Dreizehnter Jahrgang. Sonntags⸗Beiblatt zur Augsburger Poſtzeitung. 2. Januar Nʳ· 1. 1853. Dieſes Blatt erſcheint regelmäßig alle Sonntage. Der halbjährige Abonnementspreis 40 fr., wofür es durch alle königl. bayer. Poſtämter uund alle Buchhandlungen bezogen werden kann. Leonhard Mayhr. Wenn überhaupt der Menſch gerne bei den Denkmälern der Vorzeit, die ihm die Großthaten edler Männer verkünden, ſich aufhält, und wehmüthig die dahingegangene Kraft und Größe bewundert, ſo muß es ihm auch willkommen ſeyn, einen ſeiner Vorfahren in Erinnerung gebracht zu ſehen, der ſich ſo eifrig beſtrebte, Heil und Segen auf ſeine Mitmenſchen zu verbreiten, nicht achtend die Erkenntlichkeit derſelben, und gerne im Geiſte des Chriſtenthums durch Tugend und Verdienſte ſo vieles Gute ſtiftete. Ein ſolcher Mann verdient näher gekannt und ſein Name in die Gedächtnißtafeln des Landes, dem er angehörte, verzeichnet zu werden. Leonhard Mayr, Dekan der Kapitei Neuburg und Burgheim, Stadipfarrer zu St. Peter in Neuburg a. d. D., iſt ſolcher Auszeichnung würdig. Ich bin zwar nicht im Stande, eine vollſtändige Lebensbeſchreibung dieſes ausgezeichneten Seelſorgers, aus Mangel an Daten hierüber, liefern zu können, aber doch geben folgende Beiträge uns ein deutliches Bild ſeiner Charakteriſtik und ſeines eifrigen Wirkens Leonhard Mayr war der Sohn rechtſchaffener katholiſcher Landleute, die zu Treidelheim, einer Filiale der Pfarrei Mauren im Kapitel Burgheim anſäßig waren. Bei Einführung des Proteſtantismus in der Neuburger Pfalz 1543 begaben ſich ſeine Eltern, um nicht zu dieſer Religion übertreten zu müſſen, nach Augsburg, woſelbſt Leonhard Mayr geboren worden ſeyn ſoll.*) Daſelbſt ſowohl als in Dilingen vollendete er ſeine Studien und erhielt im letztern Orte eine Anſtellung. In dem erſten Jahre der Wiedereinführung der katholiſchen Religion im Herzogthume Pfalz-Neuburg im Jahre 1617 befand ſich der Herzog Wolfgang Wilhelm nebſt ſeiner frommen Gemahlin Magdalena bei der Einweihung der kademiſchen Kirche in Dilingen.**) Hier lernte er unſern Leonhard Mayr, der ihm bereits empfohlen war, kennen und gab ſich ſogleich alle Mühe, dieſen würdigen Mann für ſeine neu errichtete katholifche Stadtpfarrei zu Unſer Lieben Frau zu gewinnen. Gerne willigte Mayr in dieſes Geſuch ein und begab ſich nach Neuburg. Als aber daſelbſt der Thurm der genannten Kirche unverſehens eingeſtürzt war, ſo wurden die pfarrlichen Gottesdienſte in die heil, Geiſtkirche verlegt, woſelbſt ſie blieben und daher dieſe Kirche zu einer Pfarrkirche erhoben wurde, deren erſter Pfarrer hiemit Leonhard Mayr war. Jedoch ihm ward ein noch größerer Wirkungskreis beſchieden. Der ebenfalls von Dilingen her berufene Stadtpfarrer zu St. Peter, Dr. Michael Haidlberger, kehrte zu ſeiner Profeſſur nach Dilingen zurück und ſo verſah Mayr beide Pfarreien der Stadt ohne einen Caplan ein ganzes Jahr lang, bis zum Jahr 1619, wo Caspar Eberlein, ein *) Nach Andern zu Hochaltingen im Ries. **) Siehe die Biographie „Magdalena, Herzogin von Bayern.“ Augsburg, B. Schmid'ſche Buchhandlung(F. C. Kremer). 1851. 2 geborner Neuburger, deſſen Primiz in ſeiner Vaterſtadt ſeit 70 Jahren wieder die erſte war, als Stadtpfarrer zum heil. Geiſt ernannt wurde Leonhard Mayr wurde nun Stadtpfarrer zu St. Peter und verwaltete dieſes Amt, ſo wie die Stelle eines Dekans der Kapitel Neuburg und Burgheim, volle 47 Jahre mit apoſtoliſchem Eifer. Er war in jenen Zeitläuften, die über dieſe Kapitel hereinbrachen, die Stütze der keimenden Pflanze der katholiſchen Kirche in dieſer Gegend und ſorgte mit väterlicher Liebe für ihr Gedeihen. Nicht gering waren die Schwierigkeiten, die er zu bekämpfen hatte. Die eben damals noch herrſchende Lehre Luthers, der Streit mit den Prädikanten, die unermüdet auf die katholiſche Religion und deren Diener ſchmähten, die ſchrecklichen Scenen des dreißigjährigen Krieges, der auch hier ſeinen Schauplatz hatte, Hunger und Seuchen, waren eben ſo viele Dornen ſeiner mühevollen Laufbahn, als ſie ihm Gelegenheit gaben, ſeinen Eifer und ſeine Standhaftigkeit im vollſten Maaße zu zeigen. Aber ſtark im Geiſte und ſtandhaften Muthes wandelte nicht nur ſelbſt auf dieſer Bahn, indem er ſich mit Feuereifer allen Zweigen der Seelſorge im Beichtſtuhle, am Krankenbette und auf der Kanzel, wo er durch ſeine prunkloſe, aber die Herzen mächtig anſprechende Beredſamkeit ſich auszeichnete, widmete, ſondern auch noch ſeine Amtsbrüder ſtärkte. Es war nämlich im Frühlings-Kapitel des Jahres 1623, am 15. April, als die Mehrzahl ſeiner Amtsgenoſſen auf dem Lande ſich erklärten, wegen Zwiſtigkeiten und Zwietracht mit ihren Gemeinden, wegen zu geringen Einkünſten und Aenderung der Münze, ihre Stellung verlaſſen zu wollen und fortzuziehen. Dekan Mayr hielt eine Rede von der Geduld, bat ſie mit Thränen von dieſem Entſchluſſe abzuſtehen, ermunterte ſie zur Ausdauer und verſprach ihnen, ihre Klagen dem Herzoge in einer Vorſtellung zu überreichen. Gerührt durch vieſe Lebe und apoſtoliſchen Eifer, gelobten ſämmtliche Geiſtliche ſtandhaft auszuharren, und ſo war er der Hirt ſeiner Gemeinde, auch hier das Beiſpiel der übrigen Hirten und beſaß die Liebe und das Vertrauen feiner Kapitularen bis zu ſeinem Tode im vollſten Maaße. Neben der gewiſſenhafteſten Erfüllung ſeiner Berufspflichten beſtrebte er ſich auch vorzüglich, die waährend der Reformations⸗ und Kriegszeiten in Verfall gerathenen Kirchen wieder empor zu bringen und zu verhertlichen, wozu er alles verwendele, wäs er von ſeinem pfarrlichen Einkommen, das damals noch ſehr unbedeutend war, erübrigte. So ſtellte er die ihres Daches beraubte und dem völligen Untergange nahende St. Andreaskapelle wieder her, der eingefallene Thurm ſeiner Pfarrkirche wurde größtentheils auf ſeine Koſten, ſo wie wir ihn gegenwärtig ſehen, aufgeführt, und bei dem Baue der St. Martinskapelle in Neuburg arbeitete er ſelbſt eigenhändig mit. Als 1632 das Kirchlein des heil. Veit in Treidelheim von den Schweden gaͤnzlich verwüſtet, das Zimmerholz herausgeſchlagen und verbrannt wurde, ja ſogar zur Zeit des Proteſtantismus ſchon zu einem Wohnhauſe mit zwei Wohnungen umgewandelt worden war, ſo nahm ſich auch hier Leonhard Mahyr dieſer Kirche an; ſobald es die Zeit geſtattete, entſchloß er ſich zur Erbauung derſelben, nachdem bereits der Dekan Georg Wagner zu Renardshofen dieſelbe ſammt dem Platze, Garten und Zugehör um 32 fl gekauft hatte; aber an der Ausführung des guten Werkes der Auferbauung durch ſeinen Tod am Montag nach Quinquageſtma 1639 verhindert wurde Zur Beſtreitung der erforderlichen Baukoſten hiezu verkaufte Mayr am 2. Dezember 1689 den hiezu gehörigen Garten an Peter Utz um 30 fl., verwendete den halben Theil zum Baue, gab den andern halben Theil dem Meßner, ber zehn Jahre unentgeldlich gedient hatte, und gab überdieß noch 120 fl. zur Erbauung des Kirchleins her, wie dieß eine von Dekan Mayr ſelbſt geſchriebene Erzählung nebſt Kaufbrief darthut. Eben ſo ließ er im Jahre 1688 Golt und ſeinem hochgeehrten Patron zu Ehren den Chor des Kirchleins zu Leisacker, einer Filiale der Pfarrei Bittenbrunn, um die Summe von 100 fl. von Neuem erbauen.*) Er hielt ſich ein eigenes Tagebuch, das noch Siehe Dekanatsbuch des Capitels Burgheim 1798 gütigſt mitgetheilt von Herrn Dekan Anton Paula. 3 vorhanden ist und worin er nicht nur eine genaue Aufzählung der merkwürdigen Ereignisse der Stadt, sondern auch seiner Pfarrei, alle derselben gemachten Vermächt« nisse, gestifteten Jahrtäge ,c. verzeichnete. Einen glänzenden Beweis seines hellen Verstandes und seiner Nächstenliebe gab er dadurch, daß er eS wagte, laut gegen die unmenschlichen gräuelhaften Herenpro- cesse, wie sie damals Sitte waren, seine Stimme zu erheben, um diese Unglücklichen zu retten, und schon dadurch allein steht er als Heller Glanzpunct in der Nacht da und verdient der Nachkommen Hochachtung. Er bot, um diesen Unmenschlichkeiten ein Ende zu machen, Alles auf und verfaßte zwei Schriften hierüber, welche den Titel führen: „Bedenken welche Leonhard Mayr Pfarrer zu St. Peter wegen Görg Müllers extrs juäioilll revoostione.? gethan und darin fürS Andere, als er sonstcn sogar diese Sach durch viele Kalumnien an Ihre fürstl. Durchl. gebracht, seyn diese zwei Bedenken verfaßt worden." Am Schlüsse einer VisitationS-Relation vom Jahre 1630 beklagt er dieß mit folgenden Worten: „?roFi-7, SIIV ZZN'-ld > «ZUM MÄ .YKN ,Hi. t>> Ob? Mu > szp^ep >NNNNI>N?<.'U»II Paris. Paris, im November. Die Kirche der Deutsche» bot dem christlichen Herzen vom 13. bis 15. d. M. ein wahrhast rührendes Schauspiel dar. Zum ersten Mal ward ihr die Gunst, an der ewigen Anbetung, die in Paris eingeführt ist, Theil zu nehmen. Die Deutschen wußten diese Gnade zu würdigen; von fünf Uhr früh bis neun Uhr Abends umknicken sie in großen Schaaren den reichgeschmückten Altar, und beteten laut den Rosenkranz, oder sangen Lieder zu Ehren deS allerheilig- sten SacramemeS. Bei ihrem heiligen Eifer im Empfang der heiligen Sacramente glaubte man sich in eine jener Pfarreien deS katholischen Deutschlands versetzt, wo noch der Glaube seine ganze Macht ausübt. Die Franzosen waren tief bewegt bei diesem Anblick. Einer der Herren Gencralvicare hielt das Hochamt; die ehrwürdigen Dominicaner haben täglich Nachmittags um drei Uhr franzosisch gepredigt; um acht Uhr Abends war die deutsche Predigt. — Diese Andacht wurde von dem hochwürdigsten Erzbischof von Paris, Sibour, mit einem feierlichen Segen geschlossen. Seine erzbischöfliche Gnaden ließen sich durch die späte Abendstunde, das stürmische Wetter und die weite Entfernung nicht ablialten, der ärmsten Kirche und der ärmsten Bevölkerung seiner Diöcese einen Beweis seiner Liebe zu geben. Eine Deputation erwartete den Prälaten mit brennenden Kerzen und geleitete ihn zur Kirche, die buchstäblich mit Gläubigen angefüllt war, uud von der Tausende aus Mangel an Platz ausgeschlossen blieben. Der Erzbischof richtete an diese so außergewöhnliche und aller Be' achtung würdige Versammlung Worte, wie sie nur auS dem Vaterherzen kommen können. Er sprach etwa Folgendes: „Meine vielgeliebten Brüder! Ich bin gekommen, um mit euch den im heiligsten Sacramente verborgenen Gott anzubeten, und nm die Lehren zu vernehmen, die er uns ertheilt. Ich bin gekommen, um seine Liebe, seine Demuth, seinen Gehorsam, seine Geduld zu bewundern. Nicht zufrieden, das Opfer für uns am Kreuze gewesen zu seyn, wollte er uns noch sein Fleisch und Blut zur Speise und zum Trank geben, nnd darum mußte er nicht nur seine Gottheit, sondern selbst die Glorie seiner Auferstehung unter den Gestalten von Brod und Wein verbergen .... Meine geliebten Brüder! Welch' Beispiel der Demuth, deS Gehorsams für unS; — wie lehrt er unS, die Güter dieser Welt zu verachten, — aber vor Allem, welche Geduld zeigt er auf unsern Altären. Denn wie viele Sakrilegien werden nicht begangen, welche Lästerungen stößt man nicht gegen ihn aus, und Er, der Flammen auS seinem Tabernackel hervorbrechen lassen könnte, erträgt AlleS mit Geduld, um unS zu lehren, daß wir hienieden sind, um zu leiden, und nicht um unS zu rächen! — Meine vielgeliebten Brüder! ES ist mir ein großer Trost, mich in eurer Mitte zu befinden. Schon längst kannte ich den Glauben deS deutschen Volkes; ich wußte, daß die christliche Frömmigkeit die Herzen der Katholiken eures Landes belebt; ich bin jüngst selbst Zeuge davon gewesen. Ich habe die vorzüglichsten Städte Deutschlands besucht, und bitt überall von dem Glauben und der Frömmigkeit ihrer katholischen Bewohner tief gerührt worden. Sittlichkeit und Civilisation stehen bei ihnen auf hoher Stufe, und ich schreibe dieß dem Einflüsse der heiligen Eucharistie zu. Sie ist ja die Sonne unserer Seelen, nehmet die Sonne auS der Natur und ihr habet nur Finsterniß, eisige Kälte und Tod .... nehmet die heilige Eucharistie hinweg, und unsere Seele verliert Licht, Kraft und Lebe». „Ich bin der Weg, die Wahrheit und daS Leben." Bleibet auch ihr dem Glauben treu, den ihr aus eurem Vaterlande hierher gebracht; lebet nach eurem Glauben und seyd auf eurer Hut vor den Schlingen, die euch ringS umgeben. Ich werde jetzt, während des heiligen Segens, für euch beten, meine geliebten Brüder; aber nicht nur für euch, — auch für das ganze Deutschland, — es ist dieß eine Pflicht der Dankbarkeit, für die Gastfreundlichkeit, mit welcher eS mich aufgenommen. Damit ist aber meine Schuld noch nicht abgetragen. Ich werde auch für eure Brüder beten, die noch außerhalb der Kirche; ich werde, den Herrn beschwören, daß endlich die Schranken sallen, die zwischen unS aufgerichtet sind, auf daß werde Ein Hirt und Eine Heerde." Die Anrede des hochwürdigsten ErzbischofeS wurde mit der gespanntesten Auf- »miksamkeit gehört; und obgleich die Mehrzahl der Anwesenden der französischen Sprache noch nicht kundig, drang doch der väterliche Ton, die sichtbare Ergriffenheit des hohen Redners zu den Herzen. Das deutsche Segenlied und „Großer Gott, wir loben dich," wurde sodann tausendstimmig gesungen. — Der Herr Erzbischof wurde hierauf mit brennenden Kerzen zum Wagen geleitet und bei seiner Abfahrt mit einem dreifachen donnernden „Lebehoch" begrüßt. Die Menschen zerstreuten sich, ganz beglückt von diesem Feste, und nur traurig darüber, daß die Kirche so klein für die Zcchl derer, die sie suchen. (Schles. Kirchenbl.) Redemptoristenmiffion im Wiener Arbeitshause. Wien, 18. Dec. Vorigen Mittwoch war der Schluß der Mission in dem hiesigen ArbeitShause auf der Leimgrube, durch die PatreS Redemptoristen gehalten. Dieselbe ist dem hellen Blick unseres MilitärgouverneurS, veS Herrn FML. von Kempen, und der christlichen Thatkräftigkeit unseres StadthauptmannS, Herrn von Weiß, zu verdanken. Sie haben die Nothwendigkeit, die Ersprießlichkeit einer besondern geistlichen Einwirkung auf so viele Verblendete, Verirrte, Verkommene durchschaut, dafür sich verwendet, und willfährig haben, wie überall, die ehrwürdigen Väter dieser Mühe sich unterzogen, mit jener zweckmäßigen Anordnung, jenem unermüdlichen Eifer, wofür ihnen der Haß aller Zerfahrenen und Verflachten den RuhmeSkranz um das Haupt windet. Von andern Theilnehmern konnte der enge Raum bloß eine kleine Anzahl fassen; ihre Zahl war aber jederzeit so groß, als dieser nur immer zuließ. Wem eS vergönnt war, in den Saal einzutreten, hat denselben erbaut und gestärkt verlassen. Am Ansang erwicö nur eine kleine Zahl der Eingesperrten von den Predigten sich bewegt, bald aber wurden die unfreiwilligen Bewohner des HauseS immer mehr ergriffen, alle, bis auf sehr wenige, fanden zum Beichtstuhl und zu der heiligen Communion sich ein und bewährten durch ihr ganzes Benehmen, daß sie die christliche Liebe dieser Männer, die bloß um Gottes nullen ihrer, als Verlassener und von der Welt Verachteter, sich annahmen, in dieser Absicht sie aufsuchten und alle Stunden des TageS, alle ihre Kräfte ihnen widmeten, zu würdigen wußten. Am Schlußabend war die improvisirte, lieblich geschmückte Capelle des SaaleS, in welchem die Mission stattfand, aufs Glänzendste erleuchtet; der hochwürdige Herr Domdechant, welcher mit dem allerheiligsten Sacrament den Segen geben sollte, zog unter Begleitung der anwesenden Honoratioren processionaliter in dieselbe ein ^worauf der Superior der Mission, der hochwürdige Herr P. Wolmann, die Schlußpredigt hielt. Sie war einfach, passend, allverstänblich, ergreifend. Er ermähnte seine Zuhörerschaft, die gewonnenen Eindrücke zu festige.» durch tägliches Gebet, öfter» Empfang der heiligen Sacramente, ernstes Vermeiden jeder neuen Gelegenheit zum Rückfall. Rührend war eö, wie er am Schlüsse diese zeitweilig Pflegbesohlenen um 8 Verzeihung bat, wenn seine MissionSgefährten je den einen oder andern von ihnen sollten gekränkt haben, wäre doch nie gegen die Personen, nur gegen die Sünde ihr Ernst gerichtet. Für die Wenigen, welche daS Wort des Lebens von sich gewiesen, gleichwie für die Missionäre und deren Wirken im Dienste GotteS und der Menschen, forderte er sie auf, zu beten. Nachdem er noch die Bewohner des HauseS der Hirtenpflege und der Hirtentreue ihres Seelsorgers warm empfohlen, segnete er ihrer Aller Wollen und Thun für die Gegenwart und für die Zukunft mit dem Bilde deS Gekreuzigten, auf welches sie zu Trost und Stärkung fortan ihre Blicke richten sollten. Darauf wurde der ambrosianische Lobgesang angestimmt, aus vollen Kehlen gesungen, sodann der Segen gegeben. Den Dankesworten des Herrn Seelsorgers des HauseS folgte die Dankesrede, welche ein zeitweiliger Bewohner deS StrafhauseS vortrug. Möchte doch der blasirte Weltling, welcher die Achsel zuckt, so bald von Missionen und Missionären die Rede ist, die Frage sich stellen: welchen Lohn, welchen Gewinn an Ansehen, Reichthum, Bequemlichkeit, Gellung vor der Welt haben diese Männer dafür, daß sie durch acht volle Tage mit Sträflingen gleichsam sich einsperren lassen, vom frühen Morgen bis in den späten Abend, alle ihre Zeit und alle ihre Geisteskräfte ihnen widmen, jetzt in Predigten, dann in der ungleich mühevollern und anstrengendern Arbeit deS BeichthorenS und vermuthlich solcher Beichten, die ungleich schwerer zu behandeln sind, als diejenigen eineS Christen, der vielleicht alle Monate in dem Beichtstuhl erscheint? Kann hier ein anderer Beweggrund obwalten, als daS warme Verlangen, in deS guten Hirten Fußstapfen zu treten? Die böse Welt spricht sogar davon, daß die guten Väter die Erlaubniß, ihren-uneigennützigen Eifer in dem StrafhauS anwenden zu dürfen, hätten bezahlen müssen, indem jedem derselben eine JuriSdictionstare von dreißig Kreuzern sey auferlegt worden. Dieses alberne Mährchen ist ein neuer Beweis, wie in unsern Tagen der üble Wille darauf ausgeht, selbst dem Reinsten und Edelsten, sobald eS an die Kirche sich anknüpft, etwas anzuhängen. Denn wo in der Welt käme es vor, daß gute Werke, bei denen der Mensch gleichsam sich selbst zum Opfer darbringt, mit einer Tare belegt würden? Demgemäß hätte auch unser Herr, als er aus Erbarmen, wie der Evangelist sagt, die 50dl) Menschen wunderbar speiste, für dieselben die VerzehrungS- steuer, hätte eine solche damals bestanden, entrichten müssen. (D. Volköh,) Der Berein der heiligen Kindheit. In Aachen, Mainz, München und Wien bestehen Centralräthe deS Vereines der heiligen Kindheit, und des letztern Präsident ist der hochwürdigste Fürst-Primas von Ungarn. AIS Zeichen besondern Wohlwollens hat deS Kaisers Franz Joseph jüngster Bruder, Erzherzog Ludwig, daS Ehrenpräsidium angenommen. Nach dem letzlen Rechnungsausweis deS Vereines betrugen die Einnahmen vom 1. Mai 1851 bis 1. Mai 1852 e. 400,000 Fr., obwohl von allen Seiten die angekündigten Beiträge noch nicht eingegangen waren. Fast ganz Europa und Amerika, Klein-Asten, Persten, Ostindien, Aegypten und Algier, die Insel St. Moriz und die SandwichS« Inseln haben zu dieser Summe beigesteuert. Die Ausgaben betragen über 378,000 Fr., wovon 300,000 Fr. den Missw!^u von China, Cochinchina, Tongking, Siam und Mayssur angewiesen wurden. Nach Angabe deS Pariser CentralratheS sind im Jahre 1850 20,000 Heidenkinder in Todesgefahr getauft worden (darunter 10,000 allein in dem apostolischen Vicariat von Sutschuen); die meisten sind bald nach der Taufe in die ewige Herrlichkeit eingegangen, um am Throne deS Allerhöchsten ihren Wohl« thätern und dem Vereine der heil. Kindheit Glück und Segen zu erflehen. (Sion.) Veraulw örtlicher Redacteur: L. Schönchen, VerlagS-Jnhaber: F. E. Kremer.