieder dehnten sich wie auS den Fugen gelöst. „JesuS, mein Gott! meine einzige Hoffnung!" lallte er mit brechender Stimme, und nach wenigen Minuten lag er da in freundlichem Tode wie ein Kind, daS schlummernd selig ist.— So endete dieses edle Priesterherz in den tprolischen Bergen. Ich dachte wäh- r«nd jener Stunden oft an'S Wort deS deutschen Dichters: „Leben, süße freundliche Gewohnheit deS Daseyns und Wirkens, von dir soll ich scheiden?" Sie klangen so !75 wahr auS dem Munde des sinnlichen Mannes, dem sie der Dichter in den Mund legt. Beim Dorfcaplan stellte sich daS gerade Gegentheil hervor. Die Gewohnheit seines frommen Daseyns und Wirkens wurde in ihm desto lebendiger und geistig verklärter, je schwächer sein Leib wurde. Alle Gegenwärtigen fühlten eS tief, daß sie mit seinem Geiste fortlebe und der schönsten Vollendung im Himmel entgegengehe, so daß man mit Wahrheit sagen konnte, daß seine Thaten ihm nuchfolgten. Jeder begriff in diesem herrlichen TodeSbild die Wichtigkeit der Vorarbeiten und LebenSge- wohnheiten auf der Erde für die glückliche Ueberlebung in den Himmel. Zugleich war ich auf daS innigste erbaut durch dieses Mark und Korn ächter Lebensbildung in der tyrolischen Priesterschaft. In neuerer Zeit haben geistreiche Leute über diese Volkömänner im besten Sinne vielleicht mehr aus Unkenntniß, als auö bösem Willen gespottet und gewitzelt. Schein und Firniß ist bei denselben freilich wenig anzutreffen; wer sie aber kennt, muß sie achten, diese ganze volle Wahrheit eines harmonischen LebenS bis zum Tode für daS Volk. Fragt man die Buchhändler in Tyrol, wer die fleißigsten Bücherkäufer seyen, so gestehen sie unverholen: „Unsere Geistlichen!" Die Einsamkeit der Berge führt durch tägliche Nöthigung fast unwillkürlich zum Lesen und Studiren, und der Eindruck ist desto tiefer und reiner, je weniger der Drang deS äußerlichen Verkehrs störend in'S HauS fällt. Daher findet man einen kaum geahnten Fond von praktischer Lebensweisheit und Durchbildung bei diesen einsamen Priestern der Gebirge. PolyHistorie deutscher Journalisten und Doctoren muß man von ihnen nicht fordern, sie könnte in der Regel nur sehr, störend in ihr Berufsleben eingreifen. Die Perle mannhafter Gesinnung und kernhafter Frömmigkeit leistet Ersatz für tausend Papierblüthen gelehrter Hoffart. So habe ich die Erfahrung machen müssen, daß die abgelegenen Dörfer deS Gebirges weit gründlichere Priesterbildung aufzuweisen haben, als daS Flachland mit seinen berühmten Universitäten, wo der Student AlleS lern», nur daS nicht, was ihn zum wahren Priester und Manne deS Volkes macht. Die Klause bet Abbach. f Eine halbe Stunde von dem durch den Aufenthalt deS Kaisers Heinrichs deS Heiligen in der Geschichte bekannten Markte Abbach an der Donau, an dessen Ostseite sich noch die Ruinen der Heinrichsburg mit dem hochragenden runden Thurme erheben, liegt in südlicher Richtung die sogenannte Klause. Am Westende eineS WaldeS dunkler Tannen, von schlanken Birken freundlich durchwoben, deren Aeste fast über die Mauern deS Gärtchenö hereinlangen, blickt das stille Kirchlein mit der anstoßenden Einsiedlerwohnung in die mit üppigen Wiesen und Saatfeldern bekleidete Thalmulde. Ein riesiger Kastantenbaum, wie ich noch keinen gesehen, breitet den Schutz setner Aeste wie einen schirmenden Mantel über daS Kirchlein hin. Hinter dem Choraltare auf der Außenseite ist ein Gemälde angebracht: die Mutter deS Herrn mit dem Leichname auf den Armen unter dem Kreuze sitzend. AuS der Seitenwunde quillt gar finnreich ein Brünnlein frischen Quellwassers in ein kleines Becken nieder. Diese Klause ist »och jetzt von einem Einstedler bewohnt, der dieselbe von einem Privaten käuflich an sich gebracht hat. Der Anblick deS Siedlers erinnert in seiner Kleidung und seinem wallenden Barte an die ehrwürdige Gestalt des Eremiten in der „BeatuShöhle." Im anstoßenden Gärtchen zieht derselbe Kräuter für die Apotheken, und beschäftigt sich sonst mit dem Backen von Hostien, die er für mehr als vierzig Pfarreien zu besorgen hat. Zu ebener Erve hat er seine Wohnung; über eine Stiege ist ein größeres Gemach, daS ehemals, vor dem Aufheben deS EinsiedlerordenS, den Einsiedlern auS dem BiS- thume RegenSburg zur Capitelversammlung diente. Dieser Saal, wenn man ihn so heißen will, hat eine historische Bedeutung erlangt durch den Aufenthalt eineS der größten Männer der neuesten Zeit, dessen Name weit über den Sprengel der Diöcese RegenSburg hinauöreicht, deS hochseligen Bischofs Wittmann. In diese einsame Zelle hat sich der »von Gott und Menschen Geliebte" alljährlich in den September- lagen zurückgezogen in die Erercitien, um seinen großen Geist der Liebe aufS Neue zu 176 erfrischen. Mit kindlicher Verehrung zeigte unS^dcr Einstedler die einfache hölzerne Feldbettstelle, auf der Wittmann geruht, und das Tischchen, auf dem er seine Meditationen niedergeschrieben. Von frommer Erinnerung an den großen Todten durchschauert schieden wir von dem Klausner und dem einsamen, reich mit Täfelchen und lebendigen Blumen gezierten Kirchlein, in welchem an Sonn- und Festtagen die Leute auS der Nachbarschaft zum Gebete sich einzufinden pflegen. ?. Rom» Rom, 29. April. Am verflossenen Dienstag den 26. v. M. hat der hochw. Bischof von Münster die Hauptstadt der Christenheit aus 14 Tage verlassen und eine Reise nach Neapel angetreten, wo Hochderselbe gestern schon angekommen seyn wird. In den Tagen vorher unternahm^! se. ischöfl. Gnaden auch, begleitet von dem geheimen Kammerherrn Sr. Heiligkeit Fürsten Hohenlohe. einen Ausflug nach Su- biako, um diese eben so durch vie Großartigkeit der Natur als der damit verbundenen religiösen Erinnerungen und Institute merkwürdige Stätte kennen zu lernen. In einer der schauerlichen Felsgrotten dieser Gegend legte nämlich vor dreizehnhundert Jahren ein junger Mann in stiller Zurückgezogenheit den Grund zu einer Unternehmung, welche ihre friedlichen Colonien viel weiter aussandte, als vaS kriegerische Rom seine Eroberungen ausgedehnt hat: der heilige Benedict von Nursta stiftete hier den Benediktiner-Orden. Zwei Klöster zu Subiako bewahren noch das Andenken an diesen heil. Patriarchen. DaS eine, welches den Namen seiner Schwester, der heil. Scholastik«, trägt, schließt Monumente aus verschiedenen Zeitepochen in sich, eine Kirche im neuen Styl, eine Sacrisiei aus dem dreizehnten Jahrhundert und einen Kreuzgang aus dem zehnten, einen andern aus dem dreizehnten Jahrhundert; daS Kloster selbst wurde 520 vom heil. Benedict gegründet. In einiger Entfernung und höher in den Felsklüften ist ein anderes Kloster fast wie ein Vogelnest an eine Bergwand geheftet, San Be- nedetto genannt, eS schließt die Grotte, in welcher der heil. Benedict fern und unge- rannt von der Welt in den strengsten Bußübungen lebte, und^ somit die eigentliche Wiege deS Mönchsordens deö AbenvlandeS ein und zeigt überaus interessante Bauten. Von beiden Klöstern ist bekanntlich der Papst selbst immer der Abt; PiuS IX. aber sandte zu seiner Stellvertretung den durch seine unermüdlichen Bemühungen für die Herstellung der strengen Ordensdisciplin berühmten Abt Casaretti, jetzt Generalabt der casstnetischen Provinz, dorthin, und unter dessen Leitung ist die ehrwürdige Stiftung wieder eine der schönsten und hoffnungsvollsten Pflanzschulen der Kirchen geworden. Fast alle Nationen find schon in dem blühenden Hause vertreten, selbst die Schwarzen find durch drei Mohren repräsentirt; alle bereiten sich vor, um als Missionäre wilden Völkern daS Licht deS heil. Glaubens zu bringen, und der Eindruck, den diese Gesell« schaft macht, wenn man sich deS Abendö bei dem Nachtessen zum Erstenmale in ihrer Mitte befindet und den langsam-feierlichen Choral hört, in dem fie das Tischgebet fingen, wird gewiß jedem unvergeßlich seyn. Zwei Uhr in der Nacht erhoben sich Alle und sangen mit demselben heiligen Ernste daS Matutinum und die LaudeS, die um vier Uhr Morgens zu Ende waren. — Der hochw. Bischof von Münster wurde sehr ehrerbietig von den Vorstehern deS Klosters empfangen; der heil. Vater hatte ihm zur Wohnung die päpstlichen Gemächer anweisen lassen; eine große Freude war es für ihn gewiß, unter den jungen Denedictinern auch einen seiner Diöcesanangehö- rigen alö Pater LudgcruS wieder zu finden. Am andern Morgen brachten Se. bischöfl. Gnaden auf dem in der FelSgrotte deS heil. Benedict errichteten Altare das heilige Meßopfer dar und traten nach genauer Besichtigung aller Localitäten die Rückreise nach Rom über Tivoli an. (Münsterer S.-Bl.) 5mr,iim lit. .NliomN-Ä S -u n»üttj?-:^ 'l 5,6 »sdi>,»uknick, n«,«»»»'.^.» Verantwortlicher Redacteur: L, Schönchen. Verlags - Inhaber: Z. E. Krem er. Vrey-Hnter Jahrgang. Sonntags-Beiblatt lniMiil? ?>l>«gkil'?cs»Ui^ n'»tj7ii'1ln-1?>iZ Znu nil^nll m ixunlkl ?iin zs-ii?? - 5. Juni. H^- 1853. ^_ ^ _ Dieses «latt erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der halbjährige Abonuementsprei« TV kr., wofür e« durch alle konigl. bayer. Postämter uud alle Buchhandlungen bezogen werde» kann. A g r a m. Rede des hochw. Herrn ErzbischofS Georg Haulik von Varallya bei Gelegenheit der Inthronisation. Agram, 15. Mai. Die Rede, welche Se. Excel!, der hochw. Herr Erzbischof Georg Haulik von Varallja bei der Installation am 8. d. M. gehalten, lautet nach der Uebersetzung der „Agr. Ztg." wie folgt: „Ew. Eminenz I Hochwürdigster Herr Cardinalpriester der heiligen römischen Kirche, Erzbischof und apostolischer Nuntius! Hochwürdige Brüder und vielgeliebte Söhne!" „Sowohl einzelne Menschen, wie Städte, Königreiche, Kaiserreiche, zählen im Verlaufe ihres SeynS hie und da zuweilen einige Tage, die ihnen besonders günstig find; Tage, wie sie die alten Thrazier nach dem Zeugnisse deS PliniuS durch weiße, in eine Urne gelegte Steinchen dem Gedächtnisse der Nachkommen zu empfehlen pflegten. Der Tag daher, der für unser Vaterland, die Gemeinde, die Kirche und den Klerus AgramS mit den weiszesten Steinchen bezeichnet werden muß, ist zweifelsohne der heutige Tag." „Wenn wir auf den ersten Ursprung deS Vaterlandes zurückblicken, erblicken wir eS unter eigenen Königen, berühmt zwar durch kriegerischen Ruhm, doch durch Bürger- und auswärtige Kriege derart bewegt, daß bei dem ewigen Waffengeräusche weder die Musen sich dauernde Wohnsitze schaffen, noch die Künste der Ceres erblühen, noch auch den Volkssitten jene milderen Formen verliehen werven konnten, welche auf das Schicksal des Menschengeschlechtes einen so wohlthätigen Einfluß zu üben pflegen. Mit einem Worte, wir erblicken in jener Zeit unsere Vorfahren eingehüllt in die Finsterniß deS HeidenthumS; beraubt aller, selbst nur Erleichterung deS zeitlichen LebenS und die Hoffnung auf eine künftige glückliche Ewigkeit verleihenden Mittel, die nur das wohltlMge Licht deS christlichen Glaubens den Sterblichen zu gewähren vermag. Unmittelbar darauf durch das himmlische Licht deS Evangeliums aufgerichtet und schon zu Ende deS eilften Jahrhunderts mit der Krone Ungarn vereint, erlebten sie glücklichere Zeiten, obschon sie auch späterhin noch mit harten Wechselfällen deS Schicksals und zahllosen Gefahren kämpfen mußten. Unter diesen genüge eS der ungeheueren Verwüstung zu gedenken, welche die Einfälle der Tataren in diese Länder zur Folge hatten und die so groß war, daß sie das Volk mit der äußersten Vertilgung zu bedrohen schien. UebrigenS wurde diese Art von Unglück, was insbesondere dieses unser Vaterland anbelangt, nicht wenig dadurch gemildert, daß Europa von dieser Pest gerade durch jene gänzliche Niederlage befreit wurde, welche die hel- denmüthige Tapferkeit der Kroaten jenem barbarischen Volke beibrachte. Aber auch als in dem späteren Verbände mit Ungarn unsere Vorfahren sich unter den gastlichen Fittigen deö österreichischen AareS geschaart hatten, mußten sie herben Mißfällen auö- 178 gesetzt seyn. Im Anfange schlug ihnen die anschwellende Macht des türkischen Reiches furchtbare SchmerzenSwunden und brachte unsägliches Elend. Dazu gesellten sich Bürgerkriege und blutige in Ungarn und Siebenbürgen entsprungene Aufstände, so daß das Blut der Kroaten keine andere Bestimmung zu haben schien, als für die heilige Religion, den König und das Baterland, so wie zur Abwehr jener furchtbaren Verödung von den inneren Gegenden Europas zu fließen, mit welcher die Wuth der Muhamedaner sie bedrohte. Inmitten dieser Gefahren jedoch erfreuten sich unsere Vorfahren dennoch deS Trostes, welchen daS sichere und süße Bewußtseyn erfüllter Pflicht dem Gerechten gewährt. daS Bewußtseyn der unerschütterlichen Treue für Gott und den rechtmäßig angestammten Fürsten. Und gerade diese ihre Anhänglichkeit an die Kirche, diese ihre unerschütterliche Treue, war eine der Hauptquellen ihrer Leiden, die sie im längeren Verlaufe der Zeiten und selbst bis auf die neueste Gegenwart bei der Wahrung ihrer durch die redlichsten Mittel erworbenen und beinahe durch zahllose GesetzeSsanctionirungen bestätigten Rechte erfahren mußten, wessen ich weder um den Schmerz zu erneuern, noch um irgend Jemanden einen Vorwurf zu machen, sondern gewissermaaßen durch die Nothwendigkeit angetrieben gedenke, um so mehr, da ich selbst als Diener der Lehre deö Friedens und der Liebe nichts inniger wünschen kann, als daß jegliche Erinnerung an vergangene Mißklänge zwischen zwei Völkern, die im Laufe so vieler Jahrhunderte gegenseitig eng verbunden lebten, mit einem ewigen Schleier bedeckt und gegenseitig aufrichtige Vergebung der Fehler geboten und gewährt werde." „Jener glückliche Erfolg der k. !. Waffen, durch welchen die revolutionäre Hyder, die beinahe ganz Europa verheerte und schon zu verschlingen drohte, jüngst gänzlich niedergeworfen und in ihre scheußlichen Höhlen verbannt wurde, hat auch diesen Uebeln endlich ein Ziel gesetzt." „In dieser neuesten, vor unseren eigenen Augen entstandenen Regelung der Monarchie hat unser Vaterland, wenn wir seine politischen und juridischen Beziehungen betrachten, einen ehrenvollen Bestand und jene wahre Autonomie erlangt, jene Freiheit, die einer SeitS seiner Nationalität entspricht, anderer Seits aber seine Eigenthümlichkeiten dem Princip deS hohen GesammtreicheS coordinirt. Dieser würdevolle Bestand bewirkt, daß eS einen eigenen Edelstein in der österreichischen Krone bildet; einen Edelstein, der zwar nicht durch seinen Glanz und den kunstvollen Schliff, wohl aber durch seinen inneren Werth und besonders durch die Größe der Vertheidigungsmittel, die er dem Kaiserreiche darbietet, gewiß nicht die letzte Stelle in Oesterreichs Diademe einnimmt, Kroatien wetteifert nämlich mit den anderen Provinzen, um jene Grundlagen zu consolidiren, durch welche der große Gesammtkörper der Monarchie gestützt wird, wohl wissend, daß bei einem schwachen Körper die einzelnen Theile sich keines vollkommenen HcileS erfreuen können und daß der Ruhm eines starken Körpers auch auf seine einzelnen Theile überströmt." „Eine Zierde mangelte jedoch noch unserem Vaterland zur Fülle seiner Würde: daß eS nämlich auch in kirchlicher Beziehung seine UnaHängigkeit erlange, und daher eine eigene kirchliche Provinz bilde, der Autorität des Hauptes der Kirche allein unterworfen. Dieses edle Geschenk verleiht ihm der heutige Tag. Wird sodann irgend Jemand es wagen, ihn nicht unter die glücklichsten Tage zu zählen, den die vaterländischen Annalen in ihren Listen verzeichnet haben? Glaube übrigens Niemand, daß durch diese Unabhängigkeit jene Bruderliebe, die unS an die würdigen Prälaten Ungarns bis jetzt gebunden, irgend einen Schaden erleiden werde. Gewiß liegt diese Absicht unseren Herzen weit entfernt, da wir sattsam überzeugt sind, daß wir nicht allein mit Ungarns Kirchenfürsten, mit denen wir im Laufe langer Jahrhunderte durch daS gemeinsame Band der Anhänglichkeit verbunden waren und ihnen dankbar verpflichtet sind, sondern auch mit allen übrigen der sämmtlichen Monarchie, ja der ganzen katholischen Welt durch die Bande brüderlicher Liebe, deS Zutrauens und deS aufrichtigen Wohlwollens verbunden seyn müssen, nicht minder als wir mit ihnen durch die Einheit des Glaubens verbunden find." l?g „Wenn wir nun die Blicke auf diese unsere Stadt werfen, so finden wir ihren Ursprung beinahe ungewiß. Doch steht eS unbezweifelt fest, daß der Ort, der unter dem Namen Agram am Bache Cirkveniza schon vor der Invasion der Tartaren bestand, durch diese beinahe zerstört wurde. Unbezweifelt steht eS ferner fest, daß der Berg, auf welchem heut zu Tage die obere Stadt gelegen ist, durch ein Privilegium König Bela'S deS IV. nach der Vertreibung der Tataren zu einer Festung und königl. freien Stadt erhoben worden ist und zwar kraft eines Diploms oder einer goldenen Bulle, die am 16. Nov. 1242 ausgefertigt wurde und deren sechshundertjährige Gedächtnißfeier wir jüngst gefeiert haben. Welche mannigfachen Wechselfälle im Verlaufe dieser sechs Jahrhunderte unsere Stadt erfahren habe, zu erzählen, wäre wohl zu weitläuftig und auch fremd dem Orte und Zwecke dieser Feierlichkeiten. So viel ist gewiß, daß sie im Verlaufe so langer Jahre so zu sagen mit eigenen Augen die Schaaren der mohamedanischen Heere schaute, welche das Blut der anwohnenden Völkerschaften einsogen, deren Wildheit jedoch die Tapferkeit der Kroaten, angefeuert durch die Treue und Liebe zum Kreuze mit solchem Glücke widerstand, daß dieser mächtigste Feind deö christlichen Namens in die Stadt selbst niemals einzudringen vermochte. Nachdem daS Vaterland von dem ungeheuren Joche der Türken durch beispielloses Vergießen christ. lichen BluteS befreit wurde, wuchs Agram trotz mancher herben, zeitweise auch blutigen inneren Verwirrungen und Aufstände, trotz der Feuersbrünste und mancher anderen Leiden mit den Jahren auch in der Anzahl seiner Bewohner, der Zahl und Zierlichkeit seiner Häuser, durch die Mannigfaltigkeit der schönen Künste und literarischen, so wie endlich durch Industrie, Handel und Ausbildung christlicher Sitten derart heran, daß sie in jeder Beziehung der Würde einer Metropole der Königreiche Kroatien und Slavonien würdig erachtet wurde. Sie wurde auch durch die neueste Regulirung Oesterreichs der Sitz beinahe aller Dikasterien, welche sowohl in militärischer als in politischer und juridischer Hinsicht die öffentlichen Angelegenheiten leiten und hat durch die neuerlich stattgefundene Ankunft ihres hohen Regenten, der sie gewürdigt wurde, solchen Schmuck erhalten, wie sie dessen selbst im Verlaufe langer Jahrzehnte nicht theilhaftig geworden ist." „Einen wahrhast neuen und außerordentlichen Glanz jedoch bringt ihr der heutige Tag, an dem sie auch in kirchlicher Beziehung die Metropole veS Vaterlandes wird. Diese Zierde schien ihr bisher allein zur vollkommenen Würde zu fehlen. Und in der That muß dieser Zuwachs an Auszeichnung für sie auch einen um so größeren Werth haben, alö eö Allen bekannt ist, daß eS im ganzen Umkreise deS großen österreichischen KaiserstaateS nicht mehr als zwölf und diese großentheils durch Größe und Ansehnlichkeit hervorragende Städte gibt, die der Prärogative sich rühmen können, welcher nun Agram theilhaftig wird." . „Ich komme nun zur Kirche, meiner vielgeliebten Braut, welche deS heutigen TageS Festlichkeil ganz eigentlich betrifft. ES ist unzweifelbar, daß daS BiSthum und die Kirche AgramS vom heiligen LadiSlauS, dem Könige Ungarns, gegründet wurde, wie auS den Diplomen der Nachfolgenden Könige, besonders dem im Jahre l2l7 erlassenen Decrete Andreas II hervorgeht, obwohl eS ungewiß erscheint, ob die vom heiligen LadiSlauS gestiftete Kirche auch wirklich als dieselbe angenommen werden könne, welche unS in diesem Augenblicke in ihrem heiligen Schvoße umfaßt, da die Geschichtschreiber in dieser Beziehung in verschiedenen Versionen abweichen. Dennoch ist nicht zu bezweifeln, daß auch die Agramer Kirche durch die alleS mit Feuer und Schwert vertilgenden Tataren beinahe vom Grund aus zerstört worden ist, und zwar gegen das Jahr 1240, und daß sie anfangs deS vierzehnten Jahrhunderts noch nicht wieder hergestellt war, da der selige AugustinuS, der den Bischofssitz Agram im Jahre 1306 eingenommen, die Zerstörung seiner Kathedralkirche in einer seiner Reden bitter beklagte. Kaum daß sich unsere Kirche von dieser Verheerung zumeist durch die Sorgfalt unserer Bischöfe einigermaßen erholt hatte, erlitt sie gegen daS Ende des vierzehnten und zu Anfang deS fünfzehnten Jahrhunderts neue und (nicht ohne tiefe Trauer darf man dessen gedenken) durch Bürgerkriege hervorgerufene Zerstörungen; auch blieb sie in dieser traurigen Verwüstung bis zum Jahre 1466, in welchem Oswald den bischöflichen Sitz einnahm. Dieser würdige und durch seine Tugend ausgezeichnete Kirchenfürst hat nicht nur bei seinen Lebzeiten viel zur Entfernung der Uebelstände beigetragen, welche seiner Verlobten anklebten, sondern vermachte ihr auch in seinem Testamente eine ansehnliche Geldsumme zu ihrer Wiederherstellung und Er- bauung ihrer Thürme. So wurde denn dieser edle Tempel durch den unermüdeten Eifer und die frommen Opfer der nachfolgenden Bischöfe, besonders aber des Bischofs LukaS, dann des Thomas Bakocz von Erdeud, später Erzbischof von Gran und PrimaS von Ungarn, in seinem ursprünglichen Glänze wieder hergestellt. Doch nicht allzulange dürfte er sich dieses Gedeihens erfreuen; denn bald darauf, namentlich zu Anfang deS sechzehnten Jahrhunderts, während der Zapolyischen Unruhen wurde er unter dem Bischöfe Simon von Erdeud neuerdings verwüstet. AIS nämlich durch spanische Truppen daS erzbischöfliche Schloß belagert ward, wurden auch der Kirche zahllose Wunden versetzt, so zwar, daß ihre vom Bischöfe Oswald erbauten Thürme in Trümmer zusammenstürzten. Viele Jahre nach dem Bischöfe Simon entbehrte die Basilika des Daches, und wie die Ueberlieferung verkündet hatte sie sogar durch vierzig Jahre unter einem Strohdache geseufzt." „Nachdem sie sodann durch die Vorsorge des Bischofs DraSkovic und dessen Nachfolger einigermaaßen hergestellt worden, brannte sie 1624 vom Blitze getroffen ab, bei welchem traurigen Vorfalle sie ihrer kostbarsten Geräthschaften beraubt wurde, so daß der durch jenes Gewitter entstandene Schaden auf 200,000 fl. geschätzt wurde." „Die nachfolgenden Bischöfe und unter ihnen besonders Franz ErgheliuS schonten keine Mühe, keine Arbeit, keine Kosten, daß diese ihre geliebte Braut ihrer Trauer entkleidet und würdig geschmückt werde. Und in der That gelangte unsere Kirche auch durch die Freigebigkeit und den frommen Eifer mehrerer ihrer Vorsteher und mehrerer Domherren allmälig zu diesem ihrer Würde entsprechenden Zustande, den sie heute darbietet und den nicht wenige Fremde mit lebhaften Wohlgefallen zu betrachten pflegen, und sie dürfte mit der Zeit, so Gott will, auch noch eine Ver- mehrung ihres Schmuckes erhalten." „Bei alledem erscheint mir besonders bewundernSwerth, daß dieß GotteShauS nach so vielen und mannigfachen harten Leiden und so langer Zeit, deren eS bedürfte, um diese Riesenlast aus gehauenen Steinen aufzuführen, dennoch die ursprüngliche edle Reinheit ihrer Bauart beibehalten konnte." „Aber so vielen Schmuck und Zierden auch im Verlaufe so langer Zeiten unsere Kathedrale erlangt haben mag, so sind sie doch alle zusammen nicht von so hohem Werthe, daß sie mit dem, den deS heutigen TageS Glück darbringt, verglichen werden könnten. Denn heute wird ihr der Name und die Würde einer Metropolitankirche des gesammten Vaterlandes: nämlich der Königreiche Kroatien und Slavonien, zu Theil, wodurch alle Wunden, die ihr jemals durch der Zeit der Nöthen geschlagen wurden, alö geheilt betrachtet werden müssen. Ja nickt nur sind diese Wunden geheilt, sondern neue stärkende Kraft, neue Gnade, Mer Schmuck strömt ihr zu, so zwar, daß alle bisher von ihr errungenen Ruhmespreise durch dieses Diadem deS Glanzes geheiligt erscheinen." „WaS das Episkopat, daS Capitel und den übrigen KleruS anbelangt, so finde ich nichts Besonderes zu bemerken. Denn ihr LooS, ihre Würde und all ihr Glück ist innig mit dem Schicksale der Kirche, ihrer Braut und Mutter verbunden; so zwar, daß wenn diese trauert, auch sie trauern, wenn jene von Gefahren bedroht wird, auch sie selbst durch eine beweinenSwerthe Last gedrückt werden und im Gegentheile, wenn jene getröstet und erhoben wird, auch sie sich erfreuen und frohlocken müssen." „Ich will bloß hinzufügen, daß es mich mit besonderem Wonnegefühle durchströmt, daß ich meinen ehrwürdigen Senat, der sich stets und in jeder Hinsicht mit anderen Kathedral- und Metropolitan-Capiteln messen konnte und seinem Umfange nach leicht in der Monarchie den Vorrang hat; daß ich diesen meinen Senat sogleich, der mir stets ein getreuer Beistand in Erfüllung der heiligen ReligionSzwecke war, nnd 181 der sich stets gegen mich wohlwollend, ja ehrerbietig benommen, zu der so ausgezeichneten Würde eines Metropolitan-Capitels erhoben sehe." „WaS meine schwache Person anbelangt, so ist eS Allen bekannt, daß sie an der Anregung dieser Angelegenheit keinen Antheil genommen hatte, und daher auch nicht theilhaftig seyn könne deS Ruhmes der Erhebung dieses bischöfliche» Sitzes zur Metropolitanwürde. Ich erkenne übrigens darin die göttliche Vorsehung und Güte, ja tiefgebeugt bete ich sie an, daß sie nach so vielen Unannehmlichkeiten, die ich im Verlaufe meiner fast sechzehnjährigen Verwesung deS BiöthumS zu erleiden hatte, die zumeist aus den ungünstigen Zeitverhältnissen hervorgingen und die zuweilen so herb waren, daß ich den bischöflichen Sitz nicht mit Ehren mehr behaupten zu können erachtete und bereits ernstlich mich mit dem Gedanken ihm zu entsagen beschäftigte; daß, sage ich, nach so vielen Leiden und Wechselsällen die Lösung dieser Frage, die, wie wir auS der eben kurz vorher verlesenen päpstlichen Bulle erfahren, seit dem Jahre 1227, also durch sechs Jahrhunderte und länger, verhandelt wurde, gerade in die Augenblicke meiner Amtsverwaltung fallen mußte. (Schluß folgt., ^>s> I»IIlM!zIRk MI!j Z?fM!1-'.' Il^l-Ii III IKl/l'j Ueber die Mission auf dem Tpielberg berichtet der hochw. Herr Bischof von Brünn in einem Hirtenbrief an seinen Klerus: „Der überaus günstige Erfolg, der die im August v. I. im hiesigen Provincial- Strafhause abgehaltene Mission begleitet, ist Veranlassung geworden, daß man dieselbe Wohlthat auch für die Gefangenen des Spielberges in Antrag brachte. Die ehrwürdigen Väter auS der Congregation des allerheiligsten Erlösers sollten das apostolische Werk übernehmen, und da die Kirche ob dem Spielberge gerade vor 100 Jahren ihre heilige Weihe erhalten, so sollte die vom 10. bis 17. April, also durch 8 Tage andauernde Mission zugleich die Stelle der Säcularfeier vertreten. Und fürwahr hätte eine passendere Feier nicht auSgedacht werden können. Der Herr zog in den Tagen der Misston in hundert und hundert hochbeglückte Herzen ein und machte sie zu Seinen lebendigen Tempeln, wie Er vor 100 Jahren das aus Steinen gebaute HauS zu einem Gnadenwohnsitze erkoren und in dasselbe Seinen ersten Einzug gehalten hatte. Wir werden der erbaulichen Weise nicht vergessen, in welcher am 15. April die Sträflinge slavischer Zunge und am 17. die deutschen Gefangenen die heilige Communion empfingen und der Andacht, mit welcher 110 der unfreiwilligen Bewohner des HauseS zum Empfange deS heiligen Sacramentes der Firmung vor uns erschienen." „Wohl hatte schon in den ersten Tagen die Gnade mächtig gewirkt, die Kranken selbst begehrten, den Vorträgen in der Kirche beiwohnen zu dürfen, und denen dieß von Seite des Hausarztes gestattet wurde, die ließen sich auf den Schultern ihrer Kameraden in die Versammlung tragen, die Andern harrten sehnsuchtsvoll der Rückkunft ihrer glücklicheren Genossen, um über das in der Kirche Vernommene von ihnen belehrt, dadurch getröstet und ausgerichtet zu werden. Den 15. April, den Freitag in der Missionswoche, begingen sämmtliche Gefangene als einen Fast- und Bußtag. Niemand hatte sie dazu aufgefordert; sie thaten dieß freiwillig und bestimmten, daß von dem Betrage, der so bei ihrer Verköstigung entfiel, 20 fl. C. M. dem von Seiner kaiserl. Hoheit dem durchlauchtigsten Herrn Erzherzoge Ferdinand Mar angeregten Kirchenbau und gleiche 20 fl. C. M. dem zu errichtenden Knaben-Seminarium zugeführt werden; einen Theil des Betrages aber verwendeten sie zur Bekleidung eines Waisenknaben. So ist wieder, wo die Sünde übergroß gewesen, die Gnade noch überschwenglicher geworden (Röm. V. 20), und einer der Sträflinge hat dieser Thatsache in den nachstehenden Zeilen Wort und Ausdruck geliehen, die, weil zur Dankerstattung an den Hausseelsorger gerichtet, zugleich ein Zeugniß abgeben werden, daß die Auctorität des ordentlichen Seelsorgers durch die Berufung einer Mission nicht leidet." !8» „„Ein wehmüthig freudiges Gefühl, schreibt G. K. an den Spielberger Straf- hauSseelsorger, durchbebt alle Bewohner dieses unglücklichen Hauses, in welches der allgütige Erbarmer durch die Verkünder seines heiligen Werkes den Frieden gesandt hat, den die Welt nicht geben kann. Vergebens würden alle Reichthümer der Erde aus ihn verwendet worden seyn: sie beleben nicht ein zertretenes blutendes Herz. Die Liebe allein, jene unendliche Liebe unsers göttlichen Heilandes konnte solche Wunder bewirken, ja wirklich Wunder! Die taub waren für das Wort Gottes, sie hören eS jetzt mit Freuden an! Die blind waren und nicht sahen ihre Sünden und Gebrechen, eS sind ihnen die Augen aufgegangen! Die lahm waren zu allem Guten, sie werden mit der Gnade Gottes rüstig vorwärts schreiten! Die Aussätzigen an der Seele, sie werden gereinigt durch das heilige Sacrament und Allen wird das Evangelium der Liebe und Barmherzigkeit gepredigt!"" „Und so glauben Wir denn durch diese Mittheilung über den Erfolg der Mission auf dem Spielberge auch einer Pflicht genügt zu haben, da Wir der Ueberzeugung sind, daß Unser ehrwürdiger Klerus sie benützen wird, um nicht nur die getreuen Gläubigen in ihrer Anhänglichkeit an die Kirche zu festigen, sondern auch die Zaghasten, die etwa ihrer Sünde wegen in allzugroßer Furcht und zum Mißtrauen gegen die göttliche Barmherzigkeit versucht seyn möchten, zu trösten und aufzurichten und den noch obwaltenden Vorurtheilen gegen die Missionen wirksam entgegenzutreten. Uebri- genS erkennen Wir mit Freuden die Unterstützung an, welche dem Werke der Mission durch die Vorsteher des Hauses, namentlich durch die zarte Aufmerksamkeit und das treffliche Beispiel des Herrn Obervorstehers Abrahamowicz v Adelburg zu Theil wurde, wie auch die Haltung der Wachmannschaft und ihre Betheiligung an den heiligen Uebungen und beim Empfange der heiligen Sacramente sehr lobenSwerth war." Aböle Gorbie. Wenn uns das Leben der Heiligen erbaut und zur Nachahmung ermuntert; wenn uns ihr Beispiel zur Liebe Gottes und zum Dienste Maria's aneifert und in uns Großes für Gott zu thun anregt, bleibt eS nicht minder ergreifend und oft heilsam der Seele, von dem Leben und Sterben frommer Kinder zu hören; ja, gewiß kann ein fühlendes Herz nicht ohne Rührung über die Barmherzigkeit Gottes nachdenken, die selbst in so jungen Herzen schon so Großes wirkt, und die Worte in Erfüllung gehen sieht: AuS dem Munde der Kinder will ich mir Lob bereiten. Kinderherzen sind empfänglich, die Eindrücke von außen aufzunehmen, und diese Eindrücke wirken oft für späte Zeiten gut oder schlecht, — darum hüte man sich, eines dieser Kleinen zu ärgern. AuS dem Kloster unserer lieben Frau zu den Vöglein ist eine kleine Biographie solcher durch Frömmigkeit besonders ausgezeichneter Zöglinge aufgezeichnet worden, als bleibendes Andenken und ermunterndes Beispiel für Alle, die mit und nach ihnen in diesem Hause erzogen wurden, und so haben wir denn das Leben dieser kleinen Adele Gorbie gewählt zur Erbauung für Groß und Klein. In diesem ausgezeichneten Kinde bemerkte man frühzeitig eine zarte Andacht zur heil. Jungfrau, glückliches Vorzeichen besonderer Gnaden, die Gott dann solchen Seelen mittheilt. In einem Alter von drei Jahren belebten unv verklärten sich ihre kleinen Züge förmlich, sobald man von Maria sprach, und schon damals versuchte sie es, kurze Gebetlein zu sagen, um sie kindlicher Weise zu verehren. — Als eines TageS ihre Schwestern einen Besuch bei einer bekannten Klosterfrau abstatteten, war eS ein rührender Anblick, die kleine Adele während der ganzen Dauer deS Gespräches zu Füßen einer Statue der heil. Jungfrau knieen zu sehen, die sie in dem Saale bemerkte. Mit acht Jahren in dem Kloster aufgenommen, verkündete sie glückliche Anlagen, viel Sanstmuth, frühreife Vernunft, ein von Natur zur Frömmigkeit geneigtes Herz. Ihre Andacht zur heil. Jungfrau, weit entfernt zu erkalten, vermehrte sich im Gegentheil täglich, wie man eS aus einem Schreiben sehen kann, welches sie in einem Alter von !83 neun Jahren in kindlicher Einfalt und sehr rührenden Ausdrücken an die heil. Jungfrau richtete. Während der vier Jahre, welche Adele im Kloster zubrachte, diente sie allezeit ihren Gefährtinnen als leuchtendes Beispiel. Sie sah gerade ihrer ersten heil. Communion entgegen, als ihre Mutter von einer schmerzlichen Krankheit befallen, der sie auch erlag, dem Wunsche nicht widerstehen konnte, in der Gesellschaft ihrer Tochter eine Erleichterung ihrer Schmerzen zu finden und sie zu sich berief. Daß sie gerade in diesem Augenblicke daS Kloster verlassen sollte, war Adele sehr schmerzlich, aber dennoch folgte sie dem Rufe der Pflicht, nicht achtend aus die verschiedenen Meinungen ihrer Verwandten. „Meine Mutter verlassen, sagte sie, „und das gerade in einem Augenblicke, wo sie meiner Tröstungen am meisten bedarf! nein, ich würde es mir mein ganzes Leben vorwerfen" Ihre kindliche Liebe erhielt auch den süßesten Lohn, die heiß erflehte Gewährung ihres Gebetes, ihre Mutter sich Gott mehr nähern und dahin scheiden zu sehen mit den erbaulichsten Gefühlen christlicher Frömmigkeit, gestärkt durch die Tröstungen unserer heiligen Religion. War nun darin auch einiger Trost, so fühlte das arme Kind nicht minder schmerzlich den unersetzlichen Verlust. Aber ihr Glaube hatte sich befestiget während dieser PrüsungSzeit; der tägliche Anblick ihrer leidenden Mutter sie in steter Ergebung in den Willen Gottes erhalten. Zwei Monate nach dem Tode ihrer Mutter kehrte Adele in daS Kloster zurück. Das Leben außerhalb desselben hatte ihr nichts von ihrer Andacht und ihrem pünct- lichen Gehorsam geraubt. Um auf dem Wege der Erkenntniß Gottes und ihres eigenen HerzenS immer weiter fort zu schreiten, hatte sie die sromme Gewohnheit genommen, einen Tag in jedem Monate der besondern Zurückgezogeuhcit und dem Gebete zu weihen, von welcher Uebung sie selbst während der Ferien nicht abließ. Ihre aufrichtige und handelnde Frömmigkeit war zugleich innig und zart; ihre vorzügliche Liebe und Verehrung zur heil. Jungfrau, der sie wirklich so recht als gehorsame Tochter diente, machte sie bald werth, in den Verein der sogenannten Marienkinder (eokmts äe Mrie) aufgenommen zu werden, was schon lange ihr sehnlichster Wunsch war. Bald nachher wurde sie krank, konnte sich aber nicht entschließen, nach dem Krankenzimmer zu gehen, weil, wie sie sagte, sie dasselbe nicht mehr verlassen würde. MS man sie aber endlich doch dazu beredet hatte, fügte sie sich darein, indem sie wie gewöhnlich mit den Worten sich tröstete: „Gott will eS also." — Als man sie übrigens beruhigen wollte über den Gedanken an ihren Tod, meinte sie: „O nein, nein, glaubt doch nicht, daß der Tod für mich etwas Trauriges habe; wenn etwas mich könnte genesen lassen, so wäre eS der Gedanke daran. Wie könnte eS mich betrüben, zu Gott zurückzukehren, der mein bester Vater ist und nur mein Wohl will!" Da ihr Uebel immer zunahm, hatte man sie auf'S Land gebracht, die gehoffte Besserung erfolgte aber nicht. Fortwährendes Erbrechen, begleitet von einem auszehrenden Fieber, brachten sie bald an den Rand des Grabes. Als man ihr solches entdeckte, schien sie doch etwas betroffen; der Herr wollte in seiner Weisheit ein vollkommenes Opfer ihres Lebens, denn er ließ es zu, daß die natürliche Anhänglichkeit an das Leben in ihr erwachte, und sie, die mit solcher Freude dem Tode entgegen gesehen, ihn jetzt fürchtete. Mehrere Tage dauerte der Kampf, bis sie endlich einen vollkommenen und glorreichen Sieg erlangte, und der Herr, mit dem Opfer zufrieden, ihr ihre erste Sehnsucht wieder zurückgab. Ihr einziges Stärkungsmittel war, öfter in der Woche das heil. Sacrament zu empfangen, und an den Tagen, wo ihr solches nicht vergönnt war, sich wenigstens geistlicher Weise recht innig dem Herrn zu vereinen. Den Tag, an dem sie die letzte heil. Oelung empfing, wurde ihr lebendiger Glaube noch erhöht; sie fühlte sich wohler darauf, wie dieß oft der Fall ist. „Ach l" seufzte sie — „ich leide nicht mehr; welches Unglück, wenn ich genesen sollte!" Von diesem Augenblicke an verschwand das Irdische mehr und mehr aus ihrer Erinnerung, sie sah nur mehr den Himmel und seine Schönheit und den Herrn, der ihr die Arme liebreich entgegenhielt. An einem der letzten Tage ihres Lebens, da sie sich allein glaubte, hörte man sie plötzlich stärker als gewöhnlich ausrufen: „Wie viele Menschen, die Dich, o Gott, nicht kennen! die Dich lästern, statt Dich zu lieben, wie es Deine Güte gegen Alle doch so sehr verdient. Arme 184 Menschen, wie seyd ihr unglücklich in eurer Blindheit! Habe Erbarmen mit ihnen, o Herr I" — Ihre Schwäche nahm jedoch immer zu, nur ängstliche Convulsionen gaben noch Zeugniß von ihrem Leben, bis endlich in der Nacht vom 6. zum 7. Juni der liebe Gott die ersehnte Himmelsthüre ihr öffnete — und sie mit dem lieblichen Lächeln, welches ihr im Leben eigen war, von der Welt Abschied nahm. Alles war Ruhe, heiterer, ewiger Friede um diese kindlich jungfräuliche Leiche, die trauernd umgeben von ihrer Familie in Begleitung aller Bewohner des OrteS zur letzten Ruhe getragen wurde. Betrauert von Allen im Kloster, zumal aber von den Marienkindern, denen sie mit so gutem Beispiel vorangegangen war, wetteiferten diese, ihr den letzten Liebesdienst in Opfern und Gebeten darzubringen. Also endete das Leben dieses Mädchens, um aber fort zu leben in der Erinnerung Aller, die sie kannten, oder die an ihrem kindlich frommen Leben Gefallen finden werden. MW ll -N>,lM'- B ?)M ,tsi 5ii^iiKk .kl 01 l/N d'l!?N!'ki?'i, tt?^t>ill7'mi^'s n-ktt'llii üb'm <7mN -rinn so? ^li'tt »I China» Der „Standard" vom 38. April enthält über den Aufstand in China folgenden merkwürdigen Brief des hochw. I. I. Robert aus Nord - Carolina (Vereinigte Staaten), der einige Jahre als Missionär in China lebte: „Ich höre", schreibt er an einen Freund, „daß das eigentliche Haupt der Rebellion sich auf Hongkong befindet, und Hungnama Saw Tschuen heißt. Vor fünf oder sechs Jahren kam er nach Canton, wo er mehrere Monate lang die christliche Religion studirte. Seine Erhebung scheint nicht sowohl den Sturz der Regierung in Peking zu bezwecken, als vielmehr ein Kampf für die Religionsfreiheit und auf den Sturz des Götzendienstes gerichtet zu seyn. Sein AeußereS hat nichts besonderes. Er ist 5 Fuß 4 bis 5 Zoll groß, wohlgebaut, hat regelmäßige Gesichtözüge und ausgezeichnete Manieren. Er steht im mittleren Lebensalter. Während seines hiesigen Aufenthaltes (in Canton?) gab er sich dem Studium der heiligen Schrift hin, aus welcher er täglich Stücke auswendig lernte. Seine Aufführung war tadellos. Er wünschte die Taufe, reiste aber nach Kwang-si ab, eh' er sich überzeugt hielt, zu ihrem Empfang vollkommen vorbereitet zu seyn. Bei dem ersten Besuch, den er uns abstattete, brachte er einige Verse und andere von ihm verfaßte schriftliche Versuche über das Christenthum mit; die erste Kenntniß der christlichen Religion, erzählte er, habe er auS einer Abhandlung geschöpft, die er in Canton erhalten, und dann aus einer Vision, die er während einer Krankheit gehabt, und die ihm die in der Schrift vernommenen Lehren bestärkt habe. Deßhalb glaubte er an den wahren Gott, und war eigens nach Canton gekommen, um den Willen des Herrn in seinem geoffenbarten Wort besser kennen zu lernen. Wie ich höre, haben ungefähr 100,000 Menschen sich diesem Führer zugesellt, er ist bei dem Volke, das er mit Achtung und Wohlwollen behandelt, sehr beliebt." Der „Standard" begleitet diesen Brief mit folgenden Betrachtungen: „Wenn die Angaben dieses Schreibens richtig sind, und wir haben keinen Grund daran zu zweifeln, so ist das eins von den beachtenswerthen Zeichen unserer Zeit. Man sagt: die Kaiserin von China sey eine Christin, die Tochter eines Christen, und der Kaiser selbst mehr alö zur Hälfte bekehrt. Ohne die Fehler (ei-imes sagt das englische Hochkirchen- blatt) der papistischen Misstonäre. wäre China wahrscheinlich schon seit hundert Jahren dem Christenthum gewonnen. Was auch das unmittelbare Ergebniß deS jetzigen Kampfs in China seyn mag, so viel ist klar, daß das fanatische AuSschließungösystem dieser Nation einen Stoß erlitten hat, von welchem eS sich schwerlich erholen wird." 7y?M '-7? I5k>, > , M >»U'iMH!lK lllisili ilKiL .Zillos lIZsSMH lM)(tl tntzMKS --Ni,, -.. , / ? ^IN 7 IIII «I/, ,l.nin5,m'l,V Slw ?(l5M «kllU - « M'lM'1 s> m 'iw>.! , i!-^ ZlSl(jl ,IN7?l->. 1I', bst lil ,hn'i -—. Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. Verlags - Inhaber: F. C. Kremer. Vr-yehnter Lahrgang. Sonntags-Beiblatt zur Augsburger PaAMung. »5-l?7llo»^nttnSau«z^ vstl'T ZÄioi7H^ll«chitlü<»N) Nlü «,^it'i'i!i<, mm ,-tj»A »j« 12. Juni. 1853. Diese» Blatt erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der halbjährige Al>ouuement«prei« 4V kr., wofür e» durch alle komgl. bayer. Postämter und alle Buchhandlungen bezogru werde« kaun. A g r a m. Rede des hochw. Herrn ErzbischofS Georg Haulik von Varallva bei Gelegenheit der Inthronisation. (Schluß.) Wahrlich, kein anderer Gedanke beschäftigt in diesem Augenblicke meine Seele, kein anderer Wunsch entflammt mein Herz, als daß die Würde deS von mir eingenommenen Sitzes nicht durch meine Unwürdigkeil, die Wichtigkeit deS mir obliegenden Amtes nicht durch die Geringfügigkeit meiner Person irgend einen Schaden erleive. Ich bitte Euch daher, verehrte Brüder, Euch, würdigste Bischöfe der Kirche Kroatiens und Slavoniens, mit welchen bisher daS Bündniß aufrichtiger Bruderliebe mich verband und denen ich künftig durch deS Amtes Pflichten noch enger verbunden seyn werde, mit aufgehobenen Händen, Euch aber, vielgeliebte Söhne, die Ihr auch in Zukunft mich als Euren Vorgesetzten ertragen müßt, ersuche ich vertrauensvoll, baß Ihr meine Schwäche geduldig tragen und ihr in Eurer großen Liebe beispringen möget. Dieser Eurer Nachsicht glaube ich um so mehr zu bedürfen, als ich voraussehe, daß bei meinem vorgerückten Alter auch meine Fehler und Gebrechlichkeiten, wie es die Natur deS Alters bedingt, sich immer mehren werden." Aus diesem Allem, was ich zwar hinsichtlich der Wichtigkeit der Sache sehr unvollständig, hinsichtlich der Kürze der Zeit aber vielleicht auch etwas allzu ausführlich angeführt habe, erkennt Ihr, verehrungswürdigste Brüder und vielgeliebte Söhne, welch reicher Stoff der gerechtesten Freude unS Allen aus des heuligen Tages Festlichkeit erquelle; leicht aber könnet ihr auch begreifen, daß die Pflichten nicht gering sind, die aus Veranlassung dieses glücklichen TageS unS entspringen." „Denn schon jene Charakterfestigkeit, welche unsere LanvSleute während deS langjährigen Kampfes für diese Sache, so wie die Liebe, die sie für diese ihre ausgezeichnete Kirche an den Tag legten, muß uns zu neuer Vaterlandsliebe anstacheln und in uns jenes Gefühl gegenseitigen aufrichtigen Wohlwollens gegen unsere Mitbürger und der Dankbarkeit besonders gegen Jene erwecken, welche vor Anderen ihre löbliche» Bestre, bungen dieser Sache zuwendeten." „Unter diesen leuchtet gleich einem glänzenden Gestirne unser BanuS hervor, jener Mann, wie einen gleichen nicht jedes Zeitalter schafft, nicht jedes Land gebiert. Jener Mann, der einer von den Wenigen ist, denen es vergönnt war, in diesen convulsi- vischen Zeiten durch heldenmüthige Tugenden, durch unerschütterliche Treue und edle Aufopferung seiner selbst die wankenden Grundfesten der Monarchie zu befestigen, den Thron zu stützen und die hohe regierende Dynastie von der drohenden Gefahr zu retten, jene Dynastie, die nächst Gott der Quell all unseres Wohlergehens ist. Es genügte diesem Manne nicht, unserem Vaterlande eine würdevolle Stellung zu verschaffen, er glaubte auch durch die unermüdete Unterstützung des Gesuches um die Erhebung deS .VN»iMls,A8SU/l(t,(i,M Agramer BiSthumS zur Metropole einen neuen und zwar sehr ausgezeichneten Beweis seiner lieben und frommen Sorgfalt für die Kirche des Vaterlandes zu geben, wofür ihm in der That unser innigster Dank, unsere aufrichiigste Anhänglichkeit und unbegrenzte Verehrung gebührt." „Dieses glückliche Ereigniß kann serner nicht anders als unsere Brust mit unauslöschlichem Dankgcfühl gegen unseren erhabenen Kaiser und König Franz Joseph I. erfüllen, der die uralten in dieser Beziehung geäußerten Wünsche der Kroaten und Slavonier gnädig entgegennehmend und mit seiner mächtigen Beredsamkeit unterstützend, die Sache zum günstigen und erwünschten Erfolge reifte. Dieser bewunderungswürdige Fürst, den Jeder, der ihn sehen oder kennen lernen konnte, eben so hoch verehrt als liebt und alö eine ausgezeichnete Zierde so vieler Ahnen, denen er entsprossen, beurtheilt, der die Jugend durch gereifte Urtheilskraft und der Zeiten Mißgeschick durch deS Glückes Gunst besiegt, dem keine Sache so schwierig ist, daß er sie nicht mit weisem Rathschlusse zu leiten, mit Rechtschaffenheit zu beschützen und mit Edelmuth zu vollbringen vermöchte; dieser von Gott mit so vielen Gaben geschmückte Fürst, sage ich, hat schon bis jetzt seinem unermeßlichen Reiche, ja der Menschheit mehr Wohlthaten erwiesen, als viele Andere im Verlause von Lustren, selbst von Jahrhunderten zu erweisen vermochten." „Er hat seine Liebe für die Religion und ihre Bewahrerin, die heilige Kirche, schon im Beginne seiner Regierung durch so ausgezeichnete Beweise dargelegt, daß es nicht verwundern darf, ihn sichtbarlich vom Schilde der göttlichen Vorsehung beschützt und selbst jüngst fast aus eine wahrhaft wunderbare Weise aus der Gesahr errettet zu sehen, womit das fluchwürdige Verbrechen eines Meuchelmörders sein kostbares Leben bedrohte. Diese seine Gnade gegen das Vaterland und unsere Kirche muß fürwahr jene Treue, die unsere Vorsahren gleich einem äußerst kostbaren Schatze gemeinsam bewachten, in unseren Herzen und zwar derart befestigen, daß wir weder in Thaten, noch in Worten jemals etwas begehen, das seinem Ruhme oder Wohle schädlich seyn könnte, sondern daß wir vielmehr durch allgemeine Kraftanstrengung seine Absichten und Bestrebungen, die ohnehin nichts anderes als daS Wohl der seinem Scepter unterworfenen Völker bezwecken, unterstützen, daß durch hinreichendes ausrichtiges Zusammenwirken von unserer Seite jegliches Mißtrauen gegen seine Regierung aus den Gemüthern der Menschen verbannt und auf diese Art alle Pfeile schlechter Menschen abgewandt und die öffentliche Ruhe und das Glück von jener pestartigen Fäulniß der Leidenschaften, welche annoch zuweilen die Hölle auszuspeien pflegt, bewahrt und sichergestellt werden. Des heutigen Tages Glück muß jedoch auch, und zwar im höchsten Grade, die innigsten Gefühle der Dankbarkeit und unverbrüchlichen Treue gegen das fichtbare Oberhaupt der Kirche, unseren heiligsten Vater Papst Pius IX., uns einpflanzen, durch dessen apostolische Autorität allein die neue Constituirung dieser Kirchenprovinz gesetzlich erfolgen konnte und durch dessen väterliche Gnade sie auch in der That erfolgt ist. In der Kirche GotteS nämlich muß jegliche hierarchische Ordnung von jener Macht entspringen, der die Fülle des Apostolates innewohnt. Denn waS, wie ein Kirchenvater sich sehr schön ausdrückt, dem Baume die Zweige, dem Haupte die Glieder, der Sonne die Strahlen, der Quelle die Bächlein, das sind und schulden diesem ausgezeichneten apostolischen Sitze alle Kirchen, welche der christliche Glaube irgendwo auf dieser Erde gegründet hat." „Mit welcher zarten Sorgfalt ferner der heilige Vater diese hohe Macht zu unserem Gedeihen angewendet hat, beweisen hinlänglich die unserer Nation ertheilten Lobsprüche, wie sie die kurz vorher verlesene Bulle enthält, so zwar, daß er sich schon hiedurch unsere Herzen zur innigsten Dankbarkeit für ewige Zeiten verpflichtet hat. Denn wenn es ehrenvoll ist, von einem gepriesenen Manne gelobt zu werden, um wie viel ehrenvoller ist es, durch das Orakel der apostolischen Stimme mit Lobsprüchen überhäuft zu werden? UebrigenS ist es nicht unsere Absicht, die hohen von einer ganzen Welt bewunderten Geistes- und Herzensgaben unseres höchsten Kirchenfürsten aufzuzählen und seine unsterblichen Verdienste für die Kirche Gottes und die Menschheit 187 anzuführen. Eines bloß, was meine Seele oft bewegt, glaubte ich bemerken zu müssen: daß selbst jene Leiden und Gefahren, welche von der Gottlosigkeit verworfener Menschen ihm zugefügt und bereitet wurden, so wenig seinem unvergänglichen Ruhme Eintrag zu thun vermögen, daß sie ihm vielmehr noch einen größeren Glanz verleihen. Denn er erlitt diese Unwürdigkeiten wegen seiner unerschöpflichen Herzensgüte, wegen der ausgezeichneten Aufrichtigkeit seines Gemüthes, wegen des zarten Gefühles der Humanität, das ihm angeboren ist, und endlich darum, weil ein Herz von solchem Edel« muth gern auch andere sich gleichgeschafsen wähnt und sich nicht leicht zu überreden vermag, daß eS einen solchen Grad von Verworfenheit unter den Menschen geben kann, daß sie sich nicht scheuen, selbst die freiwilligen Gnadengeschenke edler Menschen zum Verderben ihrer Wohlthäter zu mißbrauchen." „ES gibt noch einen Namen, der bei dieses heutigen TageS Wichtigkeit unsere höchste Beachtung, unsere tiefste Verebrung, unsere innigste Liebe erheischt. Dieser Name, eö ist Dein ausgezeichneter Name, der Name Deiner Eminenz, hochwürdigster Cardinalpriester der heiligen römischen Kirche, Erzbischof und apostolischer Nuntius! Du hast nämlich den Antrag der Erhebung zur Metropole dieser Kirche gleich in ihrem Beginne gütig aufgenommen, thätig gefördert, mit Deiner mächtigen Stimme unterstützt und mit allen Hülfsmitteln versehen, welche nur irgendwie zu einem glücklichen Ausgange zu führen vermochten. Dieser Deiner ausgezeichneten Anstrengung hast Du überdieß noch dadurch den höchsten Gipfelpunkt verliehen, daß Du nicht bloß mit bereitwilligem Herzen diesen zum Vollzüge vom heiligen Vater Dir übertragenen Austrag übernahmst, sondern auch, obschon Du die Befugniß hattest, zu diesem Behufe einen Anderen zu beauftragen, obschon Du ferner durch das mit dem österreichischen Hofe abzuschließende Concordat überaus in Anspruch genommen warst. doch weder durch die Beschränktheit Deiner Muße, noch durch die Beschwerden der weiten Reise, noch auch durch Deine neue CardinalSwürde, über der eS nach dem höchsten Pontificat in der Kirche keine höhere gibt, Dich von der Hieherkunft abHallen ließest. Durch diese Thaten haft Du in den Herzen des kroatischen und slavonischen Volkes Dir ein unvergängliches Denkmal gesetzt. Rom mag Deine Treue, Frömmigkeit und die unerschütterliche Seelenstärke bewundern; Deutschland, in dessen Umfange Du in so vielen Sendungen mit Auszeichnung gewirkt hast, möge Deine Geistesschärfe, Deine ausgezeichneten Kenntnisse preisen, Oesterreichs Hauptstadt möge Deine Großmuth, Aufrichtigkeit, Sanftmuth und übrigen Tugenden mit gerechtem Lobe seiern: unS genügt, was ich eben angedeutet, Dein- Menschenfreundlichkeit gegen uns und Dein gnädiges Wohlwollen, um Dein Gedächtniß mit unvertilgbaren Zeichen in unsere Herzen zu graben; zumal wir in unsern Annalen keine Spur finden, daß ein apostolischer Nuntius diese Länder mit seiner Gegenwart erfreut hätte. Nicht mein glühendster Wunsch allein, sondern (vertrauend spreche ich eS aus) der Wunsch des gesammten österreichischen KleruS ist es, daß wir niemals, so lange uns und Dir der Genuß dieses Lichtes übrig bleibt, Deines Anblicks, Deines Schutzes beraubt werden; waS wir indeß kaum zu hoffen wagen dürfen, schon aus dem Grunde, weil auch andere, aus dem allgemeinen Jnteresse der Kirche entspringende Ursachen, früher oder später Deine Anwesenheit in der Metropole der Christenheit erfordern werden; der Trost bleibt uns jedoch bei Deinem Scheiden, daß Dein theures Andenken so sehr unseren Herzen eingeprägt ist, daß kein Tag es mehr zu verwischen und kein Wechsel glücklicher oder unglücklicher Ereignisse eS jemals zu verdunkeln vermag. Doch wahrlich eS ist Zeit, meiner Rede Einhalt zu thun." „Dir, himmlischer Vater, Gott des Erbarmens, Quell aller Gnade und alles Trostes sey der Schluß meiner Rede gewidmet! Von Dir gelangt alles das Gute, dessen wir uns erfreuen, von Dir, der wie Du oft deine Getreuen mit Deiner väterlichen Strafe heimsuchst, so auch wieder bei günstiger Gelegenheit sie mit Freude aufrichtest unv sie mit den Wohlthaten Deiner Segnungen überfluthest. Lob, Ruhm und Jubel Dir für so große Wohlthaten und ewige Dankbarkeit. Es ist wahrhast würdig und gerecht, wenn wir an diesem so vorzugsweise festlichen Tage Dir ein heiliges 188 Dankopfer darbringen und mit reinem HerzenStriebe jenes unbefleckte Sühnopfer darreichen, welches seinen unvergleichlichen Duft nie vor Dir verliert O gewähre, allgütigster Vater, daß diese neue Würdigung Deiner Gnade in unS, den Dienern Deiner Altäre, den Geist Deines SohneS wiever belebe, unsere Herzen entflamme zur Ausbreitung der Grenzen Deines Reiches, unsere Seele zu allen Kämpfen gegen die Mächte der Finsterniß stärke, den Durst nach der Mehrung Deines Ruhmes und des SeelenheileS schärfe und unS selbst immer mehr und mehr der Gnade und Heiligkeit überliefere." „Gewähre den Obrigkeiten, gewähre Allen, welche der Leitung der öffentlichen Angelegenheiten deS Vaterlandes vorstehen, daß sie durch Religion, Frömmigkeit und Tadellosigkeit deS Lebens Anderen zum heilsamen Beispiele bleuen, gib Deinen treuen Völkern KroaiienS und Slavoniens, daß sie wie ihre Vorfahren in allen schweren Zeitverhältnissen ihren Glauben unbefleckt bewahren und so für ewige Zeiten und mit ganzem Herzen der katholischen Wahrheit anhängen, ja selbe in ihrer Gesinnung, in ihren Handlungen und in ihrer ganzen Lebensweise ausdrücken; fest überzeugt, daß sie auf dem wogenden Meere der menschlichen Meinungen der einzige und sichere Anker der Wahrheit, das einzige Rettungsboot im Schiffbruche sey, ohne welches der Schiffbrüchige untersinkt und das denjenigen, der es umklammert, und sey er von der heftigst?» Sturmfluth umwogt, in den Hafen des Heiles führt. Segne, o Herr, Dein Erbe, welches Du durch daS kostbare Blut Deines Sohnes wieder errungen und das Du vom Anfange her besessen hast. Erhalte in dieser, durch daS neue Geschenk Deiner Gnade gestärkten Familie Deines Stammes den Geist der KindeSannahme, daß sie an Geist und Körper neu belebt Dir in alle Ewigkeit treu diene. Du aber, heiligste Jungfrau Maria, Mutter der göttlichen Gnade, deren mächtigsten Schutzes sich im Lause so vieler Jahrhunderte diese Länder, diese Dköcese, diese Kirche zu erfreuen hatten, ihr heiligen Könige Stephan und LadiSlauS, die ihr unS stets mit Eurer wirksamen Fürbitte unterstützt habt, vermehrt, wir flehen Euch an, i» dieser Erhöhung deS Eurem Schutze anvertrauten HeiligthumS Eure Vermittelungen." Die Religion muß der industriellen Thätigkeit die rechte Richtung und Weihe geben, Hirtenbrief deS Cardinal-ErzbischofS von Lyon zur Fastenzeit 1853. Wenn was immer für ein Ereigniß, eine Thatsache, welcher Natur sie auch seyn möge, durch die entferntesten Folgen zn dem Triumphe des Glaubens beizutragen, oder dessen Fortschritte zu hemmen vermag, so kann, geliebteste Brüder, die Religion keine stille Beobachterin von dem bleiben, was um sie her vorgeht; ihre Stimme muß warnen und rathen, um der zu befürchtenden Gefahr vorzukommen, oder um die Entwicklung deS Guten, welches sie hofft, zu beschleunigen. Wollte sie sich begnügen, den Strom menschlicher Dinge zu ihren Füßen vorübergleiten zu sehen, ohne sich zu kümmern, ob jener Fruchtbarkeit oder Verderben mit sich bringe, so würde sie ihre Sendung auf Erde mißkennm, sie wäre nur die ungetreue Bötin deS Himmels und würde zu gleicher Zeit gegen göttliches und menschliches Interesse handeln. Zum Heile der Seelen in diese Welt gekommen, darf sie für nichts gleichgültig bleiben, waS dieses erhöhen oder vermindern kann. Als Diener dieser Religion haben Wir daher nicht die Beschuldigung zu befürchten, UnS der Würde eines Hirten zu berauben und das Heiligthum zn verlassen, wenn Wir in Mitte der industriellen Bewegung, welche unS mit sich fortreißt und welche unsere Zeit charakterisirt, die daran theilnchmendcn Christen ermähnen, nicht etwa dieser Thätigkeit ihre Mitwirkung zu verweigern, sondern sich nicht davon beherrschen zu lassen; nicht diesen rühmlichen GeisteSflug zurückzuhalten, sondern ihm die rechte Richtung zu geben; nicht diese Flamme des Genies, welche mit jedem Tage 180 und besonders in dieser berühmten Stadt in immer lebhafterem Glänze erscheint, zu löschen, sondern sie gegen den Urheber jeder vollkommenen Gabe*) aufsteigen zu lassen. Und wer könnte eS Euerm Bischöfe, der in Mitte der Wunderwerke Eurer stets weiter- schreitcnden Industrie lebt, verargen, wenn er Euch die Gefahren bezeichnet, welche der Religion begegnen könnten bei dieser allgemeinen Hingebung aller Eurer Fähigkeiten an neue Erfindungen, bei diesem heißen Kampfe aller arbeitenden Geisteskräfte, welche dem Geheimnisse, in kürzester Zeit und mit wenigen Händen recht viel Wohlstand zu schaffen und so das allgemeine Beste wie daS deS Einzelnen recht schnell zu fördern, immer mehr auf den Grund ju kommen streben. Vergesset, geliebteste Brüder, den Titel „Kinder GotteS" nicht, den Ihr bei der heiligen Taufe erhieltet und vergesset die Versprechungen nicht, welche man damals für Euch machte und die Ihr bestätigt habt. Zu Christen müssen Wir in christlicher Sprache reden! Durch die um Euch her wogende Fluth von Aufklärung verblendet, könnten Eure Augen vielleicht die Klippen n>cht gewahren, deren die Laufbahn der Industrie in Fülle zählet; Wir wollen Euch selbe zeigen. Euer Geist, bezaubert von den Reizen der an Wunder gränzenden Schöpfungen menschlicher Macht, könnte sich wohl leicht gefährlichen Täuschungen hingeben und vor solcher Bethörung wollen Wir Euch wahren. Für eine unsterbliche Seele beschränkt sich nicht Alles auf die Erde, und daS Ziel ihres StrebenS sey nicht allein daS Gluck eines TageS. Sie ist für höhere Bestimmungen berufen, und AlleS, waS sie veranlassen könnte, ein irdisches Gut mit der ganzen Kraft ihres ScynS zu verfolgen, prüfe sie mißtrauisch und vorsichtig. Glaubet nicht, gcliebteste Brüder, daß Wir im Namen der Religion Hieher kamen, die Industrie ^u bekämpfen und sie Euch etwa als Freundin Eurer Seelen, Verderberin Eurer Sitten und als Herd aller Leidenschaften darzustellen. Eine derartige Geringschätzung wäre zu ungerecht, um von Lippen zu kommen, welche die Wahrheit sowohl als die Wissenschaft zu hüten berufen sind. Nein, wir verkennen nicht daS Vermögen deS Menschen, täglich neue Mittel zu ersinnen, um Rohstoffe zu seinem Gebrauche zu bearbeiten, die Elemente zu seinem Vortheile und Gefallen zu bezähmen, sich immer mehr und mehr zu erheben, um einzudringen in die Plane der Vorsehung bei Bildung und Erhaltung der Geschöpfe, um einigermaßen die leisesten Geheimnisse der Natur zu entschleiern und so nach und nach die ihm von Gott über alle Schöpfungöwerke gegebene Herrschast auszudehnen und sich zuzusichern. Wir wissen, daß Gott seinem Ebenbilde einen LebenSgeist eingehaucht habe, und daß jedes vernunftbegabte Geschöpf auf seiner Stirne das Siegel göttlichen Ursprungs trage. Die Religion, geliebteste Brüder, theilt all Eure bewundernde Liebe zur Industrie, sie freut sich über deren glückliche Erfolge und muntert zu neuen Anstrengungen auf. Zeichnete nicht schon die heilige Schrift in ihren geweihten Blättern den Namen desjenigen auf, der zuerst versuchte, auf dem Ambos Eisen und Erz zu schmieden**)? Ueberhäufte sie nicht mir Lob den Sohn U'i's, der von GotteS Geist mit Weisheit und Kenntniß begabt, Werke in Gold, Silber und Erz" und Steine und Metalle schnitt***)? Feierte sie nicht den Ruhm Coliad's, dem keiner gleich kam in der Kunst Stoffe zu särden und ihr prächtiges Gewebe durch reiche Stickereien hervorzuheben? Wollre sie nicht bis auf die letzten Generalionen den Namen desjenigen verpflanzen, der so unvergleichliches Holzwerk zimmerte: ^i-titex liZnorum egre-Aius f)? Und liefert uns heutzutage der Kuustfleiß nicht sein wie Seide geiponneneö Gold, um unsere Altäre mit den kostbarsten Werken seiner Hände zu bedecken. Für die Industrie gibt eS kein unbezwinglicheS Element m.hr. Will sie Einen von einer Hemisphäre in die anvere versetzen, so gehorchen Winde und Wellen ihrer Stimme, und daS wildaufbrausende Meer vermag nicht, ihren flüchtigen Lauf zu sperren. Sie scherzt mit den Stürmen wie der Wallfisch in den Tiefen des Oceans. ") Jac. 1. t? ") Genes. IV. 22. '") Lxod. XXXV. 3V. 5) Ibicj. XXXVIII. 23. 190 Will sie neue Verbindungen mit den verschiedenen Gegenden unserer Erdkugel eröffnen, so berührt sie die Erde mit ihrer Zauberruthe, und alsogleich schmelzen hundertjährige Berge und Felsen wie Wachs, um den reichsten Naturerzeugnissen freien Durchzug zu gewähren. Und um ihre mit den bewunderungswürdigsten Produkten beladenen Wagen auf Schienen dahinfliegen zu lassen, wechselt die >Jndustrie nach Willkür die bewegende Kraft. Heute entlehnt sie dieselbe von zusammengepreßtem Dampfe und morgen verwirft sie diese mächtige Gewalt, um von der atmosphärischen Luft noch Größeres zu fordern. Bald jedoch dieses furchtbaren Hülfswerkzeugs überdrüssig, entwendet sie der Natur eines der verborgensten Geheimnisse, ohne daß jedoch dieser Wechsel der bewegenden Kräfte ein Zeichen der Unbeständigkeit oder Unsicherheit wäre, eS ist nur ein neuer Funke des Genies, welcher ihrer thätigen Einsicht entquillt. Für sie gibt es keine Thäler, keine Berge, keine Entfernungen. In kurzer Zeit wird sie unsern Planeten in allen Richtungen durchwühlt haben, sie wird seine Höhen ausgekundschaftet, seine Abgründe durchsucht, sie wird ihn so zu sagen umgewendet haben, wie der Landmann die Erde mit seinem Pfluge umkehrt. Wer weiß, ob sie sich nicht bald in den Lüften eine Triumphstraße bahnen und so die durch sechstausend Jahre von allen Geschlechtsfolgen betretenen irdischen Wege verschmähen werde. Man könnte endlich sagen, daß sie den in den Gräbern liegenden Gebeinen das Leben wieder gibt. Entzündet sie nicht auS verwesten Stoffen dieses lebhafte Licht, welches auf unsern Plätzen und Stnißen gleich der Tageshelle leuchtet? Augenscheinliches Bild der einstigen Auferstehung, wenn bei des Engels Rufe verklärte und von Jugend und Schönheit glänzende Körper aus den Gräbern hervorgehen werden, in denen ehedem Würmer und Fäulniß waren. Und wenn es der Erfindungsgabe beliebt, so schafft die Industrie aus einer Zusammenstellung ungleichartiger Metolle ein Licht, das jedes nächtliche Dunkel aus unsern darüber erstaunten Städten verbannt, ein Licht mit einem Glänze, der eS mit dem Gestirne des Tages aufnimmt. Wenn daher in Mitte dieses eifrigen, beharrlichen Treibens die ewige Weisheit zu unsern Ohren nicht die Worte erschallen ließe: Alles ist Eitelkeit^, so wären wir versucht, die göttliche Macht mit der des Menschen, und die Arbeit des Geschöpfes mit dem Werke des Schöpfers zu verwechseln. Aber dieser göttliche AuSspruch stellt die Ordnung wieder her und weist jedem Dinge den gehörigen Platz an, und indem er uns unsere Schwäche enthüllt, führt er uns zu demjenigen zurück, der allein die Quelle alles Lichtes und einzig der Ursprung unseres Lebens ist. Erstaunet nicht, geliebteste Brüder, daß Wir Uns über die bewunderungswürdigen und nützlichen Erfindungen der Industrie wohlgefällig aussprechen. Die Aufzählung ihrer Wunder ist eine Lobpreisung Gottes, der so gerne dem Menschen etwas von seiner Allmacht mittheilt. Indem Wir aber nun vor Euch, geiiebteste Brüder, die Industrie loben und ihren außerordentlichen Verdiensten um Vermehrung des Natioualreichthums, um Herstellung eines allgemeinen, manchen Classen bisher unbekannt gebliebenen Wohlstandes, alle Anerkennung zollen, werden Wir wohl so weit gehen, um zu sagen, daß diese ganze c'mmercielle Bewegung der wahre Fortschritt und eine merkliche Annäherung zu seiner Vollkommenheit sey, nach welcher, wie man sagt, die menschliche Gesellschaft unaufhörlich strebt? Ohne Zweifel würden Wir es öffentlich aussprechen, wenn der Ueberfluß an Producten, die Geschwindigkeit der Ausfuhr und die Gewalt der Maschinen eine wahre Besserung der Völker im Gefolge haben könnte. Ohne Zweifel würden Wir eS zuerst bekennen, wenn seit der Zeit, seit welcher uns das erfindungsreiche Genie des Menschen durch seine Entdeckungen in Erstaunen setzt und seitdem die Hand des Menschen sich die schrecklichsten Elemente geschmeidig und dienstbar zu machen wußte: auch die Familien christlicher, die Kinder gelehriger und die Eltern wachsamer geworden wären; wenn, seitdem man weniger srcventliche Angriffe gegen die giue Sitte, Eigenthum und Menschenleben verübt, die öffentlichen Aemter mit mehr Fleiß - -) Lcclesisst. I. 1. 191 und Redlichkeit verwaltet würden; wenn eS, seitdem die menschliche Gerechtigkeit ihr Schwert in die Scheide gesteckt hat, am Fuße der Altäre mehr reuige Sünder gäbe, als Verbrecher vor Gericht. Hat aber die Anwendung des Dampf« s und GascS, der gegenseitige rasche Austausch der gegenseitigen Reichthümer der Naionen, haben die gewagten Handelsspeculationen, hat all diese bewunderte invustrielle Thätigkeit die Grundfesten der Autorität neu bestärkt? Hat sie die Heiligkeit der Che mit mehr Ehrfurcht umgeben? Hat sie zwischen der kindlichen Unschuld und der Verderbtheit ein unüberschreitbareS Hindtrniß gelegt? Hat sie die geschworene Treue unverletzbarer gemacht? Wer würde wagen, eS zu bejahen im Angesichte der durch die Behörden jährlich veröffentlichten Berichte, welche mit furchibarcr Stimme gegen den Verfall der öffentlichen Moralität Zeugniß ablegen? Lasset Euch hierin nicht täuschen, geliebteste Brüder, es gibt einen des Menschen würdigern Fortschritt, als den in Benutzung von Stoffen, und das ist der Fortschritt in der Gerechtigkeit, Religion und Tugend. Sah man denn nicht, wie der Lurus die mächtigsten Völker entkräftete und sie der Größe verlustig machte, zu der sie sich durch strenge Tugendübnng emporgeschwungen hatten! Hier liegt eine lange, schon von der ewigen Weisheit ausgesprochene Wahrheit: ^usti- tis elevsnt ßentem.^) Als der heilige PanluS die ersten Christen unterrichtete, sagte er da wohl: „Werdet gesckickler im Färben der Seide, im Glätten der Stoffe, in Leitung eines Schiffes, in Aufführung von Gebäuden; Euer Aufwand in Kleidern und in Euerm Hause habe keine Gränzen?" Nein, er wußte zu gut, daß Gold und Silber nicht den Ruhm und das Glück der Gesellschaft ausmache. Der große Apostel begnügte sich zu sagen: Schreitet weiter in der Tugend und in der Erkenntniß desjenigen Gottes, der den Keim wahrhafter Civilisation auf die Erde brachte, indem er das Feuer der Barmherzigkeit allenthalben verbreitete: Lrvseitö verö in KrstiZ, et in cogrutiollö vomim nostri ^esu Lliristi.**) (Fortsetzung folgt.) Rom. - Rom, 4. Mai. Ueber die Feier der Seligsprechung des Stifters des Passionisten- OrdenS wird von hier dem Münst, SonntagSblatt berichtet: „Seit Ostern ward an dem Schmucke der Peterskirche zu dieser Feier unausgesetzt von zahlreichen Künstlern und deren GeHülsen gearbeitet, das Bild des Seligen, ihn in der Glorie und auffahrend zum Himmel darstellend, erhob sich in der Chornische deS Hauptschiffes über dem Orte, wo der Stuhl deS heil. PetruS steht, und ein ungeheurer Kranz von Strahlen ergoß sich von ihm aus nach allen Seiten, während mehr denn anderthalb tausend Wachslichter in der Ungebung glänzten und mit ihrem Scheine die herrlichen Draperien und die dunklen Räume der Basilika erleuchteten. Gegen 10 Uhr erschienen die Mitglieder der heil. Congregation der RituS, die den BeatificationSproceß führte: voran der greise Cardinal Lambruschim, gestützt und fast getragen von den ihn begleitenden Priestern; für ihn war das Fest das schönste seines Lebensabends, denn eS brachte ihm daS Ziel seiner vieljährigen Bemühungen sür den Orden und seinen verklärten Stifter, Ihm folgten die übrigen der Congregation angehörenden Cardinäle, und dann die lange Reihe der Consultoren derselben, die alle auf der Evangelienseite deS Altars Platz nahmen, während die Bänke gegenüber von dem ArchipreSbyter der Peterökirche, Cardinal Mattei, den Kanonikern, Beneficiaten und Klerikern, welche das Capitel von St. Peter constituiren, eingenommen wurde. Der General der Passionisten trat nun aus seiner in mehreren Hundert Mitgliedern gegenwärtigen OrdenS- familie hervor, überreichte dem Präfecten der heil. Congregation der Ritus das vom heil. Vater erlassene Decret der Seligsprechung, und bat in einer lateinischen Anrede ") ?rov. XIV, 34. «) ?etr. lll. IS. 192 um dessen Publication. Der Cardinal-Präfect beauftragte hiermit das Capitel von Lt. Peter, und dessen ArchipreSbyter ließ deßhalb die Verlesung von einer Kanzel vornehmen. Unmittelbar nach derselben fiel der Vorhang, welcher bisher das Bild deö Seligen verdeckt hatte, und in demselben Momente wurde das Te Deum angestimmt und von zwei Chören feierlichst abgesungen. Dasselbe schloß mit der vom heil. Vater approbirten Oration zum Seliggesprochenen, und hierauf wurde die Messe zu Ehren des seligen Paulus vom Kreuze zum erstenmale von einem der in St. Peter angestellten Bischöse pontificirt. Ungeheuer war der Zudrang der Menschen zu dieser Feier; während sonst bei den großanigstcn Functioncn die Fremden die Mehrzahl bilden, war dieseSmal die ganze Einwohnerschaft von Rom und allen umliegenden Orten zusammengeströmt, um den vor einem Jahrhunderte noch als Lebenden ihr angehörenden Seligen zum erstenmale mit der Kirche zu verehren und um seinen Schutz und seine Fürsprache öffentlich anzuflehen. Den höchsten Grad aber erreichte der Zudrang von Menschen, als gegen 5 Uhr Abends der heil. Vater mit allen Cardinälen, — voran wieder Lambruschini, geführt vom Cardinalvisar, erschien, um dem Seligen seine Verehrung zu beweisen und vor seinem Bilde zu beten. Nie haben wir die Räume der riesigen PeterSkirche so angefüllt gesehen. Se. Heiligkeit verweilte eine Zeitlang knieend vor dem Bilde im Gebete und zog sich dann wieder zu Fuß in den Vatikan zurück." Rom, 2. Mai. Auö dem Orient gelangen seit längerer Zeit immer betrü- bendere Nachrichten Hieher. Es ist Ihnen bekannt, daß in Ostindien seit dem Ende deS vorigen Jahrhunderts ein durch das Benehmen der portugiesischen Regierung veranlaßtes Schisma besteht. Vergebens hat der heilige Stuhl sich in all dieser Zeit b-müht, jene Regierung zu veranlassen, von ihrer Anmaßung, die Bischöfe Indiens zu ernennen, abzustehen, eine Anmaßung, die um so widersinniger ist, als Portugal nicht einmal das zeitliche Regiment in Ostindien hat behaupten können. Nachdem es dieses an die Engländer hat abtreten müssen, will eS fortfahren, an dem kirchlichen Theil zu haben, und das auf eine Weise, die auch bei andern Verhältnissen nicht geduldet werden könnte. Das Schisma war weit ausgedehnt; jedoch hatten die Missionäre, zum Theil Welipriester, zum Theil Jesuiten, viele hunderttausend Indianer nach und nach wieder der katholischen Kirche gewonnen. Aber die Schismatiker haben seit einiger Zeit neue Anstrengungen und nicht ohne Erfolg gemacht. Die Engländer, welche den Portugiesen das wellliche Regiment genommen haben, unterstützen sehr thälig die Bemühungen derselben, in daS geistliche Unordnung zu bringen. Viele Kirchen sind den katholischen Missionären genommen, und durch List und Gewalt ganze Völkerschaften verführt, zu den Schismatikern überzugehen. Jetzt erhält man hier die Nachricht, daß der Bischof von Bombay eingekerkert, Kirchen mit Gewalt genommen und auf gräuliche Weise entheiliget sind. Der Geist der Scctirerei ist überall und allezeit derselbe: aus ihren Früchten werdet ihr sie erkennen. — Sollte eS dem heil. Vater nicht gelingen, in Einverständniß mit dem portugiesischen Hose die schiSmatischcn Bischöfe und Priester selbst zu entfernen, so ist für jene Mission viel zu befürchten. (Münsterer S.-Bl.) Paris. Am 14. April fand in der Kirche von St. Sulpice die Taufe eines Kindes statt, welches auS dem Königreiche Siam gebürtig, und durch die Mittel des Vereines der hell, Kindheit gekaust war. Alle Schulkinder auS den umliegenden Stadttheilen unter Führung ihrer Lehrer und Lehrerinnen auö den Orden der Schulschwestern und Schulbrüder, und eine dicht gedrängte Menge von Gläubigen nahmen an der Feier Theil. Der apostolische Nuntius, Msgr. Gaiibaldi, Erzbischof von Nicäa i, p , verrichtete die heil. Handlung, und der Cardinal-Erzbischof von TourS hatte die Palhen- stelle übernommen. Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. Verlag«-Inhaber: F. E. Krcmer. Dr-y-hntet Jahrgang. Sonntags-Beiblatt zur Augslmrger PostMung. 19. Juni. SS. 1853. Diese« Blatt erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der halbjährige Abouuement«pret« 40 kr., wofür e« durch alle königl. bayer. Postämter und alle Buchhandlungen bezogen werde» kauu Die Religion muß der indnstriellen Thätigkeit die rechte Richtung uud Weihe geve». Hirtenbrief deS Cardinal-ErzbischofS^ von Lyon zur Fastenzeit 1353. (Fortsetzung.) Vermehret, gelMeste Brüder, so viel Ihr wollt die sinnreichsten Maschinen, Ihr werdet dadurch das Glück nicht vermehren: Verbannet von der Erde die Armuth und Dürftigkeit, wenn' Ihr eS' könnet, Ihr werdet damit den Kummer nicht verbannen. Ueberyäufet die Familien mit allen möglichen Gütern, Ihr werdet so die Einigkeit der Herzen und ein regelmäßiges Leben noch nicht einfuhren. Eröffnet dem Volke alle Vergnügungsplätze, bahnet ihm den Zutritt zum Wohlstand und LuruS, und Ihr werdet dadurch die Quelle der geheimen Thränen nicht erschöpfen. Die wohlklingendsten Concerte werden nicht einen Seufzer zum Schweigen bringen. Zur Bewirtung einer solchen Umwandlung in den socialen Verhältnissen gehört mehr als Materielles. Wie großmüthig und wohlthätig die Industrie auch seyn mag, sie hat nicht für sich allein die Macht, in die Seelen einzudringen und derei? Wunden zu heilen, sie ist unvermögend, dem Herzen die ihm nöthige Linderung zu geben. Man sage daher nicht, daß die von der Religion getrennte industrielle Thätigkeit ein moralischer Fortschritt sür die Gesellschaft sey. Die Erfahrung würde diese Aussage Lügen strafen, denn eS scheint, daß in dem Maaße, in welchem uns diese Wunderwerke von allen Seiten umgeben, die Gesellschaft immer tiefer in der Vergessenheit jener guten Grundsätze sinkt, welche allein ihr das Leben geben. Aber, geliebteste Brüder, die durch das Bündniß mit der Religion veredelte und geheiligte Industrie kann einen schönern Ruhm beanspruchen, als den, den Wohlstand der Menschheit vergrößert und die irdischen Genüsse vermehrt zu haben. Wenn sie so stolz darauf ist, auf ihrer Stirne das Ehrendiadem zu tragen, womit der Erfindungsgeist sie krönte, so muß sie noch mehr wünschen, sich mit einer strahlenderen und weniger vergänglichen Krone zu bekränzen, mit der'Krone deS Eifers, unter die entferntesten Nationen das Licht deS Evangeliums zu verbreiten. DaS römische Volk suchte in den Siegen seiner Legionen nur seinem Ehrgeize zu genügen und Ruhm bei den Menschen zu erwerben, währenddem die göttliche Vorsehung die Erfüllung von Absichten vorhatte, die ihrer würdiger waren; und indem Gott zuließ, daß die Nationen der Erde ein und derselben Macht unterworfen waren, bereitete er sie darauf vor, ihr Haupt unter das süße Joch'ein'unv desselben Glaubens zu beugeir und die väterliche Obergewalt ein und derselben geistigen Regierung anzuerkennen. Könnte nicht, ohne ihr Wissen, die Industrie eine ähnliche Sendung vom Himmel erhalten haben? Nachdem die Vorsehung ihr die commerciellen Verbindungen mit den verschiedenen Weltgegenden erleichtert, wollte sie damit nicht den Verkündigern des katholischer,- Glaubens neue 594 Wege eröffnen, um den Namen Jesu Christi in die entferntesten Himmelsstriche zu tragen? Sollte ihr nicht die Macht gegeben seyn, das Reich des Erlösers über jenen ganzen Raum auszudehnen, welcher unter ihrer eigenen Botmäßigkeit steht, und aus den ihrem Handel und ihren Erfindungen Hörigen die Zahl der Kinder GotteS zu vergrößern? Wir glauben, hier einen Gedanken göttlicher Barmherzigkeit glänzen zu sehen, den wir im tiefen Dankgefühl verehren. Wie oft hat nicht schon das Segel, welches den noch in der Kindheit der Kunst stehenden Ungläubigen die verschiedensten Producte unserer Werkstätten zuführte, jenes heilige Feuer geschirmt, daS JesuS Christus in die Welt brachte, und welches seine Diener in Gegenden verbreiteten, die von eisigen TodeSschatten bedeckt waren? Und wie oftmals hat die Industrie, bei ihren weiten Ausflügen, anstatt der Reichthümer, die sie dem durchsuchten Lande entführte, einen weit kostbarern Schatz dort niedergelegt, nämlich: den bekehrenden Priester, den Glauben, das Fundament der Seligkeit, die heiligende Gnade. Ja die Fortpflanzung des Evangeliums ist die Ursache und der Ruhm der friedlichen Eroberungen, welche die Industrie mit jedem Tage in der Welt macht. Sie kann in den allmächtigen Händen des Urhebers und Vollenders unseres Glaubens*) ein Werkzeug zur Heiligung der Seelen, ein Hilfsmittel des apostolischen Amtes und eine Führerin des LichteS werden, welches vom Himmel kam, um jeden Menschen, der in diese Welt kommt, zu erleuchten.**) Bei solch christlicher Anschauung erblicken Wir mit Freude einen wahren Fortschritt, aber nur wenn man die Sache so ansteht. So verbreiteten die Schiffe Sa- lomonö, die nach TharfiS um Gold und Silber fuhren, an den Ufern des Orients die Kunde von den Wundern der Regierung dieses großen Königs, so daß die von diesen Erzählungen entzückten Völker sehnlichst wünschten, denjenigen mit Augen zu sehen, der durch seine Weisheit alle Monarchen der Welt übertraf, und die AuSsprüche zu hören, welche aus seinem Gott begeisterten Munde kamen. Salomon war das Vorbild der ungeschaffenen Weisheit, welche mit der Zeit Fleisch werden sollte, um den Menschen Worte des Lebens zu verkünden. Ihr sehet somit, geliebteste Brüder, daß Wir nicht willens sind, die Industrie zu verkleinern, die ja täglich neue Strahlen von unsterblichem Ruhme auf unser Vaterland wirft. Doch Wir sagen Euch mit dem heiligen Paulus: Habet Acht, vielgeliebte Brüder, schreitet mit einer ganz christlichen Klugheit auf dieser Bahn und überlasset euch nicht unvernünftigen Begierden und übermäßiger Gewinnsucht, welche unter Euern Füßen einen Abgrund öffnen würden, der all Euer Glück, Eure Ehre und Euern Glauben in sich verschlänge: Viäetv, lrstres, quomoäo csute smbu!eti8, von qu»8i msipiontvs.***) Suchet durch Weisheit von Euern Unternehmungen und durch Bedachtsamkeit von Euren Schritten die Aufwallungen einer Habsucht ferne zu halten, die niemals sagt: Es ist genug. Wohl ist eS Euch erlaubt, daS Erbtheil Eurer Väter durch Arbeitsamkeit zu vermehren, um Euern Kindern eine ehrenvolle Versorgung zu verschaffen und ihnen ein anständiges Auskommen zu hinterlassen, aber Ihr sollet nicht in Mitte Eurer mühevollen Arbeiten des Zieles vergessen, das Gott sich vorsteckte, indem er Euch aus die Erde sandte. Ihr sollet bedenken, daß, wenn auch Euer Name in den Reihen der berühmtesten kaufmännischen Größen aufgezeichnet ist, und wenn Ihr alle Schätze der Welt zusammengehäuft habet, doch all Eure Plagen unnütz sind, sobald Ihr dabei Eure Seelen zu Grunde richtet, die für ein erhabeneres und seligeres Ziel geschaffen sind. Geliebteste Brüder! Euer Glaube läßt UnS hoffen, daß Ihr Eure Ohren einer Sprache nicht verschließet, die der Abdruck von Gefühlen ist, welche daS Evangelium seinen Jüngern einflößen soll. Wir müssen gestehen, geliebteste Brüder! (und hierin liegen die Gefahren, welche Wir Euch bezeichnen müssen) daß die Industrie, welche mit vollen Händen ihre Wohl- ') Hebr. Xll, ». »1 Joh. I. 9. —) «pH. V. 15. 19S thaten über die Völker ausschüttet, oft in den Herzen einen verzehrenden Durst nach Gewinn ansacht und die Geistesthätigkeit der Menschen so lebhast beschäftigt, daß wichtige Gedanken keinen Platz mehr finden, und daß die Stimme der Religion und des Gewissens kraftlos ist, sich Gehör zu verschaffen. Diese Unbekümmertheit für das Höchste des Menschen, welche zu der Zeit des Propheten JeremiaS*) die Erde in Trostlosigkeit versetzte, macht in unserm Jahrhunderte des Geldes und des Wuchers Seelen, welche von Natur aus zu erhabnern Gefühlen geneigt waren, welk und unfruchtbar. In Mitte des Wirbels ihrer einträglichen Geschäfte ist all ihr Denken nur Denken auf einen Tag, all ihr Trachten nur Trachten aus einige Jahre: nichts für die Ewigkeit, nichts für das Himmelreich: Gedanken, Plane, Arbeiten, Alles ist in den engen Kreis der Gegenwart eingeschlossen. Umsonst wiederholt uns JesuS Christus, daß es nichts nützt, die ganze Welt zu gewinnen, an seiner Seele aber Schaden zu leiden**), der Industrielle, durch irdische Thätigkeit gefesselt, verkehrt oft die Worte dieses AuSspruchS und endigt damit, sich zu überreden, eS sey unnütz für das Heil seiner Seele zu arbeiten, wenn man seine Kapitalien nicht vortheilhast anwendet, nicht neue Straßen dem Verkehre eröffnet, neue Kanäle gräbt und neue Erzeugnisse schafft. Man könnte sagen, er habe das Geheimniß aufgefunden, die Zeit in Ketten zu legen und sich das Leben maaßlos zu verlängern. Und doch hat sich in der Natur des Menschen nichts verändert! In diesem Jahrhunderte wie in den spätesten sind seine Tage kurz und selten glückbringend: Dies psuoi et msli***); und nach Verlauf einer kurzen Dauer auf dieser Erde kommen Schmerz und TodeSkampf. f) Der SpeculationSgeist, die Geschicklichkeit der Geschäfts- führung, der gute Erfolg großer Unternehmungen mildern keineswegs das über unsern Stammvater und seine Nachkommen verhängte Urtheil. Zeigt dem Speculanten nicht alles ihn Umgebende an, daß seine Existenz mit der Flüchtigkeit des Dampfes verfliegt, und daß der Schatten nicht eiliger entschwindet als sein Erdenleben? Ein Seufzer, der Ton einer Glocke, einige Thränen, ein Wechsel in der Farbe der Kleidung sagen ihm zu jeder Minute, wie viel Wichtigkeit man den Glücksplänen, Handelsoperationen und weiten Reisen beilegen solle. Aber so groß ist der Taumel der Habgier, daß der Mensch, der in einem ganz irdischen Kreis lebt und nur die materielle Sprache versteht, bei der Jagd auf sein vermeintliches Glück gleichsam aus sich selbst heraustritt und, ohne eS zu bemerken, sich gewissermaßen in jenen Stoff umwandelt, mit dem er zu schaffen hat; und die Gedanken, die Gefühle, das Herz, der Verstand scheinen ihre geistige Natur zu vertauschen mit der Schwere, der Unempfindlichkeit und Vergänglichkeit des Goldes, mit dem man umgeht, des EisenS, das man wägt, und der Steine, die man aushäust. Versuchet den Geschäftsmann einen Augenblick im Laufe seines Wirkens aufzuhalten: saget ihm, er möge über das Ende nachdenken, zu dem der Mensch geschaffen ist, und über die Zukunft, welche näher rückt. Ermahnet ihn, sich selbst zu betrachten und in die Tiefen seines Gewissens einzugehen, um dessen Zustand zu erkennen. Dringet in ihn, wenigstens einen flüchtigen Blick gegen den Himmel zu werfen, um die Huldigung des Gebetes und der Dankbarkeit seinem Schöpfer und Vater darzubringen. Ueber diese, ihm nicht mehr verständliche Sprache erstaunt, wird er Euch antworten, daß eine Unterbrechung im Gange seiner Wagen oder Schiffe unmöglich sey, und daß man das Feuer des Schmelzofens nicht ausgehen lassen und die Schläge des Hammers nicht vermindern könne. Werdet Ihr ihm von jenem Tage sprechen, den der Herr sich vorbehalten, um von jedem vernünftigen Geschöpfe die schuldige Anbetung zu empfangen und den er auch dem Menschen vorbehielt, aus daß dieser sich mit ernsten Gedanken und dem wahren Vaterlande beschäftige? Der Speculant wird Euch die ") Jer. XII. lt. -) Matth. XVI, 26. ») keii. XXVII. 9. f) Pf. I.XXXIX, ty. 19« Summe vorzählen, die ihm durch einen der Arbeit geraubten Tag ^ntkämej er wird Mich die Metallmass« berechnen, welche wenigstens in seine WerHütten geströmt wäre, die Anzahl von Stoffen, die man wenigstens in seine Magazine gebracht hätte, er wird auch die Quantität des Wassers nicht außer Ansatz lassen, welches unnütz unter t»en Maschine« flösse, ohne den künstlichen Mechanismus in Bewegung zu setzen. Rufet seinem Gedächtnisse einige GlanbenSgeheimnisse zurück, die das Glück seiner Jugend ausmachten,- jenen Tag eiuer ersteu Communion, die auf seine Seele einen so wonnereichen Eindruck hervorbrachte, jene GewissenSzartheit, die selbst bei dem Schatten eines Fehlers erschrack: er hat nur Ziffern in seinem Gedächtnisse behalten und kennt keine andern Genüsse als das Steigen der Renten, vortheithaften Absatz und billige Ankäufe. Saget ihm endlich, daß die Industrie nicht den Menschen ausmache und daß man daran denken müsse, sich über dem Grabe eine dauernde Versorgung, bleibendere Güter und ein haltbareres Glück zu begründen, so wird er lächeln ob Euern Warnungen, die ihm nur Mitleid für Euch einflößen. Vielleicht schenkt er ihnen so viel Aufmerksamkeit, um Euch zu fragen wie Pilatus den Herrn: Waö ist die Wahrheit? (Zuict est v«rits8»). Und ohne die Antwort abzuwarten, vertieft er sich von neuem in sein kaufmännisches Sinnen, über welches hinaus er nichts als Trug, Nutzlosigkeit und Zeitverlust sieht. Wäre der Gnade nicht Alles möglich, so müßte man das Leben dieser Seelen ohne Wiederkehr für erloschen glauben. Das Materielle hat den Zutritt zum Verstand und zum Herzen gesperrt: eS gibt Gedanken, Gefühle, Betrachlungen, die nicht mehr hineinbringen können. Ihr suchet einen Funken von Glaube und findet nur kalte Asche. Dann erst fühlet Ihr sein Herz wieder schlagen, wenn Ihr von Gewinn, Börsenspiel, Entdeckungen sprechet. Lasset Ihr die Sprache der Religion, des Heiles hören, so antwortet kein Laut Eurer Stimme; es herrscht TodeS- stille; ihr sprechet zu einem Leichname. Da haben wir eine der Gefahren der Industrie vor uns, geliebteste Brüder, vor welcher der Christ auf der Hut seyn soll: die völlige Hingebung an die Geschäfte, welche die Aufmerksamkeit der Art beansprucht und sie von der einzigen und allein nothwendigen Sorge ablenkt. Aber dieser Abgrund ruft einen andern Abgrund; lasset ihn Euch zeigen, geliebteste Brüder! Gleich wie das Himmlische seine Macht über die Seelen verlieret, in eben dem Verhältnisse verstärkt die schwer zu befriedigende, sinnliche Natur ihre grausame Herrschaft, unv zwar auf Kosten der Glaubenslehren, nach welchen sich ehemals die Lebensweise richtete und die den heftigen Leidenschaften zu gebieten wußte. Nachdem der Glaube nicht mehr diese Gewalt über das Herz hat, um dessen Bewegungen zu ordnen, schließt man sich allmälig dem Irdischen an, um ein Glück zu suchen, und strebt nicht mehr darnach, eS jenseits zu finden. Das Gesetz in den Gliedern, wovon der heilige Paulus spricht**), endigt mit Unterjochung des Gesetzes des Geistes, und das Verlangen nach dem Besitze der Maierie wird der einzige Beweggrund aller Handlungen, aller Gedanken, aller Neigungen. Wie könnte eS auch anders seyn, da Gott in unser innerstes Seyn einen unauslöschlichen Durst nach Seligkeit gelegt hat? Sobald der Mensch, himmlischer Triebe beraubt, nicht mehr an der lebendigen und wahren Quelle die Freuden schöpfen mag, die allein des Ebenbildes der Gottheit würdig sind, so muß er sie von den Geschöpfen fordern und dann daraus seinen Endzweck, seinen Himmel, seinen Gott, sein Alles machen. Aber dieses unheilige Feuer, welches der göttliche Hauch nicht angefacht hat, wird sich seinen Eingeweiden anhängen, um sie zu verzehren. Das nennt der große Apostel die Begier- lichkeit, diese Leidenschaft für irdisches Gut, welche die Wurzel alles Uebels ist***). ES bedürfte aller Schrecken der Gerichte GotleS, um diese Feuersbrunst zu löschen, alles Glaubens an die Qualen und Vergeltungen im andern Leben, um sie zu ersticken. Wenn jedoch in der Seele weder übernatürliche Furcht noch Hoffnung vorhanden ist, ') Joh. XVIII. 33. ") Rom. VII, 23. ") 1. Tim. VI, 10. 197 wie sind dann diese rasch um sich greifenden Flammen aufzuhalten? Ja, diese Begier- lichkeit wird sodann die Mselige Wurzel aller Arten von Uebel: ksxlix omnium ms- loi-um eupiäitss. Diejenigen, welche davon besessen sind, schreibt der heilige Paulus, sind in nein Glauben irre gegangen und haben sich in eine Unzahl von Trübseligkeiten und Elend geworfen S). Findet sich diese Gefahr bei der Ausübung industrieller Thätigkeit, so wiederholen Wir Euch nochmal mit dem Völkerapostel - Habet Acht, auf dieser Bahn mit Klugheit zu schreiten und nicht wie Unvernünftige**). (Fortsetzung folgt.) Das Collegium der Lazaristenväter und die Klöster derSalestaue- rinne« «ud Bafiliauerinneu zu Antura auf dem Libanou. »,',,»,»,',>> > ...... ^. ., '-^.^-iZill ^'i'! '''Z?.'ttk^k»''1<^RV (Ä«S dem „Eremiten von Savina,") Nach zwei Stunden der drückendsten Hitze kämm wir zu einem Flusse, der in früheren Zeiten LykuS, d. i. Wolf, hieß, jetzt heißt er Nahar-el-Kelb, waS so viel heißt als HundSfluß. Jenseits dieses Flusses, über den zwei Brücken führen, rasteten wir bei einer Wassermühle — eine Seltenheit im Orient — einige Augenblicke auS, und erquickten uns mit einigen Gläsern Limonade. Dann begannen wir den Berg zu besteigen, was an die zwei Stunden dauerte. Es war als schlösse eine neue Welt sich uns auf. Links und rechts aus fast allen Anhöhen des Gebirges niedliche Kirchen und Klöster mitten zwischen grünenden Feldern und Gärten. Und die Leute, die unS begegneten, wie waren sie so artig und freundlich! Wir glaubten uns mitten ins Herz von Tyrol versetzt, etwa ins Gebirge um Botzen herum. „Ach, was die Religion doch vermag", sagten wir öfters zu einander. „Würden diese Leute wohl so freundlich unv artig seyn, wenn die Religion Jesu sie nicht beseelte?" Und uns selbst, wie wohl und heimlich war eS uns hier doch zu Muthe! Bisher fast immer türkische Moscheen mit ihren Minarets und Halbmonden, jetzt nach allen Seilen hin katholische Kirchen und Klöster mit Glocken und Kreuzen. So oft wir Glockentöne hörten, waren Mir wie bezaubert ob der vaterländischen heimatlichen Klänge. Hinabgestiegen in ein Bergthal sahen wir rechtshin auf einer kleinen Anhöhe ein seiner Bauart nach mehr einem europäischen als orientalischen Hause ähnliches Gebäude. Eö war das Kollegium der Lazaristenväter zu Antura. Ohne uns zu kennen, ohne nach unsern Papieren zu fragen, hieß uns der die Stelle des abwesenden SuperiorS vertretende Paler herzlich willkommen, uns andeutend, sein Haus wie das unsrige ansehen zu wollen. Sofort wurde ein Glas Limonade zur Erquickung und danach eine Tasse Caffe zur Stärkung gebracht. Dann führte der freundliche Pater unS herum, zuerst in die Kirche, dann in die Schullocale, worin circa fünfzig maronitische Knaben aus dem Bürgerstande europäische Bildung und christliche Erziehung erhalten, dann durch'S ganze Kloster. Ueberall mußten wir staunen ob der Reinlichkeit und Eractität, die sich bis ins Kleinste erstreckte. Das Benehmen der Jünglinge war ausgezeichnet. So was hatten wir hier zu Land nicht erwartet. DaS Kloster selbst gleicht einem kleinen Landhause, vaS einfach aber geschmackvoll eingerichtet ist. In der Mitte steht die Kirche, ebenfalls einfach, aber reinlich und zierlich, mit nur Einem Altare, der dem heil. Joseph gewidmet ist. Aus unsern Wunsch führte uns, da erst gegen 7 Uhr zu Abend gegessen wurde, der so demüthige und artige, dabei doch so gelehrte und gebildete Pater zum benachbarten Kloster der Schwestern „von der Heimsuchung Maria", einem von lauter Ma- ronitinnen bewohnten Frauenkloster, dem einzigen dieser Art auf dem ganzen Libanon. Wer hätte so was hier in diesem Gebirge gesucht? Wie hätten wir das erwarten können, hier im fernen Orient Töchter des heil. Franz von SaleS zu finden? Und -) 1. Tim. VI. 10. ') Ephes. V. IS. 198 welch' eine Aufnahme von Seite der Oberin! Welch' ein Anstand, welch' eine Würde! Wahrlich diese Maronitinnen unterscheiden sich von ihren Schwestern in Frankreich und Italien nur durch die Sprache. Alles wurde aufgeboten, uns so artig als möglich zu behandeln. Limonade, Caffe, Wein, Früchte, Backwerk, kurz alles, waS in ihrer Habe war, wurde uns vorgesetzt. Auf den Wunsch des LazaristenpaterS ließ die Oberin sodann sämmtliche Bewohnerinnen des Hauses, 25 Nonnen und 6 Novizinnen, in ein Zimmer zusammenkommen, welches von dem Sprechzimmer durch ein eisernes Gitter getrennt war. Obgleich wir unS nur wenig mit denselben unterhalten konnten, so ersahen wir doch aus dem Benehmen Aller, daß es gebildete und dabei recht fromme Personen waren. Die Unschuld und Tugend lächelte auf ihren blühenden Wangen. Auf die Frage, ob wir ihnen nicht durch unsere Gegenwart lästig fielen, gab die Oberin auf arabisch zur Antwort: „Wir sind froh, so lange Sie gegenwärtig sind, und wenn Sie weggehen, sind wir traurig." Ein HöslichkeilS- spruch der Araber. „O wie glücklich," sagten wir später zu einander, „sind doch diese Täubchen des Libanon im Vergleich mit den bösartigen Weibern der Mohamedaner!" Der HauSgeistliche, ein maronitischer Priester, führte unS darauf, nachdem die Schwestern sich entfernt hatten, in ihre Kirche, wo wir wi?der staunen mußten über die Reinlichkeit und Zierlichkeit und uns so ganz lebhaft in eine französische Nonnenkirche versetzt sahen. Wie alle Bewohner des Libanon leben auch diese Schwestern „von der Heimsuchung" vom Seidenbau. Am folgenden Tage, Nachmittags, machten ?. HenrikuS, G. und der Geistliche G., indem ich eines Fieberanfalleö wegen das Zimmer hüten mußte, mit dem bereits erwähnten Vicesuperior — sein Name verdient dem Gedächtnisse eingeprägt zu werden, er hieß Sap eto — einen Ausflug zu einem benachbarten griechisch-katholischen Kloster. Nicht besser wissend, qjS daß sie in ein MannSkloster geführt würden, wurden sie nicht wenig überrascht, als man sie in das Sprachzimmer führte, und sie hier unter einem hölzernen Gitter acht schwarz gekleidete Klosterfrauen erblickten, in der Kleidung ähnlich den Töchtern der heil. Clara aus dem zweiten Orden des heil. Franciökus. Sie leben nach der Regel des heil. Bast- liuS. Während der Unterhaltung mit ihnen in griechischer Sprache, die der ?. Sapeto den Geistlichen verdollmetschte, hatten sie öfter ihre Freude zu erkennen gegeben, den würdigen Lazaristenpater, von dem sie so viel Rühmliches gehört, den sie aber noch nie gesehen hatten, zu sprechen. Alle wollten von seinen frühern LebenSschick- salen, namentlich von seinen Reisen als Missionär in Abvssinien in Afrika Näheres wissen. Als er dann die Verfolgungen, die er dort erlitten hatte, erzählt, als er zuletzt auf seine verstümmelte Nase und seine mehrerer Glieder beraubten Finger hin- gezeigt hatte, da waren alle bis zu Thränen gerührt geworden. ?. HenrikuS G. war bei seiner Zurückkunft ins Lazaristenkloster fast außer sich vor Freude, hier in Asien, auf dem Libanon unter den Orientalen so wohldiSciplinirte Frauenklöster gefunden zu haben. Und der Geistliche gestand, solch' ehrwürdige Matronen hätte er auf dem Libanon nicht gesucht; die meisten seyen bejahrt gewesen, alle wären ihm vorgekommen, als hätte er in jeder eine heil. Elisabeth vor sich gesehen. Zwei Träume. In der niedrigen Dachkammer steht eine plumpe Bettstelle mit einem alten Strohsacke, der kaum mehr verdient, so genannt zu werden, denn er ist fast leer; gegenüber ein wackeliger Tisch und neben demselben ein zerbrochener Wasserkrug, Daö ist das ganze Hausgeräthe. Der Wind hat den Laden ausgerissen, — Scheiben find keine mehr in den zerbrochenen Fensterrahmen, und die kalte Nachtluft dringt nun ungehindert in den engen Raum hinein. Auf dem harten Lager schläft die Frau; die dünne, zerrissene wollene Decke schützt ihren Körper nur wenig gegen den Nachtfrost. Sie hat den ganzen Tag über !99 nichts gegessen, denn sie hatte nicht genug verdienen können, und der Säugling hat vergebens an der Brust der fast verschmachtenden Mutter die gewohnte Nahrung gesucht. Jetzt hält ihr Arm den Knaben umschlungen. Zu Füßen dieses Bettes hat sich ihr Mann, erschöpft von dem harten Tagwerk, auf den harten Fußboden niedergeworfen, ohne seine dürftige Kleidung abgelegt zu haben. Auch er hatte sogut wie nichts gegessen, und ist endlich vor Hunger und Müdigkeit eingeschlafen. Er träumt und in seinem Traume flüstert ihm die Verzweiflung fürchterliche Gedanken in's Ohr. Er wandert aus finsterem schmalen Pfade durch den dichten Wald. Da kam ihm ein schmuckeS Herrchen entgegen, in Sammt und Seide gekleidet; die goldene Kette mit dem Uhrgehänge von blitzenden Edelsteinen spielt auf der Brust, die Tasche strotzt von Goldstücken, in dcnen die Hand klimpernd wühlt; die andere Hand fächelt die erhitzte Wange mit dem zarten Handschuh. Waffen trägt er nicht, nicht einmal ein Spazierstöckchen. In dieser schimmernden Gestalt erkennt der ausgehungerte Taglöhner schnell einen jener jungen Verschwender, deren Jugendjahre unter sündhaften Ausschweifungen dahin schwinden, — und in dem von Hunger und Kummer zerrütteten Gehirn des Unglücklichen werfen sich alsbald die Fragen auf: „Wozu auch lebt dieser Mensch aus Erden? würde wohl eines anderen Menschen Glück zerstört, auch nur getrübt werden, wenn dieser, da plötzlich auö der Welt verschwände? und das Gold, mit welchem er so schmähliches Spiel treibt, so schändlichen Lüsten stöhnt, würde eS nicht mehr als hinreichend seyn, einer im Elend verkümmerten Familie Wohlstand und Glück wieder zu schenken?" Bei diesen srevelhaften Gedanken umklammert seine Faust den Knotenstock krampfhaft, und er geht mit flammenden Blicken auf den jungen Wüstling loö. In derselben Minute dringt auch in den bangen Schlaf der armen Mutter ein Traum. Sie sieht eine reich, aber nicht glänzend gekleidete Frau; mit freundlichen Blicken, mit wohlwollendem Lächeln steht sie vor dem armseligen Lager und ihre Hand zeigt aus den Tisch, auf welchem im sanften Schimmer eines überirdischen Lichtes alles das liegt, was der unglücklichen Familie mangelt: warme Kleider, Wintervorräthe an Lebensmitteln, auch ein Schlückchen Wein, um zuweilen das Herz des muthlos werdenden Gatten zu erfreuen; aber auch Bücher, welche heiligen Rath und frommen Trost enthalten für die langen Abende; Obst und Spielwerk für das Kind. — Die Mutter ist geblendet durch diesen Ueberfluß, in der Betäubung vermag sie nicht zu fassen, daß alles das ihr gehören soll; aber im Gefühl der höchsten Wonne drückt ihr umschlingender Arm den Säugling sester an das klopfende Herz. Welcher von diesen Träumen wird in Erfüllung gehen? Gehe hin und frage die Wohlthätigkeit, ob sie schläft oder wacht I Sie ist'S, welche hier die entscheidende Stimme hat. Schläft sie, so ist schwerlich ein anderer Wächter da, welcher dem Verbrechen mit all seinem schrecklichen Gefolge den Eintritt in die armselige Dachkammer wehrt. Wacht sie und ist thätig, so wird sie die Dankbarkeit hereinführen und alle die sanften erhebenden Tugenden, welche dieselbe begleiten. Eilet herbei, ihr wohlthätigen Armenbesucher, zögert nicht! Im Namen des ewigen HeileS der unglücklichen Familie rufe ich euch aus. Nur die Hülfe, die ihr bringet, vermag die Darbenden zu trösten, nur dieser Trost vermag die Verzweifelnden zu besänftigen. Aber ihr müsset wachsam bleiben und thätig, Tag und Nacht, denn am Tage drängt der Hunger die Gotteslästerung und den Fluch aus die Lippen des Elenden, in der Finsterniß der Nacht spiegelt das Elend der träumenden Seele des Verzweifelnden däS Verbrechen vor. Die Träume, die unS im Schlummer heimsuchen, find nicht ohne Bedeutung, sie können uns zur Belehrung dienen für die Wege unseres Lebens. Wir sollten uns nicht so sehr beeilen, sie beim Erwachen aus dem Gedächtnisse zu verwischen, als wären 200 fle eitele Trugbilder; sondern vielmehr ernster Betrachtung sollten wir sie würdigen, denn fast immer' enthalten sie irgend einen Wink. Nicht als sollte damit gesagt seyn, die Träume könnten uns die Zukunft enthüllen; Gottes allweise und allgütige Hand hat eitlen undurchdringlichen Schleier über die Zukunft geworfen, und jeder Versuch, denselben zu heben, ist ein Frevel. Und dennoch beachtet eure Träume genauer, denket ernst und reiflich darüber nach; denn diese Träume sind fast ohne Ausnahme irwr Aeußerungen, unsere ungeordneten, zuweitgreifenden Neigungen nur Leidenschaften. Der Ehrsüchtige, der Hochmüthige — sie haben ganz andere Träume als der Geizhals; die Träume des feurigen JünglingS sind ganz anderer Art als die des reifen ManneS- Wer mag eS bezweifeln wollen, daß, während der Körper ruht und unser Wille ihn nicht beherrscht, auch die Einbildungskraft des Zügels los ist, an welchem im wachen Zustande derselbe Wille sie leitet, und daß sie sich dann willig dem Dienste derjenigen Leidenschaft hingibt, welche der gefährlichste Feind unserer sittlichen Freiheit ist. Wer seinen Seelenzustand genau erforschen und in Folge dieser Erforschung mit der Güade GotteS beherrschen möchte, der lasse seine Träume nicht außer Acht. Wenn du zum Lichte des Morgens erwacht bist und dich noch ganz aufgeregt fühlest durch den so eben dahin geschwundenen Traum, so erkennst du darin vielleicht, nicht ohn« Muhe die Fallstricke, welche der Feind deines Seelenheiles dir während deS DunkelS' der Nacht gestellt hatte. Sammle dich ernst und ziehe die Zügel der. Selbstbeherrschung mit GotteS Hülse fester arr. Je größere Gewalt du über deine Neigungen erlangest, desto mehr werden auch deine Träume in deiner Gewalt stehen. (Kath. SonntagSbl) Bayern. Göswein stein. Am 21. Mai U I. kämen Wallfahrer von der Pfarrei JahrS- dorf in der Diöcese Eichstätt Hieher, unter welchen sich auch eine Mutter mit einer fünfzehnjährigen stummen Tochter befand. Nachdem diese Leute im frommen Vertrauen das für den Besuch der sieben Altäre in der hiesigen Wallfahrtskirche vorgeschriebene Ablaßgebet „Dich liebt, o Gott, mein ganzes Herz" am siebenten und letzten Altare verrichtet hatten, fing das' bisher aanz stumme Mädchen plötzlich zu reden an, was bei der großen Anzahl der in der Kirche versammelten Andächtigen eine heil. Begeisterung hervorrief. Die sämmtlichen Wallfahrer aus der genannten Pfarrei wurden vor das Pfarramt gerufen und genau über die Lebensverhältnisse dieses Mädchens befragt. Alle erklärten, daß das Mädchen seit mehreren Jahren stumm gewesen sey, und sie sich daS' dermalige Ereigniß auf natürliche Weise nicht erklären könnten. Um sich volle Klarheit in der Sache zu verschaffen, erbat man sich aus pfarramtlichem schriftlichen Wege Aufschluß beim Hrn. Pfarrer zu Jahrsdvrf. Dieser erklärte durch Schreiben vom 27. Mai: „DaS fragliche Mädchen habe bis in ihr neuntes Jahr die Pfarrschule, zu Jahrsdors besucht. Da verfiel sie plötzlich in eine schwere Krankheit, in welcher sie die Sprache gänzlich verlor, so daß sie kein Wort mehr reden konnte. Darnach setzte sie, in der Hoffnung, daß sie den Gebrauch der Sprache wieder erlangen werde, einige Zeit den Schulbesuch aus: Als dieß nicht der Fall war, besuchte sie die Schule wieder fleißig. Doch sprechen konnte sie seitdem kein Wort. Sie wurde erst Heuer zur heil. Communkon zugelassen und aus der Werktagsschule entlassen. Die Stummheit bei diesem Mädchen dauerte etwas über fünf Jahre. Da unternahm sie mit ihrer Mutter den weilen Bittgang zu dem der heil. Dreifaltigkeit geweihten Tempel zu Gösweinstem auf das Fest der heil. Dreifaltigkeit. Nach der Rückkehr erschien das Mädchen am 24. d. M. bei mir im Pfarrhause und fieng zu meinem großen Erstaunen und zu > meiner Freude zu reden an. Wie daS zuging, wird sich wohl schwerlich auf natürliche Weise erklären lassen." (K. Bl. a. Fr.) Verantwortlich« Redacteur: L. Schönchen. Verlag«-Inhaber: F. E. Kr »wer. Dreizehnter Jahrgang. Sonntags-Beiblatt zur Augsburger Pojtzeitung. 26. Juni. 2V. 1853. Dieses Blatt erscheint regelmäßig alle Sonntage» Der halbjährige Abo»nem«nt«prel« TV kr., wofür e« durch alle könial. baver. Postämter und alle Buchhandlungen bezogen werden kann- Die Religion muß der industriellen Thätigkeit die rechte Richtung und Weihe geben. Hirtenbrief deS Cardinal-ErzbischofS von Lyon zur Fastenzeit 1853. (Fortsetzung.) Um die Schilderung, welche die heiligen Bücher unS von der Habsucht liefern, in ihrer Wahrheit zu erkennen, braucht man nicht die Geschichte der alten Zeiten zu durchforschen. Der heilige Paulus richtete sich an die Christen jedes Zeitalters, aber oftmals scheint er die Laster und das Unheil des unseligen zu beschreiben. Hat nicht unser Jahrhundert den Strom von Uebeln, welche der Sucht zu besitzen und sich zu bereichern, entquillen, vor Augen gehabt? Und hatte man nicht manchmal zu bedauern, daß in Mitte des Großen, das die Industrie in unserer Epoche hervorbrachte, der von ihr verbreitete Glanz durch das Nichtvorhandenseyn einer christlichen Richtung verdunkelt ward. Sagt, geliebte Brüder, ob die Habgier in den Herzen nicht einen Neid entkeimen läßt, der sie verzehrt. In verschiedenen Zweigen der Industrie begründet sich ein solch thätiger, glühender, unermüdlicher Wetteifer, daß es kein Opfer gibt, das man sich nicht auferlegt, keine Unternehmung, die man nicht versucht, keine Verläum- dung, die man nicht verbreitet, keinen verzweifelten Entschluß, den man nicht saßt, um jede Rivalität zu bekämpfen. Man könnte in diesem hartnäckigen Kampfe die Zukunft seiner Familie gefährden, sich auS dem Ueberflusse inS Elend stürzen, ja, bei diesem gefährlichen Spiele mehr noch als das Vermögen einbüßen, seine Ehre und den durch die Vorsahren gerechterweise erworbenen Ruf von Rechtschaffenheit: doch diese Sorge, diese Gefahren vermögen nicht, einen Augenblick die unvernünftigen Bemühungen zu mindern, denen man sich hingibt, um ein HauS zu demüthigen oder über einen Rivalen zu triumphiren; es scheint, daß man alle seine Wünsche, seine ganze Thaikrast und Geistesfähigkeit auf den Verfall eines gefürchteten Milbewerbers beschränkt. Und sollte man dadurch den Haufen von unklugen Gewinnsüchtigen, welche tÄglich den tollen Unternehmungen unterliegen, vergrößern, sollte man sein ganzes Leben durch nur IhränenbenetzteS Brod essen, wenn eS nur gelingt, diesen beneideten mächtigen Nebenbuhler in seinen Ruin zu ziehen, so wird man den Sieg nicht zu theuer erkaust glauben. Der Neiv ist zufrieden gestellt! Aber noch müssen Wir Euch zn'gen, geliebteste Brüder, wohin die zügellose Liebe zum Irdischen führt, wenn man Gottes Gesetz und deS Gewissens Ruf für nichts achtet. Eine erprobte Biederkeit im Geschäftsverkehre, gewissenhaste Treue in Haltung deS gegebenen Wortes, darin bestand einstens ein Reichthum der Industrie, den die Familien unter die Obhut der Religion stellten und den sie getreulich von Geschlecht zu Geschlecht fortpflanzten. Unbegrenztes Vertrauen war die Belohnung für diese strenge .Ml>sM L02 Redlichkeit, und im Schatten dieser antiken Tugenden, dem Ruhm deS Handels, erhoben sich mächtige Häuser, demüthig an ihrer Wiege, mäßig in ihrem Fortgange, aber stets umsichtig im Handeln, immer bescheiden in ihren Ausgaben und bei ihrem fortschreitenden Gange selten durch die Unglücksfälle ausgehalten, welche meistens die Strafe für Unvorsichtigkeit und Prahlerei sind. Heutzutage will die in ihrem Laufe kühner gewordene Industrie in kurzer Zeit eine lange Bahn zurücklegen und sich durch die Arbeit einiger Tage die Genüsse deS UeberflusseS und deS LuruS verschaffen, mit denen sich unsere Väter erst nach jahrelanger mühevoller Arbeit umgeben konnten. Doch von der Habsucht verzehret, ist man über jede Verzögerung ungeduldig und will, um das Gebäude deS Glückes aufzubauen, nur so viel Zeit verwenden, als man einst zu dessen Grundlegung gebrauchte. Sich wenig Plagen, viel und schnell zusammenhäufen, eilends genießen, die kurze Lcbensspanne im möglichstem Wohlbehagen durchwandern: das ist der Lebensplan, den man sich zeichnet. Wird solch ein Verhalten neue Begeisterung für die Industrie einflößen? Wird eS dem Hause, dem man als Leiter vorsteht, zur Ehre gereichen? Wird eS die Zukunft der Kinder, die man hinterläßt, sichern? Die Erfahrung möge antworten. Doch das wissen Wir, daß, da die Religion bei solchen Berechnungen sür nichts gilt und solchem Treiben fremd bleibt, eS leicht zu errathen ist, waö die Habsucht noch hervorbringen wird. Das gewaltige Bedürfniß des LuruS, des Wohlstands, der vielfältigsten Genüsse, daS man in unsern Tagen mit dem ersten Schrille in die ehrenhafte Laufbahn deS KaufmannSstandes zu fühlen beginnt, dieses Bedürfniß, gcliebteste Brüder, wäre sehr schwer zu befriedigen, wenn man die Vorschriften der Ehrlichkeit gewissenhaft beobachten möchte. Doch diesc wird man bald bei Seite legen, als veraltete und lästige Ueberlieferungen eines Zeitalters, das nicht das des Fortschritts war und dessen Sitten von tyrannischer und abergläubischer Furcht gegängelt waren. Die Erzeugnisse, von denen die Plätze überfüllt werden, sind von tadellosem Ansehen; das Auge wiro davon bezaubert, der heikelste Geschmack entzückt, doch die Hintergangenen Käufer werden in diesen theuer an sich gebrachten Arbeiten bald die Spuren von Eilfertigkeit und Gewissenlosigkeit, die Unterschiebung eines Stoffes sür einen andern entdecken, und darin liegt kein anderes Verdienst, als daß die Menschen den Kunstgriff lernen, wie man den Betrug am geschicktesten verhehle. Mit Hülfe dieser List, im Dienste der Leidenschaft für irdische Güter, hoffen geldgierige Verkäufer in wenig Tagen das elterliche Vermögen, das sie ererbt, zu vergrößern. Sie nehmen sich nicht die Zeit, das Geschick abzuwarten und sagen gleich den Unvernünftigen, von denen die heilige Schrill spricht: Essen und trinken wir heute, denn morgen werden wir sterben. 5) Doch das sind noch zu wenige der Unfuge einer Strasfälligkeit. Für die von der Gewinnsucht bethörten Seelen gibt es keine Gränze, die unüberschreitbar wäre und wäre sie auch noch so heilig. Um dem vorgesteckten Ziele schneller entgegen zu kommen und sich mit allen Vortheilen deS Reichthums eher überhäuft zusehen, weicht man vor keinem Mittel und wäre eS auch das schnödeste. Dem Rufe seines eigenen Gewissens wie desjenigen der Oeffentlichkeil verschließt man die Ohren, das Ehrgefühltritt man mit Füßen, und über die allgemeine Verdammung setzt man sich hinweg. Die Industrie wird endlich nur mehr die Kunst, seinen Nächsten geschickterweise zu hintergehen, der Handel nur mehr eine Reihenfolge von Betrügereien, wovon dk eine sinnreicher auSgedacht ist als die andere. Man wird alle Stoffe verfälschen. Man wird der Wissenschaft ihre Geheimnisse abstehlen und nur mehr Nachgemachtes seilbieten, anstatt der zur Nahrung, Heilung und selbst zum Leben des Menschen unerläßlichen Naturerzeugnisse. Es wird nichtsMahres, nichts Echtes, nichts Gesundes mehr in den Waaren seyn, die man in Umlauf setzt. Diesc sträfliche Entartung wird damit enden, daß der Gesundheitszustand untergraben wird; vorzeitige Gebrechen, ein allzusrühes Alter, bis jetzt unbekannte Uebel, werden keine andere Ursache ') Cor. XV, 32. haben als diese Afterproducte, diese verfälschten Nahrungsstoffe. Und entspräche eS nicht den barmherzigen Absichten unsers Herrn, daß die heilige und unbefleckte Hostie täglich in unsern Tempeln geopfert würde zur Besänftigung des göttlichen Zornes und zur Erlanguug der Gnade des Heils, so dürfte man von der Habsucht selbst noch den Schritt befürchten, daß sie freventlicher Weise Hand an den Altar legt, dem Wesen des Opfers die ihm nöthige Reinheit und Unversehrtheit benimmt, und uns auf diese Weise abhält, im Andenken an JesuS Christus das zu thun, waS er selbst beim letzten Abendmahle that, 5) Wenn der Glaube in den Herzen herrschte, so hätte sich die Gewinnsucht vor Gottes Strafgericht gescheut, da sie sich vor dessen unerbittlicher Gerechtigkeit entsetzt haben würde. Heutzutage denkt man nur mehr daran, sich vor dem Gerichte der Menschen zu schützen. Hat man das Glück, der bürgerlichen Strafe zu entkommen, so setzt man ohne Gewissensbisse sein betrügerisches Verfahren ^ort, und die Nächstenliebe wird kaum mächtiger seyn als die Liebe zu Gott, um der Lüsternheit, welche nichts achtet und nicht die mindeste Fessel duldet, eine Schranke zu setzen. Aber wird doch wenigstens das Elend von der gierigen Industrie gewürdiget, und haben die Thränen des Armen wohl Macht, jene Herzen zu erweichen, auf die sie fallen und die unter dem Joche der dreifach bösen Lust stehen, wovon der heilige Johannes spricht?^) Wir wünschten, es wäre dem also, geliebteste Brüder, denn das Almosen deckt die Menge der Sünden 5^5). Aber ein gewisses Mißtrauen ist uns wohl erlaubt. Im Falle, daß die Tage der Unfruchtbarkeit dem Ueberflusse der Erdengüter folgen, daß ein trockner Himmel über unsern Feldern stünde, der den Thau verweigert, welcher sie befeuchten soll, dann wird man sehen, ob die stets dürstende Gewinnsucht sich diese Drangsal zu Nutzen zu machen und aus dem allgemeinen Unglück ihren Gewinn zu ziehen weiß. Kommt der Nothleidende, an der Thüre des Hauses der Freude und des Ueberflusses zu klopfen, so wird, man sie ihm öffnen, doch die Brosamen, um die er bittet, und den Tropfen Wassers, das er verlangt, hoch anrechnen, und um diese geringe Erleichterung zu erlangen, muß er selbst sein letztes Kleidungsstück zum Pfande geben, wenn man nicht allenfalls fordert, daß er die bis jetzt unversehrte Ehre der Familie, die er ernähren will, mit in die Wagschale lege. Alles, was Wir nun sagten, geliebteste Brüder, ist nur die Auslegung deS Wortes des heiligen Geistes, das einen so tiefen Sinn und eine für unsere Zeit so treffende Wahrheil in sich hat: Alles gehorchet dem Gelde, peeunise odecliunt omnis-j-). Das ist wirklich der hohe Herrscher, zu dessen Füßen die stolzesten und unabhängigsten Geister gleich elenden Sklaven kriechen. Das ist die Macht, welche jetzt jede Autorität beherrscht und vertilgt, und welche vor der Zauberkraft ihrer unbestreitbaren Gewalt die ganze gegenwärtige Generation sich vereinigen sieht. Gebietet dieser Herr, wo ist dann die Tugend, die nicht weicht, die Seelenkraft, die nicht wankt, die beharrliche Selbstoerläugnung, die sich nicht widerspricht, die feste Ueberzeugung, von der man nicht absteht? poeunige obecn'unt vmnia, DaS Geld ist der Gott der Zeit, welcher dem lebendigen und wahren Gotte die unumschränkte Herrschaft benimmt, die er über die Menschen hat, und mit ihm die Weltregierung theilt, Diese Gottheit hat ihre Anbeter und Märtyrer, welche für sie Meere und Länder durchreisen, für sie taufenden von Gefahren trotzen, sich tausend Entbehrungen unterziehen. Nach dem Geiste des heiligen Augustin sagen diese Märtyrer des Goldes, wie die Märtyrer einst zu Gott sagten: Wir sind täglich wegen dir dem Tode ausgesetzt: kropter te mor- tillcanmr tots 6ie f-j-). Und sehet, geliebteste Brüder, die Opfer, die auf seinen Altären dargebracht werdenl Häusliches Glück, heilige Ehrengesetze, gewissenhafte Redlichkeit, unbestechliche Treue, Reinheit deö Herzens, zeitliches Glück, ewige Seligkeit, ') Luc. XII, 19. ">) J-an. II. 1k. Eccli. III. 33. 5) Eccles. X, 19. w Psal. Xl.111, LS. 204 das sind die vielen Opfer, welche täglich diesem Moloch unserer Zeit zugeworfen werden, und welche er in einem Augenblick verschlingt. Doch wenn auch jetzt diesem schonungslosen Herrn Nichts widersteht und ihm in diesem Leben AlleS gehorcht, so wird doch in jenem andern das Geld keine Macht mehr ausüben können. Es wird der Tag kommen, an dem der wahre Gott die Altäre dieses anmaßenden Rivalen umstürzen und sich glänzende Gerechtigkeit verschaffen wird. Sodann wird er die Vertheidigung der Rechte seiner ewigen Weisheit zur Hand nehmen und diejenigen krönen, die ihm treu bleiben und die Unsinnigen ins Verderben stürzen, welche dem falschen Gotte, für den sie nicht erschaffen waren, abgöttischen Weihrauch streuten. Die Ausschweifungen der Leidenschaft zum Golde waren eS, d>'e im alten Gesetze den Zorn GotteS gegen Jerusalem entbrannten. Kann ich, sagt der Herr, zusehen zu ungerechter Wage und betrügerischem Gewichte? Die Einwohner SionS gebrauchen Hinterlist und Lüge, ihre Zunge ist in ihrem Munde das Werkzeug ihrer Betrügerei*). Ich schwöre, daß ich niemals all ihre Werke vergessen werde...., die Reichthümer Jakobs werden ihnen weggenommen unv sich zerstreuen wie die Wasser des Nils ablaufen, nachdem sie Acgypten überschwemmt haben**)» Um die Erfüllung dieser Drohungen zu finden, brauchte man nicht die Reihe von Jahrhunderten zurückzugehen, die über die Habsucht verhängten Strafen sind auf mehr als einer Seite der Geschichte unserer Zeit aufgezeichnet. So wahr ist der Ausspruch des heiligen Geistes: Die Gerechtigkeit erhebt die Nationen, die Sünde macht die Völker unglücklich!***) Düse Wor'e der ewigen Wahrheit lassen sich auf Familien, auf jeden Einzelnen wie auf die Gesellschaft anwenden. So wird Redlichkeit immer der Ruhm und der Lebensgeist der Industrie seyn, gleichwie Gewissenlosigkeit ihr nur zur Schande gereichen und früh oder spät deren Sinken und Untergang im Gefolge haben wird: ^ustitis elevst xentem, mi5erv5 autem kseit populos peecstuml-). i Fortsetzung folgt.) Bekehrung des LordS Charles Thynne. Lord Charles Thynne war, zur Zeit seiner Bekehrung, Pastor von Langbridge- Deverril und Kanonikus der Kathedrale von Canterbury. Die hche Stellung, die er sowohl in der anglikanischen Kirche als auch in der Aristokratie einnahm, haben seinen Uebertritt zur katholischen Kirche weit und breit bekannt gemacht. Bei der ersten Nachricht dieses Verlustes haben die Organe des Protestantismus die Richtigkeit deS Factums geleugnet. Dann aber, als der edle Lord die Beweggründe, die ihn zur Wahrheit, zur katholischen, zur einzig wahren Kirche Jesu Christi zurückgeführt haben, seinen früheren Pfarrkindern auseinandersetzte, haben sie geschwiegen. Wir lassen hier den Brief deS Lord Charles Thynne folgen, man wird ihn gewiß mit gleichem Interesse wie in Frankreich und England lesen: Meine lieben Freunde! Als Ihr vor einigen Jahren zum erstenmale meiner Sorgfalt anvertraut wurdet, glaubte ich, nur der Tod könne mich von Euch trennen, denn wir waren durch so viele Bande, Beziehungen und Interessen vereint! Je mehr wir uns mit der Zeit kennen und verstehen lernten, als ich die Art Eurer Bedürfnisse und die Schwierigkeit Eurer Stellung klar durchsah, schloß ich mich mit noch tieferer Zuneigung an Euch an, und jede Trennung schien mir unmöglich. Ich theilte Eure Freuden und Leiden, und war Euch dankbar für das Vertrauen und die Beweise der Liebe, die Ihr mir gabt, indem Ihr mich mit Euren Wünschen und den innigsten Gedanken CureS Herzens vertraut machtet. Ich hoffte, wie es auch meine Pflicht war, Alles, was in ') Mich. VI. 11. '") Amo« VIII. 7. —) ?rov. XIV., 34. j) ?rov. XIV. Z4. 205 meinen Kräften stand, zu thun, um Euch zu Gott zu führen. Ich hoffte, Euch mein ganzes Leben zu weihen und meine Tage in Eurer Mitte zu beschließen, um Euch so meine Liebe zu bethätigen. Aber ich werde nicht mehr von meinen ehemaligen Hoffnungen sprechen. Nach fünfzehnjähriger Bekanntschaft brauche ich Euch nicht mehr zu sagen, daß nur die unwiderstehliche Gewalt der Pflicht es vermocht hat, die Bande, die uns verknüpften, zu zerreißen. Glaubt sicherlich, daß die Liebe, die ich für Euch gehegt habe und stets hegen werde, mir die Pflicht, Euch zu verlassen, zu einer der schwersten Prüfungen gemacht hat. Es war nicht meine Absicht, von dergleichen zu sprechen, ich hätte davon geschwiegen; und wenn Andere mir gegenüber großmüthiger gehandelt hätten, würde ich meinem Vorsatze getreu geblieben seyn; aber ich erfahre, daß bei der kürzlich erfolgten Einweihung der Kirche der Bischof von SaliSbury eS sich zur Pflicht gemacht hat, mich in seiner Rede öffentlich anzugreifen, und fch weiß, daß Einige unter Euch betrübt waren, so von einem Manne sprechen zu-hören, den sie so lange durch ihre Liebe ausgezeichnet haben. Ich bin nicht erstaunt, daß der Bischof von SaliSbury mich in Irrthum befangen glaubt; wenn es anders wäre, müßte er so handein wie ich gehandelt habe, und eben weil er dieß nicht thut, zeigt er, daß er meinen Schritt nichr billigt, oder wenigstens, daß er nichr die Noihwendigkeit einsieht, ihn zu thun. Ich staune aber, daß er bei einer Gelegenheit, wo ihm so viele andere Themare zu Gebote standen, von mir gesprochen hat, und Euch zu einer Kritik meines Beiragens gereizt hat. Ich war auf viele Tadel gefaßt, aber gefaßt war ich nicht, mich der Verachtung derjenigen preisgegeben zu sehen, für die ich so lange Jahre gearbeitet habe, und zwar preisgegeben durch den, der selbst gesagt hat, ichWönne keinen andern Weg als den, dem ich gefolgt bin, einschlagen; preisgegeben durch den, dem ich mich immer, selbst mit den größten Oplern unterworfen habe, so lange ich ihm eine rechtmäßige Gewalt über mich zuerkannte. Mein Erstaunen wächst noch, indem ich den Ort und die Zeit erwäge, die der Bischof gewählt hat, um mich zu tadeln. Die Worte, die gegen mich gesprochen sind, kenne ich nicht, wohl aber weiß ich, daß die Beurtheilung Diejenigen, die mir ihre Achtung bewahrt haben, schmerzlich berührte. Für diese, für mich, für Alle, so wie auch für die gute Sache, der ich mich treulich angeschlossen habe, muß ich Euch einige Worte sagen. Nach dem, waö ich gehört habe, schließe ich: Man hat mich getadelt 1) weil ich mich von Euch getrennt, 2) weil mich meine Gesinnungen gezwungen haben, Euch sowvhl wie die anglikanische Kirche zu verlassen. Einige Worte werden hinreichen, den ersten Punct zu beleuchten. Für weltliche Vortheile habe ich Euch nicht verlassen, wohl aber weil ich ehrlicher Weise meine Stellung nicht mehr ausfüllen konnte; denn ist eS ehrlich, eine Sache zu glauben und eine andere zu lehren? Hierüber laßt mich in einige Einzelnhekten eingehen. Ich glaubte, daß man, um die Vergebung seiner Sünden zu erlangen, dieselben bekennen müsse, und zwar Jemanden, der die Macht bekommen, die Beichte zuhören und die Lossprechung zu ertheilen. Ich glaubte, daß dieß Allen, die nach der Taufe in Sünden verfallen sind, nothwendig sey. Als ich aber meine Zuflucht zu den einzigen Mitteln nahm, die mir als anglikanischem Priester zu Gebote standen, war ich betrübt, den Schritt, den ich für mein persönliches Bedürfniß für nöthig erachtete, mit Geheimniß umhüllen zu müssen, denn dieses Geheimniß zeigte mir, daß die Beichte in der anglikanischen Kirche nur zum Scheine und ohne Kraft eristire. Nachdem ich mich mit dieser Sache gründlich beschäftigt hatte, erkannte ich, daß die anglikanische Kirche sowohl, wie die Zeugnisse der Bischöfe, nur in äußersten Fällen die Beicht bestätigen, und dann auch nur als eine Art von religiösem LuruS bei Sterbenden. Dieß theilte ich dem Bischof von SaliSbury mit und bat um sein Urtheil über diesen Punct. Er antwortete mir mit Offenheit, daß ich als Priester der bestehenden Kirche nicht auf die Nothwendigkeit der Buße dringen müsse, sie sey ein Sacrament und Haupttheil des katholischen Glaubens. Stellt Euch nun meine Gewissenöleiven vor, 206 den Frieden, den ich für mich als nothwendig erachtete, konnte ich nicht erlangen, und ihn auch rechtlicherweise nicht Anderen geben, die seiner, gleich mir, bedurften; weit mehr noch, ich durste sie nicht einmal ermähnen, den Frieden zu suchen, solange sie Mitglieder der anglikanischen Kirche waren. Die heilige Quelle der Sündenvergebung hat schon seit 300 Jahren aufgehört für Englands Volk zu fließen. Ja, seit der Reform sind die Generationen ohne Absoluiion dahingeschieden, und eS scheint in der Absicht der anglikanischen Kirche — so lange sie bestehen wird — zu liegen, die künftigen GcnernU'onen in demselben traurigen Zustande, ohne Trost und Hoffnung, dahinscheiden zu lassen. Ich hatte immer behauptet, daß Alle die, welche außerhalb der anglikanischen Kirche lebten, schon einzig deßwegen der Gnade und der Gewißheit deS Heils, beides Sachen, die unzertrennlich mit der wahren Kirche Christi verbunden sind, verlustig seyen. Damals theilte ich die absurde* Vorstellung, daß die verschiedenen, getrennten, sich gegenseitig anathematisirenden Kirchen, die Stellen der einzig wahren Kirche Christi vertreten könnten, und demnach bestrebte ich mich, den Dissidenten die Vereinigung mit der anglikanischen Kirche zu predigen. Aber hierbei zeigte sich bald eine Schwierigkeit. Die römische Kirche, als Mittelpunkt aller Einheit, behauptet für sich die geistliche Gerichtsbarkeit über alle getauften Christen. Die anglikanische Kirche bestreitet ihr dieses Recht über alle Christen Englands zu haben, indem sie sagt, sie vertrete bei ihnen die katholische Kirche; abgesehen davon, daß sie selbst von der ganzen übrigen Christenheit getrennt ist. Indem ich mich bemühte, diese Meinung zu vertheidigen, kam ich dahin, die Rechte der katholischen Kirche anzuerkennen, denn ich fanv, wenn ich die Einwendungen, wodurch die anglikanische Kirche ihren Abfall von der römischen rechtfertig,, billigte, ich auch die Einrqendungen, welche die Dissidenten der anglikanischen Kirche gegenüber, in Bezug ihres AbfaUcs machen, anerkennen müßte. Der Dissident vertheidigt seinen Abfall von der englischen Kirche durch ganz ähnliche Beweisgründe, wie die englische Kirche ihren Abfall von der katholischen vertheidigt. Ich überzeugte mich bald, daß das Leben der Kirche eben so wesentlich von der Verbindung mit Rom abhängt, wie das Leben eines Zweiges von der Verbindung mit dem Banine. Wie konnte ich nun ehrlicher und ausn'chtiger Weise in meiner Stellung verbleiben, wie — so wie ich eS that — die Einheit predigen, während das Prinzip der endlichen Kirche die Trennung und Zersplitterung ist? genier hatte ich geglaubt, daß die englische Kirche die Wiedergeburt durch die Tauf unv die wirkliche Anwesenheit unseres Heilandes in dem heiligen Sacramente als ihre unumstößliche Wahrheit festhalte, aber bald überzeugte ich mich auch hierin, daß diese Lehren eben so oft von den Priestern gelehrt als verworfen werden, ja, daß die Bischöfe selbst so wenig im Einklang darüber sind, besonders über die Lehre von der heiligen Taufe, daß wenn dieselbe öffentlich angegriffen und verworfen wird, es ihnen nicht möglich ist, sie einig zu vertheidigen. Wie konnte ich nun da bleiben, wo meiner Lehre jegliche Autorität fehlte, oder wo wenigstens diese Autorität immer gleicherweise angerufen wurde, bald um die wirklichen Lehren der römischen Kirche zu bejahen, bald um sie zu ve-neinen. Wie konnte ich nun unter Euch verbleiben, ohne meinem Gott, meinem Gewissen und Euch selbst untreu D werden? Die Ursache also, weßwegen ich Euch verlassen habe, ist die, daß ich mehr glaubte als ich lehren durfte, daß ich, um meine Lehre zu begründen, keine andere Autorität hatte, als die einfacher Privatpersonen, und die meines eigenen Geistes. Indem ich bekannte, daß ich Ge- sandt.r Christi sey, konnte ich mich nur auf göttliche Autorität stützen, dieselbe fehlt aber der anglikanischen Kirche, und deßwegen vermag sie auch nicht, sie ihren Priestern zu geben. ö 7ZS 7,s;,Nc-. i?W niz (-zf zss mon'r lziö SIMM mm ck.'M Z.^ Mz^ Z!M -im 5NZ7bU1t?k ?Ä .lzrkk

s/s!!^/^!l .d.'ü'l ,0-i7'.t8^k ,uck DaS bekannte apostolische Schreiben Seiner Heiligkeit PiuS IX. vom 4. März ist nun vollständig ausgeführt und die Widereinsetzung der bischöflichen Gewalt in Holland ist gegenwärtig eine ausgeführte und vollendete Thatsache. Wenn man auch abwarten muß, was der blinde Eifer eines Theiles der dortigen Protestanten den Katholiken und ihren neuen Bischöfen noch weiterhin für Händel bereiten wird, so ist daS jedoch schon ein Gewinn, daß dieser Fanatismus die Ausführung der päpstlichen Verordnung nicht hat hindern können. Bisher enthielt Holland drei apostolische Vica- riate: zu Herzogenbusch, zu Breda und zu Ruremond, und drei apostolische Vicare, welche zugleich den bischöflichen Charakter hatten, mit einem Titel in psrtibus inktle- lium, verwalteten diese Districte. Derjenige Theil des Landes, der außerdem übrig war, wurde die eigentliche Mission genannt. Er war in sechs Missionen getheilt, welche von eben so vielen Erzpriestern verwaltet wurven, unter der Autorität deS apostolischen JnternuntiuS, welcher im Haag residirt und den Titel Präsident oder Nicesuperior der Mission führt; denn als eigentlicher Superior wurde der Papst selbst betrachtet. In der Begränzung der drei Vicariate ist nichts geändert worden. Sie sind ganz einfach nun Diöcescn geworden. Die Prälaten, welche die beiden letzteren verwalteten, sind nun aus Bischöfen in partidus wirkliche Bischöfe von Breda und Ruremonde und in alle Rechte als solche eingesetzt worden: in das ErzbiSlhum Utrecht und das Bisthum Harlem. Für diese fünf neuen Diöcescn, die in ihrer Vereinigung eine eigene Kirchenprovinz bilden, ist Utrecht zur Metropole erhoben worden, und der bisherige apostolische Vicar von Herzogenbusch ist für dieses ErzbiSthum ernannt, während er zugleich für einstweilen die Verwaltung der Diöcese von Herzogenbusch beibehält und daselbst wohnen bleibt. Das sind die Veränderungen, welche daS apo- stolische Schreiben hervorgerufen hat, und welche von Seilen der Gegner so großen Lärm veranlaßt haben. Inzwischen haben die Bischöse ungestört Besitz von ihrem Posten genommen und an die Gläubigen ihrer Diöcese entsprechende Hirtenbriefe erlassen, welche am Dreifaltigkeikssonntage auf allen Kanzeln der fünf Diöcescn den Katholiken vorgelesen wurden. Am Sonntage vor Pfingsten fand im Seminar zu Harlem die Consecration des Herrn Van Vree, als Bischof von Harlem statt, denn er war der einzige von den vier ernannten Bischöfen, welcher noch nicht die bischöfliche Weihe erhalten hatte. Am Pfingstmontage sand unter dem Vorsitze deS ErzbischosS von Utrecht eine Conferenz der neuen Bischöfe statt zur Besprechung der allgemeinen kirch- lichen Interessen von Holland. Gleich darauf traten die Bischöfe die Visitation ihrer Diöcescn an, nachdem sie vorher nicht unterlassen hatten, dem Minister deS katholischen Cultus die Besitznahme ihrer Bisthümer und ihrer Titel amtlich anzuzeigen. Seine Excellenz, der apostolische JnternuntiuS, Mgr. Belgrads hat demselben Minister die Anzeige gemacht, daß die kirchliche Gewalt in Holland nun in die.Hände des ErzbischosS und der Bischöfe gelegt sey und er selbst sogleich aufhöre, Präsident und Vicesuperior der holländischen Misston zu seyn. DaS Nämliche hatte der JnternuntiuS dem neuen KleruS durch ein Rundschreiben angezeigt. Es ist bekannt und durch die politischen Blätter hinreichend besprochen, wie sehr dieses Ereigniß den Eifer desjenigen Theiles der Protestanten aufgestachelt hat, welcher, eingedenk der alten Tyrannei, die Katholiken in Holland wieder, wie in früheren Zeiten, unterdrückt zu sehen wünschte, während die bestehende neue Verfassung ver verhaßten Kirche volle Religionsfreiheit garaittirt. Nachdem das bisherige liberale Ministerium Thorvecke gestürzt worvcn ist, kann das neue Ministerium Van Hall, eben so wenig die maaßlosen, die Verfassung verachtenden Anforderungen jener Eiferer befriedigen, welche mit allen möglichen Mitteln bei den eben beendigten Wahlen eine Landesvertretung zusammengebracht haben, welche die größten Verwicklungen herbeiführen kaun. Trotz alle dem ist es so leicht nicht, die Rechte der Katholiken in Holland wieder zu unterdrücken. Abgesehen von allem andern, was hier in Anschlag zu bringen ist, muß man die große Anzahl der holländischen Katholiken bedenken, welche nach der 208 neuesten Zählung 1,164,142 ist. Ihnen gegenüber kommt die Vereinigung aller Secten nur aus 1,821,7s ?>i «IZlI ^ 27. I»5»3 Diese« Blatt erscheint regelmäßig alle Touutag«. Der halbjährige Aiwnnement«prei« kr., wofür e« durch alle köm'gl. bayer, Postämter und alle Buchhandlungen bezogen werden kaun Die Neltgivn muß der industriellen Thätigkeit die rechte Richtung und Weihe geben. Aus allem dem, was Wir mm eben sagten, geliebteste Brüder, schließen Wir, daß gerade in Mitte Eurer großartigen Werke und auf dem Schauplatze der Wunder thaten Eurer Industrie die Religion eine um so ausgedehntere Macht ausüben und um so eifrigere HuldigunzSbezeigungen empfangen müsse. Soll sie nichr besonders hier zumal über des Meisters Interesse, wie über das deS Arbeiters wachen; zu gleicher Zeit die ungerechten Forderungen des Einen und die unmäßigen Ansprüche deS Andern bekämpfen? Ist nicht das der Ort, wo sie mit ihrem mütterlichen Schutze die Kindheit schirmen soll, aus daß mau nicht deren erwachende Kräfte mißbrauche, sondern vielmehr ihre Reinheit und Unschuld achte. Muß sie nicht hier in der Mitte von Arbeitern die strenge Wächterin der Tugend des jungen Mädchens seyn und ihm die Fürsorge der Mutter ersetzen? Ihr glaubt genug gethan zu habe», um Eure Unternehmungen vor Betrug zu verwahren, wenn Ihr sie mit vermehrten Vo»sichtsmaaßregeln unv Schranken umgebt. Euer Bemühen und Sinnen beschränkt sich auf diese materiellen Vertheidigungsmiltel, und Ihr denket nicht daran, eine mächtigere und wirksamere Hilfe anzurufen. Nun wohl, geliebteste Brüder, Ihr werdet die Opfer Eurer Täuschungen werden und Euer ausschließliches Selbstvertrauen und Eure Schlauheit theuer zu bezahlen haben. Wacht nicht die Religion mit ihren Drohungen und ihren Verheißungen an den Thüren Eurer Schmelzhütten und Werkstätten, so wird auch das Auge deö thätigsten Aufsehers, die Strenge des uuerbittlichsten Beamten, und Alles, was zu eiuer verständigen Verwaltung gehört, so sinnreich es anch ausgedacht seyn mag, die uulreue Haud nicht zurückhalten könne», daß sie nicht von dem wcrthvollen Stoffe, den sie zu verarbeiten hat, alles entwendet, was sie nur, ohne Euern Verdacht zu erregen, entwenden kann Wisset es wohl, daß die Religion, indem sie jenseits des Grabes auf den Richterstuhl desjenigen hinweist, welcher selbst die menschliche Gerechtigkeit richten wird, unv indem sie an die große» Glaubenswahrheiteu erinnert, allein im Stande ist, die bösen Gelüste zu mäßigen, im Grnnde deS Herzens die Begierde zu ersticken, ja selbst den Gedanken an Verbrechen zu verscheuchen. Düse Betrachtungen führen Uns daraus hi», alle diejenigen, welche der industriellen Lausbahn folgen, zu erinnern, daß eine ihrer hauptsächlichsten Verpstichtuugeu die ist: das Gebot der Heiligung des Sonntags wieder in Ehren zu bringen, um ihren nützlichen Unternehmungen denjenigen christlichen Charakter beizulegen, ohne welchen kein Gewinn verbürgt seyn kann und das Verhältniß zwischen Herr und 21t) «kt.niN Arbeiter stets etwas von jener heidnischen Sclaverei beibehalten wird, welche daS st'ebor der Nächstenliebe verschwinden machen wollte. Es haben nicht die Menschen diese Feier des siebenten TageS eingesetzt, auch nicht der pn'esterliche Despotismus hat sie der Gesellschaft auserlegt: sondern es ist der Gründer der Gesellschaft selbst, der Urheber der Natur, welcher, nachdem Er alle Wesen geschaffen hatte, den Tag Gottes von dem Tage deS Menschen trennte, diesen der Arbeit und Plage bestimmte und sich jenen vorbehielt zur Danksagung und zum Gebete, und unsern ersten Eltern ebensowohl verbot, diesem Tage etwas zu entziehen, wie Er ihnen untersagte, die Hand an die Frucht vom Baume des Lebens und TodcS zu legen. ES war dieß keine neue Einsetzung, welche der Herr auf Sinai verkündete, als Er das dritte Gebot auf eine steinerne Tafel niederschrieb. Er bestätigte nur auf eine feierlichere Weise die den Kindern Adams durch das natürliche Gesetz auferlegte Pflicht der Ruhe unv des Gebetes. In der That ist der für Gott erschaffene Mensch sich ihm gänzlich darzugeben schuldig. Er ist ihm eine doppelte Verehrung schuldig, die seiner Seele durch innerliche Anbetung und die seines Leibes durch äußerlichen Gottesdienst. „Und gleichwie die Natur, sagt der Katechismus des heiligen Conciliums von Tn'ent, für die zum Leben deS menschlichen Körpers nöthigen Verrichtungen, als: Schlaf, Erholung, Nahrung, gewisse Zeiten vergeschrieben hat, eben so hat sie ihm auch vorgeschrieben, wenn er seine Seelcnkräste durch Betrachtung göttlicher Tiuge wieder beleben solle." Die Verpflichtung, den Tag des Herrn zu halten, ist demnach mit dem Menschen geboren; auch haben die verschiedenen Nationen der Welt, welche sich in eine Unzahl von abweichenden Religionen trennten, sich alle dann vereinigt, Fest- und Opfertage zu feiern. Indem Gott die Industrie wie den Ackerbau schuf und über die ihren Händen entströmenden Werke den Menschen jene Macht gab, welche uns mit Bewunderung und Erstaunen erfüllt, konnte Er nichts anderes vorhaben, a.s sein Bündmß mit dem vernünftigen Geschöpfe inniger zu machen. Wenn Er das Füllhorn seiner Wohlthaten über die Erde auSgoß, so durfte Er dagegen mit Recht beanspruchen, daß ein Zusammenklang von Danksagung und Lobpreisung zu seinem Throne emporsteige. Er konnte unmöglich wollen, daß die in ihrer größten Ausdehnung begriffene Industrie eine unüberschreitbare Scheidewand zwischen Himmel nnd Erde setze, und daß der Mensch desto mehr sich von ihm trenne, je mehr Einsicht und Macht er von seiner Freigebigkeit erhalte. Nein: Er konnte nicht zu Gunsten der Industrie das Recht veräußern wollen, an dem Tage, den Er sich vorbehielt, unsere Verehrung zu empfangen, ebensowenig Er dem Menschen er auben konnte, dem ihm zustehenden Rechte zu entsagen, von der Erfüllung der Dankcöpflicht gegen seinem himmlischen Vater nicht zu lasse». Das sind heilige, göttliche und nu»schliche Rechte, denen keine Verjährung etwas anhaben kann. Die Entheiligung des Sonntags ist somit ein Frevel gegen Gott und gegen die Menschheit. Möchte cS Gott gefallen, daß dieses sociale Verbrechen nicht unsere henlige Industrie entehre, und daß die durch des Menschen Geist mit vollen Händen auSge- streuten Wunder nicht verdunkelt werden durch diese schimpfliche Verachtung der Rechte GotleS und deS Rechtes seines vernünftigen Geschöpfes! Aber im Wirbel dieser allgemeinen Welterschütterung, welche die Industrie verursacht, indem sie ganze Volksmassen auf Wege, Flüsse, Meere schleudert und sie nach allen Richtungen der Erde hin fördert, ohne ihneu weder bei Tag noch bei Nacht einen Moment der Erholung zu gönnen, kann da das Gebet leicht sein Stündlein finden? Giebt es da für die Industrie einen Gott geweihten Tag? Erkennt sie daS Recht an, daS jeder Mensch ans dieser Erde hat, von Zeit zu Zeit seine Arbeiten zu unterbrechen, um sich die Stirne zu trocknen, sich zu seinem Schöpfer zn wenden und sein Knie vor ihm zu beugen? Horchet, geliebteste Brüder, des Sonntags! an den Pfcrtcn unserer Tempel höret Ihr den Hammerschlag deS Arbeiters, das Brausen der Maschine. Begebet Euch auf die Plätze unserer Städte, blitzesschnell geht der Bote an Euch vorüber, Geschäftsbriefe auszutragen und die mit Gewerbsproducten überladenen Wagen könnet Ihr zu jedem Augenblick' aus der Berkehrstraße sich kreuzen sehen. Wird vielleicht die Glocke, welche Stl die Gläubigen zum Opfer und zum Sauge geheiligter Loblieder ruft, diese Bewegung und all dieß rege Treiben aufheben? Nein, die Glocke tönt nicht für die Industrie, bei diesen Lauten, welche in der Seele cineS wahre» Christen so fromme und ernste Gedanken erwecken, hält sie weder den Schwengel noch die Spule aus; sie würde keinen Faden abbrechen, um diesem Rufe der Kirche zu folgen. Auch weiß der unter die gierige Hand der Industrie gebeugte Arbeiter nicht mehr die profanen Tage von den geheiligten zu uuterschcideu, er wird jeder NeligionSübung, jeder heiligen Versammlung, jeder Theilnahme an den geistigen Gütern der Kirche fremd. Und bald jeden Glanbcn an die geoffenbarten Wahrheiten i'erlierend, endigt er damit, sie als Märchen, womit man seine Kindheit unterhielt, zu betrachten, Ihr fühlet V. Mgcliswne, Lomment. sur les lois -mxlsisez, trsckuit psr IV. öl. Okompre 1'. V. p. 134. 212 die Ruhe der Staate» sichert, zu neuer Blüthe bringe» Die gewissenhafte Haltung deS Sonntags von Seite jeder Classe ist das kräftigste Mittel, dieses Ziel zu erreichen. Doch das Gesetz Gottes schreibt Euch keine trage und weltliche Erholung für diesen Tag vor: es gewährt Euch Ruhe von der Arbeit, und zugleich gebietet es Euch die Uebung gewisser religiöser Pflichten im Geiste und in der Wahrheit. ES will Euch nicht in einen gefährlichen Müßiggang stürzen, sondern verschafft Euch eine günstige Zeit zu Eurer Heiligung, und einen geeigneten Tag zur Beschäftigung mit den Interessen Eurer Seele und Euer», ewige» Heile. Es hat diese heiligen Feiertage nicht angeordnet, um Euch eine Gelegenheit mehr zu einem sinnlichen und zerstreuten Leben zu bieten, sondern es schreibt Euch vor, sie zn heiligen durch den Genuß des Brodes des göttlichen Wortes, durch andächtige Theilnahme an dem Opfer unserer Altäre, durch Vermehrung Eurer Verdienste durch Werke der Nächstenliebe und Barmherzigkeit. Verständiget Euch, geliebteste Brüder, bildet unter Euch ein heiliges Bünduiß, daß alle, die Euch untergeordnet sind, den Sonntag heilig halten müssen. Hebet an diesem Tag Eure Handelsgeschäfte auf, schließet Eure Waarenlager, bringet Eure Maschinen zum Schweigen, ohne dem Vorwandc einer Concurrenz Gehör zu geben, deren Nachtheile Ihr überschätzen werdet. Suchet vor Allen daS Reich Gottes und seine Gerechtigkeit5), so wird Euch die Vorsehung den Gewinn wieder finde» lassen, den Ihr durch eine flüchtige Unterbrechung Eurer Arbeite» etwa verloren habt. Sie wird Eure industrielle Thätigkeit unterstützen; sie wird Euren Geschäften Gedeih n geben. Und zur Belohnung Eures Gehorsams wird sie, dem Ausspruche eiueS Propheten zufolge, „den Weizen auf Eure Felder herabrufen, die Früchte Eurer Bäume und den Saamen Eurer Aecker vermehren"^). iSchluß folgt.) «»' Z'i-'n m,it -I! ^>i? 'I'ii,'il'i'iti')') iii'j'jlvl ttt '7?4z!)«'!> Ngkft'^^ 7l,^ .,m h'tks.I')?/ ni', ifi Sr>5 .'lnnkfvl )chM Bekehrung des LordS Charles Thynne. (Schluß.) Der andere Punct, weßwegcn man mich getadelt hat, ist, daß ich den Gefühlen, die ich eben ausgedrückt, die Herrschaft über meinen Geist erlaubt habe. Ihr gebt zu, daß wenn mir diese Gesinnungen von Gott kommen, ich schon schuldig bin, wenn ich nur versuche, ihnen zu widerstehen. Kommen sie von Gott, so sind sie unWider- leglich, kommen sie vom Satan, so werden sie sich bald als sein Werk erweisen. Gamaliels Rath ist hier anwendbar, man muß ihm folgen, fönst könnte man fürchten, daß die Menschen gegen Gott kämpfen. Als ich einsah, daß das Glück mehrerer Personen von meinem Schritt abhing, fragte ich die durch ihre Kenntniß berühmten Leute um Rath, uud ich versuchte durch meine Willenskraft die in meinem Geiste fortwährend entstehenden Gedanken zu bemeistern. Hierüber fühle ich große Reue und bitte Gott demüthig um Verzeihung, denn in meiner Blindheit kämpfte ich gegen ihn, gegen ihn, der mich in seiner Allgüte zu sich rief. Aber die Kraft der Gnade ist stärker als die Menschen. Dank sey seinem heiligen Namen, er verließ mich nicht, ohne mich gesegnet, ohne mich z» dem heiligen Berge geleitet zu haben, auf dem ich für immer in Frieden zu wohnen hoffe. — Aber vielleicht antwortet Ihr mir: „Warum hast Du nicht fortgefahren, diese Zweifel zu bekämpfen, Du hättest sie besiegt?" — Liede Freunde, ich werde es Euch sagen, warum ich es nicht gethan habe. Erstens, weil ich es nicht wagte: ich glaubte, daß die Gnade Gottes im Werke sey, und ich durfte ihr nicht länger widerstehen. Zweitens erinnerte ich mich, daS Princip der englischen Kirche, deren Geistlicher ich war, sey, daß jeder seinem Geiste selbst zu genügeil habe, indem er alle Lehren selbst betrachte, und daß mau nicht gezwungen seyn könnte, eine für wahr anzunehmen, sey sie welcher Art sie wolle, ehe man sich nicht durch Selbstforschung von ihrer Richtigkeit überzeugt habe. Nun stürmte ich die ') Matth. V I. 33. : !->i 1U- .Zu-.«.!',' ") Szcch. XXXVI, L9. 213 Schriften, und durch das Recht der Selbstforschung, welches die englische Kirche allen ihren Mitgliedern zugesteht, überzeugte ich mich von der einfachen natürlichen Pflicht, mich der wahren Kirche Christi zu unterwerfen, der einen, heiligen, apostolischen und katholischen Kirche, welche durch die Bischöfe regiert wird, unter dem sichtbaren Oberhaupte zu Rom. Ich würde Euch ermüden, wenn ich Euren Augen all die einzelnen Betrachtungen vorführte, die sich meinem Geiste vorstellten und mich zu dem gethanen Schritte' führten. Ich werde mich daher, so kurz wie nur immer möglich, über die schon genannten Puncte aussprechen: 1) Die Einheit der Kirche. 2) Die Sacramente der Kirche. Ich lese in der Bibel,, daß es die Einheit ist, die Gott als Stempel seiner Worte gewählt. Als die Welt in das Laster versank, und der Allmächtige sie zer. störte, rettete er eine Familie, die des Noah. Er berief und segnete seruer eine Familie, die deS Abraham. Er wählte eine Nation und stiftete eine Kirche. Er schickte später seinen Sohn, die sichtliche Erscheinung GottcS im Fleische, um die Welt zu erretten, und als Christus kam, um das Gesetz zu erfüllen, wurde er nicht der Urhebcr der Verwirrungen, denn er erhielt dasselbe Princip der Einheit aufrecht. Er gründete die Eine Kirche, er baute ihre Grundfesten auf einen Felsen; er nannte sie die einzige Heerde cineS einzigen Hirten, den Einen Weinstock, das einzige Königreich; Er sehte nur Eine Taufe ein, nur eine einzige Eucharistie. Wie die jüdische Kirche, der Schatten dieser vollkommenen Kirche, die sie ersetzte, nur Eine, so mußte die Wirklichkeit, die den Schatten verdrängte, dies- große Wirklichkeit, nur Eine seyn. Wir finden serner, daß die Apostel nur von Einer, einigen Kirche sprechen, nur von einer Gesellschaft der Christen, von Einem Körper, nur von Einem Hause, und von d?r christlichen Einigkeit, wie sie in der Verbindung und Gesellschaft der Apostel herrschte. Die Kirche ist die einzige Taube, die einzige Arche des Heils, der einzige Glaube. Sie ist die sichtbare Gegenwart des geheimnißvollen LeibeS unseres Heilandes auf Erden, und einzig wie die ewige Gottheit. Ihr Amt ist eS, das Christenthum, oder die Erkenntniß Gottes, aufrecht zu erhalten, durch welche das Heil stets und noch immer dem Menschen verkündet wird; und wie das Christenthum oder die Lehre einzig ist, so ist die Kirche, die diese Lehre bewahrt, auch nur die Eine. Es ist also unmöglich, der Theorie von nationalen, unabhängigen, durch Länder, gränzen bestimmt werdenden, und demnach von einander getrennt werdenden Kirchen, beizupflichten. Das Princip, welches einzelne Kirchen zuläßt, zerstört die Einheit und vernichtet die Katholicität. „Wie die Sonne nur ein und dieselbe ist im Weltall, so glänzt die Lehre von der Wahrheit überall und erleuchtet alle Menschen, welche es wünschen, zur Kenntniß derselben zu gelangen." Die heilige Schrift hat mich den Werth dieser Einheit kennen gelehrt. Die heilige Schrift hat es mich glauben gelehrt, daß die Einheit daS Zeichen der Kirche Christi seyn müsse. Besitzt die anglikanische Kirche dieses Aeichen? Ist sie einig mit der übrigen Christenheit? Vielmehr, ist sie einig in sich selbst? Vor drei Jahrhunderten hat sie dieses Zeichen der Einheit verloren, und sie wird eS nur wieder erlangen, wenn sie als Büßende sich in den Schooß der Einheit zurückbegibt, von dem sie sich zu diesem unglücklichen Zeitpunct trennte. Erlaubet mir nun, daß ich von Sacramenten zu Euch rede. Vor Allein muß ich es bekennen, daß die bestehende Kirche ihre Zahl verringert hat. DaS katholische Christenthum besitzt sieben Sacramente: die Taufe, die Firmung, daS Sacrament des Altars, die Buße, die Oelung der Kranken, die Priesterweihe und die Ehe. Die anglikanische Kirche erkennt von denen nur zwei an, nämlich: die Taufe und daS Abendmahl des Herrn, und indem sie die anderen fünf Sacramente verwirft, wird sie durch die heil. Schrist, durch das Alterthum, und selbst durch die größere Mehrzahl der Christen verworfen. Selbst die griechische Kirche, obgleich sie von der Einheit der katholischen getrennt ist, erkennt sieben Sacramente an. Dieses Factum an sich schon, von sieben Sacramenten sünf zu streichen, zeigt die in England bestehende Kirche als im Irrthum befangen. Niemand kann läugnm, daß die Uebereinstimmung der 214 griechischen mit der katholischen Kirche ein mächtiges Zeichen zn Gunsten der Puncte, in denen sie einig sind, ablegt; diese Uebercinstimmnng beweiset, daß so die Lehre oder die Handlungen - je nachdem eS der Fall — der katholischen Kirche gewesen seyn müssen vor dem Abfall des Orients, und daß sie noch heute lehrt, was sie von jeher gelehrt hat, Waö kaun die iu England gestiftete Kirche zu ihrer Vertheidigung anbringen, so tanb gegen die großen Heilswahrheiten der Kirche gehandelt zu haben? Wie kann sie ihr getrenntes Bestehen rechtfertigen, nachdem sie in ihrem Stolze die sacramentalische Ordnung, welche unser Heiland selbst zum Troste seiner Kinder eingesetzt hat, zerstörte und zerbrach, so viel es ihr nur immer möglich? ES ist unmöglich, den unermeßlichen Verlust zu ersehen, welchen sie durch Verwerfung des Sakramentes erlitten, welches stets und noch immer die Kraft, die Stütze und der Trost der heiligen wie der reuigen Seelen in der katholischen Kirche ist. Die Gähmng und beständige Bewegung gegen Alles, waö sich der Autorität der Kirche nähert, die Eifersucht zwischen Priester und Laien sind Thatsachen, die den Beweis liefern, welch' ein großer Schlag durch Verwerfung der Priesterweihe der Kirche zugefügt. Andererseits zeiget der Leichtsinn und die Unmoraliiät, womit man sich durch das Band der Ehe vereint, und die geringe Kenntniß, die die Geistlichkeit von denen ihnen anvertrauten Seele» besitzt, wie schrecklich die Folgen der Unterdrückung des Sacraments der Buße geworden, und bis zu welchem Grad der Entwürdigung daS Sacrament der Ehe gesunken. Zweitens hat die englische Kirche die Kraft und Bedeutung der beiden beibehaltenen Sacramente zerstört. Was die heil. Taufe anbelangt, so duldet sie über dieselbe zwei entgegengesetzte Lehren, Hier ist sie wenigstens im Einverständnisse mit den Häretikern. In der heil. Eommunion läugnct sie die wahre Gegenwart unseres Herrn. Um es darzuthun, sehet nnr auf den Abschnitt, welcher am Ende deS Ritus von der Commnnivn ist, obgleich einzelne Theile des Dienstes selbst schon eS beweisen. Ich könnte auch den allgemein üblichen Gebrauch der Geistlichkeit bei dc» heil. Gegcustäuden anführen, dieser ist ein beredter Zeuge des anglikanischen Ritus, und bestätigt die Ansicht, daß die englische Kirche die Lehre der katholischen über die wirkliche Gegen- wart unseres Herrn im heiligen Abendmahl gänzlich verwirft. Hierbei will ich noch bemerken, daß man über diesen Glaubensartikel nur eine der beiden Lehren unterstützen kann. Entweder mnß man an eine wirkliche Gegenwart oder an eine wirkliche Abwesenheit glauben, denn nur eins kaun seyn; ein Mittelding kenne ich nicht. Die katholische Kirche Christi, durch den heiligen Geist geleitet, hat immer an die wirkliche Gegenwart gehalten, die anglikanische Kirche scheint die wirkliche Abwesenheit vorzuziehen. Aber eö ist peinlich, über solche Sachen sprechen zu müssen, denn ich werde es nie vergessen können, daß ich ehemals Vertreter dieser Kirche war, welche ich bei meinem Gewissen für abtrünnig und im Irrthum besangen glaube. Viele ihrer Mitglieder — ich weiß es — betrauern den Stand der englischen Kirche, bekennen den Wunsch, sie zur Einheit zurückzuführen, und hoffen ihr Ziel dadurch zu erreichen, daß sie in ihrem Schooße verbleiben, um in ihr zu kämpfen. Aber wofür kämpfen sie? Wogegen kämpfen sie? Für eine Kirche kämpfen sie, — wenn es überhaupt eine ist — welche während drei Jahrhunderten sich im Zustande strafbarer Abtrünnigkeit befindet, welche die Sacramente verstümmelt, welche weder ein lebendiges Wort noch bestimmte Lehren hat, welche all' ihre Hoffnung in die Regierung setzt, die jetzt ihr Oberhaupt und der Richter ihrer Lehren ist. Mit Einem Wort, sie kämpfen für einen Schatten. , Sie kämpfen gegen eine Kirche, deren Nachfolge nie unterbrochen ist, die von ünbcstreitbarer Einheit, die selbst der Mittelpunct der Einheit, die alle Sacramente besitzt, die Mutter und Lcnkerin der Ccclcn, die klar und bestimmt in ihrem Unterricht, deren reines Wort inmitten der Unruhe der Welt gehört werden kann, deren sichtbares Oberhaupt der Nachfolger des Apostelsürften PetruS ist, welche während achtzehn Jahrhuuderten bestanden, trotz aller Prüfungen und Stöße, die alle menschlichen Regierungen gestürzt hätten, die sie aber nie erschüttern noch bewältigen werden, 213 da sie auf dem Felsen gebaut; sie ist das Reich Gottes und ihres Heilandes, die Kirche, die eine heilige katholisch apostolische Kirche! Meine lieben Freunde, dieses ist meine Vertheidigung. Ich habe Euch und mir gegenüber ehrlich gehandelt. Mein einziges Bedauern (und dieses Bedauern nehme ich mit in's Grab) ist, daß ich nicht dem Zuge der Gnade gefolgt bin, als sie mich daS erstemal ergriff; aber ich wußte es nicht, daß es der Herr sey, der mich rief. Ich habe die unendlich werthvolle Perle gesucht, und, Gott sey gelobt und gebenedeit! ich habe sie gefunden; und Ihr, lieben Freunde, zürnet mir nicht, daß, indem ich mich bückte, diesen kostbaren Edelstein zu erfassen und mir anzueignen, ich die Bande zerriß, die unS einten! Fragt Ihr mich nun, zu welcher Kirche ich gehöre, so werde ich Euch antworten: „Ich gehöre der Kirche an, die Christus und seine Apostel gegründet, in der die großen Heiligen und Gelehrten deS Alterthums erzogen worden, welche die prachtvollen Kathedralen und die alten Pfarrkirchen gebaut, die noch hie und da in unserem Lande sind und seinen Ruhm und Stolz ausmachen, welche die Universitäten, so wie alle edleu Stiftungen, die wir besitzen, gegründet hat." Ich wohne alle Tage dem Gottesdienste bei, der ehemals in Eurer alten Kirche gehalten worden, als sie — der Ueberlieferung deS Dorfes gemäß — vom heil. Thomas von Canterbury, früher Thomas Bekett genannt, gebaut und geweiht war. Ich zweifle nicht, daß der Heilige, träte er noch einmal unter unS, den jetzt verlassenen Altar der Kirche beweinen würde, und mit Trauer Euch Eures Irrthums überführte, indem er Euch sagte, daß Ihr von der Wahrheit abgewichen, weil Ihr die katholische Einheit, den katholischen Ritus verlassen. Er würde Euch lehren, daß die '.'>rt, mit der ich jetzt Gott anbete, dieselbe ist, mit der er und die ganze Gemeinschaft der Märtyrer und Heiligen vor ihm den Gott uuserer Väter angebetet. Adieu, gelkeble Freunde! Möge Gott Euch segnen und über Euch wacheu, und möge es ihm gefallen, unserem Vaterlande das Erbtheil, das es verloren, zurückzugeben. Ewig Euer ergebener Freund Charles Thynne. Clistan, am Fest Mariä Lichtmeß 1853. ^ — - .» ^ i Mainz Mainz. Der hochwürdigste Bischof hat aus Aulaß des Austrittes des Bene- ficiaten Franz Blümnier aus der katholischen Kirche nachstehendes Hirtenschreiben erlassen- Wilhelm Emmanuel, Bischof von Mainz, an die Pfarr^eistlichkeit und die Gläubigen der Diöcese Mainz. Der Kirche GotteS, die gleich ihrem göttlichen Stifter nichts Anderes sucht, als zu retten uud selig zu machen (Match. XVIll, 11), gereicht cS zum besonderen Schmerze, wenn sie sehen muß, wie Solche, die sie als ihre Kinder aller ihr anvertrauten Gnaden und Wahrheiten theilhaftig gemacht, sich von ihr trennen und lossagen, und den Weg, der allein zum Heile führt, verlassen. Wenn aber der untreue Sohu, uneingedenk aller der Liebe, welche die heilige Mutter, die Kirche, ihm erwiesen, ein Solcher ist, der berufen war, für die Anderen ein Lehrer und Führer zu seyn, wenn ein Priester in beklagenswcrther Verblendung sich entschließt, aus der Gemeinschaft der katholischen Kirche auszutreten, da steigert und vergrößert sich der Schmerz, denn sie gedenkt der schwereren Beleidigung Gottes und des großen, dadurch den Gläubigen gegebenen Aergernisses. Leider sind Wir in dem Falle, geliebte Diöccsanen, ein derartiges Aergerniß, das ein Priester Unseres Bischunis gegeben, Euch kundgeben zu müssen, indem Wir zugleich die kirchlichen Strafen versündigen, die Wir nach Vvischrift der Kirchengesetze über denselben haben verhängen müssen. Gott weiß es, mit welch betrübtem Herzen Wir dieß ihm,, in keiner arideren Absicht, als nm den Obliegenheiten Unseres bischöflichen Amtes zu genügen, und mit keinem anderen Wuusche, als dem, der bei einer ähnlichen Veranlassung das Herz des heiligen Apostels Paulus erfüllte, daß nämlich, 216 indem Wir strafe», „der Geist gerettet werde am Tage unseres Herrn Jesu Christi. 1 Cor. V, 5. 'd'k'M '-st>i'l!^ii6 Der Priester Franz Blümmer auS Mainz, zuletzt Beneficiat zu BenSheim und Lehrer am dortigen Gymnasium, hat durch eigenhändiges Schreiben an unser Ordinariat 6. ei. Franksurt den 19. Mai 1853, die Anzeige gemacht, daß er an diesem Tage zum Protestanliömus übergetreten sey. Derselbe bat sonach den Glauben, ohne den eS nicht möglich ist, Gott zu gefallen (Hebr. XI, 6), verleugnet; er hat die heiligen Sacrumente der Kirche verachtet und aufgegeben; er hat den kanonischen Gehorsam, den er bei der heiligen Priesterweihe feierlich gelobt, aufgekündigt; er hat die Obliegenheiten und Verpflichtungen deö PriesterthumS, zu denen er sich verbunden, verletzt und gebrochen; er hat sich der Häresie uud Apostasie schuldig gemacht, und ist somit in die von den heiligen Satzungen festgesetzten Strafen der Suspension und Ercommunication verfallen. (<^k>n. 23 eiiuti 2. ml^7g 5i,V'M,^ '"'""VMi ch-t i'g u^g/» '«"» "' ?>'S 5'--' 7 In Nr. L4 bittet man zu lesen: Seite 139, Zeile 23 von oben: Feindin statt Freundin; Seite i9t), Zeile 2 von unten: wenn seitdem weniger freventliche Eingriffe gegen die gute Sitte, Eigenthum und Menschenleben verübt und die öffentlichen Aemter mit mehr Fleiß und Redlichkeit verwaltet würden; wenn seitdem die menschliche Gerechtigkeit ihr Schwert in die Scheide gesteckt hätte und es am Fuße der Altäre ,c. -c. -.__ Verantwortlicher Redacteur: v. Schönchen. Verlags - Zuhabe,: F. C. Kremer. Dreizehnter Jahrgang. Sonntags-Beiblatt H ,»N»HZ7H??« Ut n«'«riiG ir»»V mu ,,1»Sttr^«stZ? ^»N snäkiK li^IT n»ni» 11 »>>j»l^H nnuN «i nz^« uz KnuHMiitnA wis ,Va;üi(tt >Hd>» 7» 7kttt iMkM lchin M t»U^>7^iiu MnuqnAchT mßng Zli . ' ! 10. Jul^Ä ^mt .ikD 2». un-Zi 18.'»^ ^ ^ / ^ / ^ _ ^ ' !u i:??s)l>l^ > Diese« Blatt erscheint regelmäHia alle Sonntage. Der halbjährige Ab>?nucmcnt«prc>< ^Iv kr., wofür e« durch alle köm'gl. bayer, Postämter und alle Buchhandlungen bezogen werden kaun Die Religion muß der industriellen Thätigkeit die rechte Richtung >,ch»7 xNitniv ux >cht»ai und Weihe geben^i^z? ^cklxtt Hirteirbrief des Cardinal-ErzbischofS von Lyon dtchm MWMliM^«^^ s.ii^iyNNfV .lyS?» ,»! «i v»un.,-2 >l»,^ qza in70»y)??)Zkitt NZIII) riikr TiNlXi NZVI^I? ;«?I!NZI»IM ^>? Ihr könnet neue VerfahrungSarten erfinden und so Eure Industrie aus die Stufe der Vollkommenheil erheben, der Ihr schou so lange nachstrebt. Ihr könnet die Kraft Eurer Maschinen vcrvoppeln und wider alle Erwartung deren Gang beschleunigen. Ihr könnet die Natur in Eueru Schmelztiegeln und Glntöfen bezähmen; ihr werdet aber anch Euer Leben verschwenden bei all diesen Versuchen, all diesen Arbeiten, all diesen Ideen Eures Geistes, ohne daß diese Vervollkommnungen der Materie Euch eine Stunde wahrhaften Glückes verschafften, da alle Eure Geschicklichkeit Euch nicht schützen kann vor täglicher Untreue, nicht vor der Bitterkeit deS Undanks, nicht vor den giftigen Pfeilen deS NeioeS, nicht vor dem Unwillen, Euch durch glücklichere Unternehmungen und glänzendere Erfolge übertroffen zu sehen. Jeder arbeitsvolle Tag wird über Eurem Haupte Sorgen häufen und die Betrügereien vermehren: (lorporalis oxer- ^itati» iui moclilieum utilis est^-V). Doch lasset die Religion in Eure Werkstätten eindringen, öffnet ihr den Eingang in Äure Magazine und Hüttenwerke, sie wird die Treulosigkeit außer Fassung bringen, sie wird mit ihrem Rathe die Trägheit, die Widersetzlichkeit und den Beirug entfernen. Und eine mächtige Hülfe für Euern Handel geworden, führt sie Euch das Vertraue» wieder zu, solltet Ihr eö verlöre« haben und gründet das Ansehen Eurer Häuser auf eine feste, nicht wie einst wankende Basis: t'ivtss sä omnis utilis est^k). z q>UU »nitdfbW t»1 Mit der Religion werdet Ihr den Reichthum zu genießen wissen, nach dem schönen AuSspruche deS heilige» Paulus: 8eio et ukuncisro die schwerste uno 5. ««>! 6>m bm(L m, «ucha»Ä,H ") Tim' IV chon ,!'^. chon DNM ,«« >iE Idick. 5) Phil. lV. tS. ' m1-.fi? (' S19 nothwendigste Kunst, welche nicht Jedermann im Glücke besitzt: das heißt, Ihr werdet einen guten Gebrauch von Enrem Vermögen machen, indem Ihr Euern Ueberfluß in den Schooß der Armen werfet, indem Ihr auS Euern Häusern den zügellosen LuruS, - den Ruin derselben — verbannet, und um Euch her Sparsamkeit ohne Geiz herrschen lasset und Euch vor jener dreifach bösen Lust verwahret, welche der heilige Apostel Johannes so treffend schildert. Mit der Religion werdet Ihr arm zu seyn wissen: 8cio et esunrv 5) Stets von ihren Eingebungen geleitet, werdet Ihr niemals den Unglücklichen auf Kosten der Gerechtigkeit und Nächstenliebe zu besiegen suchen. Und wenn an Eurer Seite sich ein Wetteifer entspinnt, welcher Eure industrielle Stellung gefährdet, so möchtet Ihr nicht über einen Rivalen trinmphiren, würde dadurch sein guter Ruf geschwärzt, oder auf schlechte» Wegen einem UnglückSfalle entrinnen. Mit der Rcljgion verstehet Ihr arm zu seyn, durch Ergebung in den Willen eines GotteS, welcher selbst die Armuth kannte, unv sehet ohne Bangigkeit, ohne Ungestüm, ohne Mnthlvsigkeit dem Glücke entgegen, das die Vorsehung schenkt wem sie will, und dem Sieg, den sie gibt wann sie will. Daö ist die Kunst, mit welcher die Religion allein vertraut machen kann, uud die wegen des Stolzes selbst bei den Christen so selten ist. DaS sind Früchte der Gnade, welche Ihr, gelicbteste Brüder, von der Frömmigkeit ernten werdet, wenn sie Eure Scelenkräfte beherrscht, wenn sie ihren lieblichen Duft über Euer Leben ergießt: ?iöt-»s a,s ,m:„zil!' . ' Aus Auftrag: Allibcrt, Sccr. AM «uwm ,»>chtn h'Al Um Zug l-ktn L'nliss v's .,50'.'ll) h'ft^ .t/.cs's nx ts» .Ä-, .hn»!n»?A —s«zg»'i i»? „i »!m»m nett 6k! Der Tod eineS ausschweifenden Lüstling». ! ) Fürst Hohcnlohe theilt folgende Geschichte mil: AIS ich zu li. als geistlicher Rath angestellt, außer meinen Nicariatsgeschäften auch den Verrichtungen der Scclsorgc oblag, theils auf der Kanzel, theils im Beichtstühle, theils auch in Gefängnissen, Hospitälern und bei Krankenbesuchen, trng eS sich im Jahre 18!9 zn, daß Ii. den ich früher aus öffentlichen Promenaden und in Vereinen kennen gelernt hatte, an den Folgen seiner Ausschweifungen, mit Lungensucht und Abzehrung behaftet, rettungS- los auf das Krankenbett geworfen ward. Der würdige Stadtpfarrer k^, in dessen Kirchenspiel wohnte, machte dem hochwürdigen Generalviear die pflichtschuldigste Anzeige darüber, uud fügte die Bemerkung bei: ^5 habe sich geäußert, erließe keinen Pfaffen vor sich kommen. Hierüber nun erbat er sich VerhaltnugSregcln. Der hochwnrdigc Generalviear, nachmaliger Bischof von Wnrzburg, Freiherr von y "I" > i'illh—>"I.""1<) .«ZlN?1 II? !>z^. Iliii II« i, II: zy»?«) Phil. IV. 12. Tim. IV. s.tim 5- z,F")^ibichgk!,.a ,6b„H -l) Kath, V°lkSs«°nd. 220 Groß, besprach sich hierüber mit dem allgemein geachteten Bruder des L. >V^, was in dieser Sache sich thun ließe. Letzterer äußerte sich, er habe mehrmals aus dem Munde seines Bruders gehört: „Dem Hohenlohe bin ich gut und könnte zu ihm als Menschen Vertrauen haben!" — Vielleicht würde Hohenlohe durch einen Besuch etwas ausrichten. Mein verehrter Generalvicar machte mir darüber eine vertrauliche Mittheilung, und ich unterzog mich mit Freuden einem Geschäfte, von dem ich mit GctteS Beistand eines gute» Erfolges mich gewärtigtc. Doch ach, gar sehr fand ich mich getäuscht, wie der weitere Verlauf der Geschichte es beweisen wird. Ich besuchte also äußerte ihm meine herzliche Theilnahme, sprach mancherlei über seine kränkelnden Umstände, und dabei blieb eS bei diesem ersten Besuche, wo er bei dem Abschiede mir den Wunsch eröffnete, eS würve ihn freuen, wenn ich ihm ein Stündchen schenken möchte, wo wir vertraulich plaudern könnten. Ich versprach eS ihm und ging. Da ich bei seinem würdigen Arzte mich erkundigte, wie lange die Krankheil wohl noch daueru könne, bekam ich die Antwort, daß sie längstens noch sechs Wochen sich hinaus ziehen könnte, was zu dem Plane stimmte, den ich mir entworfen hatte und mir daher willkommen war. Nachdem ich ihn bereits zum drittenmale besucht hatte, und ihn gerade schwach und schlecht fand, äußerte er sich, auf seine zwei Pistolen über dem Bette hknblickend: Wenn das Ding noch lange fortgeht, werde ich der Sache ein schnelles Ende machen! Nicht doch, lieber VV^, sprach ich, das kann nicht Ihre ernste Willensmeinung seyn; ich halte Sie für zu edel, als daß Sie einer solchen Schwäche je fähig seyn könnten. Ausharren im Unglücke ist groß, edel, und lohnt sich hier und dort! Nur schwache Seelen können Zu einem solchen Mittel ihre Zuflucht nehmen, was entweder Geistesschwäche oder HerzcnSverhärtung beweist; keines von beiden liegt, wie ich hoffe, in dem Charakter meines lieben ^Vk Warum denn nicht zur Religion seine Zuflucht nehmen, die eine so milde, eine so liebreiche Trösterin in allen Lagen und Leiden des Lebens ist? Freund! erwiederte er — das ist für mich zn spät! Als ich noch ein Knabe war, da wurde der Katechismus mir mit Schlägen eingebläut, in spätern Jahren vergaß ich das Erlernte allzuleicht; und im Gewühle des Lebens mochte und wollte ich der Religion nicht gedenken. — Glauben Sie mir, antwortete ich hierauf, je mehr Sie sich von ihr entfcrnm, um so näher will sie sich an Ihr trostbcdürftigeS Herz legen; denn ich kenne Einen, der das liebreiche Wort nicht minder von Ihnen als von uns Allen sprach: „Ich bin gekommen zu suchen was verloren warl" — Lieber Fürst! sagte er, ich danke Ihnen für Ihr Wohlmeinen, doch lassen wir das, — eS ist zu spät. Ist'S etwas, so steht'S nicht gut mit mir; ist'S nichts, warum mir Grillen in den Kopf setzen? — Somit schloß sich für dießmal unsere Unterredung, ich schied bekümmerten Herzens von ihm. Nach acht Tagen trat ich wieder zu seinem Krankenbette nnd fand ihn munter und weit aufgeheiterter als je. Er erzählte mir mit vielem Witze alle seine LiebeS> intrignen, die ich geduldig anhörte, und entwarf Pläne für die Zukunft. Hierauf »ahm ich das Wort und sprach mit Würde und liebevollem Ernste: Sie haben nuu, lieber >V5, dem Manne, dem Sie Ihr Vertrauen bewiesen, alle Ihre Schwächen und Gebrechen cutdeckt; wäre eS nicht gut, wenn Sie das Nämliche offen und mit Vertrauen dem Priester bekennen möchten, der Nachsicht mit Menschengebrechen hat, und kein Süudenzähler, wohl aber, nach seines Meisters Willen, e'n Sündenvergeber im Namen GotteS sür Sie werden möchte? Versuchen Sie es nur, sich in Jesu liebende Arme zu werfen; er nimmt Sie gewiß mit Huld und Gnade ail, denn sein Blut floß ja so gut für Sie, wie für uns Alle — :c. Doch Alles war fruchtlos. Mich macht das unruhig! erwiederte er, lassen Sie mich iu meiner gewohnten Art und Weise zu denken. Freund, sprach ich, gerade dieß ist meine Absicht, Sie unrnhig zu machen, damit nach solcher Unruhe wahre Ruhe in Ihre. Seele einkehre, die Sie mit Gott aussöhne und Eins mit sich selbst mache. Ich werde ^herzlich für Sie beten, damit Gott Ihnen diese Gnade verleihe. — Sie sind ein guter Mensch, sprach er; ich danke Ihnen, fürchte aber, daß eS sür mich zu 22 t «^»i»«M »,,, i^»,«t. ,t»,>»Mu»>^^. >1> «<^.»H7uV*? — Gut! war seine kurze Antwort. — Ich: das finde ich eben nicht; Sie sehen übel aus. Er (in den Spiegel blickend) : Pah! ich habe ja rothe Röschen auf den Backen; wird schon besser werden, und diesen Sommer werde ich mich in Karlsbad ganz herstellen! — Ich wünsche eS von Herzen; aber ich muß Ihnen gestehen, ich fürchte daS Gegentheil. Ausrichtig gesagt, Ihre Lage ist bedenklich, eS wäre sehr zu wünschen, daß Sie auf die Ankunft deö Herrn sich bereiteten, Ihre Lampe mit Oel füllen und sich reuig in die Arme Ihres erbarmenden GotteS werfen möchten, der ja den Tod des Sünders nicht will, sondern daß er sich bekehre uud lebe! Theurer ^V*, ich bitte, ich beschwöre Sie, widerstehen Sie doch nicht mit solcher Verhärtung der Gnade, die sich Ihnen naht. Denn auch GotteS Langmuth hat ihre Gränzen, und wenn seine Erbarmung nicht angenommen wird, muß seine Gerechtigkeit Platz greisen. Der Herr kann im Sturme kommen und Sie unvorbereitet vor seinen furchtbaren Nichtcrstuhl rufen! — In Wuth gcrathend schrie er: Packen Sie sich zum Teufel und lassen Sie mich in Ruhe! Soll ich crepiren, nun denn, so will ich crepiren, von Pfaffereien aber will ich nichts wissen. — Gut, ich werde gehen, sprach ich; doch will ich zuvor meine Schuldigkeit thun. Und ich betete: Herr, habe Erbarmen mit diesem verblendeten Bruder, und ruse ihn nicht mit Sünden beladen, wie er ist, vor dein Gericht! Nette, o rette seine Seele! denn nur du kannst sie retten! ^V* leben Sie wohl! vor GotteS Gericht sehen wir uns wieder! — Dieß war mein letztes Wort. Ich sah ihn nicht wieder; denn um 4 Uhr Nachmittags, einen Fluch auSstoßend, überfiel ihn der Blutsturz — und stehend fiel er todt zusammen. Siehe hier, o Christ! ruse ich Dir am Schlüsse dieser abschreckenden Geschichte noch einmal zu, siehe hier das Ende eines SünderS; wie er lebte so starb er; und Gott, der ihm gewiß öfters im Leben seine Gnade angeboten zur Bekehrung, verweigerte ihm dieselbe in der entscheidenden Stunde des Todes. I»? ZVI^HMj , lfl«kONl,iH»>» Il7Z»?I Z?piisI1g>i«"c> 11^ 1«» »,v>». , , , " . »MO? .k!,nnoz,iZ,5»! 7'i5iin! ,ul,bik!? Mk iztjölk 7,a HilU^uX ZI« »V» mz,»H»'i« «tw«,h .t,twfi,K»uv Wilhelm Sedlaczek. Am 30. Juni d. I. starb in Klosterueu bürg Wilhelm Sedlaczek, Ritter deö kaiserl. österreichischen Leopoldordens, Sr. 5. k. apostolischen Majestät Rath, Probst und lateraiiensischer Abt des Chorherrnstiftes ' Klosterneuburg und als solcher Oberst- Erblcnrd-Hofcaplan M Erzherzogthum Oesterreich unter der Enns, gewesenes Mitglied 2L4 des Kollegiums der niedervsterreichischen Herren- Stände, emeritirter k. k. Hosprediger und Religionslehrer der durchlauchtigsten Prinzen weil, Sr. kaiserl. Hoheit des Herrn Erzherzogs Carl, Mitglied der k. k. Landwirthschafts- und Gartenbaugesellschaft zu Wien zc. :c. Sedlaczek wurde zu Selowitz in Mähren, dem Hauptorte einer Sr. k. k. Hoheit dem durchl. Erzherzoge Carl gehörigen Herrschaft, am 6. Juli 1793 geboren, und war demgemäß nahe daran, sein sechzigstes Lebensjahr zu vollenden. Er trat nach vollendeten philosophischen Studicu am 1. November 1810 in das Stift Klosterneuburg ein, Kudirte daselbst Theologie an der theol. Hausanstalr und legte 1813 Profeß ab. Im September 1816 ward er zum Priester geweiht, 1817 Professor der Moraltheologie im Stifte, 1819 Novi'zenmeister und wegen seines ausgezeichneten Prediger- talenteS von weil. Kaiser Franz 1820 zum Hosprediger an der Hofvurgcapelle zu Wien ernannt. Von da an gehörte Sedlaczek zu den ausgezeichnetsten Kanzelrednern der Residenz. Erzherzog Carl wählte den würdigen Mann gegen 1830 zu seinem Beichtvater, sowie zum Religionslehrer seiner jungern Prinzen und Prinzessinnen; diese Ausgabe erfüllte Sedlaczek im echt apostolischen Sinne der katholischen Kirche. Es konnte nicht fehlen, daß die steigende Berühmtheit deS ausgezeichneten Priesters die Aufmerksamkeit seiner StistSbrüder, die ihn mit Stolz den ihrigen nannten, auf ihn lenkten, als durch den Ende 1843 erfolgten Tod des AbteS Ruttenstock die Prälatenwürde der altehrwürdigen Schöpfung Leopold des Heiligen vacant wurde. Im Jahre 1844 wurde Sedlaczek als 58ster Probst deS Chorherrnstiftes Klosterneuburg gewählt und diese Wahl vom Landesfürsten bestätigt. In seinem neuen Wirkungskreise bewährte sich der sittliche Werth deS Verstorbenen auf's Glänzendste; seinen zahlreichen Unterthanen war er ein liebevoller Vater, seinen Stiftsbrüdern ein theilnehmender Freund, zahlreiche Beispiele davon leben im Munde der Mitwelt. Kaiser Ferdinand zeichnete ihn durch Verleihung des Ritterkreuzes des Leopoldordens aus. Selbst als die Ereignisse des Jahres 1848 den ehemaligen Verband mit den Stiftsunterthanen gelöst hatten, blieb seine Theilnahme an dem Wohl und Wehe derselben die nämliche. Seiner Haltung in dem genannten verhängnißvollen Jahre ist es größtentheilS zuzuschreiben, daß die Bewohner der alten Stadt Klosterncuburg vom Gifte deS Aufruhrs verschont blieben und von dort aus konnten jene kriegerischen Maaßregeln geleitet werden, welche den Fürsten Windischgrätz siegreich in die Mauern der verblendeten Hauptstadt zurückführten. Mit warmem Antheile betheiligte sich Sedlaczek nach Herstellung der Ruhe an allem, waS den Wohlstand seiner ehemaligen Angehörigen befördern konnte. Die erste Ackerbauschule in Oesterreich ans stiftlichem Grund und Boden (in Kritzendorf) ist zum großen Theile sein Werk; war ja die Bildung deS LandmanneS, auf eine den Forderungen der Neuzeit wie den ewig unabänderlichen Lehren deS Christenthumes gemäße Art das Ideal, welches ihm vorschwebte. Ein Freund der Wissenschaften, namentlich der Naturwissenschaften, welche, richtig verstanden, nur die Größe der Schöpfung erkennbar machen nnd demnach die christliche Ueberzeugung befestigen, verkehrte Sedlaczek gern mit Männern von Geist, und die wohlwollende Aufnahme, die jeden Gast von Bedeutung im Stifte erwartete, vermehrte den althergebrachten Ruhm der Gastfreundschaft, welcher Oesterreichs Präla- turen auszeichnete. Sedlaczek, von der Natur mit einer höchst einnehmenden äußeren Erscheinung ausgestattet, gewann die Herzen aller derer, die ihm nahten. Leider nagte der Wurm einer unheilbaren Krankheit an dem Leben des freundlichen ManncS, lange ehe er selbst es ahnte. (Lloyd.) _ iHqM ^üwji/ töluivM mchWoüiVt,. 1 Y.,I "-Hw-ttsHo««»? mchMninßö t»a Verantwortlicher Redacteur: L> Schönchen. Verlags-Inhaber: F. C. A^?mer. Dreizehnter Jahrgang. Sonntags-Beiblatt ii^Ä m6 oll» 6njj >iÄ .Q >»t .^z?e?chin^Ilnk>ur Mir^ n»y »nii , ii->ki»iriN'!?^ VW nofioS nt öeil» „(IvL m»«»w„ «w» ii,plivs,8^«N^I ^MAugsi.»rger^oMtnng. -m,IÄ 17 Juli l; gn« »«D'Z?8'»>>D IHnz'lnvIG ' ___' DiescS Blatt erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der halbjährig Adormcmentsneia lr., wofür e« durch alle köni^l. bayer. Postämter »ud alle Buchhaudluugeu dezoge» werde» kaui m Secten in Nordamerika. „zjuolG n^a nt Will man sich eine Vorstellung von dcm protestantischen Sectenwescn machen, so muß man seinen Blick nach Amerika wenden, wo der Protestantismus, abgelöst vom Staate, seiner freien Entwickelung überlassen ist. Wir nennen hier die Haupte seeten nach.dem in Berlin erschienenen Müller'schen Jahrbuche, und zwar zuerst: Die Cougrcgationa listen. Sie stammen von den englischen Jndependenten ab, und werden auch Brownisten genannt, nach Robert Brown, der 1583 die erste congregationalistische Gemeinde in England bildete. Ihren Namen haben sie daher, daß sie von der strengen Kircheunnabhäugigkeit ihrer Vorfahren abgingen, nnd eö für mißlich hielten, zuweilen Synoden und Prediger-Versammlungen um Rath zu sragen, um durch dieselben ihre streitigen kirchlichen Angelegenheiten schlichten zu lassen. Nach Lehre und Cultus gehören sie der calviuischen Secte au, und haben durch die sogenannten blauen Gesetze die genaueste Sonutagsseier und die strengsten daraus bezüglichen Vorschriften angeordnet. IchvH n»Ä,j>^'!>8 ? ,,.,I ^sxomlilz'), die ueue Schule oder puritanische Partei (^rienm»! ^gsemlii)'), die vereinigte preöbyterianische Kirche, die vereinigte verbesserte Kirche, und die reformirte preSbyteranische Kirche. -nsaS Die Episkopalen. Die Gemeinde der amerikanischen Episkopalen ist dieselbe mit der englischen Hochkirche. Vor der Revolution standen alle Episkopalkirchen Amerikas unter der Jurisdiktion des Bischofs von London nnd gebrauchten das englische l^immtin praxc-r Iiovli. Nach der Revolution hörte natürlich diese Jnrisdiction auf, und eö entstanden so viele Episkopalherrschaften, als eS Staaten gab. Ihre ersten drei Bischöfe wurden von englischen ordinirt, so daß alle Nachfolger ihre Succession voir diesen dreien herleiten. Die Bischöfe werden von einer Versammlung von Predigern nnd Laien gewählt, die Wahlen von der Bank der Bischöse bestätigt, und die Gewählten von drei oder vier fungirenden Bischöfen geweiht. Die Episkopalkirche wird in Amerika die Modekirche genannt, hat aber im Verhältniß zu ihrem Reichthum und im Vergleich mit andern Secten nicht sehr bedeutend zugenommen. 22« ^»^.'. < ' M ^ ^ - c^. ^» Die Unitarier. Sie verwerfen, wie schon der Name anzeigt, die Lehre von der Dreifaltigkeit, und haben zum Wahlspruch Joh. 17, 3. Sie sind aus den Con- gregationalisten hervorgegangen und traten im Jahre 1785 in Boston als besondere Kirche auf. Durch den im Jahre 1315 auSgebrochenen Streit hat sich diese Secte zu einem mehr selbstftändigen Körper gebildet und an Ausbreitung gewonnen. Die Methodisten. DaS Dogma dieser Secte geht ungefähr dahin: „Daß die Orthodorie der Glaubensmeinungen kein wesentlicher Theil der Religion, und demnach keine Glaubenslehre zur Seligkeit unbedingt nothwendig sey; daß Religion besonders in der Heiligkeit der Seele, in der Liebe GotteS und des Nächsten, im Gebete bestehe, und die Rechtfertigung durch den bloßen Glauben stattfinde u. s. w." Dazu kommen ihre sittlichen Grundsätze, die eben so lar sind, bloß den sinnlichen und zweideutigen Neigungen deS menschlichen Herzens schmeicheln, und die Uebertretungcn der gesetzlichen Vorschriften auf jede mögliche Weise entschuldigen. Bei dieser Erschlaffung in den Glaubenslehren und iu der Moral, bei der innern Nohheit dieser Secte, trägt ihre ganze Erscheinung nur den Charakter der Zügellosigkeit und der tollsten Schwärmerei an sich; bei der Schlechtigkeit der menschlichen Natur überhaupt aber ist eS begreiflich, daß die Methodisten jetzt in Amerika die weitverbreitetsten Sectirer sind, und sogar die Zahl ihrer Prediger die der regelmäßigen Armee, welche 13,000 Mann beträgt, übersteigen soll. Die erste Methodisten-Gesellschaft wurde im Jahre 1766 in New-York gestiftet, und John WeSley, der Stifter deS Methodismus, sendete 1769 und 1771 Prediger nach Amerika. Auch diese Secte hat sich iu verschiedene Zweige getrennt, und bestehen gegenwärtig: die methodistische Episkopalkirche, die methodistische Gesellschaft, die methodistisch-prorestan- tische Kirche, die reformirte methodistische Kirche und die Wesleyische Methodistenkirche. Die Puritaner waren und sind noch die fanatischsten Feinde der Katholiken Sie bekennen sich weder zur gesetzlichen Hochkirche Englands noch zu den Episkopalen, sondern behaupten vielmehr einen ger einigt ern Lehr begriff als jene zu habe», indem die Reformation in England nicht ihre wahre Gränze erreicht, die gesetzliche Kirche antibiblische Lehren beibehalten habe, und die meisten ihrer Gebräuche abergläubisch , anlichristlich und heidnisch seyen. Die Jndependenten fuhren ihren Namen, weil sie von der höchsten bischöflichen Kirche unabhängig seyn und sich von ihr lossagen wollten; sie verdammen auch die PrcSbyteriancr und verwerfen alle Gebetsformeln, sogar das heil. Vater unser. Die Universalisten glauben an keine künftige Belohnung und Bestrafung, sondern „daß Gott das ganze Menschengeschlecht von Tod und Sünde endlich erlösen, und alle Geister durch die Vermittlung Jesu Christi, deS Heilandes der Welt, heilig ilnd glückselig machen will." Sie kennen kein Gebet und auch keinen Gottesdienst, obwohl sie Kirchen oder Versammlungshäuser besitzen, wohin sie von ihren Predigern aber nur zusammenbernsen werden, um sich mit einander zu besprechen und die Ge- meindeangelegenheiten zu verhandeln. Der Erfinder und Gründer dieser Secte soll ein gewisser Elchanan Winchester, und sie ein einheimisches Mißgewächs Amerikas seyn. Andere behaupten, der UniversaliSmuS wäre von einem Engländer John Murray, der durch den Stifter in England, John Kelly (London 1750), vom Methodismus zum Universalismus gebracht worden, nach den vereinigten Staaten gekommen. DaS für jeden gesellschaftlichen Verband Gefährliche dieser Lehre liegt auf der Hand, wie denn schon im Staate Georgien kein Universalist zum Eide zugelassen wird, eben weil er an keine Bestrafung nach dem Tode glaubt. Die Quäker oder, wie sie sich selbst nennen, die Freunde, lehren, daß die heilige Schrift nicht Grund und Richtschnur deS Glaubens sey; die Propheten, Evangelisten ic. hätten dieselbe nach ihrem Gutdünken zusammen geschrieben, und wisse man nicht mehr, ob sie lauterund rein, oder verändert und verstümmelt sey. Sie längnen die Dreifaltigkeit, verwerfen Taufe und Abendmahl, und behaupte«: „das göttliche Licht wohne allein in uns, erleuchte uns und offenbare uns alle Wahrheiten." Vor SS? Gericht schwören sie keine Eide, svndcrn geben bloß eine feierliche Versicherung; auch sind sie von persönlichen Kriegsdiensten befreit, wofür sie Geldbeiträge leisten Ihr eigentlicher Stifter ist Georg For, seines Handwerks ein Schuster, der freilich nicht bei seinem Leisten blieb, sondern im Jahre 1647 anfing, seine neue Lehre in England auszubreiten. Für ihren Stifter in Amerika gilt William Penn, der zweimal die Reise dahin machte. Ab- und Unterarten dieser Secte sind die Frei-Quäk er, die unitarischen Qnäkcr, die HicksiteS-Quäker und besonders die Schaker, auch Zitier- oder springende Quäker genannt. Ihre Stiften» war Anna Lee oder Lesse, die Frau eines GrobschmiedeS, welche 177t auS England kam uud sich in NiScaynna, jetzt Water-Vliet, oberhalb Albani, niederließ. Sie lehrte, daß man Gott nicht bloß mit der Zunge und dem Munde, sondern auch mit dem ganzen Leibe anbeten müsse, und führte daher daS Tanzen und Springen bei ihrem Gottesdienste ein, wobei sie sich ans Beispiele aus der Bibel, z. B. auf König David, der vor der BnndeSlade getanzt habe, berief. Sie predigte ferner die Nothwendigkeit eines gänzlich ehelosen Standes, empfahl die Gemeinschaft der Güter nnd die Zurückgezogcnheit ron allen irdischen Vergnügungen. Die bedeutendsten Schaker- Familien oder Ansiedelungen sind Niscayuna, New-Lebanon, Union Villagc, Pleasant- Hill u. s. w. Die Männer stehen unter Leitung eines Oberhauptes, welcher den Titel „der Vollkommene" führt; die Frauen werden von einer „Vollkommenen" regiert. Alle sinv zur Enthaltsamkeit, zum unbedingten Gehorsam, zum gleichmäßigen Zusammenleben und zur Gemeinschaft der Güter verpflichtet. Sie beschäftigen sich theils mit Feldban, theils mit verschiedenen Handwerken, haben festgesetzte Arbeitsstunden und bilden auS ihreu Produkten und Erzeugnissen einen gemeinschaftlichen Fond, womit alle Bedürfnisse in gleichem Maaße für Alle bestritten werden. Ihre Vorsteher sind übrigens die ärgsten GcisteStyrannen, die man sich nur denken kann; sie haben, um Gehorsam zu erzwingen, eine gegenseitige vorschristmäßige Beobachtung und ein nichtö- würdigcö Spiouensystem eingeführt, und um sich einer aufrichtigen Beichte von ihren GeisteSsclaven zu versichern, geben sie vor, durch höhere Eingebung die Sünden und Geheimnisse derselben, auch ohne ihr Bekenntniß, genau zu kennen. Die Baptisten. Die erste Gemeinde dieser Secte, welche baptistisch und anabaptistisch (denn auch schon Getaufte werden nochmals nnicrgetauchi) ist, wurde in Amerika von Roger Williams, Gründer und Gouvcrueur von Rhode Island, und von Ezekiel Hollman, Deputy- Gouverneur, nebst einigen anderen Personen im März 1V39 gegründet. Sie bilden zwischen den Methodisten und PreSbytcriancrn gleichsam eine Mittelstufe, verwerfen, wie die Mcnnoniten, die Kindertanse und wei- gein sich, wie die Quäker, Eidschwüre zu leiste». Ei» wesentlicher Theil ihres Gottesdienstes besteht in der Taufe durch Eintauchen, welche Handlung Jeder, so oft er sich dazu gedrungen suhlt, wiederhole» kann. Sie sind in viele Zweige getrennt, und gibt cS: Vereinigt calv inistische Baptisten, Anti-Mission-Baptisten, Bap- listen vom freien Willen, Sabbatarier (welche den siebenten, statt des ersten TageS in der Woche feiern), Baptisten der sechs nnd Baptisten der zehn Grundsätze, Campbcl litische Baptisten, Baptisten der freien Commu- nion, Unitarische Baptisten, Fullerianer-Baptisten, universalistische Baptisten, Christier-Baptisten und wie die unsinnigen Abarten dieser verwerflichen Secte noch weiter heißen. Die Mennoniten waren ursprünglich ebenfalls Baptisten, und sichren ihren Namen von ihrem Stifter Menno Simon, einem FrieSländer. Sie verwerfen daS alte Testament und geben vor, das neue sey die einzige Richtschnur ihres Glaubens. Sie läugnen die Dreifaltigkeit und daß Christus von Maria geboren worden; auch behaupte» sie, eö sey den Christen ebensowenig erlaubt, einen Eid zu thun, als ein obrigkeitliches Ämt zu verwalten, vielweniger Jemand am Leben zu strafe» oder Krieg zu fuhren. Die ersten Mennoniten sind, auf Einladung William PennS, im Jahre 1W3 nach Amerika gekommen. Im Jahre l311 ist unter ihnen eine Spaltung eingetreten, indem einige dieser Sectirer glaubten, daß ihre Verbindung die alte Reinheit 238 nach uuv nach verloren habe nnd verderbt sey, nnd wollten sie daher in deil alten Znstand zurückführen. Diese neue Verbindung nennt sich die „reformirtc Men- noniten - Gemeinschaft." Die Hcrrcnhuter, auch Mährische Brüder genannt, wurden durch ihren Stifter Graf Zinzendorf, der schon im Jahre 1.738 in Amerika gewesen, im Jahre t7i1 in Pcnnsylvanicn eingeführt Sie lehren hauptsächlich, daß mau nur Jesum Christum, oder Gott den Sohn znm einzigen Gegenstand des Gottesdienstes wählen soll. Sonst zeichnen sie sich vor allen audcru Sccten durch Bescheidenheit, streuge Lebc»Sord»u»g, Redlichkeit nnd Arbeitsamkeit aus. Ihr Hauptsitz ist zu Nnzareth und Bethlehem in Pcuusylvauien. n«j«ttys ,z«liiu!T nni <»nu ,gmi^. i^ÄWWG^in n«O nnm h»« >i»ny?! ,»S ß?,> nWinqÄ <«u m»nvT »o«t ,^»6 ;t, W oiiu , H»m Ntls j«» Z«Ziz!i n»j»»ü «>ki«sn>k5 ^ii» chft i^om ,nk zsj«>l6S»loG mnP n»i Der selige Panl vvm Kreuze nnd die Congregation der Pasfivnisten. (Katholische Bläitcu au- Ty.o... Der selige Paul vom Kreuze stammte von einer altadeligen Familie aus Ovada iu der Diöcese Acqui im Moutferrat'scheu, und wurde am 3. Januar ll>91 gebore». Sein Tanf- und Familicuname war Paul Franz Danei. Von Jngcnd ans zeigte er eine große Borliebe zur Einsamkeit, zum Gebete und zur Betrachtung, wobei er sich fast immer das Leiden Christi als Stoff wählte, und znr Erinnernng an den leidenden und sterbenden Erlöser alle Freitage seinen Leib züchtigte, streng fastete und nur Galle und Essig genoß. Durch diese heroischen Tugenden bereitete er sich zu dem heilige» Berufe vor, welchen Golt ihm zeigen wollte. Iu einer Erscheinung bedeutete ihm die seligste Jungfrau, eS sey der Wille Gottes, daß er eine Cougre- gativn in'S Leben ruse, worin das Andenken an das Leide» und de» Tod ihres göttliche» Sohnes fortwährend erhalten würde. Sie zeigte ihm a»ch das Ordcnslleiv, dessen er uud seine Schüler sich bedicueu sollte». Pa»l theilte ÄllcS dem Bischöfe vou Alcssandria, Msgr Gattinara, mit, welcher damals sein Beichtvater war. Nachdem der fromme Prälat die Sache reiflich überlegt und im Gebcic Gott empfohlen hatte, ermunterte er den jnngeu Mauu, dem Rufe dcS Herr» zu folge», und zog ihm am 22. Nov. 172l) — es war ciu Freitag — eine» schwarzen Talar vo» grobem Tuche au mit einem Embleme des Leidens Christi ans der Brust, gerade so, wie eS ihm die Gottesmutter bei ihrer Erscheinung gezeigt hatte. Bon dieser Stunde au bis zur formliche» Grüudimg der Congregativ» ging er barhaupt und barfuß. Seinen bisherigen Namen Paul Franz veränderte er in Paul vom Krcnze, uud bezog eine kleine Zelle in der Nähe der Sacristci von S. Carlo zu Castellazz.) (Gcburlsstadt seines Vaters LncaS von Danei), fastete vierzig Tage bei Wasser uud Brod, uud schrieb die Regel für die neu zu gründende geistliche Gcnofsen- schaft. Nachdem er sie vollendet hatte, übergab er sie seine», Bischöfe zur Sanction. Dieser ertheilte ihm dc» Auftrag, damit »ach Rom zu reisen, sie dem heilige» Bater J»»oce»z XM. zu unterbreiten und die Approbation derselben zu erbitten. Paul ge. horchte, pilgerte^nach Rom, besuchte zuerst die Gräber der beide» Apostclfürsten und dann den päpstlichen Palast. Gott wollte Pauls Geduld auf die Probe stellen: die Audienz beim heil. Bater ward ihm versagt. Sein Vertrauen ans den Herr» ward dadurch «icht im Mindesten erschüttert; vielmehr zog er froheu MutheS nach Montc- Argcutaro am tvrrheuischcu Meere, uud nach kurzer Zeit in eine Einsiedelei im Mout. ferrat'schen, uud lebte dort ganz zmückgezogen unter bestäudigcm Fasten uud Beten. ES gesellte sich «uu auch sein Bruder JohauueS Baptista zu ihm uud sie kehrte» mit einander nach Monte-Arge»taro zurück, weil ihnen dieser Platz für ihr Anacho- retenlebcn vorzüglich geeignet schien. Der Ruf ihres heiligen Wandels verbreitete sich weit umher und gelangte denn auch zu den zwei Bischöfen von Gaöta und Troja im Neapolitanischen. Diese Prälaten luden die zwei Einsiedler Johannes und Paulus in ihre Diöcesen ein, um auch 229 ihre Diocesanen durch die strenge Lebensweise de> selben zu erbauen, Sie gehorchten und gewannen iu kürzester Frist die Liebe und Verehrung dieser Kirchcnsiirstcn, und namentlich die dcö Bischofs von Troja in solchem Grade, daß sich dieser entschloß, ihr Boihaben, eine neue Congregalion zu stiften, in Rom nach Kräften zu förderu, lind wirklich waren nun die Tage dcr Prüfung zu Ende. Mit einem bischöflichen Schreiben an Se. Heiligkeit Bencdikt XIIl.5) erschienen sie neuerdings in Rom, und der heil. Bntcr, hocherfreut über den günstigen Bericht dcS Bischofs von Troja, er. theilte den zwei Brüdern müudlich (vivav voeis «raculc») die Erlaubniß, Novize» aufzuuehmcn und ein gemeinschaftliches Leben zu führe». Beide bliebe» »uu in Rom, widmeten sich im Spitale zum heil. GallicannS der Krankenpflege und zugleich dcu theologischen Studie». Am 7. Juni 1727 ertheilte ihnen der Papst selbst die heilige Priesterweihe iu der St. Peterskirche mit dem Austrage, als apostolische Missionäre für das Seelenheil ihrer Mitmenschen thätig zu seymA^ Ohne andere Hilfsquellen als ihr Gottvertraucu zu kennen, wanderten die zwei Missiouäre wieder nach Monte-Argentaro, und erbauten dort, unterstützt von frommen Seelen, ihr erstes CongregationShauS^), und kurz darauf iu einiger Entfernung ei» zweites für die Novizen; denn Gott sandte ihnen bald Gesinnungsgenossen, die sich unter die neue Regel stellten. Als sich die Anzahl der Mitglieder von Jahr zu Jahr mehrte, und diese eine förmliche Kongregation bildeten, so wurde der Stifter P. Paul vom Kreuze auf dem ersten allgemeinen Capitel zum Geueralsuperior gewählt, und zugleich vom heil. Stuhl die Gnade erbeten, diese Wahl uach Umlauf der festgesetzten sechs Jahre erneuern zu dürfen. So blieb P. Panl OrdcnSobcrcr bis zu seinem selige» Ende, welches am 18. Octobcr 1775 erfolgte. Sein Brnder Johannes war ihm ein Dezennium früher (1765) in die himmlische Heimat voranSgegangen. — Gott verherrlichte seinen Diener durch mehrere Wunder. Papst Pius VI. ertheilte ihm deßhalb schon im Jahre 1784 (Z2, Der.) den Ehrentitel: Vonc>ral>ili8 «ervus I?l!.. Peipst PiuS VII. erklärte, daß P. Paul vom Kreuze die Tugenden im heroischen Grade besessen habe, und Se. Heiligkeit PiuS IX. sprach ihn durch Decrct vom 1. Octobcr 1852 se!ig, nachdem sich die zur Beatification nöthigen zwei Wunder als unbestreitbar herausgestellt hatten. Der feierliche Act der Seligsprechung erfolgte, wie schon ange- dcntet worden, am 1. Mai dieses JahreS. Der Zweck der Passioniften-Congrcgation ist Selbstheiliguug durch ciu strenges Bußlebcn und Förderung des ScclenheileS des Nächsten durch Missionen, geistliche Uebungen u. s. w. Die Mittel, diese» herrlichen Zweck zu erreichen, finden sich in ihrer Regel genau auseinandergesetzt. Wir geben daher einen gedrängten AuSzug aus derselben. Das Noviziat dauert ein Jahr. Zu den drei gewöhnlichen Gelübden der Armuth, Keuschheit und dcS Gehorsams, welche die Passioniften als einfache und nicht als feierliche ablegen, kommt ein viertes: den Gläubigen daS Leiden Jesu Christi *) Von t724 1730 — ein geborene:- Fürst'Orsini, und strenger Ordcnsmann, der sich anch als Papst am liebsten in stille Einsamkeit vergrub. Den ihn für den päpstlichen Siiiht bestimmenden Ausspruch des Conelavc vernahm er mit uubcschrciblichcm Entsetzen. Als aber der General dcö Bcncdietincr-Ordcns ihm den Befehl dazu ertheilte, so that Orsini im Geiste dcö klösterlichen Gehorsams, was er deu Bitten der Lardinäle abgeschlagen; denn er war gewohnt, seinen Obern gegenüber stets den strengsten Gehorsam zu üben. Bencdici XIII. war fortgesetzt Mönch ans dein Throne, gerne allein, bei öffentlichen Ausgängen den Noscnlrauz in der Hand, wie der-frühere schlichte Bruder Vinecnz Maria (so hieß er als Ordensmann) des Klosters. Der die Würde umgebende Glanz, Pferde, Vurus, zahlreiches Gefolge verwundete seine Demuth. Er verminderte auch die pävsti. Garden. In seinem Gemache des Batieaus standen mir Strohstühle: an den Wänden einige Kupferstiche und das Cruzifir, Er war nie glücklicher > als wenn er im Ehore seines Klosters die Hören sang, und im Refektorium desselben gleich einem einfachen Religiösen sein Mittagmahl einnehmen konnte Man hat von Bcnedict XIII. zwei Bände Homilien über das Buch Erodus. Während seiner Regierung entstand auch das Hospiz zum heil. Gallicanus für Hautkrankc. Vergl. I.» komv ciirelicnnt: elv. von I5u- gvno cie la Kournerio ; '1'om. III. Die Congregationohäuscr der Passionisien heißen Häuser der „Zurückgczogcnhcit" (Iteeessns, kiljrj, kelrsilZ). 230 nach Kräften an'S Heiz zu legen. Sie schwöre» auch in der Congrcgalion zu bleiben. Nur der Gencialsnpciwr mit den zwei ihm zur Seile stehenden Eonsnltorcn, der Provincial nud der Snperior dcS betreffenden HanseS kann davon bei sehr wich- tigen Gründen dispensircn, Sie leben gemeinschaftlich uud in strenger Armuth, dürfen somit lein (Eigenthum besitzen, als eine» kleinen Garten oder ein anderes geringes Grundstück in der Nähe des CongrcgationShauscS; sie sind sohin ganz ans das Almosen der Gläubigen angewiesen. Sie halten Tag- und Nachtchor »ach dem römischen RiluS, dreimal betrachtendes Gebet, Morgens, AbcudS und nm Mitternacht nach dem Ma- tuliniim, nnd zweimal deS TagcS GcwissenScrforschuug. Das Stillschweigen ist bei- nahe immerwährend, die geistliche Lesung für jeden Einzelnen nnd für Alle gemein- schastlich vorgeschrieben. Außer der von der katholischen Kirche auferlegten heil. Fastenzeit fasten sie im Advent und alle Mittwoche, Freitage und Samötage des JahrcS. Air diesen Tagen kommt die Kasteiung (Disciplin) dazu. Die Laienbrüder haben die Hauptgeschäfte, namentlich die Emsammlnng des Almosens zu besorgen. Die Kleriker widmen sich nach dem Noviziate den Studien, und zwar durch sieben Jahre. Sie befassen sich während dieses Zeitraums mit den schönen Wissenschaften, Philosophie und der Theologie dcS heiligen Thomas von Aquin, und zuletzt mit praktischer Kaiizclberedsamkcit. Hat ein Passionist diese HanSstndicn vollendet nnd die Priesterweihe empfangen, so muß er sich dem Scclcnheile des Nächsten widmen durch Bcichthöreu, Crthcilnng von geistlichen Uebungen in ihren eigenen Häusern, wohin sich oft Weltpriester zu diesem Zwecke zurückziehen, oder in andern Klöstern, Seminarien und religiösen Gcnossciischastcn, so wie anch i» allen jenen Diöcescn und Gemeinden, wohin sie ein Bischof ruft. Auch zu den Missionen bei den Häretikern und Ungläubigen müssen sie sich verwenden lassen. In Bezug der Kleidung schreibt die Regel vor: Einen schwarzen Talar von grobem Tuche mit einem Lcdcrgürtcl, nebst einem bis an die Knie reichenden Mantel desselben Stoffes. Ans diesem und jenem tragen die Priester und Professen an der linken Brustseite einen herzförmigen schwarzen Schild mit weißem Rande. Zuoberst befindet sich ein Kreuz und in der Mitte desselben die Inschrift mit weißen Buchstaben: IK8V Xkl 1^8810, uutcr dieser drei Nägel, ebenfalls weiß gemalt. Die Laien und Nichtprofcsscn tragen den Schild nur am Talar. Alle sind unbeschnht nnd tragen nur Sandalicn. Die Kopfbedeckung der Priester nnd Kleriker im Hause ist ein gewöhnliches Priesterbarett, außer demselben ein Hut mit breiten Krämpcn, zu beiden Seiten ctwnS aufgestülpt. Ihr Hemd ist von Wolle; nur im Falle einer Krankheit, ans Reisen und bei Missionen dürfen sie sich eines linncnen bedienen. Sie schlafen — im gesnndcn Zustande — iu ihrem OrdcnSklcide aus einem harten Strohsacke. Diese Regel wurde zuerst von Papst Benedict XIV.' durch Rescript vom 15. März 17 il, und nach wiederholter Prüfung derselben mittelst Brevc vom 28. März 17»>!, -. «„..i,^-,.!'. 9m«,jj t-.i >i.^. .il»»nm>v- d»»»M>,»!'-.l>> ,n»fiU!< mckuichiN Ew. Bischöflichen Gnaden treugehorsamste Priester des Landcapitels Wiblingen. ti? nn« fii,1»«^oL 6!^!,?«ni . .IlH d,j,»5 ch»«»l>»paS »chU-W;sv ,»ZK (- i,4 »»«t»M>s.»i ,»i >!ömk.its -ii>-5V i>»»W 5,ttatzi .vi,-», d» :»»iü»ch?n Dreizehnter Jahrgang. Sonntags-Beiblatt zur .»! ch>? Augsburger PostZeitung. 24. Juli. ^ 1853 Dieses «latt erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der halbjährig« Abouuemeutsvrel« kr>, wofür e« durch all» köm'gl. bayer. Postämter »ud alle Buchhaudluuge« bezog,« werde« kau». ^ü'! Der Pilger durch Tirol.*) Die Wallfahrten gehören zu den schönsten und sinnigsten Aeußerungen deS katholischen Lebens. Wie in den Processionen überhaupt, so tritt auch in ihnen, um mit dem Protestanten Kinkel zu reden, „das innige Verwachsen deS katholischen Glaubens, die religiöse Weihe, die dieser heitere Cultus auch der Freude verleiht, rührend und spürbar hervor**)." Weise verlegte die heilige Kirche alle das Gemülh zu heiligem Ernst und zu strenger Buße stimmenden Feste in den Winter, in die ernsten Mauern der Kirchen; naht dagegen der Frühling, dann führt sie die Ihrigen heraus in die neuerwachende Natur, damit sie in ihr und erhoben durch sie, die selbst ein ewiger Lobgesang Gottes, den Herrn mit fröhlichem Herzen preisen. So fallen denn mit den andern Processionen auch die Wallfahnen alle in die schönere Zeit deS JahreS, und es gibt wohl nur wenige kalte Herzen, die dann unbewegt die Fahnen durch daS Laub der Bäume wehen, die langen Reihen der Beter dahinschreiten sehen, die sühlloS und unerhoben den Gebeten und Lobgcsängen horchen können, welche der fromme Zug den Berg hinansteigend unter dem Geläute der Glocken ertönen läßt. Wie leer sind doch die zahlreichen Vorurthcile gegen daS Wallfahrten. Gegen sein Alter läßt sich nichts einwenden, die ersten Jahrhunderte thaten es bereits, warum denn nicht auch wir? Da klammert man sich denn ängstlich an die beliebten „Mißbrauche." Daß deren vorgekommen sind und noch vorkommen, geben wir zu, aber auch daS Heiligste ist schon mißbraucht worden, und wenn wir Alles über Bord werfen sollten, was diese Erfahrung schon gemacht hat, dann ständen wir geistig und leidlich nackt da. Wer die Wallfahrten zum Deckmantel eines auSschweisenden Lebens mißbraucht, der wird wohl einen andern Deckmantel finden, wenn man ihm diesen hinwegnimmt, sagt Chorherr Geiger, und Sailer ermahnt mit Recht, neben dem Schädlichen, welches dieser oder jener Wallfahrt etwa zufällig beigemischt sey, auch daS Gute anzuerkennen, welches der Uebung zu Grunde liege. „Gott wirkt überall, wo er ein offenes Herz findet und fragt keinen Professor (oder Minister) ob (oder wo) Er das Herz erleuchten, entzünden, heiligen, beseligen dürfe." Könnte einer der heimkehrenden Wallfahrer in die Herzen schauen, er würde manches ganz anders erblicken, als es hinhing zu dem Gnadenort. Da trat mancher den Weg lau an, und ihn ergriff schon das gemeinsame Beten und Singen, die fromme Luft, die über dem Zug schwebte, den Christi Bild anführte, zog auch durch die Lungen seiner Seele und sie wurden gesund. Da blieb mancher auf dem Wege noch ungerührt, und ihn traf der Anblick der gefüllten Kirche, der tausend Frommen, die inniger als er zu beten verstanden, und er folgte ihnen mit ganz anderm Herzen zum Beichtstuhl, als das war, *) Der Pilger durch Tirol oder geschichtliche und topographische Beschreibung der Wallfahrtsorte in Tirol und Vorarlberg. Innsbruck bei K. Pfaundler. Gottfr. Kinkel, das Ahrthal S. 160. 234 mit dem er ihn bisher betreten hatte. Da trat mancher in die Kirche und plapperte nur sein Gebet daher und ihn faßte die höhere Feierlichkeit des heiligen Dienstes und sein Herz blieb nicht länger trocken, und der Gedanke an die selbstgewonnene Ueberzeugung, daß und wie viele schon an der Stelle Erhörimg gefunden, beugte sei» Kuie wieder tiefer und rief die erste Thräne ernster Buße in sein Auge. Gewiß, wo die Wallfahrten in rechtem Flor stehen, da steht das katholische Leben in voller Blüthe, und unser vollstes Mitleid verdienen die „lauen und trägen Christen, die oft kaum zwanzig Schritte weit in die Kirche haben und doch nicht hingehen, sich dabei aber unendlich weiser dünken und die Wallfahrer tadeln, die Gott zu Liebe viele tausend Schritte machen " (Pilger 5, tt.) Tirol ist reich an Wallfahrtsorten aus der ältesten wie aus der neuesten Zeit, vom Jahr ävv bis aus unsern Tagen, und dieß letztere möchte ich gerade eine Perle in seiner Krone nennen, denn eS zeigt die ganze Innerlichkeit und Tiefe seines katholischen Gefühls. Vordem war das Land noch ungleich reicher an Gnadenorten, nnd diese waren reicher an Schmuck, den das fromme Kaiserhaus und fromme Privaten ihnen zugewandt hatten. Eine lauge Reihe dieser Kapellen und Kirchen zerstörte das Freimaurerthum. Aber nicht vermochte eS den Schatz treuen Glaubens aus dem Herzen deS Volkes zu rauben, den verschloß es um so tiefer in sich und hing um so fester an ihm. Und als jene Zeiten der Dürre und des Fluches vorüber waren, da fing eS wieder an aufzubauen, was zerstört war, zu erheben, was geknickt war und neu zn schmücken, was beraubt war. Vieles liegt allerdings für immer darnieder, manche Zufluchtsstätte der Armuth in den Klöstern, mancher Hafen der Betrübten in den Gnadenorten; aber mit der wunderbaren Elasticität, die alles Lebensvolle beweist, erhob der treue Sinn deS Volkes dagegen auch wieder manches neue Heiligthum und mehr als ein Gnadenort datirt aus unserm Jahrhundert. Wie die Kirche selbst ein ewiges Wunder ist, so hört auch das Wunder in ihr nicht auf. Viele Leute leben noch, welche die Wallfahrt zu Sautens im Oetzthal entstehen sahen. In der Nähe deS Ortes stand in der Waldesdämmerung ein Bild deS gekreuzigten Heitands. Vor demselben betete einst ein frommes Väuerlein im Vorbeigehen sein Vaterunser; siehe, da neigte das Bild sein Haupt und das Bäucrlcin sah dieß als ein Zeichen an, daß es dem Heiland gefalle, dort in einer Kapelle verehrt zu seyn. Drei Bauern von SantenS traten zusammen und kanten im Jahr 18Ü1 das kleine Gotteshaus. So lauge der Bau währte, quoll Wasser an der Stelle, während man weder vor noch nachher eine Spur einer Quelle weder an dem Ort noch in dessen Nähe gesehen hat. Bald besuchten die, Gläubigen der Umgegend fleißig daS Kirchlein; vielen wurde auffallende wunderbare Hülfe zu Theil, und jetzt decken schon Votiv-Bilder und Zeichen, Krücken, Herzen, Arme u. dgl. die Wände als eben so viele Zeugen von wundem baren Gebetserhörungen. Ebenso sah unser 18teS Jahrhundert die Wallfahrten zu unserer lieben Frau in Schmirn und Hinterriß, so wie die zur schmerzhaften Mutter in Jschgl entstehen. Ein Soldat auö der Garnison des Schlosses Ehrenberg, der auch Bildhauer war, schnitzte ein Bild des nnter dem Kreuz zur Erbe fallenden Jesus und stellte eS auf einem großen Stein an der Straße auf. Um das Bild vor dem Ungemach der Witterung zu schützen, bauten fromme Leute bald eine kleine hölzerne Kapelle darüber. Da diese an einem steilen gefährlichen Wege zwischen zwei hohen Bergen liegt, so fiel von Fuhrleuten manches Opfer und mit diesen und einigen andern frommen Beiträgen wurde im Jahre 1807 die jetzige Kapelle aufgeführt, die man gern in schweren Anliegen besucht. Im vorigen Jahrhundert suchte die Garnison des Schlosses — ein sehr schöner Zug — bei dem Ordinariat in Augsburg um die Erlaubniß nach, den heiligen Krenzweg in ihrer Kapelle durch einen FranciSkaner einsetzen zu dürfen, und zwar aus dem Grunde: „Da doch uns Soldaten diese Andacht vor allen andern obgelegen seyn soll." Wollten wir an das Aufzählen aller durch rührend schöne Legenden und wunderbare Ereignisse hervorstechenden Wallfahrten des BucheS gehen, wir müßten dieß selbst ganz abschreiben. Noch einige derselben mitzutheilen können wir uns jedoch nicht 235 ' versagen. In der Stiftskirche zu Jnnichen wird ein uraltes ChristuSbild verehrt, ein Crucifix, an dessen Fuß Maria sitzt. Zur Zeit der Dürre pflegt die ganze Pfarre Silian mit ihren Filialen einen Kreuzgang dahin anzustellen, um Regen zn erflehen, und immer folgt Erhörung der Bitte, so daß man schon mit Regenschirmen zum Kreuzgange auszieht und gar nicht zweifelt am Erfolg des gemeinsamen Flehens. Ist das nicht der Glaube, der Berge versetzt, und findet man ihn auch bei uns in Israel? — Berühmt ist das Gnadenbild Unserer lieben Frau bei den ??. Kapuzinern in Neumarkt. Im Jahre 18Z6 wüthete dort die Cholera. Mehrere Personen des Ortes waren ihr schon zur Beute gefallen, da rief daS Volk, man solle eine Andacht zur Mutter GotteS anstellen uud das Bild von dem Seitenaltar auf den Hochaltar erheben. Anfangs fürchteten einige, durch das Zusammenströmen der Leute möge die Seuche noch mehr verbreitet werden, endlich aber ging der Antrag durch, das Bild wurde erhoben und das Hochwürdigstc drei Tage lang znr Anbetung ausgestellt. Eine unglaubliche Volksmenge strömte herbei, trotzdem daß die Prozessionen verboten waren und — von dem Augenblicke an starb Niemand mehr in Neumarkt nnd die von der Seuche Befallenen genasen bald. Bezeichnend für den Geist, der im Volke lebt, ist der folgende Vorfall. Im Jahr 18V8 am 8. März übertrug man das Bildniß der Mutter GotteS ans seinem alten Sitz zu Montagnaga nach Civezzano. Unsere Schreier über Götzendienst und Bilder- anbetung werden denken, nun seyen auch alle Wallfahrten dem Bilde nachgezogen, Montagnaga sey vercdel; so aber dachte das katholische Volk nicht: das Bild hat ihm nur Bedeutung durch den Ort, wo es steht; an dem und keinem andern Ort spendet das Urbild des VildeS seine Wohlthaten, hilft eS durch seine Fürbitte. Nach wie vor zogen die Wallfahrer nach Montagnaga und verehrten die Gnadenmutter an der Stelle, wo sie so viel Gnaden schon erwiesen hatte, auch ohne daß ihr Bild da stand. Um die Leute zu zwingen, nach Civezzano zu ziehen, schloß man alsdann die Kirche von Montagnaga und verbot alle geistlichen Verrichtungen dort; aber auch das war vergebens. Irgend Jemand, wer weiß man nicht, hängte von außen an die Mauer ein Maricnbildchen auf, und vor diesem betete die fromme Menge nach wie vor. Einigen heißblütige» Deutschen aber wollte es nicht in den Kopf, daß man sie nicht in das HauS Mariens lassen wolle, wo ihre Ahnen seit fast einem Jahrhundert gebetet hatten; sie holten einen Baumstamm, um die Kirchthüre zu stürmen, und sie öffnete sich ohne irgend eine Verletzung auf den ersten Stoß. Vivat rief alles Volk, nnd unter dem Singen jubelnder Maricnlieder zog eS in die Kirche ein und hielt seine Andacht. DaS erbitterte die Josephiner, von denen all diese Chicanen ausgingen, sie reauirirten vier Schergen von Montagnaga und wollten die Deutschen verhaften, die daS Thor geöffnet hatten. Es gab Widerstand, die Schergen feuerten wohl achtmal ihre Flinten ab, aber Niemand wurde beschädigt; einer selbst bezeugte, zwei Kugeln auf die Brust bekommen zu haben, ohne daß sie ihn im mindesten verletzten. Endlich rief der Häscher- hauplmaun, der GotteS Hand darin sah: „Gegen Maria vermag menschliche Mach« nichts, wir haben Wunder genug gesehen. Laßt uns gehen!" Uud er gab dem Curatgeistlichen der Kirche Geld für zwei heilige Messen und ging mit seinen Leuten weg. Später schenkte er der Kirche noch ein schönes Meßgewand, das noch dort auf- lewahrt wird. Die Bewohner der Gegend aber ruhten nun nicht, big der Kaiser die Zurückbiingung des BildeS gestattete, und im größten Triumph, u»Ur der heiligsten Begeisterung wurde eS am 30. April des folgenden Jahres wieder an seine alte Stelle gesetzt. Das wären einige Proben aus dem WallfahrtSlebcn in Tirol, und wir glauben, sie sind schön genug, um zur Nachahmung anzufeuern. An ähnlichen andern ist daS Buch reich, dem wir sie entnommen haben, und das keiner ohne große Erbauung und fromme Rührnng zu lesen vermag, das wir darum mit bestem Gewissen empfehlen können und in jeder katholischen VcreinSbibliothek sehen möchten. Seine Lcctüre dürfte jetzt vor allem von großem Nutzen seyu, jetzt wo auch unter nnS das Wallfahrten wieder mehr und mehr auflebt, wo die Gnadenorte an den Festtagen wieder mehr besuch: 236 find und die Hoffnung lebendiger sich regen darf, daß eine lebensvollere, durch und durch katholische Zeit für unser Volk nicht fern mehr ist. (Mainz. S.-Bl.) Leben des ehrwürdigen Johannes Grande. I. Erster Beruf zum vollkommenen Leben. In der Nähe des Städtchens Marcena, das nur eine kleine Tagreise weit von dem berühmten Sevilla entfernt ist, lag an der Stelle, wo jetzt die Söhne des heil. FranziSknS ein Kloster besitzen, einstens eine stille Einsiedelei, nach der heil. Eulalia benannt. Dort erschien in der zweiten Halste deS sechszehnten Jahrhunderts ein Eremit, der für die Bewohner der Umgegend bald ein Gegenstand frommer Aufmerksamkeit ward. Er ging mit entblößtem Haupte und unbeschuht einher, seinen Leib bedeckte ein Kleid von grober Wolle. Selten erhob er den Blick, und eS ruhte auf seinem Angesichte zugleich mit milder Freundlich teil ein Ernst, der mit seiner Jugend in Widerspruch zu stehen schien. Denn Johannes Grande — so hieß dieser Einsiedler — mochte damals kaum sein zwanzigstes Lebensjahr zurückgelegt haben. Er war in Carmona, einer Stadt in Andalusien, am 6. März 1546 geboren, und halte schon in frühester Kindheit durch eine seltene Unschuld und Frömmigkeit große Erwartungen erregt. Aber noch war an ihn der Ruf deS Herrn zu seiner vollkommenen Nachfolge nicht ergangen. — Etwa fünfzehn Jahre alt zog er mit seiner Mutter nach Sevilla, und widmete sich dort, ihrem Wunsche gemäß, dem Kaufmanns- stande. Seinen Vater hatte er um eben diese Zeit verloren. Nachdem er vier Jahre in einem Handlungshause jener Stadt zugebracht, und sich durch Fleiß und Rechtlichkeit, wie durch ein sittsames Betragen und Frömmigkeit Liebe und Achtung erworben halte, kehrte er in seine Vaterstadt zurück, um daselbst ein eigenes Geschäft zu beginnen. Aber immer lauter redete die Stimme Got'eS zu seinem Herzen und flößte ihm immer stärkere Begierden ein, von allen Sorgen und Gefahren deS irdischen Lebens entfernt für die Ewigkeit allein zu leben. Ein mächtiger Drang zum Gebete weckte ihn oft- malS vom Schlafe, und er schien, da er erwachte, eine Stimme zu vernehmen, die ihm vorwarf, daß er, wie die Jünger im Oclgarlen, während JesuS betete und bluligen Schweiß vergoß, der Ruhe pflege. Der Jüngling erkannte, daß er von Gott zu einem ihm allein gewidmeten Leben berufen werde; aber er wußte nicht, aufweiche Weise er einem solchen Rufe folgen könne. Nach vielem und inbrünstigem Gebete erhielt er durch ein Traumgesicht den gewünschten Aufschluß: GotteS Wille sey, daß er, auf irdischen Erwerb verzichtend, nach Christi und der Apostel Beispiel in äußerster Armuth ihm diene. Wohl war der fromme Johannes sogleich entschlossen, dem Rufe des Himmels zu folgen, aber eS gelang ihm nicht ohne viele und große Kämpfe die Bande, die ihn fest hielten, zu zerreißen. Um so inniger dankte er Gott, als er sich endlich befreit sah, und nachdem er sein kaum begonnenes Geschäft eingestellt, alle seine Habe aber Anderen überlassen hatte, als armer und doch so reicher Pilger in die Einsamkeit, wo er Gott und in ihm AlleS suchte, wandern konnte. Johannes hatte seine Jugend in der größten Sittcnreinheit zugebracht. Noch ein kleines Kind war er mit besonderer Andacht der reinsten Mutter des Herrn ergeben, und brachte oft ganze Stunden vor ihrem Bilde oder Altare im Gebete zu. Wie er aber heranwuchs, lag er dieser Andacht auch deßhalb mit großem Eifer ob, weil er hoffte, daß eS ihm durch die Fürsprache und den Schutz Maria'S gegeben werden würde, die jungfräuliche Reinheit seiner Seele und seines Leides unversehrt zu bewahren; und eö war in der nämlichen Absicht, daß er den heil. Johannes und die heil. Jungfrau Agnes mit zarter Frömmigkeit verehrte. Sein standhaftes und von so heiligen Wünschen begleitetes Gebet fand vollkommene Erhörung: seine Sitten blieben durchaus unbefleckt. Aber auch vor jeder andern Sünde hatte er einen so großen Abscheu, daß die Furcht, sich in seinem Geschäfte durch Mangel an Wahrhaftigkeit und strenger 237 Redlichkeit zu verfehlen, auf den Entschluß, dasselbe aufzugeben, großen Einfluß hatte. Nichtsdestoweniger war er in seinen Augen ein großer Sünder, und um sich dessen stets zu erinnern, veränderte er bei seinem Austritt aus der Welt seinen Namen. Denn er wollte nicht mehr Johannes Grande, d. h. der Große, sondern Johannes Peccadore, d. h. der Sünder, heißen, und wirklich ist ihm dieser Name während seines ganzen übrigen Lebens geblieben. — Indeß bestand seine Demuth nicht in dem Schalle dieses Wortes, noch in irgend einer bloß äußerlichen Uebung: sie durchdrang seine ganze Seele. Er hielt sich nicht für würdig, sein Auge zu Gott aufzuschlagen, noch auch vor den Menschen, die ihm alle besser als er vorkamen, zu erscheinen. Er betrachtete nämlich die Fehler, die er, besonders auS Menschensurcht, mochte begangen haben, in dem Lichte, daS ihm nun so reichlich zufloß, und ermaß die Größe derselben nicht nach dem Urtheile und den Gewohnheiten der Menschen, noch auch nach der Leichtigkeit, womit man in dieselben zu fallen pflegt, sondern nach der Größe GotteS, gegen dessen heiligen Willen sie begangen werden; und verdemüthigte sich auch wegen jener Sünden, in die er würde gefallen setzn, wenn Gott ihm nicht mit vieler und unverdienter Gnade zuvorgekommen wäre. Er begann also in seiner Einsiedelei ein wahres Büßerleben. Nicht nur wann er dem Gebete oblag, sondern auch bei vielen anderen Gelegenheiten entquollen seinen Augen reichliche Thränen, die der bittere Reueschmerz hervorgerufen hatte. Er trug unter seinem groben Kleide niemals Leinewand, wohl aber schmerzhafte Bußgürtel; schlief auf nackter Erde oder auf Brettern, und zwei bis drei Stunden vor Sonnenaufgang erhob er sich schon zum Gebete, obschon er nicht selten dasselbe auch die ganze Nacht hindurch fortsetzte. Nicht bloß die Fasten, sondern auch die Adventzeit und vom Feste des heil. Michael bis zu Allerheiligen nahm er nur dreimal die Woche wenige und ärmliche Speise zu sich , und er würde in diesen und vielen andern Bußübungen, von denen wir nicht reden, noch weiter gegangen seyn, wenn sein Gewissenöführer nicht seinen frommen Eiser gemäßigt hätte. Obgleich er in seinem spätern Leben, wie wir sehen werden, mitten unter den Menschen mit vielen Geschäften und Arbeiten beladen war, so setzte er doch das strenge Bußleben, das er in seiner Einsiedelei' begonnen hatte, bis zum Tode fort. Aber ohne Kampf konnte der junge Eremit in dieser neuen Lebensweise nicht auSdauern. Außer der Schwierigkeit, welche die menschliche Natur einer so harten Behandlung des Leibes immer entgegensetzt, war Johannes durch die Vorstellung, daß er von den Menschen verspottet und verachtet werde, gequält. — Seiue Einsie« delei war, wie gesagt, nicht weit von. der kleinen Stadt Marccna gelegen; so oft er also in dieselbe ging, sey eS um die heil. Sacramente zu empfangen und dem Gottesdienste beizuwohnen, sey eS auch um daS kärgliche Almosen', womit er sein Leben fristete, zu begehren, nnd so oft die Bewohner der Umgegend zu seiner Einsiedelei gelangten, kam es ihm vor, daß aller Augen auf ihn mit Verwunderung gerichtet seyen, und eS war ihm eine große Pein, von den Menschen für einen Schwärmer, Frömmler oder auch für einen Heuchler gehalten zu werden. Es war ein harter Kamps, aber vielleicht war er weniger gefährlich als jener, in dem so manche erliegen, indem sie dem eitlen Verlangen, durch außerordentliche Uebungen der Frömmigkeit sich vor den Menschen auszuzeichnen, nachgeben, und so der geistlichen Hoffart anheim fallen. Johannes bekämpfte seine falsche Scham mit großem Eifer und flehte mit heißen Thränen zu Gott, ihm beizustehen, daß er ihn vor den Menschen mit Freimuth bekenne, und eS nicht scheue, dessentwegen verachtet zu werden, der auS Liebe zu unS dem ganzen Volke zum Spott und Hohn geworden. Er obsiegte, aber erst nach langer Anstrengung. (Fortsetzung folgt.) Nur ein Traum Ein Geistlicher kam eines Tages in daS HauS einer vornehmen besreundeten Familie. Da fand er die Tochter des HauseS, ein blühendes, lebenslustiges Mädchen 238 von achtzehn Jahren, in sich gekehrt, den Kopf in die Hand gestützt, am Fenster stehen. Er fragte nach der Ursache ihrer Blässe nnd ihres Ernstes, nnd sie erzählte ihm folgenden Traum: »Ich befand mich in einem großen, prächtigen Saale voll glänzender Beleuchtung, lieblicher Wohlgerüche, bezaubernder Musik. Tanzende Paare schwebten durch den Saal, ich selber unter ihnen, voll Jubel und Lust. Draußen war eS Nacht und der Slurm schlug gegen die Fenster. Auf einmal war es mir, als schrillten die Töne wild durcheinander — der Boden wankte nnter meinen Fußen, die Kerzen flackerten hoch auf, beleuchteten mit grünem Schimmer leichenhafte Angestchter — und erloschen. ES war Nacht. Weiche Hände hoben und trugen mich, ich weiß nicht, wie lange. Endlich fiel eS mir wie Schuppen von den Augen, ich sah Licht, ein wunderbares klingendes Strahlenmeer. Auf einem mit Demanten besäten Throne saß Einer, dessen Angesicht ich nicht erkennen konnte. Ringsum standen leichte, blitzähnliche Gestalten in Gewändern weiß wie der Schnee, die mir zuwinkten nnd ihre Arme nach mir ausstreckten. Unter dem Throne aber entsprang ein Strom, klar wie Krystall. Unwillkürlich wendete ich meine Blicke hinab — ich erblickte mich selbst, aber mir schauderte. Immer unheimlicher ward mir zu Mnth. Das Licht blendete, aber wärmte mich nicht. Die Töne, die ich hörte, waren sanst und lieblich, aber sie machten mich schwermüthig. Viltre Thränen rollten mir aus den Augen. Wo bin ich? fragte ich angstvoll." „Du bist im Himmel," erwiderte eine sanfte Stimme. „Wer hat mich Hieher gebracht?,rief ich hastig. Ich kann hier nicht auShalte.i. Bringt mich wo anders hin! ......... Und ich war wo anders. Ich lag auf weichen Polstern in einem matt erleuchteten Zimmer. AnS der Ferne tönte das Schleifen des Tanzes, daS fröhliche Tosen der Musik. Eine unbeschreibliche Lebenslust ergriff mich. Magnetisch zog eS mich in die fröhlichen Reihen. .Ich erhob mich, ich riß die Thüre auf — da sah ich... mich selber bln'ch im Sarge liegen. Dumpf tönten zwölf Schläge.... ich erwachte." „Kalter Schweiß rann von meiner Stirn — ich lag in meinem Bett — eS war Mitternacht — der Himmel mit unzählichen Sternen fchante in mein einsames Schlafgemach. Gott sey Dank, ich hatte nur geträumt!......." !M „Nur geträumt!" erwiderte der Geistliche nach einer P,mse. „Freilich, Träume sind Schäume," fuhr sie fort, „doch kommt mir dieser Traum heut sehr ungelegen. Ich fürchte, er wird mir den ganzen Abend verderben." „So gehen Sie heule noch in Gesellschaft?" ^ „Freilich, aber bloß zu einem kleinen Familienlall, bloß auS Rücksichten____ Sie halren doch das Tanzen an sich nicht für Sünde?" „An sich nicht," versetzte der Gnstliche, „Aber Sie wollen heut tanzn» ?" „Natürlich," — antwortete sie etwas gereizt. „Ich muß ja wohl — mein Balcr DWihtA?S "7nk'!,n ,,!chii,H n;ntt M chii» ?,m?Ä. mA'smtzz'i Zn«lln;guvlctnv<^ . Die Secten in Nordamerika «Ii^M'Mici! ,t»-!? zur Würde einer Metropolitankirche erhoben. — Kurz darauf erneuerte sich das griechische Schisma unter dem gottlosen Michael CerulariuS; — und weil Rußland mit Konstanrinvpel, dem eigentlichen Herde des SchiSmaS, in naher Verbindung stand, mußte nothwendig das von dem aufrührerischen Patriarchen von Konstantinovcl gegebene Aergerniß sehr verderblich auf die russische Kirche einwirken und dieselbe mit in das Schisma verwickeln. Dennoch aber hat die russische Kirche ihre Einheit mit der römischen länger erhalten, als ihre Schwester, die griechische. Der fünfte Metropolit von Rußland, der sanfte Hilarion, der zur Zeit des abtrünnigen CerulariuS der russischen Kirche vorstand, war auf dem Concil zu Kiew von den russischen Bischösen ohne alle Mitwirkung des Patriarchen zu Konstantinopel gewählt worden. Er, so wie die fünf folgenden Metropoliten, bis auf Nikolaus I. (W96 bis 1106), waren, obschon Griechen, dennoch dem griechischen Schisma des Michael CerulariuS fremd und bekundeten dagegen eine innige Freundschaft mit der Kirche von Rom und ihrem Oberhaupte. Daher nahmen auch die päpstlichen Gesandten, der Cardinal Hubert, und Petrus, Erzbischof von Amalphi, nachdem sie im Jahre 1054 den CerulariuS in Kvnstautinopel öffentlich seiner Vcrrnchtheiten überwiesen und ihn rrcommunicirt hatten, dann aber vor dem Wütherich die Flucht ergreifen mußte», ihren Weg durch Rußland, wo sie die gastfreundlichste Aufnahme fanden. In die Zeit der völligen Einheit der russischen mit der lateinischen Kirche fällt nun auch die Abfassung aller Kirchenbücher, deren sich die russische Kirche beim Gottesdienst im Ganzen noch bis auf den heutigen Tag bedient. Viele derselben sind von Männern verfaßt, die ganz mit der römischen Kirche vereint waren, und von ihr zu dieser Arbeit sogar den Auftrag erhalte» hatten. So ist daö große Menäum der russischen Kirche, eines der Hauptbücher des öffentliche» Gottesdienstes, welches die Gebete und Gesänge und Ceremonien für alle Sonn- und Festtage des Jahres enthält, vom heil. Cyril, dem Bruder des heil. Methodius, die beide zu Rom starben und die Apostel der Slaven und Bulgare» waren, versaßt worden. Wegen der i» der ersten Zeit »och immer bestehenden Einheit der russischen Kirche mit Rom nahm auch der mächtige Großsürst Jsäslaw, um sich gegen seinen blutdürstigen Bruder im Besitze des Reiches zu erhalte«, seine Zuflucht znm Papste Gregor VII. und flehte ihn in seiner Bedrängniß um Schutz und Hülfe an. Der Sohn des Großfürsten kam selbst nach Rom und trug dem Papste demüthig des Vaters Bitte vor. Gregor nahm sich mit aller Liebe und Wärme deS bedrängten Großfürsten an. Unverzüglich sandte der Papst seine Gesandten ab und stellte die Eintracht zwischen dem Großfürsten und seiuem unwürdigen Brnder wieder her, so zwar, daß Jsäslaw bald wieder in sein väterliches Erbe zurückkehren kounte. Gregor VII. begleitete den juugm Herrschersohn mit einem rührenden nnd väterlichen Schreiben vom 15. April 1075, in welchem er ihm im Namen des Apostelsü-sten PetrnS die Herrschaft über Rußland ertheilt, mit dem Wunsche, daß dieser ihn uud seinen Vater sammt ihrem Reiche durch seine mächtige Fürbitte bei Gott beschütze, sie im Besitze deS Reiches bis an ihr Ende glücklich erhalte und nach vollenderein Leben ihnen eben so beim König deS Himmels die ewige Glorie erflehen wolle. Der Papst versicherte serner beide seines Wohlwollens und verheißt ihnen in allen gerechten Gesuchen seine und deS heiligen apostolischen Stnhles wirksame Hülfe und Verwendung. — In derselben Zeit, wenige Tage nachher, erließ Gregor VII. gleichsalls an den mächtigen Polenkvnig BoleSlav I. ein Schreiben, in welchem er ihn auffordert, dem König der Russen mit aller Liebe zu begegnen nnd ihm die entrissenen Schätze zurück zu erstatten. Diese Einheit der russischen Kirche mir der lateinischen hat sich unter manchem Wechsel und Schicksal bis in'ö fünfzehnte Jahrhundert erhalten. Die Spuren von einem durchgreifenden Schisma zwischen beiden Kirchen sind selten und lassen sich nur in einzelnen Männern nachweisen. Russische Gelehrte und hochgestellte Männer, sowohl im Klerus als im Staate, haben alles Mögliche aufgeboten, um das Schisma ihrer Kirche fo viel wie möglich in die früheste Zeit hinauszusetzen. Doch die dafür 243 < vorgebrachten Beweismittel sind größtentheilS unterschoben, verfälscht und in späteren Zeiten, wo der Haß der griechischen Kirche gegen die lateinische leider anch auf die ssische übergegangen war, verfaßt. Vor dem Jahre 1118 läßt sich mit Sicherheit keine Spur von einer Trennung der russischen und römischen Kirche nachweisen. Um diese Zeit war Nieephör I. Metropolit von Rußland. Er richtete ein Sendschreiben an den Großfürsten Wladimir II. unter dem Titel: „Ueber die Lateiner und ihre Trennung von der morgcn- ländischen Kirche." Nicephor war ein gcborner Grieche, im Jahre 1106 vom Patriarchen von Konstantinopel zum Metropoliten von Rußland geweiht, und hatte hier jenen traurigen Haß gegen die römische Kirche eingesogen, den er später auch in die russische Kirche zu verpflanzen bemüht war. — Jedoch nahm der russische KleruS nicht allgemein Antheil an dem feindlichen Geiste deS abtrünnigen Metropoliten. Denn lateinische Priester wirkten und arbeiteten noch immer ungestört an der Seite russischer Priester. Verehrt doch heute noch die russische Kirche den frommen Mönch Anto- 'niuS, der Römer genannt, der von Lübeck auö nach Rußland gekommen war, das nach ihm benannte AntoniuSkloster ungefähr zwei Werstc von Nowgorod gründete und von dort auS mit den Seinigen unermüdlich für die Ausbreitung des Christenthums wirkte. Die russische Landeskirche und die rnthenisch - um'rte feiert das Andenken dieses großen Dieners Gottes am 6. August. AntoniuS starb 1147. Sein Kloster har den Stürmen von sieben vollen Jahrhunderten getrotzt und segensreich gewirkt bis auf unsere Tage. Wie man von Konstantinopel auS, angetricben von Haß und Leidenschaft gegen den Primat, immer auf die LoSreißung der russischen Kirche von der römischen hinarbeitete, so waren die Päpste unermüdlich thätig für die Erhaltung der Einheit, Sobald sich irgend ein Hoffnungsschimmer zeigte für die Aussöhnung und Wiedervereinigung mit Konstantinopel, suchte man auch Rußland znr Einheit zurückzuführen. — Als der große Papst Jnnocenz III. so glücklich war, den griechischen Kaiser Ale- riuö nnd den Patriarchen von Konstantinopel Johannes LomateruS im Jahre 1201 mit der römischen Kirche zu vereinen, schickte er auch seine Legaten nach Rußland, und lud die Prälaten dieses Landes in liebevollster Weise zur Aussöhnung uud Wiedervereinigung ein. In seinem Sendschreiben gedenkt der Papst der strengen Züchtigung uud Noth, welche über das griechische Kniserreich gekommen ist, mit folgenden Worten: „Und wer weiß, ob sie nicht wegen ihrer Rebellion nnd ihres Ungehorsams bestraft und zur Beute geworden, auf daß ihnen die Noth Verstand leihe, und sie jenen im Unglück erkannten, den sie im Glücke nicht kennen wollten. Deßhalb, theuerste Brüder und Söhne, schicken wir euch unsern geliebten Sohn, den Cardinal Wilhelm, einen gelehrten, tugendhasten, weisen und umsichtigen Mann, der wegen seiner großen Verdienste meine und meiner Brüder Achtung besitzt, auf daß er die Tochter zur Mutter und das Glied zum Körper zurückführe, uud der auch von mir alle Vollmacht erhalten, auszurotten und zu zerstören, anzubauen und zu pflanzen, was er nur immer in euren Gegenden gut befinden wird," Jetzt entwickelten auch die beiden neuen Orden, die Gott der Kirche durch den heil. Dominikus und Franciskus gegeben-- hatte, eine besondere Thätigkeit in Rußland. Vorzüglich wirkte der heil. Hyacinth Odrowaz, einer der ersten und würdigsten Jünger des heil. DominikuS und der größ e Wnnderthäter seines Jahrhunderts, unermüdlich für die Verbreitung der katholischen Kirche in Rußland. In Kiew fand er mit seinen drei Ordensbrüdern, Godin, Florian und Venedikt, die freundlichste Aufnahme, verweilte daselbst vier volle Jahre seit 1222 bis 1227 und gründete das schöne Kloster znr heil. Jnngsrau, dessen Leitung bei seiner Abreise Godin übernahm. Durch seine Worte und Wunder belebt, nahmen viele Priester zu Kiew, die natürlich alle der griechischen Kirche angehörten, das Kleid deS neuen und um die Kirche bald hochverdienten Dominikanerordens. — — Um diese Zeit waren auch vom heil. Stuhle mehrere FranciSkaner zu den Tartaren gesendet worden, um sie znm Christenthum«: zu bekehren. Sie nahmen ihren Weg über Masovien 244 und Volhynien. In Wladimir, der Residenzstadt, hatten sie mit dem Fürsten Daniel, den Bischöfen und Bojaren deö Reiches mehrere Unterredungen. Alle zeigten sich geneigt, den Papst als ihren Herrn und Vater anzuerkennen und die römische Kirche als ihre Mutter und Lehrmeister«!, Daniel ließ sofort seine Gesandten mit Briefen an den Papst abgehen, um die Vereinigung der russischen Kirche mit der römischen zu betreiben, »l>d Jnnocenz IV, sandte darauf mit den nöthigen Vollmachten den frommen und gelehrten Minoritcn Johann von Carpino nach Wladimir, Daniel und sein Bruder Wassilko vereinigten sich mit der katholischen Kirche. — Die FranciSkaner arbeiteten unermüdlich in den russischen Staaten, lehrten, katechi- sirten und tauften die Gläubigen, ohne auch nur den geringsten Widerstand seitens des russischen Landes-KleruS zu finden. Die mit großer Mühe zu Stande gebrachte Einheit suchten die beiden ränkevollen Metropoliten Pimen und Photias wieder zu zerstören. Pimen wnrde aber wegen seiner Schlechtigkeit auf einem Concil feierlich abgesetzt nnd ende«e im Jahre 1389 sein Leben im Gefängniß. Sein Nachfolger aber, Cyprian, war ein anfrichtiger Freund der römischen Kirche; zu seiner Zeit traten alle russischen Bischofsstühle Lithauens zur Union über — Bald jedoch drohte der Same des SchiSmaS, welchen Pimen unter den KlernS ausgestreut, den aber Cyprian gleich bei seinem Auskeimen erstickt hatte, neue Wurzel zu fassen. Zum Unglück für die russische Kirche bestieg wieder der herrschsüchtige Grieche, PhotiaS, durch die unerlaubtesten Mittel und ehrlosesten Handlungen den Mctropolitenstuhl. Er war cin schlauer, unternehmender, und mehr für weltliche als kirchliche Angelegenheiten besorgter Mann, und dabei ein geschworner Feind der römischen Kirche. Seine hohe Würde diente ihm nur dazu, um seinen Schatz durch die widerrechtlichsten Mittel zu fülle»; er erlaubte sich Erpressungen und Gewaltthätigkeiten aller Art gegen Klcruö und Volk, Als aber das Maaß der Bosheit voll war, wurde Photiaö auf einer Versammlung zu Kiew im Jahre 1414 wegen seines Hochmuthes und wegen der schmutzigsten Habsucht seiner Würde entsetzt. In dieser Zeit wurde auch der Metropolitenstuhl von Rußland in den von Kiew und Moskau getrennt; der erstere regierte die im Süden, der letztere die im Norden di'es>S Reiches gelegenen Bisthümer. Mehr aber als bei allen frühern Versuchen schien die Aussöhnung der griechischen und lateinischen Kirche durch die Bemühung des PapstcS Eugen IV, auf dem Concil zu Florenz im Jahre 1438 — 39 zn Stande zu kommen. — Der edle Patriarch Joseph zu Konstantiiiopel war von dem ansrichtigsten Wunsche der Vereinigung durchdrungen und suchte deßhalb zugleich die russische Kirche für die vollständige Aussöhnung zu gewinnen. Er ernannte daher, weil die Stühle zu Kiew und Moskau durch den Tnd deS Photias und Gerassim erledigt waren, den eben so gelehrten als frommen Jsidor, den er selbst zum Bischof geweiht hatte, zum Metropoliten von ganz Rußland, sowobl für Kiew, als Moskau. Jsidor begab sich im Frühjahr 1437 nach Moskau, wo ihn der Großfürst mit allen Auszeichnungen und Ehren auf daS liebevollste aufnahm. Im Einverstäiidm'ß mit dem Patriarchen von Konstantinvpel suchte er den Großfürsten zum Beitritt zur Union zn bewegen, und bat sich von ihm die Erlaubniß ans, dem allgemeinen Concil beizuwohnen, welches vom Papste in Ferrara zur endlichen Vollbringung dieses langersehnten Werkes gehalten werde, Jsidor verließ, da ihm der Großfürst, wenn auch ungern, die erbetene Erlaubn,') ertheilt hatte, am 8. September 1437 Moskau und langte in Begleitung eines glänzenden Gefolges von Geistlichen, Bojaren und andern Großen deö Reiches, über hundert an der Zahl, am 18. August 1433 in Ferrara an. Der griechische Kaiser und sein Sohn, der Thronerbe, der Patriarch von Konstantinvpel nnd die übrigen Metropoliten, Erzbischöfe, Bischöfe und Archimandriten waren bereits mit einem glänzenden Gefolge von 753 Personen im Monat Februar und März dieses JahreS in Ferrara eingetroffen, und wurde vom Papste, dem deutschen Kaiser Albrecht von Oesterreich, den Cardinälen, Bischöfen und mehreren Fürsten des Abendlandes mit ungewöhnlicher Pracht 245 empfangen. Gleiche Ehrenbezeigungen erhielt auch Jsidor mit den Seinigen. — Wegen der Pest mußte das Concil von Ferrara nach Florenz verlegt werden; in Florenz wurden aber sofort die Sitzungen wieder eröffnet, die vom 26. Februar bis zum 26. Juni 1439 dauerten, an welchem Tage die Union beider Kirchen zu Stande kam. Um dieses glückliche Ereigniß durch eine große Feierlichkeit zu verewigen, wurde die Union erst am Tage der heil. Apostelfürsten Petrus und Paulus bekannt gemacht. Der Papst selbst hielt daS feierliche Hochamt und nachdem es geendet und die übliche» Gcbeie und Danksagungen für den glücklichen Ausgang des Concils verrichtet waren, läS der Cardinal Julius Cäsarini, Bischvs von Sabina, das Unionödecret in lalcinischer und Bessarion in griechischer Sprache vor. In heiliger Freude und Danlbarkeit verließen die versammelten Väter Florenz. Papst Eugen IV. hatte mit einer Großmuth, die keine Gränzen kannte, und sein Privatvermögm und die Schätze deö Staates überstieg, alle Auslagen gedeckt, die nur immer zu einem so langen Unterhalte einer so glänzenden und zahlreichen Versammlung nöthig waren, so zwar, daß er am Ende seine kostbare Jusul dem Herzog Cosimo verpfänden mußte. Der Kaiser und sein zahlreiches Gefolge war aus Kosten deS Papstes gekommen und kehrte wieder auf dessen Kosten zurück. — Jsidor von Kiew und Moskau, den gleichfalls der Papst für seine Bemühungen, da er auf dem Concil neben Bessarion die ausgezeichnetsten theologischen Kenntnisse entwickelt und den größten Eifer für die Union erwiesen, vielfältig ausgezeichnet und in einer Bulle vom 17. August 1439 zum päpstlichen Legaten g Istere für Lithauen, Livland und Rußland, und am 4. December desselben JahreS gemeinschaftlich mit Bessarion zur Cardinalwürde erhoben hatte, kehrte hocherfreut über die geschehene Vereinigung nach Nußland zurück. Wenn nun aber, ungeachtet aller Opfer, Mühe und Arbeit seitens der römischen Päpste, dennoch später das Schisma in der ärgerlichsten Weise sich erneuerte, so fällt die ganze Schuld dieser fnrchibaren Sünde allein auf Rußland zurück. — Der eifrige Papst Eugen IV., so wie seine Vorgänger und Nachfolger konnten der ganzen ge> trennten griechischen Kirche und ganz Rußland mit vollem Rechte die Worte deS Erlösers zurufen, die er weinend über Jerusalem sprach: „Jerusalem, Jerusalem, die du tödtest die Propheten und steinigst, die z» dir gesandt werden! Wie oft habe ich deine Kinder versammeln wollen, wie eine Henne ihre Küchlein versammelt unter ihre Flügel! Und du hast nicht gewollt." Matth. 23, 37. Wer wüßte nicht, daß auch die hinzugefügte Drohung des Herrn: „Siehe, ener HauS soll euch wüstc gelassen werden" — an Rußland in Ersüllung gegangen? (Mimst. S.-Bl.) Leben des ehrwürdigen Johannes Grande. (Fortsetzung.) II. Johannes widmet sich der Uebung der Barmherzigkeit. Als Johannes eines Tages vl'n seiner Einsiedelei in die Stadt ging, sah er zwei Bettler krank am Wege liegen. Der Anblick dieser in ihrem Elende von Allen Verlassenen durchschnitt ihm daS Herz, uud er fühlte sich mächtig angetrieben, aus allen Kräften ihnen beizustehen. Er suchte und fand für sie ein Obdach, uud trug sie auf seinen Schultern hin. Dann eilte er in die Stadt, um milde Gaben zu sammeln, und kehrte zurück, um seine Kranken mit aller Liebe und Sorgfalt zu pflegen. ES kamen bald noch andere, die derselben Hülfe bedürftig waren, und Johannes »ahm sich ihrer mit gleicher Theilnahme an. — Er fand in dieser Uebung der Barmherzigkeit, durch welche er denjenigen, der unsere Schwächen und Krankheiten auf sich nahm, nachahmen konnte, vielen Trost und eine heilige Freude. Aber auch die Ruhe, mit welcher er bis dahin in seiner Einsamkeit der Betrachtung himmlischer Dinge 246 und der Sorge für seine Seele obgelegen, schien ihm überaus kostbar. Er fürchtete, daß die Nähe der Menschen und der Verkehr mit ihnen, die mancherlei Sorgen und Beschäftigungen, denen er sich in einer solchen Lebensweise unterziehen mußle, der Reinheit seine Seele gefährlich werden und ihn des Umgangs mit Gott beraube» möchten. Indessen wußte er wohl, daß die Wege, auf welchen Gott seine Diener führt, verschieden sind; daß jene, die Er zur Thä'igkeit unter den Menschen beruft, durch seinen Beistand auch inmitten äußerer Beunruhigung den Frieden der Seele und den Geist deS GebeleS bewahre!, können: und daß diejenigen, welche Er in die Einsamkeit führt, auch in ihrer Abgeschiedenheit nicht aufhören, durch ihr Gebet-, ihre Buße unv alle gute» Werke den Nächsten znm Heile zu leben, Alles kommt »ur darauf an, daß wir in der Wahl deS WegeS, den wir gehen, durch den Geist Gottes geleitet werden. Daher war denn auch Johaimcs, seildem diese Zweifel seine Seele beunruhigten, auf nichts so sehr bedacht, als durch heißes Gebet und Ucbnnz frommer Werke sich Licht von ode» zu erwerben. Es warv ihm gegeben, und zwar auf solche Weise und in solchem Maaße, paß ihm kein Zweifel übrig blieb, er sey berufen, unter seinen Mitmenschen zur Linderung ihres mannigfaltigen Elenvs zu wirken, Statt sich also, wie er gesonnen gewesen war, noch tiefer in die Einsamkeit zu begebe», und, wo möglich, vor der Menschen Augen ganz zu verbergen, begab sich nun Johannes in die volkreiche Stadt Xerez ans der Gränze Andalusiens an der Meereöenge von Gibraltar gelegen. Als er derselben ansichtig wurde, fühlic er seine ganze Seele von tiefem Frieden und süßem Troste erfüllt; er wußte, daß Gott diese Stadt zum Schauplatz seiner Wirksamkeil bestimmt hatte, und zweifelte nicht, daß sein Wirken voll Mühe und Leide» seyn werde; aber im Gefühle jenes Friedens schien sein Kampf ihm schwer Ehe er jedoch seinem neue» Berufe gemäß thätig zu seyn t'egann, gestaltete Gott nochmals dem Versucher, sich ihm zu nähern. Johannes ward plötzlich von einer hefligen Traurigkeit und großem Wiverwillen an allem, was er unternehmen sollte, befallen; es kam ihm vor, als habe er den Weg verloren und irre weit von Gott in der Finsterniß umher- Nach langem Gebete cillc er in die Kirche der Franziskaner und eröffnete einem dieser Väter seinen ganzen Seelenzustand. Derselbe ermähnte ihn, an der Wahrheit deS Berufes, den er glaubte von Gott empfangen zu haben, nicht zu zweifeln, und ihm trotz der innern Pein, die bald vorübergehen werde, zu folgen. Jed.ch rieth er ihm, für jetzt statt der Kranken ver Gefangenen sich anzunehmen. Johannes war folgsam, und ohne Verzug begab er sich in das Gefängniß, um die Ausscher zu bitten, daß es ihm erlaubt sey, die Gefangenen zu besuchen nnd ihr Elend durch Gaben, die er für sie sammeln w-rde, zu mildern. ES ward ihm gestattet, und noch nicht lange hatte er unter diesen Unglück, liehen auf jene Weise gewirkt, als er auch schon das Vcrlrauen der Wärter sich in hohem Grade erworben hatte, daß er nun nicht mehr bloß nach Wohlgefallen ein- und ausgehen, sondern anch ii» Gefängnisse selber wohnen durfrc, damit er nämlich bei Tag und Nacht, sobald irgend ein Vorfall seine Hülfe fordere, in der Nähe sey. Wie war er nun bemüht, daS Tagwerk, das Gott ihm angewiesen, mit Eifer zu vollbringen! Zuerst trachtete er durch Liebe und Theilnahme sich das Zutrauen dieser Unglücklichen, die von der menschlichen Gesellschaft verstoßen, ihre Tage in finsterer Traurigkeit verleben, zu gewinne». Er brachte ihnen e>fc Erquickuugen und erwirkte nicht selten irgend eine Linderung ihres Looseö, So öffnete er sich den Weg zu ihrem Hcrzcu, und die Worte des Trostes und der Hoffnung, die er sprach, fanden Eingang. Er belehrte sie, in der Strafe, die übrr sie verhängt war, eine barmherzige Fügung GotlcS zu erkennen, der sie nämlicki in diesem Leben strase, um ihrer in der Ewigkeit zn schonen; er ermähnte sie, die Zeit, die Golt ihnen gegeben, in sich zu kehren, nicht unbenutzt zu lassen, unv durch die Demuth und Geduld, womit sie, lemer Fügung sich unterwerfenihr hartes Schicksal ertrügen, seiner Gnade sich wieder würdig zu machen, und so sich den Weg aus dem Kerker in den Himmel zu eröffne». Bei vielen verfehlten so liebevolle und vem Werken der Tugend begleitete Wvrte ihre Wirkung nicht; aber es gab auch manche verhärtete Seelen, die gegen alle Vorstel- 247 ZliNiVt ti^InlÄ^ ^ 6 no<' ^56 ci>il Il>im ^töit!» v^m c»t1^>s^Ilri lungen gleichgültig, durch den frommen Liebeseifer unseres Johannes nur dazu bewogen wurden, daß sie immer größere Unterstützung von ihm, nicht anders, als gebührte sie ihnen, mit Ungeduld nnd Frechheit begehrten. Sie lohnten dem gottesfürchtigen Jüngling seine Liebe mit Ausbrüchen roher Leidenschaft, und die sanfte Gelassenheit, die er diesen entgegensetzte, reizte sie, mit um so größeren Ungestüm über ihn herzufallen. Nicht selten wurde JolmnueS an dem Orte, wo ihn nur das Verlangen, wohlzuthun, festhielt, nicht nur beschimpft, sondern auch mit Fäusten geschlagen und mic Unralh beworsen. Aber weder der Undank dieser Verbrecher, noch die Beschwerden des Dienstes, den er übernommen, noch mich der widerliche Ansenthalt deS Ortes, den er znr Wohnung gewählt, besiegten seine Liebe. Ein Blick aus den Heiland, der von dem Volke, unter dem er wohlthuend umhergewandelt, gegeißelt und mit Dornen gekrönt, aus der Stadt geschleppt und an's Kreuz geschlagen wurde, genügte, die Ruhe seiner Seele zu bewahren, und sich deS kostbaren Schatzes, der in Mühsalen und Verdemüthigungen verborgen ist, zu erfreuen. Er lag aber anch mitten unter diesen seinen Arbeiten und trotz so vieler beunruhigender Vorfälle dem Gebete mit standhaftem Eifer ob, und war in demselben so gesammelt, daß ihm Stunden wie Augenblicke verflossen. Drei Jahre hatte Johannes auf solche Weise zugebracht, und eS scheint, daß sie die Probezeit waren, in der er für seinen eigentlichen Berns sollte vorbereitet werden. Sein Leben unter den Gefangenen war eine beständige Uebung der Demuth und Selbst- verläugnung, und in diesen Tugenden mußte er wohl begründet seyn, um ohne Gefahr die öffentliche Wirksamkeit, die ihm bestimmt war, beginnen zu können. Nach Ver- fluß jener drei Jahre wurde er durch ein himmlisches Gesicht aufgefordert, das Gefängniß zu verlassen und in das Krankenhaus zu gehen, um den Vorstehern desselben seine unentgeldlichen Dienste anzubieten. Johannes gehorchte; aber er hätte keinen unglücklicheren Zeilpunct für ein solches Vorhaben wählen können. Denn es war kurze Zeit vorher ein Mensch in Zcerez gewesen, der im Namen des heil. Johannes von Gott Gaben der Liebe zur Pflege armer Kranken sammelte. Er halte sich mit vieler Kunst den Schein großer Frömmigkeit gegeben, und der Name jeneö Heiligen, dessen Orden eben damals sich auszubreiten begann, war in Lerez, wie in ganz Spanien in hoher Verehrung. So flössen also jenem Fremden die milden Gaben reichlich zu. Nachdem er nun eine bedeutende Summe zusammengebracht, entfloh er mit derselben , die Krankn: der Stadt ohne Unterstützung lassend. Der Arm der Gerechtigkeit erreichte ihn jedoch, und er büßte seinen Frevel mit schimpflichem Tode. Ein solches Beispiel von Heuchelei erregte gegen Johannes Anerbieten Verdacht. Mit Schwierigkeit gestattete man ihm, die Kranken zu oedienen und für sie Unterstützungen zu sammeln, und mit großem Mißtrauen beobachtete man alle seine Schritte. Aber dcr Pöbel der Stadt halte keine Geduld, durch solche Beobachtung erst zu erforschen, ob sein Verdacht gegründet sey. Noch voll Erbitterung über jenen Heuchler brach er über Johannes ohne weiteres den Stab. Man schrie ihm auf dcr Straße nach und erklärte ihn desselben Verbrechens und derselben Strafe schuldig. Der Diener Gottes ließ sich indeß nicht irre machen. Er kannte ja bereits durch lange Erfahrung, wie kostbar die Schmach und Verfolgung ist, die man in der Nachfolge Christi findet; und da er in nächilichem Gebet hierüber noch größere Erleuchtung cmpfing, erglühte seine Seele vom Verlangen, mehr und immer mehr Unbilden um Christi willen zu erdulden. Es wurde ihm bald Gelegenheit dazu geboten. Ein Hanfe roher Menschen umzingelte ihn, man weiß nicht, ob auf besondere Veranlassung, oder nur wegen des erwähnten Verdachtes. Sie überschütteten ihn mit Verwünschungen und Schimpsreden, drangen dann auf ihn ein, und als ergrimmten sie über die ruhige Geduld, mit welcher der fromme Johannes sie ohne allen Widerstand gewähren ließ, schlugen sie ihm in's Angesicht, warfen ihn endlich zu Boden und stampften ihn voll Wuth und Verachtung mit Füßen. Ohne einen Laut der Klage und ohne ein Zeichen des Zornes ertrug er alleS. Indessen bewirkte eben der Verpacht, der auf ihn gefallen war, daß seine Tugend von dem besseren Theile der Einwohner der Stadt erkannt ward. Denn je sorg« 248 faltiger man ihn beobachtete, desto mehr mußte man sich bald von der Reinheit seiner Absichten und der Aechtheit seiner Frömmigkeit überzeugen. Schon hatte er sich also das Vertrauen vieler und angesehener Bürger erworben, und die Gaben, womit er seinen Kranken Erquickimg verschaffte, wurden ihm immer bereitwilliger gewährt. Da brach eine andere Verfolgung, die ihn viel schmerzlicher berührte, aus. Die in dem Krankenhause, worin er sich aufhielt, angestellten Wärter waren keineswegs von jenem Geiste uneigennütziger Liebe, der den frommen Johannes erfüllte, beseelt. Sie vernachlässigten ihren Dienst, behandelten die Kranken mit Härte, und verwendeten nicht immer mit Treue,, was zur Pflege derselben bestimmt und ihnen anvertraut war. Johannes machte ihnen zuweilen liebreiche Vorstellungen, aber viel mehr noch als seine Worte war sein Thun und Wirken unter den Kranken eine Strafpredigt, die sie nicht länger ertragen konnten. Sie beschlossen, sich seiner zu entledigen, und es gelang ihnen. Johannes erhielt eines TageS von den Vorstehern des SpitalS die unerwartete Weisung, daß ihm der Zutritt in die Krankenzimmer nicht serner könne gestattet werden. Tiefer als jede andere Kränkung mußte er diese Maaßregel empfinden. Sie sonderte ihn von seinen geliebten Kranken und schien ihn mit einemmale aller Mittel zu berauben, seinem Berufe zu leben. Aber eS war nicht so. Gott hatte diese Verfolgung mir zugelassen, um ihm einen viel größeren Wirkungskreis zu eröffnen. (Fortsetzung folgt.) Ein GlaubenSbekeuntniß am Sterbebette. Ein vornehmer Beamter, der in seinem Glauben und in seinen religiösen Ansichten eben so tief gesunken war, als er in seiner amtlichen Stellung hoch gestanden, machte fich'S znm angelegentlichsten Geschäfte, selbst auch in Gegenwart seiner häuslichen Umgebung über Glauben und Religion tüchtig loszuziehen und zu zeigen, daß er eine unbesiegbare Verachtung gegen alles das im Herzen trage, was Gott und Religion betrifft. Wunderbar genug: der allweise Gott hatte diesem Freigeiste eine wahrhaft brave Katholikin, ein Muster wahrer Tugend und Frömmigkeit, zur Gemahlin gegeben. Doch sie vermochte nichts gegen den Unglauben ihres ManneS. Da erkrankte auf einmal das einzige Kind, welches der Himmel diesem Ehepaare geschenkt, ein achtzehnjähriges Mädchen voll guter Eigenschaften. Mit sorgsamer Pflege hatte sie ja die edle Mutter sür Religion und Tugend herangebildet, allein auch die gottlosen Grundsätze des irreligiösen Vaters hatten im jugendlichen Herzen hin und wieder Anklang gefunden, und wären vielleicht unter dem schlimmen Einflüsse der argen Welt alsbald über die besseren Gesinnungen, die ihr die liebende Mutter eingepflanzt hatte, Herr geworden, wenn nicht der himmlische Gärtner sich frühzeitig um diese zarte Blume umgesehen hätte. Mit jedem Tage drohte die Krankheit des Kindes gefährlicher zu werden, und schon schien kein Mittel zur Rettung mehr vorhanden: da saß denn eines TageS der besorgte Vater mit nassen Augen am Krankenbette des theuren Mädchens und pflegte seiner mit väterlicher Theilnahme und troa> nete eben den Angstschweiß von der bleichen, kalten Stirne der geliebten Tochter, — als sich daS gute Kind aufrichtete, dem Vater starr in'S Auge blickte und ernsten ToneS zu ihm sprach: „Vater, ich fürchte — daß mein Ende naht; — ich muß Dich jetzt noch um Etwas fragen. — Sag' mir einmal — was muß ich nun glauben — das, was Du mich gelehrt oder was meine Mutter mich zu glauben lehrte?" — Wie ein Blitzstrahl fuhrS durch die Seele deS überraschten Vaters, er senkte seinen Blick und sprach: „Kind! glaube fortan nur, was deine fromme Mutter dich gelehrt hat." Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. Verlags - Inhaber: F. C. Krem er. Vr-yehnter Jahrgang. Sonntags-Beiblatt zur Augsburger PoAzeitung. 7. August. SS. 1853. Diese« «latt erscheint regelmäßig alle Tonntage. Der halbjährige Abvouemcntsvrei« kr., wofür e« durch all« köuial. baver. Postämter und alle Buchhandlungen bezogen werden kau». Die HeiltgthumSfahrt nach Aachen.*) Wer aus dem Innern von Deutschland nach Aachen kommt, glaubt die Gränze bereits überschritten zu haben; er befindet sich unter einer sehr beweglichen, aufgeweckten, lustigen Bevölkerung, in welcher der alte fränkische Charakter sich erhalten zu haben scheint, deren Mundart zwar die deutsche, aber von dem Fremden um so schwerer verstanden wird, da der eigentliche Laut der Wörter in dem singenden Ton, in welchem man sie spricht, nur von dem geübten Ohr leicht herausgehört wird. Kehrt man Hinzegen aus Frankreich und Belgien nach Deutschland zurück, so wird man umgekehrt, ehe man noch nach Aachen kommt, durch die Hügel, Gründe und hellen Bäche schon daran erinnert, daß man sich in Deutschland befindet, und Kalo fühlt man sich von der mannigfaltigen Schönheit der umgebenden Natur, von dem Reiz der Hügel, von dem Schmelz der Wiesengründe und dem frischen Hauch der Waldparn'en, von den kleinen Seen und den heißen und warmen Quellen zur Erinnerung an die Vorzeit abgelenkt. ' Hier in diesem frischen Wald- und Wiesengrund und in der Nähe der nun weltberühmten Heilquellen, deren Wirkungen bis dahin nur wenig bekannt gewesen zu seyn scheinen, war eS, wo Carl der Große sich den Platz zu seiner Lieblingsresidenz auswählte und ein zweites Rom als Mittelpunkt seines großen Reiches gründete, während daS alte Rom größerm Versall entgegenging. Die Prachtbauten des allen RomS: Forum, Theater, Wasserleitungen und Thermen wurden mit ausgesuchter Pracht ausgeführt, in ihrer Mitte erhob sich der kaiserlich« Palast, und dicht daran stoßend die große Reichscapelle, welche der heiligen Jungfrau gewidmet war, uno als deren Erbauer der Abt AasagiS von St. Vandrille genannt wird. Alle diese Bauten sind verschwunden, so daß eS schwer wird, nur noch irgend eine Spur davon zu entdecken. Nur die Reichöcapelle, das jetzige Münster, hat sich erhalten, und die tausend Jahre, die an demselben mit all den Stürmen, welche die Länder, über die Carl der Große geherrscht hat, erschüttert und aufgewühlt haben, sind, einzelne Anbauten abgerechnet, so spurlos an demselben vorübergegangen, daß — wenn der Baustyl uns nicht widersprechen würde — man glauben könnte, man stehe in einem Dom, dessen Bau den jüngern Zeilen angehöre. Carl der Große bemühte sich, dem neuen Bau alle Pracht zu verleihen, die in seiner Zeit möglich war; nicht bloß die alten römischen Denkmale am Rhein mußten das Baumaterial — Säulen und Marmor— zu demselben hergeben, selbst von Ra- venna und Rom wurden antike Marmorsäulen zum Bau dieses christlichen Denkmals herbeigeführt. Diese Säulen wurden durch die französischen Eroberer nach der Hauptstadt Frankreichs abgeholt; nach der Befreiung Deutschlands kehrten die meisten von Paris nach Deutschland zurück, die schönsten aber und werthvollsten sind zurückgeblieben. *) Allg. Z. 25tt Im Jahr 804 wurde die Kirche eingeweiht. Die Feier mochte zu den imposantesten gehören, die man in dieser Art bis dahin diesseits der Alpen gesehen hatte. Die Einweihungsceremonie wurde von dem P.^pst Leo vollzogen, der von einer großen Anzahl Würdenträger der römischen Kirche begleitet war; nicht weniger als 365 Erzbischöse und Bischöfe und eine sehr große Anzahl von Herzogen, Fürsten, Grafen und Baronen aus allen Theilen deS unermeßlichen Kaiserreichs erhöhten durch ihre Anwesenheit die Feier. Aber aller Schmuck, den die Architektur, die Plastik und Malerei gewährten, reichte nicht; es mußten noch Schätze anvcrer Art dazu komme», um dem neuen Dom einen höheren Werth zu verleihen: es waren viescs Reliquien, deren Werth die Zeit nicht hoch genug schätzen konnte. Man kennt die Beziehungen, in welchen Carl nicht bloß zu dem Papst in Rom, sondern auch zudem byzantinischen Hof und selbst zu dem persischen König stand. Im Jahre 794 schickte der Papst Abgesandte an den Kaiser nach Aachen, welche ihm die Schlüssel zum Grab des heiligen Petrus nebst der römischen Stadtfahne überbrachten; im Jahr 798 sah Aachen die Gesandten der Kaiserin Irene und des Königs Alphons; sie brachten dem Kaiser Geschenke von der Beute, die man bei der Eroberung Lissabons den Mauren abgenommen hatte; im Jahr 800 übersandte Zacharias, der Patriarch von Jerusalem, Carl die Schlüssel zum heiligen Grab und zum Calvarienbcrg; im Jahr 802 traf eine Gesandtschaft des Königs von Persien, Harun al Raschioö, in Aachen ein, welche dem Kaiser reiche Geschenke überbrachte. Bei dem großen Werth, den der Kaiser auf den Besitz vou Reliquien legte, bei dem Ansehen, welches er allen diesen Fürsten gegenüber genoß, konnte cö ihm nicht schwer werden, in den Besitz der geschätztesten Heiligthümer zu gelangen. Der genannte Kalif Hanm al Raschid und der Patriarch von Jerusalem sind eS namentlich, von denen man nicht ohne Grund glaubt, daß durch ihre Vermittlung ver Kaiser in den Besitz der sogenannten großen Heiligthümer gelangt sey, welche seit undenklicher Zeit von sieben zu sieben Jahren dem Volk zur Verehrung öffentlich und unter großen Feierlichkeiten ausgestellt werden. Zu diesen großen Hciligthümern werden folgende vier Stücke gerechnet: 1. ein dunkelweißes Gewand der heiligen Jungfrau; 2. die Windeln des Heilandes; 3. jenes Tuch, in welches der Körper des heiligen Johannes des Täufers nach seiner Enthauptung eingewickelt worden; und 4. das Lcndentuch Christi. Alle sieben Jahre werden diese vier Gegenstände am Vorabend deö 10. Juli unter entsprechenden Feierlichkeiten aus dem kostbaren Kasten, in welchem sie aufbewahrt werden, herausgenommen, wobei nicht bloß die sämmtlichen Stiftsherreu, sondern auch die Mitglieder des Stadtraths als Zeugen erscheine». Sie werden dann sämmtlich in neue Seide gelegt, die alte Seive wird verschenkt unv hoch geschätzt Dann am Feste selbst, welches mit dem 10. Juli jedesmal beginnt und bis zum 24. dauert, werden sie täglich von der Galerie des Glockcnthurmes u. s. w. den taufenden von Gläubigen gezeigt, welche Straßen, Häuser, Fenster, ja die Dächer selbst bis zu der Dichtigkeit besetzt halten, daß die letzteren im Lauf der Zeiten mehrmals eingestürzt sind. "Die Anzahl der Menschen, die zu diesen Zeiten in Aachen erscheinen, ist so groß, daß sie nicht selten an's Unglaubliche gränzt. Hier sey nnr erwähnt, daß im Jahr 1499 der Andrang der Pilger so groß war, daß der Magistrat der Stadt sich in eie Nothwendigkeit versetzt sah, die Thore der Stadt schließen und diese nicht wieder, bis durch die Weggehenden Raum geworden, öffnen zn lassen. Insbesondere waren es die Ungarn, die trotz der großen Entfernung und der Mühseligkeiten der Rtise in Aachen bei diesen Festen nicht fehlten und in ansehnlichen Processtonen daselbst erschienen. Sie erfreuten sich besonderer Auszeichnungen; sie wurden abwechselnd von einzelnen Klöstern zur Tasel gezogen; drei Tage wurden sie von der Stadt bewirthet, am 11. Juli wartete der regierende Bürgermeister ia Person, an den beiden andern aber warteten die übrigen städtischen Behörden ihnen bei der Tafel auf. Dieses dauerte bis zum Jahr 1776, wo diese Procession durch den Kaiser Joseph der ungarischen Nation untersagt wurde. Außer den großen besitzt die Stiftskirche eine beträchtliche Anzahl kleinerer Reliquien; der Reichthum an denselben war früher noch größer als jetzt, da mehrereö nicht 251 mehr vorhanden ist, was früher hier aufbewahrt wurde. Diese kleineren Reliquien können nicht von der Galerie herab gezeigt werden, da kein Auge so fernsichtig seyn möchte, sie in solcher Höhe zu unterscheiden. Sie werden daher während der Heilig« thumSsahrt in der Sacristei, aber auch im Lauf des JahreS auf Verlangen den Fremden vorgezeigt; sie werden in kunstvoll gearbeiteten Kiftchen und Monstranzen ausbewahrt, die auch durch den Reichthum an kostbaren Steinen, Perlen und Gemmen einen hohen Werth erhalten. Zu diesen kleinen Heiligthümern gehören z. B. das silberne vergoldete mit werthvollen Steinen besetzte Brustbild Carls des Großen, in welchem der Schädel des Kaisers aufbewahrt und gezeigt wird; dann in einem silbernen vergoldeten Behälter ein Theil von einem Arm Carls des Großen. Die Einfassung besorgte Ludwig Xl., König von Frankreich. Außerdem bewahrt man das Jagdhorn deS Kaisers auf, welches aus Elfenbein gearbeitet ist. Neben diesen Ueberbleibseln eines großen Mannes zeigt man eincn reichverzierten Rcliquienbehälter in der Form einer gothischen Kirche, in welchem ein Stück von dem Rohr aufbewahrt wird, mit welchem Christus verspottet wurde; dann ein Stück des Schweißtuches, womit sein Angesicht im Grab bedeckt gewesen zc. Außer diesen Reliquien bewahrt die StiftS« kirche aber auch noch andere Gegenstände auf, welche neben dem kirchlichen ein künstlerisches oder antiquarisches Interesse in Anspruch nehmen. Hierher gehört eine antike Chorkappe von ganz eigenthümlicher Form, welche Papst Leo lll. bei der Einweihung des Münsters im Jahr 804 getragen hat; eine Kasel von Seide, mit welcher der heilige Bernhard von Clairvaur im Jahre 1146 bei seiner Anwesenheit in der Aachner Kirche bekleidet war; ein sehr kostbares Marienkleid, welches mit ungemein vielen ächten Perlen, mit 70 in emaillirtem Gold eingefaßten Diamanten, und ein gleiches Kleiv für das Jesuskind, welches mit 34 Diamanten besetzt ist. Beide werthvolle Stücke sind Geschenke der Jnsantin von Spanien, Jsabella Clara Euzenia; zwei Kronen von gediegenem Gold und reich mit Edelsteinen und Pcrlcn besetzt — Geschenke der Königin Maria Stuan; ein reich mit Gold gesticktes, mit Perlen besetztes Kleid für die heil. Maria und das Jesuskind; Geschenke Kaiser Josephs I.; eine Evangelicnkanzel, welche Kaiser Heinrich II., dann der bewundcrnSwerthe, große Leuchter über dem Grabe Carls deS Großen, den Kaiser Friedrich 1. dem Münster schenkte; der Krönungsstuhl, auf welchem die Leiche Carls des Großen 352 Jahre im Grab gesessen, und der seinen Namen daher erhielt, weil die neugekcönten römischen Kaiser ans demselben sitzend die Beglückwünschungen der Kurfürsten und der Großen deS Reichs entgegennahmen. Außer diesen Gegenständen bewahrt die Stiftskirche zu Aachen viele andere, welche auch von den Freunden der Kunst uud deS Alterthums mit Interesse und Besrievigung betrachtet werden. Die Aachener HetligthumSfahrt im Jahre 1S1V. Die eben stattgehabte Wiederholung der feierlichen Ausstellung der großen Reliquien der Krönungskirche zu Aachen ist eine passende Gelegenheit, an die wohl nur Wenigen bekannte Schilderung des „grancl parelou ü >'otrg »ams ä ^z>x" zu erinnern, welche sich in dem vor Kurzem von H. Michelant aus Kosten des Stuttgarter litterarischen Vereins herausgegebenen merkwürdigen „Gedenkbuch deS Metzer Bürgers Philippe v. Vigneullcs aus den Jahren 1471 bis 1522" befindet. Ueber Thionville, Luxemburg u. s. w. gelangte der vielgereiste Metzer nach Maestricht, von da begab er sich mit seiner Gesellschaft nach Aachen. „Wir trafen unterwegs so viele Menschen, daß es zum Verwuuvern war. Als wir Abends die Höhe erreichten, von welcher man auf Aachen hinabblickt, schien es uns, die Kirche stehe in Feuer unv Flammen, so groß war die Zahl der Lampen, welche ringS um diese Kirche brannten. Es war fast Nachl, und so leuchtete es um so Heller, und die großen Glocken läuteten, und eS war ein herrlich Ding, dieß auf dem Berge zu sehen und zu hören. Der Anlaß zu dem großen Fest war, daß am nächstfolgenden Tage die Einweihung der gedachten Kirche gefeiert ward: deßhalb war sie von innen und außen erleuchtet, und die Glocken 282 hallten, und die Orgel ertönte. Als wir die Stadt erreichten war eS Nacht, und über eine Stunde irrten wir umher, hie und dort, ohne eine Herberge finden zu können. Und doch waren mehrere mit uns, die in Aachen viel Bekanntschaft hatten. Endlich wurden wir, so gut es ging, untergebracht. Am folgenden Tag in der Frühe hörten wir Messe in besagter Kirche und brachten unsere Opfergabe dar. Einige von uns gingen auch zur Beichte; die Zahl der Beichtenden jedoch war so groß, daß Einer den Andern drängte, und man nicht niederknieen konnte. Das Gedränge war von der Art, daß man meinte, die Leute müßten umkommen; nur mit der äußersten Mühe oelangte man zu den Altären, und die Kirchendiener hatten Säckchen an langen Stangen befestigt, um die Gaben zu sammeln. Den größten Theil des Tages über durchwanderten wir die Stadt und besuchten deren Kirchen, indem wir die Stunde der Ausstellung der großen Reliquien und Schätze erwarteten. Diese zu sehen waren so viele Leute gekommen, daß solche, die nicht dagewesen, es kaum glauben werden. Jeder suchte einen möglichst guten Platz zu erlangen; die Häuser um die Kirche waren alle mit Menschen gefüllt, und große hölzerne Gerüste waren an denselben aufgebaut. Für unser Geld ließ man uns in eines dieser Häuser ein, von wo wir die Aussicht auf den Platz und eine der Seiten der Kirche hatten. Vor uns sahen wir nichts als Kopf an Kopf, und auf den Dächern selbst war'S ebenso. Als die Stunde nahte, begann man mit den großen Glocken zu läuten. Dann kam ein ehrwürdiger Prälat von mehreren Geistlichen begleitet, und sie gingen auf den in der Höhe befindlichen offenen Galerien um die Kirche hernm. An den Stellen, wo die Heiliglhümer gezeigt werden, blieb er stehen, hielt eine kurze Anrede und ertheilte den Ablaß, und empfahl dann für unsern heiligen Vater, den Papst, sowie für die christliche Kirche zu beten, und hiernach für den Kaiser und für alle Fürsten und Herren, besonders jedoch für die Herren deS Landes, welche die Pässe offen und gesichert halten, auf daß den Pilgern kein Leid geschehe. Nachdem er geendet und sich entfernt, sah man eine Menge von Geistlichen kommen mit angezündeten Kerzen und Fackeln, mit Weihwasserkesseln und Rauchfässern von Gold und Silber, in prächtigen Gewändern unv mir kostbaren Kreuzen. Sie kamen in schöner Ordnung gedachte Galerie entlang, in ihrer Mitte zwei Prälaten in Gold- und Silberstoff gekleidet, welche einen langen, lanzenähnlichen, vergoldeten Stab auf den Schultern trugen, auf dem das kostbare und würdige Gewand Unserer lieben Frau mehrfach gefaltet hing, darüber ein weißes Seidentuch, das wiederum mit einem Goldbrokat bedeckt war. Wenn sie eine der genannten Stellen erreicht hatten, blieben sie stehen, nahmen die seidenen und goldenen Hüllen weg und zeigten mit großer Ehrfurcht und Feierlichkeit das Gewand dem versammelten Volke, das mit gefalteten Händen auf den Knieen lag. Sie nehmen nämlich besagtes Gewand, entfalten es nnd lassen es von der Galerie herab auf einen zweiten Golostoff hängen. In diesem Moment würde man sagen, die Erve zitiere vor dem Getöse der Trompeten und dem Geschrei von Männern und Frauen, welche Misericordka rufen, so daß Einem die Haare zu Berge stehen und die Thränen in die Augen treten. Um diese Stunde, etwa um Mittag und in der großen Hitze, ließ sich ein Stern am Himmel sehen, den viele erblickten. Das mehrgedachte Untergewand ist ron brauner Farbe, gleichsam als wäre eS cingeräuchert; es ist länger als sonst Sitie ist, und ist mit zw.i weiten und kurzen Aermeln versehen, die abgeschnitten scheinen. Einige meinen, eS sey ein Obergewand gewesen, das über andern Kleidungsstücken getragen worden sey. Nachdem die Prälaten die Reliquie so lange sehen gelassen, daß man ein Paternoster unv ein Avemaria sagen konnte und das Volk ruhig geworden war, hängten sie dieselbe wieder auf ihren Stab und fuhren so fort in ihrem Umgang um die Kirche. Als dieß vorüber, kehrte derselbe Prälat zurück und vollbrachte die nämlichen Ceremonien wie das erstemal, und dann kam von Neuem die Geistlichkeit mit Kerzen und Rauchfässern, nnd sie wiesen die Socken des heiligen Joseph vor. (Philippe de Vizneulles nennt nun die übrigen Reliquien, wobei ihm indeß das Gedächtniß nicht ganz treu gewesen ist.) Nachdem alles gezeigt war, begann das Volk sich zu verlaufen; aber es ist schwer, sich einen Begriff von dem Gedränge zu machen, nicht 283 in der Kirche bloß, sondern in den Straßen auch und selbst außerhalb der Stadtthore. ES kostete unS große Mühe in die Kirche zu gelangen, wo wir das Grab Carls des Großen sahen, daS sich hinter dem Hochaltar erhebt, und unter welchem man durchgehen kann. Ich sah mir auch die Säulen an, welche der Kaiser Carl in dieser Kirche errichten ließ, und viele andere Dinge. Aber ich versichere euch, das Gedränge war so groß, daß, wenn Einem ein Goldstück auf den Boden gefallen wäre, er nicht im Stande gewesen wäre, eS aufzuheben. Viele Leute wurden durch das Gedränge getragen. Wollte ein Pilgerzug in die Kirche oder durch die Straßen ziehen, so wählten sie den Stärksten der Gesellschaft und ließen ihn eine Art Banner vortragen, und sie folgten ihm Mann für Mann, indem sie einander bei den Kleidern festhielten. So machten sie sich Platz. Ließ Einer los oder blieb seitwärts vom Zuge, so war er gewiß, von den Gefährten getrennt zu werden. Nachdem wir Kirche und Stadt besucht, und gekauft, was uns noth that, empfahlen wir uns bei unserm Wirth, stiegen zu Pferde und gelangten noch zu rechter Zeit nach St. Cornelimünster, einer großen und reichen Abtei in einem Thal, zwei Wegstunden von Aachen entfernt.- Leben des ehrwürdigen Johannes Grande. (Fortsetzung.) III Johannes erhält ein eigenes Spital und tritt in den Orden der barmherzigen Brüder ein. Mit Bedauern und Unwillen hatte ein großer Theil der Bewohner von Xerez den frommen Johannes auS dem Spitale vertreiben sehen. Die wahren Gründe, weßhalb man ihm zürnte, waren ihnen wohl bekannt, und sie wollten es nicht zugeben, daß die Tugend in ihrer Mitte so schimpflich behandelt und unterdrückt werde. Sie sannen auf Mittel und Wege, dem Diener GotteS zu helfen, daß er sein gesegnetes Wirken fortsetzen könne. Sie hatten aber nun von seiner außerordentlichen Frömmigkeit, seinem rastlosen und stets durch höheres Licht geleiteten Eifer bereits so viele Beweise, daß sie in ihm einen von Gott zu großen Dingen berufenen Heiligen zu betrachten anfingen. Darum also wünschten sie ihn in größeren Kreisen thätig zu sehen, und zwei Edelleute glaubten den Reichthum, womit sie Gott gesegnet hatte, nicht besser benutzen zn können, als wenn sie ein neues Krankenhaus gründeten, und die Leitung desselben dem verfolgten Johannes übergäben. Sie setzten ihr frommes Vorhaben unverzüglich in'S Werk. Im Jahre 1574 ward daS neue Spital gebaut, und, von seinen Stiftern mit reichlichen Einkünften versehen, Johannes überwiesen. In der Nähe desselben lag ein großes PilgerhauS, und auch dieses glaubte man seiner klugen und thätigen Liebe anvertrauen zu müsse». Mit welchem Jubel deö Herzens nahm der Diener Gottes seine Wohnung in dem Gebäude, worin er von nun an nach der ganzen Kraft semer Liebe wohlthun konnte! ES war ein rührendes Schauspiel, von allen Seiten Kranke herbeitragen und alle von Johannes mit freundlicher Eilfertigkeit empfangen zn sehen. Er eilte von einem zum andern, fragte nach ihren Bedürfnissen, tröstete, ermunterte sie, und gab sich keine Ruhe, bis jedem, wessen er sür Leib und Seele bedürfte, zu Theil geworden war. — Aber noch stand er allein, und so wunderbar der Beistand war, womit Gott seine Kräfte unterstützte, so konnte er doch für die Pflege so Vieler allein nicht genügen. Er sah sich nach Gefährten um, aber nach solchen, die im Dienste der göttlichen Liebe und nicht um zeillichen Gewinn seine Mühen und Sorgen theilen möchten. Auch hierin erhörte Gott sein Flehen. ES schlössen sich ihm mehrere, meistens noch junge Männer an, die alle vom Verlangen, Johannes' reine Tugend nachzuahmen, beseelt waren, und von denen sich einige in dieser Nachahmung so sehr auszeichneten, daß ihr Andenken zugleich mit dem ihres Führers und VaterS fortlebte. 284 Einige Jahre lang hatte Johannes 'mit diesen seinen Gefährten sein frommes Wirken fortgesetzt, und sie nicht bloß durch sein Beispiel angefeuert, sondern ihren Eifer auch durch weise Einrichtungen geleitet. Indem er aber nun nachdachte, wie man Vorsorge treffen könnte, daß die Anstalten, die ihm Gottes Vorsehung anvertraut, nicht nur fortbestünden, sondern auch fortwährend im Geiste christlicher Barmherzigkeit verwaltet würden, schien ihm hierzu der sicherste Weg zu seyn, wenn er sich mit seinen Gefährten dem Orden deS heil. Johannes von Gott, der, wie schon erwähnt wurde, eben damals auszublühen anfing, anschlösse. Er fand, wie in dem heiligen Stifter, so auch in der ganzen Einrichtung dieser frommen Gemeinschaft jenen Geist, den er suchte, und den er selbst, ohne es zu wissen, in reichlicher Fülle besaß. Seine Gefährten vernahmen den Entschluß, den er gefaßt, mit Freuden, und im Jahre 15-9, achtundzwanzig Jahre nach dem Tode deS heil. Johannes von Gott, begab er sich mit ihnen nach Granada, um bei den höchsten Vorstehern des Ordens um die Aufnahme nachzusuchen. Sie wurde ihm um so leichter gewährt, als man ihn und seine Genossen als schon erprobte Jünger des Ordens betrachten konnte. So kehrte also Johannes mit dem Kleide und den Regeln der barmherzigen Brüder nach Terez zurück, und wurde von den Einwohnern desselben mit um so größerer Freude begrüßt, als sie nutt hoffen durften, daß er, auch wann einst Gott aus diesem Leben ihn abrufe, unter ihnen fortleben werde. Johannes und seine Brüder wivmeten sich mit neuem Eifer den frommen Werken ihres Berufes. Bevor wir jedoch über diese das Nähere berichten, müssen wir noch eine bedeutende Ausdehnung seiner Wirksamkeit erzählen. Der Erzbischos von Sevilla, zu dessen Sprengel Lerez gehörte, hatte seit einer Reihe von Jahren zugleich mit den Berichten über deS frommen Johannes und seiner Gefährten segensreiche Thätigkeit über andere ähnliche Anstalten der Stadt Klagen erhalten, die ihn mit Unwillen und Schmerz erfüllen mußten. Nachdem er manche Mittel versucht hatte, die Aufseher und Diener jener Häuser zur gewissenhaften Erfüllung ihrer Pflichten zu vermögen, beschloß er endlich, da alle seine Bemühungen vergeblich waren, sämmtliche Anstalten dieser Art unter die Leitung Johannes' zu stellen. Er berief ihn also zu sich nach Sevilla. Johannes, der bereits gnvohnt war, das Leiden für Gott als sein größtes Glück zu betrachten, folgte diesem Rufe nm so bereitwilliger, als ihm im Gebete geoffenbart worden war, daß er sich ans neue schwere Kämpfe gefaßt halten müsse. Zu Sevilla angekommen, ward er von mehreren Edelleuten dringend gebeten, bei ihnen Wohnung zu nehmen; aber er zog es vor, nachdem er zuerst die Kirche besucht und vor dem Hochwürdigen gebetet hatte, bei einem armen Bürger, der ihm ein Zimmer bereitet hatte, einzukehreu. Auch dort war seine erste Beschäftigung das Gebet, und ohne seinem ermatteten Leibe irgend eine Erquickuug der Ruhe zu gönnen, harrte er in demselben mehrere Stunden aus. — Als er mm vor den Erzbischos kam und von ihm vernahm, weßhalb er ihn zu sich bcschieden, war cS ihm sofort einleuchtend, welcher Art die Leiden und Kämpfe, die ihm angekündigt waren, seyn würden. Denn die Personen, die theils seiner Leitung unterworfen worden, lheils auch ihm und seinen Brüdern in ihrer Amtsführung weichen sollten, waren ihm zu wohl bekannt, als daß er hätte hoffen dürfen, sie würden sich ohne den heftigsten Widerstand dem Willen des Erzbischofes fügen. ES war jedoch nicht die Furcht vor dem, was er zu leiden haben würde, sondern aufrichtige Demuth, die ihn bewog, dem Erzbischofe Gegenvorstellungen zu machen. Er glaubte sich einer so großen Bürde nicht gewachsen, und besorgte, daß das Gute, welches er etwa stiften könnte, mit dem Bösen, das jene Maaßregel veranlassen würde, in keinem Verhältnisse stehen möchte. Der Prälat wollte ihm nicht Gewalt anthun, nnd suchte ihn in mehr als einer Unterredung durch Gründe zu überzeugen. Als er aber erkannte, daß die eigentliche Ursache, weßhalb Johannes Widerstand leistete, die geringe Meinung war, die er von. sich selber hatte, beschloß er, die Demuth durch die Demuth zu besiegen. Er wußte wohl, daß diese Tugend, wenn immer sie aufrichtig ist, gehorsam macht. Er hörte also 265 aus, Gründe vorzubringen, und erklärte seinen entschiedenen Willen: da neigte Johannes das Haupt und übernahm das Amt, das ihm zugedacht war. Er kehrte nach Zcrez zurück; aber die Nachricht von dem, was in Sevilla geschehen, war ihm vorausgeeilt, und hatte die Wirkung hervorgebracht, die cr vorausgesehen. Die Menschen, welche in den verschiedenen Häuser«, über die er die Aufsicht übernehmen sollte, angestellt waren, beschlossen in ihrem Zorne, kein Mittel unversucht zu lassen, um die Absicht des ErzbischofeS zu vereiteln. Sie ersannen Ver- läumdungen wiver den Diener Gottes u.id verbreiteten sie durch die ganze Stadt. Diese Verläumdungen waren aber mit solcher Schlauheit ausgedacht, daß sie, wenigstens beim großen Haufen, eben so leicht Glauben finden, als den Jugrim desselben reizen mußten. Johannes hoffte, durch Sanstmuth und Geduld die Aufregung, in welcher er das Volk fand, zu beschwichtigen. Aber vergebens. Der Sturm ward immer heftiger. Wo er sich blicken ließ, rief man ihm Schimpfredcn nach, und die Kinder verfolgten ihn mit Steinwürsen. Es scheint unbegreiflich, wie dieß Volk einen Mann, der nun schon eine lange Reihe von Jahren die Wohlthaten seiner Liebe unter ihm verbreitet, der nicht nur seine Kranken verpflegt und seine Todien begraben, sondern auch vielen seiner Armen, Wittwen und Waisen Obdach, Kleidung, Nahrung verschafft hatte, so verkennen und als seinen gefährlichsten Feind verfolgen konnte. Aber wer weiß nicht, wie oft eö Bösewichtern gelingt, daö Volk zu beihören, und wie schrecklich des Bethörten Leidenschaften sind. Es kam so weit, daß Johannes, um deS Lebens sicher zu seyn, das Spital sast nicht mehr verlassen durfte. Er rief in seiner Noth zu Gott, und nachdem er nvch eine Zeitlang diese neue Pryde der Geduld und Demuth bestanden hatte, ward ihm Hülfe zu Theil. Ein Mensch, der einen Gefährten Johannes', welcher um ein Almosen für die Kranken bat, mit vielen Beschimpfungen aus seinem Hause getrieben hatte, starb, wie der Diener Gottes vorhergesagk halte, nach drei Tagen eines jähen ToveS. Ein anderer, der in das Spital kam, um dem frommen Johannes die größten Unbilden zu sagen, war kaum in sein Haus zurückgekehrt, als er von einem heftigen Fieber befallen wurde. Johannes, obgleich selber krank, raffte sich auf, um ihn zu besuchen; aber der hartherzige Mensch wies nicht nur die milden Reden, womit er ihn zum Ver- irauen auf Gottes Barmherzigkeit ermunterte, trotzig ad, sondern wollte auch nicht einmal gestatten, daß Johannes neben seinem Betre für ihn bete. Johannes entfernte sich tief erschüttert, und sagte zu dem Bruder, der ihn begleitete, daß auch dieser vom Tode unversehens werde hingerafft werden. Am andern Morgen erfüllte sich seine Weissagung. Diese Vorfälle, in welchen man die strafende Hand ÄotteS erkannte, und manche andere Umstände, welche die Vorsehung herbeiführte, brachte daö Volk zur Besinnung, und Gott, der alles dieß nur zur Prüfung seines Dieners zugelassen hatte, bewirkte, daß nun Johannes' Unschuld eben so schnell allgemein anerkannt wurde, als die Verläumdung Glauben gefunden hatte. (Fortsetzung folgt.) LAbkMt^ MZÜÜKM W»M5 «t 5tz»W K»6 M> SIV i.s mnHL 5W, zzvs Borenthaltenes Abendmahl. In Halle bringt das dortt'ge protestantische „Bolksblatt für Stadt nnd Land" vom 8. Mai 1853 die folgende lehrreiche Erzählung: „Schweren Herzens fuhr Johann Harmening, ein armer Hcuerling, an einem kalten Abend im Advent über die Haide, zu dem anderthalb Stunden entlegenen Kirchdorfe hin, um den (protestantischen) Pfarrer zu seiner sterbenden Frau zu holen. Der Bauer, auf dessen Hofe er lebte, hatte einen Ackerwagen und seine Pferde gegeben, und war bemüht gewesen, mittelst Stroh und Decken einen warmen Sitz für den geistlichen Herrn zu bereiten. Dieser, ein stattlicher junger Mann, in der ersten Hälfte 'der Dreißiger Jahre, saß, nach wohleingenommenem Abendessen, mit einer Cigarre am warmen Ofen, als Johann mit seinem Anliegen vor ihn trat; anführend daß, so gewiß menschliche Dinge wären, 256 seine Frau den Morgen nicht erleben könne, und daß sie eine unaussprechliche Sehnsucht nach dem Abendmahl empfände. Der Pfarrer that ihm einige Fragen, stand dann auf und trat an'S Fenster, welches er öffnete; es war sehr kalt, dunkel und schaurig draußen, und der Wind pfiff über die Haide messerscharf. Da kam die Frau Pfarrerin herein; „Du wirst doch nicht fahren, Edmund? Nein, nein, ich lasse es nimmer zu!" Der protestantische Pfarrer besann sich einige Augenblicke, ging dann zu seinem Blicherstande, nahm zwei oder drei Traktate und sprach, sie in der Hand haltend, freundlich zum Johann: „Lieber Harmening, so hat Eure Frau denn wirklich den wahren und aufrichtigen Wunsch, daS Mahl des Herrn im Glauben zu empfangen?" „Ja gewiß!" entgegnete hastig Johann: „es liegt ihr Alles daran! o zaudern Sie nicht, Herr Pastor; sie ringt mit dem Tode und verlangt nach nichts, als nach ihrem Heilande." „Nun denn," erwiederte milde und mit priefterlich ge, hobener Stimme der Pfarrer, „wenn dem so ist, dann könnt Ihr ganz ruhig heimkehren ohne mich; vor dem Herrn wiid es eben so seyn, als habe sie das Mahl genossen; Ihm gilt der redliche und ausrichtige Wille als Erfüllung. Saget das der lieben Kranken in meinem Namen und mir meinem SegenSgruß. Rücksichten auf meine Gesundheit, zunächst im Hinblicke auf meine Familie, machen mir die Mitfahrt unmöglich." Dann gab er ihm die Traktate, die auf Leiden und Sterben im Glauben bezüglich waren. Der arme Johann fuhr trostlos wieder über die Haive, und der Pastor begab sich zur Ruhe. Die Sterbende indeß hatte an das Leben sich geklammert, des geistlichen Zuspruches harrend. Als ihr Ehemann ohne den Pastor wieder kam, zuckre ein herber Schmerz — die schmerzlichste Enttäuschung vielleicht ihres kurzen ErdenlebenS — durch ihre Seele; die alte Großmutter aber sprach ihr deö Paulus EberS schönes Sterbelied vor; — da ward sie still, den Tod erharrend, der am Morgen um 5 Uhr gekommen ist, leise und schmerzlos." „Es war Frühling, die Bäume blühten, die Wiesen grünten, die Sonne lachte zwischen schweren und weißen Gewölken, milde Lüfte spielten, und voll und rauschend ging der Fluß, der zwischen dem Kirchhofe dahinzog und dem Herrnhause, wo bei irgend besonderer Veranlassung ein festliches Mahl und nächstdcm Spiel gehalten werden sollte. Der Herr Pfarrer nebst Frau Gemahlin und deren jüngere Schwester kamen in vollem Anzüge daher. Im Fährhause indeß saß Johann Harmening, der Wittwer, bei Kordes Harmening, dem Fährmann, seinem Vetter, ihn zu unterstützen im Dienste, da dieser gar zu arg mit dem Gliederreißen geplagt war. Der Herr Pastor trat ein, und in der Meinung, die Damen hätten beim Ankleiden sich schon verspätet, begehrte er kurz und barsch eine sofortige Sonderüberfahrt. Johann aber sprach: „Herr Pastor, ist es wirklich Ihr wahrer und aufrichtiger Wunsch, jetzt gleich überzufahren?" „Ja gewiß, nur schnell und keine Weitläufigkeiten; die Damen harren und ein Wetter zieht!" „Nun denn," sagte Johann ruhig und gemessen, „wenn dem so ist, so wird eS eben so seyn, als wären Sie übergefahren. Der Wille geht für die Erfüllung; so sagten Sie, als meine arme Frau auf den Weg der Lammeshochzeit sicher geleitet seyn wollte, und jetzt sage ich'S Ihnen wieder, da Sie auf dem Wege zu einem weltlichen Luftgelage sind. Nichts für ungut!" — Und Johann ging langsam seines Weges, die Fähre blieb angekettet, und die Herrschasten mußten eine gute halbe Stunde stromaufwärts gehen, bis zu einer Brücke, und dann wieder stromabwärts bis zum Herrenhause, und das Wetter entlud sich, und sie wurden schwer durchnäßt und kamen viel zu spät, und der Herr Pfarrer erwarb sich nicht allein den Schnupfen, sondern auch sogar einen kleinen Anstoß von Flußfieber. Sie beabsichtigten, sich höheren OrteS über Johann Harmenings ganz unverantwortliches Benehmen ernstlich zu beschweren, und hoffen auf eine gehörige Züchtigung desselben." -- Berantwntlichtr Redacteur: «.Schönchen. Verlags - Inhaber: F. C. Kremer. Dreizehnter Jahrgang. Sonntags-Beiblatt nsDÄ /i^l m.^-^ ' zur'- ^ -in, .,l n^-u.^ -- --^ Allgsbnrger Postzeitung. iülir ,NÄN» '?i!i«>^ ^>!^> , ituil/n! tIIU^ AMi S! s. (Zweiter Artikel.) Die großen Bemühungen des Papstes Eugen IV., die lateinische und griechische Kirche wieder zu vereinigen, scheiterten zunächst an dem Haß und der Halsstarrigkeit der russischen Großfürsten, die nicht selten in ihrem verwerflichen Bestreben von feilen und charakterlosen Metropoliten unterstützt wurden. Alle Mühen des frommen Jsidor, die Beschlüsse des allgemeinen Concils von Florenz, an deren Abfassung er so treu mitgearbeitet hatte, zur Ausführung zn bringen, waren vergebens, obschon er gleich nach dem Schlüsse dieses Concils das Werk der Wiedervereinigung mit Muth und Festigkeit in Angriff nahm. Schon auf dem Rückwege, von Ofen aus, sandte Jsidor seine Hirtenbriefe nach Rußland, namentlich aber an die Bischöfe der südlichen Metropolen, in welchen er ihnen die eben^ zn Florenz erfolgte Vereinigung beider Kirchen anzeigt, sie znr Annahme des Unionödecreteö ausfordert, und zugleich die lateinischen Bischöfe von Polen, Litthauen und Livland ermuntert, die Griechen nun in aller Wahrheit als ihre Brüder zu lieben und mit ihnen in Sachen des Glaubens und Gottesdienstes ohne Unterschied deS kirchlichen Ritus innige Gemeinschaft zu unierhalten. Noch vor dem Ablauf beö Jahres 1439 langte Jsidor zu Kiew an, und ward unter allgemeinem Jubel des Volkes, des Klerus und der Herrscher von Polen und Litthauen empfangen. Die Union fand hier in Kiew keinen Widerstand; alle nahmen sie freudig au. — Ganz anders aber stand eS in Moskau, wo Jsidor im Frühling des folgenden Jahres anlangte, und da der Ruf der erfolgten Union ihm vorangeeilt war, mit großer Gespanntheit erwartet wurde. Doch muthigen Geistes, ohne sich durch die bevorstehenden Gefahren abschrecken zu lassen, begab er sich gleich bei seiner Ankunft unter Vvrtragnng des lateinischen Krenzes und dreier silbernen Bischofsstäbe in die Kirche zur heil. Jungfrau im Kremel, wo ihn die Geistlichkeit, die Bojaren, Fürsten und ein zahlreiches Volk empfingen. Kaum hatte Jsidor den Gottesdienst geendet, so bestieg in seinem Auftrag ein Diakon die Kanzel und verkündete den Anwesenden das florentinische Unionsdecret. Alle schüttelten hierbei die Köpfe und gingen bestürzt nach Hause. Nun überreichte Jsidor dem Großfürsten ein eigenhändiges Schreiben des Papstes, welches in den liebevollsten Worten abgefaßt war. Der Papst ersuchte in diesem Schreiben den Großfürsteil zur Annahme d-r Union und bat ihn zugleich, den Metropoliten in, Liebe aufzunehmen und ihn im rnhigcn und friedlichen Besitze seiner Rechte zu lassen. Doch der Großfürst war der Union durchaus abgeneigt; er wollte von ihr nichts wissen, wie sehr und beredt ihm auch der Nutzen derselben für Rußland von Jsidor dargestellt wurde. Er ließ vielmehr nach wenigen Tagen den eifrigen Jsidor ergreifen, ihn aus seiner Wohnung holen und in ein Klostergefängniß abführen. In diesem Gefängniß schmachtete er zwei Jahre, bis er endlich im September 1443 heimlich durch die Flucht entkam und nach Rom eilte. Hier wirkte er mit seinem frühern Eifer für die Aufrechthaltung der Union der Kirche / 2S8 seines Vaterlandes und starb als erwählter Patriarch von Konftantinopel in Rom am 27. April 1463, wegen seiner großen Kenntnisse und hohen Verdienste allgemein betrauert. In JsidorS Stelle trat dessen treuer Gefährte, der fromme und friedfertige Gregor. Eugen IV. ertheilte ihm im't eigenen Händen in Rom die heil. Weihen im Jahre 1444. Aber alle Bemühungen, den Großfürsten von Rußland zur Anerkennung dieses Metropoliten zu bewegen, scheiterten gänzlich. Er befahl vielmehr den russischen Bischöfen, sofort zur Wahl eines neuen Metropoliten zu schreiten. Es wurde JonaS, Erzbischof von Räsan, ein bitterer und erklärter Feind der Union, zum Metropoliten gewählt. Er war eifrig bemüht, die russische Kirche immer mehr unter die Knechtschaft der Großfürsten zu bringen. Ein Nachfolger deS Jonas, der Metropolit Philipp von Moskau, erließ gegen die Gläubigen von Nowgorod, die mit ihrem Erzbischof zur Union übertreten wollten, einen Hirtenbrief, worin er ihnen mit allen Strafen der Holle droht, falls sie die gottlose That der Aussöhnung begehen würden. Sehr bald aber mußte die russische Kirche, da sie die Vaterhand des römischen Papstes von sich gewiesen, daS eiserne Scepter des Großfürsten führen. Iwan IV. war ein furchtbarer Tyrann, so daß er sich den Namen des Schrecklichen erworben. Im Staate wie in der Kirche kannte er kein anderes Gesetz als seine Laune, und kühlte sich überall, wo ihm nur Widerstand geschah, am unschuldigen Blute. Kein Herrscher vor ihm hat mit einer so gottlosen Frechheit, wie er, im Heiligthum gewü- thet, und die Zügel der Kirche an sich gerissen. Weder Tugend noch Verdienst, noch die Würde der Oberhirten der Kirche war ihm heilig. Grausam wüthete er gegen den Metropoliten Philipp II., der ihm sein Lasterleben vorgehalten hatte. Obschon ein achtzigjähriger Greis, wurde er dennoch aus einem Schubkarren in ein Klostergefängniß geschleift, wo ihn Iwan mit Keulen hätte todtschlagcn lassen, wenn ihn nicht das Jammergeschrei des Volkes abgehalten hätte. Acht Tage schmachtete der Metropolit, der sich in seinem Elend würdig und edel bezeugte, im Gefängniß und rang hier, auch des Nöthigsten beraubt, mit dem Tode. Um ihn seine Rache noch mehr sühlen zu lassen, wüthete der Czar mit gleicher Grausamkeit gegen seine Verwandten und schickte ihm daö noch triefende Haupt seines edlen Neffen, das so eben unter dem Beile deö Henkers gefallen war. Philipp segnete es und schickte eS ihm gelassen zurück. Endlich ließ Iwan den Greis auf das grausamste im Gefängniß erdrosseln. — Auch der gewandte Pimen, Erzbischof von Nowgorod, der lange Zeit Iwans Freundschaft genossen, entging dem Tode nicht. — Auch der Nachfolger PimenS, der Erzbischof Leo nidaS, ein feiger Lvbredner der Leidenschaften des Großfürsten, wurde, weil er dem Wüstling die von der griechischen Kirche verbotene vierte Ehe nicht erlauben wollte, in eine Bärenhaut genäht und lebendig von Hunden zerrissen. — Der KleruS sank sehr tief unter diesem Despoten. Iwan raubte den Bischöfen alle Rechte und Privilegien, und ließ ihnen nur das von ihrer Würde unzertrennliche OrdinationSrccht, um die Kirche mit den nöthigen Dienern. versehen zu können. Er selbst rief die Concilien zusammen und war hier Vorsitzer und Richter in geistlichen wie in weltlichen Angelegenheiten der Kirche. Die Bischöfe mußten seine Verordnungen als Gesetze GotleS annehmen. Sie hatten nicht einmal die Freiheit, das sittliche Richteramt bei ihrem Klerus ausüben zu können. Durch einen Ukas vom 12. April 1552 errichtete er ein hohes polizeiliches Tribunal, dem zwei Laien vorgesetzt wurden, das über die Sittlichkeit deS gesammten KleruS, der Priester und Mönche, wachen sollte. Seine beiden Günstlinge waren die ersten Vorsitzer dieses Sittengerichtshofes. — Iwan war seinem Glauben nach, wenn man sonst bei ihm von Glauben sprechen kann, ein trauriges Gemisch von Griechenthum, LutheraniSmuS und Heidenthum. Gegen daS Jahr 1565 zeigte er sich sehr geneigt, die AugSburgische Consession, die ihm sein Liebling, der lutherische Liesländer Eberfeld, einzuschmeicheln suchte, anzunehmen. Seit dieser Zeit haben die Protestanten eine Kirche in Moskau. Den Metropoliten AthanasiuS bestrafte Iwan mit einer Geldbuße von 60,000 Rubeln, einer für diese Zeit unerhörten Summe, weil er sich der Einführung deS Protestantismus widersetzte. — Iwans Sohn und Nachfolger, der Großfürst Feodor I. Iwanowicz (1584—1589) herrschte nur dem Scheine nach; die Zügel des Reiches 259 « führte sein Günstling, der allgewaltige Fürst Boris Gudonow, dessen Schwester der junge Czar zur Gemahlin hatte. Gudonow trat in die Fußstapfen deS verstorbenen Iwan, und regierte gleich ihm mit zügelloser Willkür und Grausamkeit Kirche und Staat, Er stürzte und verbannte die Bischöfe nach Belieben und erhob endlich den kriechenden und gewissenlosen Schmeichler Hiob auf den Metropolitenstuhl, und erkaufte ihm, um sich diesen desto mehr zu befreunden, und mit seiner Hülfe Klerus, Adel und Volk unter dem schwachen Czaren vollends unter die Füße treten zu können, von dem Patriarchen von Konstantinopel die Patriarchenwürde. Seit CerulariuS waren fast alle Patriarchen von Konstantinopel mit wenigen Ausnahmen verworfene Männer. Als Konstantinopel vollends in die Hände der Türken gerieth, schwand auch jede Spur priesterlicher Würde in den Oberhirten der griechischen Kirche. Sie schwangen sich von nun an nur durch Nerruchtheiten und durch die Macht des Harems auf den Patriarchenstuhl, und konnten sich auch nur durch eine fortlaufende Kette von Schandthaten auf ihm erhalten. Nicht der heilige Geist, sondern die größere und kleinere Summe Geldes, welche der jedesmalige Bewerber an junge Sultaninnen, namentlich waren solche vom Glauben abgefallene Griechinnen, verschwendete, verfügte jetzt über den ersten Stuhl der griechischen Kirche. Außerdem mußte jeoer Patriarch bei dem Antritte seiner Regierung die Hand dem Sultan küssen, ihn, den Muhamedaner, um die Bestätigung seiner Würde ersuchen und dafür einen ansehnlichen Tribut in Gold, PeScesion genannt, entrichten. — So tief sank der Patriarcheustuhl der griechischen Kirche nach seiner Trennung von Rom. Jetzt bekleidete diese Würde der berüchtigte Jeremias II. Mit ihm stritten seit dem Jahre 1572 der gcmeine und vertriebene Metrophonos III., sein Vorgänger, und die verworfenen Pachomius und Theolept um den Patriarchenstuhl; alle vier stürzten und erhoben sich gegenseitig durch den Einfluß des Harems in ihrer hohen Würde. Mit MetrovhonoS Tode im Jahre 1530 schienen ruhigere Zeilen für Jeremias eintreten zu wollen, als plötzlich der Laie Theolept, Schwestersohn des MetrophonoS, der ihn kurz vor seinem Tode ohne jede Beobachtung der kirchlichen Jnterstiticn in drei aufeinander folgenden Tagen zum Diakon« Priester und Metropoliten von Philippopoli gemacht hatte, sich gegen ihn erhob, und ihn beim Sultan des Majestätsverbrechens und anderer Missethaten beklagte. Jeremias ward entsetzt und in's Gefängniß geworfen, woraus er jedoch wieder befreit wurde. Der Sultan ließ nun den verruchten Mönch Pachomius auf den Patriarchenstuhl erheben. Jeremias mußte abermals seine Würde niederlegen. Nachdem aber Theolept auch den Pachomius gestürzt, brachte er es so weit, daß er vom Sultan für ungeheure Geldsummen zum Patriarchen ernannt wurde. So hatte der Stuhl von Konstantinopel drei Häupter, Jeremias, Pachomius und Theolept, von denen jeder mit Hülse griechischer Eunuchen des Harems seine Rechte geltend zu machen suchte. Endlich erschlich sich Jeremias den Alleinbesitz dieses Stuhles, indem er dem Pachomius und Theolept eine jährliche Pension von 50V Dukaten in Gold bezahlte. (Schluß folgt.) Leben des ehrwürdigen Johannes Grande. (Fortsetzung.) IV. Johannes' Thätigkeit und hohe Vereinigung mit Gott. So zahlreich und mannigfaltig auch die Geschäfte seyn mochten, denen Johannes sich unterziehen mußte, und so viel sie ihn auch nöthigten, in und außer den Spitälern mit Menschen aus allen Sränden zu verkehren, so vermochten sie eS doch nicht, ihn mit jenen besondern Gnaden nicht selten in Gegenwart vieler Zeugen, zuweilen ihn im Umgange mit Gott zu stören oder seinen Eifer in den Uebungen der Frömmigkeit auch nur zu mindern. Er hatte alle diese Arbeiten nur für Gott unternommen, und daher kehrte er von ihnen ohne Schwierigkeit zur Unterhaltung mit Gott zurück, 260 oder verlor ihn vielmehr während derselben nie aus den Augen. Er setzte seine strengen Bußwerke sort und brachte, wenn gleich von den Anstrengungen deS TageS ermattet, mehrere Stunden und zuweilen die ganze Nacht im Gebete zu. Durch die standhafte Abtödiung aller Leidenschaften und diesen fortwährenden Umgang mit Gott gelangte er zu einer solchen Leichtigkeit, sei i ganzes Herz zu ihm zu erheben, daß er nur das Gebet zu beginnen brauchte, um auch sogleich in den Gegenstand seiner Liebe ganz versenkt zu werden. Zwar war ihm Gott überall gegenwärtig, und an jedem Orte sah man ihn mit dieser tiefsten Versammlung beten; aber so oft es ihm möglich war, verrichtete er sein Gebci vor dem hochwürdigen Gute, und seine Ändacht zu dem in diesem Geheimnisse unS stets nahen Erlöser war so groß, daß er nur mit Mühe sich von ihm entfernen konnte, oftmals auch von seinen Brüdern wie aus tiefem Schlummer geweckt, ja mit sanfter Gewalt fortgebracht werden mußte. Aber wenn seine äußeren Beschäftigungen für ihn kein Hinderniß des Umganges mit Gott waren, so war auch hinwiederum die Andacht kein Hinderniß seines Wirkens für den Nächsten. Wie wir oben die höchste Reinheit deS Lebens mit der größten Strenge der Buße in ihm vereinigt sahen, so finden wir nuu auch in ihm alle Gaben, ja alle Wunder des beschaulichen Lebens mit der rastlosesten Thätigkeit verbunden. Vom Gebete eilte Johannes an die Betten der Kranken, in die Hütten der Armen, in die Paläste der Reichen: nicht selten geschah es, daß er während des Gebetes erkannte, wo seine Hülse nöthig sey. So vernahm er einst, vor dem Hochwiirdigen kniend, den Befehl, in das Krankenzimmer zu eileu, weil seine Kinder — denn so nannte er die Kranken — seiner bedürften. Er eilte hin und fand einen Kranken ohne Besinnung und in der heftigsten Aufregung. Johannes bezeichnete ihn mit dem heil. Krenzzeichen, und alsbald war der Leidende nicht nur rnhig, sondern auch geheilt. Ein anderer aber lag in den Todesängsten, auf das heftigste zur Lerzweifluuz versucht. Wenige Worte, die der Diener Gottes zu ihm redete, führten die Ruhe in sein Gemüth zurück, und er starb mit großer Zuversicht, bei Gott Barmherzigkeit zu finden. — ES ist nun wohl nicht nöthig, den Er er der Liebe, mit welchem Johannes sich überhaupt .dem Dienste der Kranken hingab, z» beschreiben, wie er von Bett zu Bett eille, um zu sehen, wessen sie bedürften, wie er sie speiste, wie er diesem die Wunden verband, jenem die Arznei eingab, ihre Betten machte und die niedrigsten Dienste ihnen leistete. Aber nicht ohne Erstaunen kann man vernehmen, wie viele andere Werke der Barmherzigkeit er noch zu verrichten im Stande war. Die Armen der Stadt kamen schaarenweise in'ö Spital, und sie wurden gespeist, oft auch gekleidet. Eine Menge Hau?armen erhielten von Johannes die Unterstützung, welche die Scham sie abhielt zu begehre». Jungfrauen, deren Sitten in Gefahr waren, Sünderinnen, die sich bekehren wollten, Kinder, die ohne Obdach umherirrten, wurden von ihm nicht nur im Augenblicke höchster Noth unterstützt, sondern auch für immer versorgt. — Einst landeten in Lerez gegen dreihuudert spanische Soldaten, welche von Cadir, nachdem die Engländer die Insel mit Sturm genommen hatten, geflüchtet waren und in dem Hasen von Terez von Allem entblößt, ermattet und zum Theil krauk und verwundet einliefen. Johannes nahm sie alle auf, und fand Mittel, sie alle zu verpflegen. — Aber auch die ganze Bevölkerung der Stadt uud Umgegeud sollte in ihm einen rettenden Engel in höchster Noth finden. Es war im Jahre 1579 auf eine große Überschwemmung eine allgemeine Theurnng erfolgt. Seit man sie vorhergesehen, hatte Johannes eine große Menge Getreides zusammengebracht, und sämmtliche Arme der Stadt in drei Classen, Männer, Weiber, Kinder, theilend, ließ er ihnen täglich nicht nur Brod, sondern auch andere LebenSmittel reichen. Er setzte diese Spende, — nicht ohne einen göttlichen Beistand, der vielen wunderbar schien, — mehrere Monate sort, und rettete auf diese Weise die volkreiche Stadt von dem vielfachen Elende, das mit einer Hungerönoth pflegt verbunden zu seyu. — Jmnur mehr also verbreitete sich durch ganz Andalusien der Ruf Johannes' dcv Sünders, und man nannte ihn einen zweiten Johannes von Gott. Aber wie dieser sein Vater, also war auch er noch weit mehr um das Heil der Seele, als um das leibliche Wohl seines Nächsten besorgt, und obschon er eS als seinen eigentlichen Berns ansah, den Seelen dadurch nützlich zu seyn, daß er daS Elend des Leibes milderte; so unterließ er doch nichts, wodurch er auch unmittelbar zur Belehrung und Besserung seiner Mitmenschen beitragen konnte. Kaum war ein Kranker im Spital angekommen und hatte die erste Pflege empfangen, so war auch Johannes an seiner Seite, um ihn mit liebevollen Worten zum Empfang der heiligen Sacramente vorzubereiten. Er pflegte bei dieser Gelegenheit zu sagen, — was die Erfahrung in alleu Anstalten dieser Art bewährt, — erst dann würden die Arzneien aus den Körper heilsam einwirken, wann zuvor die Seele vom ln'mmlischen Arzte geheilt und mit Gott durch die Gnade des Erlösers versöhnt wäre. Geschah eS nun, daß ein Kranker so heilsamen Ermahnungen widerstrebte, so war der fromme Johannes weil entfernt, es bei diesem ersten Zureden bewenden zu lassen. Gott hatte ihm eine natürliche Gabe, an das Herz zu reden, verliehen, und die Fülle der Gnade, die in ihm wohnte, verlieh überdieß seinen Worten eine höhere Weihe. Wenn nun irgend eine verhärtete Seele auch dieser Beredsamkeit widerstand, so nahm Johannes seine Zuflncht zum Gebete und zur Buße. Die Augen deS Geistes auf den Gekreuzigten richtend, opferte er nach dem Beispiele desselben mit seineu Thränen seine Schmerzen und oft auch sein Blnt für das Heil der Sünder auf. Einst kehrte er nach solchem von Bußwerken begleiteten Gebet zu einem Kranken zurück, der hartnäckig alle Ermahnungen zur Bekehrung von sich gewiesen hatte. Jetzt zeigte sich derselbe sofort bereit, in den heil. Sacramentcn Versöhnung mit Gott zu suchen, legle mit sichtbaren Zeichen tiefer Reue während mehrerer Stunden seine Beichte ab, und verschied eine Stunde nachher mit solcher Seelenruhe und freudiger Hoffnung, daß die Umstehenden Thränen der Andacht vergossen. — Aehnliche Vorfälle wiederholten sich oft. Daher konnte des Johannes' Spital als ein Schauplatz der göttlichen Barmherzigkeit betrachtet werden, wo immer von neuem so viele Unglückliche Rettung für Leib und Seele fanden. Aber eben so wenig al4 seine Milvthäiigkcil beschränkte sich dieser sein Seelen- eiser ans das Krankenhaus. Mit großer Sorgsalt nahm er sich der armen und ver- nachläßigten Kinder an. Er sammelte sie um sich her, um ihnen zugleich mit dem Brode des Leibes auch das der Seele zu spenden, und die er nicht selber unterweisen konnte, führte er andern, die ihm in diesem Werke der Liebe beistanden, zu. — Oftmals hatten es schamlose Weiber versucht, den Diener GotteS bald durch List und Schmeichelei, bald auch mit frecher Gewalt zur Süude zu reizen. Aber niemals war ihnen ihr verbrecherisches Vorhaben gelungen. Dahingegen gefiel es Gott, der ihn in svlchen Gefahren beschützte, öfters auch denselben auf wunderbare Weise entriß, seinem Diener gerade zur Bekehrung dieser Unglückseligen eine besondere Gabe zu verleihen. Er war beredter, sie zur Buße, als sie, ihn zur Sünde zu bewegen. Nach einer höchst sonderbaren Sitte pflegten sich an gewissen Tagen deS JahreS viele dieser Sünderinnen in einer bestimmten Kirche bei der Predigt einzufinden. Ihr verblendeter und vom Laster verhärteter Sinn öffnete sich selten dem Lichte der Gnade, so sehr auch der Prediger bemüht seyn mochte, auf diesen Theil seiner Zuhörer einen besonderen Eindruck zu machen. Da sah man nun aber nach der Predigt den ehrwürdigen Johannes sich den Elenden nähern, und er redete ihnen mit solcher Kraft vom ewigen Heile, das sie verscherzten, und von der Barmherzigkeit GotteS, der sie zur Buße einlade, daß er fast jedesmal eine bedeutende Anzahl zur Aenderung ihres Lebens bewog. — Er hatte auch die Veranstaltung getroffen, daß an jedem Freitag der Fasten im Vorhofe des Spitals eine Predigt gehalten wurde, zunächst zwar für die Armen, die dort zusammenkamen, dann aber auch für alle, die sich dabei einfinden wollten. Bei solcher Gelegenheit nun unterstützte Johannes die Worte des Predigers mit dem Beispiele der Buße. Im Bußklcid und das Haupt mit Asche bestreut, erschien er vor der versammelten Menge, in der Linken das Crucifix, in der Rechten das Bußwerkzeug, womit er sich vor ihren Augen peinigte, emporhaltend, und mit erschüttertem Tone zur Umkehr vom Wege des Lasters, zur Reue und Zerknirschung aufsordernd. Einst waren viele dem Laster ergebene Weiber, wohl nur aus Neugier, bei der Predigt zugegen; acht derselben entschlossen sich zur Buße, beharrten in derselben, und wurden von Johannes für ihr ganzes Leben versorgt. — Wohl mögen manche S6S der Mittel, welche der Diener Gottes anwendete, in unserer Zeit nicht gebilligt werden; aber die Wirkungen, die er durch sie hervorbrachte, werden wir doch nicht aufhören hochzuschätzen: obgleich ein Blick aus den Sohn Gottes, der vor den Augen des ganzen Volkes für unsere Sünden wollte gegeißelt werden, unS auch über die Bedeutung und den Werth der äußern Buße belehren sollte. Ueber alle diese Werke hatte Johannes die Gefangenen, unter denen er die Uebung der Barmherzigkeit begonnen hatte, nicht vergessen. Er besuchte sie, milderte ihr hartes Loos durch Erquickungen und Worte deS Trostes; aber mit besonderer Sorgfalt war er bemüht, jene, die zum Tode verurtheilt waren, auf den Uebergang in die Ewigkeit vorzubereiten. Seine Bemühungen hatten fast immer den besten Erfolg. Jene Unglücklichen nahmen, von ihm belehrt, den zeitlichen Tod im Geiste der Buße an, um dem ewigen zu entfliehen. Johannes begleitete sie bis zur Richtstätte, und nahm zugleich mit dem Priester, der ihnen beistand, ihre letzten Seufzer auf. Wenn Gott das Wohlgefallen, welches er an dem Wirken seines Dieners hatte, schon durch den Segen, den er so reichlich über dasselbe auSgoß, offenbarte, so wollte er überdieß auch durch außerordentlichen Beistand, womit er ihn unterstützte, seinen Muih aufrecht halten. Ohne einen solchen Beistand wäre es auch durchaus unbegreiflich, nicht nur wie Johannes so viele Arbeiten hätte übernehmen und so viele Geschäfte mit Pünktlichkeit besorgen, sondern auch und mehr noch, wie er für die Werke der Liebe, die er übte, hinreichende Mittel hätte finden können. Oftmals ermunterte ihn Gott auch ausdrücklich, auf ihn stets zu vertrauen, und sich nicht zu scheuen, sein HanS mit Kranken zu füllen, wenn sie gleich die Zahl derer, die er aus den Einkünften des Spitals verpflegen konnte, weit überstiegen. Balo nach Eröffnung desselben, als die Einkünfte noch nicht so reichlich waren, fand sich Johannes einst wegen der Menge der Kranken, die er aufgenommen hatte, in der größten Noth. Er flehte in der Nacht zu Gott, uud wurde durch einige Worte göttlicher Hulv gestärkt. Am Morgen erschien ein Edelmann mit einer Menge Getreide, Oel und Arzneien, und versprach, dem Spirale jedes Jahr diese Unterstützung zukommen zu lassen. — Am Weihnachtstage pflegte Johannes eine größere Spende von Brod und Fleisch an die Armen der Stadt anzuordnen. Nun geschah es eines Jahres, daß von dem Vor- ralh nur noch so viel übrig war, als er für einige Hausarme bei Seite zu legen besohlen hatte. Aber es kamen noch andere Arme und baten um ihren Theil. Man versicherte sie, daß bereits alles verschenkt sey; aber sie ließen nicht nach, sie flehten, sie weinten, sie murrten. Johannes ging selbst zu ihnen hinaus, um sie zu beruhigen. Vergebens: sie drängten sich um ihn her und begehrten mit immer größerer Zudringlichkeit, daß er auch ihnen geben lasse. Da erhob der fromme Mann seine Augen znM Himmel und flehte zuin Vater aller Armen aus dem tiefsten Grunde seines Herzens. Plötzlich wandte er sich dann mit heiterem Antlitze zu seinen Ordensbrüdern und befahl, von dem noch vorhandenen Vorrathe zu spenden, so lange er dauere. Man gab allen, die dort waren, und allen, die noch kamen, und gab ihnen reichlich, und der Borrath verminderte sich nicht. — Viel ähnliche Ereignisse, in welchen Gott mit feiiter Allmacht den Liebeöeiser seines Dieners unterstützte, werden in den Acten deS Prozesses der Seligsprechung berichtet. In denselben find auch viele andere wunderbare Erscheinungen, welche seine hohe Begnadigung kunvthaten, aufgezeichnet. Wie wir schon erwähnten, waren ihm in seinem thätigen Leben die höchsten Gaben deS beschaulichen Lebens verliehen. Obgleich nun Johannes sehr bemüht war, was immer Außerordentliches die Gnade in ihm wirkte, vor den Augen der Menschen zu verbergen, so wollte doch Gott, dem eS gefällt, die Demüthigen zu erhöhen, nicht, daß ihm dies immer gelinge. Er suchte ihn uiit jenen besondern Gnaden nicht selten in Gegenwart vieler Zeugen, zuweilen auch vor dem ganzen Volke heim. Johannes wurde oftmals im Gebete zu einer höheren Anschauung der himmlischen Dinge erhoben, durch diese entzückende Erkenntniß den Sinnen entrückt, und in solchem Zustande verweilte er mitunter mehrere Stunden. Wenn er aber deßhalb denen, welchen seine Tugend und die Wirkungen der göttlichen Gnade bekannt waren, ein Gegenstand frommer Verehrung wurde, so ließ eS doch 2K3 Gott auch öfters zu, daß diese höchste« Gnadenerweifungen mit der empfindlichsten Verdemüthigung von Seite der Menschen verbunden waren. Es gab sich in jenem Zustande die mächtige Bewegung seines Herzeus durch verschiedene Wirkungen in seinem Leibe kund, oder wenn er nicht nur den Gebrauch der Sinne, sondern auch jede Bewegung verloren hatte, schien er in einer Art von Betäubung zu liegen. Da geschah eö nun, daß unwissende oder für alles Göttliche gefühllose Menschen ihn, sobald er zu sich kam, mit Schimpfreden überschütteten. Sie schalten ihn, wie die Juden die Apostel, als der Geist Gottes über sie gekommen war, einen Trunkenbold, oder auch einen Heuchler, Schwärmer, einen Narren, wenn nicht gar einen Besessenen. Er störe die Andacht der Gläubigen und den Gottesdienst, sey den Schwachen zum Anstoß und Allen ein Aergerniß. — Mit gesenkten Augen nahm der demüthige Johannes diese Vorwürfe und Scheltworte, nicht anders, als gebührten sie ihm, hin, und eS war sehr rührend, den von Gott so hoch Begnadigten in demselben Augenblicke, da er auS der entzückenden Beschauung und dem Verkehre mit Gott in diese Sinnenwelt zurückkehrte, die Umstehenden, auch wenn sie ihn nicht auf jene Weise schalten, mit Beschämung bitten zu hören, daß sie ihm die Störung, die er durch sein unziemliches Betragen verursacht, verzeihen möchten. Indessen übernahm zuweilen auch Gott selbst die Vertheidigung seines Dieners. Denn mehr als einmal geschah eS vor den Augen derer, die ihn verspotteten, daß, während seine Seele durch göttliche Kraft emporgetragen und der sichtbaren Welt entrückt wurde, auch sein Leib sich erhob, und Johannes in kniender Stellung über der 6roe schwebte, von himmlischem Glänze umflosscn. — Eine Dame von hohem Stande, welche die Wohlthäu'gkeit des Dieners GotteS mit reichen Almosen zu unterstützen pflegie, hatte in wenigen Tagen mehrere ihrer Kinder verloren. Sie zog sich aus der Stadt auf ein nahe gelegenes Landhaus zurück, und ließ Johannes bitten, sie in Begleitung eines andern Ordensmannes, deS PalerS Figueroa, der ebenfalls im Rufe großer Tugend und hoher Begnadigung stand, zu besuchen. BIS nun die beiden frommen Männer unter heiligen Gesprächen sich dem Dorfe, in welchem daS Landhaus der Dame gelegen war, genähert hatten, ließen sie sich, um etwas auszuruhen^, bei einer Quelle, nieder. Sie setzten ihre Unterredung fort, und die Quelle, welche nnter ihren Füßm in einem klaren Bache dahinfloß, war ihnen ein Anlaß, von dem Strome der Wonne zu sprechen, womit Gott im Lande deS Friedens seine AuSerwählten tränkt. (Ps. 35, 9.). Da ruhten Jvhannes Augen auf dem hellen Gewässer, und wie sein leuchtender Blick immer mehr, was seine Seele empfand, offenbarte, so verstummte allmälig sein Mund. Der Pater Figueroa betrachtete ihn mit tiefer Rührung. Johannes sank auf die Kniee, sein Angesicht erglühte; er ward unbeweglich, und nach und nach einige Spannen von der Erde erhoben. Indessen gelangte die Dame, die ihnen entgegengekommen war, mit ihrer Begleitung zur Quelle, und auch manche Landleute, die kamen, um Wasser zu schöpfen, blieben mit ihr erstaunt vor dem Entzückten stehen. Man entfernte sich nicht, obschon ganze Stunden verflossen, ehe er der Erde und ihnen zurückgegeben ward. (Schluß folgt.) Zeichen der Zeit. Daö protestantische „Volksblatt sür Stadt und Land" enthält über das neue holländische Cultusgesetz folgenden vortrefflichen Artikel: Der gute „Holländer" hat denn einmal wieder ein „CultuSgesetz" vom Stapel gelassen, bei welchem man sich ihn nothwendig mit der Thonpfeife im Munde vorstellen muß, und welches ein solches Mustereremplar von moderner Fabrikarbeit im Fache der Gesetzgebung darstellt, daß es wohl eine kleine Beleuchtung verdient. Das charakteristische solcher Arbeit ist unter andern,, daß sie sich gänzlich in abstracten Begriffen bewegt, kein Ding bei seinem Namen nennt, sonder nur ein Schema mit Schubfächern und Nummern giebt, in daS man die lebendigen Dinge dann so gut oder so schlecht als eS geht, hinein- quetschen muß. So weiß auch besagtes Cultusgesetz kein sterbendes Wörtchen davon, daß 264 eS in Niederland eine evangelisch - refornn'rte Landeskirche giebt, deren Oberhaupt der König selbst ist, kein sterbendes Wörtchen davon, daß eS daneben eine römisch-katholische Kirche giebt, welcher V5 der Unterthanen des Königs angehören u. s. w. Es weiß von nichts als „verschiedenen religiösen Gemeinschaften," von deren „Religionslei- tung," Religionsdienern," von „Gebäuden zur Ausübung einer öffentlichen Religion," von „Kleidern für die Ceremoniendes Cultus," und was des naturphilosophischen Kau- derwälscheS mehr ist. Dem entspricht denn auch der Styl dieser Gesetzgebung, welcher deutlich darauf hiuweiSt, woher dergleichen Waare eigentlich kommt, nämlich aus dem Französischen. „Die verschiedenen religiösen Gemeinschaften sind durch nichts mehr behindert" — „die Religionsdiener tragen die Kleider für die Ceremonien des Cultus" u, s. w. Welchem ehrlichen Deutschen (und das sind und bleiben doch die Holländer nun einmal) würde eS einfallen, so zu sprechen, wenn er Anordnungen treffen will? Auch dieser geschraubte Präsens-Styl gehört, wie gesagt, zudem „constitutionellen" wälschen Schablonenwesen. Dieß Schablonenwesen hat aber noch eine andere Seite. Eö ist nämlich stets nicht bloß wunderlich, sondern zugleich auch unehrlich. Statt gerade herauszusagen: die katholischen Bischöfe sollen dieß oder das nicht thun dürfen, — was es doch in der That, wie auch jedermann weiß, sagen will — gilt es nun irgend eine abstracte Formel zu erfinden, durch welche man, nnter dem Scheine allgemeiner Egalität, die besonderen Fälle trifft, die man eben im Auge hat. Und da der Esscct doch derselbe bleibt, wozu dieses um den Brei herumgehen? dieß vermeiden offener, ehrlicher Worte? Soviel über die Zopfform der modernen Gesetzgebung überhaupt. Was nun den Inhalt dieses Gesetzes betrifft, so ist derselbe nicht weniger zeitgemäß. Er besteht nämlich „erstens" in der beliebten „allgemeinen Religionsfreiheit," wornach also der Staat erklärt, eS sey ihm ganz gleichgültig, ob seine Leute Türken seyn wollen oder Christen (das Wort Christ oder Christenthum oder Kirche kommt überhaupt nicht ein einzigmal in diesem Cultusgesetze eines christlichen Landes vor!) und er sey mit Freuden bereit, wenn sie morgen sich zu einer türkischen Religionsgemeinschaft „organisiren" wollen, seine „Gutheißung" dazu zu ertheilen. Sodann besteht der Inhalt aber „zweitens" in der möglichsten Bevormundung der wirklich bestehenden Kirchen, die so zärtlich ins Detail geht, den „Religionsdienern" sogar vorzuschreiben, wo sie ihre Familiennamen beischreiben müssen. (Deutsch und ehrlich gesagt, hat das folgendes zu bedeuten. Es ist eben so alter als allgemeiner Gebrauch aller Bischöfe in der ganzen Welt, — der römischen, der griechischen, der englischen, — sich bloß z B. „Heinrich Bischof von Ereter" zu schreiben. Dem Holländer klingt das wahrscheinlich zu romantisch, und eS wird sich da also Einer — wenigstens osficiell — z. B. „HauS Piepenstengel, Bischof von so und so" schreiben müssen.) Andere Leute, die etwas darauf halten, daß die Kirche auS den vier Mauern und aus den Studir- stuben heraus wieder etwas ins Volksleben trete, würden sich darüber freuen, wenn die Pfarrerauch auf der Straße wieder in AmtStracht erschienen; dieß CultuSgesetz verbietet aber bei Strafe, daß sie irgendwo anders als „innerhalb der kirchlichen Gebäude und an den Orten, wo die Ausübung deS Cultus erlaubt ist," sich so sehen lassen. Der Geistliche ' darf nicht einmal von seiner Wohnung zur Kirche im Ornat gehen, der Chorrock bleibt ganz verschämt in der Sacristei hängen und die Tause und das heilige Abendmahl in den Häusern wird wahrscheinlich im Frack gespendet. Andere Leute, die sich nach Erhebung aus dem jammervollen Verfall des Wortes Gottes unter uns sehnen, würden sehr froh darüber seyn, wenn nur neue Kirchen gebaut würden; dieß CultuSgesetz droht aber außer andern Strafen auch mit „Abbruch aus Kosten der Bauunternehmer," wenn jemand eine Kirche baut, ohne daß der Staat eS besonders bewilligt hat. Andere Leute würden sich freuen, wenn geistliche Vorposten ausgesandt, die seelsorglichen Kräfte vermehrt, neue Pfarrstellen gegründet würden. Dieß holländische freisinnige CultuSgesetz verbietet eS aber, wenn nicht der Staat „daS Passende des Ortes anerkannt" hat. — Sehr passend wird die Besprechung deS neuen Gesetzes (das übrigens vorläufig noch nichts gilt, sondern erst den „Kammern" zur Annahme vorgelegt ist) in den Zeitungen durch die Nachricht unterbrochen, daß „neue Heringe" angekommen sind. Und damit wollen wir denn auch abbrechen. Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. Verlags - Inhaber: F. C. Krem er. Dreizehnter Jahrgang. Sonntags-Beiblatt zur Augsburger PostMung. 21. August. M S-Ä. 1853. DteseS Blatt erscheint regelmäßig alle Tonntage. Der halbjährige Abonnementsprei« »tt kr, wofür e« durch alle löni'gl. bayer. Postämter »ad alle Buchhandlungen bezogen werden kann. Wunderbare Begebenheiten im Neapolitanischen. Zu Bari, im Neapolitanischen, befindet sich in der Capella Regia del Tresors ein Dorn, angeblich aus der Dornenkrone des göttlichen Heilandes. Wie die Sage geht, wird dieser Dorn, so oft der Charsreilag auf den L5. März fällt, an diesem Tage eine Zeitlang mit frischem Blute benetzt. So soll es im Jahre 1842 gegangen seyn, so wiederholte eS sich in diesem Jahre. Die „Civile cattolica" theilt darüber ein Schreiben auö jeuer Stadt mit, das wir hier in wörtlicher Übersetzung folgen lassen. . „Ein Wunder bewahrheitete sich am 25. März, als dem Todestage des göttlichen Erlösers, in dieser Kirche. Der heil. Dorn, welchen Carl ll. von Anjou, als er daS Grab des glorreichen heiligen Wundcrthäterö Nicolaus besuchte, in die köm'gl. Schatzcapelle niederlegte, wurde mit Blut befeuchtet. Die Geschichte hatte schon seit langer Zeit dieses Wunder aufgenommen; doch die göttliche Erbarmung würdigte sich, zur größern Beschämung unserer verderbten Zeit, auch diesesmal noch unsere fromme Stadt mit Gnaden zu überhäufen. Wir sahen das Wunder und mit uns der Intendant der Provinz, der Major der königl. Gendarmerie, welcher vom ersten bis zum letzten Augenblicke zugegen war, uud der Commandant. Mit uns sah es das ganze Capitel, der städtische Vorstand und Tausende, so viele ihrer hinzu kommen konnten. Der Erzbischof, durch die Geschichte und den Vorfall vom 25. März 1842 aufmerksam gemacht, hatte drei Tage zuvor den normalen Zustand der kostbaren Reliquie von Chemikern mit Notar und Zeugen untersuchen lassen; am Tage selbst ließ er die Kanoniker, abwechselnd mit dem königl. Klerus, von Mittag an glühende Gebete zum Allerhöchsten emporsenden, auf daß die göttliche Güte das demüthige Verlangen »ach Wiederholung des Wunders gnädig aufnehmen möchte. Um 2'/z Uhr (2 Stunden vor Sonnenuntergang) hatte schon der heil. Dorn seinen gewöhnlichen Zustand geändert, und in der Folge bezeugten der Notar, die Zeugen und Vornehmen, welche zu sehen und gegenwärtig zu seyn gekommen waren, daß er seinen frühern Zustand schon sehr verändert habe, uud daS Wunder war also schon geschehen. Alsdann wurde der genannte heilige Dorn aus der Capelle des königl. Schatzes auf den Altar des Herzens Jesu getragen uud zur öffentlichen Verehrung ausgesetzt, um das fromme Verlangen des andächtigen Volkes zu befriedigen, das zu Tausenden, daS Wunder zu sehen, herbeiströmte. Eine Stunde nach Sonnenuntergang, als man im Orchester daS Christus :c. und Miserere sang, bemerkte dann der Cavaliere DupuiS, Major der königl. Gendarmerie, welcher sich nie von der Reliquie entfernt hatte, zuerst und machte den Intendanten und Commandanten der Provinz darauf aufmerksam, daß man an der linken Seite des Fußes der Reliquie rothes Blut sehe. Als der Intendant alles untersucht hatte, verkündete er es, aufgeregt vor Freude, und nuu verdoppelte sich das Frohlocken, die Thränen flössen in Strömen, und die Seufzer und Gebete erschollen so zum Allerhöchsten, daß auch das härteste Herz bei Betrachtung dieser . Wärme und beim Anhören der frommen Gebete sich erweichen mußte." / 266 So wenig wir diese Erzählung gleich einem Glaubensartikel glauben, eben so wenig können wir sie ohne Weiteres verwerfen. Warum sollten auch außer den in der heil. Schrift mitgetheilrcn keine Wunder geschehen dürfen? Hat nicht der göttliche Heiland uus selbst schon belehrt, daß die Gabe der Wunder mit seinem Hinscheiden nicht aufhören soll? Wer nur die Wunder sammeln wollte , die schon von den heil. Vätern erzählt sind, könnte damit nicht wenige Bände anfüllen. Wenn Nichtkatho- liken uns dieses Glaubens wegen bespötteln, so wissen sie warnm; aber auch wir wissen eS, und um so mehr halten wir, statt uns um dieses Spötteln zn bekümmern, daran fest und fordern sie auf, vor allem Urlheile die Thatsachen zu untersuche». Lasset diese sich mit keinem vernünftigen Grunde in Zweifel ziehen, noch auch natürlich erklären, dann bleibt Nichts übrig, als an ein höheres Wirken zu denken, welche auch immer die Absichten seyn mögen, die Gott damit erreichen will; und stellt sich heraus, daß diese Thatsachen im Schooße der katholischen Kirche eben so unantastbar und bäufig, als sie bei Allen außerhalb der Kirche unerhört sind, dann ist das eben so beruhigend für uns, als es für die Andersgläubigen, weil sie kein Zeichen übernatürlichen Lebens aufzuweisen haben, einen Beweis der Falschheit ihrer Religion bietet. Einen solchen Trost bieten uns aber insbesondere die Wunder, welche Gott auf die, Anrusung seiner Heiligen wirkt. Sie bezeugen nämlich nicht bloß die Wahrheit unseres, von den Nichtkatholiken ohne Unterlaß bekämpften Glaubens: daß eS nützlich uud Gott wohlgefällig sey, die Heiligen zn verehren und um ihre Fürbitte auzuruse», sonderu bestäligen auch mit der in ihnen constalirten Freundschaft GotteS gegen dieselben, daß die katholische Religion ein sicherer Weg zum Hcile sey. Auch derartige wunderbare Thatsachen cheilt nns die „Civilts catt." aus Neapel mit, Thatsachen, die auch iu polnischer Beziehung, weil sie das Volk enger mit seinem Regenten verknüpfen, nicht olme Wirkung bleiben können. Die mitgetheilten wunderbaren Thatsachen haben nämlich ans Anrufung der verstorbenen Königin von Neapel, Gemahlin des regierenden Königs und Mutter des Kronprinzen, Maria Christina von Savoyen, stattgefunden, und was sollte denn mehr das gläubige Volk mit dem königlichen Hause von Neapel verbindeil, als gerade sie? Ein Re^entenhauS kann seine Achtung beim Volke nicht tiefer untergraben, als wenn es öffentlich beweiset, daß eS mit Gott keine Gemeinschaft hat, und eben so kann es umgekehrt seine Achtung im Volke nickt tiefer begründen, als wenn es mit derselben Strenge Gott gehorcht, mit welcher es von den untergebenen Völkern Gehorsam fordert. Hat nun daS königl. HauS von Neapel schon andererseits nicht wenige Beweise seiner innigsten Frömmizkeit, in welcher es seinen Unterthanen zum Muster dienen kann, aufzuzeigen, welchen Grund der größten Verehrung muß es dann nicht erhalten, wenn ein der Krone so nahe angehörendes Glied von Gott solche Beweise des allerhöchsten Wohlgefallens erhält? Mit welcher Liebe muß nicht ein Volk einem Regenten anhangen, dessen Gemahlin oder Mutter bei Gott in der Gnade steht, vaß man sie als eine Helferin in den größten Nöthen zn betrachten hat? Schon seit längerer Zeit, zumal seit einigen Monaten, wo ans päpstlichen Befehl das Grab Maria Christina's geöffnet und ihr Leichnam in einem Zustande der Nichtverwesnng gefunden war, wie man sie mit den gewöhnlichen chemischen Prozessen nicht zn erlangen pflegt, hatte man von Gnadenerweisungen an ihrem Grabe, wie die „Eivilta cattolica" berichtet, gehört und Hoffnungen geschöpft, daß Gott seine im Rufe der Heiligkeit verschiedene Dienerin aus besondere Weise verherrlichen werde. Die römische Zeitschrift bemerkte dann, daß sie aus wohl begreiflichen Gründen, so lange eS sich um Thatsachen gehandelt habe, die keine strenge Kritik auszuhalten vermögen, von ihnen keine Mittheilung gemacht habe. Jetzt seyen die Dinge so weit gediehen, daß sie es als eine Pflicht betrachte, das vorsichtige Stillschweigen zn brechen. „Wir haben," schreibt sie dann ferner, „vor uns Zeugnisse vou den berühmtesten Professoren Neapels, als von vr. Emmanuel Raimo, von Dr. Peter Ramoglia, von Dr. Comm. Mansre. AuS ihnen geht hervor, daß Herr Nicvlaus Amitrano, als er durch eine nervöse, von Auflösung der Säfte scorbutischer Art beförderte und mit 267 Affection der Leber complicirte Krankheit so in Lebensgefahr gekommen war, daß er die Sterbsacramente empfangen mußte, am Abende des 2. März vollständig geheilt wurde, einzig und allein, weil er sich der verstorbenen Königin empfohlen und ihr Grab besucht hatte." „Es ist uns ferner ein Zeugniß übersandt von vier achtungswerthen Professoren der Chirurgie: den Herren Campagnaro, Crispino, Festeggiano und Bergamo unterschrieben. Alle vier sprechen von einer schweren Krankheit, die eine Klosterfrau, Namens Maria Assunta De Curtis an der linken Hand gehabt habe. Daö Uebel hatte allen Mitteln, welche die vier Professoren angewendet, fünf Monate lang so widerstanden, daß Einer von ihnen schon befürchtet hatte, daß man zum äußersten Mittel der Amputation schreiten müsse, wurde aber am 31. April d. I. von den genannten Professoren als ganz entfernt befunden; und was die Weise betrifft, so höre man, waS unser Korrespondent darüber schreibt." — „Die hier angeführte Heilung kam, wie ich von verschiedenen Bekannten der Geheilten gehört habe, in folgender Weise zu Stande. Die Krankheit war in drohendem Wachsthum und marterte die Kranke grausam. Am dreizehnten Tage seufzte sie bei ihren stechenden Schmerzen, als eine Freundin ihr den Rath ertheilte, in neuntägiger Andacht mit einigen Gebeten die Fürbitte der ehrwürdigen Maria Christina anzuflehen, und über den Verband der Hand ihr ein kleines Bild derselben befestigte. Die Schmerzleidende bat, aber ruhig, ohne Enthusiasmus, gleichsam ohne Verlangen, die Gesundheit zn erhalten, die ihr in Folge sehr frommer Ergebenheit fast gleichgültig geworden war. Nach beendetem Gebete wandle sie sich an die Freundin und sagte ihr, daß sie keinen Schmerz mehr empfinde. Sie wickeln die Hand loS und finden sie bis auf einige Glieder der Finger, die noch unbeweglich sind, geheilt. Jetzt wenden sie sich mit einem Glauben, der keine Ceremonien kennt, an ihre Beschützerin und sagen: „„Ihr habet die Gnade begonnen und müßt sie vollenden."" Sie berühren die Finger mit dem heiligen Bilde. Unmittelbar daraus ist die Bewegung frei, kräftig, gesund." (D. Volkshalle.) Die rusfische GtaatSkirche. (Zweiter Artikel. Schluß.) Der Schatz deS Patriarchates war durch diese langen und schimpflichen Parteikämpfe gänzlich erschöpft. Da faßte Jeremias den Entschluß, zur Deckung seiner Schulden die Gläubige« der griechischen Kirche um ein Almosen zu ersuchen. Zu diesem Zwecke schickte er seine beiden Mitbewerber um die Patriarchat-Würde, Theolept nach Georgien und Persien, und Pachomius nach Cypern und Aegyptcn. Er selbst ging mit DorotheuS und Arsevius, den Bischöfen von Monembasia und Elision, von denen der erstere zugleich Metropolit und Stellvertreter des Patriarchen von Alerandrien war, nach Rußland. Sie verfehlten nicht, den Gläubigen dieser Provinzen die rührendsten Schilderungen von dem unglücklichen Zustande zu machen, in dem die Kirche von Konstantinopel, die Mutier der gesammten morgenländischen Kirche, unter der Herrschaft der Türken gerathen. Es stellte sich sehr bald heraus, daß das Hauptgeschäft des Patriarchen Jeremias auf seiner Reise in der Beitreibung von Geld bestand, um seine Schulden decken und den jährlichen Tribut von 500 Dukaten in Gold, für welchen Preis seine beiden Mitbewerber um die Patriarchen-Würde ihre Ansprüche ihm verkauft hatten, pünktlich auszahlen zu können. Daher benutzte der schlaue Fürst Boris Gudonow diese Gelegenheit, um von dem Patriarchen Jeremias möglichst viele Vortheile sür die russische Kirche zu erkaufen. Der Patriarch wurde mit seinen Bischöfen und einem zahlreichen Gefolge von Mönchen mit großen AnSzeichnungen vom Großfürsten von Rußland zu Moskau empfangen nnd ersucht, m seinem Staate zu verbleiben. Als er dieses anSschlug, suchte der Fürst Boris Gudonow einen andern Handel mit ihm abzuschließen. Schon lange hatte man in Rußland die Abhängigkeit der russischen Kirche von Konstantinopel unangenehm 268 gefühlt; zur Ausbildung der russischen Nationalkirche war es durchaus nothwendig, sich von dem Patriarchen von Konstantinopel frei zu machen. Der Großfürst uud Gudouow gaben dem Patriarchen JeremiaS große Geldsummen und erwiesen ihm alle erdenkliche Ehre, und stellten dann die Bitte an ihn, den Metropoliten von Moskau, dem feigen Schmeichler Hiob und seinen Nachfolgern die Patriarch« l- Würde zu ertheilen. Um eine so bedeutende Neuerung in der höhern Hierarchie der Kirche zu rechtfertigen, behauvtete der byzantinische Patriarch, die Kirche sey in den ersten Zeiten von fünf Patriarchen regiert worden, nämlich von dem Patriarchen von Konstantinopel, Antiochia, Alerandn'a, Jerusalem und Rom; nachdem aber der Patriarch von Rom (der Papst) in Folge der Ketzerei seiner hohen Würde verlustig geworden, sey es höchst wichtig und zweckmäßig, daß man statt seiner einen neuen Patriarchen von Rußland ernenne. — Jeremias nahm die ihm gebotene große Geldsumme und erklärte sich bereit, dem Metropoliten von Moskau. Hiob, der nur ein gemeines Werkzeug in den Händen deS Großfürsten war, die Patriarchat-Würde zu ertheilen. — Es geschah im Jahre 1589. Der Großfürst legte aber bei der Ertheilung der Patriarchat-Würde an den Metropoliten Hiob sofort seine unumschränkte Herrschaft über die ganze russischeKirche an den Tag. Jeremias und Hiob waren nur die käuflichen Werkzeuge, deren er sich zur Beruhigung des Volkes bediente, um die sogenannte Kirchengewalt an sich zu reißen. — Wie der Czar die Patriarchat-Würde dem Hiob erkauft hatie, so wollte er sie ihm auch verleihen, so daß Jeremias nur Assistenz leistete. Jeremias hatte bei der Handlung wenig oder fast gar nichts zu thun. Die eigentlichen Func- tionen, die nach den Rechten der Kirche dieser hätte verrichten sollen, verrichtete der Großfürst. Als Jeremias den nenen Patriarchen unter dem feierlichen Hochamte in der Metropoiitankirche auf dem Kremel eingesegnet hatte, trar der Czar zu ihm, hing ihm mit eigenen Händen das Panagion an einer goldenen Kette um den Hals, legte ihm den atlassenen Maudyas an, der mit Perlen und Edelsteinen auf das schönste verziert war, warf ein köstliches Omophor über seine Schultern, setzte ihm die weiße Jnful mit dem Kreuze auf und übergab ihm den Patriarchcnstab mit folgenden Worten: „Heiligster Bater, würdigster Patriarch, Vater aller Väter, erster Bischof in ganz Rußland, Patriarch von ganz Rußland, Wladimir, Moskau u. f. w. Hiermit befehle und verkündige ich, daß du vor allen Bischösen den Vorzug haben, und hinführo das Gewand eines Patriarchen, die Calotte eines Bischofes und die große Jnful tragen sollst, und daß man dich in meinem ganzen Reiche als Patriarch und Bruder der übrigen Patriarchen ehren soll." So hatte also der Obcrpriester der griechischen Kirche in gewisser Beziehung sein Vorrecht auf die russische Kirche sür feiles Gold verkauft. Seine beiden Begleiter erkannten sehr bald den Nachtheil, der dem Stuhle von Konstantinopcl aus dieser erlangten Unabhängigkeit der russischen Kirche im Geistlichen wie im Welllichen mit der Zeit erwachsen mnßte, und unterschrieben deßhalb nicht die BestätigungSnrkundc der Errichtung des russischen Palriarchates. Nur die seilen und durch russisches Golv gewonnenen Mönche, die sich in JeremiaS' Gefolge befanden, gaben hierzu ihre Unterschriften her. Doch Gudonow ruhete nicht eher, bis er den gefügigen Hiob in der neuen Würde feierlichst bestätigt sah, und Jeremias mußte bei seiner Abreise auS Moskau das heilige Versprechen abgeben, dieses so bald wie möglich nach seiner Ankunft in Konstautiuopel zu thun. Kaum von seiner Abreise zurückgekehrt berief Jeremias im Februar 1593 eine Synode nach Konstantinopel und bestätigte durch eine feierliche Urkunde die Errichtung des neuen Patriarchates der russischen Kirche. Es ist sehr bezeichnend, daß auf diesem Concil der russische Gesandte am türkischen Hose, der mächtige Fürst Gregor Athanasius, in dessen Händen sich der Sultan befand, und der mit der größten Willkür über di- Angelegenheiten deö osmanischen Reiches schaltete, den Vorsitz führte. ES scheint, als habe man selbst in Rußland an die Gültigkeit dieses Patri- 269 archates wenig geglaubt, denn im Jahre 1619 fand man eS schon für nöthig, dasselbe nochmals durch Theophil, Patriarchen von Jerusalem, der sich um diese Zeit in Moskau befand, um Almosen beim Großfürsten und dem russischen Klerus einzusammeln, bestätigen zu lassen. So war das russische Patriarchat abermals durch Gold erkauft. Die Art und Weise der Gründung des russischen Patriarchates konnte unmöglich Jenen, die noch Sinn für Recht uud Tugend sich bewahrt hatten, Achtung und Ehrfurcht vor dieser neuen Stiftung einflößen, besonders, wenn sie sich die moralische Beschaffenheit Jener, die dabei wirkten, in Erinnerung zurückriefen. Jeremiaö und MeletiuS haben sich bkß aus gemeiner Geldsucht russischen Interessen verkauft. Zudem hatte man Grund, an die Ausrichtigkeit des Glaubens des JeremiaS zu zweifeln, da er mit den protestantischen Theologen Deutschlands, die im Jahre 1575 nach Konstantinopel gekommen waren, um der griechischen Kirche die Annahme der Augsburgischen Confession zu empfehlen, einen vertrauten Briefwechsel unterhielt. — Es entstand jetzt für den Metropoliten von Kiew die Frage, ob er sich dem neuen Patriarchen Hiob oder dem Nachfolger des heil. Petrus, dem römischen Papste, unterwerfen sollte. Der damalige Metropolit von Kiew, Michael Rahosa, konnte die Gräuel und Schlechtigkeiten, unter denen die russische Kirche seufzte, nicht länger ertragen, und berief deßhalb die Bischöse seiner Metropole nach Brest zu einem Concil zusammen, um mit ihnen zu berathen, welchem Oberhaupte der Kirche zu gehorchen wäre, ob dem neu erwählten Patriarchen Hiob oder dem heil. Patriarchen der ge- sammten katholischen Kirche, dem Papste. Einstimmig erklärten die versammelten Väter, daß sie fortan nur allein dem Nachfolger d/S heil. Petrus zu Rom gehorchen und in den Schooß der allein wahren und apostolischen Kirche zurücktreten wollten. Nach wenigen Sitzungen entwarfen sie am 2. December 1593 das Unionsdecret, in welchem sie in schlichten Worten die Gründe ihres Entschlusses der christlichen Welt, und namentlich ihren RelizionSdrüdern, darlegten. — Im folgenden Jahre traten Michael und die Bischöfe der Kiewer Metropole in ein Concil zu Brest nochmals zusammen und schickten eine Gesandtschaft nach Rom, um dem heil. Stuhle ihre Vereinigung mit der Kirche anzuzeigen. Die Gesandten überreichten im Namen des Metropoliten und des gesammten ruthenischen Episkopates dem heil. Vater ein Schreiben, in weichem der ganze Hergang der erfolgten Vereinigung mit schlichten Worten erzählt wird. CleMenS VIU. berief ein Konsistorium am 23. December 1595, in welchem die Gesandten das Schreiben übergaben, welches in ruthenischer Sprache abgefaßt und mit einer lateinischen Uebersetzung begleitet war. — Der berühmte Cardinal Sil- viuS Antoniani, Staatssecretär Sr. Heiligkeit, hielt im Auftrage deS heil. V.iterS eine Anrede an die Gesandten, worin er die Freude desselben über die Wiedervereinigung und die Nothwendigkeit der Einheit der Kirche in beredten Worten hervorhebt. — Dann legten die beiden abgesendeten Bischöse im Namen des gesammten ruthenischen Klerus das übliche Glaubenöbekenutniß in beiden Sprachen ab und bekräftigten dasselbe mit Eidschwur und Unterschrift. Hierauf wurden sie zum Fußkuß des heil. Vaters zugelassen, der tief gerührt und mit Thränen in den Augen sie seine lieben Brüder nannte und zur Demuth uud Standhaftigkeit im Glauben ermähnte. — Die Union geschah unter denselben Bedingungen, wie sie auf dem Concil zu Florenz beschlossen war. Der heil. Stuhl erkannte ihnen alle Rechte, Freiheiten und Privilegien zu, die sie bisher genossen hatten, und bestätigte ihnen alle kirchlichen Gebräuche bei AuS- theilung der Sacramente und Verrichtung der gottesdienstlichen Handlungen, deren sie sich zur Zeit der Union bereits bedient, insofern sie den Glaubenslehren der katholischen Kirche nicht zuwider wären. Hiob, der Patriarch von Rußland, berief nun gleichfalls die seinem Stuhle unterworfenen Bischöfe und Prälaten zu einem Concil noch Moskau, schleuderte den Bann gegen Michael Rahosa und den gesammten ruthenischen Klerus und verfluchte alle auf dem Concilium zu Brest entworfenen Unionsbcschlüsse. Nun brachen die blutigsten Verfolgungen seitens des russischen Klerus gegen den ruthenischen auö. — 270 Den Patriarchen Hiob ereilte aber bald die Strafe Gotteö. Er häufte Verbrechen auf Verbrechen und krönte endlich den Fürsten Gudonow zum Herrn von Rußland, Hiob war nur ein Werkzeug in den Händen dieses FrevlerS und mußte dessen Schande thaten mit der Autorität der Kirche heiligen. Endlich wurde er von dem Thronräuber Grischa Otrcpiew im Jahre 1604 in ein Klostergefängniß eingesperrt und bald daraus erdrosselt. Lebe» deS ehrwürdigen Johannes Grande. (Schluß) »k.^'^"^6/^ .A'-"°W?5N,,i«z,ß,^M s,< ^ Des frommen Johannes Tod und Begräbniß, Indessen war die Zeit gekommen, wo Gott seinen Diener von dieser Welt abrufen und ihm die Krone, für die er mit so großer Ausdauer gekämpst hatte, auf sein Haupt setzen wollte. Es sollte jedoch in seinem Ende noch einmal alles, was sein Leben ausgezeichnet hatte, wunderbar hervortreten: der Eifer seiner Liebe, der keine Schranken kannte, tiefe Verdemüthigung vor den Menschen, und Erhöhung durch die göttliche Hulv und Gnade. Im Jahre 16l)t> war in Andalusien eine anhaltende Dürre eingetreten, und mit großer Besorgniß sah man von neuem einer allgemeinen Theuerung und Hungersnot!) entgegen. Nach vielen andern Andachten und frommen Werken wurde endlich ein öffentlicher Bittgang beschlossen, an dem die ganze Geistlichkeit und alles Volk Theil nehmen sollte. Auch Johannes wohnte demselben seiner Gewohnheit nach bei, und ermähnte durch seine Worte und sein Beispiel die Gläubigen zur Buße. Von dem Bittgang in sein Spital zurückgekehrt begab er sich zum Gebet, und verharrte in demselben ohne alle Unterbrechung zwei Tage und zwei Nächte. Als er endlich aus demselben wie aus einer langen Entzückung in Gegenwart einiger feiner Ordensbruder erwachte, sprach er, wie gewöhnlich, einige Worte zu seiner Entschuldigung, und zog sich in seine Zelle zurück. Aber einer seiner Brüder, Peter Egipciaco, mit dem er sehr vertraulich zu reden pflegte, folgte ihm, und erzählte, daß, während er gebetet, ein reichlicher Regen gefallen sey. „Ich weiß es," erwiederte Johannes, „Gott hat mich davon in Kenntniß gesetzt. Wir werden Brod in Ueberfluß haben, aber ich weiß nicht, wie viele von denen, die jetzt leben, davon essen werden." Peter verstand, daß ihm sein Vater eine andere Geißel Gotteö, die Pest, vorhersagte, und nur gar zu bald ward die Weissagung durch deu Erfolg bewährt. Die Ernte war in jenem Jahre ungewöhnlich gut, aber kaum war sie vollendet, als eine pestartige Krankheit ansbrach und fast die ganze Provinz entvölkerte — Johannes >fand in ihr noch eine außerordentliche Gelegenheit, seinen LicbeSeifcr zu üben; aber er fand in ihr auch, was er sehnlich gewünscht, die Krone seiner guten Werke. Oftmals hatte er seit einiger Zeit sein bevorstehendes Ende vorausgesagt, und seinen Vertrauten auch manche Umstände seines Todes mitgetheilt. Er gab die Zeit auf das Genaueste an und setzte eines TageS hinzu, daß er sich von Gott die Gnade erbeten habe, ohne alle Ehren, ja auf schimpfliche Weise begraben zu werden. Und als Peter Egipciaco ihn lächelnd versicherte, er möge beten, so viel eS ihm gefalle, so würden doch er und seine Brüder schon Sorge tragen, daß sein Begräbnip ehrenvoll sey; erwiederte ihm Johannes: „Ich aber sage dir, daß du der Erste seyn wirst, der von meiner Leiche flieht." Bei einer ähnlichen Gelegenheit bemerkte er, man werde seinen Leichnam, statt ihn zn tragen, mit Stricken hinausschleppen, in die Erde verscharren, und den Boden über ihm mit Füßen stampfen. — Wirklich wollte Gott dem Verlangen seines Dieners nach aller Art von Verdemüthigung auch auf diese Weise genugthun. Als die Pest, die Johannes vorhergesagt hatte, auSgebrochen war, und in der Stadt Bestürzung und Wehklagen von allen Seiten verbreitete, war es nicht anders, L7t als wäre dem barmherzigen Johannes ein weites Feld, auf dem er noch einmal, ehe er auS diesem Leben scheide, die ganze Größe seiner Liebe offenbaren sollte, geöffnet worden. Die Bewohner von Terez waren seit einer langen Reihe von Jahren gewohnt, sein Wirken unter ihnen mit Bewunderung anzusehen; aber so außerordentlich waren die Anstrengungen, mit welchen er diesesmal, sich selbst vergessend, auf die mannigfaltigste Weise den Leidenden zu Hülse kam, daß man ihn wie von einem neuen Geiste belebt mit Erstaunen betrachtete. Es sollte ihm aber die Gnade zu Theil werden, seine Liebe als die größte, die Jemand haben kann, zu bewähren, indem er für seine Freunde sein Leben hingab (Joh. 15, 3). Er wurde von dem herrschenden Uebel ergriffen. Sobald er es wahrnahm, zog er sich in seine Zelle zurück, und seines nahen Todes gewiß, benutzte er die wenigen Tage, die ihm noch übrig waren, mit beispielloser Ruhe, um die Angelegenheiten der Spitäler, die seiner Obhut anvertraut waren, zu ordnen, und sich auf den Uebergang in die Ewigkeit vorzubereiten. Er versammelte auch seine Ordensbrüder, die sämmtlich wie seine geistlichen Söhne zu betrachten waren, um sein Lager, und ermähnte sie zu brüderlicher Eintracht, zu einem unbescholtenen Lebenswandel, und vor allein zur zartesten Liebe gegen die Kranken und Armen. Auch tröstete er sie über die allgemeine Noth, und versicherte sie, daß dieselbe bald aufhören-, und nach ihm kein Anderer von ihnen ein Opfer der Seuche werden würde. Aus diesen und andern Umständen schloß man, daß der heilige Mann, nachdem er alle Kräfte zur Linderung des allgemeinen Elends erschöpft hatte, endlich zur Hebung desselben sein Leben aufgeopfert habe, Gott nämlich bittend, daß er ihn als ein Sühnopfer für sein Volk hinwegnehmen möchte. Es war am 3. Juni Ikvt), als Johannes Peccadore, nachdem er noch einmal die heil. Sacramente mit rührender Andacht empfangen hatte, seinen Geist mit größter Ruhe betend aufgab. Wie der heil. Johannes von Gott hatte er sich von seinem Lager erhoben, und auf den nackten Boden kniend starb er, das Krenz mit beiden Armen an sein Herz drückend. — Die Nachricht von seinem Hinscheiden verbreitete sich rasch dnrch die ganze Stadt und vermehrte nicht wenig die allgemeine Bestürzung. War er ja wie ein Vater der Armen, der Wittwen und Waisen, und wie ein Schutzengel Aller zur Zeit der Bedrängmß. Allüberall erzählte man von seiner Liebe und Barmherzigkeit, seinen Tugenden, Gnaden und wunderbaren Werken, und wehklagend wollte man in seinem Tode einen Beweis finden, daß die Zuchtruthe des Herrn schwer auf dem Volke ruhe. Aber während so die ganze Bevölkerung von Terez den Tod des frommen Johannes beklagte, und sich in Lobiprüchen seiner Heiligkeit ergoß, war im Spital, in der Mitte seiner Brüder, die Weissagung, die er von seinem Begräbnisse gemacht hatte, in Erfüllung gegangen. Sey es, daß Schmerz und Bestürzung sie betäubte oder auch Furcht vor der ansteckenden Krankheit sie ergriffen hatte; die Brüder, welche bei seinem Tode zugegen waren, Peter, sein Vertrauter, zuerst von allen, — zogen sich in ihre Zellen zurück, und keiner dachte daran, seine Leiche mit Ehren beizusetzen. Vier Arbeiter endlich traten in sein Zimmer und schleppten, wie er eS vorhergesagt halte, den Leichnam mit Stricken ans dem Spital in den Garten, legten ihn dort in eine rasch geöffnete Grube, und traten die Erde über ihm mit Füßen fest. ES ging aber auch seine letzte Weissagung in Erfüllung. Die Pest hörte auf, und keiner seiner Brüder ward von ihr hingerafft. Nichtsdestoweniger wurde dem Diener Gottes noch immer kein ehrenvolleres Begräbniß zu Theil. Zwar hatten sich seine Ordensbrüder, als der erste Schrecken vorüber war, der Art, wie ihr gemeinsamer Vater begraben worden, mit Schreck und Beschämung erinnert; doch begnügten sie sich damit, die Leiche wieder aufzugraben, in einen Sarg zu legen, und dann in dieselbe Grube, worin er bis dahin gelegen, zu senken. So blieb die Grabstätte eines so außerordentlichen Mannes nngeehrt, bis die Zelt gekommen war, wo Gott seinen Diener, der sich selbst erniedrigt hatte, erhöhen wollte. Manche der Gnaden, welche die Gläubigen auf die Fürsprache des Hingeschiedenen erhielten, wurden an seinem Grabe und zwar auf sichtbare Weise ertheilt; und indem man schon deßhalb auf den Gedanken kommen mußte, daß Gott ein ehrenvolleres Begräbniß desselben wolle, so 272 wurde man darin durch eine übernatürliche Erscheinung, die sich vor den Brüdern des Spitals über dem Grabe oft erneuerte, bestärkt. Nachdem die geistliche Behörde an Ort und Stelle alles auf das Sorgfältigste geprüft hatte, wurde, ein Jahr nach dem Tode des Ehrwürdigen, die feierliche Uebertragung der Leiche in die Kirche des Spitals zum heil. Sebastian beschlossen. Im Beiseyn der Geistlichkeit und der angesehensten Einwohner der Stadt ward das Grab eröffnet, der Leib, an dem das Haupt noch ganz unversehrt war, in einen kostbaren Sarg gelegt, und dann der feierliche Leichenzug vom Garten in die Kirche geordnet. Die Vornehmsten der Stadt trugen die Bahre, sämmtliche Ordensstände und alle Weltgeistliche schlössen sich dem Zuge an, und die Menge deS Volkes war unzählbar. In der Kirche wurde der Sarg auf einem prachtvollen Gerüste ausgesetzt, und nach dem Hochamte und der Einsegnung der Leiche vestiegen mehrere Redner die Kanzel, um von den Tugenden und Gaben des Gottseligen, zum Preise Gottes, der ihn so hoch erhöht, zu dem zahlreichen Volke, daS sich in die Kirche gedrängt hatte, zu reden. Aber ein wegen seiner Frömmigkeit eben so sehr als wegen seiner Gelehrsamkeit angesehener Priester, der Dr. Randone, welcher viele Jahre lang der geistliche Führer des Verstorbenen gewesen war, erzählte von den Wundern der Gnade, was nur ihm bekannt seyn konnte. Da begann die ganze Menge, die ihm zuhörte, in immer größerer Bewegung Thränen der Rührung zu vergießen, und endlich in Schluchzen und lautes Gebet ihre Empfindungen zu ergießen. Bald dankten sie Gott, der die Wunder seiner Liebe unter ihnen erneuert, bald riefen sie Johannes, an dessen Verherrlichung von ihm sie nicht zweifeln konnten, um seine Fürsprache an. — Die Leiche ward endlich beigesetzt, und von dem Tage an blieb daS Grab dessen, der sich den Sünder nannte, die Zufluchtsstätte aller Bedrängten. So viele Gnaden ertheilte Gott an demselben, so lebhaft blieb die Erinnerung an das Leben und Wirken des Hingeschiedenen, daß der heil. Stuhl, von der Stadt Xerez ersucht, die Veranstaltung deS Processes zu seiner Seligsprechung genehmigte. Derselbe begann zwar schon dreißig Jahre nach dem Tode Johannes', aber durch manche Zeitumstände unterbrochen ist er erst in unsern Tagen zur Vollendung geführt. Wir haben nichts berichtet, als was in den Acten desselben seine Bestätigung findet. England. Der „Catholic Standard" spricht sich sehr vortheilhaft über die Fortschritte des Katholizismus aus: „England, so heißt eS dort, früher die Wohnstätte der Wahrheit und das Land der Heiligen, kehrt rasch zu der Einheit zurück, von der es sich vor dreihundert Jahren trennte. Die katholische Hierarchie nimmt dort ihre gesetzmäßige Stellung wieder ein, und unter der weisen Leiiung des ausgezeichneten Cardinals, welchem daS Amt übertragen ist, die Kirche in diesem Lande zn leiten, sieht man, wie die Beweise.deS Triumphs unserer Religion sich vervielfachen. Von allen Seiten erheben sich neue Missionen; die dem Dienste des Allmächtigen geweihten Kirchen werden vergrößert und verschönert; die religiösen Genossenschaften erweitern das Feld ihrer Wirksamkeit, lindern die Leiden der Menschen und offenbaren den Geist des wahren Christenthums; die Gymnasien und die verschiedenen Schulen blühen und werden Musteranstalten; kurz, überall erblickt man Denkmäler, welche der Wahrheit, dem Glücke der Menschen und der Ehre Gottes geweiht sind. Zu diesen Bemerkungen wurden wir durch die interessanten Umstände veranlaßt, welche die Einweihung der neuen Kirche zu Stradford am Avon bezeichneten. Erst vor neun Monaten war hier eine Misston errichtet, damals befanden sich in dem Flecken etwa acht oder zehn katholische Familien; wenn man nun erwägt, daß eS in England wenige Dörfer gibt, wo der Irrthum so tief Wurzel gefaßt hatte, als hier, kann man sich leicht vorstellen, welche Hindernisse die Mission hier fand. Doch war der Erfolg vollständig, und übertraf durch die Gnade Gottes alle Hoffnungen. AIS Geistlicher war angestellt Alfred Dayman, ein Convertit, welcher früher in demselben Dorfe anglikanischer Geistlicher war." (Münst. S.-Bl.) Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. Verlags - Inhaber: F. C. Kremer. Dreizehnter Jahrgang. Sonntags-Beiblatt zur Aügslmrger pokMung. 28. August. SS. 1853. Diese» Glatt erscheint regelmäßig alle Tonutaae. Der halbjährige Ado»ucv,knt«vrei« 5t) kr,, Wofür c« durch alle töniql. baver. Postämter und all? Bnchhaudlnnqen dezoa'n werde« kann Reifen eine» englischen Geistlichen vor seiner Bekehrung. (Aus der Wiener Klrchcnzeituna, ) Drei Jahre sind ungefähr verflossen, seit in England der anglicanische Geistliche und Rector oder Pastor von Launton im BiSlhumc Orford, der Herr Thomas William Allies sich zum Katholicismus bekehrte. Wir erlauben uns, hier einige Auszüge auS seiner Reisebeschreibnn^, „Journal in krsnee in 1845 snä 1843 >vitlt Leiters krom Ital^ in 1847," betitelt, mitzutheilen. Man sieht anS dieser vor seiner Bekehrung verfaßten Neiscbeschrcibnng, daß er, obschon mit Leib und Seele dem Anglicanismus zugethan, sich gleichwohl frei machen wollte von allen Vornrtheilen gegen den Katholicismns, und weil er nichts als die Wahrheil wollte, alle Gehässigkeiten verachtete. Darum sieht man ihn auf seiner Reise überall um Aufklärungen fragen über die katholischen Lehren und Gebräuche; wo er sich nicht für überzeugt hält, ruhig bleiben, und alle bittern Aeußerungen vermeiden über das, was in seinen Augen nicht gut ist. Wir finden in ihm einen Manu voll Ausrichtigkeit und ehrlichen Sinnes, der die Wahrheit über Alles setzt, und ihr alle Opfer bringt. Seine Erzählung ist frei v.'n allen bittern Aeußerungen uud heftigen Ausfällen; er widerspricht manchen Vorurtheilen der Protestanten, und hat darum in England einen heftigen Streit veranlaßt, so zwar, daß sogar der Bischof von Orford im Begriffe stand, sein Werk gerichtlich zu verfolgen. Seine Einleitung zu dem Tagebnche seiner Reise in Frankreich in den Iahren, 1845 und 1848 beginnt er mit den Worten: „Von der großen Zahl englischer Herren und Damen, die in den letzten Jahren das Festland bereiset haben, haben Verhältniß- mäßig wenige, däucht mir, eg ihrer Zeit werth geachtet, viel Ausmerksamkeit der Wirksamkeit der Kirche zuzuwenden in den Gegenden, welche sie besucht haben. Zweifelsohne haben sie alle die steinernen Gebäude der römisch-katholischen Religion betreten; aber daS geschah im Allgemeinen mehr um dieselben alö öffentliche Denkmale zu besichtigen, denn als ein Hauö dcS Herrn für alle Nationen. Doch wie viele dieser Reisenden, welche die Zeit hatten und unabhängig waren, baben sich daraus verlegt, um die mannigfachen Einrichtungen zu begreifen für die Erziehung von Geistlichen oder Laien, für die Tröstung der Leidenden, für den Unterricht der Armen und Verlassenen, oder für die Beförderung des innern Lebens, durch welche die Kirche die Welt christlich macht und des inenschlichen Herzens sich bemeistert? Ich spreche mich jetzt nicht darüber aus, ob daS ganze römische System wahr oder falsch, rein oder verderbt ist; ich betrachte eS einfach als eiu Factum. Und von diesem Gesichtspunkte auö ist vielleicht auf der Erde kein Gegenstand der Betrachtung des nachdenkenden Verstandes so sehr werth, als die römische Kirche. Als Geistlicher der angli- canischen Kirche halte ich es nicht für wahrheitsliebend, passend, christlich oder weise, meine Angen vor einem solchen in der Welt bestehenden Factum zu schließen. Mich dünkt, daß man trachten muß, es zu begreifen. Sie, die alte Leidenschaften wieder 274 zu entflammen suchen, sie, die sich die Mühe nicht geben, um Lehren zu verstehen, wie sie durch Jene, welche darin unterweisen, gelehrt werden, sondern sie muthwillig verkehrt begreifen und verkehrt darstellen; sie selbst, die sich zufrieden stellen in einem Zustande von Scheidung, sündigen sie nicht gegen ihn, der in den Tagen seiner Erniedrigung zu seinem Vater flehte: „„daß sie Alle Eins seyn mögen, wie Du, Vater, in mir, und ich in Dir, daß sie auch EinS seyn mögen in unS; damit die Welt glauben möge, daß Du mich gesandt hast."" Verwirklichen solche endlich das Factum, daß die Kirche von England „die Kirche von Rom betrachtet als einen eben so wirklichen Theil der katholischen Kirche als sie selbst ist?" Hierauf betrauert er es, daß beide Confessionen sich in einer so großen Unwissenheit des gegenseitigen Zustandes befinden, bekennt jedoch, daß die Unwissenheit auf Seite der Anglicaner viel größer ist, Darum wünscht er einigermaaßen daS Werkzeug zu seyn, um Vorurtheile zu beseitigen, oder falsche Begriffe aufzuklären. „Wäre Alles ins Werk gesetzt, was für eine Versöhnung gethan werden kann, und bliebe dann noch der gegenwärtige Zustand von Feindschaft und Entgegenwirkung bestehen, dann würde dieses eine traurige Voraussicht für die Zukunft seyn; aber wenn hierin Unwissenheit und verkehrte Beurtheilung einen so großen Antheil haben, haben wir dann keine bessern Dinge zu fassen? Lehrt unS nicht die Vorsehung durch daS, was beiderseits vorfällt, daß die Kirche GotteS in allen Ländern sich gegen den gemeinschaftlichen Feind vereinigen muß? „DaS einzige Verdienst seines Tagebuches," sagt er, „wenn eS einiges Verdienst hat, ist daS Streben, in dem römisch-katholischen Systeme die Dinge zu sehen, wie sie sind, alle Vorurtheilc abzulegen, nicht daS zu verurtheilen, was dem widerstreitet, dem man gewöhnlich begegnet, sondern zu trachten, die Grundsätze zu begreifen, worauf es ruht. Frankreich ist ohne Zweifel einer der merkwürdigsten Theile der römischen Kirche. Die ganze Ernte der schrecklichen Convnlsion von 1739 ist reis geworden, aber auch sie ist weit von einer bereits vollendeten Einsammlung. Der Unglaube herrscht öffentlich. In Nichts kamen Alle, nzit denen er sprach, mehr überein als hierin, daß menschliche Rücksichten und weltliche Macht gegen die Kirche und Religion waren, und wenn die Heuchelei die Huldigung ist, welche die Untugend der Tugend darbringt, wie steht es denn mit dun Lande, wo die öffentliche Meinung eine Heuchelei fordert in dem öffentlichen Bekenntnisse deS Unglaubens? AuS diesen und andern Gründen, fährt er fort, begreife ich, daß die Kirche Gottes am besten in Frankreich zu sehen ist, wo sie wirkt durch ihre eigenen innern Kräfte, nicht allein nicht durch die Welt unterstützt, sondern aufs grausamste durch sie gequält und äußerlich so verdrückt und erniedrigt, daß nichts anderes, als das unwiderstehliche Leben des Evangeliums die Menschheit in solchen Verhältnissen würde dnrchdringen und bearbeiten können. Gott verhüte, daß ein solcher Zustand in England sich verbreitete — und möchte es seyn, dann gebe Gott gleichfalls, daß die Kirche in den Tagen ihrer Noth Diener und Dienerinnen, Priester, Lehrer und barmherzige Schwestern haben möge, so srei von Selbstsucht, so arbeitsam, geduldig und eifrig, als er sie ihr in Frankreich erweckt hat." Nachdem er mit Bewunderung von verschiedenen in Frankreich bestehenden Einrichtungen gesprochen hat, schreibt er den Brüdern des christlichen Unterrichtes und den verschiedenen barmherzigen Schwestern einen unberechenbaren voriheilhasten Einfluß zu. „Ihre selbstsuchtslose und liebevolle Arbeit würde der größte Segen seyn für unsere Pfarrpriester, die einerseits kämpfen gegen ein sehr praktisches Heidenthum, und andererseits gegen verschiedene Formen von DifsenterS, von deren Lehre man sagen kann, daß ihr Wesen besteht in vollständiger Leugnung der Kirchenlehre im Puncte der Erlösung- und im Allgemeinen alles objectiven GlanbenS außer dem Opfer unsers Herrn für die Sünden der Menschen und dem Wirken deS heiligen Geistes. Man wird durchgängig sehen, daß ich die Nichtwürdkgung des Guten im römisch- katholischen Glauben und Handeln nicht ansehe als einen nothwendigen Bestandtheil deS Charakters eines Geistlichen der englischen Kirche. Ich bin vollkommen überzeugt, daß die Vereinigung der englischen Kirche Mit der Kirche von Rom ein unberechen- 275 bareS Glück sey» würde für die ganze Kirche Gottes und des menschlichen Geschlechtes, Wer anch die Scheidung gemacht habe, wir brauchen an seiner solchen Vereinigung nicht zu verzweifeln, für deren guten Vollzug brave Leute auf beiden Seiten hoffen und beten müssen." Jetzt beginnt er die Erzählung seiner Reise in Frankreich im Jahre 1845. Wir wollen hier nicht sprechen von seiner Bewuuderuug für die mannigfaltigen katholischen Anstalten, die er besuchte. Er kam mit vielen der ansehnlichsten Geistlichen ins Gespräch, das meistens ans theologische Gegenstände sich bezog. Ueberall suchte er sich zu unterrichten und zu sehen, was von manchen Vorurtheilen zu denken sey. So sagt er Seite 25: „Die Gemeinschaft der Heilige», als eine praktische Lehre, hat so wenig Kraft unter uns, und nimmt eine so bedeutende Stelle ein in der römische» Theologie, daß wir unfähig zu seyn scheinen, jeden Andern in diesen, Puncte zu begreifen. Und das, was das natürlichste Gefühl des Herzens ist sür ein gottesfürchtigeS Gemüth in der römischen Kirche, hat den Schein von Abgötterei in der anglicamschen Konfession." Vor Allem schienen ihm zwei Schwierigkeiten fortwährend in Gedanken zu bleiben, in Betreff deren er sich mühsamer seiner Vorurtheile entledigen konnte, und diese waren: die Verehrung der heiligen Jungfrau und der Zustand der Anglikaner in ihrer Kirche. Und nichtsdestoweniger emvfing er von den verschiedenen Personen, mit denen er darüber sprach, eben dieselbe Antwort. In Betreff deS ersten gab man ihm überall zur Antwort, daß die Katholiken Maria nicht anbeten, daß solch' eine Behauptung eine Verlästeruug der katholischen Lehre sey. In Betreff des zweiten erhielt er überall die Antwort, daß jener Zustand nicht beruhigend sey, daß die einzige Hoffnung auf ein ewiges Glück für ihre Anhänger bestehe in einem braven Leben und dem guten Glauben, der wähnte, sicher die Wahrheit zu besitzen. Eben dasselbe einhalten die Briefe während einer andern Reise von Frankreich nach Italien im Jahre 1847 geschrieben. In einem Briefe auS Genua vom 20. Juli sagt er: „Die volle Erkenntniß des aScetischen und klösterlichen Lebens als eines christlichen Standes, und zwar des höchsten in dieser Art, ist von unberechenbarer Bedeutung. Im Mangel hieran kommen alle unsere großen Einrichtungen, sey eS sür den Unterricht, sey es für die Leitung der Jugend, sey eS für die Versorgung der Kranken, gerade da zu kurz, wo sie stark seyn müßten; sie haben keine Autorität; die Welt, ihre Anschauungsweise und Grundsätze und Maaßregeln herrschen da, wie im gewöhnlichen Leben; und die Ursache, in Folge deren die Dinge sich so gestalten, ist diese, daß das wahre Leben, welches allein über der Welt ist, und seine Bedürfnisse und Regeln ausgeschlossen und verurtheilt sind. Wir haben Personen, wir haben große Geister, wir haben Geld; aber wie werden wir Grundsätze zurückbekommen, die wir in der Praxis ausgegeben haben. Die Geringschätzung des CölibateS, der Nichtbesitz der religiösen Orden erscheint als ein System des Christenthnms ohne Kreuz." (Seite 123 uud 124.) In dem Tagcbuche seiner Reise in Frankreich treffen wir dieselben Puncte an, aber sie treten schon schärfer hervor; schon ist der Herr Allies der Wahrheit näher gekommen. „Fürwahr, sagt er da, der Schlüssel aller römischen gottesdienstlichen Uebungen ist: „.Das Wort ist Fleisch geworden und hat unter unS gewohnt."" Die Gegenwart der Menschwerdung brütet als ein Geist über Allem, gibt jeder Kniebeu- gung am Ältare einen Sinn, jeder Autorität Leben, Harmonie der wundervollen Reihe der Heiligen mit der jungfräulichen Mutter an ihrer Spitze, die Fürbitte einlegen bei der allerhciligsten Dreifaltigkeit, und ihre Gebete verbinden mit den Chören der Engel und den Stimmen schwacher Menschen, die den Streit des Fleisches auskämpfen. Der ganze Gottesdienst dreht sich um die Menschwerdung, erweitert, auf das tägliche Leben angewendet, uuterS Auge gelegt und inS Herz gelegt, den Büßenden umgebend am Beichtstuhle, den Priester entflammend am Altare; Kinder leben davon, ohne sich dessen bewußt zu seyn; Mütter sehen durch sie auf ihre Kinder nieder, so daß die mütterliche Liebe selbst tiefer, wärmer und heiliger wird; durch sie erträgt der Priester sein Leben voll Mühe und Selbstverläugnung so leicht, daß die S76 Liebe das Brod zu sey» scheint, von dem er lebt, WaS ist davon daS Geheimniß? ES ist daS täglich am Morgen , stattfindende Sich-nähern dem Allcrheiligsten, das tägliche Empfangen dessen, der Fleisch und Blut vergöttlicht..... „,/Daö Wort ist Fleisch gcwoiden unv hat unter unS gewohnt,"" ist das Erste und das Letzte: er kommt in der Mitte einer Wplke von Heiligen; sie sind im Besitze von Macht, weil sie die Seinen sind; ihre Werke sind mächtig, weil er in ihnen wirkt; ihre Bitten siegen, weil sie, obwohl Fleisch und Blut, Mi'genvssen dcS Fleisch gewordenen Wor« teS geworden sind. Sie vor Allem, deren reinste Substanz er nahm, um für immer die Scinige davon zu bilden, so daß, was von ihr kam, in hypostatischer Vereinigung mit Gott ist..... So betrachtet ist die Gemeinschaft der Heiligen etwas Wirkliches, unser tägliches Leben in tausend Puncten umfassend, die Ausbreitung der Menschwerdung..... Für Jene, welche die heilig/schauervolle Gegenwart am Altare nicht verwirklichen, sind die Heiligen eben so viele zu Göttern und Göttinen gemachte sündige Männer und Franen, und ihre Verehrer Götzendiener. Wie Vieles verliert daö Volk durch solch' einen falschen Begriff; wie gar sehr fehlt es ihnen an dem Begreifen der Länge und Tiefe, und Breite und Höhe der Wahrheit; sie Halbiren und vimheilei! die Menschwerdung, und brüsten sich damit, daß sie allein dieselbe begreifen. Die vervielfachten Gebete und Lobgesänge scheinen ihnen Fvrmwerk zu seyn, die Beugung dcö Leibes ein Spott, weil sie den nicht uuterscheiden, der zwischen den goldenen Leuchtern wandelt — es ist Leere für sie da, weil er nicht da ist." (S. 192—194). Viel sprach AllicS auf dieser Reise über die zwei bereits genannten Puncie und üt»r die Machtvollkommenheit des PapsteS. Endlich finden wir am Schlüsse seines WerkchenS merkwürdige Aeußerungen. „Ich bin getroffen durch die Kraft in der römischen Kirche, ausgeübt durch daS große Dogma der wirklichen Gegenwart. ES ist der Mitte,Punct und daS Leben deS Ganzen. Cs ist der geheime Grnnd der beschwerlichen und selbstverläugnenden Sendung deS Priesters; davurch vor Allem halten sich auch die religiösen Orden ausrecht; die wärmsten, tiefsten, demüthigsten, segensreichsten und entzückendsten Rührungen umgeben dasselbe, die Nonne, die schweigend Stunden laug anbetet, indem die eine von der andern das einsame, mit heiligem Schauer erfüllende Wachen in der unmittelbaren Gegenwart deö Königs der Könige übernimmt, die Menge der Anbeter, die knicen in dem glücklichen, aber heilig-hehren Augenblicke, wo Erde und Himmel verbunden sind durch die Herabkuuft deS geheimnißvollen Bräutigams in den Tabernakel seiner Kirche; die fromme Seele, die nicht ein- oder zweimal, sondern oftmals im Tage sich vor ihm vcrdcmüthigt; die Congregationcn, die den Tag schließen, indem sie ihre Huldigungen unmittelbar ihm darbringen, als gegenwärtig verdreifachen, menschlichen Natur, dem Leibe, der Seele und dem Geiste. Das Alles bekundet den tief prakti- fchcn Einfluß, welchen das Dogma von der wirklichen Gegenwart auf katholische Gemüther ausübt. Sind ihre Kirchen nicht heiliger für die gläubige Seele, als der Tempel zu Jerusalem war, wenn die sichtbare Glorie des Herrn herabstieg? Zeigt nicht die blasse Lampe, welche vor dem Tabernakel brennt, eine Gegenwart an, unaussprechlich mehr mitleidend, gnadenvoller nnd entzückender für den Menschen?" (Seite 34l) und 3-4 l.) Er vergleicht damit den kalten Gottesdienst in den anglicani- schen Kirchen. „Daö wirkliche Bestehen deS römischen Priesters (so fährt er fort), der Ersatz für Alleö, was er thut oder leidet, hängt ab von jener halben Stunde deS TagcS, in welcher er seinem Herrn begegnet. Welch' ein unnennbares Vorrecht..... Und wie würde der Mönch oder die Nonne leben können, wenn nicht durch den beständigen Empfang der hl. Encharistie und die andauernde Betrachtung der Menschwerdung: England hat die Mönche und Nonnen verbannt, und die Annen vergehen durch Mangel am Brode des Himmels, und die Kranken sterben in einem uubclehrten Heidenthum, und die Jugend wird verleitet durch jeglichen Wind von Lehren, indem sie allzeit lernt, aber nie zur Kenntniß der Wahrheit kommt. Und zugleich mit den sich selbst verläugnenden Orden, die zeugen von dem überreichen Leben, das aus der Tiefe von Christus Kirche hervorquillt, hat England daS Dogma der wirklichen 277 Gegenwart verbannt nicht aus seiner Lehre, sondern in seiner Eigenschaft als der irbendigcn und durchdringenden praktischen Wahrheit, welche die Arbeit jedes TageS beseelen und belohnen, und all' den Jammer der Menschheit trösten müßte. O möchte der Geist Gottes das Lebe» der praktischen Handlung von jedem Tage einathmen, in die allen katholischen Formeln, die jetzt ein Verweis für unsere Entartung sind! O mochten unsere tiefen nnd breiten Prcöbyterien der alten Zeit.... noch einmal vas Brautgemach seyn, wo der erstandene Erlöser herabkommend auS des Himmels Höhen Gemeinschaft halte mit seiner Kirche." (Schluß folgt.) Die russische StaatSkirche. (Dritter Artikel.) DaS Patriarchat der russischen Kirche war keine göttliche Stiftung; Christus, der Sohn GotteS, hatte nicht von ihm gesagt: „Auf diesen Felsen will ich meine Kirche bauen und die Pforten der Hölle sollen sie nicht überwältigen;" — als bloß menschliche Stistung konnte es durch dieselbe menschliche Willkür, die eS gegründet, auch wieder aufgelöst werden. Wir finden in seinen Trägern keine heldenmüthige, glaubcnSlreue Bekenner, die mit ihrem Blnte und Leben für ihr Recht einstehen; wir finden kein Märtyrthum, sondern eine weltliche Herrscherhand, die den Patriarchenstuhl errichtete nnd zu stürzen wagen konnte. Das russische Patriarchat fiel nach fast nur hundertjährigem Bestände; wie es der Wüstling Godunow gestiftet hatte, so wurde es von dem despotischen Peterl. vernichtet. Peter der Große besaß zu viel Herrscherwillkür, als daß er ein selbstständiges geistliches Regiment hätte neben sich dulden können. Er beschloß daher, um gänzlich unumschränkt herrschen zu können, das Patriarchat abzuschaffen. Er ging hierbei mit großer List und Schlauheit zu Werke. Es war ihm sehr wohl bekannt, daß der Patriarch, bei aller Schwäche und Abhängigkeit vom Großfürsten, dennoch ein gewisses Ansehen beim Volke genoß; er wär der Erklärer und Ausleger deS evangelischen Gesetzes und durfte als solcher dem Staatsoberhaupte Vorstellungen machen. — Am Palmsonntage folgte der Patriarch, die Person des göttlichen Heilandes vorstellend, auf einem Esel der feierlichen Procession der Geistlichkeit und deö Volkes. DaS Thier trug eine goldene Decke; der Czar führte es am Zaume, hielt dem Patriarchen den Steigbügel; so war eS herkömmlich. — Um langsam und allmälig daS Ansehen deS Patriarchen zu uniergraben, hob Peter zuvörderst diesen Gebrauch auf. — Es war ferner Sitte, daß sich der Patriarch und der Czar an jedem NeujahrStage öffentlich küßten und umarmten; auch diesen Gebrauch schaffte er durch einen Ukas vom Jahre 1699 für immer ab. — In den ersten Jahren seiner Regierung durfte er aus politischen Gründen die Patriarchen-Würde nicht öffentlich angreifen oder aufheben. Denn der verfolgte Patriarch h.itte sich nur für die Partei der Halbschwester PeterS, der mächtigen Sophie, welche die ersten Regierungöjahre PeterS so stürmisch und schwierig machte, zu erklären brauchen, um einen so ernstlichen Aufstand in ganz Rußland zu erregen, daß der Sturz PeterS mit leichter Mühe hätte können herbeigeführt werden. Er zog daher vor, diese Würde von selbst fallen und in Vergessenheit gerathen zu lassen. In schlauer Weise wartete Peter den Zeitpunct ab, wo der Patriarchenstuhl durch den Tod seines letzten Würdenträgers erledigt war. Der letzte Patriarch Hadrian starb im Jahre 1702. Der Czar wußte die Wahl eines neuen Patriarchen unter mancherlei Vorwänden zu verschieben, und übertrug zunächst die Verwaltung des Patriarchates dem Metropoliten von Räsan, der aber weder daS Ansehen des Patriarchen hatte, noch auch alle Rechte desselben ausüben durfte. Es blieb also von der Patriarchen-Würde nur der Schatten, und dieser auch nur so lange, als cö Peter gut schien. — Er ließ jetzt durch einen UkaS vom Jahre 1702 die 278 Spotlftste an seinem Hofe zu Moskau einführen, und bediente sich derselben besonders, um dem Herzen deS Volkes die Hochachtung und Ehrfurcht zu nehmen, die eS noch bis dahin vor der Patriarchat - Würde gehabt hatte. Schon im Monat Mai des JahreS 1702 ließ er eine große HofmaSkerade veranstalten, in welcher vorzüglich die kirchlichen Sitten und Gebräuche, so wie die Bestrebungen deS hohen KlcruS auf das Lächerlichste dargestellt wurden. Der berühmte Sotow, PeterS erster Lehrer, mußte hier die Rolle eines abgesetzten, um den Besitz seiner Rechte ringenden Patriarchen darstellen. Es kommen allerdings im Leben PeterS des Großen einige Züge vor, in denen er eine Vorliebe für die lateinische Kirche und ein Verlangen nach der Wiedervereinigung mit ihr zu offenbaren scheint. Wäre aber die Herstellung deS Friedens zwischen der russischen und lateinischen Kirche sein aufrichtiges Streben und Arbeiten gewesen, so hätte er dieses Ziel eben so leicht, als die Einführung der Synode erreichen können. Weil er überhaupt mit dem russischen Volke seine Absichten verfolgte, ihm eine gewisse Erziehung und Bilduug zu geben, benutzte er die Mittel, welche sich in der lateinischen Kirche fanden, jedoch nur so lange, als es ihm gut schien. Ans die kräftige Fürsprache und Vermittlung des österreichischen Kaisers JosephsI. hatte Peter den römischen Katholiken freie Religionsübuug ertheilt und die Erlaubniß gegeben, in Moskau sich eine schöne unv große Kirche von Stein zu erbauen, da bis dahin nur ein kleines Bethaus von Holz geduldet war. Um die russischen Mönche, die im Wohlleben schwelgten, aufzuwecken, und Wissenschaft unter Klerus und Volk zu verbreiten, ließ er ferner die Capuciner und Jesuiten in seine Staaten kommen und ertheilte ihnen freie Wirksamkeit in der Ausübung ihres Berufes. Beide religiöse Körperschaften erhielten die Erlaubniß, Missionshäuser in Moskau zu errichten, um von hier aus für die Bedürfnisse der im Innern dieses großen Reiches angesiedelten Katholiken sorgen zu können. — Wie er aber aus eigenem Antriebe die Jesuiten nach Rußland berufen hatte, so vertrieb er sie auch später wieder, als sie ihm in der Ausführung seines Planes hinderlich wurden. Ungefähr zwanzig Jahre ließ Peter der Große den Patriarchenstuhl unbesetzt. Während dieser Zeit sollte das Andenken an die Rechte und Würde des Patriarchen immer mehr beim Volke erlöschen; zudem handelte der Czar in dieser Zeit in kirchlichen Dingen ganz nach Willkür und Laune, um das' Volk und den Klerus an seine Regierung in geistlichen Dingen immer mehr zu gewöhnen. — Er besteuerte die Besitzungen der Klöster und Bischöfe; die verschiedenen Titel und Würden mehrerer Visthümer schaffte er ab und bei Erledigung derselben befahl er, einen einfachen Bischof zu wählen und dieser wurde noch in der freien Ausübung seiner Rechte vielfach - beschränkt. Dann nahm Peter auch die Reform der Mannö- und Franenklöster vor, und schaltete in denselben nach Belieben. — Gegen die unirten Basiliancr in Polozk verüble Peter eine Grausamkeit, die mit Recht eine wahre Schandthat zu nennen ist. Der Czar ward bei seiner Ankunft in Polozk auf das Ehrenvollste empfange» und ihm ein glänzendes Gastmahl bereitet. Taumelnd und vom Trunke übermannt wankte Peter mit seinen Bojaren zur Nachtszcit durch die Straßen der Stadt. Der Frühgesang der Basiliancr weckte ihn auf diesem melancholischen Spaziergange ans dem Schlafe und die Neugier führte ihn in ihr Kloster. In der Mitte des Thores befand sich die Slatue des heil. Josaphat, der ehemals Archimandrit dieses Klosters war, mit dem Zeichen seines MärtyrtodeS, der Art in der Mitte deS KopfeS. Peter fragte erstaunt den Vorsteher des Klosters, einen frommen, ehrwürdigen Greis von fast achtzig Jahren, was dieses bedeute, und wer diesen Bischof getötet. „Die Schismatiker," erwiederte der Greis, „denen Eure Majestät angehören," Wie, rief der Czar erzürnt aus, wir sind also Tyrannen? — Bei diesen Worten zog er den Säbel auS der Scheide, unv versetzte ihm einige Hiebe. Der Greis sank zu Boden. Nun fielen die rohen Begleiter des CzarS über ihn her, und tödteten ihn vollends nebst zwei andern Vätern, die dem Sterbenden zu Hilfe.geeilt waren. Als er nach vollbrachtem Mord das Kloster verlassen, kam er zur Besinnung; er gestand später, diese Missethat im L79 Wahnsinn und in der Betrunkenheit verübt zu haben, und in jenem fürchterlichen Augenblick kein Mensch, sondern ein Thier gewesen zu seyn. Um den Übeln Eindruck dieser Schandthat in etwaö zu verwischen, versprach er zur Buße mehrere Kirchen für die Katholiken und auch einige Klöster für die Jesuiten und Capuciner in seinen Staaten zu erbauen. Er wohnte auch in Polozk dem Hochamte bei und ging nach Beendigung desselben in dem Kollegium der Jesuiten zur Tafel. Während des ganzen Mahles hatte Peter den Reclor deS Kollegiums zu seiner Rechten, ihm zur Linken und hiuter dem Rector saßen die ihn begleitenden Bojaren und Fürsten. Als es zum Toastiren kam, nahm Peter vom P. Rector das Barett, setzte eS sich mit Ehrfurcht auf, erhob sich von seinem Sitze und brachte den ersten Toast Sr. Heiligkeit Papst Elemens XI., dessen hohe Verdienste öffentlich preisend und betheuernd, daß er nichts sehnlicher wünsche, als nach geendetem Kriege ihm seine Ehrfurcht und Verehrung in Rom darzubringen, wie er eS schon bei seinem Aufenthalte in Venedig im Sinne gehabt habe, woran er nur durch die plötzlich eingetretenen Unruhen verhindert worden. Wer konnte es glauben? — Offenbar rieth die Politik, durch diescS Auftreten die Katholiken zu beruhigen und den Übeln Eindruck, deu der dreifache Mord an den Basiliauer- Mönchen hervorgerufen, in Vergessenheit zu bringen. Seine feindselige Gesinnung gegen die katholische Kirche zeigte er auch besonders in den zwei berüchtigten Ukasen vom 17. April 1719; durch den einen UkaS wurden die Jesuiten von Moskau vertrieben, durch den andern aber bestimmt, daß Ehen zwischen Russen und andern ReligionS angehö- rigen zwar erlaubt seyn sollten, die Brautleute aber vor ihrer Trauung schriftlich erklären sollten, die aus ihrer Ehe hervorgegangenen Kinder in der griechisch-russischen Religion erziehen zu lassen. Dieselbe despotische Gewalt bewies der Czar gegen seine Unterthanen, um sie für seine Plane empfänglich zu machen. Er schaffte die alte orientalische Kleidertracht ab nnd verordnete, daß die Frauen, die bis dahin von den Gesellschaften der Männer ausgeschlossen waren, freien Zutritt haben sollten. Kurz, der Despotismus in Rußland gelangte durch Peter den Großen zu seiner vollendeten Entwicklung und Ausbildung; er kannte keine Schranken mehr, erstreckte sich über Leib und Seele, Leben uud Tod, Inneres und Aeußeres, regierte die Gewissen und schrieb die Kleidung vor; eS bedürfte nur noch, die geistliche Gewalt vollends in die Hand zu nehmen, um jenen Begriff von Despotismus zu verwirklichen, wie ihn Friedrich v. Schlegel aufgestellt hat. — Bereits waren viele Neuerungen in den Gebräuchen und in dem Hofcercmoniel des hohen Klerus vorgenommen und war dnrch die oben erwähnten Hofmaskeraden dahin gewirkt, daß dessen Ansehen immer mehr untergraben ward. (Schluß folgt.) Jntroduetton und Inthronisation deS hochwürdigsteu Herrn Fnrst- Erzbischofs von Wien, Joseph Othmar Ritter von Rauscher. Wien, 15. Juli. Am Morgen um halb 7 Uhr gab die große Glocke vom Münster zu St. Stephan das Zeichen, daß an diesem Tage der Wiener Erzdiocese im kirchlichen Vollzngsacte ein neuer Oberhirt geschenkt werden solle. Um halb 8 Uhr versammelte sich das hochwürdige Metropolitancapitel, die drei Suffraganbischöfe, die Aebte der Stifter, welche in der Wiener Diöcese liegen, die dreißig Pfarrrepräsentanten Wiens, die Landdechante, der RegularkleruS, und Hunderte von Weltpriestern der Diöcese in der Hof- und Pfarrkirche zu St. Augustin. Um 3 Uhr kam der hochwürdigste Ordinarius von St. Veit (dem Landgute der Wiener Erzbischöfe) zur Kir- chenthüre, wurde dort vom hochwürd. Herrn Bischof von Sarepta, Weihbischos und Generalvicar der Wiener Diöcese, empfangen, küßte knieend das ihm dargereichte Kreuz, »80 wnrde incensirt, und schritt sodann zum Hochaltar, um daselbst eine stille heil. Messe zu lesen. Nach derselbe» erfolg«e die Bekleidung mit dem Pluviale und der Insel, und der Zug bewegte sich unter dem Geläute aller Glocken Wiens über den Josephs- platz, Kohlmarkt, Graben, Stockimeisenplatz bis zum Riesenthor der Metropolitau- kirche und zwar in folgender Weise: Die Spitalleute (Armenpfründner); die Jugend der Normalschule; das erzbischöfliche Haus, die Livree-Bedienten und Hausofsiciere; die Regulären in ihrer OrdenSkleivuug; die Weltgeistlichen, die Vorstadt- und Stadtpfarrer in Rocheten und Stole; die hochwürdizsten Herren Consistvrialräthe und De- chante; das erzbischöfliche Consistorialkanzlei-Personal; das erzbischöfliche Alumnat; die erzbischöfliche Kur; die Herren Prälaten, die nicht vom Domcapitel sind, in Plu- vial und Insel; das ^bischöfliche Kreuz; das hochwürdige Domcapirel; einer der Herren Domherren, welcher auf einer Tasse das erzbischöfliche Pallium, und der Consistorial-Kanzlcidirector, welcher auf einer Tasse das kaiserliche ErnennungSdecret und die päpstliche Bestätigungsbulle trug;, die Assistenz Sr. fürstl. Gnaden des hoch- würdigsten Herrn FürstcrzbischoseS; die hochwürdigsten Herren Suffraganbischöfe im Pluvial und mit der Jnfcl; Se. fürstlichen Gnaden der hochwürdigste Herr Fürsterzbischof; der Herr Bürgermeister mit dem löbl. Gemeinderalhe und Magistrate der k. k. Reichshaupt- und Residenzstadt Wien; die Bürgerschaft und das Volk; das k. k. Militär machte Spalier. Bei dem Riesenthore der St. Stephanskirche angelangt, wurden die Anwesen den von dem hochwürdigsten Herrn Ordinarius mir Weihwasser besprengt, es erfolgte die Jncensirung von Seite des hochwürdigsten Herrn Weihbischofö — und die symbolische Berührung der Kirchenschlüssel, die ans einem Polster dargereicht wurden. In der Kirche selbst hatte sich der Nector der Universität, die vier Decane und die theologische Facultät in den UnivcrsitätSstühlen versammelt, und leistete während der darnachfolgenden Acte Präsenz. Während des Einzuges in die Kirche wurde das Lece sscoriios msArius angestimmt, und das dazu gehörige Gebet verrichtet. Aus einer eigens hiezu am Ausgang deS Chores in das Hauptschiff hergerichteten Kanzel wurde uun vom Canzleidiretcor das kaiserliche ErnennungSdecret deutsch, vie päpstliche Bestätigunzöbulle lateinisch und die Bulle an die Erzdiöcese Wien deutsch verlesen. Während dem saß der hochwürdkgste Herr Fürsterzbischof mit seinen Suffraganbischö- fen der Kanzel gegenüber. Darnach ging der Zug zum Hochaltar, es wurde dort daS Gebet zu dem heiligen Kirchenpatron Stephanuö, und die Collecte pro ^.ußustis- Limo furiljätore (lmperstore) gesungen. Während dem war Se. Eminenz der hochwürdigste Herr Cardinal Viale Prela, Erzbischof, Pronuntius zc. erschienen und hielt das feierliche Hochamt, nach welchem die Bekleidung mit dem erzbischöflichen Pallium in der üblichen Weise stattfand. Nun führten die Suffraganbischöfe ihren Metropoliten auf den erzbischöflichen Sitz — während dem entfernte sich Se. Eminenz der Herr Cardinal und wurde von den Stistsprälaten und seiner Assistenz bis an daS Riesenthor begleitet. Der hochwürdigste Herr Bischof von Sarepta und Gene- ralvicar hielt eine Anrede in lateinischer Sprache, welche vom hochwürdigsten Herrn Fürsterzbischof erwiedert wurde. Hierauf folgte während Absingung des: Veni erestor 8piritu5 das Homaßium und der hochwürdigste Herr Fürfterzbischof wmde demnach in seine Residenz geführt. Möge dieser Tag für die Wiener Erzdiöcese ein Tag des Segens werden, der ihr durch den neuen Oberhirten gebracht wird. DaS ist die Hoffnung der Priesterschaft, die aus allen, auch den fernsten Gegenden des Kirch- sprengelS, so zahlreich, wie es seit Menschengedenken nicht gesehen wurde — zur Feier dieses Tages sich eingefunden. (W. Kirchenz.) Verantwortlicher Redacteur: L, Schönchen. -— Vertag« - Inhaber: F. C. Krem er. Dreizehnter Jahrgang. Sonntags-Beiblatt zur Augsburger Postzeitung. 4. September 1853. Dieses Blatt erscheint regelmäßig alle Tonntage. Der halbjährige Abonuementsprei« 4tt kr., wofür e« durch alle köm'gl. bayer. Postämter »ad alle Buchhandlungen bezogen werde« kann. Der Sonntag. (Ei» Nachklang zur heil. Mission in Augsburg.) Laßt das Mühen, laßt da« Sorgen; Heute seyd ihr so geborgen Unter Gottes höchstem Schirme: Eilet hin zum Hochaltare, Dorten winkt das Brod, das wahre. Das euch stärkt gen Weltenstürme. Freuet euch mit heil'ger Freude, Fern von Zank und bloßem Neive, In des Himmels stillem Frieden: Dann ist euch ein Feierabend, Selig einst und ewig labend, Wie den Engeln dort beschiedcs. M. -m L1. August 1353. «. F. Die russische TtaatSklrche. (Dritter Artikel. Schluß.) Endlich glaubte Peter im Jahre 1720, daß der Zeitpunct gekommen sey, wo er die Aufhebung der Patriarchal-Würde öffentlich auösprechcn und bestätigen lassen könne. Er berief im Januar 1720 die Metropoliten, Erzbischöse und Bischöfe nach Moskau, um mit ihnen die Einrichtung der kirchlichen Angelegenheiten zu ordnen. Hier machte er ihnen den Vorschlag, von dessen Nichtannahme er im Voraus voltständig überzeugt seyn konnte, daß sie sich mit Rom vereinigen und sich unter den Papst stellen sollten. Diesen Antrag schlugen die Bischöfe anö. Da erhob sich Peter in der Versammlung und richtete folgende Worte an die Prälaten: „Ich kenne keinen andern wahren und gesetzmäßigen Patriarchen, als den Patriarchen des Abendlandes, den Papst von Rom, und da ihr ihm nicht gehorchen wollet, so werdet ihr von jetzt ab mir allein gehorchen." Er fügte ferner hinzu: „Ein Patriarch sey weder zur Regierung der Kirche nöthig, noch dem Staate nützlich; er sey daher entschlossen, eine andere Form des Kirchenregimeius einzuführen, weiche die Mitte halte zwischen der Regierung einer Person (des Patriarchen) und einem allgemeinen Concil; denn beide RegicrungSsormen seyen wegen des großen Umfanges des Reiches vielen Unbequemlichkeiten und Schwie- 282 rigkei'tcn unterworfen. ES solle deßhalb von jetzt an ein kleines ausgesuchtes und beständiges Concil (Synode) errichtet, und ihm die Besorgung der geistlichen Angelegenheiten anvertraut werden." Auf die Gegenvorstellung Einiger, das Patriarchat von Kiew und ganz Rußland sey doch vorzüglich mit Bewilligung der orientalischen Patriarchen errichtet worden, erwiderte der Czar dictatorisch, sich auf die Brust schlagend: „Hier ist euer Patriarch." — Peter legte den Bischöfen die Statuten der permanenten „heiligen und gesetzgebenden Synode" vor, die jeder von ihnen unterschreiben und beeiden mußte. — Unter den Beweggründen zur Errichtung der Synode gibt der Czar unter andern an: „Da das Concil vom Monarchen gesetzt sey, und unter dessen Aufsicht verfahre, sey keine Parteilichkeit oder irgend ein Betrug zu fürchten, da der Monarch nicht das Privatinteresse, sondern das öffentliche Beste zur Absicht habe " — Ferner: „Durch die Errichtung der Synode würde Aufruhr und Empörung verhindert: denn das gemeine Volk, welches den Unterschied der geistlichen und weltlichen Macht nicht verstehe, sey leicht im Stande, durch die Bewunderung der hohen Ehre und Würde eines hohen Prälaten geblendet zu werden und zu glauben, ein solches Oberhaupt sey ein anderer Monarch von gleicher Würde mit dem wahren Monarchen, ja wohl von noch größerer Würde, und die Geistlichkeit übe eine verschiedene und unabhängige Herrschaft aus." — Durch diese Motive spricht cS Peter klar und bestimmt aus, daß der tiefste Beweggrund zur Einführung der Synode das Verlangen nach unbedingter und unumschränkter Herrschaft in geistlichen und weltlichen Dingen war. — Die Synode bestand aus einem Präsidenten, zwei Vizepräsidenten, vier Räthen und vier Assessoren. Dieser neuen Behörde nun, welche auch noch den Titel „dirigirende" erhielt, wurde als hauptsächliche Aufgabe aufgetragen, die kaiserlichen Ukase in religiösen Dingen bekannt zu machen, wie der Senat die Ukase in weltlichen und administrativen Dingen zn veröffentlichen hat. Hieraus ergibt sich schon, daß diese „heiligste Synode" ein lediglich passives Organ der kaiserlichen WillenSent- schließung ist. Weil der Kaiser besorgte' sie könnte sich einmal von so sklavischen Diensten losmachen wollen, besetzte er sie zwar wohl mit den ersten Prälaten des Reiches, übertrug aber das Präsidium später keinem Geistlichen mehr, damit eö nicht etwa einmal in die Hände eines muthigen Mannes fallen und ein solcher dann die übrigen Häupter deS russischen Klerus an sich fesseln könnte; man sand eS vielmehr in späterer Zeit voriheilhafter, einen weltlichen Beamten unter dem Namen eines „OberprocuratorS" der Synode als Präsident beizugeben. — Unter dem jetzigen Kaiser Rico laus z. B. hat die Stelle eines OberprocuratorS bei der „heiligen Synode" viele Jahre der Graf Pratassow, seiner militärischen Würde nach Generallieutenant und kaiserlicher Adjutant, verwaltet. — Um die vollständige Knechtschaft der Synode einzusehen, genügt die Bemerkung, daß die Prälaten derselben nicht nach srcier Wahl, oder nach ihrem Gutbefinden Gegenstände zur Berathung bringen können, sondern daß sie nur über jene Angelegenheiten zu entscheiden haben, die ihnen der weltliche Oberprocurator vorlegt. Die Prälaten müssen entscheiden, wenn er sie auffordert, und dürfen, wie sich von selbst versteht, auch nur so entscheiden, wie er von ihnen fordere Alle Vorarbeiten zu den Beschlüssen der Synode gehen bloß vom Oberprocurator aus, uud um das Maaß deS Despotismus voll zu machen, hat auch dieser weltliche Beamte allein die Ausführung der von der Synode gefaßten Beschlüsse zu besorgen, so daß, wenn auch ein Bischof ein freies Wort oder einen dem kaiserlichen Willen entgegenlaufenden Beschluß in Anregung gebracht hätte, dieses sich sofort als vergebliches und ohnmächtiges Bemühen darstellte, weil er selbst gar keinen Beschluß zur Ausführung bringen kann. — Der Oberprocurator steht an der Spitze eines sehr zahlreichen CanzleipersonalS, das ganz auS Laien zusammengesetzt ist; Ofsiciere sind nicht selten unter diesem Canzleipersonale. Der Oberprocurator arbeitet unmittelbar mit dem Kaiser, und empfängt, je nach seinen Berichterstattungen, die Entschließungen des Kaisers, um sie der Synode mitzutheilen. »83 ES wäre gewiß schwer, ein System auSzudenken, bei dem die geistliche Gewalt der politischen noch mehr zum Sklavendienst hingegeben seyn könnte, als in der russischen Staatskirche. Und nimmt man noch hinzu, daß eS auch wieder der Oberpro- curator ist, welcher dem Kaiser die Vorschläge zu Ernennungen aus die bischöflichen Stühle in allen Abstufungen zu machen hat, daß eS ganz nur von diesem weltlichen Beamten abhängt, auf den einen oder andern der Prälaten, welche unter seiner Direktion stchen, die Ungnade des Kaisers herabzuziehen: so wird man sich einen richtigen Begriff machen können von der unermeßlichen Gewalt, die dieser Beamte ausübt. Man wird sich erklären können, welche Furcht sein bloßes Mißfallen einflößen muß, wenn man bedenkt, welch' einen unumschränkten Despotismus er ausübt, und mit welcher mehr als sklavischen Unterwürfigkeit alle seine Befehle aufgenommen und ausgeführt werden. — Sollte es einmal dem russischen Czaren einfallen, in der Disciplin oder auch in den Glaubenslehren der Kirche eine Aenderung vornehmen zu wollen, so würde die Synode alle diese Neuerungen nicht bloß annehmen und der Geistlichkeit die Befolgung und Lehre derselben auflegen, sondern sie würde auch ihre sklavische Unterwürfigkeit so weit treiben, schon in der ersten Kirche Beweise und Belege für die neue Lehre deS Kaisers aufzusuchen und sicherlich auch zu finden wissen, wo sie nun auch hergeholt werden mögen, um damit den großen Haufen zu bethören. — So hat der jetzige Kaiser Rico laus mehrere Grade der Blutverwandtschaft aufgehoben, welche bis dahin immer in der russischen Kirche ein trennendes Ehehinderniß waren, ohne daß auch nur einer der Prälaten gegen diese Abänderung in der alren Disciplin die mindeste Vorstellung zu machen wagte. Bis zu diesem Grade der Abhängigkeit hat Peter I,, der in der Geschichte der „Große" heißt, die russische Kirche geknechtet. DaS vollständige Gelingen seines despotischen Systems war aber nur möglich, weil sich die russische Kirche von der Einheit getrennt, und dadurch von Christus, dem Gnadenspender, losgerissen hatte. Ein schreckliches Strafgericht Gottes ist über den Hochmuth der Griechen und Russen ergangen; statt freie Söhne des heiligen Vaters, des Nachfolgers Pein, sind sie zu willenlosen Sklaven eines unumschränkten Despoten verurtheilt. Wie wahr ist das Wort des Herrn: „Ich bin der Weinstock, ihr seyd die Reben. Wer in Mir bleibt, und Ich in ihm, der bringet viele Frucht; denn ohne Mich könnet ihr nichts thun. Wer nicht in Mir bleibt, der wird weggeworfen werden, wie eine Rebe; und die wird verdorren, und man wird sie sammeln, und ins Feuer werfen, und sie verbrennet." Joh. 15, 5—6. Sobald sich ein Theil der allgemeinen Kirche von dem Mittelpuncte, den der göttliche Stifter des Glaubens in der Person des heil. PetruS und seiner Nachfolger aufgestellt und angeordnet hat, lostrennt, sinkt derselbe nach einem strengen und gerechten Gerichte Got-eS sofort und im Widerspruch mit der göttlichen Anordnung, die die Einheit und Wahrheit deS Glaubens für die ganze Welt will, zu einer Nationalkirche, d. h. zu einer StaatSanstalt herab, über welche das Oberhaupt deS Staates von diesem Augenblicke an seine Obergewalt ausübt, die in dem Grade mehr oder weniger drückend seyn wird, je nachdem der Fürst einen mehr oder weniger absolutistischen Charakter hat, und je nachdem seine politische Gewalt eine mehr oder weniger ausgedehnte ist. Diese Folge hat sich immer eingestellt, zu allen Zeiten und an allen Orten, wie in Rußland, so überall; die Geschichte gibt Zeugniß dafür. — Zugleich ist eS klar, daß der Despotismus niemals unumschränkter werden kann, als wenn alle Gewalt, sey sie materieller, geistiger oder moralischer Natur, sich im Willen deS Regenten concentrirt. Ein solcher Regent stößt mit despotischer Willkür daS Wort des Sohnes GotteS um: „Gebt dem Kaiser, was des Kaisers, — und Gott, was Gottes ist;" durch welchen AuSspruch der Erlöser klar und scharf die geistige und weltliche Gewalt unterscheidet und trennt und jeder ihre bestimmten Gränzen anweiset, die sie ungestraft nicht überschreiten. — Die Knechtschaft wird vollständige Sklaverei, sobald der Geist und seine Beziehung zu Gott, dem Herrn Himmels und Erde, unterjocht und geknechtet ist. — Ist aber 284 diese Knechtschaft einmal eingeführt, ist sie durch langjährige Praxis bereits im Leben verkörpert, so entwickelt sich nothwendig in diesem Gewalt-System ein ausgebildeter Haß gegen alles, was wahre Freiheit heißt; es kann nichts neben sich dulden, was seinem Machtgebot nicht unterworfen ist. Es begnügt sich dieses Gewalt-System nicht mit der Herrschaft in seinen eigenen Gränzen, sondern eS sucht auch, um sich selbst zu schützen und zu erhalten, die wahre Freiheit auf fremden Gebieten anzugreifen. — Rußlands natürlicher und ge-ährlichster Feind ist aber jenes Bollwerk der wahren Freiheit, das die Hand des Allmächtigen aus den Felsen gegründet hat, die heilige römisch-katholische Kirche. — Sobald daher die russische National- Kirche durch Einführung der Synode in ihrem Bau vollendet war, mußte sie, wegen des Princips der Selbsterhaltuug, mit einer gewissen Nothwendigkeit als Erbfeind in der katholischen Kirche auftreten. Dieses beweiset und bekräftigt leider die Geschichte der auf PeterI. folgenden Regierungen bis auf unsere Tage in der traurigsten Weise. Die Furcht vor dem Türken, die Jahrhunderte das christliche Europa beherrschte, ist geschwunden; — ob Rußland einstweilen seine Stelle einnehmen soll? Reisen eine» englischen Geistlichen vor seiner Bekehrung. (Schluß) AufS engste verbunden mit dem Dogma der Menschwerdung und deren geheimnißvollem Zeichen, der wirklichen Gegenwart, ist die Fürsprache aller Heiligen, und vor Allem der gebenedeiten Gvttcö-Mutier; gewiß, von ihr kann man sagen, daß sie die Forlsetzung und Ausbreitung der wirklichen Gegenwart ist, so daß, wo diese wirklich und vom Herzen geglaubt wird, das Andere.....geliebt und geübt wird. Denn die Wahrheit, daß der Herr unser Fleisch angenommen hat, und das Fleisch seinen wahren Gläubigen mittheilt, führt geraden WegeS zu dem Glauben, daß sie, die abgeschieden sind und bei ihm verbleiben, befreiet von allem Sündenschmutze, in der Thal lebeu und regieren mit ihm, und Macht haben mit ihm. Und ist das wahr von dem geringsten Heiligen..... in wie viel höherm Grade ist eS denn nicht von der wahr, der EhristuS durch die Annahme ihres reinen Fleisches so unbegreiflich nahe getreien ist? Und sollen wir, die wir in einem so ermüdenden Streite uns befinden, nicht alle Heiligen, aber sie besonders anrufen, um u«S zu helfen uud uns zu begünstigen? ,„,O ihr Geister und Seelen der Gerechten lobt den Herrn! preiset ihn und verherrlicht ihn in Ewigkeit!"" Ja, preiset ihn und verherrlicht ihn dadurch, daß ihr eme Fürbitte und Fürsprache bei ihm einleget für uns, die.....ja eure Brüder sind durch das Fleisch und Blut deS Mensch gewordenen Gottes..... Heißt das der Herrlichkeit Christi einen Abbruch thun? Welch' eine seltsame Verkehrlheit des Irrthumes, die eS dafür halten kann! Gewiß es gibt ein Fühlen, eine geistige Berührung gleichsam „„der Wolke der Zungen,"" die den katholischen Herzen Mmh gibt, in dem Sireite zu siegen, daS den Verlassensten in den Stand setzt, zu fühlen, daß er nicht allein ist, daß er umringt und unterstützt wirb von himmlischen Heerschaaren. Auch ist die Jntcrcession der Heiligen, vor Allem der gebenedeilen jungfräulichen Mutter, eine lebendige Wahrheit in kaiholischcn Gegenden; sie begleitet die Lehre von der wirklichen Gegenwart, und wirkt in untergeordneter Stellung mit dieser. Wo die erste nicht lebendig erhalten ist, da wird ohne Zweifel die letzte verworfen, und vielleicht für Abgötterei gehalten werden." Verbunden mit der wahren Lehre vom Priesterthum ist das Beichtsystem, der Nerv der Religion in katholischen Ländern und Reichen. DaS englische brg^er book sagt von jevem Priester insbesondere: „Wessen Sünden du auf Erden nachgelassen hast, die sind nachgelassen; und wessen du behalten hast, die sind behalten." Hier ist die ganze kaiholische Lehre vcrgctragen. Die römische Kirche nun sagt es nicht allein, sondern sie handelt darnach..... Die Wirksamkeit deS Hirten muß ganz abhängen von der Kenntniß des Zustandes seines Volkes und von seiner Macht, die Sünden 286 auf Allgemeinheit. Und sein Amt, obwohl nothwendig in der Welt ausgeübt, zuweilen in Freundschaft, zuweilen in Streit mit der weltlichen Macht, hat eS ausschließlich zu thun mit den Beziehungen des Menschen zur unsichtbaren Welt; so daß es in dieser Hinsicht in der That ein „„Königreich deS HimmelS"" auf der Erde ist, dessen verschiedene Theile zusammengehalten werden durch ihre gemeinschaftliche Vereinigung mit einem Oberhaupte. 2. Aber ferner ist diese Hierarchie so zahlreich, so weit verbreitet und so vereinigt im Besitze eines weitläufigen Lehrgebäudes, von dem sie steif und fest behauptet, daß eS von dem Herrn ihr durch seine Apostel Übermacht sey. Dieses Lehrgebäude ist einfach, zusammenhängend, systematisch, ein Ganzes bildend, welches alle Verhältnisse deS Menschen zu Gott umfasset, von der Erschaffung deS ersten Menschen ab bis zum allgemeinen Weltgerichte. Die Bischöfe und Priester in ihm Pflegen nicht darüber zu zanken, waS dieses Lehrgebäude sey; denn Alles, was das christliche Leben betrifft, ist schon vor langer Zeit deutlich bestimmt und festgesetzt. In der langen Zeit von achtzehnhundert Jahren sind freilich wohl Zwiste darüber entstanden, aber sie sind alsdann in Folge gemeinschaftlicher Berathung beendiget; Personen, die anders darüber dachten, als der ganze Leib, wurden gezwungen auSzutreten, und die Wahrheit ist durch diese Zwistigkeitcn nur um so schärfer bestimmt worden..... Dieses Lehrgebäude .....wird der Glaube genannt, und jedeö Mitglied dieser Kirche muß eS nothwendig glauben und für wahr halten. Es ist augenfällig, daß solch' ein Lehrgebäude nicht würde bestehen können ohne eine zu allen Zeiten bestehende Macht, um zu erklären was dazu, und nicht dazu gehört; denn wäre eS bloß in einem Buche geschrieben, Zwistigkeiten ohne Ende würden über den Sinn des Buches entstehen. 3. Aber dieses große und geistliche Reich mit einer so weit ausgedehnten und doch so innig verbundenen Hierarchie, und einem so weitläufigen und doch zugleich so bestimmten Lehrgebäude, stellt seinen Richterstuhl auf das Herz und Gewissen eines Jeden, der zu diesem Reiche gehört. Kraft gewisser von seinem göttlichen Stifter zu seinen Aposteln gesprochener Worte tritt es als eine lebende Macht zwischen beiden, zwischen dem Menschen und seinem Gott vermitielnd auf; übt die besondere Macht deS Hauptes aus, und behält oder vergibt die Sünden in seinem Namen. Es tritt nicht zurück vor dem Hochmuths, der Hartnäckigkeit.....der menschlichen Natur, sondern faßt sie an ihren verborgensten Falten, und zwingt sie, auf Erden die Stimme deS Richters der Lebendigen und der Todten zu hören. DaS Ansehen, das sie beansprucht, ist so groß, so furchtbar, von so unberechenbarem Belange für die, welche in ihm leben, so sehr über die natürlichen Kräfte deS Menschen erhaben, daß eS offenbar entweder göttlich oder teuflisch ist. Vor Hunderten von Jahren war eS der Gegenstand zahlloser Vorwürfe, welche diejenigen, die ihm nicht angehörten, gegen dieses Reich richteten, und doch besteht eS noch; eS ist kein Zeichen daran vorhanden, daß es aufgegeben oder verändert wäre. Es besteht unter allen Negierungsformen, absoluten und konstitutionellen Monarchien, oder wilden Demokratien, deren wesentliches Geheimniß die vollkommene Unabhängigkeit deS menschlichen Willens ist. Und, waS bemerkenswerth ist, die gottessürchtigsten und heiligsten Menschen, welche in diesem geistlichen Reiche lebten, und deren Leben ein beständiges Opfer ihrer eigenen Bequemlichkeit, ihrer Sorgen, ihrer Leiden und ihres Willens, das sie Gott darbrachten, war, sind am beflissensten gewesen, um diese richterliche Gewalt über die Gewissen der Menschen aufrecht zu halten, uud am geschicktesten sie auszuüben. Sie ist viele Geschlechter hindurch der Lieblingsgegenstand deS Spottes der Ungläubigen, und die beständige PrariS der Heiligen gewesen. 4. Aber weiter: Dieses Reich durfte die theuersten Neigungen des natürlichen Menschen dem ununterbrochenen Dienste Gottes opfern. Es fordert von allen denjenigen, welche sie für daS Lehramt gebraucht, die Verläugnung der Freiheit, sich durch Bande zu binden, welche daS Evangelium selbst nicht zn verbannen, sondern zu heiligen sucht. So fordert diese Konfession, welche die Ehe als ein Sacrament verehrt, von all' den Mitgliedern ihrer Hierarchie, mit Einschluß der Subdiakonen, daß 287 sie sich derselben enthalten. Sie betrachtet sie als daS Heer der Kirche, und »„Keiner, der kämpft, verwickelt sich in die Händel dieses Lebens."" Nebstdem gibt eS noch eine Menge Männer und Frauen, die nicht allein auf diese Bedingung eingehen, sondern freiwillig das Gelübde der Armuth und des Gehorsams überdieß ablegen. Allen diesen Personen verheißt dieses Reich nur eine Belohnung, groß freilich, die man jedoch allein durch den Glauben empfängt, daß nach dem Maaße, in welchem sie alle von dem Geschöpfe kommenden Vergnügen sich versagen, und ihren Willen einem Andern unterwerfen, ihr Erbtheil desto größer bei dem Schöpfer seyn wird, desto inniger die Vereinigung ihres Willens mit dem seinen. Und von diesem übernatürlichen Leben, das auf Selbstverläugnung gegründet ist, und durch die göttliche Liebe getragen wird, hängen alle großen Werke in der römischen Kirche ab. Nicht allein ist das der Zustand der ganzen Hierarchie, von Allen, welche von der Kirche den Auftrag haben, um öffentlich den Glauben zu lehren, sondern das Werk der Erziehung von der höchsten Classe bis zu der geringsten, und die mannigfaltigen Liebeswerke für Kranke und Arme sind denjenigen anvertraut, welche diese Probe der Aechtheit ihres Berufes gegeben haben. 5. Endlich gibt es in diesem geistlichen Reiche eine große Zahl Anstalten oder Congregationen von Personen, welche ausdrücklich bestimm! sind zn dessen fernerer Ausbreitung unter den heidnischen Völkern. Mit den oben genannten Bedingungen müssen sie eine noch mehr eigenthümliche Geschicklichkeit verbinden zu dem allermüh- samsten und arbeitsvollsten Werke, eine noch vollständigere Verläugnung menschlichen LobeS, der Belohnung, der Bequemlichkeit und der Unterstützung. Barmherzige Schwestern sieht man über den Ocean ziehen nach der Gränze der Welt, um mit den Sendboten zu wirken, deren Aufgabe es ist, in der Mitte von Wilden zu leben, und sie erst zu Menschen zu machen, auf daß sie darnach Christen seyn können, beide im gleichen Maaße ohne Einkünfte, bloß abhängend von der Vorsehung, rücksichtlich ihres UnterbalteS vertrauend auf daS Werk ihrer Hände, ihr Leben stellend in die Macht deS treulosen und unbeständigen Wilden, und ihm durch ihre eigene Bedürftigkeit zeigend, daß sie nur für ihn leben und arbeiten. Auch das Blut der Märtyrer hat nicht aufgehört zu fließen..... Welche auch die UnVollkommenheiten der menschlichen Werkzeuge seyn mögen, liegt nicht in allen dem genug, was uns das Wirken einer göttlichen und übernatürlichen Macht bemerken läßt? Müßten wir nicht in unsern verschiedenen Verhältnissen arbeiten, und beten für Versöhnung und Einheit.....? Einer allein kann dieses zu Stande bringen — machen wir das zu unserer ersten und letzten Bitte zu ihm." Hiermit nehmen wir von des Herrn Allies Werk Abschied. Mögen unsere Mittheilungen dem Leser so viel Vergnügen gewähren, wie wir bei der Lesung desselben genossen haben. Insel Haiti. (St. Domingo.) Der zu Genua erscheinende „Cattolico" theilt einen Brief vom 12. Mai aus Jacmel auf dieser Insel mit, welcher den Empfang Mons. Spaccapietra'S, des neuen apostolischen Delegaten, schildert: Mons. Vincent Spaccapietra, der apostolische Delegat, kam am 2. Mai Morgens um acht Uhr hier an. Kaum hatte er den Fuß auf die Erde gesetzt, als ihm Abgeordnete der angesehensten Männer entgegen gingen und ihn beglückwünschten. Der Prälat erwiderte diesen Glückwunsch Wort für Wort. Daraus verkündigten die Glocken der Kirche dem Volke diese glückliche Ankunft, und sofort strömte eine große Menge herzu, um den ausgezeichneten Reisenden zu sehen, und bis an den Fuß des Altars zu begleiten. Auf dem Wege empfing er den Gcneralcom- mandanten, welcher an der Spitze seines Generalstabes uud einer Escorte von Soldaten heran kam, um ihn zu beglückwünschen. Der ganze Zug begleitete den päpstlichen Delegaten in die Kirche, welche ausgeschmückt war, wie an den höchsten Festen. Die Knaben und Mädchen, welche in diesem Jahre zum ersten Male communicirt hatten, waren in zwei Reihen aufgestellt; die Mädchen waren weiß gekleidet, ein 288 Schleier bedeckte ihren Kopf. Nach einem kurzen Gebete las der Delegat die heilige Messe, und bestieg nach der Beendigung derselben die Kanzel, und verkündigte der zahlreichen Versammlung, welche die Kirche anfüllte, seine Sendung sey nur geistlicher Art, und JesuS habe sein Blut sowohl für die schwarzen und farbigen Menschen vergossen, als für die weißen. Diese Worte machten auf das Volk einen lebhaften Eindruck, eS begleitete ihn bis zu dem Palaste, welcher zu seiner Aufnahme eingerichtet war. Der Prälat blieb drei Tage in Jacmel und hielt am Sonntage vor seiner Abreise nach Port-au-Prince, der Hauptstadt der Insel, ein Pontificalhochamt. Die Kirche war so angefüllt, daß man kaum athmen konnte. Nach der Messe predigte er über die Liebe GotteS, die Zuhörer wurden davon so gerührt, daß sie sich alle auf die Kniee warfen, als er die Kirche verließ. Die Behörden und das Volk begleiteten ihn in einer Procession bis in den Palast, er ertheilte dann von einem Fenster aus den Segen. — Der Kaiser war sofort von der Ankunft des Delegaten in Kenntniß gesetzt, und ließ sogleich Anstalten zu seinem feierlichen Empfange treffen. Ich weiß, er hat zu seiner Residenz den schönsten Palast der Stadt bestimmt. An einem glücklichen Erfolg der Sendung dieses Prälaten läßt sich nicht zweifeln; seine Güte und Milde sprechen zu laut für ihn, er wird gleichsam vom Volke vergöttert, welches sich nur über ihn unterhält. Sobald er im Stande seyn wird, die Sprache der Creolen zu sprechen, deren Erlernung er sofort begonnen hat, werden wir die Wiedergeburt deS Landes erblicken, denn das Volk ist leicht zu regieren, ihm mangeln nur Priester. Und Europa hat deren so viele. jjk»z,mÄ'iHK, m»y MW 7»6 '5't '.B '!- !<4i>HtM nzM -HRZÄHM-Pz tt'-td ist diese Gegend an und für sich auch eine stille, den ^ Geist, der Ruhe sucht, einladend, so fand ich doch jetzt frisches Leben, und ein Wogen von Leuten, wie man es dort nicht gewohnt ist; aber ein Leben, daS die trauliche Stille nicht stört, ein Leben höhirer Krt, Es wird eben heil. Mission gehalten, welche schon am letzten Sonntag begann nnd Sonnrag den 11. September enden wird. Wie wurde ich so angenehm überrascht, in der schönen Kirche Pater Roh, diesen großen Mann, der sich um Augsburg Verdienste erworben, die nur der Himmel lohnen kann, im Beichtstühle zu sehen; ihm gegenüber saß »V Aller. Nachdem sich die Missionäre, die beiden Genannten nnd l'. Z weisig von früh Morgens ^'/z bis 9 Uhr im Beichtstühle abgemüdel hatten, wnrde von 9 - 10 Uhr ein feierliches Hochamt gc> halten; um 10 Uhr bestieg p. Aller die Kanzel und hielt eine tief eindringliche Predigt über die Habsucht; in ergreifenden Zügen schilderte er die Folgen dieses Uebels. Von 2 — 3^2 Uhr verkündete p Zw eisig das göttliche Wort; »nd behandelte ein Thema, „vitig linZuge", das in Ihrer Stadt, wenn ich mich recht erinne-e, und ich hörte in Jbrem schönen Dome alle Vortrüge, nicht Gegenstand einer eigenen Rede war. Es war mir dieser Vorirag von, hohem Interesse, denn er machte auf die Nothwendigkeit, „die Zunge wohl zu bewachen", wenn man sein ewigeS Heil nicht verscherzen will — in über,el!gendcr Weise aufmerksam. Um -1 Uhr wurde die Predigt im Freien gehalten. Faßt die Kirche viertausend Menschen, so können aus dem Platze vor der Kirche sie wohl achtzehntansend Menschen hören, nnd wenn, wie gcsttrn geschah, l>. Roh, dieser gewallige Redner, das Wort ergreift, dringt cS auch in die nah und sogar etwas sern gelegenen Häuser. In Inständigem Vortrage' zeichnete er daS schauerliche Bild dcr Uukcuschheit, Mir gewohntem Scharfsinne, mit tiefer Ueberzeugung bewies er die (^röße dieser Sünde, wie sie nur selten eine läßliche sey, wie dieses Gift, Alles verderbend, in die Familien eingedrungen, den Untergang be- 293 reite, und warnte mit Worten, die man hören muß, um so tief ergriffen zu werden, wie die Tausende der Zuhörer, Ist Werrbach auch nur ein großes Dorf, so ist wohl zu beachten, wie sich dort während der heil. Mission eine Unzahl von Menschen nah und fern einfindet. Auf morgen, Sonntag, sind bereits achtzehn Gemeinden der Umgegend allein angesagt; sie werden Kreuzzüge nach Werrbach bilden, um auch auS dem Heilbronnen der heil. Mission zn schöpfen. Ich weiß nicht, ob Sie oie anfangs höchst betrübende, aber später mit deS Himmels Gnade noch so segensreich gewordene Mission von Lenzkirch, von denselben Aposteln, die in Werrbach wirken, gehalten, näher kennen. So viel kann ich Ihnen mit Bestimmtheit sagen, daß das Lenzkircher Volk, auS fein geschliffenen Stroh- flechtern (nnd Uhrmachern) bestehend, im Gefühle seiner vermeintlichen Bildung anfangs sich nur schwach betheiligte, ja viele sogar „während der Predigten" in den Wirthshäusern blieben. Allgemein hieß es — wenn die Missionäre die Lenzkircher bekehren, so gehört ihnen der ganze Schwarzwald. Weil nun ?. Roh (jetzt Superior unter diesen) sah , daß das Mühen fast umsonst, hielt er mitten im Orte auf der Straße einen solch eindringlichen Vortrag, der bei der Kraft feiner Stimme in alle Häuser drang, daß die Hartnäckigen nun, ob sie wollten oder ui'cht, GotteS Wort hören mußten, und es zündete. Sie sagten unter sich: cS ist doch nichr dumm, was er sagt. Nun kamen sie auch in die übrigen Vorträge, und die heilige Misston endete in Lenzkirch wie an den meisten Orten in tröstlicher Weise. Pater Roh läßt Augsburg freundlich grüßen, und freut sich innig über die Rührigkeit, „den Sonntag nun mehr zu heiligen", wie wir aus den Blättern entnehmen. Nach vierzehntägizer Pause wird am 25. September von den oben genannten Patres 8. ^. eine Mission in Saalmünster (zwischen Hanau und Fulva) beginnen. Die Genannten sind für Baden, Nassau und die beiden Hessenlandc bestimmt, während I>. Pottgeifier, Zeit unv Fruzzini in Bayern Missionen halten werden. Ueber die erfreuliche Hammelburgkr Mission berichteten Sie bereits. - ' ' ' - Zur Generalversammlung in Wien. Der „Mainzer Katholik" füzt der Einladung des Vorortes zur siebenten Generalversammlung des katholischen Vereins in Wien folgende Betrachtungen hinzu: „Es sollen also am 3t). September und den folgenden Tagen zu Wien in der Kaiserburg jene großen, einfachen, lebensvollen Gedanken, in welchen alle wahren und erleuchteten Katholiken einig sind, und in denen sie die Prinzipien alles religiösen und gesellschaftlichen HeileS erkennen, vor der zahlreichsten nnd auserwähltesten Versammlung ausgesprochen werden, —eS sollen anSgesprochen werden die Ueberzeugungen und die Wünsche des katholischen Deutschlands." „Wohl sind eS nur Worte, aber Worte, die in dieser Zeit und an diesem Orte von weitgreisenden Wirkungen in den Herzen Vieler seyn können, die Tüchtigkeit und Beruf haben, in Wien, in Oesterreich, in ganz Deutschland mit Kraft und Liebe für die katholische Sache zu wirken. — Wir hoffen zuversichtlich, daß Gott diese Versammlung reichlich segnen wird." „Alles dieß legt aber auch den Katholiken aller deutschen Länder die Verpflichtung auf, durch tüchtige Männer an dieser Versammlung sich zu betheiligen. Und da möchten wir auf einen Umstand aufmerksam machen. Oertliche Verhältnisse, äußere Hindernisse, znm Theil auch menschliche Fahrläßigkeit und andere Ursachen sind schuld, daß bei weitem nicht überall katholische Vereine entstanden sind und noch bestehen, aber überall finden sich in Deutschland — Gott sey Dank — jetzt katholische Männer, hervorragend durch Einsicht und Charakter, die bei weitem nicht alle Mitglieder katholischer Vereine sind. Schon auf den früheren Versammlungen waren jeder Zeit solche Männer willkommen, bildeten ja schon ans der ersten Generalversammlung die Theilnahme der angesehensten von Frankfurt herübergekommenen katholischen Mitglieder deö 'damaligen Parlamentes den schönsten Glanzpunct jener Versammlung. Möchten 296 recht viele solche Männer auch jetzt nach Wien kommen. Dieses katholische Zusammen- seyn ist so segensvoll, und ist gerade dießmal so bedeutend, daß ein ernsteres Nachdenken wohl Manchem die Verpflichtung nahe legen dürfte, sich dieser Versammlung nicht zu entziehen." »ES ist Thatsache, daß man in Wien in allen Klassen der Gesellschaft dieser Generalversammlung mit großer Erwartung entgegensieht; was sie zur Belebung des katholischen Geistes in dieser katholischen Hauptstadt des ersten katholischen Reiches der Welt wirken wird, hängt zum Theile davon ab, ob recht Viele, die würdige Vertreter der katholischen Sache sind, die Liebe und die Hingebung haben werden, eine weite Reise und die mit einer solchen Versammlung verbundenen Anstrengungen nicht zu scheuen." „Der Kaiser hat dem SeverinuSverein daS Zeugniß gegeben, daß er schon viel des Guten gewirkt, und daß auch von der Generalversammlung nur Gutes zu erwarten sey. Gewiß, wer all' das Gute, das die bisherigen katholischen Versammlungen in Mainz, in Breslau, in Linz, in Regensburg, in Münster gewirkt haben, überschauen und inS Einzelne verfolgen könnte, der müßte Gott dafür loben. Wie viele tüchiige Männer sind durch diese Versammlungen zu größerer Glaubensfreudigkeit und kirchlicher Entschiedenheit geweckt, wie viele gute Werke und segensreiche Unternehmungen dadurch angeregt worden! Ist katholisches Leben und Wirken in einem Aufschwünge begriffen, den man vor einem Decennium noch nicht geahnt, so haben zwar viele Ursachen dazu mitgewirkt, aber immerhin bleibt eS wahr, daß diese katholischen Versammlungen ein höchst wichtiger Factor gewesen und auch noch serner seyn werden. Wir haben daher gewiß Grund zur Bitte, daß unsere Leser auch in ihrem Gebete die dießjährige so wichtige Versammlung Gott empfehlen möchten, damit er sich würdige, durch sie recht viel Gutes zu wirken. Möchte dafür auch Maria ihre Fürbitte einlegen, welche der Verein als seine erwählte Patronin verehrt." Amerika. Aus einem Hirtenbriefe deS Mons. Alemany, Bischofes von Monterey in Kalifornien, vom 1. Juni entnehmen wir folgende Stelle: „Im Anfange deS Jahres 1850 übernahmen die Katholiken von San-Francesco, welche mehr auf ihren Glauben als auf ihre Zahl sahen, den Bau einer hölzernen Kirche auf einem Grundstücke, welches sie in der Straße Vallejo erkauft hatten. Die Vergrößerung der Stadt und die wachsende Zahl der Gläubigen machten bald den Bau einer zweiten Kirche nothwendig; dieser Bau wurde im Sommer 1851 auf einem Grundstücke unternommen, welches die Herren John Sullivan, TimotheuS Murphy und John O'Farrell edel- müthig geschenkt hatten. Diese Kirche war kaum vollendet, als sie schon für die anströmende Menge zu klein wurde, man mußte, wie bei der ersten, eine Galerie anbringen. Im letzten Winter wurde die Kirche noch bedeutend erweitert. Deßun- geachtet sind unsere beiden Kirchen noch zu klein; sie können kaum die Katholiken fassen, welche an allen Sonntagen sich einfinden, und noch viel weniger die Menge derjenigen, welche die Feierlichkeit unserer Ceremonien anzieht und die Sehnsucht, die Erklärung unserer Lehren zu vernehmen." — Der Bischof macht dann bekannt, er wolle zu San-Francesco am Ende der Straße Dupont eine dritte Kirche bauen, und fordert die Gläubigen auf, für dieses nothwendige Unternehmen sich einige Opfer auszulegen. Die zu San-FranceSco erscheinende Zeitung, Catholic-Standard, meldet, daß acht Tage nach dieser Aufforderung des Bischofs Alemany schon 105,000 Franken gezeichnet waren, und daß der Betrag der einzelnen Zeichnungen zwischen 2000 und 5000 Franken beträgt. (Münst. S.-Bl.) Vera»tw»rUichn Redactem: L. Schöscheu. Verlags-Inhaber: F. C. Kremer. Dreizehnter Jahrgang. GOKNtKgs- KeibZKtt zur Augsburger PostLeitung. 18. September M- S8. 1853. Dieses Klatt erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der halbjährige Abonnement«»»!« M lr., wofür e« durch alle löuigl. daher. Postämter und alle Buchhandlungen bezogen werden kaun. " '----------------------------- ----..... —— i —^ Joseph Ottmar von Rauschers, Fürstbischofes von Wien, Hirtenbriefe. Bereits sins die Leser des SonntagsblatteS mit dem herzlicheil gemüthvollen Hirtenbriefe deS obengenannten Kirchenfürsten an das Landvolk bekannt gemacht worden, und noch werden sie sich mit Vergnügen an den großen Gewinn erinnern, den sie daraus für Geist und Herz gezogen haben. Wir glauben daher, die weitern zwei Hirtenbriefe des hochwürdigsten Herrn Fürst-Erzbischofes, die sich in Verbindung mit dem ersten gegenseitig ergänzen und von denen der eine an die Geistlichkeit, der anvere, gleichsam die Mitte haltend, an alle Gläubigen der Erzdiocese Wien gerichtet ist, nicht lange vorenthalten zn dürfen, und lassen nun den Hirtenbrief an die Geistlichkeit folgen: Joseph Othmar, von Gottes und des apostolischen Stuhles Gnaden Fürsterzbischof von Wien, Doctor der Theologie zc. zc, Ritter v. Rauscher, der gesamm- ten ehrwürdigen Geistlichkeit der Erzdiocese Wien Heil und Segen vom Herrn! Die Körperwelt ist ein großes Ganzes, in welchem ein großer Aus-ausch von Kraft und Regsamkeit den Umlauf hält. Die Wasser der Erde verflüchtigen sich und streben empor und breiten über unseren Häuptern den blauen Bogen des Firmaments aus mit all den vielgestalieten Wolkenbildern, welche freundlich oder drohend über ihn hinziehen. Die Wolken senden ihre Wasser hernieder und nähren die stille Quelle und den mächtigen Strom und erfrischen die Wiese und befruchten den Acker. Von der Sonne eilt der Lichtstrahl herab, sie ist der Mittelpunkt einer wunderbaren Bewegung, deren Schwingungen das Auge berühren und dem Geiste oie sichtbare Schöpfung enthüllen. Die Sonne selbst mit dem folgsamen Geleit ihrer Sterne steht mit den Nachbarsonnen in einem Wechselverkchre, welcher die menschliche Berechnung überragt. Aber auch die Geisterwelt ist ein großes Ganzes. Michael, der Fürst der himmlischen Schaareu, welcher zur Rechten steht am Altare des Weihrauches und der arme Blödsinnige, dessen verkümmerter Leib dem Geiste seine Dienste versagt und die von Außen kommende Anregung ihm nur in verkümmerten Bruchstücken vermittelt, beive sind, um Gott zu lieben, geschaffen. Gott will das höchste Ziel des Verlangens und Strebens aller Geister seyn; alle sind eingeladen, seine Gnade und Barmherzigkeit zu verherrlichen; wollen sie es nicht, so müssen sie seiner Gerechtigkeit vaS Zeugniß geben. Der Schöpfer bedarf seiner Geschöpfe weder für sich, noch für die Werke seiner Erbarmungen : denn er ist die Herrlichkeit und Macht und Seligkeit ohne Wandel und Mangel in ewiger Fülle Weil es ihm aber gefiel, Wesen hervorzurufen, welchen das Gepräge seines Ebenbildes verliehen ist, so will er diese Hochbegnadigten auch dadurch adeln, daß er sie als Mitarbeiter an den Werken seiner Gnade zuläßt. Darum hat er dem Flehen der Liebe eine große Kraft zugetheilt, und dnrch daS Flehen der Liebe sollen alle seine Diener mitwirken, damit die zur Kindschaft Berufenen in das Vaterhaus eingehen. Es steigt von den Chören der Verklärten, es steigt aus den Tiefen 293 der Erde, eS steigt aus den Stätten der Läuterung als ein süßer Duft des Weihrauches zu seinem Throne empor. Aber nicht durch das Gebet allein sollen wir dem Herrn in seinen Auserwählten dienen. Die Bruderliebe, welche das Band der Geisterwelt ist, bahnte jenen Weg vom Himmel zur Erde, welche sich dem schlummernden Jakob unter dem anmuthkgen Bilde der Himmelsleiter darstellte. Die Engel eilen zu unserm Schutze herab, die Engel bringen unsere Thränen unv Gebete hinauf, die Engel behüthen uns, damit unser Fuß an keinen Stein anstoße. Die Bruderliebe soll den auf Erden Pilgernden lehren, bei all seinem Thun und Lassen und Streben und Verlangen das Heil seiner Miterlösren vor Augen zu haben; dann kann er ihnen durch Wort und That zum helfenden Engel werden, während er selbst sich theilhast macht der Verheißungen Jesu Christi. Eines thut Noth und Alles, was wohlgefällig ist vor den Augen des Heiligen und Reinen, kann und soll diesem Einen und Höchsten dienen, jede von der Pflicht geheiligte Verbindung, welche den Menschen an den Menschen knüpft, kann und soll ein Mittelpunkt zu gegenseitiger Heiligung seyn. Doch der Heiland, welcher jedem unserer Bedürfnisse liebreich entgegenkommt, hat seine Erlösten zu einem Bunde berufen, in welchem Alle ihre Bemühung mit Allen vereinen sollen, damit Alle das ewige Leben haben; er hat die Kirche gegründet, damit ihre Kinder als Glieder Eines Leibes für ihr Heil zusammenwirken. Er selbst will das Haupt dieses Leibes seyn; von ihm kommt die Einheit und in der Einheir die Kraft. Der Nachfolger des Apostels, welchen er zum Felsen seiner Kirche geordnet hat, ist das sichtbare Oberhaupt des Liebesbundes. Unter seiner leitenden Obhut walten die Bischöfe in den Kreisen, wo der heilige Geist sie gesetzt hat, die Kirche GotteS zu regieren. Um sie schaaren sich die Priester wie getreue Söhne um den Vater, und die Segnungen des Reiches GotteS verbreiten sich bis in die engste Hütte, bis in das fernste Thal. Ueberall wird der Bruder ermuntert, den Bruder auf dem Wege des Heiles zu unterstützen, überall wird Christi Diener eingeladen, nach seinen Gaben und Verhältnissen das heilige Feuer des Eifers zu schüren, überall vervielfältigt sich der Pulsschlag des christlichen Lebens, aber der belebende Hauch kommt vom Mittelpuncte, welcher Chiistus der Herr ist. Durch seine Fügungen war mir bereits auferlegt, eine große Anzahl seiner Erlösten ans ihn als den Quell und Mittelpunkt des Lebens hinzuweisen. Seinen Fügungen gehorchend hab' ich der theuren Heeroe Lebewohl gesagt und trete in Eure Mitte, Piiester deS lebendigen Gottes, um ein neues uud schweres Werk zu beginnen. Ich bedarf dazu Eurer Hilfe, Freunde und Mibrüder, ich bedarf dazu Eurer vereinigten Hilfe, und Ihr werdet sie mir nicht entziehen; denn die Ehre GotteS und das Heil der Seelen ist der Preis, welchen es gilt. Allein wenn das Wort des heiligen Jgnatius erfüllt wird und die Priester an den Bischof sich anschließen, wie die Saiten sich an die Zither fügen, so vermag der Bischof zwar sehr Vieles, aber immer noch nicht AlleS, was nothwendig ist, damit seine Kirche eine Braut Christi ohne Makel und Falte sey; denn alle Christen sind berufen, einander bei dem Geschäfte des Heiles zu unterstützen, und wenn sie diesem Beruft nicht entsprechen, so entsteht dadurch eine Lücke, welche keine Thätigkeit gottergebener Priester vollkommen ausfüllen kann. Ganz abgesehen von dem Großen, was der christliche Eifer des Einzelnen zu leisten vermag, sind Alle sür Alle sehr viel, wenn sie dazu mitwirken, daß über alle Gewohnheiten nnd Richtungen des Lebens die Weihe des christlichen Gedankens ausgegossen werde. Gute Gewohnheiten sind Pförtnerinnen der Gnade. Freilich kann die Gewohnheit zur entseelten Form werden; aber so lange die Form noch aufrecht bleibt, gibt sie immer noch von dem Geiste, welcher sie geschaffen hat, Zeugniß, und es ist leichter, sie neu zu beleben, als die gänzlich zertrümmerte wieder herzustellen. Wenn es allgemeine Sitte ist, das Morgen- uud Abendgebet zu verrichten, dem öffentlichen Gottesdienste pünktlich und wenigstens mit äußerem Anftande beizuwohnen, die Gebote der Kirche zu beobachten, von dem Heiligen mit Ehrerbietung zu reden, so kann deßhalb freilich noch Vieles zu wünschen übrig bleiben; allein wenn die äußere Ankündigung des Glaubens von der Sitte nicht mehr S99 gehalten wird, so ist dieß ein sicheres Zeichen, das Großes und Hochwichtiges verloren ging. Unwillkommene Erfahrungen geben uns darüber Aufschluß: denn in weitem, nur allzu weiten Bereiche hat die öffentliche Sitte und das Familienleben sich von der Weihe deS Christenthums losgesagt. Wie ist aber Europa in Mitte seiner Erfindungen und gelehrten Kenntnisse bis dahin gekommen? Der Reiz, welchen der Götzendienst für die Kinder Jakobs hatte, scheint etwas ganz Unbegreifliches zu seyn. Die herrlichsten Offenbarungen, die treuesten Ermahnungen, die furchtbarsten Strafgerichte helfen immer nur für kurze Zeit; sie kehren stets von Neuem zu den Altären des schauerlichen Moloch unv der besudelten Astaroth zurück. Wer aber hinunterblickt in die Werkstätte der verhüllten Mächte, welche an den Geschicken von Einzelnen und von Völkern weben, der kann das allerdings wahnsinnige Treiben der Jsraeliten nicht räthselhafter finden, als so Vieles, was vor unseren Augen vorgegangen ist und vorgeht. Für den Geist wie für den Leib des Menschen gibt es Krankheiten, welche bald mehr, bald weniger Opfer heischen, aber niemals gänzlich weichen. Hoffart und Neid, Habsucht und Unlauterkeit finden immer Solche, welche ihnen freies Spiel gewähren, bis daß die Seele getödtet ist. Allein für den Geist, wie für den Leib des Menschen gibt eS Seuchen, welche über weite Länder den Hauch des TodeS verbreiten, und dann für lange Zwischenräume ruhen oder auch niemals in unveränderter Gestalt wieder kommen. Eine solche Seuche der Geister war jener Götzendienst, von dessen Lockungen das Volk Israel so oft besiegt wurde. Das Menschengeschlecht war damals in seiner Morzenzeit; das Bewußtseyn Gottes war sehr stark und Niemand dachte daran, cS zu bekämpfen. Aber auch die sinnlichen Güter, welche noch in voller Frische glänzten, lockten sehr gewaltig. Durch jene Gebilde des Wahnes wurde dem Menschen die Stimme aus der höheren Welt nach Maaßgabe seiner zeitlichen Bedürfnisse gedeutet und die Ahnung des Ueberirdischen zum Dienste der sinnlichen Gelüste erniedrigt; deßhalb übte sie auf den Menschen einen so verführerischen Reiz. Ueber diese Dinge sind wir längst hinaus. Einem Moloch von Eisen wird man die Kinder nicht mehr in die glühenden Arme legen, die Befriedigung schändlicher Begierden wird man zu einem geheimnißvollen Walten, welches man von der aus Stein gefertigten Göttin erwartet, nicht mehr in Beziehung setzen. Es scheint beinahe, als wollte eS allgemach Abend werden unter dem Monde. Wir haben vielerlei gelernt und sind über vielerlei enttäuscht worden. Der Begriff regiert in mannigfacher und künstlicher Ausbildung; doch ermattet ist die gewaltige Unmittelbarkeit der Auffassung, welche zwar furchtbare Mißgriffe begehen kann, aber von derem Widerscheine der Begriff sein ganzes Leben borgt. Wir berechnen weit kälter und in so weit wir uns nicht in dem Auszurechnenden vergreifen, anch weit richtiger. Das Bedürfniß nach einem Zerrbilde des Höheren ist in die Bestrebungen des Lasters und der Thorheit nicht mehr so untrennbar verwebt, wie ehedem. Allein wie Gott der Herr und sein Gesetz, so sind auch die menschlichen Begierden und Bedürfnisse ganz die nämlichen»geblieben. Als daher das achtzehnte Jahrhundert mit offenem Trotze wieder Gott den Herrn in die Schranken trat, so schuf man Wahngebilde, welche in dem Verlangen nach den Gütern dieser Welt und in dem Bedürfnisse, irgend einen Schein der Anknüpfung an etwas Höheres zn erkünsteln, ihre Erklärung finden. Man hat das Christenthum zu verfälschen getrachtet. Man hat christliche Gedanken aus dem Zusammenhange gerissen, mit frecher Willkühr umgedeutet und zunächst wiver die christliche Wahrheit, dann wider Alles, was über das Tastbare hinauSreicht, als Waffe gebraucht. Doch alle die flimmernden Redensarten von der menschlichen Würde, von der Beglückung der ganzen Welt, von der Gleichheit und Freiheit und Bruderliebe sind nur der weithin reichende Schweif deS Kometen. Der Kern besteht ganz einfach in der Behauptung, daß Jedermann haben solle, was sein Herz begehrt und jedeS Mittel geheiligt sey, wenn eS der Durchsetzung dieses Rechtes diene. Dieß liegt nun für alle Welt am Tage. So haben wir auch dießmal nichts unS gegenüber als die menschliche Begierde, welche sich in den Gütern der Welt wie in einem 300 Netze verwickelt hat und nicht höher hinauf zu kommen vermag, aber von dem, was oben ist, doch noch irgend ein Zerrbild haben will. Die Schlagwörtcr der Aufklärung und Revolution sind die Götzen im modernen Style und nur zu oft haben sie gleich denen der alten Zeit eine blindgläubige Menge hinter sich hergezogen. In der ersten tobenden Aufwallung wurde sogar ein Versuch gemacht, denselben in Buhlerinnen, welche die Göttin Vernunft spielten, eine Verkörperung zu geben und des Opferblutes wurde wahrlich nicht gespart. Allein viel weiter als die eingestandene Herrschaft dieser Wahngebilde verbreitete sich die Ermuthigung, welche sie den menschlichen Begierden gaben. Daß kein Vernünftiger sich um ein höheres Leben bekümmern dürfe, und Alles, was den Lüsten und Bestrebungen der Welt unbequem falle, Uebertreibung und Aberglaube» sey, dieß ist eine Weisheit, welche über die ganze Bildung des achtzehnten Jahrhunderts und Alles, was von ihrem Erbe zehrt, sich ausgebreitet hat. Häufig tritt sie mit derben Kraftwörtern auf, manchmal erscheint sie in gelinden und zierlichen Wendungen, nöthigen Falles umgibt sie sich mit senlimeutalem Dufte; aber immer und überall verfälscht sie die ganze Weltauffassung. Sie liebkoste mit Mvhamedanern, Juden und Peruanern; das Christenthum kam vor ihrem Nichtcrstnhle überall zu kurz, und sollte im Namen der Verminst sich einer großen Läuterung unterwerfen. Der Geistliche möge thun, wofür er bezahlt sey, nur hüte er sich, zu tief in die Herzen einzugreifen. Moral so viel als man wider Diebstahl, Betrug und Gewaltthätigkeit braucht; ehrerbietige Schonung für den Irrthum in Glaubeussachen, dann die Versicherung, daß Gott ein guter Bater sey; dieß und nicht mehr gehöre auf die Kanzel.. Der Laie möge seine Kinder taufen und seine Todten einsegnen lassen; auch wenn es denn durchaus seyn müsse, alle Sonntage in die Kirche gehen und alle Jahre dem Beichtvater mittheilen, daß er ein ordentlicher Mann sey, welcher an sich wenig oder gar nichts auszusetzen finde. Dieß war Alles, was man vor der Hand noch erlauben wollte. Diese Botschaft des Unglaubens und der Verflachung drang auf Jeden, welcher an der Bildung ver Zeit Antheil nahm, von allen Seiten herein. Sie erfüllte die Literatur in Prosa und Versen und stieg bis zu den Kalendern hinab, sie erscholl auf der Bühne, sie bekam in den geselligen Kreisen die Oberhand. Und so geschah es denn, daß in größeren Städten und so weit als der Einfluß ihrer Bildungszustände reichte, große Zerstörungen angerichtet wurden. Das christliche Gepräge entwich aus den gesellschaftlichen Beziehungen und meistens anch von dem häuslichen Herde. Die frommen Christen, an welchen eS nicht gebricht, stehen vereinzelt da, und ihr Beispiel geht für ihre Mitbrüder größtentheils verloren. Auch wagen sie nur selten, eS offen hervortreten zu lassen; denn sie glauben daS Vorurtheil schonen, der Sitte ein Opfer bringen zu sollen und durch ein blindes Hineinstürmen wird freilich wenig gewonnen. So gibt sich die erschreckende Erfahrung kund, daß di? Frömmigkeit ihres belebenden Einflusses sogar im nächsten Bereiche verlustig gcht> daß die besten Leute nur schwache Versuche machen, in dem eigenen Hause christliche Ordnung herzustellen, daß fromme Eltern fast bei den Kindern um Duldung ihrer Andachtsübungen anhalten müssen. Allerdings bleibe» bei den Landgemeinden im Großen und Ganzen noch Glauben und kirchliches Leben ausrecht; allein man täusche sich nicht! Wenn in den geistigen Zuständen der tonangebenden Classen nicht ein tkefeingreifcnder und nachhaltiger Umschwung vorgeht, so wird die Entkräftung der höheren Ueberzeugungen auch bei dem Landvolke langsam und fast unmerklich vorwärts schreiten. Ist dieß in weitcrem Bereiche und bis zu einem gewissen Grade geschehen, so ist der Boden der Geselligkeit unrettbar untergraben. Die so zahlreichen Gläubigen, zu deren Leitung ich berufen bin, bewohnen dem größeren Theile nach eine mächtige, glänzende Hauptstadt, oder stehen unter dem täglich erneuerten Einflüsse derselben. Um so dringender ergeht an mich die Aufforderung, meine und meiner Mitarbeiter Thätigkeit darauf zu richten, daß die katholische Ueberzeugung in verjüngter Kraft sich erhebe, daß sie rüstig inS Leben eintrete und die Macht der christlichen Sitte, wo sie gebrochen ist, wieder herstelle. Der Herr scheint uns den Weg bahnen zu wollen. Er hat zu den Kindern der modernen Bildung, 301 weil sie das sanfte Wehen seines Geistes nicht mehr hören wollten, mit Stimmen des Donners geredet. Und doch hat er keine verheerende Senchc gesandt, keinen Senna- herib als seine Znchtruthe ausziehen lassen; er hat die Welt bloß ihrer eigenen Weisheit übergeben; er hat bloß gestattet, daß die Herolde des Fortschrittes zur Macht gelangten und mit ihre» Plänen zur Beglückung der Menschheit einen ernstlichen Anfang machten. Als Freiheit und Ausklärung die Larve des Lächelns abwarfen und nach Dolch und Brandesfackel griffen, da erschrackcn jene, welche im vollen Ernste geglaubt hatten, Zusammenrottumgen, Katzenmusik, Coustitutionen auf Papier oder Pergament seyen der gerade Weg zum irdischen Paradiese; es erschrack die weit größere Menge, welche dem Anstoße des Augenblicks ohne viel Nachdenken gefolgt war. Viele, welche früher jede kraflvolle Bethätigung der christlichen Gesinnung als Aberglauben verhöhnt hatten, schrien in der Angst nach der Religion uud wünschten nichts Besseres, als daß die Gemüther durch den Richter der Lebendigen und Todten beschwichtigt würden. Damit war dem Heiligen eigentlich nur als einem nützlichen Dinge gehuldigt; allein Gott ist ein geduldiger Lehrmeister. Als der Herr seinen Jüngern am See Genezareth erschien, gab er sich ihnen nicht sogleich als ihren Gott und Heiland zu erkennen. Sie hatten die ganze Nacht hindurch vergeblich gearbeitet und nichts gefangen; er aber sprach zu ihnen: Werfet das Netz an der rechten Seite aus und ihr werdet finden. Sie gehorchten, .und siehe! vor Menge der Fische vermochten sie das Netz kaum zu bewegen. Da sprach Johannes zu Petrus: Es ist der Herr! und fortgerissen von dem Dränge seines Herzens sprang Petrus ohne zu säumen in die Wellen und erreichte schwimmend das Gestade, wo sein Erlöser stand. Da die Welt das Reich Gottes als etwas Ueberflüssiges und Lästiges ablehnte, ließ der Herr vorerst sie fühlen, daß das Christenthum doch auch für die Sicherheit des LebenS und Eigenthums etwas sehr Schätzbares, ja Unentbehrliches sey. Aber Mancher empfing bereits einen Funken der Erkenntniß, in deren Lichte Johannes ausrief: Es ist der Herr! und Mancher fühlt Etwas von dem Dränge, mit welchem Petrus zu dem Meister hineilte. (Schluß folgt.) Deutschland und Belgien. Unser Nachbarland Belgien, welches in der neueren Geschichte einen so höchst merkwürdigen Entwicklungsgang genommen, ist durch die Vermählung einer Tochter des österreichischen Kaiserhauses mit dem Herzog von Grabant wiederum in eine nahe nnd innige Beziehung zu Deutschland getreten. Belgien ist seinem ganzen Wesen nach, durch Sprache, Sitte, Geschichte, ein deutsches Land, und die Vorsehung hat es verhüten wollen, daß das schöne Land nicht gänzlich dem verderblichen französischen Einfluß anheimsiel. Die alten Ueberlieferungen von Carl V., von Maria Theresia sind in dem Herzen der belgischen Nation nicht verwischt und lebten neuerdings auf, als die jugendliche Braut von Wien nach «Belgien reiste, um dem Herzog von Brabant die Hand zu reichen. Die Stadt Brüssel, wo die Vermählung stattfand, war schon Zenge anderer erhebender Scenen. Am 25. October 1555 waren die allgemeinen Stände und die Repräsentanten aller Städte im Palaste zu Brüssel versammelt, um der feierlichen Abdankung Kaiser Carls V. beizuwohnen. Ungefähr um 3 Uhr Nachmittags erschien der kranke Kaiser im Saale; er stützte sich ans einen Stock und lehnte sich mir der andern Hand an denselben Wilhelm von Oranien, der später der größte Feind seines Sohnes werden sollte. Philipp, aus Spanien gerufen, folgte ihm nebst seiner Schwester, der Statthalterin Maria. Die Versammlung war außerordentlich zahlreich, und mehrere gekrönte Hänptcr, die Geistlichkeit, die vornehmsten Edelleute und die Gesandten der fremden Mächte waren gegenwärtig. Die Sitzung wurde durch eine kurze Anrede Philiberts von Brüssel im Namen deS Kaisers eröffnet, in welcher er. erklärte, daß der Fürst wegen seiner leidenden Ge- 302 sundheit die Last der Regierung abgeben und unter dem wärmeren Himmel Spaniens Linderung für seine Leiden suchen wolle. Vorzüglich wurde darin auf die Nothwendigkeit, dem katholischen Glauben treu zu bleiben, und auf das Unglück, welches eine Spaltung für die Niederlande unvermeidlich herbeiführen müsse, aufmerksam gemacht. Während die ganze Versammlung von dieser Rede ergriffen, stillschweigend sich traurigen Gedanken hingab, stand der noch immer große Kaiser wankend auf und gab ein Zeichen, daß er reden wolle. Er begann mit schwacher, fast unverständlicher Stimme. Als er jedoch die Versammlung, an seine Kriegsthaten erinnerte, beseelte ihn seine vorige Kraft. Seine Stimme wurde voll und stark; er richtete sich auf; aus seinen Augen schössen Feuerstrahlen, und es war noch der gewaltige Kaiser Carl, der folgende Worte sprach: „Ich bin neunmal nach Deutschland gezogen, sechsmal nach Spanien, siebenmal nach Italien, zehnmal nach den Niederlanden, viermal nach Frankreich, zweimal nach England, zweimal nach Afrika; ich habe achtmal daS mittelländische Meer und zweimal den spanischen Ocean durchkreuzt." Dann mit der Geschichte seiner Heldenthaten fortfahrend, erhielt seine Stimme immer mehr Kraft, bis er, von inniger Rührung ergriffen, solgendermaaßen schloß: „Der Friede sey mit Euch, meine niederländischen Unterthanen; bleibt vereinigt durch Gefühle gegenseitiger Freundschaft, schenkt den Gesetzen den Gehorsam, den man ihnen schuldig ist, achtet vor Allem darauf, daß die Ketzereien, die in den benachbarten Landen sich verbreiten, keinen Zugang zu Euch finden; wenn Ihr bemerkt, daß sie unter Euch Wurzel fassen, rotret sie aus, denn sie würden eine allgemeine Umwälzung herbeiführen. Um auch Etwas von mir selbst zu sagen, ehe ich schließe, muß ich gestehen, daß ich während meines Lebens ohne Zweifel viele Fehler begangen habe, sey es durch die Unwissenheit meiner Jugend, sey es durch Hochmuth in meinen spätern Jahren oder durch irgend andere der menschlichen Natur eigenthümliche Schwächen; aber ich erkläre hier, daß ich nie wissentlich oder willentlich Jemanden Gewalt oder Hohn angethan und auch nie geduldet habe, daß solches geschah. Ist eö dennoch der Fall gewesen, so war eS gegen meinen Willen; ich beklage eS aus Herzensgrund und bitte die Gegenwärtigen wie die Abwesenden um Verzeihung." Er sagte noch einige rührende Worte zu seinem Sohne Philipp; aber dann drangen ihm die Thränen auS den Augen und er fiel ohnmächtig in seinen Sessel zurück. Kaiser Carl hatte vor den Augen der Völker wie eine strahlende Sonne geglänzt. Dieser Tag war seine Abendstunde, und gleich der untergehenden Sonne hatte er während seiner Rede sich noch von aller Macht umgeben gezeigt, die ihm Gott so milde geschenkt. Jetzt war seine Lausbahn zu Ende — dort lag er vor seinen weinenden Unterthanen, eine vom Sturm entwurzelte Eiche. So mächtig waren alle Anwesenden ergriffen, daß kein einziges Auge trocken blieb bei dem Anblicke dieses rührenden Schauspiels und die Feierlichkeit unter dem Vergießen unzähliger Thränen ein Ende nahm, Kaiser Carl trat im folgenden Jahre den Thron von Spanien ebenfalls seinem Sohne Philipp, so wie die Kaiserwürbe seinem Bruder Ferdinand ab. Er begab sich darauf nach Spanien, wo er in einem Thale von Estremadura im Kloster zu St. Just ein ruhiges, bußfertiges Leben führte, bis der Tod im Jahre 1558 den leidenden Helden von der Erve wegnahm. Dieselbe St. Gudula-Kirche zu Brüssel, wo jetzt die Vermählung der österreichischen Erzherzogin mit dem Herzog von Vrabant stattfand, war im Jahre 1780 Zeuge einer Trauer, wie sie kaum zu einer andern Zeit in Belgien gewesen. Damals wurde die Todtenfcier für die verstorbene Kaiserin Maria Theresia gehalten. „Nie," so erzählt der Geschichtschreiber Conscience in seiner Geschichte Belgiens, »nie, man darf es sagen, war eine Betrübniß so allgemein, als diejenige, welche die Gemächer in Belgien bei der traurigen Kunde vom Tode Maria Theresia's ergriff. Man vergoß Thränen auf den Straßen und den Märkten. Jeder trauerte, als ob seine eigene Mutter gestorben wäre; bei der Todtenfcier in der St. Guvula- Kirche war nichts als Seufzen und Schluchzen. Der Fußboden der Kirche schimmerte gegen den Schein des Tageslichtes, benetzt von den Thränen der Dankbarkeit und des Schmerzes." 303 Im Jahre 1748 war durch den Frieden von Aachen Belgien der Kaiserin Maria Theresia wieder zugefallen. Jetzt kam der Herzog Carl von Lothringen, Schwager der Kaiserin und Statthalter der österreichischen Niederlande, in Person nach Belgien, um die dortigen Provinzen zu verwalten; er schlug seinen Hofhalt in Brüssel auf und verließ das Land nicht wieder. Herzog Carl war ein tugendhafter Fürst, wohlwollend und freundlich, tapfer und thätig. Von gewandten Staatsmännern unterstützt, rettete er die Angelegenheiten des Landes aus der schrecklichen Verwirrung, in welche sie seit langer Zeit gerathen waren, und wußte Mittel zu finden, den öffentlichen Schatz durch ansehnliche Einkünfte zu bereichern. Seine Minister achteten nicht immer die Vorrechte und Gewohnheiten der Belgier, ja sie veranlaßten wohl mitunter die Unzufriedenheit derselben; aber dann hörten die Kaiserin und der Herzog deren Klagen mit so vieler väterlicher Güte an und behandelten sie mit so offenbarer Rechtlichkeit, daß ihre belgischen Unterthanen sich manche Aenderung gern gefallen ließen. Alle Zweige der Industrie und des Handels fanden die kräftigste Unterstützung; der Landbau blühete mehr als je; die allgemeine Ruhe gab Allen neuen Murh; ein gewisser Wohlstand bilvete sich unter dem Volke, und man segnete dankbar den Namen Maria Theresia's, unter deren weiser Regierung man, wenn auch nicht im Reichthum, doch in Frieden leben konnte. 1756 bekam die Kaiserin Krieg mit dem Könige von Preußen. Bei dieser Gelegenheit gaben die Belgier ihrer Fürstin einen Beweis ihrer innigen Liebe. Sie schenkten ihr einen Zuschuß von 16 Millionen Gulden und ein Heer von 12,0l)0 Soldaten. Auch während deS Krieges, der erst 1763 endete, war ihnen kein Opfer zu schwer, um der Kaiserin gefällig zu seyn. Die edelmülhige Neigung der Belgier rührte Maria Theresia tief, und sie begann jetzt mic wahrer Vorliebe für das Heil des Landes zu sorgen. Sie bemerkte immlich, raß Belgien nicht bloß in materieller, sondern auch in geistiger Hinsicht gesunken sey. In der That war auch alle geistige Entwickelung wie tod, der Unterricht schlecht, alle Gelehrsamkeit verschwunden. Man schlummerte, einen bessern Zustand nicht kennend, in der tiefsten Unwissenheit. Maria Theresia gebührt die Ehre, das Signal zum Erwachen gegeben zu haben. Wenn sich die Belgier später wieder erhoben haben auf die sittliche Höhe, die ihnen durch ihr angeerbteS Recht unter den Nationen zukommt, so darf man nimmer'die Fürstin vergessen, welche zuerst den Stern einer bessern Zukunft am Horizont der Zeilen ausgehen ließ. Sie ließ den Unterricht zweckmäßig gestalten, gründete viele Schulen, ließ gute Lehrbücher schreiben, stiftete zu Brüssel die kaiserliche und königliche Akademie der Wissenschaften, beschenkte Antwerpen mit einer Kriegsschule und wandte überhaupt viele andere Mittel an, um die Wissenschaften und Künste auS dem Schlafe zu wecken und wenigstens für eine spätere Zeir der Blüthe vorzubereiten. Herzog Carl trug nicht minder zur Erreichung dieser lobcnSwerthen Zwecke bei. Ihm setzten die Stände von Brabant noch während seines Lebens 1777 ein Standbild. Bis zum Jahre 1780 erfreuten sich die Belgier der Wohlthaten ihrer guten Fürsten. Da traf sie ein zweifaches Unglück. Herzog Carl starb im Juli und die geliebte Kaiserin am 29. November desselben Jahres. So lebendig ist die Kaiserin Maria Theresia im Andenken der Belgier geblieben, daß ihr Andenken in den Liedern der Kinder sich erhalten hat. „Diese edle deutsche Frau," so sagt Gustav Höfken in seiner Schrift „Vlämisch-Belgien", „lebt in Belgien noch heute wie eine Art Heilige in dem Gedächtnisse des dankbaren Landvolkes und der kleinern Städte, ja selbst die Bürgerclassen der größern Städte preisen die fast vierzigjährige Regierung der „guten Kaiserin" als das non plus ultra glücklicher Zeiten. Nur ein Theil der höhern Classen, die sogenannten neuen Reichen (nieu'iven k^ice, im Gegensatz zu den edlen und angeschensten Familien, die den altvaterländischen Wesen treu geblieben, den ouclen kiz-ko), hat mit der frühern ruhmreichen Geschichte Belgiens auch die Tochter Carls IV. und die Mutter Josephs II. vergessen. In Antwerpen und andern vlämischen Städten ist eS noch Brauch, daß Knaben, selbst ältere Leute aus dem Volke, zur Weihnachtszeit Abends vor den Thüren 304 dcr Bürger sogenannte Weihnachtslicder (ILeisIiecIeicer>5), meist von dem alten Ant< werpener Liederdichter KoeS, singen, wobei die Buben große Papiersterne, in deren Mille ein Licht steckt, au einem langen Stock rund drehen, so von HauS zu HauS ziehend. Gewöhnlich nun ist dieser Gesaug nichts anders, als ein Klaglied auf den Tod der guten Fürstin mit dem Refrain: On?' I^3i/.er'm is overleäen, ^a, ons Mria Meresis! Ein erhebendes Beispiel» Wie sehr iu Wien die Slimmunz nicht nur in politischer, sondern auch in religiöser Hinsicht zum Bessern umgeschlagen hat, davon habe ich am verflossenen Sonntage, den 28. August, einen herrlichen, tief ergreifenden Beweis erlebt. Ich ging an diesem Tage um 10 Uhr Bormittags durch die Kolhgasse der Mariahilferkirche zu; da holte ich klingeln; ein Priester trug das Allerheiligste zu einem Kranken. Alles bekreuzte sich! Viele knieten auch nieder — nun das ist nichts ungewöhnliches! es ist noch so ein altcö Stück Gewohnheit, welches sich auS der guten, alten, glaubeuSsesten Bergangenhcit zu unS herüber gerettet hat. Als aber dcr Priester näher kam, hörle ich Stimmen, welche beteten: „Heilig, heilig ist nnser Herr Gott Sabaolh." Ich sah auf und bcmerkle eine Schaar junger Männer, welche mit entblößtem Haupte paarweise himer dem Priester herschritlcn und Gott die Ehre des Geleites gaben. Ich glaubte anfangs zu träumeu und wähnle im Gesichte das Wien zu sehen, wie es vor drei Jahrhunderten war. Aber die Stimmen tönten immer lauter, der Zug wurde immer länger, und tief ergriffen schloß auch ich mich demselben an und solgie bis zum Hause des Kranken; aber auch hier entfernten sich die Begleiter nicht, sondern harrten unter Gebet bis der Priester zurückkam. Sie folgten ihm wieder in der schönsten Ordnung nnd unter lautem Lobgesang, bis sie an der Kirchenthüre knieend den Segen erhalten hatten. — Und wer waren diese jungen Leute, welche den indolenteiz Wiener Pflastertretern wieder einmal gezeigt haben, was katholische Eilte sey? Es waren Handwerksgesellen, welche eben von allen Seilen in die Lehrstunden ciltea, die für sie im Localc deS Eeselleiuercines abgehallen werden. Und welchen Eindruck machlc diese Scene aus's Lolk? Alle Hausgenossen des Kranken versammelten sich und beteten unter Thränen der Rührung mit den in der Hausflur weilenden Gesellen; auf dem Wege las man auf den Gesichtern ringsum Erstaunen, Bewunderung und Rührnng — ja einige Erwachsene und sehr viel! Kinder schloffen dem Zuge sich freundlich an. — Nur rüstig vorwärts auf dieser Bahn, brave Gesellen! dann werden wir sehr bald erfahren, daß sich nicht mehr so Viele schämen, Christen, katholische Christen zu seyn. (Oest. Schulb.) Aus Napoleons letzten Tagen. Die jcht in England erschienene „Geschichte der Gefangenschaft Napoleons auf St. Helena," von Sir Hudson Löwe, macht vieles Aufsehen dnrch manche unccwarlct neue Mittheilungen, die sie enthält. Wir führen nur folgendes Beispiel an: „Als Napoleon fühlte, daß er jeden Tag schwächer werde, bat er um geistliche Medizin, und zwar um einen tüchligen, gelehrten, scharfsinnigen Theologen, mit dem er alle Tiefen der Religion durchforschen könne. „Selbst Voltaire," sagte er, „bat nm Tröstungen dcr Religion vor seinem Tode, und so möchte auch wohl ich Trost im Umgänge mit einem Manne finden, dcr mir Geschmack.an religiösen Unterhaltungen beibringen und mich sromm machen könnle." Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. Verlags - Inhaber: F. C, Kr cm er. Dreizehnter Jahrgang. Sonntags Beiblatt zur Augsburger PostZeitung. 25. September SS. 1853. Dieses Blatt erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der halbjährige Abormemenrsprel« TV kr., wofür e« durch alle königl. bayer. Postämter und alle Buchhaudlougeu bezogen werde« kauu. Wien. (Im September 1853,) Von Nord und Ost, von Süd' und West, So weit die Gränzen reichen, So weit die deutsche Zunge klingt, Und wachsen deutsche Eichen, Zieht's hin zum schönen Donaustrand, Zum biedern, deutschen Kaiserland. Der Frühling kam, es sproßten aus Des Glaubens heil'ge Blüthen, Und in der Liebe Sonnenstrahl Die Herzen neu erglühten, Des Glaubens und der Liebe Band Schlang wieder sich um's Vaterland, Und auf der Geister tieferm Grund Begann es sich zu regen, Die Hirten standen auf der Wacht, Und gaben ihren Segen, Wie wenn der Thau die Fluren träntt, Und seine Perlen niedersinkt. Und vor des Himmels Leuchten schwand Der Nebel trüber Zeiten, Der Gnade heilige Gewalt Wollt' ihre Ströme leiten Auf's Neue tief in Deutschlands Grund, Vereinen es zum heil'gen Bund. Wie wann in, Lenze Alles keimt Und sprießt und grünt und blühet, Uud höher steigt der Sonne Strahl, Und immer wärmer glühet, So hat's gekeimt auf deutscher Flur, Und wärmer glüht's auf jeder Spur. Und wied'rum ist der Ruf ertönt Durch alle deutsche Gauen, Es geht und wandert, schifft und fährt, Die Kaiserstadt zu schauen, Es strömt in freud'ger Strömung fort Hinüber zum Versammlungsort. Es glüht das Herz, es flammt das Wort, Es stählen sich die Glieder, Und neuer Muth und neue Kraft Strömt in die Brust hernieder, Der Glaube schlingt das Einheitsband, Die Liebe reicht die heil'ge Hand. O ströme fort, du heil'ger Strom, Daß Glaub' und heil'ge Sitte Das Sicgesbanner halt' empor Hoch in der Völker Mitte, Bis aus der bösen Zeiten Nacht Der letzte Deutsche ist erwacht! O heil'ge Glut erlösche nicht, Entzünde kalte Herzen, Dring' himmelwärts mit heil'ger Macht, Und laß nicht mit dir scherzen, Bis rings das ganze Vaterland, Der Braut des Herren reicht die Hand! Du aber, Himmelskönigin, Erhöre unser Flehen, Daß unö begleit' im ernsten Kamps Der Gnade heil'ges Wehen! O heil'ge Mutter, Jungfrau rein, Du wollest gnädig mit uns seyn! (Aus dem Münster. S.-Bl.) 306 Eine Converfion. Die „Kath. Bl. a. Tirol" enthalten folgende Begebenheit: Ein junger Schwede, der Sohn eines hochgestellten wohlhabenden Beamten, der eine besondere Vorliebe zur Baukunst zeigte, sollte sich nach München begeben, mu in dieser Stadt, die zur Ausbildung in dieser Kunst ein so reiches Feld bietet, seine Studien zu vollenden. Wenn schon die Liebe zur Kunst ihn zu jedem Opfer bereitwillig machte, so trat er dennoch nicht ohne einige Scheu diese Reise an. In der protestantischen Religion erzogen, betrachtete er die Katholiken nur als abergläubische Schwachköpfe, da sie ihm als solche stets beschrieben worden waren. Daher kann man sich den geheimen Widerwillen leicht vorstellen, der ihn bei dem Gedanken, in einer Stadt, deren Mehrzahl Katholiken sind, leben zu müssen, erfüllte. — In München angekommen widmete er sich mit allein Eifer seiner Kunst. Unter den jungen Leuten, welche gleiche Studien verfolgten, war er bald heimisch; besonders fühlte er sich zu einem Jünglinge hinge- zogen, dessen Liebenswürdigkeit bald sein ganzes Herz gewann; — und dieser war ein Katholik. Allein nicht nur ein Katholik dem Namen, sondern der innigsten Ueberzeugung nach; er fühlte so recht das Glück, dem wahren Glauben anzugehören, den eine sorgsame Erziehung ihm eingeprägt hatte. Nach einiger Zeit, in welcher diese beiden jungen Leute sich recht herzlich lieb gewonnen hatten, leitete der junge Schwede die Rede auf die Verschiedenheit ihres Glaubens, und versuchte durch spöttische Fragen seinen Freund in Verlegenheit zu setzen. Dieser jedoch, in demjenigen angegriffen, was ihm das Heiligste war, wußte alle Einwürfe so zu widerlegen, daß der Schwede sich stets überwunden sah. — Das freundschaftliche Verhältniß dauerte indessen fort; der Schwede fing an, schweigsam und nachdenkend zu werden. Sein Freund bemerkte es, wußte jedoch diese Veränderung nicht zu deuteu; auch wagte er eS nicht, ihn darüber zu befragen. Eines TageS, da er seine innere Unruhe nicht länger bemeistern konnte, ergriff er die Hand seines Freundes und bat ihn dringend, ihn zu einem katholischen Priester zu führen, der ihm Aufschlüsse geben könnte, nach welchen sein Herz sich so sehr sehne, er vermöge nicht länger mehr diesem Dränge zu widerstehen. — Sein Freund, höchlich darüber erfreut, wies ihn zu einem sehr gelehrten und frommen Priester. Der Schwede, innig erfreut, seinem Herzen nun Linderung verschaffen zu können, begab sich sogleich zu dem Priester. Gott, dessen Gnade ihn bis daher geführt hatte, wollte nun seine Geduld noch auf eine harte Probe stellen; die Sehnsucht sollte stets noch mehr gesteigert werden, um den Werth dieses höchsten Gutes in feiner ganzen Größe schätzen zu lernen. Gott fügte es, daß er den Priester nie treffen konnte, und erst, nachdem er bereits zum siebentenmale sich gemeldet, gelang eS ihm, seinen Herzenswunsch erfüllt zu sehen. — Der Priester, hoch erfreut und dem Herrn dankend, nohm den Jüngling freundlich auf und unterrichtete ihn mit aller Liebe; seine Mühe wurde überreichlich belohnt, denn die Seele, die so nach der Wahrheit dürstete, wußte dieses hohe Glück vollkommen zu würdigen. ES rückte die Zeit heran; er legte das Glaubensbekenntniß öffentlich in der Herzogspitalkirche bei dem Altare der schmerzhaften Mutter ab, und legte es auf eine Weise ab, daß alle Anwesenden zu Thränen gerührt wurden. — Es war der entscheidende Schritt für Zeit nnd Ewigkeit gethan. Nun mußte er seine Angehörigen davon benachrichtigen, er ahnte die Folgen: allein er war zu jedem Opfer bereit. Die Antwort des Vaters traf bald ein. Der Vater, im höchsten Grade einrüstet, erkannte ihn nicht mehr als seinen Sohn an; der Sohn hatte alle Rechte ans dessen Herz verloren; deS VaterS Unwille ging so weit, daß er dem Sohne jede fernere Unterstützung verweigerte, um ihn so dem Elende preiszugeben. Jeder Versuch, die Verzeihung des Vaters zu erhalten, blieb fruchtlos. Dem Sohne blieb nun kein anderes Mittel mehr übrig, als seinen Vater dem Herrn zu empfehlen, nnd von ihm dessen Erleuchtung zu erflehen. Nun aller Hülse beraubt, muße er aus Mittel denken, um sein Leben zu stiften. Er miethete eine Dachkammer, es nahte der Winter, er fand keine Beschäftigung und war plötzlich dem größten Elende preisgegeben. Keine Klage entschlüpfte seinem Munde; Jesu zuliebe ertrug er sein Elend geduldig; der Herr hatte ihm ja Alles gegeben, in ihm fand er hinlänglichen Trost. 307 Drei Tage lang sah man ihn sein Zimmer nicht verlassen. Die HauSleute, um ihn besorgt, kamen zu ihm: sie fanden ihn in seiner kalten Kammer, bereits schon seit drei Tagen der Nahrung beraubt. Man bot ihm von allen Seiten Hülse. Der obenerwähnte Priester, der davon benachrichtigt worden war, eilte zu ihm, ihn mit sanften Vorwürfen überhäufend. Dir junge Mann dankte für die liebevolle Theilnahme, bat jedoch nur um irgend eine Beschäftigung, wodurch er das Nothwendige verdienen könnte, um sein Leben zu sristen. Man brachte ihn zu einem Bräuer, bei dem er den Winter hindurch die Dienste eines Bräuknechtes versah, und so durch ungewohnte harte Arbeit sein Brod sich verdiente; eS schien ihm kein Opfer zu groß, so glücklich fühlte er sich in seinem Innern. — Es nahte der Frühling, da erwachte in seinem Herzen eine mächtige Sehnsucht, nach dem Gnadenorte Allölting zu pilgern. Er machte sich also- bald auf und legte diesen Weg unter Gebet und frommen Betrachtuugen zurück. In Altötting angekommen, bereitete er sich vor, seinen lieben Herrn und Heiland zu empfangen; der Herr fügte es, daß er in dem Ordenspriester, dem er seine Beichte ablegte, einen seiner LandSlenle kennen lernte, der, von der Gnade des Herrn geführt, sein Vaterland ebenfalls verlassen hatte, und nun, nachdem er Alles, waS ihn an diese Erde fesseln konnte, zum Opfer gebracht hatte, sich ganz dem Herrn widmete. Beive dankten dem Herrn aus der Fülle des Herzens, der so liebevoll sie geleitet hatte. Der junge Schwede kehrte nach München zurück; die Freude, die Glückseligkeit, welche sein Herz nun erfüllte, konnte er nicht genug iu Worten ausdrücken; sein Dankgebet stieg unaufhörlich zum Himmel — Der Herr hatte mit innigem Wohlgefallen auf diese Seele geblickt, die mit so opferwilligem Gehorsam auf dem von ihm bezeichneten Kreuzwege der Selbstverläugnung und der Demüthigungen gewandelt war: dieser Gehorsam, diese opferfreudige Hingabe sollte nun zur Ehre Gottes belohnt werden. Es langte ein Brief von seinem Vater an, welcher ihm volle Verzeihung brachte. Der Vater schrieb ihm, daß er ihn nicht nur mit offenen Armen empfangen, sondern auch in seiner religiösen Ueberzeugung durchaus nicht mehr hindern werde; er fügte zugleich eine ansehnliche Summe Geldes bei, mit der dringenden Bitte, sobald als möglich in sein Vaterland zurückzukehren. Nachdem er den Brief gelesen, warf er sich auf die Kniee, um dem lieben Gott zu danken, der ihn so liebevoll geleitet und das Herz seines Vaters ihm wieder zugewendet hatte. Er verließ die Sradt, die er mit solchem Widerwillen bei seiner Ankunft betreten, mit tief gerührten Herzen, dankte dem würdigen Priester, dessen Segen ihn begleitete, und langte glücklich in seiner Vaterstadt an. Nach einiger Zeit erhielt der Priester von dem jungen Manne einen Brief, der ihm die freudige Kunde brachte, daß er nicht nur mit aller Liebe von seinen Angehörigen empfangen worden sey, sondern auch, daß in seiner Vaterstadt die erste katholische Kirche erbaut werde und er selbst als Baumeister derselben ernannt sey. — So führte und so lohnte Gott den Jüngling, der mit der bewunderungswürdigsten Redlichkeit und Opferwilligkeit die Wahrheit suchte, und durch Gottes Gnade der Ueberzeugung folgte. — Die Wahrheit dieser ganzen Erzählung ist vollkommen verbürgt. (W. K.-Z.) Joseph Ottmar von Rauschers, FürsterzvischofeS von Wien, Hirtenbrief an die Geistlichkeit. (Schluß.) Indem wir GotteS gnädige Führungen preisen, dürfen wir uns die Schwierigkeiten, welche einem nachhaltigen Aufschwünge entgegenstehen, nicht verhehlen. Nicht Wenige beugen sich noch unter das Joch des Vorurtheils, nur rühmen sie ihrer Knechtschaft sich nicht mehr so laur wie vor fünf Jahren. Bei nicht Wenigen steht zu besorgen, daß der Funke, welchen ein Drang des Außerordentlichen in ihre Seele warf, nach kurzem Glimmen wieder erlösche. Wenn Jemand das Unglück hat zu erblinden und lange Jahre hindurch mit nachtbedecktem Auge einhergeht, so verläßt ihn beinahe die Erinnerung an das Sichtbare, und wenn er davon reden oder vorlesen hört, so 308 finden die Worte keinen rechten Wiederklang in der Seele mehr. Wenn Jemand seit langen Jahren sich gar keine Mühe gab, mit den Mächten der Geisterwelt zn verkehren und auch in seiner Umgebung nichts fand, was ihn an seinen Zusammenhang mit dem Unsichtbaren gemahnt hätte, so schlummert der Sinn für das wahrhaft Höhere fast bis zum Ersterben ein. Wofern nun Gotteö Führung ihn wirklich nachdenklich machen und heilsame Regungen in ihm auftauchen, weiß er nicht recht, was er damit anfangen solle. Eben dasjenige, was ans dem innersten Wesen des Christenthums hervorquillt, ist ihm am schwersten verständlich. Die ganze Gestaltung, welche die städtischen Lebenövcrhältnisse erhalten haben, übt einen hemmenden Einfluß, und zwar auch auf solche, welche stoßweise sich zu den tresslichen Vorsätzen erheben. Ohne Gebet und zwar ernstliches Gebet, ohne daß man die christlichen Wahrheiten zu seinem Ci- genthume macht und auf alles Trachten und Thun anwendet, kann man im Dienste GotteS nicht vorwärts kommen. Licht und Kraft muß man bei den Gnadenmitteln suchen, welche der Herr eingesetzt hat. Der Kirche darf man den Zoll des Gehorsams nicht versagen. Nun gut! und dieß Alles will ich auch thun. Aber eine Menge eingelebter Gewohnheiten und Bedürfnisse widerstreben. Man findet zu Gebet und Gottesdienst keine rechte Zeit. Der ganze Tag, die ganze Woche ist so eingetheilt, daß höchstens auf eine Messe am Sonntage gerechnet ist, und auch da muß man sich Mühe geben, mit dem Ankleiden fertig zu werden. Mit den Kirchen hat eS überhaupt seine eigene Bewandtniß. Bald sind sie zu kalt, bald zu warm; dumpfe Luft beengt die Brust, der Zugwind läßt sich nicht immer vermeiden; im Gedränge kann man gestoßen werden; auf den Steinen zu stehen, ist ungesund und ein Betstuhl nicht immer zu haben. Mit dem Empfange der heiligen Sacramente geht es auch nicht so leicht. Man soll sich doch ein wenig vorbereiten. Aber die Abende sind schon mit Beschlag belegt. Man hat sich einmal frei gemacht; doch es kommt ein Besuch, eine unerwartete Einladung dazwischen, oder ein Schauspiel, welches man doch nicht versäumen will, wird angekündigt. Ferner ist eS unbequem, früher als gewöhnlich aufzustehen; eS ist aber auch unbequem, länger als gewöhnlich mit dem Frühstücke zu warten. WaS nun gar das Fastengebot betrifft, mag es auch durch Dispensen so sehr gemildert werden, daß nichts mehr übrig bleibt, als eine leise Mahnung an die Pflicht der Selbstverläugnung: etwas Beirrendes hat die Sache immer noch. Schließlich wird man bei jeder Kundgebung des katholischen Lebens von der Besorgniß, Aufsehen zu machen, genau gesagt, von der Furcht lächerlich zu werden, begleitet. Diese Unzahl kleiner Schwierigkeiten sind Dorngebüsche, an welchen die schönsten Vorsätze Faden für Faden hängen bleiben. Ohne Unbequemlichkeit gibt eS gar nichts in der Welt, nicht nur keine Jagd oder Lustreise, sondern auch keinen Spaziergang, keinen Ball, kein Schauspiel, nicht einmal eine ruhige Spielpartie: denn zu warm kann eS im Zimmer auch werden und oft muß man um eines eifrigen Mitspielers wegen weit länger sitzen bleiben, als Einem lieb ist. Bei Dingen, welche man nicht eben für hochwichtige, sondern nur für solche hält, wo man sich nicht füglich ausschließen kann, würden die verwöhntesten Leute sich schämen, von derlei kleinen Stacheln deS Lebens viel Aufhebens zu machen. So lange man im Dienste GotteS und der eigenen Seele jede Kleinigkeit so hoch in Rechnung bringt, kann jene Fluth der guten Beispiele und der löblichen Sitte, durch welche der Einzelne mächtig gehoben wird, unmöglich erneuert werden. Wie soll also gründliche Abhilfe geschafft werden? Der Herr ist es, welcher straft und rettet, welcher zur Unterwelt hinab und wieder heraussühn. Von ihm, ohne welchen wir nichts vermögen, muß die Hilfe kommen; indessen können wir, stark durch Eifer und Vertrauen, gar Manches beitragen, um das heilbringende Werk zu fördern. ES läßt sich recht augenscheinlich darlegen, wie sehr die vom Herrn kommende Weisheit der Weisheit dieser Welt in den großen die Gegenwart bewegenden Fragen überlegen sey. Die StaatSweiSheit des Fortschrittes verstümmelte den Menschen; trotz aller Versicherungen, daß er Gott und nichts als er Gott sey, sah sie in ihm bloß den Wurm, welchem verliehen sey, sich eine Stunde lang auf dem grünen 309 Blatte zu sonnen. Sie that noch weit mehr; sie rühmte ihrer Thorheit sich als der glorreichsten Entdeckung. Deßhalb gelangte sie zu Dingen, welche zwar sehr srevelhaft, aber wo möglich noch unsinniger waren; sie handelte bei ihren Verfügungen zur Beseligung der Welt, wie Jemand, welcher sagen wollte: Ich weiß nicht, warum man große Diamanten zu so maaßlosen Preisen bezahlt, man kann ja deren sehr leicht machen, wenn man eine Anzahl kleinerer zusammenschmilzt. Und sogleich wirft der weise Mann eine Handvoll Diamanten in den Schmelztiegel. ES war den Leuten nichts weniger abhanden gekommen als alle Kenntniß der menschlichen Natur, auch jene, welche man sonst bei allen Menschen mit gesunden Sinnen als Etwas, das sich von selbst verstand, voraussetzen durfte. Die Offenbarung zeigt uns den Menschen als Glied in der großen Kette der Geisterwelt, sie verkündet uns die Liebe Gottes als seine höchste Aufgabe und sein innerstes Bedürfniß. Damit ist der Faden durch das Labyrinth gegeben. Der Wahnsinn, zu welchem die Entwicklung der hochgepriesenen Grundsätze führte, hat in Vielen den Glauben erschüttert, womit sie srüher denselben huldigten. Wird ihnen dargethan, welches Licht sich über die verworrenen Zustände der Gegenwart verbreite, wenn man das geistige Leben in seiner richtigen Bedeutung auffasse, so kann manches Vorurtheil zerstört werden. Bei großen Umwälzungen der Gesinnung stehen Verirrungen der Forschung niemals in der Vorderreihe; sie können aber den eigentlich wirkenden Mächten vielfache Förderung bereiten. Seit fünf Jahren hat sich die Bestrebung kundgegeben, für daS christliche Leben in der Gemeinde neue Mittelpuncte zu gründen und sie ist nicht ohne gute Berechtigung. Die Kirche ist der große Verein zur Verherrlichung Gottes und zur Heiligung der Menschen, welchen der König der Ewigkeit gegründet hat. Inner ihrer Gränzen, welche zugleich die Gränzen der Erde sind, soll jeder Kirchensprcngel, inner jedes Kirchensprengels soll jede Pfarre einen engeren Kreis beschreiben, in welchem die Gläubigen mit einander brüderlich an dem Werke ihres Heileö arbeiten. Dabei bleibt jedoch immer noch ein Spielraum für solche Aufgaben der christlichen Thätigkeit, welchen sich nicht Jedermann in gleicher Weise zuwenden kann. Daher hat die Kirche es stets gebilligt, wenn mit ihrem Segen und unter ihrer Leitung Gleichgesinnte sich zu Werken der Andacht, der Buße, der Barmherzigkeit vereinigten und die Bruderschaften der alten Zeit waren ein Blumenschmuck im Garten GotteS: denn trotz allem Menschlichen, was sich dabei einschlich, wurden sie vom Geiste deS Glaubens und der Liebe getragen. Durch Gottes Zulassung haben in größeren Städten die Bande der Pfarrgemeinde sich gänzlich gelockert und in weitem Bereiche thut es dringend Noth, daß vorerst das häusliche Leben und die gesellschaftlichen Beziehungen wieder etwas vom segnenden Hauche des Christenthums empfangen. Eine Einigung derjenigen, welche dieß lebhaft erkennen, vermag unter dem leitenden Schutze der Kirchengewalt einen sehr heilsamen Einfluß zu üben. Es ist dadurch ein Anstoß gegeben, mit der Lehre deS Heils und den Einrichtungen der Kirche sich ernstlich zu beschäftigen und von GotteS Offenbarungen jene zusammenhängende Kenntniß zu erwerben, an welcher eben die Gebildeten so empfindlichen Mangel leiden. Es ist damit ein Anfang gemacht, um die still wirkende, doch mächtige Tyrannei der falschen Scham zu überwältigen. Jeder Einzelne weiß, daß diese Alle sich schämen, ihre katholische Gesinnung an den Tag zu legen, oder daß sie zum mindesten eine solche Scham als die kläglichste Thorheit anerkennen. Es ist ein Anhalt dargeboten, um das christliche Ehrgefühl wieder in der Gesellschaft zur Geltung zu bringen; eS wird jener heilbringenden Scham, welche sich auf keiner Verletzung der Gesetze Gottes will betreten lassen, wieder die Pforte oder doch ein Pförtchen aufgethan. Vereine, deren treue Bemühung darauf gerichtet ist, die katholische Ueberzeugung in sich und Anderen zu kräftigen, können daher im Kampfe wider Vorurtheil und Lauigkeit sehr Bedeutendes leisten. Zwar haben sie eigentlich die Aufgabe, sich selbst überflüssig zu machen; allein das große Werk der Erneuerung kann auch im besten Falle nur durch lange, geduldige Bemühung gelingen, und dann ist es nicht nur möglich, sondern auch rathsam, daß mit der Bemühung, 310 die christliche Ueberzeugung am häuslichen Herde wieder zur Geltuug zu bringen, auch besondere Zwecke der Frömmigkeit und Nächstenliebe verbunden werden. Ein mächtiger Ruf des Herrn ertönt in den Volksmissionen. Wenn es wahr ist, daß der Mensch nur allzu leicht sich von den Gelüsten des Augenblickes hinreißen läßt und mit dem Glauben, welchen er bekennt, in Widerspruch geräth, so ist es doch unstreitig heilsam und räthlich, daß wir uns die ewigen Wahrheiten, welche der leitende Stern unseres Wandels seyn sollen, manchmal im Zusammenhange vergegenwärtigen und in ernster Erwägung auf alle Richtungen unseres Verlangens und Stre- benS anwenden. Dieß und nichts Anderes ist der Zweck der geistlichen Uebungen. Werden nun die geistlichen Uebnngen nicht im Innern eines HauseS und hieinit für eine beschränkte Zahl von Theilnehmern, sondern in der Kirche und für die ganze herbeiströmende Menge des christlichen Volkes gehalten, so nennt man sie Volksmisstonen. Volksmissionen entsprechen also den tiefsten und wahrsten Bedürfnissen des menschlichen Herzens: deßwegen halten sie durch die christlichen Länder einen Siegeszug, welchem die zurückgebliebenen Schüler der Aufklärung mit Aerger und Staunen zusehen. Mit GotteS Beistände werden sie auch in unserer Mitte einen wirksamen Beitrag geben, um die Schlummernden zu wecken, um die Lässigen zu stärken, um das Gesetz des Herrn in Vieler Herzen mit unauslöschlichen Zügen einzuschreiben. Der, welcher den Stürmen gebot und den MeereSwogen Befehle gab, ist als wahrer Gott und wahrer Mensch in unserer Mitte. Wie daS Auge sich geblendet senkt, wenn die Mittagssonne ihm entgegenleuchtet, so neigt sich der überwältigte Geist vor diesem Wunder der Gnade, und er vermag nichts als mit den Seraphinen zu rufen: Heilig, heilig, heilig! So überströmend ist die Huld des Herrn, daß ein heiliger Schauder uuS erfassen muß. Was sind wir und was könnten wir seyn mit einem solchen Helfer! „Weh mir, wie viele Wege zum Heile thun sich uns auf!" ruft der heilige Chrysostomus, da er auf das allcrheiligste Sacrament seine Betrachtung wendet. Diese Fülle der Erbarmungen ist uns aber nicht nur für uns selbst, sondern auch für die uns Anvertrauten gegeben, und vermögen wir ihnen in dieß Innerste deS Aller- heiligstm den Weg zu erschließen, so sind sie überreich an allen Gütern. Bewunderung, Dankbarkeit, Ehrfurcht, die Pflicht gegen unsere eigene Seele, die Pflicht gegen die christliche Gemeinde drängt wie mit unsichtbarem Flügelschlag uns hin, die Anbetung und den würdigen Empfang des allerheiligsten Altarssacramentes nach Kräften zu vermehren. Wie der Anblick der sichtbaren Schöpfung ein reines Gemüth zu dem Schöpfer erhebt, so kann auch der Schmuck der Altäre, der Laut der Gesänge, die stumme Predigt der bildlichen Darstellungen dazu beitragen, in dem Herzen die Ahnung der Herrlichkeit unseres GotteS zu erwecken. Zugleich ist die rege Bemühung, den bei uns weilenden Erlöser auch mit äußeren Huldigungen zu umringen, eine Bethätigung des Glaubens und der Ehrfurcht, welche schon durch die Macht des Beispieles auf die Gemüther wirkt. Darum, theure Mitarbeiter, thut Alles, was die Verhältnisse Euch gestatten, um den auf dem Altare gegenwärtigen Gott auch äußerlich zu ehren und jede gottesvienstliche Handlung, in welcher ihm der Zoll der Anbetung dargebracht wird, so feierlich als möglich zu begehen. Eure besondere Aufmerksamkeit verdient die erste Communion der jungen Christen. Wenn sie mit entsprechenden Feier- lichkeilen umgeben und von einer herrlichen Ermahnung begleitet ist, so hinterläßt sie dem Herzen einen Segen der Erinnerung, welcher nicht so leicht seine Kraft verliert. Hat man über keine großen Mittel zu verfügen, nun so lassen sich wenigstens Blumen finden, und der Heiland sagt ja von den Blumen: Salomon in aller seiner Pracht sey nicht so herrlich bekleidet gewesen, wie Eine von ihnen. Vor Allem aber, AuS- spender der Geheimnisse GotteS, bietet die ganze Kraft der Unterweisung und Ermunterung, die ganze Ausdauer der Mühewaltung auf, damit die Gläubigen oft und mit würdiger Vorbereitung zum Gastmahle des reinen LammeS hinzutreten. In Beichte und Eommunion sind Schätze verborgen, welche, wenn sie gehoben werden, zur Erneuerung eines Volkes vollkommen hinreichen, und kaum wird es irgendwo an Solchen schien, welche Eurer väterlichen Einladung bereitwillig entgegenkommen. 31t So bitt ich Euch denn noch einmal, Genossen der mir zugewiesenen Mühewaltung, leiht mir überall Eure Mitwirkung, wo eS den Herrn und seine Hcerde gilt, leiht sie mir insbesondere zu Erweckung und Kräftigung des regen Lebens, durch welches jeder Christ unseres weiten Kirchensprengels unser Mitarbeiter werden kann. Wie hoch der Mensch durch den Menschensohn, welcher im Himmel thront, erhöht worden sey, tritt am deutlichsten an dem Priester deS neuen Bundes hervor. „Der „Priester", sagt der heilige Ephräm, „ist ein staunenswerthes Wunder und besitzt eine unaussprechliche Gewalt; er berührt den Himmel, er verkehrt mit den Engeln, er geht mit Gott vertraulich um." Der Priester ist den Gläubigen gegeben, damit er ihnen an Christi Statt sey. Der Heiland hat gelehrt; dieselben Worte, welche aus seinem gnadenreichen Munde gingen, soll auch der Priester verkünden und mit treuer Unterweisung den Herzen einprägen. Der Heiland hat getröstet; in Betrübniß und Rathlo- sigkeit, in Noth und Schmerzen, im Beichtstühle und auf der Kanzel, am Krankenlager oder wo immer das Leiden ihm begegnet, soll der Priester den anvertrauten Seelen Trost von oben bringen. Der Heiland hat zu dem Gichtbrüchigen gesprochen: „Sey getrost, mein Sohn, deine Sünden sind dir vergeben!" und die Schriftgelehrten sagten bei sich: Dieser Mensch lästert Gott! denn daß der Sohn des lebendigen GotteS vor ihnen stehe, war ihren Augen verborgen, und daß es Gott allein zukomme, die Sünden zu vergeben, erschien ihnen als etwas Unwidersprechliches. Aber dem Priester ist eS verliehen, gleich dem Eingeboruen vom Vater zu sprechen: Geh' hin, deine Sünden sind dir vergeben. Groß ist der Heiland in den Wundern, durch welche er sich als den Gebieter der Körperwelt bewies; aber er hat viel Größeres gethan: denn er sprach beim letzten Abendmahle: „Dieß ist mein Leib. Nehmet hin uud esset Alle davon." Dieß hochheilige Wunder, in welchem die Allmacht und Barmherzigkeit des Allerhöchsten gleichsam die Unendlichkeit ihres Reichthums erschöpft hat/ der Priester des neuen Bundes wirkt es auf dem Altare, um welchen her die himmlischen Geister Wache halten. Freunde und Mitbrüder, dieß ist das Los der Ehren, welches auch Euch gefallen ist. Darum sey der erste Gruß, den ich an Euch richte, ein Preis des Glücks, das Euch geworden ist! Die Gestalt dieser Welt geht vorüber. Zwar unser Leib ist dem Gesetze der Schwere verfallen; aber unser Geist berührt schon hienieden die Gemeinschaft der Geisterwelt, in deren enthüllten Reihen nnser Ort seyn wird ohne Wechsel und Ende. Sollten wir uns nicht freuen, daß durch GotteS Erbarmung uns verliehen ward, was groß ist vor Gott und seinen AuSerwählten, waS groß seyn wird vor dem Richterstuhle, welchen alle Menschen und Engel in unermeßlicher Versammlung umringen werden? Allein nachdem der heilige Gregorius der Hoffnungen gedacht hat, welche uns bei Gott hinterlegt sind, fügt er die Ermahnung hinzu: „Zu großem Lohne kann man nicht anders als durch große Beschwerden gelangen. Daher spricht Paulus, der vortreffliche Lehrer: Gekrönt wird nur der werden, welcher vorschriftsmäßig gekämpst hat. So erfreue sich denn unser Geist an der Größe des Lohnes; doch lasse er auch von dem Dränge der Beschwerden sich nicht abschrecken." Die Verantwortlichkeit für das Heil unsterblicher Seelen ist eine schwere Last. Als die Söhne Jakobs von Neid getrieben wider Joseph ihren Bruder sich erhoben, gedachte Rüben, ihn ihren Händen zu entziehen und dem Vater zurück zu geben. Allein er ließ die Sache sich nicht sehr angelegen seyn; er entfernte sich, und mittlerweile wurde Joseph an die Jsmaeliten verkauft. Als er nun zurückkam und ihn vergebens suchte, zerrieß er sein Gewand und rief jammernd auS: Der Knabe ist nicht mehr da und ich wo soll ich mich hinwenden! Rüben scheute sich vor seines VaterS Angesicht zu treten, weil er nicht Alles, was er vermochte, gethan hatte, um den Liebling desselben vor der Knechtschaft zu bewahren. Und doch war dieß eine Knechtschaft, welche die Hoffnung auf Befreiung keineswegs ausschloß; wirklich wurde Joseph nicht nur von der Sklaverei erlöst, sondern der Pharao setzte ihn auch über ganz Ägypten, und er regierte daS Land, wo er gedient hatte, bis zu seinem späten Ende. Wenn nun, was die ewige Erbarmung abwende! — durch unsere Versäumniß eine Seele in die Bande des 312 Abgrundes geriethe, wie sollten wir mit freudigem Vertrauen vor das Angesicht unsers Meisters treten? Indem er diese Seele suchte, wurde sein Haupt von Dornen zerrissen, wurden seine Hände und Füße von Nägeln durchbohrt, wurde sein Herz von der Lanze durchstoßen, und nun ist sie verloren in alle Ewigkeit! Unstreitig verlangt er von uns nicht mehr als wir vermögen; aber Alles, was wir vermögen, verlangt er von unS, so wahr er die mit seinem Blute Erkauften liebt. Indessen vermögen wir Alles in ihm, der uns stärkt: denn es ist ihm alle Macht gegeben im Himmel und auf Erden. Und will doch noch ein Bangen uns beschleichen, so wenden wir unS an die Mutter deS Trostes, deren Siegesfest wir heute begehen. Königin des Himmels, als du unter dem Kreuze standest, durchdrungen von dem bittersten Schwerte der Schmerzen, vernahmst du das göttliche Wort: Siehe, Weib, dein Sohn! Der dir zum Sohne gegeben wurde, war Johannes, welcher bei der Einsetzung des großen HuldgehcimnisseS an der Brust des Heilandes lag; es war Johannes, der Lehrer und das Vorbild der Nächstenliebe, dessen letztes Vermächtniß an seine Schüler lautete: Kinder, liebet einander! Auch ich und die Priester, welche dein Sohn mir zur Hülfe geordnet hat, sollen die Geheimnisse deS Heiles verwalten und um das höchste Werk der Nächstenliebe zu üben, um die Seelen zu retten, sind wir gesandt. So nimm auch unS zu deinen Söhnen an! Erwirb uns durch deine mütterliche Fürsorge Licht im Zweifel, Trost in der Widerwärtigkeit, Kraft in der Beschwernis), überall aber und in Allem den brennenden Eifer der Liebe! Mutter, hilf uns Jene selig machen, die unS anvertraut sind; dann erbitte unS dort einen Platz, wo Johannes seinen Meister anbetet und dich preiset und liebt in Ewigkeit. Amen. Gegeben zu Wien am Feste der Himmelfahrt Unserer Lieben Frau den 15. Aug. 1853. Joseph Othmar. Niederlande. AuS Holland enthält daS „Univers" einen interessanten Bericht, nach welchem die Katholiken zu Hoffnungen auf die Zukunft nicht unberechtigt sind. Der Erbprinz besuchte nämlich auf seiner Reise durch die ganz katholische Stadt Bormeer das dortige Carmeliterinnenkloster. Zur Zeit seines Besuches war eben der hochwürdige General- procurator dieses Ordens, ?. Priori, eingetroffen, um in den Häusern der Provinz Deutschland Visitationen zu halten. Der Prinz war über Alles, was er in dem Frauenkloster sah, sehr befriedigt und bat, als er von der Ankunft des Generalpro- cnratorS und von dessen glänzenden Eigenschaften — ?. Priori ist. Mitglied mehrerer Congregationen und einer der hervorragendsten Männer der ewigen Stadt — hörte, derselbe möge sich ihm vorstellen lassen. ?. Priori beeilte sich, der hohen Einladung Folge zu leisten und wurde von dem Prinzen auf das Herzlichste empfangen. Der Thronerbe redete viel von Rom, seinen Alterthümern und von dem Wunsche, es zu besuchen; er fragte namentlich nach dem Befinden Sr. Heiligkeit, und äußerte unter Anderem, er habe auch daö Bildniß desselben, leider aber sey dasselbe kein ganz gelungenes. ?. Priori, der zufällig im Besitze mehrerer sehr gelungener Portraits ist, bot dem Prinzen eines an, den dieses Geschenk nicht wenig freute, und der noch mehrere bronzene Medcu'llonS mit dem Brustbilde Sr. Heiligkeit und der Apostelfürsten dankend entgegennahm. Der Kronprinz versprach ?. Priori, wenn er nach Rom komme, ihn besuche» zu wollen, und äußerte, daß er sich inzwischen, bis es ihm vergönnt wäre, dem heil. Vater persönlich seine Huldigung darbringen zu können, mit dem Anblicke seines Bildes entschädigen werde. Wenn er auf die Katholiken und ihre Kirche zu sprechen kam, erhob er sich weit über die Norurtheile, welche in diesem Augenblicke seine Glaubensgenossen irreführen. Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. Verlags - Inhaber: F. C. Kremer. Vr-yehnt-r Jahrgang. Sonntags-Beiblatt zur Augsburger PgkMlung. 2. October M- ^ß» Dieses Blatt erscheint regelmäßig alle Sonntage» Der halbjährige Abouncmentsprei» 5tt fr., wofür e« durch alle köuifll. daher. Postämter und all« Buchhandlunge» bezogen werde» kau« Joseph Ottmar von Rauschers, Fürsterzbischofes von Wien, Hirtenbrief an alle Glaubige der Erzdiöcese Wien. Joseph Othmar, von GotteS und des apostolischen Stuhles Gnaden Fürst- erzbischof von Wien, Doctor der Theologie .c. .c., Ritter v. Rauscher, allen Gläu- bigen der Erzviöcese Wien Heil und Segen vom Herrn! Eine treue Mutter bewacht das Kind ihrer Schmerzen mit zärtlicher, unablässiger Sorgfalt. Sie trägt eS auf ihren Armen, sie säugt eS an ihrer Brust, sie läßt es in ihrem Schooße schlummern. Beginnt eS die noch unsichern Schritte zu prüfen, so hält sie es aufrecht, wenn es wankt, und reicht ihm die Hand, wenn es ermattet. Auch dem Knaben, welcher ihrer Leitung nicht mehr zu bedürfen glaubt, solgt sie geduldig nach. Sie zeigt ihm den rechten Weg, sie warnt ihn vor jeder Gefahr, sie richtet ihn auf, wenn er strauchelt und fällt, sie reißt ihn zurück von dem Abgrunde, an dessen Rand er nach dem Schmetterlinge hascht. Allein die Mutterliebe in all ihrer Kraft und Lauterkeit ist nur ein Schattenbild der erbarmenden Huld, womit die ewige Liebe über all unseren Schicksalen und Erlebnissen waltet, und wenn wir uns ihren Führungen ohne Widerstreben hingeben, so dürfen wir die Bahn des Lebens mit ber Sicherheit kindlichen Vertrauens wandeln. „An den Brüsten wird man euch tragen und auf den Knieen euch liebkosen; wie Einen, welchem, seine Mutter liebkoset, will ich euch trösten." So spricht der Herr durch seinen Propheten. Ueber dem Großen, wie über dem Kleinen, über dem völlig Unscheinbaren, wie über dem, was auch vor den Menschen als wichtig gilc, waltet die Hand der Fälschung und ordnet Alles zu unserm Heile; kein Haar fälil von unserem Haupte, zu dem der Vater im Himmel nicht gesprochen: Falle hin! Wiewohl ich lebhast fühle, daß ich nicht würdig bin, dem Ewigen und Hohen als sein Werkzeug zu dienen, so glaube ich doch in dem Rufe, welcher mich zu Euch führt, theure Miterben der Verheißungen Ehrifti, die Leitungen der göttliche» Fürsehung erkennen zu dürsen. Dieß ist der Grund, auf welchem meine Hoffnung ruht. Ich grüße Euch mit dem Gruße deS Friedens: denn ich komme zu Euch im Namen des großen Friedenöfürsten. Seine Worte sind es, die ich Euch zu bringen habe, sein Reich ist eS, nach welchem wir miteinander pilgern wollen. Ich bringe Euch eine frohe Botschaft: denn ich bin gesandt, um die Würde zu verkünden, welche Euch einwohnt, um die Herrlichkeit zu enthüllen, zu welcher Ihr berufen seyd, um Euch dorthin einzuladen, wo Erquicknng ist und Hilfe für Zeit und Ewigkeit. Als der Sohn Gottes auf die Erde kam, schien an ihm und rings um ihn Alles nur Schwäche und Armuth, Beschwerniß und Erniedrigung zu seyn. Er war ein zarteS, neugebornes Kind und hatte kein anderes Obdach, als eine rauhe Höhle, welche bloß Heerden zu beherbergen gewohnt war. Eine Krippe diente ihm statt der Wiege und aus etwaö dürrem Grase war er gebettet. Zur selben Zeit aber leuchtete 314 draußen die Nacht von überirdischem Glänze. Der Engel des Herrn erschien den staunenden Hirten und verkündigte ihnen, daß Israels Hoffnung erfüllt und zu Bethlehem in der Stadt DavivS der verheißene Retter geboren sey. Und es gesellte sich zu ihm die Menge der himmlischen Heerschaaren und feierte mit himmlischen Gesängen den Herrn und seinen Gesalbten, Damit sich mit uns etwas AehnlicheS begebe, hat der Sohn Gottes Knechtsgcstalt angenommen. Der Mensch ist schwach und gebrechlich, auch wenn er in voller Kraft des Alters und der Gesundheit blüht. Es fällt ein Stein, eö weicht Eine von den tausend Nerven, welche in dem künstlichen Bau seines Lebens verschlungen sind und sein zeitliches Leben erlischt. Die Erde selbst mag Demjenigen, welcher nur immer abwärts blickt, eine Unendlichkeit dünken, aber wenn Jemand auch nur zu den sichtbaren Größen mit ernster Erwägung das Auge erhebt, so verengt sie sich. Die Gestirne, die am nächtlichen Himmel funkeln, sind Welten, und vor der Unermeßlichkeit der blauen Räume, wo sie ihren Rundgang halten, schwindet die Erde mit ihrem Land und Meer, mit ihrer Pracht und Qual zu einem dunklen Puncte hin. Wenn aber der Mensch von Stern zu Stern eilen könnte, doch die Schranke, die ihn in das Räumliche bannt, befestigt bliebe, so bliebe die Sehnsucht seines Herzens ungestillt und die Weltcnräume wären für ihn gleich der dunklen Höhle, wo das Jesuskind lag. Allein von der armen Krippe geht ein wunderbares Licht ans; eS berührt das Auge, seine Schuppen fallen und die Herrlichkeit, zu welcher wir erhöht werden sollen, die Herrlichkeit, welche schon hinieden durch Glauben und Gnade in unser Herz hineinblickt, wird ihm offenbar. Von Ewigkeit zu Ewigkeit waltet, unberührt von dem Wellenschlage der Zeit, der allein Heilige und Hohe, der dreicinige Gott. Alles, was das menschliche Herz wahrhaft erhebt, ist ein Funke, welcher von dem Saume seines GewandeS niederstrahlt. Zur Rechten deS allmächtige» Vaterö thront sein eingeborner Sohn, in welchem unsere menschliche Natur über Alles, was geschaffen ward, erhaben ist. Noch immer ist er der gute Hirt, welcher sein Leben hingab für seine Heerde. Er bleibt bei uns nicht nur durch seine Gnade, sondern auch in dem großen Wunder der Liebe, in dem allerheiligsten Sacramente des Altars. Er hat uus den heiligen Geist gesendet, der mit dem Vater und dem Sohne gleicher Gott lebt und regiert. Der himmlische Tröster schwebt über uns, um unser Herz zu seinem Tempel zu machen. Rings um den Thron des Allerhöchsten verbreiten sich die Chöre der Engel und Heiligen, in welchen die Herrlichkeit ihres ErschafferS sich abspiegelt. Hier steht dem Unerschaffenen zunächst die reine Magd des Herrn, welche zur Mutter Gottes erkoren wurde; hier findet sich alles wahrhaft Große, alles wahrhaft Liebliche, waS seit den Tagen deS gerechten Abels auf Erden erschien, im himmlischer Verklärung vereinigt. Der getreue Pflegevater des Heilandes, der Vorläufer, der vor ihm herging in der Kraft des Elias, die zwölf Boten des Heiles, die helvenmüthigen Märtyrer, die gotterfüllteu Propheten und Lehrer, die getreuen Bekennn, die reinen Jnugfrauen, Alle, Alle, welche die Palme des Sieges empfangen, wo und wie sie immer ihre goltgeweihte Liebe bewährt haben. Diese glänzende Versammlung blickt auf uns nieder, sie sehnt sich, uns in ihrer Mitte zu sehen, sie bringt für uns ihre Fürbitte dar. Die Erstlingskinder der göttlichen Huld, die Engel, bewundern das hochbegnadigte Geschlecht, welchem der Sohn Gottes sich als ein Bruder dem Bruder beigesellt hat, und begleitet unS wie sorgsame Freunde auf allen unsern Wegen. Hinauf, hinauf zu diese» Höhen soll ich Eure Blicke richten, geliebte Christen. Die Welt ist dürr und öde geworden vor Uebermaaß von Bestrebungen, welche im Sande deS Vergänglichen wühlen. Sie fühlt, daß ihr Etwas gebreche, sie ergreift jede Gelegenheit, um sich künstlich zu einer Art von Begeisterung aufzustacheln. Der Beifall, welchen man der Meisterschaft im Gesänge oder auf irgend einem Instrumente zollt, steigert sich manchmal bis zu Uebertreibungen, welche man belächeln muß; aber es gibt sich darin daö Bedürfniß kund, irgend ein Gefühl, welches das Herz über das Alltägliche hinaus hebe, zu erHaschen. Dieß verirrte Streben kann aber nicht nur Lächerliches, sondern auch Entsetzliches hervorrufen. Als das Heidenthum noch seine 315 Feste hielt, als man daS Bild der Göttermutter unter betäubendem Paukenschall und wildem Gesänge umhertrug, während die Priester des Wahnes sich mit Messern ritzten, stürzte mancher Jüngling wie von Wuth ergriffen hervor und wandte die scharfen, bereit gehaltenen Schwerter wider sich selbst. Wir haben AehnlicheS erlebt. Eine ernste Zeit der Entscheidung liegt nicht sehr weit hinter uns. Von denjenigen nuu, welche damals an dem Werke der Zerrüttung und Zerstörung arbeiteten, wußten freilich die Wenigsten, waS sie thaten; Jene, welche es wußten, waren arößteutheilS von den Bestrebungen groben Eigennutzes geleitet, und sie Schwärmer schelten hieße ihnen eine unverdiente Ehre erzeigen. Aber es fanden sich darunter doch auch Solche, über welche ein schimmerndes Wolkenbild Gewalt übte. Der trügerische Schein, womit die Zwecke des Umsturzes prunkten, hatten sie wirklich geblendet; sie glaubten, etwas Höheres leuchte in sie hinein; sie suhlten sich in ihrem Innern gehoben und trachteten mit krankhafter Ueberreizung dieß Gefühl auszubeuten; sie setzten für ein Wahngebilde Blut und Leben ein. Ich aber, theure Christen, bringe Euch dasjenige, was wirklich erhebt und begeistert. Wir wandeln vor Gottes Angesichte und das Reich GottcS ist das uuö beschiedene Erbe. Wenn diese Ueberzeugung srischeS Leben gewinnt, so verleiht sie dem Geiste die Fittige zum wahren Aufschwünge: denn sie erweckt in ihm das Gefühl seiner rechtverstandenen Würde und die Ahnung der himmlischen Güter. Viele sonst erfahrene und verständige Leute lassen sich in Allem, waS den innigen Anschluß an Gott und sein Reich betrifft, durch eine fast kindische Furcht beirren. Es ist ihnen, als werde durch die Ermahnung, cS mit dem Ewigen ernstlich zu nehmen, an sie die Znmuthung gestellt, Alles, waS sie lieben und ehren, aufzugeben. Sie irren aber. Wem ein kraftvolles Bewußtseyn der ewigen Bestimmung einwohnt, der wird ohne Zweifel Gott als das höchste Gut an den ersten Platz und alles Andere hinter ihn setzen. Aber jedes Ding gedeiht an seinem rechten Orte am besten. Der im Glauben wandelnde Christ kennt etwas Höheres als seine Gattin und Kinder; allein dadurch verklärt sich die Zuneigung, dadurch befestigt sich die Theilnahme, welche er denselben zuwendet. Er sieht in seinen Kindern eine heilige Hinterlage, welche der Sohn Gottes ihm anvertraut hat und dereinst zurückfordern wird. Er kennt das Band unauflöslicher Pflichten, welches ihn an die Gattin knüpft, sie ist ihm Gefährtin, mit welcher er den Weg zum Himmel wandelt. Diejenigen, welche die Emancipation des Fleisches predigen und Unterordnung der Gattenpflicht unter die wandelbare Be- gierde zn den Kleinodien ihres Reiches zählen, sind zugleich Feiude des Christenthums, und nnr daö Erbe der christlichen Ueberzeugung, welche sie mit unermüdlichem Hasse bekämpfen, hat die Familie vor der Zerstörung bewahrt. Der Glaube, welcher den Weg zum Throne Gottes gefunden hat, gibt der bürgerlichen Gesellschaft ihre feste Grundlage und höhere Weihe. Der christliche Staatsbürger ehrt in dem LandeSfürften Gott, welcher ihn erhöht hat. Der christliche Landesfürst erkennt sich als einen Diener Gottes zum Heile derer, über die er gesetzt ist. Fürst und Unterthanen sind Eines in dem, dessen Gesetz ihre höchste Richtschnur ist. Als den Gipfel politischer Weiskeil pries man vor Kurzem noch jene künstlich angelegten Einrichtungen, welche ans ein unauslöschliches Mißtrauen und einen nimmer müden Kampf zwischen der Regenten, macht und dem Volke berechnet sind, und immer wieder endete die Sache damit, daß das kostspielige Kunstwerk von der Revolution mit eiserner Faust zerschlagen wurde. Das Christenthum läßt diese Weisheit bei Seite liegen, weil es sie überflüssig macht. Auch im Heereslager schafft und adelt die christliche Begeisterung: denn ihr Abglanz ist jenes ritterliche Ehrgefühl, welches der schönste Schmuck und die stärkste Waffe deS Kriegers ist. Der Wissenschaft ist die Macht der christlichen Ueberzeugung kein Hemm- niß, sondern eine wohlthätige Führerin. Die menschliche Forschung hat in vielen Gebieten Großes erreicht; sie hat viele Verhältnisse des Stoffes mit scharfem Blick erfaßt und ihnen die Ordnung vorgezeichnet, in welcher sie menschlichen Zwecken dienen müssen. Hierin legt daS Christenihum ihr keine Hindernisse; höchstens ermahnt es, man möge den Gewinn, welcher daraus für die Befriedigung menschlicher Wünsche erwachse, nicht allzuhoch anschlagen, damit man sich nicht schmerzlichen Enttäuschungen 316 aussetze. Doch die Forschung glaubte sich der christlichen Wahrheit entwachsen; mit unsäglichen Prahlereien verhöhnte sie die heiligen Belehrungen, in deren Lichte das Geheimniß der menschlichen Nalur und Bestimmung sich erschließt. Wie und wo sie dieß that, vergeudete sie edle Kräfte in thörichten Versuchen, das Grundgesetz der sittlichen Ordnung umzuändern und verirrte sich schließlich in eine pfadlose Wüste Die Kunst lebt von dem Widerscheine einer höheren Welt; ohne ihn vermag sie nichts, aber sie kau« ihn in der Pfütze suche», welche ja auch die Sonne abspiegelt, freilich nach Art einer Pfütze, Allein die christliche Wahrheit führt sie in das Heiligthum, wo das wahrhaft Höchste thront, und wmn sie die Stufen des Altars hinantritt und einen Funken empfängt von der Flamme, welche dort emporsteigt, so enthüllen sich ihr die herrlichsten Vorbilder, zu welchen der Menschengeist sich erschwingen kann. Der Herr hat gesprochen: „Wer immer sein Haus, oder Brüder und Schwestern, Vater oder Mutter, Weib oder Kinder, oder den Acker um meines Namens willen verläßt, der wird das Hundertfache dafür erhalten nnd das ewige Leben besitzen," Dieß bewährt sich an Jevem, welcher durch die Anhänglichkeit an das Vergängliche sich nicht hindern läßt, Gott seinem Vater ausrichtig das Herz zu schenken. Von Allem, waS er ohne Sünde verlangen und besitzen konnte, geht ihm Nichts verloren, eS wird nur geläutert und verevelt; in seine Seele aber kehrt der Friede GotteS ein, welcher alle Ahnung dessen, welcher niemals seiner gewürdigt wurde, weit übersteigt. Damit ist nun freilich das Leiden aus der Welt nicht hinweggenommen. Aber Panlus, unser großer Apostel, hat sehr viel gelitten; oft ward er gegeißelt oder sonst mü Mißhandlungen überhäuft, oft war sein Leben durch die Verfolgungen der Feinde oder die Gefahren der Reise bedroht; unter vielfältigem Nachtwachen, in Huuger und Durst, in Kälte und Blöße waltete er seines heiligen Amtes und schwerer als alles Andere war die Bürde der Sorge», welche auf ihm lag; dennoch ruft er aus: „Ich glaube, ^daß die Leive» dieser Zeit mit der künftigen Herrlichkeit, welche sich an unS offenbaren wird, gar nicht verglichen werden können." Der Hinblick auf die ewigen Güter bewahrt uns vor dem schlimmsten aller Leisen, vor den scharfen und vervienstlosen Dornen, welche den Becher der verbotenen Lüste bekränzen, und gewährt iu den Beschwernissen und Drangsalen, welche das gemeinsame Loos des Menschengeschlechtes sind, uuS einen kräftigen Trost, Dennoch war dieß dem milden Heilande nicht genug. „Wir haben," spricht der heilige Panlus, „keinen Hohenpriester, welcher nicht mit unseren Schwachheilen Mitleid haben könnte; sondern Einen, welcher in allen Stücken ähnlich wie wir, doch ohne Sünde, versucht worden ist." Weithin erschallt das Lob einer Römerin, welche, da sie den zum Tode verurcheillen Gatten zagen sah, sich mit dem Dolche durchbohrte und sprach: Pätus, es schmerzt nicht. Damil aber wir, die Kinder des Sünders, dasjenige, was zu unserem eigenen Heile dient, bercitwil> liger trage» möchten, hat der Sohn Gottes, der König der Ewigkeit, der Heilige Israels, alle Leiden des Leibes und der Seele zuerst auf sich genommen. (Schluß folgt,) Die kirchlichen Streitigkeiten in Goa Die in der Ueberschrift erwähnten Differenzen haben wiederhol« in neuester Zeit die allgemeine Ansmcrksamkeit auf sich gezogen. Namentlich ist es aber der Tadel, den in der fraglichen Angelegenheit der portugiesische Hof und die öffentlichen Blätter von Lissabon auf die neuerlich hierüber erfolgten Entscheidungen des heiligen Stuhles in Rom werfen, — der die ganze Sache einer anöführlichercn Besprechung werth macht. Wir entnehmen die Darstellung der wahren Sachlage dem Münster Sonntags- blatte, das sich darüber in klarer historischer Entwicklung folgeuvermaaßen vernehmen läßt: Als die Portugiesen im 15. Jahrhundert den neuen Weg nach Ostindien eiitdcckl und daselbst ihre Herrschaft zu begründen angefangen hatten, bemühten sie sich, mit dieser zugleich die Gränzen des Reiches Jesu Christi auszudehnen. Sie sandten 317 Missionäre und unterstützten die Bemühungen derselben. Im Anfange deS 16. Jahrhunderts gab eS bereits vom Vorgebirge der guten Hoffnung an bis nach Makao wenigstens auf den Inseln und Küsten zahlreiche Christengemeinden. Der König von Portugal wünschte denselben einen Oberhirten zu gebe», der seinen Sitz in Goa, der Hauptstadt der portugiesischen Besitzungen, hätte. Paul III. ging bereitwillig aus seine Vorstellungen ein, und errichtete im Jahre 1534 durch die Bulle ^equum reputsmus das Bisthum Goa, welches seine Gränzen vom Vorgebirge der guten Hoffnung bis nach China ausdehnte. Dieser Bulle gemäß übernahm der König von Portugal die Verpflichtung, nicht nur die Kathedrale zu Goa, sondern auch alle andern Kirchen und Klöster der gan,en Diöcese in gutem Zustande zu erhalten, mit allem Nöthigen zu versehen, dem Bischöfe wie der gesammten Geistlichkeit jährliche Einkünfte anzuweisen, und auf dieselbe Weise die Sorge sür alle neuen Pfarreien oder Klöster der Diöcese zu übernehmen Dafür wurde ihm vom Papste das Patronat sowohl deS BiS- >hums als auch aller Pfründen desselben übergeben. Die Könige von Portugal hatten also das Recht, den Bischof von Goa und alle Geistlichen, die eine feste Anstellung in der Diöcese hatten, zu ernenne». Aber schon im Jahre 1557 wurde diese fast unermeßliche Diöcese von Paul IV. in drei getheilt, Goa wurde M etrop o litan- Kirche, und die neuen Bisthümer Coccina und Malakka ihr unterworfen. PaulIV. ertheilte den Königen von Porrugal die Rechte deS Patronates in diesen beiden Diöcesen unter denselben Bedingungen, die oben erwähnt wurden. Gregor XIII. errichtete das BiSthum Makao, welches ganz China und Japan umfaßte, und die Könige von Portugal hatten sich bis dahin so treu und freigebig gegen die Kirche erwiesen, daß der Papst in der Bulle, welche ihnen das Patronat dieser neuen Diöcese übergab, eine Clausel hinzufügte, wodurch der Krvue von Portugal dieses Recht so unwiderruflich zugesichert wurde, daß auch selbst der heilige Stuhl es ihnen niemals wieder nehmen könne. Dieselbe Clausel findet sich iu den Bullen, durch welche von SirtuS V. zu Funai ein besonderes Bisthum für Japa, vou Paul V. die Diöcese Meliapor, und Alexander VIII. die bischöflichen Sitze von Nankin und Pekin errichtet wurden. Nun geschah es aber, daß der Eifer der porrugiesischen Regenten für die Verbreitung des Glaubens erkaltete, oder wenigstens die Hindernisse, welche ihre Beamten derselben entgegensetzten, nicht beseitigen konnte. Seit dem Ende deS 17. Jahrhunderts dehnten sich besonders in dem großen chinesischen Reiche die Gränzen deS Reiches ' Gottes durch die unermüdliche Thätigkeit der Missionäre immer weiter aus. Mit großer Mühe hatte Alerauder VIII. den König von Portugal bewogen, in die Theilung der Diöcese Makao einzuwilligen, und so die Errichtung der erwähnten Bisthümer Nankin und Pekin zu Stande gebracht. Es war nun aber bald auch unmöglich, von diesen beiden Städten aus die oberhirtliche Sorge bis in die fernsten Provinzen des Kaiserreiches auszudehnen. Da also keine Hoffnung war, in diesen entlegenen Gegenden, mit welchen die Portugiesen gar keinen Verkehr hatten, auf die Weise wie in Ostindien BiSlhümer zu errichten, und der heil. Stuhl doch unmöglich diese neubekehrten Völker ohne Hirten lassen konnte, so sandten die Päpste apostolische Vicare, deren geistlicher Odyut sie einige jener entferntesten Provinzen anvertrauten. Obschon diese durch die Umstände gebotene Maaßregel nicht im Geringsten die Rechte der Bischöfe und des portugiesischen Hofes beeinträchtigte, so unterließ dieser eS deunoch nicht, bittere Klage wider den heil. Stuhl zu führen, und der Metropolitan von Goa ließ sich verleiten, in jene Gegenden, die den apostolischen Vicaren angewiesen waren, Priester zn senden, welche die Gläubigen beunruhigten, und warnte, oen Vicaren des heil. Stuhles nicht zu gehorchen. Aber schon waren die Zeiten nahe, in welchen der portugiesische Hos auf Anstiftung des verruchten Pombal erst durch die Vertreibung der Jesuiten die Missionen in Ostindien eben so wie jene in Amerika zum großen Theil zerstörte, und dann auf mannigfache Weise wider den heil. Stuhl selbst offenen Kampf begann. Die Strafe folgte dem Verbrechen auf dem Fuße nach: Portugal verlor seine Besitzungen in Ostindien, und seine ganze Herrschaft beschränkte sich schon am Ende des vorigen Jahrhunderts auf die fast zerstörte Stadt Goa und 318 einige unbedeutende andere Plätze. Seit dieser Zeit war Portugal gar nicht mehr im Stande, die Bedingungen, unter welchen ihm das Patronat der Kirchen des Orients gegeben worden, zn erfüllen, und konnte also die Rechte desselben nicht mehr in Anspruch nehmen. Die Bisthümer waren meistens verwaist und in dem traurigsten Zustande. Sobald nun in Europa nach den langen Kriegen der Friede dauerhaft hergestellt war, und auch die Wirksamkeit der Missionäre in Indien wieder begonnen hatte, dachten die Päpste auf Mittel, der verlassenen Christenheit in jenen Gegenden zu Hilfe zu kommen. Nach vielen einzelnen Versuchen erließ endlich Gregor XVI. im Jahre 1838 das Breve Uults pr-zool-zre, durch welches er den vier apostolischen Vikaren, die er nach und nach gesandt hatte, auch die Gläubigen der Bisthümer, die seit vielen Jahren ohne Hirten waren, unterwarf, nnd für durchaus unabhängig vom Erzbischofe von Goa erklärte. Jedoch auch der Sitz von Goa war schon lange erledigt, und der Hof von Lissabon bemühte sich erst jetzt, daß derselbe wieder besetzt werde. Der Papst willigte gern ein, jedoch unter der Bedingnng, daß der neue Erz- bischos die im Breve Nulla rirgeclgr» getroffenen Bestimmungen beobachte, uud also sich auf die Verwaltung seiner Diocese beschränke. Joseph von Silva Torres wurde gewählt, und er leistete vor dem Delegaten des heil. StnhleS den Eiv, dem Breve Nults.pratzel-zre zu gehorchen. Aber kaum in Indien angekommen, vergaß der unglückselige Prälat seine eidliche Verpflichtung, verkündigte nur die Bulle, in welcher er zum Metropoliten von Goa ernannt wurde, und unterdrückte das beigefügte Decret, worin erklärt ward, daß jener Titel nur ein Ehrentitel sey, und der Erzbischof von Goa die Rechte des MettopolitanS über die apostolischen Vicare nicht ausüben könne. Die Wirksamkeit dieser letzteren hatte schon immer das größte Hinderniß in der Hartnäckigkeit, womit viele Priester ihnen den Gehorsam verweigerten, gesunden. Diese Priester wollten feine andere» Bischöfe, als die vom portugiesischen Hofe ernannt wären, alö ihre Oberhirten anerkennen. Sie fanden nun in Torres das Haupt ihrer Empörung wiver den heil. Stuhl, und das Schisma war vollendet. Um es auSzu- breiteu, weihte Torres in einem Jahre 600 Priester, die das Laus überschwemmten und die Gläubigen verführten. Nach vielen vergeblichen Bemühungen gelang es endlich Sr. Heiligkeit Pins IX., die Abberufung deS ErzbischofeS von Goa vom Hofe zu Lissabon zn erwirken, und dieses zwar in der Zeit, als der heil. Vater selbst wie in der Verbannung zu Gaeta lebte. Das Schisma nahm nun allmälig ab, bis im letzt- verflossenen Jahre ein unglückliches Mißverständnis des apostolischen Stuhles Gelegenheit bot, das Feuer der Zwietracht ärger als je anznzündeu. Das Capitel von Goa hatte nach Abberufung des ErzbischofeS zu seinem Vicar einen Priester erwählt, welcher zu den wärmsten Anhängern des Schismas gehörte. Aus Mangel an wahrhaftigen Berichten wurde diese Wahl zu Rom bestätigt. Kaum war die Nachricht davon nach Goa gekommen, so setzten sich auch sogleich der Vicar und alle gleichgesinnten Priester in Bewegung, das Schisma zu verbreiten. Sie luden zn dem Ende den Bischof von Makao, der wo möglich noch verwegener als Torres war, ein, nach Goa zu kommen. Er kam, und schon auf dem Wege predigte er überall das Schisma, die apostolischen Vicare uud Missionäre beschimpfend, und die Gläubigen aufforderud, ihm und seineu Priestern allein zu gehorchen. Er ertheilte die Firmung in Gegenden, die weder ihm noch dein Erzbischof von Goa unterworfen waren, und kaum iu dieser Stadt ange^ kommen, ertheilte er die heilige Weihe an Hunderte, die er für sein Unternehmen tauglich hielt. Der heil. Vater hat an den Verirrten ein ernstes Schreiben, jüngst aber auch an die apostolischen Vicare ein Breve erlassen, worin er die Bestimmungen, die Gregor XVI. in dem oft erwähnten Breve Uults >iraec:Iiir«z geiroffen, erneuert, und die schiSmatisirendcn Priester insgesammt, ausdrücklich und namentlich aber den Capitular - Vicar von Goa und drei andere von der Gemeinschaft der Gläubigen ausschließt, wofern sie nicht binnen zwei Monaten in sich gehen und für das gegebene Aergerniß öffentlich genugthuu. Dieses ist nun das Breve, das Lissabon in Bewegung' setzt, als wollten die Portugiesen beweisen, daß sie zwarjenseitS des Meeres alle ihre Macht, nur nicht die, den Frieden der Kirche zu stören, verloren haben.— Trauriger Stolz! 319 Bemerkenswerthe Bekehrungen. Noch immer spannt der Herr seine heiligen Hände aus, um Alle väterlich zu umarmen, die sich zu Ihm wenden, und bei ihm Trost, Hilfe uud wahre Seelenruhe suchen. Immer noch rufet Er: „Kommet zu mir Alle, die ihr mühselig und beladen seyd, ich will euch erquicken." Immer noch spendet Er seine Gnaden allenthalben aus und kommt den Schwachen, den Kraftlosen, den Betrübten uud Verirrten mit seiner Hilfe zuvor. Und immer noch, wir müssen es zn unserem Troste gestehen, benutzen Viele seine znvorkommende Gnade, hören seine Stimme und folgen dem Rufe, so an sie ergangen. Wenn wir nun sehen, daß der schwache Bruder erstarket, der Verirrte den rechten Weg wieder findet, der ihn zum Leben führt, wenn die Zahl der Mitglieder des Reiches Gottes auf Erden sich mehret, soll dieses für nnS etwa gleich- giltig seyn, da doch selbst die Bewohner des Himmels, mit denen wir auch in Verbindung stehen, über dieses AlleS sich erfreuen? — So trat denn nach dem „4mieo esttolieo" der ehrwürdige Vorstand der Kirche des heiligen Paulus zu Baltimore in den Schooß der katholischen Kirche ein, ein Mann von seltener Wissenschaft und großer. Beredsamkeit, der einen großen Einfluß unter den Proiestanten der Vereinigten Staaten ausübte. Sein Beispiel wird wohlthätig auf andere wirken. — Am 2. Juli schwor ein Glied des amerikanischen Senates zu Rom in die Hände Sr> Eminenz des Kardinals Fransoni, Vorstehers der Propaganda, seine Irrthümer ab. — Ein anderer von einem protestantischen Geistlichen convertirter Amerikaner trat in die Kirche zurück. Zu San-Luigi bekehrte sich die Jungfrau Helena Turner, eine Prcsbyterianerin, und Michael Mallington, ein Methodist. — In einem jüngst erschienenen Blatte zu New-Uork, Freemann Journal, finden wir die Namen von 23 protestantischen Geistlichen, welche ihre Irrthümer abschworen und in die Arme der kathol. Kirche sich begaben. Unter diesen gehörten 19 der Secte der Episkopalen an, welche sich sehr unsern Glaubenswahrheiten und unserer Hierarchie annähert. Dasselbe Blatt veröffentlicht die Namen von zwölf Officieren der regulären Truppen, und von 14 Marineofficieren, welche vor Kurzem den wahren katholischen Glauben annahmen und von denen sich mehrere dem geistlichen Stande widmeten. Um diese beträchtliche Anzahl nach Gebühr zu schätzen, muß mau wissen, daß die ganze reguläre Armee der vereinigten Staaten nur aus 12M0 Mann besteht, daß also deßwegen verh^iltnißmäßig die Zahl der Offi- ciere nur klein ist. — Es sind kaum neun Monate verflossen, daß der bekehrte protestantische Pastor zum Priester ordinirt und bestimmt wurde, eine Mission oder Pfarre zu Stratford am Avon in England zu gründen. Bei seiner Ankunft befanden sich in diesem Orte 8— 10 und nicht mehr katholische Familien. Die Bekehrungsfälle wuchsen so erfreulich an, daß am letzten Juni d. I. daselbst eine neue Kirche eingeweiht wurde. Zu Balliurobe traten sieben Protestanten in den mütterlichen Schooß der katholischen Kirche ein, unter diesen Jakob HeSlin und sein Sohn, — Den 6. Juni verließ Herr Jakob Wallis die anglikanische Secte, und wurde in die kalholische Kirche aufgenommen. - In Folge dieser seiner Bekehrung wurde er aus seinem Amte, so er beim Lord-Bischöfe von Tuam bekleidete, entlassen. — Den 9. Juni schwor Herr Wilhelm Franz Klassy, ein Arzt, den Protestantismus ab in Gegenwart des hochwürd. Maoney. — Die Herzogin von Hamilton hat sich als Katholikin erklärt: man giebt sich der sichern Hoffnung hin, daß auch der Herzog von Hamilton in Bälde ihrem Beispiele folgen werde. — Ein in Stuttgart und im Großherzogthume Baden rühmlichst bekannter deutscher Protestant schwor am 3. Juli in der Gre- nellenkirche zu Paris seine Irrthümer ab. Er widmete sich dem Priefterthume und trug durch seine salbungsvollen Kanzelvortrage zur Bekehrung vieler in dieser Vorstadt lebender Deutschen bei. — In der königl. Kirche della Nuntiatella zu Pizzasalcone schworen zwölf schweizerische Protestanten die Irrthümer ihrer Secte ab, und nachdem sie das öffentliche katholische Glaubensbekenntniß abgelegt hatten, wurden sie in den Schooß unserer heil, katholischen Kirche von Sr. Eminenz dem hochw. Herrn Nasselli, nunmehr Erzbischof von Palermo, aufgenommen. — Am 12. Juni wurde in der Kirche von Alcamo im Königreich Neapel einem Anhänger des Islamismus das 320 heil. Sacrament der Taufe in Gegenwart der sehr zahlreich versammelten Gläubigen gespendet. Katholische Blätter aus Deutschland verkündigten auch die Bekehrung des gewesenen königl. würtembergischen Gesandten am kaiserl. Hofe zu Wien und der Fürstin von Salm-Hoogsträten, und jüngst auch die förmliche Abschwörnng des lutherischen Pastors Lütkemüller, der in seinem im verflossenen Jahre erschienenen Werk schon die Wahrheit der katholischen Kirche bewies, und seine lutherischen Glaubensgenossen her ausforderte, ihn Lügen zu strafen. — Das Werk der Erlösung und der Bekehrung der Nezerkinder beiderlei Geschlechtes wird aus bewunderungswürdige Weise durch den Eifer des Priesters Olivieri fortgesetzt, welcher unlängst mit 40 Individuen aus Egyvten angekommen ist, unter welchen sich drei Mütter mit säugenden Kindern nach nichts so sehr sehnten, als die heil. Taufe zu empfangen. — Am Montage den 20. Juli d. I. kam überdieß aus Kairo über Malta und Livorno der ehrwürdige Vater Peremia Bertocci auS Livorno, durch 47 Jahre schon Missionair in Egypten, mit einer Anzahl von 30 arabischen kleinen Kindern an, welche in das Institut des berühmte» Priesters Angelo Mazza gesendet wurden, um die Ansangsgründe der Religion zu erlernen und sonstige Bildung zu erhalten, von welcher sie gar keine Kenntniß haben, besonders jene, welche bis jetzt nnler dem harten Joche der Sklaverei geseufzet haben. Mit Freude wollen wir daher unsere neuen Brüder begrüßen, und um die Bekehrung der vielen noch in Finsternissen Irrenden den Herrn der Gnade und Barmherzigkeit anflehen. (Oeft.Volksfr.) China. Mons. Rizzolati, Bischof von Aradus i. p. i. und apostolischer Vicar von Hou- Kouang, berichtet an die Mitglieder des Centralratheö in Lyon und Paris der Gesellschaft für Verbreitung des Glaubens über die Empörung in China und über den Einflnß derselben auf die Verhältnisse der Katholiken. Wir entnehmen uach dem Schl, Kchdl. Einiges aus diesen Berichten: „Ich weiß nicht, was ich von den chinesischen Aufrührern halten soll. Sie haben Nichts mit dem Götzendienste gemein, welcher sich über China und die benachbarten Länder erstreckt. Ueberall, wo sie ankommen, stürzen und zerstören sie die Götzentempel bis aus den Grund; sie verstümmeln, treten mit Füßen und machen zu Staub die so verehrten Götzen des Volkes. Eben so wenig werden die Manns- und Frauenklöster der Bonzen verschont. Nachdem sie die Klöster geplündert und zerstört haben, führen sie die Götzenbilder und andere Gegenstände des Aberglaubens in einem Maskenznge durch die Straßen" Die chinesische Regierung nimmt hiervon Veranlassung, die Christen zu verfolgen, weil uuter allen Religionen, welche in China sich finden, nur daS Christenthum die Götzen und den Götzendienst haßt. Derselbe apostolische Vicar theilt in einem Schreiben vom 23. März mit, daß die Nebellen in allen Städten, welche sie erobern, Erlasse bekannt machen, welche fast immer so abgefaßt sind: Der Gott, dessen Allmacht den Himmel und die Erde in sechs Tagen schuf, welcher der Sündfluth seine Rache an den Menschen anvertraute, die fünf Städte des Landes Sodoma mit Feuer strafte, derselbe Gott hat uns gesendet, die Sünden der Chinesen zu bestrafen, und seine Verehrung bei ihnen wieder herzu stellen. Diese Verehrung kannten unsere ältesten chinesischen Vorfahren, die folgenden Herrschergeschlechter aber verließen sie und verführten China, mehrere Götter anzu^ nehmen. Darum lassen wir nur die Verehrung Eines Gottes zu, welcher Himmel und Erde erschaffen hat, und befehlen, daß überall die Götzenbilder zerstört, die Tempel umgestürzt und die ihrem Dienste geweihten Bonzen und Bonzinnen getödtet werden. Verantwortlicher Redacteur: L, Schönchen. Verlags-Inhaber: F. C. Kremer. Dr^z-Hnter Jahrgang. Sonntags-Beiblatt zur Augsburger Pojheitung. 9. Oktober M- ^K. 1853. Dieses Blatt erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der halbjährige Abouuementsprei« TV kr., wofür e« durch alle köuigl. bauer. Postämter uud alle Buchhaudlougeu bezogen werde» kann. Joseph Ottmar von Rauschers, FnrsterzbischofeS von Wien, Hirtenbrief an alle Gläubige der Erzdiöcese Wien. (Schluß,) Deine Wohnung, o Christ, ist vielleicht recht arm und enge; ein Strohsack, ein paar hölzerne Stühle, ein Tisch, welcher kaum noch zusammenhält, und etwa ein Kasten machen die ganze Einrichtung aus und der Wind bläst durch die mit Papier verklebten Fenster. Aber, o Christ, deine Wohnung ist immer noch bequemer und reicher als die Höhle, wo das Jesuskind lag, als die Wüste, wo der Herr vierzig Tage lang fastete. Du mußt schwer arbeiten und bist doch kaum deines Lebensunterhaltes sicher. Aber der Heiland hat auch gearbeitet: denn er half seinem heiligen Pflegevater bei den Geschäften eines Zimmermannes mit allem Eifer, und als er das Reich Gottes verkündigte und Heil und Gnade mit vollen Händen ausstreute, war er des täglichen Brodes keineswegs sicher: denn er hatte nichts, was er sein eigen nennen konnte und lebte von Almosen. Du versicherst, eS sey dir ein großes Unrecht geschehen; man habe deine gerechtesten Ansprüche verkannt und dir Lcute vorgezogen, welche sich mit deinen Verdiensten, in keiner Beziehung messen können. Eö mag seyn. Aber als Pilatus die Juden fragte: Wen wollt ihr, daß ich euch loSgebe, den Barabbas oder Jesum, welcher Christus genannt wird? so schrieen sie: Nicht diesen, sondern den Barabbas. Und Barabbas war ein Aufrührer und ein Mörder, Jesus Christus aber der Sohn des lebendigen Gottes. Ist dir schon etwas Achnliches begegnet? Du bist krank, du bist an das Bett gefesselt. Du leidest große Schmerzen. AIS aber der Herr auf dem Hügel Golgatha ankam, war sein heiliger Leib ganz von Wunden zerrissen und in äußerster Ermattung. Man legte ihn in kein weiches Bett, sondern auf das harte, rauhe Kreuz, an welches man mit Nägeln ihn heftete. Sind deine Schmerzen nicht Linderung zu nennen gegen die Schmerzen, die er geduldet hat? Du hast viel Kummer und Kränkung und Sorge; das Leben ist dir znr Last. Blick aber auf den Oelbcrg! Reicht, waö du leidest, an das, was dein JcsuS litt, als er flehte: Vater, wenn es möglich ist, so laß diesen Kelch an mir vorüber gehen; als sein Schweiß zum Blute ward und in rothen schweren Tropfen niederquoll. Blick auf den Kreuzeshngcl: drei lange Stunden hindurch ringt dein Herr in Todesqualen und seiner Seele versagt er den Trost, welchen er dir bereitwillig sendet, wenn du dich mit Vertrauen an ihn weiltest. So groß und bitter ist die öde, lichtlose Pein, daß er klagend den Mund erschließt und ruft: Vater, Vater, warnm hast du mich verlassen? Christen, Erlöste des Lammes, warum wollt Ihr in Euren Leiden trostlos und verlassen bleiben? Ruft Euren JesuS und er wird Euch erscheinen; er kommt gleich dem Engel, welcher zu Petrus in den Kerker trat, und es erhellte sich die Finsterniß, uud eS sanken die Baude und die eisernen Thore thaten sich auf. Darum kommt, Freunde, kommt und versucht, wie lieblich der Herr ist! Die 322 Bilduugszustände unserer Zelt unterliegen schweren und berechtigten Anklagen. Wir wollen weder anklagen noch entschuldigen, sondern handeln. Ihr glaubt an den dreieinigen Gott, den Vater,'der Euch geschaffen, den Sohn, der Euch erlöset, den heiligen Geist, der Euch gekeiliget hat? Wohlan, so kommt, sein Heiligthum ist offen und seine Hand ausgestreckt, Euch zu empfangen! Kommt, die ihr geehrt seyd vor der Welt und reich an Geld und Gut! Die Fürschuug hat Euch hiernieden einen Ort angewiesen, welchen die Menschen glücklich preisen; wollt ihr Euch nicht auch deS seligen Ortes versichern, welchen der Herr Ench unter seinen AuSerwählten bereitet? Sind denn Besuche und Gastmähler, Schauspiele und Bälle eine gar so überschwengliche Seligkeit? Bon der Ferne her sehen diese Dinge ganz lockend aus, aber wer sie in Hülle und Fülle zu haben gewöhnt ist, langweilt sich oft genug dabei. B-im Herrn, der Euch zu seinen Miterben erkoren hat, findet Ihr mit dem wahren Ziele auch den höheren Gehalt deS Lebens, beim Herrn findet Ihr Trost und Erqui- ckn»g in Leiden, wider welche weder Gold, noch Titel und Würde helfen können. Beim Herrn findtt Ihr zugleich Sicherheit für Eure zeitlichen Güter. Sein Gesetz crmahnt Euch, daß Ihr gleich allen anderen Menschen nichts habt, was Ihr nicht empfangen hättet und über Alles, was Ihr empfangen habt, über die Gaben des LcibcS und der Seele: das Vermögen und die sämmtlichen Behelfe äußerer Wirksamkeit zu rcchuungspflicktigcn Haushältern bestellt seyd. Sem Gesetz gebietet aber auch denen, welche mit Neid und Sehnsucht nach Euren Bcsitzthümern blicken, die Fügungen Goltcs und die Schranken des Rechtes zu ehreu. Die Weisheit dieser Welt flüstert Euch in'S Ohr : laß dich durch armselige Bcdenllichkeiten nicht irre machen, dn wärest ein rechter Thor, wenn dn dir das gme Glück, welches dir Ansehen und Reichthum gab, nicht zu Nutzen machen und alle Begierden deines Herzeus befriedigen wolltest. Dieser Raihgebcr ist eine doppelzüngige Schlange! denn dein Armen predigt er: Du hast an den Lebensgenuß dasselbe Recht, wie der Reiche. Auf! sey ein Mann und mache dein Recht geltend! Kommt und sucht den Herrri, Ihr, welchen ein karger Anchcil an irdischer Habe beschicken ist. Das Leiden wohnt in der kahliir Stube, deren Bewohner mit dem Mangel am No!hdürsli.ien kämpft; es läßt sich aber auch durch die Thüren deö Prunkgemaches nicht ausschließen; eö besucrt den Hohen wie den Niedrigen und schont eeS Königs auf seinem Throne nicht. Allein' um Euch, seinen geliebten Frcuudcn, die Beschwernisse zu versüßen, in welchen Ihr Eure Treue erproben solll, hat unser göttlicher Meister selbst arm seyn wollen von der Krippe bis zum Kreuze, hat er seine gcbeuednle Mnlter und seinen heiligen Pflegevater arm seyn lassen und gering vor den Menschen. Bei ihm suchet Trost, und jtde Mühseligkeit und Entbehrung wird sich in ciu Unterpfand ewiger Güter verwandeln. Meistens hilft er Euch schon auf Erde, denn: Wer seine Armuth um Gotteswillen erirägt, der ist genügsam und fleißig; wem aber Fleiß uuv Genügsamkeit zur Seite gehe», der hat den Mangel an täglichem Brode selten zn furchten. Die Gottlosigkeit, deren Lästerungen Ihr in den letzten Jahren oft genug veruommcn habt, stellt sich zwar an, als ob sie-Euch herzlich bedauere, und macht Euch die schönsten Versprechungen. Hat sie aber auch Wort gehalten? Sie führt den Unglücklichen, welcher ihr Gehör schenkt, in die Wirthshäuser oder an noch schlimmere Orte; sie verwickelt ihn immer tiefer in Laster und Elend. Wenn nun vollends Gott zuläßt, daß mit der Freiheit und Gleichheit ein Versuch gemacht wird, so verlieren viele tansend fleißige Arbeiter ihren ante», gesicherten Erwerb; die liederlichen lreiben sich eine Weile auf den Barrikaden herum, erHaschen manchmal einen guten Trnnk, büßen aber dafür nicht selten daö Leben oder die geraden Glieder ein, uud nachdem mehr oder weniger Unheil geschehen ist, bleibt in der Hauptsache Alles beim Alten; eS gibt wie vorher Arme und Reiche. Ich wende mich insbesondere an dich, weitverbreitete Hauptstadt, welcher ich nnu die Dienste schulde, um derentwillen das bischöfliche Amt eingesetzt ist. Wien hat den Weg zur Größe unter dem Banner deö Kreuzes begonnen; es wuchs als Herberge und Markt für die Heereszügc, welche geschmückt mit dem Zeichen der Erlösung nach dcm Grabe deS Heilandes pilgerten. Durch die Fürsorge Leopold des Glorreichen, 323 welcher unter dcn gewaltigsten Helden der Kreuzzüge glänzte, schritt eS vorwärts, wie der Baum am Bachesrande gedeiht, uud schon begrüßte man cS als die Erste unter den christlichen Stätten, welche östlich vom Rhcine sich erhoben. Dadurch waren der Beruf und die Bahn, welche die Fälschung ihm für alle Zukunft anwies, gleichsam in Umrissen vorgezeichnet. Wien ist zu einem Mittelpuncte vou Bölkergeschickeu geordnet, aber nur darum, damit es zugleich ein Mittelpunct wahrhaft' katholisch, n Lebens sey. Wien hat rings um den uralten Kern der Babcnbergerstadt sich weithin ausgebreitet und ist reich geworden an allen Gütern des LebeuS; aber nur durch den glänzenden Thron, welchen Gott in seiner Mitte gründete, erheb es sich zn der Größe und Blü- the, durch die eö unter den Fürstinnen der europäischen Städte seinen Platz einnimmt. Als Ferdinand der Zweite gläubig vor dem Crucifire betete, welches der frommen Verehrung noch immer ausbewahrt ist, war für Europa und die Kirche ein entscbei-. dungSvoller Augenblick; aber auch die Zukunft Wiens lag auf der Wagschale. Bewaffnete Feinde waren rings um die Stadt, entmutigte Freunde uud siegjubelnde Fciuve waren m der Stadt; die Hofburg selbst erscholl von ungestümmen, drohenden Forderungen. Wenn der bedrängte Herrscher dem unvermeidlich Scheinenden sich fügte, so war in Deutschland die katholische Kirche der Uebermacht ergrimmter Wiversacher preisgegeben, und der Thron des Hauses Habsburg gestürzt. Wien aber würde, wenn daS Lamm Gottes von den entweihten Altären und der Reichsadler von der Hofburg entwichen wäre, bald nichts mehr gewesen seyn, als eine von dcn türkischen Horden umschwärmte Gränzfestung und bei den zersplitternden Erben seiner Macht nnd Zukunft nicht einmal Schutz wider die Sklaverei gefunden haben. Allein Ferdinand der Zweite war mir höherer Kraft gegürtet: denn er suchte nicht, waö sein, sondern was Gottes war. Er harrte aus, und gleich den Posaunen Gedeons erschollen plötzlich die Trompeten einer kühnen Reiterschaar m Mitte deö Aufruhres und seiner Entwürfe; mit HabSburg und der Kirche war Wien gerettet. Jahrhunderte liegen zwischen uns und diesen Ereignissen; dennoch reichen sie in die Gegenwart hinein. Dieselbe Gedankcnmacht, deren Entwicklung jener denkwürdige Tag zum Stillstand brachte, hat sich uns in ihrer volleil. Reife ohne Larve und Schleier gezeigt. Die Freiheit von der Kirche und jedem Herrscher, der ihr huldigte, ist zur Freiheit von der überirdischen Welt und ihren Gesetzen, von der Rechtsordnung und ihren Schranken vorgeschritten. Als diese Freiheit an den Strängen der Stnrmglocke zerrte und Banden von Miethlingen und Fremden wider Gott und den Kaiser zusammenrief, pochten zwei schlimme Gäste, die Verödung uud die Erniedrigung, schon an dcn Thoren von Wien, und trugen großes Verlangen, eö sich in den entvölkerten Gassen recht bequem einzurichten. Der Sieg, welchen Gott dem kaiserlichen Adler verlieh, war ein Sieg des Friedens und der Gerechtigkeit; eö war aber auch ein Sieg der schützenden Engel, welche über Wien schweben. Darum vereinigt Euch mit mir Alle, die Ihr Wien Eure Heimat!) nennt, Alle, die Ihr für Wiens Blüthe ein Herz habt; wir wollen getren zusammenwirken, damit Wien vollkommen sey, wozu Gott es machen will; damit Wien durch die Kraft seiner katholischen Gesinnung und die Treue, welche eö dem Throne seiner Herrscher weiht, eine weithin strahlende Leuchte sey. Die Verhöhnung deö Glaubens, die Verfälschung der sttilichen Ordnung, die Anpreisung des Umsturzes ist keine bei uns heimische Pest. Dieß Alles kam aus der Fremde und redete anfangs mit fremder Zunge. Lange Zeit hindurch hat dieß AUeS einen zanbergleichen Reiz geübt. Man glaubte in vollem Ernste, eine ganz neue Welt bauen zu können, uud diejenigen, welche die Völk-rge- gcschicke vom rechten Mittelpuncte auö überschauten, wagten kaum noch die Stimme der Warnung zu erheben: denn wenn sie den eigentlichen Sitz der Krankheit zu enthüllen wagten, so wurden sie fast wie Geisteskranke behandelt. Dieser fieberhaft glühende Reiz ist ermattet. „Wir sind müde geworden auf dem Wege der Ungerechtigkeit und deö Ververbens; wir sind beschwerliche Weae gegangen; aber den Weg deS Herrn haben wir nicht gekannt." DaS ist ein schreckliches Wort, wenn eö dort nuten in der ewigen Nacht gesprochen wird; hier oben, wo daö Krenz und die Hoffnung ist, kann 324 cS zum Losungözeichen der Umkehr werden. Eben in dem Lande, wo die Bethörung geboren und groß gezogen wurde, macht sich min die Anerkennung Raum, daß die beschwerlichen Wege, welche man gegangen, nicht zum Heile, nicht einmal zum Möglichen führen. Man fühlt sich sehr müde, man ahnt, daß man nicht gut gethan habe, den Weg des Herrn zu verlassen; man sehnt sich nach gesicherten Grundlagen für den Glauben, die Sitte, die Rechtsordnung und ruft die Hilfe des Christenthums an. Ihr aber, Söbne des katholischen Wiens, sollt mehr thun, Ihr sollt Euch an die Spitze des wahren Fortschrittes stellen, deS Fortschrittes nämlich, welcher nicht ruht, bis er auf dem Berge Gottes angekommen ist. Der oberste Hirt und Bischof unserer Seelen hat mir die Sorge für Euer ewiges Heil auferlegt; indem ich nichts versäume, was Euch zum Segen gereicht, diene ich dem gnadenreichen Herrn, welchen ich im Lichte seiner Hoheit zu schauen hoffe. Ich bin in Eurer Mitte geboren; der gewaltige Dom, welcher Eure Stadt überragt und fast jede Krümmung der Straßen, die ihn umgeben, verwebt sich in meine frühesten Erinnerungen. Alles vereinigt sich, um Wiens und Euer Heil mir zur Herzenssache zu machen. Darum hört meine Worte mit freundlichem Vertrauen! Das katholische Leben wurzelt iu der Kraft einer Ueberzeugung, welcher Gott die Kirche zur Hüterin gegeben hat. Der Mensch steht viel zn hoch, als daß er in Dingen, von welchen das Schicksal seiner Ewigkeit abhängt, einem Geringeren als dem Allmächtigen glauben sollte. Darum spricht der Herr selbst durch den Mund der Kirche zu uns. Durch den Dienst der Kirche spendet der Herr uns seine Gnadenmittel. Die Einrichtungen, durch welche die Kirche Glauben und Liebe pflegt, sind Blüthen, welche der FrühlingShanch des göttlichen Geistes hervorgelockt hat. Der heilige Cy- prianus sprach: „Nicht kann Gott zum Vater haben, wer die Kirche nicht zur Mutter haben will." Damals ergossen noch die Gnadengaben des heiligen Geistes sich wie Ströme des Lichtes über die gläubige Gemeinde. Wir ermattete Kinder einer späten Zeit bedürfe» jeder Hilfe, welche die Kirche uns vermittelt, wo möglich noch nothwendiger, als jene Glaubenshelden, welche mit Gefahr des Lebens sich zum Gottesdienste herbeidrängten. Darum, Freunde und Landsleute, nehmet die Plätze ein, welche den Mitgliedern der katholischen Kirche im Hause Gottes gebühre». Wie die körperlichen Fertigkeiten durch Uebung erworben und vervollkommt werden, so gewinnt auch dasjenige, was dem eigensten LebenSkreise des Geistes angehört, nur durch Bethätigung seine volle Krast. Wer höchstens alle Sonn- und Feiertage sich in der Kirche zeigt, um einer (möglichst kurzen) Messe beizuwohnen, weiß gewöhnlich nicht, was er während des hochheiligen Opfers anfangen solle und eilt aus den geweihten Räumen wieder hinauszukommen. Die Kirche führt in der Reihe ihrer Feste die Geheimnisse deS Heiles jährlich an uns vorüber. Wenn wir diesen lichten Spuren mit einiger Theilnahme folgen, so werden wir in der Welt, für welche wir geschaffen sind, jährlich heimischer, und das ist ein großer und wahrhaft katholischer Fortschritt. Dadurch mildert sich allerdings der fieberhaste Drang nach Geld und Gut, welcher die Lehrlinge der aufgeklärten Weltansicht verzehrt; allein dieser Drang verzehrt nicht nur die Herzen, sondern bedroht auch den ganzen Bau der bürgerlichen Gesellschaft. Dagegen wird jede Thätigkeit, welche vor Gott wohlgefällig und für die Menschen von probe- haltigem Nutzen ist, durch ein mildes gleichbleibendes Feuer belebt. Mit einer GeisteS- richtung, welche von der katholischen Ueberzeugung beherrscht wird, kann der unauslöschliche Durst nach Unterhaltung nicht zusammenwohnen. Allein schändliche Lüste beflecken nicht nur die Seele, sondern zerrütten auch die Familien, und sogar daS heidnische Alterthum hat sehr wohl gewußr, daß das Sitteuverderbniß der Vorbote vom Untergange der Staaten sey: verkommenen Christen war es vorbehalten, die Segnungen der Ueppigkeit und Unlauterkeit zu verherrlichen. Mit dem an sich erlaubten Vergnügen verhält eS sich wie mit dem Dufte der Blumen. Im Garten, auf der Wiese ist er recht angenehm; doch in dem engen Raume eines Gemaches verursacht er Kopfweh, und wollte man im Schlafzimmer eine reiche Auswahl von Rosen, Lilien und Nelken ausstellen, so könnte man wohl gar den Tod davon haben. Ohne weise 325 ' Sparsamkeit lähmen die Erlustigungen jede höhere Thätigkeil und machen die Seele leer und kalt, auch leer an Freude und kalt für jedes schuldlose Vergnügen. Als man die Unterhaltungen noch auf die Sonn- und Festtage zu »ersparen pflegte und nicht leicht damit einen Anfang machte, bevor Litanei und Segen die gotteSdienstliche Feier beschlossen hatte, verstand man sich weit herzlicher zu sreueu, als mitten im Uebermaaße der alltäglich gewordenen Lustbarkeilen. Unter der Eisdecke des Gletschers bewahrt die Leiche einen täuschenden Schein des Lebens: wenn aber das Tageslicht in die finstere Klust hineinblickt, zerfällt sie in Staub. Wo Glaubcnslosigkeit und Genußsucht walten, dort werden die Entwürfe deS Umsturzes trotz der klarsten Belehrungen und der schrecklichsten Erfahrungen immer doch ihren täuschenden Schein be> Häupten und immer wieder gläubige Herzen finden; sie zerfallen aber in das Nichts, aus welchem die entbrannte Begierde sie hervorrief, wenn das Tageslicht der Gottesfurcht und des sittlichen Zartgefühls sie umgibt. Wo die katholische Ueberzeugung in ihre Rechte wieder eimritt, dort verschwinden die Gespenster, welche mit der europäischen Bildung ein so böseS Spiel getrieben haben, und ein neues Leben beginnt zu keimen. ES keime bei Euch, Freunde und Mitbürger, es wachst empor zu einem Baume deS Friedens, unter dessen Schatten die Völker sich lagern! Gnadenreicher Vater! In Demuth und Hoffnung empfehle ich Dir die Gemeinde, die Du mir anvertraut hast! Groß ist die Zahl der Frommen, welche auS dieser Stadt und diesem Lande zu Dir hinübergegangen sind, und sie werden ihre Fürbitte mit meinem Flehen vereinigen. Allmächtiger, der Du thronest über den Cherubim, steige nieder in Deiner Herrlichkeit und offenbare an uns die Fülle Deiner Huld, welche wie das Verdienst so die kühnsten Wünsche deS Betenden übersteigt. - Segne den Herrscher, welchen Du an einen hohen Ort der Stürme gestellt hast; durch Dich sey er mächtig, Dein Reich auf Erden mit undurchdringlichem Schilde zu decken! Segne diese Stadt, welche Deine väterlichen Erbarmungen schon oft erfuhr; durch Dich sey sie die Heimach jeder christlichen Tugend! Segne das ganze Reich, welchem Wien das Beispiel muthiger Glaubenskraft schuldet; durch Dich sey es der Felsen, an welchem die Sündfluth glaubensloser Bestrebungen ihre Wogen bricht. Amen. Gegeben zu Wien am Feste der Himmelfahrt Unserer Lieben Frau den 15. August 1853. Joseph Othmar, Die sonntäglichen Christenlehren für Erwachsene. x*«, Bamberg, 3. Oct. Wie die „Katholischen Blätter auS Franken" meldeten, haben sich einige Seelsorgepriester hiesiger Stadt erboten, mit dem ersten Sonntage im October beginnend, einen CursuS katechetischer Predigten über alle christka- tholischen Glaubens- und Sitteulehren Abends 4 Uhr jeden Sonntag in der Pfarrkirche zu U. L. Frau abzuhalten. Wir wohnten dem ersten einleitenden Vortrage bei, der vor einem sehr zahlreichen Auditorium auS allen Ständen abgehalten wurde, und müssen gestehen, daß wir den Gründen für die Nothwendigkeit solcher Vorträge neben den sonn- und festtägigen Predigten, die der Prediger in diesem Vortrage darlegte, vollkommen beistimmen können. Der Hauptgrund, sagt der Katechet, liege in der Mißkennung des Zweckes der sonntägigen Christenlehren von Seite der meisten Christen, Man halte sie, besonders in Städten, nur eigentlich für „Kinderlehren", weßwegen sie von Seite erwachsener Christen sich fast gar keiner Theilnahme zu erfreuen hätte», wie die Erfahrung lehre; während doch gerade die sonntägigen Christenlehren von der Kirche zu dem Zwecke angeordnet seyen, allen Christen ohne Ausnahme, die nicht eine anderweitige Gelegenheit haben, sich unterrichten zu lassen, eine Gelegenheit zu bieten, ihr in der Jugend erhaltenes Glaubenswissen zu erneuern, das etwa noch Lückenhafte auszufüllen, aber auch in manchen Puncten vermöge der nun zu gebenden tieferen Be- 326 gründung NeueS zu hören, nach der Mahnung des Apostels: „Wachset in der Kenntniß GotteS!" Denn das werde Niemand verkennen, daß dem Kinde nur gleich« sam die Milch der Lehre geboten werden könne, und eS deßwegen an den Erwachsenen sey, nunmehr auch die festere Speise zu genießen. Sich aber über alle Puncte der göttlichen Offenbarung unterrichten zu lassen, daö sey ja nicht etwa der Willkür deS Einzelnen überlassen; denn einerseits sey an die Hinnahme der göttlichen Offenbarung ja durch Gott selber die Erlangung des ewigen Lebens geknüpft, und andererseits müsse aber gewiß von Jedem auch zugegeben werden, daß es mit der unendlichen Weisheit Gottes nicht vereinbar wäre, anzunehmen, Gott habe irgend einen Punct der Glaubens- und Siitenlehre umsonst geofsenbaret. Ein streng zusammenhängender, fortlaufender Unterricht über die ganze Summe aller christkatholischen Glaubens« und Sittenlehren könne aber durch die Sonn- und Festtagöprcdigten nicht gegeben werden. DaS sey auch ihr Zweck gar nicht; sondern sie hätten vielmehr zunächst auf die Bedeutung der treffenden Feste hinzuweisen uud zu deren würdiger Feier zu entflammen, im besten Falle könnten in denselben höchstens nur die allgemeinen Wahrheiten vorgetragen werden. Einen zu- sammcnhängenven und fortlaufenden Religionsunterricht zn geben, sey eben nur Aufgabe der Christenlehren. Den Christenlehren beizuwohnen sey man daher in eben dem Grade verpflichtet, als man verpflichtet sey, die ganze Summe der göttlichen Offenbarung in sich aufzunehmen. Hiebei sey noch ein dreifacher Umstand nicht zu übersehen, nämlich: 1) Was man in seiner Jugend gehört, könne der Beschaffenheit des Menschen gemäß nicht Alles und für immer im Gedächtnisse haften bleiben, wenn cS nicht von Zeit z>! Zeit wieder aufgefrischt werde; 2) immerhin sey die Zahl derjenigen nicht gering, deren Fassungskraft in der Jugend sehr schwach gewesen, und welche also jetzt in ihren reiferen Jahren eines wiederholt gründlichen Unterrichtes so bedürftig seyen, als ein Kind; 3) müsse jeder Mensch schon an und sür sich je zuweilen wieder auf den Umfang seiner Pflichten hingewiesen werden, wenn er nicht in Lauhcit verfallen soll. Bei solcher Sachlage nun, und neben der Erfahrung, daß die SonntagSchristen- lehren in den Städten von Seite erwachsener Christen fast ganz vernachläßiget werden uuv erstere sich in nicht recht zu billigender Weise an manchen Orten von der Kirche in die Schulzimmer zurückgezogen haben; seyen nun katcchetische Vorträge für Erwachsene ein wahres Bedürfniß geworden. Aber auch in der gegenwärtigen Zeitlage liege ein zweiter Hauptgrund zur Abhaltung solcher katechetischer Vorträge für Erwachsene. Nun entwickelte der Katechet in längcrem Vortrage, wie die sittliche Verkommenheit mit der Verkommenheit im religiösen Wissen auf das innigste zusammenhänge, und letztere erstere zur nothwendigen Folge haben müsse. Und hierin liege der Hauptkeim der unheilschwangeren Krankheit unserer Zeit. Und je greller dieses Uebel unter den verschiedenartigsten Formen zn Tage trete, desto eifriger müsse man die Arznei bereiten, die eS zn heben im Stande se». Und das sey eben in erster Reihe ein gründlicher Unterricht in den religiösen Wahrheiten sür die erwachsenen Christen. Wie wahr dieß s«y, müsse in die Augen springen, wenn man die drei Haupt- gesahren der Zeit für jeden Christen namhaft mache, welchen allen nur vor Allem durch einen scstbegründetcn Unterricht in der Wahrheit auögewichen werden könne. Diese seyen aber: 1) die Glaubensgleichgültigkeit, die von den »reisten Christen hent zu Tage gleichsam schon mit der Muttermilch eingesogen werde; 2) die mächtige Flnth schlechter Schriften, welche im Dienste des Unglaubens uud des alle guteu Keime der Religiosität erstickenden Gcistcö der Zeit stehen; 3) endlich die Sittensäulniß, welche in der menschlichen Gesellschaft wie eine Pest um sich greife und alles Schwache hinzuraffen drohe. Die nähere Ausführung dieser drei Puncte können wir hier natürlich nicht geben, weil sie die Gränzen unseres Briefes überschreiten würde. 327 Gewiß hat Jeder die Ueberzeugung mit sich genommen, daß die Abhaltung solcher katechelischer Vorträge für Erwachsene ein Punct sey, welcher in unserer gegenwärtigen Zeit der allgemeinen Beachtung und Nachahmung wohl werth wäre. Schließlich möchte es die Billigkeit erfordern, in dankbarer Weise anzuerkennen, mit welch großer Thätigkeit und sichtlichem Erfolge unsere Seelsorgcgeistlichkeit in neuerer Zeit auf mannigfache Weise durch Wort und Schrift einen bessern Geist in die hiesige Bevölkerung zu bringen bemüht war, weßhalb auch daS Eingehen deS „Bamverger VolköblatteS" mit Recht allgemein sehr bedauert wiro. Amerika. Seit einiger Zeit beginnt eine Besserung im Zustande der südamerikanischen Staaten einzutreten. Die spanisch-amerikanischen Völkerschaften sind durch die von Nordamerika eingedrungcnen und durch die Freimaurer verbreiteten falschen Freiheitöideen an den Rand des Verderbens geführt. Die Freimaurer, welche sich in Folge der Revolution gegen Spanien in den Besitz aller politischen Macht und alles Einflusses gesetzt hatten, legten es darauf an, diese katholischen Staaten zu zerstören, und so die Trümmer derselben den protestantischen Nordamerikancrn in die Hände zu liefern. Sie bewirkten die Aufhebung der Klöster, die Einziehung der Kirchengüter, suchten den Einfluß der Geistlichkeit in aller Weise zn mindern und die Verbindung der Bischöfe mit Rom zu erschweren. So verwundeten sie durch Unterdrückung der Religion das uatiouale Leben dieser Völker, die ihre Bildung und frühere Blüthe, ja sogar ihre Erhaltung der katholischen Kirche zu verdanken haben, und wurden die Ursache ununterbrochener Revolutionen und Umwälzungen im Innern. Die Staaten wurden immer schwächer, während die Nordamerikaner wie abgerichtete Hunde beständig auf der Lauer standen, um jedes abfallende Stück sofort zu verschlingen. In dieser Weise haben die vereinigten Staaten von dem schönen Mexico bereits TeraS, Kalifornien und andere Theile abgerissen, und schicken sich jetzt an, den ganzen Staat zu verschlingen. Diese äußerste Gefahr scheint die südamerikanischen Staaten aus ihrem Schlummer aufgeschreckt und in neuester Zeit eine Reaction gegen die protestantisch - sreimaurcrischen Bestrebungen Nordamerikas hervorgerufen zu haben. Santa Anna, der neue Präsident von Merico, hat die Nothwendigkeit eingesehen, eine Annäherung an Spanien, als den natürlichen Bundesgenossen der südamerikanischen Staaten cmzubahucn, und so eine Wiverstandö- traft gegen die Feinde nach Außen zu wecken. Er hat die Kirche zu Hülfe gerufen, um die Ordnung im Innern wieder auf einem dauernden Fnndamente, auf der Religion, zu gründen. Er hat beschlossen, den Jesuitenorden, der um die Völker Amerikas sich so unschätzbare Verdienste erworben hat, wieder herzustellen, um so eiue tüchtige wissenschaftliche und religiöse Bildung bei der Jugend zu verbreiten. So ist eS ihm gelungen, ein kräftiges Regiment im Innern deS Staates zu begründen, uuv die Aufstandsversuche der Partei der Unordnung an allen Orten mit kräftiger Hand niederzuschlagen. Bereits wirkt daö Beispiel Mericos günstig auf die übrigen Staaten ein, und selbst Neu-Granada hat sich bewogen gefunden, den verbannten Erzbischof von Santa Fe zurückzurufen. Aus alle dem geht hervor, daß in Südamerika derjenige Weg jetzt wenigstens betreten ist, auf dem allein eine religiöse und politische Wiedergeburt der dvrtigeu Staaten möglich ist Ganz Europa und vor allem die kaiholische Kirche hat daö allergrößte Interesse, daß diese Wiedergeburt gelingen und glücklich durchgeführt werden möge, weil das Elend nicht abzusehen wäre, wenn die neuen Barbaren der Civilisation, die Nordamerikaner, von dem Gegengewichte, das ihnen jetzt noch in Merico und den übrigen südlichen Staaten entgegensteht, befreit, mit dem ganzen Gewichte ihrer revolutionären Gewalt sich auf Europa werfen könnten. (W. K. B.) _ 328 Zur Kirchenstatistik. Die Wiener Kirchenzeitnng gibt den Bestand der Christenwelt also an: 194,500,000 lateinische Katholiken; 4,500,000 griechische 200,000 armenische 530,000 maronitische „ 35,000 syrische 20,000 chaldäische 15,000 koptische 200,000 syrochaldäische „ (unirte Jakobiten.) (unirte Nestorianer.) (unirte Thomaschisten) Summa: 200,000,000 Katholiken. Ferner: 64.000,000 schiSmatisckie Griechen. 3 000,000 armenische > 'V.^ babessinische Monopbysiten. o00,000 syrische i ^ ^ 200,000 koptische ' 100,000 syrochaldäische Thomaschisten. 500,000 chaldäische Nestorianer, 5,000,000 RoSkolnilen in 30 Secten. Davon Summa: 75,100,000 orientalische nicht katholische Christen. Die Protestanten sind in 40 große und mehr als 110 kleine Parteien gesplittert, 18,000,000 Lutheraner. 15,000,000 Anglikaner. 12,000,000 sogenannte unirie Evangelische. 7,000,000 deutsche, holländische und helvetische Calvinistm 6.000,000 Methodisten. 5,000,000 Preöbyterianer. 5,000.000 calvinistische Baptisten, 12,000,000 andere Sccten. Summa: 80,000,000 protestantische Christen, Joppe. Ueber den Zustand der Christen in Joppe gibt die A. Z. nachstehende traurige Schilderung: Die Einwohner der Flecken und Städte umher sind Hieher in die Stadt Jcppe gefluchtet, aus Furcht vor dem Pöbel, der von Begierde nach Mord und Plünderung der Christen brennt. Aller Handel und Verkehr mit dem Innern ruht. Niemand wagt sich außerhalb der Mauern, wo der erste beste Osmanli sie mit dem Tode bedroht. Dem Gouverneur fehlen alle Mittel, die Bevölkerung im Zaum zu halten und die Verbrecher zu bestrafen. Verantwortlicher Redacteur: ? Schönchen, Verlags - Inhaber: F, E. Kremer, Dreizehnter Jahrgang. Sonntags-Beiblatt zur Angsburger Pojhettung. 16. Oktober M ^2. 1853, Dieses Blatt erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der halbjährige Abonnementsprei« 50 lr., wofür «« durch alle köuigl. bayer. Postämter und alle Buchhandlungen bezogen werdeu tonn Ein Religionsfest in Bengalen. (Nach dem Englischen von vr, E. Z. im „Ausland" ) Das Dorf, in dessen Nähe die PujahH) gefeiert wurde, welcher ich beiwohnte, war nicht sehr weit von einer der vornehmsten Städte BengalcnS entfernt, einer Stadt, die vielleicht eine halbe Million Einwohner zählt und ringsum von einer Menge stark bevölkerter Dorfschaften umgeben ist. Daher wird man sich leicht vorstellen können, welche Menschenmassen sich von allen Seiten nach jenem Orte hindrängten, um bei dem Feste einer Gottheit gegenwärtig zu seyn, welche alle verehrten; denn in dieser Gegend ist der Bramaismuö der vorherrschende Glaube. - - Es war Mittag, als ich in meinem Palankin auf dem zur Feierlichkeit bestimmten Platze anlangte, und da ich mit dem englischen Einnehmer von Nandapur befreundet war, so erhielt ich Zutritt zu dem Kreise der bevorzugteste» Leute und faßte Posto unter dem erquickenden Schatten eines weitästigen Jambusenbaumö. Ich hatte Zeit und Gelegenheit, die Oertlichkeit und das Volk ringsumher zu betrachten, deun die heiligen Gebräuche hatten noch nicht begonnen. Der Platz, auf dem wir uns befanden, lag inmitten eines weiten, hie unv da bewaldeten ThaleS, und bot eine malerische Aussicht auf einen ziemlich breiten Fluß dar, welcher nach Nadapur zu strömte und jetzt mit zahllosen Booten voll Menschen bedeckt war, die alle zum Feste eilten. Auf dem diesseiu'gen Ufer standen mehrere von Bambus und Blättern rasch/aufgeschlagene Buden, in denen Anstalten zu den verschiedenartigsten Belustigungen getroffen wurden, welche letztere in einigen derselben ° bereits ihren Anfang genommen hatten. Die weiten Eingänge, Wände und Dächer waren mit Blumen und Laubgewinden geschmückt, während hoch oben am Gipset bunte Flaggen und Wimpel schlaff und regungslos in der tropischen MirtagSsonnenhitze dahinten und sich vergebens nach einem frischen Lüftchen sehnten. Vm den höchsten Gipfeln einiger der größten Bäume — und die Bäume sind hier groß — ragten lauge Stangen mit andern vielfarbigen Flaggen und Fahnen zum Himmel empor. In kühlen, schattigen Winkeln, wo dichte Dschungelnbüsche wuchsen, zu andern Zeiten der Aufenthaltsort der wildesten, blutdürstigsten Tiger oder noch schlimmerer Wesen, der ThagS, saßen kleine Gruppen angesehener Hindufamilien in schweigender Erwartung. Der stolze Zemindar des Distriktes, der unerbittlich strenge Tulukdhar, der Schrecken der Ryots, und der quälende Putjndhar^) waren alle dort in morgcnländischem Feudal, pomp zu schauen. So weit der Blick reichte, wogten uud wallten Menschen durch das grüne Thal. Tausende und abermals Tausende strömen von allen Puncten herbei und drängten sich nach dem Orte hin, wo die bunten, lustigflatternden Fahnen *) Pujah (sprich: Pudschah) bedeutet im Sanskrit: „Verehrung". Anm. d. Uebers. Zemindar heißt der Steuerpächter einer Provinz, welcher der Regierung direct für die zu erhebenden Steuern verantwortlich ist. Unter ihm stehen die Tulnkdhars, Putindhars, MostaghrS u. s.w., welche die armen Ryots (Bauern) auf alle erdenkliche Weise aussaugcu. 330 und rasselnden Trommeln den Anfang der Pujah verkündeten. Das unaufhörliche Gesumme der ungeheuren Menge glich dem Rauschen der MeereSwellen, die in weiter Ferne gegen eine felsige Küste schlagen. Schmerz, Freude, Klagen, Jubel, Gebete und Gesänge, welche sich mit den Ausbrüchen des Wahnsinns oder dem Geschrei der Frömmler zu einem seltsamen gewaltigen Mißklang vereinten; die Hitze und das blendende Sonnenlicht, die vielen neuen und ausfallenden Trachten, daS Meer von dunklen Gesichtern und hellfnnkelnden Augen, welches ringö um das mannigfaltige prachtvolle Laubwerk wogte uud einen eigenthümlichen Gegensatz zu der Anmuth und Lieblichkeit ferner Hügel und Wälder bilvete — alles dieß vereinigte sich zu einem Riesengebilve, daS ich nimmer zu vergessen aber eben so wenig zu beschreiben vermag. Meine Aufmerksamkeit ward indessen bald auf einige Zurüstuugen gelenkt, welche mau in meiner Nähe machte. Ich hatte vorhin mehrere ungeheure Pfähle auf einer Anhöhe bemerkt, von welchen verschiedene eigenthümliche Instrumente an Seilen herabhingen, deren Gebrauch ich nur vom Hörensagen kannte; dort entfaltete man jetzt eine geräuschvolle Thätigkeit. Mehrere Fest- uud Pvlizeidiener «riebe» die Menge zurück, um einen freien Platz ringö um einen der höchsten Pfähle herzustellen; dieß war eine sehr schwierige Arbeit, deuu die Menschenmasse war dicht zusammcngekeilt uud befand sich in einem ziemlich aufgeregten Zustande. Trotzdem gelang eö ihnen endlich, und da ich deu Raum zwischen dem Ort, wo daS Schauspiel aufgeführt werden sollte, und meinem Standpunct von Neugierigen gesäubert sah, so begab ich mich in die unmittelbare Nähe deö Pfahles. Diesen umschloß ein Kreis von Fakirs, einer Art von Einsiedlern, welche hoffen uud fest glaube», daß, wenn sie ihre Glieder in die verschiedensten, faum denkbaren und mögliche» Stellungen hineinzwängen, sie sich die Gewogenheit irgend einer uuaussprechlichen Gottheit sichern uud damit einen allezeit fertt'gcn und znver- läßige» Paß zu irgend einem zukünftigen Zustande, von dem sie nicht den entferntesten Begriff habe» — wcu' ihre Frömmigkeit um so preiswürdiger macht. — Unter andern sah ich dort ein unglückliches Wesen, dessen langes, verfilztes, schmutzig rothes Haar auf die Schulttr» herabhing und dessen einer verdorrter Arm regungslos über seinen Kopf hinausragte; derselbe war vor Zeiten in diese unnatürliche Stellung hineingezwängt worden; was dazumal eine Handlung des freien Willens gewesen, war jetzr ein Ding der Nothwendigkeit: der Arm wollte nicht mehr in seine ursprüngliche Stellung zurückkehren, sondern starrte in fleischloser, scheußlicher Dürre zum Himmel empor. Ein anderer dunkeläugiger und dunkelhaariger Fakir hatte seine Hände seit Jahren so fest in einander gepreßt, daß die langen, krallenartigen Nägel dnrch die Flächen derselben gewachsen waren und 5uf der Rückseite zum Vorschein kamen. Noch andere sah ich, welche ein dickes Seil im wahren Sinn des Wortes durch ihr Fleisch gefädelt hatten, daö ihren Körper in vielfacheil blutigen Windungen umschlang; auch waren mehrere junge Frauenspersonen da, deren Nacken uud Schultern eine Menge tief ins Fleisch gebohrter scharfer kurzer Nadeln zur Schau tragen. Ein Mann, und zwar eiu noch sehr junger Mann, hatte sich eine Art von Wurfspieß gerade durch den fleischigen Theil seines Fnßes getrieben, so daß der dicke hölzerne Griff dem Boden zugekehrt war, und schien im Gehen durchaus keine Unbequemlichkeit davon zu spüren. So gab es noch unzählige andere, welche sich alle selbst verstümmelt, gefoltert, gespießt und wie Geflügel, waö zum Braten auf's Feuer gebracht werden soll, aufgezäumt hatten. — Der Gegenstand aber, auf welche» sich alle Blicke richtete», war ein junges hübsches Weib, fast noch ein Kind in Haltung nnv Geberde, welches so traurig und doch so ruhig und beinahe glücklich auf dem Boden saß, daß ich mich nicht überreden konnte, man wolle ein so juuges und schönes Wesen aus eine so barbarische Weise martern. Und dennoch war es so. Ihr Gatte hatte nämlich vor mehreren Monaten eine gefährliche Reise nach einem entfernten Lande angetreten, und als er über die Zeit ausblieb uud sich Gerüchte über seinen Tod verbreiteten/gelobte sie, die angstvolle Gattin, dem Schiwa, dem Beschützer des Lebens, sich bei seinem nächsten Fest einer Selbstpeinigung zu unterziehen, wenn ihr Mann unversehrt heimkehre; dieser war zurückgekommen, und daö aufrichtige, treue Geschöpf war nun im Begriff, sich 331 Martern zu überliefern, vor welchen die Stärksten und Milchigsten unseres Geschlechtes unv Stammes zurückgebebt haben würden, Sie schante ihr kleines Kind zärtlich an, welches in den Armen einer alten Amme süß schlummerte und nichts von dem Opfer der Mutter wußte, wandle dann den Blick auf ihren Gatten, welcher in wilder Aufregung neben ihr stand, und gab daS Zeichen, daß sie bereit sey; der letztere, ein starkknochiger dicker Manu, stürzte wie ein Tieger auf diejenigen unter der Menge loS, welche sich zu nahe an die zu Marternde herandrängten und spielte mit dem Stock, den er in der Hand hielt, dermaßen auf den bloßen und beturbauteu Köpfen nnd den schwärzlichen Schultern, daß dem kräftigen Hackbrettschläger mancher grimmige Fluch zugeschleudert wurde. Die Amme mit dem Kinde, begab sich jetzt hinweg und mischte sich unter die Menge der Zuschauer. Gleich därauf eilten mehrere Männer und Frauen herbei, um die von dem Pfahl herabhängenden, schrecklich aussehenden Hacken in Ordnung zn bringen und ihrer Bestimmung gemäß anzuwenden. Ist eö möglich, dachte ich, daß man diese ungeheuren Marterwerkzeuge, welche stark genug sind, um einen Elephanten in der Luft schwebend zu erhalten, durch den Körper dieses WeibeS bohren will! Es ward mir weh um's Herz, als ich sah, wie man der Unglücklichen, welche, das Gesicht gegen den Boden gekehrt, dalag, zuerst eins und daranf daS andere jener scheußlichen gekrümmten Eisenstücke langsam und durch das Fleisch und unter die MuSkeln ihreS NückcnS bohrte. Als dieß geschehen war, hob man sie auf, und ich gewahrte dicke Schweißtropfen auf ihrer Stirn; ihre kleinen Augen schienen anfangs geschlossen zu seyn, und ich meinte, sie sey in Ohnmacht gefallen; aber als man sie anf ihre Füße stellte und sie dann vermittelst jener schrecklichen Hacken hoch in die Lnst emporzog, sah ich sie ganz ruhig herniederschauen. Sie spähte nach ihrem Gatten umher, und als sie bemerkte, daß seine Blicke fort und fort auf ihr ruhten, lächelte sie ihm zu, winkte mit ihren Händen und zog kleine Stücke der heiligen Kokusnuß aus ihrem Buseu und warf dieselben unter die 'gaffende Menge. EinS von diesen kostbaren Nußftückchcn zn erringen ward als ein besonderes Glück betrachtet, da man ihnen alle möglichen Zauberkräfte zuschrieb. Und jetzt ward die Pujal, iu der gehörigen Weise begonnen; die Seile, welche die eisernen Hacken trugen, waren so eingerichtet, daß, wenn man das eine Ende des Seiles anzog, welches über die Spitze des PfahleS lief, dieses vermittelst einer eisernen Scheide daö andere in Bewegung setzte, welches die Hacken und das daran schwebende Opfer trug. Zwei Männer ergriffen das bewegende Seil, und bald flog die Unglückliche rasch über den Köpfen der Menge hin und her, welche ihr schreiend und singend zujauchzte. Nicht als ob sie der Ermuihigung bedurft hätte — ihr Auge war uock fort und fort auf ihren Gatten gerichtet; eS däuchte uuir, sie lächle, so oft sich ihre Blicke begegneten. Sie gab kein Zeichen des Schmerzes, der Angst oder des Uutcrliegens: sie ertrug die Martern mit einer Siandhafiigkeir, auf welche mancher Held der Borzeit stolz gewesen seyn würde, und streute Blumen und Früchte unter die lärmende Menge. Es war mir, als ob mein Herz von einer Centnerlast befreit worden sey, als die wirbelnde Bewegung der Seile langsamer wurde, dann aufhörte nnd das unglückliche, mit Blut überströmte Opfer die grausame Marier überstanden hatte. Man legte sie anf eine Matte unter einigen weitästigen, schattigen Bäumen, und die Weiber brachten ihr in einer KokuS- schale einen Trunk frischen Wassers. Aber sie selbst dachte nicht an sich und au ihre Qualen; ihre Blicke schweiften unruhig umher; sie war nicht eher zufrieden, als bis ihr Gatte neben ihr saß und ihr kleines braunes Kind in ihren Armen lag, Ihre tiefen, offenen Wunden ließ sie nur mit etwas Gelbwurz-Pulver einreiben nnd mit einem frischen zarten Banancnblatt bedecken. — Ich wandte mich^ darauf von dieser Familiengruppe ab, um die weirern Vorgänge ringS um den großen Pfahl zn beobachten, wo sich abermals ein großes Geschrei und Gedränge erhoben hatte. Der Büßende oder Leidende war dießmal ein Mann von mittlerem Alter aus den untersten Schichten der arbeitenden Classe. Er schien vollkommen gegen jeden Schmerz abgestumpft zu seyn. Zwei Männer packten seine Rückenmuskeln und ein Dritter stieß die beiden Hacken ungestüm hinein. In der folgenden Minute sauste er schon so schnell 332 durch die Luft, als eS die Kräfte der Seilanzieher zu bewirken vermochten; trotzdem schien er mit diesen raschen Schwingungen noch nicht zufrieden zu sey», und ermunterte jene durch Zeichen und durch Zuruf, ihre Anstrengungen zu verdoppeln. Der Pöbel war entzückt über diesen Beweis vollkommener Ctandhaftigkcit, und gab seinen Beifall auf die verschiedenste Art und Weise zu erkennen. Dieser Mann ward volle zwanzig Minuten hin- und hergeschwungen; ich meinte aber zu bemerken, daß sein Enthusiasmus sich elwas vermindert habe, als man ihn nach Verlauf der genannten Zeit aus den Marterwerkzeugen erlöste. Die Veranlassung zu seinem Opfer konnte ich nicht in Erfahrung bringen, sie bezog sich aber ohne Zweifel auf die Errettung aus einer wirklichen oder eingebildeten Gefahr, welche natürlicher Weise der directen Einwirkung deö mächtigen Schiwa oder irgend eines gleich kräftigen Stellvertreters zugeschrieben wurde. Die ärztliche Behandlung dieses BüßcrS'war über die Maaßen roh, und würde das Gefühl und die Gelehrsamkeit mancher unserer Regimentschirurgen empört haben, der <5ivilprakticanten gar nicht zu gedenken. DaS Gelbwurz-Pulver ward abermals angewendet, aber auf eine wahrhaft barbarische Weise. Man legte den Märtyrer ans den Boden, und ein anderer stellte sich ans seinen Rücken und trat das Pulver mit der Ferse in die Wunden hinein. Ich sah noch einen andern Mann emporziehen. Er hatte das Opfer gelobt, um das Leben eines vielgeliebten Schwe- sterklndes zu retten, und alö er sich mit stoischer Gleichgültigkeit hin- und hcrschwingen ließ, saß seine Schwester, ein junges Geschöpf mit ihrem kleinen Kinde, unweit deö PfahleS und schaute mit einer Miene zu ihm empor, in welcher man lesen konnte, daß sie sich statt seiner willig würde haben martern lassen. Diese armen unwissenden Geschöpfe verband eine Liebe untereinander, welche, mächtig wie sie war, allen hochbegabten Bewohnern deö Westens zur Ehre gereicht haben würde. Und eö ist hiebei wohl zu beachten, daß dieß Opfer sich auf die Vergangenheit bezog; es war ein Opfer der Dankbarkeit und nicht eins, was Hoffnung oder Furcht wegen der Zukunft veranlaßt hatte. — Noch manche andere Büßer wollten sich freiwillig martern allein ich halte bereits genug gesehen. Die Hitze, das Getümmel und die mancherlei seltsamen Düfte üble» üb'ekdieß einen so überwältigenden Einfluß auf mich aus, daß ich mich zum Rückzug anschickte AIS ich durch die dichte Menge hinschritt, welche mir ehrerbietig Platz machte, bemerkte ich eine bejahrte F'.au, die sich ebenfalls zu einer Peinigung vorbereitete, und zwar mit derselben Ruhe und Gleichgültigkeit, welche die jüngern Büßer und Büßerinnen an den Tag gelegt hatten. Ein großer kräftiger Mann stand neben ihr und sah den Znrüstungen mit ungemeiner Theilnahme zu. Es war ihr Sohn, und wie ich hörte, die Ursache ihrer gegenwärtigen öffentlichen Erscheinung. Vor sieben oder acht Jahren hatte die steinerne Gottheit ein Wunder gethan, wie eS hieß, und das Leben des Sohnes gerettet, worauf die Mutter denn sofort das Opfer gelobt hatte. Allein Armuth und Krankheit haticn sie bisher gehin-. dert, sich ihres Gelübdes zu entledigen; nach langer Zeit nun endlich im Stande, die den Priestern gebührenden Spertcln zn bezahlen, war sie aus ihrer fernen Heimalh herbeigekommen, um ihre Verbindlichkeiten gegen die Gottheit zu erfüllen. Ich eilte weiter, hörte aber noch in der Ferne das Jauchzen der entzückten Menge zu Ehren der standhaften alten Frau. Ein Jubelruf nach dem andern ward vom Wind herübergetragen und erstarb in dem Getöse der Trommeln, Pfeifen und Glocken. Mehrcrc Meilen im Umkreise war das Land in wild-fröhlicher Aufregung. Hunderte von fanatischen Gesellschaften schwelgten in religiösen Festgebräuchen. In einem aus Bambus und Blättern errichteten Sckuppen, welcher größer als die übrigen war, gewahrte ich im Vorbeigehen das junge Weib, das die furchtbaren Martern mit cinem so heroischen Muth ertragen hatte. Sie war eben so ruhig und heiter, als die sie umgebeuden Personen; hätte ich sie nicht an den schrecklichen Hacken in der Lust schweben sehen, ich würde mir haben einbilden können, daß sie so eben vermählt worden sey. 333 DaS dentfche MntterhauS der Brüder der christlichen Schule« in Koblenz. Die allgemein als nothwendig anerkannte Verbindung des Unterrichts der Ju- genv mit einer religiös-sittlichen Erziehung wird unstreitig am besten und nachhaltigsten unter Leitung eines der Jugendbilvnng sich widmenden religiösen Ordens zu erzielen seyn. Die Glieder einer solchen Genossenschaft wirken, unter einer Regel zu einem Ganzen vereint, gemeinschaftlich auf das als Lebensberuf sich gesteckte Ziel; eS sind die höchsten religiösen Motive, welche sie bei dem mühsamen Werke der Erziehung leiten und aufrecht erhalte»; alle irdischen Rücksichten sind durch die Gelübde auSge- schlössen; die Ersahrungen im Erz'ehungSzeschäste werden ein Gemeingut Aller und bleiben auch für die folgenden Zeiten; dadnrch wird eS einem Orden möglich, eine größere Einheit, liefere Einwirkuug und gleichmäßigeren Gang bei der Bildung der Jugend sich zu sichern, alS es eine Anzahl auch noch so tüchtiger weltlicher Lehrkräfte zu bewirken im Stande wäre. Diese Ueberzeugung war es, welche einen im Jahre 1850 in hiesiger Siadt zur Förderinn dcS katholischen Schulwesens zusammengetretenen Verein bestimmte, im Herbste desselben JahreS die Genossenschaft der Brüder der christlichen Schulen zur Begründung der ersten Niederlassung in Deutschland nach Koblenz zn berufen. Zur Wahl gerade dieses Instituts bewogen ihn die allgemein anerkannten Erfolge der Wirksamkeit derselben in Frankreich, Belgien, Italien und Amerika, besonders für eine gediegene christliche Erziehung der niedern Volksklassen. Von dem ehrwürdigen, nunmehr bereits selig gesprochenen I. B. de la Salle, Kanonikus der Liebfrauenkirche in Rheims, im Jahre 1680 gegründet und von Papst Benedict XII«. bestätigt, hat der Orden als ersten Zweck die Erziehung und AuSbil« dung der armen und verwahrlosten Knaben sich vorgesetzt, die er in Armen-, Handwerker- und Sonntagsschulen überwacht und unterweiset; außerdem übernimmt er auch die gewöhnlichen Pfarr- uud Volksschulen und besitzt nicht minder verschiedene Anstalten zur Ausbildung für das höhere technische und industrielle Leben, Bürger- und Realschulen, so wie Pensionate, in welchen Unterricht in den verschiedenen lebenden Sprachen, in Mathematik, Geschichte, Geographie, Physik, Feldmeßkunst, Buchhaltung u. s. w. ertheilt wird. Endlich bildet er auch Lehrer, die nicht dem Orden angehören, in Normalschulcn zu ihrem künftigen Berufe auS. Was die ausgedehnte Wirksamkeit dcS Ordens angeht, so dürfte folgende staiistische Uebersicht desselben vom December des verflossenen Jahres 1852 Interesse bielcii. Der Orden hatte damals: ^ Z S S A Brüder mit dreijährigen Gelübden. s S L « Z Schulen. Classen. Erwachsene in den Anstalten. « s? Pensionäre. Semin -Pensionäre. Lehramts-Astni anten in Normalschulen. Werkstätten. Gefangene. Waisenknaben. ^ L Zöglinge überhaupt. « « co r» s -51 Ä -o «> c>? m -x uz ?x uz ^ so ^ >« -» § c» u, oo >5I «> 5i -» IX 3SS3 34S8 708l Mitglieder. Die Thätigkeit der Brüder in ibrer hiesigen ersten Niederlassung, in welcher eine Schule mit vier Classen zum Unterricht der Jugend bis zur Stufe einer höheren Bürgerschule eingerichtet wurde, hat innerhalb der verflossenen drei Jahre recht erfreuliche Resultate, namentlich in Bezug auf die religiöse uud sittliche Erziehung geliefert und in weiten Kreisen Anerkennung gefunden, so daß von den verschiedensten Seiten Anträge in Bezug auf die Gründung neuer Anstalten eingelaufen sind. Bereits wurde eine Filialanstalt mit sechs Brüdern in dem neuerrichteten Knaben-Waisenhause bei 334 Koblenz gegründet, über deren segensreiche Wirksamkeit auf die früher oft sehr ver- wahrloseten Knaben nur eine Stimme herrscht. Auch die Staatsbehörden haben sich in Würdigung dieser Thätigkeit dem neu angepflanzten Institute geneigt erwiesen und aus Veranlassung eines Antrags des letzten rheinischen Provinzial-Landtages, der die Brüder sehr empfohlen, Schritte gethan, um eine Provincial-Anstalt zur Erziehung verwahrloster Knaben ihnen anzuvertrauen. Indessen mangelt zur Befriedigung der mannigfachen Aufforderungen in Betreff der Gründung neuer Etablissements, so wie zur festen Begründung und Ausbreitung der Genossenschaft in Deutschland noch die Hauptsache, ein hinreichend großes und zweckmäßig eingerichtetes Mutterhaus. Der Berein hat zwar mit der hiesigen Niederlassung auch ein Noviziat der Brüder eingerichtet, aus dem bereits sechs Brüder zur Ueberuahme des Waisenhauses hervorgingen und in welchem sich noch zwölf Novizen befinden; allein er entbehrt einerseits der Mittel zur Bestleitnng der Miethe für dasselbe, indem die von ihm zusammengeschossenen namhaften Beiträge für die erste Ausstattung der Brüder und die Einrichtung des Hauses verwendet wurden, uud jährlich aus Beiträgen der Bewohner der Stadt eine bedeutende Summe sür den Unterhalt der Brüder in der Schulanstalt von ihm aufgebracht werden muß; anderseits ist das Hans zur Aufnahme einer den Bedürfnissen entsprechenden Anzahl von Novizen räumlich viel zu beschränkt. Es bedarf eines größeren Gebäudes, iu welchem ungefähr fünfzig Novizen Aufnahme finden könnten; sodann einer solchen innern Einrichtung und Leitung, daß die aus der. Mutteranstalt hervorgehenden Brüder nicht allein dnrch ihre religiöse Gesinnung und Haltung, sondern auch in wissenschaftlicher und praktischer Tüchtigkeit sich auszeichnen, und zu diesem Zwecke auch die Erfahrungen des deutschen Schulwesens in je?cr Beziehung zu benutzen Gelegenheit haben. DiescS Alles erfordert Mittel, welche über die Kräfte des Ver- eines hinausgehen. Der Ankauf oder die Aufführung cineS geeigneten Gebäudes dürfte sich allein auf die Summe von sieb'en bis achttausend Thalern belaufen. — Da diese Angelegenheit jedoch eine das ganze katholische Deutschland betreffende ist, und es sich um die feste Begründung und Ausbreitung eines für die Erziehung und Bildung höchst verdienstvollen und bewährten Ordens in unserm deutschen Baterlande handelt, so wendet sich der Vorstand des Vereins für die Brüder der christlichen Schulen vertrauensvoll an Alle, deren Herz für das Gedeihen einer christlichen Erziehung der Jugend warm schlägt und bittet crgebenst um geneigte Beiträge zu obigen Zwecken.^) Er hofft um so mehr aus eine freudige Betheiligung, als es nach den Erfahruugen der letzten Jahre wohl bei Niemand mehr einem Zweifel unterliegt, daß die Fürsorge für eine auf christlicher Basis ruhende Erziehung das sicherste Mittel ist, die in unserer Zeit herrschenden socialen Uebel an der Wurzel anzugreifen nnd eine bessere Zukunft anzubahnen. Wir fügen hier die Bemerkung bei, daß der Orden die Errichtung des Mutterhauses in Koblenz, sowohl wegen der Lage der Stadt, als wegen des Bestandes zweier sür die Ausbildung der Novizen zu benutzender Ordensschulen hierselbst am geeignetsten hält; daß ferner das Mutterhaus iu äußerer Beziehung ganz selbstständig dastehen, und nur in Bezug auf die innere Leitung mit dem Ceiuralhanse in Paris in Verbindung bleiben wird. — Möge Gott dem Uut.rnchmen freudig gebende Herzen erwecken! — Koblenz, den August 1853. Der Vorstand des Vereins für die Vriider der christlichen Schulen: Krementz, Dechant und Pf. z. h. Kastor. de Lvrenzi, Pf. z. U. L. Frauen. AdamS, Justizrath. v. Waldbott-Bornheim, Proviuzial- Feuer-SocietätS-Direktor. P. Mantell, Kaufmann. von ThimuS, Landgerichtsrath. Dr. Settegast, Geh. Medicinalrath. Trapct, Regie- rungSsecretär. Werner, Jnstizrath. ') In Bayern bedürfte es zur Sammlung von Beiträgen einer besondern allerhöchsten Erlaul niß. 335 Schwede». Dem „Journal de BrurelleS" entnehmen wir folgende Mittheilung: „Oft schon boten sich unö Gelegenheiten zu zeigen, wie mau in manchen protestantischen Ländern die Toleranz übt. Schweden verdient in dieser Beziehung ganz besonders erwähnt zu werden. Kürzlich ereignete sich in Stockholm folgender Fall: Zwei Lutheranerinnen, die eine von 25, die andere von 18 Jahren, kamen zum katholischen Pfarrer und erklärten ihm, sie wollten zur katholischen Kirche zurückkehre». Um sie zu prüfen, fordert der Pfarrer sie auf, sie möchten über den wichtigen Schritt, den sie thun wollten, reislich nachdenken. Nach 1-4 Tagen kamen sie wieder zu ihm, und erklärten, sie hätten sich sest entschlossen. Da erbot sich der Parrer, ihnen den nothwendigen Unterricht zu ertheilen, welcher am 5. August beginnen sollte. Am 6. Angust wurden die beiden Personen vor die Polizei beschieden und katholischer Bestrebungen angeklagt. Ein protestantischer Prediger trat als öffentlicher Ankläger aus. Das Verhör dauerte neun Stunden, man quälte die Angeklagten mit den verschiedensten, zuweilen auch mit den ungeziemendsten Fragen. Der Polizeicommissär fragte sie unter Anderm, ob sie auch wohl wüßte», daß es unter 10 Thaler Strafe verboten sey, einen andern als seinen Gottesdienst zu besuchen. Der Ankläger hatte zu seinem Unglück TageS vorher den Angeklagten eine Bescheinigung ausgestellt, daß sie ihren Katechismus gut wüßten, eiu ordentliches Leben führten u. s. w., mit einem Worte das, waö man in Schweden einen Kirchenpaß nennt. Der Ankläger kam dadurch in große Verlegenheit. Der Polizeicommissär kümmerte sich aber um solche Kleinigkeiten nicht, er sagte: Das ist mir einerlei, ich werde euch die Lust zu nehmen wissen, in die päpstliche Kirche zu laufen, ich werde euch Personen übergeben, welche darauf achten werden, daß ihr regelmäßig in die Kirche geht, und wenn das nicht hilft, werde ich die ganze Strenge des schwedischen Gesetzes gegen euch gebrauchen. Der Polizeicommissär hat Wort gehalten und die beiden Personen unter die Aufsicht desjenigen lutherischen Predigers gestellt, welcher durch seinen blinden Fanatismus und durch seinen Haß gegen ÄlleS, was katholisch heißt, am bekanntesten ist. So achtet man die persönliche Freiheil, uud das versteht man unter Religionsfreiheit in Schweden. Schweiz. Seit zwei Jahren werden die Katholiken in Genf auf alle mögliche Weise an- gefcmdet. Sechs Prediger haben sich vereinigt, die Grundsätze des reformirten Glaubens auseinander zu setzen, d. h. die antikatholischen Verneinungen, welche das protestantische Glaubenöbekeuntniß ausmachen. Die Zuhörer waren von dieser Vertheidigung des reformirten Glaubens entzückt, welcher auf deu einen Glaubensatz beschränkt wuroe: gute Werke»seyen nicht nothwendig, um selig zu werden. Uebri- genö ergingen sie sich in Ausfälleu gegen die Katholiken, welche hundert, und tausendmal widerlegt sind, nichts desto weniger aber immer von Neuem wieder vorgebracht werden. — Der Erfolg ihrer Vorträge veranlaßte die Prediger, eine Proselytenschule zu errichten, in welcher die Katholiken, welche Protestanten werden wollten, Unterricht erhalten könnten. Um nun aber nicht ohne Erfolg zu predigen, erkaufte man durch Geld und allerlei irdische Verführungen dreißig unglückliche Katholiken, welche am 1. September öffentlich ihren Glauben abschwuren. Seit langer Zeit sind die Katholiken in Genf solchen Verführnngsvcrsuchen ausgesetzt. Es kommt sast kein Jahr vor, in welchem nicht unglückliche Savoyarden oder Franzosen aus Hunger ihr Gewissen verhandeln. Auch wirken die gemischten Ehen oft sehr nachtheilig. Die katholische Bevölkerung der Stadt Genf beträgt 1^,000 Seelen. Die Ankommenden zeichnen sich nicht immer durch ihr sittliches Benehmen aus, auch sind sie nicht erfahren genug, um genugsam aus ihrer Hut zu seyn gegen solche immerwährende Angriffe. — AuS dem oben genannten Erfolge haben manche Protestanten schon ganz ausschweifende 336 Hoffnungen hergeleitet. Diese Hoffnungen sprechen sich deutlich in dem Programm einer neuen Gesellschaft aus, welche gegen die Katholiken unter der Benennung: „Genfer Gesellschaft für protestantische Interessen" kürzlich gebildet wurde. Dieses Programm ist von 34 Personen unterzeichnet und ganz, so gehalten, wie man solche Actenstücke schon mehrfach gesehen hat. Die Herren betheuern ihre Liebe für den Frieden, die Eintracht, die Toleranz, sie wollen nicht angreisen, sie wollen sich nur gegen die immerwährenden Angrisse der Katholiken vertheidigen. — Auf alle Fälle ist es gut zu wissen, waS hier unter Angreifen verstanden wird. In der Stadt Genf sind 1-4,000 Katholiken, ihre Kirche saßt aber kaum 1000 Personen, sie bauen aus ihre Kosten eine zweite Kirche; — das ist ein Angriff. Auf den protestantischen Kanzeln wird fortwährend der katholische Glaube entstellt und angegriffen, — die katholischen Geistlichen bemühen sich zu antworten und die katholische Lehre in ihrer Reinheit darzustellen: — das ist ein Angriff. Die Protestanten haben sechs Zeitungen, welche täglich gegen die Katholiken loSgehen, welche für sich eine kleine Monatsschrift unter dem Titel: „Katholische Annalen" gegründet haben, in welchen sie sich zuweilen erlauben, ihre Gegner zu widerlegen: auch das ist ein Angriff. — So verhält es sich mit allem Uebrigen. In den Augen mancher Protestanten ist jede Lebensäußerung der katholischen Kirche ein Uebergriff. (Münst. S.-Bl.) DaS Christenthum in Siam. H, Pallegoir, Bischof von MalluS und apostolischer Vicar in Siam, zählie in einer Versammlung der orientalischen Gesellschaft zu Paris nachfolgende Verhältnisse als die größten Hindernisse für die Fortschritte des Christenthums in Siam auf. DaS erste ist die Polygamie der Großen, indem jeder Reiche und Vornehme, nach Maaßgabe seiner Mittel, so viel Concubinen hält als er mag. DaS zweite Hinderniß ist die Erziehung der Jugend in den Pagoden: die buddhistische Secte hält streng daraus, daß alle Knaben einige Jahre in den Klöstern unter der Leitung der Tala- poinen zubringen; selbst die Söhne des Königs sind hievon nicht ausgenommen. Alle jungen Leute, welche das zwanzigste Jahr zurückgelegt haben, müssen sich zu Bonzen machen lassen. Daher kommt eS, daß man bloß in der Hauptstadt etwa 200 Klöster zählt, die mindestuis 12,000 Talapoinen enthalten. Wenn dann diese jungen Leute in's Laienthum zurücktreten, sind sie dem Aberglauben, den sie in frühester Jugend in den Klöstern eingesogen haben, ausnehmend zugethan. Das dritte Hinderniß ist das Mißtrauen vor dem um sich greifenden Geist der Europäer. Die Stamesen und ihre Nachbarn haben von den Eroberungen der Europäer und ihren Kolonien in fremden Ländern gehört; namentlich wissen sie, daß England sich nach und nach des ungeheuren indischen Kontinents bemächtigthat, den die Stamesen'die „sechzehn großen Reiche" nennen, daß eö Malacca, Pulo Pinang, einen Theil von Quedah und meh« rere andere malayische Länder und mächtige Zinnminen auf der Westküste von Malacca genommen hat; daher das große Mißtrauen gegen die Europäer, die sie unter dem allgemeinen Namen Farang bezeichnen, als wäre eS eine und dieselbe Nation. Auch halten sie meist die Misstonäre für eben so viele Spione der Könige Europas, um sich unter dem Vorwande der Religion eine Partei zu machen, die im Falle eines Kriegs mit den Europäern ihr Land verrathen würde. (Revue de l'Orient,) Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. Verlags-Inhaber: F. C. Kremer. Dreizehnter Jahrgang. Sonntags-Beiblatt zur Augsburger PostMung. S3. October lK5>3, Dieses ivlatt erscheint regelmäßig alle Touutage. Der halbjährige Abnnuemenisprel« kr., wofür e« imrch alle köniql. bayer. Postämter «nd alle Buchhandlungen bezogen werde« kann Hirtenbrief des hochwürdigsten Herrn Carl August, Erzbischofes von München- Fr eising, die Einführung eines Diocesan-Katechismus betr. Wir Carl August :c. :c. Mit besmiderer Freude verkünden Wir euch als ein wichtiges Ereigniß für Unsere geliebte Erzdiöcese die Einführung eines neuen Katechismus, welcher in allen Kirchensprengeln Bayerns dem Religions-Unterrichte zu Grunde gelegt werden soll. Wenn auch die Lehre der katholischen Kirche, welche Gott der Herr zur unfehlbaren Verwahrerin und Verkiinderin seiner Offenbarung bestellt hat, immer dieselbe ist nnd bleiben wird, und wenn auch die bisherige», in den einzelnen Bisthümern mit Gutheißung der Oberhirten gebrauchten Katechismen diese Lehre der Kirche enthielten, so war doch die MittheilungSweise des gemeinschaftlichen unveränderlichen Inhaltes in den mannigfaltigen Unterrichtsbüchern theils nicht genügend, theils so verschieden, daß sich das Bedürfniß einer neuen, der Einheit des Lehrgcgenstandes sowohl als den Zeitbedürfnissen entsprechenderen Form dieser Lehrbücher allgemein fühlbar machte. Es wurden daher schon seit mehreren Jahren Versuche angestellt, einen gemeinschaftlichen Katechismus für ganz Bayern zu erzielen, und nachdem bei der Versammlung der hochw. H. H. Erzbischöfe und Bischöfe Deutschlands zu Wärzburg im Jahre 1848 die Nothwendigkeit anerkannt und ausgesprochen worden, der großen Mannigfaltigkeit der Katechismen entgegenzutreten, haben die in Freising im Jahre 1850 versammelten Oberhirten Bayerns beschlossen, die Einführung eines gemeinschaftlichen Katechismus zu bewerkstelligen, und Uns mit der Leitung Heö ganzen Unternehmens beauftragt. Um bei dieser wichtigen und schwierigen Aufgabe mit Sicherheit und möglichster Schnelle voranzugehen, glaubte man, einen bereits ausgearbeiteten Katechismus zu Grunde legen zu sollen, und man vereinigte sich in dem von l'. Deharbe, 8. herausgegebenen .katholischen Lehrbegriff, da er in den meisten Diöcesen Deutschlands große Anerkennung gesunden hatte, und dem Verfasser selbst die Umarbeitung und Vollendung des für die bayerischeil Diöcesen gemeinschaftlich einzuführenden Katechismus übertragen werden konnte. Nach den bei der Ausführung festgehaltenen und gemeinschaftlich angenommenen Grundsätzen sollte der große katholische Katechismus, welcher unter Unserer Leitung mit Berücksichtigung der von den einzelnen hochwürdigen Amtsbrüdern mitgetheilten Bemerkungen von dem Versasser neu bearbeitet wurde, in allen acht Bisthümern Bayerns ohne Aenderung angenommen und eingeführt werden, jedem einzelnen Ober- Hirten aber es frei stehen, zum Gebrauche in den Volksschulen seiner Diöcese aus diesem größern Katechismus einen oder auch zwei, so viel möglich wortgetreue, Auszüge machen zu lassen, wobei mit Rücksicht auf die bestimmten Diöcesanverhältnisse außerwesentliche Veränderungen vorgenommen werden könnten. 338 Sowohl der gemeinschaftliche große katholische Katechismus, als die beiden für die Volksschulen Unserer Erzdiöcese bestimmten Auszüge sind vollendet, und indem Wir fie hiemit Kraft unserer oberhirtlichen Gewalt als die allein und ausschließend bei dem Religionsunterrichte in Unserer Erzdiöcese zu gebrauchenden Katechismen bezeichnen und einführen, geben Wir über den Gebrauch und das gegenseitige Verhältniß derselben nachstehende Vorschriften und Erklärungen: t) Der große katholische Katechismus (welcher in allen acht BiSthümern Bayerns gleichmäßig eingeführt ist) soll bei allen katechetischen Vorträgen in der Kirche, dann zum Unterricht in den lateinischen und GewerbS-, höhern Bürgerund Töchterschulen, so wie für sämmtliche Schulpräparanden und Schulseminaristen als Lehrbuch gebraucht werden. Obwohl dieser Katechismus nicht für die Werktagsschule bestimmt ist, so ist es den Seelsorgern doch freigestellt, von demselben in der obersten Classe der Werktagsschule, und in den Katechesen für die Feiertagsschüler Gebrauch zu machen, wenn die Bildung der Schüler es gestattet. Alle Religionslehrer und Katecheten sollen diesen großen Katechismus haben und bei ihren Katechesen sich an denselben halten. 2) Für die Volksschulen der Diöcese sind die zwei Auszüge aus dem großen Katechismus, und zwar der kleinere für die ersten Anfänger, der größere für alle übrigen Schüler zu gebrauchen. Beide Katechismen sind nach derselben Ordnung, wie der große katholische Katechismus bearbeitet, und enthalten genau dieselben religiösen Begriffe, so daß der kleine die Grundzüge, der mittlere und große nur eine stufenweise Erweiterung derselben enthält. Der Inhalt des kleinen dürfte im Allgemeinen schon im ersten Schuljahre von den Kindern erlernt werden können, besonders wenn, waö Wir für höchst zweckmäßig und nützlich halten, schon bevor daS Kind lesen kann, die Gebete und die wichtigsten Puncte deS religiösen Unterrichtes seinem Gedächtnisse eingeprägt und auf eine seinen Fassungskräften entsprechende Weise erklärt werden. Aus keinen Fall aber dürfen die Kinder mit dem Erlernen und Wiederholen des kleinen Katechismus länger hingehalten werden, als bis zum Ende des zweiten Schuljahres, indem Wir nu't Bestimmtheit fordern müssen, daß den Kinder» wenigstens beim Beginne des dritten Schuljahres der Katechismus für die Volksschulen in die Hand gegeben werde, wenn dieß nicht', wie Wir nachdrücklich wünschen, schon beim Beginne deS zweiten oder im Laufe desselben geschehen seyn sollte. 3) Dem zweiten, oder dem Katechismus für die Volksschulen, wurde die Einrichtung gegeben, daß ein Theil der Abschnitte und Fragen mit einem Sternchen und ein anderer mit einem Kreuze bezeichnet wurde. Bei der ersten Durchnahme des Buches sollen die mit Sternchen und Kreuzen bezeichneten Fragen und Antworten übergangen, bei der zweiten Durchnahme auch die mit Sternchen, und bei der dritten die mit Kreuzen bezeichneten Fragen Hinzuge» nommen werden, so daß der zweite Katechismus innerhalb vier Schuljahren mindestens, dreimal durchzunehmen ist, und zwar das Erstemal nach seinem kleinsten, das Anderemal nach seinem größern, und das Drittemal nach seinem größten Umsange. Wie viele Zeit auf die erste Durchnahme des Katechismus verwendet werden solle, wollen Wir nicht unbedingt vorschreiben, sondern dem Ermessen der Seelsorger nnd Katecheten überlassen, und nur so viel fordern, daß er in zwei Schuljahren in seiner ersten Stufe vollständig erlernt seyn müsse, damit zur zweiten und dritten Durchnahme in seinen höhern zwei Stufen noch volle zwei Schuljahre erübrigen. Auch soll mit den Kindern, welche das heil. Sacrament der Firmung empfangen wollen, der Katechismus das Erstemal vollständig durchgenommen seyn. 4) Hiebei können Wir aber nicht unterlassen, daraus aufmerksam zu machen, daß es höchst zweckmäßig ist, wenn die Kinder sobald als möglich die Hauptpuncte 339 der Glaubens-, Eilten- und Gnadenmittellehre im Zusammenhange inne haben, und ihnen dadurch gleichsam der Kern gegeben ist, an welchen sich eine erweiterte Kenntniß stufenweise anschließen und zur klaren Einsicht gebracht werden kann. Wir müssen jene Einrichtung des katechetischen Unterrichts in der Schule für ungenügend erklären, nach welcher einzelne Hauptstücke des Katechismus zum Gegenstand des Unterrichtes je eines JahreScurseS genommen werden, und so der ganze Katechismus erst nach Verlans mehrerer Jahre von den Kindern vollständig erlernt wird. Es ist daher Unser Wunsch, daß der Katechismus der Werktagsschule, nachdem die Kinder den kleinen, für die Anfänger bestimmten, erlernt haben, wo möglich schon in einem Jahre das Erstemal in seinem kleinsten Umfange vollständig durchgenommen werde. Ist einmal dieser dem Gedächtnisse der Kinder eingelernt, so wird eS ihnen in den folgenden Jahren leicht werden, die weitere Entwicklung hinzuzufügen, und das Gelernte bei wiederholtem Durchgehen unv Erkläre» zum klaren Verständniß zu bringen. Die tägliche Erfahrung bestätiget eS, daß die Kinder nur dann in dem Verständnisse der Religionswabrheiten vorschreiten und das Erlernte festhalten, wenn sie die Erklärungen des Katecheten an die dem Gedächtniß durch daS Auswendiglernen eingeprägten bestimmten kirchlichen BegriffSsormeln anknüpfen, und, während ihnen der Sinn und Zusammenhang der in diesen Formeln enthaltenen Wahrheiten erklärt wird, sie dieselben als ihr geistiges Eigenthum mit ihrem Verstände durchdringen und erfassen können. Je größern Werth Wir daher daraus legen, daß die Kinder die in dem Katechismus enthaltenen Religionswahrheiten verstehen lernen und lieb gewinnen, um so mehr müssen Wir darauf dringen, daß von den Lehrern sowohl als von den Katecheten auf daS Auswendiglernen des Lehrstoffes aller Fleiß und alle Mühe verwendet und dasselbe durch öfteres Ausfragen und durch öfteres Wiederholen des schon Gelernten möglichst gefördert werde. 5) Sollte es gelingen, mit den Kindern noch vor Ablauf der Zeit, in welcher sie dje WerltagSschule zu besuchen haben, den für diese vorgeschriebenen Katechismus in dreimaliger Wiederholung vollständig durchzunehmen, so kann im letzten Jahre der dritte oder große'Katechismus, in welchem die vorhergehenden vollständig enthalten sind, ganz oder theilweise zu den Katechesen in der Schule benutzt werden, wie dieß auch bei den Katechesen für Feiertagsschüler geschehen kann, wenn dieselben in der Werktagöschule ihren Katechismus vollständig gelernt haben, 6) Die dem Katechismus vorangeschickte kurze ReligionSgeschichre ist in der Werktagsschule erst dann im Zusammenhange als besonderer Lehrgegenstand zu behandeln, wenn die Kinder bereits im Religionsunterricht wenigstens einmal den Katechismus durchgenvmmen haben, Sie mnß aber mit allen Kindern wenigstens noch im letzten Schuljahr durchgegangen werden. Dadurch soll jedoch nicht im Geringsten ausgeschlossen seyn, daß die Kinder, wie bisher, in der biblischen Geschichte unterrichtet werden, und daß der Katechet dieselbe in die.Erklärung des Katechismus verflechte, und die religiösen Begriffe durch die Thatsachen der heiligen und der Kirchengeschichte erkläre, erläutere und bestätige. Wenn Wir vorschreiben, daß dem Unterricht in der Rcligkonsgeschichte jener in den Religionslehren vorangeschickt werde, so gehen wir von dem Gesichtspunkte aus, daß vor Allem den Kindern die katholische Glaubens- und Sittenlehre als Lehre der Kirche beigebracht werde, welche als die allein berechtigte unfehlbare Lehrerin der göttlichen Offenbarung die Wahrheiten derselben in bestimmte Begriffe gebracht hat, und in bestimmten Lehrsätzen verkündet, von welchen der Religionsunterricht ausgehen und an die er sich anschließen muß, um ein wahrhaft kirchlicher zu seyn, und um in dem Kinde den Glauben an den ganzen Inhalt der Offenbarung durch die Auctorität der Kirche zu vermitteln. 7) Wir sehen wohl voraus, daß die Einführung der neuen Katechismen, besonders bei dem katechetifchen Unterrichte jener Kinder, welche die Werktagsschule bereits 340 m-hrere Jahre besuchen und den ReligionSnnterricht nach dem bisherigen. Lehrbuche empfangen haben, manchen Schwierigkeiten unterliegen wird, deren Beseitigung Wir größlentheilS dem Eiser und der klugen Erwägung und Umsicht der Katecheten überlassen müssen, Alle Kinder jedoch, welche theils in die Schule erst eintreten, theils in den ersten zwei Classen sich befinden, oder den bisherigen Katechismus noch nicht vollständig durchgenommen und erlernt haben, sollen nur nach den nenen Katechismen unterrichtet werden; bei jenen Schillern aber, welche nur mehr ein Jahr die Schule zu besuchen haben, gestatten Wir, daß der Unterricht nach dem bisherigen Lehrbuche fortgesetzt und wiederholt werde. Nach diesen Anordnungen nnd Erklärungen wenden Wir Uns an euch, gelicbteste Söhne und Mitarbeiter im Weinberge des Herrn! die er auöerwählt hat, um den Kleinen, den Unwissenden nnd Armen im Geiste das Brod des ewigen Lebens zu breche» Wir preisen euch glücklich ob dieses schönen, erhabenen und wichtigen Berufes, und bitten euch, wohl zu beherzigen, daß gerade der einfache, schlichte uuv der Fassungskraft und Bildung der Zuhörer angemessene Unterricht in den Wahrheiten, welche im Katechismus enthalten sind, euch einen Wirkungskreis öffnet, in welchem ihr in der ausgedehntesten und erfolgreichsten Weise für das Heil der Seelen wirken, am kräftigsten allen Uebeln der Zeit entgegentreten, und der Kirche ein neues, reines unv gotteSfürchtiges Geschlecht heranbilden könnet. Liebet diesen Berns, der euch, ohne Aufsehen zu erregen und ohne euch selbst den vielfachen Gefahren auszusetzen, welche mit einer dem Aenßern nach glänzenderen Laufbahn verbunden sind, im Verborgenen so Großes unv Nachhalliges für daö Reich Gotteö zu thun, Gelegenheit gibt. Habet stets unsern Heiland selbst vor Augen, der die Kleinen zu sich kommen ließ, und dem armen unwissenden Volke i» schlichten, einfachen, aber eindringlichen Worten die göttlichen Wahrheiten anf eine Weise lehrte, bei der nicht nur der Geist erleuchtet, sondern anch das Herz erwärmt und mit Liebe zum Ueberirdischen und zu Gott selbst erfüllt wnrde. Suchet nach dem Ausspruche des Herrn immer mehr selbst Kinder zu werden, in Einfalt, Geradheit, Reiuigkcit und Demuth deS Herzens, damit in eurem eigenen Innern daö Licht des Glaubens immer wachse und der Eifer für das Heil der unsterblichen Seelen sich an dem Feuer der Liebe Gottes stets neu entzünde. So oft ihr dem Volke oder den Kleinen die göttlichen Lehren zu verkünden o?er zu erklären habl, bereitet euch vor mit aller Sorgfall, damit ihr die Wahrheilen klar und gründlich erfasset, und die rechten Worte und Erklärungen findet, um sie euren Zuhörern nicht nur verständlich zu machen, sondern anch zugleich ihre Herzen für dieselben zu gewinnen. Es ist dieß nnc schwierige Aufgabe, schwieriger, als sie vielleicht Manchem scheinen dürfte, und um sie zu lösen, lUdürfete ihr vor Allem des Beistandes Gottes, den ihr daher im eifrigen Gebete zu erflehen nie uulerlasseu sollet. Nicht von eurer Bemühung, nicht von enrer Fähigkeit und Erfahrung dürfet ihr einen gnten Erfolg hoffen, sondern vor Allem von der Gnade Gottes, die, während ihr Pflanzer und begießet, daö Wachsthum zu geben hat. Sie muß euch erleuchte», eure Worie befruchten und ihnen die Kraft geben, zu erleuchten nnd zu erwärmen. Sie muß auch die Seelen der Hörenden bestimmen und unterstützen, damit sie, während sie durch euren Mund die frohe Botschaft vom Himmelreich verncluuen, das göttliche Wort mit der ihnen in der Taufe eiilgegossenen Tugend des Glaubens selbstthätig in Liebe ersassen und aufnehmen und in sich lebendig werden lassen. Wenn ihr so, als Diener Jesu Christi und Vcrkünder der von ihm seiner Kirche anvertrauten Lehre, bloß in der Absicht, die mit seinem Blute erkauften Seelen in dem zu unterrichten, was sie glauben, was sie thun und gebrauchen sollen, um ju ihrem Heile zu gelangen, in Geduld und Demuth, in Sanfrmuth und Liebe, nnd im Ver- lrancn auf den, der allein unser wahrer Lehrer und Meister iu der Wissenschaft deS Heiks ist, enren Berns erfüllet, werdet ihr rüstige Werkzeuge seyn in der Hand GotrcS, ">>d in Zeiten des Unglaubens und der Sittenlvsigkeit, wie die unseligen sind, segen- vl'll wirken cm der Heiligung der euch anvertrauten Seelen, und mitarbeiten an dem Ausbau der Kirche, für welche der Herr sich hingegeben hat, um sie darzustellen ohne 34 t Makel, damit sie seine unbefleckte. Braut sey, und Er sie einst ausnehmen könne in seine Herrlichkeit. Amen. Gegeben am Tage der Geburt Maria, der Mutter GotteS, den 8. Sept. 1853. -j- Carl August, Erzbischof. Die GeisteSerneuerungSstundcn tn Freistng vom 7 IS.Oet. 18SS. f Wenn auch bei so erhabenen und tiefeingreifenden Ereignissen, wie die Geistes- erneuerung einer nahe an hundert gehenden Zahl von Seelsorgspriestern ist, aller Anstoß und erster Ruf Golt allein zuzuschreiben ist, der sie in die Einsamkeit führt, um zu ihrer Seele zu reden; so dürfte doch auch das Werkzeug, welches Goites er- barmenSreiche Weisheit hiezu verwendet, nie ganz als zufällig betrachtet werden. Obwohl eS die wahre »„geheuchelte Demuth des edlen Greisen Pater Rector Friedrich Rinn nie glauben wird, so muß eS aber doch zur Steuer der Wahrheit und zur Ehre Gottes, der diesem treuen Diener so große Gnaden gibt, gesagt werden, daß sein Name, der in so vielen Priesterherzen unserer Erzdiöcese seit dem Jahre 1851 mit liebender und danlbarer Erinnerung eingeschrieben blieb, eS vor allem war, dessen sich - Gott bediente, um so viele Priester wieder in die heurigen Erercitien zu rufen. Hatte er ja so wärmend damals geredet, daß man von ihm wohl auch sagen konnte, was der Kirchenvater vom heil. Johannes schreibt: sructsvit, quocl dilierst ex eorclv ^esu! Daher kamen so manche, die im Jahr 1851 ihn gehört, und ihm so viel verdanken gelernt, auch Heuer wieder, andere aber entbehrten wohl nur darum— vielleicht nicht ohne Schmerz — die Freude, den „lieben alten Pater" wieder zu hören, mit ihm zu beten, zu seufzen, zu versprechen, „mit ihm die Erercitien zu machen" wie er'S ja will — (da er nicht Magister, sondern Mitbüßer seyn will,) — um ihren Hilfspriestern oder Nachbarn und Amtsbrüveru diesen Geistesgenuß möglich zu machen! Und so waren am 7. Oktober Abends bereits 38 Priester im Seminar gegenwärtig, die sich in den folgenden Tagen auf 93 mehrten, und man konnte beim ersten einleitenden Vortrage die verschiedenartige Gcmüthsstimmung in den auf den eintretenden Pater gerichteten Blicken sehen, bei den schon Bekanntgewordenen die heilige Frendc des Wiedersehens, bei den Neuerschienenen die gespannte Begier, den Mann zu sehen, der mit dem Schwerte der einfachsten Demuth Gott schon so viele Herzen eroberte! Er begann mit seiner Sendung, aus der er alle Kraft, alle Zuversicht sich ableitete, und ging dann in gewohnter Ordnung, streng dem heil. Vater Jgnatius folgend, die wichtigen Materien mit Sicherheit und pemnthkrästiger Meisterschaft durch, ausgehend von der Parabel des Säemaimes erklärend das „k'unclsmevwm" der heil. Jgna- lianischen Erercitien, und alles was sich ihm anschließt nach der Reihe des Erercitien- büchleins. Tieferschütterud wirkten die Vortrage über die Sünde und die Liebeöreue— und das beste Zeugniß mochte wohl der Zudrang der Beichtenden zu dem greisen Pater seyn, der ihn nöthigte, drei Tage lang alle freien Stunden bis in die Nacht der Beruhig»:^ belasteter Seelen zu weihen, wa? l,r auch mit rührender Aufopferung, Geduld und Liebe trotz seiner hohen Jahre und abnthmcnden Kräfte that. Auch bei den anderen eifrigen HH. Beichtvätern gab es aber der Arbeit genug, und besonders tröstend erscheint für die Fruchtbarkeit dieser Tage, daß fast keine Beicht unter einer sonst langschemeuden Zeit vollendet, sohin der lebendige Eifer gewiß recht sichtbar war. Die Communiontage waren, mit dem Diamantenkranze vieler Thränen aufs glänzendste geschmückt. Allgemein freudige Aufnahme fanden wieder die' vertraulichen Unterredungen ^- cvnsiclei-aticinös — wo der edle Pater mit der liebenswürdigsten, oft selbst naiven Einfachheit die tiefsten Fundgruben praktischer Seelenkenntniß öffnete, und gewiß segensreiche Einflüsse auf die Leitung vieler Seele» übte.5) Der ruhige Ernst, die viele» freiwillige» Andachten, indem die Cavelle keine Stunde deS TageS bis zum späten Abend leer war — alles das können mir gute Zeichen seyn! Der Stadtklerus Freisings Besonders ausgezeichnet waren die Anleitungen zum Meditiren und der Aortrag über die Demuth. 342 bctheiligte sich auch auf'S eifrigste, und eS erschien manchem schwer erklärlich, aus welcher Ursache die zahlreiche Chrkstenschaft der Metropolilanstadt München hier so spärlich vertreten war, da doch unsere Zeit, und vielleicht noch mehr die nächste Zukunft dem Priester in einer großen Stadt so manch' schweren Kampf bietet, zu welchem sich geistig zu waffnen der hochwürdigste Herr Erzbischof seinen KleruS so dringend und rührend väterlich geladen hatte. Doch ferne sey hier, ein^ unS nicht zustehend Urtheil zu fällen, jeder wird wissen, was ihn hinderte. Doch weiter in unserer Schilderung. Das feierliche und so fruchtbare' Schweigen wurde nur gelöst durch Gebet oder Gesang. Abends tönte daS bekannte tiefergreifende mehrstimmige Miserere vor dem ausgesetzten heil. Sacramente, und nach dem Abendtische hatten dießmal auch einige Priester, die seit mehr denn zehen Jahren der ernsten Seelsorgsbahn des lieben Seminars noch nie vergessen, wieder in wohlthueuder Erinnerung jenes sorglosen brüderlichen BeisammenseynS ihre altgewohnten Tischgesänge: „Mima in mortis kor» lilium pro nodis ors" und „O Lsmctissim»!" angestimmt, und freudig heimisch tönte eS von allen Anderen wieder. Besonders aber, als am ersten der Communivntage statt dieser Lieder daö einfache: „Himmelsau, licht und blau :c." z»m Lobe des SacramenteS der Liebe Jesu gesungen wurde, da sah man manches Auge mehr nnd anders denn sonst erglänzen — und aus tiefem Herzen stimmten Alle ein in das Lob dessen, den niemand ganz loben kann! Am Donnerstag den 13. um 7 Uhr hatten sich alle Erercenten in der Capelle deS heil. Maximilian unier der Domkirche versammelt, wo wieder das Haupt des heil. Corbinian erponirt war. Se. Ercellenz der hochwürdigste Herr Erzbischof las hier die heil. Messe, und ehe er die Communion spendete — das lebendige Brod des ewigen Lebens in hochgehobener Hand, hielt er au die auf ihre» Knieen liegenden Priester eine tiefergreifendc Anrede, welche mit der Erweckuug der drei Haupttugenden und dcS Vorsatzes schloß. Gewiß kein Auge blieb hier trocken! Zum Schlüsse gab der erfahrungsreiche Pater noch äußerst praktische Grundsätze zur bleibenden Besserung, die er mit den vier t? (tuMre msla, lscoro doris usne, terre pstienwr msls, I'erri ac> meliois) dem Gedächtnisse einprägte. Nach dem Schlußvortrage sprach ihm der Herr Pfarrer Meirner von Ebersberg niit innig gefühlten priesterlichen Worten den Dank aller Anwesenden aus, versprach und erbat das gegenseitige Gebet, und rief Alle auf, in seinen frohen Dank einzustimmen. Das le Deum und der Segen mit dem allerheiligsten Sacramente schloß diese feierlichen gnadenreichen Tage. Waö sollten wir nun geben, zum Danke für so viele Geistesfrcuden? Gold und Silber lohnt hier nicht — wir gaben also das Beste, was wir hatten, indem wir uns sämmtlich verpflichteten, die nächste heil. Messe nach den Erercitien für Seine Ercellenz unseren hochw. Herrn Erzbischof aufzuopfern und für den guten Vater Rinn, damit Gott Ihnen vergelte, was sie für unser Seelenheil gethan, dabei verpflichteten wir uns auch gegenseitig einander zu gedenken, daß wir Früchte, würdige Früchte bringen möchten. Das Circular, nutendem Motto: „^seiueus eontritus est et nos liberati sumus", „Leee eZo meres5 tus magns vimiz" ward von allen frenndlichst unterzeichnet und dem guten Pater Rector zum Abschiede eingehändigt. So segne denn Gott diese schönen Tage für uns und die uns anvertrauten Seelen, daß sie ein gut Samenkorn seyen und vielfältige Frucht trage». Mögen bald wieder solche Gnadenstunden wiederkehren, damit auch so vielen, die nicht beiwohnen konnten, dieselbe Freude des Geistes werde, derselbe Friede ihr Herz überströme, wie es uns ward! 5) ^. N. *) Sehr zu wünschen wäre aber, wenn solches nicht unbescheiden oder vorgreifend gegen die Weisheit unseres hochw. Oberhirte» erscheint, wenn bei künftigen Erercitien die Zeit von Monttig bis Samstag genommen werde» — etwa, allenfalls noch Sonntag Abends begonnen werden könnte. Es war auch Heuer wieder der Fall, daß einige am Sonntage nach Hause mußten, wodurch ihnen die so wichtigen und tiefergreifenden Vortrage über die Sünde und die nähere Vorbereitung zur heil. Beicht ganz verloren gingen. Andere tonnten erst Montags erscheinen, uud verloren so die sämmtlichen Fun- damcntalvorträge. Dieß nach der vielseitigen Aeußerung Beteiligter — doch sslvo metiori et sslvs odeetientia! > 343 Nachklänge aus den Exercitien in Freising vom 7.— 13, Oct. 1853. I. Der Beichttag. I^squeus contritus esl et nv8 likersti sumus! Ps. lL3, 7. Secuoäum multituämem äoloruw mvarum in coröe weo consolstiones tuse Isetitj- csveruiit snimsm me»m! Ps. 93, j9. Nur in Dir ist Ruh' und Frieden Einer tiefgebeugten Seele, Gib, daß Deine Lieb' hienieden Ich vor allen Gütern wähle. Laß mich Geistesarmuth üben. Wie Dein Sohn sie uns gelehrt, Diese Welt in Dir nur lieben, Die in Dir mir nur gehört. Ferne sey der Sinne Toben, Fern' was Ruhe stören könnte, Ferne, was den Blick von oben, ' Was das Herz vom Vater trennte! Doch — daß Wollen und Vollbringen Nicht, wie sonst, geschieden sey, Daß das Wünschen mög' gelingen: O Maria, steh' uns bei! II. Der Communiontag. Venite sä me omnes qui Islwrstis et onersli eslis, et ego retioism nos! Matth. 15, 28. Le-iri munäo coräe, quoniam ipsi veum viäeduut! Matth. 5, 8. Ringsum Ruhe, ringsum Freude Und im Herzen GotteSftiede! Ach wie stimmt mich Alles heute Doch zum Thränendankesliede! Hab' ja Ihn, den Oftverletzten Neuversöhnt mir nah empfunden, Hab' mit Ihm, dem Nieersetzten Mich auf's neue treu verbunden. Lobt den Herrn, ihr Engelschöre, Heut' mit mir, am SühnungStage, Der uns von des Herzens Schwere Freite — von des Geistes Plage! Sphären-Melodieen singen Gottes Lob Aeonen lang, Doch auch Sünderstimmen dringen Läßt Er gern in diesen Sang. Singt von Wonnen hier und drüben, Die der Herr uns stellt so nah, Wenn wir Ihn nur herzlich lieben — Singt Ihm Allelujah! M 344 Ueber Geisteskrankheiten in Syrien. Man unterschei'pet in Syrien zwei Formen des Wahnsinnes: Krankheit und Besessenheit. Bei jeder Erkrankung wird ein Arzt und eiu Priester zugezogen, um zu entscheiden, ob der Mensch Arznei bekommen oder erorcisirt werden soll. So mußte v,-. Forest zu wiederholtmmalen mit einem Mönch, einer Nonne oder einem Priester zusammentreffen. Die Freunde der Irren versuchen gewöhnlich zuerst eine Art medi- cinischer Behandlung, besonders Luftveränderung, wodurch schon viele gebessert worden. Nutzt dieß nichts, so wird der Kranke in eine Moschee oder in ein Kloster geschickt, um den Teufel austreiben zu lassen. Das Merkwürdige dieser „retrests tor tue inssne" (Zufluchtsorte für die Geisteskranken) ist der Berg in der Nähe von Tripoli, ein Ma- ronitenkloster, dem heiligen AntoniuSl gewivmet und sehr reich. Der Raum für die Irren ist eine natürliche Höhle, wo das durch das Dach tröpfelnde Wasser Stalaktite» in verschiedener Form hervorbringt. Diese fortwährende Neubildung von Gestein ist für die Eingeborncn ein Zeichen, daß der Ort wunderwirkende Kraft besitzt; der Kranke wird hier mit einer Kette und einem hölzemen Halöringe angeschlossen. Er erhält Brod und Wasser als Nahrung, und die sonstige Behandlung besteht in Gebeten, Prügeln.und Exorcismen. Gelingt die Kur, so bekommt der Heilige ein Dank^ gebet und das Kloster ein Geschenk. Gelingt sie nicht, so ist dieß ein Zeichen, daß eS eine Krankheit ist und keine Besessenheit, und da die Höhle bloß die Kraft hat Teufel auSzutreiben, so wird der Kranke entlassen. Die Höhle ist die berühmteste der Art und Kranke aller Religionen suchen dort Zuflucht. Zuweilen unternimmt ein Mönch die Kur im Hause des Kranken oder sperrt ihn in eine Dorfkirche ein. Dr. Forest hatte Gelegenheit, einen derartigen Fall zu beobachten. Eine Frau von mittlerem Alter mit erblicher Anlage zum Wahnsinn erlitt während deö Wochenbettes einen neuen Anfall. Ein benachbarter Mönch erklärte sie für besessen. Nachdem er gebetet, sie mit Weihwasser besprengt und dem Geist befohlen hatte sie zu verlassen, wurde sie ruhig; er erklärte sie für geheilt, aber am folgenden Tage war sie ebenso schlecht wie vorher. Der Mönch kam wieder und fing an sich mit dem Teufel zu unterhalten. „Wie heißt Du, verfluchter Geist?" Die Kranke gab den Namen ihrer nächsten Nachbarin an. „Wo lebst du»" Im Grabe. „Woher kamst Du, ehe Du in dieses Weib einfuhrst?" — Aus dem Ofen. „In welcher Form?" — Als Katze. „Wo gingst Du hin, als Du sie gestern verlassen?" — Auf's Dach um sie zu versuchen. — Der Mönch erklärte, diese Art könne bloß durch Gebete ausgetrieben werden, und versprach drei Tage zu fasten. Die Kranke wurde inzwischen in die Kirche eingesperrt. Der Mönch sagte dann, er habe so lange gefastet und hielt viele Unterredungen mit dem bösen Feind, wobei die Antworten auf ähnliche Art wie oben erfolgten, verfluchte hierauf laut den Geist, und als die Kranke ruhig geworden war, verlangte er, um den Teufel noch zu versuchen, sie solle seinen Schuh küssen, denn dieß sey die niedrigste Art der Demüthigung und Stolz ein Hauptcharakterzug deS Teufels. Sie weigerte sich, da verfluchte er sie und stieß und schlug sie endlich so heftig mit einem Schuh auf den Mund, daß sie blutete u. f. w. Schließlich erklärte er, man hätte lieber einen Doctor rufen sollen, das Weib leide an Melancholie. Die Kranke genaS unter der Behandlung des vr. Forest. ' (Ausland.) Bosnien Die katholische Bevölkerung Bosniens wird aus 12,000, die in der Herzegowina aus 50,000 Seelen geschätzt, für welche nicht mehr Gotteshäuser als drei Klöster und zwei Kirchlein. vorhanden sind. Der Gottesdienst wird größtentheils in Ställen und auf offenen Kirchhöfen abgehalten. Zur Erbauung eines Klosters und eines Seminars wird jetzt in ganz Oesterreich' gesammelt. Verantwortlicher Redacteur: L, Schönchen. Verlags-Inhaber: F. <5. Kremer.. Dreizehnter Jahrgang. Sonntags-Beiblatt zur Augsburger Pojheitung. 30. Oktober 1853. Dieses Blatt erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der halbjährige Abonuementspret« 40 kr., wofür e« durch alle königl. bayer. Postämter und alle Buchhandlungen bezogen werden kaun Hirtenbrief des Erzbischofs von BreSlau. Heinrich, durch Gottes Erbarmung und des heiligen apostolischen Stuhles Gnade Fürstbischof von Breslau :c. ic., entbietet allen Priestern und Gläubigen seines BiSthumS Gruß und Segen in dem Herrn! Als mich einst der Herr durch die Stimme meines Bischofs aus dem stillen Thale hinwegrief, in dem ich durch neun Jahre die mir anvertraute Heerde friedlich geweidet, da zitterte mein Herz rind ich flehete: Nimm, mein Heiland! diesen Ruf von mir, denn drückt schon die Schwere heiliger Pflichten auf meine schwachen Schultern in diesem engen Kreise meiner Wirksamkeit, wie soll ich Größeres auf mich nehmen, wofür ich weder Wissen noch Kraft habe. Der Herr aber nahm den Ruf nicht von mir und weinenden Herzens schied ich aus meiner Gemeinde und betrat die Kanzel der Kathedrale mit dem Gruß: Mir ist bange, aber lch verzage nicht. Wie gerecht meine Bangigkeit war, das haben die folgenden Zeiten, wie gerecht meine Zuversicht, das hat Gottes barmherziges Walten in diesen Zeiten offenbart. Denn Ihr Alle wisset eS, geliebte Priester und Diöcesanen! durch wie schwere gewaltige Jahre unser Weg geführt hat: Jahre, gezeichnet mit Schmach und Schmerz, mit Blut und Thränen, mit Ausruhr und Empörung; aber auch Jahre, gezeichnet mit den Gerichten deS Höchsten und der Verherrlichung seines göttlichen Namens in den Siegen seiner heiligen Sache auf Erden. Denn was die Bösen ersonnen zum Verderben der Guten und welche Gewalten frei gemacht und losgelassen worven sind wider den Fels des heiligen PetruS und welche Umwälzungen die Höhen erschüttert haben und die Tiefen in der Nähe und Ferne: die Kirche hat fest unv würdig gestanden inmitten dieser Bewegungen und ihre Getreuen haben von Nenem die Verheißung erfüllt gesehen: „Siehe, Ich bin bei Euch durch alle Tage bis ans Ende der Welt." So ist eine lange Reihe von Jahren in Arbeit und Mühe und heißen Kämpfen vorüber gegangen; mein Haar ist grau, meine Hand müde, mein Geist matt geworden, und doch ist abermal der Ruf des Herrn an mich ergangen durch die Stimme meiner Brüder, die mich mit ehrendem Vertrauen an DiepenvrockS Grabe zu seinem Nachfolger erwählt haben. Hat mein Herz bei jenem ersten Rufe gezittert, so erbebte dießmal mein ganzes Wesen. Beugte mich damals das Gefühl meiner Schwachheit im Hinblicke auf die Aufgabe, die mir geworden, so drückte mich dießmal das Bewußtseyn meiner UnWürdigkeit und Armseligkeit ganz und gar darnieder. Und betete ich. damals: Herr, nimm diesen Ruf von mir: so klagte ich dießmal mit MoseS zum Himmel hinauf: „Herr, warum finde ich nicht Gnade vor Dir? Warum hast Du die Last dieses ganzen Volkes aus mich gelegt?" Der Herr aber hat mir durch seinen Stellvertreter auf Erden geantwortet: Unterwirf Dich dem Willen Deines Gottes, 346 ^xtZlR denn er ist stark in dem Schwache», und was Du in seinem Namen thun wirst, das wird Er segnen. Und so habe ich, wenn auch mit zagender Hand, doch mit gottvertrauendem Herzen den Hirtenstab ausgehoben, der unsers Diepenbrockö müder Hand entsunken war und trete vor Euch her, geliebte Mitpriester und Diöcesanen — abermal mit dem Worte: Mir ist bange, aber ich verzage nicht. Mir ist bange vor einer Würde, welche so hoch uud heilig, vor einem Amte, welches so umfassend und vielfordernd, vor einem Tagwerk, welches so schwer uud verantwortungsvoll ist, daß die größten Heiligen davor zurückbebten. Chrvsostomus, nachdem er von dem Priefterthume überhaupt gesagt: „Es wird zwar auf Erden verwaltet, hat aber seine Stelle in der Reihe und Ordnung himmlischer Dinge, denn nicht ein Mensch, nicht ein Engel, nicht ein Erzengel, sondern der heilige Geist selbst hat diesen Stand angeordnet;" — nennt das bischöfliche Amt „ein erschreckliches Amt" und beschwor den Kaiser Arkavius, der ihn dafür ausersehen, eine so unerträgliche Last nicht auf seine Schultern zn legen. Der heilige AmbrosiuS verschmähte es nicht, zu einer List seine Zuflucht zn nehmen, um diese Würde von sich fern zn halten, nnd der heilige AthauasiuS, als der sterbende Patriarch von Alerandrieu ihn dreimal beim Namen rief und so a!S seinen Nachfolger bezeichnete, ergriff die Flucht. Und wie handelte und sprach der große Gregor, als er die Bestätigung seiner Wahl vernommen? Er verbarg sich in Wäldern uud Höhlen; und da er deunoch aufgesuudeu und von dem Volke im Triumphe zurückgeführt worden war, schrieb er an die Schwester des Kaisers — Theoktista: „Ich habe alle Süßigkeit der Ruhe verloren uud indem ich äußerlich hinaufzusteigen scheine, bin ich innerlich herabgefallen. Der Kaiser aber," so fügle er hinzn, „hat wohl meine Wahl bestätiget, das erforderliche Verdienst jedoch uust die nothwendigen Tilgenden kann er mir nicht geben." Und daö waren die größten Männer und die erhabensten Lehrer, die je auf dem Leuchter der Kirche gestanden und bei denen es uns zweifelhast ist: ob wir mehr ihr heiliges Leben, oder ihr umfassendes Wissen oder ihre rührende Aufopferung für Christus und seine göttliche Sache bewundern sollen. Oder branme vielleicht nnr dama! die Miira so heiß in die Stirne uud war mir damal der Hirtenstab so schwer in der Hand, als, die sie trugen, fast lauter Anöerwählte waren? und ist, seit die Wissenschaft der Heiligen rar worden ist in dem Geschlechte der Menschen, das Amt cineS Bischofs leicht worden? Statt aller Antwort lasset mich Euch an den edlen, uuveigeßlichen Mann erinnern, den Ihr Alle kennt und liebt, der mein Vorgänger war nnd der die Wichtigkeit und Verantwortlichkeit deS OberhirtenamteS in der Kirche zu würdigen verstand. Wie er, — um in der schristerfülllcu Sprache eiueS Gregor von Nazianz zu reden: „seit ihn der Herr erwählt, daß er diese Heerdc weide mir dem Stäbe eines weisen Hirten imv seit seine Füße standen ans dem hohen Felö — all seine Schritte auf Gott gerichtet, daß sie nicht waukleil noch anSgleilcten": wie sein Streben einzig dahin ging, „sich eine fleckenlose, glänzende Heerde zu bilden, werth der himmlischen Hürde dort in der Wohnung der Jubelnden im Schmucke" — das wisset Ihr. Aus der Kraft und Süßigkeit seiner Hirtenworte erkannten wir: „wie seine Lippen geschlossen waren, um zu verkosten das Göttliche und geöffnet zum Reden zur rechten Zeit." Ans seinen Lied.rn fühlte» wir: „wie seine Zunge mit Jubel erfüllt war, ein Werkzeug himmlischer Melodie», frühe geweckt bei der Morgenröthe, bis sie am heißen Tage schwerer Zeit nnd großer Leiden verstummte." Und dieser Mann, ein auSerwähltes Rüstzeug in GolteS Hand, konnte zu dem Gefühl seiner Würdigkeit und Fähigkeit sür das bischöfliche Amt sich nicht emporringen. Er wies den ersten Ruf der Sendboten, die wir zu ihm geschickt, entschieden ab und vermochte nur mit Thränen uud Seufzen sich der ausdrücklichen Mission des heiligen Vaters zn nnterziehen und ein Opfer zu bringen, von dem er gleich Anfangs fühlte und verkündete, daß es kein langes seyn würde. In die Sielle, die Er zu früh verlassen, soll ich treten; den Stuhl, der durch sein Scheiden leer worden, soll ich einnehmen; die Last, unter der er sobald erlegen ist, soll ich tragen: saget selbst, ob mein Gruß au Euch anders beginnen kann, als mit dem Geständnisse: Mir ist bange! 347 Und wie rechtfertigt sich dieses Geständniß, sehe ich auf das große, weite Ackerland hin, daß ich hinfüro besorgen und überwachen soll. Ausgedehnt im Norden bis in die fernen Inseln der Ostsee, welche die blonden Nachkommen der alten Wenden bewohnen, wird es im Enden durch die hohen Züge der Sudeten und Karpathen begrenzt. Es erstreckt sich im Osten bis an die alte Kirchenprovinz von Gnesen und Posen und berührt im Westen die apostolischen Vicariate von Sachsen und den nordi- sehen Missionen. Mehr als eine und eine halbe Million Katholiken bewohnen diese weiten Länderstrecken, in welchen die deutschen Laute an einigen Orten bereits in das Windische, an anderen in das Mährische übergehen, während mehr als siebenmal hundert tausend Gläubige Polnisch reden, ein armeS, vielgeprüftes, durch Cholera und Hungertyphus gelichtetes Volk, das der Sprache wie dem Glauben seiner Väter Iren geblieben ist. Große und herrliche Tempel erheben sich aus diesem ausgedehnten Ackcrlande GotteS zum Himmel, schöne Zeugnisse frommen GlaubenSeiferS längst vergangener Jahrhunderte; aber auch armselige Lehm- und Bretterhütten müssen an vielen Orten die Stelle der Kirchen vertreten, die kaum den kleinsten Theil dce Gemeinde zu fassen vermögen, während die übrigen Gläubigen an Sonn- und Festtage», im Sommer und Winter, in Wind und Wetter auf den Kirchhöfen gelagert, den Himmel zn ihrem Zelte, die Gräber der Dahingeschiedenen znm Schemel ihrer Kniee haben: ein rühren» Schauspiel treuer Gottesfurcht und GotteSliebe, das an die Verhältnisse nnd den Geist der ersten Christen erinnert. So auch machen die in entlegenen Gegenden vereinzelten und zerstreuten Gemeinden oft schon bei einer Anzahl von zwei bis dreihundert Seelen die Abwartnng durch einen Priester nötbig, während Gemeinden von drei, sechs, acht, ja sogar zwölstauseud Gläubigen nur einen Seelsorger gewinnen, der auch bei vollster Aufopferung nicht annähend zu leisten vermag, was die Kirche für die Bestellung ihres Saatfeldes fordert. Und was soll ich sagen, denke ich an die armen verlassenen Gemeinden in der Mark und den nordischen MissionSkrcisen, die ohne Priester, ohne Kirchen und Schulen dahin leben, immer darbend am Brode des Heils nnd immer ohne Aussicht auf Abhilfe ihrer geistigen Noth? Waö soll ich sagen, denke ich an die Schule, diese Tochter der Kirche, welche sie geboren, durch lange Jahrhunderte an ihrer Brust genährt und gepflegt und die wir rtun ihren Mutlerarmen so weit entrückt sehen! WaS von der Armuth so vieler Gemeinden uns den daraus hervorgehenden Hindernissen, neue Pflanzstätten deö Heils und dcS Unterrichts aufzurichten! Kann der Hirt unter solchen Verhältnissen und l>ei solchem Umfange der Diöcese im Hinblicke auf seine Hceide sagen: „Ich kenne die Meinen und die Meinen kennen mich?" Kann er die Seinen mit Namen rufen nnd sich deß getröstm: „sie hören meine Stimme und kennen sie und folge» mir?" Kaun er erfüllen, was mit mütterlicher Weisheit und Sorgfalt die Kirche fordert: daß die Hirten in dem Zeitraume von zwei Jahren alle ihre einzelnen Heerden heimsuchen? Ach, so gern nnd überall für die Sache Jesu Christi wirken, der Kirche den Sieg gewinnen, die Heiligung der Brüder schaffen wollen, und bei aller Arbeit, allen Mühen und Kämpfen ohnmächtig vor den Schranken stehen, welche die Gewalten der Welt und ihrer Verhältnisse uns entgegenstellen, das ist mehr als schwer, das nagt am Innern, ras frißt am Herzen. Und doch sind das die Kümmernisse, die mich begleiten, die Sorgen, die mich Tag und Nacht verfolgen, ras langsame Märiyreithum, an dem stil! aber schmerzlich das Leben verblutet. Soll ich nun und darf ich im Hinblicke ans ein solches Gebiet meiner Wirksamkeit nicht klagen: Mir ist bange? > Werfen wir endlich unsern Blick auf die Zeit, in der ich berufen bin, das Hirtenamt zu üben und auf ihre Erscheinungen: habe ich dann weniger Veranlassung zur Bangigkeit? Geliebte! dte Zeit ist krank, und schwer krank. Und warum ist sie krank? Weil sie das Brod des HeileS von sich gewiesen, weil sie mit ihrem Lieben und Leben sich an die Kreatur gehangen und in dem alten Hochmuthschwindel den Menschen an die Stelle GolteS gesetzt hat. Ohne den Glauben, den uns Christus vom Himmel gebracht; ohne die Liebe, die allein aus diesem Glauben geboren wird; ohne die Hoffnung, die zu einer überirdischen Heimath Geist und Herz erhebt, ist sie mit ihrem 348 ganzen Schwerpuncte in die Sinnenwelt versunken, und noch nie, seit daS Christen- ihum der tiefen Sehnsucht des Sterblichen die Aussicht aus der Zeit in die Ewigkeit ausgelhan, ist die Herrschaft deS Fleisches eine so große und allgemeine gewesen als in unsern Tagen, Wer diese Behauptung hart findet, der wende seine Blicke hin aus das Wesen und Walten der Kinder dieser Welt und beobachte, worauf ihr Sinnen und Trachten, ihr Mühen und Arbeiten, ihre Opfer und ihre Begeisterung, ihre Künste und ihre Wissenschaften gerichtet sind- Alles wird er im Irdischen beschlossen, was darüber hinausgeht als Schwärmerei, wenn nicht als Wahn und Heuchelei verachtet finden. Daher die Scheu vor jeder Störung in diesem Sinnentaumel und vor jeder Mahnung an daS, was droben ist; und daher der Widerwille gegen die Kirche, die Furcht vor der Entfaltung ihrer geistigen Macht, der Aufwand so vieler Künste und Mittel zu ihrer Niederhaltung; daher auch kein Friede mit ihr, eS sey denn unter der Bedingung, daß sie sich selbst aufgäbe und sich ihre Lehre, ihre Gesetze und ihren Knll von dem Geiste der Welt vorschreiben ließe. Entgegnet mir nicht mit dem alten Einwürfe des Leichtsinnes und der Flachheit, daS dieß Alles schon dagewesen sey und Alles sich nur wiederhole im Leben; denn jede Zeit hat ihren Geist und Charakter. Saget nicht: das Fleisch hat immer sich aufgelehnt wider den Geist und die sinnliche Naiur immer ihre Macht geübt; denn daö soll nicht gcläugnet werden: aber die Erziehung zur Sinnlichkeil, die Predigt der Sinnlichkeit, das Schwimmen in dem Meere ver Sinnlichkeit, dabei des Menschen Haupt ganz und gar vom Himmel hinweg und allein auf die Erde gerichtet wird, die er nur mit seinen Füßen berühren soll — das gehört unserer Zeit, Saget auch nicht: es hat immer Irrthümer gegeben, die ihre jünger gehabt und ihren Anhang gewonnen haben; denn daS soll nicht geläugnet werden: aber der Schutz des Irrthums, die Gleichberechtigung des Irrthums mit der Wahrheit, die Verbreitung des Irrthums durch alle Schichten der Gesellschaft — daS gehörc unserer Zeit. Saget auch nicht, eS hat immer Verbrechen gegeben und Verbrechen der rohesten, himmelschreiendsten Art; denn das soll nicht geläugnet werden: aber die Bußfertigkeit des Verbrechens, die Vertheidigung des Verbrechens, der Stolz des Verbrechens, das Hinauflügcn des Verbrechens zur Tugend — daS gehört unserer Zeit. Saget endlich nicht: eS hat immer Empörungen gegeben wider Gott, wider die Kirche, wiver die Fürsten und rechtmäßigen Gewalten; denn auch das soll nicht geläugnet werben: aber der in civilisirten Staaten geduldete Herd der Empörung, die systematische Organisation der Empörung, die Beschwörung dieses SatanSengels, der feig und frech, zügellos und tyrannisch, glaubenölcer und fanaiisck, Lebensfähiges nicht zu schaffen und Lebensfähiges nicht zu duldcu vermag — daS gehört unserer Zeit. Meine Lieben! solche Zeit ist krank und leidet an Uebeln, welche nicht nur einen bedenklichen Widerwillen gegen alle gesunde Nahrung, sondern auch ein gefährliches Verlangen nach schädlichen Stoffen im Ge>olge haben uns die endlich in beillose Krämpfe ausschlagen und auSschlagen müssen. Den schauerlichen Aufang dieser krankhaften Bewegungen haben wir gesehen. Und auch daö haben wir gesehen, wie, die bis dahin daS große Wort geführt und als die Heilkünstler und Aerzte der Gegenwart sich erachtet, bei dem unerwarteten Tumulte zuerst Blick und Muth und Kraft verloren und in der Angst ihres Herzens die lang verachtete Kirche als Retterin in der Noth begrüßten oder sie doch schweigend gewähren ließen. Darum hat sich der Herr noch einmal erbarmt, uud hat, waS der Ansang einer furchtbaren Katastrophe in der Weltgeschichte zu werden schien, zu einer bloßen, wenn auch erschütternden und blutigen Hinweisnng aus seine Gerichte werden lassen, die hereinbrechen müssen: Wenn dieses Geschlecht „mit sehenden Augen nicht sieht und mit hörenden Ohren nicht hört." So sind die Wetter der Heimsuchung zurück getreten, die gefährlichen Bewegungen äußerlich beruhiget uns die beäugstigenden KrankheitSzeichen unterdrückt worden! Ist darum das Uebel gehoben? oder doch für eine gründliche Heilung die Kur begonnen? Ist der rechte Arzt gewählt? Ist die Kirche mit der Freiheit und den Mitieln ausgestattet, deren sie bedarf, um Glauben, Gottesfurcht und Treue in die Herzen der Menschen zurück zu führen? Geliebte Priester und Diöcesanen I Es ist hier nicht der Ort, nnt entscheidenden Urtheilen vorzutreten über daö, was geschehen oder nicht geschehen ist zum neuen Ausbau des alten VölkcrheileS; aber 349 es ist die Zeit und der Ort, Euch Allen die Mahnung in die Herzen hinein zu rufen: Blicket nach oben und fragt Euch — ein Jeder vor Gott: WaS habe ich gethan seit jenen Prü- fungstagcn, daß der Glaube deS Gekreuzigten wachse, daß sein göttlicher Name verherrlichet, daß seine heilige Kirche erkannt, daß mein Kaiser und Herr geehrt, daß Gesetz und Ordnung geachtet werde? Unv auch dafür ist hier der Ort, Euch offen zu gestehen? wie die Zeichen nun einmal sind am Himmel und auf Erden, so blicke ich mit schwerer Sorge in die Zukunft und zittere vor der Kurzsichtigkeit derer, die in den übel verhehlten Anschlägen der Bosheit, in den durch die Länder zuckenden Bewegungen, selbst in den gegen die Fürsten erhobenen Dolchen keinen Gründ finden, sich in der bequemen Ruhe stören zu lassen, mit welcher sie eben so wie vor dem Jahre 18-48 in die kommenden Tage blicken. Und ich zittere vor der Macht der wachsenden Armuth und ihrer Abwendung von Gott und ihrer Priesterverhöhnung auf den Straßen und ihrer Religionsverspottung in den Werkstätten. Und ich zittere vor den Fortschritten deö DiebstahlS, des Tempelraubes, der UnkeuschheitS- siindcn, des Mordes, teeren Opfer die Gesängnisse nicht mehr fassen, die alljährlich in nie gekanntem Umscmge erbaut werden, Und ich zittere vor der Kaltblütigkeit, mit welcher diese Verbrechen begangen werden; vor der Fühllosigkeit, mit welcher die Schuldigen selbst den Strafacl zu einem moralischen Aergernisse machen; vor der Gleichgiltigkeit, mit der man alle diese Erscheinungen an sich vorüber läßt. Und ich zittere vor dem Wahne, der so tief innere Uebel äußerlich heilen zu können vermeint; vor der Blindheit, die, statt die gesunden Kräfte zu einen, sie in heilloser Selbstsucht spaltet; vor der Unduldsamkeit, die in dieser drohenden Zeit die Tiefen konfessionellen Hasses zum verderblichen Abgrunde aushöhlt und die sichere Retterin, die Kirche, mit den Wolken deS Mißtrauens umhüllt, ja am liebsten in ihrer segensvollen Wirksamkeit hemmen möchte. Darum zittere ich und trete zu Euch mit dem Gruße: Mir ist bange (Schluß folgt.) Zur katholischen Generalversammlung in Wien. Rede des Herrn Legation Sraths Dr. Moritz Lieber aus Camberg. Gelobt sey Jesus Christus! Eminenz, Herr Cardinal, hochwürdigste und hochwürdige Herren, hochansehnliche Versammlung! Sechs Generalversammlungen deS katholischen Vereines Deutschlands habe ich angewohnt; bei keiner einzigen fehlte eS uns an Veranlassung zu den ernstesten Betrachtungen; aber ich darf Sie nur an die jetzt in mehreren Diöcesen deS südwestlichen Deutschlands schwebende kirchliche Lebensfrage erinnern, und Sie begreifen, daß ich zu keiner der vorhergegangenen Versammlungen eine so eigenthümlich ernste Stimmung mitgebracht habe, als zn der gegenwärtigen siebenten, zu welcher die Kaiserstadt uns ihre gastlichen Thore geöffnet. — Besorgen Sie indessen nicht, daß ich unter dem Einflüsse dieser Stimmung Sie ein vielleicht allzuwarmeS Wort der Klage, oder gar Anklage über die Zustände in jenen deutschen Ländern werde hören lassen! O nein! Wohl weiß ich, daß, nachdem der blutige Vernichtungskampf deS antiken heidnischen Staates gegen die Kirche deS Mensch gewordenen SohneS Gottes mit der Begründung des christlichen Staatenelementes geendigt hatte, die Blätter der Kirchengeschichte, die ja in jedem Jahrhundert die mannichfaltigsten Kämpfe unserer heiligen Kirche aufzuzeichnen gehabt, einen Kampf von der Tragweite deS heute in jenen deut, sehen Gebieten zu Tage Getretenen nirgend berichten; — wohl weiß ich, daß, während eS dort allemal nur um die Usurpation einzelner Rechte der Kirche sich gehandelt, hier Princip gegen Princip auf die Spitze gestellt, ein anderer Kampf um Seyn oder Nichtseyn der Kirche gekämpft, daß gerungen wird um die Entscheidung der großen, der wahren Lebensfrage: ob das xesammte Regiment der Kirche Christi, die Bewahrung und Ausbreitung seiner göttlichen Lehre, die Verwaltung der in seiner Kirche hinterlegten Gnadenmittel, die geistliche Jurisdiktion über die Gläubigen, welche er mit seinem Blute sich erkauft; ob, sage ich, vaS gesammte Kirchcnregiment den Händen derer, die der Mensch gewordene Sohn Gottes dazu angeordnet und gesetzt hat für 3S0 alle Zelten, verbleiben, oder Andern verfallen soll, die der Sohn hiezu nimmer sich «übersehen nnd berufen hat. Aber ich weiß auch, dieser Kampf wird, wie er bereits in Aller Munde ist, so auch von allen katholischen Herzen, die da warm schlagen für die heilige Sache der Kirche, mit so lebendigem Mitgefühle und mit so beißen Gebeten begleitet, daß es nicht erst meiner Worte bedarf, Ihre Theilnahme zu wecken.— Besorg-» Sie auch nicht, daß ich Ihnen etwa das staatsrechtliche Moment in diesem Kampfe, daß ich das positive Rechtsverhältniß Ihnen auseinandersetzen werde, welches den Katholiken der bezeichneten Staaten und ihren Hirten zur Seite steht: PaS haben die hochwürdigsten Erzdtfchof und Bischöfe so klar uuv überzeugend dargelegt, daß es einer Vermessenheit ähnlich sehen würde, wollte ich an dieser Sielle ihrer AnSführnng, die ja auch bereits in Aller Händen ist, noch das Mindeste beifüge». Erlauben Sie mir vielmehr, iu einem kurzen Rückblicke auf den Gang der gei- stigen und materiellen Entwicklung, welchen die Gesellschaft seit einem halben Jahrhundert genommen, die Lichlmomente aufzusuchen und anzudeuten, welche den Blick in die Zukunft zu erheitern und zugleich die Bahn zu bezeichnen geeignet sind, welche die Katholiken überall, uuv insbesondere wir, die Männer der katholischen Vereine, zu verfolgen habeu, um als nützliche Werkzeuge der Kirche mitzuwirken zu der Herbeiführung und Begründung einer besseren Zukunft. Wenn ich von der geistigen Entwickelung 5er Gesellschaft zu sprechen gedenke, so weiß ich wohl, daß ich an dieser Stelle, wo dem Einzelnen für den Umfang dessen, was er zu sagen wünscht, nur die engen Gränzen weniger Minutcu vergönnt seyn können, heule nur die Entwickelung dcS kirchlichen Lebens berühren darf. — Blicken wir unn zurück ans die kirchlichen Zustände der letzten fünfzig Jahre! O, ich will eS -nicht entrollen vor Ihrem Auge das endlose Verzeichnis aller Entbehrungen und Bedrängnisse, unter welchen das katholische Volk seine Kirche in dieser Zeit, namentlich seit dem unglückseligen Jahre der sogenannten Säkularisation und in immer steigendem Maaße seii jenem verhängnisvollen Tage seufzen sah, wo der unaufhaltsame Strom unheilvoller Ereignisse mit den Trümmern deK heiligen römischen Reiches deutscher Nation auch den letzten Rest kaiserlicher Schirmvogtei verschlungen hatte. Wahrlich, wir müssen es mit dankbarer Rührung als ein Wunder verehren, daß in Mille all' der unnennbaren Misere, die selbst das Salz der Erde zum guten Theile raub werden und so manches Licht unter den Scheffel sich verkriechen ließ, der Kern unseres wackeren katholischen Volkes gleichwohl noch so viele treue Anhänglichkeit an seine Kirche und seineu Glauben sich bewahrte. Aber, bei Gott, länger hätte dieß kirchliche Elend nicht währen dürfen, wenn die katholische Kirche aus Deutschland nicht gänzlich verschwinden, wenn nicht znlctzt auch im Volke katholischer Glaube, katholische Gesittung,, katholisches Bewußtseyn hätten abhanden komm n sollen. Ein lief inneres Weh lastete dumpf nnd fchwer auf den Herzen der schlichten Bürgers- und Landleute, als sie ihre lieben Klöster mit ihren Schulen und Armeu- und Krankenanstalten, ihre thenre Gna- denonc, Wallfahrten, Missionen unv alle die segenbringeudcn Institutionen ihrer Kirche, eine um die andere, sich genommen unv dagegen eine Generation veS Unglaubens und der Zuchllosigkeil wuchernd in die Höhe schießen sehen mußten, und das immer mehr zusammenschmelzende Hänflein der besseren Elemente der Gesellschaft seufzte in stiller Klage über die totale Verlassenheit unv Schutzlvsigkeit der allen äußeren unv inneren Angriffen Preis gegebenen Kirche. Glauben Sie nicht, meine hochansehnliche Versammlung, daß ich hier überireibe. Haben wir nicht in Mitte alle der Unfreiheit nnd Noth, womit die Kirche nach außen zu kämpfen hatte, Philosophie uud Geschichte, Natur- und StaaiSrecht, kurz alle Wissmschaften und selbst die Künste wider die Kirche alö ein Werk deS Aberglaubens und des Fanatismus verschworen im Bunde gesehen? Ist nicht, waS die Wissenschaft Glänzendes, was die Beredtsamkeit Verführerisches, was die Salyre Äetzenvcö, was die Einbildungskraft dcS Romanschreibers Schmutziges und Schamloses aufzubieten vermochte, gleichzeitig in Bewegung gesetzt worden, um den Glauben, die Silteulehre, die Verfassung, die Institutionen und die gcsammle Geschichte der Kirche Christi dem Hohngelächter ewiger Verachtung zn überantworten?—? — 351 Aber, meine hochverehrten Vereinsgenossen und Freunde, wie der Mensch glaubt, so lebt er auch; und die öffentliche Sitte ist nur das im Leben sich ausprägende Gewissen der Menschen, Hat man aus diesem Gewissen erst den Glauben an die gött- licke Autorität der Kirche ausgemerzt und für das sittliche Verhalten des Menschen dessen eigene Vernunft als alleinige Autorität proclamirt, so werden die Tage nicht ausbleiben, wo er auch für sein bürgerliches Verhalten keine höhere Autorität als diese nämliche Vernunft gelten lassen, keinen andern König als sie über sich wird anerkennen wollen. — (Beifall.) — Und wir haben sie eintreten gesehen diese Tage, haben den Geist der Verneinung sein letztes aber schauerliches Wort, sein wahres Losungswort: Anarchie! ansrnfen gehört. Doch mitten in die Nacht einer Alles bedeckenden Finsterniß sandte der allmächtige Gott einen Lichtstrahl seiner Barmherzigkeit; das Wehen seines heiligen Geistes zündete in Klerus und Volk, und durch alle Schichten der Gesellschaft begann es sich zu regen in mächtiger Glaubenssehusucht; alle Herzen wandten sich wieder nach dem Mittelpuncte des Glaubens unst der kirchlichen Einheit, nach Rom, und alle Blicke erhoben sich flehend zum Himmel, daß er dem versumpften Geschlechte wieder aufhelfen möge durch die Segnungen seiner heiligen Kirche Und — Bischöfe und Priester wetteifern in glaubenstreuer Hingebung an das katholische Volk, um zu retten, was noch erübrigt aus den Trümmern, und wieder neu zu schaffen, — wenn auch nur erst in den spärlichsten Anfängen —, was der verheerende Strom Alles mit sortgerissen und verschleudert hat. — Und sehen Sie, das ist am Ende die Bedeutung des heute obwaltenden Kampfes, oder wenn Sie wollen, der Kämpfe, deren hier Erwähnung geschehen, daß die Verwüstung und die Dürre eine bleibende, der Wiederaufbau und die Verjüngung nicht gestattet, oder doch eingeschränkt seyn soll. Werfen wir nun einen Blick auf die materielle Entwickelung in der genannten Zeit; wie hal seit fünfzig Jahren Alles um uns her sich veräudertl Der übermenschliche Aufschwung der Naturwissenschaften, Physik, Chemie, Mathematik, Mechanik, häuft Wunder auf Wnnder. Der schaffende Gedanke hat bewegende Kräfte und CommunicationS- mittel von bisher unerhörter Macht nnd Ausdehnung gefunden. Bald wird die ganze Welt nur mehr eine große Stadt, und ihre Quartiere nach den verschiedenen Meeren zu bezeichnen seyn, über welche man mit der Schnelligkeit deS Blitzes auf Feuerbrücken hinübereilt: die äußersten Enden des Erdballs sind wie die Vorstädte, und auch der bequemste Philister wird verhöhnt zu werden fürchten, entschließt er sich nicht, wenigstens einmal im Leben eine Reise um die Welt zu machen. Die Einen sehen mit Bangen und Schrecken auf eine so riesige Entwickelung menschlicher Kräfte, während die Anderen nicht müde werden, davon zn reden mit der ganzen Ueberschwä'nglichkclt des Entzückens. Die Einen wie die Andern haben Recht und Unrecht: es ist Alles zu hoffen uiw Alles zu fürchten; je nachdem der leitende Gedanke in aller der Kraftentwickeluug der höheren Richtung folgt, over aber der niedern, d. h. der Verherrlichung des Schöpfers, oder der menschlichen Jchheit; je nachdem es gilt, das Reich Gottes auf Erden zu erweitern, oder bloß die Herrschaft irdischer Gelüste und Begierlichkeiten. Daß in Mitte dieser allgemeinen Umwandlung die Kirche Christi unverändert bleibt sowohl in der Lehre, als in der Verfassung, die ihr gegeben ist von dem, der da war und ist und seyn wird, darüber ist, zumal unter uns, kein Zweifel: aber eS gilt, aus Lehre und Versassung der Kirche die wahre, sittliche Kraft zu schöpfen. Die Glaubenslehre der Kirche Christi ist das Schienengelcise, auf welchem die Menschheit sich zu bewegen hat; aus welchem sie nicht ausweichen darf ohne die Gefahr einer Katastrophe, die um so schneller und schrecklicher eintreten würde, je blschluinigter allerwärts die Bewegung ist. Alle Wissenschaften müssen hier, wie eben so viele Zweigbahnen, einmünden in die eine große Hauptbahn, die vom Menschen ausgehend zu Gott sich erhebt; dieweil alle sogenannte Wissenschaft, die nicht, ihrer Unvollkommenheit sich bewußt und demüthig zu Gott, dem höchsten Ziel und Ende alles Wissens, hinanführt, nur ein stolzes, unvollkommenes Wissens-Stückwerk ist; — 352 und was ist wunderbarer geeignet, die Menschheit umfaßt zu halten in allen Phasen ihrer Entwickelung, als die Verfassung der wahren Kirche Christi? Was ist eS, das uns vor Allem Noth thut zu sicherer Fahrt aus diesem Geleise? Ein Auge, hoch genüg gestellt, um dem unermeßlichen Zuge folgen, die Heizer, Maschinisten ic. überwachen, auf Verlachlässigungen, Versehen, Fehler und Gefahren aufmerksam und die aus der Richtung kommenden wieder einbiegen zu machen, Streitende aussöhnen zu können, u. s. w.: und dieß hochgestellte Auge, wir besitzen eS in dem Nachfolger dessen, an den die Verheißung des MenschensohneS ergangen: „Du bist Petrus und auf diesen Felsen will ich meine Kirche bauen, und die Pforten der Hölle werden sie nicht überwältigen." Wir bedürfen anderer Augen, welche den verschiedenen Abtheilungen deS ZugeS vorstehen und das Wort deS obersten Lenkers wiederholend weiter geben: und diese Augen besitzen wir in unsern Bischöfen. Wir bedürfen aller der untergeordneten Zugbeamten bis zum Bahnwärter hinab, bedürfen Feldspitäler und Aerzte, Pfleger und Wärterinnen der Kranken und Verwundeten — an denen eS niemals sehlen wird —: und das find die Priester, Ordensleute und Klosterfrauen aller Art. Mit einem Worte, wir bedürfen der ganzen und vollen, freien, gesegneten Thätigkeit der Kirche, und, sehen Sie, meine hochverehrten Vcreinsgenossen und Freunde, der Kamps der weltlichen Gewalt gegen die Unabhängigkeit der Kirche dreht sich allüberall nur um die mangelnde Erkenntniß dieser Einen großen Wahrheit. Unsere Aufgabe nun dieser geistigen und materiellen Entwickelung gegenüber? O, die ist unS auf unserer vorjährigen Generalversammlung von dem hochwürdigsten Bischöfe von Münster, und in den Worten der Weihe, welche Se. sürsterzbischöfliche Gnaden, der hochwürdigste Oberhirt dieser Erzdiöcese, gestern Morgen zu uns gesprochen hat, so einfach und klar vorgezeichnet worden, daß eS genügt, an solche gute, getreue Gedanken zu erinnern. — Wir sollen für Eins fundamentiren helfen: den neuen Aufbmi der Gesellschaft und alle Bestrebungen fördern, welche auf Wiedergewinnung wahrhaft katholischer Lehranstalten, Universitäten, Akademien u. s. w. sich beziehen, und in Beförderung der Borromäus- und BonifaciuSvereine gut machen helfen, was durch schlechte Lectüre und unkirchlichen Unterricht verdorben worden ist. — Wir sollen zum Anderen helfen, durch Förderung der Wohlthätigkeitsvereine aller Art, namentlich der Vinccnz- und Elisabethenvereine, so wie insbesondere der uns gestern so warm an'S Herz gelegten Gesellenvereine, die kranken Zustände der Gesellschaft zu heilen. Wir sollen endlich fördern helfen ein wahrhaft inneres, durch Zucht und Gesittung sich glaubenstreu erweisendes, frommes GebetSleben im Geiste unserer heiligen Kirche. Soll eS besser werden, meine hochansehnliche Versammlung, soll es besser werden, so muß eS besser werden im Innern des Individuums; besser, christlicher, katholischer in den Herzen des Einzelgestellten, wie des Familienvaters, der Gemeindebürger wie der Staatsangehörigen, der Gehorchenden wie der Befehlenden. Die bessere Zeit, sie ist da, sobald die Menschen besser, kirchlicher geworden sind. Und unsere Fürsten, vielfach nur mißleitet von einer corrumpirten öffentlichen Meinung der sogenannten Auf- klärungSzeit, welcher alles christliche, insbesondere alles specifisch katholische Bewußtseyn abhanden gekommen war, sie werden, ist erst auf diese Weise die öffentliche Meinung corrigirt und sehen sie ihre katholischen Unterthanen, getragen von lebendigem, in Zucht und Gesittung sich aussprechenden katholischen Bewußtseyn, getragen von treuer, inniger Anhänglichkeit an ihre Kirche, bereit, Leib und Gut und alle ihre edelsten Kräfte einzusetzen für die Verherrlichung Gottes in seiner Kirche, sie werden dann, dessen bin ich fest überzeugt, sie werden den überall nur auf göttliche Anordnung beruhenden Forderungen unserer Bischöse gerne in allen Wegen gerecht werden. Berichtigung. Zu dn vorigen Nummer ist S. S4L. Z. 2. v. o. statt Christenschast zu lesen Priesterschast. Verautw-rtlichn Redacteur: L. Schöucheu. Verlag« - Inhaber: F. E. Kremer. Dreizehnter Jahrgang. Sonntags-Beiblatt zur Aygsburger PostMnng. 6. November M ^tS. Dieses Blatt erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der halbjährige Abouncmentsvrei« 4V kr., wofür e« durch alle königl. bayer. Postämter und alle Buchhandlungen bezogen werden kunn Hirtenbrief des Fürstbischofs von BreSlau. (Fortsetzung.) Aber wie heilsam eS ist, unser Auge vor den Gefahren nicht zu schließen, die uns umgeben und unsere Blicke nicht abzuwenden von den Heimsuchungen und Kämpfe», durch die wir nun einmal hindurch müsse», so geziemt es sich, auf die Hilfe Dessen zu hoffen, „welcher," wie der große BasiliuS sagt, „durch uns um so mehr wirk«, je fester wir auf Ihn bauen." Darum rufe ich mit dem heiligen Paulus nicht nur: Mir ist bange, sondern auch: ich verzage nicht. Ist eS denn mein Werk, das ich treibe; nicht Gottes Werk? Ist es denn meine Ehre, die ich suche; nicht Gottes Ehre? War eö denn mein Verlangen und Gelüsten, das mich nach der heißen brennenden Höhe hinan getrieben, von der ich heute zu Euch rede; nicht GotteS Ruf und Wille? Wohl ist meine Kraft schwach und hinfällig; aber wann hat der Herr ans Menschenkraft seine heilige Sache gebaut? Wohl ist mein Wissen arm und nichtig; aber wann hat der Herr seine ewige Wahrheit auf die künstlichen Gerüste menschlicher Weisheit gestützt? Wohl kann ich von mir nichts anderes bekennen, als daß ich ein unnützer Knecht bin und alles Ruhmes vor Gott ermangle; aber wann hat der Herr den Fortgang seines göttlichen Werkes an das Verdienst und die Vorzüge seiner Werkzeuge auf Erden gebunden? „Sehet nur auf euren Beruf," schreibt der heilige Paulus, „nicht viele Mächtige, nicht viele Angesehene sind berufen: sondern was vor der Welt thöricht ist, hat Gott erwählt, niu die Weisen zu beschämen, und das Schwache vor der Welt hat Gott erwählt, um das Starke zu beschäme», und das Geringe vor der Welt, und das Verachtete, und das, was nichts ist, hat Gott erwählt, um das, was stark ist, zu Nichte zu machen: damit kein Mensch sich vor Ihm rühme." Um nach diesen inhaltsreichen Worten des Apostels in dem Geiste unv der Weise eines andern apostolischen Mannes, des heiligen «ugustiu, weiter zu reden, so denkt Euch, daß Christus iu dem Augenblicke, da Er seine Lehre über die Welr auszubreiten gedachte, die Weisen des Heidenthums zn Rathe gezogen nnd ihnen gesagt hätte: Ihr wisset, wie die Welt Mich haßt, wie sie mein Evangelium verfolgt, wie sie gegen meine Gebote sich auflehnt. Dennoch will Ich meine Lehre herrschend machen unter den Menschen; bisher habe Ich sie nur im Iudenlanve verkündet, bald sollen sie alle Völker vernehmen; der ganze Ervboden soll sich beugen vordem Aergernisse des Kreuzes; das abgöttische Nein soll der Mittelpunct meiner Kirche werde»; seine Götzen sollen fallen, seine falschen Altäre in Trümmer sinken, wo jetzt die Cä- saren thronen, will ich den Sitz meines Stellvertreters ausrichten. Und dieß Alles will ich thun durch zwölf arme Fischer, welche die Welt nicht kennt und welche die Welt nicht kcttnen. Würden die heidnischen Weisen, fragt der heilige Augnstiu, einer solchen Sprache Glauben geschenkt, würden sie dieselbe nicht für thöricht und irrig gehalten haben? Und doch ist das eben das Wunder aller Wunder, das Wunder der 354 Verbreitung des Christenthums. Gotr hat die Wissenschaft der Welt dnrch die Einfalt deö Glaubens, die Macht der Welt durch die Schwachheit der Sanftmut!) und Geduld, die Hoheit der Welt durch die dunkle, verachtete Demuth überwunden; damit, „wer sich rühmt, sich in dem Herrn rühme," und Alle erkennen, „daß Christus uns worden ist zur Weisheit, Gerechtigkeit, Heiligung und Erlösung." Wird meine Schwachheit mich ängsten, wenn Christus meine Stärke ist? Wird meine Einfalt mich zaghaft machen, wenn Christus mejne Weisheit ist? Werde ich trostlos znrückbeben vor Leiden und Drangsalen, wenn hoch über allem Leid und aller Drangsal das Ziel winkt, dahin der Weg führt, den ich Euch vorangehen soll. Nein, meine Lieben, es tönt vielmehr belebend und ermmhigend das Wort in mein Herz, das der Herr einst durch den Mund des Jsaias gesprochen: „Fürchte dich nicht, denn Ich bin bei dir; weiche nicht, denn Ich bin dein Gott: Ich stärke dich nnd helfe dir, und die Rechte meines Gerechten hält dich." Darum rufeich mit dem Apostel: Ich verzage nicht. Oder hat der Herr sich nur an seinen Aposteln groß und herrlich bezeugt und haben mit ihnen die Wunder seiner Gnade in der Kirche ausgehört? Blicket, ich bitte Euch, in den weiteren Verlauf ihrer Geschichte und hört was Tertullian sagt, der sich am Ende des zweiten Jahrhunderts zum Christenthum bekehrte: Wir „sind von gestern" schreibt er in seiner Apologie, „nnd schon erfüllen wir AlleS: Eure Städte, Inseln, Burgen, eure Frciorte, Versammlungen, Feldlager, eure Tnbus und Dekurien, den kaiserlichen Palast, den Senat, das Forum; nur eure Tempel besuchen wir nicht. Das Blut der Märtyrer" — sagt er weiter — „ist der Samen der Christen. Je öfter man unö, gleich einer Ernte, abschneidet, desto mehr nehmen wir zu?" Betrachtet sodann den Weg der Kirche in spätern Jahrhunderlen. Immer leiden, immer kämpfen und immer siegen — ist ihr LooS. „So lange sie hier in der Fremde wandelt," spricht der heilige Augustin, „geht ihre Laufbahn stets zwischen den Verfolgungen der Welt auf der einen und deu Tröstungen Gottes auf der andern Seile dnrch alle Zeilfolgen bis an das Ende der Welt." Ruhen äußere Verfolgungen, so drohen ihr größere Gefahren durch innere Erschütterungen. Hat sie nicht an Aergernisse» zu leiden, so dringen die Pfeile des Unglaubens auf sie ein. Erhebt der Hochmuth falscher Wissen, schafr sich nicht wiver sie, so muß sie um ihre äußersten Lebensrechte streiten. Sie ist im Kampfe alt worden, aber das Alter hat sie nicht schwach gemacht. Ihr Angesicht ist mit Narben bedeckt, aber die Narben haben ihre Würde erhöht. Sie ist ihrer Reichthümer beranbt worden und die Armen weinen darum, sie selbst aber fühlt sich noch eben so reich als in den Tagen ihres Besitzes. Ihr Glanz ist verdunkelt, ihr Einfluß geschmälert, ihre Wirksamkeit durch künstliche Schranken beengt worden, und das hat die Folgen gehabt, an denen wir jetzt leiden; sie selbst aber segnet fort, wie sie kann und schaffet Heil überall, wo' sie Herzen dafür findet. Ihr sichtbares Oberhaupt ist mehr als einmal ans seinem rechtmäßigen Erbe vertrieben, aber seine Vaterstimme aus der Verbannung mit derselben Ehrfurcht gehört worden, als von den Hohen des Vatikans. Nicht Foltern, nicht Scheiterhaufen, nicht wilde Thiere allein, auch Philosophen, Redner, Dichter, Politiker haben sie zu überwinden gesucht, aber sie sind abgetreten von ihrem Schauplatze und die Kirche ist geblieben. Ihr Ende ist verkündet, ihr Grabgeläutc angestimmt, ihre letzte Slunde mit Zuversicht erwartet worden, aber sie überleb! alle ihre Feinde. Viele kräftige Staaiskörper, viele mächtige Regentenhäuser, viele blühende Völker und Nationen sind an ihr vorübergegangen; sie aber steht noch eben so kräftig und fruchtbar da, als in den Zeiten ihrer Jugend und nach achtzehn Jahrhuuderlen zeigt sie uns noch dasselbe ruhige erhabene Antlitz, in dessen Augen wir wohl Thränen sehen können über die Verblendung der Menschen, aber keine Furcht vor den Gewalten der Welt. In dieser Kirche Dienste stehe ich, für dieser Kirche Sache arbeite ich, dieser Kirche Bischof zu seyn in Eurer Mitte bln ich berufen: werde ich bangen, wenn die Wolken trübe und drohend um mein Haupt sich sammeln? Und gälte es in solcher Aufgabe daS Leben einzusetzen: „Wer sein Leben also verliert, der wird gewinnen" — spricht der Herr, darum wiederhole ich des Apostels Wort: Ich verzage nicht. 365 Und fehlen etwa in der Gegenwart die Zeichen und Wunder, durch welche sich der Herr verherrlichet an seiner heiligen Sache? Geliebte Mitpriester und Diöcesanen! denkt an den Zustand der Kirche vor wenigen Jahrzehnten und Ihr müsset gestehen: die Ketzerei unserer Zeit, der Irrthum unseres Jahrhunderts, die heillose Vermischung der Wahrheit und der Lüge, mit einem Worte, der Jndisferentismns, welcher hinter dem schönen Namen christlicher Duldsamkeil die allerkläglichste Gleichgiltigkeit gegen die Religion verbirgt und zu dem sichern Tode alles Glaubens und alles Cultes führt, hatte sein Sumpfwasser auch über unsere Provinz ausgegossen und frisches kirchliches Leben gelähmt. Alles, Erziehung und Unterricht, Beispiel und Presse, Katheder uud Kanzeln arbeiteten dafür. Bereits galt die Kirche für ganze Schichten und Stande der Gesellschaft nur noch als eine Anstalt, die man eben duldete, gewisse Bräuche eines ehrwürdigen christlichen Herkommens durch sie abthun zu lassen; als eine Administration für pomphafte Leichenbegängnisse uud Feierlichkeiten; als eine erkäusliche Dieiurin, die gegen baare Erkenntlichkeit Allen zu Dienst sey, während sie jede Aeußerung der Selbstständigkett und des eigenen Lebens als ein Verbrechen gegen die allgemeine Ordnung' büßen mußte. Schon sollte die letzte Hand an das Werk gelegt werde«, da sprach der Allmächtige sein: bis Hieher und nicht weiter! Und siehe, in der Zeit allgemeiner Verwirrung und Auflösung erhob die Braut Christi ruhig ihr Haupt, sammelte ihre Kinder um ihre Fahne, das Kreuz; wieß Blicke und Herzeu ihrer Gläubigen aus dem Meere der Vereitlung und sinnlichen Betäubung zum Himmel hinauf; rief ihre Bischöse zur Berathung dessen, was Noth thut, nach Würzburg und Wien; erkrästigte ihre Priester in dem geistigen Bade heiliger Uebungen uud gemeinsamer Andachten; entsendete ihre Missionäre durch die Länder und stiftete zahlreiche Congreganonen, die, wie durch ein Wunder erzeugt, den Heldenmull) deS Glaubens in die erschlafften Herzen zurückriefen. Man haßt sie, aber nur darum, weil man sie nicht gering achten kann. Man verfolgt sie, aber nur darum, weil man sie fürchten muß. Mau verleumdet sie, aber nur darum, weil man sie nicht zu besiegen vermag. Man bekämpft sie in dem alten Geiste, der bequeme Vorurthcile nie verlernt und unbequeme Wahrheiten nie erlernt und dem alle, auch die abgebrauchtesten Waffen, recht sind. Man tadelt ihre Einrichtungen, Uebungen und Gesetze und ahmt sie doch nach. Und siehe, mitten in diesen Erscheinungen erhebt eine geläuterte Wissenschaft ihre Stimme für die verkannte Krcuzträgerin; ersteht eine christliche Kunst, würdig der Zeiten ihrer reinsten Blüthe; offenbart sich eine Frömmigkeit, die nie aufrichtiger war, weil sie nie mehr versucht wurde, zeigt sich von vielen Seiten ein Opfersinn, der, weil er über der Welt seinen Quell hat, von den Täuschungen der Welt nicht erreicht und'irre geführt wird; trennen sich endlich die Gegensätze in der Gesellschaft, uud während der eine Theil in der Verbleudung des HochmulheS und der Sinnlichkeit alle irdischen Mittel in Anspruch nimmt, alle irdischen Besitzthümer an sich reißt, alle irdische Macht zu Hilfe ruft, zieht sich der andere demüthig zurück in daS geistige Gebier des Glaubens und sammelt sich um die verlassenen Altäre seiner Väter. Die Zeit naht schnellen Schrittes, da Alle sich entscheiden müssen, für oder wider Christum, für oder wider seine Kirche und der lang bereitete, lang geahnte, kaum mehr abzuwendende Kampf beginnt, aus welchem eine neue Periode in der Weltgeschichte sich entwickeln wird. Ich weiß eS, dieser Kampf wird schwer, wird gewaltig seyn — eine Bußtaufe vielleicht für die Sünden unserer Väter und für die eigenen Sünden; aber ich weiß auch, daß das letzte Ziel der göttlichen Weltregierung bei.Allem, was ge-- schieht, die Verherrlichung der Kirche ist, und daß der Herr jetzt, wie einst sich „seine siebenlausend Mann übrig läßt, die ihre Kniee vor dem Baal nicht gebeugt haben uud beugen werden.« Darum ergreife ich mit christlichem Muthe meinen Hirtenstab und setze ihn ans den Fels, der da ist Christus, und bin deß getrost und sicher, daß dieser Grund nicht weicht und wankt und rufe mit dem Apostel: Ich verzage nicht! Ja, geliebte Priester und Diöcesancn! die Zeit ist drohend und schwere Wetter« Wolken lagern ringsumher, so daß mit ernstem und besonnenem Sinn Niemand ohne Bangen in die kommenden Tage blicken kann. Aber die Zeit ist auch reich an Zeichen, 356 die recht augenfällig verkünden, daß „Der, dem alle Gewalt gegeben ist im Himmel und auf Erden," und Der da „herrschen mnß, bis Er'alle seine Feinde unter seine Füße lege," über seiner Kirche wacht und über ihren Getreuen; und daß es ein wahres und wahrhaftiges Wort ist, das der heilige Augnstin gesprochen: „die Welt ist einmal Christo nnterworfen, aber nicht durch vaS Eisen, sondern durch das Wort und das Kreuz." Wollt ihr nun bestehen in dieser Zeit und dem Kampfe, durch den sie Euch fuhrt, so weiß ich Euch eine bessere Mahnung'nicht zu geben als, welche die Kirche Euch täglich von ihren Altären zuruft: Sursum vor6»! Auswärts die Herzen! Immer ist sie das LoosungSwort der Christen gewesen auf dem Wege durch die Wüste in das gelobte Land; wann sollte sie es mehr seyn als in einer Zeit, in welcher Alles daran arbeitet, die Blicke und Herzen der Sterblichen niederzuziehen in den Ltaub der Erde. Auswärts die Herzen! r.ufe ich Euch darum zu, Ihr Priester, die Ihr nicht nur selbst den Weg wandeln sollt, der auS der Tiefe in die Höhe geht, die Ihr berufen seyd, ihn auch Andere zn fuhren. Denn Ihr liabr eS auf Euch genommen: das Werk eines Gottes auf Erden fortzusetzen; das Kreuz Christi eben so durch Euer Leben als dnrch Euer Wort leuchten zn machen und unter dem doppelten Einfluß einer göttlichen Gnade und einer heiligen Wissenschaft den Tcmpelbau deS Allerhöchsten in der Menschheit herzurichten. Ihr habr eS auf Euch genommen: selbst schwach,- allcn Schwächen zu entsagen; im Fleische geboren, ein geistiges Leben zu fuhren; dem schwersten Gerichte unterworfen, Andere im Namen GotteS zu richten und zu binden und zn lösen. Ihr habt es auf Euch genommen: von Leidenschaften ringS umgeben, keine Leidenschaft zu theilen und vom Unglaube» verspottet, vom Hochmuth verachtet, von der Unduldsamkeit verfolgt, der Welt daö Vorbild eines Gerechten zu zeigen, d?r das Gute thur, daö Böse hindert, die Beleidigungen verzeiht, die Bedrückten erleichtert, die Bekümmerten lröst/t, die Schwachen stützt, die Sünder bekehrt. Welch eine Aufgabe! Dreimal Heil Allen, die sie vollbringen. Dreimal Wehe Allen, die Andern, statt znr Erhebung, zum Falle werden. Darum hinweg auS dem Heiligthume mit allem Aergernisse, mit aller Selbstsucht, mit allem eitlen und halben Wesen. Gott allein und seiner heiligen Sache gehöre Eure Liebe, Eure Kraft, Euer Leben. Aufwärts die Herzen! rnse ich Dir zu, Adel von Schlesien: denn Dein Beruf ist eö, Dich zu schaaren — wie um den Thron, so um den Altar; zu stehen eine feste Mauer um Beide, und zn leuchten ein undurchdringlicher Schild der Gerechtigkeit nnd Treue. Nuu sehe ich wohl, wie Du Dich sammelst und drängest um Deinen Kaiser und Herrn, und ich preise Gott dafür; aber stehest Du eben so treu und eifiig zu dem Oberhaupte Deiner Kirche? Ich finde Deine Sohne wohl in den Reihen des HecrcS, und mein Herz freut sich daran; aber darf ich sie auch suchen unter den Dienerndes AllarS? Du schaffst und sorgst viel und emsig um das Wachsthum eines irdischen Reiches, aber bist Du mich eben so lhätig für die Zunahme des Reiches Jesu Christi? Blicke zurück in die Geschichte unserer Diöcese: wie viele edle Kirchcn- sürsten, wie viele fromme Priester sind anS Deinen alten Stämmen hervorgegangen. Schaue hinaus auf die vaterländischen Fluren und siehe die Thürme der Gotteshäuser auS den Flecken und Dörfern sich erheben, Deine Urväter haben sie gebaut zur Ehre des Herrn. Noch ist daö Land auf den Höhen und in den Tiefen bedeckt mit den Denkmalen ihrer Frömmigkeit. Welteiferst Dn mit Deinen Ahnen? Ach, wir dürfen und können eS uns nicht verbergen, wie, als die Apostel deö Unglaubens den sieben-- armigcn Leuchter im Heiliglhume zerbrochen und an seine Stelle die Grubenlampe ihrer eigenen befangenen Vernunft gestellt, ihr falscher Schimmer zuerst in die Höben der Gesellschaft drang und bort Augen und Herzen verblendete, daß sie nicht mehr schauten daS helle Licht des Evangeliums Jesu Christi. Erst von dort senkte sich der verlockende Glanz in die Tiefen und dörrte die einst so fruchtbaren Thäler aus zu den öven Steppen und wafserloscn Wüsteneien. Jetzt, mit Dank zn Gott sey eS bekannt, jetzt wird eS' wieder, rein und klar auf den Berggipfeln und die Sterne des Himmels werden von Neuem sichtbar. Gibt cö nun wohl eintheiligere Pflicht für die Bewohner t 357 ver Höhen, als, so viel an ihnen liegt, die Leuchte des Glaubens in die Tiefen tragen und ihr HeiiSlicht ausbreiten zu helfen durch Beispiel und alle auch noch so schweren Opfer? Aufwärts die Herzen! Ihr Träger der Wissenschaft, ihr Lehrer des Volkes! eine falsche Wissenschaft ist eS gewesen, eine Wissenschaft ohne Gott und ohne Kirche, welche in Millionen Gemüthern daS Christenthum zerstört, die Tugend des Herzens vernichtet und Alles den Vergnügungen der Sinne, deS Gedächtnisses und deö Geistes geopfert hat. Eine rechte, eine vom Geiste Gottes geweihele Wissenschaft muß den Tempel deS Glaubens, der Tugend, der Ordnung wiever herstellen helfen. Man hat unser Jahrhundert das lichtvolle genannt, und wahr ist: es hat den Kreis menschlicher Kenntnisse erweitert; es hat die Natur in ihren geheimnißvollen Werkstätten belauscht; eö hat auf Alles, was sichtbar ist, seine Forschungen ausgedehnt. Aber cS hat über ven Forschungen in dem Sichtbaren den Blick für die Gestalten deS Himmels verloren; eS hat über den Erfindungen, mit denen eö das Erdenleben verschönert, die Tugenden vcS HerzenS verlernt; eS hat über den Eroberungen in der Zeit und für die Zeit die Güter der Ewigkeit eingebüßt. Und doch eilt das Leben i ren ernsten Entscheidungen entgegen mit jedem Augenblicke, und kein Strahl all Eures gerühmten Wissens vermag die Nacht deS Grabes zu erhellen und in einer Welt der Unsterblichkeit — der Tugend ihren Lohn, der Sünde ihre Strafe, der heißen Sehnsucht deS menschlichen HerzenS das würdige Ziel nachzuweisen, ohne welches unser Leben zum schauerlichen Räthsel wird. Darum suchet unv forschet, aber an der Hand der Kirche und ihres göttlich verbürgten Glaubens: nur wo Glauben und Wissen sich durchdringen, erwächst die wahre Weisheit; denn die Religion ist, wie der ehrwürdige Bako sagt, „das Aroma, ohne welches die Wissenschaft faul ist." Aufwärts die Herzen! Ihr Beamteten, Ihr Wohlhabenden, Ihr Satten! Vergesset nicht, daß Euer irdisches Tagwerk Euch eine Schule für den Himmel, daß Euer vergänglicher Besitz Euch Mittel seyn soll zur Erreichung bleibender Güter, daß Eure Ehre vor den Menschen keinen Werth hat ohne Tugend, daß Ihr zu GotteS Hauöhällern auf Erden berufen seyd. Hinweg mit dem alten Liede, das lange genug gesungen worden ist: „Die Religion ist gut für die Weiber, für die Kinder, für die Armen an Geist und Gut, die in ihrer Verlassenheit nach einer Stütze verlangen. Die Uebungen der Andacht, der Empfang der Sakramente, die Heilighaltung deS Sonntags, die Gebete der Kirche sind Gängelbänder für die Massen." Ihr zerstört vamit Euer eigenes Heil und daö Heil deS Volkes. Ihr untergrabt damit den Grund der Gesetze und öffnet jeder Zügcllosigleii die Thore. Ihr werdet dadurch Empörer der allcrschlechtesten Art. Denn Euer Beispiel baut den Glauben auf oder zerstört ihn. Euer Vorbild lehrt Gehorsam oder Auflehnung. Euer Weg wird die Richtschnur für Viele. Eure Liebe und Demulh r ersöhnt die Unterschiede in der Gesellschaft, unv Euer Stolz und Eure Härte höhlt die Tiefen auö, welche die Herzen trennen und verbittern. Glaubt eS und zweifelt nicht, der CommuuiSmuö ist nicht todt, der eigentliche Grund seiner Bewegungen ist unberührt geblieben, weil keine äußere Gewalt «siruudsätze tödlel und lövten kann/ Davon, wie Ihr die Kirche ehrt, wie Ihr mit der Kirche wirkt, wie Ihr die Kirche ihre Segnungen entfalten lasset, wird eS abhängen, ob wir auf dem unterwühlten Boden, aus dem wir stehen, noch etwas zu hoffen oder Alles zu fürchten haben. Aufwärts die Herzen! Ihr Handwerker und Landbebauer! Die Zeit ist noch nicht so lang her, da Einfalt des Glaubens und kindliche Frömmigkeit das kostbare krblheil Eures Standes waren, da auch unter der Last der Mühen Euer Blick nach Oben ging, und das schweißbcdcckte Angesicht den Stempel Eurer Gottberusen- heit trug. l^aS war die Zeü: da Ihr sechs Tage der Arbeit und den siebenten Gott gabt, da Eure Werkstätten wiederhallten von frommen Liedern; da Eure Aecker Zeugen deS Gebetes waren, mit welchem Ihr den Samen ausstreutet und die Gaben sammeltet; da Meister und Gesell eine Familie bildeten, und Arbeit, Gottesdienst und Erholung theilten; da der Bauer seinen Knecht nicht nur fragte- hast du einen starken 388 Arm? sondern auch: hast du ein gotteöfürchtigeS Herz? Damal hatte das Handwerk einen goldenen Boden, und der Acker war die Brodkammcr, ans welcher die Väter sich gesättigt hatten und welche auf Kind und KindeSkinder sich vererbte. Ist eS besser mit Euch worden und seyd Ihr glücklicher, seit die Einfalt dcS Glaubens und der Sitten aus Eurer Mitte entschwunden und oaö neue Losungswort: Licht, Freiheit und Gleichheit in Eure Hütten und Herzen gedrungen ist? seil der Spott wider das Heilige und der Fluch in Euren Werkstätten widertönen? feit Ihr ohne Aufblick zu Gott Eure Saat bestellt und Eure Ernten heimfuhrt? seit der Meister seine Gehilfen wohl fragt: wie arbeitest, aber nicht: wie lebst dn? seit der Landmauu seinen Knecht wohl auf den Acker, aber nicht in die Kirche schickt? Sehet, die Treue ist geschwunden auS dem Verkehre, und mit ihr Vertrauen und Verlaß, und der Friede ist geschwunden aus den Herzen und mit ihm Harmlosigkeit und Freude; und die Nüchternheit ist geschwunden. auS dem Leben, uud mit ihr Kraft und Wohlthätigkeit. Darum kehret um auf die verlassenen Pfaoe der Frömmigkeit, und achtet auf Diejenigen auS Eurer Mitte, deren Beispiel Euch au die Väter erinnert, welche der Kirche Stolz und des Landes Mark waren. (Schluß folgt,) Nordamerika. Die Nuudreife des apostolischen Nuntius, Erzbischofs Mous. Bedini, während der Monate August und September in den »vrdamerikanischcn Btsitzungen Großbritanniens hat der Bevölkerung Kanadas zu den freudigsten, vom wärmsten GlaubcnSciscr erfüllte» Demonstrationen Anlaß gegeben. Aller Orten wurde der Rcpräsculant des heuigen VatcrS mit ehrfurchtsvoller und doch enthusiastischer Zuvorkommenheit empfangen unv die Blätter „Montreals", „Q-mbecö" ?c., füllen ihre Spalten mit Schilderungen dieser EmpfaugSfeicrlichkeilcn So waren in Quebec, bei dem ersten Lever deö Kirchensürstcn, der bei diesem Anlasse nebst dem reich in Diamanten gefaßten Kreuze - eine österreichische Ordensdekoration trug, die vornehmsten Prälaten Kanadas, zu denen sich der hochwürdigste Erzbischof von New-York, Monsignor Huzhö, gesellt halte und die Notabilitäten der Stavt anwesend. Monsignor Bedini sagte bei diesem Anlasse, daß er sich durch den Empfang, der ihm in Quebec zu Theil geworden, ungemein geschmeichelt fühle, daß er innigst gerührt sey, in einer so großen Entfernung jenseits der Meere ein so wahrhast katholisches Volk und so wahrhaft katholische Gesittung zu fittdeu; es gereiche ihm zu großer Freudigkeit und wahrhaftem Troste, die angesehensten Bürger der Stadt versammelt zu sehen und ihnen ausdrücken zu können, wie dankbar er für die ihm erwiesene Aufmerksamkeit sey; eS mache ihn gewissermaßen stolz, der erste Repräsentant deö heilige» Stuhles zu seyn, der je Kanada besucht habe und nie werde er das daselbst Beobachtete vergessen können; eS sey ihm ein sicheres Unterpfand, daß die Kanadier sich stets der Justiintionen würdig erweisen würden, aus denen ihr Glück beruhe. Nachdem der hochwürdigste Erzbischos von Quebec in entsprechender Weise geantwortet halte, knieete die Versammlung nieder, um den apostolischen Segen zu empfangen. In der Entgegnung auf die Ansprache des Herrn Eauchon, eines Journalisten, der im Namen der Katholiken Quebecs daö Wort ergriff, um den freudigen, durch die Anwesenheit eines Repräsentanten deS heiligen Vaters hcivorgerufcnen Empfindungen den gebührenden Ausdruck zu verleihe» und einiger Spaltungen zu erwähnen, die sich in jüngster Zeit im Schooße der verschiedenen Eonfessionen angehörenden Bevölkerung ergeben halten, bemerkte der Kirchenfürst, daß Katholiken in socialen Beziehungen eS ihren Brüdern an Duldung unv christlicher Liebe stets zuvor thun müßten, um sie so möglicherweise wieder leichter in den Schooß der heiligen Kirche zurückzuführen. Im Dogma aber sey die Kirche intolerant und werde es stets seyn. Ihre 359 Lehre habe sich in allen Zeitaltern bewährt. Die Anhänglichkeit eines Repräsentanten der Presse an den heiligen Stuhl sey anerkennenswert!). Die Presse sey ein mächtiger Hebel und könne unter gehöriger Leitung des Guten Vieles stiften. In gleicher Weise wurde die Anwesenheit deS hochwürdigsten Prälaten in Montreal gefeiert; die katholische Bevölkerung daselbst überreichte ihm unter anderm eine Adresse, in der sie ihre Anhänglichkeit an die Kirche im Allgemeinen und ihre warme Anerkennung der großen Verdienste des päpstlichen Nuntius insbesondere auSsprach. Ju dem Dorfe Lougueuil, wo die Anwesenheit deS Monsignor Bedini einem jungen Mädchen Anlaß zur Rückkehr in den Schooß der katholischen Kirche gab, hatte Dr. Davignon, Maire des Ortes, nachstehende Ansprache an den Repräsentanten deS heiligen Vaters gerichtet: „An Se. Erc. Monsignor Gaetano Bedini, Erzbischof von Theben, apostolischen Nuntius in Brasiliien, außerordentlichen Gesandten an die Regierung der Vereinigten Staaten :c. ?c. :c. Monsignor! Die Kunde JhreS Besuches hat uns mit der Empfindung wahrhaft en Glückes erfüllt. Wir sind stolz darauf, den ersten Gesandten Seiner Heiligkeit, der je Kanada besucht hat, einige Augenblicke lang in unserer Mitte zu besitzen. Wir bringen Ihnen dafür unsern aufrichtigsten Dank dar uad betrachten den heutigen Tag als einen der glücklichsten, den nnS die göttliche Vorsehung jemals gewährt hat. Ihr Besuch ist uns eine verjüngende Quelle, in welcher unsere unverletzliche Anhänglichkeit an den Glauben, den wir als das kostbarste Erbtheil unserer Väter bewahren, nenervingS erstarken wird. Indem wir Ihnen unsere Ehrfurcht bezeugen, glauben wir fast, sie Sr. Heiligkeit selbst kund zu geben. Wenn Sie nach Erfüllung der hohen Mission, der wir die Ehre Ihres Besuches verdanken, zu Sr, Heiligkeit zurückkehren,-so sagen Sie dem heiligen Vater gütigst, Sie hätten in Kanada eine kleine, in Mitte der Wälder fast Verlorne, aber ihm sehr ergebene Schaar seiner zahlreichen Kinoer gesehen. Diese Kinder hatten Theilnahme für die Schmerzen, mit denen die jüngsten Jahre ihn überhäuften, sie haben heiße Gebete für ihn zum Allmächtigen emporgescndet, und obwohl daS Unwetter noch zu drohen scheint, so haben sie doch die feste Zuversicht, ihu glorreich aus dem Kampfe hervorgehen zu sehen. Oft schon ist das Schifflein Petri vom Slurme hin und her geworfen worden und stets ist es neu gestärkt und gewissermaßen verjüngt aus dem Sturme hervorgegangen; das Ungewilter ist sein Element; der, welcher es steuert, vermag den Winden zu befehlen, daß sie ruhen, sobald es Zeit ist; demnach haben wir nichts zu fürchten, denn wir wissen, daß der Fels unerschütterlich ist, auf welchem die ewige Stadt ruht und daß alle Hindernisse jederzeit an ihm zerschellen werden. Bei der Trennung von Ihnen wünschen wir, daß der Himmel Ihnen eine glückliche Rückkehr verleihe, daß er Ihre edle Mission znr Verherrlichung der Religion und zum Wohle der Völker seguen möge." In der Entgegnung auf diese Adresse bemerkte der päpstliche Nuntius, wie tief er es empfinde, in so feierlicher Weise empfangen worden zu seyn, wie sehr er wünsche, den heiligen Vater baldigst von den so entsprechen» ausgedrückten Gefühlen der Bevölkerung LvngueuilS in Kenntniß setzen zu können; es seyen diese Gefühle ein Beweis mehr für den ausgezeichnet katholischen Charakter der Kanadischen Bevölkerung. So wie in den genannten Orten, so hatten auch in Saint Vincent dc Paul, iu Sault au Röcolet, Sault Saint Louis und Bytown die Municipalitäten sowohl, als die von ihnen repräseniirten Bevölkerungen das Aeußerste gethan, um den Nuntius mit ehrenden Demonstrationen aller Art aufS Feierlichste zu empfangen. Eben so war zu gleichem Zwecke in Saint-Hyacinthe Alles aufgeboten worden. Aus dem Wege, den Monsignor Bedini von der Eisenbahn, wo ihn die geistlichen und weltlichen Würdenträger des OrteS empfangen hatten, bis zur Kirche zurücklegen mußte, kniete eine unabsehbare Menge Landvolkes, um den apostolischen Segen zu empfangen. 360 Das neue Kollegium deS OrteS sollte an diesem Tage (8. September) inaugun'rt und drei Geistlichen die priesterliche Weihe ertheilt werden. Alle D'öcesen Kanadas waren bei der Ertheilnng, die Se. Erc. der Herr NnntinS selbst vornahm, repräsentirt, und nie zuvor hatte man je Gelegenbeir gehabt, in Kanada eine so große Anzahl von Priestern vereinigt zu sehen. Nachdem der hochwiirdigstc Bischof von Samt Hyacinthe die hohe Bedeutung des TageS in würdevoller Weise beleuchtet und den NnntinS um den apostolischen Segen für die Diöcese und das gesammte Kanada gebeten hatte, entgegnete dieser unter anderm Folgendes: „Ich kann Euch sagen, geliebte Brüder, daß Euer Land, nach dem. was ich in Kanada gesehen, kein anderes Land aus Erden zu beneiden nöthig hat, und ich finde keine Worte, um die Freude auszudrücken, die mir ein so wohlwollender Empfang in solcher Ferne von meinem Vaterlande verursacht. Deutlich ist hieraus ersichtlich, daß Ihr den eigentlichen Geist des Katholicismus begriffen habt, veralte seine Angehörigen in Banden vereint, welche die Entfernung weder zu zerreißen, noch zu schwächen vermag. Trennt uuS die Entfernung, so sind wir doch durch Gemü h und Gesinnung vereinigt. Eure Ehrfurcht vor den Autoritäten der Kirche ist serner ein Beweis, daß Ihr Eure Gedanken und Eure Anhänglichkeit aus das eigentliche Centrum deS Glaubens nnd wahren Glückes zu übertrage» versteht. Ich weiß Euch Dank für den vorzugsweise katholischen Geist, der euch hier vereint. Wie glücklich wird der heil. Vater seyn, wenn er Eure Anhänglichkeil für ihn und die katholische Einheit erfährt! Nie werde ich meiue Reise durch Kanada vergessen. So unwürdig ich auch bin, Seine Heiligkeit hier zn repräsentiren, so hat man doch in allen Gegenden des Landes ge- weitcifert, mich mit Eifer und Ehrfurcht zn empfangen. Ueberall habe ich Eure Bevölkerung, Euern Klerus, Eure Kinder, Eure anerkennenswerthen zahlreichen Institute für Erziehung und Wohlthätigkeit gesegnet." Eine Rede deS hochwürdigen Vorstandes deö neue» Collegiums, des Herrn Raymond, wurde von Monsignor Bedini mit wahrhast apostolischer Bereotsamkeit dahin erwiedert, daß jede sociale Ordnung ihren Ursprung einzig und allein in religiösen Ideen habe, daß daS Glück der einzelnen Individuen wie das der Völker von Goti komme, daß jeder Versuch, diese ewigen Gesetze der menschlichen Gesellschaften.umzustürzen, nnr zur Anarchie, zum Elend, zur Entwürdigung führen müsse; aller Fortschritt sey in Gott nnd ohne ihn kehre man zur Barbarei zurück. Der Maire des Ortes überreichte Sr. Erc. eine Adresse, die in gleich erhebender Weise erwiedert wurde. Se. Erc. brachten einige Tage in Sainr Hyacinthe zu, um sich sodann über Porlland und Boston nach New-Aork zu begeben. T r i e n t. Trient, 2V. Okt. Gegen Ende vorigen Monats kam der edle Priester, Don Nicolo Olivieri, von Genua nach Trient, und ließ bei den hiesigen Nonnen zwei Neger-Mädchen zur Erziehung zurück. Er hatte sie auf den, Sclavenmarkte zu Cairo gekauft nnd ihnen die Freiheit geschenkt; und da er dann, für ihre Unterbringung und Erziehung besorgt, bei der Nächstenliebe anklopfte, nm einen passenden Ort für sie zu finden, wurde ihm in Tri»nt willig aufgethan. Von der Herkunst dieser Mädchen wußte der edle Mann weiter nichts, alö daß Beide in einem Alter von beiläufig acht Jahren stehen, und aus den» Innern Afrikas auf deu Sclavenmarkt zu Cairo gebracht worden seyen. Das eine derselben heißt Ahua, das andere Assa; beide sind schwarz und ächte Kinder des noch nncivilisitten Afrikas, wie manche Züge in ihrem Benehmen sattsam darthun. (Kath. Bl, a. Tirol.) Verantwortlicher Redacteur: L Schönchen. Verlags-Inhaber: F. E. Kremer. Dreizehnter Jahrgang. Sonntags-Beiblatt zur Augsburger Pojheitung. l3. November ^t«. 1853, Dieses Blatt erscheint regelmäßig alle Tonntage. Der lialbjährlge Abovvementsprei» 4tt kr., wofür «« durch alle königl. bayer. Postämter und alle Buchhandlungen bezogen werden kaun B r e s e i a. BreScia, 30. Oct. Der hochwürdigfte Herr Bischof von BreScia hat nach semer Rückkehr aus Rom einen Hirtenbrief an den KleruS und die Bevölkerung seiner Diöcese gerichtet, dem wir nachstehende Stellen entnehmen: . . , Unser Herz überfluthete von freudigen Gefühlen, als wir, Geliebteste, mit unserer auch eure Huldigung und die Betheucrungen unserer gemeinsamen kindlichen Ergebenheit und herzlichen Anhänglichkeit an den Mittelpunct der katholischen Einheit zu den Füßen des Stellvertreters Jesu Christi niederlegten. Auf diesem Bande der Einigkeit, Geliebteste, beruht die Hoffnung des Heües für Hirten und Heerde, da die Kirche Christi, von der das Heil erhofft werden kann, auf diesem Fundament begründet ist; ibr göttlicher Gründer sagte: auf diesen Fels werde ich meine Kirche bauen. Darum ist auch jede andere Gesellschaft, die nicht durch dieses Band zusammengehalten wird, eine Vereinigung voll Irrthümer, und alle Kirchen, die nicht auf der Basis deS Glaubens Petri aufgeführt sind, sind Tabernakel der Sünder. Geliebteste, wir werden in diesen trüben Zeiten nie aufhören, euch diese Wahrheit zu wiederholen, in diesen Zeiten, in welchen die Hölle mit allen ihren Ränken und Fallstricken dieses Band zu schwächen und zu sprengen sich bemüht, indem sie sich für sicher hält, eine Nation zu überwältigen und über sie zu triumphiren, sobald sie dieselbe vom Centrum der katholischen Einheit losgerissen hat. Geliebteste! Wer hätte wohl je geglaubt, daß Zeiten kommen werden, in denen die Hirten unserer Kirchen sorgsam und eifrig darüber wachen werden müssen, daß nicht der Glaube aus den Herzen der Gläubigen gerissen, daß nicht die Sohne der Kirche entfremdet werden, die von ihr nur Beweise der zärtlichsten Mutterliebe erhalten haben? Wahrlich, nie hätten wir auch nur zu argwohnen vermocht, daß sich solches in unserm so frommen Italien ergeben könnte, dessen schönster Schmuck und kostbarstes Erbtheil der katholische Glaube ist. Das aber, dessen Eintreten man mit Hilfe der göttlichen Güte nie erwartet hätte, ist, weil Gott eS so zuließ, eingetroffen, vielleicht, um die Gläubigkeit der Frommen zu beurkunden, vielleicht — was wir mit bitterm Schmerze sagen — der Züchlrguug unserer Sünden halber. Gott hat eS in unsern Ländern zugelassen, die der auserwählteste Antheil der Kirche sind, in denen eS Gott gefallen hat, jenen unerschütterlichen Thron der Wahrheit zu errichten, vor dem alle Völker der Erde sich in Ergebenheit in den Staub nieder strecken. Eine Propaganda, von der wir nicht wissen, wie zahlreich und ausgedehnt sie ist, bemüht sich mit allen Künsten der Gottlosigkeit in den uns benachbarten Staaten die Reihen der wahren Gläubigen, die da kämpfen unter der Standarte der katholischen Kirche, zn lichten und die Zahl jener Abtrünnigen zu vermehren, über welche die Braut Christi nun schon seit mehr als drei Jabrhunoerten bittere, überaus schmerzliche Thränen vergießt. Auch in unserm Lande sucht sie ihre Netze auszuwerfen, den 362 Unvorsichtigen Schlingen zu legen und Irrthümer und Schismen zu verbreiten, was auch den minder Scharfblickenden bereits wahrnehmbar geworden seyn muß. Nie zuvor hat man wie in unsern Tagen eine solche Fluth protestantische Bibeln hereinbrechen und gleich einem reißenden Strome unsere Provinzen überschwemmen gesehen; mit diesen Bibeln kamen Bücher aller Art und periodisch erscheinende Druckwerke, die in mehr oder weniger versteckter Weise das Gift des Jndifferentismus in NeligionSsachen einflößen, mit ihnen kamen serner alle Arten von Kupferstichen und Bildern, die der Scham Trotz bieten und zur Verhöhnung und Geringschätzung alles dessen anregen, was unsere allerheiligste Religion Geheiligtes hat. Nie znvor hat ein solches zur Schau tragen der Verachtung jener Gesetze stattgefundn!, kraft welcher die Kirche mit weiser Strenge den G.äubigcn heilsame Enthaltsamkeit vorschreibt, gefährliche Lectüre so untersagt, wie eine zärtliche Mutter giftige Stoffe von ihren Kindern fern hält. Fast unerhört war in früherer Zeit von christlicher Lippe die Lästerung: daß zum Seelenheil natürliche Rechlschaffenheit im Lebenswandel genüge und eS übrigens gleichgiltig sey, welchen Glauben der Mensch von Gott und dem künftigen Leben habe, daß die heiligen Institutionen der Kirche und die von ihr gutgeheißeneu religiösen Anordnungen veraltet seyen und außer Gebrauch kommen müssen, und was dergleichen Gottlosigkeiten mehr sind. Wenn in früherer Zeit irgend ein zügelloses Individuum dergleichen hören ließ, so waren Hunderte bereit, ihn zn widerlegen nnd zu beschämen; jetzt findet sich dagegen kaum vielleicht Einer, der sich vor Gott im Geiste darüber kränkt. Um euch vor der Gefahr zu schützen und im Glauben zu kräftigen, Geliebteste, gibt eS nur ein eben so sicheres als nothwendiges Mittel; gleich Söhnen au der Mutter so au der Kirche und ihrem sichtbaren Oberhaupte zu hängen, dem römischen Papste, der kraft göttlicher Mandate das Steuer des mystischen Schiffes handhabt, in welchem allein wir vor Schiffbruch gesichert sind. Was uns noth thut, ist, nach keinem andern Führer und keiner andern Lehre zu verlange« , als uach jener der Kirche, die da ist die Säule uud Feste der Wahrheit. Vou ihr allein sollen wir in unsern Zweifeln, unsern Bestrebungen und Forschungen uns Licht und Belehrung holen, als von einer unfehlbaren Lehrerin, zu der Gott gesagt hat- Wer ench hört, hört mich, wer euch verachtet, verachtet mich; wer aber mich verachtet, verachtet den, der mich gesandt hat. Laßt euch nicht durch die gottlosen Sophismen derjenigen verlocken, die ihre Empörung gegen die Kirche durch einen Appell an die heilige Schrift bemänteln. Ohne die unfehlbare Belehrung der Kirche ist dieses göttliche Buch nur ein todter Buchstabe, ein versiegeltes Buch, das, der Auslegung des Laien überlassen, zum Steine des Anstoßes und zur Veranlassung deS Ruins wird. Hat man in Wirklichkeit wohl je gehört, daß ein König ein Gesetzbuch Behufs der Regierung seiner Unterthanen gegeben und dann dessen Anwendung der Privateinsicht der Einzelnen überlassen hätte? Sagt selbst, müßte nicht, falls ein Gesetzgeber sich je eine solche Thorheit zu . Schulden kommen ließe,'das Gesetz aufhören, Norm für die friedliche Ausübung der gegenseitigen Rechte und der getreueu Pflichterfüllung zu seyn und dagegen Veranlassung zum verderblichsten Zank und Hader werden? Weun eS aber dergestalt mit einem von Menscheil gegebenen Gesetzbuchs das doch über das allgemeine Verständniß nicht weit hinausgeht, sich verhält, sobald eS der Auslegung der Unterthanen überlassen wird, wie wird es erst mit einem göttlichen Buche seyn, wie die Bibel ist, in welcher die von aller Ewigkeit her in Gott verschlossenen Geheimnisse enthüllt werden, in der eine Lehre gelehrt wird, welche so hoch über dem natürlichen Lichte der Vernunft steht, als die Weiechett Gottes die Kurzsichtigkeit des menschlichen Verstandes überragt? Es wäre thörichte Gottlosigkeit, anzuuehmen, daß Gott, die höchste Weisheit, durch welche die Könige regieren und die Gesetzgeber Recht sprechen, den Menschen habe ein Gesetzbuch geben wollen, damit dessen erhabene Vorschriften von Jedermann nach Gutdüukeu ausgelegt, dessen Mysterien durchgrübelt, dessen Anordnungen willkürlich zur Anwcndltng gebracht würden. Wenn es dahin kommt, daß man derlei, von Menschen, die sich als erleuchtet rühmen, vorgebrachten Widersprüchen Glauben 363 schenkt, so ist dieß nur ein demüthigender und furchtbarer Beweis der Entartung, zu welcher unsere menschliche Vernunft durch Leidenschaft gebracht wird, Oder steht nichl in demselben Buche, auf dessen Autorität man sich beruft, geschrieben, daß keine Prophezeiung der Schrift eigene Auslegung gestaltet? denn die heilige Schrift ist keine menschliche Erfindung, die heiligen Männer Gottes haben nur inspirirt vom heiligen Geiste gesprochen. Wer kennt aber nicht die bösartigen Künste solcher Verführer? Sie treibt nicht der Eifer für Wahrheit oder für die Bibel, wohl aber Haß gegen die christliche Religion, deren Ende in der Welt sie anstreben; daö höllische Werk dünkt ihnen aber ein Leichtes zu seyn, falls eö ihnen nur früher gelungen, die Völker gegen die unfehlbare Belehrung der Kirche aufzuwiegeln. Diese Schlußfolgerung, Geliebteste, ist keineswegs thöricht; ist nämlich einmal die Kirche verläugnet und die Glaubensnorm auf das bloße Buch der Schrift beschränkt, so ist auch die religiöse Anarchie bereits vollständig hergestellt. Außerdem, daß sich au einigen Stellen des göttlichen BucheS »ach Zcugenschaft des Apostel Petrus selbst „eiuige schwer verständliche Dinge finden, welche von den Unwissenden und Unbeständigen (wie eS auch mit den übrigen Schriften der Fall ist) zu ihrem eigenen Ruin verkehrt ausgelegt werden", .außerdem, daß nicht ÄllcS in der Bibel verzeichnet ist, was Gott den Menschen geoffenbart hat, wird eS, sobald einmal die unfehlbare Belehrung der Kirche verworfen ist, ihren Feinden ein Leichtes werden, die in den Händen deS Volkes befindliche heilige Schrift zn fälschen oder deren Sinn je nach den Leidenschaften zu entstellen oder ihres Ansehens und ihrer Anziehungskraft zn entkleiden und so den Menschen dahin zn bringen, daß iimi keine andere Führung dleibt, als die Eingebungen einer anmaßenden Vernunft, die für sich allein zu schwach ist, um die Leidenschaften des entarteten Herzens zügeln zu können. Gelicbtcfte! Euer Gemüth schauert vor solcher Ruchlosigkeit zurück; wir sind dessen gewiß. Euch ist der Glaube eurer Väter theuer, gleich eiuer kostbaren Erbschaft. Ihr habt uns immer Beweise kindlicher Anhänglichkeit an die allerheiligste Kirche Jesu Christi gegeben und darum hegen wir die Zuversicht, daß die Feinde derselben nichts gegen euch vermögen werden. Wir haben Seine Heiligkeit dessen versichert, als wir von euch, als von gehorsamen und ergebenen Söhnen sprachen. Ungcmein erfreut war sein väterliches Herz, als er von uns hörte, wie lebendig sich der Glaube in euch aus Anlaß der öffentlichen Gebete regte, zu denen wir euch in seinem Namen für die Kirche bei Gelegenheit der geheiligten Pastoralvisitation aufforderten. Geliedteste! In derselben Weise aber, in welcher der Feldherr, obwohl überzeugt von der Tapferkeit seiner Soldaten, wenn die Stunde der Schlacht angebrochen ist, nicht unterläßt, sie zum mulhigeu Kampfe anzuspornen, werden auch wir, obwohl freudig in der Hoffnung, daß euch der Herr stelS im Glauben und in der kindlichen Ergebenheit für seine Kirche stärken werde, da wir euch von tausend Fallstricken und Gefahren umgeben sehen, in jener Liebe, mit der wir euch als Söhne in Christo umfassen, euch mit dem Apostel ermähnen: „Wachet, seyd standhaft im Glauben, legt an die Rüstung Gottes, damit ihr bestehen könnet gegen die Fallstricke deS Satans, Damit ihr widerstehen könnet am Tage der Gefahr . . . deckt euch mit dem Schilde deS Glaubens, mit welchem ihr abstumpfen könnet alle brennenden Pfeile deS Bösen. . . Gott aber ist getreu; er wird euch stärke» und schützen vor dem Bösen. Wir setzen im Herrn in euch das Vertrauen, daß ihr thuu und ausführen werdet, was wir euch anordnen." Ehrwürdige Brüder und Mitarbeiter im Weinberge des Herrn! wiederholet öfter diese warmen Anempfehlungen des Apostels den eurer Obhut anbefohlenen Gläubigen. Vor Allem wachet unablässig, daß in dem euch zur Obsorge und Pflege anvertrauten evangelischen Acker nicht heimlich der Böse sich einschleiche, um den Samen des Unkrautes auszustreuen; hierunter verstehe ich die Emissäre jener Partei, die kein Mittel scheut, um die Völker zur Rebellion gegen die Kirche Christi und deren Oberhaupt zu reizen. Nächst Gott beruht unsere Hoffnung für die Unversehrtheit und daS Heil dieser unserer geliebtesten Diöcese auf euch. 364 Die Gnade unsers Herrn Jesu Christi sey mit euch Alle», zum Unterpfande dessen wir euch vom ganzen Herzen den Pastoralsegen spenden. Gegeben zu BrcScia in unserer bischöflichen Residenz am 20. October 1853. i Girolamo, Bischof. Hirtenbrief des Fürstbischofs von BreSlau. (Schluß.) Aufwärts die Herzen! Ihr Armen und Niedrigen, welche die Sorge weckt am Morgen und der Kummer begleitet am Abend. Wie auch könnte ich Eurer vergessen, denen der Herr zuerst das Evangelium gepredigt, deren Armuth Er geweiht dnrch seine Armuth; die Er das Kreuz tragen gelehrt durch sein Vorbild! Wie könnte ich Eurer vergessen, die den verlockenden Stimmen falscher Propheten am meisten ausgesetzt sind; die der finstere Geist der Empörung zuerst sammeln will um seine schwarze Fahne; denen er einen Himmel auf Erden verheißt, und dafür den Trost des Glaubens, den Frieden der Tugend und den ewigen Himmel raubt. O höret nicht auf seinen Lügenruf. Wer nicht mehr arbeiten will, verletzt das Gesetz der Liebe und der Freiheit. Wer schlecht arbeitet, übet Betrug und Ungerechtigkeit. Wer in wenigen Stunden den Erwerb ganzer Tage vergeudet, erschöpft die Wohlthaten der Mildthätigkeit und beraubt seinen Mitmenschen. Wer sich in seinem Elende von Gott wendet und von der Kirche, verschließt sich den besten Quell der Labung und macht die Wiederkehr jener schönen Tage der ersten Kirche unmöglich, von deren Kindern die Schrift sagt: „Es war kein Dürftiger unter ihnen." Erhebet Euren Sinn und Eure Hand nie wider-die Unterschiede des Standes und Besitzes: Ihr werdet sie nimmermehr aufheben, sondern Euch der letzten Zuflucht und Hilfe berauben. Streckt Eure Arme nie aus nach fremdem Eigenthum; eS wird Euch in Hand und Herz brennen bis zu dem Tage des Gerichtes. Blicket vielmehr mit kindlichem Vertrauen zu Dem auf, der auf Erden nicht hatte, wohin er sein Hanpl legen konnte, und doch „selig prieS die Armen, die Hungernden, die Dürstenden, die Weinenden und Trauernden," auf daß sich auch seine Verheißung an Euch bewähre: sie werden „gesätliget, getränkt, getröstet werden und das Himmelreich erben." Aufwärts die Herzen! Ihr christlichen Familien! Von Gott gegründet und von Gott geschlossen ist Euer Bund ein heiliger, ein unauflöslicher, daraus das Menschengeschlecht sich erneuert. Ju Eurer Mitte steht die Wiege des Sterblichen. In Eurem Schooße empfängt er die ersten Lehren von Gott und Unsterblichkeit. Unter Eurem Schutze und Unterrichte gewinnt er die ersten Kenntnisse seines edlen Ursprunges, seiner erhabenen Pflichten und seiner heiligen Bestimmung. Aber die Würde EnreS Bundes sank mit jedem Rütteln an seiner Unauflöslichkeit, und seine Heiligkeit entwich mit jedem Einflüsse, welchen man Fleisch und Blut, Ehrgeiz und Habsucht darauf einträumte. DaS Leben der Kirche zeichnete sich nicht mehr ab in dem Leben der Familie. Ein christliches Zeichen nach dem andern entschwand ans ihrer Mitte. Der häusliche Herd hörte auf, eine Stätte der Frömmigkeit, der Tugend, des Friedens und der liebsten Freuden zu seyn. Und doch ruht hier die Zukunft der Menschheit. Doch wird hier Segen oder Fluch ausgesäet für Kirche und Staat. Doch liegen hier die Keime von dem Wohle oder Wehe später noch unbekannter Geschlechter. O, daß Ihr doch erkennen möchtet und zwar in diesen Euren Tagen, was zu Eurem Frieden dient! Einst hatte die Kirche, ausgeschlossen van der politischen Gesellschaft, keine audcre Heimat auf Erden als die Familie; bald wird sie vielleicht ihre Zuflucht wieder dort suchen müssen, wo sie ihr erstes Asyl gefunden hat. Gatten, Väter und Mütter, ihr seyd Euch dem Christenihume schuldig; -es hat die Familie gegründet und die Familie geht mit ihm unter. Darum begreift Eure große Mission in dieser Zeit. Sammelt Euch mit den Enrigen wieder um den verödeten Hausaltar. Macht Eureu Kindern die Frömmigkeit ehrwürdig durch Euer Beispiel und lehret sie gehorsam an 365 der Hand der Kirche wandeln durch Euer Vorbild. Bewahret, ich bitte Euch, das heilige Feuer, das einst von der Familie ausgegangen ist über die abgöttische Welt, damit es nun aus Eurer Milte aufleuchte über eine von dem wahrhaftigen Gotte abgefallene Welt. Aufwärts die Herzen! rufe ich auch Euch zu, Ihr Krieger des HeereS! Denn der Weg der Waffen, ans welchen Euer Kaiser und Euer Vaterland Euch rufen, ist nicht nur cm Weg der Ehre vor den Menschen, er soll auch ein Weg der Ehre vor Gott seyn; und nicht nur iu den Kampf um zeitliche, sondern auch um ewige Güter soll er Euch führen. Warum stellten selbst die heidnischen Römer die Zeichen ihrer Götrerverehrnng an die Spitze ihrer Legionen? Warum trugen die Jsraeliten in ihren Schlachte» die eherne Schlange voran? Warum empfingen die christliche» Krieger in alter Zeit ihre Fahnen an dem Fuße der Altäre? Um sich daran zu erinnern, daß auch der Krieg eine SIrt Gottesdienst seyn soll; daß der Herr der Heerschaaren der Hcrr der Schlachten ist; daß jede wahre Tapferkeit in der Religion ihren Ursprung finde. Es gibt keinen traurigern Wahn, als den eines Soldaten, der sich überredet, mir dem Wesen eines Kriegers vertrage sich das Wesen der Frömmigkeit nicht, und die Tugend des Helden fty eine andere a!S die Tugend des Christen. Wer seinen Schwur bricht, den er im Taufbunde abgelegt, für dessen Fahneneid gibt es keine Bürgschaft. Wer keine Treue hat für seinen Gott, der hält auch nicht gelreu zu seinem Kaiser. Wer keine Liebe hat für die Kirche, dessen Liebe für daS Vaterland ist gar zweifelhafter Natur. Tapfer sollt Ihr seyn gegen die Feinde des Staates, aber der größten Tapferkeit bedarf es gegen die Feinde Eures ewigen Heiles. Rein und blank sollt Ihr Eure Waffen halten, ein schimmernd Rüstzeug für Gesetz und Ordnung, aber rein nnd blank muß auch Euer Gewissen seyn, daß Ihr frisch und fröhlich in den Kamps zieht, auch in den letzten, der Euch vor GotteS Thron führt. Hoch gelten soll Ench Euer Ruhm als Streiter eines sieggewohnten HeereS, am höchsten aber der Ruhm als GolteSstrcitcr sür ewige Triumphe. Aufwärts die Herz enl rufe ich auch Euch zu, Ihr Bürger des Staates, Ihr Unterthanen des Kaisers, Ihr Kinder eines Vaterlandes? „Es gibt keine Gewalt, a>S von Gott, und die, welche besteht, ist von Gott geordnet;" schreibt der hl. PauluS. „Wer sich demuach der obrigkeitlichen Gewalt widersetzt, der widersetzt sich der Anordnung Gottes, und die sich widersetzen, ziehen sich selbst Verdammniß zn." In diesem Worte ist beschlossen, was Ihr dem Kaiser, der von Ihm gesetzten Obrigkeit und der Ordnung des Staates schuldig seyd. Darum verschließt Euer Ohr denen, die verkehrten Geistes lehren, daß die obrigkeitliche Gewalt nicht von Oben, sondern von Unten komme, die Euch mit falschen und gehässigen Anklagen Eure Obrigkeit verdächtigen und eine Stimmung in Euch erzeugen und uuterhaiten, welche jede gedenkbare Art von Regierung unmöglich macht. Von Bürgersinn und Bürgerpflicht und Bürgerlreue wird in unsern Tagen viel geredet, auch geschrieben; und oft von denen am meisten, die in der Zeit der Gefahr gar keine Stimme vernehmen ließen und sich am kläglichsten erwiesen haoca. Auch Schein und Flitterwerk wird viel getrieben mit dem, was sie ihre Vaterlandsliebe nennen. Aber in prunkhaften Vereinen, in Zweckessen und Reden nnd Gelagen offenbart sich diese Liebe nicht, auch noch nicht in der Errichtung von Statuen und Ehrendenkmalcn. Aber darin zeigt sich Euer Patriotismus, daß Ihr Euren Kaiser liebet und getreu zu ihm haltet in Noth und Tod; daß Ihr Eure Obrigkeit ehrt in guten und schlimmen Tagen, und sür Gesetz und Ordnung eintretet auf jede Gefahr hin; daß Ihr immer und überall, auch wo eS Opfer, und die schwersten Opfer kostet, dem allgemeinen Wohle Euren persönlichen Vortheil nachsetzet imd — wie der heilige Augustin sagt: mit vollkommener Genauigkeit, „jedem gebet, was ihm gebührt: sey eS Ehre, sey es Vertrauen, sey es Achtung, sey eS Furcht, sey eS Trost, Warnung, Ermahnung, Tadel, Erhebung, Züchtigung; indem Ihr zeigt: daß dies AlleS'nicht Allen gebühre, wohl aber Allen die Liebe und Keinem ein Unrecht." Aufwärts die Herzen! rufe ich Euch zu, katholische Christen allzumal! 366 denn nur von Oben kommt uns die Hilfe und Gott allein ist unser Schutz und Schild. Von den Mächten der Welt verlassen, ihres reichen Eigenthumes bar, jedeS nationalen Einflusses ledig, hat die Kirche nur mehr ihre Wurzeln in dem Gewissen der Einzelnen, lebt sie an vielen Orten allein von den Almosen ihrer Kinder, und härtet sich in der Armuth und Verlassenheit, in dem Schweigen und Seufzen deS Gebetes für die schweren Kämpfe, die sie schon zu bestehen hat, und die schwereren, die ihrer warten. Wollt Ihr als ihre getreuen Kinder Euch bewähren: so zanket nicht und hadert nicht, wie sehr man Ench von vielen Seiten anch dazu herausforderte. Lasset Euch nicht erregen und erbittern, wie hart und schmerzlich Ihr Euch anch in Euren heiligsten Gefühlen und theuersten Besitzihümeru verkannt sehet. Lasset Euch aber auch nicht entmulhigeu und zaghaft machen, wenn schwere Heimsuchungen Eure Treue und Geduld prüfen und heiße Kämpfe und Opfer von Euch fordern. Ringet vielmehr darnach, täglich zu wachsen in der Erkenntniß des Glaubens und seiner göttlichen Wahrheit, welche unsere persönliche Würde und Beruhigung immer erheischt, die gegenwärtige Zeit aber gebieterisch fordert. Lasset Euch jeden Rath, jede Uebung, jedeS Gebot der Kirche wichtig seyn und lernet ihren Segen durch das Leben erproben, dann werdet Ihr inne werden: ob sie ans Gott sind, oder eitel Menschenwerk. Seh?t auf das Unsichtbare, nicht ans das Sichtbare, „denn das Sichtbare ist zeitlich, das Unsichtbare ewig. Wachet und achtet auf die Zeichen der Zeit und nehmt Euch das Verhalten der ersten Christen zum Muster, die, wie Ihr, von einer Welt umgeben waren, welche sich gegen den Glauben verschworen hatte, während sie selbst in ihren Grundfesten wankte und bald in Trümmer sank. Betet und erhebet Eure Herzen zu Gott früh und spät, für die Kirche nnd ihre Vorsteher, für den Kaiser und seine Regierung, für das eigene Heil und daS Heil alles Volkes, „denn das Gebet ist," wie der heil. Bonaventura sagt, „die Waffe der Christen. Wie der Krieger in seinen Waffen bleibt, so verharret der Christ im Gebete," bis der Kampf ausgekämpft ist und übergeht in den Sieg und die getreu erfunden sind bis ans Ende, um den Thrcn dtö Lammes versammelt, ihr Halleiuja singen im Chöre der Seligen. In diesem Hinblicke, Geliebteste! ende ich mein erstes Hirtenschreiben an Euch mit dem Worte, das eiust der heilige Gregor von Nazianz bei ähnlicher Veranlassung gesprochen: „Hier hast Du mich, o Vcrer! den gänzlich Ueberwundenen, mehr durch Christi Gesetz, als äußere Nöthigung Deiner Herrschaft unterworfen. Den Gehorsam bringe ich, gib den Segen. Führe mich mit Deinen Gebote», gehe voran mit Deinem Worte, stütze mich mit Deinem Geiste. Denn dcS Vaters Segen befestigt die Häuser der Söhne. Und o, daß wir befestiget würden, ich und dieses geistige Hauö, das ich mir erwählt habe, das ich mir zur Ruhestätte wünsche in die Ewigkeit der Ewigkeit, wenn ich hinausgehoben bin von dieser Kirche zur himmlischen und zu s.iner gefeierte» Schaar der CrstlingSblülhen, die in den Himmeln verzeichnet sind. Und dieß ist meine Bitte, eben so billig als geziemend: Der Gott dcö Friedens, der auö Beide» Eins gemacht, der uns einander geschenkt hat, der die Könige auf die Throne setzt, die Armen von der Erde erhöht nnd die Dürftigen aus dem Staube erhebt, der den David, seinen Diener, erwählte nnd von den Heerden hiuwegnahm, den jüngsten der Söhne Jesse'S, der zum Dienste des Evangeliums den Evangelisten das Wort verleiht mit großer Kraft: Er ftlbst möge halten unsere Rechte, nach seinem Willen uns führen und glorreiche Aufnahme bereiten. Er weide die Hirten und leite die Führer. Er verleihe Tugend uud Stärke seinem Volke und stelle sich dar eine glänzende Heerde, damit wir Alle, die Heerde und die Hiricn, in seinem Tempel Ihn verherrlichen in Christo Jesu, unserm Herrn, dem da sey jegliche Glorie in die Ewigkeit der Ewigkeiten. Seine Gnade sey mit Euch Allen. Amen. Gegeben Brcölau, am Feste des heiligen Lukas, dem Tag meiner feierlichen Cansekratwn, 1853. Heinrich. 367 Von den Ursachen der vielen unehelichen Kinder. f Die vorzüglichste Ursache der so vielen unehelichen Kinder ist der Mangel der Jugend an Bekehrung zu Gott, und der unwürdige Empfang der heiligen Communion, der dieselbe Bekehrung fodert, wie der Empfang der heiligen Taufe, die mau in den ersten christlichen Jahrhunderten ohne vorhergehende Lebensbesserung nicht ertheilte; daher man bei dem heiligen Angustin, als er krank war, die Taufe verschob, aus Besorgniß, daß er aus Maugel an entschiedener Bekehrung die Pflichten deS Tanf- bundes nicht erfüllen würde. Eine solche Entschiedenheit, Gott über Alles zu lieben und den Werken des Satans zu entsagen, erhalten unsere Werk- und FeiertagSschüler durch den Empfang der heiligen Sacramente gewöhnlich nicht. Der erhaltene christliche Unterricht gibt ihnen nur eine angelernte Religion. Daß durch Unterricht und durch die empfangenen heiligen Sacramente in ihnen keine wirkliche Bekehrung zu Christus bewirkt wird, sieht man an der jährlich zunehmenden Verschlimmernng der Sitten unserer Feiertagsschüler, besonders zur Zeit des Herkules am Scheidewege, wenn bei dem immer völligern Erwachen der bösen Neiguugeu die Welt ihnen ihre Freuden anbietet. Ohne Selbstkcnntniß des innern sittlichen Verderbens, zu der man selbst durch Missionspredigten uud Belehrung, ohne Kirchenzucht, da, wo die häusliche, wie fast allgemein, mangelt, selten gelangt, erfolgt keine wirkliche Bekehrnng und dankbare Liebe zn Jesus durch Erneuerung des TaufbundeS. Die hie und da gewöhnliche tSrneue- rung desselben bei der ersten heiligen Communion bewirkt dieß als Andachtsübnng so wenig, als das öftere Beichten vor dem Erwachen der archcboruen Neigungen zum Böseu. Wie wenig unsere Jünglinge uud Jungsrauen als Feiertagsschüler wirklich zu Christus bekehrt sind, Christum statt der Kleiverhoffarl und andern Weltfreuden lieben, zeigt sich besonders in den Pfarreien, wo Tugendbündnissc bestehen, welche durch ihre Satzungen zur Erfüllung der Pflichten deS TaufbundeS ermähnen, Gott aus ganzem Herzen zu liebeu, und der Kleiderhoffart, den Bekanntschaften, Spiel- und Tanzplätzen zu entsagen. Weil man dieß nicht will, tritt selten ein Feiertagsschüler in ein Tugendbündniß, der im 19ten oder Ldsten Jahre nicht wieder austritt. Wären unsere Söhne und Töchter, die von keinem Tngendbündnisse wissen wollen, noch nicht getauft, und würde man ihnen ohne dieses öffentliche Versprechen, den genannten Werken des Satans zu entsagen, wie den ersten Christen die Taufe nicht ertheilen: so würden sie in diesem unbekebrten Zustande wie die unbekehrten Heiden den Empsang der Taufe auf das Todbett verschieben. Wird denn aber in diesem Zustande der Lauheit und Gleichgilligkeit für sein Seelenheil, und weil man sich vor der Welt schämt, Jesum nachzufolgen, nicht auch die heilige Commuuion unwürdig empfangen? Da JesuS lehrt: Wer sich meiner vor diesem sündhaften Geschlechte schämt, dessen werde auch ich mich am Tage des Gerichtes schämen. ES gehört daher, wie die vielfältige Erfahrung lehrt, die Einführung der Tugendbündnisse zu den heilsamsten Mitteln, unsere Jugend zur wirklichen Bekehrung zu bewegen, besonders da, wo Missionen nicht stattfinden. Dieß würde aber ungleich mehr der Fall seyn, wenn die oberhirllichen Stellen sie in allen Pfarreien einführen wollten, durch den Befehl, daß in jedem Jahre vor der Ostercommunion jeder Seelsorger die Jungfrauen und Jünglinge von achtzehn bis sechsunddreißig Jahren der Art zur öffentlichen Erneuerung deS Tanfbundes ermähnen soll, daß nur jene zur beili^en Communion zugelassen werden dürfen, welche ihrem Seelsorger öffentlich mir Aufzeichnung ihres Namens versprechen, daß sie der Kleiberhoffart, den Bekanntschaften, Trinkgelagen, Tanz- und Spielplätzen entsagen. So lange dieß nicht geschieht, werden die zur Bekehrung der Jugend so noihwendigen Tugendbündnisse, zum würdigen Empfange der heiligen Sacramente, nicht in allen Pfarreien eingeführt werden können, Zwietracht veranlassen, und nur wie eine Bruderschaft betrachtet werden, wobei man schließt, daß, wie Bruderschaften, so auch der Eintritt in ein Tugendbündniß zur 368 Erlangung der Seligkeit nicht nothwendig sey. Wer aber den Muth nicht hat, durch den Eintritt in solches öffentlich zu versprechen, daß er den bemerkten Werken und Versuchungen des Satans entsagen wolle, wird wenigstens leicht in die schwersten Sünden fallen, und empfängt in dieser Unentschlossenheit offenbar, ohne Reue und Abscheu an den genannten Werken des Satans, nach dem Concilium von Trient (6. Siz. 6. Kap.) jede Communion unwürdig. Mangel an Abschen der Sünde, und was zur Sünde führt, wozu vorzüglich die Kleiderhoffart, Trinkgelage, Bekanntschaften, Tanzplätze veranlassen, die der Tauft gnade berauben, und die Ursache der so vielen unehelichen Kinder sind, sin'' auch die Ursache der so vielen unwürdigen Coinmunionen, welche die Beichtväter nur dann verhindern könnten, wenn Söhne und Töchter, Knechte und Mägde, wenigstens vor der Ostercommunion den Gelegenheiten zu Sünde öffentlich entsagen müßten. Schon Bourdaloue erklärte das öffentliche Versprechen, den Taufbund halteu zu wollen, als ein kräftiges Tugendmittel, und Furcht vor Weltmenschen, sich öffentlich zu bekehren, als List des Satans, um leichter zur Sünde verleiten zu können. Die Erhebung der Tugendbünduisse zur jährlichen öffentlichen Erneuerung deS Tausbuudes, mit Ausschließung jener von der Oftercommunlon, die dnrch Eintritt in ein Tugendbündniß den gefährlichen und sündhaften Wellfrenden nicht entsagen wollen, würde die Jugend zur bußfertigen Selbstkenntniß nnd Lebensbesscrnng bewegen, die ohne solche Zucht, wie oben bemerkt wnrde, nicht erfolgt. Dadurch wäre die Erhebung der Tugendbündnisse zur öffentlichen Erneuerung des Taufbundes nicht nur ein nothwendiges Tugendmittel zur Verminderung der so vielen unehelichen Geburten und unwürdigen Cvmmunionen; souderu auch zugleich eine sehr heilsame öffentliche Kircheuzucht, welche, im Heiligthume der Kirche geübt, die weltlichen Regierungen nicht beanstanden könnten. Bei dem Mangel der Bekehrung der Jugend sind unsere Tanzplätze eine der vorzüglichsten Ursachen der vielen unehelichen Kinder. Der Walzertanz, der unter Gebildeten in Bällen unschädlich seyu mag, ist bei dem rohen Landvolke eine Schule der Unzucht, selbst als Hochzeilseier, wo die meisten noch schuldlosen Söhne uud Töchter zu Bekanntschaften veranlaßt werden. Möchte dieß die oberhirt- lichen Stellen bewegen, zu verbieten, den Empfang des EhesacramenteS mit Tanzmusiken zu feiern. Priester Schmid erzählt in seinem historischen Katechismus: „Alle alten Rituale schreiben, daß nicht nur die Brautleute, sondern alle zur Hochzeit Geladenen bei der Brautmesse die heilige Communion empfangen haben." (3. B. S. 2W.) Fodert die Gnade des heiligen Sacramentes der Ehe, die Christus eriheilt, weniger Ehrfurcht als die heilige Communion? Findet man es nicht uuschicklich, am Communiontage zur Tanzmusik zu gehen? Wo die Hochzeit mit Tanzmusik gefeiert wird, werden gewöhnlich die Brautleute mit weltlicher Musik begleitet bis zur Kirchenthüre, zum Empfange eineö heil. Sacramentes, und zum heil. Meßopfer, wie einst die Heiden zu einem Bachussestc gingen, mit Jauchzen nnd Jubclgeschrei, wodurch wenigstens die fromme Gemüthsstimmung gestört wird, welche das heilige Meßopfer federt, und der Empfang deS heil. EhesacramenteS; denn in Deutschland ist es der allgemeine Volksglaube, daß die Eheleute die Gnade des EhesacramenteS bei der Kopulation erhalten, bei der gegenseitigen Erklärung, sich ehelichen zu wollen. Der heilige Gregor von Nazianz und andere heilige Väter erklärten, daß Christus und ein Flötenspieler beider Hochzeilfeier sich nicht vereinigen lassen. Was würden sie erst zn unsern heidnischen, in der Mitte deS vorigen Jahrhunderts ans Frankreich nach Deutschland gekommenen Walzertänzcn mit Personen deS andern Geschlechts gesagt haben? Da diese so sehr die Geschlechtslust reizen, hat im Jahre 1752 das hochwürdige erzbischöfliche Konsistorium zu Salzburg, auf Grund des Laudrechls vom 26. Febr. j. I. alleu Seelsorgern befohlen, die Gläubigen auf das Sitlenververbliche derselben aufmerksam zu mache», und diese Tänze bei strenger Strafe verboten. Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. Verlags-Inhaber: F. E. Ä reiner. Vreiz-Hnter Jahrgang. Sonntags-Beiblatt zur Ängslmrger PostSeitnng. 20. November M- ^7. 1853. Dieses Blatt erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der halbjährige Abonnement«prei« kr., wofür e« durch alle köuigl. bayer. Postämter und alle Buchhandlungen bezogen werden kann. Herzog Alba. Unter dieser Ueberschrift theilt das „Hall. Volksbl." einen Brief des ?. Ludwig de Granada mit, wonn dieser die Herzogin Alba über den Tod ihres Gemahls tröstet, der am 11. Dec. 1852 in Lissabon erfolgte, als er nach dem Tode deS Königs Sebastian für Philipp II. von Spanien Portugal in Besitz genommen hatte. Wir theile» diesen Brief um so lieber mit, da bekanntlich Herzog Alba als Unterdrücker dcr Reformation in den Niederlanden häufig in einem Lichte dargestellt wird, daß man versucht ist, nicht nur jede religiöse Gesinnung, sondern alles menschliche Gefühl und jede höhere Regung bei ihm in Abrede zu stellen. Ludwig von Granada ist ein bewährter Zeuge, hinreichend bekannt wie durch Frömmigkeit, so durch seine aScetischcn Schriften, und wir haben auch nicht die geringste Veranlassung, iy seine Aussage Zweifel zu setzen. Der Brief lautet also: Höchstzuverehrende Frau! Die Gnade und der Trost des heiligen Geistes sey für immerdar mit Ewr. Excellenz. Wir, die wir den Herzog kannten, welchen der Herr auö diesem Jammer- thale zu seiner Glorie erhob, um ihm den Lohn für so viele Arbeiten und Drangsale zu ertheilen, die er im -Dienste seiner Kirche verrichtet und erlitt; wir fühlen den allgemeinen Verlust solcher Personen. Jedoch dieser Schmerz möge die Betrachtung des Lebens, welches er führte, und der Art, wie er es endete, lindern; denn eins wie das andere war geeignet, um uns eine so gewisse Hoffnung seiner ewigen Seligkeit zu gewähren, als sähen wir sie mit unsern Augen. Nur den Theil des Schmerzes haben wir gefühlt, welcher Ewr. Excellenz davon anheimfällt: Jedoch der Herzog sagte uns, bevor ihn Gott zu sich rief, daß der Allmächtige Ihnen in dieser schweren Heimsuchuug beistehen werde. — Und gewiß, er hatte Recht, solches von Ewr. Erc. zn hoffen, da er Ihrer richtigen Erkenntniß und der vielen Verpflichtungen gedachte, welche Sie gegen den Herrn haben, um ihm dieses Opfer für die empfangenen großen Wohlthaten zu bringen, von denen Eine ist, die am glücklichsten verheirathete Dame in unsern Zeiten, ein Muster vom Glück der Liebe und deS Friedens unter Eheleuten gewesen zu seyn. — Eine andere Wohlthat ist eS, daß Ihnen Gott zum Gefährten auf dieser Pilgrimschaft einen der tapfersten, siegreichsten und katholischsten Herrn unserer Zeit gab, und zwar einen solchen, daß, wenn der Herr Ewr. Erc. die Macht ertheilte, sich in der ganzen Welt einen Gemahl aufzusuchen, Sie gewiß keinen würdigeren und tüchtigeren Ehemann finden würden. — Noch eine andere Wohlthat GotteS ist es, diesen Gemahl fünfzig und so viele Jahre bewahrt zu haben: und wenn ich meine Augen mit dem Blick auf so viele verheirathete Damen Spaniens erfreuete und sähe, wie unglücklich das Leben ihrer Männer und wie kurz es war, dann würde ich auch viele frühe Wittwen und wenige Frauen finden, die so lange 370 wie Ew. Erc. vermähst waren. — Fügt man mm noch die Gefahren hinzu, von welchen der Herr den befreit hat, der fast immer nnter Arkebusen- und Artillerieseuer, fünfzig und so viele Jahre mit den Waffen umging, und nie die größten Gefahren scheute: welches eine Art Wunder ist. — Und da nun dieses Alles geschah, weil der Herr sein Ohr zu den frommen Fürbitten, Messen und Gebeten Ewr. Erc. neigte, um ihn in der Mitte so vieler Gefahren zu erhalten, wäre es da nicht recht, die Worte des heiligen Hiob zu wiederholen, welche dieser seinem Weibe sagte, als sie ihn schalt: „Haben wir Gutes empfangen von Gott und sollten wir das Böse nicht auch tragen?" Dieser Heilige will nicht, daß wir die Hand offen zum Nehmen halten nnd geschlossen zum Geben: indessen noch weniger will es Gott; wohl aber, daß wir mit offener Hand empfangen, was er uns gibt und ihm geben, waS er unS abfordert. Jedoch damit enden sich noch nicht die göttlichen Wohlthalcn; eine andere weit größere bleibt übrig, und die ist: daß Ewr. Erc., die mit dem Herzog so vertraut umgingen, eben so große Beweise seiner Seligkeit besitzen, als auch wir haben, und besonders ich, der ich seit seiner Ankunft in dieser Stadt das Heil seiner Seele besorgt, lind gewiß, eS ist wahr, die meisten Male, wenn er mir beichtete, ging ich von ihm vcrwirri und beschämte mich, mich selber anzusehen, und auf jener Seite die große Ergebung, Frömmigkeit und Thränen zu gewahren; die Worte, welche er sprach, seine Gefühle für die Sache des Herrn und jene große Festigkeit, die er besaß, nichts zn thun, waS Todsünde sey, sondern eher daS Leben zu verlieren; und dieß Alles nicht etwa ans Furcht vor den Strafen des FegscuerS, die ihn nicht bewegten, sondern wegen der Wohlthäte», die er vom Herrn empfangen hatte und wegen dessen Güte, von der er nie müde wurde, zu sprechen. Und als Einige meinten, er sey zu streng iu der Ausübung der Gerechtigkeit, versicherte er mir sehr ernst: daß sein Gewissen ihm nicht vorwürfe, in seinem ganzen Leben einen Tropfen Blut gegen sei» Gewissen vergossen zu haben, und daß, so Viele er anch in Flandern habe hinrichten lassen, es nur geschehen sey, weil es Ketzer und Rebellen gewesen. Aber wie soll ich die drei Vorzüge und Tugenden rühmen, welche er Seiner Majestät, als diese ihn in der Krankheit besucht, erklärte? — Er sagt unter andern Worten, wie folgt: „Ich bin im Begriff, aus diesem Leben dahin zu gehen, wo jccennann die Wahrheit sagcu muß; von drei Sachen, die ich Ew. Majestät sage, ist die eine, daß mir nie, auch nur daS kleinste Ihrer Geschäfte oblag, daS ich nicht dem wichtigsten der meinigen vorgezogen hätte. — Die zweite, daß ich immer mehr Sorgfall für Ihre Finanzen hatte, als für die meinigen, und so bin ich weder Ihnen noch Ihren Vasallen auch nur ein einziges Brod schuldig. — Die dritte ist, daß ich Ew. Majestät nie sür ein Amt einen Mann vorgeschlagen habe, der, alle Vorliebe bei Seite gesetzt, nicht der Geschickteste dazu von allen denen gewesen wäre, die ich kannte." Und dieß sind drei Dinge, die wir als drei Wunder betrachten können, denn wo in so vielen Jahren eines General-Kapitäns, unter dem drei Kaiser und ein Ritter, der nachher Papst wurde, gedient haben, sah man solche Tugend, solche Treue, solches Gewissen uud solche Besouneuheit bei so großem Glücke! Aber ich lasse diese weltlichen Tugenden bei Seite und kehre zn den geistlichen zurück! — Er beichtete und communicirte jeden Monat, an den Hauptfesten und an allen den Tagen, an welchen ihm Gott einen Sieg verliehen hatte, und so communicirte er im vergangenen Angust, am Tage unserer lieben Frauen, welcher auf den 1ö. fällt, darauf am 25., welches der Tag der Schlacht bei dieser Stadt (Lissabon) war, und gleich darauf den Tag unserer lieben Frauen im September. — Da nnn diese Commnnioncn so nahe aus einander folgten, wagte er in seiner Demuth nicht sie zu begehen, ohne meinen Rath einzuholen. — Er communicirte ferner jedes Jahr am Vorabend von St. Francisco, in Erkenntniß der Gnade, welche Gott ihm angethan hatte, ihm Ewr. Erc. zur Gefährtin seiner Prüfungen gegeben zu haben. Er vcrriclitete seine Gebete jeden Abend lange Zeit vor einem Crucifix, welches er besaß, und klagte sich selbst oft an, daß ihm die Sammlung und Hingabe fehle. Unb wenn 371 ich ihm sagte, er solle sich hieeüber nicht ängstigen, weil die Ruhe der Beschaulichkeit nicht für Personen wäre von so vielen Geschäften und Nachdenken, wie er, so war seine Antwort: daß er untröstlich seyn würde, wenn man ihm die Hoffnung benehmen wollte, dereinst zu dieser Art Uebung gelangen zu können. Weil er nun in den Krankheiten die Zeit zum Abendgebet nicht finden konnte, so gebrauchte er eine Art Gebete, die man Herz- oder Stoßgebete nennt, auch dann selbst, wenn er mit denen sprach, die ihn besuchten, und sagte mir, eS ginge ihm recht gut damit. Und als ich in der größten Krankheitsschwäche fragte, ob er diese guten Gebete anwende, antwortete er: ja, obgleich mit vieler Schwachheit; jedoch die Gnade deö Herrn stärke ihn. — So vermochte die Last der Krankheit nicht den Gedanken an Gott zu unterdrücken! Erwägen nun Ew. Erc., ob diese Uebungen sich sonst bei Jemanden finden, der immer nur die Waffen geführt hatte, ausgenommen bei dem hl. Könige David. Er sandte mir jeden Monat 500 Realen, damit ich sie an arme Wittwen vertheilte, und befahl mir, keiner die Thüre zu verschließen, so viel deren auch kämen, und als ich ihm sagte, daß ich nicht auf Almosen bestünde, da er Schulden habe, erwiderteer: „Ich kaufe kein Pferd für 1VV0 Dukaten und so setzt dieß mich in keine Verlegenheit. — Am Tage seines TodeS erinnerte er sich selbst, ohne daß ihn jemand darauf brachte, der Armen, und befahl, als er kaum noch sprechen konnte, dem Don llsrnsruto äs loleäo (seinem Neffen) mir Almosen für zwei Monate zu lassen, welches 1W0 Realen waren. So wie das Leben, war auch sein Ende; in 33 Tagen, welche die Krankheil dauerte, communicirte er viermal und dreimal davon nüchtern, denn er beobachtete auch noch so nahe dem Tode die Vorschriften, welche hinsichtlich deö Essens in solchem Falle gelten. — Und so erfüllte der Herr seinen Wunsch, und führte ihn als seinen treuen Gefährten aus diesem Jammerthale. — Am dritten Tage der Krankheit zauderte er nicht lauge mit der Beichte und in einer derselben hielt er mit dem Herrn ein Gespräch in solchen Worten und Betrachtungen, die einen großen Sünder zu bekehren hinlänglich gewesen wären. — Aber ich habe kein Gedächtniß für so viele Dinge, die er da sagte, sondern nur für den Inhalt derselben, und der war: daß, wenn er keine andere Art deö LcbenS, als die, welche er bisher geführt, weiterhin führen solle, er auch kein Leben mehr wolle. So endete er auch mit großer Ergebuuz in den Willen Gottes, indem er mit großem Mnthe ausrief: „Gehen wir!" und dem Herrn von kernsnelci dankte, der ihm sagte, er könne sich nun zur Reise anschicken, wie dieser selbst eS Ew. Erc. erzählen wird. Hieraus ersehen jetzt Ew. Excellenz, waS von diesem Leben und dessen glorreichem Ende zu erwarten ist, und hiermit vereinigen Sie ein anderes Zeichen für deS Herzogs Berufung zur Seligkeit, nämlich das Wohlgefallen und den Trost, welchen er empfand, wenn man zn ihm vom Herrn sprach, so wie ich solches noch nie bei einer Person seines Ranges gesehen habe: denn jedesmal, wenn er beichtete, mußten wir zwei Stunden bei ihm seyn und von diesem Gegenstand ost bis zum Kopfweh sprechen. . Alles dieß wohl überlegt, genügt, um den Schmerz deö Verlustes zu lindern, menn man anders das Verlust nennen kann, was ein Gewinn sür die Person ist, die man liebt. Wir wissen, daß wir ein am Feuer stehendes Gefäß nicht am heißen Theile angreifen dürfen, sondern am kalten, und da dieses Ereigniß Seiten enthält, die Schmerzen veranlassen und andere, die Linderung gewähren, so bestreben sich Ew. Ercellenz die Augen auf das zu richten, was Sie trösten und bewegen kann, dem Herrn Dank zu sagen und nicht auf das, was untröstlich macht, und die Ergebung in den Willen dessen hindert, der es angeordnet hat. Die Personen, welche von ihren Freunden etwas borgen, danken zweimal dafür: das Erstemal, wenn sie eS erhalten, das Zweitemal, wenn sie eS wieder erstatten, und das um so viel mehr, je längere Zeit sie sich dessen bedient haben, weil der Dank alsdann mehr vom Herzen kommt. Ew. Ercellenz wissen wohl, daß das Leben der Eheleute kein dauerndes Eigenthum 372 ist, sonder» n»r für eine gewisse Zeit, für welche sich ein sterbliches Geschöpf mit einem andern gleichfalls sterblicheil verbindet. — Da nun Ew. Erc. dem Herrn Dank sagten, als er Ihnen das Leben dieses Herzogs bewilligte, so sind sie auch verbunden, ihm bei dessen Zurückgabe den größten Dank abzustatten, da Sie wissen, daß Sie sich mit einem sterblichen Menschen verheirateten, und daß die Freude deS Hochzeitstages durch die Trauer des EudeS aufgewogen wird; denn nur im Himmel allein gibt eS Freude ohne Trauer; in diesem Leben aber gellt daS eine untermischt mit dem andern. — Ja, selbst das Ende eines Vergnügens ist oft der Anfang eines Kummers, wie es Ew. Erc. werden erfahren haben und jetzt von neuem erfahren, da kaum die Freude über die Geburt des Enkels vorüber war, als die Krankheit des Großvaters begann: denn so sind die Schicksale und ist die Weihe deö sterblichen Lebens, daß die Zeit des Unglücks die ist, wenn wir das anvertraute Gut zurückgeben, und gleichwie der heilige Hieronymuö sagt: „laßt uns keine Betrübniß haben für daö, was wir verlieren, sondern vielmehr Freude für das, waS wir empfingen." Aon Ew. Erc. erwarte ich dieses, so wie ich Gott dafür danke, daß ihn Gott in ftine Wohnungen aufuahm und ich in seiner Krankheit ihm beistehen konnte. — Wo aber konnte er, gnädige Frau, ehrenvoller enden, als in seinem Amte, und obgleich der größte Schmerz der Krankheit geschwunden wäre, wenn Ew. Erc. sich anwesend befunden hätten, so sein Sie doch überzeugt, daß auf Ihre Abwesenheit keine Schuld fällt, denu seine Herren Neffen bedienten ihn wie Kinder mit so vieler Liebe und Sorgfalt, durch Tag und Nacht, daß sie sich in Kleidern niederlegten, um jedesmal, wenn er rief, hinzueilen. Was dieß also anbelangt, so ist durch Ihre Abwesenheit nichts versänmt, und ich bin gewiß, daß der Herzog eS so angeordnet hatte, weil er nothwendig viel Kummer Ihretwegen gehabt habeu werde, wenn Ew. Erc. zugegen gewesen wären. Und so bedeutete er eS mir auch, als er hörte, Sie machten sich auf den Weg, um ihn zu sehen. Er sagte, daß er den Schmerj von Ew. Erc. wohl fühle, daß jedoch Gott seinem Geiste so viel Kraft verleihe, diese Schwäche der Zärtlichkeit zu überwinden, was wahrscheinlich ukcht der Fall seyn würde, wenn er hier Ihre Thränen sähe. Es bleibt daher nur übrig, daß Ew. Erc. jetzt das thun, was der heilige HierouymuS von der heiligen Paula schreibt, die, nachdem sie den Tod ihres Mannes so tief gefühlt hatte, sich später so frei von diesem Kummer sah, und sich dem Herrn so sehr ergab, als hätte sie immer nach dieser Freiheit verlangt. Obgleich eS nun bei des Herzogs Verdiensten uud seiner Frömmigkeit und bei der Sanftmut!) und Geduld, mit welcher er diese letzte Krankheit trug, zu glauben steht, daß er von den Qualen des FegfeucrS srei sey, so mögen Ew. Erc. dennoch sich so verhalten, daß Sie seiner Seele wohl thun, nm ihm die immer gegen Sie geäußerte übergroße Liebe zu lohnen. Seine Liebe aber war so groß, daß er immer wünschte, Ew. Erc. gingen ihm voran, um Ihnen den Schmerz zu ersparen, wenn er der Erste wäre. Mehr als einen Monat vor der Krankheit fing ich an, ihn auf diese Reise vorzubereiten, indem ich ihm sagte, daß es Zeit sey, sich darauf zu rüsten, da das Alter und die daran hängenden Gebrechen eS verlangten. Auch sah er dieses wohl ein, so wie es Ew. Erc. erfahren und dem Herrn danken werden, daß er eS anders leitete, als Sie eS wünschen; denn besser ist eö, daß wir wollen, was er will, als daS, was wir wollen; und eS ist mehr Grund vorhanden, uuseru Willen dem scinigen unterzuordnen, als den seinigen unserm. Möge Er die ausgezeichnete Person und den Stand Ew. Erc. immer bei der Gunst deö Himmels erhalten, Sie stärken und, trösteu in diesen irdischen Müheu. Lissabon, den Ick December 1532. 373 Aus Jerusalem. *) O e l z w e i g e. Jerusalem, Oct. 1853. Das größte Verdienst um die Erhaltung und Verbreitung der katholischen Religion in der Levante gebührt unbestritten den Vätern vom Orden des heiligen FranciscnS, welche bereits über sechshundert Jahre Hüter der heiligen Stätten und Wächter am Grabe unsers Erlösers sind, welch letzterem Dienst zur Zeit der christlichen Könige in Jerusalem die regul. lateran. Chorherren zugleich als Ritter vom Orden des heiligen Grabes versahen, und von deren Kanonie man noch heute Ueberreste in der Harzt en Aassark» erblickt. — Die?. FranciScaner haben gegenwärtig in der Custodie und dem Missionsgebiete der lorra 8ta. 23 Konvente (darunter 14 Hospizien, Konstantinopel, Fajum, Rosette, Nikosia, DamascuS, La- tackia, Tripolis, Harissa, Beirut, Saiva, Tiberiuö, Acre, Jaffa, Rama) mit eben so vielen Kirchen, 6 Kapellen und 30 Sanktuarien. Sie sind entweder Missionäre, welche die Seelsorge für 13,116 Katholiken deS latein. Ritus und 1737 Katholiken anderer Riten (in 18 Pfarreien) versehen, oder Visitanten, welchen der Chordienst und die Leitung der häuslichen Verwaltung obliegt. Außerdem sind noch 95 Laienbrüder mit verschiedenen häuslichen Verrichtungen nnd Handwerken betraut. Im Ganzen 224 Religiösen. — „ES ist ein Skandal, daß Europa hier so viele Mönche mästet!" hörte ich ans meiner Reise einen Pilger sagen; — ihre Zahl scheint aber doch nicht hinreichend zu seyn; denn sonst wäre wohl kaum ein Patriarch mit eigenem Seminar für nöthig erachtet worden! Wenn man aber die Zahl von 14,383 Seelen mit der von 129 Priestern zusammenzustellen beliebt, wird kein vernünftig und also billig Denkender übersehen, daß der hier sehr strenge Chordienst, so wie die Leitung der Geschäfte von 23 Ordenöhäusern anch ihre und zwar nicht geringe Zahl von Geistlichen erfordern. Zudem ist eine kleine Mehrzahl von Individuen um so mehr in diesen Gegenden von Nöthen, als Klima nnd strenge Lebensweise auch Krankheiten zur Folge haben, die Stellen aber doch fortwährend alle besetzt bleiben müssen. (Man erwäge z. B. nur, daß im Jahre 1834 21 Individuen im Salvatorkloster zu Jerusalem an der Pest erkrankten, und 19 von diesen 21 als Opfer ihrer treuen Pflichterfüllung dieser Seuche erlagen!) Die 95 Laienbrüder dürfen den oberwähnten Herrn Pilger eben so wenig erschrecken, da ihm bei einer unzureichenden Anzahl von Laienbrüdern wohl kaum in den von ihm besuchten Conventen jene Pflege hätte zu Theil werden können, von der er selbst gestand, daß er vollkommen Ursache gehabt, damit zufrieden zu seyn. Und was endlich die Mönchsmast betrifft, steht nur zu bedauern, daß der gute Herr seine Brille nicht sorgfältig gereinigt, und ein paar Wochen wenigstens, ich will nicht sagen, an der Disciplin der Väter, aber doch an ihrem Mahle Theil genommen nnd sich an ihrem tmeoslä in Wasser, und abermals tiseeslä in Oel, und zwar, aufrichtig gestanden, herzlich schlechtem Oel — mitgemästet hat. — Es gibt in der That ganz knriose Leute und auch sehr kuriose Pilger unter dem Monde, die mit wunderbarer Mattheit — man darf auch zuweilen sagen: Rohheil —über daS Gute, zumal auf religiösem Gebiete hinwegzuschielen wissen, oder, die der schlechteste Witz ihres, wenn auch sonst gerade nicht schadhaften HirneS — was aber dann uns nur so mehr bedauern läßt — so sehr elektrisirt, daß sie meinen, er muß heraus, „und kost' es, was es wolle!" — Sie werden vielleicht schon zu wissen glauben, was die Frauciscaner für Leute sind; aber ich wette, eS sey nicht wahr! Dr. TituS Dobler weiß das z. B. in seinen „Denkblättern aus Jerusalem« pgg- 580 weit besser! Die FranciScaner sind nach seiner Anschauuug: jene Männer, die Zeit ihres Lebens den Leib mit einem Stricke umfangen, nicht bloß darum, damit er als Eichmaß des GasterbezirkeS die lebenslängliche Nüchternheit und Mäßigkeit verbürge, sondern auch um denselben, wenn er je einmal wanken sollte, an den Himmel festzubinden." — Nun wissen Sie, was die FranciScaner sind; aber auch, was dick- ") Aus der W> Kirchenz, 374 besagter Herr Doctor! Lasseil Sie sich indeß nun auf den Schreck hinauf eine Fortsetzung meiner statistischen Uebersicht noch geduldig gefallen. Die Väter vom heiligen Lande unterhalten 15 Knaben- und 9 Mädchenschulen, in denen 36 Lehrer und 19 Lehrerinnen, welche theils dem Laien-, theils dem Ordensstande angehören, sich mit dem Unterrichte von 1306 Schulkindern in der Religionslehre, dem Lesen, Schreiben, Rechnen und auch der italienischen Sprache befassen. (Die Schulkinder erhalten auch Kost.) Außerdem sorgt die Custodie auch für den Unterricht mehrerer jungen Leute in den verschiedenen Handwerkskünsten und unterhält sie 198 Armenhäuser, welche sie an Dürftige zur Wohnung verleiht. Die Zahl der armen Familien, welche im verflofsencu Jahre sich ihrer Unterstützung erfreuten, betrug 493, und die Summe hilfsbedürftiger Individuen 1469. Man darf in Wahrheit sagen, die Franciscaner beweisen ihren Pstcgbefvhlenen im heil. Lande eine Liebe, die über alles Lob erhaben ist! Sie bezahlen für die Armen die Geldstrafen, die ihnen auferlegt worden, die Steuern, die sie an die Regierung bezahlen müssen; täglich theilen sie Brod aus an die Armen, Suppe an die Kranken, geben den Dürstigen Hemden, Schuhe und Stoff zu Kleidern, senden den Leidenden den Arzt des Klosters und reichen ihnen alle Mittel, welche dieser vorschreibt, ohne Entgelt. Dazu kommt noch die gastfreundliche Aufnahme, deren der Pilger sich in jedem ihrer Klöster, wo Sanktuarien sind (in Jerusalem durch dreißig Tage), erfreut; und die Zahl der beherbergten Pilger — auch protestantischer — ist m'chl gering: sie betrug im letzten Jahre 6881. Rechnen wir noch dazu die Auölageu, welche der Aufwand für den Kultus, die Herhaltung der Baulichkeiten, die uoihgedruugeuen Geschenke an die Türken oder Geldcrpressungen von Seite der Araber :c. verursachen, so wissen wir,- welchen Gebranch die Väter des heiligen Landes von den europäischen Almosen machen, die sie empfangen. Sie verwenden für sich kaum mehr, als zum nothdürsligen Lebensunterhalte erforderlich ist. Das kann ich wenigstens von Jerusalem bezeugen, wo ich doch nun schon im zweiten Monaie verweile. Und nnn, sagen Sie selbst, wenn man wüßte, was ich weiß, wenn mau sähe, waö ich gesehen und nun berichtet habe, sollte die christliche Frömmigkeit es sich nicht zur Pflicht machen, solche Liebe und Aufopferung nach Kräften zu unterstützen? — Spanien und Neapel thun verhältnißmäßig das Ihrige; auch Bayern trägt sein Schärflein bei, und zur Ehre Oesterreichs dars ich hier mit Freude ausrufen: unser Baterland und die Großmuth unseres Kaiserhauses stehen bei den Franciscanern der Ivrrs 8ta. in dem liebevollsten und dankbarsten Angedenken! — Daraus solgt aber nicht, daß wir nicht noch mehr thun könnten! S ch l i n g k r a n t. Jerusalem, Oct. 1853. Ich habe geflissentlich gesagt: „bei den Franciscanern;" denn außerhalb des EouventeS und der Mauern des EonsulateS hört man in der That von Oesterreich und seiner Betheiligung an den Interessen der Mission nur wenig oder gar nicht reden. Frankreich hat das Prvtectorar, und der französische Wind verweht und der gallische Hahn verkrähl, wo nicht alles, doch gar viel. Treffend hat ein höherer österreichischer Marincofficier bemerkt: „Wäre das Protectorat deS heiligen Landes auf Oesterreichs Seite, so wäre ich auch überzeugt, daß eS entweder als Protcctor handeln, oder aber seinem Titel entsagen würde." Es ist Thatsache, daß Frankreich seit langen Jahren keine und seil einiger Zeit nur höchst geringe Almoscnspenden der 'lerra 8ta. zugemittclt hat (enva 4990 Fr. jährlich; und einmal Nadelbüchsen, Flinten u. dgl. — wahrscheinlich, damit die Bäter, wenn alle Slricke reißen, sie desto leichter wiecer zusammenflicken, und mit den Flinten sich ihrer äußern und innern Feinde, etwa der Beduinen und des Hungers, im Nothfälle erwehren können. Es steckt ein sonderbarer Genius in solchen Geschenken, den man fast Ironie nennen möchte)! Aber auch das ist Thalsache, daß die meisten Franzosen sich hier fortwährend schmeicheln, das segenvolle Wirken der FranciScauer in seinen verschiedensten Richtungen sey ihre, will sagen: Frankreichs Schöpfung. Anders läßt sich z. B. wohl nicht die Frage eines Franzosen in Beirut erklären: „WaS macht denn 375 unsere Buchdruckerei in Jerusalem?" Meine Herren! diese Bnchvrnckerei der Francis- caner ist ein rein österreichisches Institut, darin auch kein einziges französisches Theil ungszeichen steckt, und für dessen Erhaltung allein Se. Majestät der Kaiser von Oesterreich durch das General-Commissariat jährliche 300(1 fl. C. M. zn übersenden geruhen! Diese Druckerei, deren Errichtung vor sieben Jahren begonnen ward, hat bereits — früher unter Leitung des Sebastian, nun des ?. Andreas, zweier Oesterreicher.— über hundert größere und kleinere Werke uud Schriftchen in lcueinischer, italienischer und arabischer Sprache zu Tage gefördert, die gratis oder im Austausch gegen die von der Londoner Bibelgesellschaft verbreiteten Bücher den Verlangenden hingegeben werden. Sie ist immer vollauf im Dienste der Kirche beschäftigt, und daraus erklärt es sich, wenn sie keine französischen Blätter und Brochuren zu drucken vermag. — Ich könnte vielleicht hie und da dem Argwohn verfallen, daß ich als Patriot dem französischen Treiben gegenüber meine Feder schärfe, erlaube mir aber dießfallS die Berufung auf manche Urtheile gewiß rechtlich gesinnter Franzosen selbst! Man blättere nur zur Güte in den Souvenirs 6v I'Oriont par lo Vieomw !)e Narcellus — Paris 1839, oder ziehe Pujoulat's Aeußerungen zu Rathe, welcher beklagt, daß Frankreich ungeachtet — oder besser: trotz — seines Prolectorateö für die lorra ssnota so viel, als gar nicht, bestehe! Gleiches Bedauern äußerten einige der jüngst angekommenen französischen Pilger, die dadurch, so wie durch ihr Benehmen überhaupt, von ihrer edleren Gesinnungsweise Zeugniß geben und sich so von der Mehrzahl ihrer Reisegefährten rühmlich unterschieden, welche vergessen zu haben schienen, daß sie in den Konventen, die sie besucht, nur von dem Almosen der FranciScaner lebten, und als Danksagung für eine zu ihrer Bequemlichkeit gemachte Auslage von etlichen tausend Piastern, wenigstens mehr Rücksicht für die im Orient mit aller Sorgsalt rein gehaltenen Turassen, welche die Bestimmung haben, das Regenwasser in die Cisternen zu leiten, hätten haben sollen! Es kann den betreffenden Herren Franzosen eben so wenig zur Ehie gereichen, daß sie bei ihrer Abreise von Jerusalem nach Nazarelh mit dem Gedanken umgingen, die aus ihrem Vaterlande miipilgerndcn Priester, sehr würdige Charaktere, von ihrer Reisegesellschaft auszuschließen; so wie ich eö, gelind bemerkt, sehr offenherzig nennen muß, wenn einer der Herren auf die Frage eines Franciscaners, ob sie sich einen Präsidenten erwählt, zur Antwort gab: „Ja wohl; aber glücklicher Weise keinen Pfaffen!" Miß Cunninghame. Die Affaire der Miß Cuuninghame hat zwar bald ihr Ende gefunden und gehört bereits der Geschichte an; eS kommen aber nachträglich noch einige neue Data zu Tage, wodurch die Berichte, welche die Postzeitung nach englischen Blättern gegeben, vervollständigt und zum Theil rectificirr werden; und um die Sache ganz wahrheitsgetreu der Geschichte zu überliefern, kommen wir noch einmal auf die Sache zurück. Unsere Hauptquelle ist das „Morning Chronicle", unter den Londoner Blättern das am wenigsten katholikenseindliche und in religiöser Hinsicht das achtbarste. Am 25. September meldeten die Blätter zuerst, Miß Cunnighame, eine schottische PreSbyterianerin aus der Familie des „Reformators" John Knor, sey in Tos- cana verhaftet. Ihr einziges Verbrechen sey die Verbreitung von italienischen Bibeln und von einer italienischen Uebersetznng von Buuyan's „Pilgerfahrt", eines in England beliebten protestamischen aScetischen Buches. Es hat sich aber jetzt herausgestellt, daß sie weder Bibeln, noch „Pilgerfahrten" vertheilt hat, sondern verhaftet ist, weil sie Tractätchen vertheilt hat, die voll Angriffe gegen die katholische Religion sind. Die Blätter, welche sich sehr warm der „Mariyrin" angenommen haben, sind unvorsichtig genug gewesen, dieß selbst auszuplaudern. Der Bruder der Miß Cunninghame theilt in einem derselben mir, sie habe Tractate von Ryle vertheilt; ein anderes Blatt sagt uns, einer der Tractate heiße „Is vvrs ervee". Nun haben wir aber einen 376 Tractat: „das Kreuz, von dem hochw. Herrn I. C. Ryle," worin die Verehrung des KreuzeS bei den Katholiken „als profan, gotteslästerlich und abgöttisch" bezeichnet wird. Anfangs sprachen die Blätter von einem vergitterten Kerker der Inquisition, worin die junge Dame schmachte; acht Tage später mußten dieselben Blätter melden, sie wohne in einem hübschen, mit Bildern verzierten Zimmer, werde gut behandelt und dürfe täglich mehrere Stunden bei ihrer Mutter in deren Hotel zubringen. Der englische Geschäftsträger Scarlett erklärte selbst, der sanatischen Närrin sey nicht zu helfen; sie habe wissentlich und muthwillig das Gesetz übertreten und müsse die Folge davon tragen. Bon dem närrischen Eigensinne der jungen Dame legt übrigens der Schlußact der Komödie Zeugniß ab; denn es bestätigt sich, daß sie, als man ihr die Freilassung ankündigte, den toscanischen Behörden das Recht bestritt, sie ohne Proceß freizulassen, und daß sie eine schriftliche Bescheinigung darüber forderte, daß sie nur der Gewalt weichend das Gefängniß verlassen habe. „Wir hoffen, schließt das „Chronicle", die Geschichte wird fanatischen jungen Damen etwas Raison beibringen. Die toscanische Regierung wird klug genug seyn, die krankhafte Sucht nach einem Pseudo-Martyrthum nicht zu nähren; der nächste Tractatenvertheiler wird wohl einfach über die Gränze gebracht werden, ohne auch nur eine Woche lang in den protestantischen Blättern vergöttert zu werden. Was aber den öffentlichen Anstand und die Ehre unserer Nation angeht, so ist eS doch zu arg, daß wir von jedem sanatischen Qncrkopf compromittirt werden, der durch kein fremdes Land reisen kann, ohne die Religion seiner Einwohner zu schmähen. Durch solche Narrheiten, wie die der Miß Cunuinghame, wird das Verhältniß befreundeter Höfe gestört, Zeit und Geld vergeudet, Mißtrauen und Argwohn gegen alle reisenden Engländer erzeugt und die Diplomatie in Verlegenheit gebracht, — Alles znr Befriedigung der krankhaften, närrischen Eitelkeit eines Frauenzimmers." Spanien» Die „Esperanza" hat das Testament des berühmten katholischen Staatsmannes, Don Juan Donoso Cortes, Marquis von ValdegamaS, veröffentlicht. ES ist dasselbe datirt: Madrid, den 23. December 1848. Es wird darin bestimmt, daß von seiner Nachlassenschast sofort 20,000 Realen vorweg genommen werden sollen zu Seelenmessen und Werken der Milde. Dann folgen zwei Paragraphen, welche lauten: „Ich empfehle den Meinigeu, besonders meinem Bruder Don Francisco, die Wittwe und die Kinder unseres verstorbenen Bruders Don Pedro als ihre Schwester und ihre eigenen Kinder zu betrachten, welche sich bemühen werden, im Leben ihrem Vater uachzueisern, der wie ein Gerechter lebte und wie ein Heiliger starb. Sein Leben wie sein Tod waren der Gegenstand meiner Thränen, ich weine noch heute bei dem Gedanken an ihn. Ich kann nicht vergellen, waS er für mich gethan, durch Gottes Gnade wurde er das Werkzeug meiner Bekehrung, und durch Gottes Barmherzigkeit werden eS seine heißen Gebete seyn, welche mir die Pforten des Himmels öffnen. — Ich verbiete ausdrücklich jeden Prunk bei meiner Bestattung; die Eitelkeit mag sich genügen lassen an der Herrschaft über die Lebenden, den Todten aber soll sie den Frieden gönnen. Vorzüglich verbiete ich, daß bei meiner Bestattung jene profane und wollüstige Musik gemacht werde, die uusere Kirchen in Komödienhäuser verwandelt hat. Donoso Cortes." Verantwortlicher Redacteur: V Schönchen, Verlags-Inhaber: F. C. Kreme». Dreizehnter Jahrgang. Sonntags-Beiblatt zur Augslmrger Pojheitnng. 27. November M- ^8 1853. Diese« Blatt erscheint regelmäßig alle Tovutage. Der halbjährige Abonuemcnt«vrei« 40 lr.< wofür e« durch alle köniql. baver. Postämter und alle Buchh«udwuqen bezogen werden kann DaS heilige Land und sein Patriarch. Die „^rmaleg cls Is propsZation eis la koi" von Lyon brachten unlängst einen Brief des katholischen Patriarchen von Jerusalem, Monfignor Valerga., Derselbe enthält einen interessanten Bericht über die Rundreise des hochw, Herrn Patriarchen in seinem Diöcesansprengel, welcher nebst dem heiligen Lande auch nock den Libanon und die Insel (Zypern umfaßt. Wir ziehen aus dun authentischen Berichte nur die Bevölkerungsverhältnisse der verschiedenen Konfessionen im heiligen Lande heraus, weil sich gerade darüber die ungenauesten Angaben in den Reisehandbüchern :c. finden, und knüpfen daran einige weniger bekannte Notizen. — Nazareth hat eine Bevölkerung von 350<) Seelen, darunter 600 Lateiner, 250 Melchiten, 220 Maroniten, 1200 schismatische Griechen und fast eben so viele Türken. — In TiberiaS am galiläischcn Meere wohnt nur eine lateinische Familie und 15 griechisch-nnirte, 600 Türken und mehr als 1300 Juden, worunter viele Deutsche. — Die Insel Cypern zählt unter 140M0 Einwohnern nur 700 Kaiholiken, wovon 600 ans Larnaka entfallen. — DaS alte und jetzt nen ausblühende Jaffa hat 10,690 Einwohner, worunter 8340 Muselmänner, 450 Lateiner und Maroniten, 300 kaiholische Griechen, 100 Armenier und Juden, und 1000 schiSmatische Griechen. — In dem kleinen Ramla befinden sich nur drei lateinische Familien, die übrige Einwohnelschaft ist mohamedanisch. — Die heil. Stadt Jerusalem zählt 15,250 Einwohner, worunter 7000 Juden, 4900 Türken, 2000 schismattsche Griechen, 1000 Lateiner. 60 Kopten, 50 Melchiten nnd 470 schiSmatische Armenier — Die Seelenzohl in Bethlehem berrägt 3965 Einwohner, nämlich 2000 Lateiner, 1500 Griechen, 360 Türken, 115 schiSmaiische Armenier. — AuS dem Berichte des hochwürvigsten Herrn Patriarchen leuchtet zugleich dessen kirchliche Thätigkeit hervor. Er hielt die feierliche Fronleich- namSprocession zu Gazir am Berge Libanon, ertheilte das heilige Sacrament der Firmung auf der Insel Cypern, zu Caifa, Nazarcth, Jaffa und Jerusalem, in letzlerer Stadt an 150 Individuen; nahm zwei Ordinationen am Berge Karmel uud eine zu Jerusalem vor (am Quatembersamstag vor Weihnachten), bei welcher Gelegenheit auch fünf Seminaristen die untern Weihen erhielten (seit 400 Jahren hatte feine Priesterweihe im Patriarchate von Jerusalem stattgefunden); und gab drei ein- gebornen Jungfrauen den Schleier der Schwestern vom heiligen Joseph, welche der Krankenpflege und Mädchencrziehung sich widmen. Sein Augenmerk ist besonders auf seine zwei Hanptschöpfnngen gerichtet: auf daS katholische Spital und auf das Knabenseminar, welches aus 16 jungen Leviten (sämmtlich i,n Patriarchate geboren) besteht. — Auch eine Conferenz deS heiligen Vincenz von Paul zur Unterstützung, Besuchung und Pflege der Armen, Kranken und Greise hat sich seit anderthalb Jahren gebildet, und 1000 Franken in einem Jahre gesammelt. — Während der VisitationS- 378 reise des Patriarchen stand die französische Brigg .Mrcure« zu dessen Verfügung — wohl ein Beweis, daß die Zeiten vorüber sind, wo der Repräsentant einer großen Nation, dem man die Sache des heil. Grabes empfahl, die Stirne hatte zu sagen: „c>u'il ns voulsit, pas aZiter I«z monclo riour cjuelcjues pierros et pour un osbinet <1v äeux toisss cle lonZsur." Fürst Hohenlohe und Kaiser Alexander. „Im September deS Jahres 1822, erzählt der Fürst selbst in seinen Erlebnissen, kam ich von Preßburg nach Wien, wo ich im Hause deS Fürsten Schwarzenberg meine Wohnung bezog, die' der Fürst die Gnade hatte, mir anzutragen. Viel war des Redens von mir und über mich, wie es in der Welt nicht anders gehen kann. Meinerseits vermied ich alles Aussehen Erregende, hielt mich ruhig und überließ den AuSgang Gott. — Im September deS JahreS 1822 kamen Se. Majestät, Kaiser Alexander von Rußland, nach Wien. Dieser Monarch, der gegen die fürstlich Schwar- zenbcrgischc Familie wahrhaft freundschaftliche Gesinnungen hegte, äußerte den Wunsch gegen den Fürsten Joseph Schwarzenbcrg, meine Bekanntschaft zu machen. Es war am 21 September AbtndS um halb 8 Uhr, vaß die Stunde mir bestimntt wurde, in der k. k. Burg mich cinzufiuden, wo Se. Majestät mir die Audienz geben würden. Dieser Tag war und wird mir einer der merkwürdigsten meines Lcbenö bl-ibcn. Ich redete ihn in französischer Sprache an und sagte: „Eure Majestät! Die göttliche Vorsehung hat Allerhöchstvieselben auf eine der höchsten Smfen irdischer Höhe gesetzt, darum wird auch Gott viel von Emr Majestät fordern; denn greß ist der Regem en Verantwortung vor Gott. Er erwählte Eure Majestät zum Werkzeuge, den Völkern Europas Ruhe und Frieden zu geben. Nicht minder entsprachen Eure Majestät seiner Absicht, den Triumph des KreuzeS zu erhöhen und durch Ihr kräftiges Wollen der gesunkenen Religion wieder aufzuhelfen! Ich rechne den hentigcn Tag unter die glücklichsten meines Lebens, wo mir das Glück zu Theil warb, Alterhöchstdenselben meine liefe Ehrfurcht zu bezeugen. Gott wolle Sie durch seine Guade stärken nns durch seinen heiligen Engel beschützen. Dieß wird von nun an mein demülhigcs Gebet vor Gott seyn." Hierauf solgle eine Pause, während welcher der Monarch mich anhaltend anblickte, woinach er auf seiuen Knieen um meinen priesterlichen Segen bat. Wie mir da zu Muihe war, dieß kann ich nicht durch Worte ausdrücken; bloß dieses Einzige kouule ich aus der Fülle meines gläubigen Gemüthes sagen: „Ich dulde es, daß ciu so großer Monarch also sich verdcmüthiget; denn nicht mir erzeuge» Cure Majestät diese Ehrfurcht, sondern Demjenigen, dem ich diene, und der Sie, gnädigster Kaiftr, so wie uus Alle mir seinem kostbaren Blute erlöset hat! So segne Sie denn der dreicimge Gott mit dem Thau seiner himmlischen Gnade; Er sey Ihr Schild gegen alle Ihre Feinde; Er Ihre Stärke in jedem Kampfe! Seine Liebe möge auS- gcgossen seyn in Ihr Herz, so wie der Friede unseres Herrn Jesu Christi allezeit bei Ihnen verbleibe!" Mehr konnte ich nicht hervorbringen, da die Thränen mir gewallig aus den Augen quellten. Sodann drücklen Seine Majestät mich an Ihr Herz; wornach auch im Uebermaß der Rührung ich Ihn an mein hochliopsendeS Herz drückte. — ES war dann die Rede vou verschiedenen Ereignissen, die ich der Feder nicht anvertrauen kann, weil des Monarchen Mittheilung mir heiliges Stillschweigen auferlegt. Ich verweilte bei Seiner Majestät bis dreiviertel auf 10 Uhr. — Wie blutete mir das Herz, als nach zwei Jahrcu sein Tod erfolgte! Nein kein Tag vergeht, an dem ich Seiner nicht im Gebet vor dem Allerhöchsten gedenke!" Wir sehen hier einen mächtigen Monarchen um den Segen eines Priesters bitten; und in der That, eS ist etwas Großes um ein SegenSworr, wenn eS auS dem Munde cineö Laie», und etwaö noch Größeres und Kräftigeres, wenn eS von den Lippe» eines gottgeweihten Priesters aus irgend ein Herz herabsinkt. Warum 379 doch will man dieß heut zu Tage nicht einsehen und kümmert sich so wenig um einen Segensspruch, als wäre solcher nur eine leere Formel! Schlagen wir die heil. Schrift auf, und wir werden finden, wie Jesus selbst seine segnenden Hände den kleinen Kindlein auflegt. Die Weltmenschen aber suchen keinen Segen, eben weil sie Weltmenschen sind, nnd sie finden daher auch keinen auf der rauhen Bahn dieses Lebens! Eltern, vorzüglich ihr Mütter! segnet doch tagtäglich enre Kleinen, segnet den Sohn, der die Heimat verläßt und hinausreist in die weite gefährliche Welt; segnet die erwachsenen Söhne und Töchter, bevor sie hintreten, den Bnnd der heiligen Ehe zu schließen; segnet sie oft mit gläubigem Herzen, und— ihr werdet erfreuliche Früchte aus eurem SezenSspruche hervorgehen sehen. Um so mehr aber sollen alle Christen zur Kirche eilen, um dort den Priester- und GolteSscgen zu erlaugen! (Kath.i.d. Schweiz.) Wunderbare BekebrungSgeschtchte des berühmten TonknnstlerS Hermann Kohn, ausgezogen aus dem Werke Louvenir lies rsoits vontemporsi »8. Hermann Kohn wurde den 10. November 1821 in Hamburg gebore». Sein Vater ist ein angesehener Kaufmann und Banquier daselbst; seine Mutter, eine Dame AnsangS der Fünfziger, wohnt in Paris in der Straße Fontaine St. Georges; sie hat einen lebhaften Geist und angenehme Manieren. Er hat noch zwei Brüder, von welchen der allere Sechandcl treibt, und der andere als Ingenieur beim Brücken- und Straßenbau augestcllr ist; seine Schwester, eine hübsche junge Dame, ist mit einem ausgezeichneten Zeichnenmcistcr, Herrn Raunheim, verheirathet. Die ganze Familie ist ausrichiig und mit einer gewissen zähen Anhänglichkeit der jüdischen Religion zugethan. Hermanns Religionswechsel ist ihnen ein unerklärliches Räihscl; dennoch bezweifeln sie keinen Augenblick dessen Aufrichtigkeit. Wir werden in der Folge noch auf sie zu sprechen kommen. Hermann zeigte von seiner zartesten Jugend an glückliche Geistesanlagen und besonders für die Tonkunst. Mit sechs Jahren spielte er schon auf dem Clavicr alle damals beliebte Opernliedchen; er ergötzte oft seine Eitern durch sn'ue Improvisationen, Erhalte eine schwächliche Gesundheit, war immer von anmuthigcr aber dennoch ernster Gemüthsstimmung. Zu neun Jahren besuchte er schon die Säule nicht mehr nnd erhielt durchaus keinen Religionsunterricht. Folgende Schilderung seiner Kinderjahre finden wir in einem seiner Briefe an den ehrw. Pater Marie Alphonse Ratisbonne: „Ich bin von jüdischen Eltern geboren. In meinem zehnten Jahre war ich bereits ein beginnender Tonkünstler. Ich hatte noch kaum mein zwölftes Jahr erreicht, als ich mein erstes öffentliches Concert in meiner Vaterstadt gab. Der Herr ließ eS leider geschehen, daß mir eine Art Triumph zu Theil wurde. . . . Dieser glänzende Erfolg berauschte mein junges Gehirn. Im Jahr 1834 reiste ich nach Paris. Mein Talent wurde auch da beklatscht und bald zählte ich unter die Frühgeburten der Eelebrität. — Man verhätschelte mich in den SalonS, vorzüglich aber bemühten sich die Gesellschaften der Freigeister mich anzuködern; und da man im Verhältniß meines AlterS bei mir eine schnelle Auffassungsfähigkeit entdeckte, so wiederhol-c man mir so oft diese schmeichelhafte Bemerkung, daß ich mich im Knabenalter schon zum Manne herangereift wähnte, über alles und mit allen in verschiedenem Tone sprach. — Nun bestimmte man mich znm Schildträger aller scheußlichen Doctrinen, die aus dem Pfnhl der Hölle in den Mörderhöhlen der großen Stadt emporwuchenen. Der Atheismus, der Pantheismus, die Tollheiten der Fourricristcn, der Samt Simonisten, der Corn^ munisten, der Socialisten, Aufruhr, Ermordung der Reichen, Abschaffung der Ehe, TerroriömuS, Verlheilnng deö Eigenthums, Gemeinschaft aller Lebensgenüsse, alle diese schönen Dinge fanden Raum in meinem vierzehnjährigen Gehirn. DaS Böse geht raschen Schritts. Bald wurde ich einer der eifrigsten Propagandisten jener Secten, 380 die die Gestalt der Erde zu erneuern sich vorsetzten; so wurde ich der Benjamin von männiglichen neuern Propheten der sogenannten Civilisation." Man kann sich leicht denken, was dieser Jüngling, mit solchen Anlagen, der in Paris ein ungebundenes Künstlerlcben führte, in seinem zwanzigsten Jahre war. Um mit dem heiligen Augustin zu sprechen, mit dem er in der Folge so viel Aehnlich- keit haben sollte, mußte auch bei ihm „das Unkraut der unreinen Gelüste über dem Haupte zusammenwachsen", ohne daß eine Hand sich vorfand, um es anszureuten (exeegsorunt egput, meum velires lioicienum, et null» erst ergcliosns msnus jecms. riet.. 2. c->p. tH). Unterdessen fuhr Hermann fort, sich unter der Leitung des berühmten Pianisten Lißt, der ihn gleichsam adoptirte und sich nicht mehr von ihm trennen konnte, der Tonkunst zu widmen. Dieser große Künstler führte seinen jungen Zögling bei der Schriftstellerin Georges Sand ein, die nichts Angelegeneres hatte, als ihm ihre Romane anzuempfehlen Wie es wohl zu erwarten war, verschlang Hermann mit Begierde alle Erzcngnisse der Verfasserin der Lelia. Die Lesewuth war so heftig bei ihm, daß er bei seinen Clavierererciiicn immer einen aufgeschlagenen Roman neben sich liegen hatte; seine Mntter war ganz trostlos darüber. Lißt führte ihn nach Genf, wo sie beide ein Mnsikconservatorium errichteten. Ein Jahr später lraten sie eine neue Reise zusammen an, gaben Concerte und ernteten allenthalben reiche Lorbeeren ein. Auf diese Epoche seines LcbcnSlaufS macht er Anspielungen in den Noten, von ' denen eS uns vergönnt wurde, Einsicht zn nehmen, wo er sich mit folgenden Worten ausdrückt: „Ich besaß alle Laster; deS Beifalls war ich überdrüssig, als ich, in Begleitung eines berühmten Künstlers, der mir großer Begeisterung für alle neuere philosophische Ausgeburten schwärmte, England, die Schweiz, Italien und Deutschland durchreiste, um Lorbeeren zu sammeln und Proselyten für unsere giftigen Lehren zu gewinnen. Priester waren in meinen Augen antisociale Wesen, und Ordensgeistliche waren für mich Ungeheuer, die man gleich wilden Anthrovophagen fliehen muß. — Wer hätte wohl bei meiner. Rückkunft in Paris damals voraussagen können, daß die göttliche Vorsicht mit mir die Absicht habe, zu zeigen, daß sie auch so tief gesun- kene Geschöpfe auf die gute Bahn zu bringen vermöge? Ich wenigstens hatte gewiß nicht die entfernteste Ahnung davon." Hermann ließ sich also, wie viele andere, von dem Weine des verkehrten Willens berauschen. Er überließ sich blindlings der Strömung der verbrecherischen Genüsse und der weltlichen Eitelkeiten, die ihn umrauschlen. Er ließ sich von seinen Leidenschaften, von seinen Gelüsten, ja sogar von seinen Launen mit einer für seine Familie verzweifelnden Willfährigkeit dahinreißen. So verließ cr einige Mal plötzlich Paris, gerade im Augenblicke, wo daS Glück sich ihm am günstigsten zeigte, ein Mal, um zu Lißt nach Jlalen zu eilen, ein anderes Mal, um eine Oper seiner Komposition in Verona aufführen zu lassen; dann begab cr sich nach London, wo er so viel Geld erwarb, um sich von da nach seinem Lieblingsaufenthalt Venedig zu begeben. Dieser vielen Wanderungen endlich überdrüssig, kam er wieder nach Paris. Aber so wenig hier als andcrwäris fand er Rnhe oder Glückseligkeit, sie waren mit seinen Neigungen unverträglich. Wie wurden diese Fesseln gelöst, die jeden Tag drückender wurden? In dieser Beziehung konnien wir Hermanns Spuren nicht so leicht auefindig machen, als die vorigen. Unterdessen wollte der Zufall, daß wir vor einigen Monaten die Bekanntschaft deS Ritters ASnorcz, eines ehemaligen spanischen Diplomaten machten. Dieser ASnorez Halle ein spanisches Künstler-Museum in der Straße Fontaine St. Georges Nr. 38 gegründet, daS viel SehenSwertheS enthält; er war Heimanns Lehrer gewesen. Folgende Cinzelnheiten hat er unS gleichsam in die Feder diclirt, sie können über jene Epoche in dem Leben unseres jungen Jsracliten einiges Licht verbreiten. „ES war, wenn ich nicht irre, gegen das Ende des Jahres 1845, sagte er unS, als ich Herrn Hermann zum ersten Mal sah; damals gab ich mehreren jungen Leuten Unterricht in der spanischen Sprache, er war einer davon. Sein Aeußeres 381 war elegant; er war etwas aufbrausend, dennoch aber höflich; er hatte etwas Ausgezeichnetes und Anstandvolles in seinem Benehmen. DaS Gespräch meiner Schüler, wie man es sich leicht denken mag, war selten sehr erbaulich; Hermann gab mit Wohlgefallen sein Wort dazn; mehrere Mal erzählte er ohne Umstände von seinen Eroberungen, von seinen Abenteuern, von den Lustpartieen, die er mit seinen Freunden gemacht. . . > Nachdem er nun ungefähr fünfzehn Stunden bei mir genommen und schon so ziemliche Forlschritte gemacht halte, denn er hatte entschiedene Anlage für das Sprachstudium, verschwand er mit einem Male plötzlich. . . . Damals wohnte er in der Rue de Provence Nr. 3V, verließ aber bald darauf diese Wohnung. Es verflossen so mehrere Monate; ich erkundigte mich bei einem seiner Freunde nach der Ursache seines Verschwmdens. Dieser Frennd antwortete mir, daß mein ehemaliger Schüler, durch tolle Verschwendung zu Grunde gerichtet, gezwnngen war, durchzugehen und wahrscheinlich im Auslande lebe. Ich hörte nichts mehr von ihm, bis ich im Laufe oder gegen Ende des JahreS 1847 einst ganz unerwartet auf Hermann in der Straße St. Dominiquc stieß. Ich wollte gerade in die Kirche Samt-Valkre gehen, wo das Hochwürdigste ausgestellt war. Mein Erstaunen wurde noch mehr erregt beim Anblick der Haltung und der Kleivung dieses jungen ManneS. Er war blaß, sein Blick hatte ein ausfallendes Gepräge von Bescheivenheit; seine Toilette besonders war ganz geändert: anstatt-eines nach der Mode zugeschnittenen Fracks, eines feinen Castorhu s und Glanzstiefeln, trug er einen langen Ueberrock, einen Filzhut mit breiter Krempe und gemeine Schuhe. Er ging auf mich zu, sagte mir, daß er noch mein Schuldner sey, und brachte einige Entschuldigungen vor. „„Wissen Sie auch"", fuhr er fort, „„daß ich jetzt ein Katholik bin?"" Wahrlich nein, antwortete ich etwas.kalt, weil ich die Aufrichtigkeit dieser Mittheilung bezweifelte. Wenn Sie mich einige Schritte begleiten wollen, sagte er, so will ich Sie davon überzeugen, Er führte mich in die Rue de l'Universits Nr. 102 in den zweiten Stock. Da hatte er sein Zimmer, dessen Mobilien kaum diesen Namen verdienten, aber dennoch merkwürdig waren. Sie bestanden in einer eisernen Bettstelle mit äußerst einfachem Bett- gcräthe, in einem Koffer, einem Piano, einem Crucifir, einer kleinen Statuette der Mutter Gottes und zwei kleinen Tafeln, die heilige Theresia und den heiligen Augu- stinuS vorstellend. „„Sie sehen also,"" fuhr er fort, „„daß eö wirklich an dem ist. Nun will ich Ihnen mir wenigen Worten die größte Begebenheit meines LebenS erzählen."" Und Hermann erzählte mir diese Begebenheit in einem Tone von hinreißender Innigkeit ungefähr mit folgenden Worten: „„Als ich Ihre Bekanntschaft machte, war ich ausschweifend, unmäßig und allen möglichen Schwelgercien, allen Irrwegen der Jugend ergeben; die Nachwehen dieser Unordnungen waren herb. Als all' meine Habe dahin war, begab ich mich zu meinem Vater nach Hamburg; aber er war unwillig über meine schlechte Aufführung, und schlug mir mein Ansuchen ab. Ich bereiste dann Deutschland und fand in allen großen Familien eine glänzende Aufnahme. Die Concerte, die ich gab, gelangen nach Wunsch, ich wnrde mit ei-cr Auszeichnung, deren ich sehr unwürdig war, am Hofe des Großherzogö von Mecklenburg-Schwerin aufgenommen. Doch verschwendete ich das Geld noch schneller, als ich es erwarb; der Gedanke deS Selbstmordes beschlich mich öfters, so schrecklich waren die Niederlagen, die ich am Spieltische erlitt. „„Ich begab mich aufs Neue wieder nach Paris; ich gelangte allda bald wieder zur glänzenden Lage, die ich vorher hatte. AlleS gelang mir, mein Erfolg war beinahe unglaublich. Ich wurde das Schooßkind des Fauvourg St. Germain, und da- vnrch der Liebling und der Götze der Mode. Mein Geist schwelgte in Fortunens Gunstbezeugungen und in einem Meere von Genüssen; ich sah weder vor- noch rückwärts und lcbre so in den Tag hinein, unbekümmert für die nächste Zukunft. Diese, in den Augen vieler Menschen s>i schöne, so beneidenSwcrlhe Existenz ließ mir keine Muße zum Ueberlegen, und im Grunde wurde ich immer von innerer Unruhe geplagt. Ich taumelte so fort bis zum Maimonate vorigen JahreS. Damals wurde der Marien- 382 Monat mit großer Feierlichkeit m der Kirche St. Valere begangen. ES bildeten sich Musikchöre rwn Freunden der Toukiinst, die daselbst Instrumental- und Vocal-Harmonien ausführten, welche eine Menge Menschen anzogen. Der Prinz von der MoS- kowa, der diese frommen Coucerle leitete und von dem ich die Ehre hatte, gekannt zu seyn, bat mich eines Tages, ich möchte an seiner Stelle diese Chöre leiten. Ich willigte ein, bloß auS Liebe zur Tonkunst und a»S Rücksicht für den Prinzen, dem ich gerne eine Gefälligkeit erzeigte. Im Verlaufe der Feierlichkeit regte sich nichts Besonderes in mir; beim Segen aber, obschon ich nichts weniger als geneigt war, niedcrzukuictii, wie es alle Anwesende thaten, fühlte ich doch in meinem Innern eine ungewöhnliche Regung. Meine vom Getümmel der Well zerstreute und betäubte Seele erraffte sich gleichsam: sie wurde geivahr, daß in ihrem Innern etwas ihr vorher ganz Unbekanntes vorging. Ohne es zu merken und ohne Zustimmung meines Willens fühlte ich mich gedrungen, das Knie zu beugen. Am folgenden Freitag ging ich wieder in dieselbe Kirche, und wurde auf dieselbe Weise wie das erste Mal angeregt; der Gedanke, ich sollte katholisch werden, erwachte plötzlich in mir. „„Einige Tage hernach kam ich des Morgens in die Nähe der Kirche St. Valere; die Glocke verkündete eine Messe. Ich trat ein und wohnte der Handlung aufmerksam und bewegungslos bei. Ich hörte eine, zwei, drei Messen, ohne daran zu denken, mich zn entfernen; ich konnte selbst nicht begreifen, was mich zurückhielt. Ich ging hernach nach Hause und gegen Abenv wurde ich unwillkürlich wieder dahin gezogen, das Läuten der Glocke führte mich wieder in dieselbe Kirche. Das Hochwürdigste war ausgesetzt; eS zog mich biö zur Communionbank hin, wo ich mich auf die Kniee niederließ. Dießmal neigte sich ohne Widerstreiten das Hanpt, als der Segen ei theilt wurde, und als ich mich wieder erhob, fühlte ich eine sehr wohlthuende Beruhigung meines ganzen Innern. Ich begab mich auf mein Zimmer und bald darauf legte ich mich schlafen; die ganze Nacht aber, ob im Traume oder wachend, war ich mit dem Hochwürdi^stcn beschäftigt. Mit Ungeduld erwartete ich den Augenblick, wo ich wieder einer Messe würde beiwohnen können, und von diesem Zeitpuncte an hörte ich viele Messen in St. Valere, und dieß mit so innigem Wonnegefühl, daß alle meine Seelenkräfte in denselben ausgingen. Die Stimme der Gnade, deren erster Laut mich so unerwartet berührte, drängte mich von nun an immer mächtiger. Man riech mir, mich mir der Herzogin von Ranzau zu besprechen; ich ersuchte diese Dame, mir einen Geistlichen anzuweisen; sie schickte mich zum Abbe Legraud, ich ließ mich von ihm leiten und befinde mich recht wchl dabei, bin also entschlossen, seinen Anlciluugen ferner zu folgen."" (Fortsetzung folgt.) Rom. Rom, 1. Nov. Wir haben hier in den letzten Tagen des verflossenen Monats eine unerwartete, durch die Andacht deö Volkes nämlich veranlaßte Mission gehabt. In dem mamertinischen Gefängniß, von welchem auS bekanntlich die Apostel- sürsteu zum glorreichen Martyrtvd geführt wnrden, verehrten die Gläubigen mit besonderer Andacht ein Bilduiß deS g. kreuzigten Heilandes. Man hatte beschlossen, dasselbe auS der unterirdischen Capelle in die über dem Gefängniß erbaute Kirche zu versetzen, und bei dieser Gelegenheit eine dreitägige Andacht abzuhalten. Die außer- orbeniliche Theilnahme, welche die Gläubigen an den Tag legten, rief den Gedanken hervor, das Crncifir in einer größcrn Kirche einige Tage zur öffentlichen Verehrung auszusetzen, und da man ohnehin am Schlüsse der dreitägigen Andacht eine Procession zu veranstalten gedachte, so wurde beschlossen, dieselbe über den Corso, die Hauptstraße Roms, bis zur Kirche deS heiligen Carl von Borrom äo zu führen, und dort eine neue Andacht zu beginnen. Der Procession schloß sich eine außerordentlich große Anzahl andächtiger Gläubigen an, und der Audrang zu der Kirche deS 383 heiligen Carl war so groß, daß man eine förmliche Misston zu veranstalten für gut fand. Es wurden während acht Tagen von einigen Vätern der Gesellschaft Jesn täglich fünf Predigten geHallen, und die großen Räume der Kirche waren stets angefüllt. — Die Mission ist nnn geschlossen, aber baS Cincifir bleil't ausgesetzt bis zum Feste des heiligen Carl, an welchem auch der heilige Water kommen wird, cS zu verehren. Vorgestern haben wir nun von neuem die Feierlichkeit eiuer Seligsprechung — der dritten in diesem Jahre — gehabt. Der Diener Gottes, dem diese höchste Ehre zu Theil wurde, ist Andreas Bobola, Märtyrer aus der Gesellschaft Jesu. Derselbe war ein sehr eifriger Prediger und Missionär, und wirkte in diesem Amte mit dem größten Erfolge zur Zeit, als die schismalischen Griechen mit den Polen in einen blutigen Religionskrieg verwickelt waren. Eine wüthende Horde v.on Kosaken ergriff den Missionar, den sie lange gesucht, auf der Straße nicht weit von Janom in Lithauen, nnd lodtetcn ihn nach langen und entsetzlichen Martern, während welchen der Selige fortfuhr, den heiligen katholischen Glauben, für den er starb, mit lauter Stimme zu bekennen und für seine Mörder zu beten. Er errang die Martyrer- krone am 16. Mai 1657. Es verbreitete sich die Kunde von seinem glorreichen Ende durch ganz Polen und die benachbarten Länder, sein Grab wurde von den Gläubigen fortwährend besucht, und viele außerordentliche Gnaden bezeugten die Macht, welche Gott dem Vekenner verliehen. Venedict XIV. erließ im Jahre 1755 das Dccret, wodurch nach angestellter Untersuchung erklärt wurde, daß Audrcaö Bobola in Wahrheit für den wahrcn Glaubeu gestorben, und also Märtyrer sey. Der während der Unterdrückung deS Jesuileuordeus liegen gebliebene Proceß wurde in diesem Jahrhundert wieder aufgenommen, und Gregor XVI. erklärte im Jahre 184 k die Aechlheit eiueS in dem Leibe deö Märtyrers selbst gewirkten und noch immer forldaueruden Wunders. Derselbe ist nämlich nicht nur gnuz uuverwesel und biegsam, sondern verbreitet auch einen himmlischen Wohlgeruch. ES sind mehrere Augenzeugen in Rom, Priester, die ihm eftmals die Hand geküßt. Von Sr. Heiligkeit Pins IX. wurden drei andere ans die Fürbitte des Märtyrers von Gott gewirkte Wuuver als ächt an« erkannt, und das Decret am Himmelfahrtsfeste dieses Jahres verkündigt. (M. Sbl.) Spanien. Dem „Tadlet" wird aus Madrid geschrieben: Die Kirche, welche seit der Thronbesteigung der Königin stets mir der Strenge antichristlichen HasseS oder der Gleichgiltigkeit eines selbstsüchtigen JndiffereutiSmnS behandelt wurde, fängt seit einigen Jahren, namentlich seit dem Abschlüsse deS CoucordateS, langsam aber stetig an, die Stellung wieder zn gewinnen, die sie einst im spanischen Staate hatte, und die sie nie aufgehört hat, im Herzen der großen Majorität der Spanier einzunehmen. Ich will nicht sagen, daß der wellliche Einfluß und die äußere Macht der Kirche sehr zunimmt; aber ihre Hirten, die durch den Feuerofeu der Revoluliou hindurchgegangen sind, zeigen einen Eifer in der Bewahrung deö reinen Glaubens und in der Verbrciluiig des Geistes der Frömmigkeit und Sittlichkeit unter den Massen, welcher den besten Erfolg hat, se>bft in Städten, die vor zehn Jahren noch der Sitz des Lasters und der Irreligiosität waren. Ihre Bemühungen verdienen doppelte Anerkennung bei der großen Zahl vn> geheimen und offenen Feinden, mit denen sie zu kämpfen haben. Denn leider gibt es auch in unserm Lande eine nicht so zahlreiche, als bittere, nicht so einflußreiche, als verwegeue Pariei, welche unter dem wohlkliu^ genden Namen „Liberale" selbst den Thron Gottes über den Hansen stürzen möchte, wenn er ihrem Fortschritte im Wege stände. Aus Bosheit oder Dummheit begünstigen sie jedes System, welches den Katholicismus in Spanien zu untergraben sucht, wiewohl sie sich selbst Katholiken nennen; römisch, katholisch, apoftolijch sind die Namen, welche selbst diejenigen für sich in Anspruch nehmen, die unter den Beamten 384 und unter dem Volk«, in Städten und auf dem Lande nach Cnltusfreiheit rufen, und die Grundsätze deS Protestantismus verbreiten durch Begünstigung der Agenten der Bibelgesellschaften, durch Uebcrsetzung und Vertheiiung ihrer Tractate und durch Artikel, die sie den „Times" und andern Blättern einsenden mit heftigen Deklamationen über die Intoleranz deS scandalreichen Hofes unv der bigotten Geistlichkeit. Ihre blinde Verehrung gegen das goldene Kalb englischer Macht und Große, ihre falsche Vorstellung von Englanps Toleranz und seiner Politik veranlassen sie, Alles zu verhöhnen, waö nicht einen englischen Anstrich hat, und darum suchen sie überall dem englischen Einflüsse Eingang zu verschaffen und die Saat des Irrthums unter einem Volke auszustreuen, welches seit seiuer Bekehrung zum Christenlhume fast nicht weiß, waö Häresie ist. Unter ihrem Schutze ziehen Engländer im Auftrage von Vi'bel- und andern Gesellschaften im Lande umher und vertheilen hübsch gebundene protestantische Bibeln und Tractaie heimlich oder in einer Weise, welche kein großes Verlangen nach der Martyrerkrone beweist, z, V. indem sie dieselben aus dem Wagen Vorübergehenden zuwerfen. — Nimmt man zu der heftigen Feindseligkeit der Progres- sisten die Glcichgiltigkeit und den ScepliciSmnS der ModeradoS, die Armuth der Geistlichkeit und den Einfluß der schlechten Literatur s lg Eugen Sue, so muß man sich wirklich darüber wundern, die Kirchen von Morgen bis Abend gefüllt zu sehen und überall, außer bei den NouöS von Prosession, eine ächte, männliche Frömmigkeit zu finden. Die Geistlichin haben viel gelitten, aber sie sind durch Leiden geläuiert; ihre Bildung ist gut und ihre Wachsamkeit für i?re Heerde größer, als der Eifer der Feinde. Mischehen. In Paderborn bei F. Schöningh ist eine Schrift erschienen, betitelt: „Die Prineipi.n des kirchlichen Rechtes in Ansehung der Mischehen." Der Verfasser stellt folgende acht Principien auf: t) Mischehen zwischen Katholiken unv getauften Nichtkatholiken sind insgemein nach natürlichem und positiv-göttlichem Rechte unerlaubt. 2) Mischehen zwischen Katholiken und getauften Nichtkatholiken sind auch durch allgemein- kirchliches Verbot unterfahr. 3) Die Verschiedenheit der Religion zwischen Katholiken und getauften Nichtkatholiken ist kein trennendes Ehehinderniß, oder: Mischehen zwischen Katholiken und gctansten Nichtkatholiken sind, von andern Ehchindernissen abgesehen, giltig. 4) Mischehen, die mit einem trennenden Ehehindernisse eingegangen werden, sin» ungiltiz. 5) Die ohne Beobachtung der vom Concil zu Trient vorgeschriebenen Form eingegangenen Mischehen zwischen Katholiken und getauften Nichtkatholiken sind in allen jenen Pfarreien ungiliig, in welchen das Concil publicirt und für welche die verbindende Kraft des betreffenden Tridentinischen Gesetzes nicht durch specielle Erklärung des h. Stuhls beschränkt ist. 6) Mischehen zwischen Katholiken und getauften Nichtkatholiken können aus wichtigen Gründen und unter dem Vc'rhandcnseyn gewisser Bürgschaften, aber nur aus päpstlicher Autorität, erlaubt werden. 7) Bei einer unerlaubten Mischehe sind Ausgebot, Dimissorialen und jede Assistenz verboten. 8) Bei einer erlaubten Mischehe sind die passive Assistenz und Dimissorialen erlaubt, dagegen active Assistenz und Aufgebot untersagt. — An diese Principien knüpft er folgende vier Fragen: a) Wie hat sich der katholische Geistliche in Aus- spendung der h. Sacramente gegen diejenigen zu verhalten, welche eine Mischehe eingehen wollen, oder schon eingegangen sind? b) Würde eine Praxis nach den vorgetragenen Principien der Kirche nachtheilig seyn? c) Ist die Beobachtung der genannten Principien dem Staate nachlheiug, und hat dieser ein Recht, dieselbe zu verhindern? cl) Können Nichtkatholiken die Anwendung der besprochenen Principien als einen Angriff auf ihre Confes- sion betrachten? — Für Jeden, der gründliche Aufschlüsse über die gemischten Ehen wünscht und namentlich für den Geistlichen ist die Schrift nützlich zu lesen. Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. Verlags-Inhaber: F. E. Kremer. Dreizehnter Jahrgang. Sonntags-Beiblatt zur Augsburger Pojizeitung. 4. December M- ^S. , 1853 Dieses Blatt erscheint regelmäßig alle Tonntage» Der halbjährige Abonnemcntsvreis Äuvenir äes rscits eontemporaing. (Fortsetzung.) Herr Asnorez wiederholte uns die Worte Hermanns zwar nur so, wie sie ihm noch erinnerlich waren, bemerkte uns aber, daß seine Erzählung wohl vielleicht hin und wieder einige Unrichtigkeiten enthalten möge; daß''aber, im Ganzen genommen, Alles seine Richtigkeit habe, und mit der Mittheilung, die ihm gemacht wurde, übereinstimme. Uebrigens versicherte er uns, und noch mehrere andere Personen bestätigten es, daß bald nach dieser Unterredung Herrmann seine Schuld bei seinem Professor abtrug, so wie er auch seine übrigen Gläubiger befriedigte. Es stellt sich klar heraus, daß gerade in dem Augenblicke, wo die Welt alle möglichen Begünstigungen und Lockungen ihm bot, Gott ihm die Kraft ertheilte, dieselben mit Verachtung zurückzuweisen. Trotz der Revolution von 1843, die so viele Künstler brodlos machte, konnte in demselben Jahre Hermann 25—30,000 Frs. Schulden abtragen. „Freilich", schrieb er uuS eines TageS, „ist eS also. Am ersten Jänner ersuchte ich den heiligen Joseph, meine Schulden zu bezahlen." Wir wollen aber der Geschichte nicht vorgreifen, und den Faden bei dem Zeitpuncte wieder aufnehmen, wo wir ihn ließen. Wir theilen nachstehend einen Auszug aus einem Briefe mit, den er zu jener Zeit an den Pater Maria Alphonso RatiSbonne schrieb, auf die Gefahr hin, uns einiger Wiederholungen schuldig zu machen. „An einem Freitage im Mai 1347", schrieb er ihm, „ließ mich der Fürst von der Moskowa ersuchen, an seiner Stelle die Leitung eines Musikchors von Dilettanten in der Kirche von St. Valere zu übernehmen. . . . Während des Segens empfand ich zum ersten Male eine sehr lebhafte Anregung, die ich nicht zu beschreiben vermag. Den folgenden Freitag bemächtigte sich diese Anregung meiner noch weit stärker; ich hatte die Empfindung, als zöge ein schwell Gewicht meinen Körper nach abwärts, meine Kniee beugten sich, ja, es zog mich ganz zur Erde hin wider meinen Willen." Einige Zeit nachher äußerte er sich gegen denselben folgendermaßen: „Ich hatte Gelegenheit, die Frau Herzogin von Nanzau zu sprechen; ich äußerte ihr den Wunsch, mich mit einem Priester zu besprechen über die Unruhe, die meinen Geist unaufhörlich quälet seit jenem außerordentlichen Ereignisse. — Bis dahin waren die Geistlichen in meinem Sinne eine Art Ungethüme, denen man ausweichen müsse; ich begreife nicht, welche unwiderstehliche Macht mich antrieb, nun einen Geistlichen aufzusuchen. Der Böse war demnach noch nicht überwunden. Die Concerte, die Lustpartieen, die Festgelage nahmen mich immer noch stark in Anspruch; ich vermochte nicht zu wider- 390 stehen, — Ich hatte endlich eine Unterredung mit dem Herrn Abb6 Legrand, dem jetzigen Pfarrer zu St, Germain l'Aurerrois, Ich erzählte ihm, was mir begegnet war; eS schien ihn zu interessircn; er gab mir Lhomands Gfrörer. Der berühmte Historiker ist in den Schooß der katholischen Kirche zurückgetreten und zwar zu Freiburg (wo er an der Universität ordentlicher Professor der Geschichte ist); gleich nach dem Tage, an welchem der Hirtenbrief des Erzbischofs verkündigt worden war. Gfrörer ist nach seiner eigenen Aeußerung durch das Studium der Geschichte zum Glauben an Christus den Sohn Gottes und den Menschensohn — und zur Ueberzeugung von der Wahrheit der katholischen Kirche gekommen. Ich bin der Meinung, Gfrörer wird es nicht übel nehmen, wenn ich einige Aeußerungen hier wiedergebe, welche ich von demselben im Jahre 18ä9 am Allerseelentage vernommen habe. ES war damals noch eine sehr bewegte Zeit — kaum daS erste Ausschnaufen von einer großen unseligen Bewegung in Mittel- und Südeuropa begonnen. Gfrörer war am besagten Tage an zwei Stunden in meiner Wohnung, was mir große Freude machte; denn mit ihm zu reden ist ein wahres Vergnügen — was nicht bei jedem Gelehrten und jeder Celebrität der Fall ist. Gfrörer ist ein wahrhaft edler biederer Schwabe, der das Herz auf der Zunge trägt — seine Bemerkungen über öffentliche Zustände sind gewöhnlich scharfsinnig, geistreich und schlagend. Wir redeten Vieles über die Geschicke der Kirche in der nächsten Zukunft; mitunter flocht Gfrörer subjektive Bemerkungen über seine innere Stellung zur katholischen Kirche ein — die mich aufs liesste rührten, und ich bin in der Regel nicht leicht bewegt. Unter anderm sagte, er: „Nachdem ich durch die Schulen ex oktioiv um den Glauben gebracht war, bin ich auf historischem Weg zu meinem jetzigen Glauben wieder gekommen, und auf historischem Weg kann ich einmal auch noch ganz in die katholische Kirche kommen; zuerst imponirte mir der ganze Organismus der Kirche, es gibt nichts Größeres, nichts Herrlicheres." Die Worte des Mannes haben sich erfüllt. ES war ein großartiges Stück Weltgeschichte und Kirchengeschichte, das sich jüngster Tage in Freiburg abgewickelt hat — da kam es in Gfrörer, der davon nächster Augenzeuge war, vollends zum Durchbruch; seine noble Natur konnte eS im Protestantismus nicht mehr aushalten, er konnte das Schwanken nicht länger vertragen; er wollte einmal einen festen Grund unter seinen Füßen haben. Ueber die nächsten Geschicke der Kirche sagte Gfrörer am selben Tage vor vier Jahren (und ich erinnere mich noch gut seiner Worte): „Wird eS ruhig, so wird sich der Radikalismus mit der Larve der Legalität an die katholische Kirche machen, und gerade in den kleinen deutschen Ländern wird man's am ärgsten treiben — dann wird's aber auch zum Bruche kommen. Man wird meinen, die Ruhe sey geeignet, um die unhaltbaren Zustände mit der Kirche sicher zu befestigen." Auch diese Worte Gfrörers haben sich erfüllt. Nebenbei sind mir noch viele andere Aeußerungen Gfrörers im Gedächtniß, ich habe aber Grünve, selbige in petto zu behalten; bin aber der Meinung, der Historiker, von Freiburg werde auch hierin den Nagel auf den Kopf getroffen haben. Gfrörer scheint — wie er großen Scharssinn in der Combination der Verwicklungen längst entschwundener Zeiten bewiesen hat, auch einen ähnlichen Scharfsinn für die Combination zukünftiger Zustände zu besitzen. (W. K.-Z) Sie halten zusammen. Wer jetzt Augen hat, der kann sehen, und wer Ohren hat, der kann hören. Bei der badischen Verwickelung ist die radicalz Presse ungemein thätig, sie kann ihr Blut nicht verläuzneu und nicht von ihrer Art lassen. Die radikale Presse besteht aber eigentlich und natürlich aus den radikalen Persönlichkeiten, welche diese Presse 399 handhaben, und diese sind einmal durch keine Polizei zu überwachen. Wir haben in Oesterreich so gut unsere radicale Presse als anderwärts, Sie weiß mit großer Schlauheit und Pfiffigkeit die radicalm Interessen zu vertreten. Wir werden den Beweis liefern. In ganz Deutschland ist diese radicale Presse gegen den Erz- bischof von Freiburg und für das badische Ministerium. Natürlich auch — diese besagte Presse weiß es immer sehr gut, wer in ihrem Interesse und wer gegen dasselbe arbeitet. Wie die Kirche Macht gewinnt, so fallen die Aclien der revolutionären Propaganda — gegen die Kirche muß daher mit aller Anstrengung gearbeitet werden. In Oesterreich gibt es nun große, vielgelesene Blätter, die fangen an, sehr pfiffig ihre alten Tendenzen von 1849 wieder hervorzukehren; in der Sache deS ErztischosS von Freiburg suchen sie die öffentliche Meinung total hinterS Licht zu führen, und das geschieht nicht durch Leitartikel oder Originalarlikel, sondern durch eine sehr einfache Manipulation. Es wird das rothe „Frankfurter Journal" und andere Blätter gleicher Färbung benützt und diese trüben, schmutzigen Quellen in die Gartenvetlltin besagter Journale hineingeleitet. Wer kann einen Redacteur zwingen, aus diesem oder jenem Journal seine Artikel zu nehmen? DaS geht nicht an, eS ist eine Unmöglichkeit. — Wir behaupten daher: alle Ucberwachung, der Presse nützt nichlS — wenn die Persönlichkeilen keine Garantien in ihrem Charakter darbieten — wie sollen aber jene Persönlichkeiten eine Garantie geben — die, so lang es möglich war — und mit so großem Seeleueifer, als eS für ihr Leibesheil räthlich war, mit der Revolution gehalten haben, und die sich erst dann bekehrten, als sie durch äußerlich zur Schau getragenen Schafspelz (bei innerlicher Wolfverbleibung) ihre Eristenz wieder beginnen konnten, oder wenn sie nicht unterbrochen war, bewahren konnten. Wer tiefer schaut, als auf daS, was die Oberfläche darbieter, der sieht durch den glatten Wasserspiegel die scherzenden Seeungeheuer ihr Spiel treiben. Die eine Thatsache aber sollten sich alle Staatsmänner in Anbetracht des Freiburger Conflictes ins Herz schreiben: Wie kommt es, daß die ganze radicale Presse für das badische Ministerium arbeitet und gegen den Erzbischof auftritt? Das kommt daher, weil die radicale Presse eS sehr gut, und besser als alle jene, welche sie, ohne Besitz der rechten Waffen, bekämpfen wollen, weiß, wo eigentlich das Ferment deS Umsturzes ist — und was die beliebte Gähiung fördern kann. Darum sagten wir, man braucht nur die Augen aufzumachen, um zu sehen, und die Ohren, um zu hören. (W. K.-Z.) Preßburg. Aus Preß bürg 22. Nov. wird der W. Kirchenzeitung geschrieben: Da ich alleS Wichtige und Erwähnenswerthe Ihnen mitzutheilen versprach, dürften Sie bereits meinetwegen auf sonderbare Gedanken gerathen seyn, weil ich eines der wichtigsten und segensreichsten Ereignisse, daS die katholische und nicht katholische Bevölkerung unserer Stadt mitgelebt, und dem sie eine ausdauernde Aufmerksamkeit zugewendet, bisher unerwähnt ließ. Daß ich hier die heilige Mission der hochwürdigen Jesuitenväler, die am 30. Octvber begonnen und am 13, November beschlossen wurde, meine, liegt auf der Hand, aber nicht so handgreiflich ist die wahre Ursache meines langen Schweigens darüber; Sie darüber aufzuklären, muß ich Ihnen offen gestehen, daß ich die heilige Misston für ein Werk Gottes angesehen, daS himmelweit von den Werken der Menschen absticht, und sich in seinen Wirkungen und Folgen selbst lobet und rühmet, und nicht wie allenfalls das Auftreten eines Komödianten, den fünf baare Gulden zum Künstler und Genie stempeln, während er ohne diese ein ganz gewöhnlicher Acteur bleibt, der Feder eines Sterblichen bedarf. Also nicht als Speklakelstück, daS gleich nach der Aufführung recensirt werden muß, sondern als ein Werk GotteS betrachtete und betrachte ich die heilige Mission, und schreibe darum zwölf Tage nach deren Schluß über ihre Folgen, aber nicht über vereinzelte Erscheinungen, die man leicht als momentane Einflüsse der Redekrast schildern könnte, und 400 auch wirklich geschildert hat. Darf man den Tag vor dem Abende nicht loben, ist eS bei so gewalliger Begebenheit gewiß nicht minder angezeigt, ihre Nachwirkungen abzuwarten, und den Feinden der Wahrheit trocken sagen zn können, daß jenes Licht, welches geleuchtet, kein Strohfeucr gewesen. Doch, zur Sache zu kommen, lassen wir Jedem seine Ansicht und Aussicht, und beschäftigen wir uns mit der heiligen Mission. Der Anfang und das Ende derselben waren glorreich, und der Besuch der Predigten, die in zwei Kirchen zu gleicher Stunde gehalten wurden, ein enormer. Am zahlreichsten waren die Reden des P. Joseph und des P. Mar Klinkowström besucht, aber auch bei den übrigen Herren fand sich immer ein gewähltes und großes Publikum ein. Ich erlaube mir keine Kritik über die hochwürdigen Redner, eine Aeußerung kaun ich jedoch nicht unterdrücken, und die PP. Jesuiten werden mir dieselbe auch gewiß nicht übel deuten, die nämlich, daß ich den P. Patiß für den gründlichsten unter ihnen halte. Es mag seyn, daß ich irre, allein in den von ihm vernommenen Reden fand ich eine seltene Logik und eine haarscharfe Gliederung der einzelnen Sätze, die mich bewog, seinen Predigten ausschließlich und so oft als möglich beizuwohnen. Damit sey nicht gesagt, als hätten die übrigen Pcüres weniger Gründlichkeit entwickelt, sie wußten, waö eben so Noth thut, die Saiten des Gemüthes anzuschlagen. UebrigenS haben alle sechs Männer Unglaubliches geleistet, und die Beweise hicfür sind die Folgen der heiligen Mission, der fortgesetzte Gebrauch der heiligen Sacramente, die vielen stallfindenden Restitutionen, der merklich fleißigere Besuch der Kirchen, die Begleichung jahrelanger Feindschaften u. s. s,, derentwillen ich die heilige Mission den Triumph des Kreuzes nenne, und Sr. Eminenz dem hochwürdigsten Cardinal-Fürsten Reichsprimas von Ungarn als Veranlasse? derselben im Namen Derer danke, die von der heiligen Mission einen segenvollen Gebrauch gemacht, und wahrhaft besser und frömmer geworden sind. Daß ihre Zahl keine kleine — zeigen die unansgesetzten Besuche bei dem Missionskreuze, das oft umlagert erscheint, und keinen Tag ohne Besucher bleibt. Nordamerika. Der zum Nuntius in Brasilien bestimmte Msg. Bedini, Erzbischof von Theben, i, p., hat bekanntlich von Sr. Heiligkeit den Anstrag erhalten, vorher sich über die Zustände der katholischen Kirche in Nordamerika zu unterrichten. Er wurde in den Hauptstädten der vereinigten Staaten und Canadas auf eine seinem Range entsprechende Weise nnd von den Katholiken mit der größten Ehrerbietung empfangen. Der gesetzliche Einfluß des römischen Stuhles hat durch diese Rundreise deö päpstlichen Nuntius bedeutend gewonnen. Die Feinde der katholischen Kirche wurden dadurch um so mehr erbittert; besonders die italienischen Flüchtlinge in New-Kork, welche sich durch Haß gegen Kirche und Religion auszeichnen. Ihr Rtdner ist Gavazzi, dessen Brandprediglen bekannt sind, auch haben sie eine Zeitung, welche ein Herr Secchi di Casali redigirt, welcher früher mit aller Kraft rief: Es lebe Pius IX.! und später als Colporteur im Dienste der PreSbyterianer stand, nnd ketzerische Bücher in Italien verbreitete; jetzt verbreitet er von Zeit zu Zeit in seiner Zeitung das Gift der Verleumdung über die katholische Kirche und den heil. Stuhl. Für alle dergleichen war der Erfolg deö päpstlichen Nuntius eine Niederlage, welche sie auf alle Weise abzuwenden suchte». Sie wendeten zuerst gegen Msg. Bedini Verleumdungen an, welche die protestantische Presse weiter verbreitete. Nachher suchte man den päpstlichen Nuniiuö zu Meuchelmorden. Die Gewissensbisse eincS der Verschworenen erlaubten dem Msg. Bedini auf seiner Hut zu seyn. Die Verschworenen aber, welche sich dnrch einen gewissen Sassi verrathen glaubten, vtrsctztcn diesem in der Nacht auf einer Straße von New - Uork einen tödtlichen Stich. Sassi hat vor seinem Tode Bekenntnisse abgelegt. Verantwortlicher Redacteur: L. Schön chcu. Verlags-Inhaber: F. C. Kremer. Dreizehnter Jahrgang. Sonntags-Beiblatt zur Augsburger PostLeitung. 18. December M Z853. Diese» Blatt erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der halbjährige Abouuement«pre!« TV kr., wofür e« dnrch alle königl. bayer. Postämter und alle Buchhandlungen bezogen werden kaun. Wunderbare BekebrungSgeschichte des berühmte» TonkünstlerS Hermann Kobn, ausgezogen aus dem Werke Souvenir «je» reeits vontemporsins. (Fortsetzung.) Mit Sehnsucht erwartete Hermann den Tag, wo ihm die Gnade zu Theil werden sollte, das Brod der Engel, das wahre Manna zu empfangen. Er drückt sich hierüber in folgenden Worten aus: „Wenn ich die Gläubigen an die Communionbank treten sehe en'strömen heiße Thränen meinen Augen, es sind alsdann nicht jene süße beglückende Thränen der innern Tröstungen, ich sühle eine tiefe trostlose Traurigkeit, daß eS mir noch nicht vergönnt wird, zum Tische des Herrn zu gehen! .... In diesem Augenblicke, wo ich Ihnen schreibe, fühle ich eine unbeschreibliche Betrübniß, daß es mir noch nicht vergönnt war, meine erste Communion zu seiern, ich lechze nach dieser himmlischen Feier. Seit meiner Taufe", sagte er anderswo, „hat mich der Herr jeden Tag mit Süßigkeiten überhäuft, mit Tröstungen jeder Art, und mit einer Menge himmlischer Begünstigungen! Oft schwamm ich in einem Ocean geistiger Entzückungen! Für Gott allein zu leben", hörte man ihn oft sagen, „ist mein heißester Wunsch, eS ist sür mich was der Himmel den übrigen Menschen, was einem entthronten König die Rückkehr seiner Verlornen Macht, was einem vor brennendem Durst lechzenden Wanderer der Anblick einer frischen klaren Quelle ist! ... . O heilige Lehre meines geliebten Jesu, nur dir will ich leben, allem Andern will ich absterben!" Am 8. September, an dem Tage, wo die Kirche das Fest der Geburt Maria feiert, hatte unser frommer Neophit das Glück, zum ersten Male seinen Heiland zu empfangen. Was mag wohl in dieser glühenden Seele vorgegangen seyn in dein Augenblicke, wo sie sich mit ihrem Heiland so eng verbunden fühlte? Man versicherte uns, daß in jenem Augenblicke die Gesichtszüge deö jnngen Mannes einen überirdischen Ausdruck hatten, welcher allen Anwesenden ausfiel; seine Lippen aber verstummten über das, was er empfand; er wich bis jetzt jeder Erklärung hierüber aus. Am 3. December 1847, am Feste des heiligen FranciScuS ZaveriuS, ertheilte ihm der hochwürbigste Erzbischof d'Äffre das Sacrament der Firmung. Bei dieser Gelegenheit erhielt er noch den Namen ZaveriuS, Von dieser Stunde war er im Besitze der sieben Gaben des heiligen Geistes. Wir werden bald-sehen, welche herrliche Früchte diese Gaben hervorbrachten, mit welcher Beharrlichkeit, mit welcher schlichten Opferwilligkeit Hermann der Welt entsagte, er, der doch deren berauschende Genüsse so oft gekostet hatte! Wie tief er eindrang in den Geist der GlaubenSgeheimnisse und Wahrheiten, er, der während fünf« undzwanzig Jahren nicht ein einzig Mal davon sprechen gehört hatte; wie richtig er gerade das wählte, was am meisten zur Verherrlichung des NamenS Gottes beizutragen 402 vermag, indem er eine enge und dunkle Zelle der geräuschvollen Hauptstadt, der Schaubühne seiner Triumphe, vorzog; mit welchem beharrlichen Muthe er alle Hindernisse besiegte auf dem Pfade seines Heils, und, um zum Ziele zu gelangen, scheute er weder Abtödtungen, beschwerliche Reisen, die Entsagung seiner Verwandten, noch schreckte ihn die harte Lebensweise in einem der strengsten Orden ab. Mit welcher Richtigkeit er den Gebrauch seiner Talente und seiner Naturgabe zu ordnen wußte, beweiset, daß alle sein? musicalischen Werke religiösen Gegenständen gewidmet und „Mariens Ruhm!" „Liebe zu Jesu!" zc. betitelt sind. Mit welchem Eifer, mit welcher Bereitwilligkeit er sich dem Dienste Gotteö hingab, zeigt sich am besten dadurch, indem er auf i»imer seinem eigenen Willen entsagte, um sich unbedingt dem seines Obern zu unterwerfen, den er gleichsam wie den Willen Gottes ehrte. Aus Liebe uud Ehrfurcht für unsern Heiland, für den er immer beseelt war, sank er vor dem Tabernakel auf die Kniee und rief öfters mit Begeisterung auS: „ich habe ihn gefunden, den Geliebten meines Herzens! Er ist mein, ich besitze ihn und Niemand soll mir ihn mehr entreißen!" Im Monat September desselben Jahres zuckte in ihm der erste Gedanke auch einer nächtlichen Anbetung des hochheiligsten Sacramentes in einer Carmeliten-Capelle in der Rue de l'Enfcr. Eines Abends, erzählte man uns, verweilte er so lange im Gebete vertieft vor dem Hochwürdigen, daß eine Laienschwester zu ihm hintrat und ihn aufforderte, sich zu emfernen. „Recht gern, aber erst nach dem Segen," gab er zur Antwort. — ES ist heute kein Segen, erwiderte die Schwester. — „So bleibe ich so lange, als die Damen dort bleiben." — Es dürfen nur Frauen hier die Nacht über verweilen, bemerkte ihm die Schwester. Hermann gehorchte wider Willen. Von dem Wunsche beseelt, auch Männer für die neue Ehrenwache deö Königs der Könige anzuwerben, begab sich Hermann gleich am folgenden Tagein mehrere Kirchen in Paris, trat zu den jungen Männern hin, die er allda andächtig beten fand, und schlug ihnen vor, sich in die heilige Schaar einzureihen, und so legte er den ersten Grnnd zu jener erbaulichen Bruderschaft der immerwährenden Anbetung des hochheiligen Sacraments, die späterhin durch Anordnung des Erzbisckofs Sibour eine geregelte Gründung erhielt. Am 6. December 1848 hatte die erste nächtliche Anbetung des Hochwürdigen in der Kirche Notre Dame des Victoires Statt. In dem Vorworte zu den 4V Cantaten, die er späterhin znr Ehre der göttlichen Eucharistie verfertigte, entlockte ihm die Erinnerung an jene Stiftung folgende heiße LiebeSergießunzen: „O du himmlisches Sacrament, du berauschende Quelle, an der meine lechzenden Lippen in langen Zügen den Vorgenuß des ewigen Lebens schöpfen! Mein Herz schwimmt in Wonne ... es drängt mich, dich zu segnen, meine Lob- und Dankgesänge erschallen zu lassen; denn ich weiß nun, daß meine Brüder in Paris des unsäglichen Glückes genießen; jeden Tag sehen sie dich aus deinem LiebeSkerker hervortreten, du zeigest dich ihren verblendeten Augen und es ist ihnen vergönnt, ihre ewige Anbetung dir darzubringen!" „Und das Glockengeläute der Hauptstadt verkündet deine Anwesenheit und mit flatternden Bannern feiern sie in Umgängen deinen Triumph uud der Oberhirt ordnet in den Kirchen eine prunkvolle öffentliche Feier zu deiner Verehrung. „Er ladet die Gläubigen ein, die Altäre zu verzieren; er beruft eure Kinder, daß sie Lob- und Danklieder ihm singen.... „O angebeteter Jesus! ich fühle mich gedrungen, meine Gesänge mit denen meiner Pariser Brüder erklingen zu lassen! Denn in dieser Stadt hast du geruht, mir unter der eucharistischen Hülle die ewige Wahrheit zu verkünden; — das erste Geheimniß, welches du mein Herz fühlen ließest, war deine wirkliche Gegenwart im hochheiligen Sacramente. „Fühlte ich mich nicht damals schon, als ich noch Jude war, so mächtig zu dir hingezogen, daß ich mich kaum enthalten konnte, an den heiligen Tisch hinzueilen und dich in mein brennendes Herz auszunehmen! Mein heißes Verlangen nach der heiligen Taufe hatte hauptsächlich zum Grunde die Sehnsucht, mit dir vereinigt zu 403 seyn. — In Unruhe nach dem schönsten Tage meines Lebens seufzend weinte ich auS Scheelsucht, wenn ich Andere die heilige Communion empfangen sah; mit den Augen verschlang ich die geweihte Hostie, iu welcher Deine Liebe zu den Menschen den unendlichen Gott befaßt! . . . „Was du damals für mich thatest, um mich in meinem schmerzhaften Verlangen zu trösten, das kann ich hier nicht sagen. Sseretum msum milii. „Als ich endlich an diesem himmlischen Mahle theilnehmen durfte, schöpfte ich in demselben eine unbekannte Macht gegen mich selbst. Diese göttliche Speise wandelte mich in einen neuen Menschen um; sie bewahrte mich gegen alle Angriffe der weltlichen Versuchungen. Dieser Schatz schälte mich von Allem ab, waS mich ehemals mit Macht beherrschte. „Ein immer heißerer Durst drängte mich je mehr und mehr zu dieser Quelle des lebendigen Wassers; wie ein Verhungerter sehnte ich mich nach diesem „„Weizen der AuSerwählten."" ' „Um dich nach Herzenslust zu.schauen, flössen mir die Stunden des TageS zu schnell dahin; ich suchte Christen auf, die, wie ich, von dieser heiligen Gluth entbrannten; und wir brachten die Nächte in deinen Kirchen zu. . . Ein frommer Priester leitete uns. Am Abend setzte er das Hochwürdige auf dem Altare auö, und die Morgenröthe fand uns noch knieend vor deiner Herrlichkeit... „O wonnenvolle Nächte! meine Zunge möge an meinem Gaumen vertrocknen, meine Hand verdorren, wenn ich je euch vergesse! In diesen himmlischen Nächten zogest du mich, o mein Jesuö, durch einen so mächtigen, unwiderstehlichen, lieblichen und zärtlichen Liebreiz an, daß der letzte Faden zerriß, der mich noch an die Welt heftete. Ich floh fern von den Städten, um ganz ungetheilt und für immer dir zu leben." Der Entschluß, sich Gott im Priesterstande zu weihen, stand bei Hermann schon vor seiner Taufe fest, aber sein Beruf zum Klosterleben entfaltete sich erst im Jahre 1348, zur Zeit, wo alle seine Seelenkräfte, wie in einem Brennpuncte, in der Anbetung des hochheiligen AltarSsacramentes zusammenflössen, wo er jeden Abend, um Mitternacht, aufstand, um dem Betrachten vor dem Hochwürdigsten obzuliegen. Gegen Ende dieses Jahres kamen die drei jungen Direktoren dieses frommen Werkes überein, ein gemeinschaftliches Leben nach einer gewissen Regel zu führen, und am letzten Samstage vor den Fasten im Jahre 1849, am 17. Februar, verließen sie die Welt und zeigten sich nicht mehr in derselben. Hermann, Einer von diesen Dreien, begab sich vom AuffahrtStage an bis Pfingsten in eine Retraite. In derselben las er das Leben deS heiligen Johannes vom Kreuze; durch diese Lectüre und durch andere mysteriöse Veranlassungen, über welche er jeder Erklärung sorgfältig auszuweichen scheint, entstand in ihm der unwiderstehliche Wunsch, in den Karmeliter-Orden zu treten. Er erkannte bald in diesem Wunsche eine Eingebung von Oben und beschloß, ihn zu verwirklichen. Bald darauf fügte eS sich, ohne sein Zuthun, daß er in Paris einem Religiösen auS dem Barfüßer-Karmeliter-Orden aus dem vor einigen Monaten in Agen gegründeten Hause begegnete. WaS er von diesem Hause vernahm, bestärkte ihn noch mehr in seinem Entschlüsse, seine Aufnahme in demselben nachzusuchen. Er eröffnete sein Vorhaben seinem Director, dem ehrwürdigen Pater Bertholon aus der Gesellschaft der Maristen, in deren Hause er seit einiger Zeit wohnte. Anfangs mißbilligte er diesen Entschluß, gab aber endlich doch nach. Hermann, erfreut über diese Zustimmung, traf ungesäumt seine Vorkehrungen zur Reise nach Agen. DaS Karmeliter- Kloster in dieser Stadt ist unter dem Namen „I'Lremiwße" bekannt, eS ist genannt zur „Lieben Frauen deS BergeS Karmel" und zur heiligen Theresia; es liegt an der nördlichen Seite der Stadt, auf einem steilen, auS einer weißen FelSmasse gebildeten Hügel. Man zeigt daselbst noch die Felsenhöhle, in welche sich der heilige Capraiö, der heilige VincentiuS und die junge jungfräuliche heilige Fides geflüchtet hatten. In dem römischen Martyrologium wird vom ersten dieser Heiligen berichtet, daß er, in einer dieser Höhlen verborgen, Zeuge war von dem unerschrockenen, stand- .. . 404 hasten Marterthume niid Tode der heiligen Fides für JesuS ChrkstnS. Er flehte zum Herrn, er möchte ihm doch als Zeichen, daß auch er des Martyrthums werde gewürdiget werden, klares Wasser aus dem Boden der harten Felsenhöhle, in der er sich befand, emporsprudelii lassen; da bald darauf wirklich klares Wasser hervorquoll, ging der heilige Caprais freudig den Henkersknechten entgegen und starb für die Ehre Gottes. Seit dieser Begebenheit wird die Quelle auf dem Gipfel der Eremitage, die noch immer rein fließt, von frommen Pilgern mit Andacht besucht. Hermann reiste den 16. Juli 1849 von Paris ab, am Feste unserer lieben Frau vom Berge Karmel, trat mit Bescheidenheit in die Capelle ein, gerade als man die erste Vesper des Propheten EliaS sang, der als der erste Stifter des Karmeliter- OrdenS betrachtet wird. Er hörte eine innere Stimme, welche ihm sagte, daß hier der Ort sey, wo ihn der Herr erwarte. Der Vorsteher gestattete ihm, hier eine Re- traite von siebenzehn HageN zu machen, und dann ertheilte er ihm die Erlaubniß, in das Noviziat du Broussey, zu Rions unsern Bordeaux, einzutreten. Er brachte fast eine» Monat in diesem Hause z>u: vom 6. August bis zum 3. September lebte er zurückgezogen in einer Zelle, dachte fleißig nach über seinen Beruf und erklärte dann, daß er bleiben wolle. Aber um umgekleidet zu werden, bedürfte eS einer Zustimmung von Rom; man hielt darum an, man erhielt aber eine abschlägliche Antwort. Wahrscheinlich fand man die vormalige Lebensweise des Postulanten allzu anstößig, und zudem hatte er sich ja erst seit kurzer Zeit im Christenthume erprobt. Die Wclt- leute, die über alles, sehr oft ohne Sachkenntniß, in den Tag hinein sprechen und urlheilen, behaupten meistens mit einer gewissen Selbstgefälligkeit, hinter den Klostermauern sey man nicht weniger als anderswo Sclave seiner Leidenschaften, und in diese Zufluchtsstätten begäben sich nur große Sünder, weil man ohne viele Umstände jeden annimmt, der sich meldet. Diese Meinung ist falsch und ungerecht. Freilich öffnen sich die Pforten dieser heiligen Stätten zuweilen Menschen, die, enttäuscht über alle zeillichen Genüsse, in der Welt nichts mehr finden, was ihre Beachtung verdient; auch solchen, die, nach stürmischen, wüst verlebten Tagen vom grauenvollen Selbstmorde durch den Gedanken eines rächenden GotteS abgehalten wurden und in sich gingen; die Aufnahme findet aber immer ohne sehr strenge Prüfungen Statt. Es ergeht diesen dann, wie dem heiligen Augustinus und dem heiligen HieronymuS; ihre ersten Verirrungen werden ihnen zum Sporn neuer Kräfte, durch welche sie ihre geistige Wiedergeburt und Genesung erkämpfen und der Menschen Ächtung und deS Himmels Gunst wieder erwerben. Hermann war sehr betrübt über die ungünstige Antwort aus Rom, doch ließ er den Muth nicht sinken. In Demuth und Ergebung hörte er die Entscheidung an, die man ihm kundgab, küßte diejenigen, die er schon seine Väter und seine Brüder genannt hatte, und denselben Tag, den 3. September, verließ er du Broussey und trat seine Reise nach Rom an, in der Absicht, in eigener Person dem heiligen Vater oder dem General der Karmeliter sein unterthänigsteS Nachsuchen vorzulegen. Nach einigen Tagen traf er in Marseille ein und begab sich unverzüglich an Bord eines DampfboteS, das nach Civita-Vecchia segelte, auf welchem er den letzten Platz bezog. Obschon er sich sorgfältig während der Ucbersahrt zu den bescheidensten Reisenden der geringsten Classe hielt und mit Vorbedacht ganz gemeine Kleider trug, wurde er doch von einigen der Passagiere in den ersten Plätzen erkannt und während der Quaran- taine, die man in Genua hielt, wurde er genöthigt, Musik zu machen. Man bot alles auf, um ihn zu bewegen, in Rom wieder in der vornehmen Welt aufzutreten und Concerte zu geben; aber umsonst: die Gnade siegte über die Versuchungen. Am 14. September kam er in der Apostelstadt an, gerade am Vorabende deS TageS, wo sich die höheren Beamten des Carmeliterordens zur allgemeinen Berathung versammeln sollten. Ohne Verzug begab sich Hermann zum General deS Ordens und legte ihm mit schlichten Worten die Ursache seiner Reise vor. Sein Nachsuchen wurde dem Rathe vorgelegt und r'n der ersten Sitzung gleich einstimmig sein Begehren bewilligt. Hermann trat unverzüglich seine Rückreise an. Voll Freude über das Gelingen seiner Bemühungen erschien er bald wieder in dem Kloster du Broussey, seine Aufnahme daselbst nachsuchend. Das Haus du Broussey ist die Wiege des in neuerer Zeit wieder auflebenden Carmeliterordens in Frankreich; seine Gründung hatte im Jahre 1541 Siatt. Für eine Seele, die in der Betrachtung über Gott und die Ewigkeit sich zu vertiefen wünscht, hat dieses HauS die geeignetste Lage, es erhebt sich auf dem Gipfel eines steilen, einsamen, von angebautem Felde umgebenen Hügels, in einer Entfernung von ungefähr acht Stunden von Bordeaux, Innerhalb dieser stillen Mauern, ganz der Betrachtung obliegend, leben etliche zwanzig Mönche, die alle einen gewissen, mehr oder weniger bedeutenden Rang in der höheren Gesellschaft in Spanien oder in Frankreich besessen hatten. Ihr Hauptgeschäft ist Schweigen. In ihrer Zelle nur die Einsamkeit und das Schweigen sncbenv, offenbart sich ihnen der Weg, der zu Gott führt. Stellt man sie zur Rede über ihre Beschäftigung, so antworten sie, wie ehemals der heilige Saulinus seinem Freunde Sulpicius SeveruS: „Schweigen", wir schweigen. Die Liebe hat nur für den geliebten Gegenstand Worte, für die übrige Welt ist sie stumm. Keine Spur von Verdrießlichkeit oder Langeweile ist übrigens auf ihren GesichtSzügen zu bemerken; sie verrathen im Gegentheil Heiterkeit und Seelenruhe; man glaubt einen Abglanz des Himmels wahrzunehmen, Ihre strenge Lebensweise hat, beim ersten Anblicke, etwas Finsteres, Trauriges; aber sie finden in derselben die Würze des Erdenlebens und das Vorgefühl dcr ewigen Belohnungen. In Broussey, wie sie zu sagen pflegen, sieht der Mensch den Himmel offen und kann sich vertraulich mit Gott unterhalten. Dieser Ort scheint in der That eigens dazu erschaffen, um die Verheißung, die der Herr in der alten Zeit machte, zu erfüllen, als er sagte (Osee Cap. 2 VerS 14): „Ich werde die Seele in die Einsamkeit führen, und dort will ich mit ihr von Herz zu Herz sprechen." (Fortsetzung folgt.) Das Verhältniß der Kirche zur weltlichen Gewalt. (Schluß,) Die Begründung der Kirche war auch in Bezug auf die moralische Freiheit und die Würde des Menschen eine Wohlthat, deren Größe sich jetzt mehr als je zeigt. Früher ordnete die weltliche Macht nicht bloS die Interessen deS Lebens, der Sicherheit, deS Eigenthums, der Ehre, der Nationalunabhängigkeit, sondern sie regelte auch die moralischen und religiösen Angelegenheiten, und diese Vereinigung von Gewalten machte den DesporiSmnS fester und unerschütterlicher, ohne daß sie der Religion und den Sitten, die in grobe Ausschweifungen gefallen waren, nützte. Durch die Begründung der Kirche hat die weltliche Macht die Leitung deS menschlichen Gedankens verloren, und beherrscht nicht mehr die göttlichen Gesetze. Die Religion befiehl für sich, hat ein eigenes, unabhängiges Leben, uud hält durch ihren Einfluß allen übertriebenen Gewalten die Wagschaale, die etwa die Völker unterdrücken und unterjochen wollten. Die Thätigkeit, die in dieser Beziehung in der Gesellschaft von der Kirche ausgeübt wird, ist dermaßen in die Sitten eingedrungen, daß man selbst dem Irrthume die Rechte der Wahrheit gegeben hat, und daß jeder Cultus nach derselben Freiheit strebte, die durch die katholische Kirche erworben war. Wir begreifen die wellliche Macht nicht mehr, wenn sie in eigenem Namen die religiöse Macht ausübt, und eS gereicht dem Protestantismus durchaus nicht zur Ehre, aus dem Fürsten das äußere Haupt des Christenthums bei allen Protestanten gemacht zn haben. Aber, sagt man vielleicht, wenn die Begründung der geistigen Macht in der Welt eine Entwicklung herbeiführte, die für die Würde und moralische Freiheit deS Menschen nützlich war, wurde dadurch nicht ein gefährliches Princip der Anarchie in die bürgerliche Gesellschaft eingeführt? Anstatt der Einheit der Macht, die die bürgerliche Ordnung festhält, gibt eS jetzt in jedem katholischen Staate zwei Gewalten, die / 406 denselben Zweck verfolgen. Wenn die geistige und weltliche Macht nie uneinig werden wegen ihrer Befugniß, dann wäre dieser Zustand der Dinge vielleicht zu ertragen. Aber Jeder weiß, daß, obwohl es viele Sachen gibt, die rein geistlicher Natur sind, und viele andere, die rein weltlicher Natur sind, eS doch mehrere gemischter und dunkler Natur gibt, die ein Gegenstand ewigen Streites zwischen beiden Gewalten sind. Die Geschichte ist voll von Beispielen dieser Art. Bald hat die Kirche, bald- die weltliche Macht den Sieg davon getragen, blutige Klagen bezeichnen die Annalen, der Kirche und der weltlichen Gewalt. Welches Mittel steht zu Gebot, wenn ein, solcher Streit sich erhebt, um ihn friedlich beizulegen? Wer soll beide Parteien richten, da beive unabhängig sind, und keinen höhern Richter haben? In diesem Falle ent- scheivet zwischen den weltlichen Gewalten der Krieg. Soll auch dieser entscheiden zwischen der weltlichen und geistlichen Gewalt? Wenn die Kirche Krieg führt, dann hat sie nicht allein ihre Kraft in der göttlichen Gnade und Ueberzeugung, und die katholischen Staaten sind stets von einem Kriege bedroht. Wenn aber nicht der Krieg entscheiden soll, wer soll entscheiden? Wir bemerken zuerst, daß Streit der gegenwärtige Zustand der Menschheit ist, daß das Böse und das Gute, das Fleisch und der Geist, Reiche gegen Reiche, Ideen gegen Ideen in einem steten Kampfe sich befinden, und daß daraus die Ordnung hervorgeht. Die Ordnung ist nichts, als eine Vereinigung verschiedener Elemente, und je mehr die Harmonie aus Gegensätzen besteht, desto größer ist der Triumph der Ordnung, desto mächtiger zeigt sich ihre Kraft. Wundern wir uns also nicht, daß Gott mit der Begründung seiner Kirche eine Art Dualismus in die Gesellschaft gebracht hat. Jede Gewalt wird nur begränzt durch eine andere, und daS Wunderbare ist nur, daß die geistige Gewalt, welche die weltliche Gewalt begränzt, diese auf eine unerschütterliche Basis zurückführt. Nie haben die Fürsten länger gelebt, nie länger der Liebe der Nationen sich erfreut, die sie regierten, als seit Begründung der Kirche, und in dem Maaße, als man die Kirche sich in einem Staate befestigen sieht, in dem Maaße sieht man auch die weltliche Gewalt geachtet, wie man sie andererseits gedemüthigt sieht, wenn die Kirche ihren Einfluß verliert. Thatsachen lassen darüber keinen Zweifel zu. Da Gott die Kirche gründete, sorgte er nicht blos für menschliche Freiheit, sondern auch für den Schutz des menschlichen Ansehens. Man kann sagen, waS TacituS von Nerva sagte: „sie hat die Freiheit und Herrschaft vereinigt." Wenn man nach dem Grunde fragt, so wird man finden, daß eS der Kirche eigen ist, allen Rechten Ehrfurcht zu verleihen, indem sie die Wahrheit kennen und achten lehrt, weswegen auch alle Rechte, der Fürsten, wie der Völker, in ihr eine Stütze haben. WaS nun den Streit betrifft, der sich zwischen den zwei Mächten wegen zweifelhafter Materien erhebt, so wollen wir zuerst bemerken, daß die Fundamentalrechte der Kirche so klar sind als die Sonne, und daß in gemischten Fragen beive Gewalten sich verständigen können durch Concordate und gegenseitige Concessionm, daß die Kirche, welcher keine bewaffnete Macht zu Gebote steht, auch nie gewaltsam eine Ungerechtigkeit begründen kann. Das ist das große Vorrecht der Kirche auf Erden, sie kann nicht bewaffnet'Unrecht thun. Wenn sie handelt, geschieht es immer in Uebereinstimmung der Völker und Fürsten, unter dem Schutze der Freiheit und deS öffentlichen Rechtes. Ich gebe zu, daß die weltliche Macht in der Lage ist, ihre Gewalt gegen die Kirche zu mißbrauchen, aber die Kirche wird ihr nur zwei Vertheidiger entgegensetzen, daS Martyrthum und Gott; das Martyrthum, das eher den Tod duldet, als daß es die der Kirche von Gott gegebenen Rechte vergibt, Gott, der ihr Gründer, Führer, Beschützer ihrer Schwachheit in der Welt ist, und welcher versprochen hat, sie nicht zu verlassen. Die Geschichte bietet hinlänglich Beispiele, und man könnte auf neuere Thatsachen verweisen, die Jeder weiß. Was war PiuS VII. gegen Napoleon? Und dennoch hat PiuS VII. gegen den Herrn der Welt allein mit der Kraft seines Gewissens gckämpft, und hat ohne Waffen den besiegt, dem Armeen zu Gebote stauden- 407 Wenn man fragt, wer zwischen der geistlichen und weltlichen Gewalt entscheiden soll, so vergißt man, daß ein Gott lebt, der die Welt regiert, und man verlangt eine Lösung, die) wenn sie wirklich ohne göttliche Vermittlung möglich wäre, Gott seiner Oberherrschast über die Welt entsetzen würde. Gott ist es nothwendig, auf den AlleS hinausläuft, und er offenbart seine Thätigkeit durch Ereignisse, die die Gestalt der Jahrhunderte verändern, und die den besondern Charakter einer unerwarteten Gewalt an sich tragen, an der man sie leicht erkennen kann. Es besteht also gegen die katholische Kirche kein Grund des Mißtrauens und des HasseS wegen ihrer wirklichen Begründung in Mitte der Gesellschaft in Raum und Zeit. Sie hat AlleS empfangen und nichts sich angemaßt, und hat AlleS gesegnet, sie hat ihre Rechte von Gott und ihrer Natur erhalten, sie hat weder die Wahrheit, die Allen gehört, gewaltsam an sich gezogen, noch die Gnade, die allein von Gott kommt, noch die Tugend, die allgemeine Pflicht ist; sie hat die Freiheit gesegnet durch den Gebrauch, den sie davon macht, wie das Ansehen, dessen Herrschaft sie mit Andern theilte. Und dennoch hat sie, trotz des Glanzes ihrer Rechtmäßigkeit und ihrer Wohlthaten, nicht aufgehört, Verfolgung zu leiden. Wie kann daö seyn? Welcher Wind führt ihr von jedem Jahrhundert den Sturm der Beleidigung mit? Ich will eS euch sagen, zwei Geister verfolgen die Kirche, und werden sie stetö verfolgen, der Geist der Herrschsucht und der Geist der Ausgelassenheit. Der Geist der Herrschsucht kann die Freiheit nicht ertragen, deren die Kirche, genießt, der Geist der Ausgelassenheit fürchtet sich vor der Wahrheit, Gnade und Tugend, deren unermü- dcter Apostel und muthiger Vertheidiger die Kirche ist. Der Geist der Herrschast stößt die Völker zum alten oder neuen Protestantismus, um einziger Herr der Gesellschaft zu seyn; der Geist der Ausgelassenheit treibt sie zu einer noch tiefern Aufregung, um den Hochmuth und die Sinnlichkeit, die das Kreuz geschlagen hat, zu befreien. Es scheint, daß die Kirche unterliegen sollte unter den zwei Gewalten, die mit einander ein Ziel verfolgen, und welche die Menschheit durch die Träger der beiden Ziele, den Thron und den Pöbel, gegen sie losläßt. Ader! o Tiefe der Führung Gottes! Der Geist der Herrschsucht verwünscht den Geist der Ausgelassenheit, und der Geist der Ausgelassenheit den Geist der Herrschsucht. In dem Augenblicke, da sie mit mehr Hitze gegen die Kirche sich wandten, und schon über ihren Fall sich freuten, trafen beide auf einander, und stießen an einander. Eine blinde Wuth stürzt die eine auf die andere, jede will allein die Beute der Kirche davon tragen, und ihr gegenseitiger Haß vergrößert sich mit dem Anblick der Beute. Von Zeit zu Zeit halten sie still, sehen sich erstaunt an, fühlen, daß sie sich vereinen sollten, um ihr Opfer zu erhalten, sie suchen Freundschaft zu schließen. Der Geist der Herrschsucht sagt: „bin ich nicht der Vater der Ausgelassenheil?" Der Geist der Ausgelassenheit sagt: „bin ich nicht der Vater der Herrschsucht?" Vergebliche Anstrengung! sie hassen hinlänglich die Kirche, um sich gegen sie verbinden zu wollen, aber sie hassen sich selbst zu sehr, als daß der Haß gegen einen Andern sie verbindet. O der Gerechtigkeit GotteS! Lasset der Gerechtigkeit Gottes ihren Lauf. Auf einer Oase Arabiens weidete ein Lamm. Es dringt daS Brüllen eines Löwen durch die Luft, der König der Wüste erscheint, und will eben mit einem Sprunge über das wehrlose Thier herfallen, aber ein anderer Löwe, von demselben Hunger gestachelt, kommt von einer andern Seite der Wüste, sie sehen sich an, messen sich, zerfleischen sich, während das Lamm gefahrlos und unbeschädigt neben ihrem Wüthen weidet. Die zwei Löwen sind die Welt, das Lamm ist die Kirche; die Welt ist getheilt, die Kirche ist einig." Wien. Wien, 29. Nov. Der Central-SeverinuSverein hielt heute eine Plenarver- sammlung, in welcher der Herr Fürsterzbischof von Wien folgende Ansprache hielt: „Ein Mann, welcher groß war an Geisteskraft wie an Heiligkeit, hat gesprochen: 408 Das Herz des Menschen ist unruhig, bis es ausruhet in dir, o Herr! Zahllos sind die Wünsche, welche auö dem menschlichen Herren emporquellen, die Leidenschaften stacheln, Furcht und Hoffnung theilen es mit wechselnder Gewalt. Anmuthig ist der Schimmer der Hoffnung; doch je lockender die Güter des Lebens in seinem Farbenspiele glänzen, desto weniger befriedigen sie den, der ihrer theilhaft geworden. Unablässig erneuert sich der Drang der Begierde; aber unablässig tritt ihm auch das Gewissen entgegen, in dessen Stimme eine höhere Welt sich ankündet, und wird die heilige Mahnung verachtet, so drückt der Mensch sich neue und sehr scharfe Stacheln in die Brust. Ueber all' diesem verworrenen Treiben und Ringen erscheint die christliche Wahrheit gleich der Sonne, welche mit siegreichem Strahle den empörten MeereS- wogen Einhalt gedielet. Sie löset das Räthsel unseres Herzens, indem sie unsern Blick über den engen Raum des irdischen Lebens hinauSrichlet und uns den dreieinigen Gott auf dem Throne seiner Herrlichkeit offenbart. Sie gießet mildernde Fluch auf die heiße Gluch der Begierde, indem sie uns das himmlische Gesetz der Liebe und der Demuth bringt. Darum spricht der Sohn GvtteS, welcher für uns zum Menschensohne werden wollte: „Kcmmet Alle zu mir, die ihr beladen seyd, und ich will euch erquicken; denn mein Joch ist süß und meine Bürde ist leicht." Ja, Erquickung ist die Hoffnung, welche er unö enthüllet, Erquickung ist die Gnade, welche er auf uns niederthant, Erquickung ist selbst die Bürde, welche er unS auflegt. Er spricht: „Wer mein Jünger seyn will, der verläugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich." Aber die Selbstoerläugnung, welche der milde Heiland uns gebietet, ist nicht nur das Unterpfand der himmlischen Güter, sondern auch eine Schutzwehr wider die scharfen Dornen, mit welchen die Bahn der irdischen Pilgerschaft besäet ist: denn wer sich nicht selbst, zu beherrschen versteht, verfällt dem schmählichen, qualvollen Joche der Leidenschaften. So ist denn das Christenthum für Zeit und Ewigkeit das Kleinod deS Menschengeschlechtes, Der Eifer für die christliche Wahrheit und ihre Hüterin, die Kirche, knüpft die Bande des St. SeverinuSvereines; ich begrüße daher Ihre Versammlung, meine Herren, als eines der Zeichen, welche uns die Aussicht in eine frohe Zukunft eröffnen. Nur zu oft begibt es sich, daß der Mensch dasjenige, was er besitzt, und dessen er sicher zu seyn glaubt, als ein Gut zu fühlen verlernt. Wer niemals krank war, betrachtet die Gesundheit als Etwas, welches sich von selbst versteht. So ist es auch mit den Segnungen deS Christenthums ergangen Die Welt hat sich von ihnen mit undankbarer Gleichgilligkcit abgewendet, oder sie sogar mit thörichtem Frevel für entbehrlich und lästig gehalten. Der St. SeverinuSverein hat sich die Aufgabe gestellt, dem Unglauben und der Gleichgiltigkeit in den Kreisen deS häuslichen Lebens entgegen zu wirken und allen Anstalten zu Erneuerung der Gesinnung nach Möglichkeit jene Unterstützung zu vermitteln, welche nur durch Vereinigung der Kräfte möglich ist. Um mit dieser heilbriugenden Bestrebung sich zu beschäftigen und einander durch den Ausdruck Ihrer Ueberzeugung zu kräftigen, sind Sie versammelt. Der Herr thue also wie er verheißen hat, da er sprach: „Wo Zwei oder Drei in meinem Namen versammelt sind, dort bin ich mitten unter ihnen!" Der Herr, der reiche Gnadenbn'nger, sey mitten unter Ihnen!" UiSNÜZi'"'m4i,mtts ni»« ,i«->^ 7N^nn m; « ,?ü(!T ^ol7^zmo. Sonntags-Beiblatt N^l-^nnrÄ chvn^87?n(.?z^!w^^^ ^ZN?^ u," mIM^'sm. Ndil-ik Augsburger PostZeitung. nmiMonuAlch?^!!'i ?»L )!! »'!uitt1I? luiiZkükk^'i- ch>! (d>'? ViS lins.1 '«^Ä«»qWa Slm 25. December M- S2. l853. .!>!^! nl"'^ I ^!^u ^I>. _ Dieses Blatt erscheint regelmäßig alle Sonutage. Der halbjährige Abouuemenisvrei« TV kr., wofür e« dmch alle köuigl. bayer. Postämter und alle Buchhandlungen bezogen werde» kau«, Die Feter der Seligsprechung des Johannes Peceator im Kloster der barmherzigen Brüder zu Neubnrg an der Donan. k. Dieser Tage feierte daö Kloster der barmherzigen Brüder in Neuburg an der Donau eine eben so erhebende als seltene Feier, nämlich die Seligsprechung des Johannes Peccator aus dem Orden der barmherzigen Brüder. Nachdem diese Feierlichkeit sowohl in den beiden Pfarreien der Stadt zu St. Peter und heilig Geist, als auch in den benachbarten Pfarrkirchen den Gläubigen bekannt gemacht worden war, begann am Sonntag, den 13. November Abends, das dreirägige Fest in der sehr schön verzierten Klosterkirche mit einer musikalischen Litanei, wobei unter dem ersten Segen daS Bildniß des Seligen in betender Stellung, die Augen und Häude gegen den Himmel gerichtet, von einem prachtvollen Kranze natürlicher Blumen eingerahmt, unter dem festlichen Baldachine enthüllt wurde. Andern Tazs vor dem levilirten Hochamte bestieg der hochwürdige P, Cyprian, dermal im Capucinerkloster zn Eichstädt, der eine Woche zuvor dem Convente der barmherzigen Brüder die üblichen Erercitien gehalten hatte, die Kanzel und predigte über den Text: Selig sind die Barmherzigen, denn sie werden Barmherzigkeit erlangen (Matth. 5); worin er die Verdienste des OroenS der barmherzigen Brüder für daS geistliche und leibliche Wohl der armen christlichen Brüder unter Bezugnahme auf den seliggesprochenen Johannes schilderte. Andern Tags hielt der hochwürdige Herr Georg Bauer, Prediger der Pfarrkirche zu St. Peter, die Predigt über den durch Liebe thätigen Glauben, während am dritten Tage der hochwürdige Herr geistliche Rath Joseph Strobl über die Pflichten eines «katholischen Christen redete. Nachmittags drei Uhr war am letzten Tage der Schluß der dreitägigen Festlichkeil mit einer vom Chor gesungenen dentschcn Allerheiligen-Litanei und Te Deum laudamus, welche Litanei die zahlreich Anwesenden äußerst angenehm überraschte. Die Theilnahme des Volkes war eine unerwartet zahlreiche, so daß die Kirche bei sämmtlichen Gottesdiensten derart überfüllt war, daß die Leute außerhalb derselben noch standen und die Anzahl der Cvmmnnicanlen auf 12 eine Mission zu erhalten, verwirklichen sollte. Wir aber wollen jetzt bei dieser Gelegenheit einige geschichtliche Notizen über den Orden und das Kloster der barmherzigen Brüder in Neuburg hier folgen lassen. Unter den verschiedenen geistlichen Orden nimmt der Orden der barmherzigen .kMhislki^AtnlkynE Brüder einen vorzüglichen Rang ein. Die Grundlage zu demselben legte der heilige Johann von Gott, ein Portugiese, geboren 1495 in der Stadt Agmo monte mgjor. Nach einem vielfach bewegten Leben war derselbe bis zum 45sten Jahre herumgeirrt, und faßte nun den Entschluß, »eben der ernstlichen Sorge für sein Seelenheil den Armen und Kranken zu dienen. Da er Gott besonders nach seiner Barmherzigkeit nachzuahmen strebte, so gab ihm der Erzbischof von Granada und der Bischof von Tuy den Namen „Johann von Gott." Unter dem Rufe: „Thuet Gutes, meine lieben Brüder, um der Liebe Jesu willen!" durchwandelte er die Straßen von Granada und verwendete dann die reichlich eingegangenen Almosen zur Unterstützung der Armen und Kranken. Im Jahre 1540 miethete er endlich zur Aufnahme und Verpflegung der Kranken und Presthaften zu Granada ein Haus, das den Anfang des großen Hospitals von Granada und die Grundlage des von ihm benannten Ordens bildete. Indessen beabsichtigte nicht sowohl er als der Bischof von Granada, der das Gedeihen der neuen Stiftung sehr förderte, einen neuen Orden zu gründen, sondern beide wollten vielmehr nur einen Verein von Weltleuten bilden, die die Krankenpflege in den Krankenhäusern übernehmen, und sich durch eine besondere Kleidung von den übrigen Weltlenten unterscheiden sollten. Seinen ersten Schülern und Genossen Anton, Martin und Peter Velaöko hatte der heilige Johann bei seinen Lebzeiten noch keine Regel gegeben, sie folgten seinem Beispiele und seinen Vorschriften in Bezug auf die Krankenpflege. Nach seinem Tode 1550 verbanden sich seine Freunde zu emcr engen Verbindung unter den drei Klostergelübden und der Verpflichtung der unentgeldlichen Krankenpflege unter Vorstandschaft des Bruders Martin, den sie ihren Major nannten, nnd welcher mittels der reichen Spenden Philipps II. in vielen Städten Spaniens Hospitäler nach der Anordnung des heil. Johann von Gott gründete. Papst PiuS V. bestätigte am 1. Jan. 1572 die neue Genossenschaft und gab ihr die Regel des heil. Augustin mit der Vollmacht, einen Obern (Prior) ^u wählen und einem Bruder auS ihrer Mitte die Priesterweihe ertheilen zu lassen, damit er für ihr und der Kranken Seelenheil sorge und unterwarf sie den Diöcesanbischöfen. Die Genossenschaft war in ihrer weitern Ausbreitung sehr glücklich, schon im Jahre 1586 zählte sie 18 Spitäler und hielt in Rom ihr crsttS Generalcapitel, auf welchem die Konstitutionen des Ordens entworfen wurden. Papst Paul V. erklärte seine Mitglieder durch ein Breve vom 4. Jänner 1611 als wirkliche Religiösen und bestätigte den 15. April 1617 ihre Eonstitutionen. Der Orden hat zwei Generale, einen sür Spanien und Westinvien, der seinen Sitz in Granada hat, und einen für die übrigen Länder, der sich in Rom befindet. Der Orden breitete sich in viele Länder auS und die Mitglieder hatten verschiedene Benennnng. In Deutschland fanden sie frühzeitige Ausnahme. Der Fürst Carl Euseb von Lichtenstein lernte zu Rom das gemeinnützige Wirken dieser Brüder kennen und nahm zwei derselben, Gabriel Grafen r. Ferara und Johann Eassmetli, mit nach Deutschland und erbaute ihnen^ 1605 zu Felsberg in Niederösterreich ein eigenes Kloster, welches er reichlich ausstatten ließ. Dieses Kloster war das erste in der österreichischen Monarchie und bildete mit den später errichteten Klöstern dieses Ordens eine eigene Provinz, die deutsche genannt. Die Brüder dieses Ordens, in Deutschland barmherzige Brüder genannt, verpflichten sich durch ein viertes Gelübde lebenslänglich zur Krankenpflege. Das Noviziat dauert ein Jahr, nach Ablauf desselben muß, gemäß Verordnung Papst Aleranders VIII. vom 10. Juli 1655, der junge Profeß noch ein Jahr im Profefsorium gleichsam ein zweites Noviziat erstehen. Die vorgeschriebene Kleidung besteht in einem Habit von schwarzem Tuche nebst Skapulier von derselben Farbe und eiuer kleinen, runden, steifen Kapuze. Das OrdenS- kleid selbst wird durch einen ledernen schwarzen Gürtel zusammengehalten. Ihre ursprüngliche Ordenstracht bestand in einem langen grauen Rocke, wie ihn der heilige Ordensvater trug, daher man sie anfangs die „grauen Brüder" nannte. Papst PiuS V. aber verwandelte die graue Farbe in die schwarze und fügte dem ledernen Gürtel ein Skapulier mit Kapuze hinzu. Die anerkannte Gemeinnützigkeit und die gewissenhafte Erfüllung seiner Pflichten 4tt hat diesem Orden allenthalben bereitwillige Aufnahme verschafft; besonders da seine pflegende Hilfe gesetzlich anch auf Nichtkatholiken sich ausdehnte. Wie konnte eS daher anders kommen, als daß auch der Herzog Wolfgang Wilhelm, dieser fromme und weise Fürst, wohl der größte der pfalzneuburgtschen Herzoge, welchem die Stadt und sein Land Neuburg so viele wohlthätige Stiftungen verdankt, auch der leidenden Menschheit so liebevoll gedachte. Er, der selbst erst im Jahre 1617 auS Ueberzeugung, belehrt durch das Lesen katholischer Schriften, in den Schooß der wahren Kirche zurückgekehrt war, unterließ nun keine Gelegenheit, seine Unterthanen wieder in die katholische Kirche, die sie gewaltsam hatten verlassen müssen, zurückzusühreu, und sie im Glauben zu stärken und GotteS- und Nächstenliebe zu befördern. Deßhalb kam ihm die Gelegenheit erwünscht, einen Orden einführe« zu können, der seinen edlen frommen Absichten so sehr entsprechen konnte. Und nun folgt die Entstehung deS Klosters der barmherzigen Brüder in Neuburg. Im Jahre 1622 käme» zu Herzog Wolfgang Wilhelm zwei barmherzige Brüder, welche mit einem Paß von ihrem Generalvicar Gabriel Ferara aus Wien, vom 29, Juni 1622 datirt, versehen waren. Der eine war ein Priester dieses OrdenS, P, Bartholomä Boninkantro, ein Florentiner, der andere ein Bruder, Maximilian Veiga. Beide kamen deßhalb nach Deutschland, um auch in diesem Lande ihren für die Menschheit so wohlthätigen Orden bekannt zu machen und allenfalls auch da oder dort einen Platz zu Gründung eines Klosters ihres OrdenS zu erlangen. Sie hatten bereits die Kunde erlangt, daß Herzog Wolfgang Wilhelm erst vor einigen Jahren zur katholischen Religion zurückgekehrt sey und daß sein Elfer für die katholische Religion sich auch besonders dadurch bewähre, daß er verschiedene Klöster und Stiftungen, die durch die Einführung der Lehre Luthers ihren Untergang finden mußten, wieder aufrichte« wolle. Bei diesem nützlichen nnd wohlthätigen Wirken stellteil sie daher auch an de« Herzog die geziemende Bitte, daß er auch ihres OrdenS gnädigst gedenken möchte, um so mehr, da oaS ganze Wirken desselben nur dahin gehe, Gott und den armen Kranken und Presthaften, überhaupt der leidenden Menschheit zu dienen. Dieses gestellte Bittgesuch nahm Herzog Wolfgang Wilhelm auf das bereitwilligste auf; denn sein edles, für alles Gute empfängliche Herz sah den erhabenen Zweck dieses Ordens gar leicht ein, und wünschte nur zu wissen, welches Gebäude und jwelche Gerätschaften sie zur Ausführung der Absicht ihres heiligen Ordens als tauglich erachteten. Diesem gnädigsten Befehle leisteten sie sogleich, sowohl mündlich als schriftlich, Genüge und gaben Alles an Handen, was nur immer zur Bedienung der Kranken ersprießlich und nützlich seyn konnte. Es befand sich am Ende der obern Borstadt aus einem freien, gesunden und sonnigen Platze ein Gebäude, das lange Haus genannt, worin die Baugeräthschaften zu den fürstlichen Gebäuden und dem gegenüberliegenden, besonders durch seine schattigen Gänge auSgezeichntti'n Hofgarten aufbewahrt waren, und das auch dem Baumeister zu seiner Wohnung diente. Dieses Gebäude nun übergab er den obigen Orvensmitgliedern und schenkte ihnen dazu 1000 Thaler, um sich mit den nothwendigen Geräthschaften versehen zu können. Es wurde nun das dermalige Klostergebände nebst der Kirche erbaut und letztere zu Ehren deS Herzogs, als deS Stifters deS Klosters, nach seinem Namen dem heiligen Wolfgang geweiht, wie denn auch jetzt noch daö Hochaltarblatt den heiligen Wölfgang, von Wink, darstellt. Am Feste der heiligen Apostel Simon und Juda 1626 wurde die Kirche durch den Bischof von Augsburg, Heinrich Freiherr» von Knöringen, feierlich eingeweiht. Um arme Kranke der Stadt Neuburg und arine erkrankte Reisende unentgeldlich verpflegen und heilen zu können, errichtete der Herzog eine ordentliche Stiftung, befahl, daß stets zwanzig Krankenbetten in Bereitschaft gehalten werden sollen, und suchte am 31. August 1623 die Bestätigung derselben bei Seiner päpstlichen Heiligkeit nach. Die ursprüngliche Dotation deS Klosters bestand in einer jährlichen Rente von 2,000 fl., welche von den Einkünften des aufgelösten Bernardiner-Frauenklosters Püllenhofen 41L IM Nordgau genommen und von der herzoglichen Hofkammer-Kasse in Neuburg ausbezahlt wurden. AIS aber einige Zeit hernach mit Püllenhvfen eine Aenderung vorgegangen war, auch wegen der eingefallenen MiegSzeiten diese Rente nicht mehr vollständig floß, so vereinigte sich der Nachfolger Wolfgang Wilhelms, sein Sohn Herzog Philipp Wilhelm, mit dem Kloster dahin, daß die jährliche Rente aus der herzoglichen Hof- kammer-Casse auf 1500 fl. vermindert, daS Kloster aber durch die grundherrlichen Gcfällc und noch untertheilten Einkünfte des ehemaligen Benediktiner-Nonnenklosters in Monheim entschädigt werden sollten. (Dieses Kloster soll nach v. Neisach schon unter Carl dem Großen bestanden haben, allein nach der 8uevis eeelssisstics ward eS erst im Jahre 890 gestiftet. Die Kirche enthielt einen großen Theil der Gebeine der heiligen Walbnrga, welche aber zur Zeit der Einführung der Lehre Luthers verloren gingen. Der Herzog Otto Heinrich von Neuburg hob nämlich dieses Kloster gewaltsam auf und zog dessen Güter ein, die letzte Aebtifsin soll im Kirchhofe der barmherzigen Brüder in Neuburg begraben liegen) Obige Ucbcreinkunst dcS Herzogs Philipp Wilhelm mit dem Kloster erhielt selbst die päpstliche Bestätigung und gab Veranlassung, daß daS Kloster der barmherzigen Brüder mehrere Stift- und Gilt- Ncichnisse ans den Landgerichtsbezirken Monheim und Wemding bezieht und sogar einen eigenen Getreidkasten in Monheim besaß, so wie eS auch daS PräsentalionSrecht auf die Ltadtpfarrei Monheim bis in die neueste Zeit kiatte. So dienten die barmherzigen Brüder ganz nach dem Sinne deS Evangeliums durch liebevolle Krankenpßege und Gebet. Vieles hatten sie zu erdulden während diö dreißigjährigen Krieges, viele Verfolgungen und Zerstörungen wurden den Ordens- »nrgliedern nnd dem Kloster zü Theil, aber doch erhielt es sich bis in die neueste Zeit, selbst unter den großen Stürmen nnd Umwälzungen, die so'viele Klöster und kirchliche Institute unseres Vaterlandes vernichteten. ES wurden noch im Jahre 1302 323 Personen ohne Unterschied der Religion aufgenommen, wovon nur 16 starben, allein in Folge der Säkularisation der übrigen Klöster erhielt dieses Kloster keinen Zuwachs an Ordenscandidaten, und da noch überdicß iu etlichen Jahren über die Hälfte der Brüder dahingestorben war, so erhielt das Kloster eine weltliche Verwaltung und einen eigenen Traiteur. Mit dieser Verwaltung war aber Niemand zufrieden, und so fand sich daS fromme Herz deS großen Königs Ludwig I. veranlaßt, aerührt durch die mehrseitigen Bitten deS StadlmagistrateS, dieses Institut nach dem Geiste deS Stifters wieder aufleben zu lasse». Der Hauptzweck ist fortwährend Verpflegung der Kranken, daher sollte daS Kloster einen Prior, einen Priester, Apotheker, Koch und mehrere Krankenwärter haben. Der allein noch lebende Frater deS ganzen Konventes Fr. Eberhard Haacke, geboren ,u Geißelhörmg 16. September 1768, der schon 1793 am 13. Oktober Profeß abgelegt hatte, wnrde zum Prior ernannt. Am 3. März, als am Feste des heiligen Johann von Gott, wurde das erste Mitglied als Novize eingekleidet, nämlich Herr Johann Benz, Sohn eines königl. Landrichters, geboren zu Oltobeuren am 27. April 1804, Er erhielt bei der feierlichen Einkleidung, die vom Stadtpfarrer zu St. Peter, als bischöflichem Commissär, unter Anwesenheit deS Magistrates vorgenommen wurde, den Klostcrnamen St. Sebastian. Am 26. Jänner 183-1 erfolgte die Einkleidung eines zweiten Novizen, Franz Xaver Reisach, geboren zu Mauerftetten 1810, der den Klosternamen Valentin erhielt. Indessen um den Orden im Geiste deS Stifters zu erneuern, wurde der Wunsch rege, einige Mitglieder aus den österreichischen Staaten, woselbst der Orden 27 Klöster mit Spitälern besitzt, zu berufen. Zu diesem Zwecke reiöle Herr Wankmüller, Pfarrer zu Bachhngl, der sich znm Eintritte in den Orden bereits gemeldet hatte, aus Anordnung der königl. Kreiöregierung von Schwaben und Neuburg und deS hochwür- digen Ordinariates Augsburg am 18. Februar 183-1 nach Wien ab, theils um die Einrichtung der Klöster dieses Ordens genauer kennen zu lernen, theils um einige taugliche Mitglieder zu gewinnen für das wiederhergestellte Kloster in Neuburg. 4t8 Seinem Ansuchen wurde willfährigst entsprochen, und um Ostern 183k kamen sogleich drei Brüder aus Oesterreich, nämlich die Fr. Fr. Dionys Göstl von NiederleiS in Oesterreich, Constantin Pollnyzky von Grosmeßentz in Mähren und Calasanz Ditie von Schlan in Böhmen, wozu noch etwas später P. Albert Mandl von Gruhlich in Böhmen zu kam. Da der bisherige Prior wegen vorgerückten Alters nicht mehr im Stande war, die Leitung des Klosters zu führen, so wurde Dionys Göstl zum Prior ernannt, und Fr. Calasanz Ditie zum Oberarzt, während P, Albert als Priester die geistliche Leitung und Seelsorge übernahm. Am 15. Juni 1834 Morgens neun Uhr war die feierliche Installation unv Einsetzung in den Genuß des Klostervermögens, so wie auch dessen Administration. Diese Handlung wurde vorgenommen durch den königl. RegierungScommissär vr. von Ahorner und den bischöflichen Commissär, Stadtpsarrer und Decan Andreas Jäger zu hl. Geist. Nach dem feierlichen Gottesdienste, unter welchem die Ordensbrüder daS Gelübde in die Hände des PriorS und dieser hinwieder in die Hände deS bischöflichen Commissärs ablegte, wurde die Installation in dem schön verzierten Refektorium vorgenommen. Noch waren nicht zwei Jahre verflossen, als daS Kloster schon ein Mitglied durch den Tod verlor. Es starb nämlich der Procurator Constantin Pollnyzki am 26. Jan. 1838, erst dreißig Jahre alt, am Blutsturze und wurde unter sehr zahlreicher Begleitung auf dem Gottesacker begraben. Einen andern Verlust erlitt das Kloster durch die Abreise deö P. Mandl nnd Calasanz Ditie, die dem Rufe ihrer Obern folgend in ungarische Klöster versetzt wurden. An die Stelle des P. Albert Mandl trat nun der hochw. Herr Pfarrer zu Staudheim, Frz, Xav. Wankmüller, der sodann die geistliche Leitung und Seelsorge im Kloster übernahm. Am 11. October 1842 wurde der bisherige Prior Dionys durch seine OrdenSoberu abberufen und dafür, am 26. October von den Ordenömirgliedern Fr. Sebastian Benz als Prior gewählt. Einige Wochen nachher begab sich der ehemalige Prior DionyS nach München, erhielt daselbst die goldene Verdienstmedaille, kehrte von da nach Neuburg und begab sich andern TagS über Rom in sein Kloster nach Oesterreich zurück. Sonderbare Wechsel, in Neuburg wurde er abgesetzt, iu München erhielt er die Verdienstmedaille. Als die Stadtgemeinde Straubing in den Vorschlag, die dortige männliche Krankenanstalt dem Orden der barmherzigen Brüder zu übertragen, einstimmte, trat der Magistrat mit dem Convente zu Neuburg in Unterhandlung und schloß mit demselben wegen Uebernahme der Krankenpflege im städtischen Krankenhause zu Straubing einen Vertrag ab, welcher von Sr. Majestät König Ludwig I. gemäß höchster Entschließung deö kgl. Ministeriums des Innern ,'c!li. 2. Oct. 1843 .die allergnädigste Genehmigung erhielt. So wurde das Kloster Neuburg, wie früher für das Kloster der Barmherzigen in München, das bis 1808 bestand, auch für Straubing daS Mutterkloster. In Folge dieses Vcii'^zS begaben sich am Aschermittwoche 21. Febr. 1844 aus dem Convente zu Neuburg drei Brüder, an ihrer Spitze der für das Ausblühen deS OrdenS in Bayern unermüdet thätige Ordenspriester P. Magnobonus Wankmüller nach Straubing und bezogen anfangs daS städtische Krankenhaus in der Allstadt, das ihnen am 17. Juli 18Ä4 feierlich übergeben wurde. Da aber dasselbe dem Donaustrome sehr nahe liegt, und öfters der Überschwemmung ausgesetzt ist, so fühlten die B rüder bald, daß dieses Gebäude eben so wenig zu einem Krankenhause als zu einem Kloster geeignet wäre und fausten um den Preis von 32,000 fl. das ehemalige FranciScanerklofter, ein weitläufiges stattliches Gebäude, nebst einer geräumigen schönen Kirche an. DaS Kloster in Neuburg besteht in schönster Blüthe, zählt außer dem OrdenS- priester P. Magnobonus Wankmüller (geboren zu Höchftädt 20. Oct. 1806 und vom Das schöne Refektorium enthält nicht nur die lebensgroßen Portraits des Stifter» und seiner Gemahlin Magdalena, sondern auch die Portraits des Herzogs Philipp Wilhelm von Ncuburg und Herzogs Wilhelm V. von Bayern, so wie Sr. Majestät Königs Ludwig I. 414 hl, Vater bei seiner Anwesenheit in Rom 1852 zum Provknzvi'car ernannt), noch vierzehn Brüder, 'gegenwärtig unter dem Priorate des Fr, Sebastian Benz, und hat in diesem Jahre auch ein dem Kloster gegenüber gelegenes Gebäude nebst großem Garten angekauft, um kranke Priester darin ausnehmen und verpflegen zu können. Wunderbare Bekehrungsgeschichte beS berühmten TonkünftlerS Hermann Kohn, ausgezogen aus dem Werke Souvenir clss rvoits oontemvorsin». no? ,iU MlIMM<,Z?tzittN!.iM »(Schluß.) .:..'.!"-^:-,-,':^ ^-.--«« ' .':>.^u-'<». ,!>,l-T' Am 6. Oct, 1849 hatte Hermann endlich das Glück eingekleidet zu werden, nachdem er sich auf eine würdige Weise dazu vorbereitet hatte. Mit niedergeschlagenen Augen und heiterem Gesichte nahm er Besitz von seiner Zelle, worin er weiter keine Mobilien vorfand, als ein auf zwei Pflöcke» liegendes Brett, daS ihm zur Lagerstätte diente, nebst einem unförmlichen hölzerne» Stuhl Er, der noch unlängst in einem weichen Bctle r>on feiner Wolle und Pflaum schlief und sich auf gepolsterte sammtve und seivene Lehnsessel niedersetzte. Sein Blick ruhte oft auf der Inschrift, die an der Wand seiner Zelle angebracht war, des Inhalts: „Auf dem Carmel und am jüngsten Gericht, Gott allein und ich." Er nahm Antheil an den Betrachtungen, den Gebeten und den Gesänge» der Genossenschaft, die um Mitternacht begannen und erst um 8 Uhr Abends deö folgende» TageS endigten, DaS Andenke» an die Welt und a» die glänzenden Gesellschaften, deren Zierde und Wonne er gewesen, ohne in denselben auch nur einen Augenblick ein ungetnibtes Glück gekostet zuhaben, schienen vollkommen seinem Gedächtnisse entschwunden ju seyn. Wie konnte ihn wohl eine Sehnsucht nach denselben be- schleichcn? War ja seine Zelle nur in geringer Entfernung von dem Altare, wo das hochheilige AltarSjacramcnr aufbewahrt war, in dessen Gegenwart er sich zu jeder Stunde begeben konnte und sogar während der Nacht im Geiste sich vor demselben dachte. In der Gegend erzählt man sich, im Monat Juli des Jahres 1850 sey eine Dame auö Paris in jene Gegend gekommen, »nd habe sich ein Zimmer in einem kleinen Häuschen in der Nähe des Klosters gemiethet. Ihr AenßereS, welches vermuthen ließ, daß sie einem höhern Stande angehöre, ihre eleganten Manieren »nd ihr melancholischer Blick erregten die Neugierde der B-wohner jenes Landstrichs, der selten von Fremden besucht wird. Gleich am ersten Tag ihrer Ankunft ging sie Abends in die Capelle, worin man daS gewöhnliche OssiVium abhielt; die Capelle ist durch deu Altar vom Ebor getrennt, wo sich die Klostergeistlichen bcfinden, die man unter der Begleitung eineS Harmontuins singen hört, ohne sie sehen zn können. Alö sie die ersten Töne des Instruments vernahm, ward sie heftig erregt und Thränen cntstürzten ihrem Auge. Sie schien die Hand erkannt zu haben, die dem Instrument so rührende Töne entlockte. Sie entdeckte dem Pater Superior wer sie sey, und dieser gestattete ihr, Hermann zu sehen. Als sie ihn erblickte, rief sie aus: „Großer Gott, wie sie ihn entstellt habe» mit dieser Kutte, diesen Sandalen und, diesem geschorenen Kopfe!" und der Novize stürzte mit dem Schrei: „Meine Mutter, meine Mutter!" in ihre Arme.--Es war wirklich Hermanns Mutter, eine Jüdin, die fest ihrem Glauben und der Welt anhing, und ganz trostlos sich gcberdete, ihren Lohn verloren zu habe». Umsonst bot sie Alles auf, um ihn zn dem ihrer Meinung nach wahren Glauben zurückzuführen. Am Ende deö Monats Juli verließ diese wieder die Gegend, welche sie als die Grabstätte ihres geliebten SohneS betrachtete. Hermann setzte seine Prüfungsgelt im Noviciat mit derselben Beharrlichkeit fort, bis endlich für ihn die feierliche Stunde erschien, wo er für immer der Welt entsagte, die ihn vormals so enge umstrickt hielt, ohne ihn befriedigen oder beglücken zu können Wir hatten die Freude, der so ergreifenden Feier der Profession beizuwohnen. Sie fand am 7. Oct> 1850 statt. Schon mit dem frühesten Morgen war die Capelle mit 4t5 Landleuten und Damen angefüllt, die auö der ganzen Gegend, von Bordeaux und sogar von Paris, herbeiströmten. Der Altar war mit Blumen geziert und schimmerte im Lichte zahlloser Kerzen. In ernsten, ergreifenden Tacten ertönte aus dem Ehore der angemessene Psalmengesang. Ms der kanonische Gottesdienst beendigt war, trat auö dem Chöre ein ehrwürdiger Greis, der Pater Prior; ihm folgten in feierlichen Schritten die andern Väter und Brüder, die sich in einem Halbkreise um den Hochaltar stellten. Der Prior bestieg eine neben dem der heiligen Theresia geweihten Seitenaltare errichtete Bühne. Kaum hatte er sich auf seinen Sitz nicLergelassen, als ein junger Mönch, von dem Novizenmeister geführt, zu ihm hinlrat, — eS war Hermann. Sein ganzes Wesen >var sanft, ruhig und bescheiden. Er kniete vor dem Greise nieder, küßte schüchtern den Saum seines Gewandes, beugte sein Haupt und aittwortete in lateinischer Sprache ans die Fragen, die man an ihn richtete. Ein junger Priester aus der Diöcese Agen hielt dann eine eindringliche Rede an die tief bewegte Versammlung. Nachdem der Novize seine stierlichen Gelübde öffentlich abgelegt und die Einkleidung vollzogen war, warf er sich vor dem Altare nieder und betete langsam, mit gedämpfter Stimme, das Te Deum ab. Als er sich wieder von der Erde erhob, umgab man sein Haupt mit einem leichten, von weißen Blüthen durchwebten Myrihenk^anz. Unter dem Absingen des schönen Psalmen: „Leeo